Das Novembermädchen - Katrin Tempel - E-Book

Das Novembermädchen E-Book

Katrin Tempel

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Beschreibung

Ein Leben für die Menschen, die Liebe und die Freiheit 1866: Am Vorabend des Krieges herrschen Hunger und Leid in Berlin. Da hat die junge Mutter Lina Morgenstern eine Idee: Wenn man Nahrungsmittel in großen Mengen einkauft und zubereitet, können viele Menschen eine gesunde, warme Mahlzeit bekommen. Die inspirierende Geschichte einer eigensinnigen Frau im Deutschland des 19. Jahrhunderts Kurz darauf beginnt ihr Kampf für die erste Berliner Volksküche: der Grundstein für ein Netz aus Suppenküchen in der ganzen Stadt. Doch wird Lina es dabei nicht belassen. Während ihr Mann zu Hause dafür sorgt, dass die fünf Kinder nicht zu kurz kommen, wird aus ihrem sozialem Engagement bald auch ein politischer Kampf für Gerechtigkeit und Frieden. Mit ausgewählten Rezepten aus dem Kochbuch von Lina Morgenstern »Eine tolle Biografie, vermittelt durch einen lesenswerten historischen Roman.« ― Brigitte 

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Für Georg und Emma

ISBN 978-3-492-99141-4 © Piper Verlag GmbH, München 2018 Covergestaltung: FAVORITBUERO, München Covermotiv: shutterstock/Timof; Magdalena Russocka/ Trevillion Images; shutterstock/mamita; shutterstock/Durch canadastock Datenkonvertierung: CPI books GmbH, Leck

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Inhalt

Cover & Impressum

Prolog – Berlin, 16. Dezember 1909

1 – Breslau, Sommer 1846

2 – Breslau, Spätsommer 1846

3 – Breslau, 14. März 1854

4 – Berlin, Dezember 1854

5 – Berlin, Mai 1855

6 – Berlin, Juni 1857

7 – Berlin, April 1859

8 – Berlin, Mai 1866

9 – Berlin, Mai 1866

10 – Berlin, 6. Juni 1866

11 – Berlin, 8. Juni 1866

12 – Berlin, 4. Juli 1866

13 – Berlin, 9. Juli 1866

14 – Berlin, 27. Juli 1866

15 – Berlin, Oktober 1867

16 – Berlin, Februar 1868

17 – Bornim, Juli 1870

18 – Berlin, 19. Juli 1870

19 – Berlin, 21. Juli

20 – Berlin, 25. Juli 1870

21 – Berlin, 2. August 1870

22 – Berlin, Ende August 1870

23 – Berlin, Anfang September 1870

24 – Berlin, Mitte September 1870

25 – Berlin, Dezember 1870

26 – Berlin, Dezember 1870

27 – Berlin, Juli 1871

Epilog – Berlin, 16. Dezember 1909

Ausgewählte Rezepte aus dem Kochbuch von Lina Morgenstern

Zander à la Normande

Krustierte Rinderbrust au four

Halbgefrorenes nach Fürst Pückler

Gebratene Ente mit Teltower Rübchen

Makkaroni mit Tomatensoße

Käseschiffchen

Krautsuppe

Saure Erbsen

Graupen mit Pflaumen

Kaiserschnitzel

Stärkende Suppe

Latkes

Nachwort

Guide

Prolog

Berlin, 16. Dezember 1909

Große, schwere Schneeflocken lösten sich aus den tief hängenden Wolken, segelten an dem hohen Fenster vorbei und schmolzen auf der Straße. Eine Mutter mit zwei Kindern eilte vorbei. Die Kleinen trugen dicke Mäntel und Schals, die um den Kopf gewickelt waren. Der kleine Junge blieb stehen, streckte die Zunge heraus und versuchte, ein paar der weißen Flocken aufzufangen. Unwirsch zerrte seine Mutter ihn am Arm weiter.

Ein Droschkenkutscher trieb seinen Gaul zu einem flotten Trab an. Ihm kam eines der neumodischen Automobile entgegen, und der schwarze Qualm aus dem Auspuff machte alles noch dunkler und grauer.

Lina zog das warme Wolltuch um die Schultern ein wenig höher und griff nach der Tasse Kaffee, die ihr das Hausmädchen auf das Tischchen am Fenster gestellt hatte. Bedächtig nahm sie einen Schluck und setzte sich in den Stuhl mit der hohen Lehne. Von hier aus konnte sie weiter das Treiben auf der Straße beobachten und gleichzeitig ihre müden Beine ausruhen. Sie hörte, wie die Tür zum Salon geöffnet wurde.

»Guten Morgen!«, rief sie, ohne sich umzudrehen. Sie erkannte ihren Mann schon an der Art, wie er die Türklinke nach unten drückte.

Theodor stellte sich hinter sie und berührte sie sacht an der Schulter. »Willst du heute nicht mit mir kommen?«

Bedauernd schüttelte Lina den Kopf. »Verzeih mir, aber ich bin so müde, als hätte ich ein Dutzend Nächte durchgearbeitet.«

Theodor lächelte, und ein Netz feiner Fältchen umgab seine Augen. »Diese Nächte sind lange her. Soll ich Anna mit einem leichten Frühstück zu dir schicken?«

»Ach, ich weiß nicht, ob ich wirklich etwas essen mag. Heute fällt mir wirklich alles schwer.« Sie blickte ihm in die dunklen Augen. »Wir werden alt.«

Theodor sah sie liebevoll an. War sie in den letzten Wochen nicht noch kleiner und schmaler geworden? »Wir sind schon alt. Und dafür halten wir uns ganz gut, finde ich. Morgen wird es dir sicher besser gehen.«

Lina sah wieder auf die Straße. »Morgen? Diese Welt wird immer wahnsinniger. Ich weiß nicht, ob ich das erleben möchte. Es gibt jetzt Torpedos, die hören, wo ein Schiff fährt, und es dann treffen können. Hast du das gelesen? Was mag als Nächstes kommen? Denkende Gewehre?«

Theodor fuhr ihr sanft über den Rücken. »Es mag sein, dass die Welt wahnsinnig wird. Und doch ist nicht alles schlecht. In dieser Stadt gibt es viele, denen es durch dich ein bisschen besser geht. Vielleicht muss das reichen.«

»Vielleicht«, murmelte Lina. Sie wirkte nicht sehr überzeugt.

Theodor beugte sich zu ihr hinunter und küsste sie auf die Wange. »Du wirst die Welt nicht retten können, mein Schatz.«

Lina blickte zu ihm auf. »Aber man muss es doch wenigstens versuchen …«

Für einen Augenblick sah er wieder das Funkeln in ihren Augen, in das er sich vor so vielen Jahren verliebt hatte.

»Dann ruh dich heute aus. Und morgen kannst du wieder die Welt vor Krieg und Hunger retten.«

Er küsste sie ein letztes Mal auf die Wange und verließ den Raum. Das Hausmädchen brachte eine weitere Tasse Kaffee, dazu zwei Scheiben geröstetes Brot und ein weich gekochtes Ei. Lina lächelte sie an. »Danke, das ist nett von Ihnen. Jetzt möchte ich ein wenig allein sein.«

Sie blickte wieder hinunter auf die Straße und sah Theodor, der sich in seinem dicken Mantel, den Hut tief ins Gesicht gedrückt, auf den Weg zur Verlagssitzung machte.

Sein Schritt war federnd, immer noch. Er schien zum Takt einer Melodie zu laufen, die allein er hören konnte. Lina lächelte leise. Genau dieser Gang war ihr aufgefallen, als sie ihn das erste Mal gesehen hatte – damals, vor dreiundsechzig Jahren. Was hatten sie nicht alles gemeinsam erlebt! Liebe und Krieg, Freude und Verzweiflung. Die Welt hatte sich verändert, und Lina war sich keineswegs sicher, ob diese moderne Welt eine bessere war.

1

Breslau, Sommer 1846

Leise klangen die Töne des Klaviers durch den großen Salon und reihten sich zu einer melancholischen Melodie, die so gar nicht zu dem Sonnentag passen wollte, der hinter den Vorhängen zu erahnen war.

Fanny Bauer seufzte, als sie das Zimmer betrat. Mit wenigen Schritten war sie am Fenster, zog die schweren Samtvorhänge mit einem Ruck zur Seite und drehte sich zu ihrer Tochter um.

»Ich finde es schon reichlich merkwürdig, dass du an einem solch wunderbaren Tag so schwermütige Musik spielen musst. Was ich allerdings gar nicht verstehen kann, das ist, dass du dabei auch noch die Sonne und das Licht aussperren musst. Willst du dir denn deine Augen mit aller Gewalt verderben?«

Lina, die in Gedanken versunken am Klavier gesessen hatte, fuhr auf und sah ihre Mutter kopfschüttelnd an. »Willst du mir jetzt etwa auch noch das Klavierspielen verbieten? Reicht es denn nicht, dass ich kaum noch ein Buch lesen darf?«

»Es ist doch nur zu deinem Besten«, sagte Fanny Bauer beruhigend und musterte ihre Tochter, die immer noch am Klavier saß und missmutig zu ihr aufsah. Dichte braune Locken fielen der jungen Frau über die Schultern, nachlässig gebändigt von einem verwaschenen, blassrosa Samtband, das Mieder betonte die schmale Taille. Mit ihrem Aussehen zog sie die Blicke vieler Männer auf sich, doch Lina war vollkommen besessen von ihren Forschungen – ob Astronomie, Kunstgeschichte oder Naturwissenschaften. Darüber vergaß sie zum Kummer ihrer Mutter das wahre Leben, das sich außerhalb des Salons abspielte.

»Zu meinem Besten«, schnaubte Lina. »Ich soll durch den Park flanieren und mich über Nichtigkeiten unterhalten. Dabei gibt es doch so viel interessante Dinge, die ich erfahren möchte. Du hast keinerlei Verständnis für mich!«

Fanny Bauer lächelte und strich ihrer Tochter über den Rücken. »Ich habe mehr Verständnis für dich, als du denkst. Aber ich möchte eben nicht, dass meine Tochter über all ihren Büchern das wahre Leben vergisst. Daher solltest du deine Forschungen ein wenig begrenzen. Das ist alles.« Sie musterte die Augenringe in Linas Gesicht. »Ich habe allerdings den Eindruck, dass du meine Bitten leichtfertig überhörst.«

»Es ist mir völlig unverständlich, warum …«, begann Lina wieder.

Doch ihre Mutter hob die Hand, um ihr Einhalt zu gebieten. »Kein Wort mehr. Ich bin eigentlich nur zu dir gekommen, um dich an den Besuch der Immerwahrs heute Abend zu erinnern.«

Lina blies die Backen auf und verdrehte die Augen. »Muss ich wirklich dabei sein? Reicht es nicht, wenn Jenny und Cäcilie ihre hübschen Gesichter zeigen?«

»Du kannst deine gesellschaftlichen Verpflichtungen nicht immer deinen älteren Schwestern überlassen«, erklärte Fanny streng. »Die Immerwahrs sind gute Freunde und wollen sich auch mit dir unterhalten.«

»Über ihr Kaufhaus?«

Fanny nickte. »Und über alles andere, was hier in Breslau so geschieht. Du bekommst ja kaum etwas mit. Dabei ist das wahre Leben oft so viel aufregender als deine Bücher. Ich möchte, dass du das wenigstens von Zeit zu Zeit merkst.«

Lina neigte den Kopf. Sie wusste, wann sie gegen ihre Mutter verloren hatte. »Das wahre Leben sind die Bücher! Das wirst du wohl niemals verstehen. Aber wenn du darauf bestehst, werde ich bei diesem wichtigen Abendessen dabei sein. Darf ich wenigstens noch ein wenig Klavier spielen, bevor ich mich für das Essen umziehen muss?«

Fanny schüttelte entschieden den Kopf. »Nein, du wirst nicht den ganzen Nachmittag in einem dunklen Zimmer sitzen und traurige Melodien spielen. Du machst heute Nachmittag einen Spaziergang durch den Park, bevor du dich für das Abendessen mit den Immerwahrs umziehst.«

Lina öffnete den Mund, um zu widersprechen, als ihre Mutter die Hand hob. »Keine Widerrede. Aus dir soll keine Frau werden, die das Leben nur aus Büchern kennt.«

Damit drehte sie sich um und verließ das Zimmer. Vor der Tür blieb sie einen Augenblick lang stehen und lauschte der traurigen Melodie, die ihre Tochter spielte. Was sollte aus diesem eigensinnigen, nachdenklichen Geschöpf nur werden? Sie schüttelte den Kopf und machte sich auf den Weg in die Küche, um mit der Köchin noch einmal das Menü des Abends zu besprechen.

Wütend schloss Lina den Deckel des Klaviers. Sie konnte nicht glauben, was sie eben gehört hatte. Erst beschränkte die Mutter ihre Lesezeit auf wenige Stunden am Tag – und jetzt durfte sie nicht einmal beliebig lang Klavier spielen.

Sie lief in ihr Zimmer und warf sich einen Schal über die Schultern. Dann griff sie unter ihr Kopfkissen und zog das schmale Büchlein heraus, in dem sie letzte Nacht gelesen hatte. Wenn ihre Mutter ihr das Lesen am helllichten Tag verbot, dann musste sie eben auf unbeobachtete Momente ausweichen.

Wenig später lief sie die Straße entlang, die zum nahe gelegenen Botanischen Garten führte. In einer Toreinfahrt saß ein Mädchen in einem fadenscheinigen Kleid, das gedankenverloren mit einem Stöckchen im Dreck kritzelte. Neugierig trat Lina etwas näher. »Was machst du denn da?«, fragte sie.

»Ich übe das Schreiben«, erklärte das Mädchen mit ernsthafter Miene und fuhr weiter mit dem Stöckchen auf dem Boden herum.

Stirnrunzelnd versuchte Lina, einige Buchstaben zu erkennen. »Und was schreibst du?«

»Meinen Namen natürlich!«, erklärte das Mädchen stolz. »Ich heiße Auguste!«

»Vielleicht übst du lieber auf einem Papier, dann kann man es besser lesen«, schlug Lina vor und ahnte im gleichen Moment, wie die Antwort lauten würde.

»Papier ist doch viel zu teuer. Meine Mama sagt, ich soll erst einmal hier im Hof üben, bevor ich mit einem teuren Stift ihr Papier besudele.«

»Deine Mama hat nicht einmal ein paar alte Zettel für dich?«

Jetzt erst sah das Mädchen die junge Frau mit den merkwürdigen Fragen länger an. »Woher sollte sie denn irgendwelche Zettel haben? Meine Mama hat ein wunderschönes Büchlein, aber das gibt sie mir natürlich nicht.« Sie nickte in Richtung ihrer Kritzeleien im Staub. »Aber das hier ist doch auch gut. Ich kann meinen Namen besser als alle anderen Kinder schreiben!«

Stirnrunzelnd betrachtete Lina die krakelige Schrift des Mädchens. »Bei dem G muss der Schwung anders sein. Komm, ich zeige es dir!«

Sie setzte sich neben die Kleine und schrieb den Buchstaben in den Sand.

Eifrig fuhr das Mädchen ihn nach. »Ist es so richtig?«

Lina nickte und erhob sich wieder. Mit ein paar Handbewegungen klopfte sie sich den Staub vom Kleid. »Ja, so ist es gut. Jetzt musst du nur noch ein bisschen üben.«

Sie winkte dem Mädchen zum Abschied zu und ging nachdenklich weiter. Wie konnte es nur sein, dass einem Mädchen sogar das Papier zum Üben fehlte? Dabei gab es so viele reiche Menschen in Breslau! Das konnte man doch nicht einfach so hinnehmen!

Wenig später hatte sie den Botanischen Garten erreicht. Sie lief zu ihrem Lieblingsplatz an der Mauer unter einer ausladenden Buche. Wenn sie schon einen Spaziergang im Park machen musste, dann würde sie die unbeobachtete Zeit nutzen, um zu lesen. Schon während der letzten Schritte zog sie ihr Buch heraus und ließ sich auf die Bank fallen.

Sie war so versunken in die Lebensgeschichte des Physikers Isaac Newton, dass sie gar nicht bemerkte, wie dunkle Wolken aufzogen und der Park sich leerte. Erst als die ersten schweren Tropfen auf die Seiten ihres Buches fielen, sah sie überrascht auf.

Der blaue Himmel war dunkelgrau geworden, und ein Blitz zuckte aus den Wolken. Gleich würde ein Sommergewitter losbrechen. Sie klappte das Buch zu, sprang auf und sah sich nach einem Unterstand um. Leider gab es keinen. Hier, unter ihrer Buche, war sie noch am ehesten vor dem einsetzenden Regen geschützt. Oder sollte sie doch lieber versuchen, nach Hause zu rennen?

Noch während sie zögernd unter dem Baum stand, trat plötzlich ein Mann neben sie und hielt ihr einen Regenschirm über den Kopf.

»Darf ich Sie ein Stück begleiten?«

Er war jung. Schwarze Haare, dunkle Augen, schmal und hochgewachsen. Gut aussehend, wie sie sich eingestand. Sein Lächeln war freundlich. Und sie hatte keine Ahnung, um wen es sich handelte.

»Wo denken Sie hin?«, rief sie und machte einen Schritt aus dem Schutz seines Regenschirms heraus. »Bevor ich mit einem wildfremden Mann unter einem Schirm spaziere, lasse ich mich lieber nass regnen.«

»Das würde ich mir bei diesem Regen allerdings gründlich überlegen«, erwiderte der Mann lächelnd. »Es ist doch mehr als ungemütlich, bei so einem Gewitter im Freien zu sein, meinen Sie nicht?«

»Natürlich. Aber ich kenne Sie nicht, also kommt das überhaupt nicht infrage.« Sie bemühte sich um ein Lächeln. »Auch wenn ich Ihr Angebot durchaus zu schätzen weiß. Aber es ist wirklich ganz und gar unmöglich.«

»Nehmen Sie den Schirm!«

Der junge Mann war offensichtlich fest entschlossen, sie vor den Unbilden des Wetters zu schützen.

»Das können Sie nicht ernst meinen. Dann werden Sie ja selber nass!« Sie nahm ihn genauer in Augenschein. Seine schmalen Hände und das fein geschnittene Gesicht mit den hohen Wangenknochen gefielen ihr, und sie fragte sich, woher sein leichter Akzent stammen mochte.

Mit einem Kopfschütteln reichte er ihr den Schirm. »Sie haben ihn deutlich nötiger als ich. Also sollten Sie ihn nehmen und möglichst schnell nach Hause gehen. Ich wohne nicht weit, ich werde sicher nicht allzu nass.«

»Und wie kann ich Ihnen den Schirm wieder zurückgeben?«

»Das ist einfach: Wir treffen uns morgen hier im Park unter der Buche.« Ein Windstoß fuhr ihm in die Haare und sorgte dafür, dass sie verwegen in alle Richtungen abstanden.

»Abgemacht!« Sie nahm den Schirm in Empfang und rannte davon. Im Laufen drehte sie sich um und rief: »Noch einmal vielen Dank! Bis morgen!« Aber er war bereits verschwunden. Kein Wunder, das Wetter wurde mit jeder Sekunde ungemütlicher.

Wer war dieser geheimnisvolle Mann nur gewesen? Wenn sie doch wenigstens seinen Namen wüsste.

Der Regenschirm schützte zwar ihre Schultern und ihre Haare – aber bis sie wieder zu Hause war, hing der Rock wie ein nasser Lumpen herab.

Im Flur blieb sie einen Augenblick stehen. Es war schon früher Abend, die Immerwahrs würden bestimmt schon bald eintreffen. Sie hatte mit dem Buch völlig die Zeit vergessen, ohne das Gewitter würde sie womöglich immer noch im Botanischen Garten sitzen.

Mit einem leisen Fluch sah Lina an sich herunter. Sie trug ein dunkelblaues Tageskleid mit einer Unzahl kleiner Knöpfe am Mieder. Bis zur Ankunft der Gäste blieb nicht viel Zeit.

So schnell es ging, huschte sie über den breiten Gang in ihr Zimmer. Den tropfenden Schirm stellte sie in einer Ecke hinter dem Paravent ab. Mit fliegenden Händen öffnete sie die Hälfte der Knöpfe und stieg dann aus dem Kleid, das sie achtlos auf dem Boden liegen ließ. Morgen konnte sich das Hausmädchen darum kümmern – sie würde auch wissen, wie man aus diesem nassen Haufen Stoff wieder ein ordentliches Kleid machte.

Aus dem Schrank zog Lina ein leichtes, gelbes Sommerkleid und schlüpfte hinein. Die feuchten Haare wand sie zu einem Knoten, den sie mit einigen Haarnadeln feststeckte.

Das Läuten an der Haustür verriet ihr, dass sie es eben noch rechtzeitig vor der Ankunft der Gäste geschafft hatte.

Ein prüfender Blick in den Spiegel verriet ihr, dass sie immerhin ordentlich und mädchenhaft aussah. Für das Ehepaar Immerwahr war mehr Aufwand ihrer Meinung nach auch nicht nötig.

Mit einem Tritt beförderte sie das Buch über Newton wieder unter ihr Bett. Da sollte es trocknen, bis sie heute Nacht die letzten Seiten lesen konnte – und ihre Mutter würde es schon nicht entdecken. Unter das Bett sah höchstens das Hausmädchen. Und das würde sie nicht verraten.

Sie bemühte sich um ein möglichst freundliches Lächeln und eilte zum Esszimmer, aus dem bereits fröhliche Stimmen zu hören waren.

»Es tut mir leid, ich habe die Zeit völlig aus den Augen verloren«, erklärte sie beim Betreten des Zimmers. »Könnt ihr mir noch einmal verzeihen?«

Ihre Mutter sah sie leicht tadelnd an, während die Immerwahrs ihr freundlich zunickten. Neben ihnen saß ein junger Mann am Tisch, der Lina neugierig entgegensah.

Sie spürte, wie ihr das Blut in die Wangen schoss. Diese Haare, die Wangenknochen, die schmale Figur: Das war zweifellos ihr Wohltäter aus dem Park. Der Mann mit dem Regenschirm! Sollte sie ihn jetzt darauf ansprechen? Aber vielleicht fanden ihre Eltern es trotz allem unschicklich – immerhin hatte sie mit einem wildfremden Mann gesprochen.

Sie nickte ihm verlegen zu und schob sich auf einen Stuhl ihm gegenüber. Ihre Schwestern, das Ehepaar Immerwahr und ihre Eltern redeten sofort weiter. Keiner schien es für nötig zu halten, ihr diesen jungen Mann vorzustellen.

Lina nickte ihm zu. »Mein Name ist Lina. Und wer …?«

»Theodor. Mein Name ist Theodor Morgenstern. Ich arbeite im Kaufhaus, und das Ehepaar Immerwahr war so freundlich, mich heute Abend mitzunehmen.« Er lächelte unbefangen. »Leider bin ich fast zu spät gekommen. Ich bin im Regen doch ziemlich nass geworden.«

»Es ist ja auch unklug, bei einem drohenden Gewitter ohne einen Regenschirm loszulaufen«, sagte Lina und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.

»Ziemlich unklug«, stimmte Theodor ihr todernst zu.

Fanny Bauer zog eine Augenbraue nach oben. »Lina, beleidigst du etwa unseren Gast?«, fragte sie streng.

Lina sah ihre Mutter erschrocken an. »Nein, nein, natürlich nicht. Ich meinte nur, dass …« Sie brach mitten im Satz ab.

»Sie hat doch recht!« Theodor sah Fanny Bauer freundlich an. »Es ist wirklich unklug, wenn man sich keine Gedanken über das Wetter macht!«

Lina warf ihm einen dankbaren Blick zu. Jetzt musste sie nur noch möglichst schnell das Thema wechseln. »Sie stammen nicht von hier, oder?«, fragte sie ohne Umschweife.

Theodor nickte. »Ich komme aus Polen und bin nicht ganz freiwillig hier …«

»Stellt euch vor, der Zar hat seinen Bruder nach Sibirien verbannt!«, unterbrach ihn Frau Immerwahr. »Ohne einen Prozess! Das ist doch das Zeichen eines völlig unzivilisierten Landes, nicht wahr? Da mussten wir einfach helfen!«

»Ich schulde Ihnen für immer meinen Dank«, murmelte Theodor.

Eine wegwerfende Handbewegung von Frau Immerwahr war die Antwort. »Das ist doch selbstverständlich, lieber Theodor.«

Stirnrunzelnd sah Lina den jungen Mann an. »Aber wenn es doch Ihr Bruder war, der verhaftet wurde – warum sind Sie dann hier?«

Theodor zuckte unsicher mit den Schultern. »Es war nur eine Frage der Zeit, bis auch ich in das Visier des Zaren gekommen wäre. Im Augenblick muss man kein außergewöhnlicher Mann sein, um eine außergewöhnliche Strafe zu erhalten.« Er fuhr sich verlegen durch die Haare. Sie standen wieder in alle Richtungen, so wie heute Nachmittag im Park.

»Was hat Ihr Bruder denn genau getan?« Seine ausweichende Antwort stachelte Linas Neugier noch weiter an.

Seine Stimme blieb leise. »Das, was viele getan haben: Mein Bruder Alexander glaubte an ein Polen ohne russische Herrschaft. Als Zar Nikolaus den Traum von einem unabhängigen Polen beendete, mussten alle zahlen, die diesen Traum geträumt hatten. Auch Alexander. Ich habe ihn zu so manchem Treffen begleitet und bin mir sicher, dass bald auch mein Name aufgetaucht wäre. Und ich wollte nicht wie Alexander nach Sibirien. Von dort kommen nur wenige zurück …«

Täuschte Lina sich, oder füllten sich seine Augen mit Tränen, als er von seinem Bruder sprach?

»Und Ihre Eltern?«, fragte sie vorsichtig. »Haben Sie noch weitere Geschwister?«

»Meine Eltern drängten auf meine Abreise, um nicht noch einen Sohn zu verlieren. Bernhard und Julius sind zu jung und damit vor einer Verfolgung geschützt.«

Seine Erzählung schien den Rest der Gesellschaft nicht mehr zu interessieren. Albert Bauer erzählte die Geschichte einer vermögenden Kundin, die am Vortag in seinem Laden eingekauft und in erster Linie darauf geachtet hatte, dass sie genau die Teile erwarb, die auch in das Königshaus geliefert worden waren. Als Hoflieferant hatte er so etwas schon öfter erlebt.

Lina wandte sich wieder dem unerwarteten Gast zu. »Und was sind Ihre Pläne hier?«

»Ich arbeite im Kaufhaus der Immerwahrs. Von ihnen kann ich lernen, was ein guter Kaufmann wissen muss.« Es klang, als hätte er diesen Satz auswendig gelernt.

»Und die Revolution in Ihrem Land?« Lina erschien der Kampf gegen den Zaren sehr viel aufregender als eine Lehre in einem Kaufhaus in Breslau. Und auch sehr viel lohnender. In ihrer Fantasie tauchten Bilder von wehenden Fahnen und aufsässigen Freiheitskämpfern auf.

Ein verlegenes Lächeln war die Antwort. »So wie es aussieht, ist die Revolution vorbei. Und ich werde nicht mehr in meine Heimat zurückkehren können.«

Klang in seiner Stimme Bedauern mit? War er traurig über sein Schicksal? Noch bevor sie ihn fragen konnte, drehte Theodor Morgenstern den Spieß um.

»Und Sie? Was machen Sie?«

Verlegen zuckte Lina mit den Schultern. »Nicht viel. Ich lese und spiele Klavier. Was soll ich schon tun?« Eigentlich fand sie seine Frage merkwürdig. Mädchen blieben zu Hause, was sonst?

Aber Theodor war mit dieser Antwort offensichtlich nicht zufrieden. »Irgendetwas muss doch Ihr Interesse wecken. Sie gehen gerne in den Park, oder?«

Fanny Bauer lachte auf. Offensichtlich hatte sie dem Gespräch ihrer Tochter weiter gelauscht. »Ich muss Lina Prügel androhen, damit sie in den Park geht. Heute ist sie so missmutig losgestapft, dass ich mir eingebildet habe, ihre schlechte Laune könnte man als dunkle Wolke über ihrem Kopf sehen. Nein, Lina ist kein Mensch, der sich für die Schönheiten der Natur begeistert.«

»Und was machen Sie dann gerne?« Theodor schien sich wirklich für die Antwort zu interessieren.

Lina war verwirrt. Das hatte sie noch nie jemand gefragt. Zum Glück räumte das Hausmädchen in diesem Augenblick die Teller ab, und Fanny Bauer bat die Damen in den Salon, während die Männer sich in das Rauchzimmer zurückzogen.

Lina sah ihre Mutter fragend an. Sollte sie jetzt in ihr Zimmer gehen? Unauffällig schüttelte Fanny den Kopf. An diesem Abend wollte sie ihre Töchter bei sich wissen. Auch dann, wenn es für Lina bedeutete, dass sie sich den Rest des Abends den Klatsch der Stadt anhören musste.

Wenig später nippte sie an dem Glas mit dem zuckrigen Himbeerlikör, den ihre Mutter ausgeschenkt hatte. Neugierig wandte sie sich an Frau Immerwahr.

»Seit wann ist der junge Herr Morgenstern denn Gast in Ihrem Haus?«

Die ältere Frau lachte auf und kniff ihr in die Wange. Eine Geste, die Lina aus tiefstem Herzen hasste. »Kindchen, dir gefällt wohl unser glutäugiger Revolutionär? Das kann ich zwar verstehen, aber den musst du dir aus dem Kopf schlagen: Er besitzt nämlich nichts außer seinen schönen Augen.«

»Aber er arbeitet doch bei Ihnen?«, fragte Lina nach.

»Ja, sicher. Aber ich muss gestehen, dass er in den letzten Monaten noch kein rechtes Geschick bei unserem Geschäft gezeigt hat. Wir haben ihn bei uns, weil es die Menschlichkeit gebietet und weil sein Vater uns darum gebeten hat. Aber ich bin mir sicher, dass er als Kaufmann keine großen Erfolge feiern wird.«

»Er ist doch noch ganz am Anfang seiner Ausbildung«, verteidigte Lina ihn. »Kann man da schon mit Sicherheit sagen, ob ihm dieser Beruf liegt?«

Statt einer Antwort sah Fanny Bauer ihre Tochter ernst an. »Auf jeden Fall solltest du dir den jungen Herrn Morgenstern aus dem Kopfe schlagen. Er ist ganz bestimmt nicht passend für dich. Und wenn Frau Immerwahr ihn für unzureichend begabt hält, dann hat sie sicher recht.« Ihre Stimme klang streng, und Lina senkte den Kopf.

»Ich weiß nicht, was ihr gegen ihn habt. Ich finde ihn nett, das ist alles. Daran kann doch nichts Böses sein, oder?«, entgegnete sie.

Die beiden älteren Damen nickten und sahen sich dabei vielsagend an.

Nur wenig später kehrten die Männer aus dem Rauchzimmer zurück. Die Abendgesellschaft neigte sich ihrem Ende zu. Höflich verabschiedete sich Lina und reichte auch Theodor die Hand. »Ich hoffe, wir sehen uns bald wieder«, sagte sie leise und dachte an ihre Verabredung am nächsten Tag zur Rückgabe des Schirms. Hoffentlich würde er sie nicht vergessen.

Theodor nickte lächelnd. »Das würde mich sehr freuen.« Er zwinkerte ihr zu und wisperte: »Bis morgen!«

Damit drehte er sich um und folgte den Immerwahrs. Für einen Augenblick sah Lina ihm hinterher und runzelte die Stirn. Fast sah es so aus, als würde er einen Tanz versuchen. Doch noch ehe sie es sich genauer ansehen konnte, war er bereits verschwunden.

Sie fühlte an ihren Fingern immer noch seinen Händedruck.

»Na, mein Novembermädchen«, hörte sie die leise Stimme ihres Vaters direkt neben sich. »So schlimm war dieser Abend doch gar nicht, oder? Künftig wirst du häufiger bei unseren Einladungen mit deiner Anwesenheit glänzen. Ich habe das Gefühl, dass dir das sehr guttut.«

Novembermädchen nannte er sie, weil sie im November vor sechzehn Jahren auf die Welt gekommen war. In ihren Ohren war es der schönste Kosename der Welt.

2

Breslau, Spätsommer 1846

»Schon wieder in den Park?« Fanny Bauer hob fragend eine Augenbraue. »Wenn ich mich recht entsinne, dann ist das nur eine Beschäftigung für Mädchen ohne Hirn und Verstand. Oder habe ich da vor einigen Wochen etwas falsch verstanden?«

»Nun, du hast mich gebeten, etwas mehr am echten Leben teilzunehmen«, erwiderte Lina lächelnd. »Und genau dieser Bitte komme ich jetzt nach. Was kann daran falsch sein?«

»Nichts. Ich frage mich nur, ob es einen anderen Grund für deine Meinungsänderung geben mag als meine Bitte. Du befolgst meine Aufforderungen wahrlich selten.«

»Nun, in diesem Fall eben doch.« Lina griff nach ihrem Hut und einem leichten Schal, den sie sich um die Schulter legte. »Ich bin spätestens zum Abendessen wieder zu Hause.«

Und damit machte sie sich auf den Weg.

Fanny Bauer sah ihr kopfschüttelnd hinterher. »Wenn ich nur wüsste, was zu ihrem plötzlichen Stimmungswechsel geführt hat«, murmelte sie leise vor sich hin.

»Nichts leichter als das.« Fanny hörte die Stimme ihrer ältesten Tochter Jenny, die vielsagend grinste. »Sie trifft sich mit dem Lehrling der Immerwahrs. Seit dem Abendessen bei uns können die beiden kaum einen Tag ohne einander sein. Hast du das nicht gewusst?«

Fanny runzelte die Stirn. »Nein. Ist das etwa dieser Theodor, von dem die Immerwahrs sagen, er hätte kein Geschick im Kaufhaus? Was will Lina denn mit ihm?«

»Nun, ich denke, ihr geht es nicht um sein Geschick beim Verkauf.« Jenny kicherte. »Aber was steht es mir zu, dir davon zu erzählen? Du musst meine Schwester schon selbst fragen!«

Zur gleichen Zeit lief Lina in den Park mit den großen alten Bäumen. Unter der Buche wartete Theodor schon auf sie. Lina musste sich beherrschen, um ihre Freude nicht zu sehr zu zeigen. Sie winkte ihm zu.

»Wie schön, Sie hier zu sehen!«

»Die Freude ist ganz auf meiner Seite.« Theodor deutete eine kleine Verbeugung an und bot ihr seinen Arm, damit sie sich bei ihm einhaken konnte.

»Und was gibt es Neues in der Welt der Kaufhäuser?«, fragte sie.

»Allerhand Aufregendes«, erklärte er mit gespielter Ernsthaftigkeit. »Die Sommerkollektion verkauft sich ganz ausgezeichnet, auch wenn die Damen der Breslauer Gesellschaft leider seltener als gewünscht neue Kleider erwerben. Nur die Stoffe aus Paris werden uns fast aus den Händen gerissen.«

Sie sah an den tiefer werdenden Fältchen um seine Augen, dass er seine Antwort selbst kaum ernst nahm.

»Und woran mag das liegen?«

Ein Schulterzucken war die Antwort. »Die Farben, die Qualität, die Schnitte – wer kann schon die Gedanken einer Frau lesen? Was ist Ihnen denn bei Kleidung am wichtigsten?«

»Mir?« Lina musste nicht lange nachdenken. »Nichts. Sie sollte mich bedecken, ich sollte damit leidlich aussehen. Aber ich fürchte, mir liegt nicht allzu viel an eitlem Putz.«

Er musterte sie und war mit einem Schlag ernsthaft. »Und was gefällt Ihnen, wenn es nicht die schönen Kleider sind?«

Nachdenklich sah sie vor sich hin. Dann zog sie an seiner Hand. »Kommen Sie mit. Ich zeige es Ihnen.«

Gemeinsam überquerten sie die Brücke und bogen in eine schmale Straße ein. Schon nach wenigen Schritten blieb Lina stehen und deutete in den Hinterhof. Auch an diesem Tag saß hier das Mädchen, das mit seinem Stöckchen im Staub herumkritzelte. »Das hier bewegt mich. Das ist Auguste. Fast jedes Mal, wenn ich vorbeilaufe, sitzt sie da und übt mit ihrem Stöckchen das Schreiben. Und warum ist das so? Weil sie sich keine Stifte und kein Papier leisten kann. Ich aber will, dass alle Menschen, die nach Bildung streben, auch die Möglichkeit dazu haben. Es kann doch nicht sein, dass es eine Sache des Geldes ist, ob ein Mädchen rechnen oder schreiben kann. Oder?«

Mit einem Stirnrunzeln sah Theodor die junge Frau an seiner Seite an.

»Und wie wollen Sie das bewerkstelligen? Sie können doch nicht an alle Bedürftigen und Armen der Stadt Stifte und Papier ausgeben lassen. Der Kampf gegen die Armut wird doch nicht mit so einer Kleinigkeit gewonnen.«

»Aber so wird der Kampf gestartet!« Ihre Augen funkelten. »Wir dürfen doch nicht die Hände in den Schoß legen und darauf warten, dass sich etwas ändert. Wenn wir nicht anfangen, wer soll es denn dann tun?«

»Und wie wollen Sie das anfangen?« Er deutete in den Hof. »Sie können nicht allen helfen.«

»Nein. Aber ich kann meine Freunde um Hilfe bitten. Wenn jeder auch nur einen einzigen Pfennig gibt, dann ist das für niemanden viel Geld. Aber damit könnte man schon etwas verändern.« Sie dachte einen Augenblick nach. »Vielleicht sollte ich einen Verein gründen, der Geld sammelt und Gutes tut.«

»Einen Verein?« Theodor lachte. »Sie sind reichlich unternehmungslustig, nicht wahr?«

Damit nahm er sie an der Hand und zog sie weiter. »Kommen Sie, wir sollten noch ein wenig spazieren gehen und diesen schönen Tag genießen.« Er sah Lina in die Augen. »Ich genieße ihn zumindest.«

»Ich auch«, meinte Lina zerstreut, denn sie dachte noch immer über den Verein nach.

Als in der Nähe eine Glocke ertönte, fuhr sie zusammen. »Oh, ich muss dringend nach Hause. Meine Mutter wollte mich unbedingt zum Tee sehen – und ich bin mir sicher, dass die Zeit dafür schon fast vorbei ist.«

Sie winkte ihm noch einmal hastig zu und rannte dann nach Hause. Theodor sah ihr eine Weile hinterher und schüttelte leise den Kopf. Er konnte in dieses eigensinnige Mädchenhirn nicht hineinsehen, wie sehr er sich das auch wünschte.

Lina rannte so schnell, wie es schicklich war, nach Hause. Erst als die Haustür hinter ihr ins Schloss fiel, erlaubte sie sich, die gerafften Röcke fallen zu lassen. Eigentlich wollte sie sich möglichst leise in ihr Zimmer schleichen – aber aus dem Nähzimmer ihrer Mutter erklang eine laute Stimme.

»Lina? Bist du das? Kommst du bitte her?«

Zögernd drehte Lina sich um und streckte fragend ihren Kopf in das Zimmer. »Was gibt es, Mutter?«

Fanny Bauer klopfte mit der Hand auf den freien Platz neben sich. »Setze dich zu mir, mein Liebling.«

Zögernd ging Lina die wenigen Schritte zu ihrer Mutter und nahm auf der Chaiselongue Platz. Fanny Bauer neigte eigentlich nicht zu vertrauten Gesprächen – wenn sie ihre Tochter zu sich bat, dann hatte es einen ernsteren Grund.

»Was gibt es denn?«, fragte sie vorsichtig nach.

»Wie war es im Botanischen Garten?«, erkundigte sich die Mutter.

»Nett. Warum?«

»Warst du allein dort? Oder hast du dich mit jemandem getroffen?« Es klang wie eine leichthin gestellte Frage, aber Lina ahnte sofort, was der Hintergrund war.

»Ich habe Theodor Morgenstern getroffen. Den Lehrling der Immerwahrs, der vor einigen Wochen bei uns zu Besuch war. Erinnerst du dich nicht an ihn?« Jetzt war es an ihr, ihr Treffen mit Theodor möglichst harmlos darzustellen.

»Kann es sein, dass du diesen Morgenstern schon häufiger getroffen hast und dass du deshalb plötzlich so häufig im Park anzutreffen bist?« Fannys Stimme wurde strenger.

Lina seufzte. »Erst ermahnst du mich, dass ich häufiger am wahren Leben teilnehmen soll. Doch sobald ich meine Freude daran entdecke, ist es dir nicht recht. Was spricht denn jetzt gegen Theodor Morgenstern?«

»So einiges.« Fanny legte ihre Hand auf die von Lina. »Ich möchte doch nur dein Bestes, meine Liebe. Und dieser Flüchtling vor den Häschern des Zarenreichs ist ganz bestimmt ein freundlicher junger Herr. Aber du darfst dir keine weiteren Hoffnungen machen. Er hat keinerlei Vermögen und auch wenig Aussichten, jemals eines zu machen. Sein Geschick scheint ja nicht gerade in der Welt der Kaufhäuser zu liegen.«

»Was weiß denn schon Frau Immerwahr?«, fuhr Lina auf. »Es geht doch bei der Bewertung eines Menschen nicht nur darum, welche Stellung er hier in Breslau hat, oder?«

»Natürlich nicht«, sagte Fanny begütigend. »Aber es ist für die Tochter des königlichen Hoflieferanten auch wichtig, dass sie sich nicht ausnutzen lässt. Meinst du das nicht auch?«

»Ausnutzen? Theodor und ich unterhalten uns im Park unter den Augen aller Breslauer, die ebenfalls unter den Bäumen flanieren. Inwiefern sollte er mich dabei ausnutzen?«

»Wie schnell wird aus so einer Tändelei eine ernsthafte Sache! Und dann ist dein Ruf ruiniert und dieser Theodor über alle Berge. Das möchte ich vermeiden.«

»Und wie willst du das bewerkstelligen?« Lina sah ihre Mutter wütend an.

»Du triffst ihn nicht mehr.« Eine Feststellung, keine Frage.

»Was?« Lina sah ihre Mutter entsetzt an. »Das ist doch nicht dein Ernst!«

»Das ist sogar mein voller Ernst! Du wirst dem jungen Herrn Morgenstern ein freundliches Briefchen schreiben, dass du keinen weiteren Kontakt wünschst und er dich bitte bei einem zufälligen Treffen nicht ansprechen soll. Wenn er so wohlerzogen ist, wie wir es alle hoffen, dann wird er deinen Bitten entsprechen. Ehe er diesen Brief von dir erhalten hat, wirst du dieses Haus nicht mehr verlassen. Und ich möchte den Brief lesen, bevor du ihn verschickst. In dieser Sache möchte ich wirklich kein Risiko eingehen. Habe ich mich klar genug ausgedrückt?«

Lina stand auf. Zornig starrte sie ihre Mutter an. »Du könntest es nicht klarer machen.« Ohne einen weiteren Gruß verließ sie den Raum.

Erst als ihre eigene Zimmertür krachend hinter ihr ins Schloss gefallen war, kamen ihr die Tränen. Zu sehr hatte sie sich in den letzten Wochen an die harmlosen Gespräche mit Theodor gewöhnt und ihn wegen seines feinen Humors und der vielen Fragen in ihr Herz geschlossen. Und jetzt sollte sie darauf verzichten? Schluchzend warf sie sich aufs Bett.

Es dauerte ein Weilchen, bis sie das zarte Klopfen hörte.

Unwirsch richtete sie sich auf, strich eine lose Strähne hinter das Ohr und rief: »Ja? Wer ist da?«

Die Tür flog auf, und ihre ältere Schwester kam herein. Ohne ein weiteres Wort schloss Jenny ihre Arme um Lina. »Es tut mir so leid«, murmelte sie. »Ich habe dich und Mama gehört. Es ist wirklich ungerecht! Und ich fürchte, es war auch noch meine Schuld.«

»Warum denn das?« Lina sah Jenny aus verheulten Augen an. »Das war doch ausschließlich Mamas Idee! So wie früher ihr Leseverbot oder die Behauptung, ich würde zu viel Klavier spielen. Oder … egal. Was mir Spaß macht, das verbietet sie. Und immer nur zu meinem eigenen Wohl.«

»Mag sein, dass es Mamas Idee war, dass du Theodor nicht mehr sehen darfst. Aber ich habe mich über eure gemeinsamen Treffen lustig gemacht.« Sie seufzte. »Sonst wäre sie niemals darauf gekommen. Wie hätte ich ahnen sollen, dass sie dir verbietet, ihn wiederzusehen? So eine kleine Tändelei im Park muss man doch nicht ernst nehmen.« Jenny streichelte Lina über den Rücken. »Was kann ich denn jetzt tun, um meinen Fehler wiedergutzumachen?«

»Nichts«, schniefte Lina. »Ich muss ihm diesen Brief schreiben, und danach sehe ich ihn nie wieder.«

»Das stimmt doch nicht.« Jenny legte ihre Stirn in Falten. »Ich kann Briefe von dir zu Theodor bringen. Oder wir gehen gemeinsam in den Botanischen Garten, und ich ziehe mich zurück, wenn ihr euch treffen wollt. Die Frage dabei ist allerdings: Ist er dir wirklich so wichtig? Ist er diesen Ärger wirklich wert?«

Lina nickte. »Ganz bestimmt. Er ist ein ganz besonderer Mensch. Nicht so, wie unsere Eltern es messen. Aber für mich kann es keinen wichtigeren geben!«

»Und warum?« Aufmerksam sah Jenny ihre kleinere Schwester an.

»Er hört mir zu und will wissen, was ich mit meinem Leben anfangen möchte. Das interessiert ansonsten wirklich niemanden …« Fast trotzig kamen die Worte aus ihr heraus.

Jenny nickte nur, streichelte noch einmal über Linas Rücken und erhob sich. »Dann finden wir schon einen Weg, wie du deinen Theodor wiedersehen kannst. Du hast ja auch einen Weg gefunden, wie du weiterhin lesen kannst, so viel du willst.«

»Das weißt du?« Lina sah ihre Schwester überrascht an.

»Sicher. Jede Nacht dringt ein feiner Lichtschein aus deinem Zimmer. Wenn ich bisweilen nicht schlafen kann, sehe ich ihn, aber keine Sorge: Dieses Geheimnis ist bei mir gut aufgehoben. Ich werde Mama gegenüber kein Sterbenswörtchen verraten oder gar einen unbedachten Witz machen.« Sie lächelte noch einmal und ging.

Lina blieb alleine zurück und sah nachdenklich an die Zimmerdecke. Nur ein paar Wochen lang hatte sie Theodor getroffen – und doch war er ihr ans Herz gewachsen. Wie sollte das nur weitergehen?

Am nächsten Morgen stand sie lange vor der Morgendämmerung auf und schrieb einen Brief an Theodor – und zwar genau so, wie ihn ihre Mutter gefordert hatte:

Lieber Theodor,

leider kann ich Sie nicht mehr treffen. Sollten wir uns aus irgendeinem Zufall bei einer Einladung oder in der Öffentlichkeit sehen, muss ich Sie bitten, mich weder zu grüßen noch anzusprechen.

Unsere Freundschaft hat sich als eine Belastung für meinen Ruf erwiesen. Ich wünsche Ihnen für die Zukunft alles erdenklich Gute.

Ihre Lina Bauer

Sie starrte die Zeilen so lange an, bis die Buchstaben vor ihren Augen anfingen zu tanzen. Jede einzelne Silbe war eine Lüge. Wenn es etwas gab, was sie sich in diesem Leben wünschte, dann war es dieses eine: Sie wollte Theodor Morgenstern jeden Morgen sehen, mit ihm sprechen und das Funkeln in seinen Augen sehen, wenn er sie anblickte.

Sie nahm einen weiteren Bogen ihres Briefpapiers und schrieb einen zweiten Brief.

Lieber Theodor,

ich kann nur hoffen, dass mein Brief Sie ebenso sehr entsetzt hat wie mich. Der Grund, warum ich ihn geschrieben habe? Nun, meine Mutter hat mich dazu gezwungen. Sie wollte unsere Bekanntschaft beenden, noch bevor sie richtig begonnen hat, denn sie ist davon überzeugt, dass Sie meinen Ruf komplett ruinieren würden. Anschließend wäre ich in der Breslauer Gesellschaft keine gute Partie mehr. Mir ist die Breslauer Gesellschaft allerdings reichlich egal: Ich will Sie gerne wiedersehen und genieße jede Minute, die ich mit Ihnen verbringen darf. Sollte es Ihnen ähnlich ergehen, dann senden Sie mir ein Zeichen über meine Schwester Jenny, die Ihnen diesen Brief bringen wird.

In hoffnungsvoller Erwartung

Lina Bauer

Sorgfältig verschloss sie den zweiten Brief in einem Umschlag und huschte in Jennys Zimmer.

Vorsichtig rüttelte sie an der Schulter ihrer Schwester.

»Jenny, du musst aufwachen!«

»Was ist denn? Hast du eine Ahnung, wie spät es ist?«

»Ja, es ist noch vor Sonnenaufgang, aber ich habe hier einen Brief für dich.« Sie drückte Jenny den Umschlag in die Hand. »Er ist für Theodor. Du hast versprochen, dass du ihm Nachrichten von mir überbringen würdest.«

»Aber doch nicht mitten in der Nacht! Darf ich wenigstens warten, bis die Sonne aufgegangen ist?« Jenny drehte sich um und versuchte, sich die Decke über den Kopf zu ziehen.

Erneut rüttelte Lina an ihrer Schulter. »Natürlich darfst du bis später warten. Aber du musst mir versprechen, dass Theodor meinen Brief noch heute Vormittag erhält! Ja?«

Verschlafen murmelte Jenny irgendetwas Unverständliches und zog den Brief unter ihre Bettdecke. Einen Augenblick lang sah Lina die schlafende Jenny an. Konnte sie sich auf dieses Versprechen verlassen?

Die tiefer werdenden Atemzüge verrieten ihr, dass Jenny wieder eingeschlafen war. Seufzend wandte Lina sich ab. Es blieb ihr nichts anderes übrig, als zu warten, bis alle im Haus erwachten. Sie schlich zurück in ihr Zimmer, nahm ein Buch in die Hand und legte es wenig später wieder weg. An einem Tag wie diesem konnte sie sich nicht darauf konzentrieren.

Sie warf sich auf ihr Bett und starrte in den dunklen Himmel, bis die erste Dämmerung zeigte, dass sich diese Nacht endlich ihrem Ende entgegenneigte.

Beim Frühstück überreichte sie ihrer Mutter den ersten Brief. »Lies. Ich habe alles so geschrieben, wie du es verlangt hast.« Sie sah ihre Mutter herausfordernd an. »Ich hoffe, du bist jetzt glücklich!«

Sorgfältig las Fanny Bauer die wenigen Zeilen und nickte schließlich. »Ich werde den Brief gleich persönlich im Hause der Immerwahrs abgeben. Der junge Theodor Morgenstern sollte also mit dem heutigen Nachmittag keine Gefahr mehr für dich darstellen.«

»Er hat doch noch nie …«, begann Lina. Dann sah sie Jennys warnenden Blick und senkte den Kopf. Mit jedem Satz, den sie über Theodor verlor, würde ihre Mutter noch misstrauischer werden. Besser, es sah so aus, als wäre sie eine gehorsame Tochter.

Jenny nickte ihr von der anderen Seite des Tisches unmerklich zu. Ein wortloses Versprechen, dass sie noch an diesem Tag den anderen Brief überreichen würde.

Nicht nur an diesem, sondern auch an den folgenden Tagen hielt Jenny ihr Versprechen: Sie brachte Briefe zu Theodor – und gab Lina heimlich seine Antworten, die er mit schwungvoller Schrift auf ein raues, billiges Briefpapier schrieb. Und schließlich machten sie sich gemeinsam auf den Weg in den Botanischen Garten, um ihn zu treffen. Uhrzeit und Ort hatten sie in einem Brief vereinbart.

Gespannt beobachtete Lina schon von Weitem die Buche, unter der sie sich immer getroffen hatten.

»Kannst du ihn schon sehen?«, fragte sie ungeduldig.

Jenny lachte und nickte. »Aber sicher! Hast du etwas an den Augen? Er sitzt da und sieht genauso aufgeregt wie du aus. Ich werde jetzt eine halbe Stunde allein spazieren gehen – aber nicht länger. Und sieh zu, dass ihr nicht zu sehr auffallt, versprichst du mir das?«

»Sicher!« Ohne ein weiteres Wort lief Lina davon.

Jenny blieb stehen und sah ihr hinterher. Sie war sich nicht sicher, ob es wirklich eine gute Idee gewesen war, ihre Schwester bei dieser Schwärmerei zu unterstützen. Aber tatsächlich hatte ihr Lina leidgetan. In den letzten Tagen hatte sie kaum etwas gegessen und war wie ein Gespenst durch das Haus gelaufen. Aufgelebt war sie nur durch die Briefe, die sie ihr brachte.

Atemlos blieb Lina vor Theodor stehen. »Da bin ich!«

Er legte seine langen Finger um ihre Hände.

»Es tut so gut, Sie wiederzusehen! Sollen wir ein bisschen spazieren gehen? Vielleicht am Fluss? Würde Ihnen das Freude bereiten?«

»Aber sicher!« Lina folgte ihm zu einem schmalen Pfad, der an einem kleinen Flüsschen entlangführte. Ihre Hand ruhte in Theodors, und das fühlte sich für sie auf eine eigentümliche Weise richtig und vertraut an. Keiner von beiden dachte auch nur einen Moment daran, dass sie jetzt jemand aus der Breslauer Gesellschaft beobachten könnte. Ohne ein Wort zu sagen liefen sie nebeneinander her.

Unter einer Trauerweide, deren Äste verträumt im Wasser hingen, blieb Theodor stehen und wandte sich an Lina.

»Jetzt treffen wir uns schon einige Wochen, und ich habe Sie in dieser Zeit besser kennengelernt. Besser, als ich es je zu hoffen gewagt habe. Und ich weiß, dass es noch reichlich früh ist, aber ich frage mich, ob Sie in unserer Freundschaft mehr sehen als nur einen Zeitvertreib?«

Er blickte in den eilig vorbeiziehenden Fluss, während er weiterredete. »Seit jenem ersten Treffen unter meinem Regenschirm bin ich mir sicher, dass ich mehr für Sie empfinde. Und da wollte ich doch fragen, ob …« Seine Stimme war immer leiser geworden und erstarb schließlich ganz.

Lina spürte, wie ihr das Blut in die Wangen schoss.

»Mein lieber Theodor, in den letzten Tagen habe ich mich nur wie ein halber Mensch gefühlt. Erst als meine Mutter mir verboten hat, Sie zu sehen, wurde mir klar, wie wichtig Sie mir sind. Ich weiß nicht, wie ich es sagen soll – und es mag sehr töricht klingen: Aber ich spüre, dass wir eine innere Verbindung haben. Sie sind der wichtigste Mensch in meinem Leben, da bin ich mir sicher! Doch ich fürchte, es wird nicht leicht werden …«

»Ich weiß«, entgegnete er. »Sie kommen aus einer reichen und geachteten Familie. Ich komme aus dem Nichts. Das passt nicht zusammen, keiner wird uns helfen.«

»Viel wichtiger ist doch, dass wir ein Ziel vor Augen haben. Wenn wir wirklich und aus tiefstem Herzen ein gemeinsames Leben führen wollen, dann schaffen wir das auch!« Lina sah in Theodors Augen.