Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Wie die Zukunft der Demokratie in Zeiten von Big Data aussieht, sollte die Frage ablösen, wie wir Kontrolle über unsere persönlichen Daten gewinnen können; denn die Beantwortung könnte sich als wertlos erweisen, wenn das demokratische Leben durch automatisierte Informationsgewinnung zerstört wird, meint Evgeny Morozov in seinem Beitrag zu Kursbuch 177.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 19
Veröffentlichungsjahr: 2014
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Evgeny Morozov
Datenagenten in eigener Sache
Die Zukunft der Demokratie im Big-Data-Zeitalter
Was fangen wir nun an mit den Enthüllungen von Edward Snowden? Während die öffentliche Diskussion noch anhält – allerdings leider mit schon deutlich weniger Verve und Hoffnung –, ist von einer echten sozialen Bewegung mit eigenem Programm und Forderungen noch nichts zu erkennen. Doch selbst wenn es sie gäbe, mit welchem Programm würde sie antreten? Bislang sind die Alternativen nicht sehr verlockend: Die Hackerszene will mehr Verschlüsselung, um die Privatsphäre zu schützen, Bürgerrechtler fordern strengere Gesetze, Politiker möchten zwar die amerikanischen Spionageaktivitäten einschränken, aber am liebsten so, dass die diversen Versuche auf nationaler Ebene, genau das Gleiche wie die NSA zu tun, davon nicht berührt werden. Am liebsten würden die Politiker die Spionage weiter betreiben lassen, aber mit einer Technologie »made in Europe«: so viel zum europäischen Projekt.
Was Hacker, Rechtsanwälte und Politiker wohl eint, ist der Wunsch nach Wiederherstellung der »Autonomie« der Bürger/Nutzer. Worauf das genau hinausläuft, ist unklar, doch zumeist hat es mit dem Wunsch zu tun, Informationsflüsse besser kontrollieren zu können. Dies kann man – wieder einmal – entweder mit technischen Mitteln oder mit Gesetzen erreichen. Anstatt also die Entscheidung, was mit unseren Daten passiert, den Launen von Technologieunternehmen zu überlassen oder, schlimmer noch, den Spionen der NSA, wollen wir, dass die Bürger volle Kontrolle über jede Bewegung und Veränderung all ihrer je generierten Daten bekommen: Nur dann könnten wir wirklich von echter informationeller Selbstbestimmung sprechen. Folglich, so die hoffnungsfrohe Logik, brauchen wir die Bürger nur mit wirksamen und einfach zu handhabenden Techniken auszustatten. Dann können sie nach Lust und Laune mit ihren Daten verfahren, und wir brauchen uns nicht weiter zu sorgen. Beim »Autonomie-Projekt« geht es deshalb vor allem um maximale Kontrolle der eigenen Daten. Kontrolle als solche wird zum Kern politischer Forderungen. Wir sind also aufgefordert, gegen die zunehmende Kontrolle von Unternehmen und Regierungen mit größerer Selbstkontrolle anzugehen.
