Das Versprechen - 1 - Steffen Jacobsen - E-Book

Das Versprechen - 1 E-Book

Steffen Jacobsen

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Beschreibung

Der erste Teil der spannenden neuen Thriller-Serie aus Dänemark: Die frustrierte und rastlose Nina und ihr junger Schützling Gabriela sitzen im Gefängnis. Beide sind auf der Flucht vor ihrer bedrohlichen Vergangenheit, die ihnen immer noch dicht auf den Fersen ist. Als Nina auf Bewährung freikommt, muss sie sich erst an ihre wiedergewonnene Freiheit gewöhnen. Außerdem macht sie sich Sorgen um die schutzlose Gabriela, die nun allein im Gefängnis zurückbleibt..."Løftet" ist ein ganz neuer und mitreißender skandinavischer Thriller aus Dänemark, der in vier Teilen erzählt wird.

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Seitenzahl: 39

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Steffen Jacobsen

Das Versprechen - 1

Übersetzt Maike Dörries

von Maike Dörries Aus dem Dänischen

Saga

Das Versprechen - 1 ÜbersetztMaike Dörries

OriginalLøftet

Coverbild / Illustration: Shutterstock Copyright © 2020, 2020 Steffen Jacobsen und SAGA Egmont All rights reserved ISBN: 9788726530445

1. Ebook-Auflage, 2020

Format: EPUB 2.0

Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für gewerbliche und öffentliche Zwecke ist nur mit Zustimmung von SAGA Egmont gestattet.

SAGA Egmont www.saga-books.com und Lindhardt og Ringhof www.lrforlag.dk

– a part of Egmont www.egmont.com

I

JVA Herstedvester, Abteilung gemischter Strafvollzug

Es war zehn Uhr abends, in einer Stunde würden die Zellen abgeschlossen werden. Eine Neonröhre an der Decke des Sportraums flackerte, die goldenen Buchstaben auf dem schwarzen Leder des Sandsacks waren verwischt, und aus den Ritzen und Löchern unter den über die Generationen notdürftig reparierten Flicken quoll die Füllung heraus wie aus einer verpuppten Schmetterlingslarve. Nina war der Zustand der Geräte egal. Der Gefängnis-Sportraum war ihre Freistatt, eine gedankenfreie Zone spät am Abend, wenn ihre Mitinsassen vor der Glotze oder bei Facebook abhingen. In dieser Zeit konnte sie in aller Ruhe ihre Situps und Liegestütz durchziehen, seilspringen, bis sie Blut schmeckte. Reflektieren und nachdenken, auch wenn im Gefängnis nicht unbedingt viel Nachdenkenswertes passierte.

Der Sack schwang unter einer Kombination gleichmäßiger, harter Schläge nach hinten. Nina ließ alle unterdrückte Frustration, Rastlosigkeit und Aggression an dem unschuldigen Sandsack aus. Sie machte einen Ausfallschritt und bremste den trägen Rückschwung mit ein paar schnellen, peitschenden Jabs, bis er endlich still und besiegt vor ihr hing. Nina beugte sich vor, stützte sich mit den Trainingshandschuhen auf den Knien ab und schnappte nach Luft. Nach ein paar Minuten wischte sie sich den Schweiß von der Stirn und richtete sich auf. Sie war noch nicht ausgepowert genug und sah sich nach einer anderen Möglichkeit für ihr Kampftraining um.

In der Mitte des Raums stand ein Boxring in den offiziellen Abmessungen. Die Bodenmatte war eine bunte Mischung verschiedenfarbiger Flecken auf einer Palette zwischen blassgelb und dunkelbraun. Sie streckte sich und betrachtete abwesend die fransigen Seile und schiefen Eckenpfosten, als die flackernde Neonröhre über ihr sich mit einem Knall verabschiedete. Der Gestank, den die schweißimprägnierte braune Wandverkleidung, die limettengrünen Wände und der Linoleumboden ausströmten, würde erst verschwinden, wenn eines Tages das Gebäude abgerissen und vermutlich durch irgendwelche Bürosuiten für selbstreplizierende, alles invadierende Heerscharen von Sesselpupsern der Justizvollzugsbehörde ersetzt wurde. Nina trottete zu einem mannshohen, zersprungenen Wandspiegel und startete einen verbissenen Kampf gegen ihre schlanke Gegnerin im Spiegel.

Sie fuhr in Verteidigungshaltung herum, als hinter ihr ein Klatschen ertönte, bereit für welchen Gegner auch immer. Dann nahm sie die Hände herunter und deutete ein Lächeln an. Es war Martin, der einzige Gefängnisbeamte, der sich dazu herabließ, mit ihr zu reden. Er lehnte mit vor der Brust verschränkten Armen im Türrahmen. Er trug eine dunkelblaue Uniformhose, schwarze Schuhe und ein hellblaues Kurzarmhemd. An seinem Gürtel hingen ein Schlüsselbund und Pfefferspray.

Sie stieß die Luft aus und sah ihn entspannt an.

„Martin …“

„Nina … Das sieht gut aus. Richtig gut.“

Sie zuckte mit den Schultern, obwohl ihr seine Meinung nicht egal war. Martin war ein talentierter Amateurboxer gewesen, bis ein schwerer Motorradunfall seine vielversprechende Karriere beendet hatte. Die Nase war gebrochen gewesen und schief wieder zusammengewachsen, die Augenbrauen von Narben durchzogen, was dem hübschen Gesicht eine gefährliche Derbheit verlieh, die von den freundlichen braunen Augen konterkariert wurde.

„Findest du?“, fragte sie.

Sie zog eine Hand aus dem Handschuh und wischte sich über die Stirn.

Martin schlenderte auf sie zu.

„Ja … absolut … außer vielleicht …“

Nina verdrehte die Augen.

„Bis auf was? Sag schon, Mann!“

„Das Übliche: Du senkst deine Rechte, bevor du einen linken Jab raushaust, eine Gratiseinladung zum Konter-Hook …“

Nina schnaubte verächtlich.

„Und du bist Rocky Balboa?“

Sie drehte ihm den Rücken zu, ging zum Boxring und schob sich zwischen den Seilen durch. Sie stellte sich in die Ringmitte und sah ihn auffordernd an.

„Ich lerne gern dazu. Wenn du dich traust.“

Martin zögerte. Wenn ihn jemand mit einer Insassin im Ring erwischte, konnte er auf der Stelle seine Sachen packen. Andererseits war Nina einfach unwiderstehlich feminin mit ihren langen, in einem Zopf zusammengebundenen, blonden Haaren, dem Schwanenhals und dem Körper einer Star-Athletin. Sie war vor sechzehn Monaten zusammen mit ihrem sehr viel jüngeren Schützling Gabriela eingewiesen worden. Nach zwei Monaten harmloser Wortwechsel war eine unerwartete und unerwünschte chemische Reaktion zwischen Nina und Martin entstanden, und seitdem nutzten sie jede sich ihnen bietende Gelegenheit zu atemraubenden, heimlichen und absolut verbotenen Treffen – in der Regel sexueller, aber auch kämpferischer Natur.

Er warf einen Blick über die Schulter.