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Die zwei renommierten Anlageberater und Autoren des Bestsellers *The Great Reckoning* beleuchten angesichts des radikalen Wandels in der Menschheitsgeschichte sowohl Katastropheneinflüsse als auch das Potenzial für Wohlstand und Erneuerung. Das Souveräne Individuum zeigt Strategien auf, die notwendig sind, um sich finanziell auf die nächste Phase der westlichen Zivilisation einzustellen. Nur wenige Beobachter des späten zwanzigsten Jahrhunderts hatten ihre Finger so vorausschauend am Puls der globalen politischen und wirtschaftlichen Neuordnung, die das neue Jahrtausend einläutete, wie James Dale Davidson und Lord William Rees-Mogg. Ihre wagemutige Vorhersage einer Katastrophe an der Wall Street in Blood in the Streets bestätigte sich am Schwarzen Dienstag. In ihrem darauf folgenden Bestseller The Great Reckoning, der nur wenige Wochen vor dem Putschversuch gegen Gorbatschow veröffentlicht wurde, analysierten sie den bevorstehenden Zusammenbruch der Sowjetunion und sagten den Bürgerkrieg in Jugoslawien und andere Ereignisse voraus, die sich als einige der erschütterndsten Entwicklungen der letzten Jahre erwiesen haben. In Das Souveräne Individuum erforschen Davidson und Rees-Mogg den größten wirtschaftlichen und politischen Wandel seit Jahrhunderten - den Übergang von einer Industrie- zu einer Informationsgesellschaft. Dieser Übergang, den sie als "die vierte Stufe der menschlichen Gesellschaft" bezeichnen, wird das Individuum wie nie zuvor befreien und die Macht der Regierungen unwiderruflich verändern. Dieses herausragende Buch wird falsche Hoffnungen und Fiktionen durch ein neues Verständnis und aufgeklärte Werte ersetzen.
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Seitenzahl: 847
Veröffentlichungsjahr: 2024
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Der Übergang zum Informationszeitalter
James Dale Davidson & Lord William Rees-Mogg
Übersetzung: Andreas Tank
2024-09-10
Originaltitel:The Sovereign Individual
Originaluntertitel:Mastering the Transition to the Information Age
Ersterscheinungsjahr:1999
Verlag:Konsensus Network
Rechte: Alle Rechte vorbehalten.
Jahr der Veröffentlichung:2024
ISBN (Hardcover):978-9916-749-25-8
ISBN (Paperback):978-9916-749-26-5
ISBN (eBook):978-9916-749-27-2
ISBN (Hörbuch):978-9916-749-29-6
Vorwort von Titus Gebel
Vorwort von Max Hillebrand
1
DER ÜBERGANG IN DAS JAHR 2000
2
MEGAPOLITISCHE VERÄNDERUNGEN IM HISTORISCHEN KONTEXT
3
ÖSTLICH VON EDEN
4
DIE LETZTEN TAGE DER POLITIK
5
DAS LEBEN UND DIE GESUNDHEIT DES NATIONENSTAATES
6
DIE MEGAPOLITIK DES INFORMATIONSZEITALTERS
7
DIE ÜBERWINDUNG DES RÄUMLICHEN
8
DAS ENDE DER EGALITÄREN ÖKONOMIE
9
NATIONALISMUS, REAKTIONISMUS UND DIE NEUEN LUDDITEN
10
DIE DÄMMERUNG DER DEMOKRATIE
11
MORAL UND VERBRECHEN IN DER „NATÜRLICHEN WIRTSCHAFT“ DES INFORMATIONSZEITALTERS
Nachwort: Dezentralisierung und das Gesetz des abnehmenden Ertrags
Anhang: Anlaufstellen zum Erreichen von mehr Unabhängigkei
Title Page
Cover
Table of Contents
Die zwei renommierten Anlageberater und Autoren des Bestsellers The Great Reckoning beleuchten angesichts des radikalen Wandels in der Menschheitsgeschichte sowohl Katastropheneinflüsse als auch das Potenzial für Wohlstand und Erneuerung. Das Souveräne Individuum zeigt Strategien auf, die notwendig sind, um sich finanziell auf die nächste Phase der westlichen Zivilisation einzustellen.
Nur wenige Beobachter des späten zwanzigsten Jahrhunderts hatten ihre Finger so vorausschauend am Puls der globalen politischen und wirtschaftlichen Neuordnung, die das neue Jahrtausend einläutete, wie James Dale Davidson und Lord William Rees-Mogg. Ihre wagemutige Vorhersage einer Katastrophe an der Wall Street in Blood in the Streets bestätigte sich am Schwarzen Dienstag. In ihrem darauf folgenden Bestseller The Great Reckoning, der nur wenige Wochen vor dem Putschversuch gegen Gorbatschow veröffentlicht wurde, analysierten sie den bevorstehenden Zusammenbruch der Sowjetunion und sagten den Bürgerkrieg in Jugoslawien und andere Ereignisse voraus, die sich als einige der erschütterndsten Entwicklungen der letzten Jahre erwiesen haben.
In Das Souveräne Individuum erforschen Davidson und Rees-Mogg den größten wirtschaftlichen und politischen Wandel seit Jahrhunderten - den Übergang von einer Industrie- zu einer Informationsgesellschaft. Dieser Übergang, den sie als „die vierte Stufe der menschlichen Gesellschaft“ bezeichnen, wird das Individuum wie nie zuvor befreien und die Macht der Regierungen unwiderruflich verändern. Dieses herausragende Buch wird falsche Hoffnungen und Fiktionen durch ein neues Verständnis und aufgeklärte Werte ersetzen.
Prognosen sind bekanntlich schwierig, insbesondere, je weiter entfernt die Zukunft ist, die sie betreffen. Wenn aber ein politisches Buch, das solche Prognosen macht, 25 Jahre nach seinem Erscheinen immer noch aufgelegt und sogar erstmals ins Deutsche übertragen wird, dann lagen seine Autoren offenbar in entscheidenden Punkten richtig. Und so ist es auch hier. Diese Punkte betreffen Demokratie, Nationalstaat, Politik, Kryptowährungen und den Machtzuwachs des selbstbestimmten Einzelnen. Der vorhergesagte Wandel hat vielleicht etwas später eingesetzt, als die Autoren seinerzeit vermutet haben; aber er ist gerade jetzt im vollen Gange und deshalb ist dieses Buch so bedeutend.
Während der politisch-mediale Hauptstrom der Neunzigerjahre, verkörpert durch Francis Fukuyama, der Ansicht war, die westlichen Demokratien seien das Ende der Geschichte, vertreten die Autoren dieses Buches das genaue Gegenteil: „Wir gehen davon aus, dass die repräsentative Demokratie, so wie wir sie heute kennen, verschwinden und durch die neue Demokratie der Wahlfreiheit … ersetzt werden wird.”
Davon ist in der Tat auszugehen, und zwar im Wesentlichen aus drei Gründen: Erstens enden herkömmliche Demokratien, ohne Ausnahme, früher oder später in einer Art von Sozialismus, nämlich nachdem die Mehrheit herausgefunden hat, dass sie sich Geld in die eigene Tasche wählen kann. Deshalb wird auch kein Unternehmen auf dieser Welt demokratisch geführt. Zweitens sind umverteilende Systeme, denen nicht jeder Betroffene vorab zugestimmt hat, illegitim. Sie sind Verträge zulasten Dritter, eine Rechtsfigur, die in sämtlichen Privatrechtsordnungen dieser Welt unzulässig ist. Drittens gibt es keinen ethisch-moralischen Grund, einem Gesetz unterworfen zu sein, dessen Geltung man nicht zugestimmt hat. Dafür gibt es keine stichhaltige philosophische Rechtfertigung, wenn wir von der Gleichwertigkeit aller erwachsenen Menschen ausgehen.
Die historische Entwicklung staatlicher Systeme belegt die Schlussfolgerung von Davidson und Rees-Mogg ebenfalls: Früher bestimmte der König, wie ich zu leben habe, jetzt bestimmt die Mehrheit, wie ich zu leben habe, und in Zukunft werde ich selbst bestimmen, wie ich leben möchte. Vom Untertanen zum Bürger, vom Bürger zum Kunden.
Auch die Macht der Nationalstaaten schwindet vielerorts und wie von den Autoren vorhergesagt, zerteilen sich manche in kleinere Einheiten. Es gibt heute mehr unabhängige Staaten und Gebiete als noch zum Zeitpunkt des Erscheinens des Buches. Hinzu kommt, dass internationale Organisation mehr und mehr Entscheidungsbefugnis an sich ziehen, und den Nationalstaat so auch von außen immer weiter entmachten. Grenzen von Nationalstaaten spielen immer weniger eine Rolle, wenn von überall online gearbeitet werden kann. Das ist bereits im großen Maßstab möglich und erschwert zunehmend die Besteuerung. Selbst wenn China momentan als gefestigter Nationalstaat erscheint, der vor Kraft kaum laufen kann: ein verlorener Krieg, etwa um Taiwan, könnte das sehr schnell ändern.
Auch die Prognose, dass wir mehr kleinere Rechtsordnungen sehen werden, die wie Hongkong nach dem Modell „Ein Land - Zwei Systeme” funktionieren, war richtig. Zwar wird Hongkong vom Mutterland China zunehmend wieder absorbiert, aber global gesehen ist das Modell auf dem Vormarsch. Als das Buch 1999 erstmals erschien, gab es etwa 500 Sonderwirtschaftszonen, die Sonderregelungen in bestimmten Bereichen vorsehen, heute sind es fast 8000! Jede einzelne Sonderwirtschaftszone ist dabei bereits ein stillschweigendes Eingeständnis des Staates, dass seine Regelungen offenbar nicht für alle optimal sind.
Die innovativsten dieser Zonen gehen bereits in Richtung eines echten Parallelsystems, man denke etwa an das Dubai International Financial Center mit eigener Gerichtsbarkeit und eigenem Common-Law-System, die Honduranischen ZEDEs, welche erlauben, ein komplettes Rechtssystem mitsamt eigener Institutionen neu zu schaffen, oder das Megaprojekt NEOM in Saudi-Arabien, wo der Staat selbst ein zweites System innerhalb seines Gebietes errichtet, das ausdrücklich liberalere Regelungen als das Mutterland haben soll.
Auch wenn es derzeit noch nicht so aussieht: auf lange Sicht wird die Politik, also das Erheben von Wünschen einzelner zum Maßstab für alle, zurückgehen. Denn Politik ist in jeder Form, die sie annimmt, kooperationshemmende Intervention. Es kann im Sinne der Freiheit und Selbstbestimmung daher keine „richtige” Politik geben. Freiheitsfördernd ist nur der größtmögliche Verzicht auf Politik.
Die Entstehung von digitalem Geld, das staatlichem Einfluss nicht unterliegt, wurde von den Autoren bereits mehr als zehn Jahre vor der Schaffung von Bitcoin vorhergesagt. Noch haben Kryptowährungen das staatliche Fiat-Geld nicht als Hauptzahlungsmittel abgelöst, aber nach der nächsten Hyperinflation werden die Karten neu gemischt.
Im Informationszeitalter führen die neuen technischen Entwicklungen zwar dazu, dass der Staat umfassender überwachen kann. Auf der anderen Seite ermöglichen sie dem Einzelnen aber auch, durch Verschlüsselung und die Nutzung von VPNs etc. wirksame Gegenmittel zu entwickeln. Heute erreichen einzelne Podcaster mehr Menschen als große Fernsehsender mit ihren Milliardenbudgets. Insgesamt kann der Einzelne mithilfe der Informationstechnologie deutlich mehr Schlagkraft und Reichweite entwickeln als noch vor 25 Jahren, und genau das war die Prognose von Davidson und Rees-Mogg.
Die Autoren haben weiter gewarnt, dass der Nationalstaat all das nicht kampflos hinnehmen werde. Betrachtet man die Einschränkung der Grundrechte während der COVID-Zeit, die Klima-Planwirtschaft, die immer anmaßenderen Anti-Geldwäsche-Maßnahmen, die ein Hundertfaches von dem kosten, was sie finanziell einbringen, der Versuch, die Meinungsfreiheit massiv zu beschneiden und die kartellartigen Bemühungen, eine globale Mindeststeuer einzuführen, wird klar, dass jetzt die schweren Geschütze aufgefahren werden, um den Bedeutungsverlust des Staates und seiner zahllosen Kostgänger abzuwenden. Willfährige Wissenschaftler haben bereits Theorien bereitgestellt, wonach grenzenloses Gelddrucken überhaupt kein Problem sei. Und wenn gar nichts mehr hilft, wird eben ein Krieg vom Zaun gebrochen.
Mit keiner dieser Maßnahmen zum Machterhalt wird aber der erreichte Wohlstand aufrechterhalten werden können. Wissen ist dezentral und je mehr Freiheit der Einzelne hat, desto mehr Produktivität wird freigesetzt. Je enger der Würgegriff der Regulierung an den Menschen und Märkten anliegt, desto geringer wird der Output. Jeder Staat, der das nicht versteht, ist ein Ancien Régime und wird das Schicksal seiner Vorgänger teilen.
Die meisten Menschen wollen sich nicht Regeln und Vorschriften unterwerfen, denen sie nicht zugestimmt haben. Die meisten Menschen wollen nicht für Dinge bezahlen, die sie nicht bestellt haben. Und vernünftige Menschen brauchen nicht Hunderte oder Tausende von Gesetzen, um friedlich zusammenzuleben. Stattdessen benötigen die Menschen einen sicheren Raum, in dem sie leben und mit anderen zusammenarbeiten können, aber ansonsten in Ruhe gelassen werden.
Die bestehenden politischen Systeme können diese Wünsche nicht mehr erfüllen. Aus diesem Grund haben neue, kundenorientierte Konzepte wie Freie Privatstädte eine Chance auf Erfolg, wie von den Autoren vorhergesagt. Am Ende gehen die Menschen nämlich dorthin, wo sie am besten behandelt werden. Oder, um mit dem Titel des Buches zu sprechen, wo sie souveräne Individuen sein können.
— Titus Gebel
In der großen Bilanz der menschlichen Literatur gibt es nur wenige Bücher, die die Zukunft akkurat voraussagen und uns den Weg in ihrem hellen Licht der Weitsicht zeigen. „Das Souveräne Individuum” von James Dale Davidson und William Rees-Mogg ist ein solches Meisterwerk. Ein visionäres Buch, das nicht nur das Eintreten des digitalen Zeitalters vorausgesagt, sondern auch den intellektuellen Grundstein für die vollkommene Befreiung des Individuums vor dem veralternden Nationalstaat gelegt hat. Da wir nun 25 Jahre nach dem Anfang der vorhergesagten neuen Ära stehen, ist es lohnenswert, dieses wegweisende Werk erneut zu betrachten und die vielfältigen Weisen zu untersuchen, in denen seine Ideen verwirklicht wurden, insbesondere anhand der verändernden Kraft von Cypherpunk-Technologien.
Ein Gang durch die Seiten von „Das Souveräne Individuum” ist eine Reise durch eine Landschaft der Ideen, die genauso großartig wie vielfältig ist. Die Autoren, beide bekannt für ihr Wissen in den Gebieten Finanzen und Ökonomie, spinnen eine überzeugende Erzählung, die historische Analyse, ökonomische Theorie und technologische Vorhersage miteinander verbindet. Ihre kombinierten Fachkenntnisse ermöglichen es ihnen, das Bild einer Welt zu zeichnen, in der das Individuum sich selbst ermächtigt. Ausgestattet mit den Werkzeugen der digitalen Technologie, können die Grenzen von Geographie, Kultur und Politik überschritten werden, um ein beispielloses Freiheits- und Wohlstandsniveau zu erreichen.
Im Zentrum von „Das Souveräne Individuum” steht die Idee, dass das Eintreten der digitalen Technologie die Machtbalance zwischen dem Einzelnen und dem Staat grundlegend verändert. Die Autoren argumentieren, dass das Informationszeitalter eine neue Klasse von Individuen geschaffen hat, die nicht den traditionellen Autoritätsquellen wie Regierungen und Großkonzernen verpflichtet sind. Diese „souveränen Individuen” sind in der Lage, die Macht der digitalen Technologie zu nutzen, um Wohlstand zu schaffen, Datenschutz zu gewährleisten und der erstickenden Bevormundung des Nationalstaates zu entfliehen.
„Das Souveräne Individuum” prophezeite das Erscheinen von Digital-Nomaden: Einzelpersonen, die online arbeiten, während sie um die Welt reisen und sich dafür entscheiden, an jenen Orten zu wohnen, die ihnen das beste Umfeld bieten. In dieser globalisierten Welt können Staatsbürgerschaft, Steuerresidenz, Firma-Jurisdiktion, Bankkonten und Investmentdepots aus verschiedenen Ländern bezogen werden, wodurch Einzelpersonen ihre Umstände optimieren können, indem sie die besten verfügbaren Optionen in jeder Gerichtsbarkeit auswählen.
Die Implikationen dieser Vision sind tiefgreifend, da sie die Grundlagen unseres Verständnisses von Gesellschaft, Politik und Ökonomie herausfordern. Indem sich „das souveräne Individuum” als ultimatives Machtzentrum positioniert, bricht der Einzelne mit traditionellen Hierarchien der Autorität und begrüßt eine neue Ära des Individualismus und der Selbstbestimmung. Dies erfordert wiederum tiefgreifende Auswirkungen auf die Natur der Regierungsführung, die Rolle des Staates und die Zukunft der Demokratie selbst.
Eines der auffälligsten Merkmale von „Das Souveräne Individuum” ist seine weitsichtige Antizipation der verändernden Kraft der Cypherpunk-Technologie. Die Autoren gehörten zu den ersten, die das Potenzial der digitalen Technologie erkannten, um ein neues Paradigma der individuellen Befreiung zu schaffen. Ihre Einsichten sind durch den bemerkenswerten Fortschritt der Cypherpunk-Bewegung in den vergangenen Jahren bestätigt worden. Fast dreißig Jahre nach der ersten Ausgabe, haben wir jetzt die Möglichkeit zu überprüfen, ob unsere heutigen Technologien auch den Prognosen entsprechen.
Der Aufstieg von Bitcoin, der weltweit ersten dezentralen digitalen Währung, ist vielleicht das eindrucksvollste Beispiel für die Verwirklichung der Vision der Autoren. Indem es die Macht der Kryptographie und des verteilten Konsens nutzt, hat Bitcoin eine neue Form des Geldes geschaffen, die nicht den Launen der Zentralbanken oder den Unregelmäßigkeiten des globalen Finanzsystems unterliegt. Mit einer Bitcoin Full Node kann jeder Nutzer für sich selbst die Regeln seines eigenen Geldsystems definieren, verifizieren und durchzusetzen, ganz ohne Vertrauen auf Institutionen oder Erlaubnis der Nationalstaaten. Dies hat seinerseits eine neue Klasse von Digital-Unternehmern hervorgebracht, die grenzübergreifend transaktionsfähig sind, ohne auf das traditionelle Finanzsystem angewiesen zu sein.
Coinjoin ist eine weitere Innovation, die die Privatsphäre von Bitcoin-Transaktionen verbessert, während das Lightning Network schnelle und kostengünstige Zahlungen bietet. Dank Bitcoin und Protokollen wie Cashu und Fedimint erlebt E-Cash eine Renaissance. Cashu ermöglicht es jedem, ein digitales Geldlager zu betreiben, und beseitigt somit das Monopol von Depositenbanken. Fedimint verbessert dieses Konzept, indem es Risiken und Verantwortlichkeiten unter mehreren Betreibern in verschiedenen Jurisdiktionen verteilt. Diese Technologien zeigen, dass zusätzliche Protokolle die Souveränität des Benutzers über seine finanziellen Transaktionen im Bitcoin-Ökosystem exponentiell erhöhen können.
Die Zero-Knowledge-Kryptographie ist ein weiterer Baustein für eine freiere Zukunft. Diese Technik ermöglicht es Einzelpersonen, Aussagen zu beweisen, ohne die konkreten Informationen preiszugeben. Damit können digitale Dienstleistungen zur Verfügung gestellt werden, ohne dass die persönlichen Daten der Nutzer veröffentlicht werden.
Peer-to-Peer-Systeme wie BitTorrent ermöglichen Benutzern den direkten Austausch von Dateien und Ressourcen ohne Zwischenstellen und schaffen ein neues Paradigma von dezentralisierter Zusammenarbeit und Wissensaustausch. Zwiebelrouter wie Tor als auch Mixnets wie Nym ermöglichen verschlüsselte Kommunikation, bei der niemand weiß welcher Computer sich zu welchem anderen verbindet und ermöglichen freie Kommunikation ohne Angst vor Überwachung oder Zensur.
Schließlich repräsentiert der Aufstieg von Nostr, einem neuen Protokoll für den standardisierten Austausch von signierten Daten, das neueste Gebiet des fortwährenden Strebens nach digitaler Souveränität. Nostr hat es geschafft, mit Alltagsapplikationen ein Web-of-Trust von kryptographischen Schlüsseln aufzubauen, welches eine fundamentale Basis für die souveräne Zukunft ist.
Zusammengefasst ist „Das Souveräne Individuum” ein bahnbrechendes Werk, das dem Test der Zeit standhalten konnte und eine Landkarte für das digitale Zeitalter bietet, die heute genauso relevant ist wie bei ihrer ersten Veröffentlichung im Jahr 1999. Ihre Autoren, James Dale Davidson und William Rees-Mogg, waren Visionäre, die die verändernde Kraft der digitalen Technologie und ihre Auswirkungen auf die Zukunft des Einzelnen in der Gesellschaft vorhergesagt haben. So wie wir weiterhin den unerbittlichen Marsch der Cypherpunk-Technologien verfolgen, erinnern wir uns an die dauerhafte Kraft der in diesen Seiten enthaltenen Ideen. In einer Welt, die zunehmend von dem Kampf zwischen individueller Freiheit und staatlicher Kontrolle geprägt ist, bleibt „Das Souveräne Individuum” ein Ruf zu Taten, ein Zeugnis der unerbittlichen Geisteskraft der menschlichen Erfindungskraft und ein Leuchtturm der Hoffnung für die Zukunft der Menschheit.
— Max Hillebrand
„Es fühlt sich an, als stünde etwas Großes bevor: Diagramme visualisieren das jährliche Bevölkerungswachstum, die Konzentration von Kohlendioxid in der Atmosphäre, die Anzahl der Webadressen und die Megabyte pro Dollar. Alle diese Faktoren zeigen eine steil ansteigende Kurve, die kurz nach dem Jahrhundertwechsel in eine Asymptote übergeht: die Singularität. Das Ende von allem, was wir kennen. Und der Anfang von etwas, das wir möglicherweise nie vollständig begreifen werden.“ 1 - Danny Hillis
Die Jahrtausendwende hat die westliche Vorstellungskraft im letzten Jahrtausend stark geprägt. Da die Welt zur Zeit des ersten Jahrtausends nach Christus nicht untergegangen ist, blickten Theologen, Propheten, Schriftsteller und Wahrsager mit der Erwartung auf das Ende des Jahrzehnts, dass es etwas Bedeutendes einläuten wird. Sogar Isaac Newton spekulierte, dass mit dem Jahr 2000 der Weltuntergang bevorstehen würde. Michel de Nostredame, dessen Prophezeiungen seit ihrer Erstveröffentlichung 1568 von jeder Generation gelesen werden, sagte für Juli 1999 das Erscheinen des dritten Antichristen voraus.2 Der Schweizer Psychologe Carl Jung, Experte für das „kollektive Unbewusste“, prophezeite für 1997 den Beginn eines neuen Zeitalters. Es ist leicht, solche Voraussagen zu belächeln. Dies gilt auch für die nüchternen Prognosen von Ökonomen wie Dr. Edward Yardeni von Deutsche Bank Securities, der voraussagte, dass Computerstörungen zur Jahrtausendwende „die Weltwirtschaft zum Stillstand bringen würden“.3 Ob man das Computerproblem des Jahres 2000 nun als unbegründete Hysterie ansieht, angezettelt von Computerprogrammierern und IT-Beratern, um ihr Geschäft anzukurbeln, oder als einen mysteriösen Fall von technischer Entfesselung in Verbindung mit prophetischer Vorstellungskraft - es lässt sich nicht leugnen, dass die Gegebenheiten am Vorabend des neuen Jahrtausends mehr als nur gewöhnliche düstere Zweifel daran wecken, wohin sich die Welt entwickelt.
Der Optimismus, der die westlichen Gesellschaften der letzten 250 Jahre geprägt hat, wird schleichend von einer Unruhe bezüglich der Zukunft verdrängt. Überall sind die Menschen unsicher und besorgt. Man kann es in ihren Gesichtern sehen. Man kann es aus ihren Gesprächen heraushören. Dies spiegelt sich sowohl in Umfragen, als auch in Wahlergebnissen wider. Ganz so, wie unsichtbare, physikalische Veränderungen im Ionengehalt der Atmosphäre ein aufkommendes Gewitter ankündigen, noch bevor sich die Wolken verdunkeln und ein Blitz einschlägt, so hängen in dieser Dämmerung des Jahrtausends Vorboten tiefgreifender Umwälzungen in der Luft. Eine Person nach der anderen, jede auf ihre eigene Art, nimmt das drohende Ende einer Lebensweise wahr. Mit Abschluss dieses Jahrzehnts endet nicht nur ein mörderisches Jahrhundert, sondern auch ein glorreiches Jahrtausend menschlicher Errungenschaften. Mit dem Jahr 2000 endet eine Ära.
„Denn es gibt nichts Verborgenes, das nicht ans Licht gebracht wird, und nichts Geheimes, das nicht bekannt wird.“ - Matthäus 10:26
Wir sind der Überzeugung, dass die moderne Phase der westlichen Zivilisation ihrem Ende entgegengeht. In diesem Buch erklären wir, warum. Wie viele frühere Werke, stellt es einen Versuch dar, in die Dunkelheit zu blicken und die unklaren Umrisse und Dimensionen einer noch kommenden Zukunft zu zeichnen. In diesem Sinne verstehen wir unsere Arbeit als apokalyptisch, im ursprünglichen Sinne des Wortes. Apokalypsis bedeutet auf Griechisch „Enthüllung“. Wir sind der Ansicht, dass eine neue Geschichtsepoche - das Informationszeitalter - kurz vor seiner „Enthüllung“ steht.
„Wir beobachten die Entstehung eines neuen logischen Raums, einer allgegenwärtigen elektronischen Umgebung, zu der wir alle Zugang haben, die wir betreten und erleben können. Kurz gesagt, wir erleben die Geburt einer neuen Form von Gemeinschaft. Die virtuelle Gemeinschaft wird zum Vorbild für ein säkulares Paradies; so wie Jesus sagte, es gäbe viele Wohnstätten im Hause seines Vaters, so existieren auch viele virtuelle Gemeinschaften, die jeweils ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche reflektieren.“ - Michael Grasso4
Dieses Buch widmet sich einer neuen Machtrevolution, die den Einzelnen befreit, indem sie die Zwangsjacke des Nationalstaats des 20. Jahrhunderts abschüttelt. Innovative Entwicklungen, die uns bisher unbekannte Veränderungen in der Logik der Gewalt bringen, lassen uns die Grenzen für die Zukunft neu ziehen. Sofern unsere Vermutungen zutreffen, stehen wir am Vorabend der bedeutsamsten Revolution, die die Geschichte je erlebt hat. Mit einer Geschwindigkeit, die nur wenige vorhersehen können, wird die Mikroprozessortechnik den Nationalstaat untergraben und zerstören und dabei neue Formen der sozialen Organisation hervorbringen. Diese Entwicklung wird keineswegs ohne Komplikationen verlaufen.
Die vor uns liegende Herausforderung wird durch die atemberaubende Geschwindigkeit, mit der sie heranrollt, umso gewaltiger wirken, besonders im Vergleich zu den Entwicklungen der Vergangenheit. Wenn man die gesamte Menschheitsgeschichte betrachtet - von den frühesten Anfängen bis hin zur Gegenwart - lassen sich lediglich drei grundlegende Phasen des Wirtschaftslebens identifizieren: (1) die Gesellschaften der Jäger und Sammler; (2) die Agrargesellschaften; und (3) die Industriegesellschaften. Doch nun zeichnet sich am Horizont eine vollkommen neue Phase der sozialen Organisation ab, die vierte Stufe: die Informationsgesellschaften.
Jede vorangegangene Phase der Gesellschaftsentwicklung war einzigartig in Bezug auf die Evolution und Kontrolle von Gewalt. Wie wir noch im Detail aufzeigen werden, versprechen Informationsgesellschaften eine bedeutsame Reduzierung des Einsatzes von Gewalt, teilweise weil sie über lokale Grenzen hinausreichen. Die virtuelle Realität des Cyberspace, von Romanautor William Gibson als eine „einvernehmliche Halluzination“ beschrieben, wird sich so weit jenseits der Kontrolle von Tyrannen erstrecken, wie die Vorstellungskraft das erlaubt. Im neuen Jahrtausend wird die Bedeutung der Kontrolle über weitreichende Gewalt bei weitem geringer sein als zu irgendeinem Zeitpunkt seit der Französischen Revolution. Das wird weitreichende Konsequenzen haben. Eine davon wird der Anstieg der Kriminalität sein. Während der Ertrag aus organisierter Gewalt in großem Stil schrumpft, ist es wahrscheinlich, dass die Profite aus Gewalt in kleinem Stil stark ansteigen werden. Gewalt wird zufälliger und örtlich begrenzt sein. Das organisierte Verbrechen wird zunehmen. Wir werden erklären, weshalb das so ist.
Eine weitere logische Konsequenz des nachlassenden Hangs zur Gewalt ist das Verschwinden der Politik. Viele Indikatoren lassen vermuten, dass das Beharren auf den staatsbürgerlichen Mythen des Nationalstaates des 20. Jahrhunderts rapide abnimmt. Der Tod des Kommunismus ist nur das auffälligste Beispiel hierfür. Der moralische Verfall und die zunehmende Korruption in den höchsten Ebenen westlicher Regierungen sind kein Zufallsprodukt, wie wir in der Tiefe aufzeigen werden. Dies ist ein Beleg dafür, dass die Möglichkeiten des Nationalstaates ausgeschöpft sind. Selbst viele seiner Anführer glauben nicht mehr an die Floskeln, die sie verkünden. Und auch der Rest nimmt sie ihnen nicht mehr ab.
Diese Situation erinnert stark an vergangene Ereignisse. Immer wenn technologische Veränderungen die alten Strukturen von den neuen treibenden Kräften der Wirtschaft entkoppelt haben, verschieben sich die moralischen Maßstäbe. Die Menschen beginnen, diejenigen, die die alten Institutionen beherrschen, mit wachsender Verachtung zu betrachten. Diese verbreitete Ablehnung setzt häufig ein, lange bevor die Menschen eine schlüssige Ideologie des Wandels formulieren. So war es auch im späten fünfzehnten Jahrhundert, als die mittelalterliche Kirche die dominierende Institution des Feudalismus war. Trotz des Volksvertrauens in die „Heiligkeit des geistlichen Amtes“ wurden sowohl hohe als auch niedere Geistliche extrem verachtet - eine Einstellung, die bemerkenswert der heutigen Haltung der Bevölkerung gegenüber Politikern und Bürokraten ähnelt.5
Wir glauben, dass wir viel von dem Jahrhundert, in dem das Leben voll und ganz von organisierter Religion geprägt war, und von der heutigen Zeit, in der die Welt von der Politik dominiert wird, lernen können. Die Kosten für die Aufrechterhaltung der institutionalisierten Religion am Ende des fünfzehnten Jahrhunderts hatten einen historischen Höchststand erreicht - ähnlich wie heute die Kosten für die Unterstützung der Regierung ein rekordverdächtiges Ausmaß angenommen haben.
Wir wissen, was mit der organisierten Religion aufgrund der Nachwirkungen der Schießpulverrevolution passiert ist. Technologische Entwicklungen haben damals starke Anreize geschaffen, religiöse Institutionen zu verkleinern und ihre Kosten zu reduzieren. Eine vergleichbare technologische Revolution wird zu Beginn des neuen Jahrtausends auch eine radikale Verkleinerung der Nationalstaaten zur Folge haben.
„Heute, nach über einem Jahrhundert elektronischer Technologie, haben wir unser zentrales Nervensystem praktisch weltweit erweitert und dabei sowohl räumliche als auch zeitliche Barrieren, zumindest in Bezug auf unseren Planeten, überwunden.“ 6
In dem Maße, wie die großen Systeme immer schneller zusammenbrechen, lässt der systematische Zwang, der Wirtschaft und Einkommensverteilung steuert, nach. Die Effizienz beim Organisieren sozialer Einrichtungen wird schnell an Bedeutung gewinnen und somit wichtiger als Machtstrukturen werden. Das bedeutet, dass Provinzen und selbst Städte, die effektiv Eigentumsrechte durchsetzen und für Rechtssicherheit sorgen können, ohne viele Ressourcen zu verbrauchen, im Informationszeitalter eine tragfähige Souveränität erlangen werden, wie es in den letzten fünf Jahrhunderten nicht vorkam. In der digitalen Welt, dem Cyberspace, wird ein völlig neuer Wirtschaftssektor entstehen, der unabhängig von physischer Gewalt agiert. Die deutlichsten Vorteile davon werden der „kognitiven Elite“ zu Gute kommen, die zunehmend über nationale Grenzen hinweg handelt. Diese Elite ist bereits in Städten wie Frankfurt, London, New York, Buenos Aires, Los Angeles, Tokyo und Hongkong gleichermaßen heimisch. Die Einkommensunterschiede innerhalb der einzelnen Länder werden größer, während sie zwischen den Ländern abnehmen.
Das selbstbestimmte Individuum untersucht die sozialen und finanziellen Auswirkungen dieses revolutionären Umbruchs. Es liegt uns am Herzen, Sie dabei zu unterstützen, die Potenziale dieser neuen Epoche optimal zu nutzen und dabei nicht von ihren Folgen überrollt zu werden. Sollte auch nur die Hälfte unserer Prognosen eintreffen, steht uns eine Veränderung bevor, deren Ausmaß in der Geschichte beispiellos ist.
Der Jahreswechsel 2000 wird nicht nur die Weltwirtschaft grundlegend verändern, sondern dies auch schneller bewerkstelligen als jeder andere vorangegangene Paradigmenwechsel. Im Gegensatz zur landwirtschaftlichen Revolution wird die informationelle Revolution nicht Jahrtausende brauchen, um ihre volle Wirkung zu entfalten. Und anders als bei der industriellen Revolution werden sich ihre Auswirkungen nicht über Jahrhunderte hinweg ziehen. Die informationelle Revolution vollzieht sich innerhalb einer Lebensspanne.
Darüber hinaus wird diese Veränderung nahezu überall gleichzeitig geschehen. Technische und wirtschaftliche Innovationen werden nicht mehr auf bestimmte Gebiete begrenzt sein. Der Wandel wird allgegenwärtig sein. Und er wird einen so fundamentalen Bruch mit der Vergangenheit darstellen, dass die magische Welt der Götter, wie sie sich frühe Agrarvölker wie die alten Griechen vorstellten, beinahe zum Leben erweckt wird. In einem viel größeren Ausmaß, als es sich die meisten heute eingestehen möchten, könnte es schwierig oder sogar unmöglich sein, viele der aktuellen Institutionen ins neue Jahrtausend zu retten. Wenn sich die Informationsgesellschaften formen, werden sie sich von den Industriegesellschaften ebenso stark unterscheiden, wie das alte Griechenland von der Welt der Höhlenbewohner abwich.
„Mir ist keine ermutigendere Tatsache bekannt als die unbestreitbare Fähigkeit des Menschen, sein Leben durch bewusste Anstrengung zu bereichern“ - Henry David Thoreau.
Der anstehende Wandel birgt sowohl Vor- als auch Nachteile. Der Vorteil ist, dass die informationelle Revolution Individuen stärker befreien wird als je zuvor. Erstmals werden all diejenigen, die in der Lage sind, sich eigenständig weiterzubilden, fast vollkommen frei darin sein, ihre eigene Arbeit zu gestalten und das Maximum an Nutzen aus ihrer persönlichen Produktivität zu ziehen. Genialität wird sich entfalten und sich sowohl von Regierungsunterdrückung als auch von den Fesseln rassistischer und ethnischer Vorurteile lösen. In der Informationsgesellschaft wird niemand, der tatsächlich fähig ist, von den ungeschliffenen Meinungen anderer gebremst werden. Es wird unerheblich sein, was der Großteil der Menschen weltweit über Ihre Rasse, Ihr Aussehen, Ihr Alter, Ihre sexuellen Vorlieben oder Ihre Frisur denkt. In der Cyberwirtschaft wird man Sie nicht einmal sehen. Die Unattraktiven, die Übergewichtigen, die Alten und die Behinderten werden unter denselben Voraussetzungen wie die Jungen und Schönen konkurrieren – nämlich in der vollkommen farbenblinden Anonymität der neuen Grenzen des Cyberspace.
Leistung, ganz gleich wo sie erbracht wird, wird künftig stärker belohnt als je zuvor. In einer Umwelt, in der die wertvollste Ressource nicht mehr materielles Kapital, sondern die eigenen Ideen sind, hat jeder, der klug denkt, das Potenzial, wohlhabend zu sein. Das Informationszeitalter wird das Zeitalter der steigenden Mobilität sein. Es wird den Milliarden von Menschen in Teilen der Welt, die bisher nie voll am Wohlstand der Industriegesellschaft partizipieren konnten, deutlich mehr Chancengleichheit bieten. Ihre klügsten, erfolgreichsten und ehrgeizigsten Vertreter werden sich zu wahrhaft eigenständigen Individuen entwickeln.
Zunächst werden zwar nur einige wenige die vollständige finanzielle Souveränität erlangen, aber das schmälert keineswegs die Vorzüge der finanziellen Unabhängigkeit. Die Tatsache, dass nicht jeder das gleiche Vermögen ansammelt, bedeutet nicht, dass der Versuch, reich zu werden, vergeblich oder sinnlos ist. Auf jeden Milliardär kommen 25.000 Millionäre. Wenn Sie Millionär und kein Milliardär sind, sind Sie deswegen nicht arm. Auch in Zukunft wird einer der Maßstäbe Ihres finanziellen Erfolgs nicht nur darin bestehen, wie viele Nullen Sie zu Ihrem Nettovermögen hinzufügen können, sondern darin, ob Sie Ihre Geschäfte so strukturieren können, dass Sie vollständige individuelle Autonomie und Unabhängigkeit erreichen. Je mehr Finesse Sie an den Tag legen, desto weniger Anstrengung werden Sie benötigen, um die finanzielle Fluchtgeschwindigkeit zu erreichen. Selbst Personen mit eher bescheidenen Ressourcen können sich hocharbeiten, wenn der Einfluss der Politik auf die Weltwirtschaft abnimmt. Eine nie zuvor dagewesene finanzielle Unabhängigkeit wird in Ihrem Leben oder dem Ihrer Kinder ein erreichbares Ziel sein.
Auf dem Gipfel der Produktivität gehen diese selbstbestimmten Individuen miteinander in den Wettstreit und interagieren unter Bedingungen, die an die Verbindung zwischen den Göttern in der griechischen Mythologie erinnern. Der schwer greifbare Olymp des kommenden Jahrtausends wird im Cyberspace liegen - einem Bereich ohne physische Existenz, der dennoch das Potenzial hat, die größte Wirtschaft der Welt im zweiten Jahrzehnt dieses Jahrtausends zu entwickeln. Bis 2025 wird die Cyber-Ökonomie viele Millionen Teilnehmer verzeichnen. Einige davon werden sich mit einem Vermögen von jeweils über 10 Milliarden Dollar ebenso bereichern wie Bill Gates. Die Cyber-Armen werden diejenigen sein, die weniger als 200.000 Dollar pro Jahr verdienen. Es wird keine Cyber-Sozialhilfe, keine Cyber-Steuern und keine Cyber-Regierung geben. Nicht China, sondern die Cyber-Ökonomie könnte das dominierende Wirtschaftsphänomen der nächsten dreißig Jahre darstellen.
Die gute Nachricht ist, dass Politiker ebenso wenig Kontrolle, Unterdrückung und Regulierung des größten Teils des Handels in dieser neuen Welt ausüben können, wie die Gesetzgeber der antiken griechischen Stadtstaaten in der Lage waren, den Bart von Zeus zu stutzen. Das ist eine positive Nachricht für die Reichen und noch bessere Neuigkeit für die weniger Reichen. Die von der Politik geschaffenen Hindernisse und Belastungen wirken eher hinderlich auf das Erlangen von Reichtum als auf das Erhalten desselben. Die Zurückhaltung bei der Anwendung von Gewalt und die Dezentralisierung der Zuständigkeiten schaffen neue Möglichkeiten für jeden tatkräftigen und ambitionierten Menschen, vom Abflauen der politischen Macht zu profitieren. Selbst Konsumenten staatlicher Dienstleistungen können davon profitieren, wenn Unternehmer die Vorteile von Wettbewerb weiter fördern. Bislang bedeutete der Wettbewerb zwischen Gerichtsbarkeiten in der Regel einen Wettbewerb der Gewalt zur Durchsetzung der Herrschaft einer vorherrschenden Gruppe. Folglich wurde viel Erfindergeist von Wettbewerb zwischen Gerichtsbarkeiten in militärische Bestrebungen kanalisiert. Jedoch wird die Cyberökonomie den Wettbewerb in Bezug auf staatliche Dienstleistungen unter neuen Bedingungen fördern. Eine Zunahme von Gerichtsbarkeiten bedeutet mehr Möglichkeiten für das Ausprobieren neuer Methoden zur Durchsetzung von Verträgen und um die Sicherheit von Personen und Eigentum auf neue Art und Weise zu garantieren. Die Befreiung eines großen Teils der Weltwirtschaft von politischer Kontrolle wird alle verbliebenen Regierungsformen dazu zwingen, unter Bedingungen zu arbeiten, die stark an die Marktwirtschaft angelehnt sind. Letztendlich werden sie kaum eine andere Wahl haben, als die Bevölkerung in den von ihnen betreuten Gebieten eher wie Kunden zu behandeln und weniger so, wie organisierte Kriminelle die Opfer ihrer Erpressung behandeln.
Was in der Mythologie als die Domäne der Götter galt, wird für den Einzelnen zur erreichbaren Option - ein Leben jenseits der Macht von Königen und Ratsherren. Zuerst zu Hunderten, dann zu Tausenden und schließlich zu Millionen werden Menschen die Ketten der Politik abstreifen. Dabei werden sie die Natur der Regierungen verändern, den Raum des Zwanges reduzieren und den Bereich der privaten Kontrolle über Ressourcen erweitern.
Das erneute Auftauchen des selbstbestimmten Individuums wird einmal mehr die geheimnisvolle, prophetische Macht des Mythos unterstreichen. Die frühen Agrargesellschaften hatten nur wenig Kenntnis von den Naturgesetzen und nahmen an, dass „Kräfte, die wir heute als übernatürlich bezeichnen würden“, weit verbreitet seien. Diese Kräfte wurden teils von Menschen, teils von „leibhaftigen menschlichen Göttern“ genutzt, die menschenähnlich aussahen und auf eine Weise mit ihnen interagierten, die Sir James George Frazer in „The Golden Bough“ als „große Demokratie“ beschrieb.7
Als sich die Menschen der Antike ausmalten, dass die Nachkommen des Zeus mitten unter ihnen weilten, war ihr Glaube an Magie stark. Zusammen mit anderen primitiven Agrargesellschaften teilten sie eine tiefe Ehrfurcht vor der Natur sowie die abergläubische Annahme, dass natürliche Phänomene durch individuelle Willenskraft, also durch Magie, beeinflusst werden konnten. In diesem Kontext hatte ihr Verständnis von der Natur und ihren Göttern nichts an sich, was selbstbewusst und prophetisch genannt werden könnte. Es lag weit außerhalb ihrer Vorstellungskraft, die zukünftige Mikrotechnologie zu erahnen. Sie konnten sich nicht ausmalen, wie diese Tausende von Jahren später die individuelle Produktivität verändern würde. Sie hätten sicher nicht vorhersehen können, wie sie das Gleichgewicht von Macht und Effizienz verschieben und damit die Art und Weise revolutionieren würde, wie Reichtum geschaffen und erhalten wird. Doch das, was sie sich ausdachten, als sie ihre Mythen webten, hallt auf merkwürdige Weise in der Welt nach, die Sie aller Wahrscheinlichkeit nach erleben werden.
Das „Abrakadabra“ magischer Beschwörungen zum Beispiel erinnert merkwürdigerweise an ein Passwort, das für den Zugriff auf einen Computer benötigt wird. In gewisser Hinsicht hat die Hochgeschwindigkeitsberechnung bereits ermöglicht, die Magie des Flaschengeistes nachzuempfinden. Frühe Generationen dieser „digitalen Diener“ gehorchen bereits den Anweisungen derjenigen, die die Computer steuern, in denen sie eingeschlossen sind - genauso wie Flaschengeister in versiegelten Wunderlampen. Die virtuelle Realität der Informationstechnologie wird das Spektrum menschlicher Wünsche erweitern und nahezu jede erdenkliche Vorstellung zu einer scheinbaren Realität machen. Telepräsenz wird Lebewesen die Fähigkeit verleihen, Entfernungen mit übernatürlicher Geschwindigkeit zu überbrücken und Ereignisse aus der Ferne zu verfolgen - ähnlich wie es den Göttern Hermes und Apollo in der griechischen Mythologie zugeschrieben wurde. Die selbstbestimmten Individuen des Informationszeitalters werden, ähnlich wie die Götter der antiken und primitiven Mythen, mit der Zeit eine Art „diplomatische Immunität“ gegenüber den meisten politischen Problemen genießen, die sterbliche Menschen in den meisten Zeiten und an den meisten Orten heimsuchen.
Das neue selbstbestimmte Individuum wird ähnlich agieren wie die Gottheiten aus den Mythen. Im gleichen physischen Umfeld wie der normale, unterworfene Bürger, allerdings in einem eigenen Bereich der Politik. Mit seinen bedeutend größeren Ressourcen und der Unabhängigkeit von vielen Formen von Zwang hat das selbstbestimmte Individuum die Macht, zum neuen Jahrtausend Regierungen umzubauen und Volkswirtschaften neu einzurichten. Es ist fast unvorstellbar, welche weitreichenden Auswirkungen dieser Wandel haben wird.
Für alle, die menschlichen Ehrgeiz und Erfolg schätzen, wird das Informationszeitalter eine Belohnung bereitstellen. Das ist zweifellos die beste Neuigkeit seit vielen Generationen. Aber es gibt auch einen Wermutstropfen: Mit dem Siegeszug der individuellen Autonomie und der echten Chancengleichheit auf Leistungsbasis wird ein neues Gesellschaftsmodell entstehen, welches enorme Belohnungen für Leistung und größte individuelle Freiheit mit sich bringt. Damit wird jeder Einzelne viel mehr Eigenverantwortung tragen müssen, als es zur Zeit der Industrialisierung der Fall war. Zusätzlich wird dieser Wandel den ungerechtfertigten Vorteil des Lebensstandards, den die Bewohner der fortschrittlichen Industrienationen im gesamten 20. Jahrhundert genossen haben, reduzieren. Während diese Zeilen entstehen, verfügen die obersten 15 Prozent der Weltbevölkerung über ein durchschnittliches jährliches Pro-Kopf-Einkommen von 21.000 Dollar. Die übrigen 85 Prozent kommen durchschnittlich auf nur 1.000 Dollar jährlich. Unter den neuen Bedingungen des Informationszeitalters wird sich diese enorme, aus der Vergangenheit angehäufte Vorteilslage zwangsläufig auflösen.
Dies wird dazu führen, dass die Fähigkeit der Nationalstaaten, Einkommen in großem Umfang umzuverteilen, zusammenbricht. Die Informationstechnologie nährt einen dramatisch verstärkten Wettbewerb zwischen den Rechtsordnungen. Wenn Technologie zunehmend mobil wird und Transaktionen vermehrt im Cyberspace stattfinden, werden Regierungen kaum mehr in der Lage sein, für ihre Dienstleistungen mehr zu verlangen, als sie den Zahlenden wert sind. Jeder, der über einen Laptop und eine Satellitenverbindung verfügt, wird in der Lage sein, fast jeden Informationshandel an jedem beliebigen Ort abzuwickeln. Dazu zählen auch fast alle Finanztransaktionen im Wert von mehreren Billionen Dollar.
Das heißt, dass man künftig nicht mehr dazu gezwungen ist, in einem Land mit hoher Steuerlast zu leben, um ein hohes Einkommen zu erzielen. In einer Zukunft, in der der größte Teil des Wohlstands überall verdient und auch ausgegeben werden kann, werden Regierungen, die versuchen, überhöhte Preise für den Wohnsitz einzufordern, ihre besten Steuerzahler verlieren. Sollten unsere Überlegungen zutreffen, und davon sind wir überzeugt, wird der Nationalstaat, wie wir ihn heute kennen, in seiner jetzigen Form nicht bestehen bleiben.
Veränderungen, die die Dominanz etablierter Institutionen untergraben, können sowohl beängstigend als auch bedrohlich sein. Genauso wie Monarchen, Fürsten, Päpste und Machthaber zu Beginn der Neuzeit erbarmungslos um den Erhalt ihrer gewohnten Privilegien kämpften, so setzen auch heute Regierungen oft verdeckt und willkürlich Gewalt ein, in dem Versuch, den Lauf der Zeit aufzuhalten. Durch die technologischen Herausforderungen geschwächt, behandelt der Staat die autonomen Individuen, seine ehemaligen Bürger, mit der gleichen Skrupellosigkeit und Diplomatie, die er bisher gegenüber anderen Regierungen gezeigt hat. Der Beginn dieser neuen Phase der Geschichte wurde am 20. August 1998 eingeläutet, als die Vereinigten Staaten Tomahawk-Marschflugkörper im Wert von etwa 200 Millionen Dollar gegen Ziele abfeuerten, die angeblich mit dem saudischen Exil-Millionär Osama bin Laden verknüpft waren. Bin Laden war die erste Person in der Geschichte, deren Satellitentelefon Ziel von Marschflugkörpern wurde. Gleichzeitig zerstörte die USA eine Arzneimittelfabrik in Khartum, Sudan, angeblich als Vergeltung gegen Bin Laden. Das Auftreten von Bin Laden als größter Feind der Vereinigten Staaten markiert einen signifikanten Wechsel in der Kriegsdynamik. Eine einzelne Person, die allerdings über Hunderte von Millionen Dollar verfügt, kann nun als glaubhafte Bedrohung für die größte Militärmacht des Industriezeitalters angesehen werden. In Aussagen, die an die Propaganda aus Zeiten des Kalten Kriegs gegen die Sowjetunion erinnern, präsentierten der US-Präsident und seine nationalen Sicherheitsberater Bin Laden, eine Privatperson, als transnationalen Terroristen und Hauptgegner der Vereinigten Staaten.
Die gleiche militärische Logik, die Osama bin Laden zum Hauptgegner der USA machte, wird sich auch innerhalb der Beziehungen zwischen Regierungen und ihren Bürgern etablieren. Immer strengere Durchsetzungsmethoden werden die logische Konsequenz aus dem Entstehen einer neuen Art von Verhandlungen zwischen Regierungen und Einzelpersonen sein. Technologie wird die Einzelpersonen selbstbestimmter machen als jemals zuvor. Und genau so werden sie auch behandelt werden. Manchmal gewaltsam als Feinde, manchmal als gleichberechtigte Verhandlungspartner, manchmal als Verbündete. Sie können noch so rücksichtslos vorgehen, insbesondere während der Übergangszeit wird es ihnen jedoch wenig Nutzen bringen, das Finanzamt mit der CIA zu fusionieren. Sie werden zunehmend gezwungen sein, mit autonom handelnden Individuen zu verhandeln, deren Ressourcen nicht mehr so einfach kontrollierbar sind.
Die Informationsrevolution zieht Veränderungen nach sich, die nicht nur zu einer finanziellen Krise für Regierungen führen, sondern auch zum Zerfall großer Strukturen. Im zwanzigsten Jahrhundert sahen wir bereits den Untergang von vierzehn Imperien. Dieser Prozess ist Teil einer Entwicklung, die letztlich zur Auflösung des Nationalstaates selbst führen wird. Staaten werden sich der zunehmenden Autonomie des Einzelnen anpassen müssen. So wird die Steuerkapazität voraussichtlich um 50 bis 70 Prozent sinken. Dies dürfte kleinere Rechtsgebiete erfolgreicher machen. Die Aufgabe, wettbewerbsfähige Bedingungen zu schaffen, um kompetente Menschen und ihr Vermögen anzulocken, wird in Enklaven leichter zu bewältigen sein als auf kontinentaler Ebene.
Wir glauben, dass mit dem fortschreitenden Zerfall des modernen Nationalstaates die Barbaren der Neuzeit immer mehr die Macht im Hintergrund übernehmen werden. Gruppierungen wie die russische Mafia, die die Überreste der ehemaligen Sowjetunion aufsammeln, andere ethnische Verbrechersyndikate, Nomenklaturen8, Drogenbosse und abtrünnige Geheimdienste werden ihre eigenen Gesetze schaffen. Das tun sie bereits. Viel mehr als allgemein bekannt, haben diese modernen Barbaren bereits die Strukturen des Nationalstaates unterwandert, ohne sein Erscheinungsbild signifikant zu verändern. Sie sind Mikroparasiten, die sich von einem sterbenden System nähren. Diese Gruppen sind ebenso gewalttätig und skrupellos wie ein Staat im Krieg, wenden jedoch staatliche Techniken auf kleinerer Ebene an. Ihr wachsender Einfluss und ihre Macht sind Teil der Verkleinerung des politischen Rahmens. Die Mikroprozessortechnik reduziert die Größe, die diese Gruppen erreichen müssen, um in der Anwendung und Kontrolle von Gewalt effektiv zu sein. Mit dem Fortschreiten dieser technologischen Revolution wird räuberische Gewalt immer mehr außerhalb der zentralen Kontrolle organisiert werden. Auch die Bemühungen zur Eindämmung von Gewalt werden sich auf eine Weise entwickeln, die mehr von der Effizienz als von der Größe der Macht abhängt.
Der Vorgang, wie der Nationalstaat in den letzten fünf Jahrhunderten gewachsen ist, wird durch die neue Dynamik des Informationszeitalters umgekehrt. Lokale Machtzentren treten erneut in den Vordergrund, während sich der Staatsapparat in fragmentierte, sich überschneidende Souveränitätsgebiete auflöst.9 Die zunehmende Macht der organisierten Kriminalität ist nur ein Beispiel für diese Entwicklung. Multinationale Unternehmen sehen sich bereits genötigt, alle Aufgaben bis auf die essentiellen an Subunternehmen auszulagern. Einige Konglomerate wie AT&T, Unisys und ITT haben sich in mehrere Firmen aufgespalten, um rentabler wirtschaften zu können. Der Nationalstaat wird sich, ähnlich wie ein schwerfälliges Konglomerat, auflösen - vermutlich jedoch erst, wenn er durch Finanzkrisen dazu gezwungen ist.
Nicht nur die Machtverhältnisse weltweit wandeln sich, sondern auch die Arbeitswelt unterliegt einem starken Wandel. Dies bedeutet wiederum, dass sich unweigerlich die Art und Weise ändern wird, wie Unternehmen arbeiten. Das Konzept des „virtuellen Unternehmens“ ist ein Zeichen für diese einschneidenden Veränderungen, die durch sinkende Informations- und Transaktionskosten begünstigt wurden. Wir analysieren, welche Auswirkungen die Informationsrevolution auf die Auflösung von Unternehmen und das Ende des „sicheren Arbeitsplatzes“ hat. Im Informationszeitalter wird aus dem „Arbeitsplatz“ eine Aufgabenstellung, die es zu lösen gilt, statt einer Position, die man einfach „hat“. Die Mikroprozessortechnik hat ganz neue Perspektiven für wirtschaftliche Aktivitäten jenseits von territorialen Grenzen erschlossen. Diese Überwindung von Grenzen und Territorien könnte womöglich die revolutionärste Entwicklung sein, seit Adam und Eva aufgrund des Urteils ihres Schöpfers das Paradies verlassen mussten: „Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen.“ Während die Technologie die Werkzeuge, die wir verwenden, revolutioniert, hinterlässt sie auch unsere Gesetze als veraltet, modelliert unsere Moral neu und verändert unsere Wahrnehmungen. In diesem Buch wird erklärt, wie dies geschieht.
Die Mikroprozessortechnik und die rapide Weiterentwicklung der Kommunikationsmittel ermöglichen es den Menschen schon heute, ihren Arbeitsort frei zu wählen. Transaktionen über das Internet oder das World Wide Web können verschlüsselt und in naher Zukunft nahezu unentdeckt von Steuerbehörden durchgeführt werden. Steuerfreies Geld vermehrt sich bereits jetzt im Ausland deutlich schneller als inländische Gelder, die weiterhin der hohen Steuerbelastung des Nationalstaates aus dem 20. Jahrhundert ausgesetzt sind. Nach der Jahrtausendwende wird sich ein Großteil des Welthandels in den Cyberspace verlagern, eine Region, über die Regierungen nicht mehr Kontrolle ausüben werden, als sie es über den Meeresboden oder die äußeren Planeten tun. Im Cyberspace werden die Drohungen physischer Gewalt, die seit jeher Grundpfeiler der Politik sind, der Vergangenheit angehören. Im Cyberspace begegnen sich die Milden und die Mächtigen auf einer Ebene. Der Cyberspace ist die ultimative Offshore-Rechtsordnung: Eine steuerfreie Wirtschaft. Bermuda im Himmel, geschmückt mit Diamanten.
Wenn dieses größte Steuerparadies überhaupt erst einmal auf die Wirtschaft losgelassen wird, können alle Fonds im Endeffekt als Offshore-Fonds auf Wunsch ihrer Besitzer betrachtet werden. Die Auswirkungen werden enorm sein. Der Staat hat sich darauf eingestellt, seine Steuerzahler zu behandeln wie ein Bauer seine Kühe: er hält sie auf einer Weide, um sie zu melken. Doch bald werden diese Kühe Flügel entwickeln.
Gleich einem aufgebrachten Bauern wird der Staat zweifellos anfangs zu verzweifelten Mitteln greifen, um seine abwandernde Herde zu kontrollieren und einzugrenzen. Unauffällige und sogar gewaltsame Maßnahmen werden angewandt, um den Zugang zu befreienden Technologien zu begrenzen. Diese Mittel werden jedoch, wenn überhaupt, nur vorübergehend erfolgreich sein. Der Nationalstaat des zwanzigsten Jahrhunderts, mit all seiner Anmaßung, wird verhungern, sobald seine Steuereinnahmen zurückgehen.
Wenn der Staat es nicht schafft, seine Ausgaben durch höhere Steuereinkünfte zu decken, greift er auf andere, verzweifeltere Maßnahmen zurück. Eine solche Maßnahme besteht darin, Geld zu drucken. Regierungen haben sich daran gewöhnt, ein Monopol auf die eigene Währung zu besitzen, die sie nach Belieben abwerten können. Diese willkürliche Inflation war ein markantes Kennzeichen der Geldpolitiken aller Länder im 20. Jahrhundert. Selbst die Deutsche Mark, die stärkste nationale Währung der Nachkriegszeit, verlor von 1949 bis Ende Juni 1995 71 Prozent ihres Wertes. Im gleichen Zeitraum verlor der US-Dollar 84 Prozent seines Wertes.10 Diese Inflation hatte den gleichen Effekt wie eine Steuer auf jeden, der Geld besitzt. Wie wir später erörtern werden, wird die Inflation als mögliche Einnahmequelle durch das Aufkommen von digitalem Geld weitgehend ausgeschaltet. Neue Technologien ermöglichen es Vermögensinhabern, nationale Monopole zu umgehen, die in der Neuzeit das Geld herausgegeben und reguliert haben. Die Finanzkrisen, die 1997 und 1998 Asien, Russland und andere aufstrebende Länder traf, zeigen, dass nationale Währungen und nationale Bonitätseinstufungen nicht zur reibungslosen Funktion des globalen Wirtschaftssystems beitragen. Insbesondere die Tatsache, dass die Souveränitätsbedingungen vorschreiben, dass alle Transaktionen innerhalb eines Landes in der nationalen Währung abgewickelt werden müssen, schafft Anfälligkeit für Fehlentscheidungen der Zentralbanker und Angriffe von Spekulanten, die in einem Land nach dem anderen zu deflationären Krisen geführt haben. Im Informationszeitalter wird es den Menschen ermöglicht, Cyberwährungen zu nutzen und so ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit zu erklären. Wenn jeder in der Lage ist, seine eigene Geldpolitik über das Internet zu betreiben, wird die Kontrolle des Staates über die Druckmaschinen des Industriezeitalters an Bedeutung verlieren. Ihre bisherige Bedeutung für die Kontrolle des globalen Reichtums wird durch mathematische Algorithmen, die keine physische Existenz haben, übertroffen. Im neuen Jahrtausend wird digitales Geld, das von privaten Märkten kontrolliert wird, das von den Regierungen ausgegebene Papiergeld ersetzen. Nur die Armen werden Opfer der Inflation und des sich anschließenden Zusammenbruchs in die Deflation, die eine Folge des künstlichen Hebels ist, den das Fiat-Geld der Wirtschaft gewährt.
Da ihnen herkömmliche Methoden der Besteuerung und Inflationierung nicht zur Verfügung stehen, werden Regierungen, selbst in traditionell bürgerlichen Ländern, unangenehm auffallen. Wenn die Einkommensteuer nicht mehr erhoben werden kann, erfahren ältere und repressivere Methoden der Steuereintreibung eine Wiedergeburt. Die extreme Form der Kapitalertragssteuer – faktisch oder durch offene Geiselnahme - wird von Regierungen ins Spiel gebracht, die verzweifelt versuchen, das Fliehen des Reichtums aus ihren Griffen zu verhindern. Wer Pech hat, wird herausgegriffen und auf nahezu mittelalterliche Art und Weise gefügig gemacht. Unternehmen, die Dienstleistungen anbieten, die die individuelle Autonomie fördern, werden infiltriert, sabotiert und gestört. Die willkürliche Beschlagnahmung von Eigentum, die in den Vereinigten Staaten bereits üblich ist und dort wöchentlich fünftausendmal vorkommt, wird noch größere Verbreitung finden. Regierungen werden Menschenrechte verletzen, die freie Informationsverbreitung zensieren, nützliche Technologien sabotieren und Schlimmeres. Aus den gleichen Gründen, aus denen die im Untergang begriffene Sowjetunion erfolglos versucht hat, den Zugang zu Computern und Kopiermaschinen einzuschränken, werden westliche Regierungen versuchen, die Cyberökonomie mit totalitären Methoden zu unterdrücken.
Diese Methoden könnten sich bei bestimmten Bevölkerungsgruppen als beliebt erweisen. Denn was für viele wie eine gute Nachricht von individueller Befreiung und Autonomie klingt, könnte von jenen, die nicht zur intellektuellen Elite gehören, als schlechte Nachricht aufgefasst werden. Der größte Widerstand könnte von durchschnittlich begabten Menschen in den aktuell wohlhabenden Ländern erwartet werden. Sie sind es vor allem, die die Informationstechnologie als eine Bedrohung ihres Lebensstils wahrnehmen könnten. Die Nutznießer des organisierten Zwangs, einschließlich der Millionen Menschen, die von staatlich umverteilten Einkommen leben, könnten das neu gewonnene Freiheitsstreben selbstbestimmter Individuen als störend empfinden. Ihre Missbilligung wird das alte Sprichwort verdeutlichen, das besagt: „Wo du stehst, wird dadurch bestimmt, wo du sitzt“.
„Manchmal habe ich mich gefragt, wie ich so tiefe Trauer um das Schicksal einiger weniger Männer empfinden konnte, die ich nie persönlich kennenlernte und die Hunderte von Kilometern entfernt in einem Stadion gegen eine andere Gruppe ebenfalls unbekannter Menschen spielten. Die Antwort ist einfach. Ich liebte meine Mannschaft. Trotz des Risikos war diese emotionale Investition ihren Preis wert. Der Sport brachte mein Blut in Wallung, erregte mich, brachte mein Herz zum Klopfen. Ich genoss den Nervenkitzel, wenn es wirklich um etwas ging. Das Leben fühlte sich während eines Wettkampfs einfach intensiver an.“ - Craig Lambert
Es wäre allerdings irreführend, sämtliche negativen Emotionen, die während der anstehenden Übergangskrise aufkommen werden, lediglich dem Wunsch zuzuschreiben, auf Kosten anderer zu leben. Das Ausmaß ist deutlich größer. Bei genauerer Betrachtung der Beschaffenheit menschlicher Gesellschaften lässt sich erahnen, dass die bevorstehende Reaktion der Neu-Ludditen durchaus eine missverstandene moralische Komponente aufweisen wird. Man könnte das als bloßen Wunsch beschreiben, der mit einem moralischen Toupet versehen ist. In diesem Zusammenhang beleuchten wir sowohl die moralischen als auch die moralisierenden Aspekte der Übergangskrise. Egoistisches Streben ist weit weniger motivierend als selbstgerechter Zorn. Obwohl die bürgerlichen Mythen des 20. Jahrhunderts immer mehr an Bedeutung einbüßen, haben sie nach wie vor ihre Anhänger. Jeder, der im 20. Jahrhundert aufwuchs, wurde mit den Aufgaben und Pflichten eines Bürgers dieser Zeit vertraut gemacht. Die verbliebenen moralischen Imperative der Industriegesellschaft werden zumindest einige neo-ludditische Angriffe auf Informationstechnologien provozieren.
In diesem Kontext drückt die zu erwartende Gewalt zumindest teilweise das aus, was wir als „moralischen Anachronismus“ bezeichnen. Dies bedeutet, dass moralische Regeln, die in einer bestimmten Wirtschaftsphase entstanden sind, auf Situationen angewendet werden, die aus einer anderen Phase stammen. Jede Epoche der Gesellschaft benötigt ihre eigenen moralischen Regeln, um den Individuen dabei zu helfen, die typischen Anreizfallen, die die Entscheidungen prägen, die sie in ihrem jeweiligen Lebensstil treffen müssen, zu meistern. Genau wie eine bäuerliche Gesellschaft nicht nach den Moralvorstellungen einer nomadischen Eskimogruppe leben könnte, kann die Informationsgesellschaft nicht den moralischen Imperativen gerecht werden, die geschaffen wurden, um den Erfolg eines militanten Industriestaates des 20. Jahrhunderts zu fördern. Wir werden erklären, warum das so ist.
In den kommenden Jahren wird ein moralischer Anachronismus in den westlichen Kernländern ähnliche Erscheinungsformen zeigen, wie wir sie über die letzten fünf Jahrhunderte in den Randgebieten beobachten konnten. Westliche Kolonisatoren und militärische Expeditionen lösten solche Krisen aus, wenn sie auf einheimische Jäger- und Sammlergruppen oder auf Gesellschaften stießen, deren Lebensweise noch landwirtschaftlich geprägt war. Dabei sorgte die Einführung neuer Technologien in einem anachronistischen Kontext für Verwirrung und moralische Krisen. Der Erfolg christlicher Missionare bei der Bekehrung von Millionen Einheimischen lässt sich zu einem erheblichen Teil auf diese lokalen Krisen zurückführen, die durch das abrupte Aufkommen neuer Machtstrukturen ausgelöst wurden. Solche Zusammenstöße ereigneten sich vom 16. bis zu den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts immer wieder. Ähnliche Konflikte erwarten wir zu Beginn des neuen Jahrtausends, wenn informationstechnologiegesteuerte Gesellschaften die industriell orientierten ablösen.
Die Idee des Erstarkens des selbstbestimmten Individuums wird sicher nicht von allen als aufregende neue Ära in der Geschichte gesehen werden, auch nicht von denen, die am meisten davon profitieren. Jeder wird seine Bedenken haben. Und viele werden jede Neuerung, die auf Kosten der territorialen Nationalstaaten geht, ablehnen. Es ist ein menschlicher Instinkt, dass radikale Änderungen oft als dramatischer Rückschritt wahrgenommen werden. Vor fünfhundert Jahren hätten die Höflinge, die sich um den Herzog von Burgund geschart hatten, die neuen Entwicklungen, die den Feudalismus untergruben, sicherlich als Übel betrachtet. Sie waren überzeugt, dass sich die Welt in einer beschleunigten Abwärtsspirale befand, genau in dem Moment, als spätere Historiker eine Explosion des menschlichen Potenzials in der Renaissance erkannten. Auf ähnliche Weise mag das, was aus der Sicht des nächsten Jahrtausends einmal als neue Renaissance gesehen werden könnte, für die erschöpften Seelen des zwanzigsten Jahrhunderts angsteinflößend erscheinen.
Es ist sehr wahrscheinlich, dass manche, die sich durch neue Entwicklungen angegriffen fühlen, sowie viele, die sie benachteiligen, mit Unbehagen reagieren werden. Ihre Sehnsucht nach Zwang wird sich wahrscheinlich in Gewalttaten ausdrücken. Begegnungen mit diesen neuen „Ludditen“ könnten den Übergang zu radikalen, neuen Formen der sozialen Organisation zu einer schlechten Nachricht für alle machen. Gehen Sie lieber in Deckung. Da die Geschwindigkeit des Wandels die moralische und ökonomische Anpassungsfähigkeit vieler Generationen überfordert, ist mit heftigem und entrüstetem Widerstand gegen die informationelle Revolution zu rechnen, trotz ihres enormen Potenzials, die Zukunft zu entfesseln.
Sie müssen diese Unannehmlichkeiten begreifen und sich darauf einstellen. Eine Übergangskrise steht uns bevor. Deflationsschocks, vergleichbar mit der asiatischen Infektion, die 1997 und 1998 von Ostasien aus auf Russland und andere Schwellenländer übergriff, werden sporadisch auftreten, wenn sich die veralteten nationalen und internationalen Institutionen, die aus dem Industriezeitalter übrig geblieben sind, als untauglich für die Herausforderungen der neuen, dezentralisierten, transnationalen Wirtschaft erweisen. Die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien sind eine größere Bedrohung für den modernen Staat als jede politische Herausforderung seiner Vorherrschaft seit den Zeiten der Seefahrt von Kolumbus. Das ist bedeutend, da die Machthaber selten friedlich auf Entwicklungen reagiert haben, die ihre Autorität infrage stellen. Das wird auch jetzt nicht der Fall sein.
Der Konflikt zwischen Neuem und Altem wird die ersten Jahre des neuen Jahrtausends bestimmen. Unsere Prognose sieht sowohl große Risiken als auch große Chancen voraus, sowie eine Zeit, in der die Zivilgesellschaft in einigen Bereichen stark schrumpft, in anderen hingegen eine nie da gewesene Ausdehnung erfährt. Autonome Individuen und bankrotte, verzweifelte Regierungen werden sich zunehmend über einen neuen Graben hinweg gegenüberstehen. Wir rechnen mit einer radikalen Umstrukturierung des Souveränitätsbegriffs und dem faktischen Ende der Politik, bis dieser Übergang abgeschlossen ist. Aus unausweichlichen Gründen, die wir in diesem Buch ausführlich besprechen werden, wird die Informationstechnologie die Fähigkeit des Staates untergraben, mehr für seine Dienstleistungen zu verlangen, als diese für diejenigen, die sie finanzieren, tatsächlich wert sind.
„Die Regierungen werden sich mit der Frage auseinandersetzen müssen, was Souveränität eigentlich bedeutet.“ - Robert Martin
In einem Umfang, den man sich vor einem Jahrzehnt kaum hätte ausmalen können, gewinnen Individuen durch die Mechanismen des Marktes zunehmend Autonomie gegenüber territorial gebundenen Nationalstaaten. Alle Nationalstaaten sehen sich dem Bankrott und der raschen Erosion ihrer Autorität gegenüber. So mächtig sie auch sein mögen, die Macht, die ihnen bleibt, ist die Macht zu zerstören, nicht zu befehlen. Ihre Interkontinentalraketen und Flugzeugträger sind bereits Relikte, so beeindruckend und nutzlos wie die letzten Schlachtrösser des Feudalismus.
Die Informationstechnologie hat die Kapazität, die Märkte dramatisch zu erweitern, indem sie die Art und Weise, wie Vermögenswerte generiert und geschützt werden, revolutioniert. Dies ist zweifellos bahnbrechend und dürfte für die Industriegesellschaft umwälzender sein, als es das Aufkommen von Schießpulver für die feudale Agrarwelt war. Die Verwandlung, die mit dem Jahr 2000 einhergeht, kündigt die Kommerzialisierung von Souveränität und den Untergang der Politik an, so wie das Schießpulver einst das Ende des auf Eiden basierenden Feudalismus bedeutete. Die Staatsbürgerschaft könnte denselben Pfad wie das Rittertum beschreiten.
Wir sind davon überzeugt, dass das Zeitalter persönlicher wirtschaftlicher Souveränität beginnt. Genau wie Stahlwerke, Telefongesellschaften, Bergwerke und Eisenbahnen, die einst staatlich betrieben wurden, weltweit rasch privatisiert wurden, stehen Sie kurz davor, die ultimative Form der Privatisierung zu erleben - die umfassende Entnationalisierung des Individuums. Das selbstbestimmte Individuum des neuen Jahrtausends wird kein Wirtschaftssubjekt des Staates mehr darstellen, keine Position in der Bilanz des Finanzministeriums. Nach dem Übergang ins neue Jahrtausend werden die entnationalisierten Bürger gar keine „Bürger“ mehr sein, sondern Kunden.
Durch die Kommerzialisierung der Souveränität könnten die Konditionen von Staatsbürgerschaften innerhalb von Nationalstaaten veraltet sein, ähnlich wie Rittereide nach dem Untergang des Feudalismus. Statt als steuerzahlende Bürger mit einem mächtigen Staat zu interagieren, werden die souveränen Individuen des 21. Jahrhunderts Kunden von Regierungen sein, die aus einem „neuen logischen Raum“ heraus agieren. Sie könnten die geringstmögliche Regierungsführung aushandeln und dafür einen vertraglichen Preis zahlen. Die Regierungen des Informationszeitalters könnten sich nach anderen Prinzipien organisieren als denen, an die wir in den vergangenen Jahrhunderten gewöhnt waren. Einige Gerichtsbarkeiten und Souveränitätsdienstleistungen könnten durch „unterstützendes Matching“ entstehen, einem System, bei dem affinitätsbezogene Faktoren, inklusive kommerzieller Affinitäten, die Grundlage für Loyalität innerhalb virtueller Gerichtsbarkeiten schaffen. In seltenen Fällen könnten diese neuen Souveränitäten Überreste mittelalterlicher Organisationen wie dem 900 Jahre alten Souveränen Malteserorden sein. Der Orden, eine Vereinigung reicher Katholiken mit derzeit 10.000 Mitgliedern, hat ein jährliches Einkommen von mehreren Milliarden Euro, gibt eigene Pässe, Briefmarken und Geld aus und unterhält volle diplomatische Beziehungen mit siebzig Ländern. Während wir dies schreiben, verhandelt der Orden mit der Republik Malta über die Rückgabe von Fort St. Angelo. Besitz des Forts könnte den fehlenden territorialen Aspekt bereitstellen, der es den Rittern ermöglichen würde, als Souveränität anerkannt zu werden. Die Malteserritter könnten erneut zu einem souveränen Kleinststaat avancieren, der durch ihre lange Geschichte sofort legitimiert würde. Es war das Fort St. Angelo, von dem aus die Malteserritter die Türken in der großen Schlacht von 1565 schlugen. Tatsächlich beherrschten die Malteserritter von Fort St. Angelo aus viele Jahre lang Malta, bis sie 1798 von Napoleon vertrieben wurden. Falls sie in den kommenden Jahren zurückkehren, wäre dies ein klares Indiz dafür, dass das moderne Nationalstaatensystem, eingeführt nach der Französischen Revolution, nur eine Zwischenstation auf der längeren historischen Strecke gewesen ist, in der es üblich war, dass zahlreiche Arten von Souveränität parallel existierten.
Ein weiteres, völlig unterschiedliches Modell für eine postmoderne Souveränität, die auf unterstützendem Matching basiert, ist das Iridium-Satellitentelefonnetz. Auf den ersten Blick scheint es sonderbar, einen Mobilfunkdienst als eine Form von Souveränität zu betrachten. Iridium ist jedoch bereits von internationalen Behörden als virtuelle Souveränität anerkannt. Vielleicht wissen Sie, dass Iridium ein globaler Mobilfunkdienst ist, der es seinen Nutzern erlaubt, Anrufe unter einer einzigen Nummer zu empfangen, unabhängig davon, wo auf der Welt sie sich gerade befinden, sei es in Featherston, Neuseeland, oder im bolivianischen Chaco. Damit Anrufe an Iridium-Nutzer weltweit weitergeleitet werden können, mussten die internationalen Telekommunikationsbehörden angesichts der Struktur der globalen Telekommunikation zustimmen, Iridium als virtuelles Land mit einer eigenen Landesvorwahl zu anerkennen: 8816. Von einem virtuellen Land, das Satellitentelefonnutzer zusammenfasst, ist es nur ein kleiner Schritt zur Souveränität für stärker vernetzte, grenzüberschreitende virtuelle Gemeinschaften im World Wide Web. Die Bandbreite, das bedeutet die Übertragungskapazität eines Kommunikationsmediums, hat seit der Erfindung der Transistoren schneller zugenommen als die Rechenleistung. Wenn dieser Trend zu größerer Bandbreite anhält, was wir für wahrscheinlich halten, dann wird es nur noch wenige Jahre nach der Jahrtausendwende dauern, bis die Bandbreite groß genug ist, um das „Metaverse“ technisch zu ermöglichen, eine alternative Cyberspace-Welt, die der Science-Fiction-Autor Neal Stephenson konzipiert hat. Stephensons „Metaverse“ ist eine dichte virtuelle Gemeinschaft mit ihren eigenen Gesetzen. Wir sind davon überzeugt, dass es unvermeidlich ist, dass die Teilnehmer der zunehmend florierenden Cyber-Ökonomie eine Ablösung von den veralteten Gesetzen der Nationalstaaten anstreben und erlangen werden. Die neuen Cyber-Gemeinschaften werden mindestens ebenso wohlhabend und durchsetzungsstark sein wie der Souveräne Malteserorden. Angesichts ihrer weitreichenden Kommunikations- und Informationskriegsfähigkeiten werden sie sogar noch besser in der Lage sein, ihre Interessen durchzusetzen. Wir untersuchen auch weitere Modelle fragmentierter Souveränität, bei denen kleine Gruppen effektiv die Souveränität schwacher Nationalstaaten pachten und eigene Wirtschaftsoasen schaffen können, ähnlich den gegenwärtig existierenden Freihäfen und Freihandelszonen.
Um die Beziehungen zwischen selbstbestimmten Individuen und dem, was von der Regierung übrigbleibt, abzubilden, wird ein neues moralisches Vokabular benötigt. Es ist davon auszugehen, dass viele Menschen, die als „Bürger“ der Nationalstaaten des zwanzigsten Jahrhunderts aufgewachsen sind, bei diesem Paradigmenwechsel vor den Kopf gestoßen werden. Das Ende der Nationen und die „Entnationalisierung des Individuums“ werden etablierte Begriffe wie „gleicher Schutz durch das Gesetz“ ins Wanken bringen, die auf Machtverhältnissen basieren, die in naher Zukunft überflüssig sein könnten. Da virtuelle Gemeinschaften mehr und mehr Zusammenhalt finden, fordern sie, dass ihre Mitglieder nach ihren eigenen Regeln zur Verantwortung gezogen werden, nicht nach denen der Nationalstaaten, in denen sie zufälligerweise leben. So wie es in der Antike und im Mittelalter der Fall war, werden innerhalb desselben geografischen Gebietes wieder mehrere Rechtssysteme nebeneinander existieren.
Genauso wie die Bestrebungen, die Macht gepanzerter Ritter zu erhalten, angesichts der Feuerwaffen zum Scheitern verurteilt waren, so sind auch moderne Vorstellungen von Nationalismus und Staatsbürgerschaft dazu bestimmt, durch fortschrittliche Mikrotechnologie untergraben zu werden. Tatsächlich werden sie letztendlich zur Farce, wie die heiligen Prinzipien des Feudalismus im 15. Jahrhundert, die im 16. Jahrhundert der Lächerlichkeit preisgegeben wurden. Die hochgehaltenen Bürgerschaftskonzepte des 20. Jahrhunderts werden für kommende Generationen nach der Jahrtausendwende zu komischen Anachronismen. Der Don Quijote des 21. Jahrhunderts wird kein Ritter sein, der für die Wiederauferstehung des Feudalismus kämpft, sondern ein Bürokrat in einem braunen Anzug - ein Steuereintreiber, der nach einem Bürger sucht, den er prüfen kann.
Selten betrachten wir Regierungen als Wettbewerber, zumindest nicht in einem umfassenden Sinn, sodass unser modernes Verständnis von Umfang und Potenzial der Souveränität eingeschränkt ist. In der Vergangenheit, als es für Gruppierungen schwieriger war, ein stabiles Gewaltmonopol mit Zwang durchzusetzen, war die Macht häufig zersplittert, Zuständigkeiten überschnitten sich und viele verschiedene Einheiten verkörperten ein oder mehrere Merkmale der Souveränität. Oft besaß der nominelle Herrscher kaum Macht. Heutzutage befinden sich Regierungen, die schwächer sind als Nationalstaaten, in einem ständigen Wettbewerb um die Durchsetzung eines Gewaltmonopols in einem bestimmten Gebiet. Dieser Wettbewerb hat zu Anpassungen in Bezug auf die Zurückhaltung von Gewalt und der Gewinnung von Gefolgschaft geführt, die bald wieder aktuell sein werden.
Wenn Fürsten und Könige nur geringe Macht hatten und die Ansprüche von einer oder mehreren Gruppen an einer Grenze kollidierten, passierte es oft, dass keine der beiden Gruppen die andere dominieren konnte. Im Mittelalter gab es zahlreiche Grenz- oder sogenannte „Marsch“-Regionen, an denen Machtbereiche aufeinandertrafen. Solche konfliktbehafteten Grenzverläufe prägten die europäischen Grenzgebiete über Jahrzehnte, teils sogar Jahrhunderte hinweg. Man denke nur an die Grenzen zwischen keltischen und englischen Gebieten in Irland, zwischen Wales und England, Schottland und England, Italien und Frankreich, Frankreich und Spanien, Deutschland und den slawischen Randgebieten Mitteleuropas, sowie zwischen den christlichen Königreichen Spaniens und dem islamischen Königreich Granada. In diesen Marschregionen entstanden unterschiedliche institutionelle und rechtliche Strukturen, so wie wir sie vermutlich im nächsten Jahrtausend wiederfinden werden. Wegen des konkurrierenden Anspruchs zweier Oberhäupter zahlten die Bewohner der Marschregionen selten Steuern. Weiterhin hatten sie meist das Privileg selbst zu entscheiden, welchen Gesetzen sie sich unterwerfen wollten - eine Wahl, die durch rechtliche Modelle wie „Bekenntnis“ und „Pfändung“ realisiert wurde, die in der heutigen Zeit weitgehend in Vergessenheit geraten sind. Wir sind jedoch der Ansicht, dass solche Konzepte in den Rechtssystemen zukünftiger Informationsgesellschaften eine bedeutende Rolle einnehmen werden.
Bevor der Nationalstaat existierte, war es oft unmöglich, die Anzahl der Souveränitäten weltweit genau festzustellen, da sie sich auf komplexe Art und Weise überschnitten und unterschiedliche Formen der Macht ausübten. Das wird wiederkehren. Die Grenzziehung zwischen den einzelnen Territorien wurde innerhalb der Strukturen der Nationalstaaten meist deutlich festgelegt. Doch im Zeitalter der Informationstechnologie beginnen diese Grenzen wieder zu verschwimmen. Mit dem Anbrechen des neuen Jahrtausends erleben wir eine erneute Fragmentierung der Souveränität. Es entstehen neue Strukturen, die einige, aber nicht alle Eigenschaften aufweisen, die wir traditionell mit Regierungen assoziieren.
Einige dieser neu entstandenen Organisationen, wie beispielsweise die Tempelritter und andere religiöse Militärorden des Mittelalters, konnten beträchtlichen Reichtum und militärische Stärke aufweisen, ohne ein fest umrissenes Territorium zu kontrollieren. Sie orientierten sich bei ihrer Organisation nicht an nationalen Kriterien. Die Mitglieder und Führungspersonen solcher religiösen Gemeinschaften, die im Mittelalter in einigen Teilen Europas eine souveräne Autorität ausübten, bezogen ihre Autorität keineswegs aus einer nationalen Identität. Sie gehörten allen möglichen Ethnien an und betonten, dass ihre Loyalität Gott galt, nicht den nationalen Gemeinsamkeiten ihrer Mitglieder.
