David Roth und andere Mysterien - Zoi Karampatzaki - E-Book

David Roth und andere Mysterien E-Book

Zoi Karampatzaki

0,0

Beschreibung

Als der finnische Dämonenjäger Lauri Holopainen im Haus seines Chefs mit schwedischen Kollegen konfrontiert wird, ist er sicher, dass es kaum noch schlimmer kommen kann. Doch er irrt sich - für seinen nächsten Auftrag muss er seine Heimat verlassen und nach Australien reisen! Wider Erwarten freundet er sich schnell mit den Menschen an, die er beschützen soll. Mit einer Ausnahme: David Roth. Sobald die beiden Männer aufeinandertreffen, sprühen die Funken. Während der Feind nur auf den richtigen Moment wartet, um anzugreifen.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 254

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS



Zoi Karampatzaki

David Roth 

Impressum

© dead soft verlag

http://www.deadsoft.de

© the author

http:// www.zoi-karampatzaki.jimdo.com/

Coverbilder:

© Dinadesign – fotolia.com

© Andrei visnyakov – fotolia.com

Graphische Gestaltung: Irene Repp

http://daylinart.webnode.com

1. Auflage

ISBN 978-3-944737-05-8

ISBN 978-3-944737-06-5

Dieser Roman ist Fiktion. Im wahren Leben gilt: Safer Sex!

Prolog

Dieses Treffen erschien mir suspekt. Deshalb war die Situation, nicht die finnische Kälte, die draußen wütete – hier in Helsinki war sie oft trocken und schneidend – für mein unterschwelliges Zittern verantwortlich. Ich kam aus Lappland. Wenn es dort minus dreißig Grad war, dann fror ich. Was wahre Kälte war, die einem das Leben aus dem Körper saugte, erfuhr man im rauen finnischen Norden.

Ich war nervös, und das widersprach vollkommen meiner Persönlichkeit. Das machte mich wütend. Mein Chef, Billy Walker, zitierte mich normalerweise nie ohne eine Erklärung in sein Landhaus nördlich von Helsinki. Dass er mich mit drei anderen Kerlen an seinem privaten Rückzugsort antanzen ließ, war Grund zur Sorge. Ich kannte keinen von ihnen. Die drei saßen in Billys Wohnzimmer auf den Sofas vor dem Kamin, in dem ich ein wärmendes Feuer entfacht hatte. Weil Billy selbst auf sich warten ließ und ich gezwungenermaßen meinen eigenen Schlüssel benutzt hatte, stand ich. In Finnland war die Sache mit der Etikette etwas komplizierter, daher war nicht schwer zu erraten, dass es sich bei diesen drei Kerlen nicht um Finnen handelte. Man setzte sich als Gast nicht einfach irgendwo hin.

Davon abgesehen hatte ein blonder Zwerg seinen glatzköpfigen Freund vorher auf Schwedisch angesprochen. Der dritte Kerl, ein Schwarzhaariger, machte sich schweigend in einer Ecke auf jenem Sessel breit, den Billy sonst immer mir anbot.

He, du Dreckskerl. Das ist meinscheiß Sessel.

Vielleicht lag es an den angespannten historischen Beziehungen zu unseren Nachbarn, dass wir Finnen abweisender waren als andere Nationen. Passend dazu entsprach es meiner Natur, kühl zu sein und damit Leute abzuschrecken. Ich fand es amüsant und mein Ruf bei potenziellen Kunden war dementsprechend.

Aus diesem Grund übernahm ich oft Bodyguard-Aufträge. Die waren meist recht schnell vorbei, weil sich kaum ein Dämon mit Intelligenz an die von mir beschützte Zielperson herantraute. Meine Kollegen nutzten die gewonnene Zeit dann, um die tückischen Wesen auszuschalten.

Ich bezweifelte allerdings, dass es um einen gewöhnlichen Auftrag ging. Ich war Billys bester Mann, wir waren gute Freunde. Was auch immer ich bald erfahren würde: Es war bedeutsam.

Sonst hätte er den schwedischen Männern meine Anwesenheit nicht zugemutet. Ich verstand mich nicht gut mit Angehörigen dieser Nation. Sie schwebten in unmittelbarer Gefahr, durch meine bloßen Hände umzukommen.

Billy zuliebe riss ich mich zusammen. Ich machte mir Sorgen um meinen Chef. Ich alleine wäre bereits schweres Geschütz gewesen. Also betraf es seine Familie. Seine Frau war meine Schwester Clara – ein weiterer Grund, unruhig zu sein. Die beiden hatten vor knapp sieben Jahren geheiratet und Clara erwartete ihr drittes Kind. Ich wollte mir nicht ausmalen, warum Billy mich angerufen hatte. Meinetwegen konnte alles und jeder in Gefahr sein. Alles, nur nicht Claras Familie.

Um Mitternacht hatte das Handy geklingelt, das ich bei der Arbeit benutzte. Privat brauchte ich keines; in meinem Beruf lohnten sich enge Freunde nicht. Wäre Billy nicht mein Chef, hätten wir uns nie angefreundet. Das Handy-Ding gab jedenfalls nur in zwei Situationen nervige Pieptöne von sich: Entweder bekam ich während eines Auftrags eine neue Anweisung, oder es gab ein gewaltiges Problem.

Dass ich nun mit diesen unsympathischen Fremden, zwei von ihnen Schweden, auf meinen Chef wartete, deutete auf die letzte Möglichkeit hin. Obwohl mich ein Hauch der knisternden Wärme des Kaminfeuers erreichte, musste ich in meiner Ecke erschauern. In all den Jahren, die ich als Billys Angestellter verbracht hatte, hatte ich noch nie erlebt oder davon gehört, dass Billy geheimniskrämerisch seine besten Männer zusammengetrommelt hatte.

***

Die Zeit verstrich zu langsam. Das Schweigen zog sich in die Länge, und ich nahm mir vor, nach draußen zu gehen, sollte Billy in einer Viertelstunde nicht aufgetaucht sein. Ich wollte den klaren Sternenhimmel sehen, den Schnee unter meinen Stiefeln knirschen hören. Ausgerechnet heute könnte sich der lächerlich überzivilisierte Süden meines Landes meiner Anwesenheit zu Ehren mit einem Polarlicht schmücken. In Lappland sah man in vielen Winternächten ein Polarlicht. Der Winter steckte meiner Heimat stets hartnäckig in den Knochen. Er dauerte ungefähr von Ende September bis Ende Mai an und verzauberte mich jedes Mal von Neuem mit seiner wochenlangen Nacht. Im Sommer dagegen ging die Sonne einige Zeit nicht unter. Um Mitternacht bei strahlendem Licht in meinem eigenen See vor meiner eigenen Hütte zu schwimmen, war der schönste Teil meines Lebens. Sogar die in Scharen umherschwirrenden Mücken, die mich stachen und mein Blut aussaugten, vermisste ich im Ausland.

Ich arbeitete meistens halbjährig, daher konnte ich die Sommer in meinem Land genießen. Es gab nichts Wundervolleres, als die Sommermonate des Jahres herrlich einsam und allein in meiner Hütte zu verbringen. Der Einzige, mit dem ich mich in dieser Zeit neben Billy und Clara traf, war Robert. Er kam aus Karelien, einer Landschaft im finnischen Osten, und wohnte knapp eine Autostunde entfernt in einer ähnlichen Hütte. Ich vertrieb mir die Wochen mit Schwimmen und Angeln, Wandern und Joggen, jagte für mein Abendessen die Tiere im Wald und sammelte Beeren für meinen Nachtisch. Im Einklang mit der Natur ...

Ich merkte, dass ich gedanklich abgedriftet war, als das unangenehme Geräusch der schwedischen Sprache die Ruhe des Landhauses zerstörte. Abfällig rümpfte ich die Nase und wandte den Blick ab. Erfolglos versuchte ich, auszublenden, worüber sich die Schweden unterhielten. Über das Meer und die Küste, die knapp hinter der Grenze zu Schweden lag, über das verpönte finnische Essen, das ich liebte. Als sie auf die spinnenden Finnen kamen, verschloss ich mich ihnen endgültig. Entweder waren sie ungebildet oder man sah mir meine harten dreißig Lebensjahre in Lappland nicht an. Ich ging von Ersterem aus.

Um mich abzulenken, sog ich die vertraute Atmosphäre der Hütte in mich ein. Gern und oft saß ich mit Billy auf den großen Sofas und ließ mir finnischen Vodka und amerikanisches Fast Food servieren. Es war ein Wunder, dass ich nicht viel schneller außer Form geriet, als Billy God bless America sagen konnte. Das tat er oft.

Plötzlich glaubte ich das Dröhnen eines Autos zu hören, das sich über eine festgefrorene Schicht aus einigen Zentimetern hohem Schnee quälte. Lächerlich für Lappland. Dort versanken in den dichten Flocken Autos, Menschen und Hütten.

Wenige Momente später hoben auch die anderen Männer die Köpfe und unterbrachen ihr Gespräch. Gott sei Dank.

Sie schauten alle neugierig zum Fenster. Ich hingegen wappnete mich für sämtliche Szenarien, den Blick auf die züngelnden Flammen geheftet. Möglicherweise ging es gar nicht um Billy selbst.

Ich lauschte: Er hielt an. Er stieg aus. Er schloss ab. Er lief über knirschenden Schnee auf sein Haus zu. Er stieß die Tür auf und ein Schwall eisiger Luft biss sich in meine Haut.

Ich schaute in sein Gesicht, und er grinste müde. Die Erleichterung in mir war von jener Sorte, die dermaßen stark ist, dass man sich gern kurz auf den Hintern fallen lassen würde.

Was hier los war, hatte offensichtlich nicht unmittelbar mit Billy, Clara und den Mädchen zu tun.

Die anderen Männer erhoben sich höflicherweise. Das hatte ich ihnen gar nicht zugetraut. Billy kam direkt zu mir. Es war unüblich für Finnen, sich zu umarmen. Deshalb reichten wir uns grinsend die Hand und zerquetschten einander die Finger. Er war zerzaust und hatte schwarze Halbmonde unter den hellbraunen Augen, trotzdem sah ich Erleichterung und Entschlossenheit in seinen Gesichtszügen.

Er seufzte leise. „Lauri. Ich kann dir unmöglich genug dafür danken, dass du da bist. Diese Sache liegt mir am Herzen.“

Ich nickte lediglich. Was hätte ich sagen sollen? Finnen sparen an Worten. Er wusste genau, dass ich bereit war, alles für ihn zu tun.

Billy wandte sich an seine anderen geladenen Gäste. Argwöhnische Blicke vom Schwedenpaar, das sich mit Sicherheit fragte, warum ich als Finne nicht blond war wie sie. Entspannter Gesichtsausdruck vom Schwarzhaarigen. Der andere Schwarzhaarige, der mit den langen Locken bis zu den Schulterblättern – also ich – ließ sich überhaupt nichts anmerken.

„Auch an euch drei: Vielen herzlichen Dank. Eine solche Aktion ist nicht üblich in meinem Business. Es geht um eine absolute Ausnahme.“

Ich glaubte mir einzubilden, dass seine Augen zu mir zuckten und ich in ihnen einen Moment lang etwas sehen konnte, das mir überhaupt nicht gefiel.

Schuldbewusstsein. Eine vorausgeschickte Bitte um Entschuldigung.

Der hatte doch nicht etwa vor, mich in ein Land im Süden zu schicken? Das würde gegen die wenigen Arbeitsbedingungen verstoßen, die ich damals verhandelt hatte, als ich zu ihm kam. Na wunderbar. Und das kurz vor Weihnachten!

***

A password is required.

Enter password: **********

from: b.walker

to: lauri_holopainen

time: 03:32:07

date: December 23

Lauri!

Ja, ja, ich weiß – du willst gerade nichts von mir wissen. Ich möchte dir trotzdem die genauen Infos zukommen lassen, damit du exakt weißt, was dich in Sydney erwartet. Glaube mir bitte, dass ich deinen Einsatz überaus schätze. Da du so stur warst und nach deiner Zusage gleich aus der Hütte gerauscht bist, ohne mir zuzuhören, erzähle ich dir eben alles per Mail.

Du weißt, dass ich ein Studienjahr in Sydney verbracht habe. Damals ist zwischen mir und einem netten Kerl namens Emmanuel Greene eine positive Art von Zweckgemeinschaft entstanden, wir sind oft durch die Stadt gezogen. Nach dem üblichen Saufgelage am Wochenende – die Aussies sind ähnlich trinkfest wie die Finnen – wurden wir von einer Gang schwerer Jungs angepöbelt. (Nach langer Recherche sollte sich herausstellen, dass diese Mistkerle Frischlingsvampire waren.) Ich war unreif genug, sie zu provozieren, und der eine ist auf mich losgegangen. Hätte sich Em nicht auf ihn gestürzt, wäre ich längst tot. Dieser Pisser hatte keinerlei Skrupel (damals ahnte ich ja nichts von seinem wahren Wesen) und Em hätte wegrennen können. Aber er ist geblieben, hat mich gerettet und sich dabei fast die Kehle rausreißen lassen. Die Wunde war lebensgefährlich. Du bist schrecklich vertraut mit solchen und ähnlichen Narben, dir könnte ich also nichts Neues erzählen.

Es wäre übertrieben zu sagen, dass wir bis heute gute Freunde sind. Ich denke oft an ihn und an diese schreckliche Nacht, in der er mir das Leben gerettet hat. Daran, dass ich in seiner Schuld stehe. Als ich Jahre später erahnen konnte, dass ich mit meinem Job viel erreichen könnte, sprach ich ihm Unterstützung in jeglicher Form zu, falls er mich – oder eben meine Männer – jemals brauchen sollte.

Manchmal schrieben wir Mails, hatten davon abgesehen allerdings keinen Kontakt. Kürzlich rief er mich an und bat mich, ihm zu helfen. Die Lage in Sydney ist bedrückend ernst, sonst hätte ich nicht dir diesen Auftrag gegeben, meinem besten Mann.

Seine jüngere Schwester Linda, sie ist vierundzwanzig, hat sich in einen Mann verliebt, der sich als Dämon entpuppte. Sie bekam verständlicherweise den Schreck ihres Lebens, als sie auf blutige Weise erfahren musste, wer ihr geliebter Steve Westcott in Wahrheit ist: Günstling eines Vampirfürsten in Sydney. Sich von ihm zu trennen kam eigentlich nicht infrage, es wäre ihr Todesurteil gewesen.

Das Problem: Sie ist das Risiko eingegangen, weil sie sich neu verliebt hat, in einen aufrichtig freundlichen Kerl namens Bobby. Er hat eine Tochter aus erster Ehe und Em hält viel von ihm. Steve will diese Verbindung nicht akzeptieren. Zu allem „Übel“ ist Linda von Bobby schwanger, was der Auslöser für Em war, mich zu kontaktieren. Eine Abtreibung war keine Option. Ihr Neuer, Bobby, freut sich auf ein Geschwisterchen für seine neunjährige Tochter Mia. Zwischen Bobby und Linda läuft es wunderbar. Der einzige Schatten in ihrer Beziehung ist Steve und dessen düsteres Gefolge.

Eure Aufgabe wird es sein, im Schichtdienst auf Linda, Bobby und seine Tochter achtzugeben. Das sind deine engsten Kollegen: Der rotblonde Schwede heißt Erik, der Blonde Sven und der Deutsche Lukas.

Dir kommt eine besondere Aufgabe zu. Du wirst unmittelbar Teil von Lindas Leben sein – du schläfst in einem Zimmer in ihrem Haus. Während deiner Schichten begleitest du jeden ihrer Schritte. Nur allein pinkeln und duschen gehen, das darf sie. Darauf muss ich nicht genauer eingehen, das ist ja alles Routine für dich. Was ich außerdem erwähnen möchte: Du bist niemals mit ihr allein, wenn sie das Haus verlässt; mindestens zwei Dutzend Kollegen sind stets in eurer direkten Umgebung. Mal wirst du sie sehen können, mal nicht. Falls es also dazu kommt, dass du dich aus irgendeinem Grund ein paar Meter von ihr entfernen musst, ist das kein Problem. Jeweils sechs Kollegen werden Linda und dich umgeben, in einem eher weitflächigen, äußeren und einem dichteren, inneren Kreis. Diese können von einem Dämon mit Westcotts Macht höchstwahrscheinlich nicht durchdrungen werden. Für den Fall, dass es ihm wider Erwarten gelingt, wirst du zu Lindas letztem Schutzwall, ihrem Schild. Westcott ist ein Dämon der höchsten Kategorie, also von einem Menschen nur anhand seiner messbaren Aura zu unterscheiden. Laut Ems Beschreibung hat Westcott dunkelbraune Augen, braunes Haar und einen Hautton, der an Bronze erinnert, sowie ein überhebliches, charmantes Grinsen. Daran wirst du ihn erkennen, falls er dir begegnen sollte.

Der Deutsche sorgt dafür, dass Steve zügig ausgeschaltet wird. Linda weiß von diesem radikalen Plan und stimmt dem zu, verzichtet jedoch gern auf die grausigen Details. Damit du weißt, inwiefern du eventuelle Fragen seitens Linda beantworten kannst, möchte ich dir mitteilen, in welche Bereiche ich sie guten Gewissens eingeweiht habe. Sie weiß, dass wir Dämonen bezüglich ihrer Intelligenz in Kategorien einteilen, dass Westcott zu der höchsten gehört und dass es Wesen gibt, die sabbern und kreischen und kaum einen klaren Gedanken fassen können. Auch habe ich ihr von unseren Forschungen bezüglich der Wesen erzählt, die für uns noch weitgehend unbekannt sind, und ein bisschen damit geprahlt, dass Dämonen wie Westcott durch unsere Hände meist sehr schnell umkommen.

Mit den Schweden (verzeih) und einer Australierin, die ihr vermutlich nur über Mails kennenlernen werdet, wechselst du dich in vier Schichten á sechs Stunden ab. Schwierig wird die Aktion leider dadurch, dass vor Steve dessen Unterstützer aus der Welt geschaffen werden müssen. Er wird nach wenigen Monaten und Morden sicher Verdacht schöpfen. Hat er in seinem Umfeld einen potenziellen Rächer, sind wir machtlos; deshalb ist es wichtig, strategisch vorzugehen. Die gesamte hohe Riege von Sydney muss getötet werden – du weißt, wie schwer das wird. Sorge du bitte für Lindas Wohl und halte dich gleichzeitig für den einen oder anderen Vorstoß an der Front bereit. Alles andere liegt nicht in deiner Hand. Lukas ist kompetent, er wird die tödlichen Zugriffe ausführen.

Ich vertraue ihm, deshalb kannst du es auch.

Ich danke dir, Lauri. Ich stehe in deiner Schuld.

Alles Gute, Mann, und viel Erfolg,

Billy

***

Im Jet, der uns aufgrund der Feiertage und der nötigen Vorbereitungen erst am 03. Januar in sechsundzwanzig Stunden von Helsinki nach Sydney brachte, staunte ich über die rostrote Wüste unter mir. Ob ich wollte oder nicht: Ich musste zugeben, dass Australien schön aussah. Auf eine fremde, irritierende Art und Weise. Sydney selbst bot einen gleichermaßen beeindruckenden Anblick: Diese riesige Stadt direkt am Meer, das im Schein der untergehenden Sonne flüssigem Gold ähnlich glitzerte.

Schwere, bleigraue Wolken trieben auf der anderen Seite des Himmels. Ich verpasste einen strengen Winter in Finnland und flog mitten hinein in den feuchten Sommer eines fremden Kontinents. Es regnete und stürmte zu dieser Zeit stark an der australischen Ostküste. Der Jet bewegte sich in der Luft, als schlittere er über einen zugefrorenen See.

He, Kapitän: Sie sind besoffen. Das ist nicht die Landebahn!

Dasselbe Klima beschrieb der Reiseführer, den mir mein deutscher Kollege ausgeliehen hatte. Lukas war mir mittlerweile sympathisch. Bei Small-Talk hielten wir uns beide gern zurück. Die Schweden hingegen plapperten ständig vor sich hin. Irgendwann schnaufte ich genervt und schob mir die Kopfhörer meines klapprigen Disc-Man in die Ohren. Musik. Nichts lenkte mich effektiver ab, als die Klänge finnischer Folksongs.

Der Flughafen von Sydney sah aus wie jeder andere, roch wie jeder andere und bot dieselbe gehetzte Atmosphäre wie jeder andere. Interessant waren die vielen Gesprächsfetzen, die ich bloß mit Mühe verstand. Schnelles Englisch mit australischem Akzent drang aus allen Ecken an mein Ohr.

Die Shops boten interessante bis kuriose australische Dinge an. Kängurus als Plüschtiere, ein Buch über sämtliche tödlichen Tiere auf diesem Kontinent, wichtige Tipps fürs Sonnenbaden und Abstecher ins Outback. Eine Frau sprang mich von einem kleinen Info-Stand aus an und wollte mich dazu bringen, Vegemite auf Toast zu probieren. Ich machte trotz ihrer Freundlichkeit, dass ich wegkam. Mit Hefe-Extrakt wollte ich nichts zu tun haben.

„Du hast’s gut“, murrte Lukas, als wir mit unseren Gepäckstücken durch das Flughafengebäude liefen, vorbei an Tausenden Reisenden, die schwitzten und eilten und sich auf Urlaub freuten oder eine Geschäftsreise ans andere Ende der Welt herbeisehnten. Der Sicherheitscheck hatte dank unserer internationalen Sonderausweise lediglich wenige Sekunden in Anspruch genommen.

Keiner von diesen Menschen war jedenfalls aus den Gründen hier, die meine Kollegen und mich in diese Millionenstadt geführt hatten.

„Warum das? Sitzen wir nicht alle im selben Boot?“, fragte ich ihn verdutzt und ärgerte mich über mein schwerfälliges Englisch.

Lukas schnaubte. „Wir werden in drei verschiedenen Hotels untergebracht und du Glückspilz darfst in einem schönen Haus leben und den australischen Lebensstil kennenlernen. Von unserer Kollegin, die in ihrem eigenen Haus bleiben darf, will ich gar nicht anfangen.“

Ich beschloss, ehrlich zu sein, und verdrehte die Augen. „Lass uns tauschen. Ich bin nicht gesellig, vor allem nicht in Gegenwart von Fremden.“

Mitsamt unseren Koffern folgten wir minutenlang den Wegweisern zum Ausgang. Als wir ihn erreichten, war mein Bedürfnis nach einer Dusche, einem ordentlichen Bett und vor allem Privatsphäre – ich war notorischer Nacktschläfer – übermächtig. Hunger hatte ich keinen, ich war satt von dem köstlichen Abendessen im Jet.

Wenigstens warteten bereits sechs bullige, schwarz gekleidete Männer vom Sicherheitstransport, die mich zu Linda und die anderen in ihre Hotels bringen sollten. Billys Organisationstalent stellte das anderer Männer stets in den Schatten. Ich war froh, als ich mich auf die nach Leder und Aftershave riechende Sitzbank der dunklen Limousine werfen und für einen Moment zu Atem kommen konnte. Die Luft draußen war schwül und spannungsgeladen, wie bei einem bevorstehenden Gewitter, und es roch nach einem Regenguss.

„Mr Holopainen?“, fragte eine warme, freundliche Stimme.

Ich fuhr zusammen, weil ich im Halbdunkel des Wageninneren nicht gesehen hatte, dass auf der Bank gegenüber ein Mann saß.

Er lachte und knipste irgendwo das Licht an. Es blendete mich, ich hielt mir eine Hand vors Gesicht.

„Hmpf. Sind Sie Greene?“

„Em. Es freut mich, dass Sie gekommen sind.“ Seine Stimme klang nett, sodass ich die Hand wegnahm und ihn vorsichtig anblinzelte. Em saß entspannt vor mir, ein Bein über das andere geschlagen, und lächelte. „Billy hat mir von Ihren Prinzipien erzählt. Es tut mir leid.“

„Ich erledige einen Job.“ Solche Situationen berührten mich unangenehm, und dass ich mich darauf konzentrieren musste, ihn zu verstehen, machte es mir nicht leichter.

„Und genau dafür möchte ich Ihnen danken.“ Sein Lächeln wurde ein wenig melancholisch. „Ich hoffe, Sie werden sich in Sydney verlieben, wie es die meisten Besucher tun. Ich werde Sie zu Lindas und Bobbys Haus begleiten und sie miteinander bekannt machen. Keine Sorge, nichts Langes. Nicht nur Sie sind müde – ich schlafe schon seit Dezember nicht mehr gut. Herzlich willkommen in Sydney, Mr Holopainen.“

„Lauri“, murmelte ich mit müder, schwerer Zunge. „Das reicht.“

***

Waverton präsentierte sich im Scheinwerferlicht als hübsches Viertel mit großen Häusern, in deren Gärten und Vorgärten Palmen sowie allerlei streng süßlich riechende Blumen wuchsen, die schreiend bunt blühten.

Ich dachte sehnsüchtig an den finnischen Sommer zurück, den ich verpassen könnte, und unterdrückte das Bedürfnis, von meinen mitgebrachten salmiakki zu naschen. Weder der salzige Geschmack, sollte jemand ein Bonbon probieren wollen, noch der Lakritzgeruch würden hier gut ankommen – vor allem, wenn er aus dem Mund des Fremden strömte, mit dem man den Großteil seiner Zeit verbringen musste. Ich hoffte, die kleine Mia bekam nie mit, dass ich schwer bewaffnet war.

Die Tunks Street wies leicht nach oben. Als ich mit Greene ausstieg und zurückschaute, stockte mir der Atem. Hinter und über den Dächern an der Kreuzung schimmerte das Meer schwarz-silbern im Mondschein und in den bunten Lichtern des Hafens. Sydney mochte eine Millionenstadt sein und mich damit automatisch abstoßen, aber ihr Flair berührte mich, ohne dass ich etwas dagegen tun konnte.

„Wunderschön, nicht wahr?“, sagte Em ruhig. In seiner Stimme lag Liebe.

„Ja“, gab ich knapp zurück. Es hatte keinen Sinn, etwas Offensichtliches zu leugnen.

Ich folgte Em ein paar Stufen zur Veranda hinauf. Das Holz knarrte dumpf mit jedem meiner Schritte. Kurz glaubte ich, nicht das Meer zu riechen, sondern das zartere, erdige Aroma eines finnischen Sees.

Rechts neben der Haustür brannte eine aufwändig verzierte Lampe, links davon schwebte ein bunt bepflanzter Blumentopf in seinem Metallgestell. Ein Fenster war gekippt, ich konnte Frauen- und Männerstimmen lachen und reden hören. Eine Duftwolke von würzigem Fleisch und rauchiger Soße ließ mir das Wasser im Mund zusammenlaufen.

„Hmm“, brummte Em und zwinkerte mir lächelnd zu, bevor er klingelte. „Dinner. Es werden einige Leute da sein, Freunde von Linda, mit denen du viel Kontakt haben wirst. Keine Sorge, du kannst dich gleich ins Bett hauen. Es sei denn, du willst mitessen. Was überwiegt? Hunger oder Müdigkeit?“

Ich schloss die Augen, ließ meine Schultern nach vorne sinken und schnarchte.

Em lachte und sagte: „Ich verstehe. Ein kurzes Hallo wird möglich sein, oder?“

Ich nickte in der Hoffnung, dass er „kurz“ ähnlich interpretierte wie eine müde Seele.

Durch ein rautenförmiges Fenster in der Tür sah ich einen Mann auf uns zu kommen. Er öffnete uns und stutzte erheitert, als er mich sah – zerzauste, schwarze Locken, kornblumenblaue Augen, aufgrund meiner Müdigkeit vermutlich von aufgeplatzten Äderchen durchzogen. Offenbar mochte er schräge Kerle wie mich.

Er reichte mir in tiefer Dankbarkeit die Hand „G’day, Mr Holopainen. Ich danke Ihnen für Ihr Kommen.“

„Lauri“, verbesserte ich vorsichtig. In Finnland sprach man sich schnell mit du an, um die Steifheit, die im hohen Norden herrschte, zu überwinden.

Em legte mir eine Hand auf die Schulter. „Komm, Bobby, lass ihn uns schnell vorstellen und ins Bettchen schicken. Der bricht mir sonst gleich zusammen.“

An Ems Seite betrat ich das Haus.

Zuerst sah ich links von mir eine Wand – oder besser gesagt, die vielen Fotos und Bilder, die sie verdeckten. Rechts gab es eine Handvoll Sessel neben einem breiten Bücherregal, und mein Herz stotterte bei diesem wundervollen Anblick.

Bobby bemerkte meine Begeisterung und lächelte mir zu. „Fühl dich wie zu Hause.“

Zweifellos war das eine Einladung. Er konnte darauf wetten, dass ich sie annahm.

Bobby führte mich zu einer offenen Küche, neben der sich ein Wohnzimmer auftat, das ein Panoramafenster auf das nachtschwarze Meer zu bieten hatte. In einem großen Erker stand der schwer beladene Esstisch: Sieben Personen saßen lachend und plaudernd um ihn herum, mit leeren Tellern, Weingläsern und Bierflaschen vor sich. Sie verstummten und schauten halb neugierig, halb hoffnungsvoll auf, als Bobby in die Hände klatschte.

Em stellte sich neben mich, räusperte sich und raunte mir eilig ins Ohr: „Verzeih ihm.“

„Äh?“, entgegnete ich überfordert. Ich ahnte nichts Gutes und wollte eigentlich nur in ein kühles Bett.

„So, ihr Lieben!“, rief Bobby so feierlich, dass ich ihm einen eisigen Blick zuschoss. Die Anwesenden schmunzelten und wirkten, als seien sie das gewohnt. „Unser Retter ist da. Wir alle können dank ihm ruhiger schlafen und unser Leben wieder aufnehmen.“ Er lief zu einer hübschen Frau mit violett gefärbtem Haar und kugeligem Bauch: Linda. Sie lächelte erst ihn, dann mich strahlend an.

„Schlafen Sie sich aus“, sagte sie zwinkernd in meine Richtung. „Morgen beim Frühstück können wir alles besprechen. Ich bin sehr froh, dass Sie da sind. Wenn es etwas gibt, das einer von uns für Sie tun kann, scheuen Sie sich nicht, es auszusprechen. Ich kann mir gar nicht vorstellen, was diese Aufopferung für Sie bedeuten muss. Deshalb will ich es Ihnen so angenehm wie möglich hier machen. Sie dürfen meine Freunde selbstverständlich herumkommandieren, wann immer Sie wollen.“

Besagte Freunde kommentierten das mit empörten Ausrufen. Ich musterte die fröhliche Runde und blieb schließlich hängen, weil mich ein Mann eindringlich anstarrte. Der Blick traf mich mit schneidendem Spott aus froschgrünen Augen.

Meine eigenen Augen wurden schmal: eine Herausforderung an ihn, auszuspucken, was in seinem Kopf unter dem dunkelblonden Haar köchelte.

„David Roth!“, murrte Linda, als sie unser Duell bemerkte, als wäre Roth ihr Sohn. Ich spürte meine Wangen glühen.

Die ersten Worte, die er an mich richtete, schnitten herablassend durch die plötzlich angespannte Stille im Raum.

„Du bist also das Rentier“, sagte er mit einem süffisanten Grinsen.

Ich zögerte nicht. Ich lächelte auch, als ich ruhig entgegnete: „Und du bist dann wohl der australische Giftfrosch.“

Der andere Mann, der mir wegen seiner kurzen braunen Locken ins Auge gestochen war, prustete heftig und presste sich die Hand auf den Mund. Die anderen schwiegen und liefen rot an.

Davids Lippen verzogen sich missgelaunt, und ich grinste breit. Süßer Triumph rauschte durch mich hindurch.

Die Atmosphäre im Raum entspannte sich abrupt, als Em sich räusperte.

„Linda …?“, sagte Bobby zögerlich und zeigte etwas hilflos auf mich.

Linda stand auf, um mich in die zweite Etage zu führen, und als ich die erste Stufe betrat, hörte ich erneut Davids Stimme.

„Gute Nacht!“, sagte er übertrieben freundlich.

„Schlaf gut, Fröschlein“, rief ich über meine Schulter, und dieses Mal lachten alle am Tisch so grölend, wie es vielleicht nur angeheiterte Australier können.

***

„Es tut mir leid.“ Linda nahm oben in einem kleinen Flur meine rechte Hand und drückte sie mit einem flehentlichen Blick. „David ist … manchmal etwas taktlos. Er fühlt sich überfahren, weil er von Dämonen nie etwas gewusst hat und deshalb nicht geeignet dafür ist, diese Sache allein zu lösen. Darum reagiert er aggressiv auf Sie, Mr Holopainen. Verzeihen Sie ihm das bitte, ja? Er will uns nur beschützen.“

„Lauri“, verbesserte ich sie. Ich fand sie wirklich nett, aber in meinem Zustand wollte ich mich nicht auf Gespräche über den Giftfrosch einlassen, der sich in ihrem Haus eingenistet hatte. „Er wird sich an mich gewöhnen.“

Sie nickte lächelnd, zufrieden mit meiner Antwort. „Davon sind Bobby und ich auch überzeugt. Hinter dieser Tür da drüben ist dein Zimmer, dort ist das Bad. Schlaf dich aus, und komm morgen früh runter, wenn du Hunger bekommst. Du kannst dich an allem bedienen, einschließlich des Kühlschranks. Ich bitte dich, jetzt leise zu sein, Mia schläft. Du kannst natürlich trotzdem eine Dusche nehmen. Soll ich dir etwas vom Dinner hochbringen?“

Ich schüttelte den Kopf. Um ehrlich zu sein, überwältigte mich ihre Gastfreundschaft. Der finster schauende Bodyguard an der Seite eines Geschäftsmannes, in dessen Haus ich mich mucksmäuschenstill auf einem Dachboden oder im Keller einrichten musste, war hier offenbar keineswegs gefragt.

Linda wünschte mir eine gute Nacht, dann ging sie die Treppen hinunter, vermutlich zu ihren Freunden, die eben zu neuem Gelächter anstimmten.

Wilde Zeitgenossen, diese Australier.

Ich seufzte erleichtert. Allein – endlich. Ich konnte gar nicht sagen, was sehnsüchtiger nach mir rief: das Bad oder mein Bett. Na ja, nackt sein durfte ich zum Glück in beidem.

Australische Eigenarten

Nach einer Dusche und gründlichem Zähneputzen ging es mir besser. Die Müdigkeit hatte nachgelassen, wahrscheinlich sollte ich Billy und Clara eine Mail schreiben.

Hallo im hohen Norden. Bin gut angekommen. Hab verdaut, dass ich an deiner Stelle deine Ehre retten muss, Schwager.

Im Bademantel, barfuß und mit tropfendem Haar trat ich in den dunklen Flur und lauschte. Stille. Irgendwo lief leise ein Fernseher. Die überschwänglichen Australier waren nicht mehr da. Der gemeine Giftfrosch hatte sich in seinen natürlichen Lebensraum zurückgezogen.

Schmunzelnd schüttelte ich den Kopf, über ihn und über mich. Normalerweise ignorierte ich Menschen, die sich benahmen wie er. Es amüsierte mich, dass ich es nicht geschafft hatte, den Mund zu halten.

Wenigstens musste ich keine Angst vor Langeweile haben. Nichts ging über eine gepflegte Feindschaft. David würde dieses Duell jedenfalls verlieren, das war offensichtlich.

Ich wollte gerade auf meine Zimmertür zugehen, als ich bemerkte, dass ein flauschiges graues Fellknäuel davor saß.

„Oh. Hallo Kleiner“, murmelte ich auf Finnisch und drückte einen Lichtschalter. „Wie geht’s?“

Das Tierchen blinzelte unruhig, der Schwanz zuckte.

„Hallo, Kleine?“, fragte ich.

Schweigend fixierte sie mich.

Ich lächelte. „Bist du schüchtern? Oder verstehst du kein Finnisch?“

Sie maunzte leise, bevor sie sich erhob und von mir weg trottete. Ich war kein Fan von Tieren, aber Katzen waren Geschöpfe, die sich durchaus mit meiner Mentalität vereinen ließen: stille Einzelgänger.

Mein Zimmer gefiel mir und ich fühlte mich wohl in dem hellen, kleinen Raum. Ich hatte bereits meine Kleidung in den Schrank gelegt, meine Waffen in dem von Bobby zur Verfügung gestellten Safe eingeschlossen, ein paar Fotos der finnischen Landschaft aufgehängt und meinen Laptop hochgefahren. Ich schlüpfte aus dem Bademantel, dann nahm ich die beiden Ketten zur Hand, die ich zum Duschen abgelegt hatte.

Ein Anhänger war als finnische Flagge gestaltet, weiß und blau bemalt, und der andere präsentierte sich als daumengroßes Rentier in glänzendem Silber. Ich ließ meine Finger über beide Anhänger gleiten, einer Liebkosung gleich, und schloss die Augen, um mir auszumalen, wie bezaubernd schön mein Gelände im Moment aussehen musste. Schnee in solcher Masse, dass man nichts außer der ungefähren Form meiner Hütte und dem glänzenden, kalten Weiß sah. Mein See zugefroren, so dick, dass man darauf herumspringen, Schlittschuh laufen oder ein Loch hinein schmelzen konnte, um in dem eisigen Wasser nackt ein Nachtbad zu nehmen. Danach ab in die Sauna ...

Seufzend legte ich mir die Ketten um den Hals.

In diesem Moment schoss die Katze zwischen meinen Beinen hindurch und in den Raum. Sie hüpfte auf meinen Nachttisch, rollte sich zu einer Kugel zusammen und schaute mich von dieser Position aus aufmerksam an. Ich hielt ihrem Blick einen Moment lang verwundert stand, dann seufzte ich ergeben und schloss die Tür.

„Gut. Wenn du hier schlafen willst – nur zu. Wag es bloß nicht, mich aufzuwecken.“ Weil ich mich von ihr beobachtet fühlte, zog ich mir schnell eine lockere Unterhose an, bevor ich mich an den Schreibtisch setzte. Von dem Fenster darüber konnte ich bei Tageslicht bestimmt direkt auf das Meer sehen. Irgendwo dahinten musste das legendäre Sydney Opera House in seinem Austernkleid liegen. Die Harbour Bridge schlängelte sich ganz in der Nähe über das Wasser des Hafens. Zu entdecken gab es genug interessante Dinge in dieser Stadt.