Wilde - Abby Brooks - E-Book

Wilde E-Book

Abby Brooks

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Beschreibung

Manchmal hat das Leben andere Pläne.

Leo Wilde war schon immer das schwarze Schaf seiner Familie. Anders als seine Brüder fühlte er sich oft wie ein Außenseiter, getrieben von dem unstillbaren Drang, die Stadt hinter sich zu lassen und die Welt zu entdecken. Doch dann ist da Amy – das genaue Gegenteil von ihm: organisiert, optimistisch und voller Träume. Und sie erwartet sein Kind.

Leo steht vor der größten Entscheidung seines Lebens: Was ist ihm wirklich wichtig? Und ist er bereit, seine eigenen Träume für eine gemeinsame Zukunft mit Amy aufs Spiel zu setzen?

Der fünfte Band der „Wilde Boys“-Reihe von Bestsellerautorin Abby Brooks: Eine Slow-Burn-Small-Town-Romance voller Gefühl, Drama und Herzklopfen. Alle Teile sind in sich abgeschlossen und unabhängig voneinander lesbar.

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Seitenzahl: 318

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Liebe Leserin, lieber Leser,

Danke, dass Sie sich für einen Titel von »more – Immer mit Liebe« entschieden haben.

Unsere Bücher suchen wir mit sehr viel Liebe, Leidenschaft und Begeisterung aus und hoffen, dass sie Ihnen ein Lächeln ins Gesicht zaubern und Freude im Herzen bringen.

Wir wünschen viel Vergnügen.

Ihr »more – Immer mit Liebe« –Team

Über das Buch

Manchmal hat das Leben andere Pläne.

Leo Wilde war schon immer das schwarze Schaf seiner Familie. Anders als seine Brüder fühlte er sich oft wie ein Außenseiter, getrieben von dem unstillbaren Drang, die Stadt hinter sich zu lassen und die Welt zu entdecken. Doch dann ist da Amy – das genaue Gegenteil von ihm: organisiert, optimistisch und voller Träume. Und sie erwartet sein Kind.

Leo steht vor der größten Entscheidung seines Lebens: Was ist ihm wirklich wichtig? Und ist er bereit, seine eigenen Träume für eine gemeinsame Zukunft mit Amy aufs Spiel zu setzen?

Der fünfte Band der „Wilde Boys“-Reihe von Bestsellerautorin Abby Brooks: Eine Slow-Burn-Small-Town-Romance voller Gefühl, Drama und Herzklopfen. Alle Teile sind in sich abgeschlossen und unabhängig voneinander lesbar.

Über die Autoren

Abby Brooks ist eine amerikanische Romance-Autorin und lebt mit der Liebe ihres Lebens und ihren drei Kindern in einer Kleinstadt in Ohio. Sie liebt es, in der Küche zu tanzen, zu lachen und bis spät in die Nacht zu lesen. 

Will Wright ist glücklich verheiratet mit Abby Brooks, der Liebe seines Lebens und Romanautorin aus Leidenschaft. Privat sind sie ein unschlagbares Team – und beruflich erst recht. Gemeinsam haben sie mit viel Freude die Wilde Boys-Serie umgesetzt, die für beide ein ganz besonderes Herzensprojekt ist

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Abby Brooks, Will Wright

Wilde

Aus dem Amerikanischen von Beate Darius

Übersicht

Cover

Titel

Inhaltsverzeichnis

Impressum

Inhaltsverzeichnis

Titelinformationen

Grußwort

Informationen zum Buch

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Kapitel 1 — Amy

Kapitel 2 — Leo

Kapitel 3 — Leo

Kapitel 4 — Amy

Kapitel 5 — Amy

Kapitel 6 — Amy

Kapitel 7 — Leo

Kapitel 8 — Amy

Kapitel 9 — Leo

Kapitel 10 — Leo

Kapitel 11 — Amy

Kapitel 12 — Amy

Kapitel 13 — Leo

Kapitel 14 — Amy

Kapitel 15 — Leo

Kapitel 16 — Amy

Kapitel 17 — Amy

Kapitel 18 — Leo

Kapitel 19 — Leo

Kapitel 20 — Amy

Kapitel 21 — Leo

Kapitel 22 — Amy

Kapitel 23 — Leo

Kapitel 24 — Amy

Kapitel 25 — Leo

Kapitel 26 — Leo

Kapitel 27 — Amy

Kapitel 28 — Leo

Kapitel 29 — Amy

Kapitel 30 — Leo

Kapitel 31 — Amy

Kapitel 32 — Leo

Kapitel 33 — Amy

Kapitel 34 — Amy

Kapitel 35 — Leo

Kapitel 36 — Amy

Kapitel 37 — Leo

Kapitel 38 — Amy

Epilog — Marie

Bonusszene — Amy

Impressum

Lust auf more?

Kapitel 1

Amy

Es gibt Momente im Leben, die alles verändern. Du erkennst sie nicht immer sofort, aber hinterher begreifst du, dass die Anzeichen die ganze Zeit da waren. Ein Kribbeln im Bauch. Ein elektrisierendes Prickeln, das dein Nervensystem flutet. Ein drängendes Gefühl der Wichtigkeit, egal wie belanglos die Sache ist. Der Trick ist, diese Momente von Anfang an schätzen zu lernen. In ihnen zu leben.

Jetzt gleich, nicht später.

Das ist mein neues Lebensmotto.

Ich werde mich nicht länger um das Was, wenn …? scheren, sondern stattdessen damit anfangen, nach dem Leitsatz Warum nicht? zu leben. Jedenfalls ist das mein Plan.

Als ich nun an einem windigen Märznachmittag auf dem Parkplatz vor einem Tattoo-Studio stehe, ist genau einer jener Momente von der lebensverändernden Sorte, die dir nicht immer bewusst sind. Also, mir ist das sofort klar, und das nicht, weil ich mir gleich ein Tattoo stechen lassen werde, auch wenn das nicht unbedingt eine Entscheidung ist, die ich sonst treffen würde.

Es ist wegen ihm.

Dem Typ, der am Gebäude lehnt. Er hat einen Fuß gegen die Wand gestützt und die Arme vor seiner Brust verschränkt. Schwarze Jeans schmiegen sich an durchtrainierte Schenkel, und ein Muskelshirt lenkt meinen Blick auf breite Schultern und ein gut definiertes Sixpack.

Dunkle Haare, die ihm lässig verwuschelt ins Gesicht hängen, und sanfte braune Augen …

Ein muskulöser Arm wird von einem Kaleidoskop farbiger Muster bedeckt, die unter dem kurzen T-Shirt-Ärmel verschwinden …

Er ist groß, mit einer geballten Ladung Testosteron, und weckt irgendein Urbedürfnis in mir, ein Risiko einzugehen und ein Abenteuer zu erleben.

Die alte Was-wenn …?-Amy würde wahrscheinlich die Straße überqueren, um einem Mann wie ihm aus dem Weg zu gehen. Die neue Warum-nicht?-Amy signalisiert mir allerdings ziemlich deutlich, dass daran nichts falsch ist, jede Vorsicht in den Wind zu schießen und gelegentlich etwas zu wagen – besonders wenn man bedenkt, dass ich immer das Richtige getan habe.

Na ja, wenigstens bisher.

Die wärmende Frühlingssonne beginnt, den Winter langsam zu vertreiben, trotzdem ist es kühler, als ich dachte. Ich ziehe meine Jacke fester um meinen Körper, stecke mein Handy in die Tasche, schließe den Wagen ab und mache mich auf alles gefasst.

Habe ich einen Plan? Nein.

Habe ich irgendeinen witzigen oder schlagfertigen Spruch auf Lager, um den sexy Fremden anzuquatschen? Natürlich nicht.

Wird das Ganze in einem Fiasko enden? Davon kann man ausgehen.

Es lässt mich kalt. Das Risiko gehe ich ein. Nach einem letzten tiefen Atemzug trete ich auf den Bürgersteig, direkt in sein Blickfeld.

Nichts.

Keine Ahnung, ob es daran liegt, dass ein langweiliges, braves Mädchen wie ich für einen Mann wie ihn nicht besonders spannend ist, oder ob ihn etwas anderes gerade sehr beschäftigt, jedenfalls sieht der Bad Boy mit den dunklen Haaren und den glutvollen Augen durch mich hindurch, als wäre ich Luft für ihn.

Auch gut. War einen Versuch wert. Schließlich habe ich nichts zu verlieren.

Mit einem schnellen Lächeln in seine Richtung drücke ich die Tür zum Tattoo-Studio auf.

Bloß dass die Tür keinen Millimeter nachgibt und ich mit dem Gesicht fast gegen die Glasscheibe geknallt wäre, was mich über meine eigene Blödheit kichern lässt. Ich wette, der sexy Typ hat mich inzwischen bemerkt. Als ich noch mal mit ein bisschen mehr Wumms dagegen drücke, stelle ich fest, dass die Tür fest verschlossen ist. Ups. Auf der Webseite stand doch, Inked hätte bis fünf Uhr geöffnet.

»Kommst du, um dir ein Tattoo stechen zu lassen? Oder willst du bloß erst mal reingucken?« Die Stimme des Typen ist kehlig rau, voller Sarkasmus.

Ich zucke zusammen, beschließe aber, einen auf cool zu machen. Locker. Ganz entspannt. »Mhm?«

Das war leider nicht ganz so locker, wie es mir vorschwebte, aber hey, man kann nicht alles haben!

Der Fremde drückt sich von der Wand ab und mustert mich eingehend. »Meine Frage war, ob du dich tätowieren lassen willst oder ob du noch am Überlegen bist.«

Die Verachtung in seinem Blick bringt mich innerlich zum Kochen. Er hält mich offensichtlich für eine dusselige Kuh, die zu brav ist, um sich ein Tattoo stechen zu lassen. Gestern hätte er damit richtiggelegen, aber heute …?

»Ich würde mich gern tätowieren lassen!«, erkläre ich überschwänglich und schiebe das Kinn vor. »Ich habe auch schon eine Vorstellung, aber ich weiß nicht, ob das funktioniert.«

Mein strahlendes Lächeln prallt an seiner gelangweilten Miene ab. »Dann komm mit, wir klären das drinnen.« Er stellt sich neben mich, greift nach der Tür und zieht daran, anschließend zeigt er feixend auf ein Schild hinter der Glasscheibe. »Bitte an der Tür ziehen. Ich weiß. Diese Dinge können kompliziert sein.«

»Manieren anscheinend auch«, knurre ich, ehe ich ins Innere trete.

Der Laden ist klein. Eine einzige Station steht mitten im Raum, davor ein Stuhl. Auf einem Arbeitstisch liegen verschiedene Piercing-Artikel, dahinter ist eine Tür mit der Aufschrift Privat. An den Wänden hängen bemalte Leinwände zwischen Fotos von Tattoos. Als ich die Gemälde betrachte, wird mir zusehends bewusst, dass sie alle von demselben, unglaublich talentierten Künstler stammen. Dieses Studio ist zweifellos sein Baby. Alles trägt seine Handschrift, was mein Interesse an dem Typen prompt um ein Tausendfaches erhöht. Selbstbewusst, umwerfend und talentiert? Wäre ich nicht halbwegs überzeugt, dass er ein Arschloch ist, wäre ich geliefert.

»Was hast du dir denn so vorgestellt?«, erkundigt er sich, während er weiter in den Raum hineingeht. »Hast du ein Foto dabei oder willst du es mir lieber beschreiben und ich male es dann auf?«

Seine Stimme ist anfangs rau und wird danach ganz weich.

Ich könnte ihm stundenlang zuhören.

»Ach ja, stimmt. Ich habe eins dabei.« Ich wische über mein Handy, bis ich das Bild finde, dann halte ich es ihm stolz hin. »Das hier möchte ich gern haben.«

Er späht aufs Display und schnaubt, als wäre mein Wunsch ein Affront für seinen Intellekt. »Was zum Teufel soll das sein?« Der Ausdruck auf seinem Gesicht ist Verachtung, keine Frage. »Drei Punkte. Deswegen bist du hier? Du möchtest mich dafür bezahlen, um dir das permanent auf den Körper zu tätowieren?«

»Was hast du gegen Auslassungspunkte?« Fragend runzle ich die Stirn. »Dir ist schon klar, dass manche Sätze aufhören, bevor sie überhaupt zu Ende gesagt sind.«

Seine Reaktion ist eine einzelne hochgezogene Augenbraue, was mir unmissverständlich zeigen soll, dass ich für ihn total verblödet bin.

Seine Unverschämtheit bringt mich total in Rage. »Ich kapiere echt nicht, was dich das angeht, schließlich bezahle ich ja dafür. Behandelt man so seine Kunden?«

Es ist bloß ein Aufblitzen … aber ich könnte schwören, dass seine Mundwinkel kurz nach oben zucken. Ein Grinsen, das so schnell wieder verschwunden ist, dass ich herumrätsle, ob ich es tatsächlich gesehen habe. Wenn ich dieses kleine Abenteuer nicht komplett durchorganisiert hätte, würde ich mir irgendeinen anderen Laden suchen. Es gibt in dieser Kleinstadt jedoch nicht allzu viele Tattoo-Studios, ganz zu schweigen von Künstlern, die so angesagt sind wie dieser Typ.

»Okay, vielleicht sind wir heute beide mit dem falschen Fuß aufgestanden.« Anders kann ich mir einfach nicht erklären, warum er so gereizt ist. »Ich bin Amy, und ich möchte mir ein Tattoo stechen lassen. Und du bist …?«

Da ist es wieder. Dieses Feixen. Als hätte ich irgendwas Bescheuertes oder Unterirdisches von mir gegeben.

»Schätzchen, du kannst jeden fragen, und alle werden dir das Gleiche sagen.« Er tippt sich mit dem Zeigefinger auf die Brust. »Ich bin Wilde.«

Seine Stimme trieft vor Arroganz. Am liebsten hätte ich ihn ausgelacht.

»Sorry, habe ich das gerade richtig verstanden, dass du Wild heißt? Das ist alles? Einfach Wild …?«

Er wird einen Tick freundlicher. »Manchmal auch Leo, aber für alle, die mich besser kennen, bin ich Wilde.« Er stützt seine Ellbogen auf die Glasplatte der Theke und beugt sich vor. »Mit einem E.«

»Okay, Leo Wilde, mit einem E. Was stört dich an meinem Wunsch?« Ich wackle mit den Augenbrauen. »Zu kompliziert?«

»Du weißt schon, dass das jeder stechen könnte? Also buchstäblich jeder, und zwar für einen Bruchteil des Preises, den ich dafür nehme.«

Natürlich weiß ich das, aber die Rezensionen für Inked loben die Professionalität und die Qualität von diesem Leo Wilde mit einem E. Wenn ich mich tätowieren lasse, dann von dem Besten, und anscheinend ist er das. Ich traue mich jedoch nicht, ihm das zu stecken. Das Kompliment könnte ihm zu Kopf steigen.

Energisch schiebe ich das Kinn vor. »Also willst du mein Geld nicht haben?«

Er verdreht die Augen und richtet sich auf. »Hey, du musst wissen, ob es dir das wert ist. Ich werde dir nicht weniger abknöpfen, bloß weil dein Motiv voll dämlich ist.« Er winkt mich zu dem Stuhl in der Mitte des Studios und verfällt in Schweigen, während er seine Instrumente vorbereitet und mein Handgelenk sterilisiert.

Ein Teil von mir hasst ihn dafür, dass er mich in irgendeine Schublade steckt, ohne mich überhaupt zu kennen. Dann übertönt das vibrierende Summen der Pistole jedes andere Geräusch, und als er sich vorbeugt, um mit seiner Arbeit zu beginnen, kommt sein Körper meinem immer näher, und ich atme ihn ein. Er duftet verführerisch gut. Maskulin und frisch. Nach Leder, Moschus und Schweiß, mit einem sinnlichen Hauch von Sandelholz.

Ich versuche, an irgendetwas anderes zu denken, doch das scharfe Stechen der Nadel löscht jeden Gedanken, der nicht Leo Wilde mit einem E ist, aus. Worauf steht er? Was macht er sonst so? Ich bezweifle, dass es für ihn keine große Sache ist, seine Komfortzone zu verlassen … so wie für mich. Oder dass sein Leben in einer Aneinanderreihung banaler Ereignisse und unsinniger Interaktionen dahinplätschert … so wie meins. Ich habe die ersten knapp zweiundzwanzig Jahre meines Lebens in dieser Weise verbracht. Es wird Zeit, einen Cut zu machen.

Zwangsläufig musste ich mich von einigen der wichtigen Punkte auf meiner Bucket-List verabschieden, die ich mit elf angefangen hatte.

Highschool-Abschluss mit Bestnoten

Studium an einem renommierten College

meinen Seelenverwandten/Ehemann/zukünftigen Vater meiner zwei Komma fünf Kinder kennenlernen …

… obwohl das letzte Kästchen eigentlich noch frei ist. Da steht zwar momentan der Name Avery McIntire, aber das mit uns wird nichts.

Jetzt, gewissermaßen aus aktuellem Anlass, fokussiere ich meine ganze Energie auf eine neue Liste. SCHRITTE, UM MEIN TOTAL LANGWEILIGES LEBEN AUFZUPIMPEN. Alles in Großbuchstaben, um die Bedeutung hervorzuheben.

Numero uno darauf ist, mir ein Tattoo machen lassen. Was nicht gerade ein leichter Schritt für mich ist.

»Fertig«, verkündet der arrogante Künstler und setzt sich auf. »Ist echt schön geworden, wenn ich mich mal selbst loben darf.«

Ich spähe auf mein Handgelenk und strahle vor Stolz.

Ein Tattoo machen lassen. Abgehakt.

Okay, die Vorbereitung dauerte länger als der eigentliche Vorgang, trotzdem bin ich stolz. Stolz auf das Ergebnis. Stolz auf mich, den Mut zu haben, Warum nicht? zu sagen und die Sache durchzuziehen.

»In Ordnung. Noch mal zu den Auslassungspunkten.« Leo sieht mir in die Augen und zeigt auf mein Handgelenk. »Manche Sätze hören auf, bevor sie überhaupt zu Ende gesagt sind … Was bedeutet das für dich?«

Was das für mich bedeutet? Alles.

»Oh, jetzt interessiert dich das auf einmal?« Ich halte seinem Blick stand.

»Ja. Jetzt bin ich interessiert.« Er spricht, als wäre dieser Sinneswandel das Natürlichste auf der Welt. Als erwartete er, dass ich mich öffne und alle meine Geheimnisse ausplaudere, nur weil … was? Weil er dreißig Sekunden lang Punkte auf mein Handgelenk tätowiert hat?

Was könnte ich ihm erzählen?

Meine Kindheit war unspektakulär. Ich wuchs in einem hübschen Haus auf, auf einem schönen Eckgrundstück, mit netten Mittelschicht-Nachbarn. Die mir mitfühlend über den Kopf strichen, als sie erfuhren, dass meine Mom an Krebs verstorben war. Das ist es im Wesentlichen.

Soll ich ihm erzählen, dass mein Leben in geregelten Bahnen verlief, bis mir, aus Gründen, die ich definitiv nicht mit ihm vertiefen werde, einleuchtete, dass ich etwas völlig anderes wollte?

Ich habe meine Ausbildung abgebrochen. Bin von zu Hause ausgezogen. Habe mit Avery Schluss gemacht.

Nein. Auf keinen Fall. Das geht ihn überhaupt nichts an.

Ich angle meine Kreditkarte aus der Brieftasche und reiche sie ihm mit einem zuckersüßen Lächeln. »Wenn dich die Antwort wirklich interessiert hätte, hättest du besser gefragt, bevor du deine unhöfliche, überhebliche Nummer vor mir abgezogen hast.«

Er legt den Kopf schief und sieht mich mit zusammengekniffenen Augen an, als wäre ich urplötzlich die faszinierendste Frau der Welt. »Ist gut. Aber ich will dich auch noch was anderes fragen, was mich viel mehr interessiert.« Er nimmt meine Karte und zieht sie durch das Gerät, dann gibt er sie mir grinsend zurück. »Wollen wir später was zusammen trinken gehen?«

Mein altes Ich würde die Augen verdrehen und wortlos den Laden verlassen. Die frühere Amy würde es darauf schieben, dass dieser Typ unhöflich war und sie sich wie Luft behandelt fühlt, aber in Wahrheit würde sie davonlaufen, weil ihr seine ganze Art Angst einjagt.

Doch wie reagiert mein neues Ich? Die Amy, die als zweiten Punkt auf ihrer aktualisierten Liste »Gönn dir einen One-Night-Stand ohne die üblichen Schuldgefühle hinterher!« notiert hat?

Sie überrascht uns beide, indem sie tief Luft holt, nickt und antwortet: »Sag mir nur, wann und wo. Das Ganze wird bestimmt wild, wenn du dabei bist.«

Kapitel 2

Leo

Fünf Wochen später

Völlig frustriert werfe ich einen Blick durch das Studio und kratze mir die Bartstoppeln an meinem Kinn. Fuck, heute ist echt wenig los! Noch ein Hinweis darauf, dass mein Talent hier in diesem Kaff Logan, Colorado, total verschwendet ist. Einwohnerzahl: nicht der Rede wert. Mit einer Tattoo-Pistole in der Hand bin ich ein Künstler. Ein Jahrhundertgenie. Berühmte Rockstars tragen meine Tattoos, ganz ohne Scheiß. Ich gehöre irgendwohin, wo die Leute auf so etwas scharf sind. Wo sie eine Begabung erkennen und zu schätzen wissen. In eine Stadt wie Los Angeles.

»Verdammte Kleinstädte«, sage ich zu Ronnie, dem Typ, den ich eingestellt habe, um den Laden zu putzen. »Und verdammte Kleingeister, die da leben. Festgefahren in ihrem miesen, rückständigen Leben.«

Ronnie hält in seiner Wischaktion inne und stützt sich auf den Schrubber. Die Jeans schlabbert um seinen nicht vorhandenen Hintern, seine dicke Wampe sprengt fast das Hemd. »Ich darf dich daran erinnern, dass ich einer von diesen Kleingeistern bin und mein mieses, rückständiges Leben genieße, besten Dank auch.«

»Für jemand wie mich ist das was ganz anderes.« Wie zur Entschuldigung winke ich in seine Richtung. »Mir fehlt hier jede Inspiration.«

»Ich habe vergessen, dass ich ein Genie vor mir habe.« Ronnie verneigt sich spöttisch, verdreht die Augen, als er seine dauernd rutschende Hose wieder über seinen platten Hintern zieht, und wischt weiter. »Natürlich ist es für jemand wie dich was anderes.«

Ach du Scheiße. Ich habe ihn beleidigt.

»Ich hab’s nicht so gemeint«, seufze ich und stoße mich vom Arbeitstisch ab. »Verdammt, seit Dads Tod ist mein oberstes Ziel, von hier wegzukommen. Und genau deshalb werde ich nach L.A. ziehen.«

Ronnie späht zu mir. »Ich bin sicher, deine Mom und deine Brüder unterstützen dich dabei gern.«

Es ist sarkastisch gemeint. Die Familie Wilde kennt hier in Logan jeder, und mit seinem Kommentar lässt er die Tatsache durchblicken, dass sie nicht viel mit mir zu tun haben wollen.

»Die liebe Familie.« Ich atme tief durch und starre auf den leeren Parkplatz vor dem Fenster. »Zum Henker, wenn sie dich nicht umgebracht hat, solltest du schleunigst verschwinden, bevor sie es tut.«

»Das solltest du auf ein T-Shirt drucken lassen, Mann.« Als er losprustet, erfüllt sein Lachen den Raum. Es war mit ein Grund, weshalb ich ihn eingestellt habe. Weil er mich bei Laune hält.

»Das Geheimnis, es dort zu schaffen, ist weniger, was du machst, sondern dass man dich kennt und weiß, was du kannst. Wenn du dir einen Namen machen willst, musst du da mitmischen, wo die großen Namen sind. Und deiner muss sich von der Menge abheben.«

»Träum weiter, Kumpel.« Ronnie ist sauer, doch das kümmert mich null.

Ich habe einen Höhenflug. Düse im Raum auf und ab. Begeistert von der Aussicht auf meine Zukunft. »In den letzten zwei Jahren habe ich mir den Arsch aufgerissen, um bekannt zu werden. Wie oft habe ich alles stehen und liegen gelassen, um einen Last-Minute-Flug nach Houston, Nashville oder Columbus zu kriegen? Wenn da irgendeine Band spielte und die von mir Tattoos haben wollten. Ich habe mich abgerackert, aber jetzt scheint es sich endlich auszuzahlen.«

»Das ist super, Wilde. Freut mich für dich. Echt jetzt.«

Von wegen. Es interessiert ihn nicht die Bohne, aber ich bezahle ihn gut, und er ist clever genug, so zu tun, als hörte er mir zu.

»Ich bin bereits mit einem Investor im Gespräch, der mir helfen will, ein geiles Studio in Los Angeles aufzuziehen. Wo die Einwohnerzahl ständig wächst. Stell dir vor, wie man mich, Leo Wilde, auf die Straßen von Kalifornien loslässt. Auf die schönen, überdrehten Mädchen mit ihren Essstörungen und ihren Daddy Issues, die sich nach einem Typ wie mir die Finger lecken werden, der ihnen dabei hilft, sich von ihren Eltern zu lösen.«

»Ich bin sicher, das wird eine deiner leichtesten Übungen.« Schmunzelnd stellt Ronnie seinen Schrubber weg. »Gibt’s sonst noch was für mich zu tun, bevor ich abhaue?«

»Nee, Mann. Mach dich vom Acker. Ich ruf dich wieder an.« Er hört mir ja sowieso nicht wirklich zu.

»Darauf kannst du deinen Arsch verwetten«, meint er trocken und nickt beim Rausgehen jemandem zu, der gerade ins Studio kommt.

Meine Brauen schießen nach oben, als ich einen Hauch ihres Parfüms wahrnehme. Es ist derselbe Duft wie der von der Kleinen, die letzten Monat unbedingt dieses alberne Tattoo gestochen haben wollte. Ich spähe zur Tür, und schau an, sie ist es. Glatte Haare, so blond, dass sie fast weiß sind, umrahmen ein schmales Gesicht. Sinnlich volle Lippen formen ein verblüfftes O, als zwei eisblaue Augen auf meine treffen. Helle Haut. Zierliche Statur. Langweilige Jeansshorts und ein T-Shirt, das ein sexy Paar Titten verhüllt. Ziemlich unspektakulär, dennoch ist sie mir ins Gedächtnis eingebrannt wie meine Tinte in ihre Haut. Unauslöschlich.

Ich bin auf alles gefasst. Es ist nicht das erste Mal, dass ich in dieser Situation bin. Ein paar Tage oder – in diesem Fall – mehrere Wochen später, nachdem ich irgendeine Zufallsbekanntschaft abgeschleppt habe, tauchen die chicas wieder auf, um sich an etwas zu klammern, das nie war. Nach den unaussprechlichen Dingen, die ich mit dieser hier im Bett gemacht habe, könnte ich wetten, dass sie es auf die eine oder andere Tour probieren wird. Entweder hat sie sich in mich verknallt und will mich davon überzeugen, dass das, was wir miteinander hatten, was Echtes war. Oder … sie macht mir hier gleich einen auf Psycho.

Wie dem auch sei, mein Tag ist gerade um einiges spannender geworden.

Sie sieht fertig aus, so als hätte sie eben noch geheult. In einer solchen Situation halte ich es für das Beste, cool zu bleiben. »Was liegt an, Honey? Hast du es dir anders überlegt mit den Auslassungspunkten?«

Das Make-up um ihre Augen ist verschmiert. Sie hat definitiv geweint.

Amy schiebt sich die weißblonden Haare hinter die Ohren. »Ist das alles, was du mir zu sagen hast?«, faucht sie.

Sie wirkt alles andere als glücklich, mich wiederzusehen, was mich umso mehr ärgert. »Sorry, was wäre denn angebracht, wenn ich zufällig ein Mädchen wieder treffe, das betrunken mit mir gefickt und danach mitten in der Nacht verschwunden ist, während ich geschlafen habe?«

»Mhm, also … dass du eigentlich wolltest, ich wäre bis zum nächsten Morgen bei dir geblieben.« Sie schüttelt den Kopf und starrt zu Boden. »Aber deswegen bin ich nicht hergekommen. Oder, ich meine … schon auch, aber nicht direkt.«

Alles daran fühlt sich falsch an. Ich hatte eine Menge Mädchen, die nach einer Wilde-Nacht wieder ankamen. Manche machen mich blöd an, weil ich nicht angerufen habe. Manche – wenn ich genug gutes Karma gesammelt habe – wollen nicht wahrhaben, dass es eine einmalige Sache war, und gehen zum Äußersten, um mich noch mal rumzukriegen. Aber das jetzt? Keine Ahnung.

Es ist …

»Ich bin schwanger.« Amy sieht mir schließlich in die Augen. »Ich bin schwanger, und zwar von dir, und ich dachte, du solltest es erfahren.«

In weniger als einer Sekunde verändert sich die Situation von Das-könnte-interessant-werden zu Tritt-auf-die-verfluchte-Bremse. Meine Haut prickelt, das Herz rutscht mir in die Hose. Ich bekomme eine Gänsehaut. Die Wände scheinen sich auf mich zuzubewegen. Ich spüre ein Engegefühl in der Rippengegend, währenddessen schießen mir Tausende Gedanken durch den Kopf.

Keine Chance. Ich benutze immer ein Kondom.

Das kann nicht stimmen.

Was ist mit L.A.?

Ich habe definitiv ein Kondom benutzt.

Wieso sollte ich ihr glauben?

Weiß ich denn, ob sie überhaupt schwanger ist?

Fuck. Ich war ein bisschen betrunken.

Okay, selbst wenn sie schwanger ist, woher weiß ich denn, dass das Kind von mir ist?

Habe ich wirklich ein Kondom benutzt?

»Hallo?« Amy wedelt mit ihrer Hand vor meinem Gesicht herum. »Hörst du mir eigentlich zu?«

Ich schlucke angestrengt und starre sie verständnislos an. Ich habe Probleme, mich zu konzentrieren. »Du bist schwanger? Wie konnte das denn …«

Sie lächelt zuckersüß, doch ihre Augen sprühen Blitze. »Du weißt schon, so wie die Biene von Blüte zu Blüte fliegt und Pollen …«

Wenn das mit ihrer Schwangerschaft stimmt, dann kann ich alles, wofür ich so schwer geschuftet habe, knicken. Puff – weg. Das verkrafte ich nicht. Der Gedanke trifft mich mit Wucht, wie ein Baseballwurf an die Schläfe.

Sie bekommt ein Baby …

von mir …

Nein.

Auf keinen Fall.

Im Prinzip habe ich mich von allem befreit, und das werde ich nicht aufgeben. Für niemanden. Auch nicht für die Familie. Weder für meine Herkunftsfamilie noch für irgendwann mal eine eigene.

»Sorry, wie heißt du noch gleich, Kleines?« Logo kenne ich ihren Namen – es wird höchste Zeit für mich, sie ordentlich zu nerven, damit sie sich verplappert und ich sie beim Lügen erwische.

Was, wenn sie die Wahrheit sagt? Was, wenn …?

Amys Kinnlade klappt auf, und in meinem Kopf spulen sich in Dauerschleife explizite Szenen unserer gemeinsamen Nacht ab. Ich dachte, ich könnte sie so leicht vergessen wie die anderen, diese eisblauen Augen sind jedoch in mein Gedächtnis eingebrannt.

»Ich fass es nicht.« Seufzend reibt sie sich die Schläfen. »Amy. Mein Name ist Amy. Und du machst dem Namen Wilde gerade keine Ehre.«

»Also, weswegen bist du hergekommen, Amy? Wieso nimmst du die lange Fahrt auf dich, von –« ich wedele mit einer Hand in Richtung Tür – »wo auch immer, bloß um diesen großen Moment deines Lebens mit mir zu teilen?«

Schweiß perlt von meinen Schläfen, und ich bete, dass sie über meine Äußerung genügend angepisst ist, um mit der Wahrheit herauszurücken. Dass, wenn ich es hartnäckig abstreite, sie früher oder später einräumen wird, es wäre einfach ein Versuch, mich reinzulegen. Alles was ich tun muss, ist, sie lange genug weichzukochen, bis es ihr zu viel wird. Wenn ich eins gelernt habe, dann das: Betrüger sind stets auf leichte Beute aus.

Sie senkt den Kopf und kaut auf ihrer Unterlippe herum. »Ich will gar nichts von dir. Ich … ich dachte bloß, du solltest es wissen. Ich meine, du hast ein Recht darauf, es zu erfahren.«

Sie verströmt eine Aura der Hoffnungslosigkeit. Wenn ich sie zeichnen müsste, wäre sie eine schmale Silhouette, schattenhaft schraffiert, dunkel umrandet. Ihr Gesicht wäre entschlossen, ihr Blick tief verzweifelt.

Ich reibe mir mit einer Hand über den Mund, als könnte ich alles ausradieren, was ich in den letzten fünf Minuten rausgelassen habe. »Tut mir leid, aber das nehme ich dir nicht ab. Wir haben einmal miteinander geschlafen – vor etwa einem Monat. Wie kommst du darauf, dass du schwanger bist? Warum sollte ich dir glauben? Und selbst wenn du es bist … und selbst wenn ich dir glaube, woher willst du wissen, dass es von mir ist?«

Wut blitzt in ihren Augen auf. »Wie ich darauf komme? Lass mich mal kurz überlegen, weil ich zufällig einen Schwangerschaftstest gemacht habe …« Sie starrt an die Decke, als wäre sie sich unschlüssig, was es noch braucht, um mich zu überzeugen. »Und woher ich weiß, dass das Kind von dir ist? Das ist noch einfacher, denn du bist überhaupt erst der zweite Mann, mit dem ich Sex hatte, und das mit Lover Nummer eins ist schon eine Ewigkeit her.«

»Keine Chance.« Kopfschüttelnd mache ich ein, zwei Schritte zurück. »Das kaufe ich dir nicht ab. Anständige Mädchen ficken nicht mit Fremden.«

»Doch, wenn sie versuchen, spontan zu sein.« Ihre Worte hängen bleischwer im Raum. »Ich wollte bestimmt nicht, dass es kompliziert wird, verstehst du. Ehrlich gesagt ist es das Letzte, was ich wollte. Und du bist der Letzte, mit dem ich das gewollt hätte.« Amys Blick bohrt sich in meinen. »Aber ich bin nun mal schwanger. Und es ist von dir.«

Plötzlich möchte ich nur noch eins: sie zeichnen. Mit all ihren Ecken und Kanten. Um ihre Stärken und Schwächen zu verstehen und aus ihr schlau zu werden, auf die einzige Weise, die ich draufhabe. Ich präge mir den Moment ein, denn wenn ich das nächste Mal Verzweiflung einfangen will, brauche ich lediglich an ihr Gesicht zu denken.

Ich drehe ihr den Rücken zu. »Besser, du gehst jetzt und knöpfst dir die anderen Typen vor, mit denen du letzten Monat rumgemacht hast.«

Damit ist das Gespräch für mich beendet.

Ich werde mich da nicht mit reinziehen lassen.

Weil das Kind nicht von mir ist.

Wortlos geht Amy zum Tresen, um etwas auf eine Visitenkarte zu kritzeln. »Hier ist meine Nummer, für den Fall, dass du sie aus deinen Kontakten gelöscht hast.«

Die Tür fällt hinter ihr ins Schloss, und ich beobachte, wie sie in ihr Auto steigt und losfährt. Sie ist längst weg, da starre ich immer noch in Gedanken versunken aus dem Fenster.

Kapitel 3

Leo

Nach einem Tag, den man bestenfalls als total beschissen bezeichnen könnte, schalte ich die Beleuchtung aus und knalle beim Rausgehen angepisst die Tür von Inked hinter mir zu. Ich überquere den Parkplatz, froh, endlich hinter das Steuer von Jezebel zu rutschen – meinen 68er Mustang Fastback, der knallrot wie ein kandierter Liebesapfel lackiert ist.

»Amy. Mein Name ist Amy.«

Ich blende das Bild von ihr aus, wie sie nackt auf meinem Bett liegt, und stecke den Schlüssel in die Zündung. Es hat mich zweieinhalb Jahre Blut, Schweiß und jede Menge Kohle gekostet, die Karre wieder in ihren gegenwärtigen Superzustand zu bringen, aber sie ist mir jeden Cent wert. Selbst nach einem blöden Tag wie heute freue ich mich auf das röhrende Aufheulen des Motors, wenn die Kiste anspringt.

»Ich bin schwanger, und zwar von dir, und ich dachte, du solltest es erfahren.«

Mit 535 PS, Sechsganggetriebe und acht Zylindern unter der Haube schafft es meine kleine Höllenmaschine, jedes Mädchen in Stimmung zu bringen – noch bevor ich den zweiten Gang einlege. Nachdem ich den Motor gestartet habe, lehne ich mich zurück, um die Rockies bei Sonnenuntergang zu genießen. Währenddessen gehe ich meine Gesprächspunkte fürs Abendessen gedanklich durch. Meine Familie hat nämlich diese dämliche rückständige Tradition, jeden Mittwoch, egal wo wir sind oder womit wir gerade beschäftigt sind, alles stehen und liegen zu lassen, um auf die Familienranch zum gemeinsamen Dinner zu brettern.

Und jeden verdammten Mittwoch breche ich Mom das Herz noch ein wenig mehr als das Mal davor, wenn ich ihr erkläre, ich käme nicht.

Ich gehöre da nicht hin.

Außerdem: Wenn meine Brüder ehrlich wären, würden sie zugeben, dass sie mich nicht dahaben wollen.

Ich bin das schwarze Schaf in unserer Familie.

Ich löse die Handbremse und schalte vom ersten in den zweiten Gang hoch, um Jezebel an den Schlaglöchern vorbei vom Parkplatz zu lenken. Diese Tradition mit dem gemeinsamen Abendessen jeden Mittwoch begann, als meine ältesten Brüder noch auf der Highschool waren. Die Idee – so beteuert unsere Mutter – ist, dass wenigstens einmal in der Woche alle gemeinsam an einem Tisch sitzen. Weil es das ist, was eine Familie tut: eine klassische Marie-Wilde-Fiktion, die für immer in mein Gedächtnis eingebrannt ist. Es ist eine Weile her, seit ich mich habe blicken lassen, aber heute ist Mittwoch, und ich werde hingehen.

Zum letzten Mal.

Ich drehe das Radio auf, um den Straßenlärm zu übertönen. Währenddessen verliere ich mich in Gedanken an die hübsche Blonde, die anscheinend scharf darauf ist, mir mein Leben zu zerstören.

»Amy. Mein Name ist Amy.«

Wie sie sich auf die Unterlippe biss und den Kopf wegdrehte, um sich den Schmerz nicht anmerken zu lassen – während der dreißig Sekunden, die ich für ihr Tattoo brauchte.

Wie geschafft sie wirkte, als sie vorhin im Studio auftauchte.

Momentaufnahmen unserer gemeinsamen Nacht flackern in meinem Kopf auf. Wie ich ihren nackten Körper betrachte und meine Hände über ihre schlanken Kurven gleiten, ihre Hüften packen und ich tiefer in sie eindringe. Sie war unwiderstehlich, als sie in mein Kissen biss, um ihr Stöhnen zu unterdrücken.

Die Skepsis in ihrem Blick, als sie die Schwangerschaftsbombe bei mir platzen ließ.

»Ehrlich gesagt ist es das Letzte, was ich wollte. Und du bist der Letzte, mit dem ich das gewollt hätte.«

Ich schätze, Letzteres ergibt Sinn. Man hat mir schon eine Menge unterstellt, aber noch nie, dass ich jemanden geschwängert hätte.

Sie wollte mich reinlegen. Hundertpro. Anders kann es gar nicht sein. Wahrscheinlich habe ich im Suff von meinem Umzug nach Los Angeles rumgetönt, und sie sah eine Chance, mich auszunehmen, bevor ich abhaue.

Oder?

Nein.

Wenn ich etwas weiß, dann, dass sie nicht dieser Typ Frau ist. Nach unserer gemeinsamen Nacht bin ich überzeugt, dass sie aufrichtig ist und das Herz auf dem rechten Fleck hat. Vermutlich ist sie eher diejenige, die sich manipulieren lässt, statt wen anders über den Tisch zu ziehen.

Ich, verantwortlich für ein Kind? Herrgott noch mal, das geht gar nicht! Wie würde das auch funktionieren?

Die aufblendenden Scheinwerfer eines entgegenkommenden Wagens reißen mich zurück in die Realität. Alter Schwede, ich habe den Großteil der Strecke hinter mir und bin nur noch wenige Meilen von der Ranch entfernt.

Scheiße.

Eigentlich war mein Plan für die Fahrt, meine Ihr-könnt-mich-alle-mal-kreuzweise!-Argumentation einzuüben. Ich wollte noch einmal alles durchgehen, Punkt für Punkt, den ganzen Mist, den ich von Chet einstecken musste, weil ich zu jung war, um mich zu verteidigen. Das soll er mir nachher mal erklären. Und zwangsläufig auch, was mit vierzehn so verkehrt an mir war, dass mein eigener Bruder mich hasste.

Warum? Weil ich die Seele eines Künstlers habe und andere Vorstellungen vom Leben hatte? Weil mich die Arbeit auf der Ranch einen Dreck interessierte? Was für ein Haufen aufgeblasener, arroganter Arschlöcher! Verdammt, ich war ein Kind, das versuchte, seinen Weg zu finden, in einer Welt, die es nicht verstand. Ja, ich habe Fehler gemacht. In Ordnung, ein, zwei Jahre lang habe ich einen Haufen Mist gebaut. Ich habe kein Problem damit, das einzuräumen.

Aber vor mir gab es bestimmt auch schon Rebellen.

Hat meine Familie die Arme ausgebreitet und mich in ihre liebevolle Umarmung geschlossen?

Nein.

Doch wenigstens zeigten sie ihre Liebe und Loyalität, indem sie mir Hilfe anboten, wenn ich welche brauchte, oder?

Nein, nie.

Gaben sie auf und schickten mich aus lauter Verzweiflung in irgendein knallhartes Bootcamp?

Natürlich nicht.

Sie taten das, was alle guten Rancher tun würden. Sie behandelten mich gefühlt wie irgendein wildes, bockiges Tier, das man brechen und gefügig machen muss.

Chet. Es war vor allem Chet. Ich konnte es ihm von den Augen ablesen; dieser Dreckskerl hatte einen Mordsspaß daran, mir seinen Willen aufzuzwingen.

Er hat es jedoch nie geschafft. Den Gefallen habe ich ihm nicht getan. Ich nehme eine Hand vom Lenkrad, um mir die Schläfe zu reiben, dann verlangsame ich den Wagen, um in die Zufahrt zu biegen.

Da ist es sicher nachvollziehbar, wenn ich ein bisschen angefressen bin, oder?

Dauernd böses Blut in der Familie, da kann man es einem Mann kaum verübeln, reinen Tisch zu machen, bevor er wegzieht. Und wenn ich einen Neuanfang will, dann bleibt mir keine Option.

Der knirschende Schotter unter den Reifen, als ich die Zufahrt hochkrieche, holt mich schlagartig in die Realität zurück. Kaum dass die Lichter des Haupthauses vor mir auftauchen, starre ich durch den Rückspiegel unschlüssig auf den Weg und bremse. Wenn ich jetzt umdrehe, bleibt mir vieles erspart. Ich brauche mich nicht mit denen anzulegen. Verdammt, wenn ich das Dinner knicke, wird nicht mal eine Entschuldigung von mir verlangt. Schon eine ganze Weile nicht mehr.

Herrgott noch mal! Ich erwische mich dabei, dass meine Gedanken schon wieder zu ihr abschweifen … und prompt vergesse ich die Hälfte von dem, was ich mir für das große Familienessen zurechtgelegt habe.

Frustriert schlage ich mit den Händen aufs Lenkrad und nehme den Fuß vom Gas. »Scheiß drauf«, sage ich mir. Nachdem ich den Schlüssel aus der Zündung gezogen habe, löse ich meinen Sicherheitsgurt und gehe meine Argumentation noch einmal durch.

Punkt eins: Ich scheiß auf euch alle.

Punkt zwei: Ich bin draußen.

Das fasst es so in etwa zusammen.

Ich steige aus dem Wagen und starre beim Näherkommen skeptisch auf das Haus. Kaum dass ich die Eingangstür aufdrücke, verkrampft sich alles in mir. Das Klappern von Besteck auf Tellern und lautes Lachen im Esszimmer lassen mich unschlüssig verharren.

Gegen die Wand im hinteren Teil des Raums gelehnt, nicke ich meiner Mutter zu, sobald sie aufblickt. »Hey.«

Sie lächelt warm und springt überrascht von ihrem Stuhl hoch, um zu mir zu laufen und mich zu umarmen. »Ich bin so froh, dass du es heute Abend doch noch einrichten konntest, mein lieber Junge.« Sie drückt mich so fest, dass ich halb ersticke.

»Freut mich auch, dich zu sehen«, schnaufe ich und tätschle ihren Rücken. »Ich kriege bloß keine Luft mehr.«

An der Sache mit der Liebe einer Mutter ist echt was dran. Ich habe neunzehn von zwanzig gemeinsamen Abendessen verpasst, und was ist ihre erste Reaktion, als sie mich sieht? Weder Verärgerung noch Vorwurf. Sondern ein warmes Lächeln, eine feste Umarmung und die Freude darüber, dass noch einer aus ihrer Familie heimgekommen ist.

Sie ist der Grund, warum dieses Band nicht schon vor langer Zeit zerrissen ist.

Was die anderen anbelangt …

Hank blickt von seinem Gespräch mit seiner Frau Molly auf und grinst mir freundlich zu. Jack nickt kurz in meine Richtung, ohne seine Unterhaltung mit Gabe und Chet zu unterbrechen.

Und mein ältester Bruder? Er labert weiter, ohne mich eines Blickes zu würdigen. Als würde ich nicht knapp zwei Meter neben ihm stehen.

Wie ich das vermisst habe! Es geht doch nichts über ein schönes Zuhause.

Seufzend sieht Mom sich im Zimmer um. »Meine Güte, selbst unser riesiger Ausziehtisch ist fast zu klein für unsere große Familie. Was, wenn Frank und Sarah aus San Diego auch noch gekommen wären?« Sie schüttelt den Kopf. »Hol dir doch schnell einen Stuhl aus dem Nebenzimmer und such dir einen Platz, in der Zwischenzeit mach ich dir einen Teller fertig, ja?«