Deine Stunde schlägt erst später - Rolf Theuring - E-Book

Deine Stunde schlägt erst später E-Book

Rolf Theuring

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Beschreibung

Bemerkungen am Rande des Lebens. Eine Zusammenstellung von Erfahrungen und Begebenheiten, die durch den Stil einer Randbemerkung bestechen.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 115

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Ein langes Leben braucht seine Zeit. Die Zeit nimmt alles mit, auch uns.

Carpe diem

Inhalt

Warum wir auf der Welt sind

Jeder von uns ist ein Zufall

Auch dein Name ist ein Zufall

Wie man einen Nachnamen erfindet

Andere Länder, andere Sitten

Herculaneum kommt vom Namen Herkules

Kein Leben ohne Lebensgefahr

Das kann ich auch

Die alte Brücke, ein Auto und ich

Der Marchallstab

Die Karbidlampe ist nichts für Kinder

Kalle wusste es besser

Reiten lernen im Galopp

Pass doch auf!

Glück musst du haben

Marschmusik

Mit dem Spazierstock in den Himmel

Denn im Wald…

Gespensterstunde

Glück musst du haben

Du wirst älter, glücklicherweise ganz langsam nur

Russisch-deutsche Hasenjagd

Auf dem Wege nach Babylon

Tiere verstehen

Wie Purzel zum Bückling kam

...

und brachte die Liese zum Bock

Ein Hund namens Meier

Lumpi, der Pfadfinder

Habe du mal einen Kater

Borstel der Gute

Vom Frühling bis zum Herbst des Lebens

Es soll dir einmal besser gehen

Der Teufel wohnt im Gondelteich

Pubertät! Ist das was Schlimmes

Jugendliebe

Gutes Aussehen geht vor Schönheit

Von der Macht der Liebe

Warum Zweisamkeit besser ist

Mann und Frau gehören zusammen

Die Männer und ihre ewige Eva

Was Männer wirklich wollen

Später dann…

Durch Zufall lange leben?

Wie alt ich werde

Was man von den Älteren lernen kann

Loslassen lernen

Wenn ich einmal alt bin

Respekt vor dem Alter

Im Jenseits sind wir alle gleich

Miszellen

Fördert Brauchtum die Lebensfreude?

Ladies first

Duzen, Ihrzen oder Siezen

Weihnachtsmann und Osterhase

*

Besserwisser sind unentbehrlich

Er war selbst sein bester Gast

Genießen ohne zu sündigen

Erbanlagen hat doch jeder

*

Verkaufe Melch mit i

Vom Sinn des Sammelns

Sparen macht keinen Spaß

Wieviel Geld braucht der Mensch?

*

Damals auf dem Gymnasium

Denke ich an morgen...

Vorbemerkung

Wann meine Stunde schlägt, das weiß ich nicht. Vielleicht war es Zufall, dass ich ein hohes Alter erreicht habe. Da müsste allerdings eine Vielzahl von Zufällen mitgewirkt haben.

Was ich hier aufgeschrieben habe, das sind aus dem Alltag gegriffene Episoden. Ich habe sie mit einigen Randbemerkungen versehen. Man muss nur genau hinsehen.

Das Leben hält für jeden von uns täglich etwas Neues bereit, Gutes wie auch nicht so Gutes. Manches davon lässt sich in kurzen Geschichten darstellen, so wie es dem Schreiber eben gelingt.

Kurzgeschichten haben eine merkwürdige Eigenschaft. Man muss sich nämlich nicht erst in sie hineinlesen, weil man dann schon das Ende verpasst.

Die beliebtesten Kurzgeschichten sind solche, die einen guten Ausgang nehmen. Wer hört und liest nicht gern Geschichten, die von Liebe, Glück, der Familie oder vom Umgang mit Tieren handeln. Das Leben ist so vielfältig.

Ich würde mich freuen, wenn meine nachfolgenden Geschichten nicht nur Kopfnicken, Zustimmung oder gar Freude bereiten, sondern manchmal auch zum Nachdenken anregen. Ob mir das gelingt, kann ich nicht beurteilen. Die Geschichten sind immerhin im wahren Leben geboren.

Vieles aus meinem Erleben, meinen Erinnerungen und meinen Erkenntnissen habe ich weggelassen, weil kein Platz dafür blieb. Ihr findet kaum etwas über die Kriegszeit, meine Familie und über mein Berufsleben. Auch die Auswirkungen von Erkrankungen werden nicht erwähnt.

Was bleibt, das sind bemerkenswerte Vorfälle im Leben und wie man mit ihnen umgehen kann.

Wir wollen alle alt werden. Aber jung bleiben wollen wir auch. Wenn man es so anstellt, wie ich es beschrieben habe, dann hat man damit lange zu tun.

Warum wir auf der Welt sind

Ich habe mich mein Leben lang um die Beantwortung dieser Frage bemüht. Ich kann sie bis heue nicht schlüssig beantworten. Es macht doch keinen Unterschied, ob wir eine Laune der Natur oder ein Zufall sind.

Schließlich geht es um die Frage nach dem Sinn des menschlichen Lebens und nach dem Sinn des Daseins aller Lebewesen. Diese Frage lässt sich offenbar nicht beantworten.

Natürlich kann ich sagen, dass ich hier bin um zu leben, zu arbeiten, zu lieben und zu leiden. Da stimmen nicht alle zu. Es wird viele verschiedene Meinungen hierzu geben.

Wir sind hier auf der Durchreise. Doch von wo und wohin und warum, das wissen wir nicht. Jeder von uns hat Geheimnisse. Die Geheimniskrämer und Heimlichtuer haben sogar viele Geheimnisse. Doch ich habe noch keinen getroffen, der bereit oder gar imstande gewesen wäre, mir zu sagen, warum er auf dieser Welt ist. Das weiß anscheinend keiner.

Die weisen älteren Herrschaften unter uns können uns allenfalls sagen, wie man es anstellen sollte, wenn man ein hohes Alter erreichen möchte. Genau wissen die es natürlich auch nicht. Frage sie doch mal, warum wir überhaupt hier sind.

Meistens werden die Alten gar nicht erst gefragt. Das ist bedauerlich. Die Jüngeren hingegen winken bei der Frage nach dem Sinn des Daseins ab. Für sie ist das kein Thema, das einer Überlegung wert wäre.

Es gibt Leute, die sind auf der Suche nach dem ewigen Leben. Ein langes Leben ist ihnen nicht genug. Wo die Ewigkeit beginnt und wo sie endet, darüber wissen sie genauso wenig wie wir anderen. Und wie sie ihr ewiges Leben gestalten wollen, darüber haben sie sich noch keine Gedanken gemacht.

Wenn wir uns einig sind, dass es auf unserer Erde kein ewiges Leben gibt, so stellt sich gewiss die Frage, wie ich wenigstens ein recht hohes Alter erreichen kann. Dazu braucht man die Einsicht, dass dies nicht für Geld zu haben ist. Wer lange leben möchte, muss dafür etwas tun. Allgemein gesagt ist es etwas, das für unseren Körper zuträglich ist.

Die regelmäßige körperliche Bewegung ist mit Gewissheit die erste Bedingung für ein gesundes Leben. Allein sie reicht nicht aus. Der Mensch lebt nicht von der Bewegung allein. Er muss auch essen und trinken, und zwar maßvoll, wenn er sich die Aussicht auf ein langes Leben bewahren will.

Manche Dinge sollte man auf dieser Erde generell unterlassen. Man kann nicht immer auf alles gleichzeitig achten. Doch das Risiko sollte sich in Grenzen halten. Auch ein bisschen Glück braucht jeder Mensch im Leben. Das steht ihm zu, wenn er schon mal hier ist.

Wir können unsere Lebenserwartung beeinflussen. Und wenn wir uns an einige Regeln halten, können wir auf dieser Erde auch ein stattliches Alter erreichen.

Jeder von uns ist ein Zufall

Dein Dasein auf dieser Welt beginnt im Augenblick deiner Geburt. Und genau von diesem Zeitpunkt an beginnst du auch älter zu werden. Deine Geburt ist das wichtigste Ereignis in deinem Leben. Aber du kannst dich an diese Stunde nicht erinnern. Was du vom Vorgang deiner Geburt weißt, hat man dir später erzählt.

Dass die Menschen nicht gut rechnen können, ist nichts Neues. Das beweisen sie auch bei der Ermittlung ihres Lebensalters. Wer den Tag seiner Geburt für seinen Geburtstag hält, der ist im Irrtum. Er muss noch ein ganzes Jahr warten, bevor er seinen ersten Geburtstag feiern kann. In Wirklichkeit ist das doch die erste Wiederkehr seines Geburtstages.

Sobald du das Licht der Welt erblickt hast, beginnst du auch schon älter zu werden. Morgen bist du älter als heute. Das ist kein Zufall, sondern logisch. Und diese Logik bleibt bis zum Ende deiner Tage erhalten.

Meine Geburt war der Schlussakt meines Werdens im Mutterleib. Auch dieses Werden war kein Zufall. Nur das, was geschah, damit ich werde, war zufallsbedingt.

Solange du auf der Welt nicht angekommen bist, verhältst du dich möglichst unauffällig. Na ja, da soll es auch Quertreiber geben. Immerhin bist du noch nicht Chef im Hause. Ich hatte nicht mal das Recht auf Mitsprache, als darüber entschieden wurde, ob ich ein Männlein oder ein Weiblein sein solle. Wäre mir diese Frage ganz am Anfang gestellt worden, so hätte ich darauf sowieso keine Antwort gewusst.

Meine Eltern wussten sehr wohl, was ein Männlein und was ein Weiblein ist. Da auch sie gewiss nicht gefragt worden sind, ob sie eine Tochter oder einen Sohn haben möchten, lasse ich es so gelten, wie es gekommen ist. Ich hätte es auch gelten gelassen, wenn es anders gekommen wäre.

Die Natur hat sogleich beschlossen, dass die von ihr getroffene Entscheidung endgültig ist. Das ist zu verstehen. Schließlich kann man nicht erst mal ausprobieren, in welchem Geschlecht das Leben mehr Spaß macht. Ich bin übrigens der Meinung, dass das Leben in jedem Geschlecht lebenswert ist. Kann man da anderer Meinung sein?

Es ist kein Zufall, dass die Zahl der Geburten von Mädchen und Jungen ungefähr gleich groß ist. Das ist ein Naturgesetz, an dem wir Menschen gar nichts auszusetzen haben, weil es schon immer so war. Nach menschlichem Ermessen ist das ganz normal.

Auch dein Name ist ein Zufall

Der Zufall spielt im Leben der Menschen und Tiere eine große Rolle. Er ist aus dem menschlichen Alltag nicht wegzudenken. Der erste Zufall überrascht dich schon bei deiner Geburt.

Bei der Suche nach einem Namen für uns Neuankömmlinge hat man uns gar nicht erst gefragt, wie wir heißen wollen. Ohne Namen gibt es doch keinen Ausweis. Versuche mal, ohne Namen auf die Welt zu kommen. Sie lassen dich nicht rein in diese Welt.

Da man dich nicht zurückschicken kann, wirst du am Tag deiner Ankunft mit zwei Namen versehen. Als ich ankam, war ich erstaunt, dass meine Namen schon da waren. Der eine war der Vorname, den sich meine Eltern für mich ausgedacht hatten. Der Nachname war ein Erbstück, das mein Vater mit in die Ehe gebracht hatte.

In grauer Vorzeit genügte den Menschen ein Name. Da wusstest du gleich, wer du bist, auch ohne Ausweis. Nur wenige durften zwei Namen führen. Da musste man riesige Ländereien oder eine Burg als Besitz vorweisen. Die generelle Verwendung von Vornamen und Nachnamen wurde erst später beschlossen. Und dennoch reden sich gute Bekannte und Freunde auch heute nur mit dem Vornamen an.

Meine Zeitgenossen und ich standen gleich nach unserer Geburt vor vollendeten Tatsachen. Wir konnten nicht mal die Annahme des für uns reservierten Namens verweigern. Ich durfte mir auch keinen Vornamen auswählen, obwohl der mich bis in alle Ewigkeit begleitet.

Es überrascht mich, dass ich mit meinem Namen nichts weiter anfangen kann als ihn zu tragen. Er ist das einzige, was ich für immer besitze. Wer weiß, ob ich ihn im Jenseits auch noch benötige. Es beruhigt mich jedoch, dass es den anderen Zeitgenossen genauso geht wie mir.

Wer befürchtet, dass sich sein Name eines Tages in Schall und Rauch auflösen wird, der kann ihn sich im Diesseits noch in Stein meißeln lassen. Die Tragik will es, dass der Stein nicht mitgenommen werden kann, sondern auf Erden verbleibt, wo er hin gehört. So ergeht es übrigens allen Denkmälern, die für die Großen dieser Welt aufgestellt werden..

Wenn man heiratet, hat man immerhin die Aussicht, seinen bisherigen Namen gegen einen anderen einzutauschen, der hoffentlich besser klingt oder wenigstens von hohem Adel zeugt. Die eigene Lebenserwartung erhöht sich auf diese Weise leider überhaupt nicht. Du bleibst auf jeden Fall die gleiche Person, die in deinem Ausweis eingetragen ist.

Dein Vorname bleibt dir auch bei der Heirat erhalten, ganz gleich ob er dir und deiner Umwelt gefällt oder nicht. Wie schön wäre es doch, wenn Eltern bei der Namensgebung für ihre Kinder dies stets beachten würden.

Wie man einen Nachnamen erfindet

Jeder Mensch hat heute einen Familiennamen. Das war nicht immer so. Den Ursprung meines Namens kenne ich nicht wirklich. Der Sage nach hat er mit dem Land Thüringen zu tun.

Die Schöpfer meines Namens sind genauso unbekannt wie der Vorvater, der ihn zuerst trug.

Früher wurde der Nachname bei uns in der Regel von den Vätern an die Söhne weitergegeben. Die Frauen verloren bei der Heirat ihren Mädchennamen, wie das auch heute noch meistens geschieht.

Der erste Träger meines Namens hat vor Jahrhunderten gelebt. Seither sind mindestens zwei Dutzend meiner Vorväter in gerader Linie damit beschäftigt gewesen, diesen Namen von Generation zu Generation weiterzugeben, bis er zu mir gelangte. Vermutlich sind es noch viel mehr gewesen. Ein einziges Kuckucksei kann natürlich über Generationen hinweg den Stammbaum gehörig gekrümmt haben. Doch davon ist uns nichts überliefert.

Die Sage von meinem Familiennamen

Dort, an der Flussbiegung, war er aus dem hohen Gras gekommen. Die anderen, mit denen er von Zuhause losgezogen war, um ihr Glück zu suchen, das die Natur ihnen zugesteht, hatten nach langen Mühen den Mut verloren und waren wieder umgekehrt.

Er war allein weiter gezogen bis zu dieser Stelle hier am Fluss. Den Namen des Flusses Saale hatte er sich gemerkt. Das war der Fluss, von dem man sich erzählte, dass er bis ins Schlaraffenland fließt. Da wollte er hin. Er hatte nur einen aus Baumrinden geflochtenen Beutel bei sich. Die Taschen waren leer und er hatte Hunger. Das einzige sichere Gut, das er besaß, war wohl sein Name.

Der Sage nach hat er hier am Fluss erst mal Halt gemacht. Es lässt sich nicht mehr genau feststellen, in welchem Jahr und an welchem Ort das war. Er wurde von den Leuten, die in der Umgebung lebten, mit Neugier empfangen und gründlich ausgefragt. Dieser junge Mann war für sie wichtiger als jede neue Zeitung. Die hätte sowieso kaum einer von ihnen lesen können. Hier gab es noch keine richtige Schule, wie wir sie heute kennen. Doch alle sprachen die gleiche Sprache wie er.

Der Bursche, der von dort kam, wo die Sonne untergeht, also aus dem Abendland, wusste über sich persönlich nur Gutes zu berichten. Was auch sonst! Na, und die Leute in seinem Dorf zuhause lebten dort fast genauso wie die Leute hier.

Sie glaubten dem Neuankömmling aufs Wort. Der Mann war gar nicht übel und wurde bald in ihre Gemeinde aufgenommen.