Dem Beta versprochen: Band 1 - Bella Lore - kostenlos E-Book

Dem Beta versprochen: Band 1 E-Book

Bella Lore

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Beschreibung

Gamma-Kriegerin Mia ist in ihrer Stärke und Lautlosigkeit unübertroffen, eine geborene Beschützerin und von Natur aus ein leidenschaftliches Rudelmitglied. Auf eine Mission geschickt, um Jake zu bewachen – einen scheinbar gewöhnlichen Menschen –, gerät ihre Welt aus den Fugen, als sie seine wahre Identität enthüllt: ein Wolf ohne die Fähigkeit, sich zu verwandeln. Während die Sommerhitze drückt, wird ihre Loyalität zwischen der Anziehung zu Jake und ihrer langjährigen Sehnsucht nach Logan, dem Beta des Rudels, dessen Stellung am seidenen Faden hängt, hin- und hergerissen. Täuschung und Verlangen verflechten sich, als sie eine erschütternde Kraft in sich entdeckt – sie kann spurlos verschwinden. Doch während Liebe und Pflicht aufeinanderprallen und Feinde immer näher rücken, bleibt die Frage: Werden Mias neu entdeckte Fähigkeiten ausreichen, um die Verlorenen zu retten und zu entscheiden, wo – oder bei wem – ihr Herz wirklich liegt?

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Seitenzahl: 261

Veröffentlichungsjahr: 2025

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DEM BETA VERSPROCHEN: BAND 1

DEM BETA VERSPROCHEN

BELLA LORE

KAPITEL EINS

KAPITEL ZWEI

KAPITEL DREI

KAPITEL VIER

KAPITEL FÜNF

KAPITEL SECHS

KAPITEL SIEBEN

KAPITEL ACHT

KAPITEL NEUN

KAPITEL ZEHN

KAPITEL ELF

KAPITEL ZWÖLF

KAPITEL DREIZEHN

KAPITEL VIERZEHN

KAPITEL FÜNFZEHN

KAPITEL SECHZEHN

KAPITEL SIEBZEHN

KAPITEL ACHTZEHN

KAPITEL NEUNZEHN

KAPITEL ZWANZIG

KAPITEL EINUNDZWANZIG

KAPITEL ZWEIUNDZWANZIG

KAPITEL DREIUNDZWANZIG

KAPITEL VIERUNDZWANZIG

KAPITEL FÜNFUNDZWANZIG

KAPITEL SECHUNDZWANZIG

KAPITEL SIEBENUNDZWANZIG

KAPITEL ACHTUNDZWANZIG

KAPITEL NEUNUNDZWANZIG

KAPITEL DREISSIG

KAPITEL EINUNDDREISSIG

KAPITEL ZWEIUNDDREISSIG

KAPITEL DREIUNDREISSIG

KAPITEL VIERUNDDREISSIG

KAPITEL FÜNFUNDDREISSIG

KAPITEL SECHUNDREISSIG

KAPITEL SIEBENUNDDREISSIG

KAPITEL ACHTUNDDREISSIG

KAPITEL NEUNUNDDREISSIG

KAPITEL VIERZIG

KAPITEL EINUNDVIERZIG

KAPITEL ZWEIUNDVIERZIG

KAPITEL DREIUNDVIERZIG

KAPITEL VIERUNDVIERZIG

KAPITEL FÜNFUNDVIERZIG

KAPITEL SECHSUNDVIERZIG

KAPITEL SIEBENUNDVIERZIG

KAPITEL ACHTUNDVIERZIG

KAPITEL NEUNUNDVIERZIG

KAPITEL FÜNFZIG

KAPITEL EINS

Muskeln spielen unter meinem glänzenden Fell, während ich am schattigen Rand entlangstreife, wo die Stadt auf die Wildnis trifft. Der Mond, eine silberne Sichel, wirft gerade genug Licht, um die Welt in Grautöne zu tauchen. Ich wittere die Luft, meine Sinne geschärft, lebendiger als je zuvor in dieser Gestalt.

Ein Rascheln im Unterholz.

Ich verharre, die Ohren gespitzt, jeder Nerv in meinem Körper auf das Geräusch fokussiert. Es ist nah—mein Herz hämmert, nicht vor Angst, sondern vor Erwartung. Der Geruch trifft mich als Nächstes, erdig und intensiv. Kaninchen.

Mein Magen zieht sich vor Hunger zusammen, doch es geht nicht nur ums Fressen; es ist der Nervenkitzel der Jagd, das uralte Spiel zwischen Jäger und Beute. Logan würde das verstehen. In seinen braunen Augen funkelte immer derselbe Funke während unserer Trainingseinheiten, ein Spiegelbild meines eigenen Blicks.

Ich schleiche vorwärts, die Pfoten lautlos auf dem laubbedeckten Boden. Mein Atem ist flach, kontrolliert. Da! Eine Bewegung zuckt über die dunkle Erde. Klein, ahnungslos, was ihm bevorsteht.

Ich ducke mich, während mein Instinkt Entfernung und Kraft kalkuliert—eine Fähigkeit, die ich unter Ezras Anleitung perfektioniert habe. Die Lektionen des Alphas drehten sich immer um Kontrolle, darum, Stärke mit Präzision einzusetzen. Jetzt ist meine Chance, seine Lehren zu bestätigen.

Mit einem Tempo, das die Welt verschwimmen lässt, schieße ich los. Das Kaninchen springt davon, ein weißer Schwanz blitzt auf, als es alles gibt. Es ist schnell, ein Funken Leben, der ums Überleben kämpft. Aber ich bin schneller.

Ich hole auf, mein Körper eine Waffe, geschmiedet durch Jahre des Gamma-Krieger-Trainings. Meine Kiefer schnappen zu, und die Jagd endet mit einem erstickten Quieken. Das Kaninchen erschlafft in meinem Griff, und für einen Moment genieße ich den Sieg. Das bin ich—wild, furchtlos, ein Jäger der Nacht.

Der Geschmack von warmem Blut füllt meinen Mund, ein wilder, metallischer Hauch, der sich wie Triumph anfühlt. Satt geworden, blicke ich zurück zu den fernen Lichtern der Stadt, deren Leuchten einen scharfen Kontrast zur Dunkelheit meiner Welt bildet. Es ist unser Geheimnis, die Existenz des Eisenfell-Rudels innerhalb dieser urbanen Grenzen. Wir bewegen uns ungesehen, unbemerkt.

Doch selbst im Moment des Sieges schleicht sich Unbehagen in meine Gedanken. Wir sind stark, aber nicht unverwundbar. Und die Stadt ist voller Augen.

Ich hebe den Kopf, das Kaninchen vergessen. Ein Ast knackt—ein Geräusch, das nicht in die nächtliche Stille passt. Meine Ohren zucken, drehen sich, um das leiseste Anzeichen einer Störung aufzufangen. Noch ein Knacken, diesmal näher, und menschliche Gerüche wehen heran.

Sie sind hier, näher als sie sein sollten.

Angst durchzuckt mich, ein scharfer Gegensatz zum eben noch empfundenen Triumph. Ich lasse die Beute fallen, der Instinkt schreit mich an zu fliehen. Doch es ist zu spät.

„Da drüben! Ein riesiger Hund, oder... Oh Gott, ist das ein Wolf?“

„Ruf die Polizei!“

Stimmen tragen der Wind heran, schrill und panisch. Sie haben mich gesehen, einen Schatten auf dem mondbeschienenen Gras. Nicht irgendeinen Schatten—die Silhouette eines Werwolfs.

Ich schieße los. Der Stadtrand verschwimmt, während ich meine Beine noch mehr anspanne, die Luft pfeift scharf in meinen Lungen. Der Nervenkitzel der Jagd ist der Verzweiflung des Gejagten gewichen.

„Schnappt ihn, bevor er entkommt!“

Ihre Rufe durchbrechen die Stille, reißen das Geheimnis, das wir so lange gehütet haben, in Stücke. Ezras Stimme hallt in meinem Kopf—Kontrolle, sagte er. Aber was nützt Kontrolle, wenn die Angst ihre Zähne tief hineinschlägt?

Ich winde mich zwischen den Bäumen hindurch, ein brauner Fellstreif im Dunkel. Die Lichter der Stadt locken, Sicherheit in der Anonymität der Schatten. Doch der Abstand zwischen uns schwindet, jeder Ruf meiner Verfolger bringt sie mir näher.

„Hast du diese Augen gesehen? Die haben geleuchtet!“

„Monster!“, schreit ein anderer.

Die Worte brennen, eine Erinnerung an die Kluft zwischen ihrer Welt und meiner. Logans Gesicht blitzt vor meinem inneren Auge auf, ein Leuchtfeuer der Stärke. Würde er fliehen? Oder sich dem Kampf stellen?

Kämpfen ist keine Option, nicht jetzt. Zu riskant. Also renne ich, die Pfoten trommeln auf die Erde, das Herz hämmert wie ein Trommelschlag in meiner Brust.

„Fast haben wir ihn!“

Eine Lüge. Sie sind nicht einmal nah dran. Aber die Wahrheit zählt hier draußen nicht, wo Angst regiert und Missverständnisse Monster in den Köpfen der Menschen erschaffen. Wir sind das Eisenfell-Rudel, Hüter eines brüchigen Friedens, lebend am Rand der menschlichen Gesellschaft. Heute Nacht ist dieser Frieden in Gefahr.

Zweige peitschen an mir vorbei und hinterlassen dünne Striemen im Fell. Doch nichts schmerzt mehr als die Gewissheit, dass unsere Existenz kein Geheimnis mehr ist. Was wird Ezra sagen? Was bedeutet das für uns alle?

Irgendwo hinter mir heulen Sirenen – ein Chor drohenden Unheils. Die Zeit läuft ab. Ich muss sie abhängen, verschwinden im Labyrinth aus Gassen und Hinterhöfen.

Ich darf mich nicht fangen lassen. Darf nicht zulassen, dass sie das Biest in mir entlarven und die Leben zerstören, die wir so sorgfältig in das Gefüge dieser Stadt eingewoben haben.

„Weiter!“, befehle ich mir selbst, der Geist der Gamma-Kriegerin weigert sich zu brechen. „Du bist Mia. Du bist Eisenfell. Und du wirst nicht gefasst.“

Heute Nacht bin ich die Verkörperung unseres Rudelmottos: schnell, lautlos und für immer frei. Egal, was es kostet.

KAPITEL ZWEI

Der Puls rast. Das Blut kocht unter meiner Haut, ein wildes Trommeln, das mich zum Kämpfen, zum Fliehen drängt. Aber ich kann nicht. Noch nicht. Ich bin in die Enge getrieben – eine Sackgasse, der Geruch von menschlichem Schweiß und Angst liegt wie Smog in der Luft.

„Was haben wir denn da?“, höhnt ein Mann, sein blondes Haar schimmert im grellen Licht der Straßenlaterne. Blaue Augen, die so beruhigend wie der Himmel wirken sollten, blicken auf mich herab, doch sie sind leer von Gnade.

„Verschwinde jetzt, dann passiert dir nichts“, warne ich, tief und gefährlich. Meine Finger zucken, bereit, sich zu verwandeln, die Krallen zum Ausfahren. In meinem Kopf hallt Ezras Stimme, eine Erinnerung an das Gebot der Eisenfell: Geheimhaltung, Frieden.

„Oder was?“, kontert der Mann und kommt näher. Seine Freunde stellen sich an seine Seite, eine Mauer aus fehlgeleitetem Mut.

Sie begreifen nicht, was ich bin. Wozu ich fähig bin.

Ich denke an Logan, daran, wie er damit umgehen würde. Er würde nicht wollen, dass ich uns verrate, alles für Stolz riskiere. Aber Überleben hat nichts mit Stolz zu tun. Es geht um Stärke, und manchmal bedeutet Stärke, die Zähne zu zeigen.

„Oder das“, knurre ich und stürme in einer fließenden Bewegung direkt auf ihn zu. Sie erwarten Angst, vielleicht Flehen. Sie erwarten keine Gamma-Kriegerin.

Die Augen des Mannes weiten sich, als ich unter seinem ausgestreckten Arm hindurchtauche, mich drehe und ihn gegen die Backsteinwand stoße. Sein Kopf schlägt dumpf auf, er sackt benommen, aber atmend, zusammen.

„Schnappt sie!“, schreit jemand, aber es ist zu spät. Furchtlosigkeit ist meine Eigenschaft, meine Waffe. Ich fege mit dem Bein aus, erwische einen anderen an den Knien. Er fällt, stößt beim Aufprall einen Laut aus.

„Haltet sie auf!“

Ich spüre sie mehr, als dass ich sie sehe, meine Sinne sind geschärft, jedes Geräusch verstärkt. Eine Faust streift meine Schulter, doch ich winde mich weg, ein ungezähmter Tanz aus Angriff und Anmut. Mein Ellbogen trifft eine Nase, es knackt befriedigend.

„Zurück!“, belle ich, mit all der Autorität, die ich von Ezras Alpha-Präsenz gelernt habe.

„Wer bist du?“, kommt es jetzt fast wimmernd, die Menschen begreifen ihren Fehler.

„Dein Albtraum, wenn du nicht rennst“, fauche ich, und für einen Moment spiegeln meine haselnussbraunen Augen vielleicht das Leuchten des Biests in mir wider.

Sie stolpern, überschlagen sich fast in ihrer Eile zu entkommen. Es ist in Sekunden vorbei. Mein Herz hämmert noch immer, der Rausch von Sieg und Adrenalin süß in meinen Adern.

„Logan wäre stolz“, flüstere ich mir zu und lasse trotz der Gefahr ein seltenes, kleines Lächeln über meine Lippen huschen. Dann drehe ich mich um und tauche tiefer in die Schatten, dorthin, wo das Licht der Stadt nicht mehr reicht.

Ich schieße durch eine Gasse, mein Atem ein gleichmäßiger Rhythmus in der kühlen Nachtluft. Ich weiche überquellenden Mülltonnen aus und springe über eine streunende Katze, die mich fauchend vertreibt. Meine Muskeln protestieren, doch ich laufe weiter, getrieben vom Drang, Abstand zwischen mich und die Menschen zu bringen. Sie folgen mir nicht; ich habe dafür gesorgt. Aber ich kann noch nicht direkt nach Hause.

Die Stadt breitet sich um mich aus, ein Labyrinth, das ich kenne wie meine Westentasche. Der Geruch von Regen liegt schwer in der Luft, vermischt sich mit dem Gestank von Abgasen. Ich biege links ab, dann rechts, nehme wahllos Abzweigungen. Es ist ein Tanz, den ich schon oft getanzt habe, einer, der jeden verwirrt, der versucht, meine Spur aufzunehmen.

In der Ferne heult eine Sirene, ein klagender Ruf, der durch die leeren Straßen hallt. Ich halte unter der flackernden Straßenlaterne inne, werfe schnelle Blicke über meine Schulter. Keine Schatten bewegen sich auf dem Asphalt außer meinem eigenen. Und doch werde ich das Gefühl nicht los, dass mich Augen beobachten—wachsam, lauernd.

„Logan hätte niemals zugelassen, dass sie mich in die Enge treiben“, murmele ich, die Worte verschwinden in der Nacht. Ich stelle mir seine braunen Augen vor, so wie meine, aber mit einer Wärme, die mir oft fehlt. Er hätte einen Plan gehabt, eine Strategie für jede mögliche Situation. Aber er ist jetzt nicht hier; es ist nur noch an mir.

Ich gehe weiter, springe auf eine niedrige Mauer und balanciere an ihrem Rand entlang. Meine Schritte sind lautlos, selbst für meine Ohren. Über mir sind die Sterne vom ewigen Schein der Stadt verdeckt, und ich sehne mich nach der Klarheit der Wildnis—unserem wahren Zuhause.

Das Eisenfell-Rudel hat sich hier ein Leben aufgebaut, verborgen unter den Menschen. Ezras Führung hat uns geschützt, uns zu Schatten in ihrer Welt gemacht. Wir sind ein Geheimnis, das offen vor aller Augen liegt, unsere Stärke liegt in unserer Einheit und Diskretion.

Ich lasse mich von der Mauer auf einen schmalen Pfad fallen, der sich hinter einer Häuserreihe entlangschlängelt. Hier ist die Dunkelheit dichter, die Stille tiefer. In der Ferne bellt ein Hund, ein Laut voller Einsamkeit. Ich widerstehe dem Drang zu antworten. Stattdessen gehe ich weiter, folge einem Weg, den nur die Meinen kennen.

Es dauert länger, als mir lieb ist, dieser Umweg, aber Vorsicht ist ein Schild, das uns vor Schaden bewahrt hat. Endlich erreiche ich das Herz der Stadt, wo die Gebäude dicht an dicht stehen und sich gegenseitig Geheimnisse zuflüstern. Irgendwo in diesem Betondschungel liegt der Eingang zu unserem Zufluchtsort. Ich gleite durch die Ritzen dieses urbanen Dschungels, ungesehen und ungehört.

Ezra wird einen Bericht wollen. Ich werde ihm erzählen, wie ich gekämpft habe, wie ich der Gefangennahme entkommen bin, wie ich dafür gesorgt habe, dass unsere Sicherheit gewahrt bleibt. Aber zuerst suche ich Logan. Teile einen Blick, vielleicht mehr, wenn ich den Mut dazu finde. Für den Moment aber konzentriere ich mich auf das leise Pulsieren der Stadt, lasse mich von ihm nach Hause führen, dorthin, wo mein Rudel—meine Familie—auf mich wartet.

KAPITEL DREI

Pfoten trommeln auf die Erde, und mein Herz rast im gleichen Takt. Der Geruch von Asphalt und Speisen aus den verschiedenen Restaurants steigt mir in die Nase, als ich mich dem Wohnhaus nähere, in dem mein Rudel, meine Familie, auf mich wartet. Der Himmel ist in Dämmerungsfarben getaucht, und die Stadt flüstert Geheimnisse, die nur wir hören können. Mit einem Schauer, der nichts mit der Kälte zu tun hat, schlüpfe ich in meine Menschengestalt und gehe in den ersten Stock, unseren Treffpunkt.

Hier wurden Wände eingerissen, Wohnungen zusammengelegt. Es gibt Büros und Gemeinschaftsräume, Orte zum Versammeln und Orte, an denen unsere Anführer leise sprechen.

„Logan“, rufe ich, meine Stimme fest, trotz des Trommelns in meiner Brust. Er dreht sich um, seine braunen Augen treffen meine, und etwas Unausgesprochenes vibriert zwischen uns.

Ich atme tief durch, bereit, mich zu offenbaren. „Ich bin am Stadtrand auf Menschen gestoßen. Sie haben mich nicht erwischt, aber es war knapp.“

Seine Stirn legt sich sofort in Falten, und er kommt näher, überbrückt die Distanz mit der lautlosen Anmut eines Raubtiers. „Du warst wieder in der Nähe ihrer Häuser jagen, Mia?“ Seine Stimme ist leise, nicht ganz ein Knurren, aber sie trägt eine Warnung, die ich nicht ignorieren kann.

Ich spanne mich an, halte seinem Blick stand. „Das Kaninchen ist abgehauen. Ich bin gefolgt. Es war keine Absicht.“ Doch selbst während ich mich verteidige, nagt Schuld an mir. Wir leben verborgen in aller Öffentlichkeit, unsere Existenz ein Geheimnis, das durch Regeln und Grenzen geschützt wird, die ich gerade gefährlich ausgereizt habe.

Natürlich gibt es Essen in der Stadt. Wir sind von ihm umgeben. Aber er weiß genau, dass mein Wolf nach mehr verlangt als nach Spießen vom Imbisswagen oder Gemüse aus einem anderen Bundesstaat. Sie muss jagen. Muss ihre wilde Seite ausleben.

Wir alle brauchen das.

„Absicht hin oder her, es ist leichtsinnig.“ Logans Kiefer spannt sich an, seine Enttäuschung trifft mich schärfer als jede Standpauke. „Was, wenn sie dich erwischt hätten? Uns alle enttarnt hätten?“

Ich schlucke den Kloß in meinem Hals hinunter. „Ich kenne das Risiko. Ich war vorsichtig.“

„Vorsichtig reicht nicht, Mia.“ Er geht um mich herum, mustert die Fenster, als würde er nach neugierigen Blicken suchen. „Wir dürfen uns keine Fehler leisten. Gerade jetzt, wo die Stimmung so angespannt ist.“

Seine Worte treffen mich, eine Erinnerung an das fragile Verhältnis, das wir zur Stadt um uns herum pflegen. Ich beobachte ihn, wie sich seine Schultern unter der Last der Verantwortung straffen. Als Beta ist er das Rückgrat von Ironfur, und ich habe seine Bürde gerade noch schwerer gemacht.

„Tut mir leid“, murmele ich, kaum hörbar. Eine Entschuldigung für meinen Fehler, und vielleicht für mehr, für das Chaos, das mir scheinbar immer folgt.

Er wirft mir einen Blick zu, in dem die Strenge in seinen Augen für einen Moment nachlässt. „Sei einfach... aufmerksamer, Mia. Wir dürfen keine Aufmerksamkeit auf uns ziehen.“ Logans Sorge ist deutlich, auch wenn sie sich hinter Tadel verbirgt.

„Verstanden.“ Ich nicke, spüre, wie die Schwere seiner Worte sich wie ein Mantel über mich legt. Ich kann keine Perfektion versprechen, aber für Logan, für das Rudel, werde ich es versuchen.

Logan tritt näher, seine Präsenz überwältigend, einnehmend. Der Duft, der ihm anhaftet, ist berauschend, vertraut. Ich kämpfe gegen das Verlangen an, die Distanz zu überbrücken, die professionelle Grenze zu überschreiten, die wir immer zwischen uns wahren.

„Manchmal“, beginnt er leise, „habe ich das Gefühl, du suchst die Gefahr, Mia.“

„Vielleicht tue ich das.“ Mein Tonfall spiegelt seinen wider, trotzig und doch verspielt. Ich halte seinem Blick stand, entdecke die goldenen Sprenkel in seinen braunen Augen, die wie ein inneres Feuer leuchten. „Oder vielleicht versuche ich nur, mit dir mitzuhalten.“

Ein Muskel zuckt in seinem Kiefer, ein stummes Lachen oder ein unterdrücktes Knurren – bei Logan ist das schwer zu sagen. Es ist unser vertrauter Tanz, ein Hin und Her, ohne je wirklich in die Arme des anderen zu fallen.

„Mithalten?“ Er zieht eine Augenbraue hoch, herausfordernd. „Soweit ich weiß, hat dich niemand darum gebeten.“

„Jemand muss doch aufpassen, dass du nicht mit dem Schwanz in eine Bärenfalle gerätst.“ kontere ich, auch wenn mein Herz rast bei dem Gedanken, dass ihm etwas zustoßen könnte.

„Ach ja?“ Der Mundwinkel zuckt, für einen flüchtigen Moment huscht ein Lächeln über sein Gesicht. „Und ich dachte, du bist zu sehr damit beschäftigt, Unfug zu stiften, um überhaupt zu merken, wo ich bin.“

„Immer“, erwidere ich und kann ein Grinsen nicht unterdrücken. „Wer sonst soll dich vor deinem heldenhaften Selbstopfer retten?“

Schweigen breitet sich zwischen uns aus, greifbar, gewoben aus unausgesprochenen Worten und unerforschten Gefühlen. Für einen Moment verschwindet die Welt – die bedrohliche Stadt, die vordringende Menschenwelt, unsere Rollen im Rudel. Da sind nur Logan und ich, im Zwielicht, unser Geplänkel ein dünner Schleier über der Spannung, die unter der Oberfläche vibriert.

„Vorsicht, Mia“, sagt Logan schließlich, seine Stimme kaum mehr als ein Flüstern in der heraufziehenden Nacht. „Eines Tages bist du vielleicht nicht da, um mich aus der Klemme zu holen.“

„Dann muss ich eben dafür sorgen, dass es nie zu diesem ‚eines Tages‘ kommt“, antworte ich, meine Stimme fest, auch wenn mein Puls am Hals pocht.

Er betrachtet mich noch einen Moment, etwas Ungesagtes liegt in seinem Blick. Dann, als würde er aus einem Traum erwachen, tritt er zurück und schafft wieder Abstand zwischen uns.

„Ruh dich aus“, sagt er und wendet sich dem Herzen des Rudelterritoriums zu. „Morgen haben wir Arbeit.“

„Gute Nacht, Logan.“ Meine Worte sind ein leiser Abschied an seine sich entfernende Gestalt.

Während ich ihm nachsehe, steigt der Mond auf, wirft silbernes Licht durch das Fenster, trotz der künstlichen Straßenlaternen. In der Stille, die folgt, frage ich mich, was wohl geschehen würde, wenn wir nur ein einziges Mal aufhören würden, um die Wahrheit herumzutanzen.

KAPITEL VIER

Der Duft von Tomatensauce und schmelzendem Käse erfüllt die Luft, warm und einladend. Ich schiebe eine weitere Pizza in den Steinofen, die Flammen lecken am Rand des Teigs. Lucys Lachen schwebt von der Theke herüber, wo sie hemmungslos mit zwei Stammgästen flirtet. Der Betrieb läuft gleichmäßig in der Pizzeria, die Ironfur gehört – unser kleines Refugium mitten im Trubel der Stadt.

Ich wische mir die Hände an der Schürze ab, Mehlstaub bedeckt den dunklen Stoff wie frischer Schnee. Meine Haut prickelt unter dem Gefühl, beobachtet zu werden. Es ist nicht das übliche, vertraute Bewusstsein, dass mein Rudel in der Nähe ist. Das hier ist anders. Schärfer. Ich blicke auf.

Er kommt herein.

Blondes Haar, als hätte es Sonnenstrahlen gestohlen, Augen so klarblau wie ein wolkenloser Himmel. Mensch. Irgendetwas an ihm fesselt meine Aufmerksamkeit, hält sie fest. Mein Atem stockt, ein seltsames Flattern in meiner Brust, das ich nicht benennen kann.

„Tisch für eine Person, bitte“, sagt er, seine Stimme glatt wie Kiesel im Flussbett.

Mein Blick folgt ihm, als Lucy ihn zu einer Sitznische am Fenster führt. Sie wirft mir einen schnellen, wissenden Blick zu, den ich geflissentlich ignoriere. Hitze steigt mir den Nacken hinauf. Ich konzentriere mich auf den Teig unter meinen Fingern, versuche, die seltsame Anziehung abzuschütteln, die mich zu ihm hinzieht.

„Bestellung fertig!“, ruft Marco, unser stämmiger Koch, der trotz seiner Größe mehr Teddybär als Wolf ist.

„Hab ich“, antworte ich, doch meine Augen verraten mich, huschen zurück zu dem Menschen, während ich die Teller nehme.

Er sitzt jetzt, die Speisekarte in der Hand, völlig in sich versunken. Völlig ahnungslos, was mich betrifft. Eigentlich sollte er gar nicht auffallen – nur ein weiterer Gast in einer Stadt voller Fremder. Aber meine Werwolf-Sinne sind auf Nuancen eingestellt, die den meisten Menschen entgehen. Sein Duft zieht durch den Raum, eine Mischung aus Kiefer und etwas ganz Eigenem. Er flüstert meinen tierischen Instinkten Geheimnisse zu, Geheimnisse, die ich vielleicht gar nicht wissen will.

„Hallo, Erde an Mia“, neckt Lucy und stößt mich mit dem Ellbogen an. „Willst du das zu Tisch sechs bringen oder wartest du, bis es Beine bekommt?“

„Klar, sorry.“ Ich schüttle den Kopf, versuche, die unerwünschte Faszination loszuwerden. Ich trage die Teller hinüber, meide den Tisch des Blonden, obwohl ich seine Präsenz wie eine zweite Haut spüre.

„Hier, guten Appetit“, sage ich der Familie an Tisch sechs, ganz das freundliche, professionelle Lächeln. Sie bedanken sich, aber ihre Stimmen klingen fern, gedämpft. Alles, woran ich denken kann, ist der Mann, der allein sitzt, vom Sonnenlicht umhüllt, als wäre ein Himmelswesen in meine gewöhnliche Welt gefallen.

„Hey, Neuzugang“, zwitschert Lucy, als sie zum Tisch zurückkehrt. „Was darf’s denn sein?“

„Ähm, ich probiere das Tagesgericht, danke“, antwortet er.

Das Tagesgericht. Das ist meine Kreation. Mein Rezept. Stolz durchströmt mich, gefolgt von Nervosität. Was, wenn es ihm nicht schmeckt?

„Kommt sofort“, zwitschert Lucy wieder und kritzelt auf ihren Notizblock. „Ist gleich da.“

„Danke“, sagt er und schenkt ihr ein Lächeln, das Lucy für einen Moment aus dem Takt bringt.

Ich tauche wieder in die Küche ab, tue so, als wäre ich ganz in die nächste Bestellung vertieft. Aber ich nehme jede seiner Bewegungen wahr, jede Veränderung seiner Sitzhaltung, jedes Mal, wenn er sich durch das goldene Haar fährt. Warum beeinflusst mich dieser Mensch so sehr? Es ist, als hätte jemand einen Faden um mein Herz gebunden, der mich mit jedem Schlag näher zu ihm zieht.

„Tagesgericht für den Herrn am Fenster“, verkündet Marco und schiebt den belegten Teig auf das Holzbrett.

„Hab ich“, bringe ich hervor, kaum lauter als ein Flüstern. Ich schiebe es in den Ofen und beobachte, wie die Ränder knusprig werden. Ich habe das schon tausendmal gemacht, aber heute fühlt es sich an wie ein Ritual, ein Opfer für einen unbekannten Gott.

Und ich frage mich unwillkürlich, was wohl passiert, wenn er es probiert?

Die nächsten dreißig Minuten vergehen wie im Flug. Zu schnell steht er auf und geht.

Die Glocke über der Tür bimmelt, als er hinausgeht, seine Präsenz bleibt zurück wie die Wärme der Sonne, lange nachdem sie hinter dem Horizont verschwunden ist. Ich atme langsam aus, merke erst jetzt, dass ich die Luft angehalten hatte. Die Luft entweicht meinen Lungen in einem zittrigen Strom, mein Herz hämmert immer noch wild und ungezügelt gegen meinen Brustkorb.

„Erde an Mia“, neckt Lucy von der anderen Seite des Tresens, die Augenbrauen schelmisch hochgezogen. „Hast du vor, irgendwann wieder zu uns in die Realität zurückzukehren?“

Ich blinzele, reiße meinen Blick zu ihr, die Wangen brennen heißer als die Öfen hinter mir. „Ich hab keine Ahnung, wovon du redest“, murmele ich und drehe mich weg, um das offensichtliche Rot in meinem Gesicht zu verbergen. Aber Lucy lässt sich nicht täuschen. Das tut sie nie.

„Klar, klar“, zieht sie mich auf, lehnt sich mit einem schelmischen Grinsen an den Tresen. „Weil verträumtes Anstarren von Gästen ja eindeutig zu unseren Aufgaben gehört.“

Ich verdrehe die Augen und versuche, Ärger zu empfinden, aber er will sich einfach nicht einstellen. Es hat keinen Sinn zu diskutieren. Lucy kennt mich zu gut. Stattdessen greife ich zu einem Tuch und wische die ohnehin schon blitzblanke Theke mit mehr Elan ab, als nötig wäre. Die banale Aufgabe erdet mich, das raue Gewebe unter meinen Fingerspitzen steht im krassen Gegensatz zu dem ätherischen Sog, den ich eben noch gespürt habe.

"Komm schon, gib’s zu", stichelt sie und stupst mich sanft in die Seite. "Er war süß. Und du warst definitiv hin und weg."

"War ich nicht", schieße ich reflexartig zurück, obwohl mein Herz mich verrät und wie ein eingesperrter Vogel flattert, nur beim Gedanken an ihn.

"Mhm." Lucys Lachen ist leicht, neckend. "Und ich bin die Königin von England. Im Ernst, Mia, du hattest diesen Blick."

"Welchen Blick?" frage ich und spiele die Unwissende, während ich geschäftig die Gewürze auf dem nahen Tisch neu anordne.

"Diesen 'Er-ist-mein-Gefährte-und-ich-weiß-es-einfach'-Blick", sagt sie, ihre Stimme senkt sich zu einem verschwörerischen Flüstern, als könnten selbst die Wände lauschen. "Du weißt schon, ganz große Augen und völlig verzaubert."

"Lucy", warne ich, meine Stimme tief, eine Erinnerung daran, dass solche Worte gefährlich sind, selbst hier unter uns. Worte haben Gewicht, und in unserer Welt können manche Worte das Schicksal aus dem Gleichgewicht bringen.

"Entspann dich", sagt sie und winkt ab. "Hier ist niemand. Außerdem, es ist ja nicht unmöglich. Wir haben alle die Geschichten gehört."

"Geschichten sind eben nur das – Geschichten", entgegne ich schärfer, als ich es beabsichtige. Ich will nicht über die Konsequenzen nachdenken, über die alten Erzählungen von Wölfen, die ihre vorherbestimmten Partner an den unwahrscheinlichsten Orten finden. Mein Leben ist schon kompliziert genug, da brauche ich keine Märchen.

"Okay, okay", gibt Lucy nach und hebt die Hände zum Schein in die Höhe. "Kein Grund, gleich die Rute einzuklemmen. Ich sag ja nur... es könnte passieren."

"Könnte heißt nicht, dass es wird", erwidere ich, diesmal leiser, meine Abwehr bröckelt wie der Rand einer gut belegten Pizza.

"Stimmt", gibt sie zu, aber in ihren Augen blitzt es, als wäre sie anderer Meinung. "Aber das gäbe eine verdammt gute Geschichte, oder?"

"Vielleicht", gestehe ich, und ein widerwilliges Lächeln zuckt an meinen Mundwinkeln, obwohl ich es zu unterdrücken versuche. Vielleicht hat Lucy recht. Vielleicht gibt es einen Funken Hoffnung in diesem Gedanken, ein schwaches Leuchten in den dunklen Ecken meines Verstandes, wo Logik und Sehnsucht miteinander ringen.

"He, komm schon, Kopf hoch", stupst Lucy mich erneut an, diesmal sanfter. "Wir haben einen Berg von Peperoni-Pizzen zu bezwingen. Wetten, wer sie schneller belegt?"

"Abgemacht", sage ich dankbar für die Ablenkung. Die Herausforderung entfacht das vertraute Feuer des Wettkampfs in mir, und für einen Moment verblasst der seltsame Sog des Menschenmannes im Hintergrund, ersetzt durch die Geborgenheit der Freundschaft und die einfachen Freuden des Lebens im Rudel.

"Auf die Plätze, fertig, los!" ruft Lucy, und wir stürzen uns in die Arbeit, während unser Lachen durch die warme Küche hallt und wir die Rätsel des Herzens auf einen anderen Tag verschieben.

KAPITEL FÜNF

Der Geruch von Schweiß und Eisen steigt mir in die Nase, als ich das Fitnessstudio betrete – ein Ort, der nach Entschlossenheit riecht. Logan ist schon da, braunes Haar feucht an der Stirn, braune Augen konzentriert auf den Sandsack gerichtet, den er mit methodischer Wildheit bearbeitet. Seine Muskeln spielen unter der Anspannung, ein Beweis für die Kraft, die in ihm steckt.

"Stört’s dich, wenn ich mitmache?" Meine Stimme durchschneidet das rhythmische Pochen und zieht seinen Blick auf mich.

"Niemals", sagt er, und der Mundwinkel zuckt zu diesem halben Lächeln hoch, das mir immer einen Stromstoß durch den Körper jagt. Er tritt zur Seite, und ich spüre die Hitze, die von ihm ausgeht, eine magnetische Anziehung, gegen die ich ständig ankämpfen muss.

Mit den Handschuhen an nehme ich meine Position ein und beginne, auf den Sandsack einzuschlagen. Logan schwebt nicht um mich herum, aber seine Präsenz ist spürbar, eine elektrische Spannung in der Luft, die meine Haut kribbeln lässt. Wir finden unseren Rhythmus, das Geräusch unserer Fäuste auf Leder verschmilzt zu einem Tanz aus Kraft und Geschick. Mit jedem Schlag spüre ich, wie die Spannung wächst – nicht nur in meinen Muskeln, sondern auch im Raum zwischen uns.

„Gute Haltung“, sagt er in einer kurzen Pause, seine Hand streift meine, als er mein Handgelenk korrigiert. Es ist eine unschuldige Berührung, doch sie hinterlässt eine brennende Spur auf meiner Haut. Ich nicke, bemüht, mich auf das Training zu konzentrieren, nicht darauf, wie nah er mir ist oder wie mein Herz schneller schlägt als es die Anstrengung rechtfertigen würde.

„Willst du hier jemanden beeindrucken?“ Danes höhnischer Tonfall durchschneidet den Nebel meiner Konzentration. Ich drehe mich um und sehe ihn im Türrahmen lehnen, die Arme vor der Brust verschränkt, ein spöttisches Grinsen im Gesicht.

„Nur mich selbst“, kontere ich und nehme seine Herausforderung direkt an. Dane war schon immer ein Dorn in meinem Auge, unsere Rivalität reicht weiter zurück, als ich zugeben möchte.

„Sieht aber so aus, als würdest du für den Beta-Jungen hier eine richtige Show abziehen.“ Danes Stimme trieft vor Spott, doch ich bleibe standhaft und balle die Fäuste noch fester.

„Vielleicht solltest du dich lieber um dein eigenes Training kümmern, Dane“, fauche ich zurück, „oder besteht dein ganzes Können darin, anderen zuzuschauen?“

Logans leises Lachen vibriert durch den Raum, eine subtile Bestätigung meines Widerstands. Danes Augen verengen sich, aber er weiß, dass er sich mit Logan im Raum besser nicht zu weit aus dem Fenster lehnt. Er stößt sich von der Wand ab und schlendert davon, doch ich weiß, das ist nicht vorbei; mit ihm ist es das nie.

Mit Danes Abgang kehrt die aufgeladene Stille von zuvor zurück. Logan nimmt wieder seinen Platz neben mir ein und wir setzen das Training fort, treiben uns gegenseitig zu mehr, zu schnellerem Tempo an. Jeder Blick, jede zufällige Berührung der Haut schraubt die Spannung weiter in die Höhe, ein stummes Eingeständnis, dass unter der Oberfläche etwas brodelt.

Und doch, trotz der Intensität, fühle ich mich hier mit Logan sicher. In diesem Moment gibt es nichts außer uns beiden und den unausgesprochenen Worten, die schwer in der Luft hängen, vermischt mit dem Geruch von Anstrengung und Entschlossenheit.

Der Duft von Autorität erreicht meine Sinne, noch bevor der Ruf es tut. Mein Puls beschleunigt sich; eine Audienz bei Ezra ist nie eine lockere Angelegenheit. Ich richte mich auf, wische mir mit dem Handrücken den letzten Schweiß von der Stirn, als die Gegensprechanlage summt – eine deutliche Erinnerung daran, dass Pflicht vor Verlangen geht.

„Gamma Mia, melde dich sofort im Büro des Alphas“, knistert die Stimme aus dem Lautsprecher, unpersönlich, aber mit einem Hauch von Dringlichkeit. Logans Blick trifft meinen, ein kurzer Anflug von Sorge in seinen Augen, den er schnell mit einem aufmunternden Nicken überspielt.

„Lass Ezra besser nicht warten“, murmelt er, und zwischen uns liegt etwas Ungesagtes – ein stilles Versprechen oder vielleicht eine geteilte Besorgnis.

Ich stoße mich von der Hantelbank ab, meine Muskeln protestieren gegen die plötzliche Bewegung nach der intensiven Einheit. Das Fitnessstudio verschwindet hinter mir, verschluckt vom langen Flur, der ins Herz unseres geheimen Rudel-Kommandos führt. Meine Schritte hallen auf dem Beton, ein gleichmäßiger Takt, der mit dem Pochen in meinen Adern übereinstimmt. Jeder Schritt ist ein Schritt ins Ungewisse.

Warum will Ezra mich sehen? In meinem Kopf jage ich Möglichkeiten nach, doch es ist, als wollte ich Rauch fangen – nichts Greifbares formt sich. Hat Dane etwas gesagt, unser Wortgefecht zu einer Herausforderung gegen die Rudelhierarchie verdreht? Oder ist es etwas ganz anderes, eine neue Mission, eine Bedrohung für unser geheimes Dasein in den Stahl- und Glasklauen der Stadt?

Als ich vor der Tür des Alphas stehe, einer schweren Platte aus dunklem Holz, in die das Emblem unseres Rudels eingraviert ist, halte ich inne. Meine Hand schwebt über dem kühlen Metall des Griffs, ich nehme mir einen Moment, um mich zu sammeln. Ein tiefer Atemzug, und ich schmecke die vertrauten Noten von Kiefer und Eisen – Ezras unverwechselbares Aroma, das seinen Raum durchdringt. Es beruhigt mich, irgendwie.

Mit einem leisen Ausatmen öffne ich die Tür und trete in das Reich des Ironfur-Alphas. Das Büro ist schummrig, Schatten kleben in den Ecken, aber Ezras Präsenz füllt den Raum wie eine greifbare Macht. Er steht am Fenster, ein Wächter über unser städtisches Revier, den Rücken zu mir.

„Gamma Mia“, sagt er, ohne sich umzudrehen, seine Stimme ein tiefes Grollen, das von den Wänden widerhallt. „Schließ die Tür. Wir müssen reden.“

Und so fällt die Tür hinter mir ins Schloss und schließt mich in der Höhle des Alphas ein. Was auch immer das hier ist, mein Schicksal liegt in den Händen von Ezra, demjenigen, der unser Rudel fest im Griff hat. Mein Herz rast, doch ich bleibe standhaft, bereit, allem entgegenzutreten, was als Nächstes kommt.

KAPITEL SECHS

„Setz dich, Mia“, befiehlt Ezra, und ich gehorche, die Muskeln angespannt.

Ich habe mit Zähnen und Klauen darum gekämpft, in den Rängen aufzusteigen, um zu beweisen, dass ich mehr bin als nur ein rebellischer Teenager mit einer Vorliebe für Ärger. Aber Ezra... er war immer diese undurchdringliche Kraft, das Sinnbild dessen, was es heißt, das Eisenfell-Rudel zu führen.