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"Das Muskelbuch" ist ein umfangreicher, ausführlicher und in dieser Form konkurrenzloser Atlas des menschlichen Muskelsystems. Es hat inzwischen Generationen Lernende durch ihre medizinischen Ausbildungsgänge hindurch begleitet und sich als wertvolles Nachschlagewerk bewährt. Die Inhalte basieren auf der gemeinsamen Arbeit eines interdisziplinären Teams von Autorinnen und Autoren, bestehend aus Anatomen, Mediziner/-innen, forschenden und praktisch tätigen Physiotherapierenden sowie Sportler/-innen. Alle Muskeln des Bewegungsapparats werden übersichtlich nach Regionen geordnet und einzeln dargestellt. Mehr als 800 Abbildungen illustrieren Lage, Funktion und Untersuchung. Kurze prägnante Beschreibungen und zahlreiche klinische Verweise bringen alle für den einzelnen Muskel wichtigen Informationen auf den Punkt. Das didaktische Konzept hat einen hohen Praxisbezug und ist übersichtlich und visuell ansprechend als Doppelseiten-Layout gestaltet. Ein besonderes Highlight sind die Funktionstabellen: Sie beschreiben die Funktionen der einzelnen Muskeln im Zusammenspiel mit ihren Synergisten und Antagonisten. Zudem enthält "Das Muskelbuch" die wichtigsten Muskeldehntests und neun Nerventabellen. Die Muskeldehntests erleichtern es Anwendenden, typische Muskelverkürzungen zu erkennen und zu behandeln. Die wichtigsten nervalen Strukturen und die von ihnen innervierten Muskeln werden regional beschrieben. Läsionen peripherer Nerven und deren Auswirkungen auf den Bewegungsapparat können so leichter erkannt werden. Die Erweiterungen dienen somit einer effizienteren Diagnostik und Therapie des Bewegungssystems. Die aktuelle, komplett überarbeitete 8. Auflage enthält außerdem die wichtigsten motorischen Nerven und wurde um ein praktisches Anatomieposter erweitert. Mehr als 800 Abbildungen: Zahlreiche farbige Abbildungen und anatomische Zeichnungen illustrieren Lage, Funktion und Untersuchung der einzelnen Muskeln und ausgewählten motorischen Nerven. Doppelseiten-Layout: Das klar strukturierte Doppelseiten-Layout und die Einteilung nach Körperregionen ermöglichen einen raschen Überblick. Übersichtliche Darstellung: Alle Muskeln des Bewegungsapparates werden übersichtlich nach Regionen geordnet und einzeln dargestellt. Kurze prägnante Beschreibungen und zahlreiche klinische Verweise bringen alle für den einzelnen Muskel wichtigen Informationen auf den Punkt. Funktionelle Diagnostik: Für alle Muskeln findet eine detaillierte "Muskelfunktionsprüfung" statt, ergänzt von ausgewählten "Muskeldehntests" und "Nervengleittests". Einzigartig: "Funktionstabellen": Diese beschreiben die Funktionen der einzelnen Muskeln im Zusammenspiel mit ihren Synergisten und Antagonisten – ein echtes Highlight.
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Seitenzahl: 424
Veröffentlichungsjahr: 2023
Das Muskelbuch
AnatomieUntersuchungBewegung
Klaus-Peter Valerius
Astrid Frank
Bernard C. Kolster
Christine Hamilton
Enrique Alejandre-Lafont
Roland Kreutzer
8., überarbeitete Auflage
800 Abbildungen und 9 Tabellen
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
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KVM – Der Medizinverlag
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Wie jede Wissenschaft ist die Medizin ständigen Entwicklungen unterworfen. Forschung und klinische Erfahrung erweitern unsere Erkenntnisse. Soweit in diesem Werk Anwendungsempfehlungen gegeben werden, darf der Leser zwar darauf vertrauen, dass Autoren, Herausgeber und Verlag große Sorgfalt darauf verwandt haben, dass diese Angabe dem Wissensstand bei Fertigstellung des Werkes entspricht. Für Angaben über Anwendungsformen, -techniken und -häufigkeiten kann vom Verlag jedoch keine Gewähr übernommen werden. Jede Behandlung erfolgt auf eigene Verantwortung des Benutzers.
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© KVM – Der Medizinverlag Dr. Kolster Verlags-GmbH,
ein Unternehmen der Quintessenz-Verlagsgruppe
www.kvm-medizinverlag.de
1. Auflage 2002
2., korrigierte Auflage 2006
3., überarbeitete Auflage 2007
4., überarbeitete Auflage 2008
5., überarbeitete und erweiterte Auflage 2009
6., überarbeitete Auflage 2012
7., überarbeitete und erweiterte Auflage 2014
8., überarbeitete und erweiterte Auflage 2021
Fotos: Peter Mertin, Köln
Grafiken: David Kühn, Karl Wesker; Berlin
Redaktion: Martina Kunze, Sabine Poppe,
Astrid Waskowiak, Katrin von der Decken; Marburg
Layout & Satz: FROMM MediaDesign GmbH, Selters/Ts.
eISBN 978-3-86867-671-6
Die Autoren
Dr. rer. nat. Dr. med. Klaus-Peter Valerius
Studium der Biologie mit Schwerpunkt Anthropologie und Wirbeltiermorphologie in Berlin und Göttingen, Studium der Humanmedizin in Gießen; seit 1990 Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Anatomie und Zellbiologie der Universität Gießen; Mitarbeit in den Lehrveranstaltungen im vorklinischen und klinischen Studium der Humanmedizin in den Fächern Anatomie und Biologie.
Astrid Frank
Ausgebildete Physiotherapeutin mit praktischen Tätigkeiten in den Bereichen Orthopädie, Chirurgie, Gynäkologie, Innere Medizin und Pädiatrie; seit 1981 Lehrerin an der Ausbildungsstätte für Physiotherapeuten „Rudolf-Klapp-Schule“ in Marburg, Schwerpunkt Orthopädie; 1992 bis 1998 Mitglied im Instruktorenrat von Dr. Brügger in Murnau und St. Peter-Ording (Funktionskrankheiten des Bewegungsapparates), in diesen Bereichen zuständig für die Fort- und Weiterbildung von Physiotherapeuten und Ärzten; seit 2002 freie Mitarbeiterin in einer Praxis für Physiotherapie.
Dr. med. Bernard C. Kolster
Im Anschluss an die Ausbildung zum Physiotherapeuten Studium der Humanbiologie und Humanmedizin in Marburg; klinische Weiterbildung in Physikalischer Medizin und anderen Disziplinen; spezielle Schwerpunkte in der Darstellung und Anwendung von reflextherapeutischen Verfahren; Autor und Herausgeber wissenschaftlicher Fachbücher aus den Bereichen Medizin, Physiotherapie, Naturheilverfahren und Physikalische Medizin.
Christine Hamilton
Studium der Physiotherapie mit Abschluss Graduated Bachelor of Physiotherapy, University of Queensland (Australien), 1979; arbeitete bis 1986 in Bern (Schweiz) und lebt seit 1987 in Deutschland; 1993 bis 1995 Forschungsaufenthalt in Brisbane (Australien); 1995 Qualifikation zum Master und Research Master im Fachgebiet „tiefe Muskelfunktion und Rückenbeschwerden“; Mitglied der „Gelenkstabilitätsforschungsgruppe“ der University of Queensland unter der Leitung von Dr. Carolyn Richardson.
Dr. med. Enrique Alejandre-Lafont
Studium der Humanmedizin an der Universität Gießen; Weiterbildung zum Facharzt für Radiologie (ein klinisches Jahr in der Chirurgie); 12 Jahre aktiver Leichtathlet, seit neun Jahren Kraftsportler.
Roland Kreutzer
Physiotherapeut seit 1991, tätig an der Universitätsklinik Marburg (Studiengang Physiotherapie), selbstständig in eigener Praxis; Autor zahlreicher Fachbücher, Manualtherapeut, Brügger-Instruktor (Züricher Konzept) und Geschäftsführer der Berliner Fortbildungs-Gemeinschaft (BFG) für Brügger-Therapie.
Vorwort zur aktuellen Auflage
Der große Erfolg und die beeindruckende Resonanz des Muskelbuchs haben alle Erwartungen übertroffen und lassen schon fast an einen Klassiker denken. Nach dem Motto „Wer rastet, der rostet“ wurde diese Neuauflage umfangreich überarbeitet und optimiert. Am grundsätzlichen Buchkonzept hat sich nichts geändert, allerdings wurde das Werk 2014 in der vorherigen Auflage aus Gründen der klinischen Relevanz um die wichtigsten motorischen Nerven erweitert. Diese Ergänzung hat sich, wie die Rückmeldungen unserer Leser gezeigt haben, bestens bewährt. Auch weiterhin soll der Anwender daher schnell die wesentlichen Informationen zu jedem Muskel und zu den wichtigsten motorischen Nerven finden – kompakt und übersichtlich.
Mein ganz besonderer Dank gilt allen Lesern, die sich mit wertvollen, konstruktiven Kritiken an der inhaltlichen Weiterentwicklung dieses Werks beteiligt haben und dies in der Zukunft hoffentlich auch weiterhin tun werden. Besonders bin ich Herrn Dr. Stöckmann für seine erneute kritische Durchsicht und die vielen Korrekturvorschläge zu großem Dank verpflichtet. Für die jahrelange und immer konstruktive Unterstützung vonseiten des Verlages danke ich Herrn Dr. Kolster und Herrn Kreutzer.
Gießen, im Februar 2021 Klaus-Peter Valerius (im Namen der Autoren)
Vorbemerkung
Diese Darstellung der Muskeln des Bewegungsapparates des Menschen wendet sich an Mediziner, die schnell einen Überblick über einen bestimmten Muskel suchen, aber vor allem an Physiotherapeuten und Mitglieder aller anderen Berufsgruppen, die sich mit dem Bewegungsapparat des Menschen, seinem Training, seinen Störungen sowie möglichen Therapien beschäftigen. Der Aufbau orientiert sich gerade an den Bedürfnissen der letztgenannten Leser und folgt sehr viel stärker funktionellen und auf die Bewegungen in den einzelnen Gelenken bezogenen Kriterien als systematischen Gruppierungen. Mithilfe des Inhaltsverzeichnisses ist aber jeder gesuchte Muskel schnell gefunden.
Die physiotherapeutische Arbeit erfordert nicht nur eine genaue Kenntnis der Anatomie eines Muskels, sondern vor allem ein Verständnis der verschiedensten Bewegungsabläufe, an denen ein Muskel beteiligt ist. Deshalb müssen die Muskelfunktionen auf die einzelnen Gelenke und Bewegungsachsen bezogen werden. Auch sind die Synergisten und Antagonisten eines Muskels für die einzelnen Bewegungsmöglichkeiten in den verschiedenen Gelenken für jeden Muskel einzeln aufgezählt. Dieses zunächst vielleicht etwas redundant wirkende Konzept erspart aber das Nachschlagen in umständlichen Tabellen und liefert umfangreiche Informationen auf einen Blick, die sich der Leser sonst erst erarbeiten müsste. Ein solches Konzept hat freilich auch Grenzen. Einige Bewegungen erfolgen so schwach oder mit so geringem Ausschlag, dass ihre Berücksichtigung zu weit führen und den Leser nur verwirren würde. Insbesondere aus den Extremstellungen der Gelenke heraus besitzen Muskeln häufig völlig andere Funktionen als aus der Neutralstellung. Die Darstellung in diesem Buch bezieht sich deshalb zumeist auf die Neutralstellung und berücksichtigt die Wirkungen in anderen Ausgangsstellungen der Gelenke nur dort, wo sie für die Bewegungsabläufe der Patienten wirklich relevant werden. In der Literatur umstrittene Funktionen bleiben zumeist unberücksichtigt. Der Funktionsbereich „akzessorische Atemfunktionen, die bei der Orthopnoe zum Einsatz kommen“ der Hals- und Thoraxmuskeln wird ausgeklammert, weil die detaillierte Darstellung den gegebenen Rahmen sprengen würde.
Ein besonderer Wert wurde auf die Oberflächenanatomie des aktiven Bewegungsapparates gelegt, um die Orientierung am Patienten zu erleichtern und das Aufsuchen und Ertasten der Muskeln zu ermöglichen. Nicht jeder Muskel springt jedoch mit der Kontur seines angespannten Bauches durch die Haut und das Unterhautfettgewebe hindurch sofort ins Auge. Einzelne Muskeln liegen zwar unter der Haut und sind dort auch gut tastbar, werden aber dennoch nicht sichtbar. Andere Muskeln entspringen zu einem großen Teil an der Körperfaszie und ziehen diese, insbesondere bei Anspannung, nach innen ein. Um diese Problematik zu minimieren, wurden die Randkonturen dieser Muskeln oder der Hautareale, unter denen sie liegen, mit Pfeilen abgegrenzt. Teilweise wurden auch Punkte an die Stellen gesetzt, an denen die Kontraktion palpiert werden kann.
Die unerschöpfliche Geduld der Fotomodelle, die sich tagelang in anstrengender Pose fotografieren ließen, verdient unseren aufrichtigen Dank. Die detaillierte Darstellung der Oberflächenanatomie der Muskulatur, wie sie in dieser systematischen Form kaum an anderer Stelle zu finden ist, wäre ohne Peter Düsing und Enrique Alejandre-Lafont nicht möglich gewesen. Unser herzlicher Dank gilt auch Frau Sabine Rasel, den Mitarbeitern des KVM-Verlages sowie Herrn Peter Mertin für die hochwertigen Fotoaufnahmen.
Gießen, im Juli 2007 Klaus-Peter Valerius (im Namen der Autoren)
Hinweise zum Aufbau des Buches
In diesem Buch ist jeder Muskel aus didaktischen Überlegungen heraus jeweils auf einer eigenen Seite dargestellt. Besteht eine Fragestellung bezüglich eines einzelnen isolierten Mus-kels, so findet man diesen Muskel direkt über den Index.
In einem kurzen Einleitungstext wird jeder Muskel beschrieben und es werden seine Wirkungen im funktionellen Kontext mit anderen Muskeln dargestellt. Die Tabelle „Funktionen“ benennt die Synergisten und Antagonisten. Die hier aufgeführten Muskeln sind noch einmal differenziert: nach Funktionen und zusätzlich in der Reihenfolge ihrer Stärke oder Kraft im Vergleich zu den anderen Muskeln. An oberster Stelle stehen diejenigen Muskeln, die bei der betreffenden Bewegung am meisten Kraft aufbringen.
Ein wichtiges Anliegen war die Darstellung der Oberflächenanatomie. So oft wie möglich wurden daher gezeichnete anatomische Darstellungen den entsprechenden In-vivo-Aufnahmen gegenübergestellt. Die Abgrenzung des Muskels erfolgte in der Regel durch Markierungen.
Fazit: Die Einzeldarstellung des Muskels stellt diesen stets im Zusammenspiel mit den anderen Muskeln, die ebenfalls auf das Gelenk einwirken, dar.
Wenn man sich gezielt eine Übersicht über die Muskeln verschaffen möchte, die an einer bestimmten Bewegungsrichtung (z. B. Außenrotation im Hüftgelenk) beteiligt sind, so findet man in der Tabelle „Hauptmuskeln für die einzelnen Bewegungsmöglichkeiten“ im Anhang eine Auflistung der Muskeln für die Gelenke der oberen und unteren Extremität.
Für klinische Fragestellungen ist die Beurteilung der Funktion und Kraft bedeutsam. So wurden Muskelfunktionstests für fast jeden Muskel dargestellt (Ausnahme: Diaphragma und Beckenbodenmuskeln). Die Gegenüberstellung der Anatomie und der „Funktionsweise“ des Muskels zur Muskelfunktionsprüfung vermittelt dem Anwender ein faktisches und visuelles Grundverständnis für die Funktionsprüfung. Dabei ist es von entscheidender Bedeutung, den Patienten eindeutige und vor allem verständliche Anweisungen für die Bewegungsdurchführung zu geben.
Aus diesem Grund wurden die von uns vorgeschlagenen Formulierungen in direkter Rede wiedergegeben. „Heben Sie Ihre Schulter von der Unterlage ab“ ist eine kurze, treffende Anweisung für eine bestimmte Bewegungsrichtung. Orientieren Sie sich in Ihrem Praxisalltag an diesen hilfreichen Anweisungen.
Weiterhin ist zu beachten, dass es nicht für alle Muskeln eine separate Muskelfunktionsprüfung gibt. Folgt eine Muskelfunktionsprüfung nach der Darstellung mehrerer Einzelmus-keln, so bezieht sich die Funktionsprüfung auf diese voran-gegangenen Muskeln.
Funktionen der Skelettmuskulatur – Einstufung und Dehnfähigkeit
Bei den Muskelfunktionsprüfungen haben wir uns an der gebräuchlichen Einteilung von Hislop und Montgomery (2000) orientiert und die zu prüfenden Kraftgrade in 6 Stufen unterteilt:
Muskelstatus 5 (normal)
Der Muskelstatus 5 entspricht der vollen Kraft, die ein Muskel entwickeln kann. Beim Test dieses Status muss der gesamte Bewegungsweg, den der Muskel während der Kontraktion durchführen kann, gegen einen submaximalen äußeren Widerstand durch den Therapeuten möglich sein. Zudem soll die Bewegung gegen die Eigenschwere des zu testenden Körperteils erfolgen.
Muskelstatus 4 (gut)
Der Muskelstatus 4 entspricht ca. 75 % des normal kräftigen Muskels. Bei der Überprüfung wird wie beim Muskelstatus 5 der gesamte Bewegungsweg gefordert. Auch hier wird der Test gegen die Eigenschwere des zu testenden Körperteils ausgeführt, jedoch nur gegen einen gemäßigten Widerstand durch den Therapeuten.
Muskelstatus 3 (schwach)
Der Muskelstatus 3 entspricht ca. 50 % der normalen Muskelfunktion. Getestet wird der gesamte Bewegungsweg, wiederum gegen die Eigenschwere des betroffenen Körperteils, jedoch ohne zusätzlichen Widerstand durch den Therapeuten.
Muskelstatus 2 (sehr schwach)
Der Muskelstatus 2 entspricht etwa 25 % der normalen Muskelkraft. Zum Erreichen von Muskelstatus 2 muss der Muskel die gesamte Bewegungsbahn nur noch unter Abnahme der Eigenschwere des zu testenden Körperteils durchführen, d.h., der Muskel kann bereits einen so geringen Widerstand, wie ihn die Eigenschwere darstellt, nicht mehr überwinden.
Muskelstatus 1 (Anspannung kaum zu erkennen)
Der Muskelstatus 1 besagt, dass nur noch ca. 10 % der normalen Muskelkraft vorhanden sind. Zu erkennen oder zu tasten ist lediglich noch eine Kontraktion des Muskels, z. B. in Form von Zuckungen. Dass heißt, der Muskel kontrahiert noch, aber die Kraft reicht nicht mehr aus, um das Körperteil zu bewegen. Der Test kann in der selben Ausgangsstellung wie für den Muskelstatus 2 ausgeführt werden (ohne Eigenschwere), oft ist jedoch der Versuch einer Anspannung gegen die Eigenschwere (siehe Status 5–3) wirkungsvoller und führt eher zur Kontraktion des Muskels.
Muskelstatus 0 (Funktionsausfall)
Der Muskelstatus 0 ist dann erreicht, wenn keine Bewegung oder Kontraktion sicht- oder tastbar ist.
Der Therapeut sollte generell darauf achten, dass der Widerstand graduell und langsam erzeugt wird, um Verletzungen vorzubeugen. Die Stärke des Widerstandes, beispielsweise beim Test des Muskelstatus 5, sollte je nach Größe und Funktion des zu testenden Muskels variiert sowie der Gesamtkonstitution des Patienten angepasst werden. Sicherlich sind es teilweise Erfahrungswerte, mit denen der Therapeut arbeiten muss. Kann ein zu testender Muskel lediglich einen Teilabschnitt der gesamten Bewegungsbahn ausführen, wird er vom Kraftniveau her niedriger eingestuft; ein entsprechender Zusatzvermerk ist dann sinnvoll.
Des Weiteren muss abgeklärt werden, ob andere Faktoren wie beispielsweise mangelnde Dehnfähigkeit der Antagonisten oder Störungen des Gelenkes, einschließlich Kapsel- und Bandstrukturen, die Beweglichkeit einschränken. Es ist ratsam, die Bewegung in einem solchen Fall vorsichtig passiv durchzuführen, um diese Faktoren eingrenzen zu können. Kann auf diese Weise der gesamte Bewegungsweg ausgeführt werden, ist die Störung im Bereich der Innervation zu suchen.
Bei kleinen Muskeln im Hand- und Fingerbereich sowie im Fuß- und Zehenbereich wird bei der Ausgangsstellung nicht mehr zwischen Muskelstatus 2 und 3 unterschieden. Die Eigenschwere des zu untersuchenden Körperteils spielt hier nur noch eine untergeordnete Rolle.
Bei den Muskeln im Kopfbereich (z. B. mimische Muskulatur und Augenmuskulatur) werden nicht der Muskelstatus und die Dehnfähigkeit, sondern lediglich die Muskelaktivität getestet, da der Muskelstatus bei diesen Muskeln nur schwer zu bestimmen ist. Eine Unterteilung in deutliche, leichte oder keine Kontraktion wäre hier denkbar.
Manche Bewegungen sind schwer bewusst auszuführen. Geben Sie daher dem Patienten zunächst die Möglichkeit, die Bewegung „vorzuüben“, erst die zweite oder dritte Durchführung sollte dann bewertet werden.
Neben der Muskelkraft ist eine optimale Dehnfähigkeit der Muskulatur vonnöten, um eine harmonische und effiziente Bewegung ausführen zu können. Eingelenkige Muskeln sollten über das gesamte Bewegungsausmaß des Gelenkes dehnfähig sein. Bei zwei- oder mehrgelenkigen Muskeln hängt die Dehnfähigkeit von der Stellung der Gelenke ab, die der zu testende Muskel überzieht. Es kann eine passive Insuffizienz auftreten, wenn ein Muskel gleichzeitig über zwei oder mehr Gelenke gedehnt wird. In diesem Fall werden die potenziellen Gelenkbeweglichkeiten bei dem Muskeldehntest nicht voll ausgeschöpft (z. B. Dehnfähigkeit der ischiocruralen Muskulatur, s. S. 190). In diesen Fällen werden die zu erwartenden Winkelgrade der betroffenen Gelenke angegeben.
Inhalt
1Theorie
1.1Funktionen der Skelettmuskulatur
1.2Einteilung der Skelettmuskulatur
1.3Klinische Relevanz
2Obere Extremität
2.1Schultergürtelmuskulatur
M. trapezius, Pars ascendens
M. trapezius, Pars transversa
M. trapezius, Pars descendens
M. levator scapulae
M. rhomboideus major
M. rhomboideus minor
M. serratus anterior
M. pectoralis minor
M. subclavius
Dehntests
2.2Schultergelenksmuskulatur
M. deltoideus, Pars clavicularis
M. deltoideus, Pars spinalis
M. deltoideus, Pars acromialis
M. supraspinatus
M. infraspinatus
M. teres minor
M. subscapularis
M. latissimus dorsi
M. teres major
M. pectoralis major, Pars abdominalis
M. pectoralis major, Pars sternocostalis
M. pectoralis major, Pars clavicularis
M. coracobrachialis
Dehntests
2.3Ellenbogengelenksmuskulatur
M. biceps brachii, Caput longum
M. biceps brachii, Caput breve
M. brachialis
M. brachioradialis
M. triceps brachii
M. anconeus
M. supinator
M. pronator teres
M. pronator quadratus
Dehntests
2.4Handgelenksmuskulatur
M. extensor carpi radialis longus
M. extensor carpi radialis brevis
M. extensor carpi ulnaris
M. flexor carpi radialis
M. palmaris longus
M. flexor carpi ulnaris
Dehntests
2.5Fingergelenksmuskulatur
M. extensor digitorum
M. extensor indicis
M. extensor digiti minimi
M. extensor pollicis brevis
M. extensor pollicis longus
Mm. lumbricales manus
M. flexor digitorum superficialis
M. flexor digitorum profundus
M. flexor digiti minimi brevis manus
M. flexor pollicis brevis
M. flexor pollicis longus
M. abductor pollicis longus
M. abductor pollicis brevis
M. abductor digiti minimi manus
Mm. interossei dorsales manus
Mm. interossei palmares
M. adductor pollicis
M. opponens pollicis
M. opponens digiti minimi manus
M. palmaris brevis
Dehntests
2.6Motorische Nerven
Nn. pectorales medialis und lateralis
N. musculocutaneus, N. subclavius
N. medianus
N. ulnaris
N. radialis
N. axillaris, N. subscapularis
Nn. dorsalis scapulae und thoracodorsalis
Nn. suprascapularis und thoracicus longus
Nerventabelle
3Untere Extremität
3.1Hüftgelenksmuskulatur
M. gluteus maximus
M. iliopsoas
M. sartorius
M. gluteus medius
M. gluteus minimus
M. tensor fasciae latae
M. pectineus
M. adductor longus
M. adductor brevis
M. gracilis
M. adductor magnus
M. piriformis
M. gemellus superior
M. obturatorius internus
M. gemellus inferior
M. obturatorius externus
M. quadratus femoris
Dehntests
3.2Kniegelenksmuskulatur
M. quadriceps femoris
M. rectus femoris
M. vastus medialis
M. vastus intermedius
M. vastus lateralis
M. biceps femoris
M. semimembranosus
M. semitendinosus
M. popliteus
Dehntests
3.3Fußgelenksmuskulatur
M. gastrocnemius
M. plantaris
M. soleus
M. tibialis posterior
M. tibialis anterior
M. fibularis (peroneus) longus
M. fibularis (peroneus) brevis
M. fibularis (peroneus) tertius
Dehntests
3.4Zehengelenksmuskulatur
M. extensor hallucis brevis
M. extensor hallucis longus
M. extensor digitorum brevis
M. extensor digitorum longus
M. flexor hallucis brevis
M. flexor hallucis longus
M. flexor digitorum brevis
M. flexor digitorum longus
M. quadratus plantae
M. flexor digiti minimi brevis pedis
Mm. interossei dorsales pedis
M. abductor hallucis
M. abductor digiti minimi pedis
M. adductor hallucis
Mm. interossei plantares
Mm. lumbricales pedis
M. opponens digiti minimi pedis
Dehntests
3.5Motorische Nerven
N. femoralis
N. obturatorius
Nn. glutei superior und inferior
N. ischiadicus
N. tibialis
N. fibularis communis, profundus, superficialis
Nn. plantares lateralis und medialis
Nerventabelle
4Rumpf
4.1Autochthone Muskulatur, lumbal
M. iliocostalis lumborum
Mm. intertransversarii laterales lumborum
Mm. intertransversarii mediales lumborum
Mm. rotatores lumborum
M. multifidus lumborum
Dehntests
4.2Autochthone Muskulatur, thorakal
M. iliocostalis thoracis
M. longissimus thoracis
M. spinalis thoracis
Mm. rotatores thoracis
M. multifidus thoracis
M. semispinalis thoracis
4.3Autochthone Muskulatur, zervikal
M. iliocostalis cervicis
M. longissimus capitis
M. longissimus cervicis
M. splenius cervicis
M. splenius capitis
M. spinalis cervicis
M. spinalis capitis
Mm. rotatores cervicis
M. multifidus cervicis
M. semispinalis cervicis
M. semispinalis capitis
M. rectus capitis posterior major
M. rectus capitis posterior minor
M. obliquus capitis superior
M. obliquus capitis inferior
Dehntests
4.4Abdominale Muskulatur
M. rectus abdominis
M. obliquus externus abdominis
M. obliquus internus abdominis
M. cremaster
M. transversus abdominis
M. quadratus lumborum
Dehntests
4.5Thorakale Muskulatur
Mm. intercostales externi
M. serratus posterior superior
Mm. intercostales interni
M. serratus posterior inferior
Diaphragma
4.6Beckenbodenmuskulatur
M. levator ani
M. pubococcygeus
M. puborectalis
M. iliococcygeus
M. ischiococcygeus
M. sphincter ani externus
M. transversus perinei profundus
M. transversus perinei superficialis
M. ischiocavernosus
M. bulbospongiosus
4.7Motorische Nerven
N. phrenicus
Nn. intercostales und N. subcostalis
N. iliohypogastricus, N. ilioinguinalis, N. genitofemoralis
N. pudendus
Nerventabelle
5Hals
5.1Ventral liegende Muskulatur
M. sternocleidomastoideus
M. longus capitis
M. rectus capitis anterior und lateralis
M. longus colli
M. scalenus anterior
M. scalenus medius
M. scalenus posterior
M. sternohyoideus
M. omohyoideus
M. sternothyroideus
M. thyrohyoideus
M. digastricus
M. stylohyoideus
M. mylohyoideus
M. geniohyoideus
Dehntests
5.2Motorische Nerven
N. accessorius
Nn. spinales cervicis Ansa cervicalis
Nerventabelle
6Kopf
6.1Mimische Muskulatur
M. epicranius
M. corrugator supercilii
M. procerus
M. orbicularis oculi
M. levator palpebrae superioris
M. nasalis
M. levator labii superioris alaeque nasi
M. levator labii superioris
M. zygomaticus major
M. zygomaticus minor
M. risorius
M. levator anguli oris
M. buccinator
M. orbicularis oris
M. depressor anguli oris
M. depressor labii inferioris
Platysma
6.2Kaumuskulatur
M. temporalis
M. masseter
M. pterygoideus medialis
M. pterygoideus lateralis
Dehntests
6.3Zungenmuskulatur
Innere Zungenmuskeln
Äußere Zungenmuskeln
6.4Augenmuskulatur
M. rectus superior
M. rectus inferior
M. obliquus superior
M. obliquus inferior
M. rectus medialis
M. rectus lateralis
6.5Motorische Nerven
N. oculomotorius, N. trochlearis, N. abducens
N. mandibularis
N. facialis
Nerventabelle
Anhang
Segmentzonen
Muskelaufstellung nach Innervation und Innervationshöhe
Hauptmuskeln für die einzelnen Bewegungsmöglichkeiten
Muskeleinteilung im myofaszialen System
Literatur
Index
Abkürzungen und Symbole
Gelenke
DIPdistales Interphalangealgelenk
PIPproximales Interphalangealgelenk
MCPMetacarpophalangealgelenk
CMCCarpometacarpalgelenk
MTPMetatarsophalangealgelenk
Wirbelsäulensegmente
CBezeichnung für die zervikalen Wirbel
TBezeichung für die thorakalen Wirbel
LBezeichnung für die lumbalen Wirbel
SBezeichnung für die Abschnitte der Sakralregion
Sonstige
M.Musculus
Mm.Musculi
N.Nervus
Nn.Nervi
Punkte bezeichnen Zonen, an denen die Kontraktion des betreffenden Muskels tastbar ist
Farbe für den Muskelursprung
Farbe für den Muskelansatz
Pfeilspitzen verdeutlichen die Begrenzung der im Text beschriebenen Strukturen.
Schraffiert werden Flächen dargestellt, die nicht tastbar sind bzw. nicht in der
Betrachtungsebene liegen.
1 Theorie –
Funktionen der Skelettmuskulatur
Einteilung der Skelettmuskulatur
Klinische Relevanz
1.1 Funktionen der Skelettmuskulatur
Die skelettale Muskulatur erfüllt zusammen mit dem osseo-ligamentären System (Knochen-Kapsel-Band-System) die beiden Aufgaben des Bewegungsapparates: Bewegung und Stabilität/Schutz. Dabei übt sie fast gegensätzliche Funktionen aus, indem sie die Bewegung gleichzeitig einleitet und kontro-lliert (Twomey und Taylor 1979). Die Kontrolle der Bewegung bezeichnet man als Stabilität (White und Panjabi 1990). Die Bewegung und die Bewegungskontrolle des Körpers finden auf drei unterschiedlichen Ebenen statt:
1.die Bewegung des Körpers im Raum:
posturale Kontrolle (z. B. Springen)
2.die Bewegung zwischen verschiedenen Körperteilen:
axiale Haltungskontrolle (z. B. Brustkorb und Becken)
3.die intraartikuläre Bewegung:
segmentale Kontrolle (Arthrokinematik, s. Abb. 1)
Abb. 1: Drei Ebenen der Körperbewegung und -stabilität. Modifiziert nach Hodges in Richardson (Hodges et al. 2009).
Alle Bewegungen der drei Ebenen beeinflussen sich wechselwirkend und müssen kontrolliert werden, um eine Gesamt-stabilität und somit einen optimalen Schutz zu erreichen (s. Abb. 1). Gleichgewicht definiert sich aus der Interaktion zwischen posturaler und axialer Bewegungskontrolle. Dabei richten sich verschiedene Körperteile zum einen gegeneinander und zum anderen gegen die Schwerkraft aus. Die Kontrolle intraartikulärer Bewegungen, wie das Rollen und Gleiten von Gelenkflächen übereinander, repräsentiert die segmentale oder Gelenkstabilität.
Dies trägt wesentlich zum Schutz der schmerzempfindlichen Strukturen der Gelenke und der umliegenden Gewebe, z. B. Nerven und Organe, bei. Die Muskulatur ist an allen drei Ebenen der Stabilität und Bewegung beteiligt.
Somit ist die Skelettmuskulatur verantwortlich für:
•die Einleitung und Durchführung der Bewegung
•die Erhaltung des Gleichgewichts und
•die Erhaltung der segmentalen Stabilität (s. S. 3, Abb. 2)
Abb. 2: Im myofaszialen Spannungssystem werden die einzelnen Skelettmuskeln entsprechend ihrer Funktion schematisch in Schichten unterteilt. Eine strikte Trennung der Muskeln und ihre Muskelfunktionen ist nicht möglich. Im Prinzip können alle Muskeln, lokale sowohl als auch globale, zu allen Funktionen (Bewegung und Stabilität) beitragen. Jedoch eignen sich die biomechanischen Eigenschaften der globalen Muskeln am effektivsten für Bewegung und Gleichgewicht. Die lokalen Muskeln sind besonders effizient für segmentalen Gelenkschutz. Diese schematische Unterteilung erweist sich daher als brauchbarer Leitfaden für therapeutische Übungen. Modifiziert nach Hodges in Richardson (Hodges et al. 2009).
Jede dieser drei Funktionen benötigt bestimmte anatomische, biomechanische und physiologische Eigenschaften der Muskulatur. Grundsätzlich sind fast alle Muskeln in der Lage, alle drei Funktionen zu erfüllen. Die Muskeln unterscheiden sich dabei jedoch in ihrer Effizienz.
1.2 Einteilung der Skelettmuskulatur: Das myofasziale System
Die Einordnung eines Muskels im myofaszialen Spannungs-system (s. Abb. 1) hängt größtenteils von dessen anatomischen Eigenschaften ab. Nach diesen differenziert man zunächst grob zwischen zwei Systemen: dem lokalen und dem globalen Muskelsystem (Bergmark 1989). Innerhalb des globalen Systems unterscheidet man zwischen eingelenkigen und mehrgelenkigen Muskeln (Janda 1996).
Eng verbunden mit dem osseoligamentärem System ist das tiefe, lokale Muskelsystem. Die Muskelfaserbündel der lokalen Muskeln sind häufig kurz, gelenknah und verlaufen häufig senkrecht bis schräg zur (momentanen) Bewegungsachse. Dies vermindert ihre Effizienz bezüglich der Erzeugung von Drehmomenten. Dafür ist ihre Wirkung auf die Gelenkzen-trierung und den Schutz umso effektiver (Bergmark 1989).
Die langen oberflächlichen globalen Muskelfaserbündel verlaufen überwiegend rechtwinklig (90°) zur Bewegungsachse und besitzen einen verhältnismäßig langen Hebelarm. Dies trägt zur einer hohen Effizienz in Bezug auf das Drehmoment und die Bewegung bei. Die schrägen gelenknahen Fasern der lokalen Muskeln sind wie eine Federung für das Gelenk. Sie unterstützen die Funktion der Gelenkkapsel, der Ligamente und der Bandscheiben, indem sie a) die Gelenkflächen möglichst zentriert halten und b) mechanischen Stress absorbieren. Diese Eigenschaften sind grundlegend für den Gelenkschutz.
Die Einordnung der Muskeln im myofaszialen System stellt eine ergänzende Betrachtungsweise zur traditionellen Einteilung der Muskelfunktion, Bewegung und Kraft nach Muskel-faserbündelverlauf, dar. Sie mag etwas schematisch erscheinen, zudem lassen sich auch nicht alle Muskeln eindeutig in dieses Schema einordnen. Obendrein überlappen sich die verschiedenen Funktionen. Im Rumpfbereich ist die Aufteilung von Muskelfunktionen noch komplexer. Die Aufgaben von Atmung und viszeraler Stütze und intraabdominaler Druck-erzeugung kommen hinzu. Keine Muskelfunktion ist exklusiv und alle Muskeln können alle Funktionen erfüllen. Die schichtweise Betrachtungsweise veranschaulicht die neuromuskuläre Effizienz der verschiedenen Muskelfunktionen. Im Folgenden werden das myofasziale Spannungssystem sowie dessen funktionelle Unterteilung detailliert beschrieben.
1. Bewegung einleiten
Die Einleitung von Bewegungsimpulsen ist oft konzentrisch, schnell und kurzfristig. Die Muskeln geben kurze, hochgradige Impulse in die gewünschte Richtung. Dafür sind die langen, oberflächlichen, mehrgelenkigen Muskeln geeignet (Bergmark 1989). Die Effizienz, mit der die Muskeln ein Drehmoment erzeugen, hängt von mehreren biomechanischen und physiologischen Faktoren ab. Primär sind es die physiologische Muskelquerschnittsgröße, der Hebelarm sowie die Länge und Ausrichtung der Muskelfaserbündel, die die Bewegungseffi-zienz beeinflussen.
Die Skelettmuskulatur ist in der Lage, sich intrinsisch aktiv zu verkürzen, und erzeugt Kraft. Durch diese aktive Kontraktion und ihre direkten oder indirekten Ansätze am Skelett werden Drehmoment und Bewegung erzeugt (van den Berg 1999). Dadurch sind die Muskeln in der Lage, Bewegungen sowohl zwischen verschiedenen Körperteilen als auch im Raum einzuleiten. Abhängig von den morphologischen Eigenschaften des Muskels werden ihm eine oder mehrere Bewegungsrichtungen und mehr oder weniger Effektivität in der Erzeugung von Drehmoment und Bewegung zugeordnet.
Sowohl Muskelfaserbündelverlauf (Vektoren) und Hebelarmlänge zur momentanen Bewegungsachse als auch Muskel-größe und Muskellänge (Ausgangstellung) spielen eine Rolle in der Effektivität der Erzeugung und Kontrolle von Drehmoment und Bewegung. Zwanzig Prozent Verkürzung oder Verlängerung eines Muskels vermindert die intrinsische Muskelkrafterzeugung: Mechanoinsuffizienz (Macintosh, Bogduk et al. 1993). Optimale ökonomische intrinsische Krafterzeugung findet deshalb in der neutralen oder funktionellen Länge eines Muskels statt. In dieser Länge sind Aktin- und Myosin-filamente der Sarkomeren optimal zueinander platziert. Die funktio-nelle Länge des M. biceps brachii besteht z. B. bei ca. 90° Ellenbogenflexion. Für ein therapeutisches Kraft- und Muskelaufbautraining spielen daher Haltung und Ausgangsstellung eine kritische Rolle. Die langen, oberflächlichen und mehrgelenkigen Muskeln sind besonders anfällig für Mechanoinsuffizienz. Lokale Muskeln dagegen, z. B. die segmentalen tiefen Mm. multifidi bzw. M. transversus abdominus, verändern ihre Länge kaum zwischen maximaler Rumpfflexion und -extension. Sie werden dabei weder gedehnt noch gekürzt. Daher bleibt die Mechanoinsuffizienz der lokalen Muskeln unabhängiger von der Ausgangsstellung und Haltung (Macintosh, Valencia et al. 1986).
Je größer ein Muskel ist, desto höher ist sein Kraftvermögen. Darüber hinaus beeinflussen extrinsische Faktoren, wie z. B.viskoelastische Eigenschaften (Fett- und Bindegewebsanteil) oder die Sehnenlänge des Muskels, seine Kraftentwicklung und Übertragung auf das Skelett. Auch physiologische und neurologische Faktoren spielen eine Rolle in der Entwicklung von Drehmoment und Bewegung. Die Verteilung der Muskelfasertypen (I, IIa, IIb) beeinflusst die Kraftentwicklung einzelner Muskeln: So erzeugen die Muskeln mit einem hohen Anteil vom Typ I eine eher moderate Kraft mit hoher Ausdauer. Dagegen entwickeln die Muskeln mit überwiegend Typ-II-Fasern eine starke Kraft mit kurzer Ausdauer (van den Berg 1999).
Die Erzeugung von intrinsischer Kraftintensität und Drehmoment hängt auch von der Rekrutierung der zugehörigen motorischen Einheiten für ein bestimmtes Bewegungsmuster ab. Hier spielen neuromuskuläre Faktoren wie die z. B. Innervation eine Rolle. Schlecht innervierte Muskeln rekrutieren weniger motorische Einheiten und sind entsprechend weniger kräftig (Kendall, McCreary et al. 1993). Auch sensorische Defizite können die Koordination und Bewegungsökonomie beeinflussen. Psychologische Faktoren tragen ebenfalls zur Kraftentwicklung bei. Motivation und Bewegungsangst üben einen entscheidenden Einfluss auf die Ergebnisse von Tests für Muskelkraft aus. Der Bekanntheitsgrad des Bewegungsmusters beeinflusst seine Effizienz. Gelernte Bewegungen sind ökonomische Bewegungen. Psychologischen Faktoren wie Angst und Vertrauen beeinflussen vor allem die Kontraktion der Antagonisten der Bewegung (Damiano 1993) und müssen daher in den klinischen Messungen von Kraft berücksichtigt werden (Mannion, Taimela et al. 2001).
2. Gleichgewicht bewahren
Jeder Bewegungsimpuls wirkt sich mechanisch sowohl auf die Orientierung der Körpermaße im Raum (Gleichgewicht) als auch auf die angrenzenden Gelenke aus. Dazu kommt die Wirkung von verschiedenen Kräften auf die Gelenkflächen (Druck und Scherkraft). Um eine sichere Bewegung durchzuführen, muss deren Auswirkung auf den ganzen Körper kontrolliert werden können. Hier wird die Wechselwirkung von Bewegung, posturaler Kontrolle, proximaler (axialer) Haltungskontrolle und segmentaler Kontrolle deutlich (s. S. 3, Abb. 2).
Die Schulterflexion im Stehen z. B. würde den Körperschwerpunkt nach ventrolateral schieben, gleichzeitig den Oberkörper in Rumpfflexion und die Scapula in ein ventrales Kippen bringen. Um diese unerwünschte Wirkung der Bewe-gung zu unterbinden, müssen die Rumpf- und Scapula-Muskeln genau entgegenwirkende Drehmomente erzeugen: Homöostase. Gleichgewicht ist daher die Fähigkeit, den Körper und/oder Körperteile stillzuhalten unter dem Einfluss externer und/oder interner Krafteinwirkung. Die Summe aller Drehmomente ist Null. Die Muskeln leisten beim Gleichgewicht abbremsende und aufrichtende Arbeit. Dies ist die Voraus-setzung für die Orientierung, Stellung und Haltung des Körpers. Die Effizienz, mit der Muskeln einem Drehmoment entgegenwirken, besteht in gleicher Weise bei den Muskeln, die Bewegung und Drehmomente erzeugen. Dabei sind die mechanischen, physiologischen und neurologischen Prinzi-pien identisch. Daher sind die globalen oberflächlichen Muskeln sowohl zum Bewegen als auch zum Abbremsen einer Bewegung geeignet. Eine Bewegung einzuleiten benötigt meistens eine kurze konzentrische Muskelaktivität. Dagegen beansprucht eine Bewegungskontrolle eher ausdauernde statische bzw. exzentrische Kontraktionen.
3. Segmentale Stabilität erhalten
Der Begriff der segmentalen Stabilität bezieht sich auf die Kontrolle der Arthrokinematik. Intraartikuläre Bewegung, Druck und Scherkraft können sowohl eine Folge der Muskelkontraktion sein, die Bewegung erzeugt, als auch die Folge externer Kräfte (z. B.Schwerkraft), die auf das Gelenk wirken. Das osseoligamentäre strukturelle System ist selten allein in der Lage, ausreichenden segmentalen Schutz für die schmerzempfindlichen Strukturen der Gelenke und der umliegenden Gewebe zu gewährleisten (Cholewicki and McGill 1996). Folglich ist der Gelenkschutz auf die Hilfe der Muskeln angewiesen. Die Erzeugung des Drehmoments spielt in der segmentalen Stabilität weniger eine Rolle als die intrinsische und extrinsische Muskelfedersteifigkeit („muscle stiffness“). Das Ziel der Gelenkstabilität ist es, die Gelenkflächen möglichst zentriert zu halten und unerwünschte intraartikuäre abgleitende Bewegung zu unterbinden (Panjabi 1992). Hierbei stabilisieren die lokalen Muskeln das Segment oder das Gelenk überwiegend durch die Veränderung in ihrem Elastizitätskoeffizienten und weniger durch die Erzeugung eines Drehmoments (Johansson, Sjolander et al. 1991; Panjabi 1992). Da die Veränderung in der Elastizität im Muskel auf ca. 25% der maximalen Muskelaktivität begrenzt ist, spielt die Intensität der einzeln Muskelkontraktion (Kraft) eine geringere Rolle als die Kokontraktion (Hoffer and Andreassen 1981; Hogan 1990).
Die Kokontraktion lokaler Muskeln kann mit den kleinen Sprungfedern rechts und links auf dem Stift einer Toilettenrolle verglichen werden. Jedes Mal, wenn die Papierrolle abgleiten will (weil man am Papier zu schräg gezogen hat), stößt die elastische Sprungfeder das Papier zurück in die Mitte und absorbiert wie ein Trampolin die Stoßkräfte. So halten die lokalen Muskeln die Gelenke möglichst zentriert und absorbieren mechanischen Stress, ohne die primäre Bewegung der globalen Muskeln zu verhindern. Für diese Aufgabe brauchen die Muskeln weniger Kraft. Die Sprungfedern müssen möglichst nah auf beiden Seiten vom Stift platziert werden. Weil die meisten Gelenke mehr Bewegungsachsen als die Toilettenrolle haben, brauchen sie auch mehrere Muskeln in der Kokontraktion um das Gelenk herum (Lloyd 2001). Diese dauerhafte Kokontraktion spiegelt sich wieder in der tonischen Aktivität der lokalen Muskeln bei abwechselnder Belastung (s. S. 5, Abb. 3).
Abb. 3: Schematische Darstellung der Muskelsynergie bei abwechselnden Armbewegungen. Modifiziert nach Hodges in Richardson (Hodges et al. 2009).
Während abwechselnder Schulterbewegungen (Flexion-Extension) im aufrechten Stehen demonstrieren die lokalen Muskeln (z. B. M. transversus abdominis) eine submaximale, aber fortwährende Kokontraktion: tonische Aktivität. Dagegen ändert ein typisch globaler Rumpfmuskel wie der M. iliocostalis lumborum die Intensität seiner Kontraktion abwechselnd, der Bewegungsrichtung entsprechend und im Bewegungsrhythmus: phasische Aktivität. Dieser phasischen Aktivität entspricht die Gleichgewichtsfunktion globaler Muskeln (s. S. 5, Abb. 3).
Die Gelenkzentrierung ist eine wichtige Schutzfunktion für Segment- und Gelenkstrukturen wie Knorpel und Bandscheibe. Die Zentrierung von Gelenkflächen sichert die möglichst gleichmäßige Verteilung von Kraft über eine möglichst große Gelenkfläche. Konzentriert sich die Kraft dagegen auf eine kleine Stelle, wirkt dies wie „Stilettoabsätze“ auf dem Holzparkettboden und erhöht die Chancen von Verletzung.
Die biomechanischen, anatomischen und physiologischen Voraussetzungen für effektive segmentale Stabilität sind demgemäß fast gegensätzlich zu denen der Bewegungseffizienz (Bergmark 1989; Crisco und Panjabi 1991; Ettema 2001). Infolgedessen können lokale Muskeln segmental stabilisieren, sind aber selten in der Lage, effektive Drehmomente einer Bewegung einzuleiten oder dem Drehmoment entgegenzuwirken (Gleichgewicht) (Lieb and Perry 1968; Bergmark 1989). Zudem ist die Leistung der globalen Muskeln für die segmentale Stabilität auch bei maximalem Kraftaufwand ineffektiv (Bergmark 1989).
Ferner hängt die Mechanoeffizienz der segmental stabilisierenden Funktion weder von der Ausgangstelle noch der Haltung ab. Dies ermöglicht einen ausdauernden, konstanten Schutz während des gesamten Bewegungsausmaßes mit mini-malem Verlust der Bewegungsökonomie.
In Ergänzung haben lokale Muskeln einen hohen Anteil von Typus-I-Muskelfasern (Bajek, Bobinac et al. 2000) und eine hohe Muskelspindeldichte. Dies spricht dementsprechend für eine hohe Kapazität hinsichtlich Kraftausdauer und Kinästhesie (Wahrnehmung für Gelenkstellung, Bewegung, Kraft und Dehnung). Muskeln wie Mm. rotatores werden daher häufig als Wahrnehmungsorgan betrachtet (Bogduk 2000).
Die Anordnung im myofaszialen Spannungssystem erweist sich als äußerst effektiv und effizient für die widersprüchlichen Aufgaben der Muskulatur: Bewegung und Stabilität. Die globalen Muskeln leiten Bewegung ein und halten das Gleichgewicht, während die lokalen Muskeln die segmentale Stabilität bewahren.
1.3 Klinische Relevanz
Die klinische Relevanz der Einteilung der Muskeln im myofaszialen System zeigt sich besonders bei dem Verständnis der Muskeldysfunktionen und der Rehabilitation bei Verletzungen und muskuloskelettalen Schmerzen. Die einzelnen Muskelsysteme weisen unterschiedliche Defizite auf. Sie benötigen somit entsprechende unterschiedliche therapeutische Übungsstrategien zur Rehabilitation. Mögliche Muskeldysfunktionen sind: Muskelschwäche, Verlust von Kraftausdauer (Muskelermüdung), Koordinationsstörung, histologische Veränderung, Atrophie, neuromuskuläre Hemmung und Wahrnehmungsstörung.
Lokale Muskeln
Die Dysfunktionen der lokalen Muskeln bei muskuloskelettalen Schmerzen wurden in zahlreichen Studien erforscht (Hides, Richardson et al. 1996; Hodges and Richardson 1996; Belavy, Richardson et al. 2007; Grimaldi, Richardson et al. 2009; Belavy, Armbrecht et al. 2011). Die Hauptdysfunktion bei rezidivierenden Schmerzen ist eine Koordinationsstörung. Beispielsweise bei Kreuzschmerzen findet die normale Vorprogrammierung der lokalen Muskeln vor der Armbewegung verzögert statt. Zudem verändert sich die Ansteuerung von einer tonischen Kokontraktion zur phasischen Aktivität (Hodges et al. 1996; MacDonald, Moseley et al. 2006). Damit fehlt der rechtzeitige und konstante Gelenkschutz für die Wirbelsegmente. Das Hauptziel der therapeutischen Übungen für chronische Schmerzen, ist diese Koordinationsstörung zu beheben. Weitere lokale Muskeldysfunktionen bei Kreuzschmerzen sind Atrophie (Hides, Richardson et al. 1996) und morphologische Umwandlungen wie z. B. eine Erhöhung des Fett- und Bindegewebsanteils (Zhao, Kawaguchi et al. 2000). Alle diese Defizite stehen in einem engen Zusammenhang mit Schmerzen. Trotz Wiederaufnahme von alltäglichen Aktivitäten und Sport beheben sich die Defizite nicht spontan nach der Remission von Beschwerden (Hides, Richardson et al. 1996; Hodges and Richardson 1996; Hides, Jull et al. 2001). Daher ist eine gezielte Therapie des lokalen Systems unerlässlich für die Rehabilitation und Prävention rezidivierender Schmerzen. Mehrere randomisierte, kontrollierte Studien bestätigen die Wirksamkeit von gezielter Übungstherapie der lokalen Muskeln (O‘Sullivan, Twomey et al. 1997; Hides, Jull et al. 2001; Ferreira, Ferreira et al. 2006; Goldby, Moore et al. 2006; Tsao and Hodges 2008).
Globale Muskeln
Im Vergleich mit lokalen Muskeldysfunktionen sind die Defizite des globalen Muskelsystems bei Schmerzen variabler und individueller. Sie beheben sich zudem häufiger spontan nach Remission von Symptomen und Wiederaufnahme von alltäglichen und sportlichen Aktivitäten.
Die Merkmale der Muskeldysfunktionen der langen, mehrgelenkigen Muskeln und lokalen Muskeln sind nahezu gegensätzlich. Sie tendieren häufig zu erhöhter Dehnempfindlichkeit (Verkürzung), zu zu früher Aktivität und Hyperaktivität (Hypertonie). Außerdem sind sie eng verbunden mit den mechanosensiblen neuralen Strukturen. Ist z. B. der N. ischiadicus gereizt, ist während des Dehnens der ischiocuralen Muskulatur der M. biceps femoris sehr früh aktiv (Hall and Elvey 1999). Die erhöhte Muskelaktivität findet weit vor der Wahrnehmung des Patienten von Dehnschmerzen und von einem Bewegungswiderstand statt. Die sehr frühe mehrgelenkige Muskelaktivität ist ein wiederholbares und zuverlässiges Zeichen einer Nervenreizung.
Die Defizite der eingelenkigen, globalen Muskeln dagegen sind variabler. Diese Muskelgruppe kann sowohl Veränderungen in Kraft, Ausdauer, Koordination und Muskelmorphologie als auch Dehnempfindlichkeit und Hyperaktivität aufweisen.
Dysfunktionen im globalen System werden oft als Muskeldysbalance bezeichnet. Die verschiedenen Messverfahren der Muskeldysbalance versuchen, eine Unverhältnismäßigkeit zwischen den verschiedenen Muskelgruppen zu identifizieren. Zum einen werden unterschiedliche Kraftverhältnisse zwischen Agonisten und Antagonisten (Schifferdecker-Hoch and Denner 1999) und zum anderen die Muskelaktivitätsverhältnisse zwischen den mehr- und eingelenkigen Muskeln gemessen (Janda 1996; Ng, Richardson et al. 2002; Belavy, Richardson et al. 2007).
Außerdem werden Defizite der axialen Haltungskontrolle (Klein-Vogelbach 1990; Sahrmann 2001; Luomajoki, Kool et al. 2008) und der posturalen Gleichgewichtskontrolle (Smith, Coppieters et al. 2008; Smith, Chang et al. 2010) als Dysfunktionen im globalen System beschrieben. Diesen Defiziten könnten eine Koordinationsstörung (Radebold, Cholewicki et al. 2001; O‘Sullivan, Dankaerts et al. 2006), eine Wahrnehmungsstörung (Brumagne, Cordo et al. 2000; O‘Sullivan, Burnett et al. 2003; Moseley 2008) oder eine Dysbalance (Hides, Brown et al. 2012) zugrunde liegen.
Darüber hinaus reduziert exzessive Kokontraktion der globalen Muskeln die Bewegungsökonomie und belastet die Strukturen gleichzeitig. So entwickeln z. B. Personen mit exzessiver Kokontraktion der Mm. ischiocrurales beim Treppenabstieg schneller eine Gonarthrose. (Hodges, van den Hoorn et al. 2012).
Testmethoden für Muskelkraft und Kraftausdauer sind vielfältig. Schwäche jedoch entsteht häufig durch Bewegungsmangel und Dekonditionierung (Mandell, Weitz et al. 1993; Wang, Macfarlane et al. 2000; Nadler, Malanga et al. 2002). Muskelschwäche ist daher meistens selbstlimitierend, sobald das muskuloskelettale System wieder bewegt und belastet wird. Entsprechend sollen Trainingsprogramme für Kraft und Kraftausdauer sportspezifisch, alltagsspezifisch und arbeitsplatzspezifisch gestaltet werden. Nur so kann die Kraft über eine Trainingspause hinaus langfristig erhalten bleiben. Die Wirkung der Trainingstherapie auf chronische Schmerzen dagegen hält längerfristiger an. Das liegt eher am Abbau von Bewegungsangst und Bewegungsmangel als an der Verbesserung der Muskelkraft (Mannion, Muntener et al. 2001).
Die Auswahl therapeutischer Übungskonzepte ist vielfältig. Die schematische Darstellung des myofaszialen Systems in seinen drei Ebenen der Funktion und Dysfunktion erleichtert ein systematisches Vorgehen in der Therapie. Zum Beispiel eignen sich spezifische Übungen für die tiefen Muskeln zur Behebung der Koordinationsstörung des lokalen Systems (Tsao, Galea et al. 2010). Übungen zur Bewahrung der lumbalen Lordose unter moderater Rumpfbelastung fördern Haltungskontrolle und globale Koordination. Wahrnehmungsübungen mit Biofeedback für Gelenkstellungssinn der lumbalen Lordose steigern die Haltungskontrolle. Manuelle Techniken zur Hemmung und Desensibilisierung des mehrgelenkigen globalen Muskels können ihre zu frühe und Überaktivität lindern. Gezieltes Kraftausdauertraining begleitet und ermutigt Patienten, zurück zu ihrem Sport und Arbeitsplatz zu kehren. Einer Sturzangst könnte durch gezieltes Gleichgewichtstraining mit labilen Unterlagen abgeholfen werden.
Die klinische Entscheidung für die Auswahl der therapeutischen Übungen wird also sowohl aufgrund verschiedener Funktionen und Dysfunktionen des myofaszialen Systems als auch aufgrund individueller muskuloskelettaler Bedürfnisse des betroffenen Patientens getroffen.
2 Obere Extremität –
Schultergürtelmuskulatur
M. trapezius, Pars ascendens
M. trapezius, Pars transversa
M. trapezius, Pars descendens
M. levator scapulae
M. rhomboideus major
M. rhomboideus minor
M. serratus anterior
M. pectoralis minor
M. subclavius
Musculus trapezius, Pars ascendens
Die Pars ascendens des M. trapezius verschiebt die Scapula nach kaudal und kann bei gleichzeitiger Kontraktion der Pars descendens das Schulterblatt so drehen, dass die Facies glenoidalis nach kranial zeigt und der untere Schulterblattwinkel nach lateral wandert (Elevationsstellung).
UrsprungProcessus spinosi der 4.–12. Brustwirbel Ligamentum supraspinale
Ansatzüber eine Aponeurose an der medialen Spina scapulae
InnervationNervus accessorius (XI) zusätzlich Rami ventrales, C2–C4
Funktionen
Synergisten
Antagonisten
Articulationes acromioclavicularis und sternoclavicularis
Verschiebung der Scapula nach kaudal
M. serratus anterior (kaudaler Anteil)
M. pectoralis minor
indirekt über Ansatz am Humerus via Adduktion
M. latissimus dorsi
M. pectoralis major
M. trapezius, Pars descendens
M. levator scapulae
Mm. rhomboidei
M. serratus anterior (kranialer Anteil)
Verschiebung der Scapula nach medial
M. trapezius, Pars descendens und transversa
Mm. rhomboidei
M. levator scapulae
indirekt über Ansatz am Humerus via Adduktion
M. latissimus dorsi
M. pectoralis major
M. serratus anterior
Drehung der Scapula in die Elevationsstellung
M. serratus anterior (kaudaler Anteil)
M. trapezius, Pars descendens
Mm. rhomboidei
M. serratus anterior (kranialer Anteil)
M. pectoralis minor
indirekt über Ansatz am Humerus via Adduktion
M. latissimus dorsi
M. pectoralis major
Muskelfunktionsprüfung
Kraftgrad
5/4
Ausgangsstellung: Der Patient liegt auf dem Bauch, der betroffene Arm gestreckt neben dem Kopf.
Untersuchungsgang: Der Untersucher unterstützt mit einer Hand den elevierten Arm des Patienten, mit der anderen gibt er Druck am Angulus inferior scapulae in kraniale Richtung.
Instruktion: „Halten Sie den Arm, ziehen Sie das Schulterblatt gegen meinen Widerstand zum unteren Rücken und halten Sie die Position.“
3
Ausgangsstellung: Der Patient liegt auf dem Bauch, der betroffene Arm gestreckt neben dem Kopf.
Untersuchungsgang: Der Untersucher beaobachtet die Schulterblattbewegung.
Instruktion: „Heben Sie den Arm von der Unterlage ab und ziehen Sie das Schulterblatt zum unteren Rücken.“
2
Ausgangsstellung: Der Patient liegt auf dem Bauch, der betroffene Arm liegt außenrotiert neben dem Körper.
Untersuchungsgang: Der Untersucher beobachtet den Patienten.
Instruktion: „Heben Sie den Arm von der Unterlage ab und ziehen Sie das Schulterblatt zum unteren Rücken.“
1/0
Ausgangsstellung: Der Patient liegt auf dem Bauch.
Untersuchungsgang: Der Untersucher palpiert die Pars ascendens des M. trapezius.
Instruktion: „Versuchen Sie, Ihre Schulterblätter zum unteren Rücken zu ziehen.“
Klinische Relevanz
•Eine Trapeziusschwäche nach einer Läsion des Nervus accessorius zeigt sich oft durch ein charakteristisches, flügelartiges Abstehen des Schulterblattes (Scapula alata). Das Abstehen ist bei der Abduktion des Armes im Schultergelenk besonders deutlich sichtbar.
•Eine unilaterale Kontraktur des M. trapezius sieht man häufig bei einem Schiefhals (Torticollis).
•Eine Schwäche des M. trapezius erschwert die Abduktion und Elevation des Oberarmes über Schulterhöhe.
•Im Muskel gibt es häufig aktive Triggerpunkte.
Probleme/Hinweise
•Bei Bewegungseinschränkungen im Schultergelenk kann der Arm auch seitlich an der Kante der Untersuchungsliege herunterhängen.
Musculus trapezius, Pars transversa
Die Pars transversa des M. trapezius verschiebt die Scapula nach medial und fixiert sie am Rumpf.
UrsprungLigamentum nuchae Processus spinosi der 5. Hals- bis 3. Brustwirbel
AnsatzSpina scapulae Acromion
InnervationNervus accessorius (XI) zusätzlich Rami ventrales, C4–C6
BesonderheitenDie Pars transversa entspringt mit einem rhombischen Sehnenspiegel von den Procc. spinosi.
Funktionen
Synergisten
Antagonisten
Articulationes acromioclavicularis und sternoclavicularis
Verschiebung der Scapula nach medial
M. trapezius, Pars descendens und ascendens
Mm. rhomboidei
M. levator scapulae (schwach)
indirekt über Ansatz am Humerus via Adduktion
M. latissimus dorsi
M. pectoralis major
M. serratus anterior
Muskelfunktionsprüfung
Kraftgrad
5/4
Ausgangsstellung: Der Patient liegt auf dem Bauch. Der Arm ist im Schultergelenk 90° abduziert und im Ellenbogengelenk 90° flektiert.
Untersuchungsgang: Der Untersucher fixiert mit einer Hand den Thorax, mit der anderen gibt er Druck auf das Schultergelenk in Richtung Unterlage.
Instruktion: „Heben Sie Arm und Schulter gegen meinen Widerstand von der Unterlage ab und halten Sie die Position.“
3
Ausgangsstellung: Der Patient liegt auf dem Bauch. Der Arm ist im Schultergelenk 90° abduziert und im Ellenbogengelenk 90° flektiert.
Untersuchungsgang: Der Untersucher beobachtet die Schulterbewegung.
Instruktion: „Heben Sie Arm und Schulter von der Unterlage ab.“
2
Ausgangsstellung: Der Patient sitzt und legt den betroffenen Arm, im Schultergelenk 90° abduziert und im Ellenbogengelenk 90° flektiert, seitlich auf die Untersuchungsliege.
Untersuchungsgang: Der Untersucher beobachtet die Schulterbewegung.
Instruktion: „Schieben Sie den Arm über die Unterlage nach hinten.“
1/0
Ausgangsstellung: Der Patient liegt auf dem Bauch.
Untersuchungsgang: Der Untersucher palpiert die Pars transversa des M. trapezius.
Instruktion: „Versuchen Sie, Arm und Schulter von der Unterlage abzuheben.“
Klinische Relevanz
•Eine Trapeziusschwäche nach einer Läsion des Nervus accessorius zeigt sich oft durch ein charakteristisches, flügelartiges Abstehen des Schulterblattes (Scapula alata). Das Abstehen ist bei der Abduktion des Armes im Schultergelenk besonders deutlich sichtbar.
•Eine unilaterale Kontraktur des M. trapezius sieht man häufig bei einem Schiefhals (Torticollis).
•Eine Schwäche des M. trapezius erschwert die Abduktion und Elevation des Oberarmes über Schulterhöhe.
•Im Muskel finden sich häufig aktive Triggerpunkte.
Musculus trapezius, Pars descendens
Die Pars descendens des M. trapezius verschiebt die Scapula nach kranial. Sie kann gemeinsam mit der Pars ascendens das Schulterblatt so drehen, dass die Facies glenoidalis nach kranial zeigt und der untere Schulterblattwinkel nach lateral wandert (Elevationsstellung). Zusätzlich verstärkt der Muskel die Lordose (Extension) der Halswirbelsäule und neigt sie zur gleichen Seite.
UrsprungProtuberantia occipitalis externa, mediales Drittel der Linea nuchalis superior, Ligamentum nuchae (kranialer Anteil) Processus spinosi der 1.–4. Halswirbel
Ansatzlaterales Drittel der ClaviculaAcromion
InnervationNervus accessorius (XI)zusätzlich Rami ventrales, C2–C4
Funktionen
Synergisten
Antagonisten
Articulationes zygapophysiales
Lateralflexion
M. sternocleidomastoideus (nach ipsilateral)
M. levator scapulae
M. iliocostalis
M. longissimus
Mm. intertransversarii
M. spinalis
M. multifidus
M. semispinalis
kontralaterale Anteile der bei den Synergisten genannten Muskeln
Extension der Halswirbelsäule
autochthone Nackenmuskeln (gleichseitige Anteile)
M. sternocleidomastoideus (beidseitig)
M. levator scapulae (beidseitig)
M. longus colli
M. longus capitis
M. sternocleidomastoideus (beidseitig bei bereits vorgeneigtem Kopf)
Verschiebung der Scapula nach kranial
M. levator scapulae
Mm. rhomboidei
M. serratus anterior (kranialer Anteil)
M. trapezius, Pars ascendens
M. serratus anterior (kaudaler Anteil)
M. pectoralis minor
indirekt über Ansatz am Humerus via Adduktion
M. latissimus dorsi
M. pectoralis major
Verschiebung der Scapula nach medial
M. trapezius, Pars transversa und ascendens
Mm. rhomboidei
M. levator scapulae
indirekt über Ansatz am Humerus via Adduktion
M. latissimus dorsi
M. pectoralis major
M. serratus anterior
Drehung der Scapula in die Elevationsstellung
M. serratus anterior (kaudaler Anteil)
M. trapezius, Pars ascendens
Mm. rhomboidei
M. serratus anterior (kranialer Anteil)
M. pectoralis minor
indirekt über Ansatz am Humerus via Adduktion
M. latissimus dorsi
M. pectoralis major
Muskelfunktionsprüfung
Kraftgrad
5/4
Ausgangsstellung: Der Patient sitzt mit locker herunterhängenden Armen.
Untersuchungsgang: Der Untersucher drückt die Schultern des Patienten nach kaudal.
Instruktion: „Heben Sie die Schultern gegen meinen Widerstand in Richtung Ohren und halten Sie die Endstellung.“
3
Ausgangsstellung: Der Patient sitzt mit locker herunterhängenden Armen.
Untersuchungsgang: Der Untersucher beobachtet die Schulterbewegung des Patienten.
Instruktion: „Heben Sie Ihre Schultern so weit wie möglich.“
2
Ausgangsstellung: Der Patient liegt auf dem Bauch, die Arme sind neben dem Körper platziert. Seine Stirn liegt auf der Untersuchungs-liege auf.
Untersuchungsgang: Der Untersucher unterstützt, wenn notwendig, die Schultern von ventral.
Instruktion: „Bewegen Sie Ihre Schulter so weit wie möglich in Richtung Ohr.“
1/0
Ausgangsstellung: Der Patient sitzt.
Untersuchungsgang: Der Untersucher tastet die Pars descendens des M. trapezius.
Instruktion: „Versuchen Sie, Ihre Schulter so weit wie möglich anzuheben.“
Klinische Relevanz
•Eine unilaterale Kontraktur des M. trapezius sieht man häufig bei einem Schiefhals (Torticollis).
•Eine Schwäche des M. trapezius erschwert die Abduktion und Elevation des Oberarmes über Schulterhöhe.
•Ein verkürztes Ligamentum costoclaviculare behindert die Elevation der Scapula.
•Im Muskel finden sich häufig aktive Triggerpunkte.
Musculus levator scapulae
Der M. levator scapulae wirkt in Abhängigkeit vom jeweiligen Punctum mobile oder Punctum fixum als Heber des Schulterblattes bzw. verhindert das Absinken des Schulterblattes etwa beim Tragen schwerer Lasten. Zusätzlich zieht er das Schulterblatt nach medial. Andererseits kann der M. levator scapulae bei beidseitiger Anspannung die Halswirbelsäule strecken bzw. bei einseitiger Kontraktion zur gleichen Seite neigen.
UrsprungTubercula posteriora der Processus transversi der 1.–4. Halswirbel
AnsatzAngulus superior scapulae und angrenzende Margo medialis scapulae
InnervationNervus dorsalis scapulae, C3–C5zusätzlich Rami ventrales, C3–C5
Funktionen
Synergisten
Antagonisten
Articulationes acromioclavicularis und sternoclavicularis
Verschiebung der Scapula nach kranial
M. trapezius, Pars descendens
Mm. rhomboidei
M. serratus anterior (kranialer Anteil)
M. trapezius, Pars ascendens
M. serratus anterior (kaudaler Anteil)
M. pectoralis minor
über Ansatz am Humerus via Adduktion
M. latissimus dorsi
M. pectoralis minor
Verschiebung der Scapula nach medial
M. trapezius
Mm. rhomboidei
indirekt über Ansatz am Humerus via Adduktion
M. latissimus dorsi
M. pectoralis major
M. serratus anterior
Muskelfunktionsprüfung
Kraftgrad
5/4
Ausgangsstellung: Der Patient sitzt mit locker herunterhängenden Armen.
Untersuchungsgang: Der Untersucher drückt die Schultern des Patienten nach kaudal.
Instruktion: „Heben Sie die Schultern gegen meinen Widerstand in Richtung Ohr und halten Sie die Endstellung.“
3
Ausgangsstellung: Der Patient sitzt mit locker herunterhängenden Armen.
Untersuchungsgang: Der Untersucher beobachtet die Schulter-bewegung des Patienten.
Instruktion: „Heben Sie Ihre Schultern so weit wie möglich.“
2
Ausgangsstellung: Der Patient liegt auf dem Bauch, die Arme sind neben dem Körper platziert. Seine Stirn liegt auf der Untersuchungs-liege auf.
Untersuchungsgang: Der Untersucher unterstützt, wenn notwendig, die Schultern von ventral.
Instruktion: „Bewegen Sie Ihre Schulter so weit wie möglich in Richtung Ohr.“
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Ausgangsstellung: Der Patient sitzt mit locker herunterhängenden Armen.
Untersuchungsgang: Der Untersucher palpiert den M. levator scapulae am Angulus superior.
Instruktion: „Versuchen Sie, Ihre Schultern so weit wie möglich in Richtung Ohr zu heben.“
Klinische Relevanz
•Wenn eine Schwäche des M. trapezius besteht, kann durch ein Überwiegen der Tätigkeit des M. levator scapulae der Angulus superior scapulae nach oben gezogen werden.
•Am Ansatz des M. levator scapulae befindet sich häufig ein aktiver Triggerpunkt.
Probleme/Hinweise
•Es ist schwer, die Funktion des M. levator scapulae von der des M. trapezius, Pars descendens, zu unterscheiden.
Musculus rhomboideus major
Die Mm. rhomboidei heben das Schulterblatt und führen es an die Wirbelsäule heran. Gemeinsam mit dem antagonistischen M. serratus anterior pressen sie den medialen Scapularand auf den Brustkorb und fixieren ihn damit.
UrsprungProcessus spinosi der 1.–5. Brustwirbel
AnsatzMargo medialis scapulae zwischen Spina scapulae und Angulus inferior
InnervationNervus dorsalis scapulae, C4–C5
Funktionen
Synergisten
Antagonisten
Articulationes acromioclavicularis und sternoclavicularis
Verschiebung der Scapula nach kranial
M. trapezius, Pars descendens
M. levator scapulae
M. rhomboideus minor
M. serratus anterior (kranialer Anteil)
M. trapezius, Pars ascendens
M. serratus anterior (kaudaler Anteil)
M. pectoralis minor
indirekt über Ansatz am Humerus
M. latissimus dorsi
M. pectoralis major
Verschiebung der Scapula nach medial
M. trapezius
M. rhomboideus minor
M. levator scapulae (schwach)
indirekt über Ansatz am Humerus via Adduktion
M. pectoralis major
M. latissimus dorsi
M. serratus anterior
Muskelfunktionsprüfung
Kraftgrad
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Ausgangsstellung: Der Patient liegt auf dem Bauch. Der zu prüfende Arm ist im Schultergelenk innenrotiert und liegt auf der Bank.
Untersuchungsgang: Der Untersucher fixiert mit einer Hand die zugehörige Scapula und gibt Druck nach lateral und kaudal.
Instruktion: „Heben Sie den Arm und die Schulter gegen meinen Widerstand ab und halten Sie die Endstellung.“
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Ausgangsstellung: Der Patient liegt auf dem Bauch. Der zu prüfende Arm ist im Schultergelenk innenrotiert und liegt auf der Bank.
Untersuchungsgang: Der Untersucher beobachtet die Bewegung der Scapula.
Instruktion: „Heben Sie den Arm und die Schulter von der Bank ab.“
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Ausgangsstellung: Der Patient sitzt. Die Arme sind im Schultergelenk innenrotiert.
Untersuchungsgang: Der Untersucher beobachtet die Bewegung der Scapula.
Instruktion: „Führen Sie die Schulterblätter so weit wie möglich zusammen.“
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Ausgangsstellung: Der Patient liegt auf dem Bauch.
Untersuchungsgang: Der Untersucher palpiert den M. rhomboideus major.
Instruktion: „Versuchen Sie, Arm und Schulter von der Bank abzuheben.“
Klinische Relevanz
•Ohne Fixation der Scapula durch die Mm. rhomboidei ist die Kraft der Adduktion und Extension des Oberarmes im Schultergelenk verringert.
•Die normale Funktion des Armes ist weniger durch den Ausfall der Mm. rhomboidei, als durch den Ausfall des M. trapezius und des M. serratus anterior eingeschränkt.
•Eine Schwäche des Muskels kann ein mediales Abstehen der Scapula hervorrufen (Scapula alata).
Probleme/Hinweise
•Der M. rhomboideus major wird zusammen mit dem M. rhomboideus minor getestet.
•Achten Sie darauf, dass der Patient den Humeruskopf nicht auf die Untersuchungsbank drückt und versucht, den Arm zu heben. Arm und Schulterblatt sollten sich zusammen bewegen.
Musculus rhomboideus minor
Die Mm. rhomboidei heben das Schulterblatt und führen es an die Wirbelsäule heran. Gemeinsam mit dem antagonistischen M. serratus anterior pressen sie den medialen Scapularand auf den Brustkorb und fixieren ihn damit.
UrsprungProcessus spinosi der 6.–7. Halswirbel
AnsatzMargo medialis scapulae im Bereich der Spina scapulae
InnervationNervus dorsalis scapulae, C4–C5
Funktionen
Synergisten
Antagonisten
Articulationes acromioclavicularis und sternoclavicularis
Verschiebung der Scapula nach kranial
M. trapezius, Pars descendens
M. levator scapulae
M. rhomboideus major
M. serratus anterior (kranialer Anteil)
M. trapezius, Pars ascendens
M. serratus anterior (kaudaler Anteil)
M. pectoralis minor
indirekt über Ansatz am Humerus
M. latissimus dorsi
M. pectoralis major
Verschiebung der Scapula nach medial
M. trapezius
M. rhomboideus major
M. levator scapulae
M. serratus anterior
Muskelfunktionsprüfung
Kraftgrad
5/4
Ausgangsstellung: Der Patient liegt auf dem Bauch. Der zu prüfende Arm ist im Schultergelenk innenrotiert und liegt auf der Bank.
Untersuchungsgang: Der Untersucher fixiert mit einer Hand die zugehörige Scapula und gibt Druck nach lateral und kaudal.
Instruktion: „Heben Sie den Arm und die Schulter gegen meinen Widerstand ab und halten Sie die Endstellung.“
3
Ausgangsstellung: Der Patient liegt auf dem Bauch. Der zu prüfende Arm ist im Schultergelenk innenrotiert und liegt auf der Bank.
Untersuchungsgang: Der Untersucher beobachtet die Bewegung der Scapula.
Instruktion: „Heben Sie den Arm und die Schulter von der Bank ab.“
2
Ausgangsstellung: Der Patient sitzt. Die Arme sind im Schultergelenk innenrotiert.
Untersuchungsgang: Der Untersucher beobachtet die Bewegung der Scapula.
Instruktion: „Führen Sie die Schulterblätter so weit wie möglich zusammen.“
1/0
Ausgangsstellung: Der Patient liegt auf dem Bauch.
Untersuchungsgang: Der Untersucher palpiert den M. rhomboideus minor.
Instruktion: „Versuchen Sie, Arm und Schulter von der Bank abzuheben.“
Klinische Relevanz
•Ohne Fixation der Scapula durch die Mm. rhomboidei ist die Kraft der Adduktion und Extension des Oberarmes im Schultergelenk verringert.
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