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Der Autor steht für einen unverwechselbaren Schreibstil. Er versteht es besonders plastisch spannende Revolverduelle zu schildern und den ewigen Kampf zwischen einem gesetzestreuen Sheriff und einem Outlaw zu gestalten. Er scheut sich nicht detailliert zu berichten, wenn das Blut fließt und die Fehde um Recht und Gesetz eskaliert. Diese Reihe präsentiert den perfekten Westernmix! Vom Bau der Eisenbahn über Siedlertrecks, die aufbrechen, um das Land für sich zu erobern, bis zu Revolverduellen - hier findet jeder Westernfan die richtige Mischung. Lust auf Prärieluft? Dann laden Sie noch heute die neueste Story herunter (und es kann losgehen). Der junge Johnny Morgan ist wie vor den Kopf geschlagen, als seine Mutter ihm nach langen Jahren die Wahrheit gesteht: Sein Vater, den er für tot gehalten hatte, sitzt im berüchtigten Zuchthaus von Yuma. Unschuldig! Das behauptet wenigstens die Mutter. Und Johnny zweifelt keine Sekunde, dass es wirklich so ist. »Nun beeil dich, Johnny. Die ersten Gäste lassen nicht mehr lange auf sich warten. Wo bist du nur mit deinen Gedanken? Wenn Mr. Henderson erscheint und du mit deiner Arbeit nicht fertig bist, gibts wieder Ärger.« Der dicke Barman im ›Silberdollar-Saloon‹ von Tombstone nickte Johnny Morgan aufmunternd zu und wischte dabei über seine Glatze, auf der sich der Schein einer Kerosinlampe spiegelte. Johnny lächelte ernst. Der hochgewachsene, hagere Junge mochte höchstens 17 oder 18 Jahre alt sein. Blonde Locken fielen ihm in die Stirn. Das schmale Gesicht wurde von zwei blauen Augen beherrscht, die stets ein wenig misstrauisch blickten. Ein verkniffener, etwas trotziger Zug lag um seinen Mundwinkeln. Johnny trug abgewetzte Jeans, die mit vielen Flicken ausgebessert waren, und ein verwaschenes Hemd, das ihm zu klein war und in den Schultern spannte. Die abgetragenen Schuhe hatten auch schon bessere Zeiten gesehen und wirkten alt und brüchig. Der Junge schwang verbissen den Besen, um auch den letzten Schmutz durch die offenstehenden Pendeltüren ins Freie zu kehren. Schritte dröhnten auf der knarrenden Treppe, die vom oberen Stockwerk hinunter in den Schankraum führte. »Johnny, komm her, zum Geier!«
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Seitenzahl: 131
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Der junge Johnny Morgan ist wie vor den Kopf geschlagen, als seine Mutter ihm nach langen Jahren die Wahrheit gesteht: Sein Vater, den er für tot gehalten hatte, sitzt im berüchtigten Zuchthaus von Yuma. Unschuldig! Das behauptet wenigstens die Mutter. Und Johnny zweifelt keine Sekunde, dass es wirklich so ist. Da keimt ein unglaublicher Gedanke in dem blutjungen Johnny auf: Er will den verzweifelten Vater aus dem streng bewachten Höllenloch von Yuma befreien …
»Nun beeil dich, Johnny. Die ersten Gäste lassen nicht mehr lange auf sich warten. Wo bist du nur mit deinen Gedanken? Wenn Mr. Henderson erscheint und du mit deiner Arbeit nicht fertig bist, gibts wieder Ärger.«
Der dicke Barman im ›Silberdollar-Saloon‹ von Tombstone nickte Johnny Morgan aufmunternd zu und wischte dabei über seine Glatze, auf der sich der Schein einer Kerosinlampe spiegelte.
Johnny lächelte ernst.
Der hochgewachsene, hagere Junge mochte höchstens 17 oder 18 Jahre alt sein. Blonde Locken fielen ihm in die Stirn. Das schmale Gesicht wurde von zwei blauen Augen beherrscht, die stets ein wenig misstrauisch blickten. Ein verkniffener, etwas trotziger Zug lag um seinen Mundwinkeln.
Johnny trug abgewetzte Jeans, die mit vielen Flicken ausgebessert waren, und ein verwaschenes Hemd, das ihm zu klein war und in den Schultern spannte. Die abgetragenen Schuhe hatten auch schon bessere Zeiten gesehen und wirkten alt und brüchig.
Der Junge schwang verbissen den Besen, um auch den letzten Schmutz durch die offenstehenden Pendeltüren ins Freie zu kehren. Schritte dröhnten auf der knarrenden Treppe, die vom oberen Stockwerk hinunter in den Schankraum führte.
»Johnny, komm her, zum Geier!«
Johnny Morgan zuckte zusammen. Sein hagerer Körper versteifte sich einen Herzschlag lang in stummer Abwehr.
Resignation überschattete sein gebräuntes Gesicht, in dem sonst lustige Sommersprossen tanzten.
Er zögerte, ging dann aber auf den älteren Mann zu, von dem etwas Raubtierhaftes ausging. Schuld daran waren wohl die blonden, langen Haare, die den wuchtigen Schädel von James Henderson wie eine Löwenmähne umgaben. Der Besitzer des ›Silberdollar-Saloon‹ blieb breitbeinig stehen, wippte auf den Stiefelsohlen und hatte die Hände herausfordernd in die breiten Hüften gestemmt, um den Jungen einzuschüchtern.
»Was treibst du den ganzen Tag über?«, schrie Henderson. »Die Spucknäpfe sind nicht gesäubert und die Theke nicht poliert, überall liegt noch Schmutz, außerdem hast du kaum Gläser gespült! Glaubst du, dass ich noch länger deine Faulheit unterstütze und mein schwerverdientes Geld einem Faulenzer nachwerfe? Nein, so geht das nicht. Da spiele ich nicht mehr mit. Ich hatte dich schon vor einigen Tagen verwarnt.«
James Henderson holte tief Atem, ehe er weiterbrüllte.
»Raus mit dir! Ich will dich in meinem Saloon nicht mehr sehen! Ist das klar, du verdammter Bengel? So nutzt du meine Güte aus. Es gibt eine ganze Menge Jungens, die sich um deinen Job reißen. Wir sind miteinander fertig. Ein für alle Mal. Und deine Mutter kann mir gestohlen bleiben. Sie braucht erst gar nicht wieder um Schönwetter zu bitten. Das habe ich nun davon, dass ich dem Sohn eines Bastards eine Chance gegeben habe!«
Johnny Morgan, der bis dahin die Strafpredigt ohne jede Regung über sich hatte ergehen lassen, zuckte jetzt wie unter einem Peitschenhieb zusammen. Sein Kopf ruckte hoch, während sein Gesicht die Farbe eines frischgebrannten Backsteins annahm, so stark rötete es sich. Seine Brust hob und senkte sich schwer. Die Hände ballten sich zu Fäusten.
Im ersten Moment sah es aus, als wolle er sich auf den löwenhaften Salooner stürzen, der breit zu feixen begann.
»Jähzornig bist du auch noch. Das hätte ich mir denken können. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Auch dein Vater …«
»Mr. Henderson«, rief der dicke Barkeeper mit schriller Stimme. »Sie sollten den Jungen jetzt in Ruhe lassen. Sie dürfen …«
James Henderson warf dem Dicken einen schrägen Blick zu. Der Glatzköpfige verstummte jäh. Große Schweißperlen rannen ihm über die Stirn.
»Warum haben Sie meinen Vater einen … einen …« Das Schimpfwort schien nicht über Johnnys Lippen dringen zu wollen, die sich hart aufeinanderpressten. Dann gab er sich einen Ruck und stieß heraus: »Warum haben Sie ihn einen Bastard genannt? Mein Dad war ein aufrechter Mann.«
James Henderson grinste gemein, dann lachte er schallend. Er hieb sich sogar auf den Oberschenkel, dass es krachte.
»Geh heim zu deiner Mutter, Kleiner. Lass dich mal aufklären. Ich finde, dass du inzwischen alt genug geworden bist, um die Wahrheit zu erfahren.«
»Aber Mr. Henderson«, rief der Barmann. »Sie können …«
»Ich kann«, unterbrach Henderson den dicken Mann. »Es ist eine Schande, dass in unserer Stadt …« Der Salooner schwieg plötzlich und winkte lässig ab. »Ach was, das alles geht mich nichts an. Raus mit dir, Johnny. Zieh Leine – und lass dich hier nicht mehr sehen!«
»Der Junge musste mehrere Stunden für Ihre Frau arbeiten, Mr. Henderson. Er hat Holz gehackt, den ganzen Nachmittag. Nur darum konnte er hier in der Schenke mit seiner Arbeit nicht fertig werden.«
James Henderson fixierte den dicken Barman mit hartem Blick.
»Mach nur so weiter, Billy«, sagte er gefährlich leise, »dann kannst du dir auch bald einen neuen Job suchen.«
Der Dicke schwieg eingeschüchtert, schnappte einen Lappen und begann Gläser abzutrocknen. Dabei musterte er mitleidig den Jungen, der das aber nicht zu bemerken schien.
Johnny Morgan lehnte den Besen gegen den Tresen, wandte sich wortlos um und verließ den ›Silberdollar-Saloon‹, ohne James Henderson noch eines Blickes zu würdigen.
*
Johnny blieb vor der kleinen Blockhütte am Rand von Tombstone stehen. Nur langsam beruhigte sich sein keuchender Atem. Die ganze Strecke vom Saloon bis hierher war er gerannt, als wäre der Leibhaftige hinter ihm hergewesen.
Der Junge starrte auf die Hütte, in der er mit seiner Mutter hauste. Sie bot einen jämmerlichen Anblick. Noch nie hatte Johnny das so stark empfunden wie jetzt, als er die Hütte betrat. Er schloss für einen Moment die Augen.
»Du bist schon zurück?«, fragte Mary Morgan erstaunt, als der Junge zu ihr trat. »Was ist geschehen?« Sie seufzte tief. »Hattest du schon wieder Ärger mit Mr. Henderson? Erzähl mir schon, mein Junge, was geschehen ist. Wir beide haben doch keine Geheimnisse voreinander. Und darauf bin ich sehr stolz. Sprich schon, Johnny.«
Johnny setzte sich rittlings auf einen Stuhl und sah seine Mutter ernst an. Sie trug ein einfaches Kleid und darüber eine Schürze. Vor ihr auf dem Tisch lag ein Wäscheberg, mit dem sie bestimmt bis tief in die Nacht hinein beschäftig sein würde.
Mary Morgan wusch für einige Bürger von Tombstone. Manchmal flickte sie die Wäschestücke auch noch. Vormittags putzte sie in einigen Geschäften und half auch hin und wieder im General Store aus. Das Leben in der wilden Goldgräberstadt war teuer.
Und es fiel Mary Morgen immer schwerer, den Lebensunterhalt für sich und ihren Sohn zu verdienen. Johnny half seit einigen Wochen mit, fegte und putzte im Saloon, doch er konnte Henderson nichts recht machen, so sehr er sich auch bemühte.
Der Junge legte das Kinn auf die Stuhllehne. Noch immer sah er seine Mutter forschend an.
»Was ist los, Sohn? Sprich doch!«
Mary Morgan stand auf, strich die Schürze glatt und trat zu ihrem Jungen. Sie streichelte ihm zärtlich über den blonden Lockenschopf.
Johnny hob plötzlich den Kopf. Seine Mutter erschrak unwillkürlich, als sie den tiefen Ernst im Gesicht ihres Sohnes erkannte. Sie ahnte, dass etwas geschehen war, das Johnny tief erschüttert hatte.
»Setz dich, Mutter. Ich muss mit dir sprechen. Es ist sehr wichtig.«
»Gut, mein Junge. Willst du vorher etwas essen? Ich habe dein Abendessen warm gestellt und …«
»Nein!«
Mary zuckte zusammen und sah ihren Sohn fassungslos an. Er hatte dieses Wort hart, fast hasserfüllt ausgestoßen.
»Entschuldige, Mam«, fuhr Johnny ruhiger fort. »Ich kann jetzt nichts essen. Zuerst muss ich dir einige Fragen stellen. Ich bitte dich, mir die Wahrheit zu sagen.«
Mary Morgan sah ihren Sohn hilflos an. Sie nahm Platz und faltete die Hände in ihrem Schoß.
»Sprich, Johnny. Ich will dir zuhören und auch deine Fragen beantworten, wenn es mir möglich ist.«
»Mr. Henderson schimpfte mich den Sohn eines Bastard«, brach es aus Johnny hervor. »Er meinte, du solltest mich endlich darüber aufklären, was mit Vater geschehen ist. Mutter, was ist mit Dad? Du hast mir erzählt, dass er vor zehn Jahren gestorben ist, und zwar als ein aufrechter Mann, der sein Leben für andere Menschen aufs Spiel setzte!«
Mary war bei diesen anklagenden Worten zusammengezuckt. Sie senkte den Kopf, konnte dem forschenden Blick ihres Sohnes nicht länger standhalten. Ein tiefer Seufzer brach von ihren Lippen.
»Bitte antworte, Mam. Wir hatten niemals Geheimnisse voreinander. Das hast du noch vor wenigen Minuten selbst gesagt. Was ist mit Vater? War er wirklich ein … ein …«
Johnny schwieg, als seine Mutter den Kopf schüttelte. Eine fahle Blässe bedeckte ihre Wangen. Sie wischte über die Augen, als könne sie so die bittere Erinnerung verscheuchen.
»Es ist wirklich an der Zeit, dir alles zu sagen, Johnny. Glaube mir, es war nicht einfach, lange Jahre zu schweigen und dich im Unklaren zu lassen. Irgendwann musstest du es erfahren. Ich hätte schon lange mit dir sprechen müssen. Dafür gibt es keine Entschuldigung.«
»Du machst mir Angst, Mutter«, krächzte Johnny. »Was ist mit Vater geschehen? Warum wurde er von Henderson beschimpft?«
»Du sollst alles erfahren. Jetzt und auf der Stelle, Sohn. Es wird nicht leicht für dich sein, denn es ist eine schreckliche Wahrheit, die ich dir beichten muss. Ich hoffe, dass du an meinen Worten nicht zerbrichst.«
Angst blitzte in den Augen des Jungen auf. So ernst hatte seine Mutter noch nie zu ihm gesprochen.
Mary Morgan begann zu erzählen, zuerst stockend, dann flüssiger. Und Johnny erfuhr die Geschichte seines Vaters, dem das Schicksal vor zehn Jahren übel mitgespielt hatte.
*
»Ich weiß, Johnny, dass du dich nur noch undeutlich an deinen Vater erinnerst«, begann Mary Morgan. »Zehn Jahre sind eine schrecklich lange Zeit. Wir hatten in der Nähe von Tucson eine kleine Ranch, die gerade genügend Dollars abwarf, um bescheiden leben zu können. Dein Vater schuftete zwanzig Stunden am Tag. Viehdiebe stahlen ihm immer wieder Rinder. Er wehrte sich verzweifelt, doch er konnte die Banditen nicht bezwingen. Er wurde angeschossen und lag viele Wochen krank im Bett.«
Mary Morgan seufzte und wischte eine Strähne ihres blonden Haars aus der Stirn. Sie lächelte wehmütig und sprach weiter: »Dein Vater überlebte die Schussverletzung, doch inzwischen hatten die Viehdiebe alle Rinder gestohlen. Wir waren am Ende. Doch dein Vater gab nicht auf, obwohl ihm die Bank jeden weiteren Kredit verweigerte. Dann wurde die Bank in Tombstone überfallen. Es gab zwei Tote. Dein Vater wurde beschuldigt, den Überfall ausgeführt zu haben. Er wurde ins Gefängnis gebracht und zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Der Richter ließ Gnade vor Recht ergehen, wie er sich ausdrückte, denn sonst wäre dein Vater am Galgen geendet.«
Johnny senkte den Kopf. Sein Körper bebte.
»Also doch«, murmelte er mit erstickter Stimme. »Jetzt verstehe ich auch, warum Mr. Henderson …«
»Nein, mein Junge«, unterbrach ihn die Mutter, »dein Vater ist unschuldig. Das schwöre ich dir. Er wäre niemals zu so einer verwerflichen Tat fähig gewesen. Er wurde hereingelegt. Dein Vater legte niemals ein Geständnis ab und beteuerte bis zuletzt seine Unschuld. Das Gericht und die Geschworenen glaubten ihm nicht.«
Mary sah ihren Jungen fest an.
»Ich verstehe, dass du jetzt zweifelst. Lass mich aber weitererzählen, denn die Geschichte ist noch lange nicht zu Ende.«
Johnny nickte ernst. Aus dem Jungen schien plötzlich ein Mann geworden zu sein. Dies fühlte Mary mit dem sicheren Instinkt einer Mutter.
»Die Beute von 25 000 Dollar wurde niemals gefunden, obwohl das Gericht deinem Vater einen Teil der Strafe erlassen wollte, wenn er das Versteck preisgab. Glaube mir, Johnny, er konnte dieses Geheimnis nicht verraten, da er es nicht kannte. Würden wir sonst in solch einer Armut leben?«
»Was ist mit Vater?«, drängte der Junge.
»Ich wollte dir damals das alles ersparen und brachte dich zu deinem Großvater nach Tucson. Du bliebst bei ihm, bis hier alles vorbei war. Ich belog dich, erzählte dir, dass dein Vater tot sei. Ich weiß heute noch nicht, ob es richtig war, dir die schreckliche Wahrheit zu verschweigen.«
»Lebt Vater noch?«
Mary Morgan sprach weiter, als habe sie die drängende Frage ihres Sohnes überhört.
»Kurz bevor dein Vater nach Yuma gebracht werden sollte, gelang ihm die Flucht. Er wurde gehetzt und gejagt, steckbrieflich gesucht, sogar eine Belohnung wurde auf seinen Kopf ausgesetzt. Dein Dad tauchte unter, nahm nur einmal kurz Kontakt mit mir auf und versprach, uns nachkommen zu lassen, sobald Gras über die Sache gewachsen sei. Er fand aber nirgends Ruhe, wurde vier lange Jahre vom Gesetz verfolgt. Ein Sheriff stellte ihn in Neu Mexiko. Seitdem befindet sich dein Vater in Yuma. Bestimmt hast du schon von diesem berüchtigten Gefängnis gehört. Dort hat er jetzt noch vier Jahre zu verbüßen.«
»Er lebt also«, stieß Johnny hervor. »Mein Vater lebt. Ich … ich …« Johnny Morgans Augen begannen zu leuchten. »Dad ist nicht tot. Er lebt …!«
Mary stand auf und trat neben den Sohn, der sich so freute, dass sein Vater nicht gestorben war, sondern noch lebte.
»Jawohl, mein Junge, dein Vater ist am Leben. Aber stört es dich gar nicht, dass er ein Dieb und Mörder sein soll, der in Yuma durch eine Hölle geht?«
»Dad ist unschuldig, Mam. Ich glaube dir!«
Johnny sprang auf und umarmte seine Mutter, stutzte erst, als er die Tränen auf ihren Wangen fühlte, die sein Gesicht nässten.
»Was ist, Mam?«, fragte er leise und merkte, dass seine Mutter am ganzen Körper zitterte.
»Deinem Vater geht es nicht gut, Johnny. Er ist krank und wird nicht mehr lange durchhalten. Es ist sein Herz, das ihm zu schaffen macht. Die Aufregungen und die Verzweiflung der langen Jahre haben aus deinem Vater ein Wrack gemacht. Ich habe ihn erst vor einem Monat gesprochen. Dir erzählte ich, dass ich Großvater in Tucson besuchte. Dein Dad ist innerlich zerbrochen. Doch er schwört auch noch heute, unschuldig zu sein. Das ist die Lage, mein Junge. Ich weiß mir nicht mehr zu helfen. Dein Vater wird bald sterben. Vielleicht habe ich dir auch aus diesem Grund die bittere Wahrheit verschwiegen.«
Das alles musste Johnny Morgan erst einmal verdauen. Er setzte sich schwerfällig auf den Stuhl und stützte den Kopf in beide Hände.
»Ich habe ein Gnadengesuch an den Gouverneur gerichtet, doch es wurde abgelehnt. In dem Schreiben stand, dass es keine Möglichkeit gäbe, deinen Vater zu begnadigen, solange die Beute aus dem Banküberfall nicht aufgetaucht wäre. Dein Dad hat das Geld nicht, Johnny, denn sonst hätte er mir das Versteck längst verraten. Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll. Auch hier in Tombstone wird es immer schwerer für uns, ein Auskommen zu finden. Und ich wundere mich längst, dass dir niemand verraten hat, was vor zehn Jahren mit deinem Vater geschehen ist. Nun hat Mr. Henderson dieses stillschweigende Übereinkommen gebrochen. Ich verstehe Henderson nicht. Er und Vater sind früher Freunde gewesen. Gute Freunde, die durch dick und dünn gingen. Warum verfolgt er uns mit diesem gnadenlosen Hass?«
Mary Morgan griff nach den Händen ihres Sohnes.
»Wir fahren nach Yuma, Johnny. Du sollst deinen Vater sehen. Er weiß, dass ich dir die Wahrheit verschwiegen habe, und war damit einverstanden. Ich weiß aber auch, dass er sich nichts sehnlicher wünscht, als dich noch einmal in seine Arme schließen zu können.«
»Wann fahren wir?«, stieß Johnny hervor. »Lass uns gleich morgen fahren, Mutter. Bitte, ich möchte meinen Vater sehen! Das wirst du doch verstehen?«
Mary Morgan zögerte.
»Ich will sehen, was ich tun kann, mein Junge. Zuerst brauchen wir eine Genehmigung. Bis sie eintrifft, vergehen einige Tage.«
Johnny nickte. Seine Mutter ahnte nicht, dass in diesen Sekunden ein verwegener Plan in ihrem Sohn reifte.
*
»Es ist noch immer keine Nachricht aus Yuma eingetroffen«, sagte Mary Morgan nach acht Tagen bitter, als sie den fragenden Blick ihres Sohnes sah.