Das scheinheilige Krankenhaus - Andreas-Kristian Heinisch - E-Book

Das scheinheilige Krankenhaus E-Book

Andreas-Kristian Heinisch

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Beschreibung

Bevor ich in ein Krankenhaus wegen einer Gallenkolik eingeliefert wurde, habe ich mich sportlich erfolgreich in der Sektion Gewichtheben engagiert. Durch hartes Training gelang es mir eine 120kg schwere Gewichtheberhantel zu stemmen. In der Leichtgewichtsklasse war dies eine gute Leistung. Selbst im Alter von 61 Jahren schaffte ich es noch eine Hantel mit 90kg Gewicht zur Hochstrecke zu bringen. Eines Tages quälte mich während der Arbeit eine Gallenkolik und ich wurde in ein Krankenhaus eingeliefert. Der Arzt der Klinik ordnete eine Gallenspiegelung an, um das Übel zu beseitigen. "harmlos" sei ein solcher Eingriff, erklärte er mir. Ich hatte Vertrauen zum Arzt, was auch der Hauptgrund war, mich dieser scheinbar harmlosen Gallenspiegelung zu unterziehen. Nach dem ich aus der Narkose aufwachte, kniete der operierende Arzt vor meinem Bett und erklärte mir, "ich müsse sofort notoperiert werden!" Man führte diesen Eingriff durch, legte mich für mehrere Wochen in ein künstliches Koma. Einige Wochen lag ich auf der Intensivstation, dort befiel und beherrschte mich unerwartet ein böser Klinikvirus. Dieser war so hartnäckig, dass man sich ärztlicherseits gezwungen sah, mir die gesamte Bauchdecke zu entfernen, um mich vor dem Tod zu retten. Jedenfalls gab man mir zu diesem Zeitpunkt eine Überlebenschance von nur noch 10%. Nach dem Krankenhausaufenthalt galt ich als schwerbeschädigt. Durch dieser schrecklichen Prozedur konnte ich mich nicht mehr sportlich betätigen. Man hatte mir meine sehr muskulöse Bauchdecke vollständig entfernt und mir obendrein den rechten Hoden amputiert. An sportlicher Betätigung war nun nicht mehr zu denken! Ich musste mein Leben völlig neu einrichten. Schwerere Gegenstände zu heben, oder in unserem Garten die übliche Gartenarbeit zu realisieren, ist nicht mehr möglich, was mich sehr unglücklich gemacht hat. Meine Frau und Familie hatte ebenfalls sehr gelitten. Ihnen danke ich herzlichst, dass ich am Leben geblieben bin.

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Seitenzahl: 257

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Andreas-Kristian Heinisch

Das scheinheilige Krankenhaus

geliebt-beweint-gehofft

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Danksagung

Autorenhinweis

Vorwort und einführende Worte meines Freundes

Zu Hause

Das Drama beginnt

Rückkehr ins vergangene Leben

Schreckliche Tage, geliebt,beweint,gehofft

Mein sogenannter Genesungsprozess

Mein Leben geht weiter - endlich wieder Zuhause

Der erste Anwalt

Bildergallerie

Aufruf an alle geschädigten Patienten

Impressum

Danksagung

Zu Beginn meines Erlebnisberichtes möchte ich an dieser Stelle meiner lieben Frau Roswitha – mit ihr bin ich seit 1966 verheiratet - und unseren drei Töchtern, sowie, Freunden und Bekannten einen herzlichen Dank aussprechen. Meine Familie ist ein eingespieltes Team, wo jedes Familienmitglied seine Aufgaben hat. Sie alle, haben mir in den schwersten Stunden meines Lebens treu und sorgsam zur Seite gestanden. Das war ein sehr wichtiger Grund, auch am Leben geblieben zu sein. Meine Frau besuchte mich jeden Tag in der Klinik und hat mich mutig und aufopferungsvoll umsorgt, obwohl sie zum Zeitpunkt meines Krankenhausaufenthaltes in Vollzeitarbeit stand.

Einen weiteren besonderen Danken möchte ich den Ärzten und Pflegepersonal der Intensivstation der Klinik aussprechen. Sie haben ihr Bestes gegeben und alles Mögliche unternommen, um mir mein Leben zurückzugeben. Unabhängig davon, dass ich in der Intensivstation einige sehr kritische und lebensbedrohliche Situationen durchstehen musste. Sicherlich war es nur möglich, weil ich einen starken Lebenswillen hatte und heute auch noch habe.

Ebenfalls möchte ich mich bei der Kanzlei Quirmbach& Partner herzlich bedanken. Sie hat mir die wichtige Möglichkeit eingeräumt, meine Rechte einzufordern und darüber hinaus die Kanzlei in meinem Manuskript nennen zu dürfen, welches die Säule und Seele – auf der Suche nach meinem Recht – bedeutet (im Teil II wird vorwiegend über den Rechtsstreit debattiert).

Für die hervorragende Unterstützung bei der Erstellung meines Manuskriptes, sowie sehr sachlicher Kritiken und Hinweisen bedanke ich mich auf diesem Weg bei meinem Freund Diplom-Ingenieur Klaus Deistung aus Wismar. Kennen gelernt haben wir uns bei einer Fernsehaufzeichnung des Norddeutschen Rundfunks im Mai 2002 in Lohme auf der Insel Rügen. Seither pflegen wir unsere Kontakte überwiegend Online, dafür jedoch sehr herzlich.

Halle (Saale) den 09.03.2014.

Andreas Heinisch

Autorenhinweis

Ein Teil der handelnden Personen und Institutionen in diesem Buch gaben mir die schriftliche Genehmigung genannt zu werden, ein anderer Teil von Personen und Institutionen sind von mir anonymisiert in die Handlungen eingegangen, um ihre persönliche Identität zu schützen. Die von mir in die Handlungen eingegangenen gewählten Namen entsprechen teils der Realität, teils wurden sie von mir anonymisiert.

Die aufgeführten Dokumente und Tabellen sind Originaldokumente und befinden sich in meinem Besitz. Verschiedene Originaldokumente wurden durch mich geringfügig geändert, jedoch im Originalinhalt so belassen. Falls tatsächlich aus irgendeinem Grund Einsicht in diese Anwalt-Akte verlangt wird, ist es nur über mich, dem Autor, möglich.

Vorwort und einführende Worte meines Freundes

Lange habe ich überlegt, ob ich all das aufschreiben soll, was mit mir in einer Klinik nach einem operativen Eingriff geschehen ist. Durch eine einfache Gallenspiegelung, die unter den heutigen ärztlichen Gesichtspunkten als harmlos gilt und überwiegend ohne Komplikationen beim Patienten durchgeführt wird, wurde ich körperlich schwer geschädigt.

Die Ursachen dazu lassen sich ganz einfach erklären, denn bereits die Entscheidung, mich einer Gallenspiegelung zu unterziehen, war eine ärztliche Fehldiagnose. Man hatte nicht einmal abgewartet, bis meine innere Entzündung abgeklungen war und hat dennoch bei mir voreilig eine ERCP (Gallenspiegelung) durchgeführt, was anschließend mit fatalen Folgen für meine Gesundheit und unerhörten Stress für meine Frau und Familie endete.

Meine Frau Roswitha ist und war bis zum heutigen Tage eine treue und umsichtige Frau, gute Mutter, Tante und auch Oma. Zu jeder Zeit war und ist sie für die ganze Familie da, sie hat sich in allen Situationen aufgeopfert. Niemals beschwerte sie sich über ihre zusätzliche Arbeit im Haushalt, als auch im Garten. Sie ist ausdauernd, liebevoll, umsichtig, gutmütig und fürsorglich. Für ihre sechsundfünfzig Jahre (zurzeit des Geschehens) war und ist sie noch sehr begehrenswert. In den Jahren der Erziehung unserer drei Töchter trug sie die Hauptlast. Jede Situation hatte sie mit Güte und Klugheit gemeistert. Das habe ich immer an ihr bewundert. Jetzt sind unsere Töchter aus dem Haus. Dennoch sind sie mit uns – dem Elternhaus – sehr verwurzelt. Roswitha und ich, wir haben unser Leben neu orientiert. Trotzdem wir nun ein entsprechendes Alter erreicht haben, lieben wir uns immer noch.

Keinesfalls unterstelle ich dem Arzt, der bei mir den Eingriff vornahm, Unfähigkeit oder Vorsätzlichkeit. Ich mache ihm jedoch Vorwürfe, dass er sich nicht an die ärztlichen Prinzipien gehalten hat wie – Premium non nocere – vor allem nicht schaden und – salus aegroti suprema lex – das Wohl des Kranken ist oberstes Gebot.

Ich bin heute der Überzeugung, es war ärztliche Routine „es wird schon alles gut gehen“ und dadurch bin ich zu Schaden gekommen. Einen erheblichen Vorwurf mache ich den Ärzten, warum sie nicht zumindest meinen Bauch wieder so verschlossen haben, dass ich mich weitestgehend als gesund fühlen konnte und kann.

Mir ist bekannt und ich habe es selbst gesehen, die Klinik in der ich lag, hat Spezialisten die solche Schäden, wie es zum Beispiel bei mir der Fall ist, wieder korrigieren können. Wenn diese Spezialisten in der Lage sind, völlig zerschlagene Glieder wieder herzustellen (Knochen, Adern, Nerven und auch Muskeln waren stark beschädigt), weshalb hat man meinen unkomplizierten Bauch nicht wieder einigermaßen repariert?

Heute ist es mir bekannt: Nach 29 schweren inneren Eingriffen in meiner Bauchhöhle war ich so sehr geschwächt, dass man vermutete, mein Lebensende ist nahe. So hat man einfach meinen Bauch mit dünner Haut von meinem Oberschenkel „nur mal so verschlossen“, um scheinbar meine Familie zu beruhigen.

Die Klinik Bergmannstrost in der ich lag, ist eine sehr schöne, moderne und menschenfreundliche Einrichtung, mit hervorragendem Personal. Dennoch bin ich in dieser Einrichtung schwer geschädigt worden und werde deshalb auch geduldig um mein Recht auf Entschädigung ringen. Ich bin auch sehr enttäuscht, dass ausgerechnet diese Klinik die Anerkennung des von ihr verursachten Schadens unter dem Gesichtspunkt: „Ich sei selbst Schuld an meiner Situation und es sei angeblich mein Schicksal“, ... zurückweist.

Mein Freund vertritt z.B. die Meinung,nicht nurin Deutschland werden durch Ärzte Fehler gemacht und vertuscht und das dadurch Menschen im Krankenhaus erst richtig krank (gemacht) werden. Dabei liegt primär keine Absicht vor, aber die Situationen sind sehr vielseitig, die die Menschen mehr oder weniger schädigen, aber auch bis zum Tod führen können. In den Medien werden immer wieder Fälle aufgerollt, Menschen schreiben über ihre Erlebnisse, um mit sich selber fertig zu werden das Erlebte zu verarbeiten. Zum Anderen wollen sie Menschen Wege zu ihrem Recht aufzeigen. So ist es auch in diesem Manuskript/Buch der Fall! Wege zu ihrem Recht? Die Ärzte – auch als „Götter in Weiß“ gekennzeichnet – „machen keine Fehler!“

Seit etwa März 2008 begann ein Prozess, der ein Umdenken des medizinischen Personals über ihre unbeabsichtigten Fehler zur Folge haben könnte. Gegen solche Fehler sollten die Ärzte versichert sein – und sind es meist, wie Fernsehberichte bestätigten. Die Gutachten sind oft so, dass der Patient eindeutig im Recht ist – aber selbst dann verweigern die Versicherungen die Entschädigungszahlungen, zögern möglichst den gesamten Vorgang weit hinaus ... wie verschiedene Fernsehberichte und dieser Fall belegen. Was gelegentlich bei schweren Operationen passiert, sind Nahtod-Erlebnisse. Sie können sehr vielseitig sein. Man schwebt über seinem Körper, sieht sich z. B. liegen und sieht, was die Ärzte machen. Die Schulwissenschaft lehnt so etwas meistens (noch) ab. Mein Freund Andreas verbindet ein Nahtod-Erlebnis mit einer Reinkarnation. Reinkarnation wird schon über mehrere Jahre in verschiedenen Fernsehsendern mit konkreten Beispielen belegt. Andreas erlebte eine besondere Reinkarnation, scheinbar hatte er Kontakt zu einem Engel, der ihm wichtige Informationen gab und ihn während seines Komas in ein früheres Leben führte. Das könnte auch einer der Gründe gewesen sein, dass er diese furchtbaren Strapazen überstanden hat. Er konnte sich recht gut – auch ohne Rückführung durch eine Führungsperson – an sein früheres Leben erinnern und schildert es sehr eindeutig. Gern lehnen Psychologen so etwas völlig ab – haben sie doch vorläufig keine Erklärung für dieses Phänomen. Hier werden durch diese Leute Erlebnisse mit Außerirdischen gleich mit einbezogen – obwohl es weltweit derartige Fälle bewiesenermaßen gibt – auch in Deutschland! Es klingt grotesk, aber es ist so, in seiner Jugend (er war damals gerade mal sechzehn Jahre alt) hatte mein Freund Andreas ein derartiges Erlebnis und hatte es später in einem Buch verarbeitet. Das Fernsehen berichtete sogar im Jahr 2002 im NDR darüber. Ich war selbst bei den Fernsehaufnahmen zugegen. Weitere Ausführungen möchte ich dazu nicht machen, weil es hier in seinem Buch um einen Sachverhalt einer schweren Körperverletzung geht, die durch eine ärztliche Fehlentscheidung hervorgerufen wurde.

Mein Freund Andreas schildert seinen Werdegang von der ersten „Erkrankung“ bis zum Gerichtsprozess. Es war ein vielseitiger und leidvoller Weg. Täglich standen ihm seine Frau und die Kinder in dieser schweren und schrecklichen Zeit tapfer zur Seite. Obwohl zeitweilig die Ärzte wenig Hoffnung hatten, kümmerte sich das für ihn zuständige medizinische Personal der Klinik (Intensivstation in der er lag) umsichtig, um seine mögliche Genesung. Andreas bester Freund war jedoch sein Lebenswille, der durch eine Engelsinformation mit entscheidend unterstützt wurde. Aber das kann jeder in diesem vielseitigen und bewegenden Buch selber lesen und einschätzen!

Nach seiner Genesungs- und Rehabilitationsphase galt seine Aufmerksamkeit dem über bereits Jahre gehenden Kampf – anders lässt es sich nicht bezeichnen – sein Recht auf Entschädigung einzufordern. Im Teil II „Im Namen des Volkes“ geschädigt – verhöhnt und mundtot gemacht, setzt er sich konsequent mit dem rechtlichen Geschehen auseinander und scheut sich nicht, entsprechende falsch gelaufene juristische Gegebenheiten beim Namen zu nennen.

Klaus Deistung, November 2013

Zu Hause

Im Februar 2004 machte man mich zum Frührentner, ohne dass ich es wollte. Ich konnte es nicht fassen, mich brauchte man nicht mehr! Obwohl ich langjährig im archäologischen Landesamt in Halle tätig war und als Grabungshelfer sehr gute Erfahrung sammeln konnte, wurde ich nicht mehr zu einer Grabung bestellt. Ich hatte mich mit dem Arbeitsamt wegen Rückerstattung meiner Fahrkosten auf dem Sozialgericht gestritten und auch gewonnen. Und bevor es zum Prozess kam, hat die Bearbeiterin meiner Klage, meinen damaligen Arbeitgeber hinterfragt, wie einige Sachverhalte zu verstehen sind. Daraufhin vermutete mein Ex-Arbeitgeber, ich wolle ihn wegen Fahrkostenrückerstattung verklagen, was natürlich völliger Unsinn war.

So kam es, dass ich nun zu Hause meine wertvolle Zeit verbringen musste, was auch seine Vorteile hatte. Das befriedigte mich jedoch bei weitem nicht! Sehr oft dachte ich an meine Zeit, wo ich noch archäologisch tätig war und mit sehr netten Kollegen zusammenarbeitete. Wir haben so manchen Spaß erlebt, viele interessante und schöne Funde gemacht und gemeinsam ausgewertet. Es war mir bewusst: Diese Zeit ist vorbei! Um nicht seelisch und moralisch zu verkümmern, entschloss ich mich konsequent dagegen etwas zu unternehmen. Das Jahr 2004 nahm seinen Lauf und wir hatten gerade Frühling, die Tage wurden wieder länger und die allgemeine emotionale Stimmung verbesserte sich zusehends. Einer der Gründe, weshalb ich mich ungeduldig in der Presse nach entsprechenden Inseraten umsah. Mir war es völlig egal, ob eine körperliche oder geistige Tätigkeit im Angebot war. Ich wollte wieder etwas Nützliches tun und dabei ein wenig Geld zum bescheidenen Familienetat dazu verdienen.

Kaffeeduft schwaberte durch die Wohnung. Denn meine liebe und treue Frau, die ich überwiegend mit ihrem Kosenamen Rosi ansprach, bereitete den Kaffeetisch vor. Liebevoll forderte sie mich auf, die Zeitung beiseite zulegen. „Komm bitte mein Schatz, wir wollen Kaffee trinken. Du kannst ja nachher weiterlesen.“ Meiner Rosi entging es nicht, dass ich wie so oft schon in Gedanken versank. Ich machte mir halt Gedanken über die soeben gelesenen Inserate. Für mein Alter war wieder nichts dabei. Während ich so vor mich hinträumte, bemerkte ich nicht gleich, dass mich Rosi ansprach. „Du machst mir ein wenig Sorgen mein Lieber, was beunruhigt dich so sehr?“ „Du weist doch meine Liebe, laut LVA ist es mir nur gestattet 345 Euro dazu zu verdienen und nach so einem Angebot suche ich. Auch wäre es schön, wenn sich diese Arbeit weitestgehend im Stadtgebiet befindet. Verstehst du mein Herzchen, nach solch einem Angebot halte ich Ausschau!“ „Ja, ich verstehe dich mein Lieber, trink aber bitte mit mir erst einmal in Ruhe Kaffee. Danach hast du noch viel Zeit, in den Zeitungen nach einem passenden Angebot zu suchen.“ Ich gab ihr Recht und widmete mich ein paar Minuten dem Kaffeetrinken. Wie üblich unterhielten wir uns dabei über allerlei Themen, insbesondere der Arbeit. Nach dem Kaffeetisch nahm ich mir den Wochenspiegel meiner Heimatstadt Halle vor und wurde tatsächlich fündig. In der Landschafts- und Grünanlagengestaltung der Stadt sucht man einige Mitarbeiter in Teilzeitarbeit – geeignet auch für alle Altersklassen – stand im Inserat.

Möglicherweise ein richtiges Angebot gefunden zu haben, ließ mich einen Freudenschrei ausrufen: „Hör mal bitte Rosi, ich habe eventuell etwas gefunden!“ „Es klingt durchaus glaubwürdig. Ich rufe gleich Freitagmorgen an, ob tatsächlich noch Leute gebraucht werden. Ich glaube heute erreiche ich dort keinen mehr.“ „Das wäre schön, wenn du dort anfangen könntest und noch dazu im Stadtgebiet. Unsere Kasse könnten wir dadurch auch ein wenig aufbessern und du kämst wieder unter die Leute“, antwortete sie liebevoll und freute sich mit mir. Oft lasse ich morgens meine Rosi noch ein wenig länger ruhen und wecke sie erst, wenn ich das Frühstück vorbereitet habe – so auch am Freitag, den 30. April 2004.

Mit einem Küsschen auf die Wange habe ich sie gegen 6 Uhr morgens geweckt: „Komm, du Langschläferin, das Frühstück ist fertig!“ Während wir frühstückten, unterhielten wir uns abermals über mein Vorhaben. „Wenn du dort anrufst, gib dich bescheiden und hör dir erst einmal an, was der Mann zu sagen hat!“, belehrte sie mich besorgt. „Natürlich muss ich mir vorzugsweise alles aufmerksam anhören, sonst weiß ich doch überhaupt nicht, welche Anforderungen an die Person gestellt werden“, erwiderte ich. Wie üblich verabschiedete ich Rosi mit einem Küsschen auf die Wange und winkte ihr auf dem Weg zur Straßenbahn zu. Sie winke mit einem Handküsschen zurück und verschwand.

Nun war ich einige Stunden wieder allein. Gewiss, es passte mir nicht, obwohl es auch seine Vorteile hat, ab und zu allein zu sein. Doch in diesem Fall war es mir nicht egal. Musste meine Rosi jeden Tag noch zur Arbeit, die auch nicht gerade leicht ist. So war ich gezwungen, zu Hause meine Zeit zu verbringen. Ich übernahm von nun an einen großen Teil der Hausarbeit, worüber sich Rosi freute. Langweilig wurde es mir dabei keinesfalls. Ich hatte Gott sei Dank einige schöne und nützliche Hobbys, die ich seit langem mehr oder weniger intensiv pflegte. Das Haupthobby war mein Sport. Es war sozusagen mein Jungbrunnen und mein Steckenpferd. Ich pflege dieses Hobby, seit ich keinen aktiven Sport mehr betreibe, seit dem 32. Lebensjahr.

Das Zeitungsinserat Pflegedienstes für Grünanlagen ging mir nicht aus dem Kopf. Ich rief gegen 9 Uhr morgens diese Firma an, in der Hoffnung, dort tätig werden zu können.Ich wählte die angegebene Telefonnummer und wartete ein paar Sekunden, bis sich jemand meldete. „Grünanlagengestaltung Geschäftsführer Geisler, bitte was wünschen Sie?“, ertönte eine tiefe Stimme. Ich stellte mich vor wer ich bin und weshalb ich anrufe. Herr Geisler war meiner Argumentation sofort zugetan und bestellte mich gleich den nächsten Tag zur Arbeit. Ich fragte zur Sicherheit noch einmal nach, ob seine Firma auch sonnabends arbeitet, oder habe ich mich möglicherweise verhört. „Wollen Sie Arbeiten oder nicht“, sagte er freundlich. „Sie sind eingestellt und wenn Sie am Sonnabend mit der Arbeit beginnen, sind Sie selbstverständlich auch versichert. Die übrigen Formalitäten regeln wir dann am Montag nach der Arbeit. Melden Sie sich bitte Morgen beim Vorarbeiter, der Sie einweisen wird. Also, dann wünsche ich Ihnen einen guten Start, Herr Heinisch.“ Ich war verblüfft, mit solch einer konkreten Antwort hatte ich nicht gerechnet. Sie ließ sofort meine Motivation und Emotion ins Positive wechseln. Ich fühlte mich doch noch gebraucht. Plötzlich sah die Welt wieder ganz anders aus. Motiviert vom Ergebnis absolvierte ich meinen üblichen Langlauf, den ich dieses Mal auf fünftausend Meter festlegte. Manchmal lief ich nur um unser Häuserviertel und dann wieder zwei bis dreitausend Meter, je nach dem, wie ich psychisch und körperlich aufgelegt war. Nachdem ich die fünftausend Meter absolviert hatte, war ich zwar ein wenig außer Atem, hatte mich jedoch sehr schnell erholt. Ich lief nach Hause und arbeitete gleich mit meinen Einarmhanteln die festgelegten Serien durch. Sechs Mal mit fünfzehn kg zu je zwanzig Armbeugen, fünf mal dreißig tiefe Kniebeugen und anschließend noch fünf mal zehn Liegestütze. Knapp zwei Stunden habe ich mit meinem Sport zugebracht. In letzter Zeit hatte ich nämlich das Laufen ein wenig vernachlässigt, und dennoch habe ich an diesem Tag alles locker weggesteckt. Ich war erstaunt, was eine Motivation alles bewerkstelligen kann! Ich schaute auf die Uhr, es war vierzehn Uhr dreißig, in ein paar Minuten kommt Rosi von der Arbeit.

Ich bereitete den Kaffeetisch vor – das mache ich sehr oft, seit ich zu Hause bin. Während ich auf dem Balkon alles zurechtstellte – denn es war schönes Wetter – sah ich Rosi bereits in unsere Straße einbiegen. Sie entdeckte mich auf dem Balkon und winkte mir freudig zu. Ich stellte die Kaffeemaschine an – da klingelte es auch schon.

Rosi betrat unsere Wohnung und ihr entging nicht meine fröhliche Stimmung. „Da war dein Anruf bei der Firma also doch von Erfolg gekrönt, mein Süßer. Endlich wieder mal eine gute Nachricht!“ Sie umarmte mich und streichelte mir zärtlich die Schulter. „Wann soll’s denn losgehen?“, fragte sie mich noch. „Na gleich Morgen am 1. Mai um sieben Uhr im Dölauer Stadtgebiet.“

Punkt sieben Uhr morgens war ich am genannten Treffpunkt in Dölau. Einige Angestellte befanden sich bereits an der Arbeitsstelle, die mir Herr Geisler zuvor beschrieben hatte. Ich begab mich dorthin und fragte nach dem Vorarbeiter. Sofort kam ein mittelgroßer freundlicher Mann auf mich zu und sagte: „Sie sind Herr Heinisch und sollen in meiner Gruppe tätig werden.“ Ich nickte mit dem Kopf. „Haben Sie schon einmal solche Tätigkeiten gemacht und trauen Sie sich auch zu mit den Maschinen zu arbeiten, wie wir sie einsetzen?“ Er warf die Plane des Anhängers hoch und sagte: „Hier diese!“ „Kein Problem“, antwortete ich, „ich habe einen Schrebergarten und benutze fast dieselben Maschinen, nur einwenig kleiner.“

Der Vorarbeiter sah mich lächelnd an und nickte. Während er mich noch Einiges fragte, begannen meine neuen Kollegen mit der Arbeit. Nach dem Gespräch nahm ich mir die gleichen Werkzeuge wie die Kollegen und machte es ihnen nach. Wir entfernten in den städtischen Rabatten und Wegrändern das Unkraut und mähten die dazugehörigen Rasenflächen. Mir machte es viel Spaß! Nach dem 1. Arbeitstag meldete ich mich wie abgesprochen beim Geschäftsführer Herrn Geisler. Ich war noch nicht richtig in sein Büro eingetreten, fragte er mich schon freundlich, wie mir der erste Arbeitstag gefallen hat. „Sehr gut, nun bin ich wenigstens wieder unter Menschen und nett sind Ihre Leute auch“, erwiderte ich. Herr Geisler sagte mir: „Ich habe meinen Vorarbeiter beauftragt, Sie bei der Arbeit zu beobachten und er sagte mir, dass Sie keinerlei Probleme mit dieser Arbeit haben. Sie sind also für unsere Tätigkeiten geeignet und sollen schon ab nächster Woche mit der Motorsense arbeiten und später auch den Rasenmäher bedienen.“ Dann fragte er mich: „Würden sie das tun?“ „Selbstverständlich! Es gehört zur Arbeit und ich bin in der Lage Ihre Maschinen sachgerecht zu bedienen.“ „Gut, dann stelle ich Sie ein. Es ist zwar ein Minijob, aber ein unbefristeter Vertrag.“ Dann folgte eine etwas längere Ausführung: „Ich habe Ihre zulässige Hinzuverdienstgrenze laut LVA von 345 Euro genommen und diese durch 2,95 Euro Stundenlohn geteilt, somit müssten sie monatlich 117 Stunden bei mir tätig sein.

(Auf Grund des Frührentners, durfte ich lediglich 345€ dazuverdienen).Leider ist es mir nicht möglich, Ihnen mehr Stundenlohn zu zahlen und es geht ja auch nicht laut LVA Herr Heinisch. Vorerst setze ich die übliche Summe von 165 Euro ein, falls sich doch Schwierigkeiten einstellen sollten. Wir verbleiben so, Ihren Arbeitsvertrag datiere ich erst einmal auf die Summe von 165 Euro und den darauf folgenden Monat ändern wir auf 117 Stunden zu 345 Euro, trotzdem vergüte ich Ihnen bereits die Stunden wie ausgemacht. Wenn Sie damit einverstanden sind, unterschreiben Sie bitte den Vertrag!“ Ich unterschrieb den Vertrag und nahm mir das Original – also war der 1. Monat sozusagen Einarbeitungszeit. Ich verabschiedete mich und fuhr froh gestimmt nach Hause. Rosi erwartete mich bereits, weil ich nach langer Zeit etwas später zu Hause eintraf als sie. Kaum betrat ich die Wohnung, umarmte sie mich freudig und küsste mich zärtlich auf die Wange. Sie nahm mich bei der Hand und führte mich zum Kaffeetisch. „Setz dich bitte! Du musst noch einen Moment warten, ich mache schnell mal die Kaffeemaschine an. In 5 Minuten können wir Kaffee trinken.“ Ich staune immer wieder, wie Rosi den Kaffeetisch vorbereitet. Und heute ganz besonders, weil ich wieder seit Langem meinen 1. Arbeitstag hatte. Deshalb legte sie eine hübsche Frühlingstischdecke auf, extra geschmückt mit einer Tulpe bestückten Vase und kleinen Accessoires zur weiteren Verschönerung. Darüber hinaus war das Sonntagsgeschirr aufgestellt.

„Kommt heute noch jemand zu Besuch, Rosi?“ „Nein, nein, mein Lieber, das gilt nur dir! Das müssen wir beide doch ein wenig feiern. Du hast es dir verdient mein Guter. Ich merke schon, du bist plötzlich wieder ein ganz anderer. So gefällt mir das!“ „Du meinst ich habe mich so schnell verändert? Ich muss ehrlich gestehen, dass ich dies bei mir selbst auch gemerkt habe.“

Ein auf den anderen Tag fühlte ich mich ganz anders. Frei von Zwängen des Alleingelassenseins und als unnütz zu gelten. Ist zwar nicht ganz richtig, aber so habe ich mich ab und an gefühlt. Manchmal habe ich mich gefragt, weshalb ich mir ein so langes Studium aufgeholzt hatte und deshalb so manche nervliche Strapaze aushalten musste. Als ich von Dölau nach Hause fuhr, habe ich das wunderbare Gefühl einer gewissen Freiheit in mir gespürt, auch wenn ich’s mir nicht erklären konnte. Es ist seltsam, aber es war so!

Genüsslich tranken wir unseren Kaffee und unterhielten uns wie üblich. Nach einer Weile legte Rosi ihre Hand liebevoll auf die meine, schaute mich an und sagte: „Ach ist es schön, wenn alles wieder normal verläuft! Ich freu mich für dich, dass endlich alles geklappt hat. Hoffentlich bleibt es so!“ Ich sah sie an und merkte, wie ihre Augen feucht waren. Ich stand auf und umarmte sie und drückte sie fest an mich: „Pass immer schön auf dich auf, mein Guter. Versprich mir dass!“, flüsterte sie. „Ich versprech’s dir!“, flüsterte ich zurück.

Ausnahmsweise saßen wir an diesem Nachmittag lange zusammen. Wir haben es uns noch eine Weile auf dem Balkon gemütlich gemacht und ein Glas Wein getrunken. Es entwickelte sich noch ein schöner Abend. Unsere Tochter Manuela mit ihren Söhnen Christian und Nils gesellten sich zu uns, und etwas später erschien auch noch unsere Tochter Andrea mit ihrer Tochter Nadine. Alle freuten sich mit mir, endlich wieder am Arbeitsleben teilnehmen zu können.

Wir feierten in den schönen Sonnabend hinein. Es war ein fröhlicher Abend. Erst gegen 10 Uhr trennten wir uns und es kehrte wieder Ruhe ein. „Siehst du“, sagte Rosi seufzend, „nun ist es wieder still. Ich gehe jetzt zu Bett, ich bin müde.“ „Rosi, du bist mir sicherlich nicht böse, wenn ich noch ein wenig auf dem Balkon Musik höre.“ „Nein, nein!“, antwortet sie und begab sich ins Bad.

Erst gegen 24 Uhr legte ich mich ins Bett. Obwohl ich müde war, konnte ich lange nicht einschlafen. Gleich nach dem Frühstück am Sonntagmorgen habe ich noch meine Laufmeile absolviert. Ich habe zwar ein wenig geschnauft, jedoch fühlte ich mich sehr wohl. Am Abend absolvierte ich meine geliebten Hantelübungen. Hierbei habe ich mich so manches Mal über den üblichen „Schweinehund“ gequält. Demzufolge habe ich Vitalität und auch ein wenig Jugend behalten. Ich fühlte mich nicht wie einundsechzig – eher wie vierzig Jahre. Noch jünger? Das wäre wirklich übertrieben. Mit dem Einen oder anderen Jugendlichen könnte ich locker mithalten.

Rosi hatte hin und wieder Bedenken, weil ich mich mit meinen Gewichten immer so herumplagte. Selbstverständlich habe ich mir eine bestimmte Grenze auferlegt um Verletzungen zu vermeiden. Doch während des Trainings habe ich mich so weit mit der körperlichen Belastung vor gewagt, wie ich es vertragen habe. An manchen Tagen artete es zu einer gewissen Quälerei aus, doch danach habe ich mich sehr wohl und jung gefühlt.

Als Mann das Gefühl zu haben noch etwas körperlich leisten zu können, ist etwas sehr edles und Angenehmes. Und das habe ich mir bisher von keinem – auch nicht von meiner Rosi – nehmen lassen. Rosi ist es sehr gut bekannt, dass ich in manchen Sachen ein ungemeiner Starrkopf bin. Es ist ja auch so, wer sich selbst nicht beherrschen lernt, sei es körperlich, geistig oder moralisch, dem wird nichts gelingen.

Das Drama beginnt

Einige schöne Tage auf meiner neuen Arbeit verliefen ohne Probleme. Es war die vorletzte Woche im Mai 2004. Ein herrlicher und angenehmer Frühlingstag! Solche Tage liebte ich. Ich freute mich schon auf den Feierabend. Mit Rosi beim gemütlichen Kaffeetisch ein nettes Schwätzchen zu machen und über allerlei Dinge zu reden. Ab und zu kniff es ein wenig in der Bauchgegend, doch ich schenke diesem Vorfall keine größere Beachtung, weil es in dieser Bauchregion öfters mal zwickte. Ich konnte nicht ahnen, dass dieser Vorfall die Einleitung einer schleichenden und sehr schlimmen körperlichen Schädigung ist.

Gerade war ich dabei, mit der Motorsense einen kleinen Hang zu bearbeiten. Ich stand oben auf dem Hang und überlegte, wo ich am günstigsten beginnen kann. Frischer Duft von Gras und wilden Kräutern zog in meine Nase. Ein Singvogel trillerte seine Melodie, hüpfte aufgeregt im Gebüsch umher und flog verschreckt vor mir davon. Ich entschloss mich am Gebüsch zu beginnen und bereitete meine Motorsense zum Schnitt vor.

Mitten in der Maat kam ich plötzlich zum Schwitzen. Darüber wunderte ich mich! Bei so einer leichten Arbeit ins Schwitzen zu geraten, ist mir noch nie passiert. Vorsichtshalber hielt ich inne und setzte mich wenige Minuten. Es roch angenehm nach frisch gemähtem Gras. Nach ungefähr 5 Minuten erhob ich mich, prüfte noch einmal meine Sense, startete den kleinen Motor und mähte bis Mittag den Hang säuberlich frei. Anschließend harkte ich alles grob zusammen, damit mein Kollege das Gras abfahren konnte. Nach der Mittagspause mähte ich die andere Seite des Hanges, der ein wenig steiler war aber nicht mehr so hoch. Ungefähr 10 Quadratmeter hatte ich noch zu schneiden. Ich war gerade in der Senke und schwenkte die Motorsense so, dass ich das Gras unter dem kleinen Strauch erreichen konnte. Plötzlich spürte ich einen ziemlich starken Stich in der rechten Seite. Der Schmerz setzte mir kurzzeitig so stark zu, dass ich laut aufschrie. Mein Kollege, der den unteren Rand des Hanges mähte, schaute sofort zu mir herauf. „Mensch Kumpel, was ist mit dir?“, rief er mir besorgt zu. Er sah dass mein Gesicht vom Schmerz verzerrt war und eilte sogleich herbei. Er half mir, die Motorsense abzunehmen. Während ich vor Schmerz hin und her lief, versuchte ich mit der Hand die Stelle zu reiben, die mir starke und beißende Schmerzen verursachte. Anstatt dass der Schmerz sich verzog, wurde er im Moment immer heftiger. Ich bog und krümmte mich wie ein Wurm. Nach ungefähr 20 Minuten war alles vorbei, als sei niemals etwas vorgefallen. Bis zum Feierabend gab es keine weiteren inneren körperlichen Attacken mehr.

Wieder zu Hause angekommen, setzten wir uns wie üblich an den Kaffeetisch. Ich erzählte Rosi nichts von dem Vorfall. Ich wollte sie nicht beunruhigen. Doch irgendwie überkam mich eine seltsame Unruhe. Vorsichtshalber setzte ich meinen Sport ab. Ich zog es vor, mich auf der Couch gemütlich einzurichten, um fern zu sehen. Sofort fiel es Rosi auf, dass ich mich anders verhielt als sonst. „Du siehst ein wenig mitgenommen aus, ist was gewesen mit dir?“ „Ach, wo“, ich bin nur ein bisschen geschafft. Ich habe heute den ganzen Tag am Hang gemäht, das geht doch ganz schön über die Kräfte. Immer schräg stehen und die Sense schwenken ist auf Dauer auch nicht ohne Anstrengung zu schaffen. Meine Stunden hatte ich geleistet und muss diesen Monat nicht mehr auf Arbeit. Der Vorarbeiter wollte mich anrufen, wenn ich wieder gebraucht werde“, antwortete ich.

Bis zum 28.Mai 2004 gab es keine weiteren körperlichen Schwierigkeiten. Das freute mich! Ich war schon dabei alles zu vergessen. Na ja, dachte ich, das kann schon mal vorkommen. Nach dem üblichen Kaffeetrinken sind wir zu Kaufland gegangen, um unsere Einkäufe zu machen. Als ich aus einem Regal ein Stückchen Butter nahm und in den Einkaufskorb legte, spürte ich abermals ein leichtes Stechen in der rechten Seite so, als habe ich nach zu schnellen gehen Seitenstechen bekommen. Ich machte Rosi aufmerksam, dass ich nach Hause gehen möchte, weil ich mich nicht besonders fühlte. Sie war damit einverstanden. Ich nahm den größten Teil der Ware mit nach Hause. Dort ließ ich alles Stehen und Liegen und legte mich vorsichtshalber ins Bett. Nach einer Weile spürte ich wieder ein leichtes Stechen, das nicht weichen wollte. Das war scheinbar auch der Grund, weshalb ich mich nicht ganz wohl fühlte. Jedenfalls verbrachte ich eine ziemlich unruhige Nacht. Ich schlief erst so gegen 3 Uhr morgens fest ein. Zur Frühstückszeit kam Rosi ins Schlafzimmer und fragte mich, ob ich mit ihr frühstücken wolle. Ich erledigte meine Morgentoilette, ohne dass ich Schmerzen verspürte und setzte mich zu Tisch. „Wie geht’s dir heute, wie fühlst du dich?“ fragte sie. „Also, im Moment habe ich zwar keine Schmerzen, doch plagt mich ein komisches Gefühl“, gab ich ihr zu verstehen.

„Ich muss ehrlich sagen, ich fühle mich nicht so richtig fitt. Ich würde mich lieber noch ein bisschen ausruhen.“

„Na gut, sagte sie, dann mach’s so! – Und wir Fahren heute mal nicht in den Garten.“

Am Samstagabend, den 29.Mai 2004, ging es mir bestens, keine Spur von Schmerzen. Ich hatte Appetit auf etwas Herzhaftes. Ich gönnte mir mal eine Büchse Ölsardinen und trank ein Glas Bier hinterher. Rosi passte es nicht, dass ich abends eine Büchse Ölsardinen esse, weil das angeblich zu diesem Zeitpunkt schädlich sei. Übrigens hatte ich darüber hinaus auch noch andere leckere Sachen verzehrt, worüber sie sich ebenfalls aufregte. Daraufhin gab ich ihr zu verstehen, dass es gut sei, wenn man so guten Appetit hat wie ich. Wer weiß denn, was alles noch auf uns zukommt. Möglicherweise erleben wir eine Zeit, wo man nicht mehr essen kann, wie man möchte – dann ärgert man sich darüber. Jedenfalls verlief der Samstag als auch die anschließende Nacht problemlos. Ich stand sonntags so gegen acht Uhr morgens auf und im selben Rhythmus wie bisher absolvierten Rosi und ich den schönen Sonntagmorgen auf unserem Balkon. Nach dem Frühstück hatte ich mir vorgenommen, ein wenig Gymnastik und eventuell mit meinen Hanteln etwas zu machen, nur zwanzig Minuten sollte es sein, nicht länger.

Ein paar Kniebeugen und Rumpfübungen habe ich noch hinbekommen, doch mit den Hanteln arbeiten wollte ich nicht mehr. Ausnahmsweise hatte diesmal mich mein innerer Schweinehund besiegt. Seltsamerweise war mir das an diesem Tag auch egal. Ich hatte es vorgezogen, gemeinsam mit Rosi unsere Wohnung zu pflegen. Ich arbeitete mit dem Staubsauger und stellte alles wieder an seinen Platz und Rosi wirtschaftete in der Küche.