Das glücklichste Baby der Welt - Schlafbuch - Harvey Karp - E-Book

Das glücklichste Baby der Welt - Schlafbuch E-Book

Harvey Karp

3,8
9,99 €

  • Herausgeber: Goldmann
  • Kategorie: Ratgeber
  • Sprache: Deutsch
  • Veröffentlichungsjahr: 2013
Beschreibung

Die magischen fünf Schritte zum Schlaf: Rettung für alle Eltern!

Ein Kind zu haben ist wunderschön, aber wenn es schlecht schläft, führt das die Eltern bald an den Rand ihrer Weisheit und Kraft. Der erfahrene Kinderarzt Dr. Harvey Karp verrät die richtigen Methoden, um sowohl Neugeborenen als auch Babys und Kleinkindern beim Einschlafen und Schlafen zu helfen. Ob mit den fünf magischen Schritten, Schlaftraining oder der Drei-Punkte-Routine: So findet die ganze Familie Schlaf und Erholung.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 440



Sammlungen



Buch

Ein Kind zu haben ist wunderschön, doch die knochentiefe Müdigkeit, die Eltern erleben, wenn ihr Kind schlecht schläft, ist nicht nur lästig, sondern führt sie oft an den Rande ihrer Kraft. Dr. Harvey Karp hat in seiner mehr als dreißigjährigen Praxis als Kinderarzt und Spezialist für Kinderentwicklung Lösungen für jede kindliche Schlafschwierigkeit gefunden, die einfach, praktisch und schnell umsetzbar sind. Er zeigt altersgerechte Ideen, um die meisten Schlafprobleme bei Kindern unter fünf Jahren entweder problemlos zu beseitigen oder gar nicht erst aufkommen zu lassen. Anhand von zahlreichen Fallbeispielen erläutert er sanfte Methoden, um unter anderem bereits in den ersten Lebenswochen den Nachtschlaf zu fördern oder um Trotzanfälle vor dem Zubettgehen zu vermeiden. Diese Techniken haben bereits Tausenden von Familien zu einer guten Nachtruhe verholfen.

Autor

Dr. Harvey Karp beschäftigt sich seit 30 Jahren als Kinderarzt und Experte für frühkindliche Entwicklung mit Babys und Kleinkindern. Er ist Assistenz-Professor für Kinderheilkunde an der UCLA School of Medicine und hat eine Praxis in Santa Monica. Karp lebt zusammen mit seiner Frau und seiner Tochter in Kalifornien.

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1. Auflage

Deutsche Erstausgabe Oktober 2013

Wilhelm Goldmann Verlag, München,

in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH

© 2013 der deutschsprachigen Ausgabe

Wilhelm Goldmann Verlag, München,

in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH,Neumarkter Str. 28, 81673 München.

© 2011 der Originalausgabe The Happiest Baby, Inc.

Originaltitel: The Happiest Baby Guide to Great Sleep

Originalverlag: Bantam Books, ein Imprint von The Random House

Publishing Group, ein Unternehmen von Random House, Inc.

Umschlaggestaltung: Uno Werbeagentur, München

Umschlagillustration: Plainpicture/PhotoAlto

Redaktion: Kerstin Uhl

Satz: Barbara Rabus

CB · Herstellung: IH

ISBN 978-3-641-10537-2V003

www.goldmann-verlag.de

Besuchen Sie den Goldmann Verlag im Netz

Den Millionen von Eltern gewidmet,

die auf etwas mehr Schlaf hoffen.

Ihr Ziel ist in Reichweite.

Inhalt

Einleitung

Eine wissenschaftliche Exkursion in den Schlafozean

Seliger Schlummer in den ersten drei Monaten

Optimale Voraussetzungen für guten Schlaf

So helfen Sie Ihrem Baby einzuschlafen

So schlafen Sie und Ihr Baby länger

Häufige Fragen zum Schlaf in dieser Zeit

Keine Schlafprobleme im vierten bis zwölften Monat

Ihr Baby nimmt Kontakt zu seiner Umwelt auf

So helfen Sie Ihrem Baby einzuschlafen

So helfen Sie Ihrem Baby, länger zu schlafen

Häufige Fragen zum Schlaf in dieser Zeit

Lösungen im Kleinkind- und Kindergartenalter

Willkommen im hektischen Leben kleiner Kinder

So helfen Sie Ihrem Kind, zur Ruhe zu kommen

So helfen Sie Ihrem Kind durchzuschlafen

Häufige Fragen zum Schlaf in dieser Zeit

Erfrischender Mittagsschlaf und Ausnahmesituationen

Mittagsschlafprobleme gar nicht erst aufkommen lassen

Warnsignale und Ausnahmesituationen

Dank

Anhang

Das Wach-Schlaf-Tagebuch Ihres Kindes

Beispielzeitpläne

Nützliche Adressen

Register

Einleitung

Solange Kinder klein sind, findet man keinen Schlaf.

Wenn sie groß sind, findet man keine Ruhe.

Alte Volksweisheit

Lässt Ihr Baby Sie vor Liebe dahinschmelzen, wenn Sie es in den Schlaf wiegen … treibt Sie aber für den Rest der Nacht schier in den Wahnsinn? Verwandelt sich Ihr Zuhause jeden Abend zur Schlafenszeit in eine Arena, weil Ihr Kleinkind wild um sich schlägt und »Nein, nein, nein!« schreit?

Mutter oder Vater zu sein ist wohl die schönste Erfahrung, die Sie je machen werden. Aber wenn Ihr Kind schlecht schläft, haben Sie gleich in doppelter Hinsicht Pech:

Erstens gibt es Ihnen das Gefühl, eine miserable Mutter (oder ein miserabler Vater) zu sein.

Und zweitens führt es zur völligen Erschöpfung.

Für die meisten frischgebackenen Eltern ist ein ungestörter Nachtschlaf eine Art Fata Morgana in der Wüste. Kein Wunder, dass viele in erster Linie über das Schlafverhalten ihres Nachwuchses klagen.

Und das trifft nicht nur auf Eltern von Babys zu. Ein Drittel aller Kleinkinder wehrt sich gegen das Zubettgehen, und die Hälfte steht einmal pro Nacht auf (eines von zehn wacht sogar zweimal oder öfter pro Nacht auf). Daher ist es keine Überraschung, dass eine 2004 durchgeführte Umfrage ergab, dass Millionen von Eltern (jeder fünfte Elternteil mit Babys zwischen drei und zwölf Monaten und jeder achte Elternteil mit Kleinkindern und Kindern im Vorschulalter) weniger als sechs Stunden Schlaf pro Nacht bekommen.

Derart erschöpfte Eltern sind anfällig für Essattacken, Streitsucht, Unfälle, Krankheiten, Ängste und Depressionen. Und wie ein ins Wasser geworfener Stein kann die Erschöpfung Wellen von Besorgnis auslösen:

•Fördere ich bei meinem Kind schlechte Angewohnheiten?•Führt »Schreienlassen« zu emotionalen Schäden?•Sollen Kinder nach einem festen Zeitplan schlafen?•Wird das je ein Ende nehmen?

Frischgebackene Eltern haben heutzutage meist wenig Erfahrung mit Babys – viele sind in ihrem ganzen Leben noch nicht mit einem Neugeborenen in Berührung gekommen! Darum suchen sie Antworten in der umfangreichen Ratgeberliteratur. (In den letzten 20 Jahren sind mehr Bücher über Schlafprobleme bei Kindern erschienen als zu jedem anderen Erziehungsthema.) Aber diese Ratgeber enthalten oft irreführende Informationen und machen die Sache noch verwirrender:

•»Halten Sie Ihr Baby im Arm – aber verwöhnen Sie es nicht!«•»Pucken Sie Ihr Baby – aber lassen Sie keine Gewohnheit daraus werden!«•»Gehen Sie liebevoll mit Ihrem Baby um – aber schließen Sie die Tür zu seinem Zimmer und lassen Sie es sich in den Schlaf weinen!«

Kein Wunder, dass unerfahrene Eltern sich manchmal (an guten Tagen) wie echte Profis und manchmal (an allen anderen Tagen) wie jämmerliche Versager fühlen. Hinzu kommt, dass die meisten Eltern heute nicht mehr auf das Netzwerk zurückgreifen können, das ihren Urgroßeltern die Sache noch um einiges erleichterte: die Großfamilie, Nachbarn und Jugendliche in derselben Straße, die gern Kinder hüten.

Dennoch können Sie getrost davon ausgehen, dass – seit den Anfängen der Menschheit – Milliarden von Eltern diese Hürden erfolgreich gemeistert haben. Das bedeutet, dass Sie es auch können.

Und damit komme ich zur guten Nachricht: Mithilfe einiger einfacher Konzepte, in die alte Weisheiten und modernste wissenschaftliche Erkenntnisse einfließen, lassen sich die meisten Schlafprobleme bei Kindern innerhalb einer Woche lösen. (Oder noch besser: verhindern, dass sie überhaupt erst auftreten.)

Die Zeiten ändern sich: ein Ziel und ein Versprechen

Es klingt fast unglaublich, aber vor 60 Jahren gaben nur wenige Mütter in den westlichen Industrienationen ihren Babys die Brust. Nachdem Zehntausende Jahre fast jede Mutter gestillt hatte, ging den Frauen diese lebenserhaltende Fähigkeit beinahe verloren. Es kostete viel Geld, jahrzehntelange Bemühungen und zahlreiche Informationskampagnen, um den Mythos zu widerlegen, dass künstlich hergestellte Babynahrung besser als Muttermilch sei. Aber die Sache war der Mühe wert. Heute ist das Stillen vielen Frauen wieder zur Selbstverständlichkeit geworden. Als Folge davon sind die Kinder gesünder … und die Mütter auch.

Jetzt, da der Mythos von der Überlegenheit der künstlichen Babynahrung aus der Welt geschafft ist, möchte ich ein paar weitere Mythen – Schlafmythen – demontieren, die erschöpfte Eltern seit Jahrhunderten verunsichern. Einige Beispiele:

•Babys müssen in einer vollkommen ruhigen Umgebung schlafen – falsch!•Reisbrei fördert den Schlaf – falsch!•Alle Babys schlafen ab dem vierten Monat länger – falsch!•Blähungen und Bauchkrämpfe hindern Babys am Einschlafen – falsch!•Schreien lassen ist das beste Schlaftraining – falsch!

Mein Ziel ist es, diese falschen Vorstellungen durch neue Erkenntnisse zu ersetzen, mit denen sich der Schlaf Ihres Kindes schnell verbessern lässt. Sie werden Folgendes lernen:

•Weshalb Sie ein Baby gar nicht verwöhnen können.•Wie Sie den Schlaf Ihres Babys um eine Stunde (oder mehr) verlängern können.•Weshalb es sogar schlaffördernd ist, schlafende Babys zu wecken.•Weshalb weißes Rauschen in jedem Alter zur Schlafenszeit Wunder wirkt.•Weshalb die Schlafenszeit eigentlich schon morgens anfängt.•Welche Zubettgehrituale am besten funktionieren.•Wie Sie mit Ihrem Kleinkind nach einer neuen, tränenfreien Methode (»Glitzer interruptus«) das Einschlafen trainieren können.

Wie Sie mit diesem Buch arbeiten können

Sie werden beim Lesen feststellen, dass die eine oder andere Information mehrfach vorhanden ist. Das hat folgenden Grund: Ich bin davon ausgegangen, dass Sie nach dem Kapitel über die Grundlagen des Schlafs mit dem Teil fortfahren werden, der am besten zum Alter Ihres Kindes passt, und habe deshalb einige wichtige Punkte wiederholt, damit Sie nicht immer wieder zurückblättern müssen, um sie zu finden.

Eine wissenschaftliche Exkursion in den Schlafozean

Ich reise jede Nacht ins ferne Schlummerland

Robert Louis Stevenson

Wichtige Punkte:

•Im Schlaf wird der Energiespeicher wieder aufgefüllt, das Denkvermögen erhöht, das Gedächtnis strukturiert, die Abwehr gestärkt, das Abnehmen gefördert und vieles mehr.•Schlafmangel schwächt das Urteilsvermögen, verursacht Depressionen und kann zu Fehlurteilen, Autounfällen, Herzerkrankungen und der Entstehung von Krebszellen führen.•Unser Tagesablauf orientiert sich an natürlichen Signalen: Wir wachen auf, wenn die Sonne aufgegangen ist, und schlafen ein, nachdem es dunkel geworden ist. Dieser Tagesrhythmus wird durch die Freisetzung eines speziellen Schlafhormons (Melatonin) im Gehirn gesteuert.•Der Schlaf setzt sich aus verschiedenen Phasen zusammen, wobei sich REM-Phasen (Phasen mit schnellen Augenbewegungen – Rapid Eye Movements –, in denen wir träumen und das Speichern im Gedächtnis stattfindet) und Nicht-REM-Phasen im Lauf der Nacht abwechseln.•Kinder wachen öfter auf, weil ihre Schlafphasen kürzer sind; sie dauern nur jeweils 60 statt 90 Minuten)•Babys haben bis zu fünfmal mehr REM-Schlaf, um all die neuen Dinge, die sie tagtäglich lernen, im Gedächtnis speichern zu können!

Was passiert, während wir schlafen?

Wenn es Ihnen wie den meisten der müden Eltern geht, die mir jeden Tag begegnen, sind Sie im Augenblick wahrscheinlich weniger an einer wissenschaftlichen Belehrung interessiert, sondern wollen einfach wissen, was Sie tun sollen.

Wenn Sie wollen, überspringen Sie diesen Teil. Aber eventuell sind einige Fakten über den wundersamen Zustand des Schlafs ja ganz hilfreich, um die Empfehlungen im restlichen Teil des Buches richtig einordnen zu können.

Schauen wir uns kurz an, was Schlaf eigentlich ist.

Schlaffakten und -mythen

Schlaf ist im Grunde ein Widerspruch in sich! Wir bringen ein Drittel unseres Lebens damit zu – und doch scheint er so fern und unergründlich wie die Tiefen des Ozeans zu sein.

In den letzten 30 Jahren haben sich viele hervorragende Wissenschaftler mit dem Thema Schlaf beschäftigt. Und dank ihrer Forschungsarbeiten erfahren wir Dinge über diese nebelhaften Grenzregionen, durch die jahrhundertealte Missverständnisse ausgeräumt werden. Einige Beispiele:

Mythos 1: Im Schlaf ist man bewusstlos.

Fakt: Schlaf ist kein Koma. Wir hören das Telefon oder den Wecker klingeln. Manche Menschen sprechen sogar im Schlaf oder laufen herum. Und auch wenn wir direkt an der Bettkante liegen, fallen wir selten heraus.

Während die Gehirnwellen eines im Koma liegenden oder narkotisierten Menschen sehr langsam und schwach sind, sind sie im Schlaf oft so lebhaft wie im Wachzustand!

Auf diese Weise kann unser Gehirn träumen, Erinnerungen strukturieren und speichern und sogar regelmäßig den Raum auf ungewöhnliche Vorkommnisse »absuchen«. Deshalb können wir durch Rauchgeruch oder die Schritte eines Einbrechers aufgeweckt werden. Und das ist auch der Grund, warum viele Babys die Stille in unseren Wohnungen im Vergleich zum ständigen Grummeln und Herumwackeln im Mutterleib beunruhigend finden.

Mythos 2: Im Schlaf ruht sich der Körper aus.

Fakt: Die Muskulatur ruht sich im Schlaf aus, aber Herz, Lunge und Leber sowie die meisten anderen Organe arbeiten rund um die Uhr. Selbst das Gehirn ist in den REM-Phasen sehr aktiv.

Und in seltenen Fällen erwachen im Schlaf sogar unsere Muskeln zum Leben! Während eines Anfalls von Nachtangst zittern Kinder und schreien – obwohl sie tief schlafen.

Mythos 3: Man ist entweder wach oder man schläft.

Fakt: Wussten Sie, dass Delfine immer nur mit einer Gehirnhälfte schlafen? (Klingt nach einer nützlichen Fähigkeit für frischgebackene Eltern.) Nun, interessanterweise tun wir etwas Ähnliches.

Forscher an der University of Wisconsin untersuchten das Gehirn im Zustand der Erschöpfung und stellten fest, dass einige Gehirnzellen einschliefen, während die anderen wach blieben. Bei Ratten, die am Schlafen gehindert wurden, befanden sich zehn Prozent der Gehirnzellen im Schlafmodus, obwohl die Nager immer noch wach waren.

Dieser »Mikroschlaf« tritt meistens auf, wenn wir zu lange wach bleiben. Wenn Sie sich das nächste Mal dabei ertappen, wie Sie gerade Windelcreme auf die Zahnbürste drücken oder die Schmutzwäsche in den Müll werfen, schieben Sie es einfach jenen erschöpften Gehirnzellen in die Schuhe, die bereits den Laden dicht gemacht haben, während die anderen noch die letzten Arbeiten des Tages erledigen.

Mythos 4: »Schönheitsschlaf« ist ein Ammenmärchen.

Fakt: Wenn Sie gut aussehen wollen, müssen Sie dafür sorgen, dass Sie mehr Schlaf bekommen! Das ist die Schlussfolgerung aus einer neueren europäischen Studie. Die Teilnehmer wurden gebeten, aus einem Stapel Porträtfotos die bestaussehenden Personen auszuwählen (von denen einige müde waren und andere nicht). Dabei wurden die ausgeruhten Männer und Frauen als attraktiver eingestuft.

Mythos 5: Unser natürlicher Tag-Nacht-Zyklus umfasst 24 Stunden.

Fakt: Es klingt vielleicht ein bisschen nach Science Fiction, aber unser Gehirn will keinen 24-Stunden-Tag. Es sehnt sich nach einem 25- oder 26-Stunden-Tag!

1962 brachten europäische Forscher Freiwillige in einem unterirdischen Bunker unter, wo sie völlig von der Außenwelt abgeschnitten waren. Ohne Lichtreize von draußen oder Uhren, die als Anhaltspunkte hätten dienen können, verfielen die Versuchspersonen schnell in einen Tag-Nacht-Zyklus, der fast 26 Stunden dauerte.

Was ist eigentlich Schlaf?

Niemand braucht Unterricht im Schlafen … nicht einmal Babys (obwohl sie unter Umständen lernen müssen, wann man schläft!).

In den letzten 50 Jahren ist etwas sehr Merkwürdiges mit unserem Schlaf passiert: Er hat abgenommen! Der durchschnittliche Nachtschlaf eines Erwachsenen ist von acht auf etwa sieben Stunden zurückgegangen. Laut einem amerikanischen Forschungsbericht schlafen 21 Prozent der Erwachsenen nur sechs Stunden (und acht Prozent sogar nur fünf Stunden oder weniger!). Ist das in Ordnung, oder schadet es uns? Genau genommen wissen wir es nicht. Obwohl wir ein Drittel unseres Lebens schlafend verbringen, gibt es noch viele offene Fragen zu diesem nebulösen Zustand.

Aber dank des wachsenden Fachgebiets der Schlafmedizin beginnen wir zu verstehen, was uns der Schlaf nützt und inwiefern uns Schlafmangel schadet.

Schlafreize: Hilfen beim Einschlafen

Die meisten Lebewesen sind Gewohnheitstiere, wenn es darum geht, wie und wo sie schlafen.

Gorillas schlafen gern auf Nestern aus weichen Zweigen und Blättern, Fledermäuse schlummern in Höhlen (wo sie kopfüber an ihren Zehen hängen), und die meisten Menschen brauchen ganz spezielle Bedingungen, um einschlafen zu können. Manche bedürfen einer weichen Matratze, eines besonderen Kissens oder eines schweren Federbetts zum Zudecken. Manche brauchen völlige Stille, wohingegen andere auch schlafen können, während der Fernseher läuft.

Wir nennen diese Einschlafhilfen »Schlafreize«. Und wie Sie in den folgenden Kapiteln sehen werden, wirken manche Reize bei Kleinkindern wahre Wunder, während andere direkt ins Verderben führen!

Vögel tun es und Bienen auch: der segensreiche Schlaf

Kleine und große Geschöpfe – von der Fliege bis zum Wal – rollen sich zusammen und schlafen. Elefanten dösen nur vier Stunden, Löwen schlummern 20 Stunden, und Schafe schlafen etwa acht Stunden pro Tag (wobei man sich fragt, was Schafe eigentlich zum Einschlafen zählen …). Warum ist Schlaf für alle Lebewesen so wichtig?

Zum einen lässt er uns wieder zu Kräften kommen. Der Schlaf bringt unsere geistige Klarheit und körperliche Kraft zurück.

Zum anderen hält er uns gesund. Wie ein geheimnisvolles Vitamin S stärkt er unsere infektionsbekämpfenden Zellen, verhindert Depressionen, senkt das Risiko von Herzerkrankungen um die Hälfte, verringert Übergewicht und verhindert sogar die Entstehung von Krebszellen. Forscher in Ohio fanden heraus, dass bei Menschen, die regelmäßig weniger als sechs Stunden pro Nacht schlafen, 50 Prozent mehr Krebsvorstadien im Darm auftreten als bei Menschen, die mehr als sieben Stunden schlafen.

Und schließlich gibt der Schlaf unserem Gehirn die Möglichkeit, »aufzuräumen« und alles für den nächsten Tag vorzubereiten. Im Schlaf spielt unser Gehirn buchstäblich die Ereignisse des Vortags noch einmal ab; neue Erfahrungen werden mit Erinnerungen verglichen, das Ganze wird neu eingeordnet und zur späteren Verwendung ordentlich abgelegt.

Auf dieser Umstrukturierung des Gedächtnisses basiert unsere Fähigkeit, neue Ideen zu entwickeln. Kein Wunder, dass man oft sagt: »Lass uns darüber schlafen.« oder: »Morgen sieht die Welt anders aus.« Nicht im Tageslicht klären sich die Dinge, sondern die intensive Gehirnaktivität während des Schlafs lässt triviale Erinnerungen verblassen und neue Lösungen an die Oberfläche kommen und in unserem Bewusstsein Fuß fassen.

Mama-Demenz: Ihr Kopf nimmt unerwartet Urlaub

Die meisten jungen Mütter müssen feststellen, dass sich ihr Gedächtnis direkt nach der Entbindung (oder in manchen Fällen schon ein paar Monate vorher) gewissermaßen in ein Sieb verwandelt. Manche Frauen scherzen, dass wohl ein Teil ihres Gehirns mit der Plazenta entbunden worden sein muss, und stillende Mütter sprechen gerne vom »Milchgehirn«. (Wissenschaftler haben die These geäußert, dass die Natur den Müttern mit dieser Auszeit des Gedächtnisses hilft, die Strapazen der Geburt zu vergessen.)

Und Erschöpfung macht diesen »Gehirnnebel« noch schlimmer! Glücklicherweise gibt sich die »Mama-Demenz« irgendwann von allein. In einer niederländischen Studie wurde bei Müttern einige Monate nach der Entbindung ein trägeres Denken festgestellt. Doch australische Forscher haben herausgefunden, dass das Gehirn einige Jahre nach der Entbindung wieder so funktioniert wie vor der Schwangerschaft.

Der hohe Preis versäumten Schlafs

Wenn Sie Mutter oder Vater eines Babys oder Kleinkinds sind, haben Sie schon die Erfahrung gemacht, wie schnell es zur Erschöpfung führen kann, wenn der Nachtschlaf mehrmals unterbrochen wird. Häufiges Erwachen hält uns in einem leichten Schlummer und reduziert den tiefen, stärkenden Schlaf, den wir brauchen, um unseren Körper und Geist auf die Herausforderungen des nächsten Tages vorzubereiten.

Chronischer Schlafmangel bewirkt Folgendes:

•Unsere Stimmung verschlechtert sich. Wir werden weinerlich, unzufrieden und verlangend.•Unsere Koordination lässt nach. Wir werden ungeschickt, verlieren das Gleichgewicht, und unser Unfallrisiko steigt.•Unser Denkvermögen wird beeinträchtigt. Wir werden vergesslich und zunehmend verwirrt.•Unsere Widerstandsfähigkeit nimmt ab. Wir nehmen zu und neigen zu gesundheitlichen Problemen – von Akne bis hin zu Krebs.

Erschöpfung ist eine derart belastende Erfahrung, dass Elitesoldaten längerem Schlafentzug ausgesetzt werden, um sie darauf vorzubereiten, Folter zu ertragen!

Wir mögen in der Lage sein, uns trotz andauerndem Schlafmangel irgendwie durch den Tag zu kämpfen, aber dabei häuft sich in Körper und Geist eine »Schlafschuld« an, die irgendwann bezahlt werden muss – entweder durch Nachholschlaf oder mit unserer Gesundheit.

Zu viel Alkohol oder zu wenig Schlaf?

Eine befreundete Journalistin berichtete, sie sei permanent so müde gewesen, dass sie eines Tages, als sie ihr Baby von der Kindertagesstätte abholen wollte, auf dem Parkplatz direkt gegen die Mauer des Gebäudes gefahren sei!

Der renommierte Schlafforscher David Dinges von der University of Pennsylvania hat wahrscheinlich mehr Menschen den Schlaf geraubt als sonst irgendjemand auf der Welt. In einem Experiment genehmigten er und sein Team einigen Freiwilligen nur sechs Stunden Schlaf pro Nacht, während andere Probanden immerhin acht Stunden schlafen durften.

Tagsüber wurde im Abstand von zwei Stunden die Aufmerksamkeitsspanne der Teilnehmer getestet. Die ausgeruhte Gruppe hatte kein Problem, sich zu konzentrieren, während die Sechs-Stunden-Gruppe zunehmend unaufmerksam wurde und leicht abgelenkt werden konnte. Nach zwei Wochen war die Aufmerksamkeitsspanne der Sechs-Stunden-Gruppe auf einen Wert gesunken, den man bei Menschen findet, die den Verkehrsgesetzen nach als betrunken gelten!

Ebenso wie erhöhter Alkoholkonsum führt Schlafmangel zu einem verminderten Urteilsvermögen, verlängerten Reaktionszeiten und Gedächtnisstörungen. Wer erschöpft ist, stottert und spricht undeutlich. Im Extremfall kann Schlafentzug sogar Halluzinationen auslösen.

Bei einer im Jahr 2004 zum Thema Schlaf durchgeführten Umfrage gaben erschreckende 48 Prozent der befragten amerikanischen Eltern zu, in schläfrigem Zustand Auto zu fahren, und zehn Prozent gestanden, schon am Lenkrad eingeschlafen zu sein.

Vorsicht vor dem Gegenmittel Koffein

Vielleicht ist Ihnen aus dem Biologieunterricht noch in Erinnerung, dass die Körperzellen einen bestimmten Treibstoff namens ATP (Adenosintriphosphat) verwenden. Wenn ATP in Gehirnzellen verbraucht wird, bleibt eine gewisse Menge reinen Adenosins zurück. Im Lauf des Tages wird in den einzelnen Zellen so viel Adenosin gebildet, dass eine Kettenreaktion ausgelöst wird, die eine Art »Spinnweben« in unserem Gehirn erzeugt. Dies hat wiederum zur Folge, dass unsere Konzentrationsfähigkeit nachlässt und unsere Augen sich schließen. Hier kommt meistens Kaffee ins Spiel! Koffein hindert das Gehirn daran, die hohen Adenosinpegel zu erkennen, wodurch die Botschaft »Ich bin müde« unterdrückt wird, sodass man sich weiterhin wach fühlt. Außerdem führt Koffein zur Freisetzung von Adrenalin, wodurch man einen kleinen Energieschub erhält, und fördert die Ausschüttung von Dopamin, einer der natürlichen Wohlfühlsubstanzen des Gehirns.

Bei Schlafmangel kann man in Versuchung geraten, Koffein als Soforthilfe einzusetzen – aber Vorsicht! Koffein geht direkt in die Muttermilch über und kann dazu führen, dass Ihr Baby reizbar und wacher wird. Außerdem bleibt Koffein mehr als zwölf Stunden im Körper. Dadurch kann das Hinübergleiten in den Tiefschlaf verhindert werden. Und die Folge kann eine noch größere Müdigkeit, Reizbarkeit und Verstimmung sein, was Sie möglicherweise dazu veranlasst, am nächsten Tag noch mehr Koffein zu sich zu nehmen!

Meine Empfehlung? Beschränken Sie sich auf eine Tasse Kaffee am Morgen. Wenn Sie erschöpft sind, versuchen Sie nach Möglichkeit, ein Nickerchen zu machen, statt Ihre Müdigkeit mit Koffein (oder ähnlichen Stimulanzien) zu übertünchen.

Ein faszinierender Rhythmus – Ihr Tag-Nacht-Zyklus

Wie Sie sehen, ist es sehr wichtig, genügend Schlaf zu bekommen. Aber das kann schwierig sein, wenn Sie Stunden damit zubringen, ein schreiendes Baby zu beruhigen oder ein hellwaches Kleinkind davon zu überzeugen, in sein Bett zurückzukehren. In Ihrer Frustration kommt Ihnen vielleicht der Gedanke, dass Ihr Kind sich Ihnen absichtlich widersetzt, aber möglicherweise gibt es ja einen biologischen Faktor, der seinen Schlaf untergräbt: das Ticken seiner inneren Uhr.

Die innere Uhr des Gehirns lenkt unseren Körper elegant durch seine Wach- und Schlafphasen. Wenn Sie etwas mehr über die wissenschaftlichen Grundlagen dieses Prozesses wissen, können Sie Ihr Kind besser bei diesem täglichen »Tanz« begleiten. Sehen wir uns also die Biologie dieses Zustands, den wir Schlaf nennen, etwas näher an.

Alle Pflanzen und Tiere »tanzen« zu bestimmten Rhythmen. Blumen öffnen sich am Morgen und falten nachts ihre Blütenblätter wieder zusammen. Bäume lassen im Herbst die Blätter fallen und bilden im Frühling Knospen aus. Bären halten zur kalten Jahreszeit Winterschlaf und erwachen wieder zum Leben, wenn es wärmer wird.

Der wichtigste biologische Rhythmus des Menschen (und der meisten anderen Landlebewesen) ist der tägliche Tag-Nacht- beziehungsweise Schlaf-Wach-Rhythmus. Unser Körper und unser Gehirn spiegeln diese wiederkehrenden Wellen von Licht und Dunkelheit und Auf und Ab – jeden Tag unseres Lebens. Wissenschaftler nennen diese Schwingungen den zirkadianen Rhythmus (nach dem lateinischen Wort für »einen Tag betreffend«).

Wir neigen dazu, den Schlaf-Wach-Rhythmus für etwas Selbstverständliches zu halten. Aber stellen wir uns einmal vor, wie unser Leben ohne diese innere Uhr, die uns mit der Sonne synchronisiert, aussehen würde. Wir würden an einem Tag abends um 22 Uhr einschlafen, am nächsten mittags um 13 Uhr. Und wir würden vielleicht montags fünf Stunden und dienstags 15 Stunden schlafen. Was für ein Chaos!

Glücklicherweise hilft uns unser biologischer Rhythmus, den Zyklen der Sonne zu folgen. Wie eine lautlos tickende innere Uhr weckt uns dieser Rhythmus, wenn es morgens hell wird, und lässt uns jede Nacht in den Schlaf sinken. (Wir können den Zeitpunkt, zu dem wir uns »aufs Ohr hauen« oder die Füße aus dem Bett schwingen, ändern, aber unser Tag-Nacht-Rhythmus verlangt trotzdem, dass unsere Schlaf- und Wachstunden zusammen jeden Tag ungefähr 24 Stunden ergeben.)

Es werde kein Licht

Unsere innere Uhr steuert unseren Tag-Nacht-Zyklus mittels der Freisetzung eines starken Schlafsignals, des Hormons Melatonin.

Und das funktioniert folgendermaßen: Wenn Licht auf die Netzhaut (den Hintergrund des Auges) fällt, sendet es ein direktes Signal an ein Paar stecknadelkopfgroßer Strukturen hinter den Augen. Diese Strukturen stellen das Epizentrum unserer biologischen Uhr dar und werden als suprachiasmatischer Nucleus (SCN) bezeichnet.

Der SCN schickt das Signal »Es ist Tag« an eine Struktur tief im Gehirn, die winzige Zirbeldrüse, welche daraufhin pflichtbewusst die Melatoninproduktion einstellt. Das hält an, solange die Sonne scheint. Bei Einbruch der Dunkelheit erhält der SCN kein Lichtsignal mehr und sendet die Botschaft »Es ist Nacht« an die Zirbeldrüse, die dann wieder Melatonin ausschüttet, das – wie ein natürlicher Schlaftrunk – bald Schläfrigkeit hervorruft.

Sicher ist Ihnen schon aufgefallen, dass das Licht bei diesem Zyklus eine wichtige Rolle spielt.

Selbst eine geringe Lichtmenge, wie beispielsweise jene einer Straßenlaterne vor Ihrem Schlafzimmerfenster, kann Ihre geschlossenen Augenlider durchdringen, Ihrem SCN einen Weckruf senden und zur Drosselung der Melatoninausschüttung führen, wodurch das Einschlafen erschwert wird.

Das ist der Grund dafür, weswegen es den Einwohnern Alaskas (wo 22 Stunden Tageslicht im Sommer und 22 Stunden Dunkelheit im Winter herrschen) schwer fällt, gesunde Schlafzyklen zu entwickeln. Und deshalb kann helles Licht in Ihrer Wohnung (Lampen, Fernseher, Computerbildschirme, ja sogar Handys) eine verheerende Wirkung auf Ihren Schlaf haben.

Sobald wir schlafen, tritt an die Stelle des Tag-Nacht-Zyklus ein anderer Zyklus, der unseren Schlaf – die achterbahnähnlichen Fluktuationen zwischen REM- und Nicht-REM-Schlaf – strukturiert.

Eine Geschichte von zwei Schlafarten – REM und NREM

Sie verstehen den Schlaf Ihres Kindes besser, wenn Sie wissen, wie Ihr eigener Schlaf funktioniert. Darum befassen wir uns jetzt mit den beiden speziellen Arten von Schlaf, die abwechselnd unser Gehirn steuern.

Jahrhundertelang stellten sich die Menschen den Schlaf als einen langen, gestaltlosen Fluss der Ruhe vor. Doch vor etwa 60 Jahren wurde fast zufällig entdeckt, dass die Struktur des Schlafs weitaus interessanter ist.

1953 bemerkten Forscher bei der Beobachtung schlafender Babys, dass sich die Augäpfel der Kinder hin und wieder hinter den geschlossenen Lidern bewegten. (Schauen Sie Ihrem Baby beim Schlafen zu! Sie werden sehen, wie diese lustigen Bewegungen zusammen mit Lächeln und beschleunigter Atmung kommen und gehen.)

Diese Beobachtung war der erste Hinweis darauf, dass der Schlaf kein einheitlicher Klumpen von der Abenddämmerung bis zum Morgengrauen ist. Er setzt sich vielmehr aus sich wiederholenden Zyklen zweier sehr unterschiedlicher Schlafarten zusammen: REM, wenn unsere Augen tanzen, als ob wir an der Innenseite der Lider ein Video anschauen würden, und Nicht-REM (NREM), wenn unsere Augen völlig unbewegt sind.

Wenn wir einschlafen, geht das Gehirn normalerweise direkt in NREM-Schlaf über, um sich eine wohlverdiente Ruhephase zu gönnen. Ungefähr alle 90 Minuten ist ein Zyklus abgeschlossen. Währenddessen wechseln wir vom leichten Schlaf zum Tiefschlaf und wieder zurück, oder wir wachen sogar kurz auf. Anschließend folgt eine fünf- bis 20-minütige REM-Phase, wodurch der Zyklus beendet wird. Unser Gehirn hängt während eines Nachtschlafs vier oder fünf dieser Zyklen hintereinander.

Es gibt unterschiedliche Phasen des tiefen und leichten NREM-Schlafs. Die ersten Zyklen enthalten wenig REM-Schlaf, aber gegen Morgen nimmt der REM-Schlaf zu, und der Tiefschlaf lässt nach. Kurz vor dem Aufwachen finden fast ausschließlich REM-Phasen, unterbrochen von leichtem Schlaf, statt (deshalb sind unsere Träume oft am lebhaftesten, wenn wir versehentlich etwas zu früh aufgeweckt werden).

NREM – ein näherer Blick auf den erholsamen Schlaf

Jede Nacht verbringen Erwachsene etwa 85 Prozent ihres Schlafs in NREM-Phasen. Das ist die Art von Schlaf, die Körper und Geist erfrischt. NREM-Schlaf ist in drei Stadien unterteilt – den leichten, mittleren und tiefen Schlaf. Und Folgendes passiert in den einzelnen Stadien:

Stadium 1 – Schläfrigkeit oder »kurzes Einnicken«

Ihr Geist entspannt sich. Sie verpassen zeitweilig etwas von der Fernsehsendung, die gerade läuft. Bis Ihr Kopf zuckt und Sie wieder wach werden. Wenn Sie gefragt würden, würden Sie wahrscheinlich behaupten, es seien nur Tagträume gewesen.

Stadium 1 dauert normalerweise zehn bis 20 Minuten.

Stadium 2 – Leichter Schlaf

Sie schlafen, wachen aber schnell wieder auf, wenn jemand Ihren Namen ruft oder Sie anstupst. Und beim Aufwachen wissen Sie, dass Sie gerade geschlafen haben.

Stadium 2 dauert normalerweise 20 bis 30 Minuten.

Stadium 3 – Tiefschlaf oder »langwelliger« Schlaf

Der NREM-Schlaf in Stadium 3 ist der erholsamste Schlaf – sozusagen sein Idealzustand! Sie schlafen wie ein Stein. Ihre Atmung ist langsam und regelmäßig, und Gesicht und Körper sind entspannt, aber nicht schlaff. Wenn Sie in Stadium 3 den Arm Ihres Kindes heben, sinkt er langsam wieder auf die Matratze zurück. (Im NREM-Tiefschlaf schwitzen manche Kinder und Erwachsene heftig am Kopf.)

Der Schlaf in Stadium 3 heißt auch langwelliger Schlaf, weil Ihre Gehirnaktivität von den nervösen kleinen Hopsern des Wachstadiums zu langen Wellen übergeht. Diese Wellen überspülen das Gehirn tausendmal pro Nacht, löschen Erinnerungen des vergangenen Tages und bereiten es auf den nächsten Tag voller Lernerfahrungen vor. In diesem Tiefstschlaf sind wir nur schwer aufzuwecken; und wenn wir aufwachen, brauchen wir manchmal ein oder zwei Minuten, um uns klarzumachen, wo wir sind.

Der Schlaf in Stadium 3 ist sehr tief – und deshalb ist dies auch die Schlafphase, in der es passieren kann, dass erschöpfte Eltern sich auf ihr Baby legen und es ersticken, wenn es das Bett mit ihnen teilt. Aber dieser Schlaf ist definitiv kein Koma. Durch wichtige Signale, wie Feueralarm oder das Weinen eines Babys, können wir immer noch aufgeweckt werden.

Wenn wir aus dem Tiefschlaf aufwachen, kann etwas Merkwürdiges passieren: Die Kontrolle über die Muskeln kann schon wieder vorhanden sein, während sich der Rest des Gehirns noch tief im Schlummerland befindet. Dann kann es zu Sprechen im Schlaf oder Nachtangst kommen. Das bedeutet letztlich, dass ein Teil des Gehirns wach ist, während sich der Rest noch im Tiefschlaf befindet.

Stadium 3 dauert normalerweise 20 bis 40 Minuten.

Hinweis: Wenn Sie alle zwei Stunden vom Quäken Ihres Babys aufwachen, bekommen Sie möglicherweise sieben Stunden Schlaf, fühlen sich aber so schlecht, als ob es nur vier gewesen seien. Das liegt daran, dass Ihr Gehirn nicht über den leichten Schlaf hinauskommt. Es hat nie die Chance, in den tiefen NREM-Schlaf (Stadium 3) abzusinken.

Am Ende von Stadium 3 geht das Gehirn langsam wieder in den leichten Schlaf des Stadiums 1 über. Dann sind Sie für jede ungewohnte Wahrnehmung in Ihrer Umgebung, wie beispielsweise ein vorbeifahrendes Motorrad, empfänglich. Aber sobald Sie zu der Einschätzung gelangt sind, dass alles seine Richtigkeit hat, gleiten Sie wieder in den Schlaf – ohne sich auch nur daran zu erinnern, wach gewesen zu sein.

Videoaufnahmen zeigen, dass wir im Lauf der Nacht oft ganz kurz aufwachen. Wir verändern unsere Körperhaltung, legen unser Kopfkissen neu zurecht oder greifen nach dem Teddy, um dann wieder einzuschlummern. Das ist eine gute Möglichkeit, Wundliegen oder steife Gelenke zu vermeiden.

Dieses kurze Erwachen ist auch Teil eines natürlichen Alarmsystems.

REM-Schlaf – ein näherer Blick auf die Traum-/Gedächtnisphase

Wir verbringen etwa 15 Prozent der Nacht im REM-Schlaf. REM ist das Land der Träume und Erinnerungen. Im REM-Schlaf ist die Atmung unregelmäßig, auf dem Gesicht zeigt sich hin und wieder ein zaghaftes Lächeln oder eine Grimasse, und die Muskeln sind entspannt. Erstaunlicherweise ist die Gehirnaktivität fast so ausgeprägt wie im Wachzustand! Dennoch vernachlässigt das Gehirn im REM-Schlaf viele seiner Aufgaben, wie beispielsweise Hören, Sehen und Senden von Bewegungsbefehlen an die Muskeln unterhalb des Halses.

Daher können wir uns auf das konzentrieren, was wir in unseren Träumen sehen und hören. Und obwohl wir vielleicht vom Fliegen träumen, kann uns nichts passieren, weil die Anweisungen des Gehirns an die Muskeln – zum Beispiel das Fenster zu öffnen und »mit den Flügeln zu schlagen« – blockiert sind.

Wenn der REM-Schlaf vorbei ist und das Träumen aufhört, geht das Gehirn in den Nicht-REM-Schlaf über, und die Blockade zwischen Gehirn und Körper wird aufgehoben. (Deshalb kann Schlafwandeln zwar in der NREM-Phase auftreten, aber unter keinen Umständen, während wir in der REM-Phase vom Gehen träumen.)

Der REM-Schlaf ist nicht nur der Karneval der Träume, sondern auch die Phase, in der das Gehirn die Ereignisse des Tages durchgeht, sie mit älteren Erinnerungen vergleicht, daraus neue Erinnerungen bildet und diese sorgfältig abheftet. Der REM-Schlaf ist etwas ganz und gar Außergewöhnliches – er erzeugt Träume, die Sekunden nach dem Aufwachen schon wieder vergessen sind, und sorgt andererseits dafür, dass Erinnerungen ein Leben lang erhalten bleiben!

Der REM-Schlaf dauert in der ersten REM-Phase fünf bis zehn Minuten und in den letzten Schlafstunden bis zu 30 Minuten.

Der kindliche Schlaf – was ihn vom Erwachsenenschlaf unterscheidet

Was hat diese wissenschaftliche Lektion mit Ihrem Alltag zu tun? Nun, wenn Sie das, was wir gerade gelernt haben, mit dem Schlaf von Babys und Kindern vergleichen, werden Sie merken, weshalb das Zubettgehen (und dort zu bleiben) für sie oft schwierig ist.

Der Schlaf von Kindern und Erwachsenen hat natürlich viele Gemeinsamkeiten:

•Beide gähnen, wenn sie müde sind.•Beiden drohen Unfälle, wenn sie erschöpft sind.•Beide ziehen es vor, nachts zu schlafen (na gut, bei Ihrem Kind dauert das vielleicht noch ein bisschen …)•Beide mögen ihre eigenen, speziellen Schlafreize (vom Pucken über weißes Rauschen und Teddybären bis hin zu Lieblingskissen und Flanellbettlaken).

Aber es gibt auch große Unterschiede im Schlafverhalten von Erwachsenen und Kindern.

Zum einen schlafen Kinder deutlich mehr. Babys bringen es auf 14 bis 18 Stunden Schlaf, der sich in kurzen Abschnitten über Tag und Nacht verteilt. Irgendwann zwischen dem zweiten und sechsten Monat verschmilzt der Tagschlaf zu ein- bis zweistündigen Nickerchen, und der Nachtschlaf bildet Blöcke von sechs bis zehn Stunden.

Im Kleinkindalter verringert sich die Gesamtschlafdauer auf elf oder zwölf Stunden pro Tag (einschließlich eines ein- bis zweistündigen Mittagsschlafs) bei Zweijährigen und schließlich auf zehn oder elf Stunden pro Tag (ohne Mittagsschlaf) bei Fünfjährigen.

Kinder schlafen auch früher als Erwachsene. Babys unter sechs Monaten schlafen zwischen 21 Uhr und 22 Uhr ein, und Kinder ab sechs Monaten (bis sechs Jahre) zwischen 20 Uhr und 21 Uhr. (Am frühesten schlafen Kleinkinder zwischen eineinhalb und zwei Jahren, die oft gegen 20 Uhr zu Bett gebracht werden.)

Ein weiterer wichtiger Unterschied besteht darin, dass ein einzelner Schlafzyklus eines Erwachsenen 90 Minuten dauert, während der Schlafzyklus eines Kleinkindes (vom Leicht- zum Tiefschlaf und wieder zurück, mit ein wenig REM dazwischen), wie in der folgenden Abbildung dargestellt, nur 60 Minuten in Anspruch nimmt.

Diese kürzeren Zyklen wirken sich sehr stark auf Ihr Leben aus. Warum? Weil kürzere Zyklen bedeuten, dass Ihr Kind einmal pro Stunde zum sehr leichten (leicht zu störenden) Schlaf zurückkehrt. Kein Wunder, dass kleine Kinder so oft wegen eines schwachen Hungergefühls oder geringfügiger Beschwerden beim Zahnen aufwachen.

Wie die folgende Abbildung zeigt, unterscheidet sich die Mischung aus NREM- und REM-Schlaf bei Erwachsenen und Kindern sehr deutlich. Wir verbringen etwa 85 Prozent der Nacht in erholsamem NREM-Schlaf, Babys dagegen nur 50 Prozent (das sind die Schlafphasen, in denen sie sich auch durch eine johlende Zuschauermenge bei einem Fußballspiel nicht stören lassen). Babys verbringen 40 bis 50 Prozent ihres Schlafs in traum- und gedächtnisfördernden REM-Phasen (Erwachsene nur 15 Prozent).

Mit anderen Worten: Kleinkindern ist fünfmal mehr REM-Schlaf vergönnt als Erwachsenen (acht Stunden im Vergleich zu eineinhalb Stunden). Auf diese Weise haben sie genug Zeit, um all die chaotischen Ereignisse des Tages durchzugehen und zu entscheiden, welche neuen Erinnerungen gespeichert und welche verworfen werden sollen.

Erwachsene brauchen wohl viel weniger REM-Schlaf, weil unser Leben mehr durch Routine geprägt ist. Das meiste von dem, was wir erleben (beispielsweise das Regal mit dem Hundefutter im Supermarkt finden), ist entweder nichts Neues für uns oder zu trivial, um im Gedächtnis zu bleiben. Aber für Babys ist alles neu und faszinierend. (»Wow! Ein Hut! So was hab ich ja noch nie gesehen. Haha! Sieht aus, als ob Mamas Kopf viel größer geworden ist!«)

Das Gehirn der Kleinen füllt sich rasch mit all den tollen Dingen, die sie im Gedächtnis behalten wollen (das Glöckchen am Halsband der Katze, das erste Mal Schaukeln, der Deckenventilator und der Geruch frisch gebackener Plätzchen). Kein Wunder, das kleine Kinder alle paar Stunden schlafen müssen. Im Gegensatz zu Erwachsenen, die zuerst erholsamen Schlaf erleben, bevor sie zum REM-Schlaf übergehen, stürzen sich Kleinkinder sofort in den REM-Schlaf, um ihr Eingangsfach voller Erinnerungen zu bearbeiten.

Träumen kleine Kinder?

Kleinkinder bekommen sehr viel REM-Schlaf. Daher ist es naheliegend, anzunehmen, dass sie alle möglichen aufregenden Kinderträume haben, zum Beispiel von riesigen lächelnden Gesichtern, gigantischen Hunden, die ihnen die Zehen lecken, und Brüsten in der Größe eines Zeppelins, aus denen süße, warme Milch sprudelt. Da Babys nicht sprechen können, wissen wir natürlich nicht, wie ihre Träume aussehen und ob sie überhaupt träumen. Aber wie steht es mit etwas älteren Kindern?

Der Psychologe David Foulkes hat mit Kindern vom Kindergarten- bis zum Teenageralter gearbeitet, um das Geheimnis ihrer Träume zu lüften. Er lässt Kinder in seinem Labor einschlafen, weckt sie dreimal pro Nacht – manchmal während des REM-Schlafs und manchmal während des Nicht-REM-Schlafs – und bittet sie zu beschreiben, was ihnen durch den Kopf geht.

Folkes Ergebnisse sind überraschenderweise wenig überraschend. Im Wesentlichen haben unreife Kinder unreife Träume. Bei Kindern unter fünf Jahren sind Träume meist nur statische Visionen von Tieren oder nichtssagende Bilder von Menschen, die essen oder anderen Alltagsbeschäftigungen nachgehen. Kinder im Vorschulalter glauben interessanterweise oft, dass ihre Träume auf magische Weise von jemand anderem (oder von Gott) in ihrem Kopf platziert wurden.

Die meisten von uns haben Erinnerungsfetzen, die unsere Tagesaktivitäten ab dem Alter von drei oder vier Jahren betreffen, während unsere frühesten Traumerinnerungen erst beim Alter von sechs oder sieben Jahren beginnen (obwohl wir davor schon jede Menge REM-Schlaf erlebt haben). Wenn sie aus dem REM-Schlaf aufgeweckt werden, haben 25 Prozent der Kinder unter neun Jahren keine Erinnerung an Träume.

Nicht zuletzt sind Kinderträume viel positiver als Erwachsenenträume! Im Gegensatz zu Erwachsenenträumen (die oft Aggressionen und Missgeschicke zum Gegenstand haben) sind Kinderträume laut Foulkes’ Studie von Glücksgefühlen geprägt.

Warum gähnen wir, wenn wir Babys gähnen sehen?

Ein durchschnittliches Gähnen dauert vier bis sechs Sekunden. Wir gähnen öfter, wenn wir müde sind oder uns langweilen. Und der Versuch, es zu unterdrücken, führt meistens dazu, dass das nächste Gähnen unmittelbar folgt. Überraschenderweise haben wir keine Ahnung, warum wir gähnen. Es ist ein großes medizinisches Geheimnis.

Wir wissen auch nicht, warum Gähnen so ansteckend ist. Etwa im Alter von vier Jahren entsteht bei uns der unwiderstehliche Drang, mitzugähnen, wenn wir jemand anderen gähnen sehen. Eine Ausnahme stellen autistische Kinder dar. Je ausgeprägter der Autismus, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass der Betroffene sich vom Gähnen eines anderen Menschen anstecken lässt.

Eine Epidemie der Schlaflosigkeit

Ich hoffe, dass dieser kurze Blick auf die Welt des Schlafs informativ für Sie war. Wenn Ihr Kind Schlafprobleme hat, ist es hilfreich, etwas über Schlafzyklen und die Biologie des Schlafs zu wissen. Leider ist die Wahrscheinlichkeit, dass bei Ihrem Kind Schlafprobleme auftreten, relativ hoch.

2004 berichteten 60 bis 80 Prozent der Eltern in einer in den USA durchgeführten Umfrage zum Thema Schlaf, dass ihr Kleinkind an mindestens einigen Tagen pro Woche Schlafprobleme hat, wobei der Schwerpunkt auf widerwilligem Zubettgehen und Einschlafproblemen liegt. In Deutschland hat ungefähr jedes vierte Kind Schlafprobleme.

Wenn Ihnen das bekannt vorkommt und Sie müde, nervös und beunruhigt sind, sind Sie dem guten Schlaf vielleicht näher, als Sie denken. Und dazu sollte weder »liebevolle Strenge« noch stundenlanges Weinen (Ihres Babys oder Ihrerseits) erforderlich sein.

In den nächsten Kapiteln befassen wir uns mit Schlafproblemen in drei verschiedenen Altersgruppen: bei Babys in den ersten drei Monaten, bei Babys im vierten bis zwölften Monat und bei Kindern im Kleinkind- und Kindergartenalter. Sie erfahren, ob bei Ihrem Kind ein Schlafproblem vorliegt. Wenn das der Fall sein sollte, hoffe ich Sie davon überzeugen zu können, dass die Lösung des Problems viel einfacher ist, als Sie dachten.

Seliger Schlummer in den ersten drei Monaten

Im Kapitel »Optimale Voraussetzungen für guten Schlaf« geht es darum, wie Sie die Voraussetzungen für sicheren und ungestörten Schlaf schaffen.

Im Kapitel »So helfen Sie Ihrem Baby einzuschlafen« gebe ich Tipps zum (minutenschnellen) Beruhigen schreiender Babys.

Im Kapitel »So schlafen Sie und Ihr Baby länger« erhalten Sie Empfehlungen in Bezug auf das Füttern, die zur Verlängerung des Schlafs beitragen.

Das Kapitel »Häufige Fragen zum Schlaf in dieser Zeit« enthält Antworten auf Fragen, die vielen frischgebackenen Eltern in den ersten drei Monaten Sorge bereiten.

Optimale Voraussetzungen für guten Schlaf

Eine Reise von tausend Meilen

beginnt mit einem einzigen (Baby-)Schritt.

Nach Lao-Tse

Wichtige Punkte:

•Die Persönlichkeit Ihres Babys hat Auswirkungen auf sein Verhalten im Wachzustand und auf sein Schlafverhalten.•Guter Schlaf beginnt mit Statuskontrolle – der Fähigkeit Ihres Babys, sich selbst zu beruhigen und auch bei Licht und Geräuschen weiterzuschlafen.•Neugeborene haben eine erstaunliche Lernfähigkeit, die wir nutzen können, um ihnen schnell beizubringen, besser und länger zu schlafen.•Die Widerlegung der wichtigsten Mythen im Hinblick auf den Schlaf von Babys hilft Ihnen, bei Ihren Bemühungen um besseren Schlaf Fehler zu vermeiden.•Ihre wichtigste Aufgabe besteht darin, die Sicherheit Ihres Kleinen zu gewährleisten – das schließt Maßnahmen zur Vermeidung des plötzlichen Kindstods sowie des Erstickens ein. Deshalb sollten Sie die mit dem Schlafen des Babys im Elternbett verbundenen Risiken in den ersten Monaten vermeiden.

Was geht im Kopf Ihres Kindes vor?

Warum schläft das Baby Ihrer Freundin schnell ein, während Ihres die ganze Nacht brüllt? Machen Sie etwas falsch? Ist Ihre Freundin eine besonders gute Mutter? Sind Sie eine Versagerin?

Nein! In diesem Kapitel erfahren Sie, dass jedes Baby einzigartig ist. Ein paar Glückspilze von Eltern haben Neugeborene, die gut schlafen, egal, was um sie herum passiert. Falls Ihr Baby etwas schwieriger ist – willkommen im Club! Millionen anderer schlafloser Mütter und Väter wie Sie gehen in diesem Augenblick auf der ganzen Welt ruhelos auf und ab.

Das bedeutet aber nicht, dass Sie zu monatelanger Erschöpfung verdammt sind. In diesem Teil lernen Sie einige Methoden kennen, die Ihrem Kleinen helfen, lammfromm zu schlafen. Wenn Ihnen dieser Ansatz völlig neu ist, werden Sie wahrscheinlich überrascht sein, wie einfach es in den meisten Fällen ist, dass Ihr Baby vom Schrei- in den Schlafmodus »umschaltet«. Ich teile auch einige neue Erfahrungen mit Ihnen, um Ihr Baby von der ersten Woche an tränenfrei zum besseren Schlafen zu erziehen.

Doch zunächst einmal beginnt guter Schlaf damit, zu verstehen, was im Kopf Ihres Babys vor sich geht. Und das bedeutet, einige wichtige Faktoren zu kennen, die sich sehr stark auf das Schlafen auswirken: Temperament, Statuskontrolle und Lernen.

Das Temperament – das Meer, auf dem Ihr Kind segelt

Einen großen Teil unseres Verhaltens »erben« wir von Mutter und Vater. Wie blaue Augen und lockiges Haar ergibt sich das Temperament eines Babys daraus, wie die »Persönlichkeitswürfel« fallen, wobei ein (oft großer) Teil seines Charismas oder ängstlichen Wesens direkt von den Eltern stammt. Deshalb haben schüchterne Eltern oft schüchterne Kinder, während sich temperamentvolle Eltern häufig über kleine Energiebolzen freuen dürfen.

Manche Persönlichkeits- oder Temperamentsmerkmale sind bereits in den ersten Wochen erkennbar.

Eine ruhige See – also ein ruhiges Temperament – hilft Babys, unbehelligt durch die Kindheit zu segeln. Derart veranlagte Kleinkinder sind fröhlich, zufrieden und leicht zu beruhigen. Sie quäken eher, als dass sie schreien – als ob sie geduldig sagen würden: »Bitte, Mami, ich habe ein klein wenig Hunger.«

Doch eine aufgewühlte See – ein ängstliches oder temperamentvolles Wesen – sorgt für stürmische Zeiten (Koliken, häufiges Aufwachen, Ablehnen des Schnullers), bis das Kind reif genug ist, um seine Überempfindlichkeit und die Flutwellen seines Temperaments in den Griff zu bekommen.

Ängstliche Babys weinen, wenn man zu laut lacht, und zeigen Oma die kalte Schulter, wenn sie zu viel Parfüm aufgetragen hat. Diese mit großen Augen in die Welt blickenden Babys sind so transparent und klar wie ein Kristall. Aber wie ein Kristall sind sie auch äußerst empfindlich und zerbrechlich. Wenn diese Kinder etwas älter und reifer sind, bereitet ihre kreative und einfühlsame Art ihren Mitmenschen viel Freude. Aber als Babys tauen sie nur langsam auf; sie werden leicht von Reizen überflutet, und ihr eigenes Zusammenzucken kann heftiges Schluchzen auslösen.

Temperamentvolle Babys hingegen sind sehr emotional und leicht aus dem Gleichgewicht zu bringen. Sie neigen zu ohrenbetäubendem Gebrüll und aufwallenden Stimmungen. Und wenn die Funken der alltäglichen Frustrationen auf das Dynamit ihres Temperaments treffen, kommt es zur Explosion. Als Babys ringen diese Kinder um ihr seelisches Gleichgewicht, aber wenn sie etwas älter sind, zeichnen sie sich durch ansteckende Heiterkeit, große Neugier und grenzenlose Begeisterung aus.

Das Temperament wirkt sich nicht nur tagsüber auf das Verhalten Ihres Babys aus, sondern auch in der Nacht.

Sensible Babys wachen oft wegen äußerlicher Störungen (Licht, Lärm) oder unangenehmen inneren Empfindungen (Zahnen, Hunger) auf. Sie können sehr wählerisch in Bezug auf das weiße Rauschen sein, das Sie als Einschlafhilfe auswählen, das heißt, sie ignorieren es möglicherweise, wenn es zu sanft ist (wie beispielsweise Meeresrauschen), oder fühlen sich durch zu scharfe, zischende Geräusche (wie Ventilatoren oder Luftfilter) beeinträchtigt.

Temperamentvolle Kinder geraten völlig aus dem Gleichgewicht, wenn sie übermüdet sind. Sie können nach Milch brüllen und selbst dann weiterschreien, wenn sich die Brust oder Flasche schon in ihrem Mund befindet!

Um das Verhalten Ihres Kindes – und seine Schlafprobleme – verstehen zu können, ist es hilfreich, wenn Sie sein Temperament berücksichtigen. Und keine Angst: Sie werden bald einige konkrete Maßnahmen kennen lernen, mit denen Sie selbst dem schüchternsten oder temperamentvollsten Kind helfen können, besser zu schlafen.

Statuskontrolle – die Welt an sich heranlassen oder aussperren

Wenn Ihr Baby auf dem Meer des Temperaments segelt, können Sie an der Statuskontrolle erkennen, wie stabil (oder unruhig) sein Boot auf den Wellen liegt.

Kann Ihr Baby trotz leichtem Hunger und Lärm weiterschlafen? Endet leichtes Quengeln immer in heftigem Gebrüll, oder kann Ihr Kind sich auch aus eigener Kraft wieder beruhigen? Das sind Zeichen für Statuskontrolle.

Das Wort Status bezieht sich in diesem Zusammenhang auf den Wachheitsgrad eines Babys. Ihr Baby wechselt im Lauf des Tages zwischen sechs Stadien zunehmender Wachheit und Intensität: Tiefschlaf, Leichtschlaf, Schläfrigkeit, ruhige Wachheit, Quengeln und Schreien. Eine reibungslose Kontrolle dieser Zustände (statt eines unkontrollierten Hin- und Herspringens zwischen ihnen) ist eine der ersten wichtigen Aufgaben des Gehirns.

(Beachten Sie, dass genau in der Mitte ruhige Wachheit liegt. In diesem magischen Zustand sind die Augen Ihres Babys offen und wach, und sein Gesicht ist entspannt, während es aufmerksam seine Umwelt wahrnimmt.)

Gute »Selbstberuhiger« wechseln problemlos zwischen Schlaf und Wachsein und beherrschen es erstaunlich gut, aus dem Quengelzustand wieder herunterzuschalten. Und wenn die Welt um sie herum allzu chaotisch wird, besitzen sie eine verblüffende Fähigkeit, sich vor der Reizüberflutung zu schützen: Sie starren ins Leere, schauen weg (wie wir es manchmal tun, wenn wir einen Horrorfilm sehen) oder ziehen sich einfach in den Schlaf zurück.

Manche Babys (viele Frühgeborene und Babys von drogenabhängigen Müttern) weisen eine instabile, unreife Statuskontrolle auf. Sie erschrecken oft und tun sich schwer damit, auch nur die üblichen Umweltreize auszublenden. Ihre Schreie sind ihre Art, um Hilfe zu rufen: »Bitte nimm mich hoch … die Welt ist zu groß!«

Seit Jahrzehnten wissen kluge Säuglingsschwestern, dass diese Babys gepuckt, gewiegt und durch Geräusche beruhigt werden müssen. Babys mit schwacher Statuskontrolle brauchen unsere Unterstützung dabei, ihren Beruhigungsreflex zu aktivieren, bis sie alt genug sind, um ihre Schreiattacken selbst in den Griff zu bekommen.

Mit der Statuskontrolle lässt sich noch ein weiteres Mysterium erklären: weshalb viele Babys zur Abendessenszeit mehr weinen. Gegen Abend, nach einem Tag voller aufregender Aktivitäten (und viel zu wenig Gehalten- und Gewiegtwerden und Saugen), haben Babys mit schwach ausgeprägter Statuskontrolle die Sache einfach nicht mehr im Griff. Ihre Fähigkeit, das Boot ruhig und stabil zu halten, kommt ihnen abhanden, und sie lösen sich buchstäblich in Tränen auf.

Sie müssen sich aber keine Sorgen machen, wenn Ihr Baby nur wenig Statuskontrolle hat: Es wird aus diesem Zustand herauswachsen. Allerdings müssen Sie als Eltern mehr tun, um es zu beruhigen und zum Einschlafen zu bringen. Glücklicherweise lassen sich selbst die unruhigsten Babys mit ein paar Tricks in gute Schläfer verwandeln. (Sie finden die entsprechenden Anleitungen in den nächsten beiden Kapiteln.)

Wie Statuskontrolle Ihrem Baby hilft, weiterzuschlafen

Das folgende kleine Experiment zeigt, dass hinter der erstaunlichen Fähigkeit Ihres Babys, »jederzeit und überall zu schlafen«, die Statuskontrolle steckt.

Schleichen Sie sich mit einer Taschenlampe in das Zimmer, in dem Ihr Baby schläft. Richten Sie den Lichtstrahl der Lampe ein oder zwei Sekunden lang direkt auf seine geschlossenen Augenlider. Es drückt wahrscheinlich die Augen zu, regt sich etwas und atmet schneller (oder schreckt sogar zusammen).

Geben Sie ihm einige Sekunden Zeit, um wieder ruhig zu schlafen, und leuchten Sie dann erneut in sein Gesicht. Wahrscheinlich wird es wie beim ersten Mal oder ein wenig schwächer reagieren.

Wenn Sie den Vorgang einige Male wiederholen, können Sie etwas Interessantes beobachten: Nach drei- oder viermaligem Leuchten lässt die Reaktion deutlich nach, und nach weiteren drei oder vier Versuchen reagiert Ihr Baby unter Umständen überhaupt nicht mehr. Das ist ein Zeichen dafür, dass seine Statuskontrolle es schützt, indem sie sein Gehirn daran hindert, dem Licht Aufmerksamkeit zu schenken!

Das Gehirn Ihres Babys ist ganz eindeutig im Schlaf nicht ausgeschaltet. Es arbeitet immer noch und tut sein Bestes, um Störungen auszublenden. Viele der Tricks, die Sie in diesem Buch finden, zielen darauf ab, die Statuskontrolle zu verbessern und Ihr Baby dabei zu unterstützen, Ablenkungen zu ignorieren und friedlich weiterzuschlafen.

Lernen – die erstaunliche Erinnerungsfähigkeit Ihres Babys

Wahrscheinlich ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass das Kinn Ihres Babys gezittert hat oder dass Ihr Kleines plötzlich geschielt hat. Zwar besitzen nur manche Babys eine unreife Statuskontrolle, aber alle Babys weisen eine unreife Muskelkontrolle auf. Warum sind unsere Babys so »babyhaft?«

Ganz einfach: Menschen haben ein enges Becken. Das hilft uns beim Gehen und Rennen (bei diesen Bewegungen sind dicht beieinander stehende Beine günstiger als Beine mit größerem Abstand), erschwert aber das Gebären von Babys mit großem Kopf. Wir wollen alle schlaue Babys, aber wir wollen auch, dass ihr Gehirn erst groß wird, nachdem sie geboren wurden!

Stellen Sie sich vor, dass Sie eine lange Reise unternehmen, aber nur einen Koffer mitnehmen dürfen. Das ist das Dilemma Ihres Babys. Da sein Kopf durch den Geburtskanal passen muss, kann es nur die Dinge mitnehmen, die zum Überleben in der Außenwelt absolut unerlässlich sind – den Grundbedarf.

Im Lauf der Jahrtausende hat die Natur vier unverzichtbare Fähigkeiten ausgewählt, die den größten Teil des apfelsinengroßen Gehirns unserer Babys einnehmen:

•Steuerung der Grundfunktionen – Herzschlag, Blutdruck, Atmung usw.•Statuskontrolle – Aktivieren (Interaktion mit der Umwelt) und Inaktivieren der Aufmerksamkeit (Erholung und Schlaf)•Reflexe – integrierte »Software«, die Babys in die Lage versetzt, komplexe Abläufe wie Niesen, Saugen, Schlucken und Weinen auszuführen•Kontrolle über Muskeln und Sinne (teilweise) – Fähigkeit zum Berühren, Schmecken, Betrachten und Interagieren mit der Umwelt

In den ersten Wochen schränken diese Fähigkeiten die Aktivitäten Ihres Babys auf Essen, Schauen, Schlafen, Wasser lassen und Stuhlgang haben ein.

Und doch – so eingeschränkt das Gehirn Ihres Babys auch ist, es hat ein wirklich erstaunliches Talent: die Fähigkeit zu lernen!

Unsere Kleinen beginnen schon im Mutterleib Stimmen und Musik zu erkennen. Nach ihrer Geburt lernen sie schnell, den Geruch der Milch ihrer Mutter vom dem der Milch anderer Frauen zu unterscheiden. Sie lernen auch zu gurren und herumzuzappeln, wenn sie Papas lächelndes Gesicht sehen – noch bevor er sie zu kitzeln beginnt.

Wie schon erwähnt, sind diese Lernvorgänge, dieses Durchkämmen und Abspeichern des enormen Erfahrungsschatzes eines Tages, der Grund dafür, dass Babys fünfmal mehr REM-Schlaf haben als Erwachsene.

Da Babys so gut im Lernen sind, sollte man doch annehmen, dass sie auch lernen können, besser zu schlafen. Und das können sie tatsächlich! Wenn Sie Ihrem Baby beibringen, auf positive Schlafreize zu reagieren, helfen Sie ihm, besser zu schlafen (genauso wichtig ist es aber auch, es nicht versehentlich an unerwünschte Reize zu gewöhnen, wie beispielsweise die ganze Nacht gewiegt zu werden). Generationen von Schlafexperten haben behauptet, dass Babys erst mit drei oder vier Monaten in der Lage seien, Schlafen zu trainieren. Aber das ist ein Mythos! Und zwar einer von vielen, die ich aus der Welt schaffen möchte.

Verbreitete Mythen zum Thema Babyschlaf

Man könnte meinen, dass wir seit den Anfängen der Menschheit lange genug mit Babys zu tun hatten, um praktisch alles über sie zu wissen. Aber Vorsicht: Je mehr Bücher Sie lesen und je öfter Sie sich mit Großmüttern unterhalten, mit desto mehr Missverständnissen und Fehlwahrnehmungen werden Sie konfrontiert.

Beispielsweise ist es ein ausgesprochener Mythos, dass frischgebackene Eltern ihr Baby ganz allein aufziehen sollten. Was für ein Unsinn! Seit jeher haben junge Eltern Unterstützung bekommen. In den meisten Kulturen der Welt haben Angehörige und Freunde »die Mutter bemuttert« – bis in jüngerer Zeit der lächerliche Irrglaube aufkam, dass man ein Waschlappen sei, wenn man ein Kindermädchen brauche, und völlig inkompetent, wenn man die Unterstützung seiner Familie in Anspruch nehme.

Fakt: Zum Aufziehen von Kindern braucht man ein ganzes Dorf! Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um Gefälligkeiten anzunehmen. Natürlich sollten Sie bereit sein, diese zu erwidern, wenn Freunde und Angehörige Ihre Hilfe brauchen.

Apropos Mythen: Es folgt eine Liste der zehn verbreitetsten Irrtümer in Bezug auf Babyschlaf, die Sie hören werden, wenn Sie sich mit anderen Müttern unterhalten.

Mythos 1: Babys schlafen von Natur aus gut.

Fakt: Lassen Sie sich von dem Ausdruck »schlafen wie ein Baby« nicht in die Irre führen. Babys schlafen viel – aber in kurzen Abschnitten über den ganzen Tag verteilt. Und manchmal schlagen Babys (wie wir Erwachsenen) einfach über die Stränge. Sie können sich von den alltäglichen Umtrieben in Ihrem Haushalt derart mitreißen lassen, dass sie zu lange wach bleiben. Dann sind sie aufgedreht und schlecht gelaunt, was es ihnen noch schwerer macht, sich von der Party zu verabschieden und dem Schlafbedürfnis nachzugeben.

Mythos 2: Ein schlafendes Baby sollte man nicht aufwecken.

Fakt: Manchmal ist es sogar notwendig, Ihr Baby zu wecken! Wenn es zum Beispiel im Schlaf Stuhlgang hatte, müssen Sie es aufwecken, um seine Haut zu schonen. Und es um 23 Uhr für eine sogenannte Traummahlzeit (eine kleine Extraportion) aufzuwecken, kann eine wichtige Voraussetzung für besseren Schlaf sein.