Das Leben in Ostpreußen - Dianella Terner Besada - E-Book

Das Leben in Ostpreußen E-Book

Dianella Terner Besada

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Beschreibung

Frieda Antonie Terner, geborene Beckmann, berichtet über ihr Leben in Ostpreußen. Während des Zweiten Weltkrieges flüchtet sie mit ihrer Familie über das zugefrorene Haff. In Pommern endet vorerst ihre Flucht. Später geht die Reise in die Pfalz weiter. Auch Familienangehörige berichten über ihre Erlebnisse aus dieser Zeit.

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Seitenzahl: 55

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Frieda Antonie Terner (Bild um 1970)

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Frieda

Johannes

Frieda

Konrad

Gerhard

Konrad

Gerhard

Konrad

Johannes

Konrad

Anmerkung des Sohnes

Landkarte Ostpreußen

Zwischen Bischofsburg und Lyck

Vorwort

Ich, Dianella Terner Besada, habe im Keller Kassetten von vor über 30 Jahren gefunden, die mein Vater (Olaf Terner) in seiner Jugendzeit von seiner Oma (Frieda) aufgenommen hatte, bevor sie 1993 verstarb. Als wir in unserer Ahnentafel recherchierten, fanden wir ergänzende Berichte über die Flucht aus Ostpreußen.

Auf den Seiten → und → haben wir Landkarten zur Veranschaulichung angehängt.

Frieda

Geboren bin ich, Frieda Antonie Beckmann, am 31. März 1910 in Giesewen im Kreis Sensburg in Ostpreußen. In Giesewen sind wir nicht lange geblieben. Mein Papa zog 1912 nach Kerstinowen, wo er eine Gast- und Landwirtschaft gekauft hatte. Dort habe ich eine schöne Kindheit verlebt. Wir hatten ein wunderschönes Gelände mit einem schönen Fluss. An dem Fluss waren wir sehr oft, haben gespielt, gebadet und sind Eis gelaufen. Einmal bin ich von der Brücke in den Fluss gefallen. Reingefallen sind wir zwar öfter, nicht bloß ich, aber ich bin reingefallen, so dass ich gleich weg war. Alle suchten mich und fanden mich an einer seichten Stelle flussabwärts. Als der Arzt kam, musste er mich wiederbeleben. Außerdem hatten wir auf unserem Gelände eine schöne Sandkorne, die nicht weit von unserem Gehöft entfernt war. Wir sind von oben in den Sand reingesprungen. Da brauchten wir keinen Sandkasten wie die Kinder heute. Wir hatten genug Auslauf.

In Kerstinowen fing ich an zur Schule zu gehen. Es gab nur eine Klasse. Wir hatten einen alten Lehrer. Wenn er mit den Größeren Unterricht machte, dann mussten wir still sein oder die Größeren mussten uns beim Schreiben oder Lesen helfen. Als ich größer war, war ich schon nicht mehr in dieser Schule. Wir zogen wieder einmal weiter.

Mein Papa war ein Wandervogel. Er blieb nicht lange an einer Stelle. Er hatte Rheuma und der Arzt hatte ihm geraten, die Gastwirtschaft aufzugeben, weil er immer stehen und „mal“ ein Schnäpschen trinken musste. Es kamen die Leute und jeder wollte etwas trinken. Also musste er immer ein bisschen mittrinken. Wie man manchmal so sagt: „Der Gastwirt ist der beste Kunde selbst.“ Aber so war der Papa nicht. Die Hauptursache war, dass es zu sehr zog, weil die Tür immer auf und zu ging. Wir hatten nicht nur Getränke, sondern auch Kolonialwaren. Früher war es üblich, dass alles im Laden war. Man bekam alles zu kaufen.

1920 zogen wir wieder fort. Erstmal nach Stürlak. Das war im Kreis Lötzen. Dort gefiel es Papa nicht, denn er hatte nur noch eine Landwirtschaft, die hinter einem Bahngleis lag. Wenn er nämlich vor den Bahngleisen stehen bleiben musste, wurden die Pferde wild, weil sie sich vor dem Zug fürchteten, wenn er pfiff. Das wollte er nicht. Er sagte: „Das mache ich nicht. Über die Bahngleise fahren, das mache ich nicht.“ Also verkaufte er wieder.

Das war schon in der Inflationszeit, 1921. Da fing es schon an. Es war schwierig, überhaupt noch an Wirtschaften zu kommen, denn jeder wollte sich etwas sichern und keiner wollte etwas verkaufen. Aber der Papa war eben anders. Er sah das noch nicht. Früher hatten sie noch nicht so einen Weitblick.

Daraufhin kaufte er 1921 eine Wirtschaft in Sulimmen im Kreis Lötzen. Die Wirtschaft war schon kleiner, weil mittlerweile alles teurer geworden war. Warum dem Papa die Wirtschaft nicht gefiel, das weiß ich nicht. Jedenfalls wollte er auch diese Wirtschaft nicht behalten. Vielleicht war es ein wenig ungünstig, weil es Winterzeit war und er mit seinem Bein Probleme hatte. Die Leute überredeten ihn, die Wirtschaft zu verkaufen. Meine Mutter musste immer raus, um Wirtschaften zu besichtigen. Es fiel ihr schwer, aber sie musste…

So haben wir noch im selben Jahr eine Wirtschaft in Dorren bekommen. Es war ein altes, kleines Restgutchen, ein parzelliertes Gut. Die Gebäude waren dennoch groß. Trotzdem war alles verloddert und nur eine weitere Pächterin darauf. Aber der Papa war ein guter Landwirt. Er richtete alles wieder schön her.

In Dorren habe ich meine Jugend verlebt. Bis zu meiner Hochzeit war ich dort. Unsere Jugendzeit war wunderschön. Dorren war eine etwas größere Ortschaft mit sehr vielen Bauern und wohlhabenderen Gutschaften. Es war sehr schön gelegen, am Spirdingsee, direkt an der Sexter Bucht. Wir sind sehr viel Kanu gefahren und im Winter haben wir Schlittenfahrten auf dem Eis gemacht. Es war wunderschön und im Sommer sind wir am See spazieren gegangen und haben oft gebadet. Ein Teil unseres Geländes lag an dem See. So gingen wir gleich, nachdem wir auf dem Felde waren, nach der Arbeit, ins Wasser, bis wir dann wieder nach Hause gingen.

Wir hatten ein gutes Vereinsleben. Der Lehrer war ein prima Lehrer. Wir machten mit ihm viele Ausflüge, Radtouren, Spaziergänge oder fuhren mit der Bahn. Je nachdem, wie es sich ergab. Darüber hinaus haben wir 14 Tage in Neukuren verbracht, die mir sehr lange in Erinnerung geblieben sind. Es war sehr schön.

Inzwischen war ich auf einer Volkshochschule, nicht wie hier, dass es nur Abendkurse gibt. Die Mädchen waren den Sommer über und die Jungen den Winter über in der Schule. Es war ein großes Schloss, ein profiliertes Gut. Wir waren immer zu zweit in einem Zimmer untergebracht. Dort war ich nur einen Sommer. Von der Schule aus haben wir viele Touren gemacht. Vor allem haben wir Schlösser, Denkmäler und Museen besichtigt.

In unserem Gesangsverein in Dorren waren wir nicht ganz 20 Mädels, ziemlich im gleichen Alter. Wir haben viel gesungen, und der Lehrer hat sich so viel Mühe mit uns gegeben. Wir haben auch viel Theater gespielt, nicht nur in unserem Ort, auch auswärtig mussten wir spielen und singen. Bei Feierlichkeiten mussten wir immer da sein, was uns sehr behagte. Festlichkeiten, alle Samstage oder Sonntage, das gab es nicht. Es wurde nicht so viel getanzt und geschwirbelt. Dafür gingen wir, wenn es Abend wurde, durch das Dorf oder saßen auf der Terrasse und sangen unsere Lieder. Niemand hat sich daran gestört. Einer im Ort spielte Ziehharmonika. Wir saßen und lauschten oder sangen mit.

Dann gab es die Handarbeitsabende. Ich glaube es war donnerstags abends. Es ging immer von einem zum anderen, zum Beispiel heute bei uns und das nächste Mal beim Nachbarn. Jedes Mal musste es ein anderer ausrichten. Es wurden Kaffee und Kuchen gemacht. Jeder brachte eine Handarbeit mit. Erst wurde schön gemütlich getrunken und gegessen, und anschließend ging es ans Handarbeiten und ans Erzählen. Wer wollte, konnte sich auch hinsetzten und spinnen. So manches wurde ausgetauscht, die Neuigkeiten aus dem Ort, oder wer sonst etwas Neues wusste.