Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Der Sophienlust Bestseller darf als ein Höhepunkt dieser Erfolgsserie angesehen werden. Denise von Schoenecker ist eine Heldinnenfigur, die in diesen schönen Romanen so richtig zum Leben erwacht. Das Kinderheim Sophienlust erfreut sich einer großen Beliebtheit und weist in den verschiedenen Ausgaben der Serie auf einen langen Erfolgsweg zurück. Denise von Schoenecker verwaltet das Erbe ihres Sohnes Nick, dem später einmal, mit Erreichen seiner Volljährigkeit, das Kinderheim Sophienlust gehören wird. So grau wie der Ferientag drau-ßen war auch Susanne Berghoffs Stimmung. te. Drei Monate lag es bereits zurück, daß sie ihren geliebten Mann Ulf auf seinem letzten Weg begleitet hatte, dem Weg in eine andere Welt, zu der sie, Susanne, keinen Zutritt hatte. Damals hatte sie ihm in ihrer Verzweiflung folgen wollen. Die Vorstellung, ganz allein weiterleben zu müssen, hatte sie schier zum Wahnsinn getrieben. Ja, wenn sie wenigstens ein Kind von ihm gehabt hätte, dann wüßte sie, wofür sie leben sollte. So aber stand sie ganz allein auf der Welt, ohne Familie, ohne Freunde. Seufzend faßte Susanne Berghoff in ihre Schürzentasche, um den Schlüssel zu holen. Er brannte in ihrer Hand wie glühendes Metall. Aber sie wußte, daß es sein mußte. Seit drei Monaten schlich sie schon um Ulfs Arbeitszimmer herum wie eine Katze um den heißen Brei. Einmal mußte sie sein Zimmer betreten, um den Nachlaß zu ordnen. Immerhin hatte sie eine Firma mit fünf Angestellten zu betreuen, deren Arbeitsplatz nun in ihren, Susannes, Händen lag. Denn Ulf hatte keine weiteren Familienangehörigen. Also nahm sie allen Mut zusammen und betrat das Arbeitszimmer. Die Schreibtischschublade war nicht verschlossen. Sofort fiel Susanne die peinliche Ordnung auf, die ihr Mann hinterlassen hatte. Ja, so war Ulf immer gewesen. Nichts hatte ihn so aufbringen können, als wenn irgendwo Unordnung herrschte. »Ach, Ulf, mein Liebster, ich werde dich nie in meinem ganzen Leben vergessen, das verspreche ich dir«
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 117
Veröffentlichungsjahr: 2021
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
So grau wie der Ferientag drau-ßen war auch Susanne Berghoffs Stimmung. Es gab nichts, aber auch gar nichts, was sie zur Zeit interessierte oder von ihrer grenzenlosen Trauer ablenken konn-
te.
Drei Monate lag es bereits zurück, daß sie ihren geliebten Mann Ulf auf seinem letzten Weg begleitet hatte, dem Weg in eine andere Welt, zu der sie, Susanne, keinen Zutritt hatte.
Damals hatte sie ihm in ihrer Verzweiflung folgen wollen. Die Vorstellung, ganz allein weiterleben zu müssen, hatte sie schier zum Wahnsinn getrieben.
Ja, wenn sie wenigstens ein Kind von ihm gehabt hätte, dann wüßte sie, wofür sie leben sollte. So aber stand sie ganz allein auf der Welt, ohne Familie, ohne Freunde.
Seufzend faßte Susanne Berghoff in ihre Schürzentasche, um den Schlüssel zu holen. Er brannte in ihrer Hand wie glühendes Metall.
Aber sie wußte, daß es sein mußte. Seit drei Monaten schlich sie schon um Ulfs Arbeitszimmer herum wie eine Katze um den heißen Brei. Einmal mußte sie sein Zimmer betreten, um den Nachlaß zu ordnen. Immerhin hatte sie eine Firma mit fünf Angestellten zu betreuen, deren Arbeitsplatz nun in ihren, Susannes, Händen lag. Denn Ulf hatte keine weiteren Familienangehörigen. Also nahm sie allen Mut zusammen und betrat das Arbeitszimmer.
Die Schreibtischschublade war nicht verschlossen. Sofort fiel Susanne die peinliche Ordnung auf, die ihr Mann hinterlassen hatte. Ja, so war Ulf immer gewesen. Nichts hatte ihn so aufbringen können, als wenn irgendwo Unordnung herrschte.
»Ach, Ulf, mein Liebster, ich werde dich nie in meinem ganzen Leben vergessen, das verspreche ich dir«, seufzte Susanne unglücklich, bevor sie einen Stapel Papiere aus der Schublade nahm.
Es handelte sich dabei haupt-sächlich um geschäftliche Unterlagen, von denen sie ohnehin nichts verstand. Trotzdem mußte sie sich bemühen, alles zu lernen, was die Firma betraf. Immerhin hing der Arbeitsplatz von fünf Familienvätern von ihrem guten Willen ab. Und den wollte sie zeigen.
Plötzlich stutzte die junge Frau. Ganz unten entdeckte sie einen Briefumschlag mit der Aufschrift: Mein Testament.
Susanne war es, als griffe eine eisige Faust nach ihrem Herzen und preßte es zusammen. Fast bekam sie keine Luft mehr. Etwas Geheimnisvolles, das ihr Angst einjagte, ging von dem Umschlag aus.
Sie nahm all ihren Mut zusammen und öffnete das Kuvert. Zum Vorschein kam ein Blatt Papier, das eng mit Ulfs steiler Handschrift bedeckt war.
»Liebe Susi«, las die junge Frau halblaut. Ihre Stimme bebte, und sie begann plötzlich zu frösteln, als ob sie Fieber hätte.
Da war es also, das Testament. Und dabei hatte Susanne geglaubt, er wollte es bei einem Notar hinterlegen. Es wäre dort doch viel sicherer gewesen.
Die junge Frau holte tief Luft. Sie mußte wissen, was in dem Testament stand, auch wenn es sie unheimliche Überwindung kostete, Ulfs Letzten Willen zu lesen.
»Wenn Du diesen Brief findest, bin ich wahrscheinlich nicht mehr am Leben. Ich hoffe inständig, daß es bis zu diesem Tag noch recht lange dauert.« Susannes Lippen bebten. Sie konnte nicht mehr weiterlesen.
Ihr Blick fiel auf das Datum. Das Testament war fast auf den Tag genau sieben Monate vor Ulfs Tod abgefaßt worden.
Hatte er etwa geahnt, daß er nicht mehr lange leben würde? Aber nein, das waren Hirngespinste, in die sie sich nicht hineinsteigern durfte. Sie mußte realistisch bleiben.
»Zuerst möchte ich Dir noch einmal versichern, daß ich Dich liebe und immer geliebt habe. Trotzdem wird Dir das, was ich Dir erst nach meinem Tod mitteile, Kummer und vielleicht auch Schmerzen bereiten, denn sicher wirst du es als Fußtritt für unsere Liebe empfinden. Aber bitte glaube mir, daß es nicht so ist. Ich liebe Dich von Herzen und habe immer nur Dich geliebt. Das andere war schon vor unserer Heirat.«
Matt ließ Susanne den Brief sinken. Sie fürchtete sich vor dem, was da offensichtlich auf sie zukam. Es tat sich vor ihr auf wie ein langer dunkler Gang, durch den sie gehen mußte, obwohl sie es gar nicht wollte.
Mit zitternden Knien stand sie auf und ging zu der kleinen Bar, die sich Ulf in einem Schrankfach eingerichtet hatte.
Er hatte es geliebt, manchmal bei der Arbeit an einem Glas Sherry oder Brombeerlikör zu nippen, wenn er nachdachte. Dann war ihm die Arbeit noch einmal so schnell von der Hand gegangen.
»Am besten, ich falle gleich mit der Tür ins Haus, um Dich nicht länger auf die Folter zu spannen. Ich habe eine Tochter. Bitte, erschrick jetzt nicht. Für Tanjas Zukunft ist gesorgt. Ich habe ein Sonderkonto eingerichtet, von dem die monatlichen Unterhaltszahlungen abgebucht werden. Du hast also gar keine Arbeit damit. Trotzdem will ich, daß Du weißt, daß es Tanja gibt. Ich habe mich nie viel um das Kind gekümmert, und – wenn ich ehrlich sein soll – in den letzten Jahren seit unserer Eheschließung überhaupt nicht mehr. Sie ist für mich eigentlich bedeutungslos geworden, obwohl ich es zeitweise ehrlich bereue, daß ich die Liebe eines Kindes, meines Kindes, so einfach verschenke.«
Susanne spürte, wie ihr Tränen über die Wangen liefen. Mit allem möglichen hatte sie gerechnet, nur nicht damit, daß Ulf ein Kind in die Welt gesetzt und es ihr dann auch noch verschwiegen hatte. Dabei spielte es keine Rolle, ob die Beziehung zur Mutter seiner Tochter schon gescheitert war, als er sie, Susanne, geheiratet hatte.
»Ich weiß, liebe Susanne, Du lernst mich jetzt von einer ganz anderen Seite kennen als bisher. Du hast in mir immer den überkorrekten Mann gesehen, den sogar die Fliege an der Wand störte. Nun mußt du dich damit abfinden, daß ich gar nicht so korrekt war. Und das tut mir leid. Besonders auch deshalb, weil ich Dir das alles nur schreiben kann, wir nicht darüber sprechen können, so wie wir das immer mit unseren Problemen gemacht haben. Um ehrlich zu sein, mir fehlte immer der Mut, Farbe zu bekennen und Dir von Tanja zu erzählen. Dabei ist sie ein wirklich liebes Mädchen, zumindest war sie es vor sechs Jahren, als ich sie zum letzten Mal in Maibach besucht habe. Damals hatte sie gerade ihren zweiten Geburtstag. Ich habe ihr eine kleine Puppe als Geschenk gebracht, über die sie sich sehr gefreut hat. Damals sagte sie Papi zu mir...«
Susanne konnte nicht mehr weiterlesen. Ein Schluchzen schüttelte ihren Körper. Die Zeilen verschwammen vor ihren Augen. Sie legte den Brief auf den Schreibtisch und griff nach dem Glas mit Sherry, das sie sich vorhin geholt hatte. Jetzt brauchte sie diese Stärkung, obwohl sie sonst keinen Alkohol trank.
Und dann, nach einer Weile, fand sie auch den Mut wieder, weiterzulesen. Noch Schlimmeres konnte wohl kaum kommen. Jetzt wußte sie von Tanja und ihrer Mutter, und sie wußte auch, daß die beiden in Maibach lebten, etwa zweihundert Kilometer von ihr entfernt. Mit dem Auto ein Katzensprung...
»Da ich Tanja niemals die Liebe geben konnte, die sie verdiente, möchte ich ihr wenigstens etwas hinterlassen, das eine gute Schulausbildung und auch noch etwas zum Leben sichert, weil man ja doch nie weiß, was kommt. Aus diesem Grunde bitte ich Dich, liebe Susanne, dafür zu sorgen, laß der Betrag, den ich in meiner Aufstellung für Tanja vorgesehen habe, auch in ihre Hände gelangt, wenn sie volljährig ist. Ich bestimme Dich zum Verwalter von Tanjas Geld, obwohl ich weiß, was es für Dich bedeuten muß, für mein uneheliches Kind etwas zu verwalten, das von Rechts wegen eigentlich Dir gehören müßte. Aber bitte urteile nicht zu hart über mich. Ich möchte eine große Schuld wenigstens ein wenig gutmachen, damit ich dort den Frieden finden kann, wo ich jetzt bin, wo immer das auch sein mag.«
Leise schluchzte Susanne auf. Aber ihr war schon nicht mehr ganz so schwer ums Herz wie vorhin, als sie angefangen hatte, das Testament zu lesen. Anscheinend gewöhnte sie sich schon langsam an den Gedanken, daß es da noch einen Menschen gab, der ein Recht auf Ulf gehabt hätte, wenn dieser noch am Leben gewesen wäre.
Seufzend erhob sie sich und ging langsam zum Fenster. Noch wußte sie nicht, was sie davon halten sollte. Was erwartete Ulf von ihr? Sie konnte sich einfach nicht vorstellen, daß ihr toter Mann damals dieses Testament ohne Hintergedanken geschrieben hatte.
War es nicht vielmehr so, daß er wollte, daß sie, Susanne, sich um Tanja kümmerte? Wie leicht hätte er einen größeren Betrag auf ein Sparbuch einzahlen und veranlassen können, daß sie es erst am Tag ihrer Volljährigkeit bekam.
Aber Ulf hatte es nicht getan. Er wollte, daß sie, seine Frau, das Erbe für das Kind überwachte. Was steckte da nur dahinter?
Wollte Ulf vielleicht, daß sie sich auch sonst noch um Tanja kümmerte? Hatte er denn so wenig Vertrauen zur Mutter seines Kindes?
Das konnte sich Susanne nicht vorstellen. Schließlich hatte Ulf die Frau einmal geliebt. Nein, es mußte einen anderen Grund haben. Aber wie sollte sie den herausfinden?
Ganz in Gedanken versunken drehte sich Susanne um und betrachtete Ulfs Testament. Ja, sie würde sein Vermächtnis erfüllen. Und sie wollte auch das erfüllen, was ihr Mann nicht gewagt hatte hineinzuschreiben.
Sie mußte Tanja kennenlernen, denn auch das Kind war ein Vermächtnis ihres geliebten Mannes.
*
Liebevoll wickelte Stefan Birkner eine kleine Schachtel in Geschenkpapier. Er war schon gespannt darauf, ob Tanja sich über sein kleines Mitbringsel freuen würde. Er wußte, daß das Mädchen für sein Leben gern Puzzles zusammensetzte und sie dann, auf Pappe aufgezogen, an die Kinder von Sophienlust weiterverschenkte.
»Du übernimmst dich wieder einmal, mein lieber Stefan. Man könnte fast meinen, Tanja wäre deine Tochter und nicht meine.« Linda Krämer, eine blonde, nicht übermäßig hübsche junge Frau, verzog den Mund zu einem geringschätzigen Lächeln.
»Da hast du gewiß recht, Linda. So wenig wie du dich um deine Tochter kümmerst, liegt der Verdacht tatsächlich nahe, daß deine eigene Tochter dir nicht unbedingt ans Herz gewachsen ist.«
»Wie meinst du das?« Die braunen Augen der Frau funkelten angriffslustig. Sie mochte diese Wortgefechte, bei denen sie meist als Siegerin hervorging, weil Stefan aus Bequemlichkeit gewöhnlich rasch aufgab.
»So wie ich es gesagt habe. Tanja ist für dich fast ein fremdes Kind. Zuerst hat sich deine Mutter um sie gekümmert, und dann, als sie nicht mehr lebte, hast du Tanja einfach ins Kinderheim abgeschoben.«
»Sophienlust ist ein sehr schönes Kinderheim, in dem es meiner Tochter bestimmt an nichts fehlen wird. Und ich glaube, Tanja fühlt sich auch wohl dort.« Linda Krämer ließ sich in ihren tiefen Fernsehsessel fallen und streckte die langen Beine weit von sich.
Stefan würdigte seine Freundin keines Blickes. Er hatte sich die Zukunft mit Linda eigentlich ganz anders vorgestellt. Aber von seinen Plänen wollte die junge Frau nichts hören.
»Ich und daheim bleiben?« hatte sie wenige Tage nach dem Tod ihrer Mutter entrüstet ausgerufen. »Ich glaube, du spinnst, Stefan. Tanja kommt nach Sophienlust, und ich gehe weiter zur Arbeit. Ich brauche das Geld.«
Noch gut konnte sich Stefan Birkner erinnern, wie ihn Lindas Worte damals getroffen hatten. Aber zu diesem Zeitpunkt war er den Reizen der Frau noch verfallen gewesen, die es auch heute noch verstand, ihn alles um sich herum vergessen zu lassen.
Was ihn heute noch bei der Frau hielt, die er eigentlich hatte heiraten wollen, das wußte Stefan nicht. War es Mitleid mit der labilen jungen Frau, die stets von Zweifeln und Unzufriedenheit geplagt wurde? Oder war es ganz einfach die jahrelange Gewöhnung, die ihn nicht einfach einen Schlußstrich unter diese schale Beziehung ziehen ließ?
»Natürlich fühlt sich Tanja wohl«, echote der Mann spöttisch. »Daß das Kind um die Großmutter trauern könnte, ist dir wohl noch nie in den Sinn gekommen. Du hast ja immer nur mit deinen eigenen Problemen zu tun. Wann warst du übrigens das letzte Mal in Sophienlust?« Erwartungsvoll schaute Stefan auf und betrachtete voll innerer Ablehnung seine Freundin. Er konnte sich gar nicht mehr vorstellen, daß er Linda einmal geliebt hatte.
»Das letzte Mal?« Die Frau verzog ihren Mund zu einem geringschätzigen Grinsen. »Soll das ein Verhör sein?«
»Quatsch«, äußerte Stefan Birkner ärgerlich. »Es geht mich eigentlich gar nichts an. Also sag es mir oder laß es bleiben. Es interessiert mich auch nicht sonderlich.«
»Warum hast du denn dann gefragt?«
»Weiß ich auch nicht«, knurrte Stefan. Je länger er über diese Beziehung nachdachte, desto mehr kam er zu dem Schluß, daß es eigentlich Tanja war, die ihn noch immer an Linda festhalten ließ. Was sollte aus dem Kind werden, wenn nicht wenigstens er, Stefan, sich um das Mädchen kümmerte? Tanja hatte zwar auch einen Vater, aber wer das war, das behielt Linda für sich.
Skeptisch betrachtete der Mann die junge Frau, die ihn mit überheblichem Gesichtsausdruck bei seinen Vorbereitungen beobachtete. Ärgerlich stellte Stefan fest, wie seine Hände vor Nervosität zu zittern anfingen.
»Fertig«, sagte er nach ein paar Minuten aufatmend. Er band noch eine hübsche rote Schleife fachmännisch um das Päckchen und steckte es dann in eine Plastiktüte.
Ohne sich noch einmal nach Linda umzusehen, zog er seine Jacke an und verließ das Haus. Draußen atmete er erst einmal tief durch. Seit einigen Wochen überfiel ihn meistens eine Beklemmung, wenn er mehr als fünf Minuten in Lindas Gesellschaft verbringen mußte.
Besser fühlte er sich erst, als er endlich im Auto saß und in Richtung Sophienlust fuhr. Jetzt vermochte er sogar, mit der Musik, die aus dem Radio erklang, mitzupfeifen.
Schon von weitem sah er das Herrenhaus, das bereits vor vielen Jahren zu einem privaten Kinderheim umfunktioniert worden war. Stefan mochte Dominik von Wellentin-Schoenecker, den Besitzer dieses Hauses, gern. Nick, wie er von allen genannt wurde, war zwar erst sechzehn Jahre alt, aber er besaß doch schon die Ausstrahlung eines Mannes und die Güte des zukünftigen Heimleiters.
Bis dahin allerdings wurde das Anwesen mit allem, was dazugehörte, von Denise von Schoenecker verwaltet, der Mutter Dominiks.
Stefan Birkner stellte sein kleines Auto auf dem großen Parkplatz ab, der nur wenige Schritte von dem hohen Tor entfernt lag.
Dann holte er das Päckchen vom Rücksitz und machte sich auf den Weg. Rasch überquerte er die Straße. Es herrschte an diesem Nachmittag nicht allzu viel Verkehr, so daß er nicht lange warten mußte.
