Das Stresstier® in Dir - Markus H. Stork - E-Book

Das Stresstier® in Dir E-Book

Markus H. Stork

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Beschreibung

Das Stresstier® in Dir stellt die verschiedenen Stress-Typen vor, beleuchtet deren spezifische Verhaltens- und Sprachmuster und ihre Auswirkungen auf den (Arbeits-) Alltag. Außerdem werden Stärken und Schwächen der einzelnen Typen analysiert. Mit dem Wissen um die verschiedenen Stresstiere® und dem Erkennen der Persönlichkeitstypen, haben Sie die Möglichkeit, in die Vogelperspektive zu gehen, sich selbst und das Gegenüber besser zu verstehen und neue Lösungsmöglichkeiten im Umgang mit Stress zu finden. Inhalte: - Wer oder was ist das Stresstier®? - Das Stresstier® in Beruf und Partnerschaft - Der Einfluss des Stresstiers® auf die Motivation - Wo das Stresstier® im Alltag zu finden ist - Die Ausprägungen des Stresstiers® - Ein Blick ins Gehirn: Was bei Stress im Gehirn passiert - Warum es wichtig ist, das Stresstier® näher kennen zu lernen - Der Stress-Typen Test: Welches Stresstier® steckt in dir?  

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Seitenzahl: 244

Veröffentlichungsjahr: 2020

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[7]Inhaltsverzeichnis

Hinweis zum UrheberrechtImpressum1 Wer oder was ist überhaupt das Stresstier®?1.1 Wo dir das Stresstier® im Alltag begegnet1.2 Was es dir bringt, mehr über das Stresstier® zu erfahren2 Ein Blick ins Gehirn2.1 Das Stammhirn2.2 Das Zwischenhirn2.3 Das Großhirn2.4 Unser Gehirn im Stress3 Welche Rolle spielt das Stresstier® in unserem Leben?3.1 Entscheidungen sind subjektiv3.2 Das Stresstier® in der Begegnung mit anderen Stresstieren 3.3 Welchen Einfluss das Stresstier® auf deine Motivation hat4 Das Stresstier® in seinen verschiedenen Ausprägungen4.1 Die Gazelle4.1.1 Bedienungsanleitung für Gazellen4.1.2 Die Sprache der Gazelle/Sprichworte4.1.3 Die Gazelle im Alltag4.1.4 Die Gazelle im Kollegenkreis und in der Partnerschaft4.1.5 Gazelle und Gesundheit4.1.6 Das Gazellen-Naturell4.1.7 Die Gazelle im Beruf4.1.8 Motivationstipps für die Gazelle4.2 Der Löwe4.2.1 Bedienungsanleitung für den Löwen4.2.2 Die Sprache des Löwen/Sprichworte4.2.3 Der Löwe im Alltag4.2.4 Der Löwe im Kollegenkreis und in der Partnerschaft4.2.5 Löwe und Gesundheit4.2.6 Das Löwen-Naturell4.2.7 Der Löwe im Beruf4.2.8 Motivationstipps für den Löwen4.3 Der Affe4.3.1 Bedienungsanleitung für den Affen4.3.2 Die Sprache des Affen/Sprichworte4.3.3 Der Affe im Alltag4.3.4 Der Affe im Kollegenkreis und in der Partnerschaft4.3.5 Affe und Gesundheit4.3.6 Das Affen-Naturell4.3.7 Der Affe im Beruf4.3.8 Motivationstipps für den Affen5 Stresstier®-Test5.1 Wie du das Ergebnis liest5.2 Was du aus deinem Stresstier®-Test lernen kannst6 Akzeptier das Tier in dir6.1 Wie kann Veränderung gelingen?6.2 Ich mag dich nicht, weil ich dich nicht verstehe7 Das Stresstier® und die soziale Erwünschtheit7.1 Das Stresstier® und die gesellschaftliche Norm7.2 Gleich und gleich gesellt sich gerne7.3 Gegensätze ziehen sich an7.4 Das Stresstier® in der Öffentlichkeit8 Das Stresstier® und die Antreiber im Leben8.1 Die Antreiber der jeweiligen Stresstiere 8.2 Die Motive hinter unserem Verhalten9 Häufig gestellte Fragen10 Diskutier mit mir und anderen und teil deine ErfahrungenÜber den AutorDanksagungLiteraturverzeichnisAbbildungsverzeichnisArbeitshilfen Online
[1]

Hinweis zum Urheberrecht

Haufe Lexware GmbH & Co KG

[6]Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der DeutschenNationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.

Print:

ISBN 978-3-648-13624-9

Bestell-Nr. 10394-0001

ePub:

ISBN 978-3-648-13625-6

Bestell-Nr. 10394-0100

ePDF:

ISBN 978-3-648-13626-3

Bestell-Nr. 10394-0150

Markus H. Stork

Das Stresstier® in Dir

1. Auflage, Februar 2020

© 2020 Haufe-Lexware GmbH & Co. KG, Freiburg

www.haufe.de

[email protected]

Bildnachweis (Cover): © Javier brosch, Adobe Stock

Produktmanagement: Judith Banse

Lektorat: Gabriele Vogt

Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, insbesondere die der Vervielfältigung, des auszugsweisen Nachdrucks, der Übersetzung und der Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen, vorbehalten. Alle Angaben/Daten nach bestem Wissen, jedoch ohne Gewähr für Vollständigkeit und Richtigkeit.

[9]1Wer oder was ist überhaupt das Stresstier®?

Montagmorgens auf der Arbeit

Du kommst ins Büro und möchtest erst einmal in Ruhe einen Kaffee trinken. Dein Weg führt dich über die noch unbelebten Gänge Richtung Kantine. Da kommt sie auch schon um die Ecke gebogen: die Kollegin, die du im Moment am wenigsten sehen möchtest. Mit einem fröhlichen »Guten Mooooorgen!« wirst du begrüßt und hast ab sofort einen Schatten, der redet wie ein Wasserfall. Vorbei ist es mit der morgendlichen Ruhe. Du erfährst wortreich alle Details eines aufregenden Wochenendes, ohne selber kommunikativ aktiv werden zu müssen. In der Kantine trefft ihr auf euren Kollegen, der noch wochenstartmüde an einem Tisch sitzt und bei einer schwarzen Tasse Kaffee vor sich hin sinniert. Sofort widmet deine Kollegin ihm die volle Aufmerksamkeit und schwingt ihm ebenfalls ein fröhlich geflötetes »Guten Mooooorgen« entgegen. Als Reaktion entfährt deinem Kollegen ein gebelltes: »Bis jetzt war er das!« Deine entsetzte Kollegin wendet sich sofort wieder dir zu und beginnt ihre weiteren Ausführungen mit einem aufgeregten: »Hast du das gehört? Unverschämt, einfach unverschämt …« Nach und nach werden nun ungefragt drei weitere Kollegen ins Gespräch mit einbezogen und das Erlebte wird akribisch aus der eigenen Sicht wiederholt. Du sehnst dich einfach nur nach einer ruhigen Ecke mit einer schönen Tasse Kaffee.

Morgens zu Hause

Ich wecke die Kids. Die erste Frage meines Fünfjährigen: »Muss ich heute in den Kindergarten?« Nach meinem »Ja« große Diskussionen. »Ich will nicht in den Kindergarten, ich will zu Hause bleiben und basteln.« Die Zweijährige steht derweil juchzend im Kinderbett, ihr Kuscheltier unter dem Arm und ruft lautstark im Wechsel nach mir und meiner Frau: »Mamaaaaa, Papaaaa, Mamaaaa, Papaaaa!« Meine Frau gesellt sich zu mir und meinem diskutierenden Sohn und greift durch: »Jendrik, Schluss jetzt! Aufstehen und anziehen!« Der kleine Mann ist geknickt und kriecht unter seine Decke, während die Kleine nun hüpfend im Bett steht und immer lauter krakeelt.

Zwei Schauplätze, ein Hauptakteur: das Stresstier® in Action!

Bestimmt hast du solche oder ähnliche Situationen auch schon einmal erlebt. Ganz egal in welchem Lebensbereich: Wir Menschen verhalten uns an manchen Stellen sehr unterschiedlich. Dadurch kommt es manchmal zu Unverständnis, Spannungen und Streit. Gerade durch diesen Stress verstärkt sich unser ureigenstes Verhalten zusätzlich und unsere Urprogramme kommen deutlich zum Vorschein. Das rationale Denken tritt in solchen Stresssituationen in den Hintergrund und unsere inneren Strukturen übernehmen das Regiment. Dies führt dazu, dass Konflikte und Unverständnis eher noch verstärkt werden und die verschiedenen Menschentypen nicht zueinanderfinden.

[10]An diesen Stellen kann es helfen, zu verstehen, was da eigentlich passiert. Mit dem Wissen um die verschiedenen Stresstiere, in die wir Menschen unterteilt werden können, hast du die Möglichkeit, auch in einer angespannten Situation in eine Vogelperspektive zu gehen. Das kann dir dabei helfen, neue Lösungsmöglichkeiten für Stresssituationen zu finden und zu verstehen, dass das Verhalten anderer Menschen nicht zwingend mit dir zu tun hat, sondern schlichtweg ein Produkt des inneren Stresstieres sein kann.

Wenn wir das Verhalten der unterschiedlichen Akteure in den verschiedenen Situationen beobachten, so lassen sich die Verhaltensmuster auf drei wesentliche Typen/Arten herunterbrechen:

zum einen die Gazelle, die einen starken Bezug zu anderen Menschen sowie viel Redebedarf hat und sich in »der Herde« am wohlsten fühlt;zum Zweiten der Löwe, der ein ausgeprägtes Geltungsbedürfnis verspürt und sehr impulsiv und dominant auftreten kann undzum Dritten der Affe, der mit steigendem Stresspegel nach außen zunehmend ruhiger, verschlossener und wortkarger wird und gerade im Stress ein großes Bedürfnis verspürt, sich zurückzuziehen.

Hier stellt sich die Frage: Wo siedelst du dich an im Zoo der Stresstiere?

1.1Wo dir das Stresstier® im Alltag begegnet

Das Stresstier® begegnet dir ständig. Egal ob im Büro, in der Partnerschaft oder im Meeting. Wahrscheinlich ist dir auch schon aufgefallen, dass sich Menschen in angespannten Situationen sehr unterschiedlich verhalten. Manche Menschen haben ein Bedürfnis, sich mit anderen auszutauschen, andere gehen wie das berühmte HB-Männchen an die Decke und wieder andere brauchen in Stresssituationen den Rückzug. Dies alles ist ein Ergebnis unseres inneren Stresstieres und die Auswirkung unserer inneren Programme, die unbewusst in unserem Gehirn ablaufen.

Je nachdem, wie dein Gehirn programmiert ist, hast du einen inneren Antrieb, dich auf eine bestimmte Art und Weise zu verhalten. Gerade in Stresssituationen ist dies kein bewusst gesteuertes Verhalten, sondern dein Gehirn greift sozusagen auf einen Autopiloten zurück, der bestimmte (Re-)Aktionen bei dir auslöst. In Meetings, Coachings und Workshops, in öffentlichen Verkehrsmitteln, in der Partnerschaft, im Freundeskreis und bei den eigenen Kindern kannst du Tag für Tag die Auswirkungen des Stresstieres beobachten.

Dies hat auch Auswirkungen auf das tägliche Miteinander: Es gibt Menschen, mit denen verstehst du dich blind, weil sie ähnlich ticken wie du, und es gibt andere Men[11]schen, deren Reaktion du nicht einordnen und verstehen kannst, weil sie sich stark von deinem eigenen Verhalten unterscheiden.

Stell dir einmal ein klassisches Meeting in einem Unternehmen vor. Es wird ein Punkt angesprochen, der die Gemüter erregt und schon ist er da, der Zoo voller Stresstiere. Kollege Müller fängt sofort an, mit Frau Meier zu tuscheln, und nimmt Blickkontakt zu Frau Schneider auf. Eine WhatsApp-Gruppe wird eingerichtet, in der Nachrichten hin- und herfliegen. Angeregte und aufgeregte Gespräche beginnen, Emotionen kochen hoch. Herr Schmidt wirkt erst ruhig und explodiert dann in regelmäßigen Abständen. Seine Kaumuskulatur arbeitet in den ruhigen Phasen heftig, sein Kopf wird rot, die Halsschlagader pulsiert. Dann haut er auf den Tisch und macht seinem Ärger lautstark Luft. Erste Vorwürfe fluten den Raum und Herr Schmidt stellt die Führungskraft infrage. Frau Seidel und Herr Dunker werden immer stiller und irgendwann verlässt Herr Dunker den Raum, um sich eine Viertelstunde auf die Toilette zurückzuziehen.

Und irgendwo dazwischen sitzt du und reagierst auf deine Art und Weise.

Neulich war ich auf einem Flug von München nach Münster und das Flugzeug setzte etwas unsanft auf, weil uns eine kleine Windböe erfasst hatte. Der Pilot hatte seine liebe Mühe, den Flieger sicher auf die Landebahn zu bringen. Nach dem ersten Schreck begrüßte uns die Stewardess humorvoll mit den Worten: »Wir heißen Sie hart, aber herzlich in Münster willkommen.« Und da war es auch schon: das Stresstier®. Zwei Reihen vor mir begann ein Fluggast sofort lautstark zu tönen, dass er so eine unprofessionelle Landung noch nie erlebt hätte. Von Reihe 10 bis 14 begann eine Unterhaltung über mehrere Reihen: »Klaus, hast du gehört, hart, aber herzlich!« – »Jau, guter Gag. Hast du eigentlich dein Brötchen noch gekriegt in München?« – »Ne, ich hab ’ne Weißwurst gegessen und du?« – »Ein gut belegtes Brötchen. Brötchen mit Schnitzel.« Ein anderer Mitreisender sitzt dazwischen und schaut sehnsüchtig aus dem Fenster in die Ferne.

Schauen wir uns eine weitere Szenerie an. Eine lockere Gartenparty. Während du dich umschaust, nimmst du die unterschiedlichen Gäste wahr. In deinem direkten Blickfeld steht ein Mann mittleren Alters. Auffällig gutaussehend gekleidet mit einem maßgeschneiderten Anzug. An seinem Handgelenk eine dicke Uhr, die er geschickt zur Schau stellt. Er war dir schon aufgefallen, weil er seinen Porsche direkt vor der Tür geparkt hatte und zielstrebig mitten ins Geschehen marschiert ist. Seine Stimme schallt deutlich bis zu dir. Du hörst eine Weile zu: »Leute, ich sage euch, wenn ich das Ding nicht gerettet hätte, wäre mal wieder alles den Bach runtergegangen. Alle anderen haben sich an dem Projekt versucht, aber keiner hat es gebacken gekriegt. Da musste ich mal wieder einspringen und es gradebiegen.« Drumherum stehen bewundernd einige Zuhörer, ein Gläschen in der Hand und bestätigen den Retter mit bewundernden »Ahhs« und »Ohhs«. Am Rande des Geschehens stehen unauffällige Beobachter, die sich das Spiel aus zweiter Reihe anschauen und wie abwesend an ihren Getränken nippen.

[12]Nach der Lektüre der folgenden Kapitel wirst du verstehen, was hinter den einzelnen Verhaltensweisen steckt und welche Stresstiere sich hier widerspiegeln. Dadurch wirst du nicht nur diese beiden Szenen besser verstehen und die einzelnen Charaktere besser zuordnen, sondern auch dein soziales Umfeld besser einordnen können.

1.2Was es dir bringt, mehr über das Stresstier® zu erfahren

In meiner Profession als Persönlichkeitsleser® fällt mir immer wieder auf, wie wenig die meisten Menschen eigentlich über die Strukturen in der Persönlichkeit und in der Kommunikation Bescheid wissen. Dazu werde ich oftmals von Unternehmen bei Konflikten, Kommunikationsproblemen oder Stressbelastungen im Unternehmen beauftragt, bei denen ich dann als Trainer und Coach für Abhilfe sorgen soll.

In meiner Wahrnehmung gibt es zwischen diesen beiden Beobachtungen einen sehr deutlichen Zusammenhang. Je weniger die Menschen über Persönlichkeitsstrukturen und Kommunikation wissen, desto häufiger kommt es dadurch zu Situationen, in denen Teams nicht gut miteinander kommunizieren (können). Hieraus entstehen Konfliktsituationen, die oftmals unterhalb der Sichtbarkeitsgrenze schwelen und dementsprechend bei den Mitarbeitern zu einer massiven Stressbelastung führen. Was für den beruflichen Bereich gilt, gilt ebenso für den privaten Bereich.

Je mehr aber Werkzeuge der Kommunikation allgemein bekannt sind und je mehr der Einzelne über seine eigene Persönlichkeit und über die Bedürfnisse seines Gegenübers weiß, desto größer wird das Verständnis füreinander, desto reibungsloser verläuft die Kommunikation miteinander und alle Beteiligten fühlen sich wohler.

Wenn Menschen sich in einem Umfeld aufhalten, wo sie Unterschiede wahrnehmen, und einordnen können, woher diese Unterschiede kommen, wird aus Mutmaßungen und Unterstellungen schnell eine Atmosphäre des konstruktiven Austauschs. Wenn Menschen offen über ihre Bedürfnisse kommunizieren und es zu einem respektvollen Umgang und einer Wahrung der persönlichen Komfortzonen kommt, dann kann das Miteinander sehr entspannt sein.

Auf die einzelne Person heruntergebrochen gilt das allerdings auch. Wenn du dir selbst nicht bewusst bist, was dich antreibt in deinem Leben, wenn du nach dem Trial-und-Error-Prinzip lebst, dann wird der Weg durch dein Leben ein Zufallsergebnis bleiben. Wenn du dir allerdings klarmachst, wie du tickst, was deine Bedürfnisse sind, wie du in bestimmten Situationen reagierst und was deine inneren Motive sind, die dir Energie geben, dann kannst du bewusst dein Leben planen und dir Qualitätsräume schaffen, die du so gestaltest, dass du dich wohlfühlst.

[13]Als Coach erlebe ich es oft, dass Menschen zu mir kommen, die verzweifelt sind, weil sie ein Gefühl der inneren Leere spüren. Die merken, dass sie sich irgendwie verrannt haben, allerdings nicht genau festmachen können, woraus dieses Gefühl resultiert oder wie sie in diese Situation gekommen sind. In diesen Lebensphasen ist es sehr effektiv und erhellend, Klarheit in das eigene Verhalten und die treibenden Lebensmotive zu bringen. Den meisten Coachees wird dann sehr schnell klar, warum sie in einer bestimmten Situation sind, und sie erkennen rückblickend so etwas wie ein Verhaltensmuster in ihrem Leben, welches sie von diesem Zeitpunkt an aktiv gestalten können. Und zwar in der Art und Weise, dass es ihnen guttut.

Diese Erkenntnisse haben in mir die Frage auftauchen lassen, wie ich es schaffen kann, möglichst viele Menschen auf diesen Themenbereich und vor allen Dingen auch auf menschliche Verhaltensweisen neugierig zu machen. Als Ergebnis ist dieses Buch entstanden, welches dir auf eine lockere Art und Weise leicht nachvollziehbare Einblicke in das Thema geben soll. Die Stresstier®-Systematik erhebt dabei nicht den Anspruch an höchste wissenschaftliche Standards, sondern soll dir vielmehr ein Mittel an die Hand geben, welches praxistauglich ist. Du sollst Spaß daran bekommen, dich selbst und andere Menschen besser zu verstehen, indem du wahrnimmst, dass es Unterschiede gibt. Und sie soll dich neugierig darauf werden lassen, was du aus diesen Unterschieden für dich und die Begegnung mit anderen Menschen lernen kannst.

Ich gebe dir dazu im Buch eine ganze Reihe von Ideen an die Hand, wie du die einzelnen Stresstiere daran erkennen kannst, wie sich diese verhalten und wie sie kommunizieren. Du erfährst, welche Auswirkungen das auf die unterschiedlichen Lebensbereiche wie Beruf, Partnerschaft und Kommunikation im Allgemeinen haben kann. Du bekommst auch konkretes Werkzeug gereicht, welches dir dabei helfen kann, dein Leben angenehmer und entsprechend der Bedürfnisse deines Stresstieres zu gestalten. An der ein oder anderen Stelle werden wir gemeinsam kleine Abstecher in Themenbereiche machen, die eng mit dem Stresstier® verknüpft sind, oder die dir zusätzliche Möglichkeiten bieten, deine eigene Persönlichkeit besser zu verstehen.

Denn wenn du mehr über dein Stresstier® erfährst, hilft dir das in erster Linie, dich selbst besser zu verstehen und dir bewusst zu machen, warum du dich in bestimmten Situationen auf eine dir ureigene Art und Weise verhältst. Es hilft dir aber auch dabei, das Verhalten anderer Menschen besser einzuordnen, mehr Verständnis für die Andersartigkeit von Menschen zu gewinnen und Situationen, die bisher konfliktträchtig oder unangenehm waren, bewusst zu entschärfen.

Du wirst beginnen, mit einem anderen Blick durchs Leben zu gehen, und dir werden Dinge an Menschen auffallen, die dir vielleicht vorher noch nie aufgefallen sind, weil sie für dich in einem verborgenen Bereich lagen. Es wird deine Neugier wecken, dich und andere genauer zu beobachten. Vielleicht führt es dazu, dass du an einigen Stel[14]len Potenziale, die du in dir trägst und die du bisher ignoriert hast, stärker nutzen kannst, was zu einem höheren Energielevel in deinem Leben führen wird. Möglicherweise kannst du einigen Menschen toleranter begegnen und anhand der Beobachtung des Anderen neue Facetten wahrnehmen, die dein eigenes Leben bereichern.

Du siehst also, es lohnt sich aus vielen Gründen, dass du dich auf die Reise machst, um das Stresstier® zu entdecken. Um dir das Verständnis für die einzelnen Stresstiere und deren Ausprägungen möglichst lebhaft nahezubringen, habe ich das Buch mit zahlreichen Geschichten und Erlebnissen angereichert. Diese stammen aus den unterschiedlichsten Bereichen und dienen dem besseren Verstehen. Wenn du dich also fragen solltest, was eine bestimmte Geschichte mit deinem Arbeitsalltag zu tun hat, dann schau einfach auf die Handlungsstruktur hinter der Story. Entscheidend ist in den Storys, wie die einzelnen Verhaltensweisen der beteiligten Personen und das Zusammenspiel der Akteure sind. Diese lassen sich eins zu eins auf beliebige andere Situationen übertragen.

Unser Unterbewusstsein und unsere Stresstiere unterscheiden nicht zwischen einer beruflichen und privaten Situation, sondern lassen uns so reagieren, wie es unsere inneren Strukturen vorgeben. Daher wirst du in diesem Buch nicht nur Arbeitssituationen begegnen, sondern wir werden stellvertretend auch die verschiedensten Orte des Privatlebens besuchen, vom Kreißsaal bis zur Kneipe.

Dabei wünsche ich dir viel Spaß und wertvolle Erkenntnisse!

[15]2Ein Blick ins Gehirn

Unser Gehirn ist ein Wunderwerk der Natur und befähigt uns dazu, all das zu tun, was wir tun. Die meisten Prozesse, die das Gehirn tagtäglich für uns erledigt, laufen ab, ohne dass wir es bewusst wahrnehmen. Dies funktioniert in den meisten Fällen auch sehr gut.

Interessant wird es allerdings, wenn das Gehirn uns, mit guter Absicht, in Situationen führt, die skurril bis lustig sind. In denen wir Dinge tun, von denen ein Außenstehender nicht nachvollziehen kann, was wir tun, oder wir uns selbst in eine Sackgassensituation bringen, die uns eher schadet, als nutzt. Doch dazu später mehr, zuerst möchte ich dir das Gehirn an sich vorstellen.

Wenn wir allerdings von dem Gehirn reden, ist das nicht ganz richtig. Das Gehirn hat sich im Laufe der Evolution immer wieder den Anforderungen angepasst, die an es gestellt wurden, und weist somit unterschiedliche Schichten auf. Wenn wir es ganz grob unterteilen wollen, dann können wir drei Schichten unterscheiden, die sich nach und nach entwickelt haben. Zur Veranschaulichung des Aufbaus kannst du deine Hände zu Hilfe nehmen.

2.1Das Stammhirn

Der Daumen der linken Hand steht stellvertretend für den ältesten Teil unseres Gehirns (ca. 500 Millionen Jahre). Es ist das sogenannte Reptilien- oder Stammhirn. In diesem Teil ist auch das Reflexzentrum verankert. Er funktioniert wie ein kleiner Alarmgeber, der automatisch entscheidet, ob eine Information lebensbedrohlich für seinen Besitzer ist, sodass es sich lohnt, sofort zu reagieren, oder ob Zeit genug besteht, die Information eine Gehirnebene höher zu leiten.

Da alle Informationen aus unserer Umwelt über unsere Sinne eingespielt werden (bis zu 13 Sinne zählt die Wissenschaft zurzeit1) und diese sich über die Nerven im Rückenmark bündeln, muss jede Umweltinformation einmal durch das Stammhirn wandern. Dabei wird jedes Mal beurteilt, wie wichtig diese Information für den Besitzer ist. Ist sie nicht lebensbedrohlich und muss nicht reflexartig reagiert werden, dann wird sie auf weitere Relevanz geprüft.

[16]Wir können an dieser Stelle auch von einer sogenannten Türsteherfunktion sprechen. Geht es um für das Gehirn relevante Informationen, dann heißt es: »Du kommst hier rein«, die Information wird bewusst an den Gehirnbesitzer weitergespielt und prägt sich somit abrufbar ein. Ist dies nicht der Fall, wird die Information unbewusst verarbeitet oder einfach im nicht direkt zugänglichen Speicher abgelegt. In anderen Worten heißt das also: »Du kommst hier net rein!«

Wichtig

Dazu muss man sagen, dass das Gehirn wie eine gute Oma ist: Es schmeißt nix weg, weil man es ja vielleicht noch einmal gebrauchen könnte.

Ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen, dass das Gehirn dabei seine eigenen Entscheidungskriterien hat, und mit Sicherheit hast du das auch schon selbst erleben können. Dinge, die uns interessieren, die uns unterhalten oder amüsieren, haben eine große Chance, ins Bewusstsein zu gelangen. Dinge aber, die sich stetig wiederholen, die uns langweilen oder keinen Einfluss auf unser Leben haben, rauschen in der Regel unbewusst vorbei.

Besonders intensiv durfte ich das in der Schule beobachten. Beim Lateinvokabellernen konnte ich mir noch so viel Mühe geben und stundenlang die Vokabeln wiederholen, sie wollten einfach nicht in meinen Kopf. Ich saß ganze Nachmittage über zehn Vokabeln und las mir die einzelne Vokabel mit ihrer Übersetzung meditativ brummend durch: »… hortus – Garten, hortus – Garten, hortus – Garten, hortus – Garten …«. Um dann die deutsche Seite abzudecken und mich zu erinnern, was hortus denn wohl heißen könnte. Dann spickte ich noch einmal (»Ahhh, Garten …«), um dann gebetsmühlenartig mein Gehirn weiter zu quälen. Die aber beiläufig im Radio gehörte Information, dass die erste Silikonbrust-OP an einer Hündin namens Esmeralda durchgeführt wurde2, verankerte sich unauslöschlich in meinem Langzeitgedächtnis. Und so kam es auch, dass ich im Lateinvokabeltest saß und mir die Frage stellte, wie wohl die anderen Hunde Esmeraldas neue Silikonbrüste fanden, mir aber die scheinbar gelernten Lateinvokabeln einfach nicht einfallen wollten ...

Später (leider erst nach meiner Schulzeit), als ich mit dem Thema der Lerntechniken in Kontakt kam3, merkte ich, dass sie auf dem einfachen Prinzip basieren, den Lernstoff [17]so attraktiv zu gestalten, dass er ohne große Anstrengungen den kleinen Türsteher passieren konnte. Damit wurde Lernen für mich plötzlich sehr einfach.

Das Stresstier® Gazelle, das dem Stammhirn zugeordnet werden kann, arbeitet hauptsächlich mit dem Botenstoff Oxytocin. Oxytocin ist auch bekannt als Kuschelhormon. Doch dazu mehr in Kapitel 4.1 über die Gazelle.

2.2Das Zwischenhirn

Wenn du nun deinen linken Daumen in die linke Hand einschließt, so als ob du jemandem die Daumen drücken wolltest, hast du ein ungefähres Modell davon, wie sich der entwicklungsgeschichtlich nächstjüngere Teil (ca. 200 Millionen Jahre), das Zwischenhirn, entwickelt hat. Er umschließt das Stammhirn und stellt den verarbeitenden Teil im Gehirn dar. »Besteht bei dem, was ich wahrnehme, eine Notwendigkeit, anzugreifen?«, ist die Frage, die sich dieser Teil stellvertretend für uns stellt. Er dient dazu, uns in Bewegung zu setzen.

Das Hormon, mit dem dieser Gehirnteil hauptsächlich arbeitet, ist das Adrenalin, was landläufig wohl als das Stresshormon bekannt ist.

Auch hier möchte ich eine Erfahrung aus meiner Schulzeit mit dir teilen. Wenn ich mitgeteilt bekam, dass in zwei Wochen eine Klassenarbeit geschrieben wurde, so sprach dies mein Gehirn noch nicht merkbar an. Wenn die Klassenarbeit dann aber nur noch zwei Tage entfernt war, dann merkte ich, dass mein Zwischenhirn aktiv arbeitete und mich in eine gewisse Grundmotivation versetzte, durch die es mir möglich war, Tag- und Nachtschichten beim Lernen einzulegen.

Diese Vorgehensweise zeigt sich bei vielen Menschen. Am leistungsfähigsten sind sie, wenn der Abgabetermin kurz bevorsteht. Die Strategie, die dahintersteckt, nennt sich Vermeidung von Schmerzen durch Angriff. Mehr dazu findest du auch in Kapitel 8.2 »Die Motive hinter unserem Verhalten«.

Zwar habe ich im Laufe der Zeit immer besser gelernt, auch die Strategie »Erreichen von großen Zielen zu nutzen«, aber wenn ich ehrlich bin, setze ich mir auch heute noch knackige Deadlines4, um künstlich einen gewissen Druck aufzubauen und dadurch mein Zwischenhirn dazu zu bringen, mir einen zusätzlichen Energieschub zu schenken.

Live kannst du die Funktion deines Zwischenhirns beobachten, wenn du einmal durch einen stockdunklen Wald gehst und plötzlich in einigen Metern Entfernung ein nicht [18]definierbares Geräusch zu vernehmen ist. Sofort bist du hellwach, voll fokussiert und bereit, anzugreifen. Auch innerhalb deines Körpers verändert sich sofort einiges. Dein Körper wird auf die Angriffssituation vorbereitet und alles, was du beim Kampf nicht brauchst, wird herunterreguliert. Das bedeutet, dass dein Herzschlag sofort ansteigt, um deinen Körper mit einer Extraportion Energie zu versorgen, die Muskulatur rund um den Hals-Nackenbereich wird verhärtet, um den empfindlichen Hals bei einem eventuellen Kampf zu schützen, und Organe, die gerade nicht benötigt werden (z. B. der Magen-Darm-Trakt), werden in einen Standby-Modus versetzt und weniger durchblutet.

Letzteres ist überwiegend auch der Grund, warum wir, wenn wir richtig in Action sind, kaum ein Hunger- oder Durstgefühl verspüren. Sämtliche Muskeln hingegen, die für den Kampf benötigt werden könnten, sind gespannt wie Drahtseile, um schnell reagieren zu können. (Was das gesundheitlich bedeutet, findest du in Kapitel 4.2.5 »Löwe und Gesundheit«).

2.3Das Großhirn

Wenn du nun deine rechte Hand dazu nimmst und sie über die andere Hand legst, ist dein kleines Gehirnmodell komplett. Die rechte Hand steht als Symbol für dein Großhirn. Dies ist entwicklungsgeschichtlich der jüngste Teil unseres Gehirns (ca. 100.000 Jahre). Es dient dazu, komplexe Informationen zu verarbeiten, mit Erfahrungen abzugleichen und in die Zukunft zu denken, um zu antizipieren, welche Auswirkungen ein bestimmtes Verhalten haben könnte. Hier sitzt also unsere Zentrale für das sogenannte rationale und planerische Denken und entsteht auch die Motivation für große Ziele.

Wenn du dir ein attraktives Ziel lebhaft und groß ausmalst, kann dich das auch in einen guten Motivationszustand versetzen. Da das Arbeiten mit diesem Gehirnteil perspektivisch ist, ist bei diesem Teil, im Vergleich zu den anderen, keine Eile geboten. Am besten lässt sich dieser Teil aktivieren, wenn wir Zeit für eine Entscheidung haben und die nötige Ruhe oder eine kreativ ansprechende Umgebung, die diesen Teil zusätzlich aktiviert.

Der Stress-Typ Affe, der hauptsächlich mit diesem Gehirnteil arbeitet, produziert viel des Hormons Melatonin. Melatonin ist zuständig für die Regulation des Tag- und Nacht-Rhythmus und so verwundert es auch nicht, dass die Ideen für einige der großartigsten Erfindungen genau in der Phase zwischen Wachsein und Schlafen entstanden sind. Landläufig spricht man hier auch von den sogenannten Tagträumereien.

Diesen Zustand kennst du bestimmt auch – leider ist er im Arbeitsalltag nicht immer das Mittel erster Wahl. Stell dir vor, du sitzt in einem Meeting und nach und nach nimmst du die Situation mehr und mehr verschwommen wahr. Deine Gedanken schweifen immer [19]mehr vom Thema ab und fließen leicht und automatisch. Dieser Zustand ist in solchen Situationen gesellschaftlich leider nicht sonderlich erwünscht. Irgendwann spricht dich dein Chef mitten in deine Tagträumereien hinein an und fragt dich etwas, was du allerdings scheinbar erst gar nicht und dann wie durch eine Nebelwand hörst. Als du gedanklich dann endlich wieder auf deinem Stuhl im Meetingraum sitzt, registrierst du, wie er bereits vor dir steht und die Augen der Kollegen auf dich gerichtet sind. Willkommen in der Echtwelt!

Unser Großhirn ist, wenn wir es lassen, in der Lage, vorhandene Informationen neu zu kombinieren und zu ergänzen. Wir können damit auf Reisen gehen und Situationen durchspielen, ohne uns in Bewegung setzen zu müssen. Kreatives und Neues entsteht in diesem Teil des Gehirns.

2.4Unser Gehirn im Stress

Jetzt kannst du dir die Frage stellen, welchen Nutzen eine solche Dreiteilung des Gehirns mit sich bringt. Dazu müssen wir in der Evolution etwa 25.000 Jahre zurückspringen, mitten ins Jungpaläolithikum (jüngerer Abschnitt der eurasischen Altsteinzeit). Der Homo sapiens hat sich in Europa eingelebt und die Höhle ist gemütlich eingerichtet. Höhlenmalereien sind durch die eingewanderten Neulinge en vogue, Elfenbeinfiguren schmücken das steinzeitliche Wohnzimmer und der Klang von Flöten aus Gänsegeier-Knochen verschönert die Tage. Dank des neuen Klingenkonzepts bei den Feuersteinen, das die Levallois-Technik abgelöst hat, und des neu entworfenen Stichels können die modernen Männer ihre Angebeteten mit selbstgemachtem Schmuck becircen. Der Wolf etabliert sich als Vorläufer des Hundes zum »besten Freund des Menschen«. Die langen Unterhosen aus Säbelzahnkatzenfell werden langsam eingemottet, weil die angenehme Frühlingsluft eine erste Vorbotin der, in etwa 15.000 Jahren endenden, letzten Eiszeit ist.

Stell dir vor, wir sitzen mit unserer Sippe gemütlich am Lagerfeuer, verspeisen Pilzpfanne mit selbstgepflückten Kräutern, naschen ein bisschen Honig und schlürfen gemütlich einen Becher Wein. Ich gehe kurz raus, um mir die Füße zu vertreten, komme wieder herein und rufe laut: »Leute, ihr glaubt nicht, was ich da draußen gesehen habe: einen Regenwurm!« Verdutzt schaut mich die gesamte Sippe an und denkt: »Wahrscheinlich hat er ein Schlückchen Wein zu viel genippt.« In den Gehirnen aller Beteiligten löst diese Information jedenfalls nur wenige Reaktionen aus.

Stellen wir uns dieselbe Situation noch einmal vor. Ich gehe wieder raus, um mir die Füße zu vertreten, komme zurück in die Höhle und rufe: »Leute, ihr glaubt nicht, was ich da draußen gesehen habe – die andere Sippe steht mit Keulen und Speeren bewaffnet vor der Tür und will unsere gemütliche Höhle erobern!« In diesem Moment geht [20]alles blitzschnell und dein Gehirn bietet dir, ohne dass du es dir in diesem Moment überhaupt bewusst machst, drei Möglichkeiten an:

Möglichkeit Eins: Du schlüpfst, ohne zu überlegen, in deine Turnschuhe aus Höhlenbärenfell, nimmst die Beine in die Hand und läufst so schnell du kannst weg. Du musst nicht der Schnellste aus der Sippe sein, sondern nur schneller als der Langsamste, dann hast du eine große Chance zu überleben. Der Mechanismus, der dahintersteckt, ist Flucht.Möglichkeit Zwei: Du denkst bei dir, vom Wein beflügelt: »Fremde Sippe? Angriff? Heute fühle ich mich mutig!« Du greifst zu deiner Keule, die noch von der letzten Höhlenbärenjagd in der Ecke steht, und gehst nach draußen, um der fremden Sippe Paroli zu bieten. Der Mechanismus, der dahintersteckt, ist Angriff.