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Dieses Buch beantwortet alle Fragen zur erfolgreichen Geldanlage. Von Festgeld, ETFs und Sparplänen bis zur Anlage des Erbes für eine Altersvorsorge. Endlich flüssig? Und genug Geld auf dem Konto, um etwas beiseitezulegen? Viele von uns haben zumindest einmal im Leben eine große Summe auf ihrem Girokonto – weil sie etwas geerbt haben oder sie Geld aus einer Lebensversicherung oder einem Sparvertrag bekommen haben. Nur, was damit tun? Aus Angst, etwas falsch zu machen, oder weil wir unserer Bank oder unserem Versicherungsvertreter nicht (mehr) vertrauen, lassen wir oft viel Geld unverzinst auf dem Girokonto liegen. Und das, obwohl es dort ständig an Wert verliert. Thomas Öchsner, langjähriger Finanzexperte der Süddeutschen Zeitung, ist sich sicher: Dein Geld kann mehr! Sein leicht verständlicher Ratgeber zeigt dir, wie du dein Geld ohne Risiko einfach und bequem vermehren kannst. Dabei widmet er sich auch den mentalen und emotionalen Hürden im Umgang mit Geld, die unsere Anlageentscheidungen erheblich beeinflussen – ohne dass uns dies bewusst ist. Eine Lektüre, die sich im wahrsten Sinne des Wortes lohnt.
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Seitenzahl: 319
Veröffentlichungsjahr: 2026
Thomas Öchsner
Endlich loslegen, clever investieren, sorgenlos profitieren
Viele von uns haben ihr Geld auf dem Girokonto, mitunter sogar große Summen – weil sie etwas geerbt oder sie Geld aus einer Lebensversicherung oder einem Sparvertrag bekommen haben. Aus Angst, etwas falsch zu machen, lassen wir das Geld dort oft viel zu lange unverzinst liegen. Und das, obwohl es so ständig an Wert verliert. Thomas Öchsner zeigt anschaulich und Schritt für Schritt, was zu tun ist, damit das Geld sich mehrt – ganz nach deinen Bedürfnissen und anhand deines Risikoempfindens. Hier erfährst du alles über Festgeld, ETFs und das Pantoffel-Portfolio – und bist bereit, endlich loszulegen. Ein Buch, das sich im wahrsten Sinne des Wortes lohnt.
Thomas Öchsner ist seit mehr als 30 Jahren Wirtschaftsjournalist, zunächst bei der Münchner Abendzeitung, ab 1999 bei der Süddeutschen Zeitung. Dort leitete er das Finanzteam in der Wirtschaftsredaktion und entwickelte den Newsletter «SZ Geld» sowie das Magazin GELD. Seit 2021 arbeitet er als selbstständiger Autor für die SZ und andere Medien.
Veröffentlicht im Rowohlt Verlag, Hamburg, März 2026
Copyright © 2026 by Rowohlt Verlag GmbH, Hamburg
Covergestaltung zero-media.net, München
Coverabbildung FinePic®, München
ISBN 978-3-644-02570-7
Schrift Droid Serif Copyright © 2007 by Google Corporation
Schrift Open Sans Copyright © by Steve Matteson, Ascender Corp
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Herzlichen Glückwunsch, du hast plötzlich mehr Geld auf dem Konto als je zuvor? Anstatt dich zu freuen, bist du aber vor allem eines: verunsichert? Willkommen im Club! So geht es nicht nur dir, sondern sehr vielen Menschen. Sei es eine Erbschaft, eine ausgezahlte Lebensversicherung, eine Abfindung, ein sehr gut dotierter Auftrag oder ein fällig gewordener Sparvertrag – plötzlich steht diese gewaltige, Furcht einflößende fünf-, sechs- oder sogar siebenstellige Summe auf dem Kontoauszug. Du weißt, du solltest etwas damit tun, doch was? Deine Bankberaterin zögert nicht, kontaktiert dich, und will dir etwas verkaufen, das du nicht verstehst. Dein Versicherungsvertreter sagt, er hätte auch eine gute Idee, was du mit dem Geld anstellen könntest. Aber du traust ihm nicht. Im Internet findest du Tausende Tipps und Ratschläge, nur steht überall etwas anderes. Also bleibt das Geld einfach erst einmal auf dem Girokonto liegen, wo es durch die Inflation still und heimlich, langsam, aber sicher an Wert verliert.
Nicht nur als Wirtschaftsjournalist habe ich oft erlebt, dass viele Menschen beim Thema Geld in eine Art lähmende Starre verfallen und Entscheidungen auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschieben – weil sie Angst haben. Angst, etwas falsch zu machen. Angst, zu spät dran zu sein. Angst, ihr Geld zu verlieren. Oder sich zu blamieren, weil sie so viele Fragen haben. Genau hier soll dieses Buch ansetzen: bei deiner Angst. Ich will sie dir nehmen.
So viel kann ich dir schon jetzt sagen: Um Geld sinnvoll anzulegen, muss niemand ein Finanzprofi sein. Du brauchst kein BWL-Studium und auch kein Insiderwissen. Du musst auch nicht jede Woche Stunden deiner Freizeit opfern. Ich will dir helfen, aus «Hilfe, ich habe (auf einmal) Geld!» ein «Gut, dass ich jetzt weiß, was zu tun ist!» zu machen. Einfach und verständlich erklärt, mit praktischen Tipps ohne abgehobenes Finanzkauderwelsch. Nach der Lektüre wirst du deutlich entspannter, couragierter und schlauer unterwegs sein – und dein Geld darf endlich tun, was es wirklich kann: wachsen und für dich arbeiten!
Was erwartet dich auf den nächsten Seiten? Du erfährst, warum so viele von uns ihr Geld ungenutzt liegen lassen, welche mentalen Hürden dich vom Anlegen abhalten können und wie du diese überwindest. Du erfährst auch, warum Zeit der wichtigste Verbündete für Anleger und Anlegerinnen ist. Nach diesem ersten Kapitel wirst du merken: Ich muss nur anfangen, und das schaffe ich auch. Bevor du loslegst, solltest du aber erst mal wissen, wo du stehst. Gemeinsam machen wir einen Kassensturz, schauen uns deine Versicherungen und deine Altersvorsorge an und werfen einen Blick auf deine Ziele. Dabei wirst du herausfinden, wie viel Risiko du eingehen möchtest und kannst – und worauf du vielleicht achten solltest, bevor du mit dem Investieren beginnst. Hier baust du das solide Fundament, auf dem du dein Geld sicher anlegen kannst.
Dann wird es praktisch. Wir schauen uns Girokonto, Tagesgeld, Festgeld und Wertpapierdepot genau an, die Basisbausteine deiner finanziellen Organisation. Du erfährst, wie du mit einem guten Tagesgeldkonto flexibel bleibst, was es mit einer «Zinsleiter» auf sich hat, warum der Kauf einer Immobilie nicht nur eine Frage des Geldes ist und wie du ein günstiges und passendes Depot eröffnest. Mit dieser Grundlage kannst du einen Einstieg in die Welt der ETFs wagen, der Indexfonds und Aktienfonds – und damit Zugang bekommen zu den Werkzeugen, die dein Geld wirklich wachsen lassen. Du erfährst, warum ETFs so beliebt sind, wie sie funktionieren und welche Fehler du vermeiden solltest. Ich zeige dir, wie du dein erstes ETF-Investment oder einen Sparplan aufbaust. Schritt für Schritt, transparent und nachvollziehbar. Nach diesem Kapitel weißt du, wie du dein Geld so anlegen kannst, dass es für dich arbeitet, während du schläfst, ohne dir permanent Sorgen um dein Vermögen machen zu müssen.
Danach geht es darum, wie du dein Geld sinnvoll aufteilst. Ich nenne das die Baukasten-Strategie. Du lernst, wie du deine Anlagesumme auf verschiedene «Bausteine» verteilst: einen Sicherheits- und einen Renditebaustein, mit dem du ein bisschen mehr Risiko eingehst. Anhand konkreter Beispiele für unterschiedliche Anlegertypen – vom eher vorsichtigen Sicherheitsfan bis zur mutigen Renditejägerin – zeige ich dir, wie du deine Anlagestrategie an deine Bedürfnisse und deine Lebenssituation anpasst.
Du wirst auch erfahren, wie du dein Geld in ein regelmäßiges Zusatzeinkommen verwandeln kannst – egal, ob du nun Rentnerin, Arbeitnehmer oder selbstständig bist. Wir schauen dazu auf Bankauszahlpläne oder Dividendenfonds. Am Ende geht es um die klassischen Fehler, die uns allen beim Anlegen passieren können – und darum, wie du sie vermeidest. Von überhasteten Entscheidungen bis hin zu psychologischen Fallen: Du lernst, woran du sie erkennst und wie du gelassen bleibst, selbst wenn die Kurse mal verrücktspielen. Wenn du dieses Kapitel gelesen hast, wirst du dich beim Thema Geldanlage nicht mehr so schnell aus der Ruhe bringen lassen.
Gute Geldentscheidungen bedeuten Freiheit. Die Freiheit, nicht mehr jedem Rat blind glauben zu müssen. Die Freiheit, selbstbestimmt zu handeln und zu wissen, was du mit deinem Geld tun willst. Und die Freiheit, das eigene Leben so zu gestalten, wie du es möchtest – mit der Sicherheit, dass dein Geld für dich arbeitet. Alles, was du brauchst, ist ein bisschen Neugier, Geduld und die Bereitschaft, dich mit dir selbst und deinem Geld auseinanderzusetzen.
Dein Geld kann mehr! Also: Los geht’s.
Warum so viel Geld ungenutzt auf deutschen Konten liegt – und wie sich das ändern lässt
Du hast selbst eine Menge Geld auf deinem Girokonto und keine Ahnung, wohin damit? Damit bist du nicht allein. Diverse Umfragen zeigen, dass viele Menschen in Deutschland einen großen Teil ihres Vermögens als Bargeld zu Hause herumliegen lassen oder auf dem Girokonto bunkern – sogar wenn es sich um eine größere fünf- oder sechsstellige Summe handelt. Etwa weil sie geerbt oder eine Abfindung bekommen haben, weil ihre Lebens- oder private Rentenversicherung ausgezahlt wurde oder ein langfristiger Sparvertrag fällig wurde. Viele von ihnen warten dann Monate oder Jahre, bevor sie ihr Geld anlegen – wenn sie es überhaupt tun. Das aber ist in etwa so, als ob man «Geld zum Fenster hinauswerfen» würde. So hätte es jedenfalls meine stets sehr sparsame Mutter formuliert. Und damit hätte sie nicht einmal übertrieben.
Woran das liegt? Ganz einfach: an der Inflation, also der Teuerung der Lebenshaltungskosten. Im Sommer 2025, als dieses Buch entstand, lag die Inflationsrate bei etwas mehr als zwei Prozent. Was bedeutet das für Geld, das ungenutzt auf dem Girokonto (Seite 70ff.) schlummert?
Klar, auf einem Konto, das dafür da ist, Rechnungen bezahlen zu können, die Miete per Dauerauftrag zu überweisen, Gehalt oder Honorare zu kassieren, sollte möglichst immer so viel Geld sein, dass kein Dispokredit nötig ist. Das Girokonto per Dispo zu überziehen, ist nämlich verdammt teuer (häufig kostet das deutlich über zehn Prozent Zinsen). Und wer dauerhaft in den Miesen ist, verschuldet sich durch die hohen Zinsen immer mehr. Nun mag die verständliche Angst davor, einer Bank Geld zu schulden, bei dem einen oder der anderen dazu führen, dass das eigene Vermögen auf dem Girokonto regelrecht geparkt wird. Aber die Angst vor dem Dispo ist noch lange kein ausreichender Grund, sein Geld auf dem Konto versauern zu lassen. Denn das kostet bares Geld, weil das Guthaben durch die Inflation ständig an Wert verliert. Nur sieht man das nicht auf dem Kontoauszug.
Ein Beispiel: Angenommen, du hast 100000 Euro auf dem Girokonto gebunkert. Dann hätten diese 100000 Euro nach fünf Jahren bei einer Inflationsrate von zwei Prozent pro Jahr nur noch einen realen Wert von rund 90570 Euro. Deine Kaufkraft hat sich also um fast 10000 Euro verringert. Nach 20 Jahren wären die 100000 Euro sogar auf rund 67300 Euro geschrumpft – und das nur, wenn die Inflationsrate bei zwei Prozent bleibt, und nicht etwa wie in den Corona-Jahren drastisch steigt. Du kannst das selbst mal gedanklich durchspielen, dafür reicht ein Blick auf diese Tabelle:
Jahre
Inflationsrate
1 %
2 %
3 %
4 %
5 %
8 %
5
95150
90570
86260
82190
78350
68060
10
90530
82030
74410
67560
61390
46320
15
86130
74300
64190
55530
48100
31520
20
81950
67300
55370
45640
37690
21450
30
74200
55210
41200
30830
23140
9940
Der reale Wert deines Vermögens verringert sich im Lauf der Zeit – je höher die Inflationsrate, desto drastischer (Zahlen auf Zehnerstellen gerundet).
Quelle: zinsen-berechnen.de
Wenn das aber so ist, warum lassen dann Millionen Menschen – und du womöglich auch – so viel Geld auf dem Girokonto verkümmern?
Menschen sind nicht selten verdammt unvernünftig handelnde Wesen. Sie stopfen Süßigkeiten in sich rein, obwohl sie wissen, dass sie dann noch mehr Fettpölsterchen bekommen. Sie kaufen sich einen Thermomix für 1500 Euro und lassen ihn nach einmaligem Benutzen im Schrank verstauben. Sie treiben keinen Sport, obwohl ihnen das eigentlich guttäte. Sie sehen, dass sie dazu beitragen, das Klima zu zerstören, aber ändern ihr Verhalten trotzdem nicht. Genauso irrational verhält sich der Mensch leider auch, wenn es ums Geld geht. Die meisten wissen, dass die gesetzliche Rente allein nicht reichen wird für einen finanziell sorgenlosen Ruhestand, trotzdem können sie sich nicht aufraffen, privat fürs Alter vorzusorgen. Im wahren Leben, schreibt der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger Richard Thaler, seien Menschen eben keine rationalen Egoisten, die nach dem Modell des Homo oeconomicus stets das Beste für sich und damit auch für ihr Geld tun, so wie es Ökonomen angenommen haben.[1] Der US-Verhaltensökonom Dan Ariely meint sogar: «Unser Gehirn ist nicht dafür gemacht, mit Geld umzugehen.»[2]
Umso besser, dass es für das Nichts-Tun in Sachen Geld einige valide psychologische Erklärungen gibt, die dir hoffentlich helfen werden. Denn wer erst einmal verstanden hat, warum nichts vorangeht, wird sich leichter tun, aus der lethargischen Nichts-Tun-Phase herauszufinden.
Menschen handeln immer noch häufig nach steinzeitlichen Mustern, so als ob sie Jäger wären, die im täglichen Überlebenskampf auf eine schnelle Beute angewiesen sind. «Wir wollen die sofortige Lustbefriedigung haben, den schnellen Gewinn, sofort einen Nutzen sehen», sagte Hans-Jörg Naumer, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei Allianz Global Investors, mit dem ich für die Süddeutsche Zeitung einmal über dieses Thema sprach. So auch beim Thema Geld: Nicht selten ermahnen uns mehr oder weniger nahe Menschen: «Lebe lieber im Hier und Jetzt» oder, häufiger bei Älteren ab 50 oder 60 Jahren aufwärts: «Genieße dein Leben, solange du es noch kannst.» Das mag gut und richtig sein, womöglich auch gesund, wenn wir uns vergegenwärtigen, dass Arbeit nicht alles ist. Aber fürs eigene Geld ist es fatal, wenn wir permanent kleine Belohnungen und Erfolge in der Gegenwart langfristigen, größeren vorziehen.
Ein Beispiel: Jemand bietet dir 500 Euro sofort an oder 1000 Euro in zehn Jahren. Wenn du bei den 500 Euro zugreifst, handelst du wie deine Vorfahren: Als es noch nicht alle Lebensmittel im Supermarkt zu kaufen gab und kein Kühlschrank fürs längere Aufbewahren zur Verfügung stand, sicherte es die Existenz, sich die Beute gleich zu schnappen, zumal sie einem dann auch keiner wieder abnehmen konnte. Heute verleitet uns die instinktive Ungeduld blöderweise zur Aufschieberitis: Langfristig wirkende Entscheidungen schieben wir deshalb lieber nach hinten. Das Ziel, irgendwann einmal Zinsen zu kassieren oder andere Erträge aus dem Geld zu generieren, ist zu weit weg und zu abstrakt für uns. So bleibt es allenfalls beim guten Vorsatz, sich um das Geld auf dem Konto irgendwann einmal zu kümmern.
In der Verhaltenspsychologie ist dieses Phänomen, manche sprechen auch vom «Gegenwartsfehler», spätestens seit dem Marshmallow-Test bekannt. Dabei untersuchte der Psychologe Walter Mischel von 1968 bis 1974 an der Stanford Universität die Willenskraft von um die vier Jahre alten Kindern mit einem Experiment: Er versprach ihnen eine Belohnung, wenn es ihnen gelingen würde, in einem Raum ohne Spielzeug und andere Möglichkeiten zur Ablenkung ein Marshmallow 15 Minuten lang nicht zu essen. Schaffen sie es, gibt’s ein zweites Marshmallow obendrauf, das Kind darf also gleich zwei essen.
Das Ergebnis: Nur wenige Kinder brachten die nötige Selbstdisziplin mit, sich bewusst für die spätere Belohnung zu entscheiden und so lange durchzuhalten: Etwa ein Viertel griff sogar bereits innerhalb der ersten 60 Sekunden zu der verlockenden Süßigkeit.
So ähnlich ist es auch beim Nichts-Tun. Bequemer ist es, sich nicht ums Geld zu kümmern und es auf dem Girokonto weiter vor sich hin dümpeln zu lassen, zumal man sich des Guthabens jederzeit versichern kann. Dafür reicht ein Blick auf den Kontostand.
Erst recht lassen sich die Ergebnisse des Marshmallow-Tests auf den Vermögensaufbau beziehungsweise die Altersvorsorge übertragen: Wer später auf ein schönes Zusatzeinkommen im Alter zurückgreifen will, muss so früh wie möglich anfangen, dafür Geld zurückzulegen. Dummerweise neigen wir aber dazu, das Geld lieber auszugeben als es beiseitezulegen und später dafür mehr zurückzubekommen.
Vielleicht geht es dir aber auch so wie einer ehemaligen Kollegin von mir. Sie ist Volljuristin, verdammt schlau, hat schon den einen oder anderen Investmentfonds und die eine oder andere Aktie in ihrem Leben besessen – und verdient so überaus gut, dass sie jeden Monat einen Haufen Geld anlegen könnte. Unlängst gestand sie mir aber am Telefon: «Bei mir lagen zehn Jahre lang 100000 Euro auf dem Girokonto.» Und warum? «Weil ich mich nicht festlegen wollte.»
Das kennen sicher viele. Dahinter steckt die Angst, etwas falsch zu machen, sich im Dschungel der Geldanlage zu verirren und am Ende gar Geld zu verlieren – die Angst vor dem ersten Schritt. Diese Angst vor Verlusten ist tief in uns verankert, viel stärker als die Hoffnung auf Gewinne. Ein Phänomen, das der Nobelpreisträger Daniel Kahneman und der Psychologe Amos Tversky als «Verlustaversion» beschrieben haben.[3] Wir mögen es gar nicht, wenn wir Verluste machen, und deshalb gehen wir lieber kein Risiko ein und bevorzugen das vermeintlich Sichere auf dem unrentablen Girokonto. Hier haben wir das Geld stets im Blick, begleitet vom trügerischen Gefühl, dass so nichts verloren gehen kann.
Kahneman und Tversky fanden Ende der Siebzigerjahre heraus, dass Verluste uns viel mehr schmerzen, als uns Erfolge und Gewinne erfreuen.[4] Der Schmerz, 1000 Euro zu verlieren, ist weitaus stärker als die Freude, 1000 Euro zu gewinnen. Auch hier mögen Urerfahrungen der frühen Menschen eine Rolle spielen, für die der Verlust von Werkzeugen, Fellen oder Jagdwaffen tödliche Folgen haben konnte. Unsere Verlustaversion wird im Marketing täglich genutzt: Wenn Unternehmen zeitlich begrenzte Angebote machen oder mit Rabattaktionen werben, geben sie den potenziellen Kundinnen und Kunden damit das Gefühl, sie könnten etwas Wertvolles nicht bekommen, falls sie nicht schnell noch zugreifen. Denselben Zweck haben kostenlose Testversionen oder Geld-zurück-Garantien: Die Kunden werden damit zum Kauf bewegt, weil ihnen suggeriert wird, sie könnten mit den Produkten keinen Verlust erleiden. Auch gewiefte Verkäufer nutzen die Verlustaversion. Sie bringen bei Preisverhandlungen andere Interessenten ins Spiel, die angeblich bereit sind, den geforderten Preis zu zahlen, und vermitteln so dem potenziellen Käufer die Botschaft, sie oder er könne die gewünschte Ware verlieren, wenn jetzt nicht zugegriffen wird.
Klar, vermutlich würde die große Mehrheit derjenigen, die einen Überschuss auf dem Girokonto angehäuft haben, gerne mehr daraus machen. Einen Grund, das nicht zu tun, haben wir gerade gehört, die Angst vor Verlusten. Viele denken aber auch: Ich habe keine Ahnung, wie man Geld sinnvoll anlegt oder fürs Alter klug vorsorgt, also lasse ich lieber die Finger davon. Das zeigt zum Beispiel eine Untersuchung der Frankfurt School of Finance & Management: Mehr als die Hälfte derjenigen, die nicht am Aktienmarkt investieren, glaubt demnach, dass ihnen dafür das Wissen fehlt. Doch liegen sie damit richtig?
Du kennst wahrscheinlich den aus der Antike überlieferten Ausspruch, der fälschlicherweise dem griechischen Philosophen Sokrates zugesprochen wurde: «Ich weiß, dass ich nichts weiß.»
Nur, so viel muss man gar nicht wissen, um sein Kapital vermehren zu können. Weder muss man ein Finanzgenie sein, um etwa jeden Monat 100 Euro für die zusätzliche Altersvorsorge zurückzulegen. Noch muss man zehn Börsenratgeber gelesen haben oder täglich die Aktienkurse verfolgen, um sein Geld selbst anlegen zu können und dabei erfolgreich zu sein. Schon der US-amerikanische Großinvestor Warren Buffett, eine Art Legende unter den professionellen Geldanlegern, sagte: «Der Erfolg hängt nicht vom IQ ab – vorausgesetzt, man hat einen Intelligenzquotienten von über 25.»
Gut möglich, dass zur Verlustangst und dem Gefühl, zu wenig zu wissen, noch andere Beweggründe hinzukommen, warum das Geld letztlich auf dem Girokonto liegen bleibt. Etwa die Macht der Gewohnheit, die ein Motor dafür sein kann, an dem vermeintlich sicheren Geld auf dem Konto festzuhalten. Warum sollen wir etwas ändern, wenn es doch irgendwie gut läuft momentan? Das ist bequem – und Bequemlichkeit ist ein mächtiger Gegner, wenn es darum geht, neue Wege zu gehen. Vielleicht geht es auch einher mit einem übertriebenen Perfektionismus. Wir wollen alles richtig machen, wissen aber nicht, was das Richtige ist, zumal es – wie beim Heraussuchen eines Films oder einer Serie auf Netflix – so viele Möglichkeiten gibt, dass man sich kaum entscheiden kann.
Hinzu kommt: Nicht wenige Menschen sind verunsichert. Wir lesen, hören, sehen täglich, wie unvorhersehbar unsere Welt geworden ist. Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine, neue Zölle, der irrlichternde US-Präsident Donald Trump, unsichere und niedrige Renten, mögliche Altersarmut, Deutschland in der Krise. Das mag die eine oder den anderen davon abhalten, eine Entscheidung zu treffen, das eigene Geld anzulegen.
Die Jüngeren wiederum, die in den Schulen leider nicht lernen, was ihnen beim Umgang mit Geld hilft, werden ständig mit den «besten Versionen» des Lebens auf Social Media konfrontiert. Sie sehen dort Influencer und Influencerinnen, die auf Weltreise gehen, teure neue Outfits kaufen, sich mit Luxuswaren eindecken, die sich viele ihrer Follower im Leben nie leisten könnten, während sie dabei stets den Eindruck erwecken, sie würden keine finanziellen Ängste und Probleme kennen. Ob das immer stimmt, sei dahingestellt, aber wer sich mit Reichen oder vermeintlich Reichen vergleicht, mag es als sinnlos empfinden, Geld für die Altersvorsorge zurückzulegen oder Geld anzulegen, weil ein solch luxuriöser Lebensstil ohnehin in unerreichbarer Ferne liegt.
Ein weiterer Grund: Viele Menschen vertrauen dem Finanzsystem nicht. Sie haben in den vergangenen Jahren von Bankenkrisen, Betrugsfällen und schwankenden Börsenkursen gehört und hadern: «Kann ich meiner Bank wirklich trauen? Wollen diese Berater mir nicht nur irgendwelche Produkte aufschwatzen, die ihnen Geld bringen?» Viele Menschen haben das Gefühl, dass sie von Finanzexperten über den Tisch gezogen werden könnten – und deshalb lassen sie lieber die Finger davon.
Nicht selten wird fehlendes Vertrauen begleitet von schlechten Erfahrungen. Die älteren Leserinnen und Leser erinnern sich vielleicht noch an die zweite Hälfte der Neunzigerjahre, als die ARD den Börsenbericht vor der Tagesschau einführte und der Schauspieler Manfred Krug für den Kauf der Telekom-Aktie («T-Aktie») im Fernsehen warb. Sein Wahlspruch: «Wenn die Telekom an die Börse geht, dann geh ich mit.» Mit diesem Slogan gelang Krug damals etwas, womit nur wenige Experten gerechnet hatten: Als Alleinunterhalter, der in einer Serie von TV-Spots die Zuschauer im direkten, persönlichen Gespräch überzeugte, entfachte er eine Jackpot-Stimmung in der Bevölkerung. Der Schauspieler, bekannt aus der Serie Liebling Kreuzberg, kam dabei so gut an, dass Millionen Privatanleger unbedingt die Telekom-Papiere zum damaligen Ausgabepreis von umgerechnet 28,50 D-Mark haben wollten, und das nicht selten, obwohl Aktien für sie vorher noch Teufelszeug gewesen waren. Durch die Kampagne mit Krug wurde die T-Aktie zur «Volksaktie», zu einem Markenartikel, auf einmal interessierten sich die Bundesbürger für die Börse. Doch es folgte das böse Erwachen: Viele machten mit der Telekom-Aktie Verluste, vor allem dann, wenn sie erst 1999 oder 2000 zugegriffen hatten, als das Telekommunikationsunternehmen erneut neue Aktien auf den Markt warf – für 39,50 Euro und dann zum «Frühbucher-Preis» von 63,50 Euro. Ein Kursniveau, das die T-Aktie, die wenige Wochen zuvor sogar auf mehr als 100 Euro gestiegen war, nach Ausgabe nicht mehr erreichen sollte. Der Kurs der T-Aktie rutschte im Herbst 2002 sogar unter zehn Euro. Aktuell, im Sommer 2025, notierte die Telekom-Aktie bei gut 30 Euro. Diese Achterbahnfahrt der «Volksaktie» hinterließ bei vielen Anlegerinnen und Anlegern Narben, die bis heute nachwirken. Sie legen kein Geld mehr an der Börse an, nur um am Ende nicht wieder dumm dazustehen.
Mit den Anfängen der Telekom-Aktie begann auch die kurze Geschichte des Neuen Markts, eines neuen Börsensegments der Frankfurter Börse, der von 1997 bis 2003 das Zentrum der New Economy in Deutschland bildete. Am Neuen Markt wurden die Aktienkurse von bis zu 300 jungen Unternehmen gehandelt, die neu an die Börse gegangen waren. Private Anleger investierten damals sehr viel Geld in die Börsenneulinge, getrieben von der Erwartung, dass die Aktienkurse immer weiter steigen würden. Im Jahr 1999 ließen sich tatsächlich Tagesgewinne von 20 Prozent und mehr einstreichen, wenn man denn die Aktien mit Kursgewinnen rechtzeitig verkaufte. Es war die Hochzeit des Zockens. Doch viele dieser neuen Internet- und Technologiefirmen entpuppten sich bald als Luftnummern. An der Börse waren sie vorübergehend Milliarden wert, bis sich herausstellte, dass ihr Geschäftsmodell nicht tragfähig war und sie nie Gewinne machen würden. Nur wenige der Börsennewcomer überlebten, die meisten sind längst pleitegegangen und verschwunden. Viele Menschen verloren mit diesen Aktien viel Geld – und machen seitdem um die Börse einen großen Bogen. Wie meine ehemalige Kollegin, die zehn Jahre brauchte, um sich von ihren Erfahrungen am Neuen Markt zu erholen. «Ich habe damals viel Lehrgeld bezahlt», sagt sie.
Nun wird es immer Aktien an den Börsen geben, die sich als Geldvernichtungsmaschinen entpuppen. Davon solltest du dich aber nicht abschrecken lassen. Die Negativbeispiele sollen auch verdeutlichen, was passieren kann, wenn man ohne Planung und Strategie nach Gutdünken willkürlich in irgendwelche einzelnen Aktien investiert. Wenn du aber mehr aus deinem Geld machen willst, wirst du gar nicht um die Aktienmärkte herumkommen. Sonst wird es für dich sehr schwer, dauerhaft Erträge zu erwirtschaften, die über der Inflationsrate liegen. Dieses Buch wird dir dabei helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Nur müssen wir dafür erst einmal die Aufschieberitis bekämpfen, die unser Nichts-Tun belohnt.
Klar, wir können jeden Tag einen (neuen) Grund finden, um etwas heute nicht zu tun, was wir eigentlich tun wollten. Eine Ausrede gibt es immer, um abzuwarten, ob bis morgen, bis nächste Woche oder bis wann auch immer. Immer kommt irgendetwas dazwischen, und aus dem Vorsatz wird am Ende gar nichts. Nur, was kann man tun, um das ständige Prokrastinieren in Sachen Geld zu beenden?
Du kennst jetzt die Erklärungsmuster, warum viele Menschen mit ihrem Geld nichts Besseres tun, als es auf dem Girokonto liegen zu lassen oder gar zu Hause als Bargeld zu bunkern. Vielleicht hast du dich an der einen oder anderen Stelle selbst erkannt. Das ist die erste Voraussetzung, damit das Thema Geldanlage für dich nicht zum Friedhof deiner guten Vorsätze wird. Wenn du weißt, warum bislang nichts vorangegangen ist, fällt es dir hoffentlich leichter, loszulegen. Was dir dabei helfen kann, ist ein klar definiertes, möglichst konkretes Ziel. Aber Achtung: «Aus den 50000 Euro sollen 100000 Euro werden» oder allgemeiner «ich will für die Altersvorsorge sparen» – das wirkt für viele Menschen offenbar wenig motivierend. Zu ambitionierte Pläne können genauso wie zu unkonkrete Pläne Sorgen auslösen und ein Gefühl der Resignation («Das schaffe ich nie!»). Besser du versuchst abstrakte Zahlen mit Leben zu füllen, also das Ziel möglichst konkret zu benennen, dir vorzustellen, wie es genau aussehen könnte, egal, ob es um die neue Einbauküche, ein Geldgeschenk für die Kinder, die Weltreise oder eine Zusatzrente geht. Dazu gehört auch, einen Zeitpunkt festzulegen, zu dem du dein Ziel erreicht haben willst. Das trägt dazu bei, den eigenen Vorsätzen treu zu bleiben. Den Wunschtraum umsetzen kannst du gegebenenfalls immer noch später, aber das Terminieren hilft, überhaupt an den Start zu kommen.
Viele Anlegerinnen und Anleger grübeln über das richtige Timing. Sie fragen sich, wann sie anfangen sollen, wann der beste Zeitpunkt ist, um zum Beispiel den ersten Fonds zu kaufen oder Geld auf ein Sparkonto zu legen. Darauf kommt es langfristig aber nicht an – lieber gleich anfangen, um den Zinseszinseffekt, also die sofortige Wiederanlage der Zinsen und deren Mitverzinsung zu nutzen. Beispiel: Eine 30-Jährige hat 100000 Euro geerbt. Sie braucht das Geld im Moment nicht, will auch keine Immobilie kaufen, sondern einfach nur das Geld gut arbeiten lassen. Sie entscheidet sich für eine Anlage, die 2,5 Prozent Zinsen Jahr für Jahr bringt; welche das sein soll, spielt hier erst einmal keine Rolle. Aus den 100000 Euro sind inklusive Zins und Zinseszins nach fünf Jahren rund 113141 Euro geworden, nach 10 Jahren 128008 Euro und nach 20 Jahren 163862 Euro. Die Zahlen zeigen schon: Jedes Jahr, in dem sie das Geld etwa in Erwartung eines höheren Zinssatzes auf dem Girokonto vergammeln lässt, ist ein verlorenes Jahr mehr, weil ihr jedes Jahr mehr an Zinsen entgehen. Je früher sie aber anfängt, desto mehr kann sie vom Zinseszinseffekt profitieren. Das Geld vermehrt sich schneller, weil jeder Ertrag wieder angelegt wird und zusätzliche Erträge generiert, die wiederum das Sparkapital vergrößern. Nicht umsonst bezeichnete der Mathematiker und Nobelpreisträger Albert Einstein den Zinseszinseffekt als «achtes Weltwunder».
Angenommen, du willst jeden Monat Geld zurücklegen, etwa für die Altersvorsorge, dann ist es kontraproduktiv, deinen inneren Schweinehund jedes Mal von Neuem überwinden zu müssen. Wer einen Dauerauftrag einrichtet, agiert sozusagen automatisch diszipliniert. Diesen Dauerauftrag solltest du so terminieren, dass das Geld abgebucht wird, wenn gerade das Gehalt, deine Honorare oder deine Rente/Pension aufs Konto überwiesen wurde. Unser Gehirn nimmt jeden Sparvorgang als Verlust wahr. Geht aber das Geld vom Konto ab, wenn es gerade gefüllt ist, spüren wir das gar nicht so. Und was weg ist, können wir nicht mehr ausgeben.
Fang lieber klein an, als gar nichts zu tun! Du hast eine Stange Geld auf dem Konto? Willst aber erst einmal sehen, ob das alles so funktioniert mit dem Geldanlegen und ob du damit mental klarkommst? Du kannst auch mit kleinen oder kleineren Beträgen anfangen. Gleiches gilt für alle, die noch nicht so viel auf dem Konto haben. In einen Fondssparplan einzahlen kannst du bei vielen Banken und Sparkassen schon ab 25 Euro monatlich. Damit lässt sich, früh genug angefangen, eine Menge anhäufen: So werden aus 25 Euro, 40 Jahre lang jeden Monat eingezahlt, nicht ganz 30000 Euro bei einer Rendite von vier Prozent pro Jahr. Aus 100 Euro pro Monat werden nach vier Jahrzehnten so mehr als 116000 Euro und aus 200 Euro monatlich im selben Zeitraum gut 233000 Euro (Seite 165ff.).
Auch wenn die 30-jährige Erbin überfordert ist von den 100000 Euro, die sie vielleicht vermacht bekommen hat, kann sie ganz vorsichtig anfangen. Sie kann zum Beispiel erst einmal jeden Monat 5000 Euro in einen Fonds anlegen, bis das gesamte Geld langsam angelegt ist. Das dauert dann 20 Monate. Angenommen, die Rendite für jede 5000-Euro-Anlage beläuft sich auf durchschnittlich 3,5 Prozent nach Zahlung von Kapitalertragsteuern, dann wäre ihr Vermögen nach 20 Monaten inklusive Zinseszins auf immerhin rund 103089 Euro angewachsen. Sie hätte ihr Vermögen also um gut 3000 Euro vermehrt. Hätte sie ihr Guthaben auf einem verzinsten Tagesgeldkonto angelegt und von dort die jeweils 5000 Euro entnommen, wäre aus ihrem Anfangsguthaben sogar noch etwas mehr geworden. Wie das alles im Detail geht, erfährst du in den folgenden Kapiteln.
Bevor wir loslegen und du erfährst, wie du ganz konkret Geld anlegen kannst, sind noch ein paar wichtige Fragen zu klären. Stell dir den Oberbefehlshaber oder Kommandeur einer Armee vor, der sein Land verteidigen soll. Dafür braucht er einen klugen Plan beziehungsweise eine gute Strategie. Das gilt im übertragenen Sinn auch für deine Geldanlage. Um im Bild zu bleiben: Ohne Übersicht über deine Streitkräfte (das sind deine finanziellen Verhältnisse und Möglichkeiten), ohne Plan und Strategie (ursprünglich verstand man darunter tatsächlich die Kunst der Heeresführung) greifst du die Kapitalmärkte im Blindflug an und erlebst mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit unliebsame und kostspielige Überraschungen. Lass dich im nächsten Kapitel daher erst einmal gut ausrüsten.
Was du checken musst, bevor du loslegen kannst
Wenn du in eine Bankfiliale gehst und fragst, wie du 50000 Euro, 100000 Euro oder mehr anlegen sollst, passiert fast immer das: Nach einem mehr oder weniger langen Vorgespräch wird dir angeboten, in Fonds X, Y oder Z zu investieren, oder in alle gleichzeitig, vielleicht sollst du auch ein bisschen Gold kaufen und/oder einen Teil sicher und fest in einem (fast immer unterdurchschnittlich verzinsten) Sparbrief oder in Festgeld (Seite 85ff.) anlegen. Womöglich wird dir auch nahegelegt, das Geld komplett auf einen Schlag in eine fondsgebundene Rentenversicherung zu investieren, ein Produkt, das dir irgendwie rätselhaft erscheint und das dir nicht so richtig erklärt wird. Kommt dir bekannt vor? Dann solltest du in Zukunft um solche «Berater» und «Beraterinnen» einen großen Bogen machen. Sie beraten nicht und sind auch keine Berater im wörtlichen Sinne, sondern Mitarbeiter in einer Bank oder Sparkasse und letztlich Verkäufer, die nicht selten Vorgaben erhalten, welche Produkte sie gerade an die Frau oder den Mann bringen sollen. Salopp gesagt: Wenn dir Asienfonds verkauft werden sollen, sind gerade «Asienwochen» – die es mal bei einer großen Imbisskette gab – in deiner Bank.
Wenn du das Geld aus einer Erbschaft, deiner Lebensversicherung oder das bereits Ersparte vermehren willst, solltest du nicht «blind» einfach so anlegen, sondern zunächst eine finanzielle Bestandsaufnahme machen – wie ein Unternehmer, bei dem Ende des Jahres die Inventur fällig sein wird. Konkret heißt das: Du verschaffst dir einen Überblick über deine Einnahmen und Ausgaben jetzt und so weit wie möglich in die Zukunft. So ein Kassensturz ist nicht schwer, du führst ja vermutlich kein großes Unternehmen.
Zunächst kannst du monatlich wiederkehrende Ausgaben notieren. Dazu zählen vor allem die Kaltmiete und die Wohnnebenkosten (Wasser, Abfall, Strom, Heizung) oder die Raten für den Immobilienkredit, plus die Ausgaben für Telefon, Internet, Medien, Kultur, Sport und Freizeit, Ernährung und Bekleidung, Haushalt, Beiträge für Versicherungen, die nicht schon von deinem Gehalt abgezogen sind, Raten für Sparverträge oder Fondssparpläne, Ausgaben fürs Auto oder für die Betreuung der Kinder. Hinzu kommen unregelmäßige Ausgaben in unterschiedlicher Höhe wie für eine Autoreparatur, Reisen und Urlaub. Ausgaben, die nicht monatlich anfallen, sind auf den Monat umzurechnen. Hilfreich ist dafür eine Analyse der Kontoauszüge über mehrere Monate und/oder eine Finanz-App wie Finanzblick (kostenlos), Finanzguru (teilweise kostenpflichtig) oder Outbank (kostenpflichtig) beziehungsweise ein Haushaltsbuch oder eine einfache Excel-Datei. Wenn du alles eingetragen hast, gewinnst du recht bequem einen Überblick über deine Gesamtausgaben, womöglich sogar zum allerersten Mal. Ich kenne jedenfalls nicht viele Menschen, die wissen, wie viel Geld sie im Monat durchschnittlich verbrauchen. Das ist Teil eins deines Kassensturzes.
Bei Teil zwei geht es um deine Einnahmen. Diese zählst du ebenfalls zusammen, also dein Netto-Gehalt oder, falls du selbstständig bist, deine durchschnittlichen Monatshonorare oder, falls du Ruheständler bist, deine ausgezahlte Rente oder Pension oder andere Altersbezüge wie eine Betriebsrente. Vergiss auch Zusatzeinkünfte nicht. Vielleicht hast du ja schon Geld angelegt und kassierst Zinsen. Oder zum Beispiel Dividenden (Seite 244ff.), die Unternehmen ihren Aktionären oder Genossenschaften ihren Mitgliedern auszahlen. Diese Kapitalerträge findest du in der Mitteilung, die du von deiner Bank Anfang des Jahres für deine Steuererklärung erhältst. Dort siehst du auch, ob von den Erträgen bereits Kapitalertragsteuer, bekannt auch als Abgeltungsteuer, abgezogen wurde oder nicht (weil du die Erträge per Freistellungsauftrag von der Steuer befreien konntest (S. 268ff.). Diese Erträge notierst du bei den Einnahmen ebenfalls. Heraus kommen dabei nur Annäherungswerte, denn Dividenden und bestimmte Zinsen können steigen oder fallen. Was du im laufenden und in den kommenden Jahren kassieren wirst, lässt sich so aber zumindest abschätzen.
Bist du Eigentümer einer Immobilie, die du vermietet hast, musst du die Mieteinnahmen bei deinen Einnahmen ebenfalls berücksichtigen. Kalkuliere dabei vorsichtig! Du solltest von der Bruttomiete die von dir zu bezahlenden Betriebskosten, Ausgaben für die Verwaltung, Zins und Tilgung und eine von dir festgelegte Instandhaltungsrücklage abziehen, um ein realistisches Bild von deinen Mieteinnahmen zu gewinnen.
Schulden gehören zur finanziellen Bestandsaufnahme genauso wie Einnahmen und Ausgaben. Bedenke auch, dass du für Kredite in der Regel höhere Zinsen zahlen musst, als du durch eine sichere Geldanlage wieder hereinbekommen kannst. Bevor du also überhaupt Geld in größerem Umfang anlegst, solltest du prüfen, ob du nicht zunächst einen Ratenkredit ablösen oder zum Beispiel durch Sondertilgungen die Schulden für deine eigenen vier Wände schneller verkleinern kannst.
Zu deinem Finanzen-Check sollte auch ein Versicherungscheck gehören. Warum? Weil es dich viel Geld kosten und deine Geldanlagepläne über den Haufen werfen kann, wenn du gar nicht oder falsch versichert bist. Deshalb solltest du zunächst grundsätzlich sämtliche Versicherungen auf Kosten und Leistungen kontrollieren.
Die meisten Menschen haben irgendwann im Leben privat ein paar Versicherungen abgeschlossen. Sechs Verträge sind es im Durchschnitt, meist sauber abgeheftet in einem Versicherungsordner. Um dann vergessen zu werden. Macht nichts? Leider doch. Zum einen kosten Versicherungen eine Menge Geld. So gibt jeder Bundesbürger im Durchschnitt jährlich mehr als 2000 Euro für Versicherungen aus. Zum anderen kann es ganz schön riskant sein und schlimmstenfalls den finanziellen Ruin bedeuten, wenn du falsch versichert bist. Hier deshalb eine kleine Handreichung, zumindest für die Versicherungen, die für dich und deine langfristige Finanzplanung eminent wichtig sein können.
Sich einen Durchblick verschaffen: Anfangen kannst du mit einem Blick in den Versicherungsordner. Sind dort Verträge drin, die über fünf Jahre alt sind, kannst du diese schon mal zur Seite legen für eine genaue Inspektion. Oft (aber nicht immer) haben neuere Verträge bessere Bedingungen als alte Policen. Bei Stiftung Warentest oder den Verbraucherzentralen und bei den einschlägigen Vergleichsportalen wie Verivox oder Check24 lässt sich schnell ermitteln, ob es günstigere Alternativen gibt. Dafür muss du aber wissen, dass bestimmte Anbieter wie die HUK-Coburg oder CosmosDirekt bei den Vergleichsportalen nicht immer vertreten sind. Verbraucherschützer empfehlen deshalb, die Recherche durch eine Abfrage bei solchen Direktanbietern zu ergänzen.
Allerdings ist auch klar: Was günstig ist, muss nicht immer gut sein. Deshalb solltest du dich stets fragen: Welchen Schutz brauche ich wirklich? Passt das, was ich habe, noch zu meiner Lebenssituation? Außerdem kannst du einen ganz einfachen Spartipp befolgen: Jährlich Beiträge an die Versicherung zu zahlen, ist günstiger als vierteljährlich oder sogar monatlich.
Die Haftpflichtversicherung: Ein vergessenes Teelicht im Hotelzimmer – und das Hotel brennt ab. Das neue Smartphone der Freundin fällt dir herunter, eine Reparatur ist fällig. In beiden Fällen sollte eine private Haftpflichtversicherung zahlen. Ob Leichtsinn, Missgeschick oder Vergesslichkeit, mit einer Haftpflichtpolice sind Personen-, Sach- und Vermögensschäden abgedeckt, die durch fahrlässiges Handeln im Privatleben entstehen. «Ohne private Haftpflichtversicherung würde ich nicht auf die Straße gehen», sagte eine Versicherungsexpertin einmal zu mir. Doch nicht jeder Haftpflichtvertrag bietet das, was sich die Kundin oder der Kunde wünscht. Du solltest daher auf drei Dinge achten:
Die Versicherungssumme sollte hoch genug sein, mindestens zehn Millionen Euro.
Du solltest genau prüfen, wie lange die Kinder, falls vorhanden, mitversichert sind und unter welchen Bedingungen (Alter, Ausbildung, Wohnort).
Schäden an geliehenen oder gemieteten Sachen sollten explizit eingeschlossen sein, ebenso die sogenannte Forderungsausfalldeckung. Damit ist auch der Schaden abgesichert, den ein Dritter an den eigenen Sachen verursacht, der aber selbst keine private Haftpflichtversicherung hat.
Ebenfalls nicht zu vergessen: Wenn sich die Lebenssituation ändert, Kinder zum Beispiel ausziehen, man heiratet oder sich scheiden lässt, oder wenn der Vertrag schon älter ist, solltest du auf jeden Fall prüfen, ob alles noch passt.
Die Wohngebäudeversicherung: Bist du Hauseigentümer, hast du eine Wohngebäudeversicherung. Die Police schützt vor Schäden durch Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel an deiner Immobilie. Doch Achtung, sie kann böse Überraschungen im Kleingedruckten enthalten, weil die Leistungen sehr unterschiedlich sein können. Oft sind in den Policen zum Beispiel sogenannte Elementarschäden (Starkregen, Überschwemmung, Erdbeben, Erdrutsch, Schneedruck) nicht enthalten. Dann solltest du prüfen, ob eine Zusatzdeckung möglich ist, um bei einem solchen Schaden (du erinnerst dich bestimmt an die Bilder von den Überschwemmungen im Ahrtal) nicht auf fünf- oder sechsstelligen Kosten sitzen zu bleiben. Der Preis hängt allerdings vom Wohnsitz ab. Wer etwa direkt an einem Fluss oder unterhalb eines Berges in den Alpen (Lawinengefahr) wohnt, zahlt einen höheren Beitrag oder bekommt gar keinen passenden Schutz mehr. Gut auch, wenn Rauch- und Rußschäden nach einem Feuer oder die neue Solaranlage auf dem Dach abgedeckt sind.
Die Hausratversicherung: Es kann ganz schnell gehen. Im Bad löst eine defekte Waschmaschine einen Brand aus, und das gesamte Mobiliar einer Wohnung wird unbrauchbar. Einbrecher nehmen Schmuck im Wert von mehreren Tausend Euro mit. Starkregen überschwemmt den Weinkeller. In allen drei Fällen kann eine Hausratversicherung helfen. Damit entschädigt der Versicherer dich, wenn dein Hausrat durch Feuer, Einbruch, Leitungswasser, Sturm, Hagel, Raub und Vandalismus zerstört, beschädigt oder gestohlen wird. Nur: Die beste Hausratpolice nützt nichts, wenn die Versicherung nicht zahlt, weil das, was dir lieb und teuer ist, nicht penibel dokumentiert wurde oder der Schutz nicht ausreichend ist. Daher ist es sicherer, von allen Wertsachen Fotos zu machen, vom Polstersessel genauso wie vom Fernseher oder dem Schmuck. So kannst du auch kleine Schäden exakt belegen. Ein guter Nachweis kann auch ein Video vom deinem Zuhause sein. Die Fotos und das Video sollten dann aber so hinterlegt sein, dass du auch bei einem Verlust des Smartphones darauf zurückgreifen kannst. Ebenso hilfreich: Rechnungen, die den Kauf von teuren Wertgegenständen eindeutig belegen.
Die Berufsunfähigkeitsversicherung:
