Beschreibung

Leblose Ehen. Ein weit verbreiteter Zustand. Wir geben auf, was wir erträumten und wozu wir letztlich geschaffen wurden. Aus viel zu vielen Liebesgeschichten voller Romantik wird schließlich ein verzweifelter Kampf. Eine dauerhafte Liebesbeziehung scheint wie kein zweites Ziel auf dieser Welt zum Scheitern verurteilt Doch Ihre Ehe ist Teil einer viel größeren Geschichte. Es geht um Das wilde Herz der Ehe, um Leidenschaft füreinander und die Leidenschaft Gottes, wenn es um uns Menschen geht. Es geht um die hohe Berufung der Ehe, die ein Teil des großen Abenteuers Gottes mit dieser Welt ist. Ein beeindruckendes Buch zum Thema "Ehe". Verheiratet zu sein kostet Sie alles. Aber die Liebe ist es immer wert. John & Stacy Eldredge

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John & Stacy Eldredge

Das wilde Herz

der Ehe

Warum aus beinahe jeder Liebesgeschichte ein Kampf wird.

Und was Sie gemeinsam tun können, um diesen Kampf zu gewinnen.

Deutsch von Ulrike Becker

Die amerikanische Originalausgabe erschien im Verlag/ this translation published by arrangement with Doubleday Religion, an imprint of the Crown Publishing Group,

a division of Random House, Inc., New York.

www.crownpublishing.com

Published in association with Yates & Yates, www.yates2.com,

unter dem Titel: „Love & War“. All rights reserved.

© 2009 by John Eldredge and Stasi Eldredge

© 2010 der deutschen Ausgabe by Gerth Medien GmbH, Dillerberg 1, 35614 Asslar

Die Bibelstellen wurden, wenn nicht anders angegeben, der „Gute Nachricht Bibel“ entnommen.

© 2000 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.

4. Auflage 2012

ISBN 978-3-96122-043-4

Umschlaggestaltung und Illustration: JoussenKarliczek GmbH

Satz: Die Feder GmbH, Wetzlar

E-Book-Umsetzung: Greiner & Reichel, Köln

Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Verlags.

Inhalt

Einleitung:Es ist zu schaffen

Kapitel 1: Erinnern wir uns daran, was wir einmal wollten

Kapitel 2: Liebe und Krieg

Kapitel 3:Ein ausgewachsener Sturm

Kapitel 4: Das größte Geschenk, das Sie machen können

Kapitel 5:Mehr als nur Mitbewohner

Kapitel 6:Wie man einen richtig guten Streit ausficht

Kapitel 7: Ein gemeinsames Abenteuer

Kapitel 8: Rücken an Rücken und mit gezücktem Schwert

Kapitel 9: Die kleinen Füchse

Kapitel 10: Wenn Stürme kommen

Kapitel 11: Ein Kapitel über Sex

Kapitel 12:Liebe will gelernt sein

Nachwort

Anhang

Für Sam, Blaine und Luke, weil wir euch mehr lieben, als wir mit Worten sagen können.

Außerdem haben wir den Verdacht, dass ihr eines Tages heiraten werdet.

Für euch und die Frauen, denen ihr einmal euer Leben versprechen werdet.

Für die Liebe, die niemals vergeht.

Dank

Wir schulden so vielen Menschen Dank, dass wir sie hier gar nicht alle aufzählen könnten. Wir haben viel von Freunden, Angehörigen, Pastoren, Autoren und Lehrern gelernt. Wir haben viele Ehen beobachtet. Viele haben mitgeholfen, unsere Ehe zu retten. Euch allen – die ihr euch in Vergangenheit und Gegenwart in unser Leben investiert habt – gilt unser Dank. Doch wir möchten auch einige Leute beim Namen nennen.

Craig und Lori: Euer unbedingter Wille, einander immer mehr lieben zu lernen, ist für uns eine Inspiration. Danke, dass ihr uns nach unserer Hochzeit in eure Ehegruppe eingeladen habt. Danke dafür, dass ihr ein so gutes Vorbild für das Leben und die Liebe seid.

Unser Dank gilt auch unserem Lektor, Ken Petersen, und unseren neu gewonnenen Freunden bei Random House: Curtis und Sealy, danke für euren Einsatz, eure Freundschaft und eure endlose Unterstützung.

Und Dank sei dem König aller Könige, Jesus Christus, der unser Leben, unsere Luft zum Atmen, unsere wahre Liebe ist – hoffentlich freust du dich an diesem Buch!

Einleitung

Es ist zu schaffen

„Meine lieben Freunde, wir haben uns heute hier versammelt, um vor Gott die Vereinigung dieses Mannes und dieser Frau im Bund der Ehe zu bezeugen. Gott hat diesen Bund gestiftet, als er die Welt schuf, und unser Herr Jesus Christus krönte ihn durch seine Gegenwart, als er bei der Hochzeit zu Kana in Galiläa sein erstes Wunder vollbrachte …“

Mit diesen Worten beginnt die Trauzeremonie.

Es ist ein Ritual, so alt wie unsere Zeitrechnung – und so jung wie die Herzen der beiden Menschen, die in diesem Augenblick da vorne stehen. (Die Brautpaare scheinen mit jedem Jahr jünger zu werden.) John leitet die Zeremonie. Braut und Bräutigam sind gute Freunde von uns. Sie sind bis über beide Ohren ineinander verliebt. Wir, ihre Freunde und Angehörigen, haben uns herausgeputzt und sind gekommen, um ihnen beizustehen und sie zu feiern. Die Kirche strahlt im Kerzenglanz. Der Blumenschmuck ist herrlich. Der Bräutigam wirkt angespannt, aber glücklich. Die Braut ist nervös und wunderschön. Plötzlich frage ich mich, ob ich auch auf der richtigen Seite Platz genommen habe: Die Freunde der Braut links, die vom Bräutigam rechts – oder war es genau umgekehrt? Die Brautjungfern sehen toll aus. Schade, diese Kleider werden sie niemals wieder tragen.

John fährt fort: „Die Verbindung von Mann und Frau – mit Herz, Leib und Verstand – wurde von Gott gestiftet, damit sich beide daran erfreuen können …“

Er wirkt elegant in Anzug und Krawatte. Ich erinnere mich noch daran, wie gut er an unserer Hochzeit in diesem sagenhaften Frack ausgesehen hat. Ich hoffe, er wird mich nachher bei der Feier zum Tanz bitten.

„Darum sollen wir uns nicht unbedacht oder leichtfertig auf die Ehe einlassen, sondern mit Ehrfurcht, aus einem bewussten Entschluss heraus und im Einklang mit den Zielen, zu denen Gott die Ehe gestiftet hat.“

Die Liturgie bringt uns zur Ruhe. In der Kirche wird es stiller, das Hüsteln hört auf, die Menschen hören aufmerksam zu.

„Wer führt diese Braut zum Altar, damit sie die Ehe mit diesem Mann eingeht?“

Egal, wie viele Hochzeiten ich bereits miterlebt habe, dieser Zeremonie mit dem Eheversprechen, dieser Wolke von Zeugen haftet etwas unbeschreiblich Bewegendes an. Etwas … wie soll ich es nennen? Etwas Mystisches.

„Daniel und Megan, ihr seid dabei, euch selbst um des anderen willen aufzugeben; ihr schlagt jede Warnung in den Wind, gebt eure Unabhängigkeit und Isolation und all das andere auf, nur um dieser Verbindung willen. Ihr werdet einander eure unsterbliche Liebe versprechen. Doch bevor ihr das tut, sollten wir die Dinge beim Namen nennen – das ist der reine Wahnsinn!“

Damit hat John die ungeteilte Aufmerksamkeit aller Anwesenden.

„Ja, es ist eine wunderbare Aussicht, die wahre Liebe zu erfahren. Doch in der Realität finden wir sie selten. Jeder sehnt sich nach Liebe, doch nur wenige scheinen zu finden, wonach sie sich sehnen. Und noch weniger Menschen sind in der Lage, diese Liebe lebendig zu erhalten. Warum um Himmels willen erscheint ihr in dieser Kirche, um euch öffentlich auf ein solches Risiko einzulassen? Auf etwas so Gefährliches, so Unerhörtes? ‚Das Herz hat seine eigenen Gründe, von denen der Verstand nichts weiß‘, so sagte einst Pascal. Tief in eurem Herzen liegt eine Sehnsucht – nach Nähe, Schönheit und Abenteuer. Und egal, was andere sagen, wir suchen nach diesem Ersehnten, solange wir leben.

Liebe Freunde, ich weiß, was Sie jetzt denken. Während Sie dieser Hochzeit beiwohnen, sagt etwas in Ihrem Herzen: ‚Ja, vielleicht. Vielleicht funktioniert es diesmal. Vielleicht bei diesem Paar.‘ Doch könnte es nicht sein, dass Daniel und Megan – bei all der Zerbrechlichkeit ihres Menschseins – vor unseren Augen Zeuge eines Urbildes sind, einer Metapher für etwas viel Realeres und Grundlegenderes? Ich möchte behaupten, dass es hier nicht um das übliche Spiel der Leidenschaften geht. Die Dinge sind nie so, wie sie scheinen. Wer genau hinsehen will, muss mit den Augen des Herzens schauen. Das ist das Geheimnis jedes Märchens, weil es auf den Kern des Evangeliums verweist, auf das Geheimnis des Lebens.

Die Bibel sagt uns, dass wir Engel beherbergen, wenn wir einen Fremden bei uns aufnehmen. Die Schlange im Garten ist in Wahrheit der Fürst der Finsternis. Auch der Zimmermann aus Nazareth ist weit mehr, als das Auge uns erschließt. Die Dinge sind nicht so, wie sie scheinen. Und darum müssen wir wieder auf das Evangelium hören – und auf die Märchen, die auf es verweisen –, wenn wir unser Leben und noch mehr unsere Ehe verstehen wollen. Um uns herum entfaltet sich ein viel größeres Geschehen – Ereignisse von größter Tragweite. Jemand entzündet eine Lampe und die Liebe geht verloren. Jemand öffnet eine Büchse und das Böse schwirrt hinaus in diese Welt. Jemand nimmt einen Apfel und die Menschheit stürzt in einen finsteren Abgrund. Um uns herum ereignen sich Dinge von größter Tragweite. Und eines davon ist diese Hochzeit.

Meine Lieben, vor uns stehen ein Mann und eine Frau. Doch da ist mehr, als unser Auge wahrnimmt. Gott gab uns dieses Spiel der Leidenschaften, um hier und jetzt das größte Drama aller Zeiten erneut in Szene zu setzen. Es ist das Drama der Menschheit. Eine Geschichte, die wir uns immer wieder erzählt haben – in jedem großen Mythos, in jeder Legende, jedem Gedicht und jedem Lied. Es ist eine Liebesgeschichte inmitten verzweifelter, von Kriegswirren beherrschter Zeiten. Es ist die Geschichte einer gemeinsamen Mission. Es ist eine Geschichte voller Romantik. Daniel und Megan entfalten vor unseren Augen die tiefste und geheimnisvollste Wirklichkeit dieser Welt. Das hier ist die Liebesgeschichte Gottes mit seinen Menschen.“

Ich wüsste gern, was die Zuhörer jetzt wohl denken. Was antwortet unser Herz, wenn John davon spricht, dass Liebe und Ehe noch viel geheimnisvoller sind als ein Märchen? Ich weiß, die jungen Frauen, die das gerade gehört haben, denken jetzt: Oh, ich hoffe, das ist wahr! Ich will, dass es wahr ist! Und die jungen Männer fragen sich: Wenn das stimmt, was verlangt das dann von mir? Die älteren Frauen lassen die Jahre ihrer Ehe an sich vorüberziehen und denken: Hmmm. (Dieses „Hmmm“ ist eine Mischung aus: Ja, danach habe ich mich auch mal gesehnt und: Vielleicht erfüllt es sich ja für diese junge Braut; ob es wohl auch für mich noch wahr werden könnte?) Und die älteren Männer sitzen da und denken nur: Ob es beim anschließenden Empfang wohl anständige Drinks gibt?

„Sie glauben mir nicht“, fährt John fort, „aber das liegt daran, dass wir nicht mehr wissen, was Märchen uns zu sagen haben. Wir begreifen nicht mehr, woran das Evangelium uns erinnern will. Die Märchen und das Evangelium erzählen von Gefahren. Sie sagen uns, dass das Böse etwas sehr, sehr Reales ist. Es sind Geschichten, die viel Mut und Opferbereitschaft fordern. Ein Junge und ein Mädchen auf einer gefahrvollen Reise. Wenn wir wirklich daran glauben würden; wenn wir wirklich erkennen könnten, dass diese Geschichte sich heute, hier, vor unseren Augen abspielt, würden wir uns bekreuzigen. Wir würden beten – ernsthaft und verzweifelt. Wir würden vor diesen beiden Menschen den Hut ziehen und in Erwartung dessen, was als Nächstes geschehen wird, den Atem anhalten. Daniel und Megan, nun ist es an der Zeit, dass ihr einander das Eheversprechen gebt. Danach gibt es kein Zurück mehr.“

Ich frage mich: Was wussten die Menschen früher? Was bewog sie dazu, das Eheversprechen ins Zentrum dieser Zeremonie zu rücken? Wussten sie, dass die erdrückende Last all unserer Sehnsüchte eine Ehe zum Zerbrechen bringen kann? Wussten sie, dass wir etwas viel Tragfähigeres brauchen, um diesen empfindlichen Bund zu stützen? Ich muss an ein Geheimkommando denken, an Waffenbrüder, die versprechen, das Leben für den anderen einzusetzen, bevor sie sich auf ihre gefährliche Mission begeben, die sie in dunkle Welten führen wird und deren Ausgang ungewiss ist. Auch ein Versprechen.

„… verspreche ich, dass ich dir von diesem Tage an anhangen werde – in guten und in schlechten Tagen, in Wohlstand und in Armut, in Gesundheit und in Krankheit –, bis dass der Tod uns scheidet. Ich will dich lieben und achten, so wie Gott es uns befohlen hat, und jeder anderen entsagen; es soll nur dich allein geben, solange wir beide leben.“

In der Kirche ist es nun sehr, sehr still geworden. Nur die älteren Ehepaare können abschätzen, was die beiden Verliebten sich gerade versprochen haben – möge Gott ihnen gnädig sein! Sie glauben tatsächlich, dass ihre Ehe irgendwie diese dunklere Seite des Versprechens fernhalten kann. Natürlich erträumen und erhoffen sie sich im Moment eher die guten Tage, Wohlstand und Gesundheit. Wir alle glauben das. Doch just in diesem Moment hat der stolze Eroberer Cortés seine kostbaren Schiffe in Brand gesetzt.

Als Nächstes folgen die Ringe. Ich liebe diesen Teil der Zeremonie. Was wird dem jungen Mann gesagt, der dabei ist, in den Stand der Ehe einzutreten? Was wird der jungen Frau gesagt?

„Daniel, du bist im Begriff, dein Leben hinzugeben. Du hast dich freiwillig gemeldet, um dich auf den härtesten Einsatz einzulassen, den ein Mann übernehmen kann: Du schenkst Megan dein Herz und deine Kraft – und das immer und immer wieder, für den Rest deines Lebens. Du hast eine Ahnung davon, wie schwer dieser Schritt wiegt. Darum hast du auch dieses nervöse Grinsen im Gesicht. Ich will dich nicht anlügen – es gibt keinen härteren Job als diesen! Und es gibt keinen, der dich derart bereichern wird. Darum lass dir heute von mir gesagt sein: Es ist zu schaffen! Und es ist die Mühe wert. Wenn du entdeckst, dass Megan durch deine Kraft und dein Opfer zu der Frau werden kann, zu der sie geschaffen wurde, und dass deine unbändige Liebe ihr Herz und ihre Schönheit freisetzen kann – dann ist das jede Mühe wert, die es dich kosten mag. Durch Gottes Gnade kannst du das schaffen. Du hast das Zeug dazu!“

„Megan, du hast schon lange von diesem Tag geträumt. Und nun bist auch du dabei, dein Leben hinzugeben. Es mag dir auf den ersten Blick ganz natürlich und leicht erscheinen, Daniel dein Herz und die Verletzlichkeit deiner Schönheit anzuvertrauen. Doch lass dich nicht täuschen! Nichts verlangt einer Frau mehr Mut ab, als sich ihrem Mann immer und immer wieder ganz zu öffnen. Schau dich um: Wie viele ältere Frauen wagen das noch? Aber auch dir sage ich: Es ist zu schaffen. Und es ist die Mühe wert. Wenn du entdeckst, dass Daniel zu dem Mann werden kann, zu dem Gott ihn geschaffen hat, weil du ihm deine Schönheit offenbarst und dich ihm ganz schenkst, dann ist das jede Mühe wert, die es dich kosten mag. Durch Gottes Gnade kannst du das schaffen. Du bist diese schöne Frau!“

„Daniel, Megan, als ihr euch für die Ehe entschieden habt, habt ihr euch entschieden, in dieser Auseinandersetzung um das Herz der Menschen an vorderster Front zu kämpfen. Ihr werdet schweren Zeiten, Leid, Widerstand und Lügen begegnen. Das größte Risiko, das eine Frau eingehen kann, ist, daran zu glauben, dass sie begehrenswert ist, sich dem Begehren ihres Mannes zu öffnen und ihm immer wieder neu ihre innere Schönheit preiszugeben – und dabei zugleich ständig zu fürchten, sie könnte ihm nicht genügen. Das größte Risiko, das ein Mann eingehen kann, ist, ihr seine Stärke anzubieten, ohne zu wissen, was am Ende dabei herauskommen mag. Es ist das Risiko, sich als Mann zu zeigen, bevor einem klar ist, ob man auch das Zeug dazu hat. Sein starkes Herz hinzugeben und zugleich zu fürchten, es könnte nicht genügen.

Ihr beide werdet es bald mit einer Lüge zu tun bekommen, die sich auf subtile und weniger subtile Weise zeigen wird. Sie lautet: ,Es ist nicht zu schaffen. Es ist viel zu viel verlangt. Unsere Erwartungen waren völlig unrealistisch. Es ist der Mühe nicht wert.‘ Die Lüge, die dir, Megan, begegnen wird, lautet: ‚Du bist eine einzige Enttäuschung.‘ Und dir, Daniel, wird die Lüge entgegentreten: ‚Du bist nicht Manns genug für diese Sache.‘ Und darum hört heute meine Worte, und behaltet sie im Herzen, während ihr euren Weg weitergeht: Ihr habt das Zeug dazu! Du, Megan, bist ein strahlendes, funkelndes Juwel von einer Frau. Du bist ein kostbarer Schatz. Und du, Daniel, du bist ein Mann. Du bist stark und kühn. Du hast das Zeug dazu! Bewahrt diese Worte in eurem Herzen. Ihr könnt es schaffen und es ist jede Mühe wert!“

John hält inne, um seine Worte nachwirken zu lassen. Ich weiß, was er gerade macht: Er spricht zu uns allen, die wir zuschauen, mehr noch als zu Daniel und Megan, die viel zu aufgeregt und erschöpft sind. Sie sind aufgeputscht von Adrenalin und Hormonen und befinden sich in einer Art Delirium. An diese Worte werden sie sich erst erinnern, wenn sie sich irgendwann später einmal die Aufnahme anhören. Das ist wie mit den Ehevorbereitungsgesprächen: Die tiefe Weisheit der dort gehörten Worte lernt man erst zu schätzen, wenn man ein paar Jahre Eheleben auf dem Buckel hat. Dann erst hat man die Ohren, um zu hören. Und deshalb hält John für uns alle inne, damit wir die Worte in uns aufnehmen können. Ein kühles Lüftchen weht durch den Altarraum. Die Kerzen flackern. Ich hoffe, dasselbe passiert auch in den Herzen der heute Anwesenden. Dass das Feuer in unseren Herzen angesichts dieser hoffnungsvollen Botschaft auflodert.

Dann betet John. Es ist an der Zeit zu beten. Wir haben buchstäblich die Luft angehalten. Nun brauchen wir ein Ventil für diese Anspannung, und tief in unserem Innern wissen wir, dass wir dazu Hilfe von höherer Stelle brauchen.

„Vater, wir glauben an dich. Wir glauben, dass du Gott bist, der Schöpfer des Lebens und der Liebe, der allein alles gelingen lassen kann. Wir kommen zu dir – und unsere Angst ist dabei größer, als wir ahnen –, wir kommen zu dir, um dich um deine Gegenwart und deine Gunst für Daniel und Megan zu bitten. Wir kommen zu dir, um dich um deinen tiefen Segen für ihre Ehe zu bitten. Gib ihnen Mut. Gib ihnen ein festes Herz und einen klaren Verstand und den unbedingten Willen, zu dem zu stehen, was sie einander soeben versprochen haben. Und schenke uns, ihren Zeugen, Augen zu sehen und Ohren zu hören, was du jedem von uns durch dieses Drama voller Leidenschaft zu sagen hast. Stärke unsere Hoffnung. Schenk der Liebe den Sieg. Im Namen Jesu Christi, unseres Herrn. Amen.“

Nun folgt der Kuss. (Na ja, diesen Teil der Zeremonie liebe ich vielleicht am allermeisten. Es ist so romantisch!) Dann präsentiert sich das frischgebackene Ehepaar seinen Gästen. Jubel. Musik. Und irgendwo im Himmel – so stelle ich es mir vor – erschallen Trompetenklänge und eine Wolke weißer Tauben fliegt auf. Wie sehr muss Gott diesen Augenblick erst lieben!

Während wir hinter dem Brautpaar aus der Kirche ausziehen und den warmen Sommerabend spüren, sind wir verzaubert von diesem Augenblick, der so fröhlich und ernsthaft zugleich ist. Dieses zeitlose Ritual zeigt Wirkung auf uns. Und das sollte es auch. In uns regt sich ein altes Verlangen. Die Sehnsucht meldet sich zu Wort. Das ist es, wozu wir geschaffen sind!

Eine laue Brise weht und instinktiv wenden wir unser Gesicht dem Windhauch zu. Ein exotischer Duft von Magnolien und Jasmin liegt in der Luft, dazu die Musik, die aus der Kirche nach draußen dringt. Die Worte der Predigt hallen in uns nach. Selbst die älteren Ehepaare spüren, wie diese Worte sie locken. John und ich halten Händchen. Mir fällt auf, dass noch andere Ehepaare sich an der Hand halten. Es ist zu schaffen! Und es ist jede Mühe wert. Wenn es eines gibt, das Mann und Frau über die Ehe erfahren müssen, dann dieses:

Es ist zu schaffen.

Und es ist jede Mühe wert.

Kapitel 1

Erinnern wir uns daran,

was wir einmal wollten

Der Winter ist vorbei mit seinem Regen. Es grünt und blüht, so weit das Auge reicht. Im ganzen Land hört man die Vögel singen; nun ist die Zeit der Lieder wieder da! … Mach schnell, mein Liebes! Komm heraus, geh mit!

HOHELIED 2,11–13

Wo beginnt die Geschichte einer Ehe? Mit dem ersten Kuss? (Der war berauschend.) Mit Telefonaten zu fortgeschrittener Stunde? (Sie gingen über Stunden.) Mit einem Picknick am Strand bei Sonnenuntergang? (Sehr romantisch.) Mit dem Augenblick, in dem uns ein Kommilitone erwischte? (Das war echt peinlich.) Wo ist der Moment, in dem man entscheidet: „Mit diesem Menschen will ich den Rest meines Lebens zusammenbleiben“?

Vielleicht sollten wir die Geschichte zwei Jahre nach unserem „Ja, ich will“ beginnen lassen, als wir an Scheidung dachten.

Es war an einem Sonntag. John und ich saßen in unserem angemieteten Schuhkarton von einem Haus an unserem schäbigen Klapptisch und frühstückten. Es war ein wunderschöner Frühlingsmorgen im südlichen Kalifornien. Rosa und blaue Hortensien blühten auf unserer Veranda. Ich erinnere mich noch daran, wie die Sonne durch das Fenster schien. Ein Lichtstrahl fiel auf den Tisch zwischen uns. Doch er fühlte sich an wie eine Glaswand. Ich saß auf meiner Seite und John war ganz weit weg. Es waren nur ein paar Zentimeter und doch schien er mir meilenweit entfernt. Wieder einmal.

Der Tag war noch jung, aber ich fühlte mich müde. Müde davon, es zu versuchen. Müde davon, dieses Gefühl zu haben, ich sei für meinen Mann eine einzige Enttäuschung. Es war noch nicht lange her, dass er mir lebenslange Treue geschworen hatte. Vor aller Augen, wie ich hinzufügen möchte. War das überhaupt ernst gemeint gewesen? Es funktionierte auf jeden Fall nicht. Unsere Ehe war nicht mal annähernd so, wie ich es mir vorgestellt hatte.

Ich brach die Stille. „Vielleicht sollten wir uns scheiden lassen.“

Wir waren noch keine drei Jahre verheiratet. Unsere Ehe hatte so verheißungsvoll begonnen. Schließlich hatte ich diesen Mann bereits Jahre gekannt, bevor wir uns zum ersten Mal verabredeten. Und wir waren drei Jahre zusammen gewesen, bevor wir heirateten. John war bei einer Gemeinde angestellt; ich arbeitete bei einem christlichen Werk, das sich um verhaltensauffällige Jugendliche kümmerte. Alle hielten uns für das ideale Paar.

Wie war es so weit gekommen? Was war so schrecklich schiefgelaufen? Zu dem Zeitpunkt hätte ich gesagt, dass ich mich furchtbar einsam fühlte. Und in der Ehe einsam zu sein, ist der einsamste Ort auf Erden.

John war mit seinem Leben beschäftigt und wurde von Tag zu Tag noch geschäftiger. Es war ein gutes Leben. Er engagierte sich für gute Sachen. Das Problem war nur, dass ich nicht das Gefühl hatte dazuzugehören. Ich kam mir überflüssig vor. Auch ich arbeitete Vollzeit und brachte ihn damit durchs Studium. Wenn ich nach Hause kam, fand ich einen Mann vor, der zu müde war, um sich für meinen Tag, meine Welt und meine kleinen Dramen zu interessieren. Und ich war zu müde, um mich sonderlich für seinen Tag zu interessieren. Ja, ich tippte seine Seminararbeiten – aber was war aus unserer gemeinsamen Vision geworden? Aus unserem Wunsch, gemeinsam durchs Leben zu gehen? Damit, dass zwei besser sind als einer und all das?

Mir war klar, dass ich John nicht länger in meinen Bann schlug. Ich fragte mich, ob er mich überhaupt noch sah. Kurz nachdem wir unser Eheversprechen abgelegt hatten, hatte ich angefangen, übermäßig viel zu essen. Ein paar Monate nach unserer Hochzeit hatte ich bereits 12 Kilo zugenommen. Irgendetwas war nicht in Ordnung. Irgendetwas war in mir zerbrochen. Ich brauchte Trost und Entlastung und suchte sie am Drive-in-Schalter des Fast-Food-Restaurants. Die Pfunde, die ich draufpackte, vermittelten John eine eindeutige Botschaft: Ich lasse dich im Stich. Du bist es nicht wert, dass ich für dich schön bin.

Und ich sammelte immer mehr Gewicht an. Dann machte ich eine Diät und nahm wirklich einige Kilo ab. Die waren aber schnell wieder drauf, also speckte ich wieder ab … und nahm wieder zu. Viele von Ihnen kennen diesen Teufelskreis.

Schließlich war ich 35 Kilo schwerer als bei unserer Hochzeit und ich war verzweifelt. Eine gute Freundin hatte mit einer medizinisch überwachten Diät gute Erfolge erzielt und so versuchte ich es damit. Ich blieb eisern dabei und hoffte, sobald ich das Übergewicht los war, würde auch unsere Ehe wieder zu dem werden, was ich mir davon erhoffte. Am Ende der Diät wog ich 10 Kilo weniger als am Tag unserer Hochzeit. Ta-ta!

Doch es half nichts.

Mein Vorschlag, die Scheidung einzureichen, kam Monate nachdem ich mit der Diät aufgehört hatte.

Was wir heute wissen

Im Rückblick erkenne ich, wie innerlich zerbrochen ich als junge Frau war – eigentlich wie ein kleines Mädchen, das sich danach sehnt, geliebt zu werden, und sich beinahe sicher ist, dass das doch nie geschehen wird. Ich verdiente keine Liebe. Als ich jung war, sehnte ich mich nach jemandem, der Gefallen an mir fand. Aber das würde ohnehin nicht geschehen. Man beachtete mich nicht. Ich war nicht gewollt.

Dieses verletzte Herz brachte ich in die Ehe mit. Hurra! John, du bist derjenige, der Gefallen an mir findet und mich lieben und mein zerbrochenes Herz heilen wird. Doch obwohl John mich wirklich liebte, glaubte ich ihm nicht. Da war stets dieser Teil in mir, der nur darauf wartete, verlassen zu werden. Alle Freundschaften in meiner Jugendzeit waren von Verrat und Verlassenheit bestimmt gewesen – einschließlich jeder Freundschaft mit einem Jungen vor John. Ich wartete also nur darauf, weil ich überzeugt war, eine einzige Enttäuschung zu sein. Und wenn man so daherkommt, hat man ständig Angst.

Heute weiß ich, wie ausschließlich ich von John erwartete, meine Sehnsucht zu stillen. Als er diese Erwartung nicht erfüllte, gab ich mir selbst die Schuld daran. Ich begann, zu viel zu essen, weil ich nicht wusste, wie ich mit der Sehnsucht und der Enttäuschung in meinem Herzen umgehen sollte.

*

Lassen Sie mich (John) berichten, was an jenem Sonntagmorgen in mir vorging, als Stacy das Thema Scheidung auf den Tisch brachte. Scheidung. Ich fühlte mich wie das berühmte Reh im Scheinwerferlicht. Das Wort erwischte mich völlig ohne Vorwarnung.

Was!? Wo kommt das auf einmal her? Hat sie gerade wirklich von Scheidung gesprochen? Irgendwie packte mich Panik. Alle Alarmlämpchen leuchteten gleichzeitig auf. Doch hätte man mich in dem Augenblick nach meiner Meinung zum Thema: „Vielleicht sollten wir uns scheiden lassen“ gefragt, hätte ich geantwortet: Wovon redet sie da? Ich bin doch ein toller Kerl. Unsere Ehe ist fantastisch. Das Problem muss bei ihr liegen. Sie verlangt zu viel. Sie erwartet von mir, alles für sie zu sein.

Es ist mir peinlich, aber ich muss zugeben: Wenn man mir damals am Küchentisch das Messer auf die Brust gesetzt hätte, hätte ich nicht sagen können, auf welche Weise ich selbst dazu beigetragen hatte, dass Stacy so unglücklich war. Ich war konsterniert. (Darin sind wir Männer ziemlich gut.) Ich fragte mich: Wie ist es so weit gekommen? Wann ist das passiert?

Doch wenn ich heute zurückschaue, erkenne ich ganz klar, was damals los war. Ich ging als verletzter Junge im Körper eines Mannes in die Ehe. Eine verwirrende Mischung aus Selbstbezogenheit (Stacy, mein Mädchen, du hast ja so ein Glück, dass du mich heiraten darfst!) und grenzenloser Unsicherheit (Ich weiß gar nicht, ob ich das hier packe). Ich war in meiner Jugend und in vorangegangenen Beziehungen so verletzt worden, dass ich zu der Überzeugung gelangt war, dass Liebe nie lange Bestand hat. Und so hatte ich mir bereits Jahre zuvor geschworen, dass ich keinen Menschen brauchte. Ein vergessener, aber unterschwellig vorhandener, gnadenloser Schwur, der viel Leid in unsere Ehe brachte.

Wenn ein Mann weiß, dass er ein Mann ist, gewinnt er die Zuversicht, die er braucht, um dieser Welt mit Mut und Gelassenheit entgegenzutreten. Nichts hätte mir fremder sein können als diese Erfahrung. Ich hatte Angst. Und deshalb spielte ich Männlichkeit vor. Ich spielte die Rolle des tollen Kerls. Ich legte mir die Aura eines starken Mannes zu, wie ein Junge, der sich einen Supermann-Schlafanzug anzieht. Ich verschob meine Ängste und wurde zum Perfektionisten. Ich wurde zu einem getriebenen, fordernden Macher mit einem guten Schuss Narzissmus. Nun, bei einem Steuerberater oder Onkologen wünscht man sich vielleicht, dass er ein Perfektionist ist, aber mit einem Perfektionisten verheiratet zu sein, ist grauenvoll.

Der Fairness halber sollte man zugestehen, dass ein Mann das Gefühl braucht, erfolgreich zu sein und alles draufzuhaben, was er für den Job benötigt. Ein Mann wünscht sich die Zustimmung anderer – besonders die seiner Frau. Ich fand mich in einer Ehe wieder, ohne eine Ahnung davon zu haben, wie das geht, verheiratet mit einer lebendigen, liebevollen und zerbrochenen Frau, und ich merkte, dass mir das Wasser bis zum Hals stand. Ich wusste nichts darüber, wie man eine Frau liebt. Ich wusste weder mit ihrer noch mit meiner eigenen Zerbrochenheit umzugehen. Ich war 23 Jahre alt. Ich war auf die Ehe ebenso schlecht vorbereitet, wie ich es auf die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten gewesen wäre. Und so tat ich, was die meisten Männer tun – ich flüchtete. In die Arbeit.

Ich leitete damals eine kleine Theatertruppe, und offen gesagt, ich war richtig gut. Ein Naturtalent. Ich konnte Stücke schreiben, schauspielern und Regie führen. Ich verstand es, ein Bühnenbild zu entwerfen und aufzubauen. Ich erlebte Glanz und Gloria. Das Theater war meine Leidenschaft, meine Begabung, meine Berufung. In Schieflage geriet diese Erfolgsstory dadurch, dass das Theater zu meiner Geliebten wurde. Ich verbrachte bald mehr und mehr Zeit mit meiner Arbeit. Ich gab alles für sie und zog mich gleichzeitig von meiner Frau zurück. Im Grunde war das nichts anderes als eine außereheliche Affäre, nur schlimmer, weil man es nicht so leicht benennen konnte. Die Leute fanden mich toll. Und ich glaubte ihnen.

Das Unheil wartete nur darauf zuzuschlagen.

Unter der Rubrik Hochzeitsanzeigen in der Zeitung hätte in unserem Fall stehen müssen:

Frau „Wird mich jemals ein Mann lieben?“ trat letzte Woche mit Herrn „Ich brauche niemanden!“ in den Bund der Ehe ein. Der Bräutigam, von Beruf verunsicherter Perfektionist, schloss in einer örtlichen Freikirche die Ehe mit seiner Braut, einer total von sich überzeugten wandelnden Enttäuschung. Das entzückende Chaosunternehmen bezog eine Wohnung in Monrovia. Eine öffentliche Feier sowie eine private Katastrophe folgen in Kürze.

*

Was unsere Geschichte so verwirrend machte – und einen Durchbruch verzögerte –, war die Tatsache, dass wir an vielen gemeindlichen Aktivitäten rund um die Ehe teilnahmen. Wir hatten vor der Ehe eine Paarberatung gemacht. Wir hatten mehrere Ehebücher gelesen (na ja, vielleicht auch nur eines). Jemand hatte uns ein Ehewochenende für Frischverheiratete spendiert (ob die wohl etwas bemerkt hatten?) und wir hatten mit Spaß daran teilgenommen und alle Übungen mit Bravour bestan-den. Wir nahmen sogar an einem Hauskreis für Ehepaare teil! Wir kannten jeden Tipp und jede Technik!

Doch all diese Werkzeuge halfen offensichtlich nichts, wenn es um unsere Herzensfragen ging. Es war, als würde man auf der sinkenden Titanic die Liegen auf dem Sonnendeck zurechtrücken.

Wenn die Romantik den Boden der Realität erreicht

Vielleicht sollten wir unser Buch an genau dieser Stelle beginnen lassen: Verheiratet zu sein ist unglaublich hart!

Jeder verheiratete Mensch weiß das. Und doch erwischt es uns Jahre nach der Eheschließung noch eiskalt – jeden von uns. Wenn jungverheiratete Paare entdecken, wie schwierig es ist, sind sie verblüfft. Ja, sogar schockiert und entmutigt. Mache ich etwas falsch? Habe ich überhaupt den richtigen Partner geheiratet? Die Sirenen, die uns einst in die Ehe lockten – Romantik, Liebe, Leidenschaft, Sex, Sehnsucht, Zugehörigkeit –, scheinen von der Realität des Ehelebens so weit entfernt, dass wir fürchten, einen riesigen Fehler gemacht zu haben. So als habe man den falschen Bus genommen oder den Flieger verpasst. Und so trifft uns die Härte des Ehelebens auch als etwas, wofür wir uns irgendwie schämen. (Ist es Ihnen etwa nicht peinlich zuzugeben, wie schwierig Ihre Ehe ist?) Vielleicht passiert das ja nur uns?

Nein. Es trifft jeden! Das können wir ohne Umschweife sagen. Je schneller wir den Umweg der Scham und Irritation bemerken, umso schneller können wir den Kurs korrigieren. Natürlich ist die Ehe hart! Sie bringt einen Mann und eine Frau zusammen – zwei Geschöpfe, die so unterschiedlich denken, handeln und fühlen, dass man meinen könnte, sie entstammten verschiedenen Sonnensystemen – und zwingt sie, für den Rest ihres Lebens unter einem Dach zu wohnen und miteinander auszukommen. Das ist ungefähr so, als würde man Huckleberry Finn und Aschenputtel zusammen in ein U-Boot sperren. Was dachten Sie denn, was passieren würde?

Ach, und wenn wir schon mal dabei sind, könnten wir in dieses Experiment auch noch all unsere Ängste, unsere Verletzungen, unsere Selbstverliebtheit, unsere Selbstzweifel und unsere feste Entschlossenheit zur Selbstverteidigung einbringen. Großer Gott! Wer nach einem eindeutigen Beweis für die Existenz Gottes fragt, braucht nicht länger zu suchen – die Tatsache, dass überhaupt Ehen diesen Test überstehen, ist ein Wunder erster Ordnung! Ein Bona-fide-Beweis dafür, dass es Kräfte in diesem Universum gibt, die sich zum Wohle der Menschen einsetzen.

All die Märchen über einen Jungen und ein Mädchen, die das Schicksal zusammenführt, damit sie sich zusammenraufen und ein gefährliches Abenteuer bestehen, und die beide eine tragische Schwachstelle haben – eine Achillesferse, die ständig schmerzt –, sodass sie ihr Abenteuer nur mit Mühe bestehen … diese Märchen treffen den Nagel auf den Kopf.

Wenn Sie die erste Ehe der Menschheitsgeschichte genauer betrachten – jene beinahe glücklich endende Geschichte aus dem ersten Buch Mose –, werden Sie entdecken, dass auch Adam und Eva es nicht gerade leicht miteinander hatten. Und sie hatten noch nicht einmal Eltern, die ihnen ihre Kindheit versaut, oder Freunde, die ihnen lächerliche Ratschläge erteilt hätten! Der Sündenfall scheint sich während oder kurz nach den Flitterwochen ereignet zu haben. (Wie viele Flitterwöchner inszenieren dieses Drama wohl von Neuem?) Die Ärmsten gerieten in raue See, sobald sie Segel gesetzt hatten.

Wenn das die Geschichte der ersten Ehe ist, so ist sie recht ernüchternd. Doch sie kann uns auch Mut machen. Es ist normal, wenn die Ehe hart ist! Das gilt selbst für die besten Ehen.

Ich (John) hätte mir gewünscht, dass mich ein älterer Mann beiseitegenommen und aufgeklärt hätte: „Mein Junge, jetzt hör mir mal gut zu. Du bist ein feiner Kerl und Stacy ist eine wunderbare Frau. Ich bin überzeugt davon, dass ihr füreinander geschaffen seid. Ich bin richtig begeistert darüber, dass ihr heiratet. Aber ihr beide seid auch zutiefst gebrochene Menschen. Und sobald ihr ,Ich will!‘ gesagt habt, wird diese ganze Zerbrochenheit zutage treten. Lasst euch davon nicht aus der Bahn werfen. Das ist bei allen Ehepaaren so. Es bedeutet nicht, dass ihr etwas falsch macht. Falsch wäre es nur, wenn ihr die Dinge ignoriert, die da zutage treten. Gott wird eure Ehe dazu benutzen, um an Dinge heranzukommen, die er in eurem Leben gern ansprechen möchte. Du hast so deine Art, im Leben zurechtzukommen – genau wie Stacy. Früher oder später werden diese Lebensentwürfe miteinander kollidieren. Vielleicht trägt euch eure junge Liebe durch die ersten ein oder zwei Jahre – und dafür solltet ihr Gott dankbar sein. Doch wenn eure Märchenwelt an der Realität zerschellt, dann solltet ihr diese Dinge nicht ignorieren. Sucht euch Hilfe!“

Die wenigsten von uns bekommen einen solchen Ratschlag – selbst nach Jahren der Ehe nicht. Und die wenigsten hören dann darauf. Schwierigkeiten kommen unausweichlich; erst reagieren wir überrascht, anschließend bestürzt. Und wenn die Situation nicht besser wird, verfallen wir schließlich irgendwann in Resignation. Wir melden uns ab und ziehen uns zurück – emotional, mental oder komplett. Er schaut das ganze Wochenende fern; sie futtert oder geht shoppen.

Als ich neulich über eine praktikable Definition von Ehe nachdachte, fiel mir Folgendes ein: Zwei Menschen auf der Hut, die ihre Enttäuschungen verwalten und im Rahmen einer entmilitarisierten Zone – welche sie Ehe nennen – günstigere Bedingungen aushandeln. Danke, Adam, danke, Eva.

Das Hoffnungsvolle an ihrer Geschichte – das heißt, an der Geschichte von Adam und Eva und auch an unserer – ist, dass Gott die beiden gesucht hat. Sie hatten ein ziemliches Chaos angerichtet und nun hielten sie mit einer Hand das Feigenblatt fest und mit der anderen zeigten sie aufeinander. Und Gott machte sich ganz klein und suchte die beiden. Er wollte sie retten. „Adam, wo bist du?“ (1 Mose 3,9). Diese Spur lässt sich seitdem in jeder Ehe verfolgen: eine paradiesisch anmutende Liebesbeziehung (oder zumindest die Verheißung des Paradieses in der noch jungen Liebe) und dann der harte Fall, gefolgt von Versteckspielen, gegenseitigen Beschuldigungen und Zurückweisungen.

Und die Gnade Gottes, die uns einen Neuanfang anbietet.

Hoffnung

Spulen wir die Zeit vor – von der Szene am Küchentisch aus gehen wir 22 Jahre in die Zukunft zum 8. Oktober, unserem 25-jährigen Hochzeitstag. Freunde und Angehörige haben sich versammelt, um mit uns zu feiern. Denn eine Feier schien uns durchaus angemessen. Einer nach dem anderen hielt seine Rede – sie dankten uns für den Segen, den unsere Ehe ausstrahlte, und erzählten, wie unsere Liebe ihr Leben verändert hatte. Auch unsere Söhne ergriffen das Wort:

Papa, Mama, wir sind heute hier zusammengekommen, um euren 25. Hochzeitstag zu feiern. Nicht, weil wir dazu verpflichtet wären oder weil man das so macht, sondern weil eure Ehe es wert ist, gefeiert zu werden. Erst jetzt, wo wir älter geworden sind, ist uns so richtig klar, welchen Einfluss eure Ehe auf uns gehabt hat. Darum wollen wir euch beiden heute dafür danken, dass ihr so seid, wie ihr seid, und dass ihr in einer Welt, in der sich die meisten Eltern auseinandergelebt haben, einander immer noch lieb habt. Ihr habt uns die Chance gegeben, in einer liebevollen Familie aufzuwachsen, mit liebevollen Eltern. Das ist erstaunlich. Augustinus hat gesagt: „Liebe ist die Schönheit der Seele.“ Ihr seid zwei liebende, schöne Menschen, und es war ein Geschenk für uns, in dem Wissen aufzuwachsen, dass so etwas möglich ist. Darum gratulieren wir euch nicht nur, wir danken euch auch.

*

Stacy und ich waren sprachlos. Und ein wenig beschämt. Uns war gar nicht bewusst gewesen, dass man unsere Ehe wahrgenommen hatte. Und wir hatten schon gar nicht geahnt, dass sie einen derart großen Einfluss auf die Menschen gehabt hatte, die uns am Herzen lagen. Weil man immer einen Schritt nach dem anderen tut, war uns gar nicht bewusst geworden, wie weit uns unsere Reise geführt hatte. Ich fing an, mich zu fragen: Wie sind wir so weit gekommen? Wie kam es dazu?

Natürlich gibt es da eine Geschichte, die wir zu erzählen haben. Eine wilde und versöhnliche Geschichte, in deren Zentrum das Evangelium von Jesus Christus steht. Denn eines ist die gute Nachricht des christlichen Glaubens auf jeden Fall: ein Angebot, dass Zerbrochenes wiederhergestellt werden kann. Gott weiß, dass die Menschheit sich in einem erbärmlichen Zustand befindet. Er weiß, dass unser Leben weit von dem entfernt ist, was wir uns einst erträumten. Er weiß, wie es ist, so weit entfernt vom Paradies zu leben. Und es bricht ihm das Herz. Darum kommt er selbst auf die Erde, in dieses Jammertal, um für uns das zu tun, was wir selbst nicht erreichen können. Er kommt als der Immanuel – der Gott mit uns. Und was geschieht? Die Blinden werden sehend, die Verstoßenen kehren heim, Familien werden miteinander versöhnt, die Lahmen gehen und die Toten stehen auf. Das sind nicht nur biblische Geschichten; das sind Illustrationen. Gott demonstriert seine Macht und seine Absichten.

Er kommt, um zu heilen. Er kommt, um zu retten.

Denn der Sohn des Menschen ist gekommen, zu suchen und zu retten, was verloren ist.

LUKAS 19,10 (ELBERFELDER 2006)

So beschreibt Jesus seine Mission. So sieht er sie. Beachten Sie seine Wortwahl. Er sagt, er sei „gekommen, zu suchen und zu retten, was verloren ist“. Alles, was verloren ging. (Und es ist doch so vieles verloren gegangen!) Auch all die Schönheit und Kraft der Ehe. Die Ehe war schließlich seine Idee. Gott hat die Ehe geschaffen und uns sein Verlangen ins Herz gelegt. Egal, wie Sie beide meinen, zusammengefunden zu haben, egal, welche Kräfte Ihrer Ansicht nach noch beteiligt waren – die hoffnungsvolle Wahrheit ist, dass Gott ein weites Herz für die Ehe hat; auch für Ihre Ehe. Wenn der Gott Israels durch den Propheten Maleachi kundtut, er hasse es, wenn Eheleute sich trennen (vgl. Maleachi 2,16), dann hören wir diese Worte mit einem Schaudern. Doch eigentlich sollte uns eine Welle der Hoffnung überkommen. Die Leidenschaft, die sich in diesen Worten offenbart, zeigt, wie sehr Gott die Ehe liebt und wie groß sein Interesse daran ist, dass Ehen gelingen.

Darum stehen uns sämtliche Ressourcen des uns zugewandten Herzens Gottes und alle Ressourcen seines Reiches zur Verfügung. Mit ihnen stellt er wieder her, was in unserem Herzen, in unserem Leben und in unserer Ehe verloren ging.

Wir persönlich haben keine Ahnung, wie Ehepaare es ohne Gottes Hilfe schaffen. Das wäre kein Buch, das wir beide schreiben könnten. Würde man von uns verlangen, wir sollten unsere Ehe ohne Gott zum Blühen bringen, so wäre das, als verlange man von einem Baum, ohne Sonne und Wasser zu gedeihen. Manche Arten von Bäumen würden vielleicht irgendwie überleben, aber ihr Anblick würde niemandem gefallen. Die Hoffnung, die wir Ihnen anbieten können, beruht darauf, dass die gute Nachricht des christlichen Glaubens Wiederherstellung und Leben mit sich bringt.

Die meisten von Ihnen haben von dem berühmten Kreuz gehört, von der Zusage der Vergebung. (Der Herr weiß, dass wir für unseren Weg eimerweise Vergebung brauchen.) Am Kreuz setzt sich Gott der völligen Verlassenheit aus, damit wir niemals verlassen sind. Er kennt Trauer, Schmerz, Ablehnung, Unverständnis und Einsamkeit. Doch was auf das Kreuz folgt, ist aus irgendeinem Grund weniger berühmt und bekannt: die Auferstehung, der Triumph des Lebens. Das ist für den christlichen Glauben ebenso zentral wie das Kreuz, vielleicht sogar noch zentraler. Denn darin offenbart sich das Leben, das er uns anbietet.

George MacDonald erklärt: „… die gesamte Geschichte ist ein göttliches Leiden, um den Geschöpfen göttliches Leben zu geben. Die Folge dieses Leidens … wird blühendes Leben sein, und seine Blüte ist unaussprechliche Freude.“

Dieses Leben in eine Ehe hineinströmen zu lassen, ist wie Sonne und Wasser für den ausgedörrten Baum. Es ist, als würde man sämtliche Türen und Fenster eines seit Jahren verrammelten Hauses öffnen. Licht und Frischluft strömen hinein. Oder wie ein Regenschauer in der ausgetrockneten Wüste. Das Leben explodiert förmlich – das Aufblühen unaussprechlicher Freude. Gottes Leben bringt die Auferstehung hervor, eine Rückkehr wahrer Liebe, echter Freundschaft, von Romantik, Freude, Geduld und einer gemeinsamen Berufung. Das meint die Bibel, wenn sie sagt, dass wir „durch das Leben seines Sohnes … gerettet werden“ (Römer 5,10) – durch das Leben Gottes, das in Jesus Christus zu uns gekommen ist.

Stacy und ich sind die besten Freunde geworden. Wir begannen als Freunde, lange bevor wir heirateten, aber irgendwann auf unserem Weg haben wir diese Freundschaft verloren. Und das nicht nur einmal. Gott hat uns geholfen, sie wiederzufinden. Heute leben wir unser Leben wirklich gemeinsam. Wir befinden uns auf derselben Spur und leben für dieselben Ziele. Wir haben den Weg zu etwas sehr Schönem gefunden. Wir haben herausgefunden, dass die Zusagen der guten Nachricht Gottes wahr sind.

Lassen Sie das Verlangen zurückkehren

Wie sähe es für Sie beide aus, wenn Sie zu etwas wirklich Schönem zurückfinden würden?

Fragen Sie jetzt nicht: Wie soll das gehen? Das Wie kommt zu seiner Zeit; dabei können wir Ihnen helfen. Sie müssen mit dem Verlangen beginnen. Fangen Sie mit dem an, was Sie auf dem Herzen haben. Wovon haben Sie als junger Mann oder als junge Frau geträumt? Was wünschten Sie sich, als Sie sich zum ersten Mal verliebten?

Als Frau weiß ich (Stacy), was ich will. Ich möchte beachtet und als die Person wertgeschätzt werden, die ich bin. Ich möchte, dass mein Mann mich „erkennt“. Darum liebe ich den Film Titanic. Roses Verlobter versteht sie nicht. Er sieht, dass sie unglücklich ist, aber „gibt nicht vor zu wissen, warum“. Und er fragt sie nicht einmal. Jack dagegen versteht, was Rose auf dem Herzen hat. Er sieht sowohl ihre äußere als auch ihre innere Schönheit und darum schätzt er sie und kämpft um sie. Er erkennt die wahre Rose und erfreut sich an ihr. Dadurch gibt er ihr den Mut, eine vermeintlich sichere Zukunft zugunsten von etwas völlig Unbekanntem loszulassen. Ich möchte mich zutiefst von John erkannt und dennoch geliebt wissen. Dass er sich an mir freut, ist meine tiefste Sehnsucht.

Auch möchte ich mit meinem Mann leben und an seiner Seite das Abenteuer des Lebens bestreiten. Ich will nicht allein sein. Ich möchte das, was in meinem Herzen vor sich geht, und all die äußeren Kleinigkeiten meines Lebens mit ihm teilen – Freud und Leid, im Kleinen wie im Großen.

Das Leben kann hart und manchmal brutal sein. Oft ist es gefährlich. Es mit meinem Mann zu teilen gibt mir den Mut und den Ansporn, über mich selbst hinauszuwachsen. In Das scharlachrote Siegel werden Sir Percy Blakeney und seine Frau Marguerite mit Herz und Seele eins, als sie seine wahre Identität erkennt und sich seiner höheren Berufung anschließt. Als sie ihre unersetzliche Rolle in der Geschichte erfüllt und beide das Abenteuer gemeinsam bestehen, wird sein Leben gerettet, und das Gute triumphiert über das Böse. Das möchte ich für John tun. Das möchte ich mit ihm gemeinsam tun.

Und schließlich möchte ich mich an Johns Stärke anlehnen. Wenn es hart auf hart kommt, möchte ich wissen, dass John nicht einfach abhaut. Ich möchte sicher sein können, dass er da sein wird und ich mich bei ihm anlehnen kann, wenn ich das brauche. Und ich habe es schon sehr oft gebraucht. So wie die Dashwood-Schwestern in Sinn und Sinnlichkeit lernen, wie wunderbar es ist, dass sie sich auf Colonel Brandon verlassen können, möchte ich mich in der Kraft meines Mannes geborgen wissen. Ich denke, das sind Dinge, die sich jede Frau wünscht.

Ich (John) lese, was Stacy gerade geschrieben hat, und denke: Oh, Mann. Gut zu wissen! Denn mein Verlangen ist nicht ganz dasselbe. Zuallererst möchte ich, dass man an mich glaubt. In dem Film Das Comeback gibt es eine Szene, die mich beinahe zu Tränen gerührt hat. Es ist die Geschichte eines Boxers, dem keiner mehr ein Comeback zugetraut hätte. James Braddock muss sich seinem brutalsten Gegner stellen, einem wahren Goliath, der bereits einige Männer im Ring getötet hat. Es ist der Kampf seines Lebens. Seine Frau Mae fährt quer durch ganz New York und dringt bis in das Untergeschoss des Madison Square Garden vor, wo die Umkleidekabinen sind, nur um „ihrem Jimmy“ zu sagen: „Denk immer daran, wer du bist. … Ich stehe immer hinter dir.“ Diese Szene liebe ich.

Ich möchte auch, dass Stacy mit mir zusammen ein großes Abenteuer besteht. Vielleicht kennen Sie den Film Der Mann vom Snowy River – da ist eine Szene, an die ich mich noch lebhaft erinnere, obwohl ich sie vor über 20 Jahren gesehen habe. Die hübsche junge Jessica wird vermisst. Sie ist in Gefahr, weil sie oben in den Bergen von ihrem Pferd abgeworfen wurde. Der starke junge Cowboy Jim findet und rettet sie. Und auf einmal sind die beiden ganz allein da draußen in der wilden Schönheit dieser Berglandschaft. Ich liebe diese Szene: wilde, ungezähmte Natur und ein gemeinsames Abenteuer.

Und schließlich sehne ich mich nach Schönheit. Ich wünsche mir die Liebe, die im Hohelied Salomos beschrieben wird, wenn die Frau zu ihrem Geliebten sagt: „Komm schnell zu mir, mein Liebster! Komm, eile wie ein Hirsch; sei flink wie die Gazelle, die in den Bergen wohnt“ (Hohelied 8,14). Sie findet ihn wunderbar. Sie bietet ihm ihre Schönheit an. Sie lädt ihn ein, der Mann an ihrer Seite zu sein. Ich denke, Männer wissen, wovon ich spreche. Eine Szene in dem Film Hook hat mich da kalt erwischt: Peter Pan ist nach vielen Jahren nach Nimmerland zurückgekehrt. Er ist inzwischen erwachsen. Die Fee Tinkerbell – gespielt von Julia Roberts – ist begeistert, ihn wieder bei sich zu haben. Sie benutzt ihre Zauberkräfte, um sich in eine ausgewachsene, absolut verführerisch gekleidete Frau zu verwandeln. Peter fragt: „Wow, Tink – was wird hier gefeiert?“ – „Du!“, antwortet sie.

Ich denke, jeder Mann teilt diese drei Wünsche. Und wie ist das bei Ihnen, lieber Leser? Welche Filmszenen haben Ihr Herz über die Jahre erobert? Welche Songs, welche Geschichten, welche Momente haben in Ihrem tiefsten Herzen eine brennende Sehnsucht geweckt?

Sehen Sie, wir alle verlieren irgendwann auf unserer Ehe-Reise den Mut. Jeder von uns. Auch die Besten. Vielleicht finden wir einen Weg, unsere Enttäuschungen zu verkraften. Und vielleicht tun wir unser Bestes, uns gegen die Resignation zu stemmen, doch irgendwie verschafft sie sich Zutritt. Wir geben auf, was wir einst wollten und erträumten und wozu wir geschaffen wurden. Wir arrangieren uns.

Weil die Ehe hart, manchmal schrecklich hart ist, besteht unser erster großer Kampf darin, nicht den Mut zu verlieren. Das beginnt damit, dass wir unser ursprüngliches Verlangen zurückgewinnen – das Verlangen nach der Liebe, die uns ins Herz geschrieben wurde. Lassen Sie dieses Verlangen neu zu. Lassen Sie zu, dass es Sie an all das erinnert, was Sie einmal wollten und wozu Sie geschaffen wurden.

Und dann denken Sie über folgende Möglichkeit nach: Wie wäre es wohl, wenn Gott Ihnen das geben könnte, wonach Ihr Herz verlangt? Es ist nicht zu spät. Es ist nicht zu schwer. Sie sind nicht schon zu weit entfernt. Sie und Ihr Ehepartner haben sich noch nicht zu fest im Status quo