Verlag: ROWOHLT E-Book Kategorie: Gesellschafts- und Liebesromane Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2017

Das kann man doch noch essen E-Book

Renate Bergmann  

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E-Book-Beschreibung Das kann man doch noch essen - Renate Bergmann

Eine richtige Hausfrau hat das im Gefühl!Für alle anderen hat Renate Bergmann hier ihre Weisheiten, Ideen, Ratschläge und Rezepte in diesem Band zusammengetragen, denn«Junge Frauen tragen ihre Waffen im Büstenhalter, ältere haben für den Fall der Fälle immer einen Eierlikör in der Handtasche!»Renates Eierlikör:1 Eiweiß10 Eigelb1 Pkt. Kondensmilch, gezuckert1 Pkt. Kondensmilch3 EL Puderzucker1 Prise VanillezuckerSchnaps (Primasprit) nach Geschmack10 Tage ziehen lassenab und an schütteln

Meinungen über das E-Book Das kann man doch noch essen - Renate Bergmann

E-Book-Leseprobe Das kann man doch noch essen - Renate Bergmann

Renate Bergmann

Das kann man doch noch essen

Renate Bergmanns großes Haushalts- und Kochbuch

Ihr Verlagsname

Über dieses Buch

Eine richtige Hausfrau hat das im Gefühl!

 

Für alle anderen hat Renate Bergmann hier ihre Weisheiten, Ideen, Ratschläge und Rezepte in diesem Band zusammengetragen, denn

 

«Junge Frauen tragen ihre Waffen im Büstenhalter, ältere haben für den Fall der Fälle immer einen Eierlikör in der Handtasche!»

 

Renates Eierlikör:

 

1 Eiweiß

10 Eigelb

1 Pkt. Kondensmilch, gezuckert

1 Pkt. Kondensmilch

3 EL Puderzucker

1 Prise Vanillezucker

Schnaps (Primasprit) nach Geschmack

 

10 Tage ziehen lassen

ab und an schütteln

Über Renate Bergmann

Renate Bergmann, geb. Strelemann, wohnhaft in Berlin. Trümmerfrau, Reichsbahnerin, Haushaltsprofi und vierfach verwitwet: Erst eroberte sie Twitter – und mit ihren Büchern dann die ganze analoge Welt.

 

Torsten Rohde steckt hinter dem Twitter-Account @RenateBergmann. «Ich bin nicht süß, ich hab bloß Zucker» war seine erste Buch-Veröffentlichung – und ein sensationeller Erfolg, auf die mittlerweile sechs weitere, nicht minder erfolgreiche Bände und ausverkaufte Lesetouren folgten.

Inhaltsübersicht

Guten Tag, hierFrühjahrSilberbesteckButtercremetorteEier färbenHefekuchenBienenstichKühlschrankKalte ButterSchnittblumenBlumentöpfeBettwäsche und GardinenZitronenkuchenSommer – Einkochzeit!FensterputzenStaubsaugerGroße WäscheBügelnFrüchte nachreifenBrotVasen reinigenObstsalatSelbst eingelegte saure GurkenMilchkartonEiswürfelKnitterfreie KragenTütenspenderHändi laden im HotelKoffer markierenKleinigkeiten unterwegsKabelaufbewahrungQuietschende SchubladenFernbedienungHartfolienverpackungSchokoladenkuchenKorkenzieherFisch räuchernMückenSchlüssel markierenReis kochenNudelnArianes KäsekuchenMänner im HaushaltNagel einschlagenLoch bohrenParkhilfeApfelmusHerbstPflaumenmusKehrwocheLaubharkenBratkartoffelnKesselgulasch am offenen FeuerWärmekissenHuhn/Karpfen schlachtenRumtopfGrabpflegeWeihnachtszeitPlätzchenKartoffelsalatBulettenSchneeschieberVögel fütternPfannkuchenHolzlöffelMonateSachregister

Guten TagGuten Tag, hier

Entschuldigen Se. Ich muss mir erst mal die Finger abtrocknen, sonst tippt es sich so schlecht. Ich war nämlich gerade beim Fensterputzen.

 

So. Nun geht es viel leichter. Ich habe die Hände auch gleich mit Handcreme eingeschmiert, damit sie nicht so spröde werden. Diese neumodischen Putzmittel trocknen die Haut nämlich aus, ganz egal, was die Frau Tilly Ihnen in der Werbung erzählt. Glauben Se nicht alles!

 

Hier schreibt Renate Bergmann. Ich bin nun 82 Jahre alt und habe, seit ich 19 war, meinen eigenen Haushalt geführt. Auch vorher musste ich bei Mutter immer schon mit ran, wenn es in der Küche und beim Reinemachen was zu tun gab. Vater war im Krieg geblieben und die Frau Strelemann alleine mit zwei kleinen Kindern – da war keine Zeit für Gummihopse auf der Straße! Da hieß es: «Renate, komm, du kannst schon mal Staub wischen in der Schlafstube und die Betten zum Lüften raustragen!»

Geschadet hat es mir nicht.

 

So ist im Laufe der – ach du lieber Schreck, jetzt lassen Se mich mal rechnen – bald sieben Jahrzehnte eine Menge an Erfahrung und Wissen zusammengekommen. Die jungen Dinger heutzutage wissen ja gar nicht mehr richtig Bescheid, was den Haushalt angeht. Ich sehe es doch jeden Tag mit meinen eigenen Augen! Wenn eine meiner Nachbarinnen mit der großen Hausordnung dran ist, dürfen Se nicht in die Ecken gucken. Wie es in den Wohnungen aussieht, will man gar nicht wissen (und durch den Spion sieht man ja nicht viel). Ich glaube, die kämmen nicht mal die Teppichfransen. Liederlich und bequem, beim Putzen genauso wie beim Kochen! Neulich habe ich beim Fäßbock ein Bild hochgezeigt von meinem selbstgemachten Eierlikör. Was meinen Se, was da los war! Alle haben Se geschrieben und wollten das Rezept. Ich konnte es erst gar nicht glauben, dass die das nicht kennen?! Die wissen nicht mal, wie man Eierlikör macht, denken Se sich das. Wahrscheinlich können die auch kein Kaninchen schlachten und das Fell abziehen. Wundern würde es mich jedenfalls nicht!

Da habe ich zum ersten Mal überlegt, ob man nicht sein Wissen aufschreiben und so der nächsten Generation, der übernächsten und womöglich auch schon der überübernächsten weitergeben sollte. Aber Sie wissen ja, wie das ist. Man hat sein Tun, Ilse, Kurt, Gertrud, den Haushalt und den Witwenclub und schiebt es immer wieder auf, und plötzlich ist es aus dem Sinn.

Doch letzten Sommer hat dann die Kleine von Brausingers geheiratet. Ich wusste gar nicht, dass das ein Mädchen war, aber ich frage Sie ganz ehrlich: Wie denn auch? So, wie die heute alle rumlaufen, die Jungens mit Dutt und die Mädelchen mit Stiefeln von der Armee. Ich bitte Sie, wer soll denn das noch verstehen? Jedenfalls hat die kleine Brausinger sich vermählt, sie mit Hosenanzug und der Bräutigam mit einem herrlichen Zopf. So sind die Zeiten, da rege ich mich nicht auf, die machen ja doch, was sie wollen! Da musste man ja nun eine Kleinigkeit schenken. Sonst reden die Leute doch! Ich konnte mir schon denken, dass das jungsche Ding keine Ahnung vom Haushalt hat. Deshalb bin ich in eine Buchhandlung und wollte ihr einen Ratgeber kaufen. Ach du lieber Himmel! Sie machen sich ja kein Bild, was die Verkäuferin mir da alles angeschleppt hat. Es gab ein Regal, das wohl mehr als sieben Meter lang war, und das waren nur die Kochbücher. Es gibt extra Kochbücher für Kartoffeln, für Äpfel und sogar für nordkoreanische Spezialitäten. Aber wie man Reis kocht, das steht nirgends! Darauf jedoch kommt es doch an, daran hapert es doch! Ich werde das nie verstehen: Die lernen in der Schule Rechnen mit Unbekannten, aber wie viele Nudeln man pro Person kalkuliert oder wie viele Klöße zum Weihnachtsbraten, das bringt denen keiner bei! Da muss man sich doch nicht wundern, dass die alle nur Pizza und Dönner essen und aus dem Leim gehen.

Sie hatten auch wohl an die dreißig Bücher zum Thema Putzen, aber da konnte ich auch nur den Kopf schütteln. Da steht dann drin, wie man Jodflecken rausbekommt. Wer von Ihnen hat sich jemals mit Jod bekleckert?, frage ich Sie. (Aber Kuliflecken, wissen Se, die haben es ja in sich. Ich hatte mir die gute beigefarbene Übergangsjacke mit einem hässlichen Kulistrich versaut, als mich der olle Herbert Dratscher beim Rentnerbasteln angerempelt hat. Ich habe den Kulistrich zu Hause ordentlich mit Haarspray eingesprüht und die Jacke wie gewohnt – auf links, bei 40 Grad – gewaschen. Er war nach der Wäsche verschwunden, man kann nicht mecker. N. Da fehlte ein N, das habe ich Ihnen noch nachgetragen, damit Sie nicht denken, die olle Bergmann schludert!)

 

Ja, und deshalb habe ich mir überlegt, dass ich Ihnen ein paar Tipps, Kniffe und Rezepte aufschreibe. Dutzende Abende habe ich mit meiner Freundin Ilse zusammengesessen, mit der ich zusammen auf der Bräuteschule war, und wir haben in unseren alten Kladden gekramt und alles durchgeguckt. Heute legen die jungen Herren ja kaum noch Wert darauf, ob ein Mädchen überhaupt hausfrauliche Fähigkeiten hat. Wenn sie weiß, wo man Dönner kaufen kann, und die Nummer vom Pizzamann kennt, dann reicht denen das schon. Das war früher anders. Ich weiß noch, als Ilse und ich Backfische waren und Ilse sich die ersten Male mit Kurt verabredet hat, da hat sie sich immer ein bisschen Bohnerwachs hinter die Ohren gerieben. So wusste er, dass sie eine gute Hausfrau ist, und hat sie geheiratet. Wissen Se, vieles kann man heute nicht mehr gebrauchen. Manches ist über 60 Jahre her, damals hatten wir ja nichts! Und wie man aus Löwenzahnwurzeln und Erbsensaat Kaffeeersatz brennt, na, das interessiert bestimmt noch weniger Leute, als wie man Jodflecken auswäscht.

Ich habe mir gedacht, dass das Büchlein lehrreich, aber auch ein bisschen unterhaltsam werden soll. Sie sollen hier nicht nachschlagen, ob man Gardinen bei 40 Grad oder bei 90 Grad wäscht,[*] sondern ein bisschen stöbern und das eine oder andere mitnehmen. Dabei wünsche ich viel Vergnügen.

 

Ihre Renate Bergmann

FrühjahrFrühjahr

Wenn Renate Bergmann reinemacht, dann richtig: Kurt hat die Steckdosen abgeschraubt, damit ich die Rähmchen mit Seifenlauge schrubben kann.

SilberbesteckSilberbesteck

Silberbesteck war ja lange aus der Mode, da dachte ich schon, ich muss Ihnen gar nicht aufschreiben, wie man das sauber kriegt. Aber in letzter Zeit besinnen sich die jungen Leute doch wieder auf die schönen alten Dinge und legen gern die Erbstücke von der Oma auf die Festtafel. Aber Tafelsilber läuft so schnell an und ist dann unansehnlich.

Ilse und ich putzen das immer zwei Wochen vor den Festtagen, ganz egal, ob Ostern oder Weihnachten oder ein runder Geburtstag oder Hochzeitstag ansteht. Für Kurt ist das immer schon ein vorgezogener Feiertag, weil er außer der Reihe eine extra Zigarre rauchen darf. Wir brauchen nämlich die Asche!

 

Aber der Reihe nach: Zuerst legt man ein Stückchen Aluminiumfolie auf den Boden einer flachen Schale. Darauf gießt man siedend heißes Wasser und streut ein, zwei Löffelchen Kochsalz ein (da können Sie auch das günstige für 19 Cent nehmen, das macht überhaupt keinen Unterschied. Und Jod muss auch nicht dran sein, die Gabeln haben ja keine Schilddüse. In die Lösung kommt dann das versilberte oder auch rein silberne Besteck. Nach ein paar Augenblicken löst sich der ganze Schmutz, und Messer, Löffel und Gabeln strahlen wie neu. Damit das ein Weilchen so bleibt, reibt man das Besteck nach dem Trocknen mit der Zigarrenasche ordentlich ab. Fragen Se mich nicht, warum, aber das haben wir schon immer so gemacht. So soll es nicht wieder anlaufen, aber wenn wir Ostern geputzt haben, müssen wir im Advent doch wieder an die Messer – und Kurt an die Zigarre. Aber Ilse und ich putzen gern, und Kurt raucht mit Leidenschaft, das macht keinem von uns etwas aus.

ButtercremetorteButtercremetorte

Ohne meine Buttercremetorte ist es keine richtige Feier! Vorher stöhnen se immer alle, Sie ahnen ja nicht, wie oft ich schon Anrufe hatte: «Tante Renate, aber wehe, du machst wieder Buttercremetorte.» Aber gegessen wird sie dann trotzdem. Was meinen Se, wie die ganze Mischpoke geguckt hat, als ich sie Ostern vor zwei Jahren ein bisschen verklapst und den Kuchen erst nicht auf die Tafel gestellt habe. Natürlich war es nur ein Spaß, selbstverständlich habe ich die Torte nach dem ersten Schreck aus dem Kühlschrank geholt. Tüchtig zugelangt haben sie alle, das hätten Se sehen sollen! Vorher heißt es immer: «Um Himmels willen, ich bin so satt, ich kann jetzt keine Torte essen!», aber wenn sie so lecker auf dem Tisch steht, na, dann schlagen alle kräftig zu. Nee, ich habe eine eiserne Regel bei jeder Feier: Um drei wird Kaffee aufgebrüht und Buttercremetorte gegessen! Und dann soll mir keiner damit kommen, dass er noch nicht wieder essen kann, weil das Mittagessen erst zwei Stunden her ist. Auf dem Ohr bin ich taub! Ich stehe schließlich in der Küche und gebe mir die größte Mühe, da will ich kein Gejammer hören, sondern ein «Mmmh!», so laut wie früher immer beim Bioleck.

 

Und so backt man Renate Bergmanns berühmte Buttercremetorte. Es ist gar keine große Mühe:

 

Zunächst macht man – gerne schon am Vortag – einen BiskuitteigBiskuitteig:

100 Gramm Butter

6 Eier

180 Gramm Zucker

150 Gramm Mehl

Nee, da fehlt nichts, da hat die olle Bergmann nichts vergessen. Mehr kommt wirklich nicht dran.

 

Die Eier trennen und die Eiweiß – oder sagt man da «Eiweiße»? – steifschlagen. Die Eigelb – e? – rührt man zusammen mit dem Zucker tüchtig über einem Wasserbad (in diesen modernen Zeiten können Sie dafür auch den Mixer nehmen. Ich habe noch meinen RG28, der ist wie neu! Einmal musste ich neue Rührstäbe kaufen, das weiß ich noch, da hatte ich den Stefan dabei. Er war damals noch ein Bub von vielleicht acht Jahren. Der guckte die Verkäuferin ganz komisch an, und ich dachte schon, die gefällt ihm wohl, aber er fragte nur: «Tante Renate, kommt man bei denen auch zum Ablecken gut mit der Zunge dran?» Nee, was haben wir gelacht! Aber wo war ich? Ja, der Mixer. Nehmen Se ruhig den Mixer. Auch eine Renate Bergmann will sich dem Fortschritt nicht in den Weg stellen), bis eine dicke weiße Creme entsteht. Die nehmen Se vom Wasserbad und sieben das Mehl hinzu. Ebenfalls jetzt kommt die geschmolzene Butter hinzu. Alles wird gut verrührt, und zum Schluss hebt man das geschlagene Eiweiß sachte darunter. Nicht zu stark rühren, nur vorsichtig unterheben! Da kein Backpulver drankommt, ist das Eiweiß das einzige Treibmittel, und wenn Se den Schaum rausrühren, wird es kein Biskuitboden, sondern ein großer Keks. Ein bisschen Mühe müssen Se sich schon geben! Der Teig kommt in eine Springform, bei der man den Boden mit einem Bogen Backpapier bespannt, und wird eine gute halbe Stunde bei 180 Grad Umluft gebacken.

 

Auskühlen lassen, am besten über Nacht.

 

Am Festtag wird die Torte mit Buttercreme gefüllt und verziert. Und da lüfte ich jetzt ein Geheimnis. Ich habe bisher allen erzählt, dass das ein französisches Rezept von meiner Urgroßmutter ist, die an einem Fürstenhof in Stellung war, und dass da 12 Eier drankommen und dass sie ganz kompliziert zuzubereiten ist. Da habe ich geflunkert. Aber nur, um Gertrud zu ärgern, die hat nämlich auch nie erzählt, wie sie ihren Rührkuchen macht, der so schön saftig ist! Ilses ist immer staubig und trocken wie Wüstensand. Ich will gar nicht wissen, was die da reinquirlt. Selbst wenn ihr Rührkuchen frisch aus dem Ofen kommt, ist es, als würde man einen Löffel Semmelmehl essen oder etwas aus Denkel, das Kirsten angeschleppt hat.

 

Die ButtercremeButtercreme geht so:

3/4 Liter Milch

2 Päckchen Vanillepudding

4 Esslöffel Zucker

aufkochen, dabei tüchtig rühren, sonst brennt es ganz schnell an!, und über Nacht gut erkalten lassen.

 

Die Creme geht ganz einfach: Rühren Se jetzt gut anderthalb Stück Butter in den Pudding vom Vorabend ein. Dabei müssen Pudding und Butter die gleiche (Zimmer-)Temperatur haben, das ist ganz wichtig!