Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Liebes Leben, bitte schicke mir den Erfolg! Wer möchte dies schon nicht? Und dennoch: manchmal scheint einen das Gelingen von Projekten hartnäckig zu umgehen. Weshalb nur? Was läuft in solchen Momenten falsch? Welche Kräfte spielen dabei mit? Ausgehend von meiner Lebensgeschichte untersuche ich die Gründe, die für ein Scheitern von Zielen verantwortlich sind. Anhand vieler spannender Episoden wird dem Leser einiges an Theorie in kurzweiliger Form näher gebracht. Dadurch erfährt er Ursachen für das mögliche Misslingen von Vorhaben. Gleichzeitig werden ihm Lösungsansätze angeboten, die ihm erlauben, sein eigenes Leben in neue Bahnen zu lenken.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 134
Veröffentlichungsjahr: 2017
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Dieses Büchlein ist meinem hochverehrten Lehrer Sri Ganapathi Sachchidananda Swamiji gewidmet.
Einführung
Das Tier im Menschen
Aufbau des Buches
Vögel
Geld
Botox
Schwimmfest
Flüeli
Ursachen von Beschwerden
Wut
Wie ein Tier
Biologische Grundlagen
Massage
Arbeit an der Überlebensstruktur
Schwere Krisen bearbeiten
Mein Menschsein
Finanzielle Schieflage
Das Leben – dein Freund
Anhang
Glossar
Sri Ganapathi Sachchidananda Swamiji
Es braucht nur ein Ja
Literaturverzeichnis
Bände 1 – 4
Beim Abschluss von Buch 4 zeichnete sich bereits das Thema von Buch 5 ab: Das Tier im Menschen. Ich konnte mir aufgrund meiner Ausbildung in Traumatologie vage etwas darunter vorstellen. Wie daraus aber ein ganzes Buch entstehen sollte, war mir schleierhaft. Noch viel weniger konnte ich ahnen, welche eigenen Prozesse mit diesem Thema verbunden waren. Ich denke, das war auch gut so, denn sonst wäre ich in Angst und Panik geraten.
Im Grunde genommen begann das Projekt „Buch 5“ schon nach Abschluss von Band 3, jedoch auf ganz harmlose Art und Weise. Doch davon mehr im ersten Kapitel. Mein geliebter Lehrer Swamiji (sprich „Swamitschi“) bereitete mich langsam darauf vor, mich mit einer neuen Ebene in mir zu befassen. Hier gab es noch einiges, das ich verstehen lernen musste.
Doch wer ist Swamiji? Meiner Meinung nach ist er eine für unser Ermessen so weit fortgeschrittene Seele, dass wir seine wirkliche Grösse kaum erfassen können. Für mich ist es ein riesengrosser Segen, von diesem weisen Lehrer begleitet und geschult zu werden. Weil viele Leser Swamiji schon aus den vorangehenden Bänden kennen, finden sich weitere Informationen über ihn im Anhang. Ebenso liefern dir folgende Internetseiten einiges an Wissen:
www.dattapeetham.com (englisch)
www.dyc.ch (deutsch).
In den folgenden Kapiteln möchte ich dich, lieber Leser, auf meine Reise mitnehmen. Das Buch ist chronologisch aufgebaut und spiegelt in jedem Kapitel meine zu diesem Zeitpunkt gegebenen Möglichkeiten, mit der Realität umzugehen. Somit geniesst du, lieber Leser, sehr authentische Schilderungen über mein Fühlen und Denken in verschiedenen Phasen meines Lebens bzw. meines Prozesses. Dies soll dir einen Eindruck davon vermitteln, wie eine Entwicklung aussehen kann. Zeitweise fühlte ich mich nämlich wie ein kleines Boot mitten auf einem stürmischen Ozean. Die Wellen schienen mich herumzuschleudern und manchmal schier zu „verschlucken“. Doch wer dem Sturme zu trotzen weiss und sich nicht unterkriegen lässt, wird irgendwann eine Lösung finden.
Allerdings stellt sich die Frage: Woran soll man sich orientieren, wenn ein orkanartiger Wind das Meer peitscht? Wie kann man überhaupt sinnvolle Entscheidungen fällen, wenn man einzelne Zusammenhänge noch nicht sehen geschweige denn begreifen kann, weil das Leben chaotisch wirkt?
Hier folgt mein vielleicht wichtigster Rat des gesamten Buchs: Lerne auf dein Herz hören! Übe, dass du selbst in schwierigsten Zeiten diese Stimme noch wahrnehmen kannst. Wenn alles drunter und drüber geht, ist es in dir möglicherweise so stürmisch, dass deine Gedanken nur noch im Kreise drehen und du keinen Zugang mehr zu dieser Stimme findest. Also musst du vorbereitet sein und in ruhigen Zeiten mittels Meditation und/oder anderen Techniken trainieren.
Ich für meinen Teil pflege eine enge Verbundenheit mit meinem Lehrer Swamiji. Wann immer ich einen Rat benötige, horche ich auf seine weisen Anleitungen, die ich auf innerer Ebene empfange. Ich muss nur in mich hineinhören und dieser Stimme vertrauen.
Was hier so einfach tönt, kann sich allerdings recht schwierig gestalten. Auch ich bin nicht über alle Zweifel erhaben und frage mich in Augenblicken grösster Not, ob mir meine Wahrnehmung keine Streiche spielt. Kann ich mir soweit vertrauen, dass ich auch bei ärgeren Turbulenzen Swamiji in mir höre und fühle und nicht meiner Phantasie erliege?
So bemühe ich mich, die Verbindung zu meiner inneren Stimme und somit auch zu Swamiji zu pflegen und sie in mein Dasein zu integrieren. Meine Erfahrung lehrte und lehrt mich: je besser ich dies beherrsche, umso erfolgreicher verlaufen mein Alltag und mein gesamtes Dasein. Aber eben: auch ich selbst befinde mich nicht auf einem gemütlichen Sonntagsspaziergang. Zeitweise schlägt mein Leben Kapriolen, die mich in üble Bedrängnis bringen. Davon wirst du dich, lieber Leser, gleich selbst überzeugen können.
Wie bei den vorhergehenden Büchern möchte ich dir auch mit diesem Band helfen, mit der eigenen Geschichte besser umgehen zu können. Zudem soll er dich motivieren, aktuelle Möglichkeiten zu erkennen und beherzt zu ergreifen. In diesem Sinn: gute Reise!
Um es gleich vorweg zu nehmen: der Titel des Buches hat absolut keinen wertenden Charakter. „Tier“ soll hier nicht als Schimpfwort verstanden werden. Dafür hege ich viel zu viel Achtung für all die Kreaturen, welche die Erde bevölkern. Zudem wissen wir viel zu wenig über die gesamte Schöpfung, um irgendwelche Urteile zu fällen.
In den folgenden Kapiteln erlaube ich mir lediglich, wissenschaftliche Erkenntnisse über die menschliche Entwicklung zu nutzen. Sicher stehen wir auch hier noch vor vielen Rätseln. Es gibt aber auch fundierte Forschung, welche als Basis für die weitere Suche nach Antworten dienen kann.
In ihrem comic-artigen Buch „Das neuroaffektive Bilderbuch“ beschreibt Marianne Bentzen (s. Literaturverzeichnis) ein Modell des Hirnforschers Prof. Paul MacLean. Dieses unterteilt das menschliche Gehirn im Wesentlichen in drei Entwicklungsebenen. Die erste entspricht funktionell derjenigen eines Reptils. Die zweite wäre dem Gehirn eines Säugetiers wie beispielsweise einer Katze zuzuordnen. Die dritte Ebene wird als letzte entwickelt und gleicht vom Aufbau her dem Gehirn höherer Säugetiere wie z.B. den Menschenaffen.
Auf jeder Ebene werden ganz bestimmte Fähigkeiten aufgebaut. Ein Säugling beispielsweise ist noch stark damit beschäftigt, seine Sinneswahrnehmungen (u.a. Spüren und Sehen) zu entwickeln und dadurch in eine Interaktion mit der Welt zu treten. Dafür braucht er verschiedene Grundfähigkeiten, welche auf der ersten Ebene der Hirnentfaltung („Reptilienebene“) erworben werden. Diese Fähigkeiten bilden wiederum die Grundlage für die weitere Entwicklung auf der zweiten Stufe (einfaches Säugetier). Erst einige Zeit später, auf der dritten Entwicklungsstufe (höheres Säugetier), sind dann komplexere Leistungen möglich.
Bei unserer Entwicklung durchlaufen wir also Stadien, wie sie im Tierreich zu finden sind. Dabei beginnen wir mit dem Aufbau von primitiveren Eigenschaften (wie sie eben auch Reptilien entwickeln), bevor wir uns dann die höheren Errungenschaften der Evolution (z.B. logisches Nachdenken) aneignen. Diese Erkenntnis ist insofern wichtig, als wir oft vergessen, dass wir nicht nur rein rationale Wesen sind, welche das Leben mit Analyse und Logik bewältigen können. Weshalb ist dieses Wissen von Bedeutung?
Manch einer hat sich schon vor einer Situation gesehen, in der er sich plötzlich hilflos wie ein Baby vorkam. Trotz eines enorm grossen Wissens und vielen Fähigkeiten gibt es Bereiche, die sich unserem gewollten Handeln entziehen. Etwas in uns scheint zu machen, was es will. Ich möchte beispielsweise an die feuchten Hände und zitternden Knie erinnern, wenn wir vor einer grossen Menge Menschen sprechen sollten. Vielleicht kannst du, lieber Leser, mit dem Beispiel „Schokolade“ (kann durch Chips oder eine andere Leibspeise ersetzt werden) mehr anfangen. Noch gestern nahm ich mir vor, täglich nur zwei Häuschen davon zu essen. Jetzt schwimmen schon zwei Reihen der süssen Köstlichkeit in meinen Magensäften. Oder fühlst du dich mehr angesprochen, wenn es um den Vorsatz geht, dich in Zukunft besser abzugrenzen? Schon wieder hast du „ja“ gesagt, obschon du es nicht wirklich wolltest. Falls nichts auf dich zutrifft, lass deine eigene Phantasie spielen. Ich nehme an, du weisst inzwischen, wovon ich spreche.
Viele unserer Probleme, seien sie psychischer oder physischer Natur, entstehen in den ersten Tagen und Wochen unseres irdischen Daseins. Sie sind also ein Ergebnis der frühen Entwicklung, u.a. der „Reptilienphase“. Dieser Teil in uns ist nicht leicht zu bearbeiten, denn er wurde erschaffen, bevor rationales Denken möglich war. Es nützt deshalb nichts, wenn wir ihn mit unserer Vernunft ansprechen und ihm unsere Wünsche mitteilen. Er reagiert leider nicht darauf. Die Lust auf Schokolade wird unvermindert sein, auch wenn wir diesen Teil bitten, doch lieber nach Karotten zu verlangen.
So stehe auch ich immer wieder vor Problemen, die schwer überwindbar scheinen. Sie trotzen jeglichem Versuch, sie mittels Verstand in sachlicher Manier zu lösen. Teilweise muss ich mich dann durch viele Schichten von Emotionen und Erkenntnissen durchwühlen, bis ich zu begreifen beginne, weshalb diese Probleme überhaupt bestehen. Das Leben scheint mich in solchen Augenblicken förmlich von einer Situation in die nächste zu werfen und zu zwingen, mein Menschsein tiefer und tiefer zu verstehen. Allmählich erweitern sich so meine Möglichkeiten, Einblicke in Zusammenhänge zu gewinnen, die mir neu sind. Damit verändert sich meine gesamte Sichtweise über die Welt. Dies wiederum erzeugt neue Verhaltensweisen in verschiedenen Situationen. Wenn ich Glück habe, komme ich so zu besseren Ergebnissen.
Wir müssen uns also nicht schämen, wenn wir mit unserem rationalen Denken die Probleme nicht wegzuzaubern vermögen. In den folgenden Kapiteln wirst du, lieber Leser, mitverfolgen können, dass selbst umfangreiches Wissen nur teilweise von Nutzen ist. Indem du an meinem Prozess teilnehmen kannst, wirst du erkennen, welche zusätzlichen Qualitäten für einen Heilungsweg dienlich sind. Eine zentrale Fähigkeit habe ich im letzten Kapitel bereits ausgeführt: die Verbindung zur inneren Stimme. Daneben gibt es noch weitere Voraussetzungen, die für einen Erfolg wichtig sind. Diese gilt es gezielt zu fördern. Dazu jedoch mehr gegen Ende dieses Buches.
Die dreistufige Hirnentwicklung werde ich im Folgenden nicht mehr verwenden. Ich wollte damit nur aufzeigen, dass wir möglicherweise mehr an tierischem Erbe in uns tragen, als uns dies bewusst ist. Das Thema als solches werden wir jedoch noch intensiv in einer anderen Form besprechen.
Als nächstes werde ich noch kurz den Aufbau des Buches erläutern, damit du dich auf den folgenden Seiten orientieren kannst und weisst, was dich erwartet.
Wie bereits gesagt beschreibt dieses Buch meinen eigenen Prozess. Es beginnt an einem Punkt, an dem ich selbst den Überblick über das Geschehen noch nicht habe. Dies bleibt auch während längerer Zeit der Fall. Du, lieber Leser, kannst somit mein Erleben unmittelbar mitverfolgen. Dabei erfährst du, wie ich mit meinem Wissen und meinen Möglichkeiten meine Probleme angehe. Im Verlauf der Kapitel setzt allmählich ein Verstehen ein. Was vorher ev. noch als unerklärlicher Schicksalsschlag wirkte, bekommt plötzlich einen Sinn. Schlussendlich finde ich Formen, die vieles erklären helfen. Gleichzeitig eröffnen sie mir auch neue Therapieansätze. Ich finde nämlich Möglichkeiten, mit dem tierischen Teil in uns gezielter umzugehen. Dies gibt dir möglicherweise Ideen, wie du selbst mit deinen eigenen Problemen umgehen könntest. Wenn mir das gelingt, freut es mich von Herzen. Dann können wir gemeinsam den Weg weiter beschreiten, der uns hoffentlich mehr und mehr unseren Zielen näher bringt.
In diesem Sinn wünsche ich dir viel Vergnügen bei der Lektüre der folgenden Seiten.
Ich kann nicht behaupten, dass mich die folgende Eingebung begeistert hätte:
Es war Navaratri (s. Glossar) 2015. Ich spazierte mit Gargi (indischer Name meiner Begleiterin) durch den Ashram (s. Glossar) von Swamiji in Mysore (Indien) und wir besprachen allerlei. Jäh durchfuhr mich die Erkenntnis, dass ich mir Vögel anschaffen sollte.
Das kam für mich sehr überraschend. Eigentlich hatte ich mir schon vor längerer Zeit vorgenommen, keine Tiere zu halten, weil ich einfach zu wenig Zeit hatte, mich um sie zu kümmern. Ich kannte mich gut genug, um zu wissen, dass ich bei Stress nicht unbedingt liebenswürdig war. In diesen Momenten reagiere ich eher ungeduldig und teilweise aggressiv. Das wollte ich keinem Geschöpf antun, am wenigsten mir selbst. Unbeherrschtes Verhalten, unter dem andere leiden, beschert mir unmittelbar ein schlechtes Gewissen, womit ich noch unausstehlicher werde. Nun erfolgte wie aus dem Nichts dieser innere Aufruf. Mehrfach horchte ich in mich hinein, um sicher zu sein, dass ich nicht irgendwelchen merkwürdigen Phantasien auf den Leim ging. Die Stimme blieb jedoch klar und konstant in mir bestehen: Vögel sollten in mein Leben kommen.
Mir war klar, dass ich mir nur kleine und relativ pflegeleichte Tiere anschaffen wollte. Es mussten mehrere sein, denn ein einzelnes Tier war auf eine Bindung mit mir angewiesen, die ich wegen Zeitmangels nicht leisten konnte. Mit entsprechenden Plänen reiste ich nach dem Navaratri nach Hause. Zum Glück ahnte ich zu diesem Zeitpunkt nicht, dass ich mit einem „Ja“ zu den gefiederten Gästen die Zustimmung zu einem weitaus grösseren Projekt gab.
Wenn ich mir etwas vorgenommen habe, schiebe ich es in der Regel nicht lange auf. So stand ich wenige Tage nach meiner Rückkehr aus Indien bereits in einem Zoogeschäft und betrachtete die Vögel in den Volieren. Im Grunde genommen war es mir zuwider, ein solch freiheitsliebendes Geschöpf hinter Gittern zu halten. Doch gleichzeitig war mir klar, dass ich meine innere Stimme nicht ignorieren konnte. Sie war für mich bei all meinen Entscheidungen zentral und hatte sich bisher bewährt. Also wollte ich mir auch diesmal treu bleiben.
Da ich keine Ahnung von der Vogelhaltung hatte, liess ich mich beraten. Es dauerte nicht lange, bis ich erkannte, dass Zebrafinken für meine Zwecke geeignet waren. Ich liess mir ein Pärchen reservieren und stellte mit der Verkäuferin das notwendige Material zusammen.
Bereits einen Tag später fuhr mich meine Freundin Kumari ins Zoogeschäft und half mir, meine neuen Mitbewohner samt Zubehör nach Hause zu transportieren. Nun konnte das Abenteuer „Zebrafink“ beginnen.
Leider dauerte es nicht lange, bis ich mir ernsthaft die Frage stellte, ob diese Entscheidung wirklich weise gewesen war. Nachdem die beiden Vögel am Anfang ganz still in ihrem Käfig im Therapieraum gesessen hatten, wurden sie zusehends aktiver. Sie begannen, wild umherzuflattern und ununterbrochen zu „schwatzen“. Damit hatte ich nicht gerechnet. Im Eiltempo musste ein neuer Platz für die beiden Tiere gefunden werden. Schliesslich brachte ich sie in mein Wohnzimmer. Genau dies hatte ich vermeiden wollen, weil ich mich tagsüber selten im oberen Stockwerk und noch seltener im Wohnzimmer aufhalte. So würde ich meine Vögel nicht häufig sehen. Als sich herausstellte, dass sie nicht nur laut waren, sondern rund um den Käfig eine Sauerei entstand, fand ich den Teppich und die Anordnung der Möbel sehr unpraktisch. Kurz entschlossen unterzog ich meine gute Stube einer gründlichen Veränderung: fast alle Möbel sowie der Teppich mussten einer ganz schlichten Ausstattung weichen. Nachdem auch weitere Teile des ersten Stocks mit Mitbringseln vom Ashram versehen worden waren, herrschte hier eine völlig neue Energie, die mir ausserordentlich gut gefiel. Soweit so gut.
Bald begann mich diese ständige Aktivität der Zebrafinken zu stressen. Ich war innerlich schon nervös genug. Nun schien ich zusätzlich Tiere zu haben, die sich nicht minder unruhig verhielten. Dazu kam, dass das Männchen plötzlich Laute auszustossen begann, die an eine verrostete Schaukel erinnerten. Was am Anfang nur selten zu hören war, wurde zum Dauer-Ruf. In mir wuchsen das Unbehagen und die Überforderung. Ich hatte der Verkäuferin doch klar gemacht, dass ich keine lärmenden Hausgenossen wollte. Nachdem ich im Internet nachgeforscht hatte, bestätigte sich mein Verdacht: das Männchen balzte. Es war jung und offensichtlich sehr potent und eifrig. So anregend einzelne Tierhalter solche Balzrufe finden mögen: für mich war es unerträglich. Endlich fand ich eine Lösung für mein Debakel: ich würde das Männchen zurückbringen und mir ein zweites Weibchen kaufen.
Wiederum konnte ich auf meine gute Seele Kumari zählen. Mir selbst fehlte die Zeit für den Gang in die Zoohandlung. Sie übernahm diese Aufgabe gerne und kurze Zeit später verliess ein neues Zebrafinken-Weibchen fluchtartig die Transportschachtel und gesellte sich zu meinem einsamen Vögelchen im Käfig. Die beiden Tiere waren sofort ein Herz und eine Seele und sassen bald eng beieinander auf einer Sitzstange. Ich war froh über diesen Umstand, denn man hatte mir in der Zoohandlung angedeutet, dass die Haltung von zwei Frauenzimmern problematisch sein und sich ein ewiger „Zickenkrieg“ einstellen könnte. Bald nahm ich wahr, dass die Energie eine ganz andere geworden war: sie fühlte sich viel weicher an als vorher mit dem Männchen, viel weniger wild. Ich war sehr erleichtert und fühlte mich wohler und zuversichtlicher. Als ich mir endlich ein bisschen mehr Zeit nehmen und die beiden Vögel betrachten konnte, nahm ich ganz verblüfft wahr, dass mich mit dem neuen Zebrafinken eine besondere Beziehung verband. Es fühlte sich an, als herrsche hier eine ganz enge Seelenbindung. Mir schien auch, als wäre es schicksalhaft, dass dieses Tier bei mir gelandet war. Weshalb dem so war, konnte ich allerdings nicht verstehen.
