"Dein Blut wird die Kohle tränken" - Oleksandr Mykhed - E-Book

"Dein Blut wird die Kohle tränken" E-Book

Oleksandr Mykhed

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Beschreibung

Im Jahr 2014 besetzte die russische Armee mit Unterstützung lokaler Kämpfer Teile der beiden östlichsten Regionen der Ukraine, Donezk und Luhansk. Diese galten in der Sowjetära als das pulsierende industrielle Herz der sozialistischen Utopie. Ende 2016 begab sich Olexandr Mykhed auf eine Recherchereise durch die Ostukraine. Er war auf der Suche nach Antworten auf die drängendsten Fragen derjenigen, die diese Region nie mit eigenen Augen gesehen haben. Dieses Buch lässt uns an dieser Reise teilhaben und eröffnet Einblicke in den ukrainischen Osten. Mykhed berichtet über Gespräche mit Einheimischen und Prominenten wie dem Schriftsteller Serhij Zhadan oder dem Historiker Ihor Koslowskyj, der 700 Tage in russischer Gefangenschaft verbracht hat. Wir lernen die Bergleute kennen, die belgischen und britischen Investoren, die die östlichen Städte gegründet haben, sowie den Fluch und Segen der Kohle. Das Original dieses Buches wurde in der Ukraine zu einem Bestseller und mehrfach ausgezeichnet; es stand auf der Longlist des BBC Book Award und des Nonfiction Book Award.

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Seitenzahl: 340

Veröffentlichungsjahr: 2021

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ibidem-Verlag, Stuttgart

Inhalt

INTRO

I.

Kostjantyniwka. 1.

Pokrowsk. 1.

Dobropillja. 1.

Lyssytschansk. 1.

Sjewjerodonezk. 1.

Bachmut. 1.

Von drei Springbrunnen und zweieinhalb Ausstellungen

Ihor Koslowskyj: „Die regionalen Mythen wurden angepasst wie ein Anzug, um die Ideenlosigkeit zu verdecken und mythische Parallelwelten zu erschaffen“

Kostjantyniwka. 2.

Kyjiw. 1.

II.

Kostjantyniwka. 3.

Bachmut. 2.

Alewtina Kachidse: „Hier ist die Künstlerin aus dem Donbass“ – Wenn man mich so vorstellt, würde ich am liebsten sagen: „Hallo, wie ihr seht, habe ich keine Hörner“

Pokrowsk. 2.

Dobropillja. 2.

Von chtonischen Göttern und der Heiligen Barbara

Pokrowsk. 3.

Roman Minin: „Am meisten sind die Bewohner des Donbass stolz auf ihre Fähigkeit zu überleben“

Kyjiw. 2.

Bachmut. 3.

Lyssytschansk. 2.

Über den Krieg, die Walliser und das Start-up „Wild fields“

Serhij Zhadan: „Um den Osten nicht zu verlieren, müssen wir ihn verstehen“

Lyssytschansk. 3.

Sjewjerodonezk. 2.

Kyjiw. 3.

III.

Lyssytschansk. 4.

Bachmut. 4.

Pokrowsk. 4.

Olena Stjaschkina: „Einen Gulag brauchte es nicht mehr. Er erfüllte keine Funktion mehr, denn das Lager ist in meinem Inneren errichtet worden“

Sjewjerodonezk. 3.

Pokrowsk. 5.

Kostjantyniwka. 4.

Dobropillja. 3.

Kyjiw. 4.

Wolodymyr Rafejenko: „Man muss verstehen, dass nicht die regionalen Besonderheiten schuld an diesem Krieg sind und die Ukrainer ihn nicht herbeiriefen.“

Romaniwka

Der Osten

Rückkehr

OUTRO

10.

P.S.

INTRO

0.

Im Dezember 1980 traf sich Oleksii Nikitin in Donezk mit den Reportern Kevin Klose der Washington Post sowie David Satter von der Financial Times und berichtete ihnen von der im Donbass herrschenden Willkür und dem Chaos seines eigenen Lebens. Er hatte einiges zu erzählen.1

Im Jahre 1969, Nikitin war 32 Jahre alt, versammelte er 129 Arbeiter, die ihre Unterschrift unter ein Schreiben an das Zentralkomitee der KPdSU setzten, welches die illegalen Tätigkeiten und die systematische Verletzung des Arbeitsschutzes durch die Grubenleitung des Schachtes „Butiwka“ anprangerte. Nikitin arbeitete als Bergbauingenieur und bemühte sich, eine Gruppe zu gründen, welche die Rechte der Arbeiter verteidigen sollte. Er warnte davor, dass es im Bergwerk zur Explosion kommen könnte. Im darauffolgenden Jahr wurde Nikitin entlassen und vorübergehend aus der Partei ausgeschlossen. Die Arbeiter wurden gezwungen, ihre Unterschriften unter dem gemeinsamen Brief zu widerrufen.

In Donezk gab es ungefähr 50 Kohlebergwerke, doch weil sein Name nun auf einer schwarzen Liste stand, konnte Nikitin in keinem davon neue Arbeit finden.

Zwei Jahre lang bemühte er sich um Gerechtigkeit. Er fuhr nach Moskau und versuchte in die norwegische Botschaft zu gelangen, um Dokumente und Aussagen zu seinem Fall zu übergeben. Doch der KGB fing ihn ab und schickte ihn zurück nach Donezk.

Im Dezember 1971 kam es im Bergwerk „Butiwka“ zu einer Explosion. Die Kumpel erinnerten sich an Nikitin und seine Warnungen vor dem Unglück. Es brauchte 1500 Milizionäre und Geheimdienstleute, um die aufgebrachte Menge zu stoppen, welche seinen Namen skandierend durch die Straßen zog.

Drei Wochen später wurde er verhaftet und der antisowjetischen Agitation beschuldigt.

Andersdenkende wurden gnadenlos bekämpft. Man wollte sie lehren, „die Heimat zu lieben“, wenn nötig auch durch Zwangseinweisung.

Zunächst verstand er nicht, wohin man ihn gebracht hatte. Erst durch die Worte des Pflegers wurde ihm alles klar: „Man hat entschieden, dass du nicht recht bei Verstand bist, da du es dir erlaubst, dich in die Politik einzumischen. Mach dir keine Sorgen um deine Sachen. Du bleibst hier für immer.“ Drei Jahre verbrachte er in der Dnipropetrowsker Spezialpsychiatrie. Man erzählt sich, dass hier die 30 in Zelle Nr. 1 einsitzenden Männer Experimenten mit Medikamenten und anderen Misshandlungen unterzogen wurden. Der beißende Chemikaliengeruch durchdrang die Körper der Patienten und kroch aus allen Ritzen hervor.

Die sowjetische Ordnung vermochte es meisterhaft menschliche Seelen zu verformen. Zum Beispiel, indem sie einen vormals gesunden Patienten in einen Schluck Wasser verwandelte. So wurde die Körpertemperatur künstlich auf 40 Grad angehoben, damit sich der Schmerz in Drill verwandelte und sich tief in den Körper fraß.

Dort in der Psychiatrie gab es noch andere wie ihn. Politisch Unzuverlässige, Ungebrochene. Eben jene, die das System infrage stellten.

Nikitin war begabt und arbeitete in der Klinik zunächst als Zimmermann, später dann als Steinmetz und schließlich als Pflegehelfer.

Später wurde er in die Donezker Allgemeine Psychiatrische Klinik verlegt, aus der er im März 1976 entlassen wurde.

Nikitin verstand, dass er keine Gerechtigkeit zu erwarten hatte. Ein Jahr später wurde er nahe der norwegischen Botschaft verhaftet, in welcher er um politisches Asyl bitten wollte. Schließlich gelang es ihm, aus der Donezker Klinik zu entkommen. Einige Quellen berichten, dass er sich mehr als einen Monat in den Wäldern versteckt hielt. Letztlich wurde er vom KGB verhaftet und wieder in die Klinik nach Dnipropetrowsk gebracht und später wiederum nach Donezk verlegt.

So vergingen drei weitere Jahre, bis er 1980 freikam.

Er war dem System ein Dorn im Auge und störte das Treiben der Lokalfürsten, um die sich zahlreiche Legenden rankten. Eine davon handelte von einer rauschhaften Hochzeitsfeier eines Sohnes der Parteielite auf einem Schnellboot, das unerlaubt in türkische Territorialgewässer eindrang.

Der wütende Wolodymyr Dehtjarow, Sekretär des Gebiets-Parteikomitees, dank welchem Donezk zur Stadt der Rosen wurde, sagte Nikitin unverhohlen ins Gesicht: „Wenn du deine Nase in unsere Angelegenheiten steckst, dann werde ich die Kohle mit deinem Blut tränken und deinen Körper zu Dünger zermahlen!“

1980 lud Nikitin schließlich die zwei ausländischen Journalisten nach Donezk ein, damit diese mit eigenen Augen sähen und der Welt berichteten, wie die Repressionsmaschine mit den Körpern und Seelen ihrer Bürger verfahre.

Vier Tage verbrachten die Journalisten mit Nikitin.

Eines Abends schaute er durchs Fenster und sah die wartenden Autos der KGB-Agenten, woraufhin er beiläufig bemerkte: „Sobald ihr wegfahrt, schnappen sie mich“.

Dann setzte er seinen Bericht fort.

1.

Zum ersten Mal fuhr ich im Dezember 2016 in die Ostukraine.

Es war eine besondere Zeit.Eine Zeit der Suche nach Identität, eine Zeit, in der ein Blumenkranz auf dem Kopf oder ein T-Shirt mit dem Schewtschenko-Zitat „Liebt euch, aber nicht die Moskali“ ein politisches Statement bedeutete.

Eine Zeit der absterbenden Ideologien, die in Schichten von Graffiti auf den abgeblätterten Flächen der Werbetafeln und Fabrikruinen vor sich hin rotteten.

Eine Zeit der Debatten um die Dekommunisierung, neue Städtenamen und die Angst der älteren Generation um die Erinnerung an ihre Jugend.

Die Zeit, in der die junge Generation der ihr aufgezwungenen alten Mythen und vorherbestimmten Lebenswege überdrüssig wurde.

Eine Zeit, in der Binnengeflüchtete nach einem neuen Platz im Leben, auch in kleineren Städten, suchten.

Ich hatte das Glück, Teil des Projekts „Metastadt: Ost“ zu sein, welches auf Initiative der NGO „Garage Gang“ entstanden war. Anderthalb Jahre arbeiteten wir in sechs Städten der Regionen Donezk und Luhansk: in Kostjantyniwka, Pokrowsk (ehemals Krasnoarmijsk), Dobropillja, Lyssytschansk, Sjewjerodonezk und Bachmut (dem ehemaligen Artemiwsk).

Jeder von uns hatte seine Aufgaben. Manch einer interessierte sich für Urbanismus, andere suchten nach architektonischen Lösungen, um das Leben in den Städten zu verbessern. Wieder andere beschäftigten sich mit der Kultur. Das angestrebte Ziel war die Aktivierung des kulturellen Lebens in den ausgewählten Städten, die Schaffung offener und öffentlicher Räume und eines Netzwerkes von Aktivisten mithilfe verschiedenster Workshops und einzelner, durch Crowdfunding geförderter Projekte.

Meine Arbeit bestand dabei darin, die Mythologeme der Städte zu untersuchen, sie in ihren kleinsten Teilchen zu fixieren und ihre Universalität zu entdecken. Den Körper des Kronos zertrennen, der Generation für Generation seine Kinder fraß.

Ein Mythologem fußt auf seiner Weiter- und Wiedererzählung. Es kann wiedergeboren oder aus dem Bewusstsein einer Stadt verbannt werden. Es kann aufgezwungen, entwurzelt oder injiziert werden.

Mythologeme, das können historische Persönlichkeiten sein, oder gesellschaftliche Aktivisten nach denen eine Straße und ganze Städte benannt sind. Ein Mythologem ist Geschichte, ist Ganzheit, ein Bild, das jeder Bewohner einer konkreten Stadt, unabhängig von seinem Alter, sofort versteht.

Anhand dieser Geschichten und Mythologeme sollten junge ukrainische Künstler Werke schaffen, die den städtischen Raum neu gestalteten.

Die Struktur dieses Buches spiegelt im Großen und Ganzen den Entstehungsprozess dieses Projektes. Das erste Stelldichein mit den Städten und ihren Mythen. Die Rückkehr und dieVertiefung der Recherche. Und zuletzt der Versuch das Geschehene zu beschreiben und alle Linien zusammenzuführen.

Alle sechs Städte erlebten wir zu jeder der vier Jahreszeiten. Vor unseren Augenverwandelte sich die Winterdepression des Februars in das Tauwetter des März, das Grün des Sommers in dasWelken der Blätter im Herbst, um schließlich mit ihrem Fall wieder in Depression zu verfallen. Die einzige Gemeinsamkeit unserer sich mit der Saison verändernden Eindrücke war die stets vorhandene, dünne Schichtaus Kohlestaub, die sich wie eine Decke über das Jahr legte.

 

2.

Warum habe ich mich zu dieser jahrelangen Reise durch den Osten entschieden?

Man kann in diesem Land gut leben, eine erfolgreiche Karriere machen und jedes Jahr in den Winter- und Sommerurlaub fliegen, und dabei nicht ein einziges Mal vom Norden in den Süden fahren, oder aus dem Westen in den Osten. Wir alle haben diese mentale Landkarte, gespickt mit Vorurteilen und Vorstellungen über das eigene Land. Leute aus dem Norden? Alles Malocher. Statt Kultur gibt es hier Fabriken. Oder andersherum. Faulpelze und Schmarotzer.

Doch was tun wir, um den Teil des Landes zu verstehen, in dem nun Krieg herrscht? Ein hybrider Krieg, von dem gern behauptet wird, dass er keine imperiale Okkupation, sondern die freie Willensäußerung der lokalen Bevölkerung sei. Dass es keine gezielte Manipulation, sondern nur einen dem Volke aus tiefem Herzen entspringenden Wunsch gäbe, der mit Überresten der untergegangenen sowjetischen Vergangenheit verschmilzt.

Dieses Buch ist der Versuch meiner, der ersten „postsowjetischen“, Generation, zu erklären, was dieses Erbe zu bedeuten hat und die, wie ich selbst, noch nie in dem Teil des Landes war, über den die Medien, wie es scheint, bereits alles erklärt haben. Vorurteile, Fake News und Mythen gibt es zumindest genug.

Mithilfe von Erzählungen, Geschichten und Archivfunden lässt sich zumindest Einiges erklären. Dieses Wissen zu bergen, bedeutet noch nicht, es fertig zu servieren. Doch erlaubt es die Untersuchung und Aneignung von zuvor unbekannten Teilen des eigenenLandes.

3.

Und natürlich ist da der Wunsch, Menschen zu treffen, die deinem Bild des Ostens ein Gesicht geben. Gerade ihre Geschichten sollen die mentale Landkarte prägen.

In diesem Buch erklingen die Stimmen der Bewohner des Ostens. Historiker und andere Wissenschaftler warnen davor, den Worten beliebiger Menschen zu trauen, weil diese nur die Wiederholung aufoktroyierter Gedanken und Vorurteile seien, die sich im Bewusstsein verfangen haben. Doch genau das brauchte ich: lebendige Gespräche, lebende Geschichte und angeschlagene Bewusstseinscluster.

Wir als Außenstehende befanden uns dabei in dergünstigen Ausgangslage, die Puzzleteile eines großen Bildes zusammenzufügen, nämlich das offizielle Narrativ der Regierung, die kanonischen Erzählungen der Museen sowie die Emotionen der Aktivisten vor Ort. Wobei es uns manchmal so schien, als seien wir eine Anlaufstelle für Beschwerden und Verbesserungsvorschläge.

Zunächst sind die Stimmen jener, die du triffst, in ihrer Masse anonym. Doch ist es nur eine Frage der Zeit, bis man tiefere Bekanntschaften geschlossen hat und man schließlich zum zweiten und dritten Mal in diese Städte zurückkehrt.

Über die Zeit wurden Kontakte zu Bekannten, guten Freunden und manchmal wie zu einer Familie. Mit der Zeit entdeckten wir unsere Lieblingsorte für die kleinen Mahlzeiten und sammelten sich die Rabattkarten der hiesigen Lokale. Aus den Erzählungen der anonymen Unbekannten wurden Gespräche mit Bekannten, deren Schicksal bewegt, deren Katzen man streichelt, denen man Geschenke und Grüße sendet und denen man zu den Feiertagen gratuliert.

Irgendwann entsteht der dringliche Wunsch zurückzufahren, um potenziell riskante Zitate zu glätten, welche für die Urheber oder unsere noch junge Freundschaft unangenehme Folgen haben könnten.

Ich danke allen, die mich an ihren Geschichten und Beobachtungen teilhaben ließen und entschuldige mich für die Namenlosigkeit eurer Aussagen. Ebenso bitte ich mögliche Ungenauigkeiten zu entschuldigen. Eine der Hauptfragen dieses Buches ist die grundsätzliche Unmöglichkeit einer objektiven Realität im Allgemeinen und insbesondere im Osten. Deshalb ist festzuhalten, dassnicht immer alles, was wir hörten, auch tatsächlich so gesagt wurde.

4.

In diesem Buch gibt es auch andere Stimmen.

Da sind jene, die aus den Archiven klingen.

Da sind die Stimmen von Forschenden, die diesen Stimmen bereits nachgegangen sind.

Außerdem enthält es sechs einzigartige Gespräche mit Menschen, die im Osten geboren wurden und uns durch ihre Erfahrung und die persönlich erlittenen Schmerzen seit Beginn des Krieges dabei helfen, die Grauen der Wirklichkeit zu verstehen: Serhij Zhadan, Alewtina Kachidse, Ihor Koslowskyj, Roman Minin, Wolodymyr Rafejenko, Olena Stjaschkina.

Ohne sie gäbe es dieses Buch nicht.

5.

In ihrer Dankesrede für den Nobelpreis sagte Swetlana Alexijewitsch: „Mich hat stets gequält, dass die Wahrheit nicht in ein einziges Herz, in einen einzigen Verstand passt. Dass sie zersplittert ist, vielfältig, unterschiedlich, in der Welt zerstreut. […] Was tue ich? Ich sammle den Alltag von Gefühlen, Gedanken, Worten. Ich sammle das Leben meiner Zeit. Mich interessiert die Geschichte der Seele. Das Leben der Seele. Das, was die große Geschichtsschreibung gewöhnlich auslässt, was sie hochmütig übersieht. Ich beschäftige mich mit der ausgelassenen Geschichte.“2

Die Vielstimmigkeit ihrer umfassenden Untersuchung des Sowjetischen ist mir Vorbild und Orientierung zugleich.

Für einige Meinungen und Gedanken meiner anonymen Gesprächspartner entschuldige ich mich im Voraus und merke wie für gewöhnlich an: „Die geäußerten Ansichten und Meinungen müssen nicht mit denen der Redaktion übereinstimmen.“

Nirgendwo sonst als hier im Osten sind mir so radikal verschiedene Erinnerungen an ein- und dasselbe Ereignis begegnet, je nach politischer Einstellung oder der Befangenheit durch bestimmte Weltanschauungen.

6.

In diesem Buch geht es nur am Rande um den Krieg. Und doch schwingt er in fast jeder Zeile mit, ob in Bemerkungen über schlechte Straßen, oder in Erzählungen über durch ihn zerstörte Leben.

In diesem Buch geht es um Gewalt und den Wahnsinn des Alltags. Gewalt, welche die Welt erfüllt und Dinge, die aus abstrakten, fremden Besatzern und ausländischen Todesschwadronen, Menschen werden lassen.

Es geht um Abgründe, Brutalität, Zerstörung und die Unterdrückung von Menschen durch einen fremden Staat.

Genauso wie durch den eigenen Staat.

Darum, was Ukrainer Ukrainern,

was Menschen einander antun.

7.

Und diese Geschichte beginnt so:

1 Siehe dazu: Klose, Kevin. Russia and the Russians: Inside the Closed Society. New York, 1984; Satter, David. Age of Delirium: The Decline and Fall of the Soviet Union. New Haven, 2001.

2 Nobelvorlesung von Swetlana Alexijewitsch. 7. Dezember 2015.

I.

KOSTJANTYNIWKA. 1.

Alles beginnt mit den Taxifahrern, jener Meute hungriger Raubvögel, bereit sich auf ihr Opfer zu stürzen, um es an jeden gewünschten Punkt zu bringen. Die Rufe „Donezk!“ oder„Tores!“ und andere Ortsnamen sind aus den Nachrichten bekannt. Man erwartet jeden Moment, dass jemand „Casablanca!“ ruft – jener Ort, von welchem aus, man sich während des Zweiten Weltkriegs in Sicherheit bringen konnte.

Was ist das für ein Gebäude?

Der Kindergarten.

Ist der erst nach dem Krieg so verfallen?

Nein. Schon lange davor. Die Verwaltung hier…einfach zum Kotzen.

Eine kaputte Bushaltestelle, auf die jemand geschrieben hat: „Juschtschenko, zerschlag deinen Kopf an dieser Wand“.

Ein Lampengeschäft: „Alles für die Birne“.

Ein rätselhaftes Haus mit kleinem Turm. Auf der einen Tür, die offensteht, prangt die Aufschrift: „Bestattungshaus ‚Requiem‘. Aufbahrungsraum“. Auf der anderen (wie immer geschlossen und kaum zu öffnen) heißt es: „Paradies“.

Von den Mauern blättert der Putz, die Fenster sind zerbrochen. Auf ihr kleben frische Wahlplakate mit dem Bild eines Kandidaten.

„Wenn ich von meiner Stadt spreche, erinnert sie mich an den Kern eines Uranatoms. Konzentriert im Zentrum, mit Läden, Cafés, Parks, aber leer am Rand, einfach leer.“

„Die Jugend hier vergnügt sich, indem sie durch die Ruinen streift. Alles verlassene Fabriken und verfallene Häuser.“

„Die jungen Erwachsenen erwarten, dass alles für sie gemacht wird. Nur wenn ihnen das Nest gemacht wird, kommen sie und setzen sich hinein.“

„Zu Sowjetzeiten gab es hier knapp zwanzig Fabriken, dafür jedoch keine Vögel. Sie konnten hier nicht überleben. Die Frauen kannten keinen Luxus. Heute gibt es nur noch zwei Fabriken. Wenn mir hier jemand mit Umweltproblemen kommt, sage ich, dass er lieber dem Gesang der Vögel lauschen soll.“

„Ich liebe den Eklektizismus unserer Stadt, die Reste einer Industrielandschaft. Hier kann man die Zeitenwende, den Wandel der Epochen erleben.“

„In Wirklichkeit gibt es hier unglaublich viele Möglichkeiten. Egal was du tust — du bist der erste.“

„Das Leben verläuft hier unspektakulär — Tag für Tag. Ruhig und leise. Einmal mit dem Auge zwinkern und schon sind zehn Jahre vorbei. Merkt euch das! Zehn Jahre fühlen sich an wie ein Tag. Wenn du nach Kyjiw kommst, ziehen sich die Tage. Dort dauert jeder Tag zehn Jahre.“

„Es ist einfach, San Francisco zu lieben. Doch versuche einmal Kostjantyniwka zu mögen. Ich liebe diese Stadt gerade deshalb, weil es so schwer ist, sie zu lieben. Jeden Tag suche ich nach etwas, wofür man sie lieben könnte.“

„Diese Stadt muss man für seine Menschen lieben. Sie ist eine echte Kaderschmiede.“

„Einst nannte man uns Steklograd.1 Wir waren Hauptstadt der sowjetischen Glasproduktion. In unserem Werk ‚Awtosklo‘ wurde das Rubinglas für die Sterne auf den Kremltürmen gegossen. Ebenso wie Glas für U-Boote und Raumschiffe. Auch Lenins gläserner Sarkophag wurde hier hergestellt. Hier hat man die Spitzen für Raketen gefertigt, mit denen man nun auf uns schießt. So gesehen haben wir hier die Waffen gebaut, mit denen wir nun selbst getötet werden.“

„Hier wurde auch Tannenbaumschmuck hergestellt. Zuhause haben wir viel davon. Alles in der gleichen Form.“

„Hier wurde ein Glasbrunnen gebaut, den ihr auf unserem Wappen sehen könnt. Er wurde auf der Weltausstellung 1939 in New York präsentiert.“

„Auf dem Gagarin-Prospekt haben wir einige Mosaiken. Als einmal die besten Ikonenmaler aus Charkiw kamen, zeigten wir ihnen unsere Weltraummosaiken. Sie haben uns alles erklärt. Sie meinten, dort wäre ein Kosak abgebildet, aus dessen Zopf das Weltall entspringe.“

„Aktivisten haben hier unser Wappen gemalt. Doch es wurde jede Nacht beschmiert und mit Farbe übergossen. Doch die Aktivisten haben es stets erneuert. Jetzt ist es schon seit Längerem beschmiert und die Aktivisten warten ab.“

„Dort beim Denkmal und dem Kino „Lenin“ war alles mit Penissen bemalt. Also hat man den Kindern Farbe gegeben, damit sie alles bunt übermalen.“

„Hier herrscht ein ewiger Graffitikrieg zwischen pro-ukrainischen und pro-russischen Sprayern. Neulich sah ich den Schriftzug ‚Ruhm der DNR‘2, mit einem durchgestrichenen D und dafür ein U: ‚Ruhm der UNR‘3.“

„Mir tun die Brautpaare leid, die in dieser Stadt heiraten. Sie müssen sich in diesem schrecklichen Standesamt das Ja-Wort geben und treten danach hinaus in diese hässliche Landschaft. Vor welchem Hintergrund soll man sich denn bitte hier fotografieren lassen? Vor einer verfallenen Fabrik? Da müssen sie schon nach Druschkiwka fahren, um wenigstens ein paar schöne Fotos zu bekommen.“

„Den Leuten hier fehlt das Gefühl für ihr Land. Früherfühlte man sich seiner Fabrik verbunden. Es gab die fabrikeigenen Schulen und Läden. Sogar ein eigener Friedhof. Ein ganzer Lebenszyklus.“

Eine riesige Schlammpiste hier. Straße kann man so etwas nicht nennen. Und du weißt nicht einmal wer schuld daran ist: die Kettenpanzer oder die Regierung? Oder ist es einfach die Zeit?

In Kostjantyniwka steht ein ausgemusterter IS-3 Panzer aus dem Jahr 1945 als Denkmal auf einem Sockel. Als Simulacrum soll es die Erinnerung an den Mythos erhalten.

Im Dorf Oleksandro-Kalynowe gelang es 2014 den Separatisten übrigens bei einem ähnlichen Modell den Motor zu starten und ihn vom Sockel zu fahren. Einige Zeit nutzten sie ihn sogar bei Kämpfen.

Es fällt schwer, sich ein passenderes Bild auszudenken, um zu erklären, was damals geschah.

„Unsere Stadt wurde im Stil des destruktiven Konstruktivismus erbaut.“

„Hier steht ein Denkmal für dreizehn Hingerichtete. Als die Soldaten Denikins4 mit ihren St. Georgs-Bändchen in die Stadt kamen, erschossen sie jeden zehnten Einwohner. Seitdem haben wir noch eine Rechnung mit diesen Bändchen offen.“

„Einst nannte man uns die zehnte Provinz Belgiens. Die Belgier bauten hier Fabriken und begannen mit der Produktion. Sie haben die ganze Infrastruktur geschaffen und gründeten in den Jahren 1895 bis 1899 eine Flaschen-, eine Spiegel- und eine Glasfabrik.“

Der lokale Aktivist und Journalist Wolodymyr Beresin, dessen Stimme in den angeführten Zitaten bereits zu Wort kam sagt: „Kommt, ich zeige euch den Ort, an dem ich für gewöhnlich meine Stadtführungen beende. Hier um die Ecke wohne ich und wie alle Bewohner dieses Viertels komme ich tagtäglich an dieser Stelle vorbei. Wir alle müssen durch diesen Durchgang, um hinaus in die Welt zu gelangen. Jeden Morgen werden wir doch neu geboren. Hier sollte eigentlich „Du bist schön“ oder „Das wird dein Tag“ stehen. Doch schaut mal, was hier geschrieben steht. Erst wollte ich es übermalen, doch dann dachte ich: soll es doch so bleiben und uns jeden Tag, jeden Morgen, erinnern.“

Ich schaue ins Dämmerlicht. Auf der Wand steht in gelber Farbe und als Nachricht für alle kommenden Generationen die ewige Einstellung des Staates gegenüber seinen Bürgern: „Fick dich!“

Als die Einheimischen denken, dass sie nun unter sich und keine Touristen mehr da sind, schwenkt das Gespräch auf die Hunde. Die Meute hungriger Tiere attackiert hier Kinder und schnappt den Erwachsenen nach den Armen.

Kostjantyniwka spart. Besonders beim Wasser. Als ich die Bibliothekarin nach der Toilette fragte, führte sie mich in eine wundersame, geheime Ecke und bat mich: „Bitte nur klein. Sparen sie Wasser.“

Die Einheimischen haben eine besondere Technik entwickelt, an den Häusern entlang zu gehen, von denen ständig Teile der Fassade abfallen können. Ein Leben mit den Gefahren des Alltags, ständiger Aggression und Bedrohung durch die Umwelt. An den Fassaden der Häuser hängen kaputte Fliesen, die aussehen wie Kokosraspeln. Die Leute hier wissen, dass man unterhalb der Rohrleitungen gehen muss, um stets etwas Schützendes über dem Kopf zu haben. Sicherheit ist das Wichtigste, die Ruhe kommt danach.

Mit einem Abenteuerroman über die Eroberung des Donbass durch die Belgier und andere Kolonisten könnte man als Autor einen echten Erfolg landen. Etwa mit einer Geschichte über furchtlose Abenteurer mit funkelnden Goldmünzen in den Augen, die im Rausch des schwarzen Goldes unter der Steppenerde auf Berggeister treffen.

Ich sehe die Stadt aus Glas vor mir: zerbrechlich wie der Frieden. Ideale Form. Ein utopischer Traum. Transparent und offen. Ein Wunderland. Eine Wolkenstadt, errichtet im Reich des Kommunismus. Hier entzünden sich die Sterne, welche noch in tausenden von Jahren leuchten sollen. Die Sterne als Herzen und Augen des Imperiums.

Doch dann bekommt die Kuppel der Glasstadt einen Riss. Und die scharfen Scherben des Imperiums begraben die Stadt und zerschneiden sie in Stücke.

1 Anm. d. Übers.: Glasstadt

2 Anm. d. Übers.: Donezker Volksrepublik (ukr.: Donezka Narodna Respublika).

3 Anm. d. Übers.: Ukrainische Volksrepublik (ukr.: Ukraijinska Narodna Respublika). Versuch einer unabhängigen ukrainischen Staatsgründung nach dem Ersten Weltkrieg.

4 Anm. d. Übers.: General Denikin (1872–1948) kämpfte im russischen Bürgerkrieg auf Seiten der Weißen.

POKROWSK. 1.

Die Marschrutkas im Osten beschrieb einst der Regisseur Oleksandr Ratij in seinem Film „Rückkehr“, einem der erniedrigendsten Dokumentarfilme über die Ostukraine vor dem Krieg. Wer hätte gedacht, dass bereits die erste Fahrt über Land einem all dies vor Augen führt.

Jede soziale Interaktion, wie die Fahrt in einer Marschrutka, wird zu einem Akt der Selbstbehauptung. Das Gespräch zwischen Fahrgast und Fahrer ist jedoch mehr als nur die Kommunikation zwischen Beförderer und einem müden Körper, den es zu transportieren gilt. Es ist ein Kampf zwischen Alpha-Tieren. Ein betont ausgesprochenes „Sehr geehrte/r“ dient als Waffe, welche die nachfolgenden verbalen Kampfhandlungen einleitet. In der Regel endet dieser Zweikampf mit einem Kompromiss. Der Fahrer zwingt den Passagier für sein Gepäck extra zu bezahlen, wofür dieser es nicht in das Gepäckabteil legen muss. So hat am Ende zumindest niemand verloren. Alle sind an ihrem Platz. Alles ist an seinem Ort.

Hinter dem Rücken des Fahrers hängt verschmutzt und zerknittert eine belgische Flagge. Brüssel steht hinter uns, genau wie Europa. Sind wir noch immer Kolonie, oder vielmehr eine Provinz?

Am Ortseingang nach Pokrowsk steht ein riesiges schwarzes Kreuz mit der Aufschrift „Schütze und Rette.“ Später erzählen mir Bewohner, dass bei einem Autounfall an dieser Stelle ein sehr reicher Mensch ums Leben kam.

Man erzählt mir auch, dass an einem anderen Ortseingangsschild lange Zeit „Willkommen in der Hölle“ geschmiert stand.

Wir passieren die Gemütlichkeits-, die Friedens- und die Malewitsch-Straße. Doch erst am Abend trauen wir uns, auf die Straße der Wiedergeburt zu treten, die sich in tiefster Dunkelheit verliert.

Der Taxifahrer atmet erleichtert aus. „Diese zwei Kreuzungen sind wirklich gefährlich. Niemand lässt dich durch. Neulich gab es hier an einem Tag drei Unfälle.“

Ich muss wieder an das „Sehr geehrte/r“ und den beidseitigen Kampf um Selbstbehauptung denken.

Die Läden hier heißen „Benelux“, „Versailles“ oder „Regenschauer.“

„Sieben Jahre habe ich in Donezk gelebt, nun bin ich seit zwei Jahren wieder hier. Wir selbst nennen uns Umsiedler, dabei sind wir Rückkehrer.“

„Früher hieß die Stadt Krasnoarmijsk, nun Pokrowsk. Dabei sind die beiden nicht zu vergleichen. Pokrowsk ist eine neue Stadt mit neuen Leuten, einer neuen Mentalität und einer neuen Verwaltung. Bislang herrscht noch Chaos. Was daraus entstehen wird, ist bislang noch nicht klar. Der Mentalität nach, sind wir ähnlich wie Kramatorsk, haben eine starke Zivilgesellschaft, die Einfluss auf die Verwaltung nimmt. In Fragen der Kultur und sozialer Projekte sind wir eher wie Slowjansk.“

„Es gibt hier einen beliebten Scherz: Manche sind in Krasnoarmijsk geblieben, andere nach Pokrowsk gezogen.“

„Die Vororte von Pokrowsk sind das sowjetische Krasnoarmijsk.“

„Die Dekommunisierung1 beschäftigt die Stadt. Das Dorf ist zur Stadt geworden. Dabei schaut man hier mit Hass auf die Zukunft. Viele sehen keinen Sinn in der Umbenennung. Hiervon wird das Leben auch nicht besser.“

Wir erleben eine Stadt im Übergang. Ein Teil der Schilder und Aufschriften ist noch unverändert. Oder sind sie bewusst so belassen worden? Es beschleicht einen das Gefühl in zwei Städten gleichzeitig zu sein.

„Sloboda Hryschyne, Postyschewo, Krasnoarmijsk, Krasik und Pokrowsk ist alles ein- und dasselbe. Für patriotisch eingestellte Bewohner ist es natürlich Pokrowsk. Das ‚П‘2 kann man doch so gut mit beiden Daumen und Zeigefingern zeigen.“

„Was man auch sagen muss ist, dass Postyschewo nicht lange so hieß, nur einige Jahre. Genau so lang nämlich, bis Postyschew den Repressionen zum Opfer fiel.“

Später stoßen wir im Heimatkundemuseum auf eine Landkarte von 1935. Auf ihr sind die Namen „Postyschewo“ und „Donezker Oblast“ durchgestrichen. Per Hand wurde dafür „Stalinska Oblast hinzugefügt.“

„Der aktive Teil der Binnengeflüchteten und Aktivisten, die früher in Donezk lebten, wollen in diesen Ort der Peripherie etwas Großstadt-Glanz bringen. Zu Sowjetzeiten war es so, dass die ganze Kultur in Donezk war. Die ganze Umgebung war Industrie. Nun fehlt ihnen hier die Kultur.“

„Wir sind eine Bergarbeiterstadt. Der Geist der Bergarbeit ist ein männlicher, auch bei den Frauen. Den Kumpel fehlt die Zeit, um mit der Familie zu reden. Die Eltern sind für ihre Kinder ein Vorbild und Beispiel an Tapferkeit. Öffentlich zeigt ein Kumpel keine Emotionen. Doch wenn er nach der Schicht zurückkommt und die Kinder umarmt, kommt es vor, dass er weint. Das Wichtigste für einen Bergarbeiter ist seine Familie zu schützen.“

„Es gibt Bergmänner und Bergfrauen.“

„Es gibt ganze Bergarbeiterdynastien. Wobei jedoch nie jemand möchte, dass seine Kinder auch Bergarbeiter werden.“

„In die Stollen fährt doch nur, wer sich nicht entwickeln will. Meine Freunde haben es ausprobiert, im Bergwerk zu arbeiten. Nach einem halben Jahr haben sie gekündigt, weil sie genug Selbstachtung hatten. Bergarbeiter sind ein Leidensvölkchen. Doch es ist nicht richtig, jedes Leid zu ertragen. Dieses Land hat schon viel zu viel Leid ertragen.“

„In die Kohlegrube flieht man vor der Ausweglosigkeit. Vor der Unmöglichkeit sich selbst realisieren zu können.“

„In der Stadt kann man beobachten, wann es im Bergwerk Lohn gibt. Lange Schlangen vor den Geldautomaten. Schlangen in den Läden. Die Kumpel kaufen ihren Frauen und Kindern etwas Neues.“

„Manche Bergarbeiter verdienen bis zu 30 000 Hrywnja3 im Monat. Die meisten aber nur 7000 bis 10 000. Die Kumpel sind es nicht gewohnt zu sparen.“

„Die Bergarbeiter arbeiten in Gruppen von fünf oder sechs Leuten. Alles funktioniert durch Vertrauen. Jeder steht für jeden ein. Doch es gibt auch Fälle, bei denen eine Gruppe gegen die andere vorgeht und man sich gegenseitig Wasser oder Werkzeug klaut.“

In Pokrowsk lebte einst für einige Monate der Komponist Mykola Leontowytsch4. Seither wird der Mythos gepflegt, dass er die weltbekannte Melodie des Schtschedryk eben hier komponierte.

Eine Gedenktafel am Bahnhof erwähnt, dass der Komponist vier Jahre als Gesangslehrer in Hryschyne arbeitete. Im August 2017 entschied sich der Stadtrat für die Schwalbe des Schtschedryk als ein Element des neuen Stadtwappens. Die Frage wurde in mehreren Sitzungen diskutiert. Ein lokaler Fernsehsender startete eine Online-Abstimmung und es gab zahlreiche öffentliche Diskussionen und Debatten.

Verweilen wir etwas bei dieser Geschichte.

Zur Abstimmung standen zwei Varianten des Wappens. Das mit der Schwalbe stellte der Vize-Bürgermeister Juriy Tretjak vor, gleichzeitig Vorsitzender der Auswahlkommission. Den Journalisten sagte er: „Einen konkreten Schöpfer dieser ersten Variante können wir nicht nennen, weil es eine Kollektivarbeit ist. Wir hatten mehr als 30 verschiedene Vorschläge des Wappens, sodass wir einige Elemente ausgesucht haben und sie neu zusammengefügt haben. Technisch umgesetzt wurde dies durch eine Designerin der Werbeagentur ‚Art Butterfly‘.“ Die Mitglieder der Kommission hatten hinsichtlich einiger Elemente ihre Zweifel und schlugen verschiedene Änderungen zum Flug des Vogels, den Turmspitzen des Bahnhofs oder der Größe des Säbels vor.

Bei dem Treffen mit Journalisten wurde die Bedeutung der Symbolik des Wappens erklärt. Die bereits erwähnte Schwalbe aus dem Schtschedryk steht für gute Neuigkeiten, Glück, Hoffnung sowie Wiederauferstehung. Der Bahnhof ist das Symbol für die Stadtgründung. Der Säbel symbolisiert das Erbe der Kosaken und die „Bereitschaft sich zu verteidigen, nicht aber anzugreifen.“

Eine alternative Version des Wappens präsentierte der Stadtverordnete Wolodymyr Marin.

Die Idee hierzu sei ihm nach der Diskussion gekommen, da er an der Sinnhaftigkeit der Schwalbe auf dem Wappen gezweifelt habe. Er und andere Verordnete wollten wissen, „welche Beziehung die Schwalbe denn zu unserer Stadt und ihrem Namen habe. Zunächst einmal ist sie ein Zugvogel, welcher später als alle anderen Vögel dieser Art herfliege und bereits als erste wieder den Rückweg antrete. Außerdem kämen Schwalben ausschließlich in Dörfern vor.“ Er betonte, dass die Variante die philosophischen Gesetze des Lebens über die Ganzheit der Form und des Inhalts außer Acht lasse. „Mein Vorschlag zeigt die Jungfrau Maria, welche die Stadt vor Unglück und Krieg beschützt und dabei ebenso die Weiblichkeit verkörpert, die das Leben schenkt und den Familienfrieden bewahrt.“ Am Schwierigsten stellte sich die Aufgabe heraus, einen Designer zu finden, der all diese Vorschläge umzusetzen vermochte. Das kostete Zeit, sodass der Vorschlag schließlich unter Zeitdruck gemalt wurde. Wolodymyr erklärte, dass er noch keinen Namen nennen könne. Allerdings habe ihm eine Zehntklässlerin dabei geholfen, eine neue Variante des Wappens zu schaffen. Jedoch sei es wegen fehlender Computerkenntnisse und Fähigkeiten in Sachen Grafikbearbeitung und des zu knappen Zeitfensters nicht möglich gewesen, den Vorschlag so zu präsentieren, wie man es sich vorgenommen hatte.

Zahlreiche aufgebrachte anonyme Kommentare auf verschiedenen Plattformen wiederholten sich in ihrer Kritik an der Schwalbe. Laut ihnen solle die Schwalbe doch nur die kriminellen Machenschaften in den Bergwerken verdecken und den Ruhm der Stadt vergessen machen. Pokrowsk sei ja ohnehin nicht der richtige Stadtname, weshalb es kein neues Wappen brauche. „Gebt uns Krasnoarmijsk zurück, dann könnt ihr über ein neues Wappen nachdenken. Pokrowsk ist nicht unsere Stadt, das Wappen nicht von hier und die Schwalbe gibt’s doch sowieso nur auf dem Dorf.“

Die vorige Version des Stadtwappens von Krasnoarmijsk hielt sich tatsächlich nicht besonders lang. Am 29. September 1993 wurde es auf einer Sitzung des Stadtrats bestätigt. Das stilvolle Wappen sieht heute nach dem Versuch aus, eine ganze Epoche wie in einem Bernstein zu konservieren. Auf einem roten Schild ist ein Gebäude mit drei Türmen und Fenstern in goldener Kontur gezeichnet. Der mittlere Turm trägt einen roten Stern mit goldenem Rand. Darunter sind ein Schlüssel und ein Abbauhammer gekreuzt. Außerdem ist hier das Gründungsjahr der Stadt, 1875, vermerkt. Ein Detail, das viele Einwohner auf dem neuen Entwurf vermisst hatten.

Es ist, wie das Leben in der Ukraine eben ist. Große Wahlmöglichkeiten hast du nicht. Du musst dich entscheiden zwischen einer Kollektivarbeit von Wappennarren, vertreten durch die „Art Butterfly“-Agentur, und der alternativen Variante eines Stadtverordneten, dessen Idee von einer anonymen Zehntklässlerin gemalt wurde.

So spannt die Gottesmutter ihren Schutzschirm über die Bewohner.

Und Leontowitschs Schwalbe nistet in den Dörfern.

„Heute gibt es immer weniger Menschen mit Bergarbeitererfahrung. Die jungen wollen einfach nur etwas Stabiles. Mehr interessiert sie nicht.“

„Hier gab es immer Konkurrenz zwischen den Bergwerken und der Stadtverwaltung. Es gab stets zwei Tannenbäume zu Neujahr und zwei Konzerte zum Tag des Bergarbeiters.“

„Wenn ein innovatives Projekt nicht unterstützt wird, bedeutet dies meist, dass es noch keinen Plan gibt, wie man hieraus Geld abzweigen kann.“

„Hier ist es leichter, eine Waffe zu kaufen als die ukrainische Verfassung. Wir haben es ausprobiert.“

„Es gibt drei Typen von Binnengeflüchteten. Die einen, die von Sozialleistungen leben. Dann jene, die sich kriminell betätigen. Und dann noch einen gesellschaftlich aktiven Teil. Der macht aber nur circa fünf Prozent aus.“

„Hier gibt es nur eine Art des Tourismus: den Rententourismus. Mehr als 50 000 Binnengeflüchtete sind hier registriert. Faktisch leben aber nur 15 000 hier. Doch am Tag der Rentenauszahlung kommen sie in ganzen Busladungen her. Dann gibt es Schlangen vor den Geldautomaten und den Läden. Es gibt auch jene, die auf beiden Seiten der Frontlinie eine Rente beziehen.“

„Hier gibt keine Bergarbeiterdynastien, eher eine Bergarbeiterkaste. Ein Vater überträgt den Kindern seinen Arbeitsplatz. Für einen Job unter Tage wird sogar Bestechungsgeld verlangt, selbst wenn dort die Lohnrückstände teils ein halbes Jahr zurückreichen.“

Krasnoarmijsk hätte Leontowitsch heißen können, Sloboschanskij, Prokofjew, Myrnyj oder Wilnyj. Doch schließlich wurde es Pokrowsk. Es war wohl ein Versuch das Erbe der Kosaken und die Pokrowa zu betonen, die Gottesmutter als Schutzheilige.

In Pokrowsk lebte einst Marko Mykytowitsch Salisnjak (1893–1982). Fast ein Jahrhundert lang lebte der Mann in der Siedlung Romaniwka und dokumentierte ihre Geschichte mit seinen Amateuraufnahmen. Die Ausstellung im Heimatkundemuseum basiert insbesondere auf seinen Aufnahmen. Der erste Weltkrieg, der Holodomor5, dann der Zweite Weltkrieg und schließlich der Wiederaufbau der Sowjetunion. Außerdem hinterließ er einige Hefte mit ausführlichen Tagebucheinträgen. Ein packendes Thema wie mir scheint, auf das wir unbedingt noch zurückkommen.

„Der Geist der Bergarbeit das ist Gemeinschaft, die durch harte und schwere Arbeit gestählt wurde. Sie verbindet den Donbass. Wenn es einen Kosaken-Geist gibt, dann gibt es auch einen Geist der Bergleute.“

„Das Bergwerk ist ein Ort natürlicher Selektion. Doch hier achtet man den Beruf des Bergarbeiters. Dafür erfährt er von der Regierung und den anderen Regionen nichts als Geringschätzung.“

 

1 Anm. d. Übers.: Die Dekommunisierungsgesetze vom 9. April 2015 zogen eine Umbenennung zahlreicher Straßen- und Städtenamen sowie die Demontage kommunistischer Denkmäler nach sich.

2 Anm. d. Übers.: Entspricht phonetisch dem lateinischer Buchstabe „P“.

3 Anm. d. Übers.: Knapp 1000 Euro (Stand 2017).

4 Anm. d. Übers.: Mykola Leontowytsch (1877–1921) Komponist. Sein Motiv des Schtschedryk wurde 1936 von Peter J. Wilhousky auf Englisch unter dem Titel Carol of the Bells adaptiert und weltbekannt.

5 Anm. d. Übers.: In den Jahren 1932–33 erzeugte und durch die kommunistische Führung verschärfte Hungersnot, der nach verschiedenen Schätzung circa 2,5 Millionen Menschen zum Opfer fielen.

DOBROPILLJA. 1.

Auf einem Plakat am Eingang zum Bergbaumuseum steht:

Ruhm dem Bergarbeiterstamm

Ruhm der Bergarbeit

Doch das Bergwerk behält seine Geheimnisse für sich. Ins Museum lässt man uns nicht ein.

„Eine Besonderheit unserer Stadt ist, dass überall mit Kohle geheizt wird. Wenn hier Schnee fällt, ist er fast schwarz. Gut ist, wenn der Ostwind weht, denn der trägt den Staub aus der Stadt. Wenn dann der Westwind kommt, pustet er ihn wieder zurück. Wie immer nur Probleme mit dem Westen.“

Die Hauptstraße der Stadt heißt Teatralna. Von ihr geht die Festywalna ab. Doch wie man erzählt, gab es hier weder je ein Theater noch Festivals.

„Heute ist die Bergarbeit hier Sklavenarbeit. Die Arbeitsbedingungen sind härter geworden. Es wäre für die Bergarbeiter praktisch unmöglich, eine andere Arbeit zu finden, wenn die Bergwerke schlössen.“

„Der Tag des Bergarbeiters bleibt unser wichtigster Feiertag.“

Die Todeszahlen übersteigen die Kapazitäten des offiziellen Gedenkens und die Möglichkeiten des Erinnerns. „So viele Menschen sind gestorben. In der Kapelle gibt es auf den Gedenktafeln keinen Platz mehr.“

„Die Älteren erinnerten sich oft noch an die vorrevolutionären Straßennamen. Heute erinnern wir uns an die Straßennamen vor der Dekommunisierung und dem Krieg.“

„In Dobropillja gibt es nichts. Alles Interessante liegt außerhalb der Stadt.“

Jeder, mit dem wir sprechen, erwähnt den wunderschönen Park mit den Karussells und anderen Attraktionen. In einem Moment beschleicht mich das Gefühl, dass es hier weniger um schöne Kindheitserinnerungen an den Park geht, als vielmehr um die Vertreibung aus dem Paradies, dem Fantasiegarten der Mutter Erde, welcher sich seiner elenden Kinder entsagt hat.

Dieselbe Geschichte über das vergangene goldene Zeitalter klingt in nahezu jedem Gespräch über jede Stadt im Donbass.

„Früher gab es hier alles. Nun möchte man das alles zurück. Nun ist es eine Stadt der Möglichkeiten, weil es hier nichts gibt.“

„Die Geschichten über den Geist der Bergarbeiter und die Arbeit haben hier alle satt, die selbst nicht im Bergwerk gearbeitet haben.“

„Diejenigen, die unter Tage fahren, müssen diese besondere Bergarbeiterkultur annehmen.“

„Man nennt die Kohle nicht umsonst schwarzes Gold. In ihr steckt so viel Arbeit. An ihr klebt das Blut der Kumpel.“

„Glauben die Bergarbeiter an etwas? Wenn ja, dann wohl nur an den Berggeist Schubin.“

Noch etwas, das es zu erforschen gilt.

„Versucht gar nicht erst, hier etwas Besonderes zu finden. Wir sind so wie alle anderen Bergarbeiterstädte auch.“

„Der Bergarbeiter entwickelt einen besonders scharfen Selbsterhaltungsinstinkt. Er kann die Gefahr innerlich spüren. Dabei halten wir uns oft selbst nicht an die Regeln. Wir strecken unsere Fühler aus, um die Gefahr zu wittern. Doch vergiss die Gefahr. Das Wichtigste ist die Erfüllung der Norm.“

„Es gibt einen Vorsatz: Fange vor dem Schichtende nichts Neues mehr an. Denn beginnst du zwanzig Minuten vor Schluss etwas Neues, dann fängst du an zu hetzen und denkst nur noch daran, wie du den Bus schaffst. Besser ist es, nichts mehr zu beginnen, denn irgendwas ist immer.“

„,Peremjot’ ist ein Schneesturm, der Schneewehen auf die Felder und Straßen treibt. Letzte Woche haben hunderte Autos fast einen ganzen Tag in den Schneemassen zwischen Dobropillja und Kramatorsk festgesteckt.“

„Vom Krieg profitieren hier alle. Früher sind wir für 35 Hrywnja nach Donezk gefahren, heute kostet es 450.“

„Im Donbass leben die nettesten Menschen. Bei uns gab es nie interethnische Konflikte. Unter Tage merkt man sofort, was für ein Mensch der andere ist.“

„In den Neunzigern wurde hier ein neuer Stachanow1 geboren. Der Geist der Sowjetunion war damals noch nicht verflogen. Angeblich soll er in einer Woche 800 Meter geschafft haben. In Wirklichkeit waren es nur etwas mehr als 700 Meter, aber man schrieb einfach 800. In der Zeitung stand, dass er hierfür einen Orden bekam. Später kamen einmal Deutsche zu einem Erfahrungsaustausch. Als ihnen unsere Bergwerksleitung von den Rekorden und den 800 Metern erzählte, fragten sie nur: ‚Wozu?‘. Wir wissen es selbst nicht, wozu wir das gemacht haben. Bald darauf wurde alles verschüttet und wir mussten uns von neuem durchgraben, nur war es diesmal viel schwieriger.“

„Ein Bekannter ist jetzt an der Front. Ich habe mit ihm gesprochen. Er sagt, dass er Wodka trinke und trauere. Ein Scharfschütze hat seinen Kameraden in den Hals getroffen. Der trank nicht mal, war Nichtraucher und trieb Sport. Mein Bekannter versuchte noch irgendwie die Wunde zu verschließen, doch er war nicht zu retten.“

„Das Wasser, in dem wir arbeiten, ist so aggressiv, dass wenn wir die Schaufel abstellen und die Schicht über Tropfen auf sie fallen, das Metall weggeätzt wird. Richtige Löcher gibt das.“

„Wenn ihr das nächste Mal da seid, kommt, um mit uns einen zu trinken.“

„Wenn die Bergwerke schließen, stirbt hier alles.“

„Die Berufskrankheiten hier heißen Staublunge, Rückenschmerzen, Taubheit und Blindheit.“

Die Lungen der Kumpel versteinern durch den Staub und erinnern eher an Fossilien, als an innere Organe. Wer für die Kohle herkommt, den wird sie zugrunde richten. Jeden Tag ein bisschen mehr. Der Kohlestaub, den man nicht weiter beachten soll, tut sein Eigenes. Die Lungen werden nicht sofort befallen. Silikose heißt die Krankheit. Sucht im Internet bei Gelegenheit mal nach einer Bergmannslunge. Versteinerte Überbleibsel einer Epoche im Leben eines kleinen Menschen.

Die größte Grubenkatastrophe Europa passierte im Kohlebergwerk Courrières im Norden Frankreichs im März 1906.2

Das Feuer war bereits einige Tage vor der Katastrophe ausgebrochen. Natürlich wurde die Förderung durch die Ingenieure aufrechterhalten. Umsatzeinbrüche und Probleme mit der Bergwerksleitung waren unerwünscht.

Am 10. März fuhren insgesamt 1664 Kumpel ein.

Die Explosion ereignete sich am frühen Morgen und war so heftig, dass in 110 Kilometer Stollen alles Leben vernichtet wurde.

Aus einem der Schächte wurden Pferde und Schutt meterweit hinausgeschleudert.

1099 Bergleute kamen ums Leben.

100 weitere wurden unter dem Schutt begraben und nicht gefunden. Unter den Getöteten waren nicht wenige Kinder.

Am 12. März erreichten Helfer aus Deutschland den Ort. Es sind Aufzeichnungen erhalten, welche das Grauen der Rettungsaktion dokumentieren. Diejenigen, die gerettet wurden, hatten Brandwunden und Gasvergiftungen.

Am 13. März erklärte die Courrières-Gesellschaft, der das Bergwerk gehörte, alle noch vermissten Kumpel