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Der Putsch ist ein Mittel zur Machtergreifung. Mit einem gelegentlichen Augenzwinkern und gewürzt mit einer Prise Ironie vermittelt das kleine Putsch-Brevier Putschisten in spe und interessierten Laien alles Wissenswerte rund ums Thema "Putsch". Als konkrete Handlungsanleitung taugt der Leitfaden nicht, aber das theoretische Rüstzeug kann damit erworben werden, und das Bewusstsein für Stolperfallen wird geschärft.
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Seitenzahl: 133
Veröffentlichungsjahr: 2023
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Das kleine Putsch-Brevier
Daniel Camastral
Alle Rechte vorbehalten
Text:
© 2023 Copyright by Daniel Camastral
Umschlag:
© 2021 Copyright by Clea Camastral
Verantwortlichfür den Inhalt:
Daniel Camastral Rautistrasse 25, CH-8804 Au [email protected]
Druck:
epubli – ein Service der neopubli GmbH, Berlin
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Begriffliches
Wortherkunft und Bedeutung
Begriffsverwendung
Motivation
Zielsetzungen und Begründungen
Der perfekte Putsch
Merkmale
Militärischer Führungsprozess
Analyse
Putschdeterminanten
Gegenmassnahmen gegen Putsche
Über den richtigen Putschzeitpunkt
Rekrutierung
Planung
Planungsannahmen
Szenario-Denken
Zielplanung
Zielgruppen und Ressourcenplanung
Zielobjekte
Koordination
Kommunikationsplanung
Durchführung
Auslösung
Eingesetzte Waffen
Aktive Putschphase
Arrondierungsphase
Nach-Putsch-Ära
Putsch und Widerstand
Gewalttätige Mittel
Gewaltlose Mittel
Wertung
Gedankensplitter
Alternative Putschformen
Der gute Putsch
Militärputsch
Der kontrollierte Putsch
Der angedrohte Putsch
Der moderne Putsch
Ist ein Putsch in den USA denkbar?
Sonderfall Afrika
Putsch und Internet
Putschgerüchte
Trivia
Welcher Putsch ist der älteste?
Wo finden die meisten Putsche statt?
Wo putscht es sich am besten?
Welches Land hat das grösste Putschrisiko?
Wann war die Blütezeit der Putsche?
Was blüht Putschisten?
Wie sterben Putschisten?
Welches war der blutigste Putsch?
Welches sind die gefährlichsten Putsche?
Welches ist der berühmteste Putsch?
Gibt es weibliche Putschisten?
Anhang
Anhang 1 – Englische Begriffsbestimmungen
Anhang 2 – Datenbasis
Anhang 3 – Anzahl Putsche pro Land
Anhang 4 – Anzahl Putsche pro Region
Anhang 5 – Andamana – Königin von Canaria
Anhang 6 – Negativbeispiel Türkei (2016)
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1 - Trump on Twitter
Abbildung 2 - Word Cloud «Putsch»
Abbildung 3 - Führungsprozess
Abbildung 4 - Putschtradition
Abbildung 5 - Putsche 1900 – 2022
Abbildung 6 - Schlagzeilen Russland
Abbildung 7 - Putsch-Seismogramm 1900 – 2020
Abkürzungsverzeichnis
AU
African Union
DNA
Desoxyribonucleic Acid
ECOWAS
Economic Community of West African States
LIC
Low Intensity Conflict
NSTV
Non-Standard Tactical Vehicle
OAS
Organization of American States
OAU
Organisation of African Unity
POP
Point of Presence
PMC
Private Military Company
SALV
Small Arms and Light Weapons
UCG
Unconstitutional Changes of Government
Vorwort
Lieber Leser
Herzlichen Glückwunsch! Mit dem Kauf dieses Büchleins haben Sie eine lohnende Investition in eine verheissungsvolle Zukunft getätigt. Es will Ihnen alles vermitteln, was Sie für einen erfolgreichen Putsch wissen müssen. Bemüht um sprachliche Korrektheit, sei an dieser Stelle gleich darauf hingewiesen, dass ein Putsch immer erfolgreich ist. Wenn’s beim Versuch bleibt, sprechen wir von einem Putschversuch. An einen Putschversuch dürfen Sie aber gar nicht erst denken. Sie wären zum Putschisten nicht qualifiziert, wie Sie im Kapitel Zielsetzungen und Begründungen unschwer erkennen werden.
Ökonomisch gesprochen handelt es sich beim Kauf dieses Breviers um eine Einmalinvestition. Es gibt Bücher, die nimmt man immer wieder zur Hand, um darin zu lesen. Nicht aber dieses Handbuch. Soviel sei hier schon mal verraten: die Chance für einen zweiten Putsch ist verschwindend gering. Die gründliche Lektüre dieses Werks sei hiermit wärmstens empfohlen, damit sich der Erfolg auf Anhieb einstellt. Eine «Erfolg-oder-Geld-zurück-Garantie» kann der Autor nicht geben. Sie ist auch nicht notwendig, denn Sie wären kaum in der Lage, vom Rückforderungsrecht Gebrauch zu machen.
Wenn Sie weiblichen Geschlechts sind und sich durch die männliche Ansprache anfangs dieser Einleitung diskriminiert fühlen, tut es mir leid. Genau so leid tut es mir, Ihnen mitteilen zu müssen, dass Sie Ihr Geld vermutlich besser in andere Lektüre investiert hätten. Sie gehören schlicht nicht zum Zielpublikum für ein Putsch-Brevier, denn lebende weibliche Putschisten sind dem Autor bislang nicht bekannt. Aber selbstverständlich hat der Autor nichts gegen eine weibliche Leserschaft einzuwenden, denn im Zeitalter der Gleichberechtigung soll jeder und jede die Möglichkeit erhalten, sich das notwendige Putschisten-Wissen anzueignen.
Laut Duden ist ein Brevier ein kurzer, praktischer Leitfaden. Praktische Erfahrung im Putschen kann ich zugegebenermassen nicht vorweisen. Als Amateur auf diesem Gebiet kann ich Ihnen nur das theoretische Rüstzeug mit auf den Weg geben, verbunden mit der Hoffnung, dass Sie Fallstricken und anderen Stricken entgehen mögen. Meine einzige Legitimation, übers Putschen zu schreiben, ist meine Herkunft. Denn wer hat’s erfunden? Die Schweizer natürlich. Aber mehr dazu gleich im ersten Abschnitt.
Au, im Mai 2021
Daniel Camastral
Anmerkung zur zweiten Ausgabe
Die zweite Ausgabe wurde gegenüber der ersten um einige Abschnitte erweitert. Das Putschwesen ist kein aussterbendes Phänomen. Im Gegenteil. Ich müsste mir ewige Vorwürfe machen, wenn ich einem Putschisten überlebensnotwendige und aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen vorenthielte.
Au, im Februar 2023
Daniel Camastral
Begriffliches
Wortherkunft und Bedeutung
Ist «Putsch» nicht ein wunderbar lautmalerisches Wort? Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. So ein Wort kann nur aus der Schweiz kommen, ist also ein Helvetismus. Fast jeder Deutschschweizer ist schon einmal in seinem Leben auf der Chilbi in einem Putschauto gesessen und weiss entsprechend, was ein Putsch ist. Allen des Schweizerdeutschen nicht mächtigen Lesern sei erklärt, dass eine Chilbi ein Jahrmarkt ist, und das Putschauto ist in nördlichen Gefilden als Autoscooter bekannt. Charakteristisch für diese kleinen, frei lenkbaren Fahrzeuge ist ein breiter umlaufender Gummiring, der gegen Rempler schützt. Ein Rempler – ein heftiger Stoss – wird in der Schweiz Putsch genannt. Nach dieser langatmigen Erläuterung kommen wir zum Kern des Begriffs. Gemäss Duden stammt das Dialektwort «bütsch» aus dem 15. Jahrhundert und bedeutet soviel wie «heftiger Stoss» oder «Zusammenprall». Im Schweizerischen Idiotikon wird als «Putsch» ein plötzlicher Vorstoss, ein Anlauf gegen ein Hindernis oder ein Streich bezeichnet und erhielt später die Bedeutung eines Volksauflaufs oder einer Revolte1.
Unter dem Begriff «Putsch» kann man im Deutschen Wörterbuch der Gebrüder Grimm von 1854 folgendes nachlesen: «zusammenstosz der leute, auflauf, kleine volkserhebung ... das wort putsch stammt aus der guten stadt Zürich, wo man einen plötzlichen vorübergehenden regengusz einen putsch nennt und demgemäsz die eifersüchtigen nachbarstädte jede närrische gemüthsbewegung, begeisterung, zornigkeit, laune oder mode der Züricher einen Zürichputsch nennen. da nun die Züricher die ersten waren, die geputscht, so blieb der name für alle jene bewegungen...»2.
Nach verschiedenen Unruhen und Umstürzen im 19. Jahrhundert, insbesondere nach dem «Züriputsch» von 1839, fand der Begriff durch Zeitungsberichte eine weitere Verbreitung, sogar bis in den englischen (the putsch), französischen (le putsch) und italienischen Sprachraum (il putsch).
Wer mit dem Gedanken an einen Putsch liebäugelt, will von der Vergangenheit nichts wissen. Eine moderne Begriffsbestimmung ist gefragt. Und hier beginnt das Dilemma: soll der sprachliche Zweihänder hervorgenommen werden, oder soll eine feinere Klinge geführt werden? Grob gesprochen, werden Putsch und Staatsstreich synonym verwendet. Schnell und unter Anwendung von mehr oder weniger Gewalt wird eine herrschende Regierung abgesetzt, d.h. sie wird gestürzt.
Korinthenkacker werden sich mit dieser Definition nicht zufriedengeben. Eine geläufige Unterscheidung zwischen Putsch und Staatsstreich betrifft die Akteure. Bei einem Putsch sind es Aussenstehende (häufig Militärs von niederen Rängen), die gewaltsam die Staatsgewalt übernehmen, während beim Staatsstreich im engeren Sinn etablierte Träger hoher staatlicher Funktionen den gewaltsamen Umsturz herbeiführen3. Damit kann der Putsch als Sonderform des Staatsstreichs gelten, nämlich als «Staatsstreich von unten», während beim Staatsstreich die Akteure bereits eine hohe Machtstellung innehaben.
Gelegentlich wird aufgeführt, dass ein Staatsstreich planmässig gegen die Verfassung gerichtet ist. Beim Putsch hingegen wird dieses spezifische Merkmal kaum erwähnt.
Unabhängig von sprachlichen Feinheiten ist das Ziel von Putsch und Staatsstreich immer das gleiche: der Sturz der Regierung und die Übernahme der Macht im Staat. Engländer und Franzosen machen denn auch keinen Unterschied zwischen Putsch und Staatsstreich. Beides wird «coup d’état» genannt.
Aufmerksamen Zeitungslesern ist sicherlich nicht entgangen, dass der Begriff des Putsches häufig für Propagandazwecke verwendet wird. Putschen tun immer nur die anderen. Wenn ein Umsturz oder Umsturzversuch von reaktionären oder faschistischen Minderheiten ausgeht, ist es ein Putsch. Wenn Kommunisten das Gleiche tun, heisst es Revolution4. Genau genommen ist auch dies nicht korrekt: ein Putsch geht von einer verhältnismässig kleinen Gruppe aus, während eine Revolution von der breiten Masse der Bevölkerung ausgeht5.
Dies führt zur Begriffsbestimmung der Revolution. «Revolutio» war ursprünglich ein Begriff der Astronomie, der wörtlich das «Zurückwälzen», die scheinbare Rückwärtsdrehung von Himmelskörpern bezeichnete. Bezogen auf Politik und Gesellschaft wurde das Wort im 17. Jahrhundert noch in seiner ursprünglichen Bedeutung verwendet, die Wiederherstellung («Zurückwälzung») alter Verhältnisse und die Rückkehr zu einer alten Ordnung. Mit der französischen Revolution von 1789 verkehrte sich der Begriff ins genaue Gegenteil: Umsturz und Neuanfang, oftmals unter Gewaltanwendung. Interessanterweise hatte das italienische «rivoluzione» schon im Mittelalter die Bedeutung von «Aufruhr des Volkes» und «Staatsstreich». Heutzutage ist der Begriff inflationär verwendet. Alles, was einen tiefgreifenden Wandel verspricht, wird als revolutionär bezeichnet, sei es eine revolutionäre Methode zur Gewichtsabnahme oder ein revolutionäres Beleuchtungssystem für Gartenteiche. Ernsthafter spricht man von der Industriellen Revolution oder von der Digitalen Revolution. Wir wollen Revolution aber im politischen und sozialen Kontext verwenden.
Putsch und Revolution stehen zueinander wie Sprint und Marathon. Beim Ersteren zählt die Geschwindigkeit, mit der die Regierung gestürzt wird, während ein revolutionärer gesellschaftlicher Wandel Ausdauer verlangt. Damit ist aber nicht ausgeschlossen, dass eine Revolution nicht mit einem Putsch beginnen kann. Möglicherweise ist es sogar einfacher, eine Revolution «von oben» anzustossen als jahrelang das Terrain an der Basis zu bereiten. Das bekannteste Beispiel dürfte die Oktoberrevolution von 1917 in Russland sein, an deren Anfang ein Putsch der Bolschewiken unter der Führung von Lenin stand.
Spanier und Lateinamerikaner kennen das schöne Wort «pronunciamiento», was wörtlich «Ankündigung» oder «Proklamation» bedeutet. Gemeint ist damit ein öffentlicher Aufruf von Militärs gegen die Politik der Regierung. Die öffentliche Meinung soll dahingehend beeinflusst werden, dass ein dem Militär genehmer Oppositionsführer mit der Bildung einer neuen Regierung beauftragt wird. Putsch und «pronunciamiento» verfolgen dasselbe Ziel und unterscheiden sich nur in der Wahl der Mittel.
Den Putsch haben zwar die Schweizer erfunden, aber an sprachlichem Raffinement können sie den Spaniern nicht das Wasser reichen. Deshalb ist hier ein weiteres spanisches Wort zu nennen, für das es im Deutschen keine elegante Übersetzung, sondern nur eine Umschreibung gibt: «autogolpe» (englisch: self-coup). Es handelt sich um eine Form eines Putsches, bei dem der rechtmässig an die Macht gelangte Führer eines Landes die übrigen Staatsorgane aushebelt und sich Machtbefugnisse aneignet, die ihm verfassungsmässig nicht zustehen, also beispielsweise die Suspendierung der Zivilgerichte oder die Annullierung der Verfassung.
Zu guter Letzt sei noch die Palastrevolution erwähnt, eine Sonderform des Putsches. Personen aus dem unmittelbaren Umfeld eines Herrschers zetteln einen Umsturz an. Im übertragenen Sinn wird heute auch eine Intrige gegen Vorgesetzte in einem Unternehmen als Palastrevolution bezeichnet.
Wir wollen uns an dieser Stelle aber nicht in sprachlichen Finessen verlieren und legen den folgenden Darstellungen kurz und bündig die Definition des Duden zugrunde: ein Putsch ist ein «von einer kleineren Gruppe [von Militärs] durchgeführter Umsturz[versuch] zur Übernahme der Staatsgewalt»6.
Begriffsverwendung
Der Begriff des Putsches ist negativ besetzt. Ein Putschist sollte dieses Wort tunlichst vermeiden. Glücklicherweise sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt, einen Putsch als positive Aktion zu umschreiben. Die Rettung des Vaterlands, Demokratie und nationale Wohlfahrt sind hehre Ziele, die Unterstützung verdienen. Nach dem Putsch in Burma vom 1. Februar 2021 liess das Informationsministerium in einer Erklärung an den Presserat verlauten, das Verwenden von unkorrekten Begriffen wie «Coup» oder «Junta» könne als Akt der Unruhestiftung betrachtet werden und verstosse gegen das Publikationsgesetz.
Einen Putsch im Alleingang zu unternehmen, ist meist keine gute Idee. Benötigt wird eine Gruppe von Gleichgesinnten. Damit ist es möglich, von einer «Bewegung» zu sprechen. Wählen Sie einen wohlklingenden Namen für Ihre Bewegung, und Sie können sich der Sympathie von Teilen der Bevölkerung und der Medien gewiss sein. Beispiele gefällig?
Revolutionary Command Council for National Salvation (Sudan, 1989)
State Law and Order Restoration Council (Burma, 2002)
Comité Militaire de Salut National (Mauretanien, 1982)
Conseil National de la Démocratie (Burkina Faso, 2015)
People’s Redemption Council (Liberia, 1980)
National Council for Peace and Order (Thailand, 2014)
Bewegung für Frieden in der Heimat (Türkei, 2016)
Comité National pour le Salut du Peuple (Mali, 2020)
Zwei andere Beispiele sind:
Mouvement du 30 Septembre (Indonesien, 1965)
Movimento das Forças Armadas (Portugal, 1974)
Hier fehlen positiv konnotierte Begriffe wie Freiheit, Vaterland, Demokratie. Sie wirken einfach nur autoritär und seelenlos. Erfunden wurden sie vermutlich von einem spröden militärischen Technokraten, der sich keinen Deut um die Aussenwirkung des Namens scherte.
Akteure an den Rändern des politischen Spektrums geisseln zu Propagandazwecken Aktionen des Gegners gerne als Putschversuch oder gar als Putsch. Dabei greifen sie oft zu abenteuerlichen Wortkreationen wie «Verfassungsputsch», «kalter Putsch», «konterrevolutionärer Putschversuch» oder «postmoderner Putsch».
Der US-Präsident Donald Trump hat am 02.10.2019 das gegen ihn angestrebte Amtsenthebungsverfahren als PUTSCH bezeichnet, mit dem man ihn um die Wahl betrügen und dem amerikanischen Volk die gottgegebenen Bürgerrechte wegnehmen wolle. Tatsächlich handelt es sich bei einem Amtsenthebungsverfahren in den USA um ein vom Gesetz her vorgesehenes Verfahren. Aber «Putsch» macht nun einmal einfach einen stärkeren Eindruck auf die eigenen Wähler.
Abbildung 1 - Trump on Twitter
Ob ein sogenannter Putsch diese Bezeichnung auch verdient, können Sie anhand von drei einfachen Fragen beurteilen:
Sind die Akteure Militärs oder unzufriedene Regierungsbeamte?
Richtet sich der Aufstand gegen den Kopf der Regierung?
Wenden die Akteure illegale oder verfassungswidrige Methoden an, um die Macht an sich zu reissen?
Wenn alle drei Fragen mit Ja beantwortet werden können, darf mit Fug und Recht ein Putsch angenommen werden.
Erlauben wir uns zum Abschluss dieses Kapitels eine kleine Spielerei. Wir werfen ein paar englische Begriffsdefinitionen für «coup d’etat» in einen Topf und lassen uns daraus im Internet7 eine Schlagwortwolke generieren (siehe auch Anhang 1).
Abbildung 2 - Word Cloud «Putsch»
Die prominenten Schlagworte zeigen sehr schön, was im englischen Sprachraum unter «coup d’etat» verstanden wird, nämlich ein plötzlicher und illegaler Sturz der Regierung durch eine kleine Gruppe von Leuten, oftmals unter Anwendung von Gewalt.
Motivation
Zielsetzungen und Begründungen
Falls Sie, lieber Leser, mit Putschgedanken spielen, sollte ich Sie fragen, weshalb Sie ausgerechnet den Putsch als Mittel der Wahl auserkoren haben, um einen «Change-Prozess» in Gang zu setzen, wie man das so schön euphemistisch im «Business-Speak» sagt. Die Frage verkneife ich mir und unterstelle Ihnen stattdessen drei Dinge, die Sie ehrlicherweise nicht abstreiten können:
Sie sind zur inneren Überzeugung gelangt, dass die jetzigen Machthaber unfähig, verbrecherisch, korrupt oder alles zusammen sind.
Sie sind der festen Ansicht, dass sich die jetzigen Machthaber mit legalen Mitteln nicht entmachten lassen.
Die Anwendung von Gewalt ist für Sie kein Tabuthema.
In der Bibel steht nun aber schon geschrieben, dass wer Gewalt anwendet, durch Gewalt umkommen wird8. Sie wissen demzufolge, dass sie mit einem Putsch ein hohes Risiko eingehen. Und deshalb sollte man sich vorher sorgfältig überlegen, welche Ziele mit einem Putsch erreicht werden sollen. Das kurzfristige Ziel ist vorgegeben, nämlich der Sturz der jetzigen Regierung. Als Randbemerkung sei an dieser Stelle gesagt, dass ein Putsch gemeinhin als erfolgreich gilt, wenn es den Putschisten gelingt, sich sieben Tage lang an der Macht zu halten9. Bei den langfristigen Zielen wird es schon schwieriger. Hier kann eine Selbsteinschätzung hilfreich sein. Welcher Typ sind Sie? Drei Charaktere stehen zur Auswahl:
Der Idealist
. Mit philosophischen Abhandlungen über den Idealismus wollen wir uns an dieser Stelle nicht aufhalten. Ganz profan bezeichnen wir einen Idealisten als Menschen, der mit seinen Vorstellungen danach trachtet, höhere Werte wie beispielsweise Gerechtigkeit und Freiheit zu verwirklichen. Der Tyrannenmord ist in den Augen des Idealisten ein legitimes Mittel, um dem Volk Freiheit zu schenken. Der Idealist handelt meist selbstlos und verzichtet auf persönliche Vorteile.
Der Machiavellist
. Das oberste Ziel des Machiavellisten ist der eigene Erfolg. Ihm ist jedes Mittel recht, wenn es dem Erwerb oder Erhalt von politischer Macht dient. Der Machiavellist ist aber auch ein soziales Chamäleon. Trotz seiner berechnenden und egoistischen Art kann er gut das Vertrauen von anderen Personen gewinnen und Empathie zeigen, wenn es denn nur zum eigenen Vorteil gereicht. Der Machiavellist will seinen Willen um jeden Preis durchsetzen, und dies tut er oftmals mit grossem strategischem Geschick.
Der Hasardeur
. Der Hasardeur stürzt sich leichtsinnig ins Abenteuer eines Putsches. Weil das kühle Rechnen nicht seine Sache ist, geht der Hitzkopf hohe Risiken ein, die ihm entweder Reichtum und Macht oder Verderben bescheren. Er verlässt sich blind auf sein Glück und ein wohlmeinendes Schicksal.
Eine andere Betrachtungsweise bringt Samuel P. Huntington ins Spiel. Aus seiner Typologie lassen sich drei Begründungen für einen Putsch ableiten10:
