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Dieses Buch nimmt sie mit auf eine überaus spannende Entdeckungsreise durch neue Wortdimensionen in 300 Anagrammen aus einem Vers Heinrich Bölls sowie 21 weitere wundersame anagrammatische Wortvermehrungen, unter anderem aus Gedanken von Edith Stein, Anne Frank, Friedrich Schiller, Albert Schweitzer, Martin Buber…. Anagramme sind Worte oder Texte, die exakt buchstabengleich sind. Bekannt sind der häufig spielerische Gebrauch, gelegentlich sogar die künstlerische Auseinandersetzung wie bei Unica Zürn, wenn auch mit überwiegend dunkelsinnigen, kafkaesken Wort-Satz-Konstruktionen. Was aber passiert eigentlich, wenn man gezielt auf die Suche nach sinnvollen Leselösungen geht? Spricht Sprache? Eine spannende Frage? Die Antwort ist noch viel spannender, als es sich auch nur ansatzweise erahnen lässt. Nach der maximal möglichen Zertrümmerung des originalen Sprachleibes ergeben sich anagrammatisch völlig unerwartet neue, lebendige und sinnstabile Satzgestalten. Dem Wort-Mord folgt die Schrift-Auferstehung mit einer innewohnenden Vitalität und Kommunikationskraft, die in Erstaunen versetzen; eine unglaublich inspirierte wie inspirierende Wortmusik und Wortdynamik von mitreißender und wahrhaft belebend bunter Leuchtkraft. Diese sprachwandlerische Expedition konfrontiert mit einem provokativen Sinnbegriff, der tatsächlich aus gewohnten Denkmustern und Gefühlswelten herausruft. Ergänzt wird dieses Buch durch die interaktive Fortsetzung im Internet auf anagramme-mit-sinn.de .
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Seitenzahl: 148
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Herausgeber: Schnorr, Robert R. (+ 22.07.2001) und Schnorr, Christopher D.
Titel: Dem Wort das Wort
Untertitel: Auferstehung des Wortes, 300 Anagramme aus einem Vers von Heinrich Böll und andere anagrammatische Wortmetamorphosen
ISBN: 978-3-7375-7515-7
Veröffentlichungsjahr: 2015
Rechte:
In bzw. mit diesem Werk finden folgende gesetzliche Bestimmungen mit den daraus resultierenden Rechten und Pflichten, die sich aus dieser Veröffentlichung ergeben, Berücksichtigung:
1. Urheberrechtsgesetz vom 9. September 1965 (BGBl. I S. 1273), das zuletzt durch Artikel 216 der Verordnung vom 31. August 2015 (BGBl. I S. 1474) geändert worden ist
2. Niedersächsisches Pressegesetz (NPresseG) vom 22. März 1965 letzte berücksichtigte Änderung: Überschrift und §§ 9 und 24 geändert sowie § 25 aufgehoben durch Artikel 2 des Gesetzes vom 11.10.2010 (Nds. GVBl. S. 480) :
Daraus wesentliche Abschnitte werden wiedergegeben und, soweit nötig bzw. dem Inhalte nach darin gefordert, ergänzt oder kommentiert oder ausgeführt.
Zu 1.:
§ 1 Allgemeines. Die Urheber von Werken der Literatur, Wissenschaft und Kunst genießen für ihre Werke Schutz nach Maßgabe dieses Gesetzes. Abschnitt 2 Das Werk § 2 Geschützte Werke (1) Zu den geschützten Werken der Literatur, Wissenschaft und Kunst gehören insbesondere: 1. Sprachwerke, wie Schriftwerke, Reden und Computerprogramme; § 3 Bearbeitungen. Übersetzungen und andere Bearbeitungen eines Werkes, die persönliche geistige Schöpfungen des Bearbeiters sind, werden unbeschadet des Urheberrechts am bearbeiteten Werk wie selbständige Werke geschützt. Die nur unwesentliche Bearbeitung eines nicht geschützten Werkes der Musik wird nicht als selbständiges Werk geschützt. § 5 Amtliche Werke (1) Gesetze, Verordnungen, amtliche Erlasse und Bekanntmachungen sowie Entscheidungen und amtlich verfasste Leitsätze zu Entscheidungen genießen keinen urheberrechtlichen Schutz. (2) Das gleiche gilt für andere amtliche Werke, die im amtlichen Interesse zur allgemeinen Kenntnisnahme veröffentlicht worden sind, mit der Einschränkung, dass die Bestimmungen über Änderungsverbot und Quellenangabe in § 62 Abs. 1 bis 3 und § 63 Abs. 1 und 2 entsprechend anzuwenden sind. (diesen Bestimmungen ist mit der hier erfolgten Zitierweise Folge geleistet) § 6 Veröffentlichte und erschienene Werke (1) Ein Werk ist veröffentlicht, wenn es mit Zustimmung des Berechtigten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden ist. (2) Ein Werk ist erschienen, wenn mit Zustimmung des Berechtigten Vervielfältigungsstücke des Werkes nach ihrer Herstellung in genügender Anzahl der Öffentlichkeit angeboten oder in Verkehr gebracht worden sind. Ein Werk der bildenden Künste gilt auch dann als erschienen, wenn das Original oder ein Vervielfältigungsstück des Werkes mit Zustimmung des Berechtigten bleibend der Öffentlichkeit zugänglich ist. Abschnitt 3 Der Urheber § 7 Urheber ist der Schöpfer des Werkes. (eigentlicher Urheber des vorliegenden Werkes ist der Schöpfer selbst, insofern sind mein Vater, Robert R. Schnorr und ich, Christopher D. Schnorr, lediglich Miturheber, besser, redaktionell tätige Herausgeber der gefundenen Texte. Die Ehre der Urheberschaft gebührt Gott allein) § 8 Miturheber (1) Haben mehrere ein Werk gemeinsam geschaffen, ohne dass sich ihre Anteile gesondert verwerten lassen, so sind sie Miturheber des Werkes. (2) Das Recht zur Veröffentlichung und zur Verwertung des Werkes steht den Miturhebern zur gesamten Hand zu; Änderungen des Werkes sind nur mit Einwilligung der Miturheber zulässig. Ein Miturheber darf jedoch seine Einwilligung zur Veröffentlichung, Verwertung oder Änderung nicht wider Treu und Glauben verweigern. Jeder Miturheber ist berechtigt, Ansprüche aus Verletzungen des gemeinsamen Urheberrechts geltend zu machen; er kann jedoch nur Leistung an alle Miturheber verlangen. (3) Die Erträgnisse aus der Nutzung des Werkes gebühren den Miturhebern nach dem Umfang ihrer Mitwirkung an der Schöpfung des Werkes, wenn nichts anderes zwischen den Miturhebern vereinbart ist. (4) Ein Miturheber kann auf seinen Anteil an den Verwertungsrechten (§ 15) verzichten. Der Verzicht ist den anderen Miturhebern gegenüber zu erklären. Mit der Erklärung wächst der Anteil den anderen Miturhebern zu. § 11 Allgemeines Das Urheberrecht schützt den Urheber in seinen geistigen und persönlichen Beziehungen zum Werk und in der Nutzung des Werkes. Es dient zugleich der Sicherung einer angemessenen Vergütung für die Nutzung des Werkes.§ 12 Veröffentlichungsrecht (1) Der Urheber hat das Recht zu bestimmen, ob und wie sein Werk zu veröffentlichen ist. (2) Dem Urheber ist es vorbehalten, den Inhalt seines Werkes öffentlich mitzuteilen oder zu beschreiben, solange weder das Werk noch der wesentliche Inhalt oder eine Beschreibung des Werkes mit seiner Zustimmung veröffentlicht ist. § 13 Anerkennung der Urheberschaft Der Urheber hat das Recht auf Anerkennung seiner Urheberschaft am Werk. Er kann bestimmen, ob das Werk mit einer Urheberbezeichnung zu versehen und welche Bezeichnung zu verwenden ist. § 14 Entstellung des Werkes Der Urheber hat das Recht, eine Entstellung oder eine andere Beeinträchtigung seines Werkes zu verbieten, die geeignet ist, seine berechtigten geistigen oder persönlichen Interessen am Werk zu gefährden.
Zu 2.:
§ 1 (1) Die Presse ist frei. Sie ist berufen, der freiheitlichen demokratischen Grundordnung zu dienen. (2) Die Freiheit der Presse unterliegt nur den Beschränkungen, die durch das Grundgesetz zugelassen sind. (3) Berufsorganisationen der Presse mit Zwangsmitgliedschaft und eine mit hoheitlicher Gewalt ausgestattete Standesgerichtsbarkeit der Presse sind unzulässig. § 2 Zulassungsfreiheit Die Pressetätigkeit einschließlich der Errichtung eines Verlagsunternehmens oder eines sonstigen Betriebs der Presse darf von irgendeiner Zulassung nicht abhängig gemacht werden. Die Presse erfüllt eine öffentliche Aufgabe, wenn sie in Angelegenheiten von öffentlichem Interesse Nachrichten beschafft und verbreitet, Stellung nimmt, Kritik übt oder auf andere Weise an der Meinungsbildung mitwirkt. § 6 Sorgfaltspflicht der Presse Die Presse hat alle Nachrichten vor ihrer Verbreitung mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf Inhalt, Herkunft und Wahrheit zu prüfen. Sie ist verpflichtet, Druckwerke von strafbarem Inhalt freizuhalten. (alle vorliegenden Anagramme sind nach bestem Wissen und Gewissen dem Buchstabenbestand nach überprüft und sollten demnach den Ansprüchen an den rein anagrammatisch betrachteten Wahrheitsanspruch genügen. Sollte sich trotzdem eine Buchstabenungleichheit zwischen Quelltext und resultierendem Text ergeben, ändert das nichts am hier vorgestellten Prinzip des Anagrammes mit Sinn. Es wird darüber hinaus um Nachricht an den noch lebenden Herausgeber oder die bzw. den Erben der Urheberrechte gebeten, damit an geeigneter Stelle, vorzugsweise auf der Homepage www.anagramme-mit-sinn.de, eine berichtigende Darstellung erfolgen kann). § 7 (1) Druckwerke im Sinne dieses Gesetzes sind alle mittels der Buchdruckerpresse oder eines sonstigen zur Massenherstellung geeigneten Vervielfältigungsverfahrens hergestellten und zur Verbreitung bestimmten Schriften, besprochenen Tonträger, bildlichen Darstellungen mit und ohne Schrift und Musikalien mit Text oder Erläuterungen. § 8 (1) Auf jedem im Geltungsbereich dieses Gesetzes erscheinenden Druckwerk müssen Name oder Firma und Anschrift des Druckers und des Verlegers genannt sein, beim Selbstverlag Name und Anschrift des Verfassers oder des Herausgebers. (Anschrift des noch lebenden Herausgebers: Muehlenweg neun, D-Hespe) § 9 Persönliche Anforderungen an den verantwortlichen Redakteur (1) Als verantwortlicher Redakteur darf nicht tätig sein und nicht beschäftigt werden, wer 1. seinen ständigen Aufenthalt weder in einem Mitgliedstaat der Europäischen Union noch in einem anderen Vertragsstaat des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum hat, 2. infolge Richterspruchs die Fähigkeit, ein öffentliches Amt zu bekleiden oder Rechte aus öffentlichen Wahlen zu erlangen, oder das Recht, in öffentlichen Angelegenheiten zu wählen oder zu stimmen, nicht besitzt, 3. nicht unbeschränkt geschäftsfähig ist oder wer aufgrund einer psychischen Krankheit oder einer geistigen oder seelischen Behinderung unter rechtlicher Betreuung steht, 4. wegen einer Straftat, die er durch die Presse begangen hat, nicht unbeschränkt gerichtlich verfolgt werden kann. § 11 Gegendarstellungsanspruch (1) Der verantwortliche Redakteur und der Verleger eines periodischen Druckwerks sind verpflichtet, eine Gegendarstellung der Person oder Stelle zum Abdruck zu bringen, die durch eine in dem Druckwerk aufgestellte Tatsachenbehauptung betroffen ist. Die Verpflichtung erstreckt sich auf alle Nebenausgaben des Druckwerks, in denen die Tatsachenbehauptung erschienen ist. (Gegendarstellungen im Sinne anderslautender Anagramme werden gern entgegengenommen und veröffentlicht. Der Austausch ist sogar besonders gewünscht. Für diesen Zweck ist als geeignete Stelle im Sinne eines interaktiven Buchwerkes ein Menüpunkt auf der Homepage www.anagramme-mit-sinn.de vorgesehen.).§ 12 Ablieferungspflicht der Verleger und Drucker (1) Von jedem Druckwerk, das im Geltungsbereich dieses Gesetzes verlegt wird oder das als Verlagsort einen Ort innerhalb des Geltungsbereiches neben einem anderen Ort nennt, hat der Verleger ein Stück binnen eines Monats nach dem Erscheinen kostenfrei an die Niedersächsische Landesbibliothek in Hannover abzuliefern (Pflichtexemplar). (Das erfolgt mit Vergnügen).
Inhaltsverzeichnis
Kurzes Vorwort zum Anagramm oder Betriebsanleitung, vor dem Lesen zu beherzigen..4
Zum rein technischen Vorgang der Anagraphie die Regeln im Telegrammstil 4
„Mini-Beispiele“ fürs Anagramm..4
Anagramme - warum, wie, wozu?.5
Anagramme aus einem Gedichtvers Heinrich Bölls.12
Einführung in Anagrammform mit Refrain.12
Zufall oder zugefallen.17
Anagrammbuch.25
Parusie.33
Wolke der Zeugen.37
Anagramm-Dialoge.48
Einundzwanzig andere Ausgangsworte und ihre Anagramme.58
Es gibt keinen Zufall, und was uns blindes Ohngefähr nur dünkt, gerade das steigt aus den tiefsten Quellen. Schiller58
Alles Zustandekommen von Wirklichkeit muss seinen zureichenden Grund haben.59
Ein sinnvolles Anagramm ist das Unwahrscheinlichste von der Welt.60
Wie groß war die Wahrscheinlichkeit, dass durch Umschmelzen der Elemente ein sinnvolles Neues zustande kam?61
Suchet, so werdet ihr finden.63
Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.64
Komm, Heiliger Geist, du Schaffender! Komm, Deine Seelen suche heim! 65
Danket dem Herrn, denn Er ist freundlich und Seine Güte währet ewiglich! 66
Wo die Fremde, der Zufall und das Nichts waren, soll Heimat, Identität und Gott sein. Dorothee Sölle.67
Siehe ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.67
Gott schafft die Welt annoch. Kommt dir dies fremde für. So wiss, es ist bei Ihm kein Vor noch Nach wie hier. Angelus Silesius68
Das ist ja das Wunderbare am Menschengeschlecht, dass wir alle eins sind. Edith Stein.69
Trotz allem glaube ich an das Gute im Menschen. Anne Frank.71
Glaube ist wie ein Vogel, der singt, wenn es noch dunkel ist. Rabindranath Tagore.72
Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch. Hölderlin.73
Brüder, überm Sternenzelt muss ein lieber Vater wohnen. Schiller.74
Ist das nicht wunderbar? Albert Schweitzer.74
Du sollst dich nicht vorenthalten Martin Buber.75
QUID EST VERITAS.76
Nachwort..77
Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. 77
REED NEGEWRSTBN TLWHIIORIAT IK BB EE ER.77
Erläuterungen und Quellenangaben..79
1.Ein schriftlicher Gedanke oder Satz, ein Name oder nur ein Wort wird in seine Grundbausteine, die Buchstaben, zerlegt.
2.Diese Buchstaben dienen als Arbeitsgrundlage für die Suche nach neuen Worten.
3.Für einen neuen Gedanken und den daraus entstehenden Satz müssen zum Abschluss exakt alle Buchstaben verwendet sein, keiner mehr und keiner weniger.
4.
ENDE – EDEN REBE – ERBE GEIST – SIEGT FEHLER – HELFER IN LIEBE – EIN LEIB MEINE MUSE – EINE SUMME BROT UND WEIN – EIN BUNDWORT JERUSALEM – LA JE MEURE (Dort sterbe ich);ANAGRAMMA – ARMA MAGNA (große Waffe) Sonderformen sind der Schüttelreim, der Austausch von Einzelbuchstaben zweier Wörter oder Silben: Mein Kuss – kein Muss, und das Palindrom, ein vorwärts wie rückwärts lesbares Wort: Nebel-Leben; Lese-Esel; Abba; stets; nun Die eigene anagrammatische Sucherfahrung vermittelt am ehesten einen Eindruck von der Komplexität des Vorgangs und davon, dass das Finden von Anagrammen kein triviales Spiel sein muss. Schnell begegnet man schon bei noch überschaubarer Buchstabenanzahl einer Respekt einflößenden sprachlichen Herausforderung. Der praktische Test in Eigenanwendung bietet sich beispielsweise mit Hilfe von Scrabble-Steinen an. Für die Freunde des PC-gestützten Lebens wird auf der Homepage www.anagramme-mit-sinn.de die Möglichkeit eines online nutzbaren Programmes eingerichtet, um eigene Anagramme zu suchen oder die hier vorgestellten zu überprüfen. Es können auf diesem Wege im Sinne eines interaktiven und dynamischen Buchwerkes auch alternative Anagramme aus den hier vorgestellten Quelltexten, Kommentare und Ergänzungen veröffentlicht werden, eigene wie Ihre.
Die vordergründige Antwort ist leicht: Neugier, Sprachspielspaß und Überraschung sind zugleich Motivation und Ergebnis der Beschäftigung mit der Anagraphie. Der spielerische Reiz dieser besonderen Begegnung mit der Schriftsprache ist seit Jahrhunderten bekannt. Bereits im 3. Jh. vor Christus soll Lykophron von Chalkis das Anagramm erfunden haben.1 Auch die Frage, ob tieferer Sinn zu entdecken wäre, veranlasste Menschen zur Beschäftigung mit der Anagraphie. Das bekannteste Beispiel ist Ferdinand de Saussure mit seinen Anagrammstudien.2 Künstlerisch hat Unica Zürn als erste und prominenteste Vertreterin intensiv die Untiefen von Anagrammtexten ausgelotet und den Leser in Gedichtform durch ihre Welt der Begegnung mit der Schrift im Letternwechsel geführt. Diese Anreize, Spiel und Sinnsuche, vor allem aber ein ungeahnt dynamisch hervortretendes Eigenleben der Sprache sind Anlass für dieses Buch. Die hier vorgestellte Herangehensweise an das Phänomen der Anagraphie vermeidet dabei einen im Allgemeinen meist unverbindlichen Umgang, der sich eher an Belustigung oder am Effekt orientiert. Es wurden bewusst sinnvolle Ursprungssätze und -gedanken ausgewählt und sinnvolle anagrammatische Ergebnisse erwartet.Und damit werden alle weiteren Antworten auf das Fragentrio zum Warum, Wie und Wozu der Beschäftigung mit der Anagraphie schwerer aber auch sehr viel interessanter und spannender, da Sinn sich nun einmal nicht beliebig finden lässt.Warum?
Das Vorbild gibt ausgerechnet ein Satz, der bei einem Verhör dokumentiert wurde. Es irritiert vielleicht, dass gerade der wenig bedachte Satz eines Machtmenschen die Grundlage für ein außergewöhnliches Anagramm liefert und hier Anlass für die weitere anagrammatische Suche wird. Pontius Pilatus, der römische Statthalter von Judäa, stellt in Jerusalem Jesus Christus diese wohl bekannteste Frage aus einer Verhörszene, die so in der Vulgata, der lateinischen Bibel, überliefert ist: „QUID EST VERITAS“. Übersetzt bedeuten diese Worte: Was ist Wahrheit (Joh. 18,38)? Vermutlich schwang darin auch des Pilatus Spott mit. Ohne dass der Entdecker noch namentlich bekannt wäre, weiß man durch kirchliche Quellen schon lange um die in den lateinischen Buchstaben verborgene und überraschende anagrammatische Antwort, die still die Spitze des Spottes umdreht: EST VIR QUI ADEST. Zu Deutsch: Es ist der Mann, der zugegen ist. Nach biblischem Zeugnis und christlicher Überzeugung entspricht dies, in den Buchstaben versteckt, der Wahrheit; es bleibt aber eine lautlose, verborgene Erwiderung, denn ohne wirklich eine Reaktion Jesu abzuwarten beendet Pilatus sein Verhör mit dieser Frage und wendet sich wieder der versammelten Menschenmenge zu, die dann erfolgreich die Kreuzigung fordern wird. Sollte dieser verborgene Inhalt nur ein bemerkenswertes Einzelereignis sein, das zwar aufgrund des inneren Sinnzusammenhanges aufhorchen lässt, sonst aber eben als ein singuläres Ausnahmeergebnis ohne Konsequenz bleibt? Schließlich gibt es weit mehr als 5 Milliarden beliebige Kombinationenmöglichkeiten, diese lateinischen Buchstaben anders zu ordnen.3 Und hier steht nur eine Möglichkeit da. Was also passiert, wenn man diese einmalige Beobachtung zur Vorlage für eine methodische Untersuchung nimmt. Lässt sich Ähnliches wiederholen, ist hier eine Regelhaftigkeit erkennbar? Kann das ein lohnendes Projekt werden oder führt das nur zu immenser sinnarmer Zeitverschwendung? Bei dieser riesig großen Anzahl möglicher Buchstaben- und Wortkombinationen, die bereits in einem so kurzen Satz stecken, scheint einerseits alles möglich, realistisch betrachtet sind aber andererseits zu 99,999999% eigentlich nur Chaos oder unsinniger Quatsch zu erwarten.4 Im Entschluss, sich dieser Aufgabe zu stellen, lauert also die nächste und schwerwiegende, zugleich spannende Frage, ob beziehungsweise wie sich die wenigen sinnreichen Lösungen finden lassen? Der Computer kann sehr wohl hilfreich sein, aber Sinn zu erkennen ist er nicht in der Lage, und von allein entwickelt er nicht einen einzigen Satz, geschweige denn einen Gedichtvers.Wie?
Vorab die kurze und nüchterne Antwort auf das Ob. Alle Folgeversuche, vergleichbar inhaltsintensive anagrammatische Texte in verschiedensten Ausgangssätzen oder gar –versen zu finden, stellten sich durchgängig als erfolgreich heraus. Auch ohne komplexe computergestützte Suchprogramme. Das freie Suchen und Finden von lesbaren Lösungen erfordert allerdings ein konzentriertes, inneres Horchen auf die Gedanken und die immer neue Prüfung, ob sich diese mit dem gegebenen Buchstabenbestand schreiben lassen, Wort für Wort, Sinn für Sinn, umbauend, neu hörend bis alle Lettern berücksichtigt sind. Dabei ist stets neu die Entscheidung zu treffen, welche Lesart eines Buchstabenhaufens eher sinnführend und welche irreführend sein könnte. Beispielsweise lässt sich EENRTT als „treten“ wie auch als „retten“ aufnehmen, meist ist Letzteres „netter“. ANRTU „raunt“ „Unrat“ genauso wie „Natur“, EDIL lässt „Leid“ und „Lied“ zu. Die Erfahrung zeigt, dass im Gesamtzusammenhang Versuche mit lebenspositiven Gedanken- und die daraus resultierenden Wortentscheidungen am ehesten auf den Weg zu Lösungen mit sinnstabiler Wortverknüpfung und letztendlich lesbarer Satzgestalt führen. Meine anfänglich zweifelnde Unsicherheit und Spannung wich schnell einer wachsenden Faszination. Vergleichbar mag das vielleicht frühen Goldsuchern in Kalifornien ergangen sein, die bei ihren ersten Funden so gefühlt haben. Elektrisiert und zugleich fassungslos noch bei den ersten verbalen Sinn-Nuggets, weicht das Gefühl später einer erwartungsfrohen Zuversicht, nie aber einer routinierten Langeweile, wenn vor den eigenen Augen ein anagrammatisches Ergebnis wie Gold hervorblinkt zwischen all den denkbaren Sedimentmassen sinnloser oder zumindest sinnarmer Leselösungen. Mit Geduld und Hingabe wie ein Goldsucher muss man tatsächlich vorgehen. Hastig lässt sich kein Ergebnis herbeizwingen. Zu finden ist nur, was unsichtbar schon lange da war und ist. Eigenes Zutun kann weder an der Menge noch an der Qualität des gefundenen Wort-Schatzes etwas ändern. Ganz im Gegenteil, solche Versuche, sich den Erfolg zurechtbiegen zu wollen, behindern die Wahrnehmung. Beim Goldsucher verschleiert es den Blick für echte Nuggets. Beim Suchen der Anagramme trübt jeder Manipulationsversuch den wachen unvoreingenommenen Geist. Hat sich aber erst unerschütterliche Gewissheit eingestellt, dass früher oder später immer neu wunderbare Aussagen aus dem Buchstabenfundus eines einzelnen Text zutage treten, gesellt sich beim eigentlich blinden Suchen und Finden ein fortgesetztes Staunen und Stutzen hinzu, bis eine ganze Sammlung von verwirrend klaren Wortfunden ans Licht gekommen ist. Nicht selten sitze ich in dem einen Augenblick noch in Bedeutungsfinsternis vor den letzten ungeordneten Buchstabenelementen, im nächsten Augenblick tritt unerwartet ein Gedanke wie ein Licht dazu, die Lettern können ihn wiedergeben und plötzlich wird eine sinntragende Gesamtlösung offenbar. Die nächsten Schritte sind nicht minder herausfordernd und lohnend zugleich. Erst wollen die Worte eines gefundenen Anagramms zur sinnreichsten Komposition gebracht werden, danach folgt die assoziativ flüssigste Anordnung im möglichst fortlaufenden Text.
