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Warum gibt es so viele Glücksratgeber? Warum wünschen wir uns gegenseitig "Viel Glück!" in allen Lebenslagen? Es drängt sich die Vermutung auf, dass der Mensch das Glück zum Leben benötigt, genauso wie sein "tägliches Brot". Das meint Manfred Gutz, promovierter Naturwissenschaftler, Philosoph und und Pädagoge. Zur Begründung seiner Meinung beschäftigt sich der Autor mit den Themen Liebe und Schönheit, Technik und Luxus sowie Religion und Drogen und stellt Zusammenhänge her mit dem Phänomen "Glück" und dem Sinn des menschlichen Lebens.
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Seitenzahl: 92
Veröffentlichungsjahr: 2020
Für Uschi und Alex
„Menschliches Glück
stammt nicht so sehr aus großen Glücksfällen,
die sich selten ereignen,
als vielmehr aus kleinen glücklichen Umständen,
die jeden Tag vorkommen.“
Benjamin Franklin (1706 - 1790)
amerikanischer Erfinder und Staatsmann
geboren 1940 in Bremerhaven, Studium der Biologie, Chemie und Physik sowie der Pädagogik, Philosophie und Mediation. Studiendirektor am Gymnasium und Lehrbeauftragter für die „Didaktik des Chemieunterrichts“ an der Technischen Universität Kaiserslautern.
Ausgezeichnet mit dem „Prix des Éditeurs Français“ (Saarbrücken), dem „Cornelsen Förderpreis für das Fach Chemie“ (Berlin) und dem „Karl Heinz Beckurts-Preis für Lehrer des mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts“ (München).
Weitere Bücher des Autors: „Meine Welt-Erklärung auf dem Bierdeckel – Teacher‘s Cut“, „The Human Brain – Boon or Bane?“
www.glueck-gutz.de
Vorwort
Glück – ein Trick der Natur
Kapitel 1
Das Glück, einen Menschen zu lieben
Über die biologischen Wurzeln der menschlichen Liebe
Kapitel 2
Schön, wahr und gut
Ein Dreiklang, der Glück verspricht
Kapitel 3
Die wunderbare Welt der Technik
Über die „Kinder“ von Hand und Hirn
Kapitel 4
Glauben ist „Glückssache“
Warum wir glauben müssen
Kapitel 5
Zum Glück verführt
Vom „Glücksdoping“ zur Sucht
Kapitel 6
Vom Greifen zum Begreifen
Wie Glück und Unglück in die Welt kamen
Kapitel 7
Der Mensch – ein glückliches „Werkzeug“?
Über die Rolle des Menschen in der Natur
Nachwort
Menschsein – glücklich sein!
Was wäre die Welt des Menschen ohne Liebe und ohne Schönheit, ohne hilfreiche Technik und ohne den uns verwöhnenden Luxus, ohne Glauben und Hoffen und ohne das Bemühen, dem Leben einen Sinn zu geben? Diese Welt wäre freudlos und trostlos, reizlos und sinnlos – weil „Glück-los“!
Auf alle diese schönen Dinge des Lebens möchten wir Menschen nicht verzichten, weil sie Glück versprechen, jenes Hochgefühl, das unsere Welt lebensfreundlich und uns selbst lebensfroh und lebensmutig macht.
Das Glück ist ein Gefühlserlebnis, typisch für den Menschen. Keinem anderen Lebewesen ist es vergönnt, dieses wunderbare Gefühl in so vielfältiger Weise und unterschiedlicher Intensität zu erleben: als Zufriedenheit oder als Glückseligkeit, als glücklichen Umstand oder berauschenden Kick! Nur der Mensch kann Glück empfinden, wenn zum Beispiel ein lang gehegter Wunsch endlich in Erfüllung geht oder wenn es in einer Liebesgeschichte trotz vieler Hindernisse doch noch zu einem Happy End kommt.
Der Mensch kann das Glück durch Teilnahme an Glücksspielen und Abschließen von Wetten sogar herausfordern, aber Vorsicht: „Glücksspiel kann süchtig machen!“
Nicht umsonst wünschen wir uns gegenseitig Glück in allen Lebenssituationen und allen Lebenslagen und nicht ohne Grund wurde neben dem Recht auf Leben und Freiheit das Recht auf „Streben nach Glückseligkeit“ („Pursuit of Happiness“) in die Amerikanische Unabhängigkeitserklärung von 1776 aufgenommen.
Man kann den Menschen deshalb definieren als das Wesen mit dem Bestreben und dem Potenzial, glücklich zu sein.
Die Quelle des menschlichen Glücks ist sein gut ausgebildetes Bewusstsein (siehe Kapitel 6). Es ist gekennzeichnet durch die Fähigkeit, sich selbst gleichzeitig als Subjekt und Objekt des Handels zu begreifen, als Beglückender und als Beglückter, auch als Denkender und als Gegenstand seines (Nach)Denkens. Deswegen auch konnte Descartes die Aussage „Cogito, ergo sum!“ („Ich denke, also bin ich!“) zu einer tragfähigen Basis seines philosophischen Gedankengebäudes machen.
Unser gut ausgebildetes Bewusstsein versetzt den (nach)denkenden Menschen in die Lage, den „blinden Drang der Natur“ immer besser zu durchschauen. Es hilft ihm, immer mehr Rätsel der Natur zu entschlüsseln und auch dem Sinn des Lebens auf die Spur zu kommen. Diese führt uns zu der Erkenntnis, dass die Natur dem Menschen eine sehr anspruchsvolle Rolle zugedacht hat. Nur so viel vorweg: Der Mensch agiert tatsächlich als „Krone der Schöpfung“ – nicht nur im biblischen, sondern auch im naturwissenschaftlichen Sinn: Er steht im Dienst eines universalen Naturgesetzes, der Entropie-Maximierung, das heißt, der Vermehrung der Unordnung und der Steigerung der Wärmeproduktion in der Welt (2. Hauptsatz der Wärmelehre, siehe Kapitel 7). Auf unser Planetensystem bezogen, geht es um den schnellen Abbau des Energiegefälles „heiße Sonne – kalte Erde“ in Richtung eines ausgeglichenen „(Wärme-)Lau“. Auch darin ist der Mensch „Spitze“. Die Meeresströme und Windgürtel unserer Erde sind daran beteiligt, genauso wie die Pflanzen und Tiere. Der Mensch aber, dank seiner Energie verschlingenden Kultur, ist das aktuell beste „Werkzeug“ dieses Entropie-Strebens.
Das (Über)Leben des Menschen hat jedoch seinen Preis (siehe Psalm-Zitat, Seite 97): Es ist stets mit Arbeit und oft auch mit großen Mühen, Risiken und Gefahren verbunden. Damit der Mensch ein solches Leben akzeptiert, nicht resigniert oder gar durch Begehen von Selbstmord kapituliert, bedient sich die Natur eines Tricks: Sie belohnt ihn für seine gute „Arbeit“ als „Energie-Verbraucher“ mit dem Erleben von Glück – meist dem kleinen, selten dem ganz großen Glück!
Glück ist also im Prinzip nur ein Mittel zum Zweck: Es soll sicherstellen, dass der Mensch sein Werkzeug-Dasein als angenehm und lebenswert empfindet.
Ist das Glück tatsächlich nur ein Trick der Natur, auf den wir Menschen nur allzu gern, dankbar und sogar bewusst hereinfallen? Dienen die vielen Glücksversprechen, mit denen die Natur uns lockt, allein dem Zweck, dem Leben treu zu bleiben?
Die Beschäftigung zum Beispiel mit den Themen Liebe und Schönheit, Technik und Luxus, Religion und Drogen kann uns dazu wichtige Hinweise liefern (Kapitel 1 bis 5).
Die beiden nachfolgenden Kapitel (6 und 7) sollen naturwissenschaftliches Hintergrundwissen vermitteln. In ihnen wird – stets leicht verständlich – erklärt, wie das Bewusstsein und das Glück in die Welt kamen und was es mit dem „Entropie-Gesetz“ auf sich hat. Beide Kapitel können, wenn gewünscht, auch vorweg gelesen werden.
Ein erstes Fazit:
Die „Milch von glücklichen Kühen“, es gibt sie nicht! Kühe können nicht glücklich sein, weil ihnen die Quelle des Glücks, ein gut ausgebildetes Bewusstsein, fehlt. Von glücklichen Kühen zu sprechen, ist deshalb ein Anthropomorphismus. Außerdem besteht für Kühe, wie für Pflanzen und alle vom Instinkt geleiteten Tiere, nicht die Notwendigkeit, Glücksgefühle zu erleben.
Ganz anders beim Menschen: Unser Bewusstsein führt uns zu der Erkenntnis, dass unser „Mensch-Sein“ einem mühevollen „Werkzeug-Dasein“ gleichkommt; dass wir, wie übrigens die Kühe auch, im Dienst einer universalen Gesetzmäßigkeit, des „Entropie-Gesetzes“, stehen. Es befiehlt uns, die Unordnung zu vermehren und die Wärmeproduktion zu steigern. Aufgrund dieser deprimierenden Erkenntnis – Kühen ist sie nicht zugänglich, nicht „bewusst“ – benötigt der Mensch das Glück zum Leben genauso wie sein „tägliches Brot“. Die folgenden Kapitel sollen dies veranschaulichen.
„Glück ist Liebe, nichts anderes. Wer lieben kann, ist glücklich.“
Hermann Hesse (1877 – 1962), deutscher Dichter
Können Sie sich eine Welt ohne Liebe vorstellen, ohne die „erste große Liebe“, ohne Liebesfreud und Liebesleid, ohne Liebeslieder, Liebesromane, Liebesfilme, kurz gesagt, ohne Liebesglück – erlebt oder erträumt? Eine rhetorische Frage!
Wem verdanken wir diese „Liebe“? Auch sie ist ein Produkt der Evolution, jener durch die Naturgesetze gebändigten Phantasie der Natur. Sie vermag uns den Himmel auf Erden zu schenken.
Der Kopf macht den Unterschied
„Willst den Menschen du verstehen, musst du zu den Affen gehen!“
Dieser Ratschlag ist in mehrfacher Hinsicht hilfreich: Zunächst einmal können wir uns bei einem Zoobesuch selbst davon überzeugen, dass wir mit unseren nächsten Verwandten, den Schimpansen, wie die Wissenschaftler behaupten, tatsächlich 98,4 Prozent des Erbguts gemeinsam haben. Die große Ähnlichkeit in Aussehen und Verhalten und den nur geringen Unterschied im Erbgut nehmen Bestseller-Autoren zum Anlass, den Menschen als „nackten Affen“ (Desmond Morris) oder „dritten Schimpansen“ (Jared Diamond) zu charakterisieren.
Auf den zweiten Blick wird allerdings deutlich und einsichtig, dass der Mensch eben doch kein Affe ist: Schimpansen mögen die besseren Turner und Grimassenschneider sein, aber sie können zum Beispiel keine Liebesbriefe schreiben, keine Gebete sprechen und keine Artgenossen in den Weltraum schießen. Die dafür notwendigen einhundert Milliarden Nervenzellen und die sie einbettenden und unterstützenden eine Billionen Gliazellen passen nicht in ihren Kopf, dafür ist er zu klein! Der kleine Kopf aber ist von Vorteil bei der Geburt: Die Affenmutter bringt kurz und schmerzlos ein bereits selbstständig lebensfähiges Affenkind zur Welt. Anders beim Menschen: „Du sollst mit Schmerzen Kinder gebären“, lässt Gott dem „sündigen Weib“ durch Moses ausrichten. Es ist der große Kopf des Kindes mit der „Hardware“ für ein ausgeprägtes Bewusstsein, der der Menschenmutter bei der Geburt Probleme bereitet. Der Mensch muss frühzeitig – noch unvollkommen an Kopf und Körper – den Mutterleib verlassen. Das Menschenjunge hätte sonst auf Grund der Enge des Geburtskanals keine Chance, jemals das Licht der Welt zu erblicken. Wie nun überlebt diese hilflose „physiologische Frühgeburt“? Die Natur sorgte vor. Sie erfand die Liebe!
Die Liebe – ein Trick der Natur
Man stelle sich vor, der Menschenfrau würde wie beim Schimpansenweibchen zur Zeit des Eisprungs ein dickes rotes Hinterteil wachsen. Man stelle sich weiterhin vor, sie würde es als Symbol ihrer aktuellen Fruchtbarkeit jedem in Reichweite befindlichen Mann präsentieren, um sich dann von ihm und vielen anderen der Reihe nach rücklings begatten zu lassen – und das in aller Öffentlichkeit, ohne erkennbare Gefühlsregung, allenfalls begleitet von weiblichem Angstgeschrei und männlicher Drohgebärde, aber ohne Zärtlichkeit und Hingabe. Ein schreckliches Szenario, vollkommen untauglich für das erfolgreiche Aufziehen der fürsorgebedürftigen menschlichen „Frühgeburt“.
Eine neue Fortpflanzungsstrategie musste her: Die Promiskuität, der Sex mit wechselnden Partnern, wurde abgeschafft, das Signal einer aktuell vorliegenden Fruchtbarkeit unterdrückt – und die Liebe erfunden, jenes für den Menschen typische, glücklich machende Zusammengehörigkeitsgefühl, das nach körperlicher Nähe und lustvoll erlebbarer sexueller Vereinigung drängt. Sie führte zu einer dauerhaften Paarbindung zwischen Mann und Frau, ohne die keine Zeugung und in der Folge auch kein erfolgreiches Großziehen von Kindern möglich war; mit anderen Worten, es wurde der Grundstein für die Familie gelegt. Und die Liebe entpuppt sich dabei als ein Glück versprechender Trick der Natur, der das anspruchsvolle Auf- und Erziehen von Menschenkindern sichern soll. Damit verbunden ist auch das Glückserleben, das Eltern zuteil wird, wenn sie auf die Signale der Fürsorgebedürftigkeit des Kindes reagieren („Kindchenschema“, siehe Kapitel 2) und das Kind „liebevoll“ an ihr Herz drücken.
Für eine Optimierung des Fortpflanzungserfolgs sorgte zudem die „Erfindung“ des Klimakteriums, das heißt, die Verkürzung der Fruchtbarkeitsphase im relativ langen Leben der Frau: Unter den frühen Bedingungen des Menschseins, in der Phase des Jäger- und Sammlerdaseins, bedeutete jede Geburt eine große Gefahr für das Leben der Mutter und bei deren Tod auch für das Überleben der noch fürsorgebedürftigen anderen Kinder. Die Selektion förderte also ein vorzeitiges Ende der Fruchtbarkeit und damit auch die Möglichkeit, dass die Frau, von eigenen Mutterpflichten entbunden, der Tochtergeneration als Großmutter helfend zur Hand gehen konnte. Der Mann blieb ohne Klimakterium. Aber wie die Großmutter erlebt auch er als Großvater das große Glück, Enkel großziehen – und verwöhnen zu dürfen! Das Familienglück wäre damit perfekt. Leider sieht die Wirklichkeit heute etwas anders aus: Großfamilien sind zur Ausnahme geworden, obwohl, einer Umfrage zufolge, Kinder liebend gern mit Oma und Opa aufwachsen würden.
