Das grüne Wunder - Ina Sperl - E-Book

Das grüne Wunder E-Book

Ina Sperl

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Beschreibung

  Gewinner des Dehner-Sonderpreises für den besten Ratgeber für Einsteiger beim Deutschen Gartenpreis von Schloß Dennenlohe 2020.  Im kleinen Kosmos Garten ereignen sich ziemlich viele erstaunliche Dinge: Im Boden sorgen Kleinstlebewesen dafür, dass Nährstoffe von den Pflanzen aufgenommen werden können. Manche Pflanzen geben Stoffe in den Boden ab, um sich Konkurrenz vom Leib zu halten. Andere Pflanzen wiederum fördern sich gegenseitig im Wachstum. Im Buch Das grüne Wunder erklärt die Gartenexpertin Ina Sperl auf lockere Weise das faszinierende Zusammenspiel von Bodenleben, Pflanzen- und Tierwelt im eigenen Garten und beantwortet wichtige Fragen: Warum vermehren sich Schädlinge wie Blattläuse bei bestimmter Witterung explosionsartig? Warum sieht man kaum mehr Schmetterlinge in den Gärten? Warum wächst das Unkraut (gefühlt) immer schneller als die eigentliche Beetbepflanzung? Mit diesem Wissen lassen sich die Lebewesen im eigenen Garten entsprechend schützen und fördern. Man wird mit gesunden Pflanzen und reicher Ernte belohnt und leistet auch noch einen großen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt.

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Seitenzahl: 201

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Impressum

© eBook: GRÄFE UND UNZER VERLAG GmbH, München, 2019

© Printausgabe: GRÄFE UND UNZER VERLAG GmbH, München, 2019

Alle Rechte vorbehalten. Weiterverbreitung und öffentliche Zugänglichmachung, auch auszugsweise, sowie die Verbreitung durch Film und Funk, Fernsehen und Internet, durch fotomechanische Wiedergabe, Tonträger und Datenverarbeitungssysteme jeder Art nur mit schriftlicher Zustimmung des Verlags.

Projektleitung: Anita Zellner

Lektorat: Dr. Stefanie Gronau

Korrektorat: Annette Baldszuhn

Bildredaktion: Hannah Crawford, Natascha Klebl (Cover)

Covergestaltung: Independent Medien-Design, München: Horst Moser (Artdirection), Lucie Heselich

eBook-Herstellung: Ina Maschner

ISBN 978-3-8338-7009-5

1. Auflage 2019

Bildnachweis

Cover: Stocksy/Javier Pardina (Motiv: Bei Insekten ist die Wilde Möhre, Daucus carota subsp. carota, sehr beliebt. Hier besucht gerade eine Feuerwanze, Pyrrhocaridae, die weiße Blütendolde.)

Fotos: AdobeStock, Biosphoto, blickwinkel, FLPA, Gettyimages, Shutterstock, Stocksy, Sabine Tenta

Syndication: www.seasons.agency

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»Im Garten geschieht kaum etwas, das keine Auswirkung auf das gesamte System hat. Fast alles hängt zusammen, ist Ursache oder Wirkung.«

VORWORT

DER GARTEN IST VOLLER LEBEN. Vieles ist sichtbar, vieles geschieht aber auch im Verborgenen. Doch alles hängt zusammen. Wie beispielsweise das Efeu, das jeden freien Platz nutzt, um sich auszubreiten. Dadurch schafft es Lebensraum für Spinnen und Käfer, damit auch für Vögel, die zwischen seinen Blättern Nistplätze und Futter finden. Die Natur ist ein Gefüge, das sich über Millionen von Jahren entwickelt hat. Der Garten ist ein Teil davon.

Welche Rolle spielt der Mensch dabei? Eine entscheidende. Denn der Garten ist ein Stückchen Land, das eine menschengemachte Vergangenheit hat. Unberührte Natur gibt es in unseren Breiten nicht mehr. Der Mensch steht ihr auch nicht gegenüber, vielmehr ist er Teil von ihr. Ein Teil, der seit Hunderten von Jahren entscheidend eingreift und verändert. Zeit, zumindest einige der Zusammenhänge besser zu verstehen. Und wo ginge das besser als im Garten!

Dieses Buch nimmt Sie mit auf eine Reise durch den Jahreslauf. Von den ersten Knospen im Winter bis zu den letzten Beeren im Herbst, von der Mispel hoch in der Baumkrone bis zu den Springschwänzen im Boden. Beim Verstehen, dass es sich um ein großes Ganzes handelt, wird auch die eigene Rolle deutlicher: Der Mensch beherrscht nicht, er gibt nur eine Richtung vor, in die sich alles entwickeln soll. Verstehen führt ganz nebenbei auch zu der Erkenntnis, dass manche Probleme selbst gemacht sind. Etwa, dass ein Rittersporn im Schatten nie richtig wachsen wird, dass Blattlausbefall sich meist von ganz alleine löst und dass das große Aufräumen im Herbst sogar kontraproduktiv ist. Gehen Sie mit auf die Reise. Schauen Sie, verweilen Sie, lassen Sie sich inspirieren!

EINLEITUNG

VON DEN ERSTEN HAMAMELISBLÜTEN bis zur letzten Hagebutte, vom hungrigen Zitronenfalter bis zum Igel im Winterschlaf: Dieses Buch führt durch das Jahr. Dabei stehen jedoch nicht Monatsnamen im Vordergrund, sondern das, was gerade im Garten passiert: Knospen, die sich öffnen, Früchte, die reifen, und Laub, das fällt. Die Kapitel sind nach dem phänologischen Kalender eingeteilt – nach dem, was erscheint und zu beobachten ist da draußen. Die Dunkle Erdhummel sowie der Giersch sind dabei Ihre Begleiter durch den Jahreslauf.

Was ist im Frühsommer im Garten zu sehen, und was genau geschieht im Spätherbst? Warum hat der Krokus einen kurzen Stängel, wo kommen von einem Tag auf den anderen die ganzen Blattläuse her, und wohin verschwindet eigentlich das Herbstlaub? Vieles entzieht sich einem schnellen Blick und geschieht eher im Verborgenen. Doch auch hinter all dem, was sichtbar ist, gibt es so manchen Zusammenhang, der sich kaum erahnen lässt – was macht zum Beispiel die Ameise mit der Bläulings-Raupe? »Das grüne Wunder« versucht, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen. Doch nur ein kleiner Bruchteil all dessen, was im Garten vor sich geht, lässt sich auf diesen Seiten beleuchten.

Im Garten geschieht kaum etwas, das keine Auswirkung auf das gesamte System hat. Fast alles hängt zusammen, ist Ursache oder Wirkung. Darüber hinaus ist das Stückchen Land hinter dem Haus Teil der Umwelt – der Landschaft oder der Stadt, in der es liegt. Es kommen jede Menge Einflüsse von außen, aber jeder einzelne Garten hat auch eine kleine, nichtsdestoweniger entscheidende Rolle darin. Naturgesetze, menschengemachte Einflüsse – alles spielt ineinander. Garten und Menschen umgibt ein großes Ganzes. Das fällt umso stärker auf, wenn etwas nicht mehr so ist, wie es war, seit wir uns erinnern können. Insekten sterben, und das in alarmierender Zahl. Tiere wie Schwebfliegen und Wespenspinnen sind uns nicht so nah wie Kaninchen oder Rotkehlchen, wenig bekannt und oft keine Sympathieträger. Doch wovon ernähren sich dann die Vögel, die wir im Garten so schätzen? Auch ihre Zahlen sinken. Je mehr verloren geht, desto mehr wird uns der Wert dessen, was einmal gewesen ist, bewusst.

Daher hilft: Hinschauen. Aufmerksam betrachten, was da im Garten vorgeht. Auch hinter die Borke, unter die Erde, in das Samenkorn gucken. Den großen Schatz erkennen und den Wert, den selbst Winziges wie das Ei eines Schmetterlings oder ein mikroskopisches Bodenlebewesen hat. Alles hat seinen Platz und seine Aufgabe in dem Gefüge, das sich über Jahrtausende entwickelt hat und funktioniert. Dazu ist es wichtig, Zusammenhänge zu erkennen. Denn so idyllisch der Garten auch wirken mag: Hier spielen sich ungeahnte Kämpfe ab, bei denen es ums Überleben geht. Pflanzen wetteifern um die besten Plätze in dem Bestreben, möglichst viel Licht abzubekommen. Das Spinnennetz, achtlos zerrissen, wurde unter Mühen gesponnen, um Nahrung einzufangen. Bienen fliegen unermüdlich von Blüte zu Blüte, um ihre Nachkommen füttern zu können. Vögel verteidigen ihr Revier in dem Bestreben, einen der selten gewordenen Nistplätze zu ergattern.

Wer das weiß und erkennt, kann besser entscheiden, was er in seinem Garten tun will. Wo und wie er eingreift. Wo die eigenen Vorstellungen Priorität haben und wo sie vielleicht zugunsten des bestehenden Gefüges in den Hintergrund treten könnten. Auch wenn die Brennnessel nicht zu den Lieblingsgewächsen gehört, kann sie in einer Gartenecke leben und dort Nahrung für Schmetterlingsraupen bieten. Möglichkeiten gibt es viele. Selbst wenn es nur ein bisschen ist: Wenn viele etwas tun, kann das schon eine ganze Menge bewirken!

1. ERSTFRÜHLINGDER GARTEN WIRD BUNT.

Forsythien und Narzissen blühen gelb, Küchenschellen rosa, Tulpen in vielen Farben. Buschwindröschen bilden weiße Teppiche, Obstbäume verwandeln sich in zarte Wolken, wenn sie ihre Knospen öffnen. Beerensträucher und Birken bekommen im Erstfrühling Blätter, etwas später folgen Rosskastanien, Ahorn und Linden.

DIE FORSYTHIE STEHT IN VOLLER BLÜTE.

WAS SEHE ICH?

Blüten in allen Farben. Grüne Blättchen an den Zweigen, ungebetene Kräuter im Gemüsebeet. Bienen, Erdkröten und vielleicht Borkenkäfer.

WAS SEHE ICH NICHT?

Saftmale, die die ersten Bienen in Blüten locken. Die ätherischen Öle, die die Luft mit Düften erfüllen. Pflanzenzellen, die sich jetzt munter teilen.

LANGE GENUG hat es gedauert. Doch jetzt ist der Frühling wirklich da. Den Anfang haben vor Wochen Winterlinge und Schneeglöckchen gemacht. Wertvoll waren diese ersten Blüten – vor allem für die Tiere, aber auch fürs menschliche Gemüt. Doch nun ist kein Halten mehr.

Dies ist die Zeit der Zwiebelblumen: Tulpen verwöhnen mit Rot, Orange und Lila – mit Farben, die in den Wintermonaten beinahe in Vergessenheit geraten waren. Narzissen leuchten gelb oder halten sich mit edlem Weiß zurück. Seit dem Vorfrühling blüht nun auch die Netzblatt-Iris. Manche Sorten sind dunkelviolett, andere himmelblau. Dezenter als andere, knallige Zeitgenossen ist die Küchenschelle in Lila oder Hellrot, die jetzt Bienen und Hummeln anlockt. Und auch grüne Blüten gibt es: Die Mittelmeer-Wolfsmilch, die in der kalten Jahreszeit ihr Laub behalten hat, trägt nun an jedem Trieb einen hellgrünen Schopf. An den Lenzrosen stehen noch die Blüten aus dem Winter. Sie hängen nicht mehr herab, um ihren Pollen vor Regen zu schützen, sondern haben sich aufgerichtet. Ein Zeichen, dass sie bestäubt worden sind. Die Kelchblätter bleiben ansehnlich, auch wenn die Samen schon reifen.

Doch auch die kleinen Dinge zählen. An den Rosen treiben erste Blättchen aus, zunächst noch winzig, dennoch stimmen sie froh. Alles wächst! Hier und da ist noch eine vereinzelte Blüte aus dem Vorjahr zu finden – bald schließt sich der Kreis, wenn neue Knospen kommen. Selbst wenn sich schon frisches Grün zeigt: Nun ist es Zeit, die Edelrosen zu schneiden. Zur Forsythienblüte ist die kälteste Zeit vorbei, die Rose mobilisiert all ihre Kräfte für den Austrieb. Kappt man die Zweige, beginnt das Wachstum an den schlafenden Augen weiter unten an der Rose.

Auch die Akelei macht glücklich: Ihre sich langsam entrollenden jungen Blätter ähneln Jugendstil-Ornamenten. Wenn sie dann noch von Regen- oder Tautropfen benetzt sind, gleichen sie kleinen Juwelen. Nicht immer keimt sie jedoch da, wo man sie haben will. Zum Beispiel im Gemüsebeet. Dort stehen noch letzte Spinatpflanzen, die den Winter überdauert haben und jetzt zu kräftigen Büscheln heranwachsen – sie müssen schnell geerntet werden, ehe sie hochschießen. Auf freien Flächen haben sich in den letzten Monaten Ehrenpreis, Gartenschaumkraut und Gräser angesiedelt. Sie müssen nun leider weichen, denn jetzt kann gesät werden: Erbsen, Radieschen und Spinat, auch Pflücksalate und Mangold kommen in die Erde. Im Gegensatz zu Bohnen brauchen sie keine Wärme, um zu keimen.

NEUES LEBEN

Wenn ein Samenkorn in die Erde kommt, quillt es auf. Manchmal geht das schnell, manchmal dauert es aber auch– eine solche Dormanz genannte Ruhe kann mehrere Jahre dauern. Was nicht sofort sprießt, erspart es sich, bei ungünstiger Witterung groß werden zu müssen. Samen von Christrosen zum Beispiel brauchen einen Kältereiz, erklärt Patrick Knopf, Direktor des Botanischen Gartens Rombergpark in Dortmund. Sie keimen erst, wenn der Winter vorbei ist, denn ein junger Sämling würde Eis und Schnee nicht überleben. Gärtner können sich dieses Wissen zunutze machen und die Saat stratifizieren, das heißt, für eine Zeit in feuchten Sand gepackt im Kühlschrank aufbewahren. Die Schale solcher Samen wird durch Frosteinwirkung porös, sodass das Wasser eindringen kann.

Bei vielen Pflanzen wie Radieschen, Erbsen oder Sonnenblumen funktioniert das auch ohne kalte Temperaturen. Das Wasser dringt ins Samenkorn ein und lässt den Keim aufquellen. Eine Wurzel schiebt sich ins Erdreich, dann beginnt der Spross zu wachsen. Im Garten geschieht dies im Idealfall so, wie der Mensch es haben möchte, etwa in schönen Reihen im Gemüsebeet. Doch meist versamen sich Pflanzen ohne gärtnerisches Zutun: Wildkräuter, Gräser, Gehölze wie auch Stauden wachsen dort, wo die Saat landet und passende Lebensbedingungen vorfindet. Denn an dem Ort, wo sie keimen, stimmen für sie die Beschaffenheit des Bodens, die Menge von Licht und Wasser und die Temperatur.

Was sich von selbst ansiedelt, ist besser eingewurzelt als alles, was angepflanzt wird. Denn ein Keimling entwickelt eine Hauptwurzel, die tief in die Erde reicht. Eine Eiche, die von alleine keimt und einwurzelt, steht fest und kann uralt werden. Gehölze aus der Baumschule dagegen, die verschult – also mehrfach umgepflanzt– wurden haben oft Wurzeln, die wie die Borsten von Rasierpinseln in alle Richtungen gehen. Damit werden sie nie so standhaft wie Sämlinge, sagt Patrick Knopf. Was vom Gärtner gepflanzt wird, muss mit dem Platz vorliebnehmen, der dafür ausgesucht wurde – dann wächst die Pflanze gut, mittelprächtig oder geht ein.

Zitronenfalter sind schon früh im Jahr unterwegs. Bald suchen sie sich einen Partner für die Fortpflanzung. Die neuen Raupen schlüpfen dann im Frühsommer.

TIERE KEHREN ZURÜCK

Auf den Primeln sitzen jetzt schon erste Zitronenfalter. Auch viele Bienen und Wollschweber sind unterwegs. Die Kätzchen der Salweide bieten dem Großen und Kleinen Fuchs, Tagpfauenauge und C-Falter Nektar. Am Pfaffenhütchen und Schneeball sind jetzt die ersten Läuse zu sehen: Die Schwarze Bohnenlaus hat dort im Herbst ihre Eier abgelegt. Sie vermehrt sich in den nächsten Wochen rasant. Im Frühsommer fliegen die ersten der Läuse auf Gemüsepflanzen wie Bohnen und Rote Bete, aber auch auf Zaun-Wicken (>). Erst im Spätsommer kehren sie zu Pfaffenhütchen und Schneeball zurück. Dort werden dann männliche und weibliche Läuse geboren, die sich paaren. Ihre Eier, die Generation des kommenden Jahres, überdauern den Winter auf den Gehölzen.

Auch die Borkenkäfer tauchen bald aus der Winterruhe auf. Nicht nur im Wald, auch im Garten können sie auftreten. Besonders in geschwächten Bäumen finden Käfer wie der Buchdrucker Lebensraum, zum Beispiel an Fichten, Douglasien oder Lärchen. Manche von ihnen sind frisch geschlüpft und suchen sich an warmen Tagen neue Bäume. Die Käfer nagen sich in die Borke und starten die erste von bis zu drei Generationen pro Jahr. Der Baum reagiert mit Harz, an dem die Tiere zunächst kleben bleiben. Doch können sie aus dem Harz Duftstoffe produzieren, die wiederum neue Käfer anlocken. Unter der Borke legen sie ihre charakteristischen Gänge an. Wird der Platz knapp, wandeln sie die Duft- in Abwehrstoffe um, sodass Nachzügler einen anderen Baum aufsuchen. Mit dem Käfer gelangen Pilze in das Holz, die zusätzlich schwächen. Borkenkäfer können sich rasant vermehren. Sollen die umstehenden Gehölze nicht geschädigt werden, bleibt meist nur, den befallenen Baum zu beseitigen, damit sich die Tiere nicht weiter ausbreiten.

EXPERTENWISSEN

THEMA: WACHSTUMDR. PATRICK KNOPF

EINE ZELLE IST FÜR DAS GESAMTE WACHSTUM EINER PFLANZE VERANTWORTLICH.

In jeder Knospe oder Triebspitze, in jedem Samen, in jeder Blumenzwiebel gibt es eine Scheitelzelle oder einen Vegetationskegel, der unter dem Mikroskop wie ein winzig kleiner Zuckerkegel aussieht. Algen, Moose und Farnpflanzen haben oben eine Scheitelzelle. Diese eine Zelle macht das gesamte Wachstum einer Pflanze aus! Samenpflanzen haben dagegen ein meristematisches, das heißt teilungsfähiges Gewebe. Dieses teilt sich und sondert weitere Zellen ab, bleibt aber immer oben an der Spitze. Es gibt verschiedene Wachstumsarten. Beim Breitenwachstum wird der Spross dicker: Die Zellen teilen sich von oben nach unten, aus einer werden zwei, sie füllen sich mit Flüssigkeit und dehnen sich aus. Für das Längenwachstum teilen sich die Zellen meist nicht, sondern sie verlängern sich einfach. Das kann sehr schnell gehen: Ein Zentimeter Gewebe kann am nächsten Morgen schon viermal so lang sein. Teilungsfähige Zellen hält die Pflanze im ganzen Körper vor, zum Beispiel die »schlafenden Augen«. Deswegen können wir Gehölze auch zurückschneiden: Sie treiben einfach wieder aus. Theoretisch ist das Wachstum von Pflanzen unendlich. Eine Geranie zum Beispiel können Sie immer wieder durch Stecklinge verjüngen, bis zum Ende aller Zeit. In der passenden Umgebung lässt sich teilungsfähiges Gewebe immer wieder verjüngen. Das macht die Pflanze quasi unsterblich.

Kröten sind unterwegs

Auch anderes Leben regt sich im Garten: Die Amphibien sind aus ihrem Winterversteck gekommen. Kröten und Frösche sind hungrig, vertilgen jede Menge Regenwürmer, aber auch junge Schnecken im Garten. Jetzt machen sie sich bereit für die Fortpflanzung. Grasfrösche kommen aus ihren sicheren Plätzen tief am Boden des Teichs, wo sie den Winter verbracht haben. Sie bleiben meist im angestammten Gebiet, und ihr Quaken ist nun oft zu hören. Die Weibchen geben Laichballen ab, die rund 2 000 Eier enthalten können. Aus ihnen schlüpfen binnen Tagen oder Wochen die Kaulquappen.

Noch früher unterwegs sind meist die Erdkröten, oft schon seit dem Vorfrühling. Sie gehen auf Wanderschaft und suchen ein Gewässer, in dem sie laichen können. Unterwegs sammeln die Weibchen manchmal schon Männchen ein, die sie dann huckepack tragen. Die Männchen sind kleiner und haben einen ausgeprägten Klammer-Reflex: Wenn sie eine Kröte erwischen, lassen sie diese so schnell nicht mehr los. Am Gewässer angekommen, laichen die Weibchen – sie geben Schnüre mit mehreren Tausend Eiern ab, die von den Männchen befruchtet werden. Je nach Temperatur entwickeln sich daraus binnen weniger Tage Kaulquappen. Um sich zu schützen, schwimmen sie in großen Schwärmen, werden aber von Fischen wie dem Hecht oder auch von Insektenlarven gefressen. Etwa drei Jahre braucht ein Tier, um erwachsen zu werden und sich das erste Mal zu paaren. Ausgewachsene Kröten schützen sich durch ein giftiges Hautsekret vor Fraßfeinden. Wer trotzdem zubeißt, riskiert Lähmungserscheinungen. Der größte Feind frisst aber nicht, er fährt Auto: Die meisten Erdkröten sterben auf der Wanderung, wenn sie eine Straße queren.

DIE FARBE EINER BLÜTE LIEGT IM AUGE DES BETRACHTERS.

ES WIRD BUNT

Monatelang hat sich der Garten dezent in Braun- und Grautönen gehalten, aber jetzt wird es wieder richtig bunt. Doch sind die farbenfrohen Blüten nicht nur optischer Genuss für Menschen. Färbung – und Duft – dienen dazu, Bestäuber anzulocken, damit sich die Pflanze vermehren kann. Der Farbeindruck entsteht durch spezielle Stoffe in den Zellen: Flavonoide und Carotinoide.

Zu den Flavonoiden gehören zum Beispiel die Anthocyane, die meist mit intensiven Rot- und Violetttönen in Verbindung gebracht werden, etwa von Rotkohl oder Brombeeren. Anthocyane färben außerdem Rittersporn und Salbei, Malven und Veilchen blau. Sie können jedoch auch das Rot der Erdbeeren hervorrufen und das knallige Orangerot des Klatschmohns.

Die Farbe Weiß entsteht durch verschiedene Flavonoide. Einige von ihnen absorbieren oder reflektieren UV-Licht, was das menschliche Auge nicht wahrnehmen kann, für Bienen jedoch von Bedeutung ist. Flavonoide sind wasserlöslich; je nachdem, in welcher Mischung sie in den Pflanzenzellen vorliegen, ändert sich der Farbton der Blüte. Auch Gelb wird durch diese Stoffe erzeugt, zum Beispiel der zarte Ton der Schlüsselblume.

Viele der intensiveren Gelbtöne gehen jedoch auf Carotinoide zurück: Narzissen und Ringelblumen, Löwenzahn und Sumpfdotterblumen verdanken ihre Farbe Stoffen wie Beta-Carotinen, Lycopinen oder Xanthophyllen. Sie alle sind fettlöslich und innerhalb der Zelle in Öl oder in Plastiden (Zellbestandteile) gelagert. Je mehr vorhanden sind, desto intensiver und dunkler wirkt das Blütenblatt.

Auch die Farbe Grün ist nicht immer nur in Laub und Halm zu finden. Bei Schneeglöckchen und Märzenbechern, bei einigen Tulpen und Helleborus bestimmt sie zudem die Färbung oder Zeichnung der Blüte. Grün entsteht durch Chlorophyll in den Zellen.

Und doch ist die Blütenfarbe durch nichts anderes als die Reflexion von Licht bedingt. Licht ist eine elektromagnetische Strahlung mit Wellen unterschiedlicher Längen. Die Rezeptoren des menschlichen Auges sind nur für ein bestimmtes Spektrum davon empfänglich – Infrarot und Ultraviolett gehören beispielsweise nicht dazu. Eine Blüte oder ein Grashalm absorbiert nur einen Teil des jeweils einfallenden Lichts, der Rest wird reflektiert. Grün erscheint der Halm dadurch, dass die Pflanzenzellen alle Spektralfarben bis auf Grün absorbieren. Dieses wird zurückgeworfen: Das Blatt erscheint uns grün.

DIE ERDHUMMEL IM ERSTFRÜHLING

Immer wieder sind einzelne Hummeln zu sehen: Die Dunkle Erdhummel ist nur eine von rund 70 in Europa beheimateten Hummelarten und bei uns weit verbreitet. Jetzt kommen die Königinnen aus der Winterruhe.

Signale für Bienen

Für Bienen hingegen sieht der Garten ganz anders aus. Statt dottergelber Butterblumen sehen sie eine weiße Blüte mit rotem Zentrum. Denn sie nehmen ein anderes Spektrum wahr als wir – kurzwelliges UV-Licht gehört dazu, langwelliges Rot nicht. Das für uns so lebendige Grün im Garten erscheint Bienen vermutlich grau.

Dafür treten für sie die sogenannten Saftmale in den Vordergrund, die unser Auge kaum erkennen kann. Dabei handelt es sich um Blütenbereiche, die das UV-Licht absorbieren und sich daher dunkler vom Rest der Blüte abheben. Ein Zeichen für die Biene, dass hier etwas zu holen ist. Bei genauerem Hinsehen lässt sich bei der Butterblume ein feiner Unterschied in der Struktur des Blütenblatts erkennen, das zum Zentrum hin dicker und glänzender wirkt. Unter der UV-Lampe kann die Wahrnehmung der Biene nachempfunden werden: Die Saftmale wirken andersfarbig als der Rest der Blüte.

Wo es dunkler ist, scheinen große Mengen an Pollen zu warten – das lockt die Insekten an. Beim einfarbig gelben Winterling sehen Bienen intensiv rote Staubbeutel auf rötlich-weißen Blütenblättern. Die Schwarze Königskerze, für uns gelb mit rötlichen, behaarten Staubblättern, hat ebenfalls eine helle Blüte, vor der sich die dunklen Staubblätter abheben. Ähnlich ist es beim Leberblümchen. Ringelblumen werden im Inneren immer dunkler, bei dem für uns himmelblauen Wiesen-Storchschnabel leiten dunkelrote Adern auf weißen Blütenblättern den Weg ins Zentrum. Die Nachtkerze, in unseren Augen zitronengelb, trägt für Bienen ebenfalls weiße Blüten mit einer dunklen Zeichnung, die zu den Staubbeuteln führt. Und beim Fingerhut erscheint der Rand der gefleckten Unterlippe hell und lockt die begehrten Bestäuber mit vielversprechenden, dunkleren Flecken in das Innere des Kelchs.

Manche Pflanzen zeigen auch durch ihre Farbe an, wenn nichts mehr zu holen ist. Das Lungenkraut, zu dem gerne die Frühlings-Pelzbiene kommt, blüht zunächst violett, später wird es blau. Bei der Frühlings-Platterbse ist es genauso. Die Blüten der Rosskastanien später im Frühjahr haben zunächst einen gelblichen Fleck, den Carotinoide einfärben. Wenn der Nektar verbraucht ist, übernehmen die Anthocyane, und der Fleck wird rot. Die Farbe ist ein Zeichen für Bienen und Hummeln, dass sie diese Blüte nicht mehr anzufliegen brauchen.

DER GIERSCH IM ERSTFRÜHLING

Zartes, frisches Grün entfaltet sich im Beet: Der Giersch sprießt. Ganz weich sind seine Blätter. Sie sind essbar, haben jetzt nur wenig Aroma, zergehen aber fast auf der Zunge. Ob es den Giersch in seinem Ausbreitungsdrang schwächt, wenn er stetig geerntet wird?

Buhlen um Bestäuber

Bienen und Hummeln sind die wichtigsten Bestäuber. Aber auch Schmetterlinge übernehmen diese Aufgabe. Sie fliegen beispielsweise auf Phlox und Tag-Lichtnelken, auf Rote Spornblumen und das Wiesen-Schaumkraut. Nachtfalter bestäuben die Nachtkerze, Zaun-Winden sowie Türkenbund-Lilien. Fliegen landen gerne auf Dolden, zum Beispiel Holunder, sind aber auch Bestäuber bei Fallenblumen wie dem Aronstab (>). Hin und wieder verirren sich zudem Käfer auf Blüten, meist bei flachen Dolden wie der Wilden Möhre. Stets besteht ein Zusammenhang zwischen Mundwerkzeug, dem Rüssel, und Blütenform. In anderen Regionen der Erde spielen auch Kolibris und Fledermäuse eine Rolle bei der Bestäubung.

AROMEN IN DER LUFT

Doch auch noch etwas ganz anderes spielt eine Rolle bei der Bestäubung: der Duft. Schon im Winter machen die Chinesische Winterblüte und die Fleischbeere auf sich aufmerksam. Jetzt sind es die Hyazinthen, deren betörender Duft weit durch die Lüfte trägt. Aber auch Narzissen versuchen mitzuhalten. Dichter- und Engelstränen-Narzissen verbreiten einen zarten Wohlgeruch. Bald kommen die Veilchen, die so klein vom Wuchs und doch so groß in der Wirkung sind. Und dann trennen uns nur noch wenige Wochen von Maiglöckchen und den ersten Rosen. Um besonders erfolgreich zu sein, setzen manche Blumen auf die Kombination von Farbe und Duft. Dadurch wird der Reiz, sie anzufliegen, verdoppelt.

So verführerisch und leicht er wirkt, so notwendig ist der Duft für die Pflanzen. Denn er bringt die Insekten auf den richtigen Weg. Ausgesendet werden Aromen, die sich irgendwann einmal als erfolgreich erwiesen haben: Mit diesem Geruch lassen sich besonders viele Bestäuber anlocken. Bei den meisten Blumen ist es ein Duft, der auch Menschen gefällt. Mitunter werden aber auch Aas- oder Fäkalgerüche imitiert, zum Beispiel vom Aronstab. Solche Pflanzen arbeiten mit Bestäubern zusammen, die sonst auf verrottendes Fleisch oder Kot fliegen und dort ihre Eier ablegen. Duft oder Gestank – diese Unterscheidung gibt es in der Natur nicht.

Hat ein Insekt zur Blüte gefunden, sucht es in erster Linie Nahrung, manchmal auch einen Unterschlupf. Pollen, die als Vorrat eingesammelt werden, enthalten Proteine, dazu Fette und Zucker. Der süße Nektar kommt aus Drüsen, die meist direkt in der Blüte sitzen, und besteht aus Zuckerarten wie Saccharose (Rohrzucker), Fruktose (Fruchtzucker) und Glukose (Traubenzucker), aber auch aus Vitaminen und Lipiden – eine Nahrung, die den Tieren direkt Energie fürs Fliegen gibt.

WIE ENTSTEHT DER DUFT?

Pflanzen stellen in ihren Zellen ätherische Öle her, die spezielle Dufststoffe wie Cumarine oder Amine enthalten. Sie werden nach und nach von der Blüte abgegeben und verflüchtigen sich in der Luft. Der so entstehende Duft bringt die Bestäuber auf die richtige Fährte.