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Das "Auf und Ab" eines Ringelspiels, das Rundherum, das die Teilnehmer in ständiger Bewegung hält, regte die Autorin zu diesen "kurzen Geschichten" an. Sie handeln von unserem Dasein im Allgemeinen und im Besonderen, so abwechslungsreich, so nachdenklich, vergnüglich und spannend, wie unser Leben eben spielt.
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Seitenzahl: 105
Veröffentlichungsjahr: 2022
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„Das Leben ist ein Ringelspiel“
Warten
Abenteuer im Schwarzwald
Mountainbiker (M)
Wenn es so gewesen wäre...?
Tarnung
Schein oder Sein
Graumeliert
„...den Dolch im Gewande...“
Eine schöne Beziehung
Zettel
Am Fenster
Augenblick
Ein Jammertal
Ein Haus, ein Gerüst, eine Hülle
Hölle
Installationen der Gewalt
Allein
Sand – Symbiosen
Begegnungen in Alaska
Eine Gartenreise
Galapagos
Städte
Buddha
Le Salon
Masken
Ein Gewitter ist noch kein „Maskenball“
Von Siegfried, Brünnhilde und dem Waldvögelein
Ein Tag wie jeder andere?
Theaterreise
„Sohnemann kauft einen Anzug“
2015 – Verluste
Spots
Sprachlos
Danke
Vielleicht hatte meine Mutter recht: Das Leben ist ein Ringelspiel, mal auf, mal ab, aber immer rundherum.
Wie sich doch alles wiederholt.
Ich stehe vor dem Karussell, in dem schon vor Jahren meine Tochter in einer Kinderkutsche saß, es dreht unaufhörlich seine Kreise.
Ein Ringelspiel, endlos, bis wir selber aussteigen, oder versuchen aufzuspringen und abzuspringen aus der runden Drehscheibe, oder aber unsere Tickets aufgebraucht sind und der Betreiber keine neuen herausrücken will: „Du bist schon zu oft gefahren!“
Meine Mutter zitierte den Spruch vom Ringelspiel spöttisch lächelnd, mitfühlend, weise mit dem Kopf nickend, wenn jemand kein Glück hatte in der Liebe, Ehen zerbrachen in der Verwandtschaft, jemand sich vergeblich um irgendein Weiterkommen mühte.
Häufig aber auch, wenn ich zu ihr kam mit meinen kindlichen Nöten, manchmal klang es tröstend, manchmal frustrierend, weil auch sie keinen Rat wusste.
Ihr Leben war ein solches Auf und Ab: Überlebensstrategien in Kriegszeiten, ein Ehemann jahrelang in Gefangenschaft, der frühe Verlust ihrer jüngsten Tochter, gerade als das Karussell wieder rund zu laufen schien, und schließlich der Tod meines Vaters im Alter von 56 Jahren. Ich weiß noch gut, wie sie damals unter Tränen sagte, das Leben gehe weiter, sei eben ein Ringelspiel.
Die kleine Kutsche, in der jetzt mein Enkel sitzt, fährt stetig an mir vorbei, er winkt mir bei unserem kurzen Wiedersehen jedes Mal mit beiden Händchen zu.
Meine Tochter war damals etwas älter als ihr Sohn heute, als sie sonntags im Kinderkarussell schon auf dem bunten Holzpferd sitzen durfte, sich streckte und reckte, um mit dem Stab im Vorbeifahren das hoch aufgehängte Glöckchen zum Klingen zu bringen.
Ihr Leben ist auch ein Ringelspiel, ein ständiges Auf und Ab, aber immer rundherum. Im Augenblick läuft es wieder rund, dachte ich, ein Leben in einer zuverlässigen Partnerschaft, keine finanziellen Existenzsorgen mehr.
Und jetzt zeigt sie ihrem Sohn, wie man ein helles Kling-Kling erzeugt, während ich draußen stehe und das Spiel betrachte. Das Karussell dreht sich schneller und schneller, ehe es wieder langsam auströdelt.
Es ist nun das Ringelspiel ihrer Generation, jeder kann aussteigen oder weiterfahren, die Welt draußen vorbeiflitzen sehen oder seinen Blick nach innen wenden.
Ich kann nur noch winken, ihnen wünschen, dass sich das Auf und Ab ihrer Eltern und Großeltern nicht wiederholt, ihr Karussell stets rundherum läuft, das Hoch und Tief nicht zu viel wird und sie oft das Glöckchen treffen.
Er saß, aus alter Gewohnheit, allein auf der Bank am Ende des kleinen Parks und wartete. Worauf? Es gab nichts und niemanden mehr, den er empfangen könnte.
In der Stadt zu seinen Füßen kämpften sich die Lichter allmählich durch die Dämmerung. Sein Blick verlor sich im Horizont, wo ein Rest der Sonnenkugel ihre rot-goldenen Strahlen aussandte.
Wie oft hatte er dieses Schauspiel gesehen, von „ihrer“ Bank aus.
Damals, vor vielen Jahren wartete er auf die junge Frau jeden Tag, meist kam sie außer Atem gelaufen, setzte sich zu ihm, schmiegte sich an ihn, legte ihr Köpfchen auf seine Schulter und fragte unschuldig: „Wartest du schon lange?“ Nie hatte er geantwortet, sondern stets diese Frage als Aufforderung zu zärtlicher Liebkosung empfunden.
Später, als sie seine Frau geworden war, hatten sie sich täglich nach dem Büro auf „ihrer“ Bank getroffen, um die stickige Büroluft loszuwerden. Am meisten liebte er das Dämmerlicht im Herbst, wenn der Tag verging und die Nacht alle Kümmernisse des Tages zu schlucken begann.
Dann war sie plötzlich gestorben und er hörte auf, „ihre“ Bank zu besuchen. Warum waren sie nie, auch nicht als das Arbeitsleben hinter ihnen lag, auf die andere Seite des Parks gegangen, um in der Morgendämmerung den Tag zu erwarten, der ihnen eine unbeschwerte Zeit, frei von allen Zwängen gebracht hätte.
Lange konnte er es nicht ertragen die Bank wieder aufzusuchen, bis eines Tages seine Tochter ihm einen kleinen Hund vom Tierheim schenkte, „damit du ein bisschen aus deiner Isolation herauskommst“, hatte sie gesagt. Oft ging er mit ihm in der Dämmerung zu „ihrer“ Bank und wartete. Manchmal traf er einen anderen Hundebesitzer, sprach ein paar Worte, gemeinsam sahen sie zu, wie ihre Hündchen sich über die Wiesen jagten. Seiner schnüffelte dann noch eine Weile um ihn herum, ehe er sich erwartungsvoll vor ihn hinsetzte, um sein Leckerli zu empfangen.
Jetzt aber war auch sein Hund gestorben, und es gab niemanden mehr, der ihn begleiten könnte. Doch heute war ein schöner Tag gewesen, der ihm Mut machte, zu „ihrer“ Bank zu gehen, zur untergehenden Sonne.
Er saß in sich versunken da, das Licht der letzten Strahlen ballte sich hinter dem Gerippe eines Baumes zu einer rötlich-goldenen Kugel. Bald würde die Sonne das Licht zurückziehen und die Federwölkchen am Horizont bemalen. Noch aber war sie nicht ganz verschwunden. Ein kurzer Windhauch streifte ihn. Er sah auf und spürte das Köpfchen seiner Frau an seiner Schulter, ihre Hand auf seinem Arm. Gleich würde sie fragen: „Wartest du schon lange?“. Er spürte sie, ihre warmen Wangen, ihren Körper. „Warum kommst du nicht öfters“, flüsterte sie. Er wollte sie vorsichtig umarmen, doch da verschwand ihre zarte, durchsichtige Gestalt. Er blieb noch eine Weile in der Dämmerung sitzen, dann erhob er sich schwerfällig, das Gewicht der Jahre lastete auf seinem Rücken. Langsam ging er durch den Park auf die hell erleuchtete Straße zu. „Morgen“, murmelte er, „morgen werde ich zum Sonnenaufgang gehen.“
Statt uns ständig mit den pseudopsychologischen und pseudophilosophischen Corona-Kommentaren in den Medien auseinander zu setzen, wollen wir lieber die Zeit nutzen und das bisschen Kondition, das wir haben, pflegen. Deshalb gehen wir regelmäßig spazieren, zu zweit, mit Walking-Stöcken und mit Abstand.
Dieses Mal fängt unsere Fitnessübung auf dem Parkplatz der Halde an. Das Wanderbuch sprach von etwa 7km und 50 Höhenmetern, das klingt nicht spannend, aber machbar.
Der Weg führt uns zunächst in Richtung Knöpflesbrunnen, vorbei an saftigen Wiesen, auf denen im Sommer die glücklichen Kühe grasen. Jetzt aber fliegen nur ein paar Mäusebussarde und Krähen über die Weiden. Bei gutem Wetter liegt die Rheinebene zu unseren Füßen, begrenzt von den Vogesen in der Ferne. Dann führt der Weg, im Winter eine Loipe, jetzt mit Überresten von Eis und Schnee bedeckt, in den Wald hinein, macht schließlich eine Biegung nach links. Von nun an springt ein munteres Bächlein neben uns her, nimmt seine Botschaft murmelnd und plätschernd mit ins Tal, eine steile Böschung begrenzt sein Bett, auf der ebenfalls noch eine dicke Schicht Schnee sich hält.
Ich gehe vorsichtig, hebe die Füße hoch, um eventuelle Stürze zu vermeiden. Dennoch passiert es, ich rutsche auf einer Eisplatte aus und setze mich auf den Hintern, knapp an die Kante der Böschung. Ein Stock bleibt bei mir, der andere verlässt mich und gleitet die Böschung hinab, bleibt kurz vor den gurgelnden Wassern hängen. Ich will sehen, wo er geblieben ist, beuge mich etwas über die Kante der Böschung und ums Haar lande ich beim Stock. Mein besorgter Mann will mir zu Hilfe eilen, tut es mir und dem Stock gleich und rutscht seinerseits den Hang hinunter. Ich versuche, ihn am Ärmel zu halten, bin aber zu schwach für sein Gewicht. Auf einem Stein kommt er schließlich zum Stehen, ein Fuß schon im Bach, rappelt er sich auf, klettert mühsam das Ufer hinauf und sitzt nun neben mir an der Kante. Beinahe wären wir beide im Bach gelandet, wer hätte uns retten können? Weit und breit keine Spaziergänger. Vielleicht haben uns ein paar Hasen zugeschaut und sich den Bauch vor Lachen gehalten, hoppeln sie doch leichtfüßig durch den Wald, ein sprudelnder Bach ist für sie kein Hindernis. Mein Leidensgenosse mit nassen Füßen und ich mit nassem Hintern, so versuchen wir uns zu retten vor dem kalten Wasser. Der Stock interessiert nicht mehr, soll er doch bleiben, wo der Pfeffer wächst. Das Aufstehen gestaltet sich schwierig, denn mein liebender Ehemann, der mir helfen will, findet auf dem Eis keinen festen Stand, rutscht selbst hin und her und kann sich mit Mühe an der Kante halten. Langsam drehe ich mich in den Vierfüßlerstand, hebe meine alten Knochen und finde mich wieder in einer aufrechten Position.
Der Wald hört auf und wir sind an einem sehr idyllischen Hochmoor angelangt. Wir müssen uns ausruhen von diesem gefährlichen Erlebnis. Auf einem Bänkle erholen wir uns bei Wasser und Müsliriegel, bleiben eine Weile in der Sonne sitzen. Nach dieser Kräftigung folgen wir weiter dem Weg, der wieder durch den Wald führt, diesmal ohne Eisplatten, kommen am Notschrei heraus. Weitere Eis- und Schneeplatten sind auf diesem sonnigen Weg nicht zu erwarten. Wir wenden uns nach links, vorbei an Skipisten und Schwarzwaldhütten und kommen ohne weitere Zwischenfälle auf dem Parkplatz der Halde an.
Es ist mir nichts passiert, als Andenken nur eine nasse Hose, die schon zu trocknen beginnt. Auch bei meinem mutigen Partner lassen der Schreck und seine Sorge um mich langsam nach. Mit dem Verlust meines Stocks kann ich leben. Wahrscheinlich wird das Bächlein im Frühjahr etwas anschwellen und meinen Stock mit ins Tal hinunter zur Dreisam nehmen. Diese wird ihn über Stock und Stein zum Rhein schleppen und Vater Rhein wird ihn auf seinen Wellen bis zum Meer tragen. Dort könnte er dann an einem der Nordseestrände wohlbehalten landen. Es wird ihm nichts Schlimmes passieren, denn er ist anders als ich aus Carbon und kann weder brechen noch gefressen werden.
Wahrscheinlich wird er noch seinen Kindern und Kindeskindern von seiner langen Reise erzählen. Ich dagegen werde meinen Nachkommen besser nichts von unserem Erlebnis berichten, denn ich höre sie jetzt schon sagen: „Wie kann man sich nur so dämlich anstellen“.
Und das Fazit der Geschicht: Auch in Corona-Zeiten ist das Leben nicht langweilig, sondern voller unerwarteter Abenteuer.
Ein rüstiges Ehepaar wollte eine Wanderung machen, es war ideales Wetter, nicht zu heiß, kein Regen angesagt.
„Ein schmaler Pfad ohne Mountainbiker wäre gut.“
Der Rucksack war schnell gepackt. Sie hatten sich auf ein hübsches Ziel geeinigt, zu dem ein schmaler Pfad, steinig und voller Wurzeln, führte. Dort würden sie keinem Menschen begegnen. Ruhig und friedlich schritten sie voran, nahe dem Gipfel blieben sie schnaufend stehen, um den schönen Weitblick zu genießen.
Plötzlich störte ein lauter Klingelton die Stille.
Ein Mountainbiker raste vom Gipfel herunter. Sie hopsten zur Seite, leider in ein Brombeergestrüpp. Der Mountainbiker blieb an einer Wurzel hängen und landete ebenfalls im Brombeergestrüpp. Sie betrachteten sich gegenseitig voller Wut.
„Können Sie nicht aufpassen?“
M: Sie standen im Weg, deshalb bin ich gestürzt.
„Wir im Weg?
Um uns zu retten, sind wir in das Brombeergebüsch gehüpft.“
M: Nicht weit genug.
„Hätten wir den Abhang hinunterrollen sollen?“
M: Besser als hier rumzustehen.
„Haben Sie uns nicht gesehen?“
M: Sie sind ja nicht zu übersehen.
„Sind wir so dick?“
M: Ich habe laut geklingelt und wollte ausweichen.
„Sie haben nicht geklingelt.“
M: Klar, wenn man so schwerhörig ist, hätte auch eine Kirchenglocke nichts genützt.
„Werden Sie nicht unverschämt.“
M: Alte Leute haben auf engen Pfaden im Wald nichts verloren.
„Es ist unser Wald.“
M: Der Wald ist für alle da.
„Nicht für so rücksichtslose Fahrer.“
M: Ich und rücksichtslos! Was sind Sie denn? Sie sind hier ein lebendes Hindernis.
„Hat ein Mountainbike keine Bremsen?
Sie sollten Ihre Bremsen prüfen.“
M: Was geht Sie mein Fahrrad an?
Völlig zerkratzt, die Hose zerrissen, gelang es ihnen endlich, sich aus der misslichen Lage zu befreien.
Neben ihnen lag das Fahrrad, Lenker und Vorderrad standen bizarr ab.
M: Sehen Sie sich mein Rad an, völlig verbogen.
„Wohl ein Billigrad vom Aldi?“
M: Geht Sie das etwas an, wo ich einkaufe?
„Sie sollten sich einen Führer mit eingezeichneten Mountainbike-Wegen zulegen.“
M: Das hätte nichts genutzt, wenn Leute wie Sie den Weg blockieren.
„Wissen Sie, dass es Mountainbiker-Kurse gibt?“
M: Es gibt auch einen Wanderknigge!
„Höflichkeit ist wohl nicht Ihr Ding?
Nehmen Sie das Rad mit, unser Wald ist kein Schrottplatz.“
M: Helfen Sie mir wenigstens, das Rad zu bergen, es hat sich im Gebüsch verheddert.
„Sonst noch was? Ich werde nicht noch einmal durch die
Brombeeren klettern.“
M: Rutschen Sie mir doch den Buckel runter.
