Defending what is mine - Abby Brooks - E-Book

Defending what is mine E-Book

Abby Brooks

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Beschreibung

Manchmal ist die Liebe stärker als jede Angst.

Jack Wilde ist Soldat und hat der Liebe bislang keinen Platz in seinem Leben eingeräumt. Bis er während seines Heimaturlaubs Samantha begegnet, eine warmherzige, alleinerziehende Mutter. Die Anziehung zwischen ihnen ist sofort spürbar, und schon bald stürzen sie sich Hals über Kopf in eine Beziehung. Doch ihr Glück währt nur kurz, denn Jack wird unerwartet für einen langen Einsatz einberufen. Trotz der Distanz versprechen sie einander, ihre Liebe nicht aufzugeben. Dann schlägt das Schicksal unerbittlich zu: Jack wird verletzt und kehrt früher zurück , fest entschlossen, Samantha nicht mit seinem Schicksal belasten zu dürfen.
Aber lässt sich Liebe wirklich so einfach aufgeben? Oder wird Samantha für ihr gemeinsames Glück kämpfen?

Der vierte Band der „Wilde Boys“-Reihe von Bestsellerautorin Abby Brooks: Eine Slow-Burn-Small-Town-Romance voller Herzklopfen und tiefer Emotionen. Alle Teile sind in sich abgeschlossen und unabhängig voneinander lesbar.

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Seitenzahl: 291

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Liebe Leserin, lieber Leser,

Danke, dass Sie sich für einen Titel von »more – Immer mit Liebe« entschieden haben.

Unsere Bücher suchen wir mit sehr viel Liebe, Leidenschaft und Begeisterung aus und hoffen, dass sie Ihnen ein Lächeln ins Gesicht zaubern und Freude im Herzen bringen.

Wir wünschen viel Vergnügen.

Ihr »more – Immer mit Liebe« –Team

Über das Buch

Manchmal ist die Liebe stärker als jede Angst.

Jack Wilde ist Soldat und hat der Liebe bislang keinen Platz in seinem Leben eingeräumt. Bis er während seines Heimaturlaubs Samantha begegnet, eine warmherzige, alleinerziehende Mutter. Die Anziehung zwischen ihnen ist sofort spürbar, und schon bald stürzen sie sich Hals über Kopf in eine Beziehung. Doch ihr Glück währt nur kurz, denn Jack wird unerwartet für einen langen Einsatz einberufen. Trotz der Distanz versprechen sie einander, ihre Liebe nicht aufzugeben. Dann schlägt das Schicksal unerbittlich zu: Jack wird verletzt und kehrt früher zurück , fest entschlossen, Samantha nicht mit seinem Schicksal belasten zu dürfen.Aber lässt sich Liebe wirklich so einfach aufgeben? Oder wird Samantha für ihr gemeinsames Glück kämpfen?

Der vierte Band der „Wilde Boys“-Reihe von Bestsellerautorin Abby Brooks: Eine Slow-Burn-Small-Town-Romance voller Herzklopfen und tiefer Emotionen. Alle Teile sind in sich abgeschlossen und unabhängig voneinander lesbar.

Über die Autoren

Abby Brooks ist eine amerikanische Romance-Autorin und lebt mit der Liebe ihres Lebens und ihren drei Kindern in einer Kleinstadt in Ohio. Sie liebt es, in der Küche zu tanzen, zu lachen und bis spät in die Nacht zu lesen. 

Will Wright ist glücklich verheiratet mit Abby Brooks, der Liebe seines Lebens und Romanautorin aus Leidenschaft. Privat sind sie ein unschlagbares Team – und beruflich erst recht. Gemeinsam haben sie mit viel Freude die Wilde Boys-Serie umgesetzt, die für beide ein ganz besonderes Herzensprojekt ist

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Abby Brooks, Will Wright

Defending what is mine

Aus dem Amerikanischen von Beate Darius

Übersicht

Cover

Titel

Inhaltsverzeichnis

Impressum

Inhaltsverzeichnis

Titelinformationen

Grußwort

Informationen zum Buch

Newsletter

Kapitel 1 — Jack

Kapitel 2 — Sam

Kapitel 3 — Jack

Kapitel 4 — Sam

Kapitel 5 — Jack

Kapitel 6 — Sam

Kapitel 7 — Jack

Kapitel 8 — Jack

Kapitel 9 — Jack

Kapitel 10 — Sam

Kapitel 11 — Sam

Kapitel 12 — Jack

Kapitel 13 — Sam

Kapitel 14 — Jack

Kapitel 15 — Sam

Kapitel 16 — Jack

Kapitel 17 — Sam

Kapitel 18 — Jack

Kapitel 19 — Jack

Kapitel 20 — Sam

Kapitel 21 — Jack

Kapitel 22 — Sam

Kapitel 23 — Sam

Kapitel 24 — Jack

Kapitel 25 — Sam

Kapitel 26 — Jack

Kapitel 27 — Sam

Kapitel 28 — Jack

Kapitel 29 — Jack

Kapitel 30 — Sam

Kapitel 31 — Jack

Kapitel 32 — Sam

Kapitel 33 — Sam

Kapitel 34 — Jack

Epilog — Leo

Impressum

Kapitel 1

Jack

Gegenwart – Januar

Man kann es sehen, wie man will, aber die Feiertage weit weg von seinen Lieben zu verbringen, tut weh. Und wenn man auch noch in einem Kriegsgebiet stationiert ist, ist das wirklich ein einziger Horror, glauben Sie mir.

Sie heißt Samantha – also eigentlich Sam –, und während ich hier im Einsatz bin, ist sie zu Hause, in Sicherheit, und mein Herz ist bei ihr.

Allerdings wird das langsam zu einem Problem, auch wenn ich mich mies fühle, das sagen zu müssen. Egal, was ich mache, ich bekomme sie anscheinend nie länger als fünf Minuten aus dem Kopf. Es ist so schlimm geworden, dass es allmählich Auswirkungen auf meinen Job hat. Der heutige Abend ist ein krasses Beispiel dafür – seit geschlagenen fünf Stunden sitze ich an meinem Schreibtisch, um mir einen Bericht durchzulesen, der an alle Militärstützpunkte in der Region ging und in dem vor einem bevorstehenden Angriff gewarnt wird.

Das hat oberste Priorität – keine Frage. Da die Hälfte meiner Soldaten auf militärischer Mission ist, sollte ich mich darauf konzentrieren, sie zurückzubeordern. Lebend. Und obwohl Menschenleben auf dem Spiel stehen, verliere ich mich dauernd in Gedanken an zu Hause. Gedanken an Sam. Wie gesagt, sie wird zu einem Problem. Ein Problem, das ich mir im Moment überhaupt nicht leisten kann.

Gott stehe uns bei, denn selbst wenn sich nur die Hälfte dieser Informationen vom Geheimdienst als korrekt erweist, könnte es kritisch werden. Und Todesopfer fordern. Die Basis befindet sich in einem weitläufigen Tal, das auf einer Seite von einer schmalen Bergkette begrenzt wird. Laut dem Bericht sind die Berge so etwas wie eine natürliche Barriere. Doch jetzt rücken Milizen aus dieser Richtung vor, was ihnen die Vorteile einer höher gelegenen Position plus Tarnung bietet.

Ich stehe auf, reibe mir mein schmerzendes Kreuz, und ehe ich mich bremsen kann, tigere ich von einem Ende des Raums zum anderen. Schwer besorgt. Wegen eines drohenden Angriffs. Und was aus Samantha wird, sollte mir irgendetwas passieren …

Unvermittelt erinnere ich mich an etwas, was Dad immer gesagt hatte. Sich zu sorgen und nicht zu handeln, ist ein sinnloses Unterfangen. Ich schließe die Augen und nicke langsam. Er fehlt mir so sehr. Kaum zu glauben, dass er schon seit zehn Jahren tot ist.

Ich muss ein bisschen frische Luft schnappen, also beschließe ich, zu der Fernmeldetruppe rüberzugehen und mir von ihnen ein Status-Update geben zu lassen. Wer weiß, vielleicht haben sich meine Teams ja gemeldet. Wenn nicht, muss ich meine Platoon Leader über die Gefahr informieren. Ein wenig zwischenmenschliche Interaktion schadet bestimmt nicht. Ich könnte die Ablenkung gebrauchen – von ihr.

Kaum greife ich nach dem Türknauf, erzittert der Boden unter meinen Füßen unversehens von einer Reihe von Einschlägen. Nicht von den üblichen, alltäglichen Feuergefechts- oder Sprengsatzübungen.

Das hier ist … was Größeres.

Das hier ist … alarmierend.

Nach einem kurzen Blick ins Freie lasse ich mich auf den Boden fallen, denn ich erkenne den Ernst der Lage.

Wir werden angegriffen.

Es ist noch früh am Abend, jedoch bereits dunkel, und als ich nach draußen trete, um die Gebäude sowie die Leute, die auf ihre Positionen stürmen, auszumachen, sehe ich den grell erleuchteten Himmel. Da wird mir reflexartig klar, dass das nicht irgendeine Gruppe von Rebellen ist, die ein paar Panzerfäuste abfeuert. Es ist übelst.

Dies ist der Angriff, vor dem die Berichte gewarnt haben.

Nach der nächsten Explosion erspähe ich in einiger Entfernung eine Wolke aus Staub und Sand. Von da, wo ich stehe, scheint es auf der anderen Seite unserer Militärbasis zu sein. Es ist bloß eine Einschätzung, aber ich denke, wir stehen unter Mörsergranatenbeschuss. Und der Feind ist dabei, uns einzukreisen.

Wenn das stimmt, wird es um ein Vielfaches schlimmer werden als vermutet.

Mein Gehör konzentriert sich auf das Geschützfeuer. Anfangs höre ich lediglich den feindlichen Beschuss – Rata-tat-tat, Rata-tat-tat, Rata-tat-tat. Der ohrenbetäubende Lärm versprengt sich, um von überall widerzuhallen. Als sie schließlich pausieren, um nachzuladen, erwidern unsere Truppen das Feuer.

Ich sprinte zur Fernmeldetruppe. Die Tür fliegt auf, und eine Soldatin stürmt an mir vorbei, wobei sie einen Luftpolsterumschlag an ihre Brust drückt. Um zu Atem zu kommen, bleibe ich kurz im Türrahmen stehen und salutiere, als Haskell, der diensthabende Oberst, von den Monitoren aufblickt und mich wahrnimmt. Nach einer knappen Handbewegung an seine Schläfe richtet er seine Aufmerksamkeit wieder auf die Informationen, die über die Bildschirme flackern.

Ich verstehe, auch ohne lange Erklärungen. Der Mann ist ein Profi. Grundsätzlich haben wir also vieles gemeinsam.

»Sir?« Ich stelle mich neben ihn.

Er wendet den Blick nicht von den eingehenden Nachrichten ab. »Captain.«

»Was wissen wir definitiv?«

Angesichts meiner Frage zieht er die Brauen hoch, seine Augen bleiben jedoch starr auf den Monitor geheftet. »Wir stehen unter feindlichem Beschuss.«

Das liegt auf der Hand. Dumme Frage. »Sir, ich habe da draußen Einheiten im Feld.«

»Je weiter weg Ihre Männer sind, umso sicherer sind sie aller Wahrscheinlichkeit nach.«

»Da ist was dran.« Nach einem zustimmenden Nicken entschuldige ich mich, um meine Truppen über Funk zu kontaktieren. Als ich den Raum durchquere, murmele ich ein leises Gebet. Vor den Schreibtischen, an denen die diensthabenden Fernmeldespezialisten sitzen, bleibe ich stehen. »Ich weiß, Sie sind momentan schwer im Stress, trotzdem bräuchte ich mal jemanden, der mir kurz helfen kann, meine Trupps zu kontaktieren.«

Eine junge blonde Soldatin blickt auf. Ihr hübsches Gesicht ist von Besorgnis verschattet. »Sir, ich kann Ihnen helfen«, bietet sie mir mit angespannter Stimme an, obwohl sie ihr Bestes versucht, ihre Beklommenheit zu überspielen.

»Ich habe seit drei Tagen einen Spähzug draußen, den ich heute Morgen zurückerwartete. Ich muss dringend Kontakt zu meinen Truppenführern aufnehmen, um sie über die Situation zu informieren.« Haskell hatte recht. Wo immer sie sind, sie sind besser dran, dort zu bleiben.

»Ja, Sir. Lt. Liddells Team … ist das eines von Ihnen?«

Ich nicke bekräftigend.

»Sir, wir haben vor einer Stunde einen Bericht von ihm erhalten. Sein Trupp war auf dem Rückmarsch und sollte« – ihr Gesicht verdunkelt sich – »jetzt irgendwann hier sein.«

»Verdammt.« Vor lauter Schreck halte ich mir eine Hand vor den Mund. Das sind keine guten Nachrichten. Schweißperlen bilden sich an meinen Schläfen. »In Ordnung, wenn Sie sonst noch was hören, bitte, ich muss es umgehend wissen.«

»Selbstverständlich«, erwidert sie, während sie sich vorbeugt, um ans Telefon zu gehen, das, seitdem ich hier bin, nicht aufgehört hat zu klingeln.

Adrenalin pumpt durch meinen Körper, als ich mein Augenmerk erneut auf die Monitore richte. Anstatt mich jedoch auf Rebellenstellungen oder die aktuellen Wetterverhältnisse zu konzentrieren, ist das Einzige, was ich sehe, die sanft geschwungene Bergkette am Rand des Tals. Was mich unweigerlich wieder an Sam denken lässt. Ich sehe jedes Detail ihres Gesichts vor mir. Höre den zärtlich weichen Klang ihrer Stimme …

Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt, um mich ablenken zu lassen.

Reiß dich zusammen, Wilde!

Ich stecke tief in der Scheiße, starre auf Monitore, die höchst dramatische Nachrichten übermitteln, und dennoch sind meine Gedanken bei ihr.

Du bist für die Sicherheit deiner Leute verantwortlich. Reiß. Dich. Zusammen.

Eigentlich sind Sam und ich heute Abend zu einem Video-Chat verabredet. Sieht aus, als müsste ich unser Date canceln – wieder einmal. Sie wird sich Sorgen machen, wenn ich mich nicht melde, und diese Erkenntnis bedeutet noch mehr Stress in einer bereits angespannten Situation.

Schlag es dir aus dem Kopf, Captain! Sam hat hier nichts verloren. Deine Truppe zählt auf dich.

Ich konzentriere mich erneut auf die aktuelle Lage, als Oberstleutnant Haskell zu mir kommt. Seine Schultern sind gestrafft, und er blickt grimmig drein.

»Ja, Sir?«

»Gerade haben wir eine Nachricht bekommen.« Haskell blickt auf seine Füße. »Die Luftunterstützung verzögert sich wegen der Wetterverhältnisse.« Er nickt zu den Monitoren an der Wand. »Kampfhubschrauber stehen bereit, aber wenn die Wetterlage so bleibt, werden wir auf uns selbst gestellt sein. Wenigstens vorübergehend. Ich weiß, Sie haben Leute im Feld. Wenn Sie sie erreichen können, geben Sie ihnen Befehl, sich in Sicherheit zu bringen.«

»Danke, Sir«, erwidere ich innerlich fluchend.

Eine Hiobsbotschaft nach der anderen.

Ein plötzlich ohrenbetäubender Lärm lässt meine Trommelfelle gefühlt platzen. Eine weitere Detonation. Näher dieses Mal und mit genug Wucht, um Sachen von den Schreibtischen zu fegen und das Stimmungsklima im Raum von angespannter Professionalität allmählich in Panik zu verwandeln.

Dieses Mal fluche ich laut, bevor mir einleuchtet, dass meine Soldaten hervorragend ausgebildet sind. Sie kennen das Gelände … und wie der Oberstleutnant zutreffend hervorgehoben hat: Umso weiter weg sie von hier sind, desto besser.

Da ist etwas anderes, das mich zum ersten Mal in meiner Karriere ernsthaft beunruhigt, nämlich die Tatsache, was es für die Menschen, die mir am Herzen liegen, bedeuten würde, wenn ich nicht mehr nach Hause zurückkäme. Keine schöne Vorstellung für einen Soldaten. Aber – und vielleicht macht mich das für manch einen zu einem furchtbaren Typen – bevor Sam und ihre Tochter Vanessa ein Faktor in dieser Gleichung wurden, akzeptierte ich diese Möglichkeit als das Risiko, das ein Berufsoffizier einzugehen hat.

Inzwischen quälen mich leichte, zunehmend größer werdende Zweifel, ob dieser Job immer noch meine Berufung sein könnte, wenn aus der Sache mit Sam etwas Festes wird. Könnte ich meine Ehefrau zum Abschied küssen, in dem Wissen, dass ich sie die nächsten sechs Monate nicht wiedersehen werde? Könnte ich diesen Teil von mir ausblenden, um mich voll auf den Job zu konzentrieren? Früher lautete die Antwort: Ja, keine Frage. Heute bin ich mir da allerdings nicht mehr sicher.

Das Dröhnen des Geschützfeuers ebbt ab. Irgendwie sonderbar. Das Rata-tat-tat verstummte bereits vor einer kurzen Weile, und ich habe nichts mehr gehört seit …

Ach du Scheiße.

Kapitel 2

Sam

Damals – vergangener August

»Also wirklich, Mol! Findest du nicht, dass das ein bisschen krass wäre? Da bist du zum allersten Mal bei der Familie deines Freundes zum Essen eingeladen und willst deine eigene Verwandtschaft dazu mitbringen?« Ich verschränke die Arme vor der Brust. »Echt jetzt?«

Mollie lässt die Hand mit dem Eyeliner sinken und starrt mich durch den Spiegel an. »Hank ist derjenige, der dich einlädt, nicht ich. Ernsthaft: Nach allem, was passiert ist, müsstest du Jack und Gabe besser kennen als ich. Und hallo, du hast Marie bereits für dich babysitten lassen.« Mollie zwinkert mir zu, als sie die Mom ihres Freundes erwähnt. »Also, wo liegt das Problem?«

Ich stütze eine Hand in meine Hüfte und stoße einen übertrieben dramatischen Seufzer aus. »Ich sage es noch mal: Weil ich nicht das fünfte Rad am Wagen sein will, kapiert?«

Meine Cousine Mollie (allerdings sind wir wie Schwestern aufgewachsen), für gewöhnlich die Sanfte und Besonnene von uns beiden, greift tief in meine eigene fiese Trickkiste. »Dir ist hoffentlich klar, dass du den Abend superpeinlich für mich machen wirst, wenn du mit Vanessa nicht zu dem Essen kommst. Alle rechnen doch mit dir!«

Mädchen, ich wäre so stolz auf dich – wenn du diesen Bockmist wem anders untergejubelt hättest als mir.

»Na schön. Aber ich fahre mit Vanessa allein hin, wir treffen uns dann dort. Ich habe nämlich keine Lust, die halbe Nacht auf dich und Hank warten zu müssen. Dann kann ich heimfahren, wenn ich müde bin oder mich da nicht wohlfühle.«

Grinsend setzt Mollie den Eyeliner wieder auf ihr Augenlid. »Abgemacht.«

***

Ich bringe den Wagen in Parkstellung, lasse den Motor aber noch laufen und starre unschlüssig das Haus an.

»Was ist denn, Mommy? Wollen wir nicht reingehen?«

Während ich die neben der Veranda geparkten Fahrzeuge beäuge, trommele ich mit meinen Fingern auf das Lenkrad. »Ich überlege noch.«

Ein Winseln erregt unsere Aufmerksamkeit, und Vanessa reckt auf der Rückbank angestrengt den Kopf in ihrem Kindersitz, um einen Blick aus dem Fenster zu werfen. »Was war das denn, Mommy?«

»Ich bin mir nicht …« Meine Antwort mündet in ein Kichern, als zwei Pfoten, ein Paar treuer blauer Hundeaugen und gespitzte Ohren sichtbar werden. Ich bin zwar keine Expertin, aber nach dem langen, weichen Fell auf dem Kopf des Tieres zu urteilen, das neugierig in unser Auto späht, würde ich auf so etwas wie Australian Shepherd tippen.

»O Mommy, guck mal, wie süß! Darf ich aussteigen und ihn streicheln? Wenigstens so lange, wie du überlegst, ob wir bleiben sollen?«

Am liebsten würde ich Nein sagen. Und dass der Hund unter Umständen bissig ist. Oder aggressiv. Ich möchte irgendetwas sagen, bloß um die Autotür nicht aufmachen zu müssen, denn wenn ich das tue, dann weiß ich, dass dieses Dinner mit uns stattfinden wird. Kaum dass der Hund uns im Auto entdeckt, beginnt er, mit seiner Zunge wie wild die Scheibe abzuschlabbern, und als ich daraufhin loskichere, ist das die Antwort, auf die Vanessa bloß gewartet hat. Sie hat ihren Sicherheitsgurt und die Tür geöffnet, ehe ich den Motor abstellen kann. Ich will hinter ihr her, aber dabei verheddere ich mich in meinem Gurt. Als ich um die Motorhaube gesprintet komme, sitzt Vanessa bereits auf ihrem Hosenboden, und der Schäferhund steht vor ihr und leckt ihr das Gesicht.

»Du findest aber schnell Freunde.« Immer noch kichernd verscheuche ich den Hund und halte meiner Kleinen eine Hand hin. »Komm, steh auf, damit ich dir den Staub abklopfen kann, bevor wir reingehen.«

Der Hund weicht nicht von Vanessas Seite, als wir die Stufen zur vorderen Veranda hochsteigen. Oben angekommen betrachte ich mein strahlendes kleines Mädchen und atme tief durch. »Bist du bereit?« Ich setze ein gespieltes Lächeln auf und klopfe an die Tür.

Unsicher, ob mein Klopfen laut genug war, um über das Stimmengewirr im Haus gehört zu werden, hebe ich erneut die Hand, als die Tür aufgerissen wird. Vor mir steht eine komplett andere Version von dem Jack Wilde, den ich vor Kurzem kennengelernt habe. Er ist gut gekleidet, frisch rasiert und lächelt freundlich.

Mir gefällt’s.

Bei unserer letzten Begegnung war Mollie entführt worden und spurlos verschwunden. Jener Abend war eine einzige Katastrophe, aber trotzdem … wieso habe ich nicht mehr Zeit mit diesem tollen Mann verbracht? Wir stehen uns gegenüber, und ich starre ihn wie eine Vollidiotin an, während ich verzweifelt nach Worten suche.

Den richtigen Worten …

Ein paar Worte …

Okay, egal was …!

Hallo, ich weiß, dass ich das kann. Small Talk beherrsche ich aus dem Effeff. Du lieber Gott, das wird bestimmt ein langer Abend! Na super, Spucke sammelt sich in meinem Mund, gleich fange ich noch an zu sabbern! Ich sehe weg, um mich wieder in den Griff zu bekommen.

»Guten Abend, Ladys. Schön, dass ihr hier seid.« Jack lächelt und zeigt zwei Reihen strahlend weißer Zähne. »Bitte, kommt rein.« Er tritt beiseite und winkt uns ins Haus.

Was für eine Zahnpasta er wohl benutzt? Wie fragt man beiläufig nach der Marke, ohne dass es voll bescheuert rüberkommt?

Ein Ruck an meinem Arm reißt mich aus dem heißen kleinen Tagtraum, der gerade in meinem Kopf abläuft. Als ich nach unten schaue, zerrt Vanessa an meiner Hand und versucht, mich nach drinnen zu ziehen.

»Gern. Sorry, war kurz in Gedanken.« Ich werde rot. »Ist dir das auch schon passiert, dass du dir nicht sicher warst, ob du die Kaffeemaschine ausgeschaltet hast?«, frage ich, schwer gestresst, jeden weiteren Blickkontakt mit Captain Sexy Knackarsch zu vermeiden.

»Eigentlich nicht. Aber ehrlich gesagt trinke ich meinen Kaffee entweder im Speisezelt oder hier auf Heimaturlaub, folglich habe ich dieses Problem nicht. Zumindest kann ich mich nicht entsinnen.« Jack räuspert sich. »Soweit ich weiß, passiert den Leuten das aber öfter.« Dann lenkt er sein Augenmerk auf den Hund, der gerade versucht, sich gemeinsam mit uns ins Haus zu drängen. »Marry, du kennst die Regeln.« Er droht ihr scherzhaft mit dem Finger und hält sie mit seinem einen Bein zurück, damit sie auf der Veranda bleibt und er die Fliegengittertür schließen kann.

Als ich mich im Zimmer umsehe und realisiere, wie viele Leute zum Familienessen der Wildes gekommen sind, bin ich echt baff. Zum Glück rettet Mollie mich, bevor bei mir lähmende Schockstarre einsetzt.

»Hey, meine Süße.« Mollie nimmt meine Hand, um ihre Finger mit meinen zu verschränken und mich zu einem freien Stuhl in der Nähe der Tür zu ziehen. Der Platz ist hinreichend weit entfernt von dem Familienpulk der Wildes und direkt neben ihr und Hank. »Hank, stellst du sie den anderen kurz vor?«, erkundigt sich Mollie und deutet mit einem Kopfnicken in meine Richtung.

»Äh … klar. Mach ich.« Hank steht auf. »Seid … mal eben still.« Er hustet in seine Faust. »Mollie habt ihr ja alle schon kennengelernt, und das hier ist ihre Cousine Sam«, erklärt er und zeigt auf mich. »Und der kleine Schatz da ist Sams Tochter, Vanessa.« Dann wendet er sich an mich. »Sam, meine Brüder Jack und Gabe kennst du bereits«, meint er knapp, was mir null Zeit lässt, Jack ausgiebiger zu begutachten, und das ist echt schade bei dem Hingucker. »Mom ist noch in der Küche«, fährt Hank fort. »Das wär’s so ziemlich. Und dahinten im Durchgang zur Küche stehen mein ältester Bruder Chet und seine Frau Christy.«

Ich gebe mir Mühe, bei jeder mir vorgestellten Person höflich zu nicken.

Ein Mann, der neben einer attraktiven, dunkelhaarigen Frau steht, nicht weit von Hanks Bruder Chet, räuspert sich und streckt seine Hände zu einer fragenden Was ist mit mir?-Geste aus.

»Ah ja.« Hank schnippt mit den Fingern in die Richtung des Mannes. »Das ist mein Bruder Frank«, murrt er. »Und seine für-ihn-entschieden-zu-heiße Freundin, Sarah.«

Sarah lächelt nachsichtig, Frank hingegen schiebt seine Brille höher und reibt sich den Nasenrücken. Mit einem missmutigen Kopfschütteln funkelt er Hank an. »Behalt’s für dich, Bruder.« Frank wendet sich mir zu und nickt. »Herzlich willkommen, Sam. Freut mich, dich kennenzulernen. Hank und die Jungs haben uns einiges über euer kürzliches Abenteuer berichtet.«

Instinktiv blicke ich zu Vanessa, die nicht unbedingt mitzubekommen braucht, was ihrer Tante Mollie passiert ist. »Schätzchen, möchtest du nicht lieber rausgehen und ein bisschen mit dem Hund spielen?«

Mollie, die meine Absicht erkennt, setzt hinzu: »Diesel läuft auch irgendwo da draußen rum. Du und Marry, ihr findet ihn bestimmt in unter einer Minute, wetten?«

Vanessa ist völlig aus dem Häuschen. »Darf ich?«

Ich nicke. »Aber geh nicht so weit vom Haus weg, okay?«

Innerhalb des Bruchteils einer Sekunde wirbelt Vanessa herum, eine Tür knallt, und weg ist sie!

Ich schwenke zu den anderen herum, um zu einer Erklärung auszuholen. »Sorry, aber ich möchte nicht, dass sie die Einzelheiten erfährt. Jedenfalls noch nicht.«

Alle nicken verständnisvoll, dennoch bleibt es unangenehm lange still im Raum.

Schließlich beendet Christy das Schweigen. Mit einem energischen Wedeln ihrer Hand drängt sie Hank fortzufahren. »So!? Du wolltest uns doch noch erzählen, wie die Jungs es geschafft haben, Mollie zu finden und ihren bescheuerten Vollpfosten von Kidnapper …«

Hank nickt vielsagend zu Mollie und mir, woraufhin Christy sich eine Hand vor den Mund schlägt und den Kopf schüttelt. »O mein Gott! Es tut mir so leid, ich … ich habe nicht nachgedacht.«

Hank hüstelt wichtigtuerisch. »Ja, also … Mithilfe meines scharfen detektivischen Spürsinns haben wir es geschafft, sie in einer baufälligen alten Hütte im Wald ausfindig zu machen.«

Frank unterbricht ihn. »Soweit ich weiß, seid ihr dann gewaltsam in die Hütte eingedrungen. Was ist als Nächstes passiert? Du und Gabe, ihr habt doch nicht bloß dagestanden, oder? Hattet ihr eure entsicherten Waffen auf ihn gerichtet, bis der Sheriff eingetroffen ist?«

Sarah hebt ihre Hand. »Oder … hat es einen Kampf gegeben? Wer hat eigentlich die Polizei verständigt?« Sie blickt sich im Zimmer um. »Geht es nur mir so? Klingt fast so wie im Film, findet ihr nicht?«

Hank verdreht die Augen. »Nein, Gabe hatte Schiss, den Tatort zu kontaminieren, deshalb hat er ihm mit seinem Gewehrkolben eins über den Schädel gezogen – glatter K.o.«

Gabe fällt ihm ins Wort. »Herrgott noch mal, Hank! Ich denke, was du meinst, ist, dass er sich den Kopf am Boden aufschlagen hat. Deshalb denken wir, dass er davon die Gehirnerschütterung hatte. Bleib gefälligst bei dieser Geschichte, du Idiot!«

»Ja. Stimmt. Es ging alles so schnell, und es war verdammt dunkel.« Er zuckt mit den Schultern. »Sorry, ich bringe da wohl ständig was durcheinander.«

Während alle aufmerksam Hanks und Gabes Ausführungen lauschen, mustere ich die Anwesenden am Tisch, um mir die Gesichter der vielen Fremden einzuprägen. Ohne dass es mir bewusst ist, bleibt mein Blick immer wieder an Jack hängen, und dann ist es, als würde jemand die Lautstärke herunterdrehen. Die Unterhaltung verebbt zu einem leisen Murmeln, das sich im Hintergrund verliert.

Gibt es irgendetwas, das man an diesem Mann nicht mögen kann? Ich liebe sogar seine Haltung, wie er kerzengerade auf einer Armlehne der Couch sitzt. Zivilkleidung hin oder her, er signalisiert militärische Professionalität – und nicht zuletzt wahrscheinlich eine absolut geile, unvergesslich tolle Zeit.

Reiß dich zusammen!

Was ist mit mir los? Wieso bin ich bei einem Typen plötzlich megascharf und total gaga? Das passt echt nicht zu mir. Ich habe den Männern abgeschworen. Und angesichts der Typen, die ich so kennengelernt habe, mit gutem Grund.

Eine vertraute Stimme, weich und sanft, lenkt meine Aufmerksamkeit wieder auf die Unterhaltung. Als ich aufblicke, steht Marie Wilde hinter Christy im Durchgang zur Küche und wischt sich die Hände an einem Geschirrtuch. »Essen ist fertig.«

Als alle aufstehen, um in die Küche zu gehen und Schüsseln zum Tisch zu tragen, klopft es an der Tür. Ganz vorn in der Reihe blickt Jack über die anderen zu mir. »Sam, machst du mal kurz auf?«

Ich strahle ihn an, ziemlich sicher, dass ich fast alles tun würde, worum dieser Mann mich bittet. »Natürlich.«

Draußen steht meine total verschwitzte Tochter neben zwei müde nach Luft hechelnden Hunden, alle drei ziemlich k.o. Außerdem ist Vanessas Frisur, für die ich eine Dreiviertelstunde gebraucht habe, nicht mehr zu erkennen. »Hey, ihr seht aus, als hättet ihr einen Mordshunger.«

Vanessa nickt. »Den haben wir, Mommy. Dürfen wir reinkommen und was trinken?«

Marie kommt zur Tür gelaufen. »Aber natürlich, Schätzchen. Komm mit mir in die Küche, dann bekommst du ein großes Glas Eistee von mir. Wie findest du das?«

Ich kann nicht anders, ich muss schmunzeln, als ich am Tisch sitze und versuche, das Ganze auf die Reihe zu bringen. Vanessa und ich sind praktisch Fremde für die Familie Wilde, und dennoch haben sie uns eingeladen und geben uns das Gefühl, dazuzugehören. Als wäre es das Normalste auf der Welt, mittwochs mit ihnen zusammen zu essen.

Den Rest des Abends arbeite ich aktiv daran, Jack nicht anzustarren. Als ich ein- oder zweimal verstohlen zu ihm spähe, stelle ich fest, dass er mich ebenfalls heimlich beobachtet. Das macht es für mich kein bisschen einfacher.

Bis zu dem Zeitpunkt, als der jüngste Wilde-Bruder, Leo, auftaucht, ist die Einladung nahezu perfekt. Verglichen mit einigen Erfahrungen, die Mol und ich mit unserer Familie gesammelt haben, gelingt es aber ehrlich gesagt selbst ihm nicht, den Abend zu ruinieren.

Mir auf jeden Fall nicht. Nicht, wenn Jack Wilde mit mir im selben Raum ist.

Kapitel 3

Jack

Damals – vergangener August

Während ich in Hanks Küche auf und ab tigere, ziehe ich mein Handy aus der Tasche, um zu schauen, wie spät es ist, und schüttle dann gefrustet den Kopf. »Hank!? Du hast mir versprochen, dass wir mittags loskönnen.« Es ist nicht so, dass ich überrascht bin. Der Umgang mit meinem Bruder – der sehr speziell ist – ist immer ein bisschen so, als hätte man ein erwachsenes Kind vor sich.

Hank kommt lässig in die Küche spaziert, reibt sich das Kinn und setzt eine perplexe Miene auf. »Mannomann … musst du immer so einen Stress machen? Man merkt echt, dass du beim Militär bist.«

Ich werde es bereuen – so viel ist sicher –, trotzdem gehe ich auf ihn ein. »Was hat das denn jetzt damit zu tun, dass wir spät dran sind?«

Hank grinst. »Na ja, dann hättest du anders quatschen müssen … keine Ahnung, nicht … 12.00 Uhr oder so ’n Schwachsinn, hä?«

Mir fällt die Kinnlade runter. »Alter Schwede. Wenn du nicht adoptiert bist, dann hat Mom dich als Baby bestimmt auf den Kopf fallen lassen.« Um meiner Äußerung mehr Nachdruck zu verleihen, schiebe ich nach: »Mehr als einmal.«

»Ach, übrigens … fast hätte ich’s vergessen«, versetzt Hank, bevor er mich in den Arm boxt und triumphierend grinst. »Ich bin dein älterer Bruder und nicht einer von deinen verdammten Soldaten. Also hör auf, mich rumzukommandieren! Chill mal. Das Cottage läuft uns schon nicht weg.«

Wie in alten Zeiten springe ich hinter ihm und drehe ihm den Arm um, um ihn im Ringergriff zu Boden zu bringen oder damit er sich entschuldigt. Eins von beidem reicht mir.

Verhaltenes Kichern aus Richtung Tür lenkt uns beide von unserem Hickhack ab. Als ich aufblicke, stehen Mollie, Sam und Vanessa dort zusammen, offenbar verblüfft, zwei erwachsene Männer zu sehen, die sich wie Kinder benehmen. »Ich will ja nicht stören, aber wir haben alles gepackt und könnten jetzt losfahren.« Mollie schmunzelt.

»Ja, sobald ihr Jungs mit dem Rumgezoffe fertig seid«, meint Sam und kann sich vor Lachen kaum halten.

Ich lasse Hanks Arm los, trete ein Stück von ihm weg und fahre mir mit einer Hand durchs Haar. »Würde es mir viel nützen, wenn ich behaupte, dass er angefangen hat?«

Die beiden Frauen prusten los und antworten wie aus einem Mund: »Träum weiter, Kumpel.«

»Wieso in Himmelherrgottsnamen habe ich mich dazu breitschlagen lassen, das Wochenende mit euch zu verbringen?«, murre ich leise vor mich hin.

Da er sich ziemlich sicher sein kann, dass das bloß eine rhetorische Frage ist, kontert Hank: »Weil du ganz scharf auf meine Gesellschaft bist!« Als ich etwas erwidern will, legt er seinen Zeigefinger auf meinen Mund, damit ich still bin, ehe er fortfährt. »Und … weil du weißt, wenn du allein hier herumhängst, werden Chet und Gabe dich dazu verdonnern, das ganze Wochenende auf der Ranch zu schuften.«

Ich reibe mir den Bauch. »Scheiße. Ich glaube, ich habe mir was eingefangen. Vielleicht sollte ich hierbleiben und auf dein Haus aufpassen, während ihr weg seid.«

Als Vanessa das hört, kommt sie zu mir gelaufen und zupft an meiner Hand, dann schaut sie treuherzig zu mir hoch. »Gibt es denn keine Medizin für deinen Bauch, die du einnehmen könntest? Wir werden in deinem Cottage bestimmt viel Spaß haben, wäre doch jammerschade, wenn du das verpassen würdest.«

Ihre Worte jagen mir Schuldgefühle ein, weil ich mich in letzter Minute ausklinken will. Ich blicke von ihrer Mutter zu ihrer Tante und stoße einen kapitulierenden Seufzer aus. »Okay, ich komme mit. Aber nur, wenn ihr zwei« – ich zeige auf Mollie und Samantha – »versprecht, uns beide nicht unbeaufsichtigt zu lassen. Anderenfalls müsst ihr mit diesem Rumgezoffe rechnen.« Ich verschränke die Arme vor der Brust und grinse. »Ich bin für nichts verantwortlich, also betrachtet es als Warnung.«

Vanessa läuft zu ihrer Mom zurück, ganz aufgeregt, dass sie den Tag gerettet hat. Sam lächelt der Kleinen zu, dann hält sie drei Finger ihrer Hand hoch. »Wenn ich euch zwei Kerle dabei erwischen sollte, dass ihr aufeinander losgeht, werde ich dazwischengehen, um euch auseinanderzubringen. Großes Pfadfinderehrenwort.«

Hinter mir mischt Hank sich in die Unterhaltung ein, wie immer etwas schwer von Begriff. »Du warst bei den Pfadfindern?«

»Also nicht im herkömmlichen Sinn«, gibt Sam schmunzelnd zurück. »Aber Ehrenmitglied bin trotzdem geworden, weil ich sie so fleißig mit Cookies versorgt habe.«

Ich bewundere Sam für ihre Schlagfertigkeit, aber noch mehr bewundere ich ihren Wahnsinnskörper in der eng sitzenden Jeans. Ich spähe zu Hank. »Also dann, Fahrer, können wir los? Solange es draußen noch hell ist?«

Genervt schlägt Hank die Augen zur Decke. »Wenn du mir weiter so kommst, kleiner Bruder, dann könnte es passieren, dass ich dich unterwegs zufällig an einer Tankstelle vergesse.«

Die Fahrt zur Hütte ist unspektakulär, einmal abgesehen davon, dass ich mit einer Frau, die mir nicht mehr aus dem Kopf geht, und der Kleinen in ihrem Kindersitz stundenlang auf der Rückbank eines Pick-ups eingequetscht bin. Vorn halten Hank und Mollie verliebt Händchen und tauschen Zärtlichkeiten aus, während Sam, Vanessa und ich hinten in der Holzklasse mit Ellenbogeneinsatz um jedes bisschen Platz kämpfen dürfen.

Ehrlich gesagt weiß ich es bei der Enge zu schätzen, dass die Sechsjährige zwischen uns sitzt und ich ein wenig Distanz zu ihrer Mutter habe. In den letzten paar Tagen habe ich mich mehr als einmal dabei erwischt, Sam nicht einfach anzuschauen, sondern regelrecht anzustarren. Wann immer sie in der Nähe ist, verliere ich anscheinend jedes Gefühl für Zeit und Raum. Als versuchte mein Gehirn präzise zu erfassen, was es ist, was sie so besonders macht.

Nach etlichen Entschuldigungen, verbunden mit zahllosen verstohlenen Blicken (beispielsweise vorzutäuschen, an ihr vorbeizuschauen, als würde ich aus dem Fenster sehen), finde ich mich damit ab, dass ich verrückt nach ihr bin. Diese Frau hat etwas, von dem ich nicht genug bekommen kann. Ihr herzförmiges Gesicht mit den hohen Wangenknochen oder dass ihre Haare wie selbstverständlich über ihre linke Schulter fallen. Und wie sie mit ihren verführerisch langen Wimpern blinzelt, wenn sie lächelt. Sam ist sehr hübsch, mit einem Hauch von Exotik, und zugleich das Mädchen von nebenan.

Ja, sie ist die Art Frau, die einen nicht mehr loslässt, obwohl man das Faszinierende an ihr nicht wirklich beschreiben kann. Tief im Innersten begreife ich, was es ist: Ich bin bis über beide Ohren in Sam verknallt. Was nicht abstruser sein könnte angesichts der Tatsache, dass ich voraussichtlich spätestens in zwei Wochen in ein Flugzeug steigen und das Land verlassen werde.

Um kurz nach fünf erreichen wir das Cottage. Da zum ersten Mal in diesem Sommer jemand hier ist, braucht es ein bisschen Zeit, die Dinge ans Laufen zu bringen. Der Eisschrank muss eingestöpselt werden und herunterkühlen. Das Wasser muss aufgedreht und die Luft aus den Rohren gelassen werden. Und angesichts der gottverdammten Augusthitze reißen wir sämtliche Fenster auf und lassen den Deckenventilator auf Hochtouren laufen, um für eine angenehme Luftzirkulation zu sorgen und um den muffigen Geruch aus der Bude zu kriegen.

Zu dem Zeitpunkt, als die Steaks vom Grill kommen und sich alle zum Essen um den Tisch versammeln, fühlt es sich hier ganz wie zu Hause an.

Okay, großer Bruder, möglicherweise war deine Idee, übers Wochenende herzukommen, gar nicht so übel.

Möglicherweise.

***

Sam

Damals – im August

Wie jeden Tag wache ich früh auf und begebe mich nach unten, um die Kaffeemaschine einzuschalten. Bevor ich einen Fuß auf die oberste Stufe setzen kann, weht das himmlische Aroma von Kaffee aus der Küche zu mir, und ich schnuppere genießerisch.

Aber wer könnte in aller Herrgottsfrühe schon auf sein? Und hätte Zeit und Lust, Kaffee zu kochen?

Auf Zehenspitzen schleiche ich mich nach unten und entdecke eine frisch aufgebrühte, fast volle Kanne und drei gespülte Becher, die neben der Kaffeemaschine umgedreht auf einem Geschirrtuch stehen, um zu trocknen.

Erfreut gieße ich mir einen Becher ein, ehe ich untersuche, ob der Kühlschrank kalt genug ist, um die Lebensmittel aus den Kühltaschen hineinzustellen. Währenddessen rätsle ich, bei wem ich mich für diese gelungene Überraschung bedanken soll.

Bei Mollie? Aufmerksam wie sie ist, wäre es ihr durchaus zuzutrauen, aber wenn sie nicht gerade Frühschicht hat, steht sie nie vor mir auf.

Bei Hank? Feiner Kerl, der das Herz am rechten Fleck hat, aber das ist garantiert nicht sein Ding.

Bei Jack? Soldat, äußerst korrekt, scheint mir ein mitdenkender Mensch zu sein. Spontan würde ich auf ihn tippen.

Als ich einen Blick in den Kühlschrank werfe und er mit unseren Vorräten gefüllt ist, weiß ich, dass es nur Jack gewesen sein kann. Sie, Sir, haben gerade mächtig Pluspunkte bei mir gesammelt.

Suchend sehe ich mich in der Hütte um. »Aber wo kann er sein?«, flüstere ich leise vor mich hin.