Über dem Meer die Freiheit - Katrin Tempel - E-Book

Über dem Meer die Freiheit E-Book

Katrin Tempel

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Beschreibung

Charlotte zögert nicht lange, als Freiheitskämpfer aus allen deutschen Ländern zu einem Fest für Einigkeit und Demokratie aufrufen: Sie steckt sich die schwarz-rot-goldene Kokarde an und folgt ihrer Familie und ihrem Verlobten Friedrich zum Hambacher Schloss. Sie will singen, tanzen und frei sein. Doch den in der Pfalz herrschenden Bayern ist das ein Dorn im Auge. Charlottes Vater wird verhaftet, ihr Bruder taucht unter. Dann stirbt Friedrich bei einem schrecklichen Unfall, und Charlotte ist ganz allein. Als die Bayern drohen, auch sie festzunehmen, sieht sie nur einen Ausweg: Amerika. Voller Hoffnung, doch noch ein Leben in Freiheit zu führen, macht sie sich auf eine wagemutige und abenteuerliche Reise.

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Für Georg und Emma

ISBN 978-3-492-97849-1 September 2017 © Piper Verlag GmbH, München 2017 Dieses Werk wurde vermittelt durch die Autoren- und Projektagentur Gerd F. Rumler (München). Covergestaltung: FAVORITBUERO, München nach einem Entwurf von Meljean Brook Covermotiv: Ataly/shutterstock, Elenarts/shutterstock, MaxyM/shutterstock Nutzungsrechte Datenkonvertierung: CPI books GmbH, Leck

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1

Neustadt, Rheinbayern, im Oktober 1831

»Es ist noch nicht trocken!«

»Ich passe schon auf, keine Sorge!«, rief Charlotte, nahm das frisch gedruckte Flugblatt von der Leine, strahlte ihren Vater noch einmal an und verschwand aus dem Schuppen in den sonnigen Herbsttag.

Seufzend sah Christian Trautmann ihr hinterher. Wahrscheinlich würde sie mit der feuchten Druckerschwärze ihr Kleid ruinieren – und er hatte keine Ahnung, von welchem Geld er seiner Tochter ein neues kaufen sollte. Ganz bestimmt nicht von den wenigen Kreuzern, die er für dieses Flugblatt bekam. Er legte ein weiteres leeres Blatt in seine Druckerpresse und achtete sorgfältig darauf, dass sich die schwarze Farbe gleichmäßig verteilte.

Währenddessen stürmte Charlotte durch die engen Gassen von Neustadt, vorbei am Stadttor und hinaus in die Weinberge. Sie wusste genau, wo Friedrich heute bei der Lese war – und tatsächlich: Zusammen mit seinen Brüdern füllte er die Körbe mit weißen Trauben.

Atemlos blieb sie vor ihm stehen und reichte ihm das Papier. »Siehst du? Jetzt muss sich doch etwas ändern! Es kann doch nicht bis in alle Ewigkeit so bleiben! Sei vorsichtig, die Druckerschwärze ist noch ein bisschen feucht. Aber ich konnte nicht mehr warten. Ich musste dir das Flugblatt einfach zeigen!«

Friedrich lächelte sie an und strich ihr eine verschwitzte Strähne aus dem Gesicht. »Bis du dich wie eine echte Dame benimmst, werde ich alt und grau. Charlotte, seit wann rennen die Damen von Neustadt denn durch die Gassen wie kleine Knaben hinter ihren Reifen?«

Seine Stimme klang tadelnd. Schuldbewusst rückte Charlotte ihren Hut wieder gerade und wischte sich den Schweiß von der Stirn. »Besondere Nachrichten erfordern eben besondere Maßnahmen!«, erwiderte sie, während sie mit fliegenden Händen versuchte, sich wieder in eine ehrbare junge Frau zu verwandeln.

Stirnrunzelnd sah Friedrich auf das Flugblatt, das sie ihm in die Hand gedrückt hatte. Die Schrift war ein wenig verwischt, aber die Titelzeile deutlich zu lesen.

»Wider die hohen Zölle!«

»Das wäre ja mal eine gute Nachricht, wenn die Schreiber der Stadt erkennen würden, wo die wahren Probleme liegen«, murmelte er und überflog das Schreiben. Dabei erschien eine Zornesfalte auf seiner Stirn.

»Und? Wie findest du es?« Charlotte sah ihn mit leuchtenden Augen an. »Ich habe dir doch gesagt, dass du mit deinen Sorgen nicht alleine dastehst!«

»Hast du das überhaupt gelesen?«

»Nein. Aber ich habe gestern den Entwurf gesehen. Und da stehen doch so viele kluge und wahre Dinge darin. Dass ihr Winzer ohne die Aufhebung der Zölle nicht überleben könnt. Dass ihr für eure ehrliche Arbeit auch entlohnt werden müsst. Dass die Rebe von jeher der Ursprung des Reichtums in unserem Land war – und man nicht zulassen darf, dass genau dieser Reichtum jetzt verdorrt!«

Er schüttelte den Kopf. »Mag sein, dass das ursprünglich alles in diesem Blatt stehen sollte. Aber sieh dir an, was dein Vater letztlich drucken durfte!«

Langsam drehte er das Blatt so, dass sie es sehen konnte. Zwischen einigen kurzen Texten waren weiße Flächen zu sehen.

»Aber …« Charlotte schüttelte den Kopf. »Das kann doch nicht sein?«

»Doch, natürlich. Dein Vater musste dieses Flugblatt der Zensur vorlegen. Und die hat ihm verboten, die Wahrheit schwarz auf weiß zu drucken. Nichts ist gefährlicher als das Wort, vor allem, wenn jeder es nachlesen kann. Das wissen auch unsere bayerischen Herren – und sie sorgen dafür, dass nicht zu viel auf dem Papier steht.« Er zeigte auf die weißen Flächen. »Und dein Vater hat sich entschieden, anstelle der verbotenen Texte leere Stellen zu drucken, um jedem zu zeigen, wozu die bayerische Zensur fähig ist. Auch wenn er einen flammenden Aufruf seines Pressvereins gegen die überhöhten Zölle drucken wollte. Aber was dabei herausgekommen ist, ist ein Lückentext. Den kann keiner lesen – wir erfahren nur etwas über den Geist unserer Besatzer. Und die würden es nicht erlauben, dass sich jemand gegen sie wehrt. Sie lassen uns bluten, bis kein Tropfen mehr in unseren Adern fließt.«

Er machte eine Handbewegung, die den ganzen Weinberg einschloss. »Hier hängen gesunde Trauben, eine gute Ernte – und ich habe keine Ahnung, was ich damit machen soll. Ich werde schon den Wein des letzten Jahres nicht los, was soll ich dann mit dem neuen Wein machen?« Er lachte bitter auf. »Wir werden noch viel trinken müssen, mein Schatz. Und das ist womöglich der einzige Weg, um zu ertragen, was diese unsäglichen Bayern uns an jedem einzelnen Tag antun.«

Er schmiss das Flugblatt verächtlich auf den Boden. Beschwichtigend legte Charlotte ihm die Hand auf den Arm.

»Wochenlang hast du geschimpft, dass die Freiheitskämpfer und Demokraten in ihren Flugblättern nur hochfliegende Ideen verkünden. Und jetzt geht es endlich einmal um die Dinge, die dich beschäftigen, und dir ist es immer noch nicht gut genug – bloß weil die Zensur zugeschlagen hat?« Kopfschüttelnd hob sie das Blatt auf und strich es energisch glatt. »Du kannst einen guten Gedanken nicht einmal erkennen, wenn er in deiner Hand liegt und dir die Finger schwarz färbt!«

»Immerhin kann ich erkennen, dass mir dieser Anfang von einer schönen Frau gebracht wurde!«, entgegnete Friedrich lächelnd. Er nahm ihre Hand und zog sie zwei Schritte weiter zwischen zwei Reben, wo er ihr einen Kuss auf die Lippen drückte. Charlotte ließ ihn gewähren und schmeckte das Salz seines Schweißes und die Süße der Trauben, die er in seinem Korb gesammelt und immer wieder gekostet hatte.

»Nicht!«, protestierte sie halbherzig. »Man könnte uns sehen!«

»Und selbst wenn uns jemand sehen könnte, was würde es denn ändern? Ein jeder weiß, dass wir nur darauf warten, dass die Zeiten besser werden. Und dann heiraten wir, ganz bestimmt. Es kann ja nicht ewig so trübe um unsere Zukunft bestellt sein!«

Wieder drückte er ihr einen Kuss auf die Lippen.

Charlotte hörte das Gelächter seiner Helfer, viel zu nah – und schob ihn entschieden von sich.

»Lass gut sein, Friedrich! Mein Vater würde mich einsperren, wenn er erführe, dass wir uns hier im Wingert küssen!«

»Als ob man eine Charlotte Trautmann einsperren könnte!« Friedrich lachte – und für einen Moment konnte sie gar nicht fassen, was für ein Glück sie hatte. Friedrich war groß, seine Haut von der Arbeit in den Weinbergen gebräunt, und die Haare ringelten sich dunkel um seinen Kopf. Er war ein gut aussehender Mann, nach jedem Maßstab, der ihr bekannt war. Und das Beste: Er wollte sie eines Tages heiraten. Wenn seine Zukunft auf sicheren Beinen stand, wollten sie gemeinsam den Winzerhof seines Vaters in eine sonnige Zukunft führen.

Sie schüttelte lächelnd den Kopf. »Unterschätze meinen Vater nicht – er würde mich nicht mehr aus seiner Druckerei lassen, wenn er von unserem unschicklichen Tun hier im Wingert hört!«

Mit einem breiten Grinsen ließ er sie los. »Dann warte ich mit meinen Küssen eben, bis wir beide alleine sind!« Er sah in Richtung der Sonne, die sich schon dem Horizont entgegenneigte. »Es dauert nicht mehr lange, dann wird es Abend. Kommst du mit zu meinem Vater und meinen Brüdern? Sie würden sich freuen, dich zu sehen!«

»So gerne ich kommen würde, es geht leider nicht.« Charlotte schüttelte den Kopf. »Ich muss für meinen Vater kochen, das weißt du doch. Und unser Geselle möchte nach seinem Tagwerk sicher auch nicht hungrig ins Bett gehen.«

Friedrich hatte das bereits geahnt und runzelte die Stirn. »Du kannst deinem Vater doch nicht ewig den Haushalt führen. Eines Tages wird er lernen müssen, ohne dich auszukommen.«

»Das mag sein. Aber heute noch nicht. Wenn ich ihm und unserem Gesellen nichts auf den Tisch stelle, dann verhungern die beiden. Zumindest sagt er das immer. Und die Geschäfte laufen nicht gut genug, als dass wir uns eine Haushälterin leisten könnten.« Sie drückte ihm einen Kuss auf die Wange und lächelte ihn bedauernd an. »Heute Abend werdet ihr ohne mich auskommen müssen. Und ich sollte mich allmählich beeilen, sonst wird es zu spät.«

Mit einem letzten Winken machte sie sich auf den Weg zurück in die Stadt. Friedrich sah ihr hinterher und warf dann noch einen Blick auf das Flugblatt, das sie ihm dagelassen hatte. Charlotte glaubte immer noch an die Kraft des bedruckten Papiers. Dabei bewirkten diese Blätter, die ihr Vater in seinem Pressverein druckte, überhaupt nichts. Von bedrucktem Papier verkaufte sich nicht ein einziges der vollen Fässer in seinem Keller. Er zerknüllte das Papier in seiner Hand und warf es auf den Boden.

Als er sich umdrehte, sah er, dass seine Gehilfen ihn nur grinsend ansahen. »Werdet ihr wohl noch ein paar Körbe füllen?«, trieb er sie an. »Ich bezahle euch nicht fürs Maulaffen Feilhalten.«

Charlotte ging mit schnellen Schritten durch die Weinberge in die Stadt zurück. Dabei spürte sie seine Enttäuschung über die leeren Seiten fast körperlich. Sie war sich so sicher gewesen, dass Friedrich durch dieses Flugblatt neue Hoffnung schöpfen würde. Aber er hatte wieder einmal deutlich gemacht: Solange die Zollpolitik der Bayern sich nicht änderte, sah er keine Zukunft für sein Weingut. Die Franzosen würden keinen deutschen Wein trinken – und über den Rhein konnte man den Wein nur zu einem so hohen Preis verkaufen, dass niemand mehr daran interessiert war.

Langsam ging sie durch das Stadttor.

»Charlotte! Wohin des Wegs?«

Sie fuhr herum und stand vor einem kräftigen blonden Mann mit hellblauen Augen, roten Wangen und mehr Bauch, als ihm in seinem Alter guttat. Schon Ludwig Grubers wenige Worte verrieten seine bayerische Herkunft.

»Ich muss zu meinem Vater. Er wartet mit dem Abendessen auf mich, und ich sollte mich nicht verspäten«, erklärte sie und wandte sich zum Gehen. An diesen aufdringlichen Verehrer wollte sie keine Zeit verschwenden.

Aber so schnell ließ der junge Zollbeamte sie nicht gehen. »So rennen Sie doch nicht davon. Ihr Vater wird sich schon ein oder zwei Momente gedulden können mit seinem Abendessen. Ich bin so glücklich über diesen Zufall, der uns hier zusammengeführt hat.«

Mit einem kleinen Seufzer drehte Charlotte sich erneut um. Gruber gehörte zu den einflussreichen Männern in der kleinen Stadt, da sollte sie ihn besser nicht einfach stehen lassen. Vor allem jetzt nicht, wo seine Kameraden ihn vom Stadttor her beobachteten. Sie bemühte sich um ein höfliches Lächeln.

»Und wie kommt es, dass mein Anblick Sie glücklich macht?«

»Wir werden in einigen Tagen eine Nachmittagsgesellschaft zu Ehren meines Vaters veranstalten. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie uns die Ehre Ihrer Anwesenheit geben würden.« Er sah sie erwartungsvoll an.

Was erwartete er? Dass sie in Ohnmacht fiel, bloß weil sie ins Haus der Grubers eingeladen wurde? Charlotte kräuselte ihre Nase und rang sich zu einer höflichen Antwort durch. »Leider kann ich nicht kommen. Der Haushalt meines Vaters gerät leider völlig durcheinander, wenn ich nur einen einzigen Tag fehle. Sie müssen mich entschuldigen, so gerne ich auch kommen würde. Und jetzt verzeihen Sie, ich muss mich wirklich beeilen …«

Eine Ader auf der Stirn des bayerischen Zöllners schwoll an. Ansonsten ließ er sich nicht anmerken, wie sehr ihn ihre Antwort ärgerte. Statt einer Entgegnung zog er einen Umschlag aus seiner Tasche. »Das ist natürlich sehr bedauerlich. Dabei habe ich hier einen Auftrag, der Ihren Vater vielleicht über Ihre Abwesenheit hinwegtrösten könnte. So könnte er sich beschäftigen, während Sie der Schmuck unserer Gesellschaft sein könnten. Aber wenn Sie nicht kommen können …«

Gruber lächelte vielsagend und ließ den Umschlag wieder in die Tasche seines Rocks gleiten.

Nein, sie wollte wirklich keine einzige Sekunde mit diesem unsäglichen Bayern und seiner Familie in einem Raum verbringen.

Aber ein Auftrag der Regierung bedeutete gutes Geld für einen Drucker. Die Flugblätter der Revolution wurden unzureichend bezahlt und bedeuteten mehr Ärger mit den regierenden Bayern als eine Entlastung für die knappen Kassen der Trautmanns.

Mit einem gezwungenen Lächeln neigte Charlotte den Kopf. »Das ändert natürlich alles, warum haben Sie das nicht gleich gesagt? Wenn mein Vater diesen Auftrag sieht, wird er gewiss zustimmen, wenn ich ihm von der Einladung erzähle und dass ich nur allzu gern hinginge.«

Sie kam sich in diesem Moment vor, als würde sie ihre Seele verkaufen. Für einen lächerlichen Auftrag musste sie sich mehrere Stunden von diesem Ludwig Gruber zur Schau stellen lassen. Doch sie verdrängte ihre Gefühle und zwang sich zu einem freundlichen Lächeln. »Was ist denn der Anlass dieser Gesellschaft? Habe ich überhaupt etwas Passendes anzuziehen? Ich hoffe, ich störe nicht?«

Leider wollte ihr Gruber auch diesen Ausweg nicht geben. »Verehrtes Fräulein Charlotte, Sie sind doch in jedem Kleid der Schmuck einer Gesellschaft. Ich habe gehört, Sie spielen bezaubernd Klavier. Vielleicht wollen Sie ja ein Stück zum Besten geben? Mein Vater wäre bestimmt sehr erfreut. Wir feiern an diesem Tag seinen neuen Rang in der Armee.«

»Das wird bestimmt ganz wunderbar«, log Charlotte. »Aber jetzt muss ich wirklich nach Hause. Kann ich den Auftrag für meinen Vater gleich mitnehmen?«

Mit einem wohlwollenden Lächeln zog Ludwig erneut den Umschlag aus der Tasche und reichte ihn ihr. Als sie danach griff, hielt er ihn noch einen Augenblick lang fest. »Ich kann mich doch auf Ihr Erscheinen verlassen?«

Sie nickte. »Ich könnte mir kaum etwas Schöneres vorstellen.« Außer vielleicht zehn Tage Regen, sauren Wein und alten Fisch, dachte sie leise bei sich. Endlich ließ er den Umschlag los, und sie konnte sich verabschieden.

Wütend ging sie die letzten Meter nach Hause. Diesem Ludwig Gruber war es gleichgültig, dass er sich ihre Zusage zu seiner Einladung erkauft hatte. Hauptsache, er bekam seinen Willen – und er hatte sich nun einmal in den Kopf gesetzt, Charlotte auf seinem Fest und später an seiner Seite zu haben. Zumindest den letzteren Teil seines Plans würde sie zu verhindern wissen.

Ihr Elternhaus lag in einer engen Gasse mitten in Neustadt. Das Fachwerk hatte schon mehr als ein Jahrhundert auf dem Buckel, aber sie fand die dunklen Balken einfach wunderschön. Die eigentliche Überraschung lag allerdings hinter dem Vorderhaus mit seinen engen Gängen und steilen Stiegen. Dort lag nämlich ein kleiner Garten versteckt – und in dem Garten befand sich der einfache Schuppen, in dem ihr Vater seine Druckerei betrieb.

Wie so häufig, war er um diese Zeit noch mit seiner Presse beschäftigt. Er sah auf und lächelte seine Tochter freundlich an, bis er ihr finsteres Gesicht bemerkte.

»Was ist denn, mein Liebling? Hast du Friedrich nicht getroffen? Oder hat er den Wert unseres Flugblatts nicht erkannt?«

»Doch, sicher habe ich ihn getroffen. Es ist allerdings immer das Gleiche: Er kann sich nicht vorstellen, dass sich jemals etwas ändert, wenn wir nicht mehr unternehmen, als nur Flugblätter zu drucken. Außerdem hättest du mich warnen können. Über die Hälfte des Textes ist der Zensur zum Opfer gefallen! Ich habe ihm leere Seiten gebracht. Das hat ihn mehr erzürnt als erfreut.«

Ihr Vater schmunzelte. »Du wolltest nicht auf mich hören, erinnerst du dich? Aber was liegt dir wirklich auf der Seele? Bestimmt nicht diese lästige Zensur, so, wie ich dich kenne.«

»Nein, das ist es nicht … Ich habe auf dem Heimweg Ludwig Gruber getroffen.« Sie verdrehte theatralisch die Augen.

»Und? Was ist so schlimm daran? Du grüßt recht höflich und gehst deiner Wege. Das kann doch kaum dazu führen, dass du ein Gesicht ziehst, als würde es seit Tagen regnen.« Seine freundlichen Worte machten Charlotte noch wütender.

»Das klingt so einfach.« Sie nahm den Umschlag aus der Tasche und warf ihn auf den Tisch. »Aber dann lockt er mit einem gut bezahlten Auftrag dieser vermaledeiten Bayern, und ich kann nicht anders, als ihm mein Erscheinen bei seiner Gesellschaft zuzusichern. Ich muss also hübsch sein, lächeln und Klavier spielen, damit du auch einmal wieder einen gut bezahlten Auftrag hast. Und da soll ich auch noch glücklich lächelnd herumlaufen? Diese Bayern sorgen dafür, dass ich mich zum Hanswurst mache!«

»Na, na, mein Kind.« Christian Trautmann kam hinter seiner Druckerpresse hervor und nahm sie in den Arm. »So schlimm kann es doch nicht sein, zu einer Gesellschaft dieser Grubers zu gehen. Ich wette, der Wein wird vorzüglich sein und die Speisen ganz erlesen. Und leider hast du recht: Wir brauchen die Aufträge der Bayern dringend. Ich habe wirklich keine Ahnung, wie ich mir auch weiterhin unseren Gesellen leisten soll. Daher meine Bitte an dich: Mach bitte gute Miene zum bösen Spiel dieses Ludwig Gruber. Du musst ihn ja nicht heiraten …«

Charlotte schnaubte verächtlich. »Das nicht. Aber ich kann es nicht ertragen, dass er meint, mich kaufen zu können. Dabei hat er ja recht. Denn kaum winkt er mit einem Auftrag, ziehe ich mein schönstes Kleid an und komme zu ihm. Das ist doch erniedrigend. Es fehlt nicht viel, und ich kann mich zu den Dirnen in den Gastwirtschaften und Spelunken gesellen. Ich bin keinen Deut besser.«

Trautmann nahm seine wütende Tochter in den Arm. »Du machst wie so häufig ein zu großes Drama aus der Sache. Es gibt wahrlich Schlimmeres als eine kleine Einladung. Keiner verlangt von dir, dass du für immer in seinem Haushalt bleibst.«

»Du hast gut reden«, murmelte Charlotte. »Du musst dort nicht hin.«

»Nein«, erwiderte ihr Vater lächelnd. »Und ich denke, auf meine Gesellschaft legen Ludwig Gruber und sein Vater auch wenig Wert. Vor allem, wenn ihnen klar wird, dass ich dem Pressverein angehöre, der ihnen immer nur Ärger macht.«

»Vielleicht sollte ich es ihnen verraten?« Charlottes schlechte Laune verflog sofort. »Er möchte doch bestimmt nichts mit einer so politischen Familie zu tun haben?«

Trautmann musterte seine Tochter. Mit ihrem fein geschnittenen Gesicht, den funkelnden grünen Augen und der schmalen Taille war sie eine wahre Augenweide. »Leider kann Ludwig Gruber besser sehen als denken – also wird er dich sicherlich trotzdem in seiner Nähe haben wollen …«

2

Neustadt, Rheinbayern, im Oktober 1831

Missmutig zerrte Charlotte die Bänder ihres Korsetts fester. Für die Gesellschaft bei Ludwig Gruber hatte sie ihr schönstes Kleid angezogen: Es war leuchtend gelb-weiß gestreift und lag in großen Falten über dem Reifrock. Die weiten Ärmel, die mit steifem Rosshaar in Form gebracht wurden, sorgten dafür, dass sie die Arme nicht mehr eng am Körper tragen konnte – und der Hut nach der neuesten Mode erinnerte Charlotte eher an die Scheuklappen der Karrengäule, so sehr behinderte die Schute sie beim Sehen. Darunter hatte sie ihre Haare sorgfältig in Löckchen gedreht. Mit zusammengezogenen Brauen musterte sie sich im Spiegel. Sie sah wie eine Dame aus, kein Zweifel. Eine Dame, die höchsten Wert auf Mode und gutes Benehmen legte.

Gegen ihren Willen lächelte sie sich an. Wenn sie auf ein schönes Fest mit ihrem Friedrich hätte gehen dürfen, hätte sie vor Glück getanzt. Aber all die Bemühungen um ihr Aussehen für diesen bayerischen Gockel waren es nicht wert.

Mit einem kleinen Seufzer fuhr sie mit den Füßen in die feinen gelben Seidenschuhe, deren Farbton genau zu dem Kleid passte, und lief die Treppe nach unten und durch den kleinen Garten in die Druckerei ihres Vaters.

Mit einem formvollendeten Knicks blieb sie vor ihm stehen. »Was meinst du, Väterchen? Kann ich mich so sehen lassen?«

Christian Trautmann fuhr sich mit einer Hand durch seine üppigen weißen Koteletten.

»Mein Schatz, du bist die Zierde eines jeden Festes, wenn du dich so kleidest. Pass nur auf, dass Friedrich dich so nicht sieht. Er wird dich kaum allein auf eine Gesellschaft gehen lassen …«

»Was soll ich nicht sehen?«, ertönte es da auch schon vom Garten her. »Habt ihr etwa Geheimnisse vor mir?«

Als Friedrich die kleine Druckerei betrat, machte Charlottes Herz einen Satz. In seinem Gehrock sah er einfach noch viel besser aus als im Winzerhemd. Er schien über ihren Anblick allerdings weniger erfreut zu sein – genau wie ihr Vater es vorhergesehen hatte.

»Was hast du denn heute vor? Dieses Kleid kenne ich ja gar nicht an dir?« Er sah sie fragend an.

Verlegen zuckte Charlotte die Schultern. »Doch, ich habe es zuletzt an Ostern getragen, erinnerst du dich nicht? Und ich habe dir vor ein paar Tagen von der Einladung in das Haus der Grubers erzählt. Sie geben meinem Vater immer wieder gut bezahlte Aufträge, da kann ich eine solche Einladung kaum ablehnen …«

»Kannst du doch! Du bist doch nicht das Eigentum dieser Bayern, bloß weil sie deinem Vater einen Auftrag geben. Wer würde denn sonst ihre Pamphlete drucken? Sie werden es kaum in Bayern machen lassen …« Er schnaubte verächtlich und sah Charlottes Vater an. »Ich kann es gar nicht glauben, dass du deine Tochter verkaufst, nur damit deine Presse nicht stillstehen muss!«

Trautmann hob die Hand, um den Redefluss des Winzers zu stoppen. »Halt ein! Ich habe meine Tochter nicht verkauft, wo denkst du hin? Als ob irgendjemand meiner Tochter sagen könnte, was sie zu tun und zu lassen hat! Es handelt sich lediglich um eine nachmittägliche Gesellschaft. Und wenn sie dafür sorgt, dass ich meinem Gesellen doch nicht kündigen muss, dann soll es mir recht sein. Charlotte soll für wenige Stunden ein schönes Lächeln zeigen. Es steht dir nicht zu, über Charlotte und mich zu urteilen – denn ich weiß genau: Wenn du mit dem Besuch einer Gesellschaft einen Teil deines Weines verkaufen könntest, dann würden wir dich von keiner Gesellschaft mehr fernhalten können. Egal, ob dir die Gastgeber passen oder nicht.«

Einen Moment lang standen die Männer wütend voreinander da. Doch dann lachte Friedrich, und die Spannung verflog.

»Du magst recht haben, Meister Trautmann«, entgegnete er. »Es steht mir nicht zu, dich zu tadeln. Und vielleicht sollte ich wirklich versuchen, meinen Wein an die bayerischen Zöllner und ihre Schergen zu verkaufen.«

Er nickte Charlotte zu. »Und du achte darauf, dass du dich von diesen Bayern nicht umgarnen lässt! Du musst nur gerade eben nett genug sein, um deinem Vater weitere Aufträge zu sichern. Aber nicht mehr, hörst du?«

Wieder knickste sie. »Aber sicher, mein Herr!«

Damit machte sie sich auf den Weg – bis ihr in der Tür noch etwas einfiel. Sie drehte sich um und sah Friedrich neugierig an. »Aber was hat dich eigentlich zu uns geführt? Du wolltest doch sicher nicht in Erfahrung bringen, was ich heute Abend anziehe?«

Er machte eine wegwerfende Handbewegung. »Nichts Großes. Ich wollte nur in der Stadt nach dem Rechten sehen und hatte gehofft, dass dein Bruder heute vielleicht zu Besuch ist. Leider sehe ich meine Hoffnung enttäuscht – aber immerhin war es mir vergönnt, dich in deinem wunderschönen Kleid zu sehen!«

Einen Augenblick zögerte Charlotte. Ein unangekündigter Besuch sah Friedrich überhaupt nicht ähnlich. Für wahrscheinlicher hielt sie es, dass er eine Idee hatte, die er mit ihrem Bruder durchsprechen wollte. Denn eines war sicher: Friedrich würde seine Pläne und Ideen niemals mit ihr besprechen. Dafür war ein Frauenköpfchen seiner Meinung nach gänzlich ungeeignet.

Nachdenklich lief sie durch die Gassen zum großen Haus der Grubers. Um ihre seidenen Schuhe dabei nicht gänzlich zu ruinieren, musste sie immer wieder über Pfützen und schlammige Stellen in der Straße springen. Ihr war es ein Rätsel, wie die anderen Damen der Gesellschaft das hinbekamen.

Die Gesellschaft war bereits in vollem Gange, als Charlotte eintraf. Ein Diener empfing sie an der Tür und musterte sie von oben herab, ohne die Miene zu verziehen.

»Das junge Fräulein Trautmann wird bereits von Herrn Gruber erwartet«, näselte er und brachte sie in den Salon, in dem sich eine Menge Menschen angeregt unterhielt. Charlotte blieb unsicher an der Tür stehen. Sollte sie sich hier einfach ungezwungen unter das feiernde Volk mischen – oder wäre es geschickter, nach Ludwig Ausschau zu halten und ihn zu begrüßen?

Noch bevor sie eine Entscheidung getroffen hatte, kam Ludwig quer durch den Raum auf sie zu. In seinem taubenblauen Gehrock nach der neuesten Mode sah er für ihren Geschmack ein wenig geckenhaft aus – und der Wein hatte dafür gesorgt, dass seine Wangen in noch stärkerem Rot leuchteten, als es ohnehin der Fall war. Aber sie lächelte ihm so freundlich entgegen, wie es ihr nur möglich war.

Besitzergreifend legte er ihr seinen Arm um die Taille und steuerte mit ihr auf eine Gruppe junger Männer zu. »Das ist Charlotte Trautmann. Sie stammt aus Neustadt, ist aber trotzdem ein reizendes Geschöpf!«

Alle lachten über seinen schlechten Scherz. Charlotte musste sich dazu zwingen, ihre Lippen freundlich zu verziehen. Wie konnte er es nur wagen, sich über ihre Herkunft lustig zu machen? Unauffällig versuchte sie, sich aus seinem Griff zu winden. Aber er ließ keine Sekunde locker. Ganz im Gegenteil, seine Finger kamen ihr vor wie eine eiserne Klammer.

»Fräulein Charlotte hat mir zugesagt, uns mit einer Probe ihrer Kunst auf dem Klavier zu unterhalten«, verkündete er eine Spur zu laut. »Das solltet ihr euch nicht entgehen lassen!«

Verlegen schüttelte Charlotte den Kopf. »Vielleicht haben Ihre Gäste ja einen ausgefalleneren Geschmack, als ich ihn mit meinem bescheidenen Können erfreuen könnte. Ich möchte mich nicht aufdrängen …«

»Papperlapapp! Auf der Gesellschaft meiner Familie ist der Musikgeschmack meiner Gäste immer noch meine Sache!« Erst jetzt bemerkte er, dass sie offensichtlich noch nichts zu trinken bekommen hatte. Er winkte mit befehlsgewohnter Geste nach einem der Diener. »Bring er meiner Begleitung doch einen Wein!«

Augenblicke später hatte Charlotte einen reichlich gefüllten Weinpokal in der Hand. Als Ludwig Gruber das Glas auf ihr Wohl erhob, nippte sie nur daran. Obwohl sie in einer Stadt voller Weinbauern groß geworden war, hatte sie sich an den Genuss des Rebensafts trotzdem noch nicht gewöhnt. Darauf achtete schon ihr Vater.

Zwei junge Frauen traten neben Ludwig. Ihre runden, rotwangigen Gesichter ließen keine Zweifel zu: Das mussten seine Schwestern sein. Sie musterten Charlotte neugierig. »Das ist also die Pfälzerin, von der du uns erzählt hast?«, meinte schließlich die kräftigere der beiden. »Du hast recht, sie sieht wirklich allerliebst aus. Wenn man sich dieses altmodische Kleid moderner denkt und sie den Mund nicht öffnet, um ihren pfälzischen Dialekt hören zu lassen, dann könnte man sie fast eine gute Partie nennen.«

Fassungslos starrte Charlotte die junge Frau an. »Was fällt Ihnen denn ein, mich so zu beleidigen?«, fragte sie schließlich.

Ein wieherndes Gelächter war die Antwort. »Wie gesagt, du wirst ihr noch das Schweigen beibringen müssen. Dann könnte sie sogar als dekorativ durchgehen.«

Ludwig stimmte herzhaft in das Gelächter seiner Schwestern ein. »Ihr seid schrecklich!«, rief er. »Was kann Charlotte denn dafür, dass sie sich nicht regelmäßig in München nach der neuesten Mode einkleiden lassen kann? Es kann nicht jeder so ein Glück haben wie ihr – oder einen so großzügigen Vater!«

»Darf man denn fragen, wie die Familie des Fräulein Trautmann ihren Lebensunterhalt bestreitet?«, fragte die zweite Schwester, die sich bisher zurückgehalten hatte.

»Mein Vater ist …«, setzte Charlotte zu einer Antwort an, als Ludwig sie mitten im Satz unterbrach.

»Er ist ein einfacher Handwerker, aber daran kann ich nichts Ehrenrühriges sehen«, erklärte er. »Doch jetzt lasst uns in das Klavierzimmer gehen, damit Charlotte uns eine kleine Probe ihres Talents geben kann.«

Verblüfft ließ Charlotte sich ins Musikzimmer führen. Hatte Ludwig womöglich Angst, dass seine Schwestern vom Beruf ihres Vaters erfuhren? Eigentlich war in der Stadt durchaus bekannt, dass ihr Vater Drucker war – aber womöglich hielten die Bayern so wenig Kontakt mit den anderen Bewohnern des Orts, dass sie es nicht wussten.

Charlotte setzte sich an das Klavier, das dekorativ in der Mitte des Raums aufgebaut war. Fragend sah sie ihre Schwestern an. »Wollen Sie nicht zum Auftakt ein wenig spielen? Ich möchte Ihnen als Gastgeberinnen dieses Recht nicht streitig machen.«

Beide schüttelten den Kopf. »Unser Vater hat es versäumt, uns rechtzeitig in den Unterricht zu geben. So haben wir es wohl verpasst, zu einer Fertigkeit zu kommen, die es wert wäre, vor Publikum gehört zu werden«, erklärte die kräftigere. Sie wirkte dabei nicht im Geringsten verlegen.

Mit einem kleinen Seufzen ließ Charlotte sich auf dem Klavierhocker nieder und schlug zur Probe einige Töne an. Das Klavier war gut gestimmt und hatte einen schönen Ton. Beherzt spielte sie ein Lied, das sie auswendig konnte. Wenn sie die Gäste mit Musik erfreute, war sie wenigstens keinen Scherzen über ihre Pfälzer Herkunft ausgesetzt. Sie musste auch mit niemandem reden, ein weiterer Vorteil. Und so spielte sie einfach weiter.

Am liebsten war ihr Schuberts Liederzyklus Die schöne Müllerin, denn dabei konnte sie von fröhlich bis traurig viele verschiedene Stimmungen auf dem Klavier zum Schwingen bringen. Anfangs kamen auch einige Gäste ins Musikzimmer und hörten höflich ein oder zwei Liedern zu. Aber schon nach kurzer Zeit leerte sich der Raum. Die Begeisterung für das Klavierspiel war im Hause der Grubers offensichtlich nicht sonderlich ausgeprägt.

Nur Ludwig blieb beharrlich, nippte an seinem Wein und nickte ihr immer dann auffordernd zu, wenn sie die Finger von den Tasten nahm.

Endlich fielen Charlotte keine weiteren Lieder mehr ein. Mit einem energischen »Jetzt muss ich aber wirklich wieder nach Hause!« erhob sie sich von ihrem Hocker. Immerhin hatte das Klavierspiel sie vor weiteren peinlichen Unterhaltungen mit Ludwigs Schwestern gerettet.

Als sie den Raum verlassen wollte, trat Ludwig ihr in den Weg. »Sie müssen mit mir noch in den Garten kommen«, erklärte er. Sein Ton verriet, dass er keinen Widerspruch dulden würde.

Er griff eine Spur zu fest nach ihrer Hand und führte sie durch die offen stehende Tür hinaus in den kleinen Garten, der von der kundigen Hand eines Gärtners angelegt war. Ein kleiner Weg führte sie in einen Laubengang, in dem das herbstliche Laub für zauberhafte Farben sorgte. Es roch nach Laub und jungem Wein.

»Ich habe nachgedacht!« Ludwigs Wangen wurden noch eine Spur röter. »Und ich möchte mein Anliegen ohne Zögern vortragen: Ich habe gespürt, dass Sie die ideale Frau für mich wären. Und eine gute Wahl für die Mutter meiner Kinder. Ich fühle, dass wir gemeinsam eine gute Ehe führen könnten und einander Halt und Stütze in diesen bewegten Tagen geben könnten. Daher meine Frage: Wollen Sie meine Frau werden?«

Charlotte sah ihn entsetzt an. Er musste doch wissen, dass sie längst einem anderen versprochen war – oder etwa nicht? Die Bayern bekamen in dieser Stadt, in der eigentlich jeder alles über jeden wusste, offenbar nur wenig mit. Sie lächelte verlegen.

»Ihre Frage ehrt mich ungemein. Aber ich fürchte, es ist Ihrer Aufmerksamkeit entgangen, dass ich bereits dem Sohn eines Winzers fest versprochen bin. Und diese Verbindung möchte ich nicht leichten Herzens aufgeben, sosehr Ihre Frage mir auch schmeichelt …«

Die höflichen Sätze kamen ihr so flüssig über die Lippen, als wären sie einstudiert.

Unwirsch schüttelte der junge Zollbeamte den Kopf. »Dieser Friedrich Wirth kann doch für Ihren Unterhalt nicht sorgen, es steht ja nicht einmal fest, von welchem Geld er und seine Familie im nächsten Jahr leben sollen. Wie können Sie ihn mir vorziehen? Ich habe doch ein sicheres Auskommen, und – wer weiß? – vielleicht können wir in einigen Jahren sogar zurück nach München ziehen, und ich kann in der Hauptstadt arbeiten?«

Charlotte trat einen Schritt zurück und stieß an das schmiedeeiserne Gestänge des Laubengangs.

Jetzt war sie wirklich sprachlos. Ludwig Gruber wusste von Friedrich und hatte trotzdem die Dreistigkeit, um ihre Hand anzuhalten? Sie spürte, wie ihre Wangen flammend rot wurden, als sie ihm antwortete.

»Ich weiß nicht, wie das in Ihren Kreisen gehalten wird. Aber ich für meinen Teil stehe zu jedem Wort, dass ich gebe. Und wenn Friedrich Wirth und ich uns unsere Liebe gestanden haben und ich eingewilligt habe, seine Frau zu werden – dann kann mich das Angebot eines sicheren Lebens und eines Umzugs nach München ganz bestimmt in meinem Entschluss nicht wankelmütig machen.«

Sie nickte ihm entschlossen zu.

»Und jetzt entschuldigen Sie mich bitte. Ich muss nach Hause und meinem Vater das Abendessen zubereiten. So, wie es sich für die pflichtbewusste Tochter eines Handwerkers gehört!«

Mit diesen Worten drehte sie sich um und lief durch Garten und Haus auf die Straße hinaus. Sie hörte Ludwig hinter sich rufen, achtete jedoch nicht darauf.

Erst nachdem die Tür hinter ihr ins Schloss gefallen war und sie sich wieder in Sicherheit fühlte, gestattete sie sich, in einem sittsamen Tempo weiterzugehen.

Wie wagte es dieser Mann, sich so zu verhalten? Er fühlte sich Friedrich offenbar so überlegen, dass er sich nicht einmal vorstellen konnte, sie würde sein Angebot ausschlagen. Aber so einen Mann würde sie ganz sicher nicht haben wollen.

Ihr Atem ging ruhiger, als sie an ihrem Elternhaus ankam. Sie schob die Tür auf und fand am Esstisch ihren Vater und seinen Gesellen, die sich Brot, Käse und ein wenig Wurst teilten. Das Gesicht ihres Vaters leuchtete auf, als er sie sah.

»Liebling, setz dich zu uns. Wie war dein Nachmittag bei unseren bayerischen Besatzern?«

Charlotte ließ sich auf den freien Stuhl fallen und griff nach einem Stück Brot.

»Genau wie ich es erwartet hatte. Sogar noch ein wenig schlimmer. Stell dir vor: Dieser Ludwig Gruber will mich heiraten, obwohl er von Friedrich weiß. Er denkt doch tatsächlich, dass ich bei seinem verlockenden Angebot sofort meine Versprechen brechen werde.« Sie schüttelte sich.

»Was hast du ihm denn geantwortet?« Ihr Vater sah sie neugierig an. »So erregt, wie du aussiehst, kann ich mir nicht vorstellen, dass du ihm deine Absage schonend beigebracht hast.«

»Ich werde für ihn ganz bestimmt keine Versprechen brechen. Das habe ich ihm deutlich gemacht. Dann habe ich ihn stehen lassen.« Sie biss von ihrem Brot ab. »Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob er sich morgen an alle meine Worte erinnern kann. Er hat doch tüchtig dem Wein zugesprochen, während ich Klavier gespielt habe.«

»Na, dann hoffen wir doch das Beste«, murmelte ihr Vater.

Erschrocken sah Charlotte ihn an. »Wieso? Habe ich denn etwas falsch gemacht?«

»Ganz und gar nicht, mein Liebling«, beruhigte sie ihr Vater. »Aber es kann gut sein, dass wir uns damit von den Aufträgen der Bayern verabschieden müssen. Und die haben immerhin dafür gesorgt, dass meine Druckerei sich bisher ganz wacker geschlagen hat.« Er seufzte. »Ach, wenn nur endlich diese verdammte Zensur beendet wäre. Oder die Bayern der Rheinpfalz ein wenig Freiheit geben würden. Es ist doch kein Zustand, dass sie mir immer wieder sagen, was ich drucken darf und was nicht. Der Pressverein …«

»Darüber muss ich mit Ihnen sprechen!«, unterbrach ihn in diesem Augenblick der Geselle Amadeus. Vater und Tochter Trautmann sahen ihn überrascht an. Amadeus redete nur wenig – und schon gar nicht ohne Aufforderung. Tatsächlich vergaßen sie nicht selten, dass er mit am Tisch saß.

»Ja?« Christian Trautmann zog eine Augenbraue nach oben. »Sprich frei heraus. In meinem Haus gibt es keine Zensur.«

»Ich sehe, dass Sie immer mehr für die Ideale der Demokraten und Revolutionäre eintreten«, brach es aus Amadeus hervor. »Das sind aber nicht meine Ideale. Ich habe Angst, dass ich mit Ihnen und in dieser Druckerei meinem sicheren Untergang entgegengehe. Die Mitglieder des Pressvereins sind Aufrührer und Unruhestifter. Die Stadt wird sie sicher in den Kerker stecken. Wenn nicht morgen, dann doch wenigstens übermorgen. Damit möchte ich aber nichts zu tun haben.«

Er schwieg so plötzlich, wie er seine Rede begonnen hatte. Die längste Rede, die Charlotte je aus dem Mund dieses ängstlichen, blassen Jungen gehört hatte.

»Und das bedeutet?« Trautmann sah seinen Gesellen immer noch fragend an.

»Dass ich Sie bitten möchte, mich aus meinem Vertrag zu entlassen. Geben Sie mir meine Freiheit zurück, damit ich mir einen weniger gefährlichen Lehrherren suchen kann!«

»Ab wann?«

»Am liebsten ab sofort. Ich fürchte, die Falle der Gesetzeshüter und Beamten kann jederzeit zuschnappen – und da möchte ich nicht mehr unter Ihrem Dach leben.« Amadeus zögerte, bevor er weitersprach. »Verstehen Sie mich nicht falsch, Meister Trautmann. Ich habe viel bei Ihnen gelernt, und in ruhigeren Zeiten wäre ich gerne bei Ihnen geblieben. Aber jetzt, wo nicht einmal mehr der Zollbeamte Gruber seine schützende Hand über Sie halten wird …«

Christian Trautmann nickte nur. »Das kommt etwas überraschend, aber ich kann deine Gründe verstehen. Auch wenn ich sie nicht gutheißen mag, denn eigentlich sollte ein junger Mann, wie du es bist, für die Sache der Freiheit geradezu brennen. Geh, wann immer dir der Sinn danach steht. An deinen Lehrvertrag mit mir musst du dich nicht mehr halten. Ich spreche dich frei.«

»Danke, Meister Trautmann. Dann würde ich, mit Verlaub, noch heute mein Säckel schnüren und gehen.« Damit stand er auf und verschwand in seiner kleinen Kammer, die direkt neben dem Aufgang zu den Schlafräumen der Trautmanns lag. Vater und Tochter hörten ihn nur kurz hin- und herräumen, dann tauchte Amadeus mit einem kleinen Beutel in der Hand wieder auf. Größer war sein Besitz nicht.

Er nickte seinem ehemaligen Lehrherrn und Charlotte noch einmal zu, dann schob er sich durch die Tür und verschwand.

Charlotte schüttelte überrascht den Kopf. »Ich war ja schon immer der Meinung, dass sich in seinem Spatzenhirn nicht allzu viel abspielt – aber ich wusste nicht, dass er so dumm ist! Wo will er denn in diesen Zeiten einen neuen Lehrherrn finden? Einen, der nichts daran findet, dass er bereits eine Lehre abgebrochen hat?«

Trautmann fuhr sich durch seine buschigen Koteletten. »Ehrlich gesagt bin ich nicht unglücklich. Natürlich sollte ein so junger Bursche immer auf der Seite der Freiheit sein – aber gleichzeitig fehlen mir im Grunde doch die Mittel, einen eigenen Gesellen zu beschäftigen. Sein Weggang verschafft mir ein wenig mehr Luft zum Atmen.«

»Aber wer soll dir denn künftig zur Hand gehen?« Neugierig sah Charlotte ihn an.

Ihr Vater lächelte sie verlegen an. »Nun, mein Kind, ich fürchte, das wirst du sein. Das Druckerhandwerk ist keine Hexerei, und ich bin mir sicher, du wirst rasch begreifen, welche Handgriffe von Nöten sind. Würdest du das für mich tun? Ich weiß, es ist nichts, womit eine junge Dame sich normalerweise beschäftigen sollte, das ist mir klar. Aber es bleibt mir keine andere Wahl.«

»Aber Vater! Nichts würde ich lieber tun als das! Ich freue mich doch, wenn ich dir helfen kann und zu mehr zu gebrauchen bin als nur zum Klavierspiel!« Charlottes Begeisterung war nicht gespielt. Tatsächlich hatte sie ihrem Vater seit ihrer Kindheit gerne zugesehen, und sie war sich sicher, dass sie auch ohne seine Anleitung die Presse bedienen könnte.

»Dann beginnt deine Lehre bei mir gleich morgen«, entschied Christian Trautmann. Stirnrunzelnd sah er ihr leuchtendes Kleid an. »Wir sollten allerdings ein wenig passendere Kleidung für dich auswählen, meinst du nicht?«

3

Neustadt, Rheinbayern, Weihnachten 1831

Charlottes Blick wanderte zum Baum, der in der Zimmerecke von der Decke hing. Zumindest in dieser Hinsicht war das Weihnachtsfest so wie in den vergangenen Jahren auch.

Ansonsten war nichts wie immer.

Statt eines stattlichen Bratens hatte sie für den ersten Feiertag in diesem Jahr nur ein Hühnchen zubereitet. Es musste auch nicht mehr für viele Menschen reichen, sondern nur für sie selbst und ihren Vater. Am heutigen Heiligabend gab es den traditionellen Heringssalat. Leise klapperte das Besteck auf dem Geschirr. Was sollten sie reden? Die wenigen Aufträge und das fehlende Geld gaben nicht gerade ein geeignetes Thema für Heiligabend ab. Die langweilige Predigt des Pfarrers, der über das Durchhalten in düsteren Zeiten geredet hatte, half auch nicht weiter.

Charlotte dachte angestrengt über ein passendes Gesprächsthema nach, als es an der Tür klopfte. Augenblicke später stand Friedrich in der Stube. Mit ihm schien das Leben zurückgekehrt zu sein. Er nahm Charlotte in den Arm und drückte ihr einen Kuss auf die Wange. »Ich wünsche dir von Herzen frohe Weihnachten, mein Schatz!«

Seinem künftigen Schwiegervater legte er ebenfalls den Arm um die Schulter. »Ich weiß, dass es düstere Zeiten sind, aber ich habe wenigstens etwas Wein mitgebracht, um alles erträglicher zu machen.« Er stellte zwei Flaschen auf den Tisch. »Und so könnt ihr mir helfen, meine vollen Keller ein wenig zu leeren.«

Charlotte rannte in die Küche, um ein weiteres Gedeck für Friedrich zu holen. Aufgeregt stellte sie Teller und Besteck vor ihm ab. »Wie konntest du dich an diesem Weihnachtsabend von deiner eigenen Familie lösen?«, fragte sie aufgeregt. »Hast du in den letzten Jahren nicht immer gesagt, dass dein Vater höchsten Wert darauf legt, dass ihr wenigstens zu Weihnachten alle um den Tisch sitzt?«

Friedrich machte eine wegwerfende Handbewegung. »Das mag sein. Aber es war eine so trübselige Veranstaltung mit all den Problemen, die uns derzeit drücken, dass ich es nicht mehr ausgehalten habe. Ich habe gedacht, ich müsste wenigstens für ein oder zwei Stunden bei euch nach dem Rechten sehen! Schließlich seid ihr beide so sehr meine Familie wie mein Vater und meine Brüder.«

Christian Trautmann schlug ihm mit der Hand auf die Schulter. »Das hast du richtig gemacht! Bei uns fühlte es sich ebenfalls eher wie eine Trauerfeier an. Aber Charlotte und ich sind an so gedankenschweren Tagen wie dem heutigen einfach zu nichts zu gebrauchen.«

Friedrich entkorkte die erste der beiden Flaschen und füllte den hellen Weißwein in die Gläser. »Das sollte eigentlich nicht sein. Weihnachten ist doch ein freudiges Fest, egal, wie die Umstände sein mögen.«

In dieser Sekunde flog die Tür zur Stube erneut auf. Wilhelm stürmte herein, und Charlotte stieß vor Glück einen kleinen Schrei aus.

Mit ihrem Bruder hatte sie an diesem Abend nicht mehr gerechnet. Sie fiel ihm um den Hals. »Ich habe schon gedacht, du feierst nur mit deinen Freunden von der Burschenschaft!«

»Nein, wo denkst du hin? Weihnachten kehrt jeder zu seiner eigenen Familie zurück.« Wilhelm sah den Wein auf dem Tisch, nahm sich eines der gefüllten Gläser und stürzte den Inhalt mit einem einzigen Zug hinunter. »Das ist es, was ich jetzt brauche. Ich war mir nicht sicher, ob ich es überhaupt noch vor Mitternacht nach Neustadt schaffen würde. Ich wurde von Zollbeamten aufgehalten, die ausgerechnet in der Heiligen Nacht unterwegs waren, um noch ein paar Demokraten einzufangen. Ich hatte nur Glück, dass ich meine Schärpe und Kappe in Heidelberg gelassen habe.«

Charlotte holte ein viertes Gedeck und machte eine einladende Handbewegung. »Bedient euch. Es ist leider nicht allzu viel, aber ich habe heute nur mit einem Essen für Vater und mich gerechnet …«

Wilhelm und Friedrich teilten sich den letzten Rest Heringssalat.

»Charlotte, mach dir keine Gedanken«, versicherte Wilhelm. »Das Wichtigste ist doch, dass wir in diesen schwierigen Zeiten zusammen feiern können!«

»So sind sie, die Studenten. Sie können alles und jedes ins Gegenteil verkehren«, murmelte Friedrich, der bei der lautstarken Begrüßung von Charlottes Bruder etwas in den Hintergrund getreten war.

Doch Wilhelm schien die Boshaftigkeit in dieser Bemerkung überhaupt nicht wahrzunehmen. Im Gegenteil, er legte seinen Arm um die Schulter des Winzers. »Ach Friedrich. Wenn wir Studenten und ihr Winzer uns auch nur einen Augenblick einig über unsere Ziele und Wünsche wären, dann würde hier in diesem Land kein Stein auf dem anderen bleiben.«

»Leider sind wir davon weit entfernt«, entgegnete Friedrich. »Wir Winzer müssen an unser Überleben denken. Wir waren fleißig, haben volle Fässer mit gutem Wein. Wir haben das getan, was wir gut können. Aber die Regierung in München sorgt dafür, dass wir unsere Weine nirgends verkaufen können. Die Franzosen haben eigenen Wein – und auf der anderen Seite des Rheins müssen sie zwar sauren Apfelmost trinken, aber unser Wein ist durch die Zölle unerschwinglich. Und es scheint sich niemand darum zu kümmern! Weinpreise klingen ja auch nicht so aufregend wie der Kampf um Freiheit und Demokratie.«

»Doch! Wenn wir für die Einheit unseres Landes kämpfen, dann doch auch dafür, dass diese sinnlosen Zölle abgeschafft werden!« Wilhelm sah Friedrich mit funkelnden Augen an. »Wenn wir Demokraten siegen, dann könnt ihr mit uns feiern, weil es keine Grenzen mehr gibt, die den Verkauf von euren Weinen hemmen. Es ist an der Zeit, dass ihr das versteht und nicht immer nur über unsere Ideale schimpft. Wir bewegen Deutschland nicht nur für uns, sondern für alle, die aufrechten Sinnes sind!«

»Genug der politischen Reden!«, fuhr Christian Trautmann dazwischen. »Heute feiern wir Weihnachten! Und ich möchte meiner Tochter an diesem Tag etwas schenken!«

Mit einem Mal wurde es still um den Tisch. Der Drucker öffnete eine kleine Lade und holte ein Beutelchen aus heller Seide heraus, das mit einem roten Band verschlossen war. Er überreichte es seiner Tochter.

»Liebe Charlotte, es ist an der Zeit, dass ich dir diese Erinnerungen an deine liebe Mutter übergebe …« Tränen traten in seine Augen. »Sie hätte ganz bestimmt gewollt, dass ich dir das hier schenke, wenn du groß genug bist. Ich denke, du bist jetzt eine erwachsene Frau, die ihren eigenen Weg gehen wird. Da solltest du auch den Schmuck einer Frau tragen …«

Seine Tochter nestelte an dem roten Band und öffnete dann das kleine Beutelchen. Als Erstes zog sie ein schmales Armband aus fein geflochtenen, hellen Strähnen heraus. Zärtlich fuhr Charlotte darüber. »Hat sie das selbst gemacht?«, fragte sie leise.

Christian Trautmann nickte. »So, wie es hier Brauch ist.«

Das Armband war kunstfertig aus Haar geflochten und verwoben, um ein flaches, fein ziseliertes Mittelstück aus Gold zu halten. Viele Frauen beherrschten diese Kunst des Haarschmucks – und Charlottes Mutter war offensichtlich eine Meisterin darin gewesen.

Charlotte zog ein weiteres Schmuckstück hervor, dieses Mal eine Halskette, ebenfalls aus Gold und Haaren gefertigt. Das dritte goldglänzende Stück aus dem Beutel war ein kleines Medaillon, das Charlotte vorsichtig öffnete. Es zeigte die Miniaturporträts von zwei Kindern.

»Das seid ihr beide«, erklärte Trautmann leise. »Das habe ich ihr zu Weihnachten geschenkt, kurz nach deiner Geburt. Das muss also 1815 gewesen sein. Die Franzosen waren noch nicht lange weg, wir waren so jung und uns so sicher, dass die Zukunft uns gehörte …«

Charlotte nickte nur und legte die Schmuckstücke sorgfältig zurück in das Beutelchen. Ihre Mutter war vor fünf Jahren gestorben, ein böses Fieber hatte sie innerhalb kürzester Zeit dahingerafft. Seitdem gab es keinen Tag, an dem ihr Vater nicht seiner schönen Caroline nachtrauerte. Und obwohl sich einige Witwen der Stadt angeboten hätten, hatte er nie wieder geheiratet.

»Es bedeutet mir sehr viel, dass du mir den Schmuck gegeben hast«, murmelte sie.

Der Drucker streichelte seiner Tochter über die Haare. »Ich denke, es ist an der Zeit, dass du ihn trägst«, erklärte er. »Sicherlich hätte Caroline es gerne gesehen, wenn ihr Schmuck auch weiter in Ehren gehalten wird. Und wer weiß? Vielleicht kannst du ihn ja eines Tages an deine eigenen Kinder weitergeben. Ich habe das Gefühl, dass es nicht mehr lange dauert, bis du eine verheiratete Frau bist.« Er lächelte Friedrich vielsagend an.

Der seufzte nur. »Wenn ich nur endlich Sicherheit hätte, was die Zukunft unseres Weinguts betrifft, so hätte ich Charlotte schon längst geehelicht. Allein: Unser Gut ernährt kaum einen Mann. Wie soll ich dann eine Familie haben und gleichzeitig meine Brüder bezahlen? Außerdem werden die beiden jeweils ein Drittel des Guts erben – und dann ist es endgültig zu klein, um eine Familie zu versorgen.« Er hob verzweifelt die Hände. »So, wie es im Moment aussieht, kann ich mir einfach nicht erlauben, über eine Zukunft nachzudenken.«

Wilhelm sah ihn nachdenklich an. »Und wenn du dein Weingut deinen Brüdern überlässt und auch etwas studierst? Oder hier in der Druckerei meines Vaters mitarbeitest? Du bist ein kluger Mann, du könntest auch etwas anderes zur Arbeit nehmen als dein Weingut. Oder etwa nicht?«

Friedrich schüttelte den Kopf. »Nenn mich romantisch. Oder dämlich. Wahrscheinlich stimmt beides. Aber ich liebe es, zwischen den Reben zu arbeiten. Ich mag es, wenn unter meinen Händen ganz allmählich der Wein entsteht, den ich gerne trinke. Es ist eine so wunderbare Arbeit, und ich wäre nicht glücklich, wenn ich meinen Traubensaft plötzlich durch Druckerschwärze ersetzen müsste.«

Einen Augenblick herrschte Schweigen am Weihnachtstisch. Dann erhob Charlotte sich lächelnd. »Wir sollten heute Abend nicht so trübsinnig sein. Ich habe noch allerlei Backwerk, das lassen wir uns jetzt zu deinem Wein schmecken.«

Wenig später tranken sie und genossen die kleinen Gewürzküchlein, die Charlotte in den letzten Wochen gebacken hatten. Die Revolution würde an diesem Weihnachtstag wohl kaum stattfinden. Und es sah auch nicht so aus, als würde es in den nächsten Monaten im Haus der Druckerei eine Hochzeit geben.

Charlotte hörte den Männern bald nur noch zu und knabberte an ihrem Gebäck, während sie ihren Bruder und ihren Verlobten beobachtete. Friedrich sah mit seinen dunklen Locken und den breiten Schultern aus wie das Urbild eines kraftvollen Mannes. Doch ihm waren die Hände gefesselt durch die Gesetze, Zölle und die strengen Beamten, die für ihre Durchsetzung sorgten. Er wirkte mit jedem Tag mehr wie ein Vulkan, der irgendwann explodieren musste. Und niemand konnte ahnen oder wissen, was dann mit ihm passierte. Sie hatte Angst um ihn. Womöglich würde er etwas Unüberlegtes tun und damit ihre gesamte Zukunft riskieren.

Und ihr Bruder? Bei Wilhelm war sie sich nicht sicher, ob er im Freiheitskampf und seiner Burschenschaft wirklich seine Berufung gefunden hatte – oder ob es sich nicht nur um eine studentische Laune handelte, die seinem wilden Temperament entsprach. Sicher, im Moment liebte er es, große Reden zu schwingen. Aber ob dieser Elan auch durch Verfolgung und Gefängnis anhalten würde? Schon immer hatte er es geliebt, die Leute herauszufordern, und das große Wort geführt – aber eine ernsthafte politische Überzeugung? Irgendwie konnte Charlotte sich das nicht vorstellen. Aber wer wusste schon, wer oder was in ein paar Jahren hier in Neustadt regieren würde und welche Art Mann die Politik dann verlangte.

Die Stimmen ihres Vaters und der beiden jungen Männer wurden lauter, während Friedrichs Weinflaschen immer weiter geleert wurden. Wenn jetzt irgendein Gendarm das Gespräch belauschen würde, dann wären sie sicher alle miteinander im Gefängnis. Aber zum Glück befanden sie sich in ihren eigenen vier Wänden – und in der Heiligen Nacht würden nicht einmal die Bayern auf Patrouille gehen.

4

Neustadt, Rheinbayern, im April 1832

»Das soll uns ein Zeichen der Freiheit sein!«

Mit diesen Worten stellte Wilhelm das mit Bändern geschmückte Bäumchen auf und schaufelte ausreichend Erde in die kleine Grube, damit es nicht wieder umfiel. Die Umstehenden brachen in Jubel aus und warfen ihre Hüte in die Höhe. Mitten auf dem Marktplatz stand jetzt für jeden sichtbar dieses Zeichen der Revolution und der Demokratie – ein echter Freiheitsbaum.

»Möge es wachsen, wie auch unsere Demokratie wachsen und die deutschen Länder zu einem einigen Reich werden sollen!«

Friedrich, der an ihrer Seite stand, schnaubte verächtlich. »Sicher, von diesen Bäumen werden sich die Oberen sicherlich beeindrucken lassen. Die Gewehre werden sie angesichts der Vielzahl der Bäume sinken lassen und erschrocken eine Verfassung aus dem Rock kramen, die mit einem Mal Pressefreiheit und freien Handel gewährt.«

Zum Glück hatte er so leise gesprochen, dass nur Charlotte ihn hörte. Die anderen sangen bereits wieder eines der Freiheitslieder und waren »besoffen von sich und ihren Ideen«, wie Friedrich immer wieder erklärte. Auch jetzt wollte er sich schon zum Gehen wenden, als Wilhelm mit einem Flugblatt in der Hand bei ihnen auftauchte.

»Habt ihr das gelesen? In Hambach soll ein Fest stattfinden. Schon in wenigen Wochen werden wir da machtvoll zeigen, dass wir an einen Aufbruch in ein neues Deutschland glauben!«

»Und was wollt ihr da machtvoll tun? Wieder einen Baum pflanzen? Oder gar zwei?« Der Spott in Friedrichs Worten war nicht zu überhören.

»Nein, es soll eine größere Sache werden. Mit vielen Rednern aus allen Ländern Europas. Jeder, der für die Sache der Demokratie brennt, soll kommen. Wir werden so viele sein, dass die Oberen gar nicht anders können, als uns Gehör zu schenken!« Wilhelm winkte einen Mann zu sich, der mit seiner hohen Stirn und den vielen dunklen Haaren wie ein verwirrter Denker aussah. »Kennt ihr Philipp Siebenpfeiffer?«

Charlotte sah den Mann neugierig an. Er war Herausgeber einiger Zeitungen, die ihr Vater mit Feuereifer las – das wusste sie.

»Was bringt Sie nach Neustadt?«, fragte sie. »Haben Sie Ihren Kampf für die Pressefreiheit nicht zuletzt von Oggersheim aus geführt?«

Der Mann nickte. »Sicher. Aber ich bin auch weiter auf der Suche nach einem Ort, an dem wir eine große Demonstration unseres Willens geben können. Und es scheint mir, als hätte ich mit dem Schloss in Hambach endlich einen passenden Ort für mein Vorhaben gefunden!«

»Und die Bayern lassen Sie gewähren?« Charlotte sah den bekannten Journalisten mit hochgezogenen Augenbrauen an. »Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen!«

»Nun, wenn ich zu laut verkünde, was ich plane, würden sie mir wohl die Hände binden. Aber ich plane ein Fest im Mai, um den Jahrestag der bayerischen Verfassung zu begehen. Und dagegen kann man doch beim besten Willen nichts haben, oder?« Er zwinkerte Charlotte zu und grinste. »Außerdem bin ich nicht der Initiator – das waren einige fleißige Mitkämpfer, die bereits in der Speyerer Zeitung einen Aufruf für dieses Fest veröffentlicht haben.«

»Und wer soll zu eurem bayerischen Verfassungsfest kommen?«, wollte Charlotte wissen. »Wie viele Menschen benötigen Sie auf der alten Ruine, damit Sie hinterher sagen können: ›Das war ein Erfolg‹?«

»Je mehr, desto besser«, erklärte Siebenpfeiffer. Er sah sie einen Moment lang sinnierend an, als hätte er plötzlich eine Idee. Dann drehte er sich zu den anderen um, die hinter ihm standen. »Ich denke, es ist an der Zeit, dass wir zu unseren Versammlungen nicht nur alle Männer einladen, die unsere Gesinnung teilen. Es sollen auch Frauen eingeladen werden. Nicht nur als schmückendes Beiwerk einer Männerversammlung, sondern als Ausdruck eines neuen Selbstbewusstseins, einer neuen Zeit, in der auch Frauen an der Zukunft unseres geliebten Deutschlands mitarbeiten sollen.«

Jubelrufe brachen aus, während Charlotte sich zu Friedrich hinüberbeugte. »Vielleicht sollten wir ja zu diesem Fest gehen. Es könnte doch eine große Sache werden. Oder zumindest ein großer Spaß?«

»Und wieder werden von den üblichen Revolutionären große Reden geschwungen, während sich an der Situation für uns Winzer nichts ändert und auch keiner für unsere Belange das Wort ergreift. Da kümmere ich mich besser um meine eigenen Pläne.« Friedrich schüttelte den Kopf.

Wilhelm legte ihm seine Hand auf die Schulter. »Lieber Friedrich, das wird so sein, wenn du untätig bleibst. Wenn du dich aber darum kümmerst, dass in Hambach nicht nur über hohe Ideen, sondern auch über die Abschaffung der Zölle geredet wird, dann kann das eine Demonstration sein, bei der die Interessen der Winzer im Zentrum stehen. Verstehst du denn nicht: Es geht darum, was du willst! Wie du die Zukunft gestalten willst! Bring deine Ideen mit, und es wird nicht nur eine Veranstaltung der Studenten sein. Es wird dann um alle denkenden Menschen gehen, die es nicht mehr ertragen wollen, dass man sie in diesen kleingeistigen Staaten gefangen hält.« Er sah Friedrich gespannt an. »Wie sieht es aus? Machst du mit?«

Zögernd nickte Friedrich. »Ja, auch wenn ich mir nicht so recht vorstellen kann, was das eigentlich bringen soll. Aber wenn es für dein Seelenheil wichtig ist, dann komme ich wohl einen Tag lang mit und schaue mir eure ›machtvolle Demonstration‹ an.« Er grinste. »Wenn ausreichend Menschen auf dem Schloss sind, werden wir wenigstens einen Teil unseres Weins los.«

Wilhelm ließ sich auf den Scherz nicht ein. »Anschauen ist nicht genug! Wir brauchen jeden Mann, der unsere Sache unterstützt. Jede Stimme, die stark genug ist, um gehört zu werden.« Sein Blick fiel auf seine kleine Schwester. »Und von mir aus auch jede Frau. Schadet ja hoffentlich nicht.«

Einige der umstehenden Männer lachten eine Spur zu gönnerhaft.

»Ihr müsst es ernst meinen, Freunde«, beharrte nun Siebenpfeiffer. »Mit den Frauen an unserer Seite wird eine neue Ära beginnen, ihre bisherige Missachtung ist eine wahre Schande. Es wird eine Zeit anbrechen, in der es eine Freude sein wird, ein Mensch zu sein. Egal welchen Geschlechts …«

»Ich habe ja nichts gegen Frauen. Ich finde sie hübsch, und sie sind sicher ein Schmuck unseres Fests. Aber du wirst sie doch nicht reden lassen, oder?« Die Stimme kam von einem der selbst ernannten Kämpfer für die Freiheit.

»Wenn sich eine Frau findet, die eine Rede über die Belange der Frauen in unserer Bewegung halten will, dann habe ich nichts dagegen. Ihr könnt Frauen nicht für alle Zeiten in die Küche verbannen. Es wird Zeit, dass sich das ändert.« Es wirkte fast so, als hätte Siebenpfeiffer ein neues Thema gefunden, das er jetzt verteidigen konnte.

»Das klingt wunderbar!«, rief Charlotte begeistert. »Ich wünschte mir, der Morgen des Fests wäre schon angebrochen!«

Siebenpfeiffer nickte ihr zu. »Das geht mir ähnlich. Dann wäre ich mir nämlich auch sicher, dass es nicht doch noch verboten wird. Auch wenn ich glaube, dieses Mal wirklich alles bedacht zu haben: Wer weiß, mit welcher Finte die Bayern dieses Mal unsere Versammlung zu unterbinden suchen?«

Siebenpfeiffers Unkenrufe sollten sich schon bald bestätigen: Wenige Tage später fand Charlotte einen Erlass des Vertreters der bayerischen Regierung in der Zeitung. Mit dem Blatt in der Hand rannte sie zu ihrem Vater in die Druckerei. »Hast du das gesehen? Sie behandeln uns, als wären wir Schwerverbrecher! Der Zutritt zu Neustadt, Winzingen und Hambach ist begrenzt, Versammlungen mit mehr als fünf Teilnehmern sind verboten, und das Halten von Reden an öffentlichen Orten ist genauso untersagt. Wir müssen dankbar sein, dass sie uns das Atmen nicht auch noch verbieten!«

»Wer hat das denn unterschrieben?« Christian Trautmann griff nach der Zeitung und las den Artikel noch einmal mit gerunzelter Stirn durch. »Andrian-Werburg. Wieder so ein Sprachrohr der bayerischen Regierung. Aber so einfach kommen die damit nicht durch. Ich werde mal sehen, was ich mit dem Pressverein ausrichten kann!«

Verächtlich schnaubte Charlotte durch die Nase. »Verzeih, Vater, aber was soll dieser Pressverein schon bewirken? Bis jetzt hat er dir nur Ärger eingebracht …«

Nur einen Tag später veröffentlichte der Ort Neustadt seinen Protest gegen das Verbot, und einige der umliegenden Städte schlossen sich an. Zu Charlottes Überraschung reichte der Vorstand des Pressvereins sogar eine Klage gegen das Verbot ein.

Die Artikel über das Fest wurden immer länger, innerhalb kürzester Zeit wusste jedermann, dass am 27. Mai ein großes Ereignis auf dem Hambacher Schloss stattfinden würde.

Jede einzelne Zeile in der Zeitung erschien es Charlotte jetzt wert, gelesen zu werden. Sogar in den Anzeigen fahndete sie nach Hinweisen auf das Fest. Zu ihrer Überraschung stolperte sie dabei immer wieder über die Annoncen von sogenannten Auswanderergesellschaften. Offensichtlich gab es immer mehr Menschen, die nicht mehr an eine Zukunft in diesem Land glaubten, sondern sich lieber über das Meer davonmachten.

Beim Abendessen schob sie ihrem Vater eine solche Anzeige hin. »Hast du das gesehen? Es scheint mir, als glaubten viele nicht mehr an die Revolution oder die Demokratie. Sie gehen lieber in ein anderes Land. Oder verstehe ich da etwas falsch?«

Gelassen biss Christian Trautmann in sein Brot. »Das ist nichts Neues. Es sind mit jedem Jahr mehr Menschen, die es hier nicht mehr aushalten. Schau dir deinen Friedrich an. Von dem Weingut werden er und seine beiden Brüder nicht leben können. Wenn einer oder noch besser zwei der Brüder auswandern würden, dann würde deiner Zukunft mit Friedrich nichts mehr im Wege stehen. Und in Amerika hätten sie ein sehr viel besseres Auskommen als hier.«

»Aber …« Sie sah ihren Vater entsetzt an. »Es ist doch ein gewaltiger Schritt, seiner Heimat für immer den Rücken zu kehren. Stell dir vor, du wüsstest, dass du nie wieder zum Rhein hinabblicken kannst und unsere Heimat für immer verlassen müsstest. Das wäre doch unerträglich!«

»Es kommt immer darauf an, als wie unerträglich man die Verhältnisse empfindet. Amerika ist ein großes und freies Land, in dem man sicher ganz anders leben kann als hier im Schatten der Bayern.« Ihr Vater hob die Schultern. »Ich für meinen Teil kann mir nicht vorstellen, Neustadt jemals den Rücken zuzukehren. Aber ich bin auch alt. Wenn ich so jung wie du wäre, dann würde ich sicher anders darüber denken.« Er sah auf die Anzeige und lächelte. »Johannes Fitz hat die Gesellschaft rheinbaierischer Auswanderer gegründet. Er ist ein durch und durch rechtschaffener Mann, seine Absichten sind mit Sicherheit die besten. Ich habe ihn schon vor Jahren kennengelernt, im Pressverein sehen wir uns jetzt häufiger. Solltest du jemals in Schwierigkeiten geraten, dann würde ich dir immer empfehlen, dich an ihn zu wenden. Wenn Fitz eine Auswanderergesellschaft unterhält, dann sicher nur aus einem Grund: Er möchte den Menschen helfen.«

»Wo würde ich ihn denn finden?« Neugierig sah Charlotte ihn an.

»In Pfeffingen, einem kleinen Ort bei Dürkheim. Das Haus ist nicht zu übersehen, es hat einen steilen Giebel und ungewöhnliche halbrunde Fenster.« Trautmann sah seine Tochter an. »Aber du wirst wohl kaum planen, dich über das Meer davonzumachen, oder?«

»Wo denkst du hin?« Charlotte winkte ab. »Ich würde dich niemals mit der Druckerei alleine lassen. Und Friedrich ist doch der Älteste. Wenn einer der Wirth-Brüder auswandern müsste, dann ganz bestimmt nicht er.«