Das große Gicht-Kochbuch - Sven-David Müller - E-Book

Das große Gicht-Kochbuch E-Book

Sven David Müller

0,0

Beschreibung

Genuss statt Gicht! Die Ernährungsexperten Sven-David Müller und Christiane Weißenberger rücken der Harnsäure-Überproduktion kochend zuleibe, indem sie den Betroffenen und ihren Familien eine purinarme Kost im wahrsten Sinne des Wortes schmackhaft machen. Über 120 verlockende Rezepte für die ganze Familie haben sie zusammengetragen – jeweils versehen mit Nährwert- und Harnsäureangaben. Patienten und ihre Familien kommen so gar nicht auf die Idee, sie würden „Diät halten“ – sie verbinden einfach Leckeres mit Gesundem.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 124

Veröffentlichungsjahr: 2020

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



 

 

 

Sven-David MüllerChristiane Weißenberger

Das große Gicht-Kochbuch

Sven-David Müller • Christiane Weißenberger

Das große Gicht-Kochbuch

■ Über 120 Rezepte für die ganze Familie mit Nährwertund Harnsäureangaben

■ Die wichtigsten Ernährungsgrundsätze bei Gicht

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.

ISBN 978-3-8426-2950-9 (Print)

ISBN 978-3-8426-2951-6 (PDF)

ISBN 978-3-8426-2952-3 (EPUB)

Fotos:

Fotolia.com: Olga Lyubkina: 5 (oben links), 147; Leonid Nyshko: 5 (oben rechts); Alexstar: 5 (unten links); Werner Stapelfeldt: 5 (unten rechts), 108; Dusan Zidar: 18; Gandolf: 25; Rimglow: 28; Vitalina Rybakova: 30; Ovidiu Iordachi: 34; Leonid Nyshko: 37; GuS: 38; Inga Nielsen: 39; Ahmad Affzan: 42; ivan kmit: 47; Robert Redelowski: 51; Ostromec: 60; Anette Linnea Rasmussen: 57; Sandra Caldwell: 62; Arnaud Weisser: 64; Joss: 66; Teamarbeit: 68; Andrzej Bardyszewski: 70; felinda: 73, 77, 95, 106; Birgit Reitz-Hofmann: 74; emer: 75; dinostock: 80; skrip: 85; eyewave: 88; imageteam: 89; Svenja98: 93; Monika Adamczyk: 94, 102; Uckyo: 99; Barbara Pheby: 103; HL-Photo: 105; Yasonya: 109; Tomboy2290: 110; unpict: 113; victoria p.: 116; Valua Vitaly 132; Denis Dryashkin: 136; Tomkai: 140; Liv Friislarsen: 141; Yasonya: 148; Ulrike S. Hardberck: 149; Aga & Miko Materne: 150; Jörg Beuge: 151; Mache: 153; eyewave: 156; Swetlana Wall: 157; Silvia Bogdanski: 163; Robyn Mackenzie: 176 (links); Christian Jung: 177; syl666: 176 (rechts); Igor Dutina: 178

iStockphoto.com: GMVozd: 17; Floortje: 19; Mbbirdy: 24; Peter Garbet: 27; Alkimson: 35; Kivoart: 41; Tatyana Nyshko: 48; Pkkokkz: 56; Daniel Gilbey: 59; maria bacarella: 61; beti gorse: 65; stockstudioX: 81; Christian Jung: 82; Roman Ivaschenko: 84; Ionescu Bogdan Cristian: 87; ALEAIMAGE: 92; Monika Adamczyk: 101; Gustavo Andrade: 104; Barbara Dudzi´nska: 115; Andrjuss Soldatovs: 120; eli_ asenova: 127; Carla Guastella: 144; Magdalena Kucova: 155; sf_foodphoto: 167; kdow: 171; Barbara Pheby: 174; Guangyu Cai: 184 MEV: 69, 76, 112, 152, 169, 180

Stock.adobe.com: HandmadePictures:20; Evgenija: 21; amnadbumrungvong: 22; Vitalina Rybakova; 40; Tomo Jesenicnik: 46; Melima: 53; Ruslan Mitin: 54

Ingo Wandmacher: 5 (rechts 2. und 3. von oben), 23, 26, 29, 30, 31, 32, 33, 45, 49, 55, 63, 67, 78, 79, 83, 86, 91, 97, 111, 114, 117, 119, 123, 125, 133, 135, 137, 139, 143, 145, 161, 162, 165, 168, 173, 175, 179, 181, 183, 185

Abkürzungen:

4., überarbeitete Auflage 2020

© 2015 Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, Hans-Böckler-Allee 7, 30173 Hannover

Autoren und Verlag haben dieses Buch sorgfältig erstellt und geprüft. Für eventuelle Fehler kann dennoch keine Gewähr übernommen werden. Weder die Autoren noch der Verlag können für eventuelle Nachteile oder Schäden, die aus den im Buch vorgestellten Rezepten, Behandlungsmöglichkeiten und praktischen Hinweisen resultieren, eine Haftung übernehmen.

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der gesetzlich geregelten Fälle muss vom Verlag schriftlich genehmigt werden.

Layout: Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG

Covergestaltung: Kerker und Baum, Hannover

Covermotiv: Mauritius Images

Inhalt

Vorwort

Gicht – das sollten Sie wissen

Eine Krankheit mit Geschichte

Wie entsteht Gicht?

Die Formen der Gicht

Die vier Stadien der Gicht

Der Gichtanfall

Die medikamentöse Therapie

Gesunde Ernährung – die Grundlage einer erfolgreichen Therapie

Purinarm essen – wie geht das?

Ein gesundes Gewicht

Richtig trinken

Rezepte

Frühstücksleckereien

Vorspeisen

Salate und Snacks

Suppen

Saucen, Dips und Dressings

Hauptgerichte

Hauptgerichte mit Fleisch oder Geflügel

Hauptgerichte mit Fisch

Hauptgerichte mit Ei

Vegetarische Hauptgerichte

Abendessen

Gebäck und Desserts

Rezepttregister

Vorwort

Liebe Leserin, lieber Leser,

was hatten Alexander der Große, Michelangelo, der Sonnenkönig Ludwig XIV., Kaiser Karl der Große, Johann Wolfgang von Goethe, Charles Darwin und Winston Churchill gemeinsam? Alle litten an Gicht. Bereits dem griechischen Arzt Hippokrates (um 460–380 v. Chr.) und Paracelsus, dem berühmten Medizinkritiker des 16. Jahrhunderts, war die Gicht bekannt.

Gicht galt früher als eine Erkrankung der Reichen. Das ist heute nicht mehr der Fall, allerdings tritt sie häufiger in Ländern mit einem höheren Lebensstandard auf. Heute wissen wir, dass bei der Entstehung von Gicht genetische Faktoren eine Rolle spielen. Ob und in welchem Ausmaß diese Stoffwechselkrankheit ausbricht, hängt jedoch in erster Linie davon, was Sie essen, und von Ihrer allgemeinen Lebensführung ab. So zählen ein hoher Fleischkonsum und zu viel Alkohol zu den wichtigsten Risikofaktoren. Das bedeutet aber umgekehrt, dass Sie den Verlauf dieser Krankheit selbst ganz wesentlich steuern können – und das ist doch eine gute Nachricht!

Welche Lebensmittel Sie vermeiden und welche in Zukunft bevorzugen sollten, erklären wir Ihnen im Theorieteil dieses Buches. Mehr als 120 leckere und alltagstaugliche Rezepte beweisen Ihnen im Rezeptteil, dass Gicht nichts mit Verzicht zu tun hat! Alle Rezepte enthalten Angaben zum Puingehalt, so können Sie Ihre tägliche Aufnahme von Harnsäure gut steuern.

 

Wir sind seit zwanzig Jahren in der Beratung und Schulung von Menschen mit Stoffwechselkrankheiten tätig und haben in dieser Zeit viele Erfahrungen mit Hyperurikämie und Gicht gesammelt. Wir freuen uns, wenn unsere Kenntnisse, Rezepte, Tipps und Tricks Ihnen bei der Bewältigung Ihrer Erkrankung helfen.

 

Herzliche Grüße

Sven-David Müller

Christiane Weißenberger

Gicht – das sollten Sie wissen

Eine Krankheit mit Geschichte

Laut der Deutschen Gicht-Liga haben über drei Prozent der Deutschen im Alter zwischen 30 und 59 Jahren Gicht. Von erhöhten Harnsäurewerten im Blut, medizinisch Hyperurikämie genannt, sind 20 Prozent der westlichen Bevölkerung betroffen. Gicht wird häufig als Wohlstandskrankheit bezeichnet, da sie insbesondere durch ungesundes und reichliches Essen ausgelöst wird. Die richtige Ernährungsweise ist folglich Grundlage jeder Behandlung und kann durch keine Medikamente ersetzt werden – die gute Nachricht lautet aber: Eine „Gicht-Diät“ hilft in vielen Fällen, auf Medikamente zu verzichten.

Vermutlich ist die Geschichte der Gicht so alt wie die Geschichte der Menschheit selbst. Der Begriff Gicht stammt wahrscheinlich aus der Volksmedizin des 12. Jahrhunderts, im Altangelsächsischen bezeichnete das Wort ghida den Körperschmerz.

Über viele Jahrhunderte war die Gicht eine typische Krankheit der Reichen. In kargen Kriegszeiten waren Gichterkrankungen selten, denn es gab kaum Fleisch und Alkohol. Dass Gichtanfälle überhaupt in Hungerzeiten auftreten, zeigt jedoch, dass die Erkrankung auch erblich bedingt sein kann. Ein angeborener Enzymdefekt ist dabei sehr selten, die häufigste erbliche Ursache ist eine Stoffwechselstörung. Als ernährungsbedingte Ursachen sind eine purinreiche Ernährung (dazu lesen Sie später mehr), hoher Alkoholkonsum, Überernährung und Übergewicht zu nennen.

Wie entsteht Gicht?

Bei der Gicht sind also die Harnsäurewerte im Blut erhöht. Der normale Spiegel der Harnsäure liegt beim Erwachsenen zwischen 3,0 und 6,0 mg/dl (Milligramm pro Deziliter Blut). Liegen die Werte darüber, sprechen die Ärzte von einer Hyperurikämie, also einem Zuviel an Harnsäure.

Ursache für die Hyperurikämie sind die Purine, kleine chemische Verbindungen, die wir bevorzugt über die Nahrung aufnehmen. Besonders Innereien, Fleisch, Wurst, Fisch, Meeresfrüchte und Hefe sind purinreich, aber auch beim Abbau von Zellen fallen Purine im Organismus an. Darüber hinaus sterben viele Körperzellen etwa beim Fasten oder bei einer zu raschen Gewichtsabnahme ab. Auch bei einer Bestrahlung oder Chemotherapie werden viele Zellen zerstört, deren Purine dann freigesetzt werden und im Blut landen.

Egal, ob die Purine mit der Nahrung in Ihren Körper gelangen oder ob sie durch den Abbau von Körperzellen entstehen: Sie werden im Körper in Harnsäure umgewandelt. Die überschüssige Harnsäure wird zu 80 Prozent über die Nieren und den Harn ausgeschieden, zu etwa 20 Prozent über den Darm. Dafür muss sich die Harnsäure allerdings in einer löslichen Form befinden. Diese Löslichkeit hat eine Obergrenze von 6,0 mg/dl Blut. Liegt die Konzentration an Harnsäure höher, weil über die Nieren und den Darm dauerhaft weniger Harnsäure ausgeschieden als im Körper produziert wird, kristallisiert sie zu sogenannten Uratkristallen aus.

Mit der Zeit entstehen an den Stellen größere Ansammlungen an Harnsäurekristallen. Die Kristalle entstehen vorwiegend in Gelenken und gelenknahen Geweben, können aber auch als Tophi beispielsweise in der Ohrmuschel auftreten. Diese Gichtknoten können bis zu einem Zentimeter groß werden und sind in der Regel nicht schmerzhaft. Sie sind immer ein Alarmzeichen einer nicht oder schlecht behandelten Gicht, die sofort behandelt werden sollte!

Häufig betroffene Gelenke

Tophi treten an diesen Gelenken am häufigsten auf:

Großzehengrundgelenk: 60 %

Sprunggelenk: 14 %

Knie: 6 %

Fußweichteile und übrige Zehen: 2 %

Harnsäure: der Schlüsselparameter

Harnsäure ist eine biochemische Substanz, die beim Abbau von Eiweißstoffen aus der DNA, also der Erbsubstanz in den Zellkernen, entsteht. Ein vermehrter Abbau fällt an, wenn wir purinhaltige Lebensmittel zu uns nehmen. Auch im Blut können die Harnsäurewerte ansteigen, wenn ihre Ausscheidung beeinträchtigt ist, etwa bei stärkerem Alkoholkonsum, durch die Einnahme bestimmter Medikamente oder bei Nierenstörungen. Wie viel Harnsäure sich im Körper befindet, hängt vom Alter, vom Geschlecht und – wie schon erwähnt – von der Ernährung jedes Menschen ab. Bei zu viel Harnsäure im Blut, also einer Hyperurikämie, kann diese in Form von Harnsäurekristallen ausfallen. Wenn Kristalle das Gelenk reizen, spricht man von einem Gichtanfall.

Harnsäurewerte

Die Normwerte für den Harnsäurespiegel im Blutbild sehen folgendermaßen aus:

Männer:

Untergrenze: 3,6 mg/dl

Obergrenze: 8,2 mg/dl

Frauen:

Untergrenze: 2,3 mg/dl

Obergrenze: 6,1 mg/dl

Eine Hyperurikämie liegt vor, wenn die Harnsäurewerte im Blut bei Männern über 6,4 mg/dl und bei Frauen über 6,0 mg/dl steigen. Dann kann die Harnsäure als Harnsäurekristalle ausfallen.

Die Formen der Gicht

Primäre Gicht – angeborene Störung

Die erblich bedingte primäre Gicht betrifft 98 bis 99 Prozent der Betroffenen. Es ist also eine Veranlagung vorhanden, und die Gicht wird dann meist durch eine falsche Ernährung ausgelöst. Bei 80 Prozent ist eine gestörte Harnsäureausscheidung durch die Niere die Ursache dafür, dass die Harnsäurekonzentration im Blut allmählich ansteigt, bis der Wert eine kritische Grenze erreicht. Bei etwa 20 Prozent der Betroffenen geht dieser Anstieg auf eine vermehrte Harnsäurebildung aus Purinen infolge eines erblichen Enzymdefekts zurück.

Sekundäre Gicht – erworbene Störung

Die sehr viel seltenere sekundäre Gicht entsteht infolge anderer Erkrankungen oder durch Medikamente. Beispielsweise können Blutarmut, Nierenerkrankungen oder Diabetes Typ 2 dazu führen, dass die Nieren weniger Harnsäure ausscheiden, sodass die Konzentration im Blut steigt. Eine sekundäre Gicht kann sich aber auch entwickeln, wenn viele körpereigene Zellen absterben – etwa bei Leukämie –, sodass sich im Körper viele Purine bilden. Auch starkes Übergewicht, Alkoholkonsum und manche Medikamente können eine Gicht begünstigen. Ebenso kann plötzliches Fasten einen Gichtanfall auslösen.

Die vier Stadien der Gicht

Eine Gicht verläuft im Allgemeinen in mehreren Schritten und lässt sich in vier Stadien aufteilen:

Stadium 1: Der Harnsäurespiegel im Blut ist messbar erhöht. Symptome treten in diesem Stadium meist noch nicht auf.

Stadium 2: Es treten die ersten Gichtanfälle auf. Das heißt, die Harnsäure ist zu den nadelspitzen Kristallen auskristallisiert, die das Immunsystem anfachen und zu akuten Entzündungsreaktionen sowie Schmerzen an den Gelenken führen.

Stadium 3: Dieses Stadium stellt die Intervalle dar, in denen sich die Gichtanfälle ereignen. In der Fachsprache werden sie auch als interkritische Phase bezeichnet, die in der Regel von Symptomfreiheit gekennzeichnet ist.

Stadium 4: In diesem letzten Stadium spricht man von chronischer Gicht. Hier lassen sich häufig bereits Deformierungen an den Gelenken erkennen, die mit schmerzhaften Bewegungseinschränkungen einhergehen. Zusätzlich können durch die starke Harnsäurebelastung Nierenfunktionsstörungen vorhanden sein.

Der Gichtanfall

Gicht entwickeln sich etwa 20 Jahre lang still. Der Krankheitsausbruch erfolgt beim Mann meist zwischen dem 45. bis 60. Lebensjahr in Form eines schmerzhaften Gichtanfalls. Die „östrogengeschütze“ Frau hingegen muss mit einem Ausbruch der Erkrankung in der Regel frühestens mit 65 Jahren rechnen. Bis zu den Wechseljahren ist sie besonders gut vor erhöhten Harnsäurewerten und erhöhten Blutfettwerten geschützt. Die ersten Gichtanfälle treten in der Regel in Intervallen von einem halben bis zu einem Jahr auf. Es ist ebenfalls möglich, dass mehrere Jahre zwischen den einzelnen Gichtanfällen vergehen.

Was passiert beim Gichtanfall?

Zu einem akuten Gichtanfall kommt es oft nach schweren Mahlzeiten mit viel Alkohol, denn durch das purinreiche Essen steigt der Harnsäurewert im Blut besonders stark an. Die scharfkantigen Harnsäurekristalle, die sich meistens schon länger in einem Gelenk gesammelt haben, reizen es schließlich so stark, bis es sich entzündet.

Zunächst schwillt das betroffene Gelenk an und schmerzt sehr stark. Es rötet sich entzündlich und wird so prall, dass die Haut glänzend gespannt ist. Durch den Druck, der von der Schwellung und der gespannten Haut ausgeht, wird das entzündete Zehengelenk noch mehr zusammengedrückt und der Schmerz steigert sich. In 60 Prozent aller Fälle ist das Großzehengrundgelenk betroffen.

Auch das Allgemeinbefinden ist beim akuten Gichtanfall stark beeinträchtigt, man fühlt sich richtig krank. Fieber und beschleunigter Puls kommen oft hinzu und in vielen Fällen auch Kopfschmerzen. Ein akuter Gichtanfall dauert meistens etwa drei Tage lang an. Wenn man schon viele akute Gichtanfälle hatte und sich allmählich der chronischen Gicht nähert, hören die Schmerzen nach den Anfällen nicht mehr vollständig auf.

Hilfen während und nach einem Gichtanfall

Achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von 1,5 bis 2 Litern in Form von Mineralwasser und Kräutertees. Während des akuten Gichtanfalls sollten Sie, neben der medikamentösen Therapie, eine streng purinarme Kost, die maximal 300 mg Harnsäure enthält, einhalten. Chronisch wird die Gicht dann, wenn sich die Gichtanfälle wiederholen. Das passiert, wenn Sie Ihre Ernährung nicht ändern und sich nur unzureichend oder gar nicht behandelt lassen. Ihre Lebensqualität wird sich mit Einnahme der verordneten Medikamente und der Einhaltung der in diesem Buch vorgestellten Ernährungsweise deutlich verbessern!

Die medikamentöse Therapie

Nicht immer lässt sich Gicht mit einer Ernährungsumstellung und weniger Alkohol in den Griff bekommen. In diesen Fällen kommen die folgenden Medikamente zum Einsatz, die Schmerzen lindern und Gichtanfälle reduzieren:

1. Therapie des akuten Gichtanfalls mittels nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR), Colchicin, Kortisonpräparatne und Interleukin-1-Blockern.

2. Therapie der chronischen Gicht und Regulierung der Harnsäurewerte mittels Medikamenten, die die Ausscheidung von Harnsäure fördern, die Bildung von Harnsäure blockieren und Kombinationspräparaten.

Therapie des akuten Gichtanfalls

Um die starken Schmerzen bei einem akuten Gichtanfall schnell zu lindern, gibt es verschiedene Medikamente:

Nicht-steroidale Antirheumatika: NSAR lindern Schmerzen effektiv und hemmen die Entzündung im betroffenen Gelenk. Wirkstoffe sind z. B. Ibuprofen, Diclofenac oder Indometacin. Letzteres ist das Mittel der Wahl bei einem akuten Gichtanfall, es wirkt relativ zuverlässig gegen die Schmerzen und die Entzündung. Das Nebenwirkungsspektrum der NSAR schränkt ihre Verordnungsfähigkeit ein, trotzdem sind sie bei der Behandlung von Gicht immer noch das Mittel der ersten Wahl. Fragen Sie dennoch Ihren Arzt, ob sie wirklich das geeignete Mittel für Sie sind.

Colchicin: Colchicin wird aus der Herbstzeitlose gewonnen, ist aber kein sanftes Pflanzenheilmittel, sondern muss sorgsam dosiert werden, da es in höheren Dosen giftig wirkt. Zwar wirkt Colchicin sehr gut gegen Gelenkschmerzen, wegen seiner zahlreichen Nebenwirkungen wird es von Ärzten jedoch nur als Medikament zweiter Wahl nach den NSAR eingesetzt.

Kortisonpräparate: Die Einnahme von Kortison ist bei Gicht in der Regel nicht erforderlich. Bei nicht ausreichender Wirksamkeit oder Unverträglichkeiten von NSAR und Colchicin können laut der „Leitlinie Gichtarthritis“ Glukokortikoide bei der Behandlung eines akuten Gichtanfalls das dritte Mittel der Wahl sein. Nebenwirkungen sind bei einer kurzfristigen Einnahme zur Behandlung eines Gichtanfalls nicht zu befürchten.

Interleukin-1-Blocker: Interleukin-1-Blocker wie Canakinumab sind eine neuere