Das krisensichere Portfolio - Christopher L. Jones - E-Book

Das krisensichere Portfolio E-Book

Christopher L. Jones

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Beschreibung

Das krisensichere Portfolio zeichnet ein detailliertes Bild von den Methoden und Vorgehensweisen von Financial Engines, einer der führenden US-Investmentberatungsfirmen. Das Unternehmen wurde von Investmentlegende und Nobelpreisgewinner William F. Sharpe gegründet. Die Gesellschaft entwickelt Strategien, die Investoren auf ihre eigenen Ziele ummünzen können, um so ihre Performance an den Märkten deutlich zu verbessern. Diese Strategien basieren auf Langzeitstudien unter realen Bedingungen mit dem Ergebnis, dass sie sich als überdurchschnittlich profitabel erweisen. Mit diesem Buch kann der Leser von diesen empirischen Methoden umgehend profitieren. - Kostenloser Zugang für jeden Käufer zur Website von Financial Engines - Mit einem Vorwort des Nobelpreisträgers William F. Sharpe

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

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Seitenzahl: 620

Veröffentlichungsjahr: 2010

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Christopher L. Jones

Das krisensichere Portfolio

Christopher L. Jones

Das krisensichere Portfolio

Die erfolgreichsten Investmentregeln der Profis

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.de abrufbar.

Für Fragen und Anregungen:

[email protected]

Copyright © 2008 by Christopher L. Jones. All rights reserved.

Die Originalausgabe erschien 2008 unter dem Titel »The intelligent portfolio: practical wisdom on personal investing from Financial Engines« bei John Wiley & Sons, Inc., Hoboken, New Jersey. All rights reserved.

1. Auflage 2010

© by FinanzBuch Verlag GmbH, München

Nymphenburger Straße 86

D-80636 München

Tel.: 089 651285-0

Fax: 089 652096

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Übersetzung: Stephan Gebauer und Hans Freundl

Korrektorat: Marion Reuter

Satz: Jürgen Echter, Landsberg

Druck: GGP Media GmbH, Pößneck

Printed in Germany

ISBN 978-3-89879-479-4ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-86248-954-1

Weitere Infos zum Thema

www.finanzbuchverlag.de

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INHALT

Vorwort

Einleitung

Danksagung

Darf ich Sie mit Financial Engines bekannt machen?

Kapitel 1Nun ist es Ihre Privatsache

Die Welt ändert sich

Ein großes gesellschaftliches Experiment: Der 401k-Plan

Die Wissenslücke

Das herkömmliche Beratungsmodell

Institutionelle Werkzeuge

Kapitel 2Man bekommt nichts umsonst

Ich glaube, ich werde das Papier mit der höchsten Rendite nehmen …

Ein wenig Latein: ex ante und ex post

Wie werden die Preise riskanter Assets gebildet?

Der Zusammenhang zwischen Risiko und Rendite

Wenn ein hohes Risiko nicht gleichbedeutend mit einer hohen Rendite ist

Die verborgenen Risiken und das Peso-Problem

Welches Risiko gehe ich ein?

Risiken und Rendite verschiedener Assets

Besteht das Investment den »Errötungstest«?

Kapitel 3Die Geschichte sagt uns wenig

Historische und zu erwartende Renditen

Die Vergangenheit ist nicht die Zukunft

Die Geschichte ist nicht immer, was sie zu sein scheint

Investieren mit rückblickender Kenntnis der Entwicklung

Glückspilze und Könner

Kapitel 4Die Weisheit des Marktes

Ist der Markt effizient?

Was ist das Marktportfolio?

Zu Hause ist es am schönsten

Geschichte des Marktportfolios

Wetten gegen den Markt

Unbeabsichtigte Wetten müssen vermieden werden

Risiko und Marktportfolio

Die Einschätzung der zukünftigen Renditen durch den Markt

Simulationen des Marktportfolios

Abschließende Überlegungen

Kapitel 5Das richtige Maß an Risiko

Die Messung des Risikos

Asset-Mix und kurzfristiger Verlust

Risiko und Portfolioergebnisse

Risiko und Zeithorizont

Für die Auswahl des Risikoniveaus bedeutsame Faktoren

Beispiele für ein vernünftiges Anlageverhalten

Kapitel 6Ein unnötiges Wagnis

Dies ist ein gefährliches Tier

Die Risiken einzelner Aktien

Die Auswirkungen des Risikos von Einzelaktien

Das Geheimnis der erwarteten Wachstumsrate

Der größte Fehler bei Kapitalanlagen für die Altersvorsorge

Und wie ist es, wenn man in mehrere Aktien investiert?

Halten Sie sich für ein Glückskind?

Wie man sicher in Aktien investiert

Versteckte Kosten

Der Umgang mit unerwünschten Aktienrisiken

Kapitel 7Wie die Gebühren Ihre Renditen verschlingen

Es ist einfache Arithmetik

Ein großes Geschäft

Auf jeden Gewinner kommt ein Verlierer

Es summiert sich trotzdem zu einem schönen Betrag

Ein weites Feld

Wie die Gebühren Ihre Rendite verschlingen

Eine schwere Bürde auf dem Rücken des Anlegers

Die Gebühren im Gesamtbild

Praktische Überlegungen

Kapitel 8Geschickte Diversifikation

Die Ziele der Diversifikation

Das große Bild

Hierarchie ist schlecht fürs Portfolio

Der Nutzen einer Diversifikation nach Anlagekategorien

Diversifikation ist nicht mehr das, was sie einmal war

Diversifikation und Wahl der Anlageinstrumente

Das große Bild: Teil II

Auf der Suche nach besserer Diversifikation

Kapitel 9Gute Fonds finden

Worauf es ankommt

Es geht um die Zukunft

Risikotoleranz und Fondsauswahl

Anlagestil

Fondskosten

Die Vorhersage der Wertentwicklung von Investmentfonds

Die Bewertung von Fonds

Das Zusammenfügen der Einzelelemente

Was nötig ist, um zu den Besten zu gehören

Kapitel 10Sparen für die Zukunft

Die Vorzüge der Flexibilität

Wie viel brauchen Sie?

Von Vermögen zu Einkommen

Der Mythos absoluter Zahlen

Risiko, Zeit und Sparleistungen

Welcher Aufwand erforderlich ist

Kapitel 11Investieren und Vater Staat

Steuern sparen ist nicht alles

Die Bedeutung des persönlichen Steuersatzes

Die steuerliche Effizienz der verschiedenen Anlagekategorien

Asset Placement

Die steuerliche Effizienz von Investmentfonds

Kommunalanleihen

Gewinne und Verluste

Zusammenfassung

Kapitel 12Noch einmal im Zeitraffer

Kapitel 1: Nun ist es Ihre Privatsache

Kapitel 2: Man bekommt nichts umsonst

Kapitel 3: Die Geschichte sagt uns wenig

Kapitel 4: Die Weisheit des Marktes

Kapitel 5: Das richtige Maß an Risiko

Kapitel 6: Ein unnötiges Wagnis

Kapitel 7: Wie die Gebühren Ihre Renditen verschlingen

Kapitel 8: Geschickte Diversifikation

Kapitel 9: Gute Fonds finden

Kapitel 10: Sparen für die Zukunft

Kapitel 11: Investieren und Vater Staat

Anmerkungen

Glossar

VORWORT

Die Idee, die Kenntnisse und Erfahrungen von Financial Engines zu nutzen, um ein Buch für Privatanleger zu schreiben, fand im Unternehmen auf Anhieb Zustimmung, die jedoch zurückhaltend ausfiel: Wer konnte ein solches Projekt bewältigen? Und wer würde die Zeit finden, um ein Buch zu schreiben, das praktisch, verständlich und umfassend genug sein würde?

Nun, in Wahrheit kam nur ein Mann für das Projekt in Frage: Christopher Jones, der seit der Gründung von Financial Engines das Finanzteam der Firma leitet. Jeder im Unternehmen kennt Christophers Fähigkeit, auch die komplexesten Investmentkonzepte verständlich zu erläutern. Aber wie sollte er die Zeit aufbringen, um ein solches Projekt zu bewältigen? »Keine Sorge«, sagte Christopher. »Wozu sind die Abende und Wochenenden denn da?«

Das Ergebnis seines unermüdlichen Einsatzes halten Sie in Händen. Dieses Buch hat zweifellos viele nächtliche Arbeitsstunden gekostet.

Christopher schreibt fesselnd. Seine auf einer fundierten Kenntnis der Finanzwirtschaftstheorie und auf einer rigorosen empirischen Arbeit beruhenden Erläuterungen sind von großem praktischem Nutzen. Und vor allem schöpft Chris aus dem Wissen, das eine große Gruppe sehr begabter Menschen in mehr als einem Jahrzehnt gesammelt hat, um Privatinvestoren dabei zu helfen, bessere Entscheidungen über ihre Geldanlagen zu fällen.

Die Veränderungen in der Welt der Kapitalanlagen zwingen eine wachsende Zahl von Menschen, ihre finanziellen Geschicke selbst in die Hand zu nehmen. Die private Altersvorsorge gewinnt an Bedeutung, und die Entscheidungen, die der Einzelne in Bezug auf seine Kapitalanlagen fällt, haben weit reichende Auswirkungen auf sein Leben.

Zum Glück für den Leser handelt es sich bei dem vorliegenden Buch nicht um das Werk eines Komitees. Genauso wenig spiegelt es die »offizielle« Position von Financial Engines wider. Vielmehr ist dies die Arbeit eines erfahrenen und begabten Investmentexperten, der kenntnisreich die wesentlichen Zusammenhänge erläutert, die jeder aufgeklärte Anleger kennen sollte, um richtig investieren und sparen zu können. Und obendrein ist das Buch eine vergnügliche Lektüre! Chris schafft es, die zentralen Erkenntnisse der Finanzwirtschaft zu vermitteln, ohne dazu auf eine einzige Gleichung zurückgreifen zu müssen. So ist dieses lehrreiche Buch zugleich unterhaltsam geworden.

In diesem Buch sind die Erkenntnisse zusammengefasst, die Forschungseinrichtungen und Investmentfirmen in jahrzehntelangen finanzwirtschaftlichen Untersuchungen gesammelt haben. Aber es enthält noch sehr viel mehr, denn es stützt sich auf das Wissen, das in der Zusammenarbeit mit Hunderttausenden von Privatanlegern angehäuft wurde, die mit wichtigen Entscheidungen über ihre finanzielle Zukunft konfrontiert waren. Financial Engines wurde gegründet, um Millionen Menschen zu einem Bruchteil der Kosten der bis dahin verfügbaren Lösungen bei diesen Entscheidungen zu helfen. Somit kam kein Verfahren in Frage, das darauf beruht, dass hochbezahlte Berater auf der Grundlage ihres Instinkts oder ihres finanziellen Gespürs wichtige Investmententscheidungen fällen. Stattdessen musste ein neuartiger, systematischer Zugang zur Anlageberatung gewählt werden – ein Konzept, das darauf beruht, dass die Sachkenntnis in Algorithmen eingespeist wird, anhand derer auf die persönlichen Erfordernisse des einzelnen Investors abgestimmte Empfehlungen erstellt werden können. Um das zu ermöglichen, wurden Zehntausende von Investmentfonds und Aktien eingehend analysiert. Es wurden Millionen Portfolios simuliert und die Entwicklung von Kapitalanlagen über lange Zeiträume hinweg analysiert. All diese Erfahrungen sind in das Buch eingeflossen. Der Leser findet darin vieles, das neu ist, und vieles, das alt ist.

Nun fragen Sie sich vielleicht, ob Sie den Beratungsdienst von Financial Engines brauchen, um von diesem Buch profitieren zu können? Selbstverständlich nicht. Hier werden Grundprinzipien der privaten Vermögensbildung erläutert. Entweder Sie oder Ihr Finanzberater müssen diese Dinge wissen, und es wäre sehr vorteilhaft, wenn sich Ihre Kenntnisse und die Ihres Beraters überschnitten. Schließlich geht es um Ihre finanzielle Zukunft.

Sollten Sie darüber nachdenken, die Dienste von Financial Engines in Anspruch zu nehmen, so wird Ihnen dieses Buch dabei helfen, sehr viel größeren Nutzen aus dieser Erfahrung zu ziehen. Sie werden verstehen, warum Financial Engines die Diversifizierung, kostengünstigere Kapitalanlagen und eine ausreichende Sparquote empfiehlt. Und Sie werden erfahren, wie Financial Engines einen auf Ihre persönlichen finanziellen Ziele zugeschnittenen Investmentplan entwickelt. Zudem werden Sie sehen, wie zwischen Risiko und Rendite abzuwägen ist, wie wichtig es ist, bei langfristigen Anlageentscheidungen sowohl die Risiken als auch die Rendite in Erwägung zu ziehen, und welche Optionen dem Anleger auf den Finanzmärkten zur Verfügung stehen. Und schließlich werden Sie erfahren, wie Sie sich vor jenen Mitgliedern der Investmentgemeinde schützen können, die Ihnen Ihr schwer verdientes Geld mit Versprechen entlocken wollen, die tatsächlich zu schön sind, um wahr zu sein.

Lesen Sie weiter, und Sie werden ein realistischer und kenntnisreicher Anleger werden. Anschließend können Sie sich daranmachen, Ihr weiteres Leben zu genießen.

William F. Sharpe

Palo Alto, Kalifornien

13. Februar 2008

EINLEITUNG

Ein Investor sollte vor allem skeptisch sein.

- Arthur Levitt, ehemaliger Vorsitzender der amerikanischen Börsenaufsichtsbehörde SEC

In der High School hatte ich einen sehr eigenwilligen Lehrer in amerikanischer Geschichte. Mr. Ryan war ein gedrungener Mann mit kurz geschorenem grauem Haar und einem an Hemingway erinnernden Gehabe. Er war im besten Sinn des Wortes ein Skeptiker. In den Diskussionen im Unterricht zeigte sich rasch, dass er sämtliche Annahmen in Frage stellte und die herkömmlichen Auffassungen kritisch betrachtete. Er erwartete von uns, dass wir wenig überzeugende Gedankengänge – vor allem unsere eigenen – hinterfragten und nicht davor zurückschreckten, verbreitete Überzeugungen in Frage zu stellen. In seinem Unterricht lernte ich viel über die Geschichte, aber die wichtigste Lehre, die mir Mr. Ryan vermittelte, hatte nichts mit den Gründervätern oder dem Kauf Louisianas durch Thomas Jefferson zu tun. Dieser Lehrer war fest davon überzeugt, dass die wichtigste Fähigkeit eines Menschen im kritischen Denken bestehe – allerdings drückte er es nicht ganz so vornehm aus.

Das, was mir Mr. Ryan beibrachte, zählte zu den wichtigsten Dingen, die ich in der Schule lernte. Im Lauf meines Berufslebens konnte ich immer wieder beobachten, wie hilfreich es ist, bei der Beurteilung finanzieller Entscheidungen ein gesundes Maß an Skepsis walten zu lassen. Ob man nun in einem Vorstandszimmer oder am Küchentisch sitzt: Die Bereitschaft, die geltenden Annahmen in Frage zu stellen und sich nicht von irrelevanten oder irreführenden Informationen ablenken zu lassen, ist sehr nützlich. Leider wird diese Fähigkeit an unseren Schulen nicht oft vermittelt. Allzu oft lassen wir uns dazu verleiten, unsere Aufmerksamkeit nicht auf das Wesentliche, sondern auf das Unbedeutende zu richten. Die modernen Medien und die Werbung überschwemmen uns mit nutzlosen Informationen, die unsere Aufmerksamkeit vom Wesentlichen ablenken. Es erfordert beträchtliche Mühe und Sorgfalt, inmitten dieser Flut von Unwahrheiten, Belanglosigkeiten, oberflächlichen und irreführenden Informationen die Tatsachen zu erkennen. Und nirgendwo ist das kritische Denken bedeutsamer als in der Welt der Geldanlagen, wo es den Unterschied zwischen Erfolg und finanzieller Katastrophe ausmachen kann.

Da die meisten von uns nicht den Anspruch erheben, autodidaktische Fachleute für sämtliche Lebensbereiche zu werden, suchen wir in vielen Fragen Rat bei Experten. Wenn wir deren Dienste in Anspruch nehmen, um unsere Zähne zu reparieren, unsere Autos instand zu halten und unsere Steuererklärung zu machen, bewegen wir uns auf einem schmalen Grat: Einerseits müssen wir genug über ihre Tätigkeit wissen, um uns Ärger zu ersparen, andererseits dürfen wir nicht zu viel Zeit und Mühe auf Dinge verschwenden, die wir eigentlich nicht wissen müssen. Und wenn es um Entscheidungen über Geldanlagen geht, ist es besonders gefährlich, einen schweren Fehler zu begehen oder sich von vorgetäuschter Sachkenntnis in die Irre führen zu lassen.

Wenn Sie sich hin und wieder mit Ihren persönlichen Finanzen befassen, so ist Ihrem skeptischen Auge gewiss nicht entgangen, dass von allen Seiten das Versprechen an Sie herangetragen wird, Sie könnten mit Ihren Geldanlagen überdurchschnittlich hohe Renditen erzielen, rasch Millionen verdienen, Ihre Freunde beeindrucken und in der Badehose besser aussehen, indem Sie lediglich einige einfache Investmentregeln befolgen. Die meisten Menschen werden solchen Behauptungen mit gesunder Skepsis begegnen oder schlicht darüber lachen. Gelinde gesagt: Wenn es um Geldanlagen geht, bekommen wir sehr viel Unfug zu hören. Tatsächlich werden viele grundlegende Erkenntnisse der Finanzwirtschaft in den Massenmedien und von den Finanzdienstleistern verzerrt dargestellt oder missbraucht, um mehr Produkte und Dienstleistungen verkaufen zu können. Jene Dinge, über die wir am meisten hören (etwa die Ergebnisse in der Vergangenheit) zählen zu den Faktoren, die uns am wenigsten dabei helfen, gute Investmententscheidungen zu fällen, während unverzichtbare Aspekte (wie die Gebühren und Provisionen) oft vor uns verborgen werden.

Wie in vielen anderen Lebensbereichen auch, besteht eine gute Strategie bei einem Mangel an Erfahrung in der Nachahmung. Sie wollen lernen, wie Sie bessere Investmententscheidungen fällen können? Nun, dann sehen Sie sich doch einmal an, wie erfahrene Fachleute die Milliarden investieren, die ihnen anvertraut wurden. Die von den institutionellen Investoren angewandten Methoden lassen sich direkt auf die Entscheidungen anwenden, mit denen Privatanleger konfrontiert sind (obwohl die Probleme unterschiedliche Relevanz für die beiden Gruppen haben). Dasselbe gilt für die Resultate. Heute stehen uns Technologien zur Verfügung, um individuelle Investitionen denselben Analysen zu unterziehen, für die institutionelle Investoren Hunderttausende von Dollar bezahlen – und die Bewertung nimmt nur wenige Minuten in Anspruch. Welchen Nutzen hat eine solche Analyse? Sie hilft Ihnen zu verstehen, wie sich verschiedene Entscheidungen auf die möglichen zukünftigen Ergebnisse auswirken werden und wie man ein Portfolio so strukturieren kann, dass die Erfolgschancen steigen. Das sogenannte ergebnisorientierte Investment kann eine Offenbarung für jene Anleger sein, die vor schwierigen Entscheidungen stehen. Dabei liegt der Schlüssel zu guten Anlageentscheidungen darin, diese Entscheidungen aufgrund solider Informationen zu fällen. Allerdings: Das Leben ist unvorhersehbar. Das klingt vielleicht wie ein Klischee aus dem Werbespot einer Versicherung, aber es ist wahr. Wir können uns unsere Zukunft nicht aussuchen, aber wir können in unseren Investmentstrategien alle möglichen Ergebnisse berücksichtigen.

In den letzten elf Jahren habe ich als einer der ersten Angestellten und als Leiter der Abteilung Vermögensverwaltung von Financial Engines an der Übertragung der institutionellen Investmenttechniken auf die Welt der Privatanleger teilgenommen. Financial Engines hat wesentlich dazu beigetragen, die wichtigsten Erkenntnisse aus der Finanzwirtschaft und der institutionellen Vermögensverwaltung in den Dienst des durchschnittlichen Privatinvestors zu stellen und ihm eine unabhängige und auf seine persönlichen Bedürfnisse zugeschnittene Beratung und Vermögensverwaltung anzubieten. Diese Erkenntnisse möchte ich nun mit Ihnen teilen.

Die Grundlagen für gute Anlageentscheidungen können zu zehn Verhaltensregeln zusammengefasst werden:

• Halten Sie sich den Zusammenhang zwischen Risiko und Rendite vor Augen.

• Lassen Sie sich nicht von den historischen Renditen in die Irre führen.

• Nutzen Sie das Wissen des Marktes.

• Wählen Sie ein angemessenes Risiko.

• Vermeiden Sie die Gefahren des Stock-Picking.

• Geben Sie nicht zu viel für Fondsgebühren aus.

• Diversifizieren Sie intelligent.

• Wählen Sie Fonds anhand geeigneter zukunftsorientierter Kriterien aus.

• Lernen Sie, wie man seine finanziellen Ziele mit realistischen Anlageentscheidungen erreicht.

• Investieren Sie mit Blick auf eine günstige Besteuerung.

In den folgenden Kapiteln werden diese Verhaltensregeln genau erläutert. Einige der dargestellten Konzepte wirken wie einfache Grundsätze des gesunden Menschenverstands, andere werden überraschend oder auf den ersten Blick sogar unvernünftig wirken. Doch sie alle sind wichtig, um gute Investmententscheidungen zu fällen. In diesem Buch werden wir zunächst die grundlegende Funktionsweise der Finanzmärkte erläutern, um anschließend praktische Tipps zur Beurteilung von Vor- und Nachteilen der verschiedenen Kapitalanlagen zu geben. Sodann werden Sie praktische Ratschläge zur Auswahl von Investments, zur Zusammenstellung eines Portfolios und zur Maximierung der Erfolgsaussichten erhalten. Wenn Sie diese Prinzipien befolgen, werden Sie ein sachkundiger Investor werden und besser in der Lage sein, die Qualität der Beratung durch die Experten zu beurteilen. Sie werden die in der Welt der Geldanlagen üblichen Halbwahrheiten, das schlampige Denken und die schlechte Beratung besser erkennen und sich dem leichter entziehen können.

Im Winter 2006 begann ich mit Freunden und Verwandten über mein Vorhaben zu sprechen, ein Buch über das Personal Investing zu schreiben. Die meisten Personen aus meiner Umgebung hielten das für eine ausgezeichnete Idee, aber ich hatte den Verdacht, dass sie insgeheim eher dachten: »Oh nein, bitte nicht noch ein Buch über Anlagestrategien…« Nach meiner persönlichen Schätzung wurden bisher etwa eine Million Bücher zum Thema Geldanlagen veröffentlicht. Nur über das Kochen sowie die Möglichkeiten, Männer und Frauen miteinander ins Gespräch zu bringen, wurden mehr Bücher geschrieben. Als ich mit den Nachforschungen für dieses Buch begann, sah ich mir in den Buchhandlungen die Publikationen in diesem Bereich an. Ich stellte fest, dass die Bücher zum Thema Geldanlagen abgesehen von wenigen Ausnahmen allesamt einer von drei Kategorien zuzuordnen waren: Da gab es zunächst die Konzeptbücher – in denen es von hübschen Anekdoten über Personen wimmelte, die das Konzept (etwa wertorientierte Kapitalanlage, Rohstoffhandel oder Immobilienspekulation) angewandt hatten, um reich zu werden und den inneren Frieden zu finden. Solche Bücher können durchaus eine unterhaltsame Lektüre sein, aber sie haben Ähnlichkeit mit einer Portion Gemüsereis: Nach wenigen Stunden hat man wieder Hunger. Nach der Lektüre eines solchen Buches bleibt das unangenehme Gefühl, eigentlich wenig davon gehabt zu haben.

Dann sind da die Potpourri-Finanzbücher mit allen erdenklichen Grafiken, Tabellen, Statistiken und Detailinformationen zum Thema Geldanlagen. Diese Methode der Ausbildung in Finanzfragen könnte man so beschreiben: Wirf einen Teller Spaghetti an die Wand, und sieh dir an, was hängen bleibt. Solche Bücher wenden sich an den harten Kern der Do-it-yourself-Investoren, an jene Anleger, die Spaß daran haben, sich im Detail mit den Steuergrenzen zu befassen und die Feinheiten der Bonitätseinstufungen von Kommunalobligationen zu ergründen. Solche Bücher enthalten Informationen im Überfluss, aber es bleibt dem Leser überlassen, praktischen Nutzen daraus zu ziehen.

Und schließlich gibt es die gelehrten Bücher, die interessante und wertvolle Informationen enthalten, jedoch nicht ohne höhere Mathematik und schwer verständlichen Finanzjargon auskommen, weshalb nur die hartnäckigsten Leser brauchbare Schlüsse daraus ziehen können. Solche Bücher erinnern an ein zehngängiges Dinner: Man braucht einen abenteuerlustigen Gaumen, einen großen Appetit und einen belastbaren Verdauungstrakt, um eine solche Mahlzeit zu bewältigen. Wenn die Finanzwirtschaft nicht Ihre große Leidenschaft ist, werden es die meisten dieser Bücher kaum auf Ihren Nachttisch schaffen.

Ich gelangte zu dem Schluss, dass im Genre der privaten Vermögensbildung ein Buch fehlte, das die wichtigsten Erkenntnisse der modernen Finanzwirtschaft zu einigen wenigen Schlüsselkonzepten verknüpfte und anschließend mit praktischen Ratschlägen für bessere Anlageentscheidungen verband. Wie stellt man fest, von welchen Faktoren der Erfolg einer Geldanlage abhängt? Wie lässt sich beurteilen, was ein wertvoller Rat und was unsinniges Gerede ist? Und wie kann man angesichts einer ungewissen Zukunft eine erfolgreiche Anlagestrategie entwerfen?

Die Literatur im Investmentgenre enttäuscht auch deshalb, weil die meisten Autoren ihren Lesern eben jene Informationen vorenthalten, die benötigt werden, um in der Praxis Anlageentscheidungen zu treffen. Die generellen Informationen sind durchaus nützlich, aber wie sollte man sich in der Realität verhalten? Die Beratung in Fragen der Geldanlage ist so – wie die Hilfe bei der Partnersuche – eine ausgesprochen persönliche Angelegenheit. Die individuellen Unterschiede zwischen den Anlegern sind von größter Bedeutung. Mit Blick auf diese Tatsache hat sich Financial Engines bereit erklärt, den Käufern dieses Buches ein einjähriges Abonnement seines preisgekrönten Dienstes Personal Online Advisor kostenlos zur Verfügung zu stellen, damit sie die hier erläuterten Konzepte auf ihre persönlichen Umstände anwenden können. Aufgrund seines beschränkten Umfangs und seines statischen Inhalts stößt jedes Buch an gewisse Grenzen, aber ein interaktiver Anlageberatungsdienst kann wesentlich dazu betragen, die abstrakten Ideen mit den Umständen auf dem realen Anlagemarkt zu verknüpfen. Sie können auch ohne den Personal Online Advisor von diesem Buch profitieren, aber ich hoffe, dass Sie eine hilfreiche und bereichernde Informationsquelle darin sehen werden.

Ich habe dieses Buch geschrieben, um Ihnen das literarische Äquivalent eines Hackbratens anzubieten – eine kompakte, aber nahrhafte Mahlzeit (ich bitte die Vegetarier um Verzeihung für die Wahl der Metapher). Ich werde versuchen, Ihnen zu zeigen, was bei persönlichen Investmententscheidungen wirklich zählt, indem ich wichtige Konzepte verständlich erkläre und sie anhand von realen Beispielen aus meiner Zusammenarbeit mit den Klienten von Financial Engines nachvollziehbar mache. Ich werde Ihnen einige der Geheimnisse verraten, die den institutionellen Anlegern seit Jahrzehnten bekannt sind, während die meisten Privatanleger noch immer nichts darüber wissen. Man könnte sagen, dass dieses Buch einen Crash-Kurs in der kritischen Auseinandersetzung mit Geldanlagen enthält.

Es ist keine leichte Aufgabe, ein Buch zu schreiben, das nützliches Wissen allgemein verständlich vermittelt. Und dieses Ziel zu erreichen und obendrein für eine spannende Lektüre zu sorgen, die man sich am Strand zu Gemüte führen könnte, ohne sich dabei eigenartig vorzukommen, ist ein geradezu beängstigendes Vorhaben. Dennoch hoffe ich, dass Sie dieses Buch interessant, erhellend, provokant und gelegentlich vielleicht sogar vergnüglich finden werden.

Um ein Bonmot des berühmten Satirikers Ambrose Bierce abzuwandeln: Ich vertraue darauf, dass Sie nicht zu dem Schluss gelangen werden, dass »die Klappendeckel dieses Buches zu weit voneinander entfernt sind«.

DANKSAGUNG

Bei einem Projekt dieser Größe ist ein Autor auf die Unterstützung zahlreicher Personen angewiesen. Dieses Buch war keine Ausnahme. Ohne die Bemühungen und Beiträge zahlreicher Freunde und Kollegen wäre es nicht zustande gekommen.

Ich bin William Sharpe zu großem Dank verpflichtet. Er war in den vergangenen elf Jahren mein Mentor und hat mir sehr viel beigebracht. Bills Kenntnisse und seine praktische Klugheit kommen in diesem Buch immer wieder zum Vorschein, während ich für Fehler oder Lücken die alleinige Verantwortung übernehmen muss. Ich habe das Glück, mit Bill und einer phantastischen Gruppe von Kollegen zusammenarbeiten zu können, die im vergangenen Jahrzehnt am Aufbau von Financial Engines beteiligt waren. Besonderen Dank schulde ich den Teams der Abteilungen Financial Engines Executive und Investment Management, die mir den Rücken freigehalten haben, damit ich das Buch trotz meiner zahlreichen Aufgaben in einem anspruchsvollen Job fristgerecht fertigstellen konnte.

Zahlreiche Personen haben Zeit geopfert und den Inhalt dieses Buches mit Analysen, Vorschlägen und Ideen bereichert. Besonders danken möchte ich Brenda Ayres, Geert Bekaert, Scott Campbell, John Choi, Peter Cohn, Melinda Deutch, Asma Emneina, Kenneth Fine, Tim Gallagher, Irene Gitin, Steven Grenadier, Joseph Grundfest, Michael Hahn, Garry Hallee, Wei Hu, Brandon Kirkham, Helen Kuo, Sylvia Kwan, Richard Lipes, Jeff Maggioncalda, Gavin Noronha, Greg Pallas, David Ramirez, Jason Scott, Jim Shearer, Ray Sims, Gregory Stein, Anne Tuttle, Patricia Wang, John Watson, Robert Young und meinen Eltern Douglas and Jerilyn Jones für ihre Beiträge, Ratschläge, aufmunternden Worte und vielfältige Unterstützung.

Ich möchte mich bei Bill Falloon und dem Team bei John Wiley & Sons, darunter Emilie Herman, Kevin Holm und Michelle Fitzgerald, für ihre Beiträge zur Verwirklichung dieses Buchprojekts danken. Mit seiner Beharrlichkeit und Energie trug Bill wesentlich dazu bei, das Projekt unter Dach und Fach zu bringen, und es war sehr hilfreich, dass er mich unentwegt freundlich drängte, die Zusammenhänge verständlich darzustellen (hoffentlich haben seine Bemühungen gefruchtet). Caroline Pincus übernahm während des gesamten Projekts wertvolle Lektoratsarbeiten.

Schließlich möchte ich meiner Frau Barbara und unseren beiden wunderbaren Kindern dafür danken, dass sie es mir ermöglicht haben, diesem Projekt derart viel Zeit und Energie zu widmen. Ihre beharrliche Unterstützung und Geduld haben dieses Buch möglich gemacht. Und dank der sorgfältigen Redaktion meiner Frau ist es sehr viel besser und lesbarer geworden.

Ich hoffe, dass das Buch jenen, die sich auf der über weite Strecken schlecht beleuchteten Straße zur finanziellen Sicherheit befinden, die Orientierung erleichtern wird.

DARF ICH SIE MIT FINANCIAL ENGINES BEKANNT MACHEN?

Auf dem Gelände der Stanford University hält der Frühling sehr unvermittelt Einzug. An diesem knapp 50 Kilometer südlich von San Francisco gelegenen Ort weichen der ständige Regen und die kalte Winterluft abrupt einer scheinbar unendlichen Abfolge sonniger und warmer Tage. Der Frühling des Jahres 1996 war eine besonders verheißungsvolle Zeit im Silicon Valley. Es war erst sechs Monate her, dass ein bis dahin wenig bekanntes junges Unternehmen namens Netscape mit überwältigendem Erfolg an die Börse gegangen war und einen digitalen Goldrausch ausgelöst hatte, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hatte. Überall schossen neue Internet-Unternehmen aus dem Boden, und revolutionäre Geschäftspläne vermehrten sich explosionsartig. Hatten die Studenten in Stanford bis dahin von gut bezahlten Jobs bei Beratungsunternehmen und Investmentbanken geträumt, so versuchten sie nun, in einem Internet-Unternehmen unterzukommen. Der Siegeszug des Internets schien alles verändert zu haben. Mitten in diesem frenetischen Trubel trafen sich zwei Freunde im Aufenthaltsraum der Fakultät. Bill Sharpe ist ein freundlicher Mann mit einem charakteristischen Kinnbart und aufgewecktem Blick, den manche Leute als großväterlichen Typ beschreiben. Im Jahr 1990 wurde er für seine Pionierarbeit auf dem Gebiet der Finanztheorie mit dem Nobelpreis ausgezeichnet, vor allem für seine Arbeiten zur Preisbildung bei Finanzwerten und zur Beziehung zwischen Risiko und Rendite. Anders als viele andere Nobelpreisträger konnte es Bill stets vermeiden, ein zu großes Ego zu entwickeln. Seine Fähigkeit, für komplexe Probleme einfache Lösungen zu finden und diese dann in einer klaren Sprache zu erläutern, sucht ihresgleichen in der Finanzwirtschaft. Bill ist alles andere als unnahbar und hat stets dafür gesorgt, dass seine Konzepte in der realen Welt anwendbar sind. Im Frühjahr 1996 war Bill auf der Suche nach einer Möglichkeit, die Methoden, die er in jahrzehntelanger Zusammenarbeit mit institutionellen Investoren entwickelt hatte, der wachsenden Gruppe der Privatanleger zugänglich zu machen, die Hilfe bei der Geldanlage für die Alterssicherung brauchten. Den Anstoß zu dem Versuch, diese wissenschaftlichen Konzepte den Bedürfnissen der Privatinvestoren anzupassen, gab ein Energiebündel namens Joseph Grundfest, der mit Bill befreundet ist und an der Stanford University Rechtswissenschaften unterrichtet. Joe ist ein ehemaliger Aufsichtsbeamter der Börsenaufsichtsbehörde SEC (U.S. Securities and Exchange Commission) und zählt zu den besten amerikanischen Experten für das Wertpapierrecht. Aus diesem Mann sprühen die Ideen hervor wie das Wasser aus einem geborstenen Feuerhydranten.

An jenem Frühlingsmorgen kreiste das Gespräch der beiden Freunde um einige Programm-Werkzeuge, die Bill kurz zuvor auf seine persönliche Website gestellt hatte. Computer begeisterten ihn seit seiner Jugend, und er war auf Anhieb fasziniert von den Möglichkeiten, die das Internet jedermann eröffnete, der versuchen wollte, Menschen in aller Welt Informationen zugänglich zu machen. Um seine Leidenschaft mit anderen zu teilen, hatte er vor einiger Zeit begonnen, Programme abzuwandeln, die er entwickelt hatte, um Pensionsfonds bei der Strukturierung ihrer Portfolios zu helfen. Diese Programme hatte er nun auf seine Website gestellt, damit Privatanleger mit seinen Techniken experimentieren konnten. Als Bill seinem Freund von den Möglichkeiten dieser ebenso einfachen wie nützlichen Programme erzählte, wurde klar, dass viele Anleger von solchen Werkzeugen profitieren würden. Anfangs wollte Bill die Modelle der Öffentlichkeit kostenlos auf einer Website zur Verfügung stellen. Das Problem war, dass kaum jemand so vertraut mit der Technologie war, dass er die Modelle allein wirklich nutzen konnte. Um eine größere Zielgruppe zu erreichen, würde Bill einen anderen Zugang wählen müssen.

Statt sich damit zufrieden zu geben, das Projekt als akademische Übung zu betrachten, schlug Joe vor, ein Unternehmen zu gründen, um Instrumente zu entwickeln und zu verbreiten, die der Durchschnittsanleger benutzen konnte, um bessere Anlageentscheidungen zu fällen. Bill stand diesem Vorschlag anfangs skeptisch gegenüber, da seine Liebe nicht der Knochenarbeit der täglichen Betriebsführung, sondern der akademischen Forschung galt. Aber Joe besitzt große Überzeugungskraft, und es gelang ihm, Bill zu einem Treffen mit dem befreundeten Rechtsanwalt und Risikokapitalgeber Craig Johnson zu bewegen. Craig erkannte sofort, dass man Bills Arbeit nutzen konnte, um Millionen von Privatanlegern zu helfen, die mit den Entscheidungen über ihre Vermögensbildung rangen.

Die drei Männer gelangten zu dem Schluss, dass ein Unternehmen nötig sei, um die Methoden, die sich im Bereich der institutionellen Kapitalanlagen sowie in der finanzwirtschaftlichen Analyse in den Forschungseinrichtungen bewährt hatten, der breiten Masse der Privatanleger zugänglich zu machen, die die Entscheidungen über die richtigen Kapitalanlagen für ihre Altersvorsorge immer öfter selbst fällen mussten. Wenige Monate später, im Mai 1996, wurde ein neues Unternehmen geboren. Das Ziel von Financial Engines bestand darin, die Erkenntnisse der modernen Finanzwirtschaft durch eine individuelle Beratung und Vermögensverwaltung in den Dienst aller Anleger zu stellen – unabhängig von ihren finanziellen Mitteln. Die drei Unternehmensgründer engagierten den energischen Stanford-Absolventen Jeff Maggioncalda als Geschäftsführer. Kurze Zeit später stellte Jeff mich ein; meine Aufgabe war es, geeignete Finanzexperten zu finden und zu leiten, um aus Bills Konzepten greifbare Produkte zu machen. In den folgenden Jahren leisteten hunderte talentierte Mitarbeiter Großartiges, um Bills Vision zu verwirklichen.

Heute zählt Financial Engines zu den führenden Anbietern einer unabhängigen Anlageberatung und Vermögensverwaltung und betreut Millionen von Privatanlegern in hunderten amerikanischen Großunternehmen. Das Unternehmen bietet seine Dienste mehr als 6,8 Millionen Beschäftigten an, darunter Mitarbeitern von mehr als 100 Unternehmen aus der Gruppe der Fortune 500. Ende des Jahres 2007 verwaltete Financial Engines mehr als 16 Milliarden Dollar im Rahmen von Rentenplänen. Das Unternehmen arbeitet mit vielen der großen amerikanischen Anbieter betrieblicher Rentenpläne zusammen, darunter Vanguard, Fidelity, J. P. Morgan, T. Rowe Price, ACS, Mercer, Hewitt und CitiStreet.

Financial Engines ist ein Vorreiter des Einsatzes fortschrittlicher Monte-Carlo-Simulationen für den Vermögensaufbau von Privatanlegern. Das Unternehmen integriert finanzielles Fachwissen in spezielle Software, um diesen Anlegern zu einem Bruchteil der Gebühren, die institutionelle Investoren zu zahlen haben, persönliche Analysedienste anbieten zu können. Financial Engines war auch das erste Unternehmen, das Privatanlegern online eine umfassende Beratung zu steuerpflichtigen Kapitalanlagen anbot. Mit seinem preisgekrönten Dienst Personal Online Advisor hat das Unternehmen eine Anlageberatung, die ebenso umfassend ist wie jene für institutionelle Investoren, allen Privatanlegern unabhängig von ihrem Vermögen zugänglich gemacht. Ende des Jahres 2004 führte Financial Engines einen als Personal Asset Manager bezeichneten Vermögensverwaltungsdienst ein, der für jene Anleger bestimmt ist, die die Verantwortung für die Verwaltung ihres Rentenplans in die Hände eines unabhängigen Experten legen möchten. Ende 2007 verwaltete das Unternehmen die Portfolios von mehr als 225.000 Anlegern mit einem Gesamtvermögen von 16 Milliarden Dollar.

Seit seiner Gründung ist Financial Engines ein unabhängiger Anlageberater, der keinerlei Provisionen für die Empfehlung bestimmter Investments erhält. Das Unternehmen verlangt ausschließlich Gebühren für die geleisteten Beratungsdienste und befindet sich in keinerlei Interessenkonflikten. Diese Unabhängigkeit ist die Gewähr dafür, dass seine Empfehlungen stets im Interesse des Anlegers sind. Mehr als ein Jahrzehnt nach der Gründung von Financial Engines ist das Ziel, Millionen Privatanlegern eine umfassende unabhängige Investmentberatung und Vermögensverwaltung anzubieten, in greifbare Nähe gerückt.

KAPITEL 1NUN IST ES IHRE PRIVATSACHE

Die Zukunft ist nicht mehr, was sie einmal war.

Yogi Berra (geb. 1925)

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Verantwortung für unsere Geldanlagen verschoben – statt der Institutionen, die traditionell für die Vermögensverwaltung zuständig waren, sind heute immer öfter die Privatanleger selbst gefordert. Heute müssen Millionen Menschen Entscheidungen über ihre persönlichen Geldanlagen fällen, die sich erheblich auf ihre zukünftige Lebensqualität auswirken werden. Aber nur die wenigsten Privatanleger haben das Gefühl, wirklich zu wissen, was sie da tun. Der Grund dafür, dass die Verantwortung für die Alterssicherung auf den Einzelnen übertragen wurde, ist nicht darin zu suchen, dass sich die staatliche Politik geändert hat oder dass sich die Großunternehmen verschworen haben, um die Altersvorsorge für ihre Beschäftigten auf diese abzuwälzen. Vielmehr ist diese Entwicklung eine notwendige Reaktion auf das rasche Altern der Weltbevölkerung. Ob es uns gefällt oder nicht: In Zukunft werden wir selbst die Verantwortung für unsere Alterssicherung übernehmen müssen. Die gute Nachricht ist, dass die technologische Entwicklung in den letzten zehn Jahren die umfassende Nutzung der modernen finanzwirtschaftlichen Methoden für private Geldanlagen ermöglicht hat. Mittlerweile ist es möglich, dieselben rigorosen Techniken, die den größten institutionellen Investoren seit vielen Jahren zur Verfügung stehen, auf persönliche Anlageentscheidungen anzuwenden. In diesem Kapitel werde ich diese Techniken beschreiben und erläutern, wie sie für den Privatanleger zugänglich wurden und sich in eine wirksame neue Methode zur Bewältigung der Herausforderungen im Personal Investing verwandelten: das ergebnisorientierte Investment.

 

Wie in aller Welt konnte es dazu kommen?

Seit wann ist es selbstverständlich, dass sich Lkw-Fahrer, Marketinganalysten, Rechtsanwälte, Bäcker, Computerprogrammierer, Zahnärzte und Lehrer in sachkundige Investmentmanager verwandeln? Wer hat beschlossen, dass wir alle Experten für offene Investmentfonds werden und uns mit den Risiken unserer Kapitalanlagen auseinandersetzen müssen? Ich kann mich nicht daran erinnern, darüber abgestimmt zu haben. Wie steht es mit Ihnen?

Da Sie dieses Buch zur Hand genommen haben, liegt die Vermutung nahe, dass Sie nichts dagegen hätten, ein besserer Investor zu werden. Für manche Leute sind Geldanlagen eine Leidenschaft oder ein Hobby, andere sehen darin eher eine lästige Verpflichtung. Tatsache ist, dass wir mittlerweile in einer Welt leben, in der vom Durchschnittsbürger verlangt wird, dass er etwas von Geldanlagen versteht. Es genügt heute nicht mehr zu wissen, wie man mit einem Scheckheft umgeht oder eine Kreditkarte beantragt. Heute wird praktisch von jedem Volljährigen erwartet, dass er Konzepte wie den Nutzen der Aufzinsung, die Steuerprogression, die Unterschiede zwischen Aktien und Anleihen und die Vorzüge von Geldanlagen mit Steueraufschub versteht. Wer die Mühe scheut, sich die entsprechenden Kenntnisse anzueignen, muss sich von den Medien und Finanzgurus vorwerfen lassen, den Bezug zur Realität verloren zu haben. Es ist unübersehbar, dass die Ära des eigenständigen Investors begonnen hat – auch wenn die meisten von uns nicht darauf vorbereitet waren.

Leider sind die Kapitalanlagen ein weites und schwer überschaubares Feld. Wer sich damit beschäftigen will, stößt überall auf abschreckenden Fachjargon und sieht sich obendrein mit zahlreichen Interessenkonflikten konfrontiert. Da überrascht es nicht, dass viele Leute vor Investmententscheidungen zurückschrecken oder sogar regelrechte Angst davor empfinden. Sie fragen sich: Warum muss ich all diese Anlageentscheidungen fällen? Niemand muss den Grund für ein seltsames Geräusch unter der Motorhaube seines Autos selbst finden, und genauso wenig wird von uns verlangt, dass wir ohne Unterstützung eines medizinischen Experten selbst beurteilen, was der Hautausschlag auf dem Rücken unseres Kindes bedeutet. Wenn es um Geldanlagen geht, scheint die vorherrschende Meinung zu lauten, dass jeder von uns gebildet genug sein muss, um die richtigen Entscheidungen selbst zu treffen. Aber die meisten Menschen haben anderes zu tun, als sich in autodidaktische Investmentexperten zu verwandeln. Und doch entscheiden heute Millionen Privatanleger, was mit Billionen von Dollar geschehen soll, die für die Altersvorsorge bestimmt sind. Und sie müssen die Konsequenzen ihrer Entscheidungen tragen.

Aber warum? Kann man auf diese Art tatsächlich dafür sorgen, dass all diese Menschen einen angenehmen Ruhestand genießen werden? Wie sich herausstellt, hat die dramatische Zunahme der individuellen Verantwortung für die Alterssicherung ihre Wurzeln in einem grundlegenden und unumkehrbaren Trend: Die Menschen leben heute um einiges länger als in der Vergangenheit.

Die Welt ändert sich

Vor 60 Jahren lagen die Dinge in den Vereinigten Staaten noch ein wenig anders. Damals hatte der Einzelne kaum Einfluss auf die meisten Entscheidungen hinsichtlich seiner Altersversorgung. In der Vergangenheit stützte sich die Alterssicherung auf drei Säulen: Familie, Staat und Arbeitgeber. Lange Zeit war die wichtigste (und oft einzige) Säule die Familie. Es war üblich, dass die Menschen im Alter von ihren Kindern oder anderen Familienmitgliedern versorgt wurden (Voraussetzung dafür war natürlich, dass man eine Familie hatte und ihr Wohlwollen genoss). Im Allgemeinen war das keine übertrieben schwere Bürde, da die Familien groß waren und nicht sehr weit verstreut lebten. Dazu kam, dass die Menschen nach dem Ende ihres Erwerbslebens nicht mehr allzu viele Jahre lebten. Vielleicht fällt es Ihnen schwer, das zu glauben, aber die durchschnittliche Lebenserwartung eines im Jahr 1900 geborenen Mannes lag nach Angaben des National Center for Health Statistics lediglich bei 48 Jahren. Die Menschen arbeiteten oft so lange, wie sie körperlich dazu imstande waren. Es liegt auf der Hand, dass sich die Dinge seit damals grundlegend geändert haben. Die Familien sind heute kleiner, und ihre Mitglieder leben oft über große geografische Räume verstreut. Dazu kommt, dass wir heute sehr viel länger leben. Im Jahr 2003 durfte eine 65-jährige Frau in den USA damit rechnen, im Durchschnitt noch weitere 20 Jahre zu leben. Und durch die stetigen Fortschritte in der Medizin nimmt die Lebenserwartung weiter zu. Da die Menschen heute früher aus dem Arbeitsleben ausscheiden und länger leben, dauert der Ruhestand oft nicht Jahre, sondern Jahrzehnte.

Im Sommer 1935 wurde der Altersvorsorge in den Vereinigten Staaten eine weitere Säule hinzugefügt, die Sozialversicherung. In jenem Jahr unterzeichnete Franklin D. Roosevelt den Social Security Act, mit dem die amerikanische Bundesregierung denjenigen, die in Rente gingen, auf Lebenszeit ein Einkommen garantierte. Die Einführung dieses Sicherheitsnetzes bedeutete eine tiefgreifende Veränderung der staatlichen Politik und ist ein bleibendes Vermächtnis des modernen Wohlfahrtsstaates. Doch als dieses System errichtet wurde, gab es eine große Erwerbsbevölkerung, die in die Kassen der Sozialversicherung einzahlte. Und mit dem Geld musste eine relativ kleine Population von Rentnern versorgt werden. Doch nun, da die geburtenstarken Jahrgänge in die Jahre kommen, stößt das System an seine Grenzen. Wenn sich die gegenwärtige Entwicklung unverändert fortsetzt, werden die Staaten aufgrund des wachsenden Anteils der Rentenbezieher entweder die Renten kürzen oder die Einkommensteuern deutlich erhöhen müssen (vielleicht wird auch beides erforderlich), um weiterhin die versprochenen Leistungen erbringen zu können. In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass es schwierig ist, eine entsprechende Lösung zu finden, und die Finanzierungslücke wächst weiter. Überdies hat es ernste Folgen für den Steuerzahler, dass die Altersvorsorge in eine Sackgasse geraten ist.

Die dritte Säule der Alterssicherung in den Vereinigten Staaten war (zumindest in den letzten 50 Jahren) der Arbeitgeber. Wer das Glück hatte, für ein großes Unternehmen zu arbeiten, dem wurde im Rahmen eines leistungsbezogenen Versorgungsplans (defined benefit plan) oft ein großzügiges Ruhegehalt garantiert, wenn er diesem Arbeitgeber lange genug die Treue hielt. Diese Betriebsrenten wurden aus einem Pool von Kapitalanlagen finanziert, die der Arbeitgeber (üblicherweise ohne Beteiligung der Mitarbeiter) verwaltete. Sank der Marktwert der Wertpapiere, so zahlte das Unternehmen in den Fonds ein, um eine ausreichende Finanzierung des Versorgungsplans zu gewährleisten. Wer Teil eines solchen Plans war, musste lediglich 30 Jahre lang jeden Tag am Arbeitsplatz erscheinen, um im Alter versorgt zu sein. Doch auch in ihrer Glanzzeit waren diese Rentenpläne nicht für jedermann zugänglich. Es wird geschätzt, dass nur etwa ein Drittel der Menschen im Alter von mehr als 55 Jahren irgendein Ruhegehalt bezieht.1 In vielen Fällen hatten Mitarbeiter keinen Anspruch auf Leistungen aus einem Versorgungsplan, weil sie den Arbeitsplatz wechselten, bevor sie die Voraussetzungen für eine Aufnahme in den Plan erfüllten. Oder die Unternehmen, für die sie arbeiteten, boten einfach keine solche Alterssicherung an. In den letzten Jahren ist die Zahl der leistungsbezogenen Versorgungspläne für neue Mitarbeiter deutlich gesunken.

Warum verschwinden diese Pläne? Ein wichtiger Grund ist, dass die Arbeitnehmer heute häufig den Arbeitsplatz wechseln. In einem herkömmlichen Versorgungsplan (der garantierte Leistungen beinhaltet) muss ein Mitarbeiter mindestens zehn Jahre oder länger in einem Unternehmen bleiben, um einen ausreichenden Rentenanspruch zu erwerben. Als das Konzept des »Lebensarbeitsplatzes« noch beliebter war, stellte eine solche Einschränkung kein allzu großes Problem dar. Heute jedoch wechseln die meisten Menschen im Lauf ihres Berufslebens mehrfach den Arbeitsplatz, womit sie bei den traditionell strukturierten Plänen keinen Anspruch auf ausreichende Leistungen mehr erwerben können. Aber der wichtigste Grund für den Niedergang der Versorgungspläne sind die Kosten. Es wird immer teurer, solche Pläne zu unterhalten.

Die meisten Unternehmen investieren das Geld für ihre Versorgungspläne in einem möglichst diversifizierten Portfolio von Aktien und Anleihen. Die Renditen werden verwendet, um die zukünftigen Ruhegehälter der Mitarbeiter zu finanzieren. Entwickeln sich die Aktien- und Kapitalmärkte schlecht, so muss das Unternehmen zusätzliches Geld in den Plan stecken, um zu gewährleisten, dass die zugesagten Renten tatsächlich gezahlt werden können. Das stellt Unternehmen wie General Motors und Ford jedoch vor Probleme, da ihr gegenwärtiger Personalstand viel niedriger ist als die Zahl der Mitarbeiter, die bereits im Ruhestand sind. Solche Unternehmen müssen unter Umständen gerade in Zeiten der Knappheit zusätzliches Geld in ihren Vorsorgeplan stecken. Und wenn die Renditen an den Börsen gering sind, ist es einigermaßen wahrscheinlich, dass das Unternehmen zur selben Zeit auch unter einem Rückgang seines Geschäfts leidet. Der Zwang, gerade dann in den Plan einzuzahlen, wenn die Marktlage schlecht ist und die Kosten für das Unternehmen besonders hoch sind (mehr dazu später), macht Vorsorgepläne potenziell kostspielig und riskant.

Wie groß dieses Kostenproblem ist, wird noch deutlicher, wenn wir die Auswirkungen der Bevölkerungsalterung berücksichtigen. Da wir eine höhere durchschnittliche Lebenserwartung haben als frühere Generationen, ist die Zahl der älteren Personen im Ruhestand im Lauf der Zeit dramatisch gestiegen, während die Geburtenraten gleichzeitig deutlich gesunken sind. Die folgende Grafik zeigt eine Bevölkerungspyramide, die anhand der amerikanischen Volkszählungsdaten aus dem Jahr 1950 erstellt wurde.2 Aufgrund ihrer auffälligen Form, die Aufschluss über die Verteilung der Altersgruppen in einer wachsenden Bevölkerung gibt, werden solche Diagramme als Pyramidengrafiken bezeichnet. In den meisten Gesellschaften lebten in der Vergangenheit sehr viel mehr junge als alte Menschen. Stellt man das Alter auf der vertikalen Achse dar und zeichnet auf der horizontalen Achse Balken, deren Länge dem Anteil der jeweiligen Altersgruppe an der Gesamtbevölkerung entspricht, so erhält man eine dreieckige Figur. Wie Abbildung 1.1 zeigt, war im Jahr 1950 noch ein solches Muster zu erkennen.

In jenen Jahren wuchs die Bevölkerung der USA stark, und obwohl sich die Lebenserwartung stetig erhöhte, war noch kein überproportionaler Anstieg des Bevölkerungsanteils der älteren Menschen zu beobachten. Stellen wir dieses Bild nun der Situation im Jahr 2006 gegenüber (Abbildung 1.2).

Abbildung 1.1 Bevölkerung der USA nach Altersgruppen im Jahr 1950.Quelle: U.S. Census Bureau.

Abbildung 1.2 Bevölkerung der USA nach Altersgruppen im Jahr 2006.Quelle: U.S. Census Bureau.

Die Kombination von niedrigeren Geburtenraten und einer erheblich gestiegenen Lebenserwartung hat das Verhältnis zwischen der aktiven Bevölkerung und den Rentnern, die von den Erwerbstätigen erhalten werden müssen, dramatisch verschoben. Im Jahr 1950 kamen auf jede Person, die 80 Jahre oder älter war, 47 Personen im erwerbsfähigen Alter (das heißt Personen im Alter zwischen 20 und 59 Jahren). Bis 2006 war dieses Verhältnis auf nur noch 15 zu 1 gesunken, was einem Rückgang von 68 Prozent entspricht. Im Jahr 2050 werden auf jede Person, die 80 oder mehr Jahre alt ist, nur noch sechs Erwerbspersonen kommen. Das bedeutet, dass die Ressourcen ganz anders als in der Vergangenheit zwischen den Generationen aufgeteilt werden müssen.

Diese demografische Verschiebung hat zur Folge, dass sich die Unternehmen – ebenso wie zahlreiche Regierungen – zunehmend außerstande sehen, der wachsenden Rentnerpopulation ein Einkommen bis zum Lebensende zu garantieren. Wenn man den Rentnern ein Einkommen garantiert, müssen die Erwerbstätigen dieses Einkommen mit ständig steigenden Steuern bezahlen, oder sie müssen bereit sein, das finanzielle Risiko auf sich zu nehmen, das mit einem Wertverlust der Kapitalanlagen bei negativer Marktentwicklung einhergeht. Wenn jeder Person im Ruhestand eine große Zahl von Erwerbstätigen gegenübersteht, wie es historisch der Fall war, ist das kein allzu großes Problem. Doch wenn die Rentnerpopulation groß wird, ist Vorsicht geboten, da die Belastung der arbeitenden Bevölkerung im Lauf der Zeit unerträglich hoch wird. So wie ein Unternehmen, das sich übermäßig verschuldet, seine Aktionäre und Beschäftigten erhöhten Risiken aussetzt, nimmt auch ein Staat, der einer unaufhörlich wachsenden Rentnerpopulation ein Ruhegehalt garantiert, eine wirtschaftlich unhaltbare Position ein. Wenn die Rentner keinerlei Risiko für die Marktentwicklung tragen, liegt die gesamte Last auf den Schultern der Erwerbstätigen. Mittlerweile müssen einfach zu viele Rentner unterstützt werden – der Zusammenbruch des Systems ist unvermeidlich. Die einzige Möglichkeit, uns aus dieser Notlage zu befreien, besteht darin, die Bevölkerung im Ruhestand dazu zu zwingen, sich das Risiko eines Marktrückgangs mit den Erwerbstätigen zu teilen. Das bedeutet, dass wir das individuelle Ruhegehalt von der Entwicklung des Marktes abhängig machen müssen. Die Lösung ist der persönliche Rentenplan.

Ein großes gesellschaftliches Experiment: Der 401k-Plan

In den vergangenen 20 Jahren haben in den Vereinigten Staaten persönliche Rentenpläne wie der 401k-Plan enormen Zulauf gefunden. Diese Pläne, die einst Bestandteil eines schwer verständlichen Teils des amerikanischen Steuerrechts waren (des Steuergesetzes 401 Absatz k), sind heute für die meisten amerikanischen Arbeitnehmer das wichtigste Instrument der privaten Altersvorsorge. Tatsächlich übersteigen die Vermögenswerte in persönlichen Rentenplänen mit Beitragszusage (defined contribution plans, DC-Pläne) den Gesamtwert der Versorgungspläne mit Leistungszusage (defined benefit plans, DB-Pläne) mittlerweile deutlich. Im Jahr 2006 hatten diese Versorgungspläne nach Angabe der US-Notenbank Federal Reserve einen Gesamtwert von 2,3 Billionen Dollar, während sich die Vermögenswerte in persönlichen DC-Rentenplänen auf über 3,3 Billionen Dollar beliefen.3 Die persönlichen Rentenpläne mit Beitragszusage unterscheiden sich dadurch von den Versorgungsplänen mit Leistungszusage, dass nicht der Arbeitgeber, sondern jeder einzelne Mitarbeiter für die Anlageentscheidungen verantwortlich ist und damit auch das Risiko selbst trägt. Da sich DC-Pläne, bei denen sich der Beschäftigte selbst um die Entwicklung der Vermögenswerte für seine Alterssicherung kümmern muss, zusehends durchsetzen, wird dem Normalbürger eine stetig wachsende finanzielle Verantwortung aufgebürdet.

Dies ist in mehrerlei Hinsicht ein großes gesellschaftliches Experiment: Nie zuvor lag eine derart große finanzielle Verantwortung in den Händen derart vieler finanzieller Laien. Wir wissen nicht, wie das Experiment ausgehen wird. Wenn sich die Finanzmärkte in den kommenden Jahrzehnten vorteilhaft entwickeln, wenn die Menschen entschlossen sparen und ihr Geld umsichtig anlegen, wird es wahrscheinlich erfolgreich sein. Doch wenn diese rosige Zukunft nicht eintritt, wird es viele missmutige Rentner geben, die knapp bei Kasse sind und sich fragen, wie das geschehen konnte.

Der Siegeszug der persönlichen Rentenpläne mit Beitragszusage hat die Bedingungen für die individuellen Anleger vollkommen verändert. Im Jahr 2006 gab es in den USA mehr als 55 Millionen Personen, die mehrere Billionen Dollar in Rentenpläne mit festen Beiträgen investiert hatten.4 Für die meisten Arbeitnehmer, die im vergangenen Jahrzehnt eingestellt worden sind, bildet der persönliche Rentenplan die vorrangige (und oft einzige) Einkommensquelle im Alter. Tatsächlich entfallen in den USA mittlerweile 61 Prozent der gesamten Ruhestandsrücklagen auf solche Rentenpläne. Und dieser Trend ist unumkehrbar. Da die persönlichen Rentenpläne aufgrund der langfristigen demografischen Entwicklung zu einer wirtschaftlichen Notwendigkeit geworden sind, ist eine Rückkehr zu den garantierten Renten nicht möglich. In Zukunft wird die Rente der meisten Menschen bis zu einem gewissen Grad von der Entwicklung der Märkte und damit von der Wahl der richtigen Kapitalanlagen abhängen. Anders ausgedrückt: Wenn die Kurse fallen, werden Sie zur Kasse gebeten, nicht Ihr Arbeitgeber.

Die Wissenslücke

Leider ist unser Bildungssystem bisher nicht in der Lage, die Menschen auf die große finanzielle Eigenverantwortung in der Welt der persönlichen Vermögensbildung vorzubereiten. Was Sie über dieses Thema wissen, haben Sie wahrscheinlich von Freunden und Verwandten oder aus den Medien erfahren – es sei denn, Sie sind zufällig in den Finanzdienstleistungen tätig. Auch Schule oder Universität sind kaum je die Quelle von Wirtschafts- und Finanzwissen für Otto Normalverbraucher. Relativ wenige Menschen besitzen überhaupt nennenswerte Kenntnisse in den Bereichen Finanzen und Wirtschaft, so dass ihnen viele der wichtigen Konzepte, von denen gute Entscheidungen abhängen, unbekannt sind. Vieles von dem, was wir trotzdem erfahren, ist unvollständig und auf die Informationshappen beschränkt, die uns im Radio oder Fernsehen vorgeworfen werden. Die meisten Menschen verlassen sich bei der Geldanlage auf eine zufällige Mischung von herkömmlichem Wissen, Faustregeln und einfachen Glücksschüssen. Das vorhersehbare Resultat dieser Vorgehensweise ist, dass die meisten Privatanleger bei der Vermögensverwaltung wenig Erfolg haben. Unglücklicherweise folgen die meisten von uns lediglich dem eigenen Riecher.

Um sich in der Wildnis der modernen Finanzwelt zurechtzufinden, müssen Sie eine Grundsatzentscheidung fällen: Sie können sich selbst informieren, um eigenständig fundierte Entscheidungen zu treffen, oder Sie können einen kompetenten und objektiven Finanzexperten engagieren (die dritte Option, die darin besteht, dieser Entscheidung auszuweichen, ist ebenso beliebt wie unvorteilhaft). Die Methode, es selbst zu versuchen, hat mehrere Vorteile. Man hat die Kontrolle, muss niemand anderem die Entscheidungen überlassen und sammelt aus erster Hand Erfahrung mit der Vermögensverwaltung. Der Nachteil dieser Vorgehensweise ist, dass es viel Zeit und Mühe kostet, ein Portfolio laufend zu überwachen. Und wenn etwas schiefläuft, kann man niemandem außer sich selbst die Schuld geben. (Lachen Sie nicht, diese Tatsache setzt viele Anleger erheblichem Stress aus.) Die meisten Studien zu diesem Thema, darunter auch jene von Financial Engines, gelangen zu dem Ergebnis, dass sich nur etwa 10 bis 20 Prozent der Bevölkerung mit dem Do-it-yourself-Zugang wohl fühlen. Die große Mehrheit der Menschen möchte Unterstützung, um die eigenen Entscheidungen zu prüfen oder die Verantwortung an einen vertrauenswürdigen Fachmann zu delegieren. Doch es kann schwierig sein, einen seriösen, qualifizierten und preisgünstigen Vermögensberater zu finden.

Das herkömmliche Beratungsmodell

Viele, wenn nicht die meisten Privatanleger können bei ihren Anlageentscheidungen Hilfe in Anspruch nehmen. Aber es kann schwierig sein, zu einem angemessenen Preis eine objektive, auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnittene Beratung zu finden. Wenn Sie das Glück haben, wohlhabend zu sein – das heißt, wenn Sie über ein Anlagevermögen von einigen Millionen Dollar verfügen –, dann stehen Tausende von Beratern bereit, die nur zu gerne für Sie arbeiten möchten. Natürlich verstehen nicht alle diese eifrigen Berater tatsächlich etwas von ihrem Metier, aber zumindest kann ein wohlhabender Anleger aus einem großen Angebot schöpfen. Sind Ihre Mittel jedoch eher beschränkt, so wird es Ihnen möglicherweise sehr schwerfallen, eine hochwertige und objektive Anlageberatung zu finden. Wie in vielen anderen Wirtschaftsbereichen gilt das Caveat emptor (Der Käufer möge sich vorsehen!) auch für den Umgang mit Investmentberatern. Wie wir sehen werden, muss ein gut informierter Konsument der Anlageberatung beurteilen können, ob ein Berater möglicherweise Behauptungen aufstellt, die einer genauen Prüfung nicht standhalten würden.

Noch vor wenigen Jahrzehnten waren Personen mit geringem Vermögen zumeist nicht auf eine persönliche Anlageberatung angewiesen. Ihre Ersparnisse lagen oft auf der Bank. Noch Anfang der achtziger Jahre hatte kaum ein Angehöriger der Mittelschicht Grund, Anteile an Investmentfonds oder sogar einzelne Aktien zu kaufen. Da die meisten Klienten der Vermögensberater wohlhabend waren, entwickelte sich ein Beratungsmodell, das darauf beruhte, dass jeder Klient persönlich von einem oder mehreren Experten betreut wurde, die eine auf seine Bedürfnisse zugeschnittene Anlagestrategie für ihn entwarfen. Von den Beratern wurde große Sachkenntnis (oft in vielen Bereichen) erwartet, und im Rahmen ihrer Tätigkeit widmeten sie jedem einzelnen Klienten beträchtliche Zeit. Solche Beratungsdienste verursachen erhebliche Kosten, die üblicherweise mit einer jährlichen Gebühr gedeckt werden, die einem prozentualen Anteil an den Wertpapieren des Klienten entspricht. Die Gebühren für eine traditionelle Anlageberatung liegen zwischen 0,75 Prozent und mehr als 2 Prozent des verwalteten Vermögens, abhängig davon, welche Dienstleistungen erbracht werden und wie groß das Wertpapierdepot ist. Damit der Vermögensverwalter rentabel arbeiten kann, muss ihm der Kunde ausreichende Einnahmen bringen, um die Gemeinkosten zu decken und die üblicherweise sehr hohen Beratergehälter zu bezahlen. Dieses Modell funktioniert gut, wenn es sich bei den Kunden um Personen oder Familien mit einem hohen Nettovermögen handelt, die sich eine auf ihre persönlichen Bedürfnisse zugeschnittene Betreuung leisten können. Aus diesem Grund lässt das herkömmliche Beratergeschäft Personen mit einem beschränkten Vermögen einfach außer Acht. Es ist wirtschaftlich unrentabel für einen gut bezahlten Experten, Dutzende Stunden mit der Gestaltung eines Anlageplans für einen Investor zu verbringen, der lediglich über ein Vermögen von 50.000 Dollar verfügt.

Um die Bedürfnisse von Anlegern zu erfüllen, die kein hohes Vermögen besitzen, greifen die Finanzdienstleister üblicherweise auf die produktbezogene Vergütung zurück, das heißt auf Provisionen. Anstatt für ihre Dienste ein Stundenhonorar oder eine an die Höhe der Anlage gekoppelte Gebühr zu verlangen, berechnen die Berater Provisionen, deren Höhe vom Umsatz mit Investmentprodukten abhängt. Das Problem ist, dass bei dieser Vorgehensweise ein gravierender Interessenkonflikt auftritt, da bestimmte Produkte dem Broker oder Berater höhere Provisionen sichern als andere. Folglich hat der Anlageberater möglicherweise ein Interesse daran, einem Klienten bestimmte Produkte zu verkaufen (etwa Fonds der eigenen Firma), die nicht zwangsläufig im Interesse des Anlegers sind. Dieser grundlegende Interessenkonflikt zwischen den auf Provisionen angewiesenen Brokern und Beratern und ihren Klienten ist Gegenstand zahlreicher Gerichts- und Schlichtungsverfahren. Und die Situation gibt sogar Grund zu noch ernsteren Bedenken. Da die Provisionen von den Transaktionen abhängen (das heißt vom Kauf und Verkauf von Produkten), hat der Broker bei diesem Modell auch allen Grund, die Zahl der Transaktionen möglichst hoch zu halten. So erfährt der Klient ganz überraschend von seinem Broker, dass der großartige Fonds, der ihm vor anderthalb Jahren wärmstens empfohlen wurde, eigentlich doch nicht das Gelbe vom Ei sei und durch einen anderen ersetzt werden sollte.

Im Grunde verändert das Provisionsmodell die Kosten der Anlageberatung nicht, sondern wandelt sie lediglich ab (und verbirgt sie damit). Da die Kosten der Provisionen oft in die Endprodukte eingebaut sind – mittels Aufschlägen sowie Kostenquoten, die den Management- und Verwaltungsaufwand enthalten –, sind sie für den Anleger nicht so deutlich sichtbar wie eine ausdrückliche Beratungsgebühr. Die Wirkung ist allerdings dieselbe: Die Rendite für den Anleger sinkt, während das Einkommen des Brokers oder Beraters steigt. Wie wir in Kapitel 7 sehen werden, ist es absolut unerlässlich, dass Sie verstehen, wie sich die Gebühren auf den Wert Ihrer Anlagen auswirken.

Institutionelle Werkzeuge

Damit die Bedürfnisse des durchschnittlichen Anlegers wirklich erfüllt werden können, bedarf es eines andersartigen Beratungsmodells, und zwar eines Modells, das die technischen Möglichkeiten nutzt, um eine persönliche Anlageberatung rentabel zu machen. Mittlerweile kann die Analyse von Investments mit Hilfe der Technik weitgehend automatisiert werden, so dass es möglich ist, eine hochwertige Beratung zu sehr viel geringeren Kosten als in der Vergangenheit anzubieten. Der Grundgedanke hinter den Beratungsdiensten von Financial Engines besteht darin, unter Einsatz modernster Finanztechnologie die in der Verwaltung großer Vermögen angewandten Methoden nachzuahmen, diese Dienste jedoch nicht auf eine Handvoll riesiger Investmentfonds zu beschränken, sondern Millionen Privatanlegern anzubieten. Sie möchten wissen, wie Sie Ihr Geld am besten anlegen können? Wenden Sie dieselben Techniken an, auf die die größten institutionellen Investoren zurückgreifen, die hunderte Milliarden Dollar anlegen.

Nehmen wir beispielsweise die Aufgabe, die die Pensionsfonds zu bewältigen haben. Es ist nicht leicht, gut strukturierte Portfolios zusammenzustellen, um zukünftige Rentenansprüche zu finanzieren. Dies erfordert große Sachkenntnis und umfassende Analysen. Die Rentenfonds setzen fortschrittliche Techniken ein, um die Risiken zu bewerten, mögliche Investmentresultate zu prognostizieren, die zukünftigen Belastungen einzuschätzen, die Portfolios zu strukturieren und die Leistungen der Investmentmanager zu beurteilen. Diese Techniken dürften auf die meisten Anleger beängstigend wirken, aber die Ideen, die dahinterstecken, sind auch für die persönliche Altersvorsorge relevant.

Der einzelne Anleger steht in vielen Bereichen vor denselben Fragen wie die institutionellen Vermögensverwalter – etwa Rentenfonds und Hochschulstiftungsfonds –, wenn auch in kleinerem Maßstab. Der wesentliche Unterschied ist, dass die institutionellen Vermögensverwalter für die Klärung dieser Fragen sehr viel mehr Mittel zur Verfügung haben als die meisten Einzelpersonen (es sei denn, deren Name ist Buffett oder Gates). Große institutionelle Investoren wie der Pensionsplan von General Motors und der Stiftungsfonds der Stanford University bedienen sich seit Jahrzehnten der Werkzeuge der modernen Finanzwirtschaft. Doch erst seit relativ kurzer Zeit werden derartige Techniken auch genutzt, um den Bedürfnissen des durchschnittlichen Privatanlegers gerecht zu werden. Die Gründe dafür sind vielfältig, aber der wichtigste Faktor sind die Kosten. Bis vor etwa zehn Jahren war es einfach zu teuer, die Methoden der modernen Finanzwirtschaft umfassend auf die Erfordernisse des einzelnen Anlegers anzuwenden. Mitte der neunziger Jahre eröffnete die Technologie zeitgleich mit dem Siegeszug des Internets einen neuen Zugang zur persönlichen Investmentberatung. Besonders wichtig war, dass für den einzelnen Anleger nun eine Möglichkeit bestand, die wahrscheinliche zukünftige Entwicklung seiner Geldanlagen realistisch einzuschätzen.

Um zu zeigen, wie solche Techniken für bessere Anlageentscheidungen genutzt werden können, ist es hilfreich, einige der wichtigsten Werkzeuge der institutionellen Investoren zu erläutern. In den folgenden Kapiteln werde ich anhand einiger Beispiele zeigen, wie diese Werkzeuge in der Praxis eingesetzt werden. Die Details müssen Sie nicht kennen, aber Sie sollten wissen, worum es sich dabei handelt und wie diese Methoden funktionieren. Sie werden von diesem Wissen profitieren, gleichgültig, ob Sie die Entscheidungen selbst treffen oder die Dienste eines Anlageberaters in Anspruch nehmen.

Der erste Schritt zur Wahl der geeigneten Anlagestrategie besteht darin, sich ein realistisches Bild der möglichen zukünftigen Ergebnisse der Investmententscheidungen zu machen. Wenn Sie die potenziellen Ergebnisse kennen, können Sie fundierte Entscheidungen über das angemessene Risiko und den angestrebten Umfang des Vermögens fällen, um anschließend eine Anlagestrategie mit guten Erfolgschancen zu wählen. Die Methoden, die angewandt werden, um solche finanziellen Prognosen zu erstellen, sind breit gefächert und reichen von einfachen Berechnungen aufgrund einer konstanten Rendite bis zu anspruchsvollen Simulationen, welche die komplexen Wechselwirkungen zwischen den wirtschaftlichen Variablen und den Renditeerträgen berücksichtigen. Die institutionellen Investoren bedienen sich zur Beurteilung der verschiedenen Investmentergebnisse zumeist der sogenannten Monte-Carlo-Simulation.

Wie die Zukunft aussehen könnte: Die Monte-Carlo-Simulation

Die Monte-Carlo-Simulation ist ein wirkungsvolles Instrument zur Beurteilung von Problemen, die mit erheblichen Unwägbarkeiten verbunden sind. Die Monte-Carlo-Methode wurde im Zweiten Weltkrieg im Rahmen des Manhattan-Projekts entwickelt, das die Atombombe hervorbrachte, und beruht auf der Arbeit zweier berühmter Mathematiker, Stanislaw Ulam und John von Neumann. Diese Wissenschaftler konzentrierten sich auf die Zufallsverteilung von Neutronen in spaltbarem Material und versuchten die Frage zu klären, wie weit diese Kernteilchen in verschiedene Metalle eindringen konnten. Es wäre teuer und gefährlich gewesen, dieses Problem auf experimentellem Weg zu lösen (Neutronen schädigen das Erbgut und können Krebs verursachen, abgesehen davon, dass sie die Augenbrauen ausfallen lassen). Es gab gute theoretische Modelle zur Beschreibung des Verhaltens eines einzelnen Neutrons, aber die Darstellung der Interaktionen großer Zahlen von Neutronen war derart komplex, dass sie analytisch nicht zu bewältigen war (die Forscher konnten nicht einmal die Gleichungen aufstellen, geschweige denn lösen). Die Antwort bestand darin, eine große Zahl hypothetischer Zufallsexperimente durchzuführen, welche die Bewegungen einzelner Neutronen durch verschiedene Stoffe simulierten, und sie anschließend zu summieren. Indem sie das durchschnittliche Verhalten der einzelnen Teilchen in einer ausreichenden Zahl von Simulationen errechneten, konnten die Mathematiker gute Schätzungen darüber anstellen, wie weit die Neutronen in verschiedene Arten von Material eindringen würden. (Die Bezeichnung Monte Carlo wählten sie anscheinend zu Ehren von Ulams Onkel, der ein leidenschaftlicher Spieler war.)

Im Laufe der Zeit fand die Monte-Carlo-Simulation in zahlreichen Bereichen Anwendung, etwa bei Wettervorhersagen und Verkehrsanalysen, in der Chemie, der Genetik, der Statistik – und in der Investmentanalyse. Besonders nützlich ist die Methode dort, wo die Aufgabe darin besteht, das wahrscheinliche Verhalten eines sehr komplexen Systems zu prognostizieren. Die wahrscheinliche Entwicklung eines Investment-Portfolios, das sich aus verschiedenen Wertpapieren zusammensetzt, stellt ein solches komplexes System dar. Das ist der Grund dafür, dass institutionelle Investoren wie die Verwalter von Versorgungsplänen mit Leistungszusage die Monte-Carlo-Simulation seit mehr als zwei Jahrzehnten verwenden, um einzuschätzen, wie wahrscheinlich es ist, dass es gelingen wird, die zukünftigen Ausschüttungen zu bewältigen. In jüngster Zeit ist diese Simulation, die lange als sonderbares mathematisches Instrument galt, in Mode gekommen und wird von den Marketingabteilungen der Finanzdienstleister in ihrem Werbematerial genannt. Der Zweck der Monte-Carlo-Simulation von Investments besteht in einer zuverlässigeren Einschätzung der Bandbreite der möglichen Resultate, wenn der zukünftige Wert der Vermögensanlagen im Portfolio ungewiss ist. Eine solche Simulation ermöglicht also keine Voraussage der Zukunft – so etwas ist leider unmöglich –, aber sie kann zeigen, welche Ergebnisse in Zukunft zu erwarten sind, wenn sich der Markt auf die eine oder andere Art entwickelt.

Diese Simulation ist von großem Nutzen für die Investoren, denn sie versetzt sie in die Lage:

• zu berechnen, wie wahrscheinlich es ist, dass die Investmentziele erreicht werden;

• die Risiken in der Zukunft einzuschätzen;

• die Anlagestrategien vor der Umsetzung zu testen.

Praktisch alle Arten von Kapitalanlagen sind mit Unsicherheiten bezüglich ihres zukünftigen Werts behaftet. Beispielsweise kann ein Aktienportfolio in Zukunft an Wert gewinnen oder verlieren, je nachdem, ob die Börse steigt oder fällt. Selbst der zukünftige Wert garantierter Wertpapiere wie verbriefter Bankeinlagen, die in der Werbung so dargestellt werden, als wären sie mit sehr geringen Risiken behaftet (oder sogar vollkommen risikofrei), ist bis zu einem gewissen Grad unsicher. Während der Zinssatz am Ende der Laufzeit garantiert sein kann, hängt der tatsächliche Wert der Anlage von der Inflationsentwicklung während der Laufzeit ab. Bei geringer Inflation wird die Bankeinlage entsprechend mehr wert sein, doch sollte die Inflation unerwartet steigen, schmälert dies den Wert der Rendite.

Die Simulation von Portfolios ist ein nützliches Werkzeug für die Investoren. Anhand einer Simulation können verschiedene Entscheidungen (bezüglich des Risikos, des anzulegenden Betrags usw.) und ihre Auswirkungen auf die verschiedenen möglichen Ergebnisse beurteilt werden. Anstatt diese Entscheidungen blind zu bewerten, können wir uns direkt ansehen, wie sich verschiedene Entscheidungen auf die Resultate auswirken, um die es uns letzten Endes geht. So kann man beispielsweise berechnen, wie sich das zusätzliche Ansparen von 100 Dollar im Monat auf die Chancen auswirkt, die angestrebte Rente zu erreichen. Solche Simulationen sind einigermaßen realistisch und berücksichtigen die Auswirkungen der Marktentwicklung, der Gebühren, der mit der Anlageform verbundenen spezifischen Risiken, der Steuern, der Kontierungsregeln und sogar der ungewissen Lebenserwartung.

Die Mechanik der Monte-Carlo-Simulation ist im Prinzip nicht schwer zu verstehen, aber in der Anwendung ist sie oft komplex. Die Monte-Carlo-Methode beruht auf wiederholten Zufallsexperimenten mit einem statistischen Wert (zum Beispiel dem zukünftigen Wert eines Investmentportfolios). Das Ziel ist es, das zufällige Verhalten eines komplexen Systems – beispielsweise eines Investmentportfolios – in einem Modell darzustellen. Zu diesem Zweck werden nacheinander Stichproben verschiedener möglicher Zufallswerte der Variablen genommen, die das Ergebnis des Systems bestimmen (etwa des zukünftigen Werts der verschiedenen Wertpapiere im Portfolio).

Ein einfaches Beispiel für eine Simulation: Der Münzwurf. Sehen wir uns eine ganz einfache Monte-Carlo-Simulation an, um zu verdeutlichen, wie solche Modelle funktionieren. Nehmen wir zum Beispiel die verschiedenen Resultate, die wir erhalten, wenn wir eine Münze zehnmal hintereinander hochwerfen und anschließend zählen, wie oft sich das Resultat »Kopf« ergibt. Der statistische Wert (Wie oft kommt bei zehn Münzwürfen »Kopf«?) kann zwischen 0 und 10 liegen. Allerdings sind die Werte in der Mitte der Bandbreite (also 4, 5 und 6) sehr viel wahrscheinlicher als die Werte in den Randbereichen (0 oder 10). Um festzustellen, welches die Bandbreite der möglichen Werte und wie hoch ihre jeweilige Wahrscheinlichkeit ist, kann man einfach auf einem Computer 1.000 Münzwürfe simulieren und die Resultate festhalten. (Natürlich könnte man die Münze auch wirklich tausendmal werfen, aber dabei würde man wahrscheinlich an Langeweile sterben.)