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Die mechanische Philosophie entstammt dem 18. Jahrhundert und baut auf Ideen auf, die bereits von antiken Philosophen vertreten wurden. Anstatt die Welt mit Hilfe von Göttern zu erklären und ein ganzes Wertesystem mit den Lehren einer Religion zu begründen, suchten die Anhänger der mechanischen Philosophie ihre Antworten in der Natur und ihren Gesetzen. Das Universum war für sie ein gigantischer und komplexer Mechanismus, der durch das Prinzip von Ursache und Wirkung beherrscht wird. Diese Betrachtungsweise dehnten sie sogar auf den Menschen aus und sahen in ihm ein weiteres Produkt der Natur, und nicht etwa eine göttliche Schöpfung. Auch die Willensfreiheit, von deren Existenz wir alle überzeugt sind, wird infrage gestellt. Was folgt aus diesem Weltbild und was bedeutet das für uns, für unsere Gesellschaft und unser Verständnis von Moral, Schuld, Gut und Böse? Das Buch "Das Rad in der Maschine" ist als ein kompaktes Werk konzipiert, das dem Leser einen möglichst umfassenden Einblick in die Grundlagen und Schlussfolgerungen der mechanischen Philosophie bieten soll. Der Aufbau des Buches ist pragmatisch und startet mit der Erläuterung der Begriffe Materialismus, Determinismus sowie dem Kausalitätsgesetz. Im nächsten Kapitel werden die weitreichenden Folgen dieser Thesen dargelegt und erklärt. Hier werden zahlreiche Themen aufgegriffen, die unter der Prämisse der mechanischen Philosophie einer Neubewertung unterzogen werden müssen. Dazu gehören beispielsweise der Naturbegriff, der Unterschied zwischen belebter und unbelebter Materie, das höchste Gut für den Menschen sowie Überlegungen zum Sinn des Lebens. Das Buch enthält, meist im Anschluss an theoretische Erläuterungen, immer wieder Beispiele, welche die vorangegangenen Informationen in einer verständlichen Art und Weise darlegen. Dies soll auch jenen Lesern einen Einstieg in die Thematik ermöglichen, die sich noch nie zuvor mit der Materie auseinandergesetzt haben. Das letzte Kapitel ist eine Zusammenfassung und dient der praktischen Anwendung des theoretischen Wissens. Dieses Handbuch ist nicht primär als eine Lebenshilfe gedacht, sondern soll dem Interessierten hauptsächlich eine bestimmte Schule der Philosophie nahe bringen, von ihren Grundlagen bis zu ihrer Anwendung.
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Seitenzahl: 102
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Ich widme dieses Buch meiner lieben Frau Christina.
1.
Vorwort
2.
Grundannahmen
2.1 Materialismus
2.2 Determinismus
2.3 Das Kausalitätsgesetz
3.
Schlussfolgerungen
3.1 Ordnung und Chaos
3.2 Zufall
3.3 Wahrscheinlichkeiten
3.4 Natürlichkeit und Unnatürlichkeit
3.5 Belebte und unbelebte Materie
3.6 Der Ursprung des Lebens
3.7 Evolution
3.8 Mensch und Tier
3.9 Körper und Psyche
3.10 Willensfreiheit
3.11 Vernunft und Wahrheit
3.12 Sein und Bewusstsein
3.13 Das höchste Gut
3.14 Das Lustprinzip
3.15 Gut und Böse
3.16 Die Natur der Moral
3.17 Die gerechte Gesellschaft
3.18 Veranlagung und Umwelt
3.19 Egoismus und Altruismus
3.20 Fühlen und Denken
3.21 Der Sinn des Lebens
3.22 Schicksal
3.23 Religion
4.
Zusammenfassung
5.
Nachwort
6.
Anmerkungen zur 4. Auflage
Die mechanische Philosophie ist eine Weltanschauung, die auf der Anwendung mechanischer Wirkprinzipien auf alle bekannten Prozesse und Ereignisse basiert. Materie (bzw. Energie) ist der einzige Stoff im Universum und alles Vorhandene entspringt aus diesem Grundstoff. Dies gilt auch für das menschliche Bewusstsein sowie alles Geistige und Emotionale. Gleichzeitig wirken alle Kräfte im Universum auf eine bestimmte, unabänderliche Art aufeinander und erzeugen eine ununterbrochene Kette von Ereignissen. Die Regeln dieses Zusammenwirkens werden schließlich durch die Naturgesetze bestimmt, denen sich nichts und niemand entziehen kann.
Die in diesem Buch dargelegten Ideen wurden zuvor bereits von zahlreichen Philosophen auf der ganzen Welt formuliert. Einige davon sind nahezu so alt wie die Disziplin der Philosophie selbst, andere stammen von zeitgenössischen Autoren. Dennoch soll hier bewusst auf exakte Zitate und Verweise auf andere Werke verzichtet werden, da diese nichts zum Informationsgehalt der Ideen selbst beitragen. Die vorgestellten Konzepte sprechen dagegen für sich und sollen als Teil eines logisch konstruierten, philosophischen Gesamtsystems betrachtet werden. Aus diesem Grund ist es keine Überraschung, dass in den einzelnen Abschnitten dieses Buches zahlreiche thematische Überschneidungen vorkommen. Verweise auf andere Einträge, die über themenverwandte Inhalte verfügen, werden über einen Pfeil nach rechts (→) vor dem jeweiligen Titelbegriff dargestellt. Anstatt grundlegend neue Erkenntnisse zu präsentieren, sollen hier stattdessen die wichtigsten Informationen zur mechanischen Philosophie so präzise und konzentriert wie möglich dargelegt werden. Dabei soll auch der Blick auf ihre praktische Anwendung im Alltag des Menschen nicht zu kurz kommen.
Den Anstoß für dieses Buch gab – neben der intensiven Auseinandersetzung mit den Themen Materialismus und Determinismus sowie den daraus möglichen Schlussfolgerungen – nicht zuletzt der aktuelle Zeitgeist der Wissenschaftsfeindlichkeit und Esoterik in Teilen der Bevölkerung. Viele Menschen flüchten sich in imaginäre Traumwelten und werfen dabei die Grundbegriffe der Vernunft und Logik über Bord. Die Folge ist fehlendes Verständnis des eigenen Ichs und der Umwelt, was wiederum Verwirrung und Leid nach sich ziehen kann. Anstatt das Wahre vom Falschen zu trennen und so zu echter Einsicht zu gelangen, schenken manche Menschen den absurdesten Theorien blindlings Glauben und richten im Extremfall ihr ganzes Leben danach aus.
Natürlich wäre das noch wenig bedenklich, wenn es sich nur um den einzelnen Menschen selbst handeln würde. Doch im schlimmsten Fall dehnt sich der Irrglaube und dessen negative Folgen auch auf Mitmenschen, darunter Freunde, Bekannte oder auch die eigenen Kinder aus. Insbesondere letztere können sich gegen diesen Einfluss nicht wehren. Pseudo- und Alternativmedizin richtet – ausschließlich eingesetzt – bereits heute großen Schaden an, indem sie die Menschen davon abbringt, sich impfen zu lassen und ihnen wirkungslose Behandlungen für teils tödliche Krankheiten wie zum Beispiel Krebs empfiehlt. Allein die Homöopathie hat sich mittlerweile zu einem Millionengeschäft entwickelt, und das ohne nachweisbare Wirkung jenseits des Placeboeffekts!
Doch auch wenn die Medizin sehr unter dem Einfluss von falschen Überzeugungen leidet, ist es nicht der einzige Bereich des menschlichen Lebens, der durch den Aberglauben belastet wird. Sobald sich Moralvorstellungen und soziale Verhaltensregeln auf willkürlich hergeleitete Begründungen stützen, erhöht sich damit die Chance, dass sie der Natur entgegenstehen. Wann immer eine solche Situation eintritt, entstehen unauflösbare Spannungen zwischen der menschlichen Biologie und den anerzogenen „Tugenden“ des jeweiligen Wertesystems. Ohne jeden Zweck und ohne zu wissen, dass sie es gar nicht müssten, leiden zahllose Menschen unter dem Gegensatz zwischen ihren naturgegebenen Instinkten und einer willkürlichen Vorstellung von →Gut und Böse. Gleichzeitig kommt es in vielen Teilen der Welt zur Verfolgung und Bestrafung von grundsätzlich harmlosen Verhaltensweisen. Im Gegensatz dazu kann ein nüchterner Blick auf die Welt, der im Einklang mit den Naturgesetzen steht, wesentlich zur Freude und Gelassenheit des Menschen beitragen.
Der Titel dieses Werkes bezieht sich auf Menschen, auf Tiere und überhaupt auf alle anderen Objekte: sie alle sind winzige Räder in der großen Maschine des Universums.
Wie im Vorwort bereits angesprochen wurde, können die Grundannahmen dieser Interpretation der mechanischen Philosophie mit wenigen Stichworten zusammengefasst werden. Diese sind: a) der ausschließlich materialistische Aufbau des Universums (Materialismus), b) das strikt deterministische Verhalten all seiner Objekte (Determinismus), sowie c) die universelle Gültigkeit des Prinzips von Ursache und Wirkung (das Kausalitätsgesetz). Dies sind die Grundlagen, auf die sich die komplette Philosophie stützt und auf deren Basis weitere Schlussfolgerungen gezogen werden können. Aufgrund der großen Bedeutung dieser Thesen ist eine nähere Betrachtung ihrer Aussagen angebracht.
Der Materialismus besagt, dass alle Objekte und Erscheinungen im Universum letztlich auf die unterschiedlichen Ausprägungen von Materie und ihren Interaktionen zurückzuführen sind. Dies schließt auch Energie (kinetische, chemische, elektrische usw.) ein, da Materie in Energie umgewandelt werden kann und umgekehrt. Das bedeutet, dass es sich dabei lediglich um zwei Erscheinungsformen derselben Sache handelt. Wie Materie auch, lässt sich Energie messen und somit wissenschaftlich erfassen. Der Materialismus ist das Gegenstück zum Idealismus, der den Ursprung aller Realität im Geistigen bzw. in Ideen sieht.
Während der Materialismus das Bewusstsein des Menschen als ein Ergebnis seiner materiellen Existenz betrachtet, leitet der Idealismus umgekehrt die Materie vom Geist ab. Beide Standpunkte sind sich jedoch in der Hinsicht einig, dass jeweils das eine dem anderen untergeordnet ist, und dementsprechend aus ihm hervorgegangen sein muss. Diese Position wird als Monismus bezeichnet. Die gegenteilige Sichtweise, nach der beide Erscheinungen gleichberechtigt nebeneinander existieren, nennt man dagegen Dualismus.
In der mechanischen Philosophie ist Materie (beziehungsweise Energie) der Ursprung jeglicher Existenz, sie geht also von einem materialistischen Monismus aus. Wichtig für die Philosophie ist die Erkenntnis, dass hypothetische Erscheinungen, die keinen wissenschaftlich erklärbaren Hintergrund besitzen, nicht existieren und auch keinen Einfluss auf den Menschen haben können. Dies führt zum (wenigstens agnostischen) Atheismus und zu einer kritischen Haltung gegenüber allen sonstigen nicht hinreichend erfahrbaren Phänomenen.
Daraus lässt sich bereits eine wichtige Folge des Determinismus ableiten: die Nichtexistenz der →Willensfreiheit. Das besondere Merkmal des Determinismus ist das →Kausalitätsgesetz, also der Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung, welcher als einzige Begründung der Ereignisse herangezogen wird. Somit ließen sich alle Geschehnisse theoretisch bis auf den Urknall (und möglicherweise darüber hinaus) zurückverfolgen und basieren auf den uns bekannten und unbekannten Naturgesetzen. Es ist allerdings sehr wichtig festzustellen, dass nicht die tatsächliche oder selbst die theoretische Vorhersagbarkeit eines Ereignisses ausschlaggebend dafür ist, ob es determiniert ist oder nicht. Anders ausgedrückt, sind Ereignisse auch dann eindeutig und unveränderlich determiniert, wenn sie weder jetzt noch jemals in der Zukunft vorhergesagt werden können. Trotz aller technischen Fortschritte hat die menschliche Erkenntnisfähigkeit Grenzen und dementsprechend wird die Menschheit mit größter Wahrscheinlichkeit nie dazu in der Lage sein, alle Ereignisse mit absoluter Genauigkeit vorherzusagen.
Umgekehrt betrachtet, ist ein „nicht-determiniertes“ Ereignis in der Praxis nur schwer vorstellbar. Der Grund dafür liegt nicht nur in der Tatsache, dass wir es gewohnt sind, dass alles, was passiert, durch bestimmte Vorgänge verursacht wird. Auch andere Gründe sprechen gegen die Existenz nicht-determinierter Ereignisse. Konkret handelt es sich hier um Ereignisse, die in ihrem Ablauf eben nicht durch ihre Ausgangsbedingungen abschließend bestimmt werden. Ein nicht-determiniertes Ereignis kann (gemäß seiner Definition) vor seinem Eintreten keinerlei Beziehung zu einem Objekt oder Vorgang im Universum haben, denn ansonsten müsste bereits davon ausgegangen werden, dass ein Abhängigkeitsverhältnis besteht und das in Frage stehende Ereignis durch bestimmte Ausgangsbedingungen beeinflusst (d.h. determiniert) wird. Das würde jedoch bedeuten, dass diese Ereignisse weder an Zeit noch Raum gebunden sind. Wenn man von der Existenz nicht-determinierter Ereignisse ausgeht, dann ist es natürlich nicht undenkbar, dass andere Ereignisse wiederum durch sie beeinflusst werden.
Allerdings ergeben sich daraus neue Probleme, da es sich hierbei um ein objektiv chaotisches Phänomen handeln muss. „Objektiv chaotisch“ beschreibt hierbei einen Prozess, der tatsächlich – und nicht nur scheinbar – ungeordnet abläuft (dazu später mehr). Wenn nicht-determinierte Ereignisse einen Einfluss auf andere Vorgänge ausüben würden, dann geschähe dies vollkommen unberechenbar. Niemand könne jemals das Eintreten eines nichtdeterminierten Ereignisses voraussehen und eine Wiederholung eines Experiments, welches ein solches Ereignis mit einschließt, wäre nahezu unmöglich. Wenn also nicht-determinierte Ereignisse, die einen Einfluss auf Abläufe in unserem Universum haben können, ein übliches Vorkommnis wären, dann hätte dies potenziell katastrophale Auswirkungen auf jede Tätigkeit, die ein hohes Maß an Präzision verlangt. Wenn nicht-determinierte (und damit definitiv unvorhersehbare) Ereignisse beispielsweise in Prozessen der Raumfahrt oder beim Betrieb von Atomkraftwerken eine Rolle spielen würden, dann wären selbst perfekte Berechnungen nutzlos und könnten den Menschen nicht vor dem Scheitern bewahren.
Ein wesentliches Gegenargument setzt noch viel grundlegender an: Für die Beeinflussung von Objekten im Universum in irgendeiner Form (z.B. Bewegung oder Erwärmung) wird immer Energie benötigt. Das gilt demnach auch für nicht-determinierte Ereignisse, sofern ihnen die Möglichkeit der Einflussnahme auf Objekte zugeschrieben wird. Könnten sie das nicht, wären sie hingegen vollkommen ohne Belang, da ihr Eintreten keinerlei Auswirkungen hätte. Es stellt sich jedoch die Frage, wie ein Ereignis, das buchstäblich aus dem Nichts entsteht und unabhängig von Zeit und Raum eintritt, über die notwendige Energie verfügen soll, ein Objekt im Universum auf irgendeine Weise zu beeinflussen.
Dies wäre nur denkbar, wenn das Ereignis über eine eigene Energie verfügt, die jedoch gleichzeitig mit dem Ereignis selbst entstanden sein muss. Wenn also ein nicht-determiniertes Ereignis beispielsweise dazu führen soll, dass sich ein Fenster schließt, woher käme die notwendige Energie für diese Bewegung? Wenn dagegen ein Windstoß die Ursache wäre, dann beantwortet sich die Frage von selbst. Doch für den Windstoß gibt es ebenfalls Ursachen, die ihn mit Energie ausstatten.
Bei einem nicht-determinierten Ereignis fehlt hingegen eine Energiequelle. Die Beeinflussung von Objekten durch nicht-determinierte Ereignisse würde somit dem Energieerhaltungssatz widersprechen, der besagt, dass Energie zwar in verschiedene Formen umgewandelt, jedoch niemals erschaffen oder vernichtet werden kann. Auf der Basis dieser Überlegungen lässt sich ableiten, dass die Existenz von nicht-determinierten Ereignissen zwar nicht mit Bestimmtheit ausgeschlossen werden kann, aber auch nicht notwendigerweise in Betracht gezogen werden sollte.
Wie der Materialismus kommt auch der Determinismus ohne Götter, höhere Mächte oder sonstige übernatürliche Wesen aus, die einen steuernden Einfluss ausüben. Dies unterscheidet den Determinismus auch von scheinbar ähnlichen philosophischen Positionen wie dem Fatalismus.
