Dein Bluthochdruck. Dein Plan. - Dr. med. Moritz Binder - E-Book

Dein Bluthochdruck. Dein Plan. E-Book

Dr. med. Moritz Binder

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Beschreibung

Herzinfarkte und Schlaganfälle stehen in der Todesstatistik auf Platz 1– dabei könnte es ganz anders sein: Neun von zehn Patienten würden mit der richtigen Vorsorge zur richtigen Zeit nicht an einem Herzinfarkt sterben. Was man tun kann, um den Risikofaktor Bluthochdruck zu bekämpfen zeigt Dr. med. Moritz Binder in seinem Ratgeber. Er nimmt die Sorgen von Betroffenen ernst und holt sie dort ab, wo sie stehen – ohne erhobenen Zeigefinger. Er erklärt verständlich, wie Bluthochdruck entsteht, welche Folgen er hat und wie man Schritt für Schritt eigenständig ins Handeln kommt. Der 30-Tage-Plan unterstützt, dass der Blutdruck dauerhaft im grünen Bereich liegt - leicht verständlich und realistisch umsetzbar.

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Seitenzahl: 188

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Hoher Blutdruck? Die wissenschaftlich belegten Methoden in diesem Buch wirken so stark wie Medikamente

Leider reagieren wir beim Bluthochdruck meist spät, nämlich oft erst dann, wenn wir einen Herzinfarkt oder Schlafanfall erleiden und mit Blaulicht in der Notaufnahme landen. Die Behandlung mit Medikamenten senkt dann zuverlässig die Werte, behebt aber keine Ursachen. Ein einzelnes Blutdruckmedikament senkt den oberen (systolischen) Blutdruckwert im Schnitt um etwa 9 mmHg – viele leicht umsetzbare Veränderungen im Alltag wirken in derselben Größenordnung. Beispiele gefällig?

• Gezieltes Training der Atemmuskulatur: –12 mmHg

• Isometrisches Krafttraining mit kurzen Halteübungen: –10 mmHg

• Regelmäßiges Ausdauertraining: –10 mmHg

• Ernährungsumstellung mit Fokus auf Ballaststoffe: –11 mmHg

• Mineralstoffversorgung optimieren: –11 mmHg

• 8 kg weniger auf der Waage bei Übergewicht: –8 mmHg

• Nahrungsergänzung mit Pflanzenstoffen wie Hibiskus oder Roter Bete: –5 bis –12 mmHg

Wenn du diese Möglichkeiten nutzt, gewinnst du doppelt: unmittelbar mehr Lebensqualität und langfristig ein deutlich gesenktes Krankheitsrisiko. Dieses Buch bereitet diese Optionen systematisch auf und hilft dir, einen Weg zu finden, der perfekt zu dir passt.

INHALT

Ein Vorwort, das sich zu lesen lohnt

BLUTHOCHDRUCK – ALLES, WAS DU WISSEN MUSST

Wunderwerk Herz-Kreislauf-System

Das Herz – ein stiller Dauerläufer

Wie der Körper den Blutdruck steuert

Bluthochdruck und seine Ursachen

Welche Rolle Gene wirklich spielen

Gefäßwände unter Beschuss

Stiller Killer Bluthochdruck

Ab wann ist der Blutdruck zu hoch?

Blutdruck messen wie ein Profi

So funktioniert die Blutdruckmessung

Was bei der Selbstmessung zählt

Blutdruck im Sprechzimmer

Was Wearables leisten und was (noch) nicht

Orientierung nach der Diagnose

Wie aus der Diagnose eine Perspektive entsteht

Job, Kinder, Alltag – und jetzt auch noch Sport?

Priorisiere pfiffig

Spiel das Long Game

Die Seele ernst nehmen

Was will mir mein Körper sagen?

Du und dein Arzt – ein gutes Team

Den richtigen Arzt finden

Die richtigen Medikamente wählen

Wenn Bluthochdruck nicht allein kommt

Blutdruck senken ohne Medikamente

Ausdauertraining – mehr Power als jedes Medikament

Schlaf – potente Wirkung ganz ohne Rezept

Gewichtsreduktion – dein Herz und dich entlasten

Atemtrainer – kleine Tools mit großem Effekt

Rauchstopp – die beste Entscheidung

Ernährung – ohne Dogma genießen

Alkohol – der schöngetrunkene Risikofaktor

Isometrisches Training – Kraft steigern auf dem Bürostuhl

Mineralstoffe – Wechselspieler im Blutdruck

Luftfilter – saubere Luft, weniger Druck

Sauna – Schwitzen im Sitzen

Atmung – sofort wirksam

Nahrungsergänzung – sanfte Helfer

MIT DEM 30-TAGE-PLAN ZU EINEM GESUNDEN BLUTDRUCK

Tag 1:Ins Tun kommenSo setzt du den 30-Tage-Plan für dich um

Tag 2:Das große Bild im BlickWas ist dein „Wofür“?

Tag 3:Messen wie ein ProfiKlare Werte, kluge Schritte

Tag 4:In Bewegung kommen20 Minuten, die alles verändern können

Tag 5:TeamworkGemeinsam geht’s leichter

Tag 6:Wunderwaffe SchlafGute Nacht, guter Blutdruck

Tag 7:Salz auf der SpurEntdecke versteckte Fallen im Alltag

Tag 8:Bunte Teller, stabile WerteBallaststoffe als Blutdruckbooster

Tag 9:Mineralpower fürs HerzMagnesium, Kaliumund Kalziumclever nutzen

Tag 10:AtemtrainingNo-Brainer in der Blutdrucktherapie

Tag 11:LaborwerteEin Kompass für die Zukunft

Tag 12:Heute ist ProteintagEiweiß als Joker deiner Ernährung

Tag 13:Die Seele mitnehmenWer sich heilt, hat Recht

Tag 14:Isometrisches TrainingDein 10-Minuten-Training, das wirkt

Tag 15:HalbzeitcheckWas hat sich verändert?

Tag 16:Fünf-Minuten- SoforthilfeGelassenheit einatmen, Druck ausatmen

Tag 17:Mehr als BlutdruckWas dir heilig ist, trägt dich

Tag 18:Medikamente managenSo wirken deine Tabletten für dich

Tag 19:Rettungsanker bei BlutdruckspitzenVorbereitet sein, cool bleiben

Tag 20:Optimal vorbereitet zum ArztDamit dein nächster Termin ein Volltreffer wird

Tag 21:Endlich WunschgewichtMach’s dir leicht, werde leichter

Tag 22:Schwitzen erlaubtSauna für entspannte Gefäße

Tag 23:Dein größtes Laster… lass es weiterziehen

Tag 24:Pillen oder Pulver?Dein Kompass durch den Nahrungsergänzungsdschungel

Tag 25:Vom Kochen und KauenWas dich wirklich nährt

Tag 26:Glückspilz-ModusDeine Entscheidung, dein Weg

Tag 27:Ausdauertraining als GewohnheitMehr Bewegung, mehr Wirkung

Tag 28:PunktlandungDein persönlicher Blutdruck-Hack

Tag 29:Heute wird gefeiertErnte, was du gesät hast

Tag 30:Das Fundament steht

EIN VORWORT, DAS SICH ZU LESEN LOHNT

Mit diesem Buch bekommst du deinen Bluthochdruck in den Griff – und das wird mehr in deinem Leben verändern, als du in diesem Moment ahnst.

Zunächst werde ich dir aber noch etwas von mir erzählen. Erstens, damit du siehst, wie du möglichst lange von der Akutmedizin unabhängig bleibst. Zweitens, damit du merkst: Ich meine es ernst. Denn ich werde dir nur solche Angebote machen, die wissenschaftlich fundiert sind und von denen ich auch aus meiner Erfahrung weiß, dass sie funktionieren. Ich habe eine Approbation und medizinische Expertise, aber am Ende sitzen wir alle im gleichen Boot. Während der letzten Jahre bin ich Tausenden Menschen mit Bluthochdruck begegnet – manchen nur für wenige Minuten in der Notaufnahme, anderen im Rahmen einer längerfristigen Begleitung, und ich garantiere dir: Unsere Herausforderungen im gelebten Leben sind immer gleich und unabhängig von dem, was wir auf unsere Visitenkarte schreiben oder was unser Bankkonto hergibt.

Also, hier kommt meine persönliche Geschichte zum Thema Blutdruck – genauer gesagt, dem Bluthochdruck –, ohne die es dieses Buch vermutlich nicht gegeben hätte. Ich wünsche dir, dass sie dich ermutigt und dir zeigt, wie sehr es lohnt, sich auf den Weg zu machen.

Zwischen Selbstbetrug und Schlaganfall

Bitte begleite mich zurück in die ersten Jahre meines Medizinstudiums. Die waren bei mir geprägt von langen Stunden in der Bibliothek, zu wenig Schlaf und zu viel Stress. Zu dieser Zeit ernährte ich mich primär von Kaffee und Nudeln – Essen war nicht mehr als ein lästiger Zeitfresser und musste in wenigen Minuten erledigt werden. Dass ich den lieben langen Tag auf meinem Hintern saß und der Weg mit dem Rad in die Uni praktisch die einzige Bewegung war, störte mich nicht weiter, denn als ehemaliger Leistungssportler bildete ich mir ein, ich müsse in sportlicher Hinsicht niemandem mehr etwas beweisen.

Rückblickend log ich mich selbst an, und ein ehrlicher Blick in den Spiegel hätte mich schnell von meiner Illusion geheilt. Ich wog über 20 kg mehr als heute, sah müde aus und war es auch. Mein Gesundheitszustand war nicht akut besorgniserregend, aber dümpelte irgendwo im unteren Mittelmaß vor sich hin: Ich lag häufig wegen Infekten flach, litt an leichten asthmatischen Beschwerden und Knieproblemen, die so stark waren, dass ich nachts vor Schmerzen wach wurde. Das alles nahm ich mit einer gewissen Gleichgültigkeit zur Kenntnis, obwohl ein Teil in mir ahnte, dass ich prädestiniert war, früher, als mir lieb war, die Seite zu wechseln – vom angehenden Arzt ins Patientenbett.

Etwas stutzig machte mich in dieser Zeit das Blutdruckmessgerät meiner Oma. Jedes Mal, wenn ich es während eines Besuchs testete, um ihr zu demonstrieren, dass ich als Medizinstudent im Grundstudium zwar noch wenig Ahnung von richtiger Medizin hatte, aber immerhin den Knopf eines automatischen Blutdruckmessgeräts bedienen konnte, zeigte es systolische Werte zwischen 140 und 145 mmHg an. Zu hoch! Das konnte nicht sein – ich war ja gerade einmal Anfang 20! Außerdem musste ich mich wohl während der Messung zu viel bewegt und dadurch die Werte verfälscht haben. Das Gerät sah auch schon in die Jahre gekommen aus und war garantiert falsch kalibriert. Und selbst wenn: So schlimm konnte ein bisschen Bluthochdruck schon nicht sein, oder?

Mit diesen und ähnlichen Gedanken tröstete ich mich und war heilfroh, als ich von meiner Hausärztin hören durfte, was ich hören wollte. Eine Langzeitblutdruckmessung bestätigte zwar die leicht erhöhten Werte, aber die gutherzige Kollegin riet mir sinngemäß: „Keine Sorgen, Herr Binder, Sie sind noch so jung, da sind ein paar Punkte zu viel beim Blutdruck nicht weiter tragisch.“

Diese Aussage, liebe Leserin, lieber Leser, weist uns auf den größten blinden Fleck der modernen Medizin hin: Wir warten, bis es brennt – dann wird gelöscht. Lass mich das erklären. Der Herzinfarkt macht sich innerhalb von Minuten bemerkbar, aber angebahnt hat er sich über Jahrzehnte. Und trotz einer Medizin, die so leistungsfähig ist wie nie, hat sich eines nicht verändert: Herzinfarkte und Schlaganfälle stehen in der Todesstatistik unverändert auf Platz 1.

Gefühlte und tatsächliche Gefahr

Egal, wie man die Zahlen dreht und wendet, egal ob Frau oder Mann, egal in welchem Land – die meisten Menschen sterben an Schäden ihrer Blutgefäße und deren Folgen. Abgeschlagen dahinter: Krebs, Demenz oder Unfalltod. Hier klaffen gefühlte und tatsächliche Gefahr weit auseinander. Zum Beispiel haben viele Frauen weitaus größere Sorge vor einer Brustkrebserkrankung als vor einem Herzinfarkt, aber tatsächlich sterben zehnmal so viele Frauen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie an Brustkrebs.

Der Hauptgrund dafür? Bluthochdruck. Keine andere Krankheit lädiert unsere Gefäße mehr und führt irgendwann dazu, dass der abstrakte Begriff der Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Form eines Herzinfarkts erbarmungslos mitten hinein ins echte Leben kracht. Mit kaltem Schweiß auf der Stirn und Blaulicht vor der Haustür.

Dabei könnte es ganz anders sein: 90 % der tödlichen Herzinfarkte wären vermeidbar. Ist das nicht unglaublich? Neun von zehn Betroffenen würden mit der richtigen Vorsorge zur richtigen Zeit nicht an einem Herzinfarkt sterben. Natürlich müssten wir dafür auch alle den Glimmstängel wegwerfen, schlafen wie zufriedene Babys, auf ein gesundes Gewicht achten, uns viel mehr bewegen und Cholesterinwerte frühzeitig einstellen. All das spielt eine Rolle, wenn es darum geht, Herzinfarkte und Schlaganfälle zu verhindern.

Im Detail wirst du all das im Laufe des Buches verstehen und für dich nutzen können. Aber so viel vorweg: Wir schauen viel zu kurzfristig auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ein einzelner hoher Blutdruckwert ist absolut irrelevant, aber wenn dauerhaft auch „nur“ 20 mmHg zu viel Druck auf den Gefäßen lastet, summiert sich das über die Jahre auf zu einer echten Hypothek.

Bis ich das wirklich verstand, dauerte es bis in mein letztes Studienjahr, als ich als angehender Arzt in der Neurologie arbeitete. Dort sah ich, wie wir Schlaganfallpatienten versorgten. Mit Halbseitenlähmung und Tatütata kamen sie ins Krankenhaus, dann wurde die große Medizinmaschine aktiviert: Innerhalb von Minuten lagen die Betroffenen in Narkose und bekamen von unseren fingerfertigen Katheter-Experten das Gerinnsel aus dem Kopf gefriemelt. Gefäß zu, Stent rein, Gefäß frei – mechanistische „Karacho-Medizin“ in ihrer schönsten und wirksamsten Form.

Noch vor 30 Jahren sah die Welt ganz anders aus: Wer einen „Schlag“ erlitt, wurde ins Bett gelegt, und nach einigen Wochen wurde geprüft, was noch ging: Mundwinkel und Arm hingen schlaff in der Gegend rum? Pech gehabt. Schlucken und Sprechen war passé? Na ja, wenigstens das mit dem Essen ließ sich einigermaßen über eine Magensonde regeln. Seitdem haben sich Überlebenschancen und die Zahl der Erkrankten ohne bleibende Schäden mehr als verdoppelt. Einfach geil!

Ehrlich gesagt bin ich mir gar nicht sicher, ob ich so ein Wort in einem medizinischen Ratgeber benutzen darf – ich mache es einfach trotzdem, denn in meinen Augen ist der Witz an diesem Buch, dass es dir hilft, deinen Bluthochdruck zu verstehen und dich handlungsfähig macht. Und dafür braucht es manchmal Klartext und nicht so viele Fachbegriffe, bei denen ich mir klüger vorkomme, als ich in Wahrheit bin und du nur die Hälfte kapierst.

Wenn der Körper die Rechnung schreibt

Während meiner Zeit in der neurologischen Abteilung sah ich, dass es viele Wege gibt, wie man sich über Jahrzehnte in den Schlaganfall manövrieren kann. Oft spielt das Schicksal einem auch lausige Karten in die Hand, aber trotzdem erkannte ich in den Lebensgeschichten vieler Menschen Parallelen, die ich auf dem besten Weg war, ebenfalls zu erfüllen: Stress, Hamsterrad, eigene Bedürfnisse hintanstellen und dafür gute Gründe finden. Bei meinen Patienten war es der zu tilgende Hauskredit oder die nächste Beförderung, bei mir mein Ehrgeiz auf gute Noten oder der Vergleich mit Studienfreunden. Oft konnte man auch offensichtlich ungesunden Verhaltensweisen wie Rauchen oder Cola und Chips als Grundnahrungsmittel die Schuld in die Schuhe schieben. Aber nicht selten war es eine leise Spielart des Raubbaus an der eigenen Gesundheit durch zu wenig Schlaf und zu wenig Freude, über den die Menschen sich mit einem jährlichen Alibi-Aktiv-Urlaub hinwegtrösteten. Und irgendwann machte es dann peng. Schlaganfall. Völlig „unerwartet“.

Das meine ich weniger zynisch, als es vielleicht klingt. Ich war einfach überfordert von dem Umstand, dass wir es nicht besser machten, obwohl wir es besser wussten. Wir können gut beschreiben, wie der Schlaganfall sich über Jahrzehnte anbahnt und wie wir ihn hinauszögern oder ganz vermeiden könnten. Aber genau das tun wir nicht. Seitdem bin ich aus Tausenden Patientenbegegnungen mit dem Gedanken gekommen: „Mist, wir sind einfach zu spät!“ Das hat mir schlaflose Nächte bereitet. Und das ist nicht einfach so dahingesagt, es hat mich wirklich umgetrieben.

Damals war ein wesentlicher Grund für diese persönliche Betroffenheit, dass das Spannungsfeld, welches ich im Außen erlebte, natürlich etwas mit mir selbst zu tun hatte. In den Schlaganfallpatienten, die vor mir im Bett lagen, sah ich mich. Ich konnte die Stimme in mir nicht mehr verleugnen, die mir schonungslos klarmachte, dass ich etwas ändern musste, wenn ich nicht früher, als mir lieb war, selbst krank werden wollte. In absolutem Risiko oder Jahreszahlen gesprochen, war der Schlaganfall in meinem Leben graue Theorie, vielleicht 40 Jahre weit weg. Und vielleicht ist er auch für dich nur ein abstraktes Konzept in ferner Zukunft. Aber warum solltest du das riskieren?

Die Lostrommel des Lebens

Bitte mach ein Gedankenexperiment mit mir: Stell dir eine Trommel mit 100 Losen vor. Auf den meisten steht „Leben“, aber manche sind mit „Ende“ bedruckt – und wenn du ein solches ziehst, dann musst du auf den Friedhof umziehen.

Die Lostrommel steht für das 10-Jahres-Sterberisiko. Stell dir vor: Alle zehn Jahre greifst du zehn der 100 Lose aus dieser Trommel: zehn Lose, stellvertretend für die nächsten zehn Lebensjahre und das Risiko, in dieser Zeit zu sterben. Die Anzahl der Lose, die du ziehst, bleibt gleich. Was sich verändert, ist also der Anteil der „Ende“-Lose in der Trommel. Denn die werden im Laufe des Lebens immer mehr: Während ein 30-jähriger Mensch in der westlichen Welt zwar durch Unfälle oder schicksalhafte Erkrankungen aus dem Leben gerissen werden kann, liegt seine Chance, den 40. Geburtstag zu erleben, dennoch bei beruhigenden 99 %. Die 10-Jahres-Überlebenswahrscheinlichkeit für einen 60-Jährigen beträgt im Schnitt etwa 90 %, für einen 80-Jährigen noch etwa 45 %, und bei einem 100-Jährigen sinkt sie auf nahezu null. Klar, oder wie viele 110-Jährige kennst du persönlich?

Wie verändert Bluthochdruck die Verteilung der Lose? Für einen durchschnittlichen 60-Jährigen finden sich etwa zehn verhängnisvolle Lose in der Trommel und 90 gute Lose – entsprechend der 90-prozentigen Überlebenswahrscheinlichkeit für die nächsten zehn Jahre. Nehmen wir nun einen ausgeprägten Bluthochdruck mit in die Rechnung, liegen doppelt so viele „Ende“-Lose in der Trommel, nämlich 20. Derselbe Mensch, im gleichen Alter, mit denselben Lebensumständen, aber ohne Bluthochdruck? Der steht natürlich besser da als der Durchschnitt: nur circa sechs Lose. Auf den Punkt gebracht: Bluthochdruck halbiert die Chance, einen Geburtstag in zehn Jahren zu erleben.

Bluthochdruck wirkt erst einmal trocken – er hat einfach nicht die Anziehungskraft eines Superfood-Trends. Doch wenn du bis hierhin gelesen hast, weißt du, was ich zu Beginn meinte: Gute Blutdruckwerte verändern mehr, als du bisher ahntest. Nimm den Bluthochdruck zum Anlass, den ersten Schritt zu gehen. Nicht für deinen Arzt, sondern nur für dich.

Denn für dich habe ich dieses Buch geschrieben. Es ist entstanden aus meiner persönlichen Geschichte, der Erfahrung tausender Patientenbegegnungen im Krankenhaus und der präventivmedizinischen Begleitung von Klientinnen und Klienten, denn ja, man kann Bluthochdruck strategisch vermeiden und in vielen Fällen Medikamente reduzieren, falls er schon da ist.

Was dich in diesem Buch erwartet

So, genug blumige Vorrede, jetzt geht’s ans Eingemachte: Kapitel für Kapitel zeige ich dir, was dich erwartet und wie du dieses Wissen für dich nutzen kannst. Mein Buch ist in zwei Teile aufgeteilt: Im ersten Teil erfährst du alles, was du über Bluthochdruck wissen solltest, im zweiten Teil gehen wir mit deinem 30-Tage-Plan von der Theorie in die Praxis.

• Zunächst wirst du im Kapitel „Wunderwerk Herz-Kreislauf-System“ all die Dinge lernen, die mich als Medizinstudent in der Anatomievorlesung schon vom Hocker gehauen haben.

• Aufschlussreich ist es dann, im Kapitel „Bluthochdruck und seine Ursachen“ die Mechanismen hinter der Blutdruckentstehung zu erfahren, um die Behandlungsmöglichkeiten weiter hinten nicht blind glauben zu müssen, sondern zu wissen, warum sie funktionieren.

• Eine korrekt durchgeführte Blutdruckmessung ist entscheidend, deswegen erfährst du im Kapitel „Blutdruck messen wie ein Profi“ die spannende Entwicklungsgeschichte und relevante Aspekte zur Messung, sodass du am Ende vielleicht sogar besser Bescheid weißt als dein Arzt.

• In „Orientierung nach der Diagnose“ erforschen wir pragmatisch, wie du einen guten Umgang mit der Diagnose findest.

• Im Kapitel „Job, Kinder, Alltag – und jetzt auch noch Sport?“ möchte ich dir Mut machen, dass sich meine Lebensstilimpulse leichter umsetzen lassen, als du denkst.

• Im Kapitel „Du und dein Arzt – ein gutes Team“ erfährst du, wie du für dich das Bestmögliche aus den konventionellen Therapien herausholst.

• In „Blutdruck senken ohne Medikamente“ erläutere ich, was du tun kannst, um dich unabhängiger von der Medizin zu machen.

• Damit die Inhalte aus diesem Buch einen für dich stimmigen Platz im echten Leben finden, begleite ich dich am Ende mit einem 30-Tage-Plan. So wird dein Blutdruck langfristig und mit Leichtigkeit im grünen Bereich liegen und du wirst die Anzahl unerwünschter Lose in deiner Trommel massiv reduzieren. Denn das ist alles, was am Ende zählt.

Du wirst auch noch erfahren, wie ich es geschafft habe, die schlechten Lose aus meiner Trommel nach und nach loszuwerden, bis ich sie heute mehr als halbiert habe. Und wenn du auf dem Weg dorthin beim Lesen nur halb so viel Freude hast wie ich beim Schreiben, wird es am Ende eine runde Sache.

Dieses Buch ist eine Einladung zu einem Gespräch zwischen zwei Menschen. Du schenkst mir einen gewissen Vertrauensvorschuss und Zeit. Und ich garantiere dir dafür, dass ich dir eine konkrete Anleitung mit Wissen und Werkzeugen in die Hand gebe. So wirst du deinen eigenen Weg finden – mit den Möglichkeiten der Medizin und ganz vielen Maßnahmen, für die du keinen Arzt brauchst.

Dein

BLUTHOCHDRUCK – ALLES, WAS DU WISSEN MUSST

In diesem ersten Teil des Buches erhältst du einen Überblick, was Herz und Blutdruck miteinanderzu tun haben und wie Bluthochdruck überhaupt entsteht. Du erfährst alles über die richtige Blutdruckmessung und die Maßnahmen, die du in Absprache mit deinem Arzt sowie auch auf eigene Faust ergreifen kannst, um deine Werte in den Griff zu bekommen. Auch die richtige Selbstfürsorge kommt dabei nicht zu kurz, denn die Diagnose einer chronischen Erkrankung macht auch immer etwas mit unserer Psyche.

Wunderwerk Herz-Kreislauf-System

Unser Herz-Kreislauf-System ist ein Wunderwerk. Kannst du dir vorstellen, dass das Herz eines kleinen Menschen im Mutterleib bereits zu schlagen beginnt, wenn er gerade einmal so groß ist wie ein Sandkorn? Das geschieht um den 23. Tag nach der Befruchtung. Zu diesem Zeitpunkt ist der Embryo gerade einmal zwei Millimeter groß und das Herz noch nicht so ausgebildet, wie wir es kennen, mit Kammern und Klappen. Es ist nur ein einfacher Muskelschlauch, der sich rhythmisch zusammenzieht. Und auch wenn es im Ultraschall noch nicht sichtbar ist, wissen wir: Das Herz hat begonnen, seine Reise zu den drei Milliarden Schlägen aufzunehmen, die es im Laufe eines Menschenlebens leisten wird.

Das Herz – ein stiller Dauerläufer

Ab dem ersten Schlag bringt unser Herz Sauerstoff und Nährstoffe zu jeder Zelle und schafft Kohlendioxid und Abfallstoffe aus dem Körper. Über das Blut gelangen Hormone zu unseren Organen, Immunzellen zu verletztem Gewebe, Wärme wird verteilt und reguliert. Wenn der Herzschlag begonnen hat, ist das Leben nicht mehr nur möglich, sondern Wirklichkeit geworden.

Unser Herz liegt gut geschützt in der Mitte des Brustkorbs und ist etwa so groß wie unsere Faust. Es besteht überwiegend aus Muskelgewebe und wenn es sich zusammenzieht – das nennen wir Systole – wird das in ihm befindliche Blut in die Arterien des großen Körperkreislaufs und des kleineren Lungenkreislaufs gepresst. Während der anschließenden Entspannungsphase, Diastole genannt, erweitern sich die Herzkammern und das Herz füllt sich über die Venen wieder mit Blut.

Der Blutfluss durch das Herz: Systole und Diastole

Meist erfüllt einen Hörsaal an der Uni ein leises Grundrauschen. Aber manchmal ist es mucksmäuschenstill, weil alle Studierenden an den Lippen des Professors oder der Professorin hängen. So war es in meinem Studium während der Anatomievorlesung zu dem Organ, das etwa so groß ist wie unsere Faust: dem Herz.

Über Jahrzehnte schlägt es pausenlos und transportiert jede Stunde so viel Blut, wie in eine Badewanne passt, bei Belastung noch mehr. Unsere Gefäße wären aneinandergereiht über 100.000 Kilometer lang – das sind mehr als zwei Erdumrundungen – und haben eine Oberfläche von rund 6000 Quadratmetern. Platz für fast 1000 Autos.

Doch der Reihe nach. Begleiten wir ein rotes Blutkörperchen, nennen wir es „Ery“ – in Anlehnung an seinen Fachbegriff „Erythrozyt“ – auf seiner Reise durch den Körper. Was könnte es uns über das Herz-Kreislauf-System erzählen?

Der Blutkreislauf

Arterien – der Weg vom Herzen weg

Ery startet in der Lunge, frisch beladen mit Sauerstoff. Von dort geht es in den linken Vorhof und weiter in die linke Herzkammer. Mit kräftigem Druck schickt sie Ery in die Hauptschlagader (Aorta), die mit 40 Zentimetern das längste Einzelgefäß des Körpers ist. Arterien haben eine muskulöse Wand, die sich verengen oder weiten kann und dadurch hilft, den Blutdruck zu steuern. Wenn ich hier vom „Blutdruck“ spreche, meine ich immer diesen Druck in den Arterien.

Das Arteriennetz verzweigt sich in immer kleinere Gefäße, die Arteriolen. Sie führen schließlich zu den Kapillaren – den feinsten Gefäßen im Körper. Sie bilden die Brücke zwischen Arterien und Venen. Ein menschliches Haar ist bis zu zehnmal dicker als diese mikroskopisch kleinen Verflechtungen, sodass sich Blutkörperchen manchmal sogar verformen müssen, um überhaupt hindurchzupassen.

Hier gibt Ery seine wertvolle Sauerstoffladung an das Gewebe ab und nimmt Kohlendioxid für den Rückweg zur Lunge auf. In jeder Hinsicht herrscht in diesem Bereich Hochbetrieb: ein ständiger Austausch zwischen Blut und Organen. Hier kommen fast alle wichtigen Nährstoffe an ihr Ziel – Zucker, Eiweiße, Fette, Vitamine und Mineralstoffe. Durch die hauchdünne Gefäßwand gelangen sie direkt ins Gewebe. Kein Wunder, dass der Kapillarbereich mehr als die Hälfte der gesamten Oberfläche unseres Gefäßsystems ausmacht.

Aufbau und Funktion einer Arterie

Venen – der Weg zurück zum Herzen

Nachdem Ery seine Fracht abgeliefert und Kohlendioxid aufgenommen hat, macht er sich auf den Rückweg zum Herzen. Er passiert zunächst kleine Venen, die Venolen, die sich – spiegelbildlich zu den Arterien – zu immer größeren Gefäßen vereinigen und schließlich in die beiden Hohlvenen münden, die das Blut zurück zum Herzen bringen. Die größeren Venen liegen oberflächlich unter der Haut und sind bei Hitze besonders gut zu sehen. Dann erweitern sie sich, damit mehr warmes Blut an die Hautoberfläche gelangt und der Körper Wärme abgeben kann.