Mandeljahre - Katrin Tempel - E-Book

Mandeljahre E-Book

Katrin Tempel

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Beschreibung

Als Katharina Nicklas die Jugendstilvilla ihrer Familie an der pfälzischen Weinstraße entrümpelt, findet sie im Keller Aufzeichnungen ihrer Urgroßmutter Marie. Die sensible Ehefrau eines gnadenlosen Großunternehmers schreibt darin über den Aufstieg und Fall einer Kaffeeröster-Dynastie in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts – und über ihre geheime Liebe zu einem naturverbundenen Mandelbauern ...

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Für Georg und Emma

und alle, die so bereitwillig

ihre Geschichte mit mir geteilt haben

Vollständige E-Book-Ausgabe der im Piper Verlag erschienenen Buchausgabe 

1. Auflage 2015

ISBN 978-3-492-96794-5

© Piper Verlag GmbH, München 2015

Dieses Werk wurde vermittelt durch die Autoren- und Projektagentur Gerd F. Rumler (München).

Covergestaltung: bürosüd°, München

Covermotiv: Sonja Dahlgren/plainpicture/Maskot, Marc Schleht/plainpicture

Datenkonvertierung: Kösel Media GmbH, Krugzell

Alle Rechte vorbehalten. Unbefugte Nutzungen, wie etwa Vervielfältigung, Verbreitung, Speicherung oder Übertragung können zivil- oder strafrechtlich verfolgt werden.

Prolog

Bad Dürkheim, 2015

Einen Moment, gleich habe ich ihn.«

Katharina wühlte in ihrer Handtasche zwischen Geldbeutel, Puderdose, Handy, Taschentüchern und Sonnenbrille, bis der unförmige Schlüsselanhänger aus Metall in Form einer Kaffeekanne zum Vorschein kam. Auf dem Bauch der Kanne war sogar ein grinsendes Gesicht abgebildet. Gruselig. Zum Glück war der Anhänger so abgegriffen, dass man es kaum noch erkennen konnte.

Sie steckte den Schlüssel ins Schloss und drehte ihn um, woraufhin die Tür mit einem leisen Knirschen aufschwang. Katharina stand vor einer Treppe, die in einen großzügigen Flur führte. Es roch ein wenig nach verbrauchter Luft, Staub und altem Holz.

Julius drängte sich an seiner Frau vorbei und ging mit entschlossenem Schritt durch den Flur in ein großes Zimmer. Dort öffnete er die Fenster. »Der Muff von tausend Jahren … Das kann ich in den alten Häusern ja überhaupt nicht leiden. Als ob die Alten irgendwann vergessen würden, dass man die Fenster auch öffnen kann.«

»Meine Mutter hat hier doch schon ewig nicht mehr gewohnt«, erinnerte ihn Katharina, die ihm gefolgt war. »Wer sollte ein leer stehendes Haus lüften? Wahrscheinlich müssen wir froh sein, wenn sich hier nicht irgendwo Schimmel eingenistet hat.«

Sie sah sich um. Im Zimmer befand sich ein leeres Regal, sonst nichts. Neugierig ging sie weiter. Große Räume, in denen vereinzelte Möbel wie verstaubte Denkmäler herumstanden. Das Parkett knarrte unter ihren Füßen, während sie in den anderen Zimmern die Fenster aufstieß.

Julius sah mit Kennerblick nach oben. »Mindestens drei Meter achtzig Deckenhöhe«, stellte er fest. »Stuck, Jugendstil. Steht sicher unter Denkmalschutz. Das müssen wir noch klären, so was senkt nämlich leider den Verkaufspreis. Ich muss mich erst einmal mit einem Kollegen vor Ort kurzschließen, ich habe ja keine Ahnung, was hier so gezahlt wird.«

»Bestimmt nicht so viel wie in München«, stellte Katharina trocken fest. »Wir sind hier in der tiefsten Pfalz. Die Menschen sind kaum zu verstehen und trinken in einem fort Wein. So hat meine Mama mir das zumindest immer beschrieben. Was kann ein Haus in einer solchen Gegend schon wert sein?«

Ein Zimmer war noch komplett ausgestattet mit Esstisch und Geschirrschränken vom Anfang des letzten Jahrhunderts. Mit dem Finger strich Katharina über eine staubige Anrichte. Die alte Standuhr hatte sicher schon ewig keine Uhrzeit mehr angezeigt. Ob sie überhaupt noch funktionierte? Hatte sich in den letzten Jahrzehnten eigentlich jemand um dieses Haus gekümmert?

Katharina hörte, wie Julius im oberen Stockwerk die Räume abging. Wahrscheinlich mit gezücktem Metermaß, um den Wiederverkaufswert des Hauses einzuschätzen. Sie trat in den Erker, von dem aus man den Vorplatz eines Cafés überblicken konnte. In die Fenster vom Haus gegenüber konnte man hineinsehen, so schmal war die Straße.

Warum nur hatte ihre Mutter ihr nie von diesem Wohnhaus erzählt? Sie musste es von ihrer eigenen Mutter geerbt haben. Wann genau war die Oma gestorben? Katharina versuchte, sich zu erinnern. Auch ihre Großmutter hatte nicht hier gelebt, sondern immer in München, in ihrer geliebten Schwabinger Altbauwohnung mit dem Atelier und ihren Bildern. Katharina lächelte, als sie an die alte Frau in dem wallenden Kaftan dachte, die ihrer Enkelin immer Farben und Pinsel geschenkt und sie ermutigt hatte, doch auch zu malen. Ob ihre Großmutter dieses Haus wohl vermietet hatte?

Katharina öffnete zwei Türen, die zu einem Bad und einer winzigen Toilette führten. Wer auch immer dieses Haus kaufen würde, müsste einiges neu einrichten. Wer wollte schon leben wie vor dem Ersten Weltkrieg?

Julius kam die Treppe herunter. »Oben waren wohl die Schlafzimmer, und unter dem Dach scheinen die Dienstboten gewohnt zu haben. Die Zimmer sind klein und ganz schön dunkel. Zum Glück gibt es auch dort nur wenige Möbel.«

Mit einem abschätzigen Blick sah er sich wieder um. »Ein paar Container werden wir wohl trotzdem füllen, bevor hier alles leer ist. Und dann suchen wir nach einem Käufer.« Julius legte seinen Arm um ihre Taille. »Das hätte ich deiner Mutter gar nicht zugetraut. Ich habe immer gedacht, da gibt es nichts zu erben.«

Sie wand sich aus seinem Griff und sah ihn wütend an. »Du hast über das zu erwartende Erbe nachgedacht? Warum das denn? Meine Mutter war doch noch gar nicht alt …«

»Natürlich nicht«, beschwichtigte er sie. »Aber so etwas überlegt man sich doch mal. Meine Eltern besitzen zwar diese Doppelhaushälfte, aber ich habe drei Geschwister – das reicht kaum für ein sorgloses Leben. Und du bist zwar Einzelkind, aber deine Mutter hat seit dem Tod ihres Mannes in einer gemieteten Dreizimmerwohnung gelebt. Da gibt es nichts zu holen.« Er sah sie kopfschüttelnd an. »Sag bloß, du hast noch nie darüber nachgedacht?«

»Nein«, erklärte Katharina. »Ich habe tatsächlich darauf gehofft, dass meine Mutter achtzig oder älter wird und nicht einfach mit siebzig vor dem Fernseher einschläft. Keine Sekunde habe ich darüber nachgedacht, was ich mal erben werde – mal ganz abgesehen davon, dass ich keine Ahnung von diesem Haus hier hatte.«

Beschwichtigend hob Julius die Hände. »Ich bin ja nur überrascht. Hat deine Mama dir denn nicht einmal etwas erzählt, als sie das Haus von ihrer Mutter geerbt hat?«

Katharina schüttelte den Kopf. »Sie hat zwar ein paar Mal erzählt, dass ihre Familie ursprünglich aus der Pfalz kommt, dass sie selbst aber zum Glück eine waschechte Münchnerin sei. Oma ist nach München gezogen, um dort als Künstlerin zu leben – und dort ist Mama in den letzten Kriegstagen zur Welt gekommen. Ich glaube nicht, dass sie oft hier zu Besuch waren.«

»Hast du eine Ahnung, wie alt der Schuppen ist?« Julius’ Stimme war wieder sachlich.

»Stell dir vor, ich weiß es sogar. Wenn du dir die Mühe gemacht hättest, etwas genauer hinzuschauen, dann hättest du bemerkt, dass sich auf einem der Türmchen eine Wetterfahne mit der Jahreszahl 1902 befindet. Das könnte ein Hinweis sein …« Sie konnte die Ironie in ihrer Stimme nicht verbergen. Mit dem genauen Beobachten hatte es ihr Mann nicht so, und auch sein Einfühlungsvermögen war nicht sonderlich ausgeprägt.

»Jetzt sei doch nicht so gereizt. Du benimmst dich, als hätte dieses Gemäuer irgendeinen sentimentalen Wert für dich. Dabei hast du nicht einmal geahnt, dass es existiert. Und erst recht nicht, dass du es erben wirst. Du hättest dein Gesicht bei der Testamentseröffnung letzte Woche sehen sollen.« Er lachte kurz auf und fuhr sich mit der Hand über die kurz geschnittenen Haare. »Ich dachte, wir waren uns einig: Wir räumen das Haus aus und verkaufen es. Was sollen wir mit einem Haus in der pfälzischen Provinz?«

»Du hast ja recht«, gab sie widerstrebend zu. »Ich möchte nur nicht alles unbesehen in irgendwelche Container werfen. Diese Möbel hier sehen zum Beispiel nicht wie Sperrmüll aus, oder was meinst du?«

»Sicher nicht. Aber stell dir den Aufwand vor, wenn du bei jedem einzelnen Stück nachdenkst, ob es etwas wert ist oder doch nur Müll.« Er sah sie an. »Aber so wie es aussieht, kann ich dich ohnehin nicht bremsen. Ich schlage vor, wir suchen uns jetzt ein nettes Hotel und gehen heute Abend erst einmal richtig gut essen. Morgen sehen wir dann weiter, in Ordnung? Wir haben unseren Urlaub für dieses Haus geopfert, da sollten wir uns nicht auch noch streiten.« Julius legte wieder seinen Arm um sie. Und dieses Mal ließ sie ihn gewähren.

Beim Abendessen redeten sie nicht mehr über das Erbe in Bad Dürkheim. Stattdessen erklärte Julius ihr, was er mit dem zu erwartenden Gewinn aus dem Verkauf des Hauses alles zu tun gedachte. Mehr Mitarbeiter in seinem Büro. Ein größeres Auto. Ein richtiger Luxusurlaub als Entschädigung für die Tage, die sie jetzt freigenommen hatten.

Während er seiner Phantasie freien Lauf ließ, betrachtete Katharina ihn nachdenklich. Sie waren seit bald einem Jahrzehnt ein Paar und seit fünf Jahren verheiratet. In dieser Zeit hatte Julius sich kaum verändert. Er ging viel ins Fitnesscenter, achtete auf sein Aussehen und sein Gewicht – und war sich bewusst, dass er mit seinen leuchtend blauen Augen und der leicht bayerischen Dialektfärbung durchaus sympathisch wirkte. Als Immobilienmakler gelang es ihm ohne Mühe, die Menschen auf seine Seite zu ziehen. Sie wollten ihm vertrauen, weil sich jeder vorstellen konnte, ihn auch als seinen besten Freund zu haben.

Wie viele Freundinnen hatten Katharina schon gesagt, dass sie sich glücklich schätzen könne, einen so netten, gut aussehenden und dazu auch noch ordentlich verdienenden Mann zu haben? Insbesondere bei ihrem Beruf, denn als Kinderbuchillustratorin verdiente man nicht genug für ein Leben in München. Katharina konnte gerade ihre Kleider und ihre Krankenversicherung zahlen. Ohne Julius hätte sie sich keine Wohnung und kein Essen leisten können. Und es verging kein Monat, in dem er sie auf die eine oder andere Art daran erinnerte. Wie konnte sie ihm da seinen beständigen Wunsch nach neuen Dingen übel nehmen, die noch größer, besser oder auch einfach nur angesagter waren? Er war derjenige, der in ihrer Beziehung die Richtung vorgab, in die sie sich bewegten.

Als Katharina später in dem breiten und bequemen Bett des Hotels inmitten der Weinberge lag, konnte sie lange nicht einschlafen. Während Julius leise neben ihr schnarchte, kreisten ihre Gedanken um das alte Haus in der Innenstadt. Sie versuchte sich das Leben in diesen alten Wänden vorzustellen. Wer mochte darin gelebt, sich geliebt und gestritten, Kinder bekommen haben und gestorben sein? Warum nur hatte ihre Mutter nie ein Wort darüber verloren? Ihre Phantasie malte sich Dramen und Liebesgeschichten aus. Die Kirchenuhren in der Stadt hatten schon aufgehört zu schlagen, als sie endlich einschlief.

Am nächsten Morgen wurde sie von einem perfekten Hochsommertag geweckt. Die Sonne schien durch das Fenster, als würde sie dafür bezahlt, und der Blick über die Weinberge war einfach großartig. Katharina schlüpfte in Laufhose und Shirt und schlich mit einem letzten Blick auf den immer noch schlafenden Julius aus dem Zimmer.

Die frische Morgenluft sorgte dafür, dass sie wieder einen klaren Kopf bekam und das Gedankenkarussell der letzten Nacht hinter sich lassen konnte. Hinter den Weinreben waren im frühen Nebel die Kirschturmspitzen zu sehen – es war schön hier, keine Frage.

Als sie nach einer Stunde ins Hotel zurückkam, war sie ausgepumpt und glücklich und konnte den noch etwas muffigen Julius am Frühstückstisch ohne Probleme ertragen. In der Zeit vor dem Mittagessen war er nicht gerade in Höchstform, gute Laune zum Sonnenaufgang war ihm ein Rätsel. Für Käufer und Kunden mochte er sich da noch zusammenreißen und sein strahlendes Nachmittagsgesicht auspacken. Für Katharina machte er sich diese Mühe schon einige Jahre nicht mehr.

Ohne viele Worte zu wechseln, fuhren sie wieder zu dem alten Haus, um sich »an die Arbeit zu machen«, wie Julius erklärte. Bei ihm klang es nach einer Arbeit für Strafgefangene in Sibirien. Bei Minustemperaturen.

Gerade als sie ankamen, wurde direkt vor dem Haus ein großer Container abgeladen. Entgeistert betrachtete Katharina das rostige Ungetüm.

»Wann hast du denn den bestellt?«

»Schon in München. Ich war mir sicher, dass wir Verwendung dafür haben. Wo wollen wir anfangen? Im Keller oder im Dachgeschoss?« Er rieb sich die Hände und sah sie erwartungsvoll an.

»Keine Ahnung. Warst du denn gestern schon im Keller?«

»Nur kurz. Der Keller liegt richtig tief. Da ist die Decke noch höher als im restlichen Haus. Und überall stehen Kisten und Kästen herum. Ich nehme an, die Hausbesitzer haben ein Jahrhundert lang alles in den Keller geräumt, was sie nicht mehr gebrauchen konnten. Jetzt wird es Zeit, dass mal wieder alles ans Tageslicht kommt!«

»Es klingt, als würdest du dich darauf freuen.« Katharina sah ihren Mann zweifelnd an.

»Ich denke nur daran, dass ein Haus ohne diese Altlasten mehr Geld bringt, das ist alles.« Er konnte es nicht leiden, wenn man seine Entscheidungen infrage stellte. »Das ist ausreichend Motivation für mich.«

Julius schloss die Eingangstür auf und betrat das Haus, ohne auch nur einen Augenblick zu zögern.

»Vielleicht solltest du dir da unten selbst einen Überblick verschaffen«, schlug er vor. »Ich gehe solange nach oben und sehe, was wir ohne großes Nachdenken und Aussortieren wegwerfen können. Hängen ja zum Glück keine persönlichen Erinnerungen dran, das macht die Sache leichter.« Damit verschwand er nach oben, immer zwei Stufen auf einmal nehmend.

Katharina sah ihm hinterher. Hoffentlich erinnerte er sich noch daran, dass sie nicht einfach wahllos alles wegwerfen wollten.

Vorsichtig betätigte sie den Drehschalter, der am Kellereingang angebracht war. Das Licht flammte auf und zeigte einen großen Raum. Zwei oder drei große Eisenträger stützten ihn, hölzerne Truhen und Schränke standen an den Wänden. In einer Ecke erkannte sie sogar ein altes Sofa und einen Sessel. Die hölzernen Stufen, die nach unten führten, waren ausgetreten und steil. Vorsichtig hielt Katharina sich an dem Geländer fest, während sie nach unten kletterte.

Unschlüssig blieb sie am Fuß der Treppe stehen und sah sich um. Wo sollte sie nur anfangen? Womöglich hatte Julius ja recht, wenn er vorschlug, alles in den Container zu tun und sich nicht zu lange mit diesem Bodensatz der Geschichte zu beschäftigen. Was brachte man denn normalerweise in den Keller? Dinge, die keinen Wert mehr hatten, die nur auf den nächsten Sperrmüll warteten. Sie sollte hier nicht allzu viel Zeit vergeuden.

Entschlossen öffnete sie den ersten Schrank neben der Treppe. Ein komplettes Kaffeeservice mit Butterdöschen, Kaffeekanne, Untertellern und Kaffeetassen. Neugierig griff sie nach dem weißen Milchkännchen mit dem geometrischen Dekor und drehte es um. Auf der Unterseite fand sie den Schriftzug »Rosenthal – Quieta«. Das hatte wirklich nichts im Sperrmüll verloren.

Katharina ließ ihre Augen durch den Schrank wandern. Drei weitere Service aus Porzellan. Irgendjemand schien es gesammelt zu haben, und ein anderer hatte es in den Keller geräumt, weil er es nicht mehr sehen konnte. Ob sie diese Sachen einfach ins Internet stellen konnte? Sie seufzte, als ihr klar wurde, dass sie dann alles würde einpacken müssen. Vielleicht nur für Selbstabholer? Sie schloss die Schranktür und vertagte das Geschirrproblem auf später.

Dann beschloss sie, sich erst einmal einen Überblick zu verschaffen. Im nächsten Schrank befanden sich Bücher, Ordner und Fotoalben. Wahllos nahm sie eines heraus und schlug es auf. Ernste Männer und Frauen sahen ihr entgegen. Sie standen vor einem großen Haus und präsentierten stolz einen mannsgroßen Propeller. »Flugzeugabsturz in den Quieta-Werken, 1917« stand daneben. Das war während des Ersten Weltkriegs gewesen. Und schon wieder Quieta, derselbe Name wie auf dem Kaffeegeschirr. Hatten ihre Vorfahren hier in Bad Dürkheim etwa Porzellan hergestellt? Sie runzelte die Stirn. Was hatte ihre Mutter immer gesagt? Fabrikanten seien es gewesen. Also Porzellan. Merkwürdig. Die Pfalz war nicht gerade für ihre Porzellanproduktion bekannt.

Sie blätterte weiter. Viele Kinder und streng blickende Männer. Namen, die ihr nichts sagten. Auf einem Foto war eine Frau abgebildet, die sie direkt anzublicken schien. Sie hatte helle Augen und trug die blonden Haare nach hinten gesteckt. Ihr Kleid hatte einen hohen Spitzenkragen, und in jedem Arm trug sie einen Säugling. »Glückliche Mutter – Marie mit Emma und Johanna, November 1918« stand unter dem Foto.

War eines dieser Kinder etwa ihre künstlerische Großmutter gewesen? Die hatte doch Johanna geheißen … Katharina sah sich das Bild genauer an, als sie von oben ein lautes Poltern hörte. Erschrocken steckte sie das Fotoalbum zurück an seinen Platz und rannte die Treppe hoch.

»Julius? Ist dir etwas passiert?« Sie hörte die Panik in ihrer Stimme. Wer wusste schon, ob das Haus nicht irgendwo baufällig war? Diese Holzböden hatten schließlich schon einige Jahre auf dem Buckel …

»Nein, nein, ich habe nur ein Regal abgebaut«, rief Julius von oben.

Regal abgebaut? Er war noch keine Viertelstunde hier und betätigte sich bereits als Abrissbirne? Mit gerunzelter Stirn ging Katharina die Treppen hinauf. Jetzt langsamer und mit ruhigerem Puls, ihm war ja ganz offensichtlich nichts passiert.

Sie fand ihn in einem Raum, der einst als Arbeitszimmer oder Bibliothek gedient haben mochte. Die Regale standen fast bis zur Decke und waren teilweise noch mit Büchern gefüllt. Einige Dutzend Bände waren schon auf dem Boden gestapelt. Manche lagen aufgeklappt mit umgeknickten Seiten da, einzelne Blätter waren herausgefallen und lagen lose herum.

»Was machst du hier?«, fragte sie.

»Wir waren uns doch einig, dass wir alles, was nicht einen wirklichen Wert darstellt, schnellstmöglich wegwerfen. Du willst dir doch nicht etwa jedes Buch einzeln ansehen?«

Julius blickte sie herausfordernd an. Er wusste genau, was ihr Bücher bedeuteten. Auf jeden Fall zu viel, als dass sie einfach auf den Boden geworfen werden konnten.

»Doch, genau das will ich«, erklärte sie mit mühsamer Beherrschung. »Du kannst doch hier nicht wie die Axt im Walde auftreten. Mich in den Keller schicken und dann hier oben alles rausschmeißen, was auch nur entfernt nach Altpapier aussieht.«

»Wenn wir es so machen, wie du dir es vorstellst, verbringen wir Weihnachten hier!«, behauptete Julius, nahm den nächsten Stapel Bücher aus dem Regal und ließ ihn auf den Boden fallen. »Das sind doch nur Bücher.« Er griff nach dem nächsten Stapel.

»Stopp!«, schrie sie. »Das hier ist vor allem mein Erbe. Und ich liebe Bücher, das weißt du. Und ganz zufällig ist das auch mein Beruf: Bücher!«

»Du illustrierst Kinderbücher. Das hat ja wohl nichts mit diesen Schwarten hier zu tun. Da ist nur Text drin, keine Bildchen. Wenn wir lange genug suchen, finden wir vielleicht noch Mein Kampf.«

»Ist mir egal. Ich will bei jedem einzelnen Buch entscheiden, ob ich es behalten will oder ob ich es einem Antiquar verkaufe. Auf jeden Fall sollen sie nicht einfach im Container landen und dann auf der Müllhalde.«

»Das sehe ich anders«, erklärte Julius, dem jetzt eine Schweißperle an der Schläfe entlanglief. Ganz offenbar hielt er Sorgfalt beim Ausräumen für Zeitverschwendung.

Herausfordernd sah er sie an, während er die nächsten Bücher aus dem Regal nahm und in hohem Bogen auf den Haufen in der Mitte des Zimmers warf. Ein paar Blätter flatterten auf.

»Hör! Jetzt! Auf!«, rief sie mit Nachdruck. »Das hier ist mein Haus, und das sind meine Bücher. Ich habe gesagt, dass ich sie durchsehen will.«

»Und ich habe gesagt, dass du bei deiner Methode bis Weihnachten beschäftigt sein wirst. Dafür haben wir keine Zeit. Ich muss zurück nach München …« Ein weiterer Schweißtropfen rollte an seiner Schläfe herunter.

»Das kann ich mir kaum vorstellen«, konterte Katharina. »Wir haben eigentlich Urlaub. Die nächsten zehn Tage solltest du dir wirklich ein bisschen Zeit nehmen können.«

»Nicht, wenn du mich zwingst, jeden einzelnen Gegenstand zu begutachten, als könnte ich hier einen verborgenen Picasso entdecken. Dafür habe ich einfach keinen Nerv.«

»Dann such dir ein Zimmer aus, dessen Inhalt du einfach in den Container füllen kannst«, schnaubte Katharina. »Hast du nicht gesagt, dass unter dem Dach wahrscheinlich nur Dienstboten gelebt haben? Dann gibt es dort ganz sicher einiges, was du einfach vor die Tür werfen kannst.« Sie wandte sich zum Gehen. »Komm, wir schauen mal, was du wegschmeißen kannst, ohne mich zu fragen.«

»Ohne dich zu fragen?« Julius sah sie mit hochgezogenen Augenbrauen an. »Warum sollte ich dich fragen?«

»Weil es mein Erbe aus meiner Familie ist«, sagte Katharina mit Nachdruck. »Und ich möchte nicht, dass du Dinge wegwirfst, die ich für wertvoll halte. Oder hast du damit ein Problem?«

»Ja. Das sollte doch eine Gemeinschaftsaktion sein. Und jetzt wird wieder mal einer deiner Egotrips daraus.« Trotzdem sprang er von seiner Leiter. »Dann zeig mir mal das Zimmer, bei dem ich deiner Meinung nach nichts kaputt mache. Und am besten planen wir die nächsten Urlaube auch gleich hier in Bad Dürkheim. Wir werden in dem Hotel noch Stammgäste!«

Er stapfte die Treppen hinauf ins Dachgeschoss. Katharina folgte ihm. Sein Zorn war fast mit Händen zu greifen. Hier oben war es dunkel, durch die Erker und die kleinen Dachfenster drang nur wenig Licht herein. Ein Zimmer stand voller alter Kleiderschränke. Katharina öffnete den ersten. Decken, alte Bettwäsche, Handtücher. Im zweiten befand sich Kleidung.

Sie drehte sich um. »Daran bin ich bestimmt nicht interessiert. Tob dich aus. Wenn du eine versteckte Schmuckschatulle findest, ruf mich.«

Ohne ein weiteres Wort ging sie wieder nach unten zu den Büchern, die sie nun auf ordentliche Stapel räumte. Dabei sah sie sich die Titel an und stellte fest, dass man einiges tatsächlich problemlos in den Container räumen konnte. Nicht alles, was hundert Jahre auf dem Buckel hatte, war auch Literatur. Und alte Reiseführer waren zwar irgendwie skurril, aber bestimmt nichts, was man aufheben musste.

Widerstrebend nahm sie einen Bücherstapel mit und warf ihn auf dem Weg in den Keller in den Container. Es klang hohl, als sie auf den Metallboden trafen. Bei Julius’ Tempo würde sich das bald ändern.

Unten im Keller öffnete sie den nächsten Schrank und stieß dieses Mal auf sorgfältig zusammengelegte Kleidung für Babys und Kleinkinder. Ein Matrosenanzug, wie er in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg in Mode gewesen war. Katharina lächelte. Die Begeisterung des Kaisers für seine Marine hatte damals in der Bevölkerung weite Kreise gezogen. Ob sich jemand für hundert Jahre alte Kinderkleider interessierte? Sie schüttelte den Kopf. Wenn sie weiter bei jedem einzelnen Fundstück nach einem Abnehmer suchte, würde Julius womöglich recht behalten.

Entschlossen griff sie nach den Kleiderstapeln und trug sie nach oben. Ganz hinten im Schrank entdeckte sie eine alte Zeitung, mit der man offenbar die Fächer ausgelegt hatte. Neugierig sah sie auf das Datum. Die Zeitung stammte von 1924. Wenn sie die Qualität der Stoffe richtig deutete, dann war es ihren Vorfahren finanziell nicht schlecht gegangen.

Katharina nahm sich eine Kommode mit schwarz angelaufenem Silberbesteck vor, das mit dem Monogramm EvR versehen war. Sie füllte es in eine große Plastiktüte, um es später wegzubringen. Wenn sie sich recht erinnerte, dann hatte sie ein wenig weiter oben in der Straße einen Händler gesehen, der Gold und Silber ankaufte. Mal sehen, was das alles überhaupt wert war. Sie hörte wieder ihren Mann oben an der Treppe.

»Ich habe jetzt Hunger. Kommst du mit, um einen Happen zu essen, oder kannst du dich von deinen staubigen Besitztümern nicht einmal für dreißig Minuten trennen?«

Katharina kletterte nach oben. »Komm, sei friedlich. Natürlich gehen wir essen. Ich möchte hier unten nicht zu einem Grottenolm mutieren.« Sie knuffte ihn in die Seite. »Du weißt doch, wie empfindlich ich bei Büchern reagiere.«

»Deswegen wollte ich mich ja drum kümmern. Bei dir muss man immer Angst haben, dass du dich plötzlich irgendwo festliest oder dich nicht trennen kannst. In München haben wir aber kein leeres Zimmer, das nur auf alte Bücher wartet. Ich hoffe, das ist dir klar? Wir haben schon jetzt mehr Bücher als Regale.«

Sie nickte. Wenn es etwas gab, was sie hasste, dann war es Streit mit ihrem Mann. Er war nun einmal so ganz anders als sie selbst, anpackend und unglaublich pragmatisch.

»Ja, das weiß ich. Gerade deswegen möchte ich ja ganz genau aussortieren. Ich habe schon einen Stapel in den Container geworfen. Alles in Ordnung?«

»Schon vergessen«, entgegnete er und griff nach ihrer Hand.

Sie machten sich auf ins Stadtinnere und suchten sich ein kleines Lokal, in dem es Flammkuchen gab. Dazu bestellten sie sich eine Schorle und genossen in der Sonne ihr Mittagessen. Kurgäste und Touristen flanierten vorbei – auf der Suche nach einem Platz im Café oder einem Schnäppchen in einem der vielen Geschäfte. Katharina ließ sich von der entspannten Stimmung anstecken.

»Das Elsass ist gar nicht weit. Sollen wir am Wochenende vielleicht einen Tag lang schwänzen und es uns einfach nur gut gehen lassen?«, schlug sie zwischen zwei Bissen vor.

Mit schuldbewusstem Blick hob Julius die Hände. »Vorhin hat mich ein wichtiger Kunde aus München angerufen. Es geht um ein richtig großes Objekt, das ich übernehmen soll. Da kann ich einfach nicht ablehnen, so viel Geld bringt der Kasten hier auch nicht ein.«

Seufzend griff Katharina nach ihrer Schorle. »Du lässt mich also allein hier sitzen. Aber erzähl mir bitte keine Märchen. Bestimmt hast du schon vor unserer Reise von dem neuen Objekt gewusst. Wann fährst du?« Im Stillen bezweifelte sie sogar, dass er überhaupt einen Termin am Wochenende hatte. Julius hatte nach dem Streit wohl einfach keine Lust mehr auf weitere Tage in der Provinz.

»Heute Nachmittag habe ich mich mit einem Kollegen hier aus der Stadt verabredet, der mir sagen kann, für welchen Preis wir das Haus hier anbieten können«, sagte Julius. »Morgen kann ich dir noch helfen, und übermorgen, am Samstag, muss ich schon ziemlich früh morgens los.« Er legte seine Hand auf ihre. »Ich hoffe, ich kann den Verkauf in ein paar Tagen klarmachen. Kommst du allein zurecht?«

»Es bleibt mir ja wenig anderes übrig«, erklärte Katharina mit einem verkrampften Lächeln. »Aber so stört mich wenigstens niemand, wenn ich in den alten Sachen versinke und mir genau überlege, was ich wohin gebe und was ich behalten will.«

»Nicht zu lange!«, meinte Julius und drohte spielerisch mit dem Finger. »Zu Weihnachten musst du wieder nach Hause kommen!«

»Ich wollte hier nicht einmal die Weinlese erleben«, beruhigte ihn Katharina und schob sich den letzten Bissen Flammkuchen in den Mund. »Irgendwann muss ich ja auch wieder an meine Arbeit denken.«

»Na, die kannst du doch auch hier machen«, schlug Julius vor. »Hast du nicht deinen Laptop eingepackt? Und deine Farben und Papiere? Was steht denn an?«

»Ein Buch über Ponys, die Liebe und einen fiesen Motorradfahrer. Hundert Seiten, die auf zehn Bilder warten. Vielleicht sollte ich meinen Arbeitsplatz wirklich vorübergehend hierherverlegen. Es ist ja wirklich hübsch in Bad Dürkheim, und ich werde höchstens von ein paar verlockenden Schränken voller altem Geschirr abgelenkt.« Sie lachte etwas gezwungen und bemühte sich, ihre Enttäuschung zu verbergen. Natürlich stritt sie oft mit ihrem Mann. Aber trotzdem hatte sie sich auf ein paar gemeinsame Tage fernab des Münchner Alltags gefreut. Daraus würde jetzt wohl nichts werden.

Viel zu schnell vergingen die nächsten beiden Tage, in denen sie Seite an Seite die Kleiderschränke der oberen Zimmer leer räumten. Hier fanden sich nur nach Kampfer riechende Anzüge, Kleider, Hemden und Unterwäsche aus den Fünfziger- und Sechzigerjahren, zum Teil von Motten zerfressen. Einige dieser Sachen mussten noch von Katharinas Uroma stammen. Niemand hatte es für nötig befunden, sie zu entsorgen. Gemeinsam stopften sie alles in Säcke für die Altkleidersammlung – auch wenn sich keiner von ihnen vorstellen konnte, wofür man diese alten Wollstrümpfe und langen Röcke wohl noch verwenden konnte. Die Kleiderschränke, die aus einfachem Pressspanholz gefertigt waren, nahmen sie auseinander und warfen sie dann in den Container, der sich jetzt schnell füllte. Bei billigen Möbelstücken aus der Nachkriegszeit gab es keine Auseinandersetzungen, ob man sie entsorgen sollte. Eher im Gegenteil: Katharina konnte sich nicht vorstellen, warum ihre Mutter sich nie die Mühe gemacht hatte, endlich all die wertlosen Dinge aus diesem Haus zu entfernen. Die gemeinsame Arbeit war harmonisch, sie sparten alle Zimmer mit Gegenständen aus, die Anlass zum Streit gegeben hätten.

Julius war bestens gelaunt, als er von dem Treffen mit dem Dürkheimer Immobilienmakler wiederkam. »Ich habe mich getäuscht«, erklärte er. »Hier sind Häuser sogar ziemlich begehrt, offensichtlich wollen viele Angestellte der BASF unten am Rhein lieber hier oben an der Weinstraße wohnen. Bessere Luft und höhere Wohnqualität. Ich glaube, dein Erbe könnte sich noch zu einem echten Hauptgewinn entwickeln. Der Mann hat gemeint, er ist mir gerne beim Verkauf behilflich, aber das kriege ich alleine hin, ich bin ja kein Anfänger.«

Schnell war der Morgen gekommen, an dem Julius sich in seinen Audi setzte, noch einmal zum Abschied winkte und dann in Richtung München verschwand. Die Sonne kletterte gerade über den Horizont, da waren keine sentimentalen Reden von ihm zu erwarten. Trotzdem blieb Katharina noch einen Moment auf dem Parkplatz stehen, während sich das Motorengeräusch schnell entfernte. Für ihren Geschmack war er fast zu begeistert davongefahren. Was mochte in München auf ihn warten – mal abgesehen von dem Geschäftstermin?

Nachdenklich kehrte Katharina in ihr Hotelzimmer zurück, das ihr mit einem Mal viel zu groß und leer erschien. Einige Minuten sah sie sich um, bis sie einen Entschluss fasste. Sie nahm den Laptop aus ihrer Tasche und stellte ihn auf den kleinen Tisch am Fenster. Dann holte sie die Farben aus der Tasche, sortierte die Pinsel und Stifte in das Zahnputzglas und legte den Block daneben. Fertig war ihr Arbeitsplatz mit Blick auf die Weinberge und die Kurstadt. Malerisch. Vielleicht würde sie wirklich ein bisschen länger bleiben und abends an ihrem neuen Buchprojekt arbeiten.

Eine halbe Stunde später schloss sie wieder die Tür zu dem alten Haus auf. Jetzt drängte sie niemand mehr, sie konnte frei entscheiden, wo sie als Nächstes aufräumen wollte. Ihr fielen wieder die Fotoalben ein. Aufnahmen aus einer längst versunkenen Zeit.

Sie ging wieder nach unten in den Keller. Dieses Mal sah sie sich die Rücken der Alben genauer an. Sie waren aus geschwärztem Leder gefertigt, mit abgegriffenen Ecken und brüchigem Seidenpapier zwischen den vergilbten Seiten. Die Bilder waren überraschend groß, dabei hatte doch damals so ein Abzug bestimmt viel Geld gekostet. Das dünne Album ganz oben im Schrank schien das älteste zu sein. Irgendjemand hatte die Jahreszahl 1907 auf das Vorsatzpapier geschrieben.

Neugierig blätterte sie weiter. Ihr Blick fiel auf das Bild einer sehr jungen, schmalen Frau in einem langen Kleid, die vor dem Schaufenster eines Ladens stand, über dem sie den Namen Stutzmann entziffern konnte. War das die Frau, die einige Jahre später die Zwillinge im Arm gehalten hatte? Womöglich war sie auf diesem Bild nicht einmal verheiratet. Sie sah müde aus.

1.

April 1907

Wie sehe ich aus?«

Nervös strich sich Marie ein weiteres Mal die Handschuhe über dem Handrücken glatt und blickte aus dem Fenster der Kutsche. Die Anreise mit dem Zug nach Mannheim war noch recht bequem gewesen, doch nun zog sich der Weg in die Kurstadt Bad Dürkheim erheblich.

»Und wann kommen wir endlich an? Ich habe das Gefühl, ich bin so dreckig wie noch nie in meinem Leben! Der Dampf der Lokomotive hat sicher alles beschmutzt!«

Beruhigend legte ihr Bruder ihr die Hand auf den Arm und sah sie ernsthaft von oben bis unten an. »Liebste Marie, du siehst wie immer fabelhaft aus. Niemand würde vermuten, dass du schon seit gestern unterwegs bist. Du wirst alle verzaubern, wie du es immer tust.«

»Ich muss nicht alle verzaubern, ich muss nur Carl Hauer verzaubern«, erklärte Marie und sah wieder aus dem Fenster. »Sonst war die ganze Fahrt vergeblich, und wir haben völlig umsonst die Familienersparnisse für die Reise ausgegeben.«

Otto musterte seine jüngere Schwester. Sie war so schmal, dass er ihre Taille problemlos mit seinen Händen umfangen konnte. Ihr blondes Haar trug sie hochgesteckt, allerdings hatten sich seit dem Vortag einige Nadeln aus der Frisur gelöst, wodurch sie jünger wirkte als die neunzehn Jahre, die sie tatsächlich zählte. Ihre großen blauen Augen sahen so neugierig hinaus auf die Weinberge wie immer. Es gab nichts, was Marie nicht interessierte. In diesem Augenblick aber war sie einfach nur nervös. Zu viel hing von dieser Reise in die Pfalz ab. Viel zu viel. Und sie war sich dessen bewusst.

»Er hätte dich doch nicht gebeten, zu ihm zu kommen, wenn er nicht ernsthafte Absichten verfolgen würde. Das weißt du. Carl ist ein Ehrenmann, wir kennen ihn doch schon seit unserer Kindheit. Unsere Eltern hätten sonst nie in diese Reise eingewilligt.«

Noch bevor ihm Marie auf seine beruhigenden Worte antworten konnte, bog die Kutsche um einen der sanften Hügel. Mit einem Mal eröffnete sich der Blick auf ein kleines Städtchen mit einem schlanken gotischen Kirchturm, der alles überragte.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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