Das Zwergpudel-Zerwürfnis - Patrick Budgen - E-Book

Das Zwergpudel-Zerwürfnis E-Book

Patrick Budgen

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Beschreibung

Als die berühmte Schlagersängerin Conny Red in ihrer Sauna stirbt, muss sich Alexander Toth um das Begräbnis kümmern. Da schöpft er Verdacht. War es Mord? Was hat ein Stalker damit zu tun, der hinter Conny Red her war? Diesmal legt sich Toth bei seinen Ermittlungen ganz besonders ins Zeug. Denn er will die adeligen Eltern seiner Lieblingskollegin Marie-Theres beeindrucken, die gerade in der Stadt sind. Wenn das nur gut geht! Nach den Erfolgen "Die Holzpyjama-Affäre" und "Die Teigtascherl-Intrige" macht Patrick Budgen den Zentralfriedhof erneut zum Krimi-Schauplatz. Mit dem liebenswürdigen Toth hat er einen Kult-Ermittler geschaffen und kombiniert in seinen Wohlfühlkrimis gekonnt Spannung mit Entspannung.

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Seitenzahl: 223

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Das Zwergpudel-Zerwürfnis

Ein Wiener Zentralfriedhofs-Krimi

Patrick Budgen:

Das Zwergpudel-Zerwürfnis

Alle Rechte vorbehalten

© 2025 edition a, Wien

www.edition-a.at

Cover/Illustration: Bernd Ertl

Karte: Anna-Mariya Rakhmankina

Satz: Nica Steiner

Gesetzt in der Premiera

Gedruckt in Europa

1 2 3 4 5 — 28 27 26 25

isbn: 978-3-99001-843-9

Patrick Budgen

Das Zwergpudel Zerwürfnis

Ein Wiener Zentralfriedhofs-Krimi

edition a

INHALT

Montag, 7.43 Uhr

Montag, 8.51 Uhr

Montag, 12.05 Uhr

Montag, 13.11 Uhr

Montag, 14.05 Uhr

Montag, 18.34 Uhr

Montag, 20.04 Uhr

Dienstag, 7.28 Uhr

Dienstag, 12.28 Uhr

Dienstag, 14.11 Uhr

Dienstag, 16.02 Uhr

Dienstag, 17.48 Uhr

Dienstag, 19.43 Uhr

Mittwoch, 12.21 Uhr

Mittwoch, 14.04 Uhr

Mittwoch, 15.52 Uhr

Mittwoch, 17.34 Uhr

Mittwoch, 20.16 Uhr

Mittwoch, 21.19 Uhr

Mittwoch, 23.51 Uhr

Donnerstag, 7.11 Uhr

Donnerstag, 9.38 Uhr

Donnerstag, 11.54 Uhr

Donnerstag, 16.02 Uhr

Donnertag, 17.04 Uhr

Donnerstag, 19.32 Uhr

Donnerstag, 20.23 Uhr

Donnerstag, 21.02 Uhr

Freitag, 10.41 Uhr

Freitag, 16.21 Uhr

Freitag, 17.05 Uhr

Freitag, 18.03 Uhr

Eine Woche später Mittwoch, 19.23 Uhr

DANKE

Pudelwohl

Für N.

»In Wien musst erst sterben, damit's dich hochleben lassen.

Aber dann lebst lang.«

Falco

Dieses Licht ist ja entsetzlich! Wer hat diesen Raum ausgeleuchtet? Der gehört auf der Stelle gefeuert. Es war sicher ein Mann. Die geben einen Dreck drauf, wenn jede einzelne Falte zu sehen ist. Unter dieser Neonröhren wirke ich wie eine Leiche. Da hilft auch das beste Make-up nichts.

Wo ist sie überhaupt? Wofür bezahle ich dieser Frau so viel Geld, wenn sie nicht da ist, wenn ich sie brauche? Und kann vielleicht irgendjemand die Klimaanlage hier drinnen abschalten! Ich mag es gerne kühl. Vor allem auf den Augen. Hilft beim Abschwellen. Kleiner Geheimtipp unter uns Klosterschwestern.

Verdammt nochmal, ich bin kein Pinguin. Ich habe schon richtig Gänsehaut von diesen frostigen Temperaturen. Wissen die hier eigentlich, wer ich bin? Oder sollte ich sagen, wer ich war? Ein wenig Sonderbehandlung darf ich mir wohl auch jetzt noch erwarten. Selbst die Garderoben in irgendwelchen Kuhdörfern sind größer als diese trostlose Abstellkammer, die ich mir mit fremden Menschen teilen muss. Die haben sicher nie Stadien gefüllt!

Wo bleibt die Privatsphäre? Schon mal was davon gehört? Wenigstens ein paar Blumen hätten sie mir herstellen können. Rote Rosen vielleicht. Für etwas Farbe und Duft in dieser überdimensionierten Tiefkühltruhe. Oder will mir jemand etwas damit sagen? Mich bestrafen. Mir zu verstehen geben, dass diese Kühle und Enge genau das sind, was ich verdient habe …

Montag, 7.43 Uhr

Der Tod steht ihr gut, dachte Toth, als er seinen routinierten Kontrollblick in den geöffneten Sarg warf. Nach über zwei Jahren bei der Bestattung Wien machte es ihm nichts mehr aus, seine leblose Kundschaft vor deren letzter Reise zu inspizieren und nachzusehen, ob tatsächlich der oder die drin lag, der oder die da drin liegen sollte. An diesem Morgen ließ sich der Bestatter ein wenig mehr Zeit als sonst. Der Klimawandel war längst in Wien angekommen und heizte die Stadt in diesem August selbst in der Nacht auf gefühlte Backofentemperatur auf. 27 Grad hatte das Display in Toths Auto angezeigt, als er kurz vor sieben Uhr früh gerade noch rechtzeitig zu seinem Dienst am Zentralfriedhof erschienen war. Schweißgebadet. Die Klimaanlage in seinem alten, türkisen Twingo hatte den Geist aufgegeben.

Wer brauchte eine Klimaanlage, wenn er eine Kühlkammer haben konnte. Alexander Toth genoss die kalte Luft, die brummende Aggregate in das neonbeleuchtete Leichenkühlhaus unter der Halle 1 bliesen. Die Schweißtropfen, die wie ein kleiner Bach unter seinem dunkelgrauen Arbeitstalar über seinen Rücken flossen, ließen ihn beim Abkühlen kurz erschaudern. Wie angenehm das sein muss, wenn einem nicht mehr zu heiß oder zu kalt sein kann, philosophierte Toth und wandte seinen Blick wieder seiner heutigen Kundschaft zu.

Ihre rote Pagenfrisur sah aus, als hätte kurz vor ihrem Tod noch ein Friseur Hand angelegt. Die exakt geschnittenen Stirnfransen bedeckten die Augenbrauen der Frau. Sie wirkte, als wäre sie im Sarg eingeschlafen.

Friedlich lag sie da, gekleidet in einen weißen Hosenanzug, der rund um den Ausschnitt mit kleinen Kristallen bestickt war. Ihre manikürten und rosarot lackierten Zehennägel lugten aus den weißen, offenen Schuhen hervor. Würde an ihrer großen Zehe nicht der sogenannten Fußpass hängen, an dem Name und Sterbedatum vermerkt waren, Toth könnte meinen, die Frau Mitte vierzig würde jeden Moment aufwachen.

Er nahm den kleinen Zettel vorsichtig zwischen zwei Finger und las den Namen halblaut vor: »Cornelia Rothschedl«. DieCornelia Rothschedl. Besser bekannt als Conny Red. Die Wienerin war einer der großen Stars in der heimischen Schlagerwelt, die es sogar in die quotenstarken deutschen Shows geschafft hatte. Ihre Lieder wie »Tausend Sterne über uns«, »Wenn die Sehnsucht brennt« oder »Kalter Regen auf mein Herz« sangen bei ihren Konzerten tausende Fans textsicher mit. Ein erneuter Schauder erfasste Toth. Er wusste nicht, ob es der kalte Schweiß auf seinem Rücken oder der Gedanke an diese Musik war, mit der er überhaupt nichts anfangen konnte.

Doch die Schlagerhits blieben dem Bestatter heute nicht erspart. In wenigen Stunden würde Conny Red im Ehrenhain des Zentralfriedhofs ihren letzten großen Auftritt haben, bevor sie neben ihre schweigsamen neuen Nachbarn Udo Jürgens und Falco einzog. Tausende Mitglieder der »Conny-Crowd«, wie sich ihre Anhänger nannten, hatten sich zur Verabschiedung angesagt, die genauso öffentlich war wie die Karriere der Sängerin. Alexander Toth hatte bereits als Journalist eine Abneigung gegen solche Menschenaufläufe entwickelt. Ab und zu kam er als Fernsehmoderator nicht daran vorbei, auf derartige Events zu gehen. Er bereute es meist schon bei der ersten Bussi-Bussi-Begrüßung von ihm völlig unbekannten Personen, die am nächsten Tag aus den Gesellschaftsspalten diverser Tageszeitungen lächelten. C-Promis nannte man sie in der Szene.

Heute war Toth kein Gast, sondern Gastgeber. In seiner Funktion als »Last-Eventmanager«, wie sich die Bestatter scherzhaft bezeichneten, hatte er die Aufgabe, die Trauerfeier für Cornelia Rothschedl alias Conny Red zu organisieren und durchzuführen. Alle Trauergäste sollten in bunter Kleidung und mit Luftballons kommen. Toth sah an seiner dunklen Arbeitskleidung herab und fühlte sich gleich noch mehr fehl am Platz.

Die Soundanlage hatte sich Toth von einem bekannten Konzertveranstalter ausgeborgt, da die friedhofseigene den technischen Anforderungen nicht entsprach. Besser gesagt den Anforderungen von Conny Reds Managerin. Die taffe Frau hatte Toth eine seitenlange Liste mit Wünschen zu Ausrichtung und Ablauf des Abschieds übergeben. Unter anderem sollten am Beginn und am Ende ihre beiden größten Hits »Dreh dich mit mir – 90 Grad« und »Pudelwohl« abgespielt werden und den Friedhof beschallen. Toth hätte es nicht gewundert, wenn einer der zwei Millionen Toten davon aufgewacht wäre und freiwillig das Weite gesucht hätte.

Außerdem fand Toth ein Lied mit »90 Grad« im Titel etwas geschmacklos für die Trauerfeier einer Frau, die in ihrer Sauna gestorben war. Laut Medienberichten war sie nach einem Asthmaanfall erstickt. Ihre chronische Krankheit hatte die Sängerin vor Jahren öffentlich gemacht. Eine Boulevardzeitung hatte damals vor einem ihrer Konzerte etwas geschmacklos »Atemlos – durch die Nacht« getitelt. Aber darüber machte sich offenbar niemand Gedanken und Alexander Toth hatte nicht das Gefühl, seine Meinung wäre bei der Planung sonderlich gefragt.

Für den zweiten Songtitel hatte er schon mehr Verständnis. Immerhin war der Pudel Connys Markenzeichen und wurde mit den Jahren auch zum Erkennungsmerkmal in der »Conny-Crowd«. Wo auch immer Conny Red auftrat, ihr cognacfarbener Zwergpudel war mit dabei. Auf der Bühne. Auf Fotos. Auf Autogrammkarten. Nur bei ihrer letzten Reise durfte er sie nicht begleiten. Connys Managerin hatte um eine Sondergenehmigung angesucht, doch Tiere waren auch für Schlagerstars am Zentralfriedhof streng verboten, was zu einem mittelschweren Tobsuchtsanfall geführt hatte.

Alexander Toth genoss die Ruhe vor dem Fanansturm und schloss vorsichtig den massiven Deckel von Cornelia Rothschedls Sarg. Er hatte wegen seiner prominenten Kundin einen eigenen Time-Slot in der Kühlkammer zugeteilt bekommen. Diskretion wurde bei solchen Leuten auch nach dem Tod groß geschrieben. Was würden ihre Anhänger dafür geben, ihr noch einmal so nah zu sein, dachte der Bestatter und überlegte, ob es jemanden gab, für den er eine ähnliche Zuneigung aufbringen konnte. Wenn dann nur für …

»Stopp! Nicht zumachen!«, rief eine Stimme und riss Toth aus seinen Gedanken.

Blitzartig ließ er den Deckel los, der Conny Reds Leichnam nur halb abdeckte, und drehte sich um. Er rieb sich den restlichen Schlaf aus den Augenwinkeln, weil er nicht glauben konnte, was er sah. Er blickte in smaragdgrüne Augen, die in der Mitte eines blassen Gesichts saßen. Umrahmt von feuerroten Haaren, die zu einem Pagenkopf geschnitten waren. Toth schloss die Augen und zählte innerlich bis drei. Eins. Zwei. Drei. Dann öffnete er sie wieder. Die Frau stand immer noch da. Alexander Toth warf einen Blick in den noch immer halboffenen Sarg. Wie konnte das sein? Hatte er in den zwei Jahren bei der Bestattung so viel mit Toten gearbeitet, dass sie ihm nun lebendig erschienen?

Vor ihm stand ein Abbild von Cornelia Rothschedl. Dieselbe blasse Haut. Dieselben Gesichtszüge. Dieselbe Frisur. Dieselbe Größe. Dieselbe Person? Das konnte nicht sein. Conny Red hatte sich nicht vom Fleck bewegt und lag nach wie vor in dem weiß lackierten Holzsarg, in dem sie heute ihre letzte Reise antreten sollte. Die Frau vor ihm machte einen Schritt auf Toth zu und streckte ihm ihre rechte Hand entgegen.

»Sie sind nicht der erste, den die Ähnlichkeit erschreckt«, sagte die rothaarige Frau. »Cordula Rothschedl, die Zwillingsschwester.« In ihrer nasalen Stimme meinte Toth eine leichte Arroganz herauszuhören.

Alexander Toth ärgerte sich über seine dummen Gedanken, die Toten könnten ihn nun schon heimsuchen. Er hatte in den Begräbnisvorbereitungen zwar noch nie etwas von einer Zwillingsschwester gehört, doch die frappante Ähnlichkeit ließ keinen Zweifel an der Glaubwürdigkeit dieser Frau.

»Wie kann ich Ihnen helfen? Hier unten sind Angehörige eigentlich nicht erlaubt«, sagte Toth mit seiner selbstsicheren, fernsehgeschulten Stimme.

»Ich würde mich gerne in Ruhe von meiner Schwester verabschieden. Ohne den ganzen Trubel da oben.« Cordula Rothschedl machte eine abschätzige Handbewegung. Erst jetzt merkte Toth, dass die nervös wirkende Frau etwas in der Hand hielt. Was war das? Ein Seil? Eine Schnur? Als Toths Blick Richtung Boden glitt, verstand er, was es war. An der orangenen Leine hing ein kleiner, brauner Hund. Ein Zwergpudel. Er war so ruhig und still, dass Toth ihn gar nicht bemerkt hatte.

Noch bevor Toth Luft holen konnte, um in aller Deutlichkeit zu erklären, dass Hunde im Kühlhaus nichts verloren hätten, fuhr Cordula fort: »Das ist Prinz. Der Hund meiner verstorbenen Schwester. Wir wollen uns gemeinsam verabschieden.« Sie bückte sich, tätschelte den Pudel liebevoll und hob ihn hoch.

»Naja. Eigentlich sind Tiere hier …«, begann Toth seinen Satz.

»Von mir erfährt niemand etwas. Und von ihm auch nicht«, unterbrach ihn Cordula und Toth meinte, ein sanftes Lächeln in ihrem Gesicht zu erkennen.

Der Bestatter machte einen Schritt zur Seite und gab den Weg zu Cornelia Rothschedls Sarg frei, der auf einem silbernen Rollwagen stand. »Also gut, fünf Minuten«, erklärte Toth.

Ein lautes Knurren übertönte das Surren der Kühlaggregate. Toth hatte zwar in der morgendlichen Hektik nichts gefrühstückt, aber dieses Geräusch kam hoffentlich nicht von seinem Magen. Ansonsten sollte er rasch einen Arzt aufsuchen. Der Bestatter hatte sich aus Respekt umgedreht, um Cordula Rothschedl zumindest etwas Intimsphäre beim Abschied von ihrer Schwester zu gewähren. Doch seine Neugierde war zu groß. Wo kam dieses seltsame Geräusch her?

Ganz langsam drehte Toth seinen Kopf zur Seite, ohne den restlichen Körper zu bewegen. Sein Nacken spannte gewaltig, doch er versuchte, das schmerzhafte Ziehen zu ignorieren. Seine Vermutung stellte sich als richtig heraus: Der bisher so stille Prinz gab diese erschreckenden Laute von sich, als Cordula sich mit ihm über den halboffenen Sarg beugte.

Aus dem Augenwinkel konnte Toth erkennen, wie sich Cordula suchend umdrehte. Als ob sie kontrollierte, nicht beobachtet zu werden. Hatte sie Toths verrenkten Hals bemerkt? Offenbar nicht. Mit einer schnellen Bewegung griff sie in den Sarg hinein und fischte eilig etwas heraus.

Montag, 8.51 Uhr

»Was? Einen Hundeknochen?«, fragte Marie-Theres ungläubig und strich sich eine ihrer lockigen, blonden Haarsträhnen aus dem Gesicht, die wegen der hohen Luftfeuchtigkeit an ihrer Stirn klebte.

»Ja, so ein kleiner silberner Hundeknochen an einer Halskette. Keine Ahnung, wie wertvoll der ist«, antwortete Toth, nachdem er tief Luft geholt hatte. Er versuchte sich nicht anmerken zu lassen, dass er nach nur wenigen Schritten außer Atem war. Die morgendliche Schwüle am Zentralfriedhof ließ die Luft bereits um diese Uhrzeit flirren. Sie war nicht der einzige Grund für Toths nahenden Zusammenbruch. Der Bestatter und die Sargträgerin gingen den breiten Weg entlang, der vom Haupteingang, dem Tor 2, des Zentralfriedhofs in Richtung des Ehrenhains führte, um letzte Vorbereitungen für die neueste Berühmtheit des Friedhofs vorzunehmen. Die letzte Umzugshilfe sozusagen.

»Und du hast sie die einfach so mitnehmen lassen? Wer weiß, ob sie das gewollt hätte?«, warf Marie-Theres ein. Ihre klugen, schönen Augen blitzten auf, als sie ergänzte: »Vielleicht war die Frau ein verrückter Fan, die sich als Conny Red verkleidet hat.«

Alexander Toth versuchte, sich mit seinen zierlichen, blassen Händen an dem Ungetüm festzuhalten, an dem er sich seit ein paar Minuten abschleppte. Eine Hand hatte er an der Hüfte, die andere unter der Achsel der lebensgroßen Schaufensterpuppe, die einer der unzähligen Sonderwünsche von Conny Reds Managerin war. Sie sollte bei der Trauerfeier neben dem Grab aufgestellt werden und das berühmteste Bühnenoutfit der verstorbenen Künstlerin zeigen. Ein feuerrotes, bodenlanges Kleid, in dem sie einst den Grand Prix der Volksmusik gewonnen hatte. Einen Moment lang stellte Toth sich vor wie es wäre, Marie-Theres auf Händen zu tragen anstatt dieser unhandlichen Puppe. Ihre zarte Haut zu spüren, ihren Duft einzuatmen. Ihr einfach nah zu sein.

Toth merkte, wie die weiße Plastikpuppe immer mehr aus seinen schwitzenden Händen glitt. Er presste die Lippen zusammen und versuchte mit aller Kraft zu verhindern, was unausweichlich war. Nicht hier, nicht vor ihr. Diese Blöße wollte er sich nicht geben. Doch es war zu spät.

Die eine Frau lag am Boden, die andere lachte herzhaft. Im Hintergrund sang sich eine Amsel die Kehle aus dem Leib. Es wirkte fast so, als würde sie das Gesehene mit zwitscherndem Beifall quittieren.

»Gut, dass sie dich nie als Dancing Star engagiert haben. Das Führen müssen wir noch üben«, platzte es aus Marie-Theres heraus. Sie spielte auf Toths berufliche Vergangenheit als bekannter Fernsehmoderator an. Einen Job, den er zugunsten der Work-Life-Balance gegen den des Bestatters getauscht hatte.

Ein älterer, weißhaariger Herr, der sich gerade das kalte Wasser aus einem der am Friedhof aufgestellten Hähne in den Nacken rinnen ließ, drehte seinen Kopf zur Seite, nur um ihn kurz darauf empört zu schütteln. Zu viel Gelächter am Friedhof.

»Das liegt nur an der unbeweglichen Tanzpartnerin«, versuchte Toth sich aus der peinlichen Situation zu retten und brachte Marie-Theres damit noch mehr zum Lachen. Jenes Lachen, das er seit ihrem ersten Zusammentreffen hier so mochte. Nachdem sie gemeinsam den Mord eines Teigtaschenfabrikanten aufgeklärt hatten, waren Marie-Theres und er abends nebeneinander auf einer Bank gelandet und hatten sich dampfende Teigtaschen geteilt. Kein Tag war bisher vergangen, an dem Toth nicht bereut hatte, seine Kollegin bei dem Friedhofsdate nicht geküsst zu haben. Seither hatte sich keine Chance mehr ergeben. Auch weil Toth zu feig war, um Marie-Theres seine Gefühle zu gestehen.

»Hoffentlich ist die Frau Managerin nicht hier irgendwo unterwegs. Sonst musst du gleich zum Rapport zur Hansen«, sagte Marie-Theres und half Alexander Toth dabei, die unförmige Puppe wieder aufzuheben. Diesmal schlüpfte er unter ihre Beine und trug sie wie ein zu groß gewachsenes Kind auf seinen Schultern. Um sich einen weiteren süffisanten Kommentar seiner Kollegin zu ersparen, kam Toth nach wenigen Schritten wieder zum eigentlichen Thema ihres Gesprächs zurück.

»Das war ganz sicher die Zwillingsschwester. So eine Ähnlichkeit kann es sonst nicht geben.« Marie-Theres summte zustimmend.

»Es ist nichts Ungewöhnliches, wenn sich ein Angehöriger ein Andenken mitnimmt«, fuhr Toth fort. »Ich kann mich erinnern, vor einem Jahr ist eine Witwe bei mir im Büro gesessen, die wollte unbedingt, dass wir ihr das Hörgerät ihres Mannes aus dem Spital besorgen, wo er gestorben ist.« Toth erinnerte sich lebhaft. »So kann mich mein Franzi immer hören«, hatte die arme Frau unter Tränen hervorgebracht. Ob der Franzi das wollte?

Toth hatte die angedeuteten Kniescheiben der Puppe fest im Griff. Schon wieder stellte er sich vor, es wäre Marie-Theres, die gerade auf seinen Schultern säße. Vielleicht bei einem gemeinsamen Konzertbesuch, obwohl Toth Konzerte hasste. Für sie würde er eine Ausnahme machen und ihr trotz seiner bescheidenen Größe eine bessere Sicht verschaffen.

»Der Weg ist doch weiter, als man glaubt«, schnaufte Toth, als die beiden, also eigentlich die drei, bei Cornelia Rothschedls Grabstelle angekommen waren. Mit einem hörbaren Stöhnen hievte der Bestatter die Puppe von seinen Schultern und stellte sie direkt neben dem bereits ausgehobenen Erdloch ab. In knapp zwei Stunden würden hier tausende Fans Abschied von ihrem Idol nehmen. Toth freute sich darauf, wenn der ganze Trubel wieder vorbei war. Er hatte schließlich wegen der angeblich ewigen Ruhe den Arbeitsplatz gewechselt und Fernsehen gegen Friedhof getauscht.

Toth zählte noch einmal die Kranzgestelle ab, die er rund um das Grab am Ehrenhain hatte aufstellen lassen und auf denen in Kürze die Blumenkränze präsentiert würden. 64 hatte er insgesamt bestellt. Es hatte fast den gesamten Bestand des Zentralfriedhofs herbringen lassen. Der Tod ist eben ein gutes Geschäft. Auch für die Blumengeschäfte, wie das der kleinwüchsigen Friedhofsblumenhändlerin Martha Pospischil, die aufgrund ihrer Größe von allen nur Meter genannt wurde.

Ein lautes Krachen tönte über den Ehrenhain des Friedhofs und ließ die wenigen Besucher, die zu dieser Zeit schon hier waren, hochschrecken. »Sorry, falsches Kabel«, rief ein zierlicher Mann mit langen Haaren und selbst gewuzelter Zigarette im Mundwinkel. Der Techniker war offenbar gerade dabei, die Soundanlage für Conny Reds Begräbnis anzuschließen. Toth hoffte, dass er die Tonprobleme bis zur Trauerfeier in den Griff bekommen würde. Der Bestatter wollte es sich nicht eingestehen, doch er war nervös. Schließlich würde jeder kleine Fehler im Ablauf der Verabschiedung auf ihn zurückfallen. Und Stress mit seiner Chefin Bärbel Hansen wollte er sich um jeden Preis ersparen. Toth war derart in Gedanken versunken, dass er gar nicht merkte, wie Marie-Theres sanft ihre gepflegte Hand auf seine Schulter legte.

»Du, Toth. Ich muss dich etwas fragen«, sagte sie ganz vorsichtig. Das Selbstbewusstsein, das sonst in ihrer Stimme lag, war verschwunden. Alexander Toth stockte der Atem. Konnte das sein? Hatten sie die ganze Zeit denselben Gedanken gehabt? Empfand Marie-Theres das Gleiche für ihn wie er für sie? Würde sie den ersten Schritt wagen, für den er nicht mutig genug war?

Als Toth sich zu ihr umdrehte und in ihre blauen Augen blickte, fragte sie mit sanfter Stimme: »Darf ich dich meinen Eltern vorstellen?«

Montag, 12.05 Uhr

Es war in der Menschenmasse beinahe unmöglich, ein einzelnes Gesicht auszumachen. Noch dazu hatte Toth Marie-Theres' Eltern bisher nur auf einem unscharfen Handyfoto gesehen. Er konnte sich kaum vorstellen, sie zwischen den weinenden Frauen mit roten Perücken und den schniefenden Männern mit »Pudelwohl«-T-Shirts zu finden. Viele hatten Pudel-Stofftiere in allen möglichen Farben mitgebracht, wohl als tierische Grabbeigabe. Die echten Vierbeiner mussten zu Hause bleiben. Denn am Zentralfriedhof galt strenges Tierverbot. Auch für die »Conny-Crowd«. Aus den Lautsprechern, die mittlerweile einwandfrei funktionierten, tönte Conny Reds größter Hit:

Mit dir fühl ich mich pu-pu-pudelwohl,

du bist für mich mein Ru-ru-ruhepol.

Wenn die Welt zu schnell sich dreht,

bist du der, der zu mir steht.

Gerade hatte er von Marie-Theres erfahren, dass ihre Eltern von München nach Wien gekommen waren, um sie bei ihrer Arbeit zu besuchen. Die Job-Hopperin übte den Beruf als Sargträgerin nun schon so lange aus wie noch keinen davor. Toth spürte eine Form von Nervosität in sich, die er lang nicht mehr gefühlt hatte. Er konnte sich kaum auf den Ablauf der Trauerfeier konzentrieren, die mittlerweile voll im Gange war. Irgendwo zwischen den hunderten Fans könnten Marie-Theres' Eltern sein. Aber würden die beiden Ärzte einer blaublütigen Dynastie sich unter das trauernde Schlager-Volk mischen? Das Publikum erinnerte Toth an die Fans bei der Volksmusik-Bühne des jährlichen Donauinselfestes. Als junger Reporter hatte er öfter von dem angeblich größten Freiluftfestival Europas berichtet, wo seine Abneigung gegen derartige Menschenansammlungen entstanden sein dürfte.

»Seit dem Falco habe ich so einen Auflauf hier noch nicht gesehen«, raunte eine zierliche Frau mit faltigem Gesicht und kleinem Blumengesteck in der Hand Toth zu. Der Bestatter quittierte das mit einem zustimmenden Nicken.

Rund um die Grabstelle von Cornelia Rothschedl alias Conny Red hatte die Friedhofsverwaltung auf Wunsch der Managerin frischen Rollrasen verlegt. Das alte Gras war wegen der enormen Hitzewellen in diesem Sommer komplett vertrocknet. Unwürdig für einen Star wie Conny Red, befand die resolute Frau. Wenn schon ins Gras beißen, dann ins frische, war offenbar ihre Devise.

So gut wie jeder Trauergast hatte einen mit Helium befüllten, bunten Luftballon in der Hand. Mit der anderen fächerten sich einige mit den Bestattungs-Fächern, die von der 150-Jahr-Feier des Zentralfriedhofes im letzten Jahr übrig geblieben waren, Luft zu, um sich in der prallen Mittagssonne zumindest etwas Abkühlung zu verschaffen. Auf den schwarzen Fächern stand in weißer Schrift »frische Luft aus der Gruft« geschrieben. Aus dem Jenseits sang Conny Red weiter:

Mit deinen treuen Augen groß,

spürst du meinen Seelenstoß.

Egal, ob Sonnenschein, ob Regen,

du bist mein Glück, mein kleines Leben.

Die Pailletten des bodenlangen roten Kleides, das mittlerweile perfekt auf der unhandlichen Schaufensterpuppe saß, reflektierten die pralle Mittagssonne. Die kleinen weißen Glanzpunkte der Spiegelung tanzten zwischen den Trauernden und erinnerten an die Reflexionen einer Discokugel. Passend für eine verstorbene Schlagerkönigin. Wie gut würde Marie-Theres in diesem Kleid aussehen, dachte Toth, als er von der Seite aus die Trauerfeier beobachtete. Alles lief nach Plan. Noch einmal schallte die Stimmte von Conny Red über den Ehrenhain des Zentralfriedhofs und hunderte Fans sangen mit:

Mit dir fühl ich mich pu-pu-pudelwohl,

du bist für mich mein Ru-ru-ruhepol.

Wenn die Welt zu schnell sich dreht,

bist du der, der zu mir steht.

Mit dem letzten Takt schritten Marie-Theres, die seit kurzem nicht mehr die einzige Sargträgerin am Wiener Zentralfriedhof war, und drei ihrer Kollegen zum Höhepunkt von Conny Reds letzter Schlagerparty. Mit langsamen Schritten trugen sie den auf Hochglanz weiß lackierten Sarg auf ihren Schultern zur ausgehobenen Grabstelle. Nicht nur Connys Stimme aus dem Lautsprecher war verstummt. Auch die Fans, die sich wie vorgeschrieben bunt gekleidet hatten, verfielen in tiefes Schweigen. Die meisten hatten sich wegen der tropischen Temperaturen für etwas Kurzärmeliges entschieden. Nur ein Trauergast stach modetechnisch aus der Masse heraus. Der kleingewachsene Mann trug eine ockerfarbene Cordhose und ein kastanienbraunes Tweed-Sakko. Toth kam nur beim Gedanken daran, in dieser Kleidung zu stecken, noch mehr ins Schwitzen, als er es ohnehin schon tat.

Die Totenglocken läuteten den letzten Weg der Sängerin ein. Alexander Toth nutzte den Moment, um noch einmal nach Marie-Theres' Eltern Ausschau zu halten. Er versuchte zu erkennen, ob die Sargträgerin auf ihrem langsamen Weg einen Hinweis gab. Möglicherweise würde sie ihrem Vater oder ihrer Mutter zuzwinkern. Die Vorstellung, ihre Eltern zu treffen, löste bei Toth ein seltsames Gefühl in der Magengegend aus. Wie würde sie ihn vorstellen? Als Freund? Als netten Kollegen? Beide Gedanken verstärkten das ungute Kribbeln in Toths Bauch. So sehr er auch versuchte, die Lage zu scannen, er konnte in der »Conny-Crowd« keine Menschen ausfindig machen, die als Marie-Theres' Eltern durchgingen.

Dann entdeckte er doch ein bekanntes Gesicht. Allerdings keines, das er gesucht hatte. Die Frau im schwarz-weißen Chanel-Kostüm, die sich gerade ihre Lippen mit einem dunkelroten Lippenstift nachzog, kannte er. Die weiß-blonde Endfünfzigerin, die ihre Handykamera als Spiegel benutzte, um nicht daneben zu malen, war Gloria von Trautheim. Auf das »von« bestand sie. Obwohl der Adel in Österreich seit über hundert Jahren abgeschafft war, wollte die Deutsche in den unzähligen Terminen, die sie mit Alexander Toth hatte, mit »von Trautheim« angesprochen werden. Die Managerin von Conny Red schien sich nicht sonderlich dafür zu interessieren, dass ihr größter Star in wenigen Augenblicken unter der Erde verschwinden würde, dachte Toth, als er sie beobachtete.

Moment mal. Was machte sie da? Direkt neben der Künstlermanagerin stand Toths Chefin, Bärbel Hansen. Sie stach mit ihrem schwarzen Hosenanzug aus der Menge heraus. Wollte sie ihn kontrollieren? Ihm auf die Finger schauen? Toth versuchte, seinen Ärger herunterzuschlucken.

Auch den etwas beleibteren Herrn, der hinter den zwei Frauen stand, erkannte er. Zumindest auf Fotos hatte Toth ihn schon einmal gesehen. Er hatte etwas von Wolfgang Petry, dem deutschen Sänger. Dunkelbraune, längere Haare. Das bunte Hawaii-Hemd weit aufgeknöpft, sodass die Goldkette, die auf dem üppigen Brusthaar auflag, gut sichtbar war. Richard König schien tatsächlich zu trauern. Er schnäuzte sich lautstark in ein weißes Taschentuch und wischte sich danach eine Träne aus dem Aug. Wenn Toth den Schlagzeilen der Klatschpresse glauben durfte, war die Ehe der beiden nicht frei von Reibungen gewesen. Heute tat König jedoch alles, um den trauernden Witwer glaubhaft zu verkörpern.

Zwischen all den roten Perücken, die sich die Fans als Zeichen der Anteilnahme aufgesetzt hatten, hätte er einen feuerroten Pagenkopf beinahe übersehen. Etwas im Abseits stand jene Frau, der er heute früh bereits in der Kühlkammer begegnet war. Cordula Rothschedl hatte sich in die Menge gemischt und beobachtete, wie der Sarg mit ihrer Zwillingsschwester Zentimeter für Zentimeter im Grab verschwand.

»Der arme Prinz. Ganz ohne Frauerl. So traurig, dass sie jetzt vor ihm am Friedhof liegt.«

»Ja, entsetzlich«, tauschten sich zwei dickliche Frauen in viel zu engen Shirts mit Leopardenprint schluchzend aus, die ein paar Meter neben Toth standen.

Tatsächlich hatten sogar einige Boulevardzeitungen über diese Ironie des Schicksals berichtet. Für ihren Zwergpudel hatte die Sängerin bereits für viel Geld ein Mausoleum am Tierfriedhof bauen lassen. Jetzt lag sie vor ihm hier. Nur wenige hundert Meter Luftlinie entfernt.

Mithilfe der Soundanlage wurde Conny Red wieder zum Leben erweckt. Als musikalischer Schlusspunkt der Trauerfeier sang sie noch einmal:

Dreh dich mit mir – 90 Grad,

bis wir spür'n, was Liebe tat.

Lass uns fliegen, Herz an Herz,

vergessen Raum, vergessen Schmerz.

Dreh dich mit mir, immer mehr,

bis der Himmel brennt im Meer!

Während sich die »Conny-Crowd« schunkelnd und weinend in den Armen lag, kam Toth etwas seltsam vor.

Er wusste zunächst nicht genau, was es war. Doch als er in das hochrote Gesicht seiner Chefin blickte, erkannte er es. Die Erde des frisch verlegten Rollrasens war so weich, dass die weiblichen Trauergäste mit Stöckelschuhen darin versanken. Als würden sie es ihrem großen Idol gleich machen wollen, folgten sie Conny Red langsam ins Erdreich.

Bärbel Hansen hatte ihre schwarz lackierten Schuhe in die Hand genommen und stampfte barfuß in Toths Richtung. »Mitkommen, Toth«, sagte sie mit ihrem norddeutschen Akzent, kaum war sie bei ihm angekommen. »Sofort.«

Montag, 13.11 Uhr

»Was ist das?«, fragte Toth und blickte auf das Foto in seiner Hand. »Das ist Ihr neuer Fall«, antwortete Hansen. Sie stellte ihre verdreckten Stöckelschuhe unter ihrem höhenverstellbaren Schreibtisch ab. Alexander Toth brauchte ein paar Momente länger als sonst, bis die Information bei ihm ankam. Er kratzte sich am Kinn, wie immer, wenn er nachdachte. Die hellroten Bartstoppeln erinnerten ihn daran, dass er sich rasieren sollte.