Das Schneekönige Konzept - Cornelia Pagel - E-Book

Das Schneekönige Konzept E-Book

Cornelia Pagel

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Beschreibung

Sich endlich mal wie ein Schneekönig freuen - gerade für Menschen, die von Wohnungslosigkeit betroffen sind, ist dies nur schwer möglich. Zwar gibt es in unserer bundesweiten Vereinslandschaft Ehrenamts-Organisationen, die Personen in dieser schwierigen Lebenslage in bestimmten Teilbereichen unterstützen - Schneekönige e. V. geht aber einen anderen, ganzheitlichen Weg. Durch die Erfüllung individueller Herzenswünsche wird das Selbstwertgefühl wohnungsloser Menschen gestärkt und die Kraft zur Selbsthilfe unterstützt. Die Vernetzung von unterschiedlichen Organisationen ermöglicht es, bedarfsorientiert zu helfen. Dies ist ein Handbuch, wie die Umsetzung unserer Idee auch in Ihrer Stadt oder Gemeinde gelingen kann.

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Seitenzahl: 77

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Inhaltsverzeichnis

VORWORT

EINLEITUNG

1.1_Ausgangssituation und Relevanz des Themas

1.2_Ziel und Aufbau dieser Arbeit

ABGRENZUNG UND VERTIEFUNG WESENTLICHER BEGRIFFLICHKEITEN DER WOHNUNGSLOSENHILFE

THEORIE UND PRAKTISCHE UMSETZUNG DES KONZEPTES

3.1_Die Gründungsgeschichte des Schneekönige Vereins

3.2_Von der Theorie zur Praxis

3.2.1_Das Konzept

3.2.2_Wesentliche Intentionen

3.2.3_Definition der Wunschbereiche

PROJEKTBESCHREIBUNGEN

4.1_Ableitung von Projektideen aus den Hartz-IV-Regelbedarfen

4.2_Bereits umgesetzte Wunscherfüllungsprojekte

4.2.1_Bereich „Freizeit, Unterhaltung, Kultur“

4.2.2_Bereich „Bekleidung, Schuhe“: Gutscheinaktionen

4.2.3_Bereich „Verkehr“: Fahrradprojekt

4.3_Ideen für weitere Wunscherfüllungsprojekte

\

4.3.1_Bereich „Nahrungsmittel“

4.3.2_Bereiche „Nachrichtenübermittlung“ und „Bildung“

4.3.3_Bereich „Bekleidung und Schuhe“

4.3.4_Bereich „Haushaltsgeräte und -gegenstände“

4.3.5_Bereich „Gesundheitspflege“

4.3.6_Bereich „Beherbergungs- und Gaststättendienstleistungen“

4.4_Aktionen zur Schaffung eines höheren gesellschaftlichen Bewusstseins

4.4.1_Sommeraktion

4.4.2_Büromaterialien für den Neustart

4.4.3_Teilnahme an öffentlichen Veranstaltungen

ERFAHRUNGSBASIERTE TIPPS FÜR DIE GRÜNDUNG EINES WEITEREN WUNSCHERFÜLLUNGSVEREINS FÜR WOHNUNGSLOSE

5.1_Gründungsphase

5.2_Aufbau einer Marketing- und Fundraising-Strategie

5.3_Umgang mit Stolpersteinen

SCHLUSSWORT

Verwendete Abkürzungen

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

VORWORT

Die vorliegende Arbeit entstand anlässlich des fünfjährigen Jubiläums des Vereins Schneekönige im Rahmen meiner Elternzeit. Für deren Bewältigung waren für mich der stete Rückhalt in meiner Familie und der Zuspruch meines Freundeskreises unerlässlich. Mein Dank gilt all jenen, die mich bei dieser Arbeit unterstützt haben. In erster Linie richtet er sich an meinen Ehemann Fabian. Seine ständige Bereitschaft zu fachlichen Diskussionen mit vielen wertvollen Ratschlägen und konstruktiven Anregungen haben maßgeblich zur Realisierung der vorliegenden Arbeit beigetragen. Ebenfalls herzlich bedanken möchte ich mich bei allen in diesem Buch genannten Kooperationspartnern, ohne deren Unterstützung die Gründung und stetige Weiterentwicklung des Vereinskonzeptes nicht möglich gewesen wäre.

Zur besseren Lesbarkeit wird in der vorliegenden Arbeit an einigen Stellen auf die gleichzeitige Verwendung verschiedener geschlechterspezifischer Sprachformen verzichtet. In diesen Fällen wird das generische Maskulinum verwendet, wobei alle drei existierenden Geschlechter (männlich, weiblich, divers) gleichermaßen miteinbezogen werden.

Die Zahl wohnungsloser Menschen ist in den letzten Jahren in ganz Deutschland alarmierend gestiegen.

1 EINLEITUNG

1.1_AUSGANGSSITUATION UND RELEVANZ DES THEMAS

Die Zahl wohnungsloser Menschen ist in den letzten Jahren in ganz Deutschland alarmierend gestiegen. Längst ist davon auch die bayerische Landeshauptstadt betroffen. Laut aktuellen Statistiken sind derzeit über 9.000 Menschen in München wohnungslos.1 Trotz mehrfacher Forderungen und Anfragen an den Bundestag gibt es bis zum heutigen Tag keine bundesweite Wohnungs- und Obdachlosenstatistik,2 sondern lediglich Schätzungen der Bundesgemeinschaft für Wohnungslosenhilfe (BAGW) sowie den sogenannten Bericht „Lebenslagen in Deutschland – Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung“.3 Dieser Bericht verfolgt das Ziel, die wirtschaftliche und soziale Situation der Bürger Deutschlands mit einem besonderen Schwerpunkt auf die vorherrschende Armut darzustellen sowie politische Handlungsoptionen aufzuzeigen.

Die Durchführung derartiger analytischer Berichte ermöglicht die Erkenntnisgewinnung wesentlicher Hinweise auf strukturelle Stigmatisierungs- und Ausgrenzungsprozesse. Diese Form der Ursachenforschung stellt eine entscheidende Voraussetzung zur konzeptionellen Armutsbekämpfung dar. Eine detaillierte Betrachtungsweise des so genannten Armutsberichtes der Bundesregierung lässt beim Heranziehen der Zahlen zum kontinuierlichen Anstieg an Wohnungslosen jedoch Zweifel an der Effizienz der aktuellen Analysen aufkommen. Kritiker bemängeln nicht nur das Fehlen einer bundesweiten Wohnungslosenstatistik, sondern auch die Verharmlosung in der Beschreibung relevanter Faktoren, die zu einer Verarmung führen. In der Konsequenz fehlt es in der Armutsbekämpfungspolitik an der Ausarbeitung und Implementierung geeigneter Maßnahmen.

Die dramatisch zunehmende Sichtbarkeit von Armut, Not und Ungerechtigkeit in den letzten Jahren zeigt, dass der Handlungsdruck stetig steigt.

Durch bloßes Wegschauen läuft unsere Gesellschaft in den Augen von Experten Gefahr, den in einer zunehmend von Leistungsdruck und Konsumwahn gekennzeichneten Welt ohnehin drohenden moralischen Werteverlust weiter zu beschleunigen.

Wenngleich es die primäre Aufgabe eines Sozialstaates ist, sich um geeignete Maßnahmen – sowohl im Bereich der Prävention für von Wohnungslosigkeit bedrohten Menschen sowie im Rahmen der Strategieentwicklung zur sozialen Wiedereingliederung von Wohnungslosen – zu kümmern, sollten Unterdrückungsstrukturen von der Bevölkerung nicht einfach hingenommen werden. Die offensichtliche Unfähigkeit der Politik, das zunehmende Problem der Wohnungslosigkeit in den Griff zu bekommen, macht umso deutlicher, wie wichtig es ist, dass sich die Bürger dieses Landes ihrer eigenen sozialen Verantwortung gegenüber ihrer Mitmenschen wieder bewusster werden.

Wenngleich München über ein sehr gut ausgebautes Hilfesystem für Wohnungslose verfügt, zeigt die rapide Zunahme in Not geratener Menschen vor Ort, wie unabdingbar es ist, diese Angebote weiter auszubauen, indem an bereits bestehenden Hilfsprojekten angeknüpft wird. Die meisten Wohnungslosen leiden neben der Armut vor allem psychisch, da sie sich von der Gesellschaft ausgegrenzt und dadurch einsam fühlen.4 Trotz zahlreicher Einrichtungen, die teilweise einen Rundum-Service für Obdachlose beinhalten – neben der materiellen Grundversorgung und Übernachtungsmöglichkeiten werden auch viele soziale Beratungsdienstleistungen offeriert – ist es für Betroffene ein steiniger Weg, wieder zurück in ein normales Leben zu finden.

Vielen fehlt dabei die Hoffnung, an eine bessere Zukunft zu glauben und die Kraft, sich wieder zurück ins Leben zu kämpfen.

Genau an diesem Punkt setzt die Arbeit des Schneekönige e. V. an. Der Verein wurde 2015 in Unterschleißheim gegründet und verfolgt das mildtätige Ziel, wohnungslosen Menschen in München förderungswürdige Wünsche zu erfüllen. Seit der Vereinsgründung konnten bereits über 500 materielle und immaterielle Wünsche unterschiedlicher Größenordnungen erfüllt werden. Die Rückmeldungen der Wunschsteller und der Kooperationspartner – verschiedene Wohnungsloseneinrichtungen in München – zeigen deutlich, dass die Erfüllung lang ersehnter und unvergesslicher Erlebnisse wohnungslosen Menschen Hoffnung und neuen Lebensmut schenken kann. Auf diese Weise versucht der Verein, einen Rückfall der Betroffenen in alte Verhaltensweisen zu verhindern und den Neustart zu begünstigen. Gleichzeitig soll der respektvolle und empathische Umgang mit wohnungslosen Wunschstellern das oft gering ausgeprägte Selbstwertgefühl der Zielgruppe steigern und damit letztendlich zur Integration wohnungsloser Menschen in der Gesellschaft beitragen.

Von Wohnungslosigkeit betroffenen MenschenNahrung für die Seeleschenken.

Das Ziel des Schneekönige Vereins

Zusammengefasst möchte der Verein von Wohnungslosigkeit betroffenen Menschen vor allem eines schenken:

Nahrung für die Seele. Gerade in Zeiten der Corona-Krise und ihren für die Zukunft zu erwartenden Folgen, welche die Ärmsten in unserer Bevölkerung zweifelsohne am härtesten treffen, ist dieser von Nächstenliebe geprägte Ansatz aktueller und bedeutsamer denn je.

1.2_ZIEL UND AUFBAU DIESER ARBEIT

Der Radius, den das Team des Schneekönige Vereins mit seinen Wunscherfüllungen abdeckt, ist kapazitätsbedingt bislang auf München und seine Umgebung begrenzt.

Die aktuellen Schätzungen zu Wohnungslosenzahlen in Deutschland zeigen deutlich, dass auch in anderen Großstädten ein erheblicher Bedarf an Hilfsangeboten im Bereich der Wohnungslosenhilfe vorhanden ist.

Eine Übertragung des bereits erprobten Konzeptes auf andere deutsche Städte und Regionen wäre aus Sicht des Vereinsteams daher nicht nur denkbar, sondern vielmehr wünschenswert.

Das primäre Ziel dieser Arbeit besteht darin, das Vereinskonzept durch die Vorstellung seiner Alleinstellungsmerkmale zu beschreiben und anderen Interessenten zugänglich zu machen, um den Wirkungsradius auf diese Weise zu vergrößern. Anderen Städten soll es Zeit, Energie und Ressourcen sparen, auf schon erprobte Maßnahmen zurückzugreifen, deren Erfolg sich bereits bestätigt hat. Neben bereits erfolgreich umgesetzten Projekten werden im Folgenden aber auch unerprobte Konzepte und Ideen vorgestellt, welche auf Basis des erlangten Erfahrungs- und Kenntnisstandes des Vereinsteams als erfolgsversprechend einzustufen sind.

Durch die Bereitstellung seines Konzeptes in Form dieser Arbeit möchte der Schneekönige e. V. die zeitliche und räumliche Reichweite seiner Maßnahmen erhöhen. Gerade im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit erhofft sich der Verein durch Replizierung seines Konzeptes eine größere Streuung mit dem übergeordneten Ziel, ein größeres Bewusstsein und Verständnis für Wohnungslosigkeit in der gesamten Bundesrepublik zu schaffen. Durch einen regelmäßigen Austausch von so genannten Best-Practise-Beispielen und der Diskussion neuer Projektideen mit Gleichgesinnten soll eine kontinuierliche Optimierung des Konzeptes erreicht werden.

Eine Replizierung der Projekte in anderen Bundesländern kann dabei aufgrund abweichender Parameter jedoch grundsätzlich nicht 1:1 erfolgen. Vielmehr muss der Umsetzung – analog zur Konzeptentwicklung speziell für die Stadt München (vgl. Kapitel 3) – eine Analyse vorausgehen. Daraus resultierend kann eine adaptierte Vervielfältigung derjenigen Ansätze, die in der jeweiligen regionalen Umgebung für angemessen und erfolgreich eingestuft werden, stattfinden.

Der Aufbau dieses Buches untergliedert sich im Folgenden in fünf Teile. Nach der Beschreibung des Inhalts, der Ziele und des Aufbaus dieser Arbeit (Kapitel 1) werden in Kapitel 2 wesentliche Definitionen im Bereich der Wohnungslosenhilfe, welche die Arbeitsgrundlage und das Fundament des Schneekönige Konzeptes darstellen, erläutert. Primär werden hierbei die Begrifflichkeiten Wohnungs- und Obdachlosigkeit definiert und voneinander abgegrenzt.

Der Hauptteil dieser Arbeit besteht aus drei Kapiteln (3, 4 u. 5).

Im dritten Kapitel wird das Konzept des Schneekönige e. V. in seiner Theorie sowie seiner Umsetzung vorgestellt.

Kapitel 4 beschäftigt sich sowohl mit den bereits umgesetzten Aktionen des Vereins als auch mit konzeptionellen Ansätzen für weitere Projektideen, ohne dabei einen Anspruch auf Neuartigkeit zu erheben. In den Abschnitten 4.2 und 4.3 werden wesentliche Projekte und Ideen beschrieben, die bestimmten Wunschbereichen zuzuordnen sind und gleichzeitig aus den zu Beginn des vierten Kapitels erläuterten Hartz-IV-Regelbedarfen abgeleitet werden können. Der letzte Teil des Kapitels (4.4) vervollständigt die Beschreibung und geht auf bereits durchgeführte Vereinsaktionen ein, die keinem Wunschbereich oder Hartz-IV-Regelbedarf direkt zuzuordnen sind, sondern vielmehr mit dem Ziel der Schaffung eines höheren gesellschaftlichen Bewusstseins für das Thema Wohnungslosigkeit durchgeführt wurden.

Aus gegebenem Anlass wird bei den Projektbeschreibungen auch Corona-basierten Aspekten Rechnung getragen und thematisiert, inwieweit sich dadurch Änderungen ergeben.

Wesentliche erfahrungsbasierte Tipps für die Gründung weiterer Wunscherfüllungsvereine für Wohnungslose in anderen deutschen Städten oder Regionen sind Bestandteil des fünften Kapitels. Neben der Gründungsphase werden Empfehlungen für den Aufbau einer, für einen kleinen Verein passenden, Marketing- und Fundraising-Strategie ausgesprochen. Wichtige Stolpersteine sowie geeignete Lösungsansätze werden ebenfalls thematisiert und runden das Kapitel im letzten Absatz ab.

Die Arbeit endet mit einem Schlusswort in Form eines kurzen Fazits der Verfasserin.

1 Vgl. Draxel, Online-Aufruf 2020.

2 Vgl. Timo Reuter, 2019.

3