Das Innere Ich - Corinna Howe - E-Book

Das Innere Ich E-Book

Corinna Howe

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Beschreibung

Eigentlich hat ja jeder eines. Manche sagen dazu „Bauchgefühl“ oder „Intuition“, andere nennen es „den kleinen Mann im Ohr“ oder „die innere Stimme“. Alle diese Bezeichnungen sind aber in der Regel eher stiller Natur, manchmal mystisch, manchmal emotional und manchmal einfach nur sachlich. Das Leben mit dem Inneren Ich ist die reinste Achterbahnfahrt und hat mich schon so manches Mal in äußerst peinliche Situationen gebracht… Also einsteigen für die Fahrt durch ein Jahr meines Lebens mit dem Inneren Ich!

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Seitenzahl: 223

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Dankeschön!

Michael, für die Hilfe beim Bearbeiten, das Mut machen und die gute Kritik.

Den Testlesern für ihr Durchhalten und ihre ehrliche Meinung.

Gewidmet ist dieses Buch:

Meinem Freund, dem Pfarrer!

Inhaltsverzeichnis

Dankeschön!

Vorwort

Brief an das Innere Ich

Der Schokoladenmann

Sinnlose Fragen

Belebend

Funkenflink

Hell`s kitchen

Erwachet!

Windatmung

Sankt Martin

These

Asket

Der 1. Advent

Kalender-Gefühle

Gruß an die Deutsche Gemeinde

2. Advent

Alptraum

Das langsamste Taxi

Bizarr

Das Aquarium

Das Du

Cleopatra

Die Uhren zurück gedreht

Der goldene Becher

Der Google-Gott

Der Klingelbeutel

Freier Wille

Fuß-Note

Ganz früh

Die zehn Gebote

Amtsmissbrauch

Interessanz

Interaktives Lesen

Guten Appetit!

Ghost-Writer

Gerne!

Eine zündende Idee

Seelsorge

Spezielle Grüße

Star-Allüren

The Big Gatsby

Vom Tun und Nichtstun

Kater - Gottesdienst

Nicht ganz ernst genommen

RAF

Ortographie ist triwial

Partnerverkauf

Männer haben es nicht leicht

Ungekonntes Feiern

Winterdepression

Wort-Künstler

Beides eins?

Die leere Arche

Der letzte Gottesdienst

Abflug

Think BIG

Las Vegas

Los Angeles

Doppelt gemoppelt

Der erste Ausflug

Angekommen

Sturm

Schneefrei

Scurril

Der Sinn des Seins

Sexgötter

Bilder teilen

Einladungs-Codes

Erbsengras

Der Pillen-Papst

Gebildet?

Genießen

Der Zeisig

Die Sache mit den Titeln

IKEA`s Etikette(n)

Himmlische Poliklinik

Echt

Soziale Netzwerke

Überraschend

Überwacht

Kreislauf

Küchen-Alarm!

Kunst - Wunst

Prognose

Zu spät

Was keiner wissen will

Pfuiteufel!

Pechsträne

Vorbereitung auf das Ende

Vorwort

Zum dritten Mal nehme ich die werte Leserschaft ein Jahr lang mit hinein in meinen Alltag. Lasse sie an Erlebnissen und Gedanken teilhaben und stelle einen Teil von mir vor, welcher bisher von Anderen höchstens geahnt werden konnte, in meinem Denken und Handeln allerdings schon immer sehr präsent und aktiv war:

Das Innere Ich

Es war das dritte Jahr, welches wir in Sankt Petersburg, Russland, verbracht haben. Von dort ging es dann direkt nach Istanbul, Türkei. Es war eine Zeit des Aufbruchs und der Suche nach neuen Abenteuern

Wenn man nun mit einem Pfarrer befreundet ist, dann macht man sich zwangsläufig viele Gedanken über Gott und die Welt und obwohl ich skeptisch war, ob diese Gedanken die Menschen interessieren, befürworteten die Testleser, diese Geschichten zu veröffentlichen.

Na, bitte schön: Hier sind sie!

Brief an das Innere Ich

Es sind Dinge wie diese, die mich berühren und mir zeigen, dass ich es wohl nicht ganz falsch gemacht haben kann, mit der Schreiberei. Denn nach dem Absenden des letzten Textes „Vorbereitung auf das Ende“ bekam ich, nein, das Innere Ich, post von einem Testleser. Diesen Brief, der eigentlich nach der letzten Geschichte dieses Buches von diesem Leser an mich geschrieben wurde, möchte ich nun hier als Vorwort einfügen, denn dort steht all das, was dieses Buch ausmacht. Und ich wünsche jedem Leser von Herzen, dass er diese Erfahrungen mit diesem Leser/in teilen kann!

Liebes Innere Ich,

Nun ist es aber wirklich mal an der Zeit, dir zu schreiben. Deine "Ängste", einfach weg zu sein kann ich gut verstehen, denn niemand möchte einfach weg sein.

Aber ich möchte dir sagen, dass du in meinem persönlichen Fall definitiv nicht weg sein wirst. Nun spitz die Ohren!

Erstens freue ich mich wie bekloppt auf das Buch mit all deinen Geschichten und Erlebnissen und sei versichert, ich werde meinen Anteil leisten, dass deine Geschichten von vielen Menschen gelesen werden und du dadurch in Ihren wie auch in meinem Kopf nicht nur während des Lesens "herumspuken" wirst. Nein, denn beim Lesen deiner ganzen Geschichten meldete sich ein sehr guter Freund von dir...mein Inneres Ich!!! Allerdings hat es nicht das grandiose Glück, seine Abenteuer durch mich aufs Papier zu bringen. Aber......es ist da und durch dich sehr lebendig!!!!Ein schönes Gefühl!!

Und zweitens, jetzt kommt der Teil bei dem dir hoffentlich ein breites Grinsen über dein Lakritz verschmiertes GESICHT huscht, bist du dauerhaft in meinem Gesicht! Wie???

Ganz einfach: in meinen Lachfalten!

Du hast, und in deinem Fall bin ich darüber sehr froh und dankbar, einen guten Anteil an der "Faltentiefe" in meinem Gesicht! Und da es kaum etwas gibt, was ein Gesicht schöner und interessanter machen kann als Lachfalten, bin ich dir sehr dankbar (die Firma, die meine Gesichtscreme herstellt sicher auch-denn du steigerst deren Umsatz).

Und nun stell dir einfach mein müßiges Eincremen vor, das eh nichts bringt....& es ja auch gar nicht wirklich muss.

Und drittens, in einem Buch zu leben ist etwas Einzigartiges, denn selbst wenn ein Leser das Buch am Ende zuklappt und in ein Regal stellt, bleibst du da. Bist da, wenn ein neuer Leser das Buch entdeckt und mit dir auf Reisen geht.

Ich hoffe, ich konnte dir ein klein wenig die Angst vom "weg sein" nehmen, denn vieles kann man verlieren, verlegen... Aber du wirst immer existent sein...in geschriebenen, gedruckten und gelesenen Worten.

Sieh nur, welch Glück du hast!

PS: Mein Bücherregal freut sich schon sehr, dir hier eins deiner vielen zukünftigen "neuen Zu Hause" zu sein......

Der Schokoladenmann

Ich bin ja davon überzeugt, dass jeder ein Inneres Ich hat. Die Betitelung unterscheidet sich eben nur. Manche sagen dazu „Intuition“, „Bauchgefühl“… Das Innere Ich kommt immer dann auf den Plan, wenn wir uns in Gedanken mit irgendetwas auseinandersetzen, eine Entscheidung treffen oder uns eine zweite Meinung einholen.

Diese muss nun nicht immer richtig sein, denn obwohl das Innere Ich aus diversen Erinnerungs-Schubladen eigentlich genügend Material zum Recherchieren und analysieren hätte, schmiert es uns ab und an unser Denkgetriebe mit ranzigem Fett.

Anders ist es schließlich nicht zu erklären, warum wir uns den Pulli kaufen, von dem wir eigentlich wissen müssten, dass er uns nicht steht.

Oder mehrmals auf die Sorte Mann hereinfallen, die uns unglücklich machen.

In solchen Momenten sind wir in unserer Entscheidung also nicht mehr autark, sondern vielmehr von uns selbst fremdgesteuert.

Es kann ja auch durchaus ganz nützlich sein, dass Innere Ich. In Augenblicken, wo man Zuspruch und Trost braucht, wenn einem langweilig ist. Wenn man Jemanden braucht, mit dem man das Glück hinausschreien muss, weil man sonst daran zerplatzt…

Ich denke, das Innere Ich verhält sich bei jedem Menschen individuell anders. Ist ja auch logisch, da sich jeder Mensch von einem anderen unterscheidet und das nicht nur auf seinen Chromosomen.

Mein Inneres Ich ist meistens gut drauf und ausgesprochen vorlaut. Es verkleidet sich, im Gegensatz zu mir, äußerst gerne und liebt das Karaoke-Singen – obwohl seine gesanglichen Talente eher im unteren Bereich liegen.

„Kunst und Leidenschaft liegen im Ohr des Hörers!“ Brüllt es gerade. Schade, eigentlich, dass Ohrstöpsel gegen das Innere Ich nicht funktionieren… Es hat sich eine schwarzhaarige Perücke aufgesetzt, einen weißen Pailletten-Anzug an und greift nach einem goldenen Mikrophon.

Es ist schwierig, sich auf das Schreiben zu konzentrieren, wenn einem Jemand den „Jailhouse-Rock“ ins Hirn plärrt, den man ohnehin noch nie leiden konnte.

Das Fatale am Inneren Ich ist nämlich, dass niemand einen so gut kennt wie es. Selbst man selbst nicht. Dinge, die einem peinlich sind oder die ansonsten unangenehm sind verdrängen wir nämlich erfolgreich aus unserem Gedächtnis. Und da würden diese Erinnerungen auch bis in alle Ewigkeit verrotten, wenn das Innere Ich nicht ab und zu fieserweise genau diese heraus holt und uns damit auf die Nerven geht. Bevorzugt in ähnlichen Situationen.

„Hast du dich jetzt ausgeheult?“ Fragt das Innere Ich und schält eine Banane, in die es herzhaft hinein beißt. Na, wenigstens frisst es etwas Gesundes. Das Blöde ist nämlich, dass das, was das Innere Ich in sich hineinstopft auf meinen Hüften landet und es zum Sport nur mühsam motiviert werden kann.

Als ich nach dem Sommerurlaub nach Hause kam, bemerkte ich im Kühlschrank den unteren Rest eines

Schokoladen-Weihnachtsmannes. Den hatte ich meinem lieben Ehegatten zum Christfest vor zwei Jahren geschenkt.

(Anmerkung des Ehegatten: Es war letztes Jahr, nicht vor zwei Jahren)

(Anmerkung der Anmerkung: War wohl vor zwei Jahren) (Anmerkung der Anmerkung der Anmerkung: Nein, es war letztes Jahr)

(Anmerkung der Anmerkung der Anmerkung der Anmerkung: Stimmt nicht!)

(Anmerkung der Anmerkung der Anmerkung der Anmerkung der Anmerkung: Doch.)

(Anmerkung der Anmerkung der Anmerkung der Anmerkung der Anmerkung der Anmerkung: Wette?)

Anmerkung der Anmerkung der Anmerkung der Anmerkung der Anmerkung der Anmerkung der Anmerkung der Anmerkung: Jepp. Eingeschlagen.)

„Lecker.“ Meinte das Innere Ich und schielte sehnsüchtig zu dem Dickmacher.

„Quatsch.“ Sagte ich und erinnerte das Innere Ich daran, dass ich überhaupt keine Schokolade mag. Ausnahmen sind die gewonnenen Überraschungseier, um die wir immer wetten.

Am Abend schlenderte erwähnter Ehegatte dann, von einem süßen Zahn getrieben, an seinen Vorrat und stand mehrere Augenblicke unbeweglich davor.

„Wo ist denn mein Schokoladen-Weihnachtsmann hin?“ „Keine Ahnung?“ Wollte ich sagen und schaute von meinem Buch hoch. Doch noch bevor ich meine Unkenntnis laut machte, bemerkte ich, wie sich das Innere Ich genüsslich die Finger ableckte, unschuldig guckte und weiß-rotes Stanniolpapier unauffällig verschwinden ließ. Dabei trug es eine Mütze mit einem Elch drauf und summte die Melodie von „Jingle Bells“…

Sinnlose Fragen

Und wieder mal ein grauer Novembertag. Das Innere Ich hat mich gestern beim Sport dermaßen angetrieben, dass es heute außer Frage steht, ins Fitness-Studio zu gehen. Das heißt, vielleicht ein halbes Stündlein, später…

Es liegt tiefenentspannt auf einer Frotteecouch, hat die Hände hinter dem Kopf verschränkt und guckt in einen blauen Himmel mit weißen, duftigen Wölkchen.

„Hast du dir schon mal sinnlose Fragen gestellt?“ Fragt es gerade lächelnd.

„Eigentlich versuche ich immer, genau das zu vermeiden.“ Antworte ich und mache mir nebenbei einen Kaffee, welcher direkt neben seiner Couch auftaucht.

„Aber es ist entspannend.“ Beharrt es. „Gibt es zum Beispiel ein anderes Wort für Synonym?“

„Klar.“ Sage ich ohne zu zögern. „Sinnverwand, bedeutungsähnlich, verwendungsähnlich“

Das Innere Ich guckt mich mitleidig an. „Du hast den Witz nicht verstanden…“

Es zwinkert mir zu: „Probieren wir es mal mit etwas Leichterem: Kann eine Hautcreme die 20 Jahre jünger aussehen lässt für eine 19 jährige tödlich sein?“ Es grinst breit. „Oder: Warum gibt es kein Katzenfutter mit Mäusegeschmack?“

Ich ahne etwas…

„Du hast wieder im Internet gesurft?“

Es grinst breit und zeigt mir die Seite im weltweiten Netz,

auf der es die Fragen gefunden hat.

„Ist ein Wintereinbruch strafbar?“ Lese ich amüsiert. „Warum werden wohl als Vogelscheuchen immer nur Männer aufgestellt?“

Es nickt begeistert, trinkt den Kaffee mit dem Strohhalm und mampft ein Lakritzbrot. „Kann einem Glatzkopf eine Glückssträhne wachsen? Und kriegt man vom Taxifahrer Geld zurück, wenn er rückwärtsfährt?“

Langsam macht es tatsächlich Spaß. „Können Vegetarier Schmetterlinge im Bauch bekommen?“ Lese ich lachend.“ Und können wir auch mal eine Minute an gar nichts denken?“

„Halt!“ Das Innere Ich springt auf. „Das ist keine sinnlose Frage.“

„Warum?“ Frage ich verblüfft.

„Weil du genau weißt, dass ich das nie könnte. Also gar nichts denken, meine ich. Damit ist sie nicht mehr sinnlos, sondern beantwortet.“

„Na gut“, gebe ich zu, „dann lass uns mal wieder etwas Sinnvolleres tun.“

Das Innere Ich hat eine Kochjacke an, einen angeklebten Zwirbelbart auf der Oberlippe und eine Nickelbrille auf.

„Lass uns Spaß kochen!“ Ruft es und ich folge Herrn Lichter in die Küche.

Belebend

Draußen hängt der Nebel wie ein grauer Schleier über der Stadt. Bei diesem Wetter habe ich zu so ganz und gar nichts Lust. Nicht mal zum Kochen.

Das Innere Ich rührt mit einem Holzlöffel in einer Nebelsuppe herum, steckt den Zeigefinger hinein und probiert.

„Pfui Spinne…“ murmelt es und gießt die Plörre in den Jute-Sack des Weihnachtsmannes.

„Und nu?“ Frage ich.

„Bin für komplette Verweigerung jeglicher Aktivität.“ Stellt es fest und legt sich einen Eisbeutel auf die Stirn.

„Kater, was?“ Frage ich und lege mir ebenfalls ein Coldpack auf die Schläfen.

Es gibt ein grunzendes Geräusch von sich, welches man mit einem gewissen Maß an Phantasie durchaus als leidende Zustimmung werten könnte.

Ich stehe auf und hole mir eine Aspirin.

„Ey, beweg dich nicht so schnell…“ Wimmert das Innere Ich und hält den Eisbeutel auf dem Schädel fest. „Und keine Kurven!“

Ich komme am Spiegel vorbei und nicke der Person darin freundlich zu.

„Kennste die?“ Frage ich das Innere Ich.

Es schüttelt wortlos und sehr langsam den Kopf.

„Verlassen Sie bitte meine Wohnung und machen Sie einen Termin aus.“ Sage ich zu der Fremden und schlurfe mit der Aspirin in die Küche.

Mist – in einem Anfall von Arbeitslust hatte ich bereits in der Früh die Spülmaschine befüllt. Darum ist ein Gang ins Esszimmer unumgänglich.

Das Innere Ich seufzt tief. „Hach, wie anstrengend.“

„Ja,“ ich seufze auch, „das sind fünf Meter unnützer Kraftaufwand… Minimum!“

„Warum muss Aspirin eigentlich so ekelig schmecken?“ Frage ich und würge das Kopfschmerz-Hilfsgetränk hinunter.

„Damit die Leute das nicht wie Saft trinken.“ Meint das Innere Ich.

„Hmpf.“ Mache ich und stelle die Eieruhr auf 15 Minuten.

„Was soll das denn?“ Fragt das Innere Ich irritiert.

„Das Zeug soll doch angeblich nach einer Viertelstunde spürbar geholfen haben.“ Erwidere ich. „Wenn es klingelt und es zersprengt mir nicht den Schädel, dann hat die Werbung Recht.“

Das Innere Ich sieht aus wie der personifizierte Zweifel. „Manchmal hast du echt masochistische Züge…“

Wie im Trance mache ich den Kühlschrank auf und schaue hinein. Kohl, Salat, Käse, Butter, Milch, Joghurt, Steaks…

Das Innere Ich horcht auf.

„Stopp! Zurück!“ Ruft es und ich nehme die Steaks in die Hand.

„Irish dry aged sirloin steaks.“ Lese ich, was auf der Packung geschrieben ist.

Das tiefrote Fleisch mit der zarten Marmorierung lässt bereits beim Betrachten den Eisengehalt im Körper ansteigen. Der Fleischsaft winselt geradezu danach sich in der Pfanne in eine Pflaumensauce verarbeiten zu lassen.

„Mit Apfelrotkohl…“ Das Innere Ich sitzt vor einem gefüllten Teller.

Ich starre auf das noch verpackte Stück Fleisch und merke, wie mir das Wasser im Mund zusammenläuft.

„Kross angebraten und richtig derbe gewürzt…“ Das Innere Ich schneidet andächtig das erste Stück ab. Außen rustikal und innen noch zärtlichstes Rosa. „Mit selbstgemachten Bärlauch-Spätzles.“ Das Innere Ich schwelgt im Genuß.

Okay, das ist zu viel. Ich nehme die Pfanne aus dem Schrank und ziehe meine Kochsachen an. Minuten später reduziert die Soße, knetet die Küchenmaschine den Nudel-Teig und schmort der Rotkohl im Rotwein-Sud.

Wenig später genieße ich mit völliger Hingabe mein Mittagessen und der Blick fällt auf die Eieruhr.

„Huch“, fällt mir ein, „da war ja was.“

Das Innere Ich grinst fröhlich und schiebt sich einen riesen Bissen Rotkohl in den Mund.

„Isch die Frage, “ mampft es. „Ob die Aschpirin oder das Kochen geholfen hat.“

Der erste Satz

„Der erste Satz ist wichtig. In der Liebe wie auch in der Literatur.

Ein guter erster Satz entscheidet oftmals schon darüber, ob wir uns in einen Menschen oder in ein Buch verlieben, ob wir berührt werden und uns voller Neugier auf das Versprechen einer guten Geschichte einlassen.“

(Zitat aus einem Literatur-Wettbewerb im Internet)

Und gewonnen als "der schönste erste Satz" hat ausgerechnet Günter Grass` "Butt".... Das Innere Ich staunt.

"Jaja, mir ist schon klar, warum das der schönste erste Satz sein soll." Sagt es.

"Mir nicht, erklärs mir." Sage ich kopfschüttelnd. "Ilsebill salzte nach... Was soll mich denn da neugierig machen auf das Buch? Das sagt mir höchstens, dass die literarische Kost so fad ist, dass direkt im ersten Satz nachgesalzen werden muss, weil ihm die Würze fehlt."

"Eben." Das Innere Ich salzt nach. "Nach dem ersten Satz legen die Meisten das Buch ja auch wieder weg, darum kennen sie nur diesen und nicht zum Beispiel den letzten Satz oder einen aus der Mitte." Es grinst.

"Ich habe es übrigens gelesen." Sage ich. "Und zwar von der ersten bis zur letzten Seite. Aus Trotz. Weil der Wälzer nämlich in fast jedem Bücherregal steht, ich aber niemanden kenne, der es geschafft hat, den Schinken komplett ganz durch zu lesen."

"Und, hat dir die Geschichte gefallen?" Fragt das Innere Ich gelangweilt.

"Nö." Antworte ich. "Wahrscheinlich bin ich nicht intellektuell genug."

"Macht nüscht." Das Innere Ich hat eine Brille auf und eine Pfeife in der Hand, welche es in Gedanken versunken auf einem kleinen Holztisch ablegt, der neben dem schweren Ledersessel steht, in dem es sitzt.

"Ich bin überzeugt," beginnt es überzeugend, "dass ganz viele sogenannte `Intellektuelle` nur halb so viel denken, wie wir. Und ihre geklauten, irgendwo gehörten Meinungen und Schlussfolgerungen wie verbale Kopien unter die Leute streuen, um sich dann von ihnen als große Geister feiern zu lassen."

"Genau. Und dann wird aus einem genialen Gedanken ein Massenprodukt und wird in den ganzen Köpfen solange widergekäut, bis es seine eigene Wahrhaftigkeit verliert und zur großen Lüge wird." Echauffiere ich mich.

Das Innere Ich schmunzelt und lässt sich einen Bart wachsen, über den es streicht. "Im Umkehrschluss müsste man also klare Lügen aussprechen, damit am Ende die Wahrheit rauskommt? Gewagte These..."

Ich stutze: "Das ist keine These. Denn per Definition ist eine These ein Gedanke oder Satz, dessen Wahrheitsinhalt eines Beweises bedarf."

"Diese Definition hat sich ein sogenannter Intellektueller ausgedacht." Lacht das Innere Ich und hat sichtlich Spaß dieser Sinnverknetung. "Und weil keiner beweisen kann, ob das nicht ein Widerkäuer war, ist diese Definition somit null und nichtig."

"Es reicht!" Rufe ich. "Ich gebe auf! Das wird mir zu intellektuell, ich koche mir jetzt eine Suppe."

Funkenflink

Während ich den Staubsauger vor mich her führe, denn es ist wieder Montag und ich putze zähneknirschend die Wohnung, denkt sich das Innere Ich Wörter aus, die keinen Sinn ergeben.

„Funkenflink.“ Sagt es und strahlt. „Und Niemandsklau. Trübtreu und Stangenschwupps.“

Während ich seine Worte aufschreibe fällt mir auf, dass das Rechtsschreibprogramm die Wörter bis auf Trübtreu anstandslos durchgehen lässt. Witzig.

„Jetzt müssen wir aber noch eine Bedeutung erfinden.“ Sagt das Innere Ich.

„Hm… mal überlegen… Funkenflink klingt wie ein Backofen- oder Grillreiniger.“

„Jawoll!“ Ruft es begeistert. Es steht auf dem Markt an einem mit rot-gelben Flammen bemalten Stand und preist das Reinigungszeug an:

„Damit der Ofen glänzt und blinkt – nimm doch lieber Funkenflink!“

Wenn ich das nächste Mal in Deutschland bin, dann werde ich im Supermarkt mal ernsthaft danach fragen, mal sehen, ob Jemand sagt: „Oh, das tut mir Leid, das ist gerade aus. Aber nächste Woche ist es bestimmt wieder im Regal.“

„Lenk nicht ab.“ Ermahnt das Innere Ich und beugt sich in einer Gärtnerei über einen Kräuterbeet. „Niemandsklau könnte eine Pflanze sein. Aus der man Kräutertee macht. Dieser wiederum ist selbstverständlich äußerst gesund und heilt so ziemlich alles. Zumindest wenn man fest genug daran glaubt.“

Ich muss grinsen.

„Trübtreu hört sich auf jeden Fall wie eine Biersorte an. `Treu bis zum letzten Glas` wäre da der Werbeslogan.“ Sage ich.

„Oder auch `Ein Glas auf die Treue`.“ Kichert das Innere Ich.

„Stangenschwupps…“ Überlege ich weiter. „Ein `Stahlschwamm aus der ganzen Stange` zum Abwickeln, mit dem man Pfannen reinigt?“

„Nö, für mich hört sich das eher nach einer Raupe an. Der Kokon ist bei der nämlich Stangenähnlich und wenn der Falter fertig ist, ploppt er aus seiner Bruthöhle. In diesem Moment selektiert die Natur dann die Überlebensfähigen aus, denn entweder sie können sofort fliegen oder sie stürzen in den Tod.“

„Wie sieht der aus?“ Frage ich, beeindruckt von so viel Fachwissen.

„Grau-rot-schwarz.“ Antwortet das Innere Ich wie aus der Pistole geschossen.

Ich grinse und stelle erleichtert fest, dass ich mit dem Staubsaugen fertig bin.

Hell`s kitchen

Ich habe mich mit meinem Freund zum Essen verabredet. Bei mir zuhause. Er ist Pfarrer von Beruf und wir hatten bereits einige spaßige Diskussionen, bei denen ich behauptete, Satan könne doch auch weiblich gewesen sein. Vielleicht wollte sie als Gottes Partner ihm ebenbürtig sein, wie ich meinem Mann ja schließlich auch.

Dann wäre Satan am Ende gar nicht „böse“, sondern Gott einfach nur ein ziemlicher Macho.

Am Ende einer solchen Diskussion stellten wir amüsiert fest, dass Satan oder auch Luzifer ja nun immer noch auf der Erde wandeln könnte und, das könne man schlecht ausschließen oder beweisen, vielleicht sogar ich persönlich wäre! (Wie gesagt, wir witzelten halt gern ein wenig herum…)

Und während ich mit den Zutaten in meiner Küche jongliere, meint das Innere Ich: "Dein Freund, der Pfarrer, der ist ganz schön mutig."

"Wieso?" Frage ich und summe beim Kochen vor mich hin.

"Weil er vorhat, sich buchstäblich in `Teufels Küche` zu begeben." (Habe ich schon mal erwähnt, dass es Wortspiele liebt?)

"In der Tat,“ bestätige ich, "dazu gehört gewiss eine große Portion Mut. Aber ich hoffe ihn entschädigen zu können, indem ich teuflisch gut koche!"

Das Innere Ich kichert begeistert: "Pass nur auf mit den Chilis, damit es nicht so höllisch brennt."

"Du hast Recht, ich sollte darauf bedacht sein, die Gewürze ausgewogen unter zu mischen, damit es ein himmlisches Geschmackserlebnis wird."

Als ich mich wieder auf das Gemüse konzentrieren möchte, tippt es mir noch einmal mit dem Zeigefinger auf die Schulter. Also eigentlich piekst es ziemlich unsanft hinein.

"Au!" Rufe ich: "Dich reitet wohl der Teufel?!"

Das Innere Ich legt den Kopf schief und meint mit weiser Stimme: "Ich will ja den Teufel nicht an die Wand malen - aber vielleicht ist er ja Vegetarier?"

Ich halte inne: " Dann werde ich eben auf Teufel komm raus ohne Fleisch kochen. Aber ich glaube eher, dass er sich einen Teufel darum schert, ob da Fleisch drin ist."

Es denkt einen Augenblick nach und sagt dann zufrieden: "Und wenn er es immer noch nicht mag, dann soll er sich zum Teufel scheren."

"Oh," gebe ich zu Bedenken, "das ist jetzt aber ein Paradoxon..."

Erwachet!

Jeden Mittag um Punkt 12 Uhr dröhnt ein Kanonenschuss über Sankt Petersburg. Ist man zufällig in der Nähe, fährt einem dieser Donner in Mark und Bein. „Dann ist man jedenfalls hellwach.“ Grinst das Innere Ich.

Apropos `wach` - ich habe vor ein paar Tagen ein wenig über die Zeugen Jehovas nachgelesen. Aus purer Neugier.

„Jaja…“ Macht das Innere Ich gedehnt und streicht über einen langen, weißen Bart.

„Es war interessant.“ Sage ich und frage mich gleichzeitig, warum ich das Gefühl habe, mich verteidigen zu müssen.

„Goldenes Kalb!“ Ruft das Innere Ich. „Ich war dabei…“

Ja, das war schon ein mulmiges Gefühl, das muss ich zugeben. Die Internet-Seiten sind nämlich sehr gut aufgemacht und ermuntern zum Weiterlesen.

Rhetorisch sind die Zeugen Jehovas sicherlich auf einem ganz hohen Niveau und nach zwei Stunden sind mir ganz viele Dinge ins Auge gehüpft, an denen ich Gefallen hatte.

Das war dann aber auch der Moment, in dem das Innere Ich mit einer 12-bändigen Gesamtausgabe des Wachturmes auf mein Hirn donnerte und brüllte:

„Erwache! Diese Glaubensrichtung ist für dich eine ganz, ganz falsche Fährte!“

Da kann man mal sehen, wie anfällig der menschliche Geist doch ist. Wir können uns niemals sicher sein, dass wir nicht doch manipuliert werden und bei der falschen Schar mitlaufen.

„Das Isses!“ Ruft das Innere Ich begeistert.

„Was isses?“ Frage ich irritiert.

„Man sollte auf jeden Pegida-Anhänger (oder wie sie sich auch in Zukunft nennen werden) mindestens zwei Zeugen Jehovas hetzen. Die sollen sie mal so richtig bearbeiten und die Gehirne (soweit überhaupt vorhanden) mit ihren Lehren durchspülen. Da hätten wir alle etwas von. Die Zeugen hätten einen rasanten Mitglieder-Zuwachs und diese schrecklichen Umzüge auf den Straßen hörten auf.“

Ich muss grinsen. „Aber“, gebe ich zu bedenken, „wäre das nicht ein Laster für beide Seiten?“

„Och.“ Lächelt es ganz unschuldig. “Mir ist es lieber, sie laufen Jehova hinterher als einem modernen Adolf Hitler. Und die Zeugen haben doch das Leiden und Ertragen ohnehin auf ihren Fahnen stehen.“

Windatmung

Ich bin mit meiner Freundin Annika für ein paar Tage an die Ostsee gefahren. Einfach mal ein wenig Urlaub und frische Luft.

Heute Morgen sind wir ganz früh aufgestanden (halb 7!), zum Strand galoppiert und haben meditatives Gehen mit Windatmung gelernt. Es ist ja nie zu spät, etwas Neues auszuprobieren und es ist ja auch wichtig, offen zu sein für Dinge, die man noch nicht kennt.

Den eigenen Körper nochmal in einem anderen Blickwinkel zu sehen und so weiter.

An dieser Stelle muss ich aber zugeben, dass ich ein ganz waches und sensibles Körpergefühl habe und mit diesem auch eigentlich gut umzugehen weiß.

Frau Praeviz, die "Chi-Gong"- Lehrerin empfing uns an einem abgelegenen Strandabschnitt. Jaha, im Nachhinein weiß ich auch, warum wir die einzigen Meditations-Jünger waren! Nach einer kleinen Einführung über Ursprung und Wirkung des „meditativen Gehens mit Windatmung“ klopfte mein Inneres Ich bereits an und meinte maulend, es würde jetzt gern mal frühstücken. Das Frühstück in der Pension beginnt nämlich erst ab 8 Uhr, wir hatten also noch nichts gegessen...

Ich beruhigte das Innere Ich und konzentrierte mich auf die nächste Stunde, denn immerhin sollte das Ganze ja "anti-aging" und hinterher sichtbar sein. Gut, früher hieß sowas "Verjüngungs-Kur" - hat aber genau so wenig geholfen, wie die teuren Cremes oder die Stutenmilch...

Zuerst ging es an das Gehen. "Natürlich" war das Zauberwort. Wir sollten also "natürlich" gehen. Im eigenen Rhythmus, welchen sie mit "links-rechts-links-rechts" vorgab.

Das Innere Ich rollte mit den Augen und machte mir klar, dass dies absolut nicht mein Rhythmus war, denn meine Füße kamen mit der Langsamkeit ihrer Schritte nicht zurecht. Sie wollten es etwas schneller.

"Es ist wichtig, dass Sie entschleunigen." Meine Frau Praevitz mit wichtigem Gesichtsausdruck.

`Ausbremsen wäre das passendere Wort. ` Spottete das Innere Ich.

`Oller Störenfried,` wies ich das Innere Ich zur Ordnung. ` Lass dich doch einfach auch mal auf etwas Unbekanntes ein. Das tut gut! `

` Ph! ` Machte das Innere Ich, verschränkte die Arme und drehte sich trotzig zur Seite.

Dann kamen die Armbewegungen dazu, wir sollten uns vorstellen, dass wir mit beiden Händen langsam über ein Bügelbrett fahren. Immer nach rechts und links im Takt unserer Schritte. Und immer ganz bewusst mit der Ferse auftreten. Der Gang sollte breitbeiniger sein, wie bei einem Seemann. Und bei jedem zweiten Schritt den Kopf um 90 Grad drehen und zur Seite schauen. Bei alledem zweimal kurz hintereinander durch die Nase einatmen und schnell, stoßweise durch den Mund die Luft herauslassen.

So, und jetzt stellt sich der Leser bitte vor, wie das aussieht!!!

Es ging dann direkt am Wasser entlang auf den sich füllenden Strand zu. Während ich mich sehr wohl auf Meditation einlassen und das Weltengeschehen ausblenden kann, hatte mein Inneres Ich an diesem Morgen seine Probleme mit dem Loslassen. Es lag nämlich wiehernd vor Lachen in einem alten DDR-Turnanzug auf einer Gymnastikmatte in meiner Hirnhalle und hatte bereits Bauchschmerzen im Zwerchfell.

Frau Praevitz redete die ganze Zeit ohne Punkt und Komma, die ganze Situation war von Meditation ungefähr so weit entfernt wie Osama Bin Laden und der Dalai Lama...

"Und denken Sie immer daran, natürlich zu bleiben!" Ermahnte uns Frau Praevitz (Das Innere Ich wischte sich die Lachtränen aus den Augen)

Natürlich... Breitbeinig, als hätte ich mich in die Hose gemacht, mit fahrigen Bügelbewegungen und ruckartigem Blick nach rechts..... Klar.

Aber Frau Praevitz war ganz entzückt von unserer Konzentration: ""Super machst du das!" (MOMENT: Wann genau habe ich dieser Abgehobenen das DU angeboten???)

"Finde deine innere Mitte und hör genau hin, was sie zu dir sagt:" Ermunterte sie mich.