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Im Kielwasser der Entdeckungsreise nach dem Südpolarmeer und rund um den antarktischen Kontinent von Sir James Clark Ross in den Jahren 1839 - 1843 wird eine bahnbrechende und waghalsige Segelexpedition des 19. Jahrhunderts beschrieben. Diese Segelschiffexpedition öffnete das Tor zum Südpol. Die beiden Schiffe Terror und Erebus waren für diese Expedition besonders gegen massiven Eis-Druck verstärkt worden, waren daher schwerfällige und schlecht zu manövrierende Segler und da ohne Motor nur durch Windkraft, Menschenkraft und Strömungen steuerbar. Sie sollten in unbekannte Packeisfelder der antarktischen Gewässer eindringen, um den südlichen Magnetpol zu finden und zu erforschen. Die Expeditionsschiffe waren auch breite und unbequeme Arbeitsschiffe, aber da die Expedition mehrere Jahre dauern würde, musste möglichst viel Proviant und Reservematerial in den Schiffsrümpfen verstaut werden. Keiner ahnte vor Beginn der Reise, wie schnell und unerwartet es Wege ohne Umkehr oder Rettung hätten werden können und dann hätten wir nie wieder etwas von ihnen gehört! Doch es gelang dem britischen Kapitän James Clark Ross auf abenteuerliche Weise und mit hoher Risikobereitschaft, sich wagemutig einen Weg durch das südliche Packeis zu bahnen, Stürmen und riesigen Tafeleisbergen zu trotzen, aktive Vulkane im Eismantel der Antarktis und eine unüberwindbare, senkrechte Eiswand zu entdecken. Zusätzlich fanden er und seine Mannschaft ein bis dahin unbekanntes und unerwartet eisfreies Meer vor dem antarktischen Kontinent, das ihm zu Ehren später den Namen das "Ross Meer" erhielt.
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Seitenzahl: 626
Veröffentlichungsjahr: 2019
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Meine seehistorische Reise in die Vergangenheit des berühmten Seefahrers James Clark Ross begann an einem kalten Januartag. Um uns schwammen rechteckige Eisriesen, die wir aus dem Cockpit der Stahlsegelyacht angespannt beobachteten. Wir segelten in einem Gebiet, in das sich nur wenige Yachtsegler freiwillig hineinbegeben. Unser Ziel lag noch weit im Süden und eine unberechenbare, aber auch faszinierende Packeisbarriere sollte unser Ziel, das Ross Meer der Antarktis versperren.
Der Wunsch, den Spuren dieses seehistorischen Reiseberichtes nachzufolgen wurde durch einen dichten, für eine Stahlyacht von 16 m undurchdringbaren Packeisgürtel vor dem Ross Meer gestoppt und ließ alle Zielerwartungen in einem antarktischen Sturm verwehen, der uns wieder zurück in Richtung Heimat trieb.
Dass ich diesen seehistorischen Spuren im Bereich der subantarktischen Inseln von Neuseeland auf dem Segelschiff „Freydis“ des Ehepaares Wilts folgen konnte, verdanke ich hauptsächlich der Toleranz und Großzügigkeit meiner Frau Gabi, die mich mit Mut und Engagement in meinem Vorhaben unterstützte und die mich trotz unserer drei noch kleinen Kindern auf große Segelfahrt ziehen ließ. Aber auch meinem Partner in unserer Facharztpraxis für Orthopädie Georg Tsobanelis danke ich, der drei Monate die Praxis alleine führte und spätestens seit meiner Reise in die Antarktis begriffen hatte, in welchem Ausmaß meine Leidenschaft den Weltmeeren gehört. Ebenso danke ich Uwe Röttgering, meinem Mitsegler, mit dem ich gemeinsam Spuren von Ross auf den subantarktischen Inseln von Neuseeland und Australien suchte und kreuzte. Gemeinsam planten wir auch die Nachbearbeitung des Expeditionsberichtes von James Clark Ross. Doch die seglerischen Spuren von Uwe verliefen anders, er umsegelte lieber allein die Welt oder kämpfte in transatlantischen Segelregatten um den Sieg. Danken möchte ich auch meiner Mitarbeiterin Iris Studnicka, die vor mehr als zwanzig Jahren den Originalbericht von Ross mit viel Fleiß und Ausdauer abtippte. Die Digitalisierung von historischen Büchern steckte damals noch in den Kinderschuhen.
Spuren
Erster Expeditionsabschnitt
(August 1839 – April 1841)
Abreise England – Kap der Guten Hoffnung – Tasmanien
Erster Vorstoß in die Antarktis und Entdeckung des Ross-Meeres
Zweiter Expeditionsabschnitt
(Mai 1841 – April 1842)
Tasmanien – Australien – Neuseeland – Zweiter Vorstoß in die Antarktis und weitere Erforschung des Ross-Meeres
Dritter Expeditionsabschnitt
(Juni 1842 – September 1843)
Falkland Inseln – Vorstoß in das Weddell Meer
Rückreise nach England
Im Kielwasser von Sir James Clark Ross
(Dezember 1995 –März 1996)
Mit der Segelyacht Freydis entlang den subantarktischen Inseln von Neuseeland und Australien
Im Kielwasser der Südpolarforschung
Zeittafel der Südpolarforschung bis zum Erreichen des Südpols und mit Hinweisen auf Erstereignisse in der antarktischen Forschung
Sir James Clark Ross
Expeditionsteilnehmer zu Beginn der Reise
Bild- und Textquellenhinweise
Schon lange vor dem Zeitalter der Entdeckungen europäischer Seefahrer wurde über die Existenz eines Südkontinents spekuliert. Pythagoras und Aristoteles, die von der Kugelgestalt der Erde ausgingen, waren der Ansicht, dass es einer Landmasse auf der anderen Seite der Erde bedürfe, um die Erde im Gleichgewicht zu halten. Jahrhundertelang vermutete man, dass dieser Südkontinent mit den südlichen Ausläufern der damals bekannten Kontinente verbunden war.
Frühe Reisen nach Süden, ans Ende der Welt und damit in unbekannte Meeresregionen waren geprägt von abergläubischer Angst und Hoffnung - entweder stürze man in einen tiefen Abgrund am Ende des Weltmeeres oder man verlöre sein Leben durch andere unbekannte Gefahren am Rande der bekannten Welt. Aber die Hoffnung auf materiellen Gewinn und darauf, unvergänglichen Ruhm zu erlangen indem man unbekanntes Land, vielleicht auch das sagenhafte „Südland“ entdeckte, verdrängte die Ängste. Durch mutige und bahnbrechende Seefahrer wie Dias de Novaes und João Infante (1487-88), die erstmals auf dem Weg nach Osten die Südspitze Afrikas umrundeten oder durch Ferdinand Magellan (1519-22), diesmal auf dem Weg nach Westen, der eine Öffnung vom Südatlantik in den Pazifik fand – die heute nach ihm benannte Magellanstraße, wurde bewiesen, dass es Wege zu jenem sagenhaften südlichen Kontinent gab, der die Erde im südlichen Gleichgewicht zum nördlichen Übergewicht hielt – wie die Vermutung von antiken und späteren Denkern und Philosophen Jahrhunderte zuvor war.
Im Jahr 1773 schlug der berühmte Entdecker James Cook auf seiner zweiten Südseereise ein wichtiges Kapitel der Antarktisforschung auf. Mit seinen Schiffen Resolution und Adventure überquerte er als erster den südlichen Polarkreis und erreichte später die bis dahin südlichste Position von 70° 10' S, doch undurchdringliches Packeis verhinderte ein weiteres Segeln nach Süden. Obwohl Cook die Antarktis vollständig umsegelte, kam nicht ein einziges Mal Land in Sicht. Er glaubt somit nicht an ein „Südland“. Die Suche nach dem geographischen Südpol und nach dem magnetischen Pendant zum Nordpol war aber Triebkraft genug, erneut ein hohes Risiko einzugehen, denn –„ wer nicht wagt, der nicht gewinnt“.
James Clark Ross wurde am 15. Mai 1800 in London geboren. 1829 taucht erstmals in der Geschichte der Polarforschung sein Name auf. In diesem Jahr begleitet er seinen Onkels John Ross bei einer Nordpolarexpedition. Auch damals war die Lokalisierung und Erreichung des magnetischen Nordpols die Triebfeder für diese Polarexpedition. John Ross war ein in den Polarregionen erfahrener Seefahrer, der die Höhen und Tiefen, die Gefahren der Reisen im Eis und die Fehlinterpretationen der Eistäuschungen schmerzhaft 1816 durchleben musste. Mit seiner privat finanzierten zweiten Polarreise in den Jahren 1829 -33 gelang ihm eine Rehabilitation, zu dessen Erfolg sein Neffe James Clark Ross wesentlich beitrug, denn er erreichte auf dem Landweg als Erster 1831 den magnetischen Nordpol. Damit fand James Clark Ross ruhmvollen Einzug in die Polarforschung, sodass er von der britischen Admiralität 1839 beauftragt wurde, diesmal den südlichen Magnetpol zu entdecken und zu erforschen.
Die Schwierigkeiten, mit denen Ross und seine Mannschaft zu kämpfen hatten, waren enorm, wenngleich Ross es uns mit seiner nüchternen Sprache nicht gerade leicht macht, die Strapazen und Entbehrungen, die die Besatzungen der Segelschiffe Erebus und der Terror erlitten, nachzuvollziehen. Allein die Herausforderung, mit einem Segelschiff und nur mit Hilfe des Windes, unberechenbarer Strömungen und einer unermüdlichaufopferungsbereit arbeitenden Mannschaft in massives Packeis einzudringen, ohne zu wissen, ob die Schiffe unzerquetscht wieder heraus kommen - ob sie eventuell auf unbekannten Unterwasserfelsen stranden - oder ob sie in eine Packeis-Sackgasse geraten würden, aus der kein Entrinnen möglich wäre, würde heute kaum noch ein Kapitän annehmen. Zu groß sind die Unwägbarkeiten die damit verbunden sind, wenn das Schiff und das Leben der Mannschaft diesen Launen des Wetters, des Meeres und des Packeises erbarmungslos ausgesetzt sind.
„Die See ging furchtbar hoch und brach sich über die höchsten Berge, so dass es uns nicht länger möglich war, unsere Position zu halten, und wir in das dichtgedrängte Packeis leewärts getrieben wurden. Bald nach Mitternacht befanden sich die Schiffe in einem Meer rollender Eismassen, hart, wie schwimmende Granitfelsen, welche, von den Wellen getrieben, mit solcher Gewalt gegen uns anprallten, dass die Masten zitterten, als wollten sie bei jedem neuen Schlag herabstürzen. Die Vernichtung der Schiffe schien wegen der gewaltigen Stöße, die sie erhielten, unvermeidlich. Durch Backsetzen der Segel versuchten wir, den Zusammenstoß mit den größten Eismassen zu vermeiden, aber dies war nicht immer möglich. Schon zu Anfang des Sturms wurde das Ruder der Erebus so beschädigt, dass es nicht länger zu gebrauchen war, und nicht lange darauf signalisierte uns auch die Terror, dass das ihrige ganz zerschmettert und fast ganz vom Heck weggerissen sei. Wir hofften tiefer im Packeis aus dem Bereich des Sturms zu sein, aber darin irrten wir uns. Eine Stunde nach der anderen verging ohne die mindeste Besserung unserer grauenhaften Lage. So häufig und gewaltig wurden die Stöße, dass wir kaum hoffen durften, unsere Schiffe würden noch viel länger halten. Das laute Krachen der Balken und Verbände, wenn das Schiff gegen die schweren Eismassen rammte, was auch die größte Tätigkeit und Anstrengung der Mannschaft nicht verhüten konnte, war in der Lage, das mutigste Herz, das nicht unterstützt war durch Vertrauen in den Lenker aller Dinge, mit Furcht und Verzweiflung zu erfüllen. Ich würde ungerecht gegen meine Gefährten sein, wenn ich hier nicht meine Bewunderung über ihr ausgezeichnetes Benehmen bei dieser Gelegenheit ausspräche. 28 Stunden lang, wo wir fast keinen Augenblick die Hoffnung hegen durften, am nächsten Tage noch am Leben zu sein, waren die Kaltblütigkeit, der ruhige Gehorsam und die unermüdliche Ausdauer jedes Einzelnen über alles Lob erhaben.“
Wie schwer es war und welche meisterliche Seemannschaft dazu gehörte, während eines Sturms im Packeis zu manövrieren, können wir uns heute kaum noch vorstellen. Die absolute Disziplin der Mannschaft, eine hohe Leistungsbereitschaft, das uneingeschränkte Vertrauen in die Fähigkeiten des Expeditionsführers – verstärkt bei Lebensgefahr, bewahrte sie vor einer Katastrophe. Wir hätten nie etwas von den Schicksalen der Verunglückten erfahren, wenn nicht die geniale Seemannschaft von James Clark Ross sie aus scheinbarer Ausweglosigkeit gerettet hätte.
„Noch vor Mitternacht ließ ich die Marssegel einreffen und alle Vorbereitungen zum Beidrehen bis zum Morgen treffen, da es mir zu gefährlich schien, unsere Fahrt im Dunkeln weiter fortzusetzen. Kaum hatte die Mannschaft die nötigen Manöver vollendet, als sich dicht vor uns ein großer Eisberg zeigte. Das Schiff wurde sogleich dicht an den Wind gebracht, in der Hoffnung, ihn noch zu umschiffen, aber in demselben Augenblick kam die Terror unter Mars- und Focksegel auf uns los, und da sie nicht zu gleicher Zeit der Erebus und dem Eisberg ausweichen konnten war ein Zusammenstoß unvermeidlich.
Wir setzten sogleich alle Segel back, um die Heftigkeit des Stoßes zu vermindern, aber der Stoß war so gewaltig, dass fast niemand auf den Beinen blieb. Unser Bugspriet, Fockstenge und andere kleinere Spieren stürzten herab und die beiden Schiffe, die sich mit dem Tauwerk in einander verwickelt hatten und ständig mit fürchterlicher Gewalt aneinander stießen, trieben auf die senkrechte Wand des hohen Eisbergs zu, den die Wellen fast bis zu seinem Gipfel in Gischt hüllten. Manchmal wurde die Terror über uns emporgehoben, so dass wir fast ihren Kiel sahen, und rollte dann wieder in die Tiefe, wenn wir auf einer Welle emporstiegen und sie unter uns zu begraben drohten, während das Krachen des Oberwerks und der Beiboote das Schreckliche der Szene noch vermehrte.“
Doch James Clark Ross befahl in diesem verzweifelten Augenblick ein Segelmanöver, welches bis dahin noch keiner vor ihm ausgeführt hatte:
„Der einzige Weg, aus dieser grauenerregenden Lage zu kommen, war das gefährliche Experiment des Rückwärtssegelns, das bei einem solchen Sturm in so hochgehender See nur die Gefahr, jeden Augenblick in Stücke zerschmettert zu werden, rechtfertigen konnte. Das heftige Schlingern des Schiffes und der Umstand, dass die Masten, so oft die unteren Rahen an die sich hoch über uns empor türmende Eiswand anstießen, brechen konnten, machten das Losbinden des großen Segels zu einer sehr gefährlichen Sache, aber der Befehl war kaum erteilt, da zeigte sich die Verwegenheit des britischen Matrosen. Die Leute eilten mit der ihnen eigenen Bereitwilligkeit hinauf, und obgleich sie zu wiederholten Malen wieder von der Rah weichen mussten, hatten sie doch bald das große Segel losgemacht. Mitten im Getöse des Sturms und des Meeres war es schwer, die gegebenen Befehle zu hören, und es dauerte drei Viertelstunden ehe die Rahen beigebrasst und die großen Halsen scharf angeholt waren - ein Manöver, das bei solchem Wetter vielleicht noch nie versucht worden war.“
Wie Ross und seine Männer sich gefühlt haben mögen, als sie ans damalige Ende der Welt vordrangen, können wir heute allenfalls erahnen. Eines dürfte gewiss sein, nie waren Forscher und Entdecker abgeschnittener vom Rest der Welt, nie war die Aussicht auf Rettung im Falle eines Scheiterns geringer als bei denen, die dem Südkontinent in unserem Weltbild Konturen verliehen haben.
„Wir waren bald nur noch eine halbe Meile von den Eisbergen entfernt. Das Gebrüll der Brandung, die sich auf beiden Seiten soweit das Auge sehen konnte erstreckte, und das Donnern und Krachen des Eises tönte mit fürchterlicher Deutlichkeit in unsere Ohren, während das häufig abgewendete Auge immer wieder zur Betrachtung der schrecklichen Gefahr hingezogen wurde, die in einer kurzen Stunde unser Leben und alle seine Freuden und Leiden für immer beenden sollte. In dieser unserer tiefen Not riefen wir zum Herrn, und Er hörte unsere Stimmen aus seinem Tempel, und unser Ruf kam zu seinen Ohren. - Ein leichtes Lüftchen füllte unsere Segel; die Hoffnung regte sich wieder und mit größter Hektik bemühten wir uns, die schwache Brise auf das Beste zu nutzen. Wie sie allmählich stärker wurde, fühlten unsere schweren Schiffe ihren Einfluss und bewegten sich erst langsam und bald schneller und vor dem Dunkel werden hatten wir jede Gefahr weit hinter uns.”
Wenn James Clark Ross in unseren Atlanten in Form des nach ihm benannten Ross-Meeres und des Ross-Schelfeises unübersehbare Spuren hinterlassen hat, so führen die Erinnerungen an seine Entdeckungsfahrten eher ein Schattendasein in der Geschichte der Antarktiserforschung. Amundsen, Scott, und vielleicht auch noch Shakelton sind Namen, die man gemeinhin mit der „Eroberung" des weißen Kontinents verbindet. Aber gerade James Clark Ross legte mit seiner Expedition rund 60 Jahre vor dem Auftauchen dieser Männer den Grundstein für deren Erfolge.
Auf seinen alten Reisespuren möchte ich seinen Pionierleistungen und den vielfältigen Gefahren dieser epochalen Entdeckungsreise mit der erneuten Wiedergabe seines Berichtes in deutscher Sprache folgen – denn der erste und letzte Bericht erschien 1847.
An dieser Stelle möchte ich auch auf die Bedeutung des Messens des Venusdurchganges eingehen, die ebenfalls eine wichtige Arbeitsaufgabe der Expedition war. Durch die genaue Messung des Vorbeiziehens der Venus an der Sonne wird der Abstand der Erde zur Sonne festgelegt. Da dieser Vorgang ca. alle 243 Jahre erfolgt und nicht überall auf dem Globus gleich gut sichtbar ist, sind die Mühen für diese weltweiten Messungen verständlich.
Ich habe die Expeditionsreise von Sir James Clark Ross so originalgetreu wie möglich nach der deutschen Ausgabe von 1847 wiedergegeben. Ergänzt wird der Bericht durch Originalbilder der englischen und deutschen Ausgab, sowie – soweit möglich - mit zeitbezogenen Bildern, um diese Reise so plastisch wie möglich nachvollziehen und sich von ihr in den Bann ziehen lassen zu können.
Um diesen Bericht in die spätere Entwicklung der Antarktiserforschung lebendiger einzuordnen, habe ich antarktische Erstleistungen, Erzählungen oder Entdeckungen im Zusammenhang mit der Reise von Sir James Clark Ross möglichst authentisch eingefügt.
Eine besondere Erweiterung erhält diese Widergabe des Expeditionsberichtes auch durch meine persönliche Spurensuche im Kielwasser von Sir James Clark Ross, die ich Ende Dezember 1995 bis März 1996 auf einer Segelyacht durchführen konnte. Dabei fand ich aber viele andere Spuren von glücklichen oder unglücklichen Seefahrern, die alte überdeckt oder verwischt haben.
Dr. Heiner Borgmann
August 1839 bis April 1841
Abreise von England über das Kap der Guten Hoffnung bis Tasmanien
Erster Vorstoß in die Antarktis und Entdeckung des Ross-Meeres
Abfahrt von Chatham. Nachdem die zu einer Fahrt im Eismeer nötigen Verstärkungen am Rumpf der Erebus endlich fertig waren, wurde das Schiff am 1. August aus dem Dock gebracht. Das Ausrüsten des Schiffes machte durch die gemeinsamen Anstrengungen der Mannschaften der Erebus und der Terror schnelle Fortschritte und am 16. September erhielt ich die letzten Instruktionen von den Lords der Admiralität. Am 19. fuhren die Erebus und die Terror den Fluss hinab zu ihrem Ankerplatz auf der Höhe von Gillingham.
Experimente vor Gillingham. Hier nahmen wir an Bord, was uns noch an Vorräten und Lebensmitteln fehlte und stellten Beobachtungen über die Störungen, die das Eisen des Schiffes auf die Anzeige der Magnetnadel ausübte, an. Diese einfache und zu jeder Zeit so wünschenswerte Beobachtung war von besonderer Wichtigkeit für die Schiffe, welche die interessanten Regionen der magnetischen Kraft durchfahren und bis zur höchsten erreichbaren magnetischen Breite vordringen sollten.
Bei den Experimenten von Gillingham ist die Erstellung einer Deviationstabelle gemeint. In eine Deviationstabelle oder auch Ablenkungstabelle werden für die Navigation von Schiffen Abweichungen des Magnetkompasses eingetragen, die z. B. durch Metallteile wie Kanonen oder metallische Verstärkungen an Bord verursacht werden. Der festgestellte Ablenkungswert wurde dann mit Hilfe einer solchen Tabelle bei der Kursberechnung entsprechend berücksichtig.
Der „Kommandeur en Chef“ Sir Robert Waller Otway nebst Familie, der uns während unserer Ausrüstung, die unter seinem Kommando stattfand, vielfachen freundlichen Beistand leistete, beehrte unsere Schiffe am 24. mit einem Besuch. Am Morgen des 25. kam der Kapitän Superintendent Clavell mit den Zahlmeistern an Bord und zahlte der Mannschaft außer den fälligen Löhnen noch einen dreimonatigen Vorschuss aus. Kurz nach zwölf Uhr wurden die Anker gelichtet, und wir segelten, gefolgt von der Terror, den Fluss abwärts. Als wir an Sheerness vorbeifuhren, kam ein Lotse an Bord. Da das Wasser aber nicht hoch genug stand um über die Untiefen zu gelangen, mussten wir bis zum nächsten Morgen vor Anker gehen.
DIE SCHIFFE TERROR UND EREBUS BEI DER ABREISE
Reede von Margate. Von hier aus bugsierte uns das königliche Dampfschiff Hekate zur Reede von Margate, wo wir um 2.20 Uhr nachmittags Anker warfen. Am folgenden Abend stieß auch die Terror zu uns und viele Bewohner von Margate besuchten die Schiffe während dieser Zeit. Hier erhielten wir aus dem Dockyard von Deal einen neuen Buganker als Ersatz für einen schadhaften, der beim Lichten zerbrochen war. Glücklicherweise war der Anker zu einem Zeitpunkt gebrochen, wo durch die grobe Nachlässigkeit derjenigen, deren Pflicht es war, die Tauglichkeit unserer Ausrüstung zu prüfen, kein Schaden entstehen konnte. Doch unter anderen Umständen hätten die Sicherheit des Schiffes und seiner Mannschaft hauptsächlich von diesem Anker abgehangen.
Die vorherrschenden Westwinde hielten uns bis zum Abend des 30. September auf der Reede von Margate fest, aber um 4 Uhr nachmittags schlug der Wind plötzlich nach Osten um, so dass wir die Anker lichten und das Foreland umschiffen konnten. Vor Mitternacht drehten wir einige Minuten an den Dünen bei, um unseren Lotsen an Land zu setzen und auf die Terror zu warten.
Bis zum Nachmittag des 3. Oktober hatten wir günstigen Wind, aber jetzt, Startpoint gegenüber, erhob sich ein heftiger Südwestwind. Da wir aber vermeiden wollten, durch Anlegen in den Kanalhäfen noch mehr Zeit zu verlieren, suchten wir die offene See und hatten die Freude zu sehen, dass unsere Schiffe den Sturm sehr gut aushielten, obgleich sie tiefer beladen waren, als wir es für wünschenswert erachteten. Während dieser stürmischen Nacht wurden wir von der Terror getrennt. Da wir aber von unserem ersten vereinbarten Treffpunkt auf der Insel Madeira nicht mehr weit entfernt waren, setzten wir ohne Verzug unsere Reise alleine fort.
Abfahrt von Cape Lizard. Am Morgen des 5. befanden wir uns in der Nähe von Cape Lizard, dem letzten Punkt der englischen Küste, den wir zu sehen bekamen. Es ist nicht leicht unsere Freude zu beschreiben, als wir mit einem günstigen Wind von achtern den Kanal verlassen konnten und nun eine Unternehmung begannen, nach der wir uns so lange gesehnt hatten.
Die täglichen, fast stündlichen Beobachtungen und Messungen verschiedener Art, von denen wir so zahlreiche und nützliche Ergebnisse erwarteten, wurden jetzt in ein System gebracht und von den Offizieren der Expedition sogleich mit großem Eifer begonnen.
Biskaya. Während unserer Fahrt durch die Biskaya hatten wir keine günstige Gelegenheit die Höhe der Wellen zu bestimmen, da wir keinen heftigen Sturm hatten. Dafür hatten wir eine sehr unruhige See, die durch eine sehr starke südwestliche Brise verursacht wurde und eine schwere nordwestliche Dünung, welche kennzeichnend für diese Bucht ist. Die höchsten von uns gemessenen Wellen überstiegen kaum 11 Meter von der Basis bis zur Spitze. Ihre Geschwindigkeit und Entfernung voneinander konnten wir, da ein zweites Schiff nicht vorhanden war, nicht bestimmen.
Wir benutzten jede Gelegenheit die Tiefe des Meeres zu messen, fanden in Tiefen zwischen 550 und 1.100 Meter jedoch keinen Grund. Das spezifische Gewicht des Wassers war auf der Oberfläche des Wassers 1,078. Die gleiche Dichte hatte das Wasser in 550 Meter Tiefe, obgleich es dort 5 bis 10 C kälter als auf der Oberfläche war. Unter 48°20´ N und 8°00´ W begegneten wir einem jener merkwürdigen leuchtenden Flecke, die man schon so oft beobachtet hat. Er hatte einen Durchmesser zwischen 18 und 21 Meter und war in der Mitte viel glänzender als an den Rändern. Gebildet wurde er von Myriaden mikroskopischer Tiere, die ein schönes phosphoreszierendes Licht ausströmten, wenn ein Schiff durch die Ansammlung dieser Tiere hindurchfuhr.
HAFEN UND REEDE VON FUNCHAL (MADEIRA)
Madeira. Mit Tagesanbruch des 20. Oktober erblickten wir die Insel Madeira und ankerten nachmittags auf der Reede von Funchal. Die gütige Unterstützung des englischen Konsuls ermöglichte es uns, sogleich die zur Regulierung unserer Chronometer und die zur Bestimmung der magnetischen Inklination, Variation und Intensität notwendigen Beobachtungen zu beginnen, welche der eigentliche Zweck unseres Aufenthalts auf dieser Insel waren. Da noch immer eine genaue Bestimmung der Höhe des Pico Ruivo, des höchsten Berges der Insel, fehlte, entschloss sich eine Gruppe von Offizieren zur Messung der Höhe des Berges mit zwei Bergbarometern den Gipfel zu besteigen. Zu gleicher Zeit wurden entsprechende Beobachtungen mit den Barometern der Erebus und der Terror etwas über der Hochwasserlinie angestellt.
L´HOMME À PIED
Als Resultat ergab sich eine Höhe von 1859,7 oder 1863,2 Metern über der Meeresfläche, je nachdem, ob man Gay Lussac´s oder Rudberg´s Maß für die Ausdehnung der Luft durch Wärme zur Höhenberechnung nimmt. Diese Messung ergab eine wesentlich größere Höhe als die, welche Oberstleutnant Sabine nach seinen und Kapitän Clavering´s barometrischen Beobachtungen im Winter 1821/29 ermittelt hat. Wahrscheinlich rührt dieser Unterschied von einem Betrug her, den sich die Führer häufig erlauben. So oft nämlich Nebel den höchsten Gipfel verbirgt, machen sie an einer Station halt, die sie „L´Homme à pied“ - der aufrecht stehende Mann - nennen, und die, da sie nach allen Seiten steil abfällt, leicht für den Gipfel gehalten werden kann. Durch diesen Kunstgriff ersparen die Führer sich und den Reisenden die Beschwerlichkeit, in eine tiefe Schlucht hinabzusteigen und von da mühsam den Gipfel zu besteigen.
Nach Niederschrift unserer Messungen ist auch das Ergebnis von Leutnant Wilke´s Beobachtungen in dem Bericht über seine auf Kosten der Vereinigten Staaten gemachte Entdeckungsreise erschienen. Er gibt eine Höhe von 1902,3 Metern über der Meeresfläche bei halber Flut an. Gegenüber unserer Berechnung ein Mehr von fast 43 Metern und viel größer, als man nach der Genauigkeit und Vollkommenheit der bei den Beobachtungen angewendeten Instrumente hätte erwarten sollen.
Die Höhe des Pico Ruivo wird heute mit 1862 Metern angegeben - fast genau der Mittelwert der beiden von Ross bestimmten Höhen. Englische Maßangabe: 6097,08 – 6102,90 Fuß.
Die Führer zeigten uns den von Leutnant Wilkes errichteten Steinhaufen, aber die von den Amerikanern zurückgelassene Gedenktafel war im vorigen Jahr von einigen Personen weggenommen worden um sich ein Feuer anzumachen, wie uns die Führer sagten. Wir konnten die Namen derer, welche sich einer so unschönen Handlung schuldig gemacht hatten, nicht erfahren. Der Tag war besonders schön und unsere Offiziere hatten von der Spitze eine herrliche Aussicht über die ganze Insel. Das ist ein seltenes Glück, denn der obere Teil des Berges ist als Folge der Kondensation von Wasserdampf fast ständig von dichtem Nebel umhüllt.
Lufterscheinung. Am Abend des 22. bemerkten wir von unserm Ankerplatz aus ein sehr merkwürdiges Phänomen. Zuerst zeigte sich hinter den Hügeln links von der Loo-Insel und 20° westlich vom Polarstern ein schwacher Schein von sehr blassem Rosa. Er nahm an Glanz und Ausdehnung zu, bis er nach 20 Minuten die Höhe von 32° erreichte und sich von Nordost nach Nordwest ausdehnte. Um 7.45 Uhr, wo sich die Lichterscheinung bis 43° erstreckte, wurde ihre Farbe tiefer rot, aber viel schwächer, und wenige Minuten nach 8 Uhr war das Phänomen ganz verschwunden. Um 9.30 Uhr erhellte sich derselbe Teil des Himmels wieder auf ähnliche Weise. Diesmal waren zwei Glanzflecken von bleicherer und gelblicher Farbe an dem Punkt der ersten Erscheinung sichtbar. Sie waren dreißig Zentimeter breit und in der Höhe von 25°, wo sie mit dem anderen Licht verschmolzen, 3 Meter voneinander entfernt. Um 10.30 Uhr verschwand die ganze Erscheinung allmählich.
Der Wind kam aus Nordwest, der Kompass wurde während der Dauer des Phänomens nicht im mindesten beeinflusst, die Sterne schimmerten hindurch und der Mond, den eine Zeitlang eine Wolke bedeckte, schien nur wenig verändert, als er später mit großem Glanz leuchtete.
Die Bewohner der Insel stellten über diese ungewöhnliche Lufterscheinung Vermutungen der mannigfaltigsten und unergründetsten Art an. Die Meisten meinten, es müsse entweder ein neuer Vulkan entstanden oder ein sehr großes Schiff in Brand geraten sein. Beide Vermutungen erwiesen sich bei der Ankunft der Terror am 24. um 8 Uhr vormittags als unbegründet. Das Schiff befand sich zur Zeit des Phänomens ungefähr 180 Seemeilen nördlich von Madeira und die Beschreibung, die Kommandeur Crozier und die Offiziere seines Schiffes von der Erscheinung gaben, stimmte so genau mit unseren Beobachtungen überein, dass an der Identität der beiden Lufterscheinungen nicht länger zu zweifeln war.
Da die Terror um so viele Meilen näher stand als wir, und man es von dort immer noch nordwärts und ohne einen wesentlichen Unterschied in der Höhe erblickte, lässt sich mit ziemlicher Gewissheit vermuten, dass die Erscheinung außer den Grenzen unserer Atmosphäre zu suchen ist. Die Ursachen aber anzugeben muss ich solchen überlassen, die mit diesen Dingen vertrauter sind als ich.
Teeplantage. Wir sind Mr.Veitch, dem jetzt verstorbenen Generalkonsul, hauptsächlich für die Vorteile, welche wir aus der Besichtigung seines berühmten Berggartens zogen, wo er mit vielem Erfolg verschiedene Arten Tee und andere chinesische Pflanzen angebaut hat, höchst verpflichtet. Die Teeplantage bestand aus 300 bis 400 Sträuchern und wir alle fanden den Aufguss einiger Sorten, welche wir kosteten, von so gutem Geschmack, dass uns seine Erwartung, den Tee noch zu einem wichtigen Ausfuhrartikel der Insel zu machen, vollkommen gerechtfertigt erschien, vorausgesetzt, dass die Zubereitungskosten nicht wie in Rio de Janeiro durch ihre Höhe ein Hindernis werden. In den Gärten um die Stadt wachsen Bananen, Datteln, Feigen, Gewürze und alle die herrlichen tropischen Gewächse im Überfluss, und der Kaffee, der von sehr guter Qualität ist, genügt den Bedürfnissen der ganzen Bevölkerung.
Unsere magnetischen und anderen Beobachtungen waren kaum beendet, als uns eine starke westliche Brise und eine schwere südwestliche Dünung, begleitet von allen Anzeichen eines kommenden Sturms, zwangen, am 31. um vier Uhr nachmittags in aller Eile abzureisen. Mit Tagesanbruch des 2. November erblickten wir den hohen Gipfel von Teneriffa in einer Entfernung von etwa 55 Seemeilen. Da wir Briefe an Land zu bringen hatten, nahmen wir Kurs auf Santa Cruz, den Hauptort der Kanarischen Inseln, doch Windstille und zu leichte Winde verhinderten, dass wir vor dem Abend des 4. unser Ziel erreichen und dann weiter zu den Kapverdischen Inseln segeln konnten.
PIC DE TENERIFFA
Am 6. November auf 27 N kamen wir in die Region des nordwestlichen Passatwindes und passierten den Wendekreis des Krebses am 8. abends. Wir stießen auf große Schwärme fliegender Fische, die von ihren Verfolgern, dem Bonito und der Golddorade, begleitet wurden. Wir fingen jetzt schon unsere Sammlung naturhistorischer Gegenstände an, indem wir so viele dieser Fische, wie wir fangen konnten, aufbewahrten. Mit Schleppnetzen und anderen Vorkehrungen sammelten wir zahlreiche merkwürdige und ganz neue Spezies von mikroskopischen Seetieren, die, gleich dem Wiesengras für Landtiere, die Grundlage der Nahrung der größeren Seetiere bilden und durch das phosphoreszierende Licht, welches sie ausstrahlen wenn sie gestört werden, den Weg des Schiffes in dunkler Nacht mit wunderbarem Glanz beleuchten.
Am 13. erblickten wir die St. Jago-Inseln (Kapverden) und gingen am nächsten Morgen in Port Praya vor Anker.
ST.JAGO INSEL MIT PORTO PRAYA
St. Jago Insel entspricht der Insel Santiago der Kapverdischen Inselgruppe im Südatlantik.
Die vorgelagerte kleine Wachtel Insel erhielt ihren Namen nach den auf ihr lebenden Wachteln. Seit dem 15. Jahrhundert haben sich Katzen und Ratten auf den Kanarischen Inseln ausgebreitet, die das Aussterben der Kanaren-Wachtel beschleunigt haben.
Die Wachtel-Insel (Quail Island). Mit Erlaubnis des Gouverneurs brachten wir unsere Zelte und Instrumente auf die Wachtel-Insel und fingen unverzüglich unsere Beobachtungen an. Wegen seines vulkanischen Ursprunges ist dieses Eiland zu magnetischen Bestimmungen keineswegs gut geeignet, aber wir hatten jetzt bereits gelernt, den auf dem Schiff angestellten Beobachtungen mehr zu trauen, als denen an Land, selbst wenn letztere unter den günstigsten Umständen gemacht worden waren. Wir beschränkten übrigens unsere Beobachtungen auf die Berichtigung unserer Chronometer und wählten zu diesem Zweck eine Stelle dicht an einer kleinen Bucht an der Westseite der Insel aus.
Diejenigen unserer Offiziere, welchen Zeit und dienstliche Verpflichtungen kleinere Ausflüge in das Inselinnere gestatteten, beschrieben uns das Land und besonders das Tal St. Domingo, wo die alte Hauptstadt der Insel war, als weit schöner und fruchtbarer, als man nach dem unwirtlichen Charakter seiner Küste vermuten sollte.
Bei der Stadt erblickten wir ein schönes, früchtetragendes Exemplar des afrikanischen Riesenbaumes, des Baobab. Sein kurzer, birnenförmiger Stamm von nicht mehr als 3 Meter Höhe hatte über 11 Meter im Durchmesser.
BAOBAB BAUM
Der Affenbrotbaum (Baobab) wurde 1454 bekannt durch den venezianischen Reisenden Luigi Cadamosto, der im Auftrage von Heinrich dem Seefahrer die West Küste von Afrika bereiste.
Mythologische Vorstellung: Nach einer in Afrika weit verbreiteten Vorstellung riss der Teufel den Baum aus und steckte ihn anschließend mit den Zweigen zuerst in den Boden, so dass die Wurzeln nun in die Luft ragen. Einer anderen Erzählung zufolge wollte der Baum bei seiner Entstehung schöner als alle anderen Bäume werden. Als ihm dies jedoch nicht gelang, steckte er seinen Kopf in die Erde und das Wurzelwerk ragte gegen den Himmel. Aus dem Reich der Schöpfungsmythologie erschließt sich uns eine weitere Erklärung: Als am Anbeginn der Welt die Hyäne beim ersten Blick ins spiegelnde Wasser ihre eigene Hässlichkeit erkannte, war sie darüber sehr erzürnt. Sie riss einen Baobab aus und schleuderte ihn gen Himmel, um ihren Schöpfer zu treffen, der ihr dies angetan hatte. Der Baum jedoch verfehlte sein Ziel, stürzte zurück zur Erde, blieb dort umgekehrt im Boden stecken und wächst seither mit den Wurzeln nach oben. - Als Sitz von Göttern und Geistern spielt er außerdem in einer Reihe weiterer afrikanischer Legenden und Sagen eine Rolle.
Die Hitze war höchst drückend und da die ungesunde Jahreszeit kaum vorüber war, kürzte ich meinen Aufenthalt so weit als möglich ab. Wenige Tage genügten, unsere Beobachtungen zu vervollständigen und einen Vorrat von lebendigem Vieh, Früchten, Gemüse und Wasser an Bord zu nehmen. Mit Ausnahme des Wassers waren all diese Dinge von vortrefflicher Beschaffenheit und nicht zu teuer.
Wir verließen Port Praya am Morgen des 20. und von diesem Tage an trat die stündliche Beobachtung der Barometerhöhe und der Temperatur von Luft und Wasser an die Stelle der bis jetzt üblichen dreistündigen Beobachtungen. Dies geschah hauptsächlich, um das Fallen des Luftdrucks bei unserer Annäherung an den Äquator und das allmähliche Steigen des Barometers, je weiter wir uns von diesem wieder entfernten, zu untersuchen. Dies ist ein Phänomen von der größten und allgemeinsten Wichtigkeit, denn es ist tatsächlich weiter nichts als das unmittelbare Maß der bewegenden Kraft, welche die großen Luftströmungen der Passatwinde hervorbringt. Es ist nämlich so, dass das Maß der Luftdruckentwicklung und die Gesetze seiner geographischen Verteilung die Grundlage der Theorie der Passatwinde bilden. Ankunft in der Region der veränderlichen Winde. Mit passieren der Position 8°N und 26 W kamen wir in die Region der veränderlichen Winde, wie das Gebiet zwischen den nordöstlichen und südöstlichen Passatwinden genannt wird. Hier wechseln heftige Windstöße und Regengüsse mit Windstillen und leichten, unbeständigen Brisen ab, was neben der erstickenden Hitze und der mit Elektrizität geschwängerten Atmosphäre diesen Teil der Reise so unangenehm wie ungesund macht, zumal bei unserem Schiff mit seinem glatten Deck die Notwendigkeit bestand, die Luken geschlossen zu halten, was eine freie Zirkulation der Luft verhinderte. Am 27. sahen wir bei sehr klarem Himmel die Venus trotz des Glanzes der Mittagsonne fast im Zenit. Wir waren dadurch in der Lage, die höhere Wolkenschicht entgegen der Windrichtung ziehen zu sehen. Dies ist ein Vorkommnis, das sich sowohl in der Region der Nordost- als auch der Südost-Passatwinde in unseren meteorologischen Tagebüchern häufig verzeichnet findet und welches auch von früheren Reisenden beobachtet worden ist. Kapitän Basil Hall sah es vom Gipfel Teneriffas und Graf Strzelecki erreichte bei Besteigung des Vulkans von Kirauea auf Owaihi in einer Höhe von 1.200 Meter eine Region oberhalb des Passatwindes und beobachtete hier einen entgegengesetzten Luftstrom von abweichender hygrometrischer und thermometrischer Beschaffenheit. Dies sind Tatsachen welche anzeigen, durch was das Gleichgewicht der Atmosphäre unter gewissen Bedingungen in diesen Regionen erhalten wird. Noch von einer anderen scheinbar anormalen Beobachtung benachrichtigte mich Graf Strzelecki. Er fand nämlich in einer Höhe von 1.800 Meter einen Luftstrom, der im rechten Winkel über die beiden unteren Schichten hinzog und ebenfalls von abweichender hygrometrischer und thermometrischer Beschaffenheit, aber wärmer als die Zwischenschicht war.
ST. PAULS FELSEN
St. Pauls Felsen. Die Nähe der St. Pauls Felsen, auf die wir zusteuerten, verriet sich durch das Erscheinen von Seevögeln. Am nächsten Tag um 9 Uhr morgens zeigten sich die zwei höchsten Spitzen der Felsen am Horizont in einer Entfernung von drei bis vier Seemeilen und mit der Zeit stiegen allmählich auch die kleineren Felsen empor. Da aber unsere Schiffe durch eine starke westliche Strömung während der Nacht sehr weit nach Lee abgetrieben worden waren, konnten wir die Felsen erst spät abends erreichen.
Wir landeten auf der Insel früh am nächsten Morgen mit einiger Schwierigkeit wegen der Brandung und der hohen See, welche durch die verschiedenen Kanäle in das mittlere Bassin strömte.
St. Pauls Felsen
Der St. Peter und St Paul Felsen liegen mitten im Atlantik nahe des Äquators und gehört zu Brasilien. Auf ihnen befindet sich eine kleine Forschungsstation. Diese Felseninseln im Atlantik sind nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Vulkaninsel im Indischen Ozean zwischen Kap der Guten Hoffnung und Australien sowie einer gleichnamigen in der Bering See.
1511 strandete hier die Karavelle „Saint Peter" unter dem Kommando des Portugiesen Manuel de Castro Alcoforado. Die Inseln wurden von Charles Darwin am 16. Februar 1832 während seiner Expedition mit der Beagle besucht.
Diese merkwürdigen Felsen, welche unter 0°56´N und 29°20´W und mehr als 450 Seemeilen vom Festland entfernt liegen, scheinen vulkanischen Ursprungs zu sein. Sie erheben sich nirgends mehr als 21 Meter über die Meeresfläche und bilden zusammen einen länglichen Krater, dessen Längsachse von Nordost nach Südwest geht. Die beiden höchsten Spitzen dieser Felsen bestehen aus einem sehr harten Hornstein, der auf einer eigentümlichen weißen Felsmasse, welche sich wie trockene Erde anfühlt und etwas an der Zunge hängen bleibt, ruht. Dieses letztere Gestein gleicht dem Caolin oder verwittertem Feldspat und ist mit dünnen Adern von sehr hartem glasartigem Serpentin durchzogen.
Diese beiden Felsarten kommen in verschiedenen Graden der Verwitterung vor. Wo sie der Wirkung der Wellen ausgesetzt sind, sind sie an vielen Stellen honigwabenartig und von Massen aus Sedimentgestein und sehr merkwürdigen Adern durchzogen.
Als einer unserer Leute einen Versuch machte, durch einen Kanal zu waten, hob ihn eine sehr große Welle vom Boden, so dass er längere Zeit in großer Gefahr war. Mehr als einmal erreichte er den Rand des Ufers und versuchte festen Fuß zu fassen, aber ebenso oft riss ihn die zurückweichende Welle wieder los. Außer Stande ihm Beistand zu leisten, konnten wir, erfüllt von der großen Sorge, einer der zahlreichen Haie, die sich in der Bucht befanden, könnte ihn wegfangen, von der anderen Seite des Ufers seinem Kampf nur zusehen. Zuletzt gelang es ihm jedoch, die Felsen hinauf zu klettern. Er war zwar von der langen Anstrengung höchst ermattet, aber zum Glück hatte er bis auf ein paar Beulen keinen weiteren Schaden davongetragen.
Als wir nachmittags zu den Schiffen zurückfuhren, ließ uns die veränderte Farbe des Wassers vermuten, dass es bis zu einer Entfernung von einer viertel Seemeile von der Küste wahrscheinlich seicht sei. Während unserer Abwesenheit hatte man auf dem Schiff in einer Entfernung von einer halben Seemeile von den Inseln in einer Tiefe von 550 Meter Grund gefunden. In der doppelten Entfernung erreichte das Senkblei bei 915 Meter noch nicht den Meeresboden, was ein Beweis dafür ist, dass der Berg, dessen Gipfel diese Spitzen bilden, sich unter dem Meer sehr steil erheben muss.
Wir passieren den Äquator. Am 3. Dezember gegen Mitternacht passierten wir den Äquator unter 30° westlicher Länge. Die Zeremonie, die diejenigen, welche den Äquator zum ersten Male überquerten, über sich ergehen lassen mussten, wurde am nächsten Morgen mit den üblichen gutmütigen Neckereien vollzogen.
Man ist sich noch nicht ganz einig, welcher der beste Längengrad ist, bei dem der Äquator passiert werden sollte, da wir aber die St. Pauls Felsen besuchen mussten, waren wir genötigt, so weit westwärts zu gehen. Andernfalls hätte ich den 26. oder 27. Grad westlicher Länge vorgezogen, denn die starke westliche Strömung bringt Schiffe, die mit einem schwachen Passatwind segeln, leicht der brasilianischen Küste zu nahe.
Je weiter südlich wir kamen, desto mehr nahm die Stärke dieser Strömung ab, und in Höhe des 8. oder 9. Breitengrades tritt eine schwache nördliche Strömung an ihre Stelle.
ÄQUTORTAUFE
Die Magellanschen Wolken und das Kreuz des Südens wurden jetzt sichtbar. Obgleich nach meiner Meinung letzteres nicht so schön ist, wie mehrere unserer nördlichen Sternbilder, so erfüllte uns sein Anblick doch mit den freudigsten Hoffnungen für die Zukunft, denn es war durch sein allmähliches Emporsteigen am Himmel ein Zeichen dafür, dass wir unserem Ziel immer näher kamen.
In diesem Teil des Meeres bemerkten wir große Ansammlungen der schönen Pyrosoma, die in einem schönen blassen Silberlicht schimmerten. Wenn man die Tierchen aus dem Wasser nimmt, hört das Leuchten auf, so wie man aber irgendeinen Teil des Tierchens reizt, zeigt sich das Leuchten wieder und verbreitet sich dann von diesem Punkt aus durch das ganze Tier.
Wenn man vom Nord- oder Südpol spricht, ist damit meist einer der geographischen Pole gemeint. Nun war schon früh bekannt, dass eine Kompassnadel nicht genau zu den geographischen Polen zeigt, sondern dass die Kompassnadel, die sich am Magnetfeld der Erde ausrichtet, in ihrer Anzeige eine gewisse Abweichung hat. Diese Abweichung wird Missweisung genannt. Die Missweisung ist der Winkel zwischen geographisch Nord und magnetisch Nord bzw. geographisch Süd und magnetisch Süd. Je nachdem, wo man sich auf der Erde befindet, hat die Missweisung einen anderen Wert.
Um genau mit dem Kompass navigieren zu können, ist es nötig, den Wert der Missweisung für das Gebiet, in dem man sich befindet, zu kennen. Daher war die Erforschung des Erdmagnetfeldes für die Seefahrenden Nationen im 18. und 19. Jahrhundert von besonderer Bedeutung. Neben anderen naturwissenschaftlichen Beobachtungen waren daher magnetische Messungen eine wichtige Aufgabe der von Ross durchgeführten Expedition. Ross erwähnt in seinem Tagebuch immer wieder die sogenannte Inklination. Darunter versteht man die Neigung einer Kompassnadel gegenüber der Horizontalen. Je näher man einem der magnetischen Pole kommt, desto senkrechter steht die Kompassnadel. Durch messen der Inklination konnte Ross also feststellen, wie nah er seinem Ziel, dem magnetischen Südpol, schon gekommen war.
Der magnetische Äquator. Als wir uns am 7. Dezember dem magnetischen Äquator, also der Linie auf der die Magnetnadel horizontal steht, näherten, machten wir eine Reihe von Messungen zu diesem interessanten Thema. Um uns einen genauen Überblick der Beobachtungen auf jedem der beiden Schiffe zu verschaffen und die Ursachen der möglichen Abweichungen zu entdecken, teilten wir uns nachmittags um 1 Uhr durch Signale die täglichen Messergebnisse mit. Dieses Vorgehen zeigte sich so vorteilhaft, dass ich sie jeder Expedition, die zu einem ähnlichen Zweck ausgerüstet ist, empfehlen möchte. Um den magnetischen Äquator im rechten Winkel zu passieren, steuerten wir so gerade nach Süden, wie es der Wind erlaubte. Wir fanden bei unseren Beobachtungen der allmählichen Abnahme der Inklination eine so schnelle Veränderung vor, dass sie sich mit großer Genauigkeit bestimmen ließ. Die Messungen waren so genau, dass das Signal, das beim Passieren des magnetischen Äquators, als die Nadeln im Gleichgewicht zwischen dem nördlichen und südlichen magnetischen System eine vollkommen horizontale Lage annahmen, auf beiden Schiffen in demselben Augenblick gezeigt wurde. Nichts konnte zufriedenstellender sein, als die vollkommene Übereinstimmung unserer Beobachtungen bei einer so wichtigen Angelegenheit. Auch musste es für mich von mehr als gewöhnlichem Interesse sein, die Nadel in dieser Lage zu erblicken, da ich sie vor einigen Jahren am nördlichen magnetischen Pol in vollkommen senkrechter Stellung gesehen hatte. Gewiss war uns, als wir den Südpol der Nadel sich unter den Horizont neigen sahen, die Hoffnung zu verzeihen, dass wir sie in nicht zu langer Zeit am südlichen magnetischen Pol der Erde in ähnlicher Stellung erblicken würden. Die Regelmäßigkeit und Geschwindigkeit, mit der die Veränderungen der Inklination stattfinden, ist ebenfalls bemerkenswert. Die geographische Lage des magnetischen Äquators, wo wir ihn passierten, war 13°41´S und 30°41´W. Hier bemerkten wir wieder die Einwirkung einer westlichen Strömung von fast einer Seemeile die Stunde.
Punkte der geringsten Intensität. Die mir mitgegebenen Instruktionen legten besonderes Gewicht darauf, die Lage des Minimumpunktes magnetischer Intensität, also desjenigen Punktes, wo auf der ganzen Erdoberfläche die magnetische Intensität am geringsten ist, festzustellen. Es dürfte hier angebracht sein zu bemerken, dass man, wenn man aus der nördlichen in die südliche Hemisphäre übergeht, auf jedem Meridian einen Punkt findet, wo die Intensität, nachdem sie allmählich abgenommen hat, wieder zunimmt, je näher man den höheren magnetischen Breiten kommt.
Diese verschiedenen Punkte bilden zusammen einen dem magnetischen Äquator ähnlichen Kreis um die Erde, welcher - gleich diesem - sie in fast gleiche Hälften teilt und irrtümlicherweise bis vor kurzem mit dem magnetischen Äquator für identisch gehalten wurde. Auf diesem Kreis befindet sich ein Punkt, wo die Intensität am geringsten ist, und diesen aufzusuchen war unser besonderes Ziel, wobei wir noch die Richtung dieses Kreises und die Form und Ausdehnung der Linien und Ovale isodynamischer oder gleicher Intensität untersuchen sollten.
Um diese verschiedenen Ziele zu erreichen, mussten wir einen ganz andern Kurs als den üblichen nach St. Helena steuern. Dazu war es notwendig, gegen den Passatwind in Richtung dieser Insel zu kreuzen, ein selten oder nie versuchtes Experiment, das unsere langsam segelnden Schiffe nur durch ein großes Zeitopfer durchführen konnten. Am 16. Dezember passierten wir den Äquator der geringsten Intensität auf 19° S und 29°15´ W, also 180 Seemeilen weiter nach Norden, als frühere Beobachtungen hatten erwarten lassen.
NINE - PIN - ROCK VON TRINIDAD
Insel Trinidad. Am 17. Dezember in der Frühe bekamen wir die Insel Trinidad zu Gesicht. Um 7.30 Uhr vormittags verließen Kommandeur Crozier und ich in Begleitung mehrerer Offiziere die Schiffe. Nachdem wir entlang der Leeseite der Insel gerudert waren, gingen wir in einer kleinen Bucht, ein wenig nördlich von dem Kegelfelsen Halley´s, an Land, da an anderen Stellen die Brandung für unsere Boote zu stark war. Die Insel ist eine vulkanische Felsenmasse, die an ihrer Leeseite steil und an manchen Stellen bis zu einer Höhe von 600 Meter aus dem Meer emporsteigt. Die Basaltfelsen, aus denen sie besteht, zeigen die wunderlichsten Formen. Die merkwürdigsten Felsen sind der Zuckerhutberg am südlichen und der Kegelfelsen am nordwestlichen Ende der Insel.
Der letztere steigt 260 Meter fast senkrecht aus dem Meer hoch. Er hat die Gestalt einer Säule und lehnt sich mit seiner Rückseite an eine Hügelreihe von 60-100 Meter Höhe an, die wie die Berge, welche eine unüberwindliche Mauer zwischen dem schmalen Strand und dem Inneren der Insel bilden, hauptsächlich aus Grünstein bestehen.
Magnetischer Einfluss der Insel Trinidad. In magnetischer Hinsicht waren unsere Beobachtungen gänzlich nutzlos, aber die Resultate können dienen, um in auffälliger Weise zu zeigen, welch großen Fehlern man bei magnetischen Beobachtungen am Ufer ausgesetzt ist. Drei Inklinations-Nadeln, die so weit voneinander aufgestellt waren, dass sie sich untereinander nicht störten, zeigten nicht weniger als 3° Unterschied in der Inklination und alle drei zeigten bei weitem weniger an, als sich nach der ganzen Lage erwarten ließ.
Horsburgh berichtet, die Insel sei reich an wilden Schweinen und Ziegen. Eine der letzteren sahen wir und um die Zahl nützlicher Tiere zu vermehren, brachten wir einen Hahn und zwei Hennen an Land. Sie schienen an der Veränderung großen Gefallen zu finden und ich bezweifle nicht, dass sie sich auf der sehr wenig besuchten Insel und in dem herrlichen Klima schnell vermehren werden. Wir kehrten um 7 Uhr abends wieder zu den Schiffen zurück und steuerten anschließend mit vollen Segeln südwärts. Am nächsten Morgen war Trinidad immer noch in einer Entfernung von fast 50 Seemeilen sichtbar und hätte unter günstigeren Umständen gewiss noch viel weiter gesehen werden können.
Wendekreis des Steinbockes. Auf jeder Seite des Wendekreises des Steinbockes, den wir am 19. Dezember gegen Abend passierten, trafen uns regelmäßig zwischen 8 Uhr vormittags und mittags und zuweilen gegen drei Uhr früh heftige Windstöße. Die getürmten Haufenwolken, die Sir John Herschel so trefflich beschreibt, waren stets die Ursache.
Wendekreise sind klimatische Breitenkreise der Erde. Den nördlichen bezeichnet man als den Wendekreis des Krebses und den südlichen als Wendekreis des Steinbockes. Den Bereich zwischen dem nördlichen und dem südlichen bezeichnet man als die Tropen. Ihre geographische Lage auf der nördlichen wie auf der südliche Erdhalbkugel beträgt den Breitenkreis bei 23° 26´ 05´´.
KLIMAZONEN DER ERDE
Zuerst erblickten wir die Haufenwolken wie schneeweiße Wellen, windwärts in einer Höhe von 3° 46´ auf einer nicht scharf begrenzten nebelartigen Wolke ruhend. Als sie höher stiegen, bildeten sie einen unregelmäßigen Bogen und während der Wind sie auf uns zutrieb, konnten wir den Regen niederströmen sehen. Als die Wolke 36 Grad über dem Horizont stand, traf der Windstoß das Schiff und zwang uns, die Marssegel niederzuholen und alle Segel, außer dem Focksegel, zu streichen. Die Böen kamen gewöhnlich drei bis viermal an einem Vormittag. Während ihrer Dauer drehte der Wind mehr nordwärts und es ging ihnen stets eine starke Vermehrung der kurzen und gebrochenen Wellen, die in diesem Teil des Meeres häufig sind, voraus.
Ein merkwürdiges Phänomen beobachteten einige Offiziere am 20. Dezember um 8.30 Uhr abends. Es war eine schöne klare Nacht, keine Wolke war am ganzen Himmel zu sehen, und dennoch hatten wir einen Regenschauer, der länger als eine Stunde dauerte. Die Temperatur des Taupunktes nach Daniells Hygrometer war 22°C, die der Luft 23,5°C.
Tiefenmessungen: Außer unseren fast täglichen Experimenten über die Temperatur des Meeres in einer Tiefe von 1.100 Meter hatten wir verschiedene vergebliche Versuche gemacht, zwischen den Wendekreisen Messungen zu machen. Das Fehlschlagen dieser Versuche war hauptsächlich auf das Fehlen einer geeigneten Lotleine zurückzuführen. Wir lösten dieses Problem, indem ich eine Leine von 6,6 Kilometern Länge anfertigen ließ, die stark genug war ein Gewicht von 35 kg zu tragen und die mit Wirbelgelenken versehen war, damit sie sich nicht beim Hinablassen verwickeln konnte. Am 3. Januar 1840 auf 27°26´S und 17°29´W erreichten wir, begünstigt vom Wetter und allen anderen Umständen, auf einer Tiefe von 4.440 Metern den Grund des Meeres. Dies entspricht einer Einsenkung der Erdrinde, welche der Erhebung des Montblanc über der Meeresfläche ziemlich gleich kommt.
Ankunft in St. Helena. Auf 21°S und 15°30´W passierten wir am 8. Januar erneut die Linie der kleinsten magnetischen Intensität. Durch Ausnutzung jeder Veränderung des Windes, der zu verschiedenen Zeiten des Tages von SSO nach OSO umlief, legten wir im Durchschnitt zwischen 20 und 21 Seemeilen täglich zurück. Endlich, am 31. Januar um halb vier Uhr nachmittags, gingen wir auf der Reede von St. Helena vor Anker.
REEDE VON ST. HELENA
Magnetisches Observatorium. Der Hauptzweck unseres Besuches war, ein festes magnetisches Observatorium zu errichten und Leutnant Lefroi von der königlichen Artillerie nebst seinen Begleitern und ihren Instrumenten ans Land zu setzen. Der Gouverneur Generalleutnant Middlemore gestattete mir, die der Krone gehörenden Ländereien zu untersuchen.
HAUS LONGWOOD VON NAPOLEON
Nachdem ich zur Errichtung des Observatoriums eine Stelle in der Nähe des Hauses ausgemacht hatte, welches für den Kaiser Napoleon gebaut worden war, das er aber nie bewohnt hatte, stellte mir der Gouverneur den Platz sogleich zur Verfügung. Die nötigen Anordnungen und Kontrakte über die Pacht von Grund und Boden und den Bau und die Errichtung der Gebäude wurden in wenigen Tagen durch den bereitwilligen Eifer der zuständigen Beamten besorgt.
Große magnetische Wirkungen der Insel. Hier, wie auf allen vulkanischen Inseln, war es in Folge der störenden Einwirkungen des Felsens ganz unmöglich, richtige Messergebnisse bei den magnetischen Experimenten zu erhalten. Diese Einwirkung ist hier so stark, dass sie selbst bei der großen Entfernung des Ankerplatzes unserer Schiffe so große Anomalien in den Resultaten unserer Beobachtungen über die Abweichungen der Inklination, Variation und Intensität hervorbrachte, dass die gewöhnliche Einwirkung des Eisens im Schiff dazu im Vergleich bedeutungslos war. Ebenso ungenügend fiel der Abgleich unserer magnetischen Instrumente aus, denn wir konnten nicht zwei Stellen finden, mochten sie einander noch so nahe oder entfernt sein, wo wir mit einem und demselben Instrument übereinstimmende Resultate erlangt hätten. Die Wichtigkeit St. Helenas als magnetische Station wird daher mehr aus der Entdeckung momentaner, unregelmäßiger und einfacher magnetischer Veränderungen als aus absoluten Bestimmungen hervorgehen. Auch für meteorologische Zwecke wird St. Helena gewiss von wesentlicher Bedeutung sein.
Nachdem wir von unserem gütigen Freund, dem Gouverneur, und den anderen Beamten, die uns mit Beistand unterstützt hatten, Abschied genommen hatten, lichteten wir am 9. morgens die Anker, nachdem wir unsere Briefe und Depeschen zur Beförderung nach England an Bord der Bombay geschickt hatten.
Der Passatwind hinderte uns, soweit nach Osten zu segeln, wie ich wünschte, und wir passierten zum dritten Mal die Linie der geringsten magnetischen Intensität unter 21°S und 8°W. Unser langsames Vorwärtskommen in dieser in magnetischer Hinsicht interessanten Region gab uns Gelegenheit, zahlreiche Beobachtungen anzustellen, welche Oberstleutnant Sabine nebst den daraus abzuleitenden Folgerungen in den „Philosophical Transactions„ für 1842 1. Teil, veröffentlicht hat, worauf wir den Leser von Fach verweisen.
Wasserhose: Am Morgen des 15. Februar sahen wir eine kleine Wasserhose, auf welche nachmittags ein heftiger Regen von einstündiger Dauer folgte. Der Regen, der eine Temperatur von 20°C hatte, drückte in wenigen Minuten die der Luft von 26°C auf 23°C herab.
Auf 26° 10´S und 12°14´W machten wir einen neuen Versuch mit dem Tiefenlot, der aber fehlschlug, da die Leine sich zufällig verwickelte und in einer Tiefe von 2330 Meter brach.
WASSERHOSEN - 1841
Bald nach Einbruch der Dunkelheit am 21. Februar sprang eine Anzahl von Tintenfischen 5 Meter hoch über die Bordwand der Luvseite an Deck. Viele sprangen ganz über das Schiff weg und im Ganzen fanden wir nicht weniger als fünfzig auf dem Deck. Wir konnten diesmal nicht wie bei früheren Ereignissen dieser Art glauben, sie seien von einer Welle an Bord geschleudert worden, denn das Meer war ganz glatt und es wehte nur ein mäßiger Wind.
Plötzliche Windstöße und Regengüsse. Während wir am 23. Februar vor einer starken nördlichen Brise segelten, sahen wir im Südwesten, wie sich schwere Wolken sammelten. Wir hatten kaum Zeit gehabt, unsere Segel zu reffen, als aus jener Gegend eine heftige Bö kam, auf die fast unmittelbar eine Windstille von kurzer Dauer folgte. Das Barometer zeigt diese plötzlichen Windstürme nie an und nicht selten, wenn man nicht zur rechten Zeit auf sie vorbereitet ist, verliert man durch sie die Masten. Der Nordwind bekam bis gegen Mittag wieder die Oberhand, wo er abermals plötzlich nach Süden drehte, was für uns ein Zeichen war, dass wir in einer anderen Region der veränderlichen Winde angekommen waren. Vor und während der heftigen Regengüsse, die mit wenigen Unterbrechungen 20 Stunden niederströmten, stieg zu unserer Verwunderung das Barometer sowie das Sympiezometer weiter. Die Temperatur des Regens war wie am 15ten 20°C und die der Luft sank von 23°C auf 21°C. Am 27. Februar passierten wir östlich segelnd den Meridian von Greenwich auf 31°20´S.
Höhe der Wellen. Obgleich der Südwestwind des vorhergehenden Tages nur von mäßiger Heftigkeit war, befanden wir uns doch am Morgen des 29. Februar in einer aus derselben Richtung sehr hochgehenden See. Verschiedene Experimente ergaben nur 6,6 Meter als ganze Höhe der Wellen, oder 3,30 Meter über und ebenso viel unter der gewöhnlichen Meeresoberfläche. Ihre Geschwindigkeit betrug 80 Seemeilen die Stunde und der Zwischenraum zwischen jeder Woge 583 Meter.
Untiefe Kattendyk. Auf der angeblichen Stelle der Untiefe Kattendyk (33°S, 4°52´E) fanden wir mit 220 bis 280 Meter keinen Grund, obgleich wir unaufhörlich Messungen vornahmen. Am nächsten Tag, dem 1. März, unter 33°10´S und 5°50´E konnten wir mit 1075 Meter den Boden nicht erreichen.
Bis in unsere Zeit haben sich in den Seekarten Angaben über vermutete Untiefen erhalten. Die Untiefe Kattendyk hat es aber, wie Ross richtig festgestellt hat, nicht gegeben.
Zweiter Versuch mit dem tiefen Senkblei. Am 3.März 9.30 Uhr vormittags auf 33°21´S und 9°E setzten wir bei vollkommener Windstille die Boote aus, um mit dem Tiefenlot zu sondieren. Wir fanden Grund in 4955 Meter in einer Entfernung von etwa 400 Seemeilen westlich vom Kap der guten Hoffnung. Die Strömung, deren Wirkung wir schon seit einigen Tagen bemerkt hatten, ging mit einer Geschwindigkeit von einer Seemeile die Stunde in westlicher Richtung.
Am Abend des 7. März machte sich ein allmähliches Sinken der Temperatur der Luft und des Meeres bemerkbar, je mehr wir uns der afrikanischen Küste näherten, und vor Mitternacht kamen wir in einen kalten Nebel, der die Sicht stark behinderte. Da das Wasser eine andere Farbe angenommen hatte, warfen wir das Senkblei aus, ohne auf 240 Meter Tiefe Grund zu finden.
Alte Strömung. Um 1 Uhr mittags des folgenden Tages (8.März) war die Temperatur des Meeres von 21°C auf 13°C gesunken, während die Luft 18°C hatte und der Nebel uns unangenehm kalt erschien. Wir befanden uns jetzt auf 32°21´S, 17°06´E, also etwa 40 Seemeilen vom Kap Paternoster, und fanden auf 232 Meter Grund auf einer Bank aus feinem dunkeln Sand. Wegen der Wärmeausstrahlung der Küste hatten wir bei unserer Annäherung an die afrikanische Küste eine Erhöhung der Temperatur erwartet. Die Ursache des Temperaturabfalls zeigte sich aber am Morgen des 9., wo wir, nachdem wir Kap Paternoster mit Tagesanbruch zu Gesicht bekommen hatten, auf eine uns entgegengesetzte Strömung stießen, die stärker und kälter wurde, je mehr wir uns dem Land näherten. Das Vorhandensein einer von Osten kommenden und um das Kap gehenden kalten Strömung ist längst vermutet worden, doch soviel ich weiß, war es unbekannt, dass sie sich in nördlicher Richtung verlängert. Da wir mehrere Tage lang auf das Kap zu kreuzen mussten, fanden wir Gelegenheit zu zahlreichen Messungen, die bewiesen, dass es eine örtliche Strömung von sehr beschränkter Ausdehnung ist, die aber mit beträchtlicher Kraft vom Kap der guten Hoffnung aus die Westküste von Afrika entlang geht. Man kann sich diese Strömung als eine Menge Wasser, 50 Seemeilen breit und 370 Meter tief, von einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von einem Knoten und der mittleren Temperatur des Ozeans, vorstellen, die zwischen der afrikanischen Küste und dem angrenzenden Meer entlang strömt. Die über diesem kalten Strom hängende Nebelwolke entsteht natürlich durch die Kondensation von Wasserdampf der darüber liegenden Atmosphäre, deren Temperatur gewöhnlich um einige Grad höher ist als die der Luft. Sie ist so deutlich erkennbar, dass sie Schiffen stets als ein Zeichen der Nähe des Landes dienen kann.
SIMONS BAY AM KAP DER GUTEN HOFFNUNG
Ankunft am Kap der Guten Hoffnung. Am Abend des 17.März ankerten wir in der Simons Bay, und begannen sogleich, unsere magnetischen und sonstigen Instrumente abzugleichen, da dieser Ort wegen seiner Sandsteinformationen dafür besser geeignet war als jeder andere Ort, den wir seit unserer Abreise aus England besucht hatten. Alsdann stellten wir Beobachtungen über die Einwirkung der Eisenteile des Schiffes auf unsere Instrumente auf der Erebus, der Terror und an Bord der Melville an, was uns durch die freundliche Unterstützung von Kapitän Puget möglich wurde. Die Melville war der erste Zweidecker, auf dem ich Gelegenheit fand, derartige Versuche anzustellen und auch dort erwies sich die Störung der Instrumente als sehr gering. In der Bucht setzten wir auch den Leutnant Cardley Wilmot nebst drei Gehilfen und den nötigen Instrumenten ans Land, um meinen Instruktionen gemäß ein magnetisches Observatorium einzurichten.
Abfahrt aus der Simons Bay. Am 6. April früh lichteten wir die Anker, und als wir die Simons Bay verließen, ließ der Kapitän der Melville die Mannschaft in die Takelage aufentern, die uns mit drei aufmunterten Hurras begrüßte, die wir mit Herzlichkeit erwiderten. Leichte veränderliche Windstöße aus Südost hielten uns auf, aber noch gerade vor Dunkelwerden konnten wir an der Brandung des Blasebalgfelsens in einer Entfernung von etwa ¼ Meile vorbeisegeln. Die Terror musste noch einmal wenden und wir nahmen Segel herunter, um auf sie zu warten. Bald nach Mitternacht veränderte sich plötzlich der Wind und die Nacht wurde so finster mit heftigen Böen und starkem Gewitter, dass wir die Terror verloren. Da wir sie bei Tagesanbruch nicht wieder sahen, setzten wir unsere Reise allein zu den Prince Eduard Inseln fort, wo ich anlanden wollte, um Beobachtungen anzustellen.
Der Kapstrom. Die Temperatur der Meeresoberfläche stieg von der Kapspitze, wo sie wie in der Simons-Bucht 14,4°C war, sehr schnell auf 19,4°C. Drei Seemeilen weiter südlich in wahrscheinlich viel tieferem Wasser um Mitternacht war sie 18,9°C, wie die Luft, und veränderte sich von da an nicht mehr wesentlich, was ein Beweis dafür war, dass wir jetzt südlich von der kalten Strömung waren, welche die West- und vielleicht auch die Südküste von Afrika entlang läuft.
Da sich diese Strömung nur 7-8 Seemeilen weit vom Kap erstreckt und man jenseits dieser Entfernung bloß in einer Tiefe von mehr als 1.100 Meter eine so niedrige Temperatur wie 6,4°C findet, ist es klar, dass sie nicht von Süden kommt. Es ist möglich, dass, wenn sich das ganze Meer von Ost nach West bewegt, wie einige vermuten, die Wassermassen von größerer Tiefe und daher kälterer Temperatur, indem sie über die Untiefe der Aguilhasbank gehen, der Oberfläche näher gebracht werden. Allerdings fanden wir 80-110 Seemeilen südöstlich vom Kap und nicht weit vom Rand der Bank in 140 Meter Tiefe eine Temperatur von 13°C und bei 185 Meter Tiefe 12°C, so dass die Strömung, welche sich dicht an der Küste befindet, von viel niedrigerer Temperatur sein muss, wenn die Strömung an der Westküste von dieser Ursache herrührt. Ich werde auch weiterhin alles, was wir über diesen Punkt beobachten konnten, oder was die ferneren Untersuchungen dieser seltsamen und noch ungeklärten Strömungen unterstützen kann, im Einzelnen mitteilen. Die häufigen Veränderungen in ihren Richtungen, ihre verschiedene Geschwindigkeit und die breiten Gürtel von kaltem Wasser, welche wir auf unserem Weg fanden, verdienen eine größere Aufmerksamkeit von Seiten des Seefahrers, als wir ihnen schenken konnten. Eine genaue Nachforschung nach ihren Ursachen könnte zum großen Nutzen der das Kap passierenden Schiffe den Breitengrad zeigen, auf dem diese Strömung am besten zu nutzen oder bei stürmischem Wetter zu meiden ist.
Aguilhasbank. Nachdem der Wind fast aus jeder Richtung geweht hatte, blieb er nördlich. Um von der Aguilhasbank wegzukommen, segelten wir bis Mitternacht vor dem Wind nach Süden, worauf eine Windstille von mehrstündiger Dauer und dann ein schwacher Südwind folgten. Am 8. April um 1 Uhr nachmittags 75 Seemeilen südöstlich vom Kap fanden wir keinen Grund auf 1.100 Meter Tiefe. Als wir in verschiedenen Tiefen die Temperatur des Meeres untersuchten, gingen leider zwei unserer selbstregistrierenden Thermometer durch Zerreißen der Leine verloren, weshalb wir später diese Experimente weniger häufig machen konnten, als es auf unserer Reise nach Tasmanien wünschenswert gewesen wäre.
Der Südwind zwang uns einen östlichen Kurs zu nehmen. Diesen und den folgenden Tag hatten wir eine sehr hochgehende See, das Zeichen eines vergangenen Sturmes, aber gegen Mitternacht des 9. April wurden die Wellen, wahrscheinlich weil wir uns dem westlichen Rand der Aguilhasbank näherten, kurz und unregelmäßig. Den nächsten Tag fanden wir auf 143 Meter Grund. Das Blei brachte einige Stücke abgestorbener Korallen und zerbrochener Muscheln mit herauf. Sowohl gestern als auch heute segelten wir durch lange bräunliche Ansammlungen mikroskopischer Tiere. Die Ansammlungen waren ungefähr 2 Meter breit und mehrere Seemeilen lang und lagen in der Richtung des Windes. Bei näherer Untersuchung fanden wir heraus, dass sie aus einer Gattung gesellschaftlicher Weichtiere bestanden, die keine organische Verbindung miteinander hatten, aber es waren stets zwei feste Berührungspunkte vorhanden und sie bewegten sich gleichzeitig und wellenartig.
Außerdem fanden wir zwischen langen Blättern des schwimmenden Seetangs, der in diesem Teil des Meeres sehr häufig ist, vielerlei sehr merkwürdige Seetiere. Albatrosse erblickten wir in großer Anzahl und viele derselben fingen wir mit der Angel, wie auch ein Paar der schön gefleckten Kaptauben und verschiedene andere Arten Sturmvögel, die in diesen Regionen an die Stelle der schönen Möwenarten, welche unsere nördlichen Meere bevölkern, zu treten scheinen.
Am 11. April in der Frühe drehte der Wind wieder südöstlich und wir schlugen einen südwestlichen Kurs ein.
Wir befanden uns immer noch auf der Aguilhasbank und fanden nachmittags auf 229 Meter Grund, der aus dunklem Sand und Muscheln bestand. Nachdem wir aber noch 6 Seemeilen in diese Richtung gesegelt waren, fanden wir in 586 Meter Tiefe noch keinen Grund, so dass die südliche Grenze dieser merkwürdigen und ausgedehnten Bank unter 21°20´ E zwischen 36° 37´ und 36° 44´ S und etwa 120 Seemeilen vom Kap, dessen Namen sie trägt, zu suchen ist.
Strömungen - Veränderung des Klimas.
