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Jetzt ist es soweit! Die fünf Freundinnen sind in der zehnten Klasse – der Prüfungsklasse! Was würde sie erwarten, welche Aufgaben mussten sie bewältigen? Die Unsicherheit ist groß, denn schließlich wissen sie, dass ihre Schule immer für eine Überraschung gut ist. Das Schuljahr entpuppt sich wahrlich als Knallbonbon und das nicht nur schulisch. Heimliche Küsse sind aufregend. Sie sorgen für das große Kribbeln aber manchmal auch für eine dicke Überraschung, welche besonders Sophie in Nöte bringt. Hätte sie nicht besser aufpassen können! In ihrem Alter? Doch Vorwürfe sind nicht angebracht, sondern nur der Blick nach vorn, wie ihr alle immer wieder versichern. Voller Elan und Tatendrang stellen sich die Freundinnen den unterschiedlichen Herausforderungen. Mit Törtchen, Tee und Zuckerguss kann einfach nichts schief gehen – oder doch?
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Seitenzahl: 225
Veröffentlichungsjahr: 2019
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Honora Holler
Das Törtchen-Team wird flügge!
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Eine gelungene Überraschung
Praktikum
Das darf nicht wahr sein!
Hip, Hipper, Suki
Elternabend
Miesgelaunt und Quietschfiedel
Die Qual der Wahl
Miss Unverwüstlich!
Tanz in die Nacht
Die Ausbildungsmesse
Winternachmittag
Jetzt ist es raus!
Ein Weihnachtsfest mit Knalleffekt
Angriffsfläche
Der Törtchen-Schwur
Kurzschluss
Schlachtplan
Tolles Versteck!
Wer versteckt sich da?
Herrn Asokos Vergangenheit
Irgendetwas stimmt hier nicht
Zwei Wochen Stress
Durchatmen, Luft holen
Endlich ist der Zirkus vorbei!
Jetzt ist es raus
Neues Wohnen
Ein gelungenes Fest
Totale Verblüffung
Impressum neobooks
Sanft warfen sich die Wellen an den weißen Sandstrand der Ostsee. Herrlich, dachte Sophie während sie ihre Zehen genüsslich in den weißen Sand vergrub. Ein leichter Wind kühlte ihre sonnengewärmte Haut. So fühlte sich Urlaub an, dachte sie versonnen und schloss ihre Augen und lauschte: Den Geräuschen die das Meer, die Seevögel und die anderen Urlauber machten. „Du kannst ruhig mal ins Wasser gehen“, riss sie eine maulende Stimme aus ihrem entspannten Zustand. Mit einem gequälten Seufzer öffnete sie ihre Augen und schaute ihr Gegenüber fest an. „Liebste Onta, ich gehe in kein quallenverseuchtes Gewässer“, erklärte sie zum gefühlten tausendsten Male. Onta schüttelte ihre meerwassernassen Haare provokativ, wie ein Pudel, direkt vor ihrem Handtuch aus, während sie mit vorwurfsvoller Stimme erklärte: „Aber Sophie, erstens sind es nur harmlose Quallen, die dir nichts tun, zweites sind sie nur hier ganz nah am Strand. Weiter draußen ist so gut wie gar nichts.“ Wie oft hatten sie diese Diskussion schon geführt seit sie zum ersten Mal, an den Strand gegangen waren. Onta kam eigentlich nur noch, wenn sie Hunger hatte aus dem Wasser, was Sophie nicht sonderlich störte. Sie genoss einfach das Gefühl an einem Strand zu sein: der Strand, das besondere Licht, die Meeresbrise. Der Begriff „Wunderbar“, wollte ihr gar nicht mehr aus dem Kopf gehen, so fantastisch war die Idee von Ontas und ihrer Mutter gewesen.
Statt die zwei restlichen Wochen bis zum Schulbeginn Zuhause zu verbringen – im Zuckerstückchen, mit Charlotte und den kleinen Zwillingen, die wie Zwerge aussahen - waren sie von ihren Müttern regelrecht entführt worden.
Noch immer wurde sie rot, wenn sie daran dachte, wie ihre Mutter einfach bei den Elstern aufgetaucht war, sie mitgenommen hatte und die Jungs, wie die Verschwörer gegrinst hatten. Alle hatten es gewusst! „Viel Spaß Sophie, und lass dich nicht von Haien fressen!“, hatte Tobias ihr beim Gehen hinterhergeflötet.
Mit Ontas Mutter waren sie dann nach Berlin gefahren und hatten sie am Set abgeholt. War das ein Wiedersehen gewesen. Die zwei Stunden Fahrt waren ihnen wie zehn Minuten vorgekommen.
„Komm, wir müssen zurück, sonst ist deine Mum sauer, weil das Essen wieder kalt wird“, mahnte Sophie und stupste Onta recht unsanft in die Seite. „Sklaventreiberin“, murrte die rothaarige Irin grinsend. Mit schnellen Schritten gingen sie den Strandweg entlang, vorbei an den alten Jugendstilvillen und neue Hotelbauten. Ihre Ferienwohnung war Teil einer alten Villa. Die ehemalige hochherrschaftliche Chauffeurswohnung vergangener Zeiten, bot Platz für vier Bewohner. Schon am Eingang konnten sie den Duft nach Curry, Koriander und Zimt riechen. „Perfekt, Mum hat ihr Curry-Huhn gemacht“, frohlockte Onta und ging noch einen Schritt schneller. Ontas Mutter schien es richtig zu genießen, sie zu verwöhnen: Morgens gab es Pancakes gegeben und abends teilten sich die beiden Mütter die Arbeit am Herd, was bisher immer zu lukullischen Köstlichkeiten geführt hatte.
„Ich glaube, bevor wir wieder zur Schule gehen, müssen wir erst mal testen, ob uns noch unsere Kleider passen“, gluckste Onta selig, nachdem sie den Tisch abgedeckt hatten und in dem kleinen Garten unter den Lampions saßen. „Ja“, stöhnte Sophie mitfühlend. Ihre Mütter umsorgten sie tatsächlich sehr. „Wie wäre es, wenn wir mal für sie kochen – so als Ausgleich?“, schlug Sophie vor. „Prima Idee! Doch was können wir schon kochen?“, grübelte Onta. Still dachten sie vor sich hin. Törtchen konnten sie hier nicht backen, dafür fehlte die Küchenausstattung. „Wie wäre es, wenn wir Nudel machen würden – du weißt schon, wie in Neuseeland?“, schlug Onta nach einer Weile vor. Sophie ging kurz in Gedanken durch, was sie brauchten. Genauso wie es ihnen die Hauswirtschaftslehrerin Mrs. Bone am Pine-Institut beigebracht hatte.
„Das würden wir wunderbar finden, wenn ihr kocht!“, meinten die beiden Mütter begeistert, als sie ihnen den Vorschlag präsentierten. „Aber macht eine große Portion ich werden einen riesigen Hunger haben, wenn mein kleines Töchterlein, mal kocht“, gluckste Ontas Mutter schalkhaft. „Wie wäre es, wenn ihr für uns am Samstag kocht?“, meinte Sophies Mutter mit einem Seitenblick zu Ontas Mutter. Sophie sah zu Onta und beide nickten - Samstag war perfekt. Morgen war ein kleiner Markt auf der Promenade, da konnten sie alles einkaufen. „Und was gibt es zu den Nudeln dazu?“, grübelte Sophie, als sie später im Bett lagen. „Wichtiger, was gibt es als Nachtisch, Sophie!“, gähnte ihre Zimmernachbarin. Sophie dachte kurz nach, bevor sie mit todernster Stimme sagte: „Eine Käseplatte, selbstverständlich.“ Ein leises „Ugh“, ertönte aus Ontas Richtung, woraufhin Sophie nur noch grinste.
Mit einem „Ich weiß, was wir als Dessert servieren“, weckte Onta Sophie am nächsten Morgen strahlend. „Ich habe die ganze Nacht darüber nachgedacht“, plapperte sie, während Sophie verschlafen auf die Uhr linste: sieben Uhr! Sie hatten doch Ferien! Stöhnend setzte sie sich auf. „Und was?“ Onta, die bereits dabei war sich für das Frühstück umzuziehen, drehte sich zu ihr um, schaute ihre tief in die Augen und flüsterte verschwörerisch: „Pavlova!“
Die Mütter verabschiedeten sich am Samstagnachmittag mit einem fröhlichen Winken zum Strand. „Endlich allein“, lächelte Onta, als sie keine Schritte mehr auf dem Kies hören konnten. Geschwinde richtete jede von ihnen ihre Zutaten vor, bevor sie loslegten. Der Esstisch im Garten wurde zur Nudelausrollfläche und der Wäscheständer zum Nudeltrockner zweckentfremdet. Skeptisch betrachteten die beiden zwei Stunden später ihr Werk. „Vielleicht …?“, begann Onta. „… haben wir doch ein klein wenig zu viel Nudeln gemacht“, beendete Sophie lachend den Satz ihrer Freundin. „Na ja, man kann sie schließlich auch aufheben“, murmelte Onta versöhnlich mit sich selbst, als sie den Tisch säuberten und die Teller mit den getrockneten Nudelbergen in die Küche brachten. „Jetzt müssen wir nur noch warten, bis die beiden Damen von ihrem Strandbesuch endlich nach Hause kommen“, seufzte Onta, während sie noch einmal zur Uhr schaute und dann hinaus in den Garten.
Den Tisch hatten sie mit einem papiernen Tuch abgedeckt, Blumen in kleinen Gläsern in der Mitte zwischen den Tellern und Gläsern verteilt. Sophie nickte zustimmend. „Vielleicht sollten wir sie abholen?“, fragte sie spaßeshalber und erinnerte sich daran, wie Ontas Mutter sie vom Strand abholen musste, weil sie die Zeit vergessen hatten. „Nein, nein Sophie“, wiegelte Onta gönnerisch ab. „Sie sind ja schon groß“, gluckste sie und schaute Richtung Hofeinfahrt. Und endlich nach einer gefühlten Ewigkeit konnten sie Schritte auf dem Kies hören. „Da sind sie“, quiekten Sophie und Onta gleichzeitig und strecken ihre Köpfe aus dem Fenster, um ihre Mütter zu begrüßen. Doch zu ihrer großen Überraschung waren diese nicht allein - „Suki, Alba, Lulu!“, schrien beide wie aufgebrachte Kinder und rannten nach unten, um ihre Freundinnen zu begrüßen. Unzählige Umarmungen und Freudentränen später saßen sie alle gemeinsam um den Tisch im Garten. „Unsere kleine Überraschung ist uns wohl gelungen“, lachten Frau Morgenbesser und Frau Namara als alle satt um den Tisch saßen. Von den Nudeln war nichts mehr übrig geblieben, ebenso wenig wie von der Pavlova. Glücklicherweise hatte Lulu einen großen Kuchen aus dem Zuckerstückchen mitgebracht, weshalb alle beim Nachtisch auf ihre Kosten gekommen waren – nicht der kleinste Krümel war noch übrig.
„Wie seid ihr überhaupt hierhergekommen?“, fragte Sophie ihre Freundinnen, nachdem ihre Mütter mit dem Kommentar, dass sie noch einen kleinen Abendcocktail nehmen würden, zurückgezogen hatten. „Meine Mutter hat uns mitgenommen, bei der wohnen wir auch“, erklärte Alba und verdrehte ihre Augen. Lulu trat ihr unter dem Tisch dezent gegen ihr Schienbein und erklärte weiter: „Wir wohnen bei Albas Mutter oder genauer bei den Verwandten von Herrn Gustave.“ Sophie und Onta schauten Alba fragend an. „Herr Gustave ist der neue Lebenspartner meiner Mutter“, murmelte Alba und rieb sich ihr Schienbein. Suki nahm den Faden auf, bevor es noch peinlich werden würde: „Eurer Mütter haben einen Rundumanruf gemacht. Und siehe da, Herr Gustave hat Verwandte hier am Ort, die uns aufgenommen haben.“ „Ah“, entfuhr es Onta und grinste spitzbübisch zu Alba. „Und wo ist deine Mutter jetzt?“, hakte Sophie nach. „Sie kommt morgen Abend mit. Heute wollten die beiden nicht stören“, schoss es aus Lulu heraus, ehe Alba antworten konnte. Das jetzige Liebesglück ihrer Mutter hatte Alba immer noch nicht so ganz verdaut.
Es gab so viel zu erzählen, denn schließlich hatten sie sich vier Wochen lang nicht gesehen. „Doch zuerst räumen wir auf“, kommandierte Onta und schaute streng auf den Tisch mit dem benutzten Geschirr. „Aye, aye Sir“, salutierte Alba und schnappte sich die Dessertteller. Nachdem sie alles Geschirr gespült und aufgeräumt hatten, setzten sie sich an den Gartentisch. Sophie zündete die Zitronellakerze an, um die lästigen fliegende Plagegeister, die beim Hereinbrechen der Dämmerung aktiv wurden, zu vertreiben. Lulu zaubert noch eine kleine Packung Kekse aus ihrer Tasche auf den Tisch, wo jede der Freundinnen selig zugriff.
„So und jetzt erzählt mal“, bettelte Onta neugierig. Alle schauten sich an und grinsten, wie Honigkuchenpferde. „Wie wäre es, wenn wir knobeln, wer anfängt?“, schlug Suki vor. „In Ordnung“, nickte Alba und schnappte sich die Streichholzschachtel. „Wir machen es immer der Länge nach. Wer den kürzesten gezogen hat, fängt an“, sprach sie und hielt jedem ihre Hand mit den Streichhölzern hin. Bedächtig wog jede die Hölzer ab, bis auf Alba, die als letzte keine Auswahl mehr hatte und präsentierte ihr Streichholz triumphal: Es war das längste. „So wie es aussieht, habe ich alle Zeit der Welt“, meinte sie lachend in die Runde. Alle schauten gespannt zu Lulu, die das kürzeste Streichholz in die Luft hielt. „Also, das wird leider kurz werden“, begann sie mit einem zerknirschten Gesicht. „Wie ihr ja wisst, war ich in Brüssel und habe mein Praktikum bei einer Lobbyisten-Organisation gemacht“, führte sie aus. „Und da musste ich als Erstes eine Stillschweigevereinbarung unterzeichnen“, erklärte sie genervt. Onta schnaubte hörbar und verdrehte die Augen. Sophie stupste sie in die Seite und raunte leise: „Nun lass sie doch erzählen.“ „Dankeschön, Sophie. Also, wo war ich?“, fragte Lulu nachdenklich in die Runde und runzelte ihre Stirn. „Dabei, dass du nichts Sagen darfst“, gluckste Alba vergnügt. „Ah, ja! Was ich sagen kann, ist, dass diese Lobbyisten wirklich mit allen Wassern gewaschen sind.“ Sie machte eine kunstvolle Pause. „Wenn ich demnächst über irgendwas Verhandeln muss, wende ich deren Strategie an: Erst einen mit Zahlen und Argumenten bombardieren, dann in einem unwichtigen Punkt nachgeben, während man gleichzeitig die eigentliche Sache, für sich beeinflusst.“ Sie machte ein triumphierendes Gesicht und hielt den letzten Keks in die Höhe, als wäre er der Heilige Gral. „Na ja, ich glaube dein Vater und die Sturmvoll, kennen diese Technik“, gluckste Onta und schaute enttäuscht auf den leeren Keksteller. „Und wir jetzt wohl auch“, fügte sie seufzend hinzu. „Oh, Onta“, stöhnte alle im Chor und verdrehten ihre Augen. Nun war Suki an der Reihe, doch was sollte sie alles erzählen? Etwas über die schönen Sonnenaufgänge an der Küste von Kalifornien oder wie gut jemand in der Badehose aussah? „Also gut, Suki du bist dran“, unterbrach Alba ihre Gedankengänge. Alle strahlten die zierliche Japanerin an. „Es war großartig und gleichzeitig sehr ungewohnt. Ihr müsst wissen, ich habe in einem Mini-Loft bei Santa Barbara gewohnt – ganz alleine!“ Suki holte tief Luft und versuchte, ihre Stimme wieder unter Kontrolle zu kriegen. „Und das beste - neben der Arbeit mit Simon - war das Meer. Ich bin jeden Morgen am Strand entlanggelaufen, bevor ich mit dem Hoverboard Studio gefahren bin.“ „Was du bist ein Hoverboard gefahren!“, quiekte Sophie vom Sessel. Suki nickte begeistert. „Hast du es mitgenommen?“, hakte Sophie hoffnungsvoll nach. „Nein, das hat mir Simon nur geliehen, leider!“, seufzte Suki und machte ein enttäuschtes Gesicht. „Ähm, könnte mir jemand mal erklären, was das ist?“, fragte Lulu. Suki öffnete ihre Tasche und zog eine dünne, biegsame Folie aus einer Hülle. Sophies Augen wurden immer größer, während Suki die Folie aktivierte, kurz etwas tippte und dann den anderen ein Hoverboard präsentierte. „Wahnsinn!“, hauchten Onta und Sophie im Chor. Lulu lachte leise über die verzückten Gesichter der beiden. „Und wir war die Zusammenarbeit mit Simon Mills?“, wollte Alba wissen. „Großartig, einfach nur großartig. Ich habe ihn zu einer Post-Produktion eines Kinofilms begleiten dürfen, war bei einem Vertragsabschluss für eine Supermarktkette dabei und habe ihn bei seinem „Musik in der Schule“-Projekt unterstützten dürfen“, strahlte sie ihre Freundinnen an. So wie Suki lächelte, muss es wirklich eine tolle Praktikumszeit gewesen sein, schoss allen durch den Kopf. „Und nun zu dir, meine Liebe und erzähl uns nicht nur was über Computer-Programme und Tech-Details“, wandte sich Onta an Sophie, die plötzlich rot wie eine Tomate auf dem grauen Sessel saß. „Erzähl uns lieber was über …“, Onta dehnte die Namen. „ … Tobias, Kristian oder über die anderen Schnuckelchen“, sagte sie grinsend, wie ein Honigkuchenpferd. „Onta!“, entrüstete sich Alba empört. „Hör auf, Sophie so zu triezen“, tadelte Lulu sie gespielt. „Also lass hören“, sagte sie gleich darauf und schaute Sophie amüsiert an. „Ähm, ihr bringt mich total aus dem Konzept“, beschwerte sich Sophie und schaute ihre Freundinnen, die nur schwer ihr Lachen unterdrücken konnten, böse an. Nach einem kurzen Schnauben, begann sie dann doch zu erzählen. „Also, du willst uns weismachen, dass ihr die ganze Zeit, vor euren Rechnern saßt und irgendwelche Apps zur Daten-Verschlüsselung geschrieben habt?“, staunte Onta Sophie ungläubig an. „Was hast du den gedacht?“, lachte Sophie zurück. Über den Zwischenfall in der Kaffeeküche hatte sie wohlweislich nichts erzählt. Onta würde sie nur ewig, damit aufziehen. „So und nun bist du dran“, konterte Sophie und blickte zu Onta mit unschuldig klimpernden Wimpern. „Weißt du, während ich so programmiert habe, hatte ich auch noch Zeit, den Newsfeed eines gewissen Films zu verfolgen“, fügte sie hinzu und lächelte Onta mit einem breiten Grinsen an. „Tatsächlich“, überschlug sich nun Ontas Stimme. Alle bis auf Onta lehnten sich lauernd nach vorne. Wie Hyänen, schoss Onta durch den Kopf. Blödes Internet, nahm einen die ganze Spannung, grummelte sie innerlich. „Also, wie ihr ja wisst, war ich dank Herrn Oberreut kurzfristig bei einer Filmproduktion untergekommen“, erklärte sie kurz. „Und eigentlich war ich als „Mädchen-für-alles“ eingestellt“, führte sie aus. Aus dem Augenwinkel sah, sie wie Sophie ihren Mund zu einem Kuss verzog. Blitzschnell schnappte sich Onta das Stuhlkissen und warf es, kommentarlos, zu ihr hinüber. Als das entrüstet „Eh“, und die Lacher verstummt waren, sprach sie weiter. „Die Leute waren alle supernett und meine Hauptaufgabe war es das Minischwein Miss Wonderful Gassi zu führen und für den Regisseur, Kaffee zu holen. Also nichts besonderes, eben“, sie zuckte mit den Achseln. „Und was war mit Sebastian, dem Hauptdarsteller?“, hakte Sophie wissend nach und streckte genüsslich ihre Arme. Onta grinste und antwortete schlagfertig: „Alles, rein beruflich.“ Ab und zu hatte sie als Lichtdouble für die Hauptdarstellerin einspringen dürfen und einige Szenen mit dem männlichen Hauptdarsteller proben dürfen.
„Ihr seid alle richtig schlimme Mädchen und hatte euren Spaß, während ich nur mit staubiger Bürokratie meine Zeit verbracht habe“, maulte Lulu gespielt und schaute zu Alba.
„Na, na nicht weinen Lulu“, versuchte Alba sie zu trösten. „Weißt du,“ sie machte eine kunstvolle Pause und lächelte dann diabolisch. „Ich habe die meiste Zeit nur Party gehabt. Das gehörte bei der Künstler-Agentur in London zum Betreuungspakte dazu“, erklärte sie lachend. „Das ist so gemein!“, entfuhr es Lulu, während Alba von ihrem Praktikum in London berichtete. „Ich brauche jetzt erst mal Ruhe“, endete Alba und reckte sich genüsslich. „Tja, dann musst du dich aber beeilen mit deiner Entspannung, schließlich fängt bald die Schule wieder an“, holte Sophie alle wieder auf den Boden der Tatsachen. „Stimmt und dieses Jahr wird kein Zuckerschlecken“, unkte Suki. Alle nickten und dachten an die große Prüfung am Ende des Schuljahrs. Onta schluckte schwer. „Hat jemand eigentlich etwas von der Sturmvoll und dem Grün gehört?“, wollte sie wissen. Lulu, Alba und Suki schüttelten ihre Köpfe und schauten zu Sophie: Doch selbst sie hatte nichts mitbekommen, obwohl sie vor Ort geblieben war. „Na, dann können wir uns ja auf ein ruhiges lernreiches Jahr freuen“, meinte Onta und lehnte sich zurück.
Die Tage an der Ostsee schienen nur so dahin zu rasen. Tagsüber waren sie entweder am Strand oder machten Fahrradausflüge in die Umgebung. Abends trafen sie sich entweder im Garten der alten Villa oder bei Herrn Gustavs Verwandten zum gemeinsamen Abendessen. Herr Gustav entpuppte sich als Charmeur: Er scherzte mit den Müttern, half in der Küche und gab gerne Gesangseinlagen, wenn er am Grill stand. Selbst Alba musste zugeben, dass ihr Lehrer wirklich nett war - was sie aber nicht vorhatte, ihrer Mutter zu sagen.
„Ich mag nicht packen“, maulte Onta am letzten Morgen. Sophie schaute sie mitfühlend an. „Aber du musst, morgen beginnt die Schule wieder“, zog sie ihre Freundin auf. Worauf Onta nur mit einem noch tieferen Seufzer antwortete. Demonstrativ ordentlich faltete sie ihre Sachen zusammen und legte sie in den offenen Koffer. „Das große Prüfungsjahr“, murmelte Onta leise, als sie ihren Koffer mit bedächtigen Handgriffen schloss und zu Sophie aufblickte. „Ja“, nickte Sophie nachdenklich. Das große Prüfungsjahr, hoffentlich ging es ohne große Überraschungen vonstatten.
Mit wehmütigem Blick verabschiedeten sie sich von ihrem Gasthaus und dem Strand. Schön war es gewesen, meinten beide Mütter im vorderen Teil des Autos, als sie losfuhren. Taktvoll ignorierten sie die Tränchen, die den beiden Freundinnen im hinteren Teil des Wagens hinunterliefen.
Mit einem leisen Klacken schloss Frau Morgenbesser fünf Stunden später die Tür zu ihrer Wohnung auf. Eigentlich hatte sie schon früher da sein wollen, doch der Umtrunk im Hummelischen Garten hatte sie aufgehalten. Aimee hatte Onta und Sophie angegrinst wie ein Honigkuchenpferd und auch ihr Mann, hatte sie mit sonderbaren Blicken angeschaut. Onta hatte daraufhin frech gefragt, ob sie denn schon wieder Tante werden würden, doch außer einem verneinenden Lachen keine Antwort bekommen. „Ich bin sicher, da ist was im Busch“, hatte sie Sophie beim Gehen zugeraunt.
Sophie sah, als sie die Wohnung betraten den Stapel Post als erste. Babette ihre Nachbarin und Mitschülerin von unten, hatte alles schön ordentlich auf den Küchentisch gestapelt. „Himmel, so viel Post“, konnte sie ihre Mutter stöhnen hören, als diese den Tisch betrachtete. Sophie linste über den Rücken ihrer Mutter, was nach dem letzten Wachstumsschub, kein großes Problem mehr darstellte. Und sofort hatte der große cremefarbene Umschlag, der rechts außen lag, ihre Aufmerksamkeit magisch anzog. „Ist das ein Brief von der Schule“, fragte sie scheinheilig und deutet darauf. „Hm, sieht so aus“, antwortete ihr Mutter gedehnt und nahm ihn in die Hand. „Aber der ist an mich adressiert“, antwortete diese spitzbübisch grinsend und legte ihn unter den Stapel der übrigen Post. Gemein, dachte Sophie und verzog sich in ihr Zimmer. Vielleicht hatte sie eine Nachricht in ihrem Postfach. Doch da war nur eine Mitteilung, dass sie sich morgen um neun Uhr in der Aula einfinden sollte. Frustriert packte sie ihren Koffer aus.
Beim gemeinsamen Abendessen, hatte auch ihre Mutter, genauso wie Aimee und Richard ein geheimnisvolles Lächeln auf den Lippen. Sie bekam von ihr allerdings keine Antwort auf die Frage, was denn die Schule geschrieben hatte. Sie müsste wohl auf den nächsten Tag warten, wenn sie es wissen wollte, dachte sie mürrisch, als sie einschlief.
Das saßen sie nun. Sophie schaute sich um. Alle waren da, keine Abgänge. Alle warteten gespannt, ob Direktor Grün oder Frau Sturmvoll das neue Schuljahr eröffnen würden. Zu viele Überraschungen sollte es nicht geben, hoffte sie. Es war schließlich ihr großes Prüfungsjahr. „Wisst ihr eigentlich, dass wir diese Prozedere gar nicht mehr so oft über uns ergehen lassen“, flüsterte Onta zu ihren Freundinnen. „Nur noch drei Mal, dann sind wir mit der Schule fertig“, fügte sie mit einem Seufzer hinzu. Alle nickten und ließen sich diesen Gedanken, dass in drei Jahren mit der Friedrich-Stein-Schule alles zu Ende sein würde, durch den Kopf gehen. Nach ein paar Augenblicken der Stille meinte Lulu aufmunternd: „Weshalb wir diese Zeit besonders genießen müssen.“ Sie warf Onta einen Seitenblick zu: „Ihr wisst schon, uns extra anstrengen und viel lernen“, raunte sie mit ernster Miene. Bevor jemand auf die Spitze eingehen konnte, erstarben alle Geräusche. Der Vorhang der Bühne bewegte sich. Nervös strich sich Sophie über ihren Rock.
Herr Grün trat hervor. Ein kaum wahrnehmbares erleichtertes Seufzen tönte durch das Auditorium, bevor der Applaus aufbrandete. „Vielen Dank“, begann Direktor Grün seine Ansprache, nachdem der Beifall verstummt war. „Ich freue mich, euch zu euerem großen Prüfungsjahr begrüßen zu dürfen.“ Er machte eine Pause, um dem Gesagten Raum zu geben. „Wie ihr wisst, müsst ihr ab Februar eine Reihe von Prüfungen absolvieren praktische wie theoretische. Ich bin zuversichtlich, dass die letzten Jahre euch gut für diesen Marathon vorbereitet haben. Die Details werden euch eure Schwerpunktlehrer erklären. Und nach den Prüfungen dürfen, die die bleiben werden, sich mit den Planungen des Landschulheims für die siebte Klasse befassen. Doch jetzt werde ich euch über die Neuerungen, die euch betreffen werden, sollte ihr der Schule treu bleiben informieren.“
Sophie konnte förmlich hören, wie es in den Gehirnen ihrer Mitschüler ratterte. Neuerungen?! Schule treu bleiben?! Das hörte sie sehr nach dem Einfluss von Frau Sturmvoll an. Sie schaute zu Suki und Onta. In Sukis Gesicht spiegelte sich ihre Sorgen wieder, wohingegen Onta aussah, als würde sie dies alles nicht betreffen. Sophies Magen zog sich zusammen. Über die Zeit nach den Prüfungen hatte sie noch gar nicht nachgedacht. Eigentlich hatte sie vorgehabt, sich in den zwei letzten Schuljahren, auf ihre Schwerpunktgebiete zu beschränken. Anderseits konnten die Schüler der Friedrich-Stein-Schule auch die Schule nach der zehnten Klasse mit ihrem Abschluss verlassen.
Direktor Grün räusperte sich vernehmlich, woraufhin alle wieder nach vorne schauten. „Es wird in der Oberstufe eine Umstrukturierung geben, angepasst aus euren Erfahrungen des letzten Jahres, den Veränderungen unsere Zeit und hinsichtlich eurer Zukunftsaussichten. Eigentlich war es für unsere Absolventen nie ein Problem, einen Platz in der Berufswelt zu finden und sich in der Welt der Erwachsenen erfolgreich zu behaupten. Doch leider hat sich gezeigt, dass sich die Zeiten wandeln und wir euch noch besser auf die Zeit nach der Schule vorbereiten wollen. Ihr werdet die ersten sein, die das neue Oberstufenprogramm in vollem Umfang nutzten, könnt. Ich stelle es euch hier nur in groben Zügen vor, da es im Herbst eine große Informationsveranstaltung geben wird. Zuerst einmal möchte euch die Schule eine Berufsausbildung anbieten, die euch einen sogenannten „Brotjob“ gewährleisten soll, bis ihr in euren Wunschberufen angekommen seid. Des Weiteren wird es Wohneinheiten geben, in denen ihr autonomes Wohnen erlernen sollt. Für die Zeit eures Schuljahrs wohnt ihr mit euren Mitschülern in kleinen Gemeinschaften und seid für alles selbst verantwortlich: putzen, einkaufen, Verträge abschließen und Rechnungen bezahlen.“ Ein Raunen ging durch die Anwesenden. Der Gedanke, dass die Zeit, an der man sich an der Friedrich-Stein-Schule nur noch auf sein Schwerpunktgebiet konzentrierte schien vorbei zu sein, ging Sophie wehmütig durch den Kopf. Andererseits war dieses neue Konzept vielleicht gar nicht so schlecht, es erinnerte sie sogar an ihre Gastschule in Neuseeland. „Heißt das, wir leben dann hier alle in der Schule?“, fragte Josie ungläubig. „Es heißt genau das! Es wird zwar keine gemischten Wohngruppen geben“, betonte Direktor Grün und ignorierte das vereinzelte Gelächter. „Doch sollt ihr lernen ohne den Service, den ihr Zuhause habt zu leben.“ Mit einem wissenden Gesichtsausdruck fügte er noch hinzu: „Allerdings werden die Lehrer nachts nicht durch die Gänge eures Wohntrakts schleichen und nachschauen, ob ihr alle in euren Betten liegt.“ Sophie spürte, wie sich leicht rot wurde und gleichzeitig zornig dachte: Was dachte Direktor Grün nur über sie?! Etwa, dass sie hormongesteuerte Teenager waren? „Klasse“, juchzte Alba und strahlte die entsetzt aussehenden Lulu und Suki an. „Stimmt“, hauchte Onta zustimmend und fing an zu strahlen. Oje, drückten die Blicke aus, die sich Lulu und Sophie gleich daraufhin zuwarfen. „Bevor hier jetzt zu euren Klassenräumen geht, noch eine Sache“, ertönte die Stimme ihres Direktors von der Bühne. Alle schauten wieder nach vorne. „In diesem Herbst findet unser Schulball wieder statt. Mit dabei sein werden nicht nur eure Eltern und die Mitglieder des Freundeskreises, sondern auch ehemalige Schüler, sofern sie Zeit und Lust haben. Und nun wünsche ich euch, einen schönen Start in das Schuljahr“, mit diesen Worten und unter Applaus verabschiedete sich Herr Grün.
In Sophies Kopf begann sich ein kleines Karussell zu drehen: Herbstball und ehemalige Schüler. Hoffentlich hatte einer dieser ehemaligen Schüler keine Zeit, schoss es ihr durch den Kopf, andererseits verspürte sie doch ein gewisses Kribbeln im Bauch.
Fröhlich schnatternd gingen sie durch die Gänge. „Wer wohl dieses Jahr Klassenlehrer ist?“, fragte Suki die anderen. „Also, Herr Oberreut wäre super“, meinte Lulu. „Glaube ich nicht“, warf Alba ein. „Stimmt“, pflichtete ihr Sophie bei. „Nach dem letzten Jahr will der sich bestimmt erholen und übernimmt bestimmt die siebte Klasse“, flachste Onta lachend. „Ich weiß nicht, ob der Landschulheim-Aufenthalt wirklich eine Erholung darstellt“, warf Suki ein. „Vielleicht hat den die Sturmvoll auch reformiert“, scherzte Alba und bog mit Schwung in das Klassenzimmer ein und stockte. Frau Sturmvoll schaute sie erwartungsvoll an: „Was habe ich reformiert?“, fragte sie mit honigsüßer Stimme. Ach, du Schreck, schoss es allen durch den Kopf. Sie hatten dieses Jahr Frau Sturmvoll als Klassenlehrerin. „Ni… Nichts?“, stotterte Alba und schaute sich hektisch um. Ihre Augen flehten förmlich um Beistand. „Nein, was meine Freundin sagen wollte, ist, dass wir es alle sehr gut finden, was uns nächstes Jahr erwarten wird. Eine Schulausbildung so nah am echten Leben“, sprang Lulu ihrer Freundin schnell zur Seite. Hoffentlich war das nicht zu dick aufgetragen. „Genau“, stimmten Sophie, Onta und Suki mit ein. „Schön, schön. Es freut mich, dass ihr euch darüber freut“, quittierte Frau Sturmvoll ihre Antwort mit einem Kopfnicken. „Ihr dürft euch einen Platz suchen“, wies sie mit einer wedelnden Handbewegung in den Raum.
Außer Natalia und ihren Perfekts war noch niemand von ihrer Klasse da. „Kommt, wir gehen ganz nach hinten, dann können wir alle zusammen sitzen“, schlug Onta vor und hechtete geradezu in den hinteren Bereich des Klassenzimmers, vorbei an den drei jungen Frauen, welche sie mit Argusaugen beobachteten. „Schleimer“, hörte Sophie Natalia leise zischen. Mit einem Seufzer der Erleichterung ließen sich die fünf auf ihre Plätze nieder. Nachdem sich der erste Schock gelöst hatte, beobachtete jeder von ihnen, wie sich die Gesichtsausdrücke ihrer Mitschüler veränderten, als sie durch die Tür traten und ihre neue Klassenlehrerin erkannten. Wie, die?! Schienen Tobias und Pauls Gesichter zu schreien, als sie sich zwischen die Perfekts und das Törtchen-Team setzten. Ja, die! Nicht nur, dass dies ihr großes Prüfungsjahr war, nein auch hatten sie die zweite Direktorin als ihre Klassenlehrerin. „Was unterrichtet die eigentlich?“, hauchte Onta. Suki zuckte mit den Achseln, ebenso wie Alba und Lulu. „Vielleicht Sozialwissenschaft oder Wirtschaft“, mutmaßte Sophie.
