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Fällt es auch Ihnen manchmal schwer, Ihre Emotionen in den Griff zubekommen? Oder lassen Sie sich immer wieder von negativen Denkmustern runterziehen? Dann kann auch Ihnen die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT), die Elemente der kognitiven Therapie und Verhaltenstherapie miteinander kombiniert, eine Hilfe sein! Dieser Leitfaden vermittelt leicht verständlich die Grundlagen der DBT. Erfahren Sie, wie Sie sich mit Achtsamkeit und Selbstakzeptanz das Leben leichter machen und emotionale Störungen, Depressionen, Phobien, Stress oder Angstzustände lindern können. Die Autoren liefern kreative Ideen, Behandlungspläne und Strategien und machen DBT für jeden zugänglich.
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Seitenzahl: 620
Veröffentlichungsjahr: 2022
DBT für Dummies
Die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) ist eine Variante der kognitiven Verhaltenstherapie, in deren Rahmen Patienten an der Veränderung negativer Denkmuster und schädlicher Verhaltensweisen hin zu gesünderen Verhaltensweisen arbeiten. Die DBT bietet vielfache Möglichkeiten, mit einigen der schwierigsten psychischen Problemen des menschlichen Lebens umzugehen. Dazu gehören Strategien, die auf Verhaltensänderungen ausgerichtet sind, und solche, die den Betroffenen helfen, die Oberhand zu behalten, wenn sie schwierige Situationen nicht ändern können.
Wenn Sie jemals eine Therapie gemacht haben, werden Sie bei einer DBT wahrscheinlich ganz andere Erfahrungen machen als bisher. Wenn Sie noch nie eine Therapie gemacht haben, wird die DBT für Sie wahrscheinlich anders sein als Sie sich eine Therapie vorgestellt haben. Sie werden lernen, wie Sie Folgendes bewerkstelligen:
Schmerzhafte Emotionen verstehen, ändern und sogar akzeptierenGesunde Fertigkeiten üben, um starke Emotionen und gefährliche oder impulsive Verhaltensweisen im Zaum zu haltenIhre Beziehungen erfüllender und ausgewogener gestaltenSich mehr um sich selbst kümmern und weniger urteilenÜber die Fertigkeiten verfügen, um Ihr Leben zum Positiven zu verändern, ohne sich immer auf andere stützen zu müssenAchtsamkeit ist ein Kernbestandteil der DBT. Sie besteht darin, die Aufmerksamkeit gezielt auf Gedanken, Gefühle, Verhaltensweisen und Handlungsimpulse zu richten und sie wahrzunehmen. Indem Sie Achtsamkeit erlernen, lernen Sie, Ihre Erfahrungen aufmerksam wahrzunehmen, und dadurch erwerben Sie Fertigkeiten, die es Ihnen ermöglichen, Ihr Leben zu bewältigen.
Auch wenn es bei den meisten Therapien einen Patienten und einen Therapeuten gibt, werden Sie im Rahmen der DBT-Sitzungen mit einer Therapeutengruppe und einer Gruppe anderer Patienten zusammenarbeiten. Das liegt daran, dass Ihr Therapeut zu einer Therapeutengruppe gehört, die man Konsultationsteam nennt. Wann immer Ihr Therapeut in einer Sackgasse steckt und nicht sicher ist, wie es weitergehen soll, wird er sich an sein Team wenden und um Hilfe bitten. In der Regel werden Sie mit anderen Patienten zusammentreffen, die ähnliche Probleme haben wie Sie, und werden viele Fertigkeiten im Rahmen einer Gruppe mit anderen Patienten erlernen. Die folgenden Elemente können Teil Ihrer Therapie sein:
regelmäßige Teilnahme an der Einzeltherapie einmal wöchentlichregelmäßige Gruppensitzungen, in denen Sie zusammen mit anderen Patienten DBT-Fertigkeiten erlernen werden, wie in einem KlassenzimmerAnrufe bei Ihrem Therapeuten, immer wenn Sie Hilfe bei der Bewältigung schwieriger Situationen brauchenDenken Sie daran, dass Ihr Therapeut nicht allein versuchen muss herauszufinden, was zu tun ist, sondern sich auf die Hilfe der anderen DBT-Therapeuten stützen kann, wenn diese sich zu ihrer wöchentlichen Konsultationsteam-Sitzung treffen.
Die DBT eignet sich am besten für Menschen, denen es schwerfällt, starke und manchmal schmerzhafte Emotionen zu kontrollieren. Oft führen diese Emotionen zu ungesunden Verhaltensweisen. Im Rahmen der DBT lernen Sie, Folgendes zu tun:
Ihre Emotionen mit deskriptiven Worten zu beschreiben. Das ist aus folgendem Grund wichtig: Je deutlicher Sie sagen können, was in Ihnen vorgeht, desto wahrscheinlicher sind Sie in der Lage, mit den Emotionen umzugehen.Sich bewusst zu machen, dass Emotionen sehr nützlich sein können, dass sie einen Zweck haben und dass man mit ihnen umgehen kann.Sich effektiver zu verhalten, wenn starke Emotionen Sie in Richtung gefährlicher Verhaltensweisen drängen.DBT für Dummies
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
© 2022 Wiley-VCH GmbH, Boschstraße 12, 69469 Weinheim, Germany
Original English language edition DBT for Dummies © 2021 by Wiley Publishing, Inc. All rights reserved including the right of reproduction in whole or in part in any form. This translation published by arrangement with John Wiley and Sons, Inc.
Copyright der englischsprachigen Originalausgabe DBT for Dummies © 2021 by Wiley Publishing, Inc. Alle Rechte vorbehalten inklusive des Rechtes auf Reproduktion im Ganzen oder in Teilen und in jeglicher Form. Diese Übersetzung wird mit Genehmigung von John Wiley and Sons, Inc. publiziert.
Wiley, the Wiley logo, Für Dummies, the Dummies Man logo, and related trademarks and trade dress are trademarks or registered trademarks of John Wiley & Sons, Inc. and/or its affiliates, in the United States and other countries. Used by permission.
Wiley, die Bezeichnung »Für Dummies«, das Dummies-Mann-Logo und darauf bezogene Gestaltungen sind Marken oder eingetragene Marken von John Wiley & Sons, Inc., USA, Deutschland und in anderen Ländern.
Das vorliegende Werk wurde sorgfältig erarbeitet. Dennoch übernehmen Autoren und Verlag für die Richtigkeit von Angaben, Hinweisen und Ratschlägen sowie eventuelle Druckfehler keine Haftung.
Coverfoto: © ondrejprosicky/stock.adobe.comKorrektur: Dr. Johanna Rupp, Walldorf
Print ISBN: 978-3-527-71940-2ePub ISBN: 978-3-527-83740-3
Gillian Galen, PsyD, ist Expertin in der dialektisch-behavioralen Therapie (DBT) für Erwachsene, Jugendliche und Familien. Sie leitet das stationäre DBT-Programm für Mädchen des 3East-Programms am McLean Hospital, ein einzigartiges stationäres Programm für junge Frauen, die selbstgefährdende Verhaltensweisen sowie Eigenschaften einer Borderline-Persönlichkeitsstörung und verwandter Erkrankungen zeigen. Ihrer Leidenschaft für die Ausbildung von DBT-Therapeuten geht sie als Assistant Director of Training für das 3East-Therapieangebot und im Rahmen von Schulungen für Ärzte in DBT und Achtsamkeit nach. Dr. Galen arbeitet seit dem Anschluss ihres Post-Doktoranden-Fellowship im 3East-Programm 2009 als Psychologin im McLean Hospital. Ihr besonderes Interesse liegt in der Anwendung der Achtsamkeit in der Psychotherapie. Dr. Galen ist Dozentin im Fach Psychologie an der Harvard Medical School.
Dr. Galen hat zusammen mit Dr. Blaise Aguirre zwei weitere Bücher veröffentlicht: Borderline Personality Disorder: Relieve Your Suffering Using the Core Skill of Dialectical Behavior Therapy und Coping with BPD: DBT and CBT Skills to Soothe the Symptoms of Borderline Personality Disorder sind beide bei New Harbinger Publications erschienen.
Blaise Aguirre, MD, ist Experte für Psychotherapie bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen und insbesondere in der klinischen Anwendung der dialektisch-behavioralen Therapie (DBT). Als DBT-Ausbilder ist er Gründer und Medical Director des 3East-Programms am McLean Hospital, einem einzigartigen Programmangebot stationärer und ambulanter DBT-Programme für junge Menschen mit selbstgefährdenden Verhaltensweisen und Eigenschaften der Borderline-Persönlichkeitsstörung und verwandter Erkrankungen. Dr. Aguirre arbeitet seit dem Jahr 2000 als Psychologe am McLean Hospital und hat für seine weitreichende Arbeit und Forschung im Bereich der Behandlung von Stimmungs- und Persönlichkeitsstörungen bei Jugendlichen nationale wie internationale Anerkennung gefunden. Er ist Assistant Professor der Psychiatrie an der Harvard Medical School und hält regelmäßig weltweit Vorträge und Vorlesungen zu den Themen DBT und BPS.
Dr. Aguirre ist Autor und Mitautor zahlreicher Bücher, darunter Borderline Personality Disorder in Adolescents: A Complete Guide to Understanding and Coping When Your Adolescent Has BPD (erschienen bei Fair Winds Press); Mindfulness for Borderline Personality Disorder: Relieve Your Suffering Using the Core Skill of Dialectical Behavior Therapy (erschienen bei New Harbinger Publications); und Coping with BPD: DBT and CBT Skills to Soothe the Symptoms of Borderline Personality Disorder (erschienen bei New Harbinger Publications).
Dieses Buch ist den vielen Menschen gewidmet, die im Verlauf der Anwendung der DBT bewiesen haben, dass sie Leben verändern kann, und Dr. Marsha Linehan, deren Leben die Entwicklung der DBT inspirierte und die in ihrer Eigenschaft als Mentorin zahllosen Therapeuten geholfen hat.
Wir möchten uns auf diesem Weg bei fünf verschiedenen Gruppen bedanken:
Bei unseren Familien, die uns angefeuert haben, und bei denen, mit denen wir jetzt zusammenleben, die mit den Augen rollen, wenn wir versprechen, dass das unser letztes Buch ist! Wir lieben euch dafür, dass ihr uns unterstützt und uns die Zeit verschafft habt, dieses wichtige Buch zu schreiben.
Bei unseren langjährigen Mentoren und Kollegen bei 3East – insbesondere bei Michael Hollander, Janna Hobbs, Cyntia Kaplan, Judy Mintz und Alan Frunzetti – sowie unseren hervorragenden Therapeuten, Psychiatern, Pflegekräften, Beratern, Verwaltungsangestellten, Hausmeistern und unserem tollen Ambulanz-Beratungsteam. Wir brauchen euch alle!
Bei unseren aktuellen und früheren Patienten, die ihre Behandlung dazu genutzt haben, ein Leben aufzubauen, das ihnen Sinn vermittelt, und damit unseren Glauben an das DBT-Modell gestärkt haben. Wir möchten auch denen danken, die sich mit einigen unserer Ideen beschäftigt haben und uns wertvolles Feedback gegeben haben.
Bei unserem Wiley-Team: der leitenden Acquisition-Lektorin Tracy Boggier, der Development-Lektorin Georgette Beatty, die dafür gesorgt hat, dass wir uns an den Abgabetermin halten und uns angefeuert hat, wenn uns alles zu viel war, und unserer Lektorin Marylouise Wiack, die uns auf jedes fehlende Wort, jeden doppelten Satz und jede überflüssige Meinungsäußerung aufmerksam gemacht hat!
Bei Janna Hobbs, einer geschätzten Freundin und DBT-Expertin, für die Durchsicht unseres Manuskripts und dafür, dass sie dafür gesorgt hat, dass wir unserem System treu geblieben sind.
Cover
Titelblatt
Impressum
Über die Autoren
Widmung
Danksagungen
Einführung
Über dieses Buch
Törichte Annahmen über den Leser
Symbole, die in diesem Buch verwendet werden
Wie es weitergeht
Teil I: Grundlagen der DBT
Kapitel 1: Die Welt der DBT
Die Hauptsäulen der DBT
Ein Überblick über die Therapiebausteine und Funktionen der DBT
Der theoretische Rahmen der DBT
Die Behandlungsstufen der DBT
Fertigkeiten in der DBT
Die Mechanismen der DBT durchlaufen
Bestimmte Zustände mit DBT behandeln
Kapitel 2: DBT verstehen
Am Anfang steht die biosoziale Theorie
Funktionen und Ziele einer umfassenden Behandlung
Therapiebausteine
Dialektik einarbeiten
Kapitel 3: Verschiedene Standpunkte akzeptieren
Die erste Reaktion hinterfragen
Ihre Wahrnehmung erweitern
Sich selbst wohlwollend betrachten
Kapitel 4: Von Impulsivität zu Spontaneität
Impulsivität von Spontaneität unterscheiden
Die anfängliche Reaktion überwinden
Sich öffnen
Negatives in Positives umwandeln
Teil II: Verständnis gewinnen
Kapitel 5: Die eigenen Emotionen verstehen
Erkennen, wie Sie sich fühlen
Unverhältnismäßigen Reaktionen begegnen
Problembereiche erkennen und behandeln
Kapitel 6: Das eigene Verhalten verstehen
Sich bewusst sein, wie sich Ihre Emotionen im Handeln ausdrücken
Emotionale Auslöser identifizieren und behandeln
Bestimmte Verhaltensweisen an spezifische Reaktionen binden
Kapitel 7: Das eigene Denken verstehen
Ihr Selbstgespräch anzapfen
Ihre Reaktionen betrachten
Kapitel 8: Ihre Beziehungen verstehen
Die Dynamik von Beziehungen verstehen
Die Kommunikation verbessern
Raum für mehr Möglichkeiten schaffen
Teil III: DBT-Fertigkeiten erkunden
Kapitel 9: Über Achtsamkeit nachdenken
Den eigenen Geist erkunden
Verschiedene Arten von Achtsamkeit
Die Vorteile der Achtsamkeit ernten
Kapitel 10: Ihre Emotionen regulieren
Die Tür zur Emotionsregulation öffnen
Kapitel 11: Ihre Stresstoleranz aufbauen
Schwierige Augenblicke mit Krisenbewältigungsfertigkeiten bewältigen
Die Ursache in allem erkennen
Impulsives Verhalten eindämmen
Ihr eigenes Krisenmanagement betreiben
Kapitel 12: Ihre zwischenmenschlichen Fertigkeiten ausbauen
Bevor Sie beginnen: Sich der Hindernisse bewusst sein
Die DEAR-MAN-Fertigkeit beherrschen
Die Kunst des Validierens
Mit GIVE-Fertigkeiten kommunizieren
Sich selbst treu bleiben mit der FAST-Fertigkeit
GIVE und FAST verbinden
Alles unter einen Hut bringen
Kapitel 13: Den Mittelweg finden
Ausgeglichenheit finden
Kooperation und Kompromisse begrüßen
Teil IV: Die Mechanismen der DBT
Kapitel 14: Die Therapiegrundlagen
Eins zu eins: Einzeltherapie
Alle zusammen: Fertigkeitentraining in der Gruppe
Zeit für eine Verbindung: Telefoncoaching
Kapitel 15: Grundkurs Dialektik
Erste Begegnung mit der Dialektik
Dialektisch denken
Die wichtigsten behandlungsrelevanten dialektischen Dilemmata
Die dialektischen Dilemmata der Erziehung: Der Mittelweg
Dialektische Interventionen des Therapeuten
Kapitel 16: Das Umfeld strukturieren
Zwei verschiedene Umgebungen strukturieren
Fünf Problemlösungsansätze
Einen Rahmen schaffen
Einzelsitzungen strukturieren
Struktur in verschiedene Zusammenhänge bringen
Gefängnisse
Schulen
Krankenhäuser
Therapie für Menschen mit Entwicklungsstörungen
Kapitel 17: Das Therapeuten-Konsultationsteam
Einem Konsultationsteam beitreten
Die Tagesordnung einhalten
Kapitel 18: Ihre Erfahrungen protokollieren
Täglich ein Wochenprotokoll/Diary Card führen
Ihr Verhalten analysieren
Kapitel 19: Sich motivieren und motiviert bleiben
Sich für die Therapie motivieren
Motivation stärken
Motivation aufrechterhalten
Teil V: Mit der DBT spezifische Zustände behandeln
Kapitel 20: Affekt- und Persönlichkeitsstörungen bewältigen lernen
Die Borderline-Persönlichkeitsstörung behandeln
Stimmungen regeln
Ängste lindern
Kapitel 21: Traumata bezwingen
Die Grundlagen der DBT-PE
Die Arten der Vermeidung
Auseinandersetzung mit dem Dilemma der Dissoziation
Kapitel 22: Süchte zügeln
Ein Wort zu Dopamin
Umgang mit Drogenabhängigkeit
Essstörungen überwinden
Der körperdysmorphen Störung zu Leibe rücken
Verhaltensabhängigkeit
Kapitel 23: Kontraproduktives Verhalten
Selbstabwertung bewältigen
Mit Selbsthass umgehen
Alleinsein und Verbundenheit ausbalancieren
Teil VI: Der Top-Ten-Teil
Kapitel 24: Zehn Achtsamkeitsübungen
Einen Juckreiz beobachten
Den Drang zu schlucken beobachten
Die eigenen Hände beobachten
Die Atemleiter erklimmen
Einen Post in den sozialen Medien beschreiben
Eine schwierige oder schmerzhafte Emotion beschreiben
Umgebungsgeräusche beschreiben
Am einbeinigen Stehen teilnehmen
Am Schreiben mit Ihrer ungeübten Hand teilnehmen
Am Fahren eines Autos teilnehmen
Kapitel 25: Zehn Aspekte einer antidepressiven Lebensweise
Sport treiben
Meditieren
Gesündere Ernährung
Vorsicht mit Alkohol und verschiedenen Drogen
Für ausreichend Schlaf sorgen
Zwischenmenschliche Verbindungen aufrechterhalten
Erholung und Entspannung in Ihre Routine einbinden
Grünflächen und die Natur nutzen
Sich um Haustiere und andere Tiere kümmern
Sich Zeit für den Glauben und Gebete nehmen
Kapitel 26: Zehn Mythen über die DBT
Mythos: Die DBT wird nur bei Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung angewendet
Mythos: DBT-Therapeuten lehren Fertigkeiten aus einem Handbuch; das ist keine echte Therapie
Mythos: Bei einer DBT dauert es Jahre, bis man sich besser fühlt
Mythos: Die DBT ist eine Therapie zur Verhinderung von Suizid
Mythos: Wenn keine andere Therapie geholfen hat, hilft auch die DBT nicht
Mythos: Wenn man einmal mit der DBT anfängt, hört man nie mehr damit auf
Mythos: Wenn man eine DBT machen will, muss man zum Buddhismus übertreten
Mythos: Die DBT ist ein Kult
Mythos: Es gibt kaum Beweise dafür, dass die DBT funktioniert
Mythos: Die DBT ist nicht an den »Ursachen« einer psychischen Erkrankung interessiert
Abbildungsverzeichnis
Stichwortverzeichnis
End User License Agreement
Kapitel 18
Abbildung 18.1: Beispiel eines Wochenprotokolls
Abbildung 18.2: Detaillierte Fertigkeitenliste
Cover
Titelblatt
Impressum
Über die Autorin
Inhaltsverzeichnis
Einführung
Fangen Sie an zu lesen
Abbildungsverzeichnis
Stichwortverzeichnis
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Nie haben wir in unserer bisherigen Berufspraxis eine größere Nachfrage nach mitfühlender, wirksamer und umfassender psychischer Betreuung erlebt als im merkwürdigen Jahr 2020. Die Isolation während der COVID-19-Pandemie, die wirtschaftliche und finanzielle Unsicherheit, die starke Polarisierung im Kampf um soziale Gerechtigkeit und die durch extreme politische Strömungen verstärkten zweifelnden und argwöhnischen Gedanken, das alles hat die psychische Gesundheit aller Menschen unterschiedlich stark beeinträchtigt und ist selbst an Psychologen und Therapeuten nicht spurlos vorbeigegangen. Letzten Endes sind wir menschliche Wesen, deren Gehirne auf Stress, starke Emotionen und mangelnde Verbundenheit reagieren.
Wir müssen alle auf uns selbst aufpassen und haben keine Zeit, jahrelang über unser Leben nachzudenken. Was wir heute ändern, wirkt sich auf den Rest unseres Lebens aus. Es gibt keinen besseren Zeitpunkt, sich den eigenen Werten und Zielen entsprechend zu verhalten. Natürlich geht das nicht ohne die Hilfe anderer – selbst der treffsicherste Stürmer braucht die Unterstützung seines Teams, um zu gewinnen. Aber jeder kann durchaus einen Teil der individuellen Fürsorge selbst übernehmen. Sie brauchen nicht den Segen anderer, um Ihr Verhalten zu ändern, in dem Sie gesünder essen, für regelmäßige Bewegung sorgen, zeitig ins Bett gehen, weniger Alkohol trinken und täglich ein wenig meditieren. Und wenn Sie sich zu einer gesünderen Person entwickelt haben, nimmt eine kompetentere Version Ihrer selbst Einfluss auf Ihr Leben und die Beziehungen, die Ihnen wichtig sind.
Wir sagen unseren Patienten, Freunden, Familien und Kollegen, dass die DBT – Dialektisch-Behaviorale Therapie (auch: dialektische Verhaltenstherapie) – nicht nur unseren Patienten hilft, sondern das Leben aller verbessert. Mithilfe der DBT können wir selbst für uns und unsere Beziehungen sorgen, wir sind mitfühlender und lassen uns weniger von urteilenden Annahmen leiten. Wir sagen das nicht nur, weil wir dieses Buch verfasst haben, sondern weil wir die Vorteile der DBT im privaten und beruflichen Leben kennengelernt haben.
DBT für Dummies ist ein Buch für die heutige Zeit. Im Jahr 2020 – als wir an diesem Buch arbeiteten – stand die Welt völlig unerwarteten Herausforderungen gegenüber. Es gab eine Pandemie, umstrittene Wahlen und Demonstrationen, die tiefgreifende Spaltungen in unserer Gesellschaft in den Blickpunkt rückten. Solche Erfahrungen fordern alles von uns und offenbaren dabei auch unsere Schwächen und inneren Auseinandersetzungen.
Für all diejenigen, deren psychische Gesundheit bereits angeschlagen ist, ist es besonders wichtig, sich zu stabilisieren, wirksame Verbindungen herzustellen, schwierige Momente zu tolerieren, ohne tiefer in die Verzweiflung zu versinken, und den Augenblick, andere Menschen und sich selbst aufmerksam wahrzunehmen. Insofern sind die in diesem Buch beschriebenen Fertigkeiten gerade jetzt willkommen und unverzichtbar. Wer sie erlernt, einsetzt und regelmäßig praktiziert, kommt nicht nur besser durch diesen einen Augenblick, sondern auch durch alle zukünftigen Augenblicke, so unsicher sie auch sein mögen.
In diesem Buch finden Sie fast alles, was Sie über die DBT wissen müssen, ob diese Therapieart für Sie neu ist oder ob Sie ein erfahrener Therapeut auf der Suche nach neuen Ideen sind. Wir möchten klarstellen, dass dieses Buch kein Ersatz für eine professionelle Therapie ist. Sie finden hier ausführliche Informationen und Ideen für die Umsetzung, aber nur ein in dieser Therapierichtung erfahrener Therapeut kann Ihnen helfen, wenn Sie akute Probleme haben.
Im Rahmen unserer praktischen Arbeit mit DBT haben uns viele Patienten gesagt, dass sie mit dieser Therapieform bereits Erfahrungen hatten und dass unser Ansatz anders war, obwohl wir viele ähnliche Begriffe und Übungen nutzen. Viele unserer eingesetzten Techniken gleichen denen anderer DBT-Therapeuten. Weil DBT sich jedoch nicht nur auf therapeutische Techniken stützt, sondern auch von Prinzipien geleitet ist, bietet diese Therapieform auch einen gestalterischen Freiraum, den es patientengerecht auszufüllen gilt. Während viele Ideen in diesem Buch unmittelbar unserer eigenen klinischen Praxis entnommen sind, wenden andere Therapeuten diese Therapieform durchaus auf andere Weise an.
Wie alle anderen … für Dummies-Bücher müssen Sie auch dieses nicht von vorne bis hinten lesen. Wenn Sie nur an Übungen zur Emotionssteuerung interessiert sind oder wissen wollen, wie Sie mit Achtsamkeit Ihre Beziehungen verbessern können oder wie die DBT bei bestimmten psychischen Störungen angewandt wird, können Sie gezielt diese Information ansteuern, innerhalb kurzer Zeit lesen und erfassen.
Ein kurzer Hinweis: Kästen (grau hinterlegte Texte) gehen näher auf das vorgegebene Thema ein, sind aber für das Verständnis nicht zwingend notwendig. Es steht Ihnen völlig frei, sie zu lesen oder zu überspringen. Die Texte in den Kästen vermitteln interessante, aber nicht grundlegende Informationen über einige eher technische Vorgehensweisen in der DBT.
Noch ein Letztes: Im Verlaufe dieses Buches finden Sie möglicherweise Webadressen, die über ein Zeilenende hinausgehen. Wenn Sie dieses Buch in der gedruckten Version lesen und eine der Webseiten besuchen, ignorieren Sie bitte den Zeilenumbruch und tippen Sie die Webadresse einfach fortlaufend genauso wie im Text ein. Bei einem E-Book ist das einfacher – mit einem Klick auf die Webadresse gelangen Sie direkt zur Website.
Lieber Leser, wir hatten beim Schreiben dieses Buches bestimmte Vorstellungen von Ihnen im Kopf. Wir nehmen beispielsweise an, dass Sie zu diesem Buch gegriffen haben, weil Sie sich ein besseres Verständnis der DBT erhoffen, ohne sich durch komplizierten Fachjargon wühlen zu müssen. Unter Umständen verfügen Sie bereits über einige Grundkenntnisse der Therapie oder haben gehört, dass sie zur Behandlung bestimmter Krankheiten eingesetzt werden kann. Wie dem auch sei, dieses Buch wird Ihnen ein genaueres Bild dieser faszinierenden Therapie vermitteln.
Wir geben zu, dass kein Buch eine professionelle Therapie ersetzen kann, und nehmen an, dass jeder, der Hilfe braucht, sich um eine solche Therapie bemühen wird, auch wenn dieses Buch dazu beitragen kann, eine Therapie besser zu verstehen. Und schließlich nehmen wir an, dass manche Leser es aufgrund der besonderen Art ihres Leidens schwerer haben, sich neue Ansätze anzueignen. Wir schätzen Sie enorm und unterstützen Sie in Ihren Bemühungen um Besserung, trotz der Widrigkeiten, die das Leben Ihnen in den Weg stellt.
Überall in diesem Buch finden Sie kleine Symbole, die Ihnen den Weg durch den Text weisen. Sie lenken Ihre Aufmerksamkeit auf bestimmte Informationen.
Dieses Symbol weist auf Texte hin, mit denen wir Sie in eine bestimmte Richtung weisen wollen. Sie sind nicht als Ersatz für die Übungen der Fertigkeiten gedacht, sondern sollen es Ihnen lediglich leichter machen, sich an eine Fertigkeit zu erinnern.
Natürlich wäre es schön, wenn Sie sich alles merken würden, was wir sagen. Wir wissen aber auch, wie schnell man etwas vergisst. Wir werden bestimmte Dinge öfter wiederholen, weil Wiederholungen beim Lernen helfen. Wenn Sie zur Vergesslichkeit neigen und dieses Symbol sehen, wissen Sie, dass Sie diese Informationen verinnerlichen sollten.
So lieb es uns auch wäre, dass Sie alles verinnerlichen und alles tun, was wir empfehlen, es ist durchaus möglich (na gut, sehr wahrscheinlich), dass Sie sich nur an die Hälfte (na gut, ein Viertel) unserer Empfehlungen halten. Aber um sich Irrwege zu ersparen, die eine Besserung erheblich beeinträchtigen können, sollten Sie auf jeden Fall die Warnungen neben diesem Symbol beherzigen.
Wie alle Experten verfügen wir über Spezialwissen, für das sich nur unsere schwierigsten Patienten und DBT-Junkies interessieren. Aber wer weiß, vielleicht interessieren Sie sich ja für Themen wie Nervenleitbahnen und Gehirnchemie. Wenn Sie das eher in Aufregung versetzt als zum Gähnen bringt, sind Sie herzlich eingeladen. Wenn Sie solche Informationen aber lieber überspringen wollen, ist das auch kein Problem. Dies ist das einzige Symbol, das Sie auf Informationen hinweist, die Sie ignorieren können.
Und jetzt kann es losgehen! Suchen Sie im Inhaltsverzeichnis gezielt nach den für Sie wichtigen Kapiteln. Sie müssen dieses Buch nicht von vorne bis hinten lesen. Wählen Sie aus, was Sie wollen. Wenn DBT allerdings vollkommenes Neuland für Sie ist, empfehlen wir Ihnen, mit Kapitel 1 zu beginnen.
Teil I
IN DIESEM TEIL …
Die Entwicklung der DBT (Dialektisch-Behavioralen Therapie) entdeckenDie Komponenten einer umfassenden DBT-Behandlung verstehenDie Elemente einer kontemplativen, achtsamen Methode als Herzstück der DBT erkennen und lernen, wie man vielfältige Ansichten akzeptiertDen Behaviorismus in Achtsamkeitsübungen einflechten, um eine umfassende Therapie zu entwickelnKapitel 1
IN DIESEM KAPITEL
Die Säulen, Bausteine und Funktionen der DBTDie theoretische Struktur der DBT erfassenDie DBT-Behandlungsstadien durchlaufenKernkompetenzen der DBT betrachtenDie Mechanismen der DBT erkennenDBT zur Behandlung spezifischer Zustände anwendenWenn man sich auf die DBT einlässt, begibt man sich in eine Welt, deren Schwerpunkt auf dem philosophischen Prozess der Dialektik liegt, die sich gleichzeitig aber auch der psychologischen Prozesse des Behaviorismus und der Veränderung bedient. Stellen Sie sich vor, eine Therapie zu beginnen, die Ihnen die folgenden Grundsätze vorgibt: Alles setzt sich aus Gegensätzen zusammen. All diese Gegensätze sind wahr. Alles verändert sich, außer der Veränderung selbst, und der Weg aus dem Leiden beginnt damit, zu akzeptieren, dass all diese Dinge zutreffen. In diesem Kapitel machen wir Sie mit den Grundlagen vertraut.
Die DBT steht auf drei großen philosophischen und wissenschaftlichen Säulen. Im Einzelnen sind dies spezifische Annahmen, die den Rahmen der Behandlung bilden:
Alle Dinge sind miteinander verbunden. Alles, jede und jeder sind miteinander verbunden und voneinander abhängig. Wir sind alle ein Teil eines größeren Gebildes aus allen Dingen, eine Gemeinschaft von Wesen, die sich gegenseitig unterstützen und erhalten. Wir sind auch mit unserer Familie, Freunden und der Gesellschaft verbunden. Wir brauchen andere und andere brauchen uns.Veränderung ist beständig und unvermeidlich. Dies ist keine neue Idee. Schon der vorsokratische Philosoph Heraklit sagte: »Die einzige Konstante im Universum ist die Veränderung«. Das Leben ist voller Leid, aber weil sich alles stetig und unweigerlich verändert, verändert sich auch das Leid.Gegensätzekönnen zusammengeführt werden, um der Wahrheit näher zu kommen. Das ist das Herzstück der Dialektik. Eine dialektische Synthese verbindet die These (eine Idee) und die Antithese (ihr Gegenstück). Bei der Zusammenführung der beiden Ideen entsteht etwas Neues, das weder in der These noch in der Antithese zu finden ist. Genauer gesagt, die Synthese bezieht ein Konzept der These und eines der Antithese mit ein.In Kapitel 2 erfahren Sie mehr über die Hauptsäulen der DBT.
Die DBT wurde ursprünglich von Prof. Dr. Marsha Linehan für die Behandlung von Menschen mit selbstzerstörerischem Verhalten und Suizidgedanken entwickelt. Später entwickelte sie sich zur Goldstandard-Methode für die Behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS), auf die wir in Kapitel 20 näher eingehen. Diese Behandlung spricht viele Therapeuten und Patienten an, und das nicht nur, weil sie hilft. Sie fasst vier wesentliche Elemente in einer umfassenden Behandlung zusammen, indem sie die biologischen, umweltbedingten, geistigen und verhaltensbedingten Aspekte der Probleme der betroffenen Person mit einbezieht. Sie berücksichtigt dabei nicht nur, dass sich die jeweils betroffene Person verändern muss, sondern vermittelt ihr auch das Gefühl, im gegenwärtigen Augenblick umfassend akzeptiert zu werden.
In Kapitel 2 erfahren Sie, dass DBT aus vier Behandlungsbausteinen besteht, mit denen die fünf Funktionen einer umfassenden Betreuung abgedeckt werden.
Es gibt vier Therapiebausteine, die in Kapitel 14 näher beschrieben sind:
Einzeltherapie
:
Bei dieser Form arbeitet ein Therapeut mit Ihnen daran, neu erlernte Kenntnisse auf Ihre persönlichen Herausforderungen anzuwenden.
Fertigkeitentraining
:
Hier erlernen Sie gemeinsam mit anderen Patienten neue Verhaltenskompetenzen, machen entsprechende Hausaufgaben und üben anhand von Rollenspielen neue zwischenmenschliche Umgangsformen.
Kompetenzcoaching am Telefon
:
Sie können Ihren Therapeuten jederzeit zwischen den einzelnen Sitzungen anrufen, um sich beim Auftreten schwieriger Situationen unmittelbar Rat zu holen, wie Sie die jeweilige Situation bewältigen können.
Besprechungen des Therapeuten-Konsultationsteams:
Ihr persönlicher Therapeut trifft sich mit anderen Therapeuten, die ebenfalls DBT-Behandlungen anbieten. Diese Besprechungen helfen den Therapeuten bei der Bewältigung schwieriger und komplexer Probleme im Zusammenhang mit der Therapie und geben ihnen neue Impulse, wenn sie in einer Sackgasse stecken. In
Kapitel 17
erfahren Sie mehr zum Thema Konsultationsteam.
Wie Sie dem vorherigen Abschnitt entnehmen können, ist die DBT ein umfassendes Behandlungsprogramm. In gewisser Weise ist die DBT ein aus mehreren Behandlungsmethoden bestehendes Bündel anstatt einer einzelnen Behandlungsmethode, die von einem einzelnen Therapeuten bei einem einzelnen Patienten angewendet wird. Welches Programm Sie auch immer auswählen, es sollte auf jeden Fall die fünf Hauptfunktionen der Behandlung abdecken (die wir in Teil 4 ausführlicher beschreiben):
Ihre Motivation
zur Veränderung steigern:
Es kann schwierig sein, selbstzerstörerisches und fehlangepasstes Verhalten zu ändern. Da kann man schnell den Mut verlieren. Ihr Einzeltherapeut sorgt gemeinsam mit Ihnen dafür, dass Sie auf Kurs bleiben und Verhaltensweisen zurückfahren, die nicht zu einem lebenswerten Leben passen. Im Rahmen von Einzeltherapie und Fertigkeitentrainings fordert Ihr Therapeut Sie dazu auf, Ihr Verhalten zu überwachen, und wird Ihnen durch Telefonkontakte helfen, dieses Ziel zu erreichen.
Ihre Fähigkeiten verbessern:
DBT geht davon aus, dass die Betroffenen entweder verschiedene wichtige Lebensfertigkeiten nicht besitzen oder verbessern müssen. Dazu gehören die Fertigkeiten Emotionen zu steuern, den gegenwärtigen Augenblick aufmerksam zu erleben, zwischenmenschliche Situationen effektiv zu handhaben und, nicht zuletzt, Leiden tolerieren zu können.
Das in der Therapie erlernte Wissen auf den Rest Ihres Lebens übertragen:
Wenn die in der Einzeltherapie oder im Fertigkeitentraining erlernten Fertigkeiten nicht in Ihr Alltagsleben übertragen werden, kann man kaum sagen, dass die Therapie
Ihnen bei der Bewältigung Ihrer Probleme geholfen hat.
Ihre Umgebung
so strukturieren, dass Ihre Fortschritte verstärkt werden:
Es ist wichtig sicherzustellen, dass Sie nicht in ein fehlangepasstes oder problematisches Verhalten zurückfallen, und wenn doch, dass sich das nicht dauerhaft auswirkt. Dabei hilft es, die Behandlung so zu strukturieren, dass Sie Ihrem Ziel nach und nach näher kommen. In der Regel sorgen Einzeltherapeuten dafür, dass dafür alle Elemente einer wirksamen Therapie für Sie bereitstehen. Hin und wieder werden sie eingreifen, wenn Sie selbst noch nicht dazu fähig sind, allerdings mit der Prämisse, dass solche Eingriffe nur so lange stattfinden, bis Sie selbst die notwendigen Fertigkeiten erworben haben.
Steigerung der Motivation
und Kompetenz Ihres Therapeut
en:
Obwohl es sehr lohnend sein kann, den Therapie aufsuchenden Menschen bei der Bewältigung ihrer vielfältigen Probleme zu helfen, kann das Verhalten der Patienten für den Therapeuten durchaus anstrengend sein. Deshalb braucht auch ein Therapeut gelegentlich Hilfe, um bei der DBT am Ball bleiben zu können. An diesem Punkt kommt das im vorherigen Abschnitt erwähnte DBT-Konsultationsteam ins Spiel.
Die Methode der DBT stützt sich auf drei zentrale Theorien:
Die biosoziale Theorie: Die biosoziale Theorie von Dr. Linehan besagt im Grunde genommen, dass die Probleme von Menschen, ihre Emotionen zu regulieren, auf ein ständiges Wechselspiel zwischen zwei Faktoren zurückzuführen ist: der jeweiligen persönlichen biologischen Veranlagung – welche sie emotional sensibler, reaktiver macht und sie langsamer zu ihrem emotionalen Grundzustand zurückfinden lässt – und dem, was sie als invalidierendes Klima bezeichnet.
Ein invalidierendes Klima entsteht, wenn die emotionalen Erfahrungen eines Kindes von den für das betroffene Kind wichtigen Bezugspersonen nicht gewürdigt oder toleriert werden. Wenn dies geschieht und diese emotionalen Erfahrungen so lange nicht gewürdigt werden, bis das Kind emotional und mit großer Intensität eskaliert, dann lernt das Kind daraus, dass es eskalieren muss, um gehört zu werden. Wird ein Kind für die Äußerung seiner gesteigerten Emotionen bestraft, dann behält das Kind seine Schwierigkeiten für sich und versucht, sie durch fehlangepasstes Verhalten wie Selbstverletzung zu regulieren. Dies wiederum führt zu noch stärkerer Emotionalität, weil das Kind Scham und Schuld empfindet. In Kapitel 2 erfahren Sie mehr über die biosoziale Therapie.
Die Verhaltenstherapie: Die Verhaltenstherapie versucht das menschliche Verhalten anhand der Analyse seiner vorausgehenden Bedingungen sowie den dem Verhalten nachfolgenden Konsequenzen zu erklären. Als vorausgehende Bedingungen gelten diejenigen Ereignisse, Situationen, Umstände, Gefühle und Gedanken, die dem Verhalten vorausgehen – anders gesagt, Ereignisse, die zeitlich vor dem Auftreten des Verhaltens liegen. Die Konsequenzen des Verhaltens sind Handlungen oder Reaktionen, die dem Verhalten folgen. Die Verhaltenstherapie zielt darauf ab zu verstehen, welche Elemente zum Auftreten des Verhaltens führen und welche Elemente dazu beitragen, dass dieses Verhalten fortgesetzt wird, und versucht auf dieser Grundlage, unangemessenes Verhalten zu verringern und angemessene Reaktionen zu fördern.
Ein wichtiges Element dieser Theorie ist, dass unangemessene Verhaltensweisen aufrechterhalten werden, weil der betroffenen Person die Fertigkeiten zu einem angemessenen Funktionieren fehlen und die Ursachen dafür in Problemen bei der Verarbeitung von Gefühlen und Gedanken liegen. Deshalb liegt der Schwerpunkt darauf, die Patienten zur Steuerung ihrer Emotionen zu befähigen. Mehr dazu erfahren Sie in Kapitel 10.
Die Philosophie der Dialektik:
Die
dialektische Theorie
besagt in erster Linie, dass die Realität ein Flickenteppich aus miteinander verbundenen und verwobenen, vielfach gegensätzlichen Kräften ist. Die Dialektik ist durch die fortdauernde Synthese entgegengesetzter Kräfte, Ideen oder Konzepte definiert. In
Kapitel 15
finden Sie weitere Informationen zur Dialektik.
Die DBT besteht aus fünf Behandlungsstufen:
Vorbehandlung:
Die Vorbehandlung
bezeichnet den Zeitraum, in dem sich eine Person gegenüber sich selbst und ihrem Therapeuten verpflichtet, eine DBT durchzuführen. In diesem Stadium erstellen Patienten auch eine hierarchische Liste problematischer Verhaltensweisen, die sie daran hindern, ihr Leben nach ihren eigenen Vorstellungen zu leben.
Stufe 1:
Das Hauptziel dieser Stufe ist der Abbau der unangemessenen Verhaltensweise
n, die das Leben der Betroffenen am stärksten beeinflussen. Dazu gehören lebensbedrohliches Verhalten wie Suizid und Selbstverletzung, therapiestörendes Verhalten wie verspätetes Eintreffen zu den Sitzungen oder die Missachtung der zugeteilten Hausaufgaben und lebensbeeinträchtigende Handlungen wie Drogenmissbrauch und verletzendes Verhalten in Beziehungen. Und nicht zuletzt sollen im Rahmen von Gruppensitzungen die Verhaltenskompetenzen verbessert werden.
Stufe 2:
In dieser Phase konzentrieren sich die Patienten auf das emotionale Erleben
und wenden sich dem Trauma in ihrem Leben zu, das häufig zu Leid und Verzweiflung geführt hat.
Stufe 3:
In dieser Phase rücken verbleibende Probleme wie Langeweile, Gefühle der Leere und Trauer sowie Lebensziele in den Mittelpunkt.
Stufe 4:
In der letzten Phase arbeiten Patienten daran, ihre Selbsterkenntnis
zu vertiefen und ein Gefühl für ihre Unvollständigkeit zu entwickeln. Dadurch fühlen sie sich geistig erfüllt und erkennen, dass sie Glück überwiegend in sich selbst finden können.
Die DBT geht davon aus, dass viele der Probleme, mit denen sich Menschen herumplagen, dadurch entstehen, dass sie nicht oder nur in unzureichendem Maße über die Fertigkeiten (Skills) verfügen, die sie im Umgang mit emotional aufgeladenen Situationen benötigen. Häufig ist das entsprechende effektive Verhalten nicht bekannt oder die betreffende Person weiß nicht, wie sie es umsetzen soll. In Übereinstimmung mit dieser Grundeinschätzung hat sich die Vermittlung von DBT-Kompetenzen im Verlauf einer Standardbehandlung – in Einzeltherapie, Fertigkeitentraining und Telefoncoaching – als wirksam erwiesen, um Suizidverhalten, nicht-suizidale Selbstverletzung und Depression zu reduzieren und die Emotionssteuerung und Beziehungsprobleme zu verbessern. In Teil 3 befassen wir uns eingehend mit diesen Kompetenzen:
Achtsamkeit
:
Da ein Teil der DBT von Zen und Meditationspraktiken abgeleitet wird, lehrt sie die Menschen, wie wichtig es ist, achtsam zu sein. Dazu gehört das Nachdenken über zwei Gesichtspunkte: »Was kann ich tun, um Achtsamkeit zu üben?« und »Wie praktiziere ich diese Fertigkeiten der Achtsamkeit?«
Zwischenmenschliche Fertigkeit
en:
Die DBT vermittelt Patienten Verhaltensweisen, mit denen sie effektiver bekommen, was sie brauchen und was sie wollen, und bringt ihnen bei, wie sie zwischenmenschliche Konflikte reduzieren, Beziehungen erneuern und »Nein« zu unangemessenen Anforderungen sagen. Der Schwerpunkt liegt darauf, bei den Patienten zum Aufbau von Selbstachtung
beizutragen, ihre Fähigkeit zur Selbstbehauptung
zu verbessern und sie anzuleiten, die eigenen Bedürfnisse als berechtigt zu betrachten.
Stresstoleranz
:
Während sich viele Behandlungsansätze im Bereich der psychischen Gesundheit darauf konzentrieren, stressbeladene Situationen zu verändern, konzentriert sich die DBT darauf, Menschen zu befähigen, diese Situationen zu ertragen, die häufig mit emotionalem Schmerz und Qual verbunden sind. Zu diesen Fähigkeiten gehört auch, den Unterschied zwischen der Akzeptanz der Realität
, wie sie ist, und dem Gutheißen dieser Realität zu erkennen.
Emotionsregulation
:
Im Zentrum vieler Probleme, zu deren Behandlung die DBT erfolgreich eingesetzt wird, steht der Umstand, dass Menschen, die sich mit der Regulierung ihrer Emotionen schwertun, Fertigkeiten zur wirksamen Emotionsregulierung fehlen. Der Schwerpunkt dieses Moduls liegt darauf, den Betroffenen erkennen zu helfen, welche Emotionen sie empfinden, welche Faktoren sie anfällig dafür machen, ihre Emotionen nicht regulieren zu können, welche Funktionen Emotionen haben, und schließlich, wie sie mit für die Situation unangemessenen Emotionen umgehen sollten.
Wie bereits weiter vorne in diesem Kapitel erwähnt, geht eine umfassende DBT-Behandlung über eine Einzeltherapie hinaus und schließt Gruppenarbeit, Telefoncoaching und Therapeuten-Konsultationsteams mit ein. Die Gruppensitzungen finden gewöhnlich einmal wöchentlich statt und dauern zwei bis zweieinhalb Stunden. In der Gruppe werden die im vorherigen Abschnitt beschriebenen vier Kompetenzmodule – Achtsamkeit, zwischenmenschliche Fertigkeiten, Stresstoleranz und Emotionsregulation gelehrt. (Diese werden ausführlich in Teil 3 dieses Buches beschrieben.)
Gewöhnlich dauert es sechs Monate, alle Module zu durchlaufen. Da die Module im Verlauf einer DBT häufig wiederholt werden, nimmt der gesamte Ablauf ein Jahr in Anspruch. Bei gleichzeitig auftretenden Störungen wie dem posttraumatischen Belastungssyndrom kann es auch länger dauern.
In einer Gruppensitzung ist der erste Teil der Überprüfung der Hausaufgaben aus der vorherigen Woche gewidmet, im zweiten Teil steht dann das Erlernen, Lehren und Üben neuer Fertigkeiten im Mittelpunkt. In der Einzeltherapie werden die in der Gruppe erlernten Fertigkeiten im Hinblick auf den individuellen Behandlungsbedarf und die Behandlungsziele betrachtet. Man könnte sagen, dass den Teilnehmern während der Gruppensitzungen die Fertigkeiten vermittelt werden, bevor im Rahmen der Einzeltherapie der Bezug auf das Leben der Einzelpersonen hergestellt wird.
Die meisten Studien zur Wirksamkeit
Kapitel 2
IN DIESEM KAPITEL
Die biosoziale Theorie als Grundlage der DBTZiele und Funktionen der DBTDBT-TherapiebausteineEinstieg in den dialektischen ProzessDie Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) wurde ursprünglich von Prof. Dr. Marsha M. Linehan, einer Psychologin an der Universität Washington, für die Behandlung erwachsener Frauen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) entwickelt. Die BPS zeichnet sich durch starke Stimmungsschwankungen, Schwierigkeiten bei intimen und vertrauten Beziehungen, selbstzerstörerischem Verhalten und manchmal auch Suizidgedanken aus. Bedingt durch die Selbstmordgefahr ist die BPS eine der am schwierigsten zu behandelnden psychischen Störungen. Tatsache ist, dass es vor der Entwicklung der DBT für BPS kaum eine wirksame Behandlung gab. Weder Medikamente noch Psychotherapie schienen eine unmittelbare Erleichterung zu bewirken.
Weil jedoch Menschen mit Suizidgedanken nicht »nur« suizidgefährdet waren, sondern auch viele andere Probleme hatten, war eine umfassende Therapie, die alle Probleme der Person ansprach, für eine umfassende, begleitende und erfolgreiche Behandlung unverzichtbar. Diese Behandlung sollte sowohl für den Patienten als auch den Therapeuten hilfreich sein. Da viele Therapeuten häufig vor der Betreuung suizidaler Patienten zurückschreckten, brauchten auch sie Unterstützung.
Hier kommt die DBT ins Spiel. In diesem Kapitel betrachten wir die Grundlagen dieser Therapie, einschließlich der biosozialen Theorie, Funktionen und Ziele der DBT, Behandlungsformen und des dialektischen Prozesses.
Dr. Linehan erkannte, dass bestimmte Zustände und Störungen wie die Borderline-Persönlichkeitsstörung in erster Linie durch etwas charakterisiert sind, das man emotionale Dysregulation nennt – einfach ausgedrückt, Schwierigkeiten die Emotionen zu regulieren (was beispielsweise dadurch geschehen kann, dass man starke und manchmal schmerzhafte Emotionen erkennt und diese dann entweder gekonnt toleriert oder wirksam bewältigt). Sie stellte fest, dass diese Schwierigkeiten durch das Wechselspiel zwischen der individuellen biologischen und genetischen Veranlagung und spezifischen Umweltfaktoren (ein Konzept bekannt als die biosoziale Theorie) auftreten.
Bei Menschen, die unter Zuständen wie BPS litten, beobachtete sie drei hervortretende Eigenschaften:
Sie neigten dazu, emotional sehr sensibel zu sein. Das heißt, sie reagierten gewöhnlich sehr schnell und überdurchschnittlich intensiv auf Ereignisse, die Emotionen auslösen.
Sie konnten aufkommende Emotionen nur schwer kontrollieren. Dies führte wiederum zu einem stimmungsdominierten Verhalten. War eine Person mit BPS gut gelaunt, konnte sie mit allem fertigwerden. Bei schlechter Stimmung fand sie es schwierig, die Erwartungen des Augenblicks zu erfüllen. Dies wird als
stimmungsabhängiges Verhalten
bezeichnet.
Die von diesen intensiven und verstärkten Emotionen
Betroffenen brauchten überdurchschnittlich lange, um wieder zu ihrem emotionalen Grundzustand zurückzufinden.
Der folgende Abschnitt befasst sich eingehender mit der Dysregulation und den Umweltfaktoren.
Mit der Zeit entwickeln emotional sensible Menschen, die nicht über die Kompetenzen verfügen, schwierige Situationen und Beziehungen in ihrem Leben zu bewältigen, dauerhafte Schwierigkeiten, die fünf Gebiete der täglichen Erfahrung zu regulieren. Diese Unfähigkeit zur Steuerung wird von Therapeuten als Dysregulation bezeichnet. Bei Menschen mit Störungen wie der BPS ließ sich diese Dysregulation in fünf Bereichen feststellen, ein Konzept, das ursprünglich von Dr. Linehan im Jahre 1993 entwickelt wurde:
Emotionale Dysregulation:
Als
emotionale Dysregulation
bezeichnet man die Unfähigkeit, im Zusammenhang mit übertriebenen emotionalen Reaktionen flexibel auf die eigenen Gefühle reagieren und diese bewältigen zu können. Diese normalerweise kurzen emotionalen Ausnahmezustände dauern nur ein paar Stunden, sind aber für die Betroffenen überwältigend. Obwohl es für eine Person mit BPS schwierig sein kann, alle Emotionen zu regulieren, werden Reizbarkeit und Zorn im
Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders
(DSM; Diagnostischer und statistischer Leitfaden psychischer Erkrankungen), dem Handbuch, das Psychologen und Psychiater zur Klassifizierung psychischer Erkrankungen verwenden, hervorgehoben.
Zwischenmenschliche Dysregulation: Die zwischenmenschliche Dysregulation ist durch die reale oder eingebildete Angst der von BPS betroffenen Person gekennzeichnet, dass sie von den ihr nahestehenden Menschen verlassen wird. Hierbei versucht der Betroffene verzweifelt, dies zu verhindern und verhält sich entsprechend. Dieses Verhalten erscheint den nahestehenden Personen häufig als extrem und kann mitunter dazu führen, dass diese Person nichts mehr mit dem Betroffenen zu tun haben möchte.
Ein weiteres Kennzeichen ist die Neigung von unter BPS leidenden Menschen, intensive Beziehungen zu anderen aufzubauen, in denen sie zwischen extremer Idealisierung und extremer Abwertung der anderen Person hin und her schwanken. Diese Wechsel vollziehen sich sehr schnell und lösen bei der anderen Person Verwirrung und Fassungslosigkeit aus.
Selbstdysregulation:
Charakteristisch für die
Selbstdysregulation
ist ein instabiles Selbstwertgefühl und das Empfinden einer inneren Leere. Menschen mit BPS fällt es sehr schwer, sich selbst zu definieren – wer sie sind, welche Werte ihnen wichtig sind und wie ihre langfristigen Ziele und Lebensausrichtung insgesamt aussehen. Manchmal schauen sie auf andere und deren Verhalten und versuchen es nachzuahmen, um sich anzupassen. Häufig müssen sie jedoch erkennen, dass es sich nicht authentisch anfühlt, wenn sie sich einfach nur anders verhalten. Oft empfinden die Betroffenen auch eine Leere, ein intensives Gefühl der Trennung und des Alleinseins und fühlen sich missverstanden.
Kognitive Dysregulation:
Die
kognitive Dysregulation
ist durch verhältnismäßig kurze Episoden paranoiden Denkens charakterisiert, insbesondere bei hoher Stressbelastung. Wenn eine Person mit BPS unter hohem Stress steht, beginnt sie sich vorzustellen, dass andere es bewusst auf sie abgesehen haben, selbst wenn es keinen Beweis dafür gibt. Die Betroffenen können auch eine
Dissoziation
erleben, die sich in Gefühlen oder Gedanken äußert, dass sie selbst oder der Rest der Welt nicht real sind.
Verhaltensdysregulation:
Die
Verhaltensdysregulation
äußert sich bei Menschen mit BPS durch extreme, manchmal impulsive oder gefährliche Verhaltensweisen. Diese dienen häufig dazu, heftige und unerträgliche Emotionen zu bewältigen und können sich in selbstverletzenden Handlungen wie Schneiden und Suizidversuchen äußern. Zu diesen Verhaltensweisen gehören auch Essverhalten wie Binge-Eating, Substanzmissbrauch, um sich anzupassen oder zur Selbstmedikation, gefährliches Sexualverhalten, um Verbundenheit zu erleben, und gefährliches Fahrverhalten oder übermäßiger Konsum, um einen Ansturm positiver Emotionen auszulösen.
Der von Dr. Linehan eingebrachte Umweltfaktor, der für die Entwicklung von BPS bei einer Person mit der im vorherigen Abschnitt beschriebenen emotionalen Veranlagung maßgeblich war, ist die sogenannte abwertende beziehungsweise invalidierende Umgebung. In den nachfolgenden Abschnitten gehen wir genauer auf die Merkmale dieser Umgebung ein.
Die invalidierende Umgebung ist gegenüber dem Ausdruck persönlicher emotionaler Erfahrungen einer anderen Person intolerant, insbesondere gegenüber Emotionen, die nicht durch erkennbare Ereignisse erklärbar scheinen. Wenn eine Person zum Beispiel glaubt, sie sei nicht liebenswert und deswegen sehr traurig wird, sagen andere Menschen dieser Person in der Regel, dass dies nicht wahr sei und dass es keine Beweise dafür gebe. Sich nicht als liebenswert zu empfinden, ist keine Emotion, die Außenstehende beobachten können. Einem Menschen, den solche Gedanken plagen, einfach zu sagen, dass diese Gedanken nicht wahr sind, ist abwertend, weil es dem Betroffenen die Rechtmäßigkeit der eigenen emotionalen Erfahrung abspricht.
Es mag zwar faktisch unzutreffend sein, dass die Person nicht geliebt wird, aber ihre Emotion ist real und wird nicht ohne Weiteres dadurch beseitigt, dass jemand einfach sagt, sie soll es nicht empfinden.
Invalidierung geschieht dann, wenn man einer anderen Person sagt, dass es keinen Sinn macht, dass sie sich auf bestimmte Weise fühlt. Dies führt selten dazu, dass die betreffende Person ihre emotionale Erfahrung ändert, und sagt ihr außerdem, dass ihre Emotion in keinem Verhältnis zu dem Ereignis steht, das diese Emotion ausgelöst hat.
Ein weiteres Merkmal der invalidierenden Umgebung ist, dass sie den Ausdruck starker Emotionen noch verstärken kann. Verstärkung ist jede auf ein Verhalten folgende Konsequenz, durch die wahrscheinlicher wird, dass das Verhalten entweder zunimmt oder auf dem derzeitigen Niveau bleibt.
Man kann sich eine Verstärkung auch als eine Belohnung vorstellen. Wenn eine Person ignoriert wird, wenn sie leidet und nur gering ausgeprägte Emotionen zeigt, aber die gewünschte Aufmerksamkeit erhält, wenn sie diese Emotionen stärker äußert, dann ist es nachvollziehbar, dass sich häufiger starke Emotionen zeigen werden.
Ein weiteres Merkmal der abwertenden Umgebung ist Scham. Wenn einer Person gesagt wird, dass ihre geäußerte emotionale Erregung inakzeptabel, unbegründet oder nicht gerechtfertigt ist, wird sie sich häufig für ihr Verhalten schämen, oder dafür, dass sie überhaupt irgendwelche Emotionen hat. Das Problem hierbei ist, dass Scham den betreffenden Personen nicht vermittelt, wie sie mit ihren starken Emotionen in diesem Augenblick und beim nächsten Mal besser umgehen können. Sie verhindert auch, dass sie lernen, ihre Emotionen genau benennen und bezeichnen zu können.
Stellen Sie sich vor, jemand, der Gemüse nicht benennen und bezeichnen kann, soll Gemüse einkaufen. Er bringt stattdessen Brot und Milch mit und wird dafür verspottet. Diese Person zu beschämen, führt nicht dazu, dass sie lernt, wie Gemüse aussieht und benannt wird, damit sie beim nächsten Mal auch Gemüse mitbringt. Und zu allem Überfluss verursacht andauernde Scham erhebliche psychische Schäden. Aus solchen Situationen ziehen die Betroffenen tatsächlich nur den Schluss, dass sie aus Angst vor Bestrafung den Ausdruck ihrer starken Emotionen unterdrücken müssen. Und wenn die Emotionen beim nächsten Mal wieder durchbrechen, wissen sie nicht, wie sie damit umgehen sollen.
Letztendlich sagt die invalidierende Umgebung einer emotional empfindsamen Person, dass ihre Probleme einfach zu lösen sind. »Ach, das ist doch kein Problem, das macht man so«, sagen Eltern vielleicht ihrem emotional sensiblen Teenager. Mag sein, dass es den Eltern leichtfällt, aber nicht unbedingt auch dem Kind. Wenn gemäß der biosozialen Theorieauch noch ein biologisch fest verankertes Temperament hinzukommt oder jemand emotional eher angreifbar ist, dann ist die Schwelle, auf Emotionen erregende Umweltfaktoren zu reagieren, relativ niedrig.
Das ist etwa so, als würde ein Kind mit einer Erdnussallergie geboren und schon empfindlich reagieren, wenn Erdnüsse nur in der Nähe sind. Diesem Kind zu sagen, es solle nicht auf Erdnüsse reagieren, lässt seine Biologie vollkommen außer Acht. In der gleichen Weise ignoriert man die Neurobiologie emotional sensibler Menschen, wenn man ihnen sagt, sie sollen nicht emotional reagieren.
Wenn die Reaktionen emotional sensibler Menschen ignoriert, abgewiesen oder bestraft werden, oder wenn mögliche Problemlösungen oder Bewältigungsstrategien als Kinderspiel dargestellt werden, bleiben die Betroffenen mit der Zeit ohne anpassungsfähige Bewältigungsmechanismen auf der Strecke. Stattdessen halten sie sich an schnell ausführbare und oft selbstzerstörerische Bewältigungsmechanismen, zu denen auch Selbstverletzungen und Drogenkonsum zählen.
Auf der Grundlage der Annahme, dass die beobachteten Störungen in emotionalen Problemen wurzeln (lesen Sie hierzu den vorherigen Abschnitt »Am Anfang steht die biosoziale Theorie«), konzentriert sich die DBT gezielt darauf, Menschen dabei zu helfen, ihre Emotionen angemessener zu steuern. Daher umfasst das Instrumentarium der DBT viele Verhaltenskompetenzen, die darauf abzielen, Patienten zu vermitteln, wie sie ihre Emotionen erkennen, verstehen, kennzeichnen und regulieren können.
Emotional sensible Menschen brauchen eine umfassende Behandlung. Um dies zu gewährleisten, muss jede Behandlungsform fünf grundlegende Funktionen ansprechen, das gilt auch für die DBT. Im Einzelnen muss eine umfassende Behandlung die in den nachfolgenden Abschnitten beschriebenen Aufgaben erfüllen.
Eine umfassende Behandlung motiviert Patienten dazu, aktiv an der Behandlung teilzunehmen und sie abzuschließen. Verschiedene Strategien sorgen dafür, dass sowohl die Patienten als auch die Therapeuten die Therapie durchstehen. Motivation entsteht aus dem Verständnis der Ziele einer Person und der gleichzeitigen Ermittlung und Berücksichtigung ihrer relevanten Stärken und relativen Schwächen. Die Therapeuten müssen sicherstellen, dass sie sich über die Ziele der Patienten im Klaren sind, dass sie den Patienten erklären, wie die DBT ihnen helfen kann, diese Ziele zu erreichen, und wie beide gemeinsam im Rahmen dieses Prozesses zusammenarbeiten können. Motivation geht aber auch über die Patienten hinaus. Wichtig ist auch die Motivation der Therapeuten, besonders wenn die Arbeit für sie frustrierend ist. In Kapitel 19 gehen wir näher auf motivierende Strategien ein.
Eine umfassende Therapie vermittelt Patienten neue Möglichkeiten, wie sie die Herausforderungen des Lebens bewältigen können, oder baut bereits vorhandene Kompetenzen aus. Im Rahmen einer DBT gehen die Therapeuten von der Annahme aus, dass Menschen, die sich quälen, dies nicht freiwillig tun, sondern weil sie nicht oder nur in ungenügendem Maße über notwendige Lebenskompetenzen verfügen. Dazu gehören etwa:
die Kompetenz, Emotionen zu regulieren
die Kompetenz, den gegenwärtigen Augenblick achtsam und genau wahrzunehmen
die Kompetenz, schwierige Augenblicke zu ertragen
die Kompetenz, Beziehungen effektiv zu gestalten
Das Konzept sieht vor, dass fehlangepasste oder unwirksame Verhaltensweisen, die in schwierigen Situationen in den Vordergrund drängen, durch gesündere, wirksamere und länger anhaltende Bewältigungsmechanismen ersetzt werden. Die Vermittlung dieser Kompetenzen findet üblicherweise in einem wöchentlichen gruppenbasierten Fertigkeitentraining statt, an dem gewöhnlich zehn Patienten und zwei Trainer teilnehmen. Diese Sitzung dauert meist 90 bis 120 Minuten und hat eine didaktische Komponente, die aus dem Üben von Fertigkeiten (Skills) und Hausaufgaben besteht, die im nächsten Fertigkeitentraining überprüft werden. Wir gehen weiter hinten in diesem Kapitel genauer darauf ein.
Eine umfassende Therapie verallgemeinert die neuen Fertigkeiten und Bewältigungsmechanismen so, dass Patienten sie im Alltag nutzen können. Sollten die in den Therapiesitzungen erlernten Fertigkeiten nicht angewandt oder übertragen werden können, lässt sich kaum sagen, ob eine Therapie erfolgreich war. Diese Funktion wird auf zwei Arten erfüllt:
Im Rahmen des Fertigkeitentrainings vergibt der Therapeut wöchentliche Hausaufgaben und überprüft diese.
Der Patient darf zwischen den Sitzungen Kontakt mit dem Therapeuten aufnehmen. Auf diese Weise kann er in Situationen, in denen er nicht weiß, was er tun soll oder wie er Fertigkeiten anwenden soll, direkte Hilfe vom Therapeuten erhalten. (Wir gehen weiter hinten in diesem Kapitel genauer auf das Telefoncoaching ein.)
Um effektive Arbeit leisten zu können, müssen DBT-Therapeuten ihre Motivation aufrechterhalten, mit den Patienten zusammenzuarbeiten, besonders bei Patienten mit problematischen Verhaltensweisen. Viele Therapeuten empfinden die Arbeit mit Patienten, die unter BPS oder ähnlichen Zuständen leiden, als sehr befriedigend. Auf der anderen Seite können die intensiven Emotionen und manchmal selbstgefährdenden Verhaltensweisen dieser Patienten beim Therapeuten zu Burn-out und Verzweiflung führen.
Für Therapeuten, die DBT anbieten, ist die Teilnahme an einem Konsultationsteam obligatorisch. Ein Konsultationsteam ist eine aus DBT-Therapeuten bestehende Gruppe, die sich wöchentlich trifft, um sich gegenseitig zu unterstützen. Dabei kommen genau dieselben Methoden zur Anwendung wie bei den Patienten. Ein Therapeuten-Burn-out muss unbedingt behandelt werden. Dies geschieht durch Beratung des Therapeuten, Problemlösung, Validierung und fortwährende Weiterbildung einschließlich des Ausbaus von Kompetenzen. Und nicht zuletzt werden die Therapeuten ermutigt, ihre mitfühlende Fürsorge beharrlich fortzuführen. Ein Konsultationsteam trifft sich in der Regel einmal wöchentlich für ein bis zwei Stunden. Wir kommen weiter hinten noch einmal auf dieses Thema zurück.
Die gegebenenfalls erforderliche Strukturierung des Patientenumfelds im Hinblick auf die Maximierung der Erfolgsaussichten umfasst die Verstärkung angemessener Verhaltensweisen und die Nichtverstärkung fehlangepassten Verhaltens. Bei Drogen konsumierenden Patienten wäre es beispielsweise wichtig, dass sie den Kontakt zu falschen Freunden abbrechen. Menschen, die durch die Nutzung von Dating-Apps in missbräuchliche Beziehungen geraten sind, sollten die betreffenden Apps besser löschen. Patienten, die bis spät in die Nacht aufbleiben, sollten ihre Schlafroutine ändern, um einen besseren Schlaf zu fördern.
Manche Patienten brauchen Hilfe bei der Veränderung ihrer Umgebung. In der Regel wird der Patient angeleitet, die Änderungen selbst vorzunehmen. Aber bei jüngeren oder unerfahreneren Patienten muss der Therapeut manchmal eine aktivere Rolle dabei übernehmen. In Kapitel 16 erfahren Sie mehr zur Strukturierung der Patientenumgebung.
Wie können die im vorigen Abschnitt beschriebenen fünf wesentlichen Funktionen umgesetzt werden? Das Standardmodell der DBT sieht vier Therapiebausteine vor, die eine umfassende Anwendung der Behandlung sicherstellen. Darin sind andere Behandlungsmethoden wie eine medikamentöse Therapie und Leistungen wie Fallmanagement nicht enthalten. Sie können eine DBT ergänzen, gehören jedoch nicht zum Kern der Behandlung.
Der in der DBT am häufigsten angewandte Therapiebaustein ist das Fertigkeitentraining. Hierfür gibt es verschiedene Gründe. Aus pragmatischer Sicht ist es einfach durchzuführen und zu strukturieren. Es kann die Bedürfnisse vieler Patienten ansprechen, da mehrere Patienten gleichzeitig unterrichtet werden. Es gibt einen Lehrplan, Lernmittel und Hausaufgaben, sodass es einem typischen Klassenzimmer sehr ähnlich ist. Darüber hinaus verfügt unser Gesundheitssystem nicht über genügend in DBT geschultes Personal, um jedem Patienten einen individuellen Therapeuten zuweisen zu können. Auf diese Weise kann ein Therapeut zusammen mit einem Co-Trainer zumindest eine größere Anzahl von Patienten in die Behandlung einführen. Es liegen zudem deutliche Hinweise vor, dass bereits die Teilnahme an einem Fertigkeitentraining den Patienten bei vielen Symptomen ihrer psychischen Erkrankung wirksam hilft.
Bei diesem Therapiebaustein erlernen die Patienten neue Fertigkeiten in einer klassenzimmerähnlichen Atmosphäre. Diese Fertigkeiten werden dann durch praktische Übungen vertieft sowie durch die Vergabe und Überprüfung von Hausaufgaben auf andere Aspekte des persönlichen Lebens der Patienten übertragen. Die Skills-Module werden üblicherweise über einen Zeitraum von sechs Wochen unterrichtet. Dies kann jedoch je nach konkretem Bedarf und Lerngeschwindigkeit der Patienten variieren. In Teil 3 erfahren Sie mehr über die spezifischen Fertigkeiten.
Ein Fertigkeitentraining findet gewöhnlich einmal wöchentlich statt und dauert etwa anderthalb bis zwei Stunden. Die erste Stunde ist der Überprüfung der Hausaufgaben der vorherigen Sitzung gewidmet, in der zweiten Stunde werden neue Kompetenzen vermittelt. Die Hausaufgaben werden als letzter Punkt in der Gruppe zugewiesen.
Unter bestimmten Umständen werden Fertigkeiten auch in einzeltherapeutischen Sitzungen vermittelt. Manchmal sind Patienten durch ihre Arbeitszeiten daran gehindert, zu bestimmten Zeiten an einem Fertigkeitentraining teilzunehmen. Andere Gründe können Spracheinschränkungen oder Lernstörungen sein, die es unmöglich machen, mit dem Unterrichtstempo in einer großen Gruppe Schritt zu halten.
Die Einzeltherapie in der Standard-DBT wird wöchentlich oder 14-tägig in 50- bis 60-minütigen Sitzungen durchgeführt und konzentriert sich darauf, die Verhaltensweisen, die ein Patient ändern möchte, zu verstehen, näher zu untersuchen und gezielt anzusprechen. Dabei stehen die Aufrechterhaltung der Motivation des Patienten zum erfolgreichen Abschluss der Behandlung und die Ermutigung zur Anwendung der in der Gruppe erworbenen Fertigkeiten im Mittelpunkt. In Teil 4 finden Sie vielfältige Methoden, mit denen DBT-Therapeuten nachlassender Motivation entgegenwirken.
Die im Rahmen der DBT erworbenen Fertigkeiten sind von geringem Wert, wenn sie nicht bei akutem Bedarf eingesetzt werden. Wenn die Emotionsregulation in ruhigeren Zeiten gut funktioniert, lässt sich der Nutzen der Fertigkeiten leicht erkennen und viele Patienten können erklären, wie die Fertigkeiten in ihrem Alltag greifen. Geraten sie jedoch in emotionale Turbulenzen, drängen sich die vertrauten, oft fehlangepassten Verhaltensweisen in den Vordergrund. Wenn der Drang zur Selbstverletzung oder zum Drogenkonsum auftaucht, ist es mit zunehmender Intensität der Emotionen umso wahrscheinlicher, dass Patienten, die ihre neuen Fertigkeiten noch nicht verinnerlicht haben, auf diese alten Bewältigungsmechanismen zurückgreifen.
Dr. Linehan erkannte, dass die Patienten während der Therapiesitzungen meist nicht mit schwerwiegenden Problemen konfrontiert wurden. Diese konnten jederzeit auftauchen, Tag oder Nacht. Sie wies deshalb auf die Bedeutung des Coachings zwischen den Sitzungen hin, um den Patienten zu helfen, die in der Gruppentherapie erlernten Kompetenzen auf ihren Alltag zu übertragen. Die Dauer eines Telefoncoaching-Gesprächs sollte in der Regel einem kurzen Anruf von nicht mehr als 15 Minuten entsprechen, um den Patienten Unterstützung und Ideen zur Bewältigung einer aktuellen Krise anzubieten.
Neue Therapeuten äußern oft ernste Bedenken, dass die telefonische Beratung von Patienten außerhalb der Sitzungen lebensbedrohende Verhaltensweisen verstärken könnte. Mit anderen Worten, sie befürchten, dass Patienten, die sich während eines Telefonates unterstützt fühlen, wenn sie Selbstmordgedanken haben, möglicherweise mehr Selbstmordgedanken äußern, um häufiger mit ihren Therapeuten sprechen zu können. Therapeuten lernen, mit dieser Möglichkeit umzugehen (siehe Kapitel14).
Einer der schwierigeren Aspekte bei der Arbeit mit selbstmordgefährdeten Patienten ist, dass Therapeuten häufig entmutigt und ausgebrannt sind. Im täglichen Umgang spüren Therapeuten vermehrt die Verzweiflung dieser Patienten. Verhaltensänderungen brauchen Zeit und viele Therapeuten sorgen sich in Phasen stärkerer emotionaler Belastung um die Sicherheit ihrer Patienten. Das Konsultationsteam soll Therapie für die Therapeuten sein und diese während der Behandlung von Patienten mit schweren, komplexen und oft schwer behandelbaren Störungen unterstützen.
So wie die Einzeltherapie Patienten hilft, ihre Behandlungsmotivation zu erhalten, kümmert sich das Konsultationsteam darum, dass die Therapeuten motiviert bleiben, um die bestmögliche Behandlung zu erreichen. Die Teams treffen sich in der Regel wöchentlich für eine bis eineinhalb Stunden und bestehen aus Einzeltherapeuten, Familientherapeuten, Fertigkeitentrainern und allen anderen, die DBT-Therapie anbieten. Sie sind so wesentlich in die DBT-Therapie integriert, dass ein Therapeut nicht wirklich eine DBT-Therapie anbieten kann, ohne an einem Konsultationsteam teilzunehmen. In Kapitel 7 werden die Therapeuten-Konsultationsteams ausführlicher behandelt.
Das grundlegende Prinzip der DBT-Praxis ist die Anerkennung und Betonung des dialektischen Prozesses
