Das große Lehrbuch der Chartanalyse - Stefan Salomon - E-Book

Das große Lehrbuch der Chartanalyse E-Book

Stefan Salomon

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Beschreibung

So funktioniert Chartanalyse wirklich! Stefan Salomon, Top-Spezialist für Chartanalyse und Candlesticks im deutschsprachigen Raum, zeigt, wie jeder schon nach kurzer Übung erfolgreich traden lernt. Sie benötigen weder eine betriebswirtschaftliche Ausbildung noch brauchen Sie eine hochprofessionelle Chartsoftware, um an der Börse erfolgreich zu sein. Bleistift und Lineal sind die besten Werkzeuge um die Märkte, egal ob Aktien-, Rohstoff- oder Devisenmärkte, zu analysieren. Der Schwerpunkt liegt auf der Chartanalyse als Teil der Technischen Analyse sowie deren Grundlagen. Großer Wert wird darauf gelegt, möglichst einfache und nachvollziehbare Techniken dieser Methode vorzustellen, Techniken, die jeder Anleger durchführen kann und die ohne großen Zeitaufwand erlernbar sind, aber ausgesprochen erfolgreich angewendet werden können. Auch der fortgeschrittene Trader und der Profi-Anleger werden hier nützliche Anregungen finden. Inkludiert ist auch ein komplettes Arbeitsbuch mit 50 Übungen zur Trend- und Formationsanalyse sowie zu Candlesticks, inklusive Lösungen. So können Sie sich schnell in die Materie, in die Charttechnik einarbeiten, um sich anschließend selbst an der Börse zu versuchen.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

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Seitenzahl: 409

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Stefan Salomon

DAS GROßE LEHRBUCH DER CHARTANALYSE

Wie Sie Kauf- und Verkaufssignale erkennen. Mit Bleistift und Lineal zum Erfolg!

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie.

Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über https://dnb.de/ abrufbar.

Für Fragen und Anregungen:

[email protected]

9. Auflage 2025

© 2020 by FinanzBuch Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH,

Türkenstraße 89

80799 München

Tel.: 089 651285-0

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden. Wir behalten uns die Nutzung unserer Inhalte für Text und Data Mining im Sinne von § 44b UrhG ausdrücklich vor.

Die im Buch veröffentlichten Ratschläge wurden von Verfasser und Verlag sorgefältig erarbeitet und geprüft. Eine Garantie kann dennoch nicht übernommen werden. Ebenso ist die Haftung des Verfassers beziehungsweise des Verlages und seiner Beauftragten für Personen-, Sach- und Vermögensschäden ausgeschlossen.

Lektorat: Silvia Kinkel

Korrektorat: Manuela Kahle

Umschlaggestaltung: Marc-Torben Fischer

Satz: Tatjana Pfluger, abavo GmbH

Druck: Florjancic Tisk d.o.o., Slowenien

eBook: ePubMATIC.com

ISBN Print 978-3-95972-295-7

ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-96092-549-1

Weitere Informationen zum Verlag finden Sie unter

www.finanzbuchverlag.de

Beachten Sie auch unsere weiteren Verlage unter www.m-vg.de

Mit diesem Link können Sie alle Buchseiten mit Übungen, bei denen Sie zeichnen sollen,

downloaden und anschließend ausdrucken:

www.m-vg.de/Salomon

Inhalt

Vorwort

Chartanalyse lernen!

Keep it simple, stupid!

Gewinne laufen lassen, Verluste begrenzen

Gewinne laufen lassen

Verluste begrenzen

Die Börse ist ein Marktplatz

Ihr Weg zum erfolgreichen Börsianer

Schwerpunkt Chartanalyse – einfach erlernbar und erfolgreich!

Erfolg mit Bleistift und Lineal!

Übung macht den Meister!

Chartanalyse funktioniert zu jeder Zeit!

Teil 1 – Einführung in die Welt der Börse

Kapitel 1: Was bewegt die Kurse?

Börse ist irrational! Versuchen Sie nicht, die Börse zu verstehen

An der Börse wird Zukunft gehandelt!

Menschliche Verhaltensmuster bestimmen Zyklen und Börsenphasen!

Gier, Euphorie, Angst und Panik

Börsencrashs

Tulipomanie im 17. Jahrhundert, Holland

Südsee-Seifenblase 1720, England

Schwarzer Freitag – Börsenkrach 1929, USA

Crash am Neuen Markt und an der NASDAQ 2000/2001

Gemeinsamkeiten von Crashs

Was wir aus Crashs lernen können

Fundamentalanalyse oder Technische Analyse?

Vier Augen sehen mehr als zwei!

Teil 2 – Technische Analyse

Kapitel 2: Einführung – Was ist Technische Analyse?

Bullen und Bären bestimmen den Kurs

Was ist eigentlich ein Kurs?

Das Ziel und der Weg des Technischen Analysten

Kunst und Wissenschaft

Grundannahmen der Technischen Analyse

Chartanalyse

Markttechnik

Werkzeuge der Technischen Analyse

Prognose oder Prophezeiung?

Kapitel 3: Chart – Fieberkurve der Börse

Open – high – low – close – vier wichtige Begriffe

Der Linienchart

Der Bar- oder Balkenchart

Candlesticks

Point & Figure Charts

Linear oder logarithmisch?

Kapitel 4: Bullen und Bären bilden eine Zone

Konzept von Unterstützung und Widerstand

Das Bilden einer Unterstützung oder eines Widerstands

Polaritätswechsel

Die Phasenanalyse

Zittrige Hände – starke Hände

Akkumulation und Distribution

Kapitel 5: Trendanalyse – die Masse geht mit

Was ist ein Trend?

Hoch- und Tiefpunkte sind entscheidend

Klassifizierung von Trends

Merksätze für Trends

Wann ist ein Trend gebrochen?

Die »grafische« Definition eines Trends

Kanonenfutter an der Börse

Anmerkung zu Neu-Emissionen

Praktische Hinweise zur Konstruktion von Trendlinien

Übungen: Auf- und Abwärtstrend

Der Seitwärtstrend

Kurszielableitung

Kapitel 6: Trendkanal, Trendfächer

Der Trendkanal

Konstruktion eines Trendkanals bei einem Aufwärtstrend

Der Aufwärtstrendkanal

Versuch und Irrtum

Angeborenes Verhalten: Trends werden fortgeschrieben

Der Abwärtstrendkanal

Panik im Markt

Der Kreuzwiderstand

Die Kreuzunterstützung

Kreuzwiderstand und Kreuzunterstützung – In Verbindung mit horizontalen Marken

Der Trendfächer

Kapitel 7: Umsatz

Alle machen mit – oder doch nicht? Das Volumen – der Umsatz!

Regeln zur Interpretation der Umsätze

Kapitel 8: Formationsanalyse

Die zweite Grundannahme der Technischen Analyse: Chartmuster und deren Folgen wieder sich

Einführung in die Formationsanalyse

Was ist eine Formation, ein Chartmuster?

Übersicht und Klassifizierung der relevantesten Formationen

Euphorie im Markt – die Schulter-Kopf-Schulter-Formation

Depression im Markt – Die umgekehrte Schulter-Kopf-Schulter-Formation

Der Trend am Ende – M- und W-Formationen

Dreiecke: Ruhe vor dem Sturm – abwartende Unsicherheit

Rechtwinkliges ansteigendes Dreieck (ascending triangle) – die Kaufneigung nimmt zu

Handeln Sie, was Sie sehen!

Rechtwinklig fallendes Dreieck (descending triangle) – die Unterstützung hält?

Symmetrisches Dreieck – der Markt schaut zu

Umgekehrtes symmetrisches Dreieck (broadening top) – Gefühlschaos der Anleger

Merkmale des umgekehrten symmetrischen Dreiecks

Flaggen und Wimpel (flags and pennants) – kurze Verschnaufpausen im Trend

Keilformation – (wedge formation) die Lage spitzt sich zu

Merkmale von Keilen

Rechtecke (trading range, congestion area) – Pattsituation zwischen Bären und Bullen

Die hohe Schule der Panik: V-Formation

Untertasse – langsames Erwachen (rounding top, rounding bottom)

Der Sprung der Masse – das Gap

Teil 3 – Candlesticks

Kapitel 9: Einführung Candlesticks

Einleitung und Grundkerzen der Candlesticks

Was ist eine Candle?

Bedeutung einzelner Kerzen und deren Anwendung

Kapitel 10: Die vier wichtigsten Candlesticks

Hammer

Hanging Man

Inverted Hammer

Shooting Star

Fazit

Candlestickformationen im Überblick

Zeitebenen und Prognosehorizont von Candlesticks

Kapitel 11: Beispiele unterschiedlicher Zeitebenen bei Candlesticks

Langfristige Zeitebene – Monatskerzen

Stochastic und MACD – kurze Erläuterung

Mittelfristige Zeitebene – Wochenkerzen

Zeitebenen verknüpfen – der Erfolgsfaktor!

Fazit Candlesticks

Teil 4 – Die Praxis – Ihre Chartanalyse!

Kapitel 12: Chartanalyse: Einfach anfangen!

Wie erstellt man eine Chartanalyse?

Methodik der Technischen Analyse

Fehlerquellen der Technischen Analyse

So lernen Sie effektiv Formationen

Kapitel 13: Beispiel – Theorie und Praxis

Analyse vom 15.09.2008 – Auszug

Kapitel 14: Übungen 1 bis 49

Übungen zur Trend- und Formationsanalyse sowie Candlesticks

Übungen 1 bis 49 – Lösungsvorschläge

Übung 50 – Verknüpfung der Zeitebenen

Übung 50 – Lösungsvorschlag: Verknüpfung der Zeitebene!

Kapitel 15: Epilog

Nur der Markt hat Recht!

Regeln – Keep it simple, stupid

Artikel VTAD-Zeitschrift April 2019 – SuperTrend

Aufbau eines Regelwerks

Viel Erfolg!

Literatur

Copyrights der verwendeten Chartsoftware

Über den Autor

Vorwort

Chartanalyse lernen!

Nichts ist leichter, als Geld an der Börse zu verdienen. Sie kaufen eine Aktie, warten ab und verkaufen zu einem höheren Kurs. Ohne Schweiß und Arbeit kommt es in Ihrem Depot zu einer wundersamen Geldvermehrung. Allerdings ist es natürlich auch sehr leicht, Geld zu verlieren. Ersteres ist erwünscht, Letzteres möchten wir alle vermeiden. Doch mit ein wenig Geduld und Vorbereitung ist es langfristig für jeden möglich, erfolgreich an den Börsen der Welt zu agieren. Auch wenn jeder Börsianer schon Verluste erlitten hat – Erfolg ist die Folge von einigen Grundsätzen und der Analyse des Marktes.

In diesem Buch stelle ich Ihnen die Chartanalyse vor, mit der Sie schon nach kurzer Übung erfolgreich die Märkte, egal ob Aktien-, Rohstoff- oder Devisenmärkte, analysieren können. Diese Methode fußt auf der Annahme, dass sich massenpsychologische Effekte im Kursverlauf eines Wertes widerspiegeln und sich hieraus entsprechend vorab definierter Wahrscheinlichkeiten die zukünftige Kauf- oder Verkaufsneigung der Börsianer erkennen lässt.

Börse ist einfach! Insbesondere für Anleger, die sich noch gänzlich unbefangen an die Materie Börse und Chartanalyse heranwagen. Denn eines vorab: Machen Sie sich die Börse nicht zu kompliziert. Steigt ein Markt, so versuchen Sie mit dem Aufwärtstrend zu investieren. Fällt dagegen ein Wert, so kann der versierte Trader natürlich auch im Abwärtstrend auf fallende Kurse wetten. Der klassische Privatanleger hingegen sollte eine fallende Aktie eher meiden. Und das ist eigentlich schon das ganze Geheimnis des Börsenerfolgs! Gehen Sie immer mit dem Trend. Lassen Sie sich mit der Börse treiben – aber versuchen Sie bitte nicht, gegen den Strom zu schwimmen.

Keep it simple, stupid!

Chartanalyse ist hierbei ausgesprochen hilfreich, um zu erkennen, in welche Richtung die Masse der Anleger strebt. Auch hier gilt: Keep it simple, stupid! Oder auf Deutsch: Halten Sie die Sache so einfach wie möglich. Ich kenne Börsianer, die langfristig mit Bleistift und Lineal und ein wenig Geduld deutlich erfolgreicher agieren als so mancher kurzfristig orientierte Trader, der versucht, mit komplexen Handelssystemen, mehreren Computern und Bildschirmen dem Markt täglich ein paar Punkte abzujagen.

Gewinne laufen lassen, Verluste begrenzen

Börse ist und bleibt aber auch unberechenbar. Sie können fundamentale Informationen einholen, Chartmuster identifizieren, eine exzellente Analyse erstellen und trotzdem reagiert der Markt völlig anders, als Sie es erwartet haben. Denn bei jeder Investition, bei jedem Trade, verbleibt ein Risiko! Dessen sollten Sie sich bewusst sein. Aufgrund dieses Restrisikos ist einer der ältesten Börsensprüche auch der wichtigste: »Gewinne laufen lassen, Verluste begrenzen.« Oder wie sich Börsen-Altmeister Kostolany ausdrückte: Niemand weiß, wie hoch eine Aktie steigen oder wie tief sie fallen kann.

Gewinne laufen lassen

Sie haben eine Aktie gekauft, diese steigt und steigt. Sie verzeichnen so im Depot Buchgewinne. Rein menschlich nimmt damit die Neigung allerdings zu, diese Gewinne auch mitzunehmen. Doch »Gewinne laufen lassen« bedeutet, dass Sie Ihr Engagement in dieser Aktie so lange halten, bis sich die Gründe für den Kauf der Aktie ändern, sei es aus der Perspektive der Chartanalyse oder unter fundamentalen Aspekten! Fällt die gekaufte Aktie zum Beispiel nach einem längerfristigen Aufwärtstrend aus diesem heraus, generiert also aus der charttechnischen Perspektive ein Verkaufssignal, so wird der Wert abgestoßen. Laufen lassen bedeutet somit in der Sprache der Börsianer, dass mit Geduld und Disziplin ein Wert so lange im Depot gehalten wird, bis sich gegenteilige Signale ergeben.

Verluste begrenzen

Sie kaufen zum Beispiel eine Aktie aufgrund von Kaufsignalen der Technischen Analyse in Verbindung mit einer guten Wachstumsstory sowie jüngst von der Börse positiv aufgenommenen Quartalszahlen. Doch überraschend neue Mitteilungen des Unternehmens führen zu Kursverlusten und einem Verkaufssignal entsprechend der Chartanalyse, zum Beispiel einem Ausbruch aus einem langfristigen Dreieck nach unten. Die Aktie in Ihrem Depot generiert Buchverluste, die wiederum aufgrund eines angeborenen Verhaltensmusters gern ignoriert werden. Doch im Zweifel sollte stets der Depoterhalt im Vordergrund eines Anlegers stehen. Schauen Sie nicht zu, wie eine Aktie weiter fällt und ihre Buchverluste ansteigen. Setzen Sie sich schon vor Kauf eine Schwelle, an der Ihre Idee steigender Kurse beziehungsweise Ihres bevorzugten Szenarios Ihres Engagements nicht mehr haltbar ist! Trennen Sie sich lieber zu früh als zu spät von einem Verlust.

Beachten Sie stets: An der Börse agieren Menschen! Anleger, Trader, Investoren lassen sich mitreißen – sie werden gierig und euphorisch, wenn die Kurse steigen. Dagegen werden sie ängstlich und panisch, wenn die Kurse fallen. Alle Facetten der menschlichen Emotionen spielen bei einer Kauf- oder Verkaufsentscheidung stets eine Rolle. Denn egal, ob der Mensch als Börsianer nun vorab eine Reihe von Faktoren abgewägt hat oder eher impulsiv einen Kauf tätigt. Bei jeder Entscheidung, die wir als Menschen treffen, spielen unsere bewussten, aber auch unsere unbewussten Emotionen eine große Rolle!

Letztlich greifen die Anleger auf dem Marktplatz Börse zu oder stoßen ihre Papiere ab, prüfen vermeintlich rational und werden doch emotional beeinflusst, wenden sich verärgert ab und verdrängen gern Misserfolge.

Die Börse ist ein Marktplatz

Betrachten Sie den Kauf von Aktien, Devisen oder Rohstoffen daher genauso wie einen Gang auf einen Markt. Denn letztlich geht es an den Börsen der Welt zu wie auf einem sehr großen Marktplatz. Die Ware wird geprüft, gekauft oder zurückgelegt, angepriesen und zum Ende des Markttages verhökert. Es gibt Schnäppchen sowie überteuerte schlechte Ware. Selbstverständlich treiben auch die berühmten schwarzen Schafe ihr Unwesen auf dem Marktplatz.

Legen Sie vorher fest, unter welchen Bedingungen Sie welche Ware kaufen möchten. Vergleichen Sie vorab die Preise, überlegen Sie sich, welche Ware sich langfristig am besten entwickeln dürfte und analysieren Sie die Marktstimmung. Gibt es viele Verkäufer, warten Sie auf Ihre Chance, billigst einzukaufen. Gibt es dagegen nur wenige Verkäufer und viele Käufer, zögern Sie nicht und stehen Sie früh auf, um vor den anderen Käufern die beste Ware zu ergattern. Doch hüten Sie sich vor den schwarzen Schafen! Würden Sie auf einem Markt die billigsten Erdbeeren kaufen, ohne zu prüfen, ob diese nicht schon schimmelig sind? Kaufen Sie auf dem Marktplatz eine Ladung Kartoffeln, nur weil diese gerade besonders günstig sind? Lassen Sie sich nicht durch Lockvogelangebote von Ihrer Einkaufsliste abbringen.

Etwas Vorbereitung und Disziplin reichen aus, um langfristig erfolgreich zu agieren. Sie benötigen weder eine betriebswirtschaftliche Ausbildung noch brauchen Sie eine hochprofessionelle Chartsoftware, um Aktien auszuwählen sowie Ein- und Ausstiegszeitpunkte festzulegen.

Ihr Weg zum erfolgreichen Börsianer

Ein Telefon, Taschenrechner, ein Computer mit Internetanschluss, ein Drucker sowie Lineal und Bleistift und vielleicht noch eine Börsenzeitschrift mit einem guten Statistikteil reichen völlig aus, um langfristig Geld an der Börse zu verdienen. Sie benötigen zudem ein wenig Zeit. Rund ein bis drei Stunden pro Woche sind für den privaten Anleger vollkommen ausreichend. Zum Anfang Ihrer Karriere als privater Anleger werden Sie sicherlich etwas mehr Zeit investieren müssen, um den Markt sowie sich selbst kennenzulernen, Ihre Regeln aufzustellen und vor allem zu begreifen, dass auch all die Profis im Markt nur mit Wasser kochen. Übernehmen Sie selbst die Verantwortung für Ihr Handeln und vergessen Sie Ihre eigene Meinung und die Meinung der anderen über den Markt. Nur der Markt hat Recht. Entwickeln Sie zudem eine eigene Strategie, ein Regelsystem, welches auf Ihre Erfordernisse zugeschnitten ist.

Schwerpunkt Chartanalyse – einfach erlernbar und erfolgreich!

Dieses Buch soll Ihnen bei Ihren zukünftigen Entscheidungen an der Börse helfen. Der Schwerpunkt liegt auf der Chartanalyse als Teil der Technischen Analyse sowie deren Grundlagen. Wert wird darauf gelegt, möglichst einfache und nachvollziehbare Techniken dieser Methode vorzustellen. Techniken, die jeder Anleger durchführen kann und die ohne großen Zeitaufwand erlernbar sind, aber hierbei ausgesprochen erfolgreich angewendet werden können. Aber auch der versierte Profi-Anleger, der seine Methodik hinterfragen möchte, findet im vorliegenden Buch Anregungen.

Erfolg mit Bleistift und Lineal!

In meiner langjährigen Tätigkeit als Referent und Coach sind mir allzu viele Börsianer und kurzfristig orientierte Day-Trader über den Weg gelaufen, die ihr Depot an die Wand gefahren haben. Der wesentliche Grund hierfür war stets, an vorgefassten Meinungen über den Markt festzuhalten. So wird statt einer Chartanalyse, die auf den Fundamenten der Trend- und Formationsanalyse ruht, mit zu komplexen Indikatoren-Systemen gearbeitet, die überoptimiert sind sowie teils widersprüchliche Signale liefern. Oder Anleger scheitern, weil sie mit esoterischen Mitteln Prophezeiungen über den Markt aussprechen, statt Prognosen zu ermitteln, die auf statistischen Untersuchungen von Kursmustern gründen. Nur der Markt hat Recht und dessen vorherrschende Stimmung, ob positiv, negativ oder neutral, ist zu ermitteln! Mit Bleistift und Lineal können Sie die relevanten Trends identifizieren. In Verbindung mit den Verhaltensmustern des Marktes, den Formationen, können Sie sodann MIT statt GEGEN den Markt investieren!

Übung macht den Meister!

Im vorliegenden Buch finden Sie ein Kapitel mit 50 Übungen zur Trend- und Formationsanalyse in Verbindung mit Candlesticks. Mit entsprechenden Lösungsvorschlägen. So können Sie sich schnell in die Materie, in die Charttechnik einarbeiten, um sich anschließend selbst an der Börse zu versuchen.

Chartanalyse funktioniert zu jeder Zeit!

Ein Wort zur Entstehung des vorliegenden Buches. Die Idee und auch erste Texte nebst Charts entstanden im Jahr 2000. Zu dieser Zeit herrschte eine deutliche Börsen-Euphorie, und der Neue Markt erlebte seine Blütezeit. Seitdem ist natürlich viel Zeit vergangen. So manche Aktien verschwanden in den letzten Jahren vom Kurszettel. Einige dieser »historischen« Charts habe ich in das Ihnen vorliegende Werk mit aufgenommen. So können Sie gut erfahren, dass Chartanalyse nicht nur heute, sondern zu allen Zeiten funktioniert.

Chartanalyse an sich ist ja auch nicht neu. Vielmehr begründete Charles Dow schon Ende des 19. Jahrhunderts die heute bekannte Technische Analyse mit seinen sechs Theoremen zur Charttechnik. Seine Kernthesen lauteten:

Im Preis sind alle Informationen enthalten.

Ein Markt hat drei Trends (lang-, mittel- und kurzfristig).

Jeder langfristige Trend hat drei Phasen (Akkumulation, öffentliches Interesse, Distribution).

Umsätze bestimmen den Trend.

Die Trends der (damals zwei existierenden) US-Indizes DOW JONES INDUSTRIAL und DOW JONES TRANSPORTATION müssen sich gegenseitig bestätigen.

Ein Trend gilt so lange, bis er dreht. Eine Trendwende bedarf der Bestätigung beider oben genannter Indizes.

Danken möchte ich meinen vielen Kunden und Seminarteilnehmern, die mir wertvolle Anregungen für die notwendigen Inhalte eines Buches für Einsteiger in die Welt der Börse und der Technischen Analyse gegeben haben. Dank auch an die Firma bsb-software.de als Datenlieferant für die Charts, die mit dem Chartanalyseprogramm Metastock erstellt wurden.

Ich wünsche Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, viel Erfolg an der Börse!

Ihr Stefan Salomon

Teil 1 – Einführung in die Welt der Börse

Kapitel 1: Was bewegt die Kurse?

Was bewegt eigentlich die Kurse? Ehe Sie sich mit der Welt der Börse auseinandersetzen, möchte ich Sie davon überzeugen, dass das Börsengeschehen eine zutiefst irrationale Veranstaltung ist. Denn Kurse werden von Menschen gemacht – und der Mensch ist und bleibt ein irrationales Wesen.

Börse ist irrational! Versuchen Sie nicht, die Börse zu verstehen.

Daher an dieser Stelle mein Warnhinweis: Versuchen Sie wirklich niemals, die Börse zu verstehen. Es führt zu nichts, verstehen zu wollen, warum denn nun der eine oder andere Wert zu fallen oder zu steigen anfängt. Ebenso gut könnten Sie fragen, was zuerst da war – das Ei oder die Henne? Bezogen auf den »Marktplatz Börse« könnten Sie auch fragen, was war zuerst da – die guten Meldungen oder die steigenden Kurse? Manchmal weiß man als Marktbeobachter nicht so recht, ob nun Kurse Meldungen machen oder umgekehrt. Erklärungen über steigende oder fallende Kurse gibt es jedoch immer – doch nichts anderes auf der Welt als das Verhältnis von Angebot zu Nachfrage bestimmt den Preis einer Aktie, eines Rohstoffes oder anderer Börsen-Instrumente.

An der Börse wird Zukunft gehandelt!

Beachten Sie bitte Folgendes: Menschen handeln nicht die Aktie (einen Index, Rohstoff oder ein Währungspaar et cetera) allein als rationalen Wert an sich. Die Aktie symbolisiert vielmehr eine Idee, ein Bild, eine Erwartung. Menschen handeln Erwartungen an der Börse. Erwartungen über Gewinnaussichten und die Wettbewerbssituation eines Unternehmens, über Reichtum und Wohlstand, die eine Aktie unter Umständen dem Anleger bringen kann. An der Börse wird Zukunft gehandelt.

Werden Erwartungen enttäuscht, wird verkauft. Fallende Kurse wiederum enttäuschen, es wird weiter verkauft. Wird die Masse der Anleger enttäuscht, so wird eine um sich greifende Verkaufsneigung der meisten Marktteilnehmer so lange zu stets fallenden Kursen führen, bis sich die ersten potenziellen Käufer verwundert die Augen reiben, ob der scheinbar günstigen Kurse – und zu kaufen anfangen. Die Frage bleibt natürlich, was ist »günstig«?

Werden dagegen positive Erwartungen geschürt (durch Medien, Gurus, Unternehmensmeldungen, Bilanzen et cetera) und auch bestätigt, so wird die Masse der Anleger kaufen. Steigende Kurse wecken die Begehrlichkeit, die Gier anderer potenzieller Käufer. Solange genügend neue Käufer auftreten und nur eine geringe Anzahl von Verkäufern dagegenhält, werden die Kurse anziehen. Es entsteht so eine lang anhaltende »Kaufneigung«, bis sich keine neuen Käufer mehr finden und sich die Masse der Aktionäre fragt, ob denn die Kurse in den Himmel schießen können. Allgemein wird diese Frage verneint.

Nach der Kaufneigung und Euphorie, die immer mehr um sich greift, tritt nun Ernüchterung und damit eine vermehrte Verkaufsneigung ein. Die Kurse beginnen zu fallen.

Menschliche Verhaltensmuster bestimmen Zyklen und Börsenphasen!

Die in Abbildung 1 dargestellte Zyklik der Kauf- und Verkaufsneigung einer Masse von Marktteilnehmern resultiert letztlich aus angeborenen Verhaltensmustern des Menschen. Diese haben sich seit Adam und Eva nicht geändert. Gier, Euphorie, Angst und Panik – diese kräftigen und starken Gefühle werden den Menschen stets begleiten – und auch zu Massenphänomenen führen, welche verantwortlich sind für Börsenhaussen, Crashs, Über- und Untertreibungen auf dem Börsenparkett. Schematisch lassen sich die Phasen, die die Masse der Anleger und insbesondere der Kleinanleger an der Börse durchlaufen, in mehrere Grundstimmungen einteilen.

Gier, Euphorie, Angst und Panik

Der Beginn eines typischen Börsenzyklus ist die Zeit des größten Pessimismus, die Depression der Masse. Nach anfänglichen Kurssteigerungen beginnt sich ein zaghafter Optimismus durchzusetzen, der am Hochpunkt des Börsenzyklus in schiere Euphorie umschlägt. Nach dieser Zeit des größten Optimismus setzt Ernüchterung ein, gefolgt von Angst und Panik in einem anschließenden Abwärtstrend. Darauf folgt wieder die große Depression – das Spiel kann wieder von neuem beginnen. Angemerkt sei jedoch, dass es zwar bezogen auf die Gesamtmärkte immer wieder zu neuerlichen Anstiegen kommen wird, doch dies nicht unbedingt für Einzelaktien oder ganze Branchen gelten muss. Nachdem eine Börsenblase (Euphorie) geplatzt ist, kann dies auch das endgültige Aus für die eine Aktie, eine gesamte Branche oder auch für ein ganzes Land bedeuten.

Abbildung 1: Idealisierter Börsen-Zyklus – Stimmung der Kleinanleger

So benötigte beispielsweise der japanische Aktienmarkt einige Jahre, um sich von der exorbitanten Spekulationsblase Ende der 80er-Jahre zu erholen – die im Zuge einer gigantischen Euphorie unter anderem der japanischen Kleinanleger entstand. So fiel der Index von seinem Allzeithoch vom 29. Dezember 1989 bei 38.957,44 Punkten im Zuge des Platzens der Aktien- und Immobilienblase in Japan bis zum 3. Juli 1995 auf 14.485,41 Punkte. Und selbst mit einer kräftigen Erholung von 2012 bis 2018 konnte der Nikkei 225 sein Allzeithoch bislang nicht mehr erreichen (Abbildung 2).

Börsencrashs

Im oben dargestellten Abschnitt wurde verdeutlicht, wie und warum sich Kurse bewegen. Kauf- und Verkaufsneigung bewegen die Kurse. Die entscheidende Frage an der Börse lautet: Welche Neigung überwiegt im aktuellen Zeitpunkt und welche Neigung setzt sich fort? Können Sie dank Ihrer Analysemethoden diese Frage beantworten, sind Sie der Börse einen Schritt voraus. In diesem Fall sind Sie auch dagegen gefeit, ins »fallende Messer« zu greifen (also bei stark fallenden Kursen zu kaufen) oder zu früh aus einer bestehenden Kaufneigung auszusteigen. Die in diesem Buch vorgestellten Methoden sollten Sie nach ein wenig Übung dazu befähigen, Kauf- und Verkaufsneigungen im Markt festzustellen. Kauf- und Verkaufssignale können Sie dann ableiten, indem Sie entweder eine Stimmungsänderung oder eine Fortsetzung der vorherrschenden Stimmung feststellen.

Abbildung 2: Nikkei 225 von 1984 bis 2019 – Der japanische Aktienmarkt erlebte in den 80er-Jahren eine beispiellose Hausse. Das Allzeithoch ist seit dem Platzen dieser Blase bislang nicht mehr erreicht worden – chart provided by Metastock

Das Spiel von Angebot und Nachfrage, die Zukunftserwartungen in Verbindung mit den Emotionen der Anleger prägen letztlich das Börsengeschehen. Diese stets wiederkehrenden Verhaltensmuster oder auch typische massenpsychologische Börsenphänomene sind die Ursachen für zahlreiche Börsencrashs in der Geschichte. Exemplarisch sei Ihnen dies an einigen historischen Beispielen dargestellt.

Tulipomanie im 17. Jahrhundert, Holland

Der erste dokumentierte »Börsencrash« in der Geschichte war die Spekulation mit Tulpenzwiebeln Anfang des 17. Jahrhunderts in den Niederlanden. Die Tulpenzwiebel kam Mitte des 16. Jahrhunderts als Luxusgut aus der Türkei nach Holland. Sie avancierte schnell zu einem Statussymbol der reichen Kaufleute. Kleinere kostbare Tulpenbeete wurden angelegt und bezeugten den Wohlstand der oberen Kaufmannsschicht. Davon ausgehend entwickelte sich Anfang des 17. Jahrhunderts vor allem in Amsterdam ein Handel mit den noch seltenen und kostbaren Tulpenzwiebeln. Eine spekulative Begeisterung und ständig steigende Nachfrage nach den Tulpenzwiebeln sowohl als Statussymbol wie auch als Spekulationsobjekt trieben die Preise bis ins Jahr 1637 in exorbitante Höhen. Eine einzige Tulpenzwiebel der seltenen Sorte Semper Augustus wurde zum Preis von 4.600 Gulden nebst Pferdegespann, Zaumzeug und Geschirr gehandelt. Zum Vergleich: Ein Mastochse kostete damals 120 Gulden.

Über die Anfänge und den Anstieg, aber auch das Ende der Spekulation werden heute unter Historikern verschiedene Gründe diskutiert. So wird auch der Einfluss der Beulenpest genannt. Deren Folge sollen vermehrte Erbschaften und eine gestiegene Risikoneigung gewesen sein. Letztlich festzustellen ist, Tulpenzwiebeln entwickelten sich ab circa 1634 zum Spekulationsobjekt. Auf diese wurden auch Optionen verkauft und Leerverkäufe getätigt. Die stetig steigenden Preise und die Erzählungen von »über Nacht« reich gewordenen Händlern zogen immer mehr Spekulanten an. Einer Stagnation und rückläufigen Preisen Ende 1636 folgte jedoch der Zusammenbruch Anfang 1637. Die Nachfrage nach Tulpenzwiebeln brach ein. Die Hysterie der daran beteiligten Spekulanten und Kaufleute fand ein jähes Ende.

Südsee-Seifenblase 1720, England

Ein weiteres historisches Beispiel für einen Börsenkrach ist die Südsee-Seifenblase zu Beginn des 18. Jahrhunderts (1720) in London: Die Südsee-Gesellschaft wurde vom Grafen von Oxford 1711 gegründet und von einigen Kaufleuten finanziert. Zweck der Gesellschaft war der Handel mit Lateinamerika. Durch die Übernahme von fast 10 Millionen Pfund der britischen Staatsverschuldung wurde das Monopol auf den gesamten Handel mit Lateinamerika erkauft. Dieses Monopol hatte jedoch seine Tücken, da die Spanier damals nur ein britisches Schiff pro Jahr passieren ließen. Insofern dümpelte die Aktie auch bis 1718 ohne nennenswerte Bewegung vor sich hin. 1718 kam es jedoch infolge von spekulativen Börsenmanipulationen in Frankreich zu einem starken Kapitalrückfluss nach England. Dies hatte zur Folge, dass die Südseegesellschaft der britischen Regierung die volle Übernahme der damaligen Staatsverschuldung (31 Millionen Pfund) anbieten konnte, unter der Bedingung, dass die Südsee-Gesellschaft ihr Kapital unbegrenzt und zu jedem Kurs erhöhen konnte. Die Aktien sollten gegen Staatsrenten eingetauscht werden können.

Nach einer hitzigen Debatte im britischen Parlament wurde sodann ein Gesetz erlassen, das diesen Bedingungen nachkam. Neue Gerüchte über die märchenhaften Gewinnchancen durch die mögliche Ausbeutung der mexikanischen Gold-und Silberminen und über kurz bevorstehende Verträge zwischen England und Spanien zum Zwecke des freien Schifffahrtsverkehrs trieben den Aktienkurs der Südsee-Gesellschaft in nie gekannte Höhen. Bis Mitte 1720 konnte der Kurs der Aktie bis auf 1.050 Pfund ansteigen, bei einem Nominalwert von 100 Pfund. Die Eigentümer nutzten ihre Chance und brachten neben neuen Gerüchten auch neue Aktien zu astronomisch hohen Emissionspreisen in Umlauf. Angemerkt sei, dass zu diesem Zeitpunkt die Südsee-Gesellschaft keinerlei nennenswerten Geschäften nachging oder gar Gewinne machte, die eine entsprechend hohe Bewertung nahelegte.

Die spekulative Begeisterung der Engländer kannte keine Grenzen mehr. Rentner, die bis dahin britischen Staatspapieren vertrauten, tauschten diese sicheren Papiere in Aktien der Südsee-Gesellschaft. Ob arm oder reich, ob jung oder alt, jeder war vom Börsenfieber angesteckt. Im Zuge der Hausse der Südsee-Gesellschaft wurden sogar neue Aktiengesellschaften gegründet. Allein zu dem Zweck, Geld einzusammeln. Teilweise boten diese Gesellschaften recht obskure Geschäftsmöglichkeiten:

Gewinnung von Silber aus Blei,

Umwandlung von Quecksilber in Feinmetall,

Seifenherstellung und deren Verbesserung,

Schiffsgesellschaften zum Kampfe gegen Piraten.

Diese Neugründungen wurden im Volksmund als »bubble« (Blase) bezeichnet, da sie genauso schnell verschwanden, wie sie gekommen waren.

Das Ende der Spekulation war im September 1720 erreicht. Innerhalb kürzester Zeit brach der Kurs der Südsee-Gesellschaft deutlich ein, bis knapp über den Nominalwert, um im Jahr 1721 sogar unter diesen Wert von 100 Pfund zu fallen. Verarmte Rentner, Geschäftsleute und Lords blieben zurück. Auch Sir Isaac Newton (1643-1727) war an der Spekulation mit Aktien der Südsee-Gesellschaft beteiligt. Er gewann anfänglich rund 7.000 Pfund, um anschließend circa 20.000 Pfund zu verlieren. Nach diesem herben Verlust ließ er sich zu der Aussage verleiten: »Ich kann zwar den Verlauf der Gestirne berechnen, nicht jedoch das Verhalten der Menschen.«

Schwarzer Freitag – Börsenkrach 1929, USA

Auch der große Börsenkrach 1929 hatte ein ähnliches emotionales Verlaufsmuster wie die vorherigen historischen Einbrüche. Nachdem der DOW JONES innerhalb eines Aufwärtstrendkanals relativ stetig gestiegen und gefallen war, wurde Anfang 1925 eine bis dahin als Widerstand geltende Marke bei circa 118 Indexpunkten nach oben durchbrochen.

Abbildung 3: US-Index DOW JONES von 1901 bis 1935 – Nach der Euphorie folgte Ernüchterung und Depression – chart provided by Metastock

Geschichten über reich gewordene Aktienbesitzer machten die Runde und heizten die Stimmung weiter an. Von den Brokern wurden sowohl Kredite auf Aktien bewilligt als auch Barkredite vergeben. Und dies auch an Hausfrauen, Arbeiter oder Spekulanten, die über kein eigenes Geld in entsprechendem Ausmaß verfügten. Jeder konnte Aktien erwerben. Als Sicherheit für die ausstehenden Kredite galten die gekauften Aktien. Die Rückzahlung des Kredites als auch der Zinsen war kein Thema, denn steigende Kurse wurden als selbstverständlich angenommen. Hinzu kam eine Flut von Neuemissionen, darunter auch Radiowerte (»New Economy«) und andere Gesellschaften, die neue technische Möglichkeiten als Garant für weiterhin steigende Kurse nannten.

Panikstimmung machte sich jedoch im Oktober 1929 breit. Die Kurse stiegen entgegen den allgemeinen Erwartungen nicht mehr und fielen trotz der beruhigenden Aussagen von »Experten«. So stellte der damals populäre Ökonomie-Professor Fisher die Behauptung auf: »... dass die Börse in ein paar Monaten viel besser dastehen wird als heute.« Das Ende vom Lied ist Ihnen bekannt: Verarmte Broker und Spekulanten, Selbstmorde am Tag des Crashs, Weltwirtschaftskrise und Massenarbeitslosigkeit.

Interessant ist auch der Kursverlauf des DOW JONES INDEX im Zeitraum 1901 bis 1935 aus charttechnischer Sicht. Der langfristige Aufwärtstrendkanal im DOW JONES wurde Ende 1927 nach oben verlassen: ein Signal für Euphorie im Markt. Der deutliche Rückfall nach dem Euphorie-Hoch 1929 in den Aufwärtstrendkanal zurück stellt hierbei die Enttäuschung der Börsianer dar. Ein starkes Verkaufssignal für den Technischen Analysten.

Crash am Neuen Markt und an der NASDAQ 2000/2001

Der Crash am Neuen Markt in Deutschland sowie an der NASDAQ in den USA im Jahr 2000 ist in die obigen Massenhysterien einzureihen. Statt Tulpenzwiebeln (1636), wertlosen Aktien und Emissionspapieren (1720) oder Aktien von Radiostationen, Radiofabriken (1929) wurden Internetwerte gehandelt. Vermerkt sei, dass in der Regel nach allen großen Crashs auch ein gesamtwirtschaftlicher Niedergang über mehrere Jahre folgt.

Denn im Zentrum der Entscheidungen der Unternehmenslenker stehen nach Crashs nicht mehr »Visionen«, sondern pragmatische Erfordernisse. Entlassungen, Restrukturierungen und Kostenmanagement erhalten einen höheren Stellenwert. Die Kaufkraft der Bevölkerung sinkt, der Optimismus geht auch aufgrund der sinkenden Aktienkurse zurück. Es wird weniger konsumiert, die Sparquote beziehungsweise Anlagen in »sichere« Investments nehmen zu.

Abbildung 4: Kursverlauf des Neuen Marktes von Oktober 1998 bis März 2003 – chart provided by Metastock

Der Crash der Technologie- und Internet-Aktien zur Jahrtausendwende ging allerdings nicht mit einem gesamtwirtschaftlichen Niedergang einher. Denn der Crash bezog sich nur auf ein Teilsegment der Börse. Zudem steuerte die US-Notenbank FED (Federal Reserve System) mit billigem Geld und einer Erhöhung der Geldmenge einer Wirtschaftskrise entgegen. Dies führte letztlich auch zu einer weiteren »Bubble«, der US-Immobilien- und Hypothekenblase, die Anfang 2008 platzte. Die Finanzkrise und deren charttechnische Entwicklung wird im Kapitel Beispiele – Theorie und Praxis beschrieben.

Letztlich dürften auch kommende Crashs nicht ohne Vorboten oder Warnsignale ablaufen, die die Chartanalyse unter anderem bereithält. Auch fundamentale Aspekte können auf einen Crash hinweisen. So wird gern die überbordende Verschuldung in den USA, sowohl der US-Verbraucher (Stichwort Studenten-, Auto- und Privatkredite) als auch des US-Einzelhandels in Verbindung mit der Verschuldung des Staates sowie die chinesische Immobilienblase als Warnsignale für einen Crash angeführt. Seit Jahren steigt die globale Verschuldung, ohne dass eine Trendumkehr festzustellen ist. Rekordwerte zeigten sich jedoch nicht nur in der Staatsverschuldung, auch Unternehmen und Konsumenten sind hoch verschuldet. So hatten zum Frühjahr 2017 allein die US-Autokredite einen Höchststand von circa 412 Milliarden US-Dollar erreicht. Die öffentlichen Schulden der USA und Großbritanniens haben sich seit 2006 mehr als verdoppelt. Vor allem in den Schwellenländern stieg die Schuldenaufnahme in den vergangenen 10 Jahren auf insgesamt 58,5 Billionen US-Dollar (Stand Frühjahr 2018).

Die weltweite Verschuldung betrug im ersten Quartal 2018 laut dem Institute for International Finance (IIF) 247 Billionen US-Dollar. Dieser Wert entspricht rund 318 Prozent des weltweit erwirtschafteten Bruttoinlandsprodukts (BIP). Würde nun die globale Wirtschaftsleistung zurückgehen, so würde das Schulden/ BIP-Ratio ansteigen und die Zweifel an der Rückzahlungsfähigkeit der Schuldner zunehmen. Die Gläubiger wiederum sind größtenteils Inhaber von Schuldverschreibungen, festverzinslichen Papieren. Würde das Vertrauen in diese Papiere schwinden, könnte ein Zusammenbruch des Anleihemarktes eine erneute Finanzkrise auslösen. Doch entsprechende fundamentale Warnsignale allein helfen nicht unbedingt, die Trends an den Börsen zu erkennen und einen Stimmungsumschwung oder gar einen Crash zu prognostizieren.

Wirtschaftsexperten, Professoren und andere kluge Köpfe haben in den vergangenen Dekaden mehr als einmal einen Zusammenbruch des kapitalistischen Wirtschaftssystems kommen sehen, doch bislang läuft die Wirtschaft, und der »ganz große Crash« blieb aus.

Mithilfe der Technischen Analyse sollte es Ihnen als Anleger jedoch möglich sein, entsprechend »starke« Verkaufssignale in den Leitindizes, dem DOW JONES und DAX gut erkennen zu können und aus dem Markt auszusteigen, bevor die Masse der Marktteilnehmer die Reißleine zieht.

Gemeinsamkeiten von Crashs

Alle Crashs haben eines gemeinsam: Weite Teile der Bevölkerung werden von steigenden Kursen angezogen und investieren, ohne sich des Risikos bewusst zu sein. Neue Waren oder neue technische Möglichkeiten in Verbindung mit steigenden Kursen vermitteln der Masse der Marktteilnehmer die Illusion, relativ einfach und sicher über Nacht reich werden zu können. Sobald aber die Massenhysterie nicht mehr durch neue Käuferschichten genährt werden kann, erfolgt der Zusammenbruch.

Ein Warnanzeichen für Zusammenbrüche ist, wenn die kleinen Leute mit nur geringer Liquidität in die neuen Märkte investieren. Die letzten liquiden Mittel werden so verbraucht. Neue Liquidität für eine Fortsetzung der Hausse ist nicht mehr vorhanden. Denn jede Bewegung vor einem Crash zeichnet sich dadurch aus, dass eine liquiditätsgetriebene Hausse vorliegt und die Preise der gehandelten Waren nicht mehr im Einklang stehen mit der aus diesen Waren erzielbaren Wertschöpfung.

Was wir aus Crashs lernen können

Seit Adam und Eva haben sich die Verhaltensweisen des Menschen nicht geändert. Angeborene Verhaltensmuster, hierunter zum Beispiel der Herdentrieb des Menschen, Ansteckungseffekte innerhalb einer Masse von Marktteilnehmern oder die schon genannten starken Emotionen wie Gier, Euphorie, Angst und Panik – aus diesen massenpsychologischen Phänomenen leitet die Technische Analyse ihre Grundannahmen ab, die im Kapitel »Technische Analyse« näher erläutert werden. So kann die Technische Analyse auch durchaus entsprechende Massenhysterien und deren Stimmungsumschwünge zeitnah erkennen und hieraus Kursziele ableiten.

Fundamentalanalyse oder Technische Analyse?

Die Fundamentalanalyse, die anstrebt, den fairen Wert einer Aktie, eines Unternehmens oder eines gesamten Marktes, aufgrund von betriebswirtschaftlichen Überlegungen und Kennzahlen zu ermitteln, kann selbstverständlich ebenfalls Übertreibungen in einer Massenhysterie feststellen. Und somit zumindest Warnsignale anzeigen. Doch als Analysemethode ist sie eher ungeeignet, um einen Stimmungsumschwung an der Börse zu diagnostizieren.

Mit der Fundamentalanalyse versucht man, den inneren Wert einer Aktie zu ermitteln. Ist dieser Wert ermittelt, so kann der Fundamentalanalyst den Wert zum Kauf empfehlen, sofern der innere Wert über dem aktuellen Kurs liegt und die Aktie somit unterbewertet ist. Andernfalls wird die Aktie bei einem geringen inneren Wert bezogen auf den Kurs zum Verkauf empfohlen.

Das gezeigte Schema in Abbildung 5 stellt den idealtypischen Fall dar. Der Kursverlauf schwankt um den inneren Wert einer Aktie, der stetig steigt. Phasen der Untertreibung sollten zum Kauf, Phasen der Übertreibung sollten zum Verkauf genutzt werden.

Die Technische Analyse ist dagegen eher statistische Massenpsychologie. Sie versucht anhand der Kurse sowie des Handelsvolumens, dem hieraus resultierenden Chartbild sowie diverser mathematischer Ableitungen der Kurse herauszufinden, ob die Masse der Marktteilnehmer zukünftig kaufen oder verkaufen wird – unabhängig von den vorliegenden Zahlen und Bilanzen eines Unternehmens.

Abbildung 5: Innerer Wert – Aktienkurs mit Über- und Untertreibung

Welche der beiden Analyse-Methoden bringt nun die besseren Ergebnisse oder ist gar sicherer? Diese Frage ist nicht zu beantworten. Ein Vergleich hinkt. Beide Ansätze zur Beurteilung von Kauf- und Verkaufsmöglichkeiten beruhen auf gänzlich unterschiedlichen Grundüberlegungen.

Vier Augen sehen mehr als zwei!

Erfolgversprechend ist es, beide Analyseformen und deren Methoden kennenzulernen und das für einen selbst Sinnvolle zu verwenden. Ein privater Anleger wird so zum Beispiel aus dem Werkzeugkasten der Fundamentalen Analyse die klassischen Kennzahlen zur Beurteilung des inneren Wertes einer Aktie heranziehen, dagegen eine Bilanzanalyse und die Wettbewerbsanalyse außen vor lassen, da er dies zeitlich und fachlich nicht bewerkstelligen dürfte. Für ihn reichen die Kennzahlen sowie eigene Recherchen oder Bank-Studien zur groben Orientierung aus.

Ebenso wäre es auf der Seite der Technischen Analyse wenig sinnvoll für einen viel beschäftigten Kleinanleger, zeitaufwendige Zyklen- und/oder Wellen-Studien durchzuführen, die der Baukasten der Technischen Analyse bereithält. Eine einfache Trend- und Formationsanalyse bringt hinreichend gute Signale zum Ein- und Ausstieg. Die Verbindung dieser »einfachen« fundamentalen und technischen Ansätze ist ein sehr gutes Fundament, um auch langfristig an der Börse erfolgreich zu agieren. Börse ist einfach! Das gilt sowohl für die Fundamental- als auch für die Technische Analyse.

Doch für Sie als Anleger gilt: Versuchen Sie sich aus den Werkzeugkästen der einzelnen Analysemethoden diejenigen Werkzeuge herauszusuchen, die Sie einerseits mit Ihrem zeitlichen Aufwand bewerkstelligen können und die andererseits effektiv genug sind, um klare Regeln aufzustellen, um langfristige Erfolge zu ermöglichen.

Insbesondere für Aktien gilt: Die Kombination von Fundamentaler und Technischer Analyse und deren »Werkzeugen« – abgestimmt auf den Bedarf des Anwenders – ist sinnvoller als die alleinige Betrachtung einer Aktie mit nur einer Analyseform. So kann schon ein einfacher Blick auf die allseits bekannten fundamentalen Kennziffern wie Kurs-Gewinn-Verhältnis, Kurs-Cashflow-Verhältnis oder Kurs-Buchwert-Verhältnis einen weiteren Mosaikbaustein in der Analyse von Aktien geben (die Betrachtung der fundamentalen Kennziffern würde den Umfang des Buches sprengen, daher wird hier darauf verzichtet).

Und natürlich gilt: Steigt Butter, steigt Käse! So sollten Stimmungsumschwünge – ob Kauf- oder Verkaufssignale in den großen Indizes stets beachtet werden. Liefert zum Beispiel der DAX ein Trendwendemuster und die Chartanalyse liefert ein Verkaufssignal, so dürften es einzelne Aktien in einem schwachen Marktumfeld auch schwieriger haben, gegen einen vorherrschenden Bärenmarkt anzusteigen. Stimmungswechsel sind allerdings eher ein Bereich der Chartanalyse.

Schwerpunkt des Buches stellt daher die Technische Analyse, die Chartanalyse dar. Denn letztlich gilt, dass die Stimmung der Anleger, das Verhältnis von Angebot und Nachfrage, den Kurs macht. Die im nachfolgenden Kapitel vorgestellte Methode der Technischen Analyse, die Chartanalyse, ist einfach, aber effektiv, um eine Handelsentscheidung zum Kauf, Nichtkauf, Halten oder Verkauf eines Wertes, ob im Devisen-, Rohstoff- oder Aktienmarkt, zu treffen.

Teil 2 – Technische Analyse

Kapitel 2: Einführung – Was ist Technische Analyse?

Zu Beginn des Buches sind Ihnen einige massenpsychologische Phänomene vorgestellt worden, die wiederum auf einfachen Gesetzmäßigkeiten des menschlichen Verhaltens beruhen. Die Angst des Anlegers, nicht dabei zu sein, die Gier nach Geld und Ruhm, die Euphorie nach langfristigen Aufwärtstrends und Ansteckungseffekte der Massen als auch die Panik, Geld zu verlieren, sind die stärksten Triebfedern, die zu Blasen und tiefen Kursstürzen an den Börsen führen. Die Technische Analyse leitet aus diesem zutiefst menschlichen Verhalten zwei wesentliche Grundannahmen ab.

Kurse bewegen sich in Trends! Zuallererst geht die Technische Analyse davon aus, dass sich Aktienkurse grundsätzlich in Trends bewegen (basierend auf massenpsychologischen Ansteckungseffekten).

Chartmuster und deren Folgen wiederholen sich! Die zweite Grundannahme der Technischen Analyse geht von der Annahme aus, dass sich menschliche Entscheidungsprozesse bei einzelnen Kauf- und Verkaufsentscheidungen nicht verändern und sich als Verhaltensmuster in Kursmustern mit stets gleichen Folgen widerspiegeln. Bestimmte Kursbewegungen wiederholen sich so auf fast gleiche Weise wie in der Vergangenheit.

Bullen und Bären bestimmen den Kurs

Weitere Annahmen der Technischen Analyse sind:

Kurse werden grundsätzlich von Angebot und Nachfrage bestimmt, je nachdem, ob mehr Optimisten (Bullen) oder Pessimisten (Bären) am Markt aufeinander treffen.

Im Kurs sind sämtliche Informationen enthalten (nur der Markt hat Recht).

Im Gegensatz zur Fundamentalanalyse spielt somit der innere Wert oder die vermeintliche wirtschaftliche Entwicklung eines Unternehmens für den Technischen Analysten keine Rolle. Denn all diese Informationen sind im Kurs bereits enthalten. Mit der Technischen Analyse wird daher in der Regel nur der Kurs untersucht. Die festgestellten Kurse sowie die dazugehörigen gehandelten Stückzahlen, bezeichnet als »Umsatz«, werden hierzu in unterschiedlichster Darstellungsform aufgezeichnet und aufbereitet.

Der Fundamentalanalyst kümmert sich wenig darum, wo eine Aktie aktuell steht, sondern er versucht zu ergründen, wo die Aktie stehen sollte. Ist der innere Wert im Verhältnis zum Kurs der Aktie sehr hoch, so wird der »Fundi« die Aktie kaufen – ist der Kurs hingegen deutlich höher als der ermittelte Wert, wird zum Verkauf geraten. Im Gegensatz hierzu interessiert den Technischen Analysten nur der Blick auf den gegenwärtigen Kursverlauf. Sein Ziel ist es herauszufinden, wie sich die zukünftige Entwicklung von Kauf- und Verkaufsentscheidungen und somit Angebot und Nachfrage entwickeln werden. Denn nur Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis einer Ware, einer Aktie und somit auch deren Kursverlauf. Hierzu wird sowohl die Vergangenheit von Kursverläufen, aber auch das aktuelle Kräfteverhältnis zwischen Bullen (Nachfrage) und Bären (Angebot) untersucht.

Was ist eigentlich ein Kurs?

Wenn bei der Technischen Analyse lediglich die Kurse untersucht werden, so muss noch geklärt werden, was ein Kurs eigentlich ist. Ein Kurs kommt zustande, wenn sich Käufer und Verkäufer handelseinig über den Preis einer Ware, einer Aktie, eines Rohstoffs et cetera sind und ein Geschäft abgeschlossen wird. Dieses Handelsgeschäft wurde früher in den Börsensälen oftmals direkt zwischen den Kontrahenten oder mithilfe eines Börsenmaklers abgewickelt. Heutzutage ist es allerdings in den seltensten Fällen noch ein Mensch, der den Kurs bestimmt. Vielmehr stehen in den Börsen lange Reihen von Serverschränken, in denen täglich Hunderte Millionen Transaktionen vollautomatisch ausgeführt werden. Aber ob nun Börsenmakler oder Computer – der Kurs kommt zustande, wenn sich ein Käufer sowie ein Verkäufer handelseinig sind. Aus irgendwelchen Gründen will der eine die Aktie loswerden, die der andere unbedingt haben will. Die Marktteilnehmer werden sich aus höchst unterschiedlichen Gründen zu diesen Schritten entschlossen haben. Sie haben vollkommen gegensätzliche Entscheidungen getroffen.

Ein Kurs stellt also eine Entscheidung zum Kauf und auch zum Verkauf dar. Entscheidungen werden jedoch nie rein rational geprägt sein. Jede Entscheidung, die wir als Mensch treffen, unterliegt unseren bewussten und unbewussten Emotionen. Eine Vielzahl von Kursfeststellungen ist damit eine Vielzahl von Entscheidungen von Käufern und Verkäufern, die rational als auch emotional geprägt sind.

Kurse und die hierbei getätigten Umsätze wiederum lassen sich als Chart darstellen. Ein Chart ist also nichts anderes als die grafische Darstellung einer Vielzahl von Entscheidungen, die Menschen getroffen haben, um eine Aktie (beziehungsweise einen Rohstoff oder zum Beispiel ein Devisenpaar) zu kaufen und auch zu verkaufen. Der Kursverlauf spiegelt damit letztlich das Entscheidungsverhalten und auch die emotionale Fieberkurve der Börsenakteure wider.

Stimmungen, Emotionen und Erwartungen der Marktteilnehmer manifestieren sich in einem Chart als Handlungsablauf von vielfältigen Entscheidungsprozessen. Doch diese Entscheidungsprozesse laufen nach bekannten Verlaufsmustern ab.

Sieht der Technische Analyst in einem Chart ein ihm bekanntes Verlaufsmuster der Kurse, so wird er davon ausgehen, dass auch die bekannten Folgen mit einer vorab festgestellten statistischen Wahrscheinlichkeit eintreten werden. Tritt zum Beispiel ein Chartmuster auf, welches Ernüchterung nach Euphorie anzeigt, so darf der Technische Analyst mit den bekannten Folgen einer Ernüchterung der Börsenakteure rechnen: mit fallenden Kursen.

Die Kenntnis einer Vielzahl von Handlungsabläufen sowie deren Folgen und das korrekte Einordnen in das jeweilige Marktumfeld verhelfen, Prognosen über das zukünftige Marktteilnehmerverhalten zu treffen.

Das Ziel und der Weg des Technischen Analysten

Das Ziel des Technischen Analysten ist es also zu erfassen, wie das Verhältnis von Angebot und Nachfrage zueinander ist und wie sich dieses Verhältnis zukünftig entwickeln wird. Hierfür beachtet er ihm bekannte Chartmuster, die wiederum anzeigen, von welchen vorherrschenden Gefühlen die Marktteilnehmer aktuell in ihren Entscheidungsprozessen gesteuert werden. Da angeborenes menschliches Verhalten und seine Folgen stets gleichbleiben, kann anhand der bisherigen Trefferquote eines Chartmusters abgeleitet werden, ob eben zukünftig die Kaufneigung oder Verkaufsneigung überwiegen wird.

Ein Beispiel: Nach einem bestimmten Chartmuster treten in 30 Fällen 24 Mal die gleichen Folgen auf, ein Kursrückgang ist zu beobachten. Bei einem erneuten Auftreten dieses Musters kann der Technische Analyst nun davon ausgehen, dass auch diesmal die Kurse mit einer 80-prozentigen Wahrscheinlichkeit fallen werden. Tritt der unwahrscheinlichere Fall ein und die Kurse fallen nicht, so muss er ab einem vorab definierten Szenario im Kursverlauf seine Annahme von fallenden Kursen revidieren.

In diesem Beispiel hat nicht der Analyst geirrt. Die Annahme von fallenden Kursen war berechtigt. Eine hohe Wahrscheinlichkeit ließ diese Annahme zu. Der Markt hat nur anders als in den meisten Fällen reagiert. Da die Annahme nicht bestätigt wurde, muss der Technische Analyst neu nachdenken und neu analysieren. Ein wesentlicher Wesenszug jeder Technischen Analyse ist das Prinzip von Annahme und Bestätigung. Der Technische Analyst trifft immer eine Annahme – und wartet auf die Bestätigung, um zu handeln.

Anmerkung: Wesentlich ist für den Technischen Analysten im obigen Beispiel, dass sich bei einem nochmaligen Auftreten des Chartmusters die Trefferquote verändert hat. Denn die Wahrscheinlichkeit von fallenden Kursen betrug bis zum Fehlsignal 80 Prozent. Da nun jedoch 31 Muster vorliegen und nur in 24 Fällen auch fallende Kurse beobachtet wurden, fällt die Wahrscheinlichkeit dementsprechend auf 77 Prozent, dass bei einem wiederholten Auftreten des untersuchten Chartmusters nachfolgend die Kurse tatsächlich fallen werden.

Kunst und Wissenschaft

Die Charttechnik untersucht Kursverläufe und damit das Entscheidungsverhalten der Masse hinsichtlich von Käufen und Verkäufen an der Börse. Hiervon werden Eintrittswahrscheinlichkeiten (Trefferquoten) einer bestimmten Folge von Chartmustern abgeleitet. Damit kann die Charttechnik auch durchaus als statistische Massenpsychologie bezeichnet werden.

Die Technische Analyse ist keine exakte Wissenschaft. Das nimmt auch den Teilbereich Chartanalyse nicht aus. Wissenschaft kennzeichnet die Wiederholbarkeit von Experimenten aus. Der Wissenschaftler führt eine Reihe von Versuchen durch, die protokolliert werden und deren Aussagen von jedem anderen Wissenschaftler durch eigene Experimente wiederholbar sind. Das heißt, die Aussagen beziehungsweise Interpretationen sind nachprüfbar. Das Labor der Technischen Analyse dagegen ist die Börse beziehungsweise sind die Kursverläufe von Aktien, Indizes, Rentenpapieren und so weiter. Ergebnisse sind nicht wiederholbar, im streng wissenschaftlichen Sinne sind sie nicht »nachprüfbar«. Auch wenn zum Beispiel die Folgen von Chartmustern wiederholt beobachtbar und entsprechend einer Definition eines Chartmusters statistisch erfassbar sind.

Verstehen Sie Technische Analyse daher eher als eine Kunst – doch wie jeder Künstler erst sein Handwerk erlernen muss, so sollte auch der Technische Analyst sein Handwerk und deren Werkzeuge studieren, um letztlich ein Meister in seinem Fach zu werden.

Doch keine Angst. Börse ist einfach! Technische Analyse ist einfach! Sie brauchen nur den berühmten gesunden Menschenverstand sowie Chart, Lineal und Bleistift, um einfache, aber erfolgversprechende Analysen zu erstellen.

Grundannahmen der Technischen Analyse

Wie zum Anfang dieses Kapitels erwähnt, basiert die Technische Analyse auf zwei wesentlichen Grundannahmen:

Kurse bewegen sich in Trends.

Chartmuster und deren Folgen wiederholen sich.

Ausgehend von diesen Grundannahmen wird ein Kursverlauf zuerst nach seinem Trendverhalten und sodann den Chartmustern untersucht. Hierfür benötigen Sie tatsächlich nur Bleistift und Lineal. Ein Beispiel soll dies erläutern.

Beispiel für Trendverhalten: Im Zuge des Börsenbooms in den 1990er-Jahren und der stetig steigenden Kurse kam es zu einer Übertreibung in den Internet-und Hightech-Werten. Sowohl die Übertreibung als auch die anschließende Kehrtwende konnten frühzeitig festgestellt werden. Eine einfache Trendanalyse des US-Index NASDAQ Composite (Index für die Technologiewerte in den USA) signalisierte Ende 1999 durch einen Ausbruch aus einem Trendkanal eine Zunahme der gewohnten Schwankungsbreite, die auf Euphorie im Markt und eine Übertreibung nach oben hinwies. Dies war ein weiteres Kaufsignal. Der Rückfall in den langfristigen Trendkanal bei einem Kursniveau von circa 3.400 Punkten war im weiteren Verlauf ein aussagekräftiges Verkaufssignal, da ein Rückfall in einen zuvor verlassenen Aufwärtstrendkanal eine Ernüchterung im Markt darstellt mit einer grundsätzlichen Kehrtwende der Stimmung. Das Kursziel dieses Verkaufssignals war der langfristige Aufwärtstrend, der zu diesem Zeitpunkt bei rund 2.300 bis 2.400 Punkten verlief.

Mithin musste mit dem Rückfall in den Trendkanal ein Kursziel von circa 2.400 Punkten für den Technologie-Index NASDAQ Composite angenommen werden. Immerhin ein Abwärtspotenzial von über 1.000 Punkten im Index! Weiterhin konnte auf das Risiko hingewiesen werden, dass der NASDAQ Composite aufgrund der Ernüchterung im Markt Gefahr laufen könnte, auch diesen langfristigen Aufwärtstrend zu brechen, um letztlich auf 1.500 Punkte zu fallen. Dieses Niveau ergab sich aus einer Kurszielberechnung, die in Kapitel 6 näher erläutert wird. Hier nur so viel: Bei einem Bruch eines Trendkanals kann dessen Schwankungsbreite an das Ausbruchsniveau zur Ermittlung eines Kursziels abgetragen werden. Mit der Charttechnik war also im 2. Quartal 2000 prognostizierbar, dass der Börsenboom in den Internetwerten vorüber war und es zu kräftig fallenden Kursen kommen könnte. Diese einfache Trendanalyse war mit Hilfe von Bleistift und Lineal zu bewerkstelligen. Vergleichen Sie einmal den vorgestellten Chart des NASDAQ Composite mit dem historischen Chart des DOW JONES auf Seite 23. Sie finden hier ein ähnliches Verlaufsmuster von Euphorie und Ernüchterung.

Abbildung 6: Der Kursverlauf des NASDAQ Composite von 1989 bis 2001 zeigte einen langfristigen Trendkanal mit Ausbruch und Rückkehr. Diese Informationen reichten dem technisch orientierten Anleger, um entsprechende Kauf- und Verkaufssignale zu erhalten – chart provided by Metastock

Die Methode der Trendanalyse ist ein Teilbereich der Technischen Analyse und gehört zum Bereich der Chartanalyse. Grob unterteilt wird die Technische Analyse in zwei große Bereiche: in die Chartanalyse und in die Markttechnik. Daneben existieren weitere Teilbereiche, wie die Zyklenanalyse oder Elliott-Waves et cetera.

Chartanalyse

Die Chartanalyse untersucht Kursverläufe auf Trendverhalten und wiederkehrende grafische Muster, die ein bestimmtes bekanntes Verhalten der Marktteilnehmer und dessen bekannte Folgen widerspiegeln sollen. Chartanalysen sind im Gegensatz zur Fundamentalanalyse recht schnell zu erstellen. Ein klarer Vorteil für den privaten Anleger! Darüber hinaus eignen sich Chartanalysen für alle Zeiträume – Daytrader, kurz- und mittelfristig orientierte Anleger, aber auch der langfristig orientierte Investor kann die Methoden der einfachen Chartanalyse erfolgreich anwenden. Die Chartanalyse, die sich tatsächlich nur mit dem Kursverlauf und den gehandelten Stückzahlen, dem Umsatz, beschäftigt und mit Bleistift und Lineal als Handwerkszeug auskommt, sollte das Fundament jeder Technischen Analyse darstellen und wird in diesem Buch daher als Schwerpunkt behandelt.

Markttechnik

Die Markttechnik dagegen leitet von Kursverläufen und deren Daten mittels mathematischer Formeln sogenannte Indikatoren ab, die über den aktuellen Marktzustand eine Aussage ermöglichen sollen. Marktzustände sind definiert zum Beispiel als »überkauft« oder »überverkauft«. So werden anhand von Indikatoren automatisierte Handelsprogramme programmiert oder in Verbindung mit der Chartanalyse oder weiteren Methoden der Technischen Analyse Kauf- sowie Verkaufssignale generiert. Die Verbindung zwischen Chartanalyse und Markttechnik kann, muss aber nicht zwingend die Aussagekraft einer Analyse hinsichtlich ihrer Trefferquote erhöhen.

Anmerkung: Der Begriff Markttechnik erhielt alternativ in den vergangenen Jahren eine weitere Bedeutung. Hierzu gehört die Annahme, dass sich Kursbewegungen in bestimmten Schritten vollziehen. Allerdings bleibe ich bei der ursprünglichen Bedeutung des Begriffs in diesem Buch.

Kombination erhöht die Aussagekraft: Der Technische Analyst kombiniert meist verschiedene Methoden der Technischen Analyse.

Werkzeuge der Technischen Analyse

Der Begriff »Technische Analyse« ist eher ein Oberbegriff für eine Vielzahl von Methoden, um herauszufinden, ob die Masse der Marktteilnehmer zukünftig kaufen oder verkaufen wird. In Abbildung 7 ist dargestellt, welche Methoden der Werkzeugkasten der Technischen Analyse für Sie bereithält. Im Werkzeugkasten des Technischen Analysten bestehen also neben der Chartanalyse, die vor allem auf die Methoden der Trend- und Formationsanalyse zurückgreift, und der Markttechnik, die eine Unzahl von mathematischen Ableitungen der Kurse (Indikatoren) bereithält, diverse weitere Methoden.

So nutzen manche Analysten die Zyklentechniken, die eine bestimmte stets wiederkehrende Reihenfolge von Wende- und Extrempunkten in Abhängigkeit des Zeitablaufs im Kursverlauf annehmen – oder Wellentechniken, die davon ausgehen, dass sich Kurse in wellenförmigen Bewegungen ausbilden.

Eine nicht nur in Deutschland ausgesprochen populäre Methodik der Wellentechnik stellen die sogenannten »Elliott-Waves« dar. Diese Methodik versucht, das Verhalten der Masse der Börsianer in ein eher verwirrendes Regelwerk einzupassen. Hierbei sollen anhand der erkannten Wellenbewegungen kurz- und auch langfristige Hochs und Tiefs im Kursverlauf punktgenau prognostiziert werden können. Die Trefferquote der Elliott-Waves ist allerdings je nach Analyst sehr unterschiedlich. Diese Wellentechnik ist ausgesprochen komplex und eignet sich meiner Meinung nach nicht für den Privatanleger.

Abbildung 7: Werkzeugkasten des Technischen Analysten – kein Anspruch auf Vollständigkeit – Als »Chartanalyse« wird oftmals nur die Trend- und Formationsanalyse verstanden