Denken wir noch oder fühlen wir schon? - Nadja Kahn - E-Book

Denken wir noch oder fühlen wir schon? E-Book

Nadja Kahn

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Beschreibung

Maxi van Weller ist ein ganz normaler Mensch. Mit einem Job, Kollegen, Kolleginnen und ihrem Chef. Von einem Tag auf den anderen bricht ihre bisher heile Welt in der PR-Agentur Clarke zusammen. Das Unternehmen wird verkauft. Vermeintlich nichts Besonderes, denn das passiert jeden Tag in deutschen Unternehmen. Maxi van Weller allerdings lässt den Leser teilhaben an dem, was in ihrem Inneren passiert, denn sie hat zwei Begleiter im Kopf: Ratio und Emotia. Die Leser erfahren durch den inneren Dialog von Ratio & Emotia aus erster Hand, wie Maxi denkt und fühlt sowie mit ihren täglichen Herausforderungen umgeht. Ratio und Emotia begleiten sie durch sämtliche sieben Basis-Emotionen, die Maxi und generell wir Menschen durchleben können und nehmen dabei kein Blatt vor den Mund.
Das Buch von Nadja Kahn und Christoph Theile zeigt, dass sowohl Denken als auch Fühlen zusammengehören. Es inspiriert die Leser, Situationen aus dem (unternehmerischen) Alltag zu reflektieren: Denken wir vermeintlich nur oder fühlen wir gerade? Wie spielt beides im unternehmerischen Umfeld zusammen? Durch die spannende Geschichte von Maxi van Weller und ihren beiden Begleitern Ratio & Emotia werden die Leser vom Erkennen zum Verstehen bis hin zum Aktivieren aller Emotionen geführt. Sie erfahren, dass Verstand und Gefühl einander brauchen und Hand in Hand gehen. Abgerundet wird die Story durch einen erläuternden Fachteil, in dem durch den Globe of Emotions®, ein einzigartiges System zur Einordnung der sieben Basis-Emotionen, aufgezeigt wird, dass alle Emotionen ihre Berechtigung in unserem Leben haben. Die fiktiven Textpassagen werden hier aufgegriffen, das emotionale Problem damit gezeigt. Dann folgen eine Situationsbeschreibung sowie eine klare Idee, wie diese Situation mit dem Globe of Emotions besser gelöst werden könnte und auch, was dazu notwendig ist.
Nach der Lektüre gehen die Leser gelassener mit Alltagssituationen um und können sich selbst und ihr Gegenüber besser einschätzen. Sie erfahren, dass alle unsere Emotionen ihre Berechtigung haben, auch die vermeintlich negativen, wie etwa Zorn und Ekel.

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Seitenzahl: 355

Veröffentlichungsjahr: 2023

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© 2023 Wiley-VCH GmbH, Boschstraße 12, 69469 Weinheim, Germany

Alle Rechte, insbesondere die der Übersetzung in andere Sprachen, vorbehalten. Kein Teil dieses Buches darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages in irgendeiner Form – durch Photokopie, Mikroverfilmung oder irgendein anderes Verfahren – reproduziert oder in eine von Maschinen, insbesondere von Datenverarbeitungsmaschinen, verwendbare Sprache übertragen oder übersetzt werden. Die Wiedergabe von Warenbezeichnungen, Handelsnamen oder sonstigen Kennzeichen in diesem Buch berechtigt nicht zu der Annahme, dass diese von jedermann frei benutzt werden dürfen. Vielmehr kann es sich auch dann um eingetragene Warenzeichen oder sonstige gesetzlich geschützte Kennzeichen handeln, wenn sie nicht eigens als solche markiert sind.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über <http://dnb.d-nb.de> abrufbar.

Print ISBN: 978-3-527-51134-1ePub ISBN: 978-3-527-84165-3

Umschlaggestaltung Susan BauerCoverbild: iMrSquid - stock.adobe

Inhaltsverzeichnis

Cover

Titelblatt

Impressum

Einsatz

Die Geschichte hinter der Geschichte

Anmerkungen

Prolog

Teil 1: Die Geschichte der Maxi van Weller

Es begann als schöner Tag

Oles Maulkorb

Eine Welt stürzt ein

Gettler

Entgleisungen

Der Tag danach

Oles Versagen

Gettlers Rede

Fuselfusion

Gettlers Siegeszug

Zurück ins Chaos

Ratiorede

Ausgang mit Tine

Zurück in den Alltag

Drei Monate später

Gettler und Cindy

Der erste Tag

Einzug

Gettlers Angriff

Maxis Zusammenbruch

Cindy

Hochmut

Ladies Talk

Tangohaltung

Montag – der Tag der Wahrheit

Showtime

Vom Schlachtplan zur Inhouse-Agentur

Neun Monate später

Ein Haus aus Schnee

Heimreise

Epilog

Teil 2: Der Globe of Emotions

®

Globe of Emotions – die Reise beginnt

Grundlagen

1. Autopilot – schnelle Emotionen, was heißt das?

2. Langsame (bewusste) Emotionen

3. Steuerbarkeit von Gefühlen

4. Bedürfnisse: Treiber deiner Emotionen

5. Prägung durch Emotionen

6. Wechselwirkung Körper und Emotionen

7. Die sieben Basis-Emotionen

Anmerkungen

Positiv? Negativ? Zeit für einen Paradigmenwechsel!

Der Globe of Emotions

®

Die Struktur des Globe of Emotions

Sicherheit mit Furcht

Alles klar? Mit Verachtung!

Menetekel Ekel

Ankommen mit Freude

Unabhängigkeit mit Trauer

Vorn mit Zorn

Entwicklung mit Erstaunen

Anmerkungen

Die emotionalen Gesetze

Das 1. emotionale Gesetz: die Spiegel‐Emotionen

Das 2. emotionale Gesetz: die Rahmen‐Emotionen

Das 3. emotionale Gesetz: Komplementär‐Emotionen

Das 4. emotionale Gesetz: Interferenz‐Emotionen

Das 5. emotionale Gesetz: emotionaler Change

Anmerkungen

Und was ist mit der Liebe?

Fazit

Und jetzt?

Über die Autoren

Danksagung

Anmerkungen

End User License Agreement

Illustrationsverzeichnis

Die emotionalen Gesetze

Abbildung 1: Die Rahmen‐Emotionen der Furcht

Abbildung 2: Die Rahmen‐Emotionen normalisieren die Leit‐Emotion

Abbildung 3: Die Rahmen‐Emotionen des Zorns

Abbildung 4: Rahmen‐Emotionen der Freude

Abbildung 5: Die Rahmen‐Emotionen des Erstaunens

Abbildung 6: Rahmen‐Emotionen der Verachtung

Abbildung 7: Rahmen‐Emotionen des Ekels

Abbildung 8: Rahmen‐Emotionen der Trauer

Abbildung 9: Die Komplementär‐Emotion der Furcht

Abbildung 10: Interferenz‐Emotionen

Abbildung 11: Angst

Abbildung 12: Wut

Abbildung 13: Gier

Abbildung 14: Ekel

Abbildung 15: Der Changeweg durch den Globe of Emotions

Orientierungspunkte

Cover

Titelblatt

Impressum

Einsatz

Die Geschichte hinter der Geschichte

Prolog

Inhaltsverzeichnis

Und was ist mit der Liebe?

Fazit

Über die Autoren

Danksagung

End User License Agreement

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»Wenn du denkst,du denkst,dann denkst du nur, du denkst,denn, was du wirklich tust, heißt fühlen!«

Emotia, 2022

Die Geschichte hinter der Geschichte

Wir haben in unserem Leben viel gelernt. In der Schule Schreiben, Lesen und Rechnen. Und durch den Erdkundeunterricht kennen wir uns eventuell vorbildlich mit den Kohlevorkommen in Peru aus. Die Social Media umgeben uns allerorten mit unzähligen Informationen, wir können vielleicht sogar virtuelle Welten entwickeln und haben es als Menschheit sogar so weit gebracht, dass der Flug zum Mond und Mars kein unlösbares Problem mehr darstellt. Wir planen Einkaufszentren, analysieren Aktienkurse und manche von uns schreiben in mehr als 26 000 Zeichen – also nur unwesentlich weniger als dieses Buch enthält – eine EU-Verordnung zur Einfuhr von Karamellbonbons.

Eine Sache haben wir allerdings bei all diesem Wissenserwerb erstaunlicherweise bewusst oder unbewusst ausgeklammert: unsere ganz persönlichen Emotionen. Darüber haben wir im Grunde nichts gelernt, weder in der Schule noch in der Ausbildung, während des Studiums oder im Beruf. Um dieses Thema machen wir generell einen großen Bogen, so, als wollten wir dort lieber nicht hinschauen, als könnten wir etwas entdecken, was uns nicht gefällt. Also konzentrieren wir uns lieber auf den Mars – oder auch auf die Karamellbonbons.

Vielleicht liegt unser Verhalten daran, dass Emotionen so schwer zu greifen und damit zu begreifen sind. Sie erscheinen aus dem Nichts, verschwinden in Sekundenbruchteilen oder bleiben manchmal für Jahre unsere unbewussten oder halb-bewussten Begleiter und tauchen dann ohne Vorwarnung regelmäßig hinterrücks aus den Tiefen unserer Psyche auf.

Eine praktische Strategie zum Umgang mit unseren Emotionen lautete für viele von uns wie folgt: »Ich bin nicht emotional.« Oder auch: »Ich bin ein sehr emotionaler Typ.«

Mit solchen binär gehaltenen Aussagen war diese innere Auseinandersetzung dann auch erledigt. So entstand bei vielen von uns im Zusammenhang mit Emotionen die innere Grundhaltung »ist halt so, so bin ich halt«. Und diejenigen Menschen, die sich als nicht emotional beschrieben haben, nannten sich in der Regel »rational«. Damit war das Thema Emotionen in der Regel für sie abgehakt und MAN konnte sich dann wieder den greifbaren Dingen zuwenden. Bewusst schreiben wir hier MAN, denn das zeigt auch sprachlich durch die Passivform die mangelnde emotionale Identifikation.

Die einfach gehaltene Unterscheidung von rational zu emotional hat uns im Laufe unserer Arbeit mit Emotionen zuerst irritiert, dann inspiriert. Und so sind sowohl dieses Buch als auch die Protagonisten Ratio (als Sprachrohr der puren Logik) und Emotia (als Sprachrohr für die Welt unserer Emotionen) entstanden. Denn nicht nur in diesem Buch brauchen wir ein »Sprachrohr« für unsere Emotionen! Wir müssen für unser zufriedenes und erfolgreiches Leben lernen, sie zu verstehen!

Unsere Emotionalität ist omnipräsent, auch wenn dir dies vielleicht (noch) nicht bewusst ist. Egal, ob du dich selbst für emotional oder unemotional hältst, jede deiner Entscheidungen hat einen hohen emotionalen Anteil. Antonio Damasio, einer der bekanntesten Hirnforscher unserer Zeit, ist dieser These in seinen Veröffentlichungen auf der Spur.1

Genauer gesagt: Wir alle, egal ob wir von uns denken, wir wären rational oder eher emotional, treffen unsere Entscheidungen unbewusst emotional und rechtfertigen sie (hinterher) rational und scheinbar bewusst. Und genau in dieser Verhaltensweise liegt der Schlüssel.

Wenn nämlich das Bewusstsein dafür fehlt, dass unsere Entscheidungen rein emotional getroffen werden, dann kann das enorme Auswirkungen auf das Ergebnis unseres Handelns haben – und dabei ist eine falsche Kaufentscheidung nur ein winziges Beispiel.

Insbesondere bei Krisen und Veränderungsprozessen jedweder Art hören wir hier, dass »wir umdenken« müssen – und umdenken heißt hier übersetzt, dass wir doch nun endlich die Entscheidung treffen sollten, das Neue anzunehmen. Frei nach dem Motto »A« geht nicht mehr, dann machen wir jetzt »B« – am liebsten mit Ausrufungszeichen. Und alle machen bitte schön mit. Entscheide dich. Jetzt.

Es ist nicht verwunderlich, dass mit dieser Herangehensweise – traut man den Statistiken – bis zu 70% aller Change-Prozesse scheitern.2 Denn wenn wir lediglich umdenken, fehlt die bewusste emotionale Loslösung von der gewohnten Welt. Und ohne diese gelingt niemals eine Verbindung mit dem Neuen und wird deshalb nicht funktionieren. Wir müssen deshalb also nicht nur umdenken, sondern vor allem »umfühlen«.

»Ratio« ist ein wichtiger Berater für uns, doch rein aus der Logik, für die er steht, schöpfen wir keinerlei Kraft oder Umsetzungsenergie, also genau die Dinge, die wir dringend benötigen, um »in die Puschen zu kommen«. Diese Energie kommt einzig und allein aus unserer emotionalen Welt. Unsere Emotionen schützen uns, treiben und tragen uns in jedem noch so kleinen Moment.

Und genau deshalb ist es an der Zeit zu verstehen, dass wir nicht nur umdenken sollten, sondern vor allem lernen müssen »umzufühlen«!

Wie das geht, wirst du in diesem Buch erfahren.

In Teil 1 unserer Reise durch die Emotionen erlebst du mit der Protagonistin Maxi van Weller einen Change-Prozess nebst emotionaler Achterbahnfahrt (mit Looping), bei dem sie von den beiden Stimmen Ratio und Emotia begleitet wird. Von Freude bis Frust, von Trauer bis Begeisterung begleitest du Maxi und ihre Wegbegleiter auf ihrem Weg zur Veränderung.

In Teil 2 dient dieselbe Geschichte dazu, die erlebten Emotionen in der Tiefe zu verstehen. Schritt für Schritt führen wir dich durch die überraschende Welt der sieben Basis-Emotionen und zeigen dir, welches Potenzial dahinter verborgen liegt und wie du es für dein Leben besonders in der Arbeitswelt erfolgreich einsetzen kannst. Mit dem Globe of Emotions erhältst du dazu ein Werkzeug an die Hand, deine Emotionen und die deines Gegenübers zu erkennen, zu verstehen und zu aktivieren und damit emotionale Souveränität zu erreichen.

Und wenn du dein Leseerlebnis digital bereichern möchtest, mit deinem Globe für die Hosentasche, dann lade dir im App Shop die App: Globe of Emotions herunter. Sie ist sowohl im Playstore als auch im Appstore erhältlich.

Bist du bereit? Maxi, Ratio und Emotia erwarten dich. Viel Spaß!

Nadja und Christoph

Anmerkungen

1

   Antonio Damasio, Descartes Irrtum, Fühlen, Denken und das menschliche Gehirn. 2014 Ullstein.

2

   Michel Beer und Nitin Noria, “Cracking the code of change”, Harvard Business Review, (p 133), 2000

Prolog

Emotia: Duuu, Ratioooo, ich bin doch sooo ungeduldig, und ich bin so neugierig und gespannt! So viele Worte vor den Worten. Puh! Das ist eine echte Kraftprobe für mich!!!

Ratio: Emotia, nur ruhig, denn in der Ruhe liegt die Kraft. Eine Geschichte hat einen Anfang und ein Ende. Einfach mittendrin zu beginnen wäre zwar möglich, aber nicht sinnvoll.

Emotia:Na klar, du bist natüüürlich die Ruhe selbst. So kenne ich dich und du hast auch noch immer einen guten Rat für mich dabei. Vielen Dank auch. Und ich bin eben ungeduldig!

Ungeduld sagt man ja auch gerne mal der Welt der Damen nach. Aber damit eines hier ganz klar und deutlich wird: Dein Name klingt zwar männlich und meiner weiblich. Doch weder bin ich eine Frau, noch bist du ein Mann. Wir SIND einfach. Und uns beide gibt es in jedem Menschen – mal lauter, mal leiser, das siehst du doch auch so, oder?

Ratio: Ja, das stimmt, wir sind einfach. Aber lauter und leiser? Sprachlich korrekt wäre hier wohl ausgeprägter und weniger ausgeprägt.

Emotia (seufzt):Ach Ratio. Du nimmst es aber auch mal wieder genau. Bloß nicht locker sein, immer schön alles in der korrekten Ordnung. Nun gut. So bist du halt. Jeder hat halt so seine Seiten. Und was heißt denn sprachlich korrekt für dich?

Ratio: Sprachlich korrekt heißt, sich so auszudrücken, dass keine Missverständnisse entstehen, damit niemand sich beispielsweise diskriminiert oder ausgeschlossen fühlt.

Emotia: Ausschließen? Jemand ausschließen mag ich gar nicht und ist deshalb auch für mich total ausgeschlossen. Es würde mich sogar sehr traurig machen. Da hast du ausnahmsweise mal wirklich recht. Haben wir noch etwas vergessen? Fehlt noch etwas?

Ratio: Ja. Ich finde es wichtig, dass die Leser wissen, dass in der Folge der Text ausschließlich für den Lesefluss auf gendergerechte Sprache verzichtet.

Emotia: Oh ja. Gut, dass du das nochmal betonst! Dieses Buch betrifft Emotionen und damit alle Menschen gleichermaßen. Und wenn sich damit einer auskennt, bin ich das wohl, oder? Duuu, Ratioooo? Können wir jetzt bitte loslegen? Die Leser und ich sind wirklich schon ganz ungeduldig! Lass uns unsere gemeinsame Reise mit Maxi van Weller starten!

Ratio: Okay! Bist du auch ordnungsgemäß angeschnallt? Bei deinen rasanten Gemütsschwankungen könnte das helfen! Also dann: Los geht's!

Emotia:Juchuuuuu!!!

Teil 1DIE GESCHICHTE DER MAXI VAN WELLER

Es begann als schöner Tag

Heute waren sie wieder da. Beide. Oh Mann, die machen mich fertig! Vor allem sie. Sie platzt immer herein, als ob es keine Türen gäbe. Und er schleicht sich dann direkt von hinten an und bügelt mit seinen Argumenten alles glatt. Und das dauert! Die machen mich irre!

Dabei hatte der Tag so wunderschön angefangen! Auf meinem kurzen Fußweg an diesem Donnerstagmorgen ins Büro bei der Clarke PR Agentur schien die Sonne. Der Frühling lachte mich aus jeder Faser an. Vor der Agentur begrüßte mich die in voller Blüte stehende Magnolie wie ein Feuerwerk und überstrahlte die danebenstehende Kirsche mit ihren herrlichen, rosafarbenen Blüten.

Ach übrigens, ich bin Maxi van Weller, Leiterin der Event-Abteilung bei der Clarke PR Agentur.

Mein Herz hüpfte nicht nur des fabelhaften Wetters wegen, sondern auch, weil nach zwei scheinbar endlosen Wochen endlich meine Lieblingsmenschkollegin (so nannte ich sie, weil ich niemand kannte, der menschlicher war als sie) wieder aus dem Urlaub zurück war. Sie würde mir in der Pause alles – also wirklich ALLES – aus ihrem viel zu langen Urlaub in Argentinien erzählen müssen.

An diesem Morgen hatte nicht nur mich die gute Laune gepackt, die gesamte Event-Abteilung, deren Leitung ich seit über fünf Jahren innehatte, strahlte mich beim Hereinkommen an. Konnte der Tag besser starten? Vermutlich nicht.

Ich freute mich so sehr auf den bevorstehenden Tag und die kommenden Wochen!

Enorm viele spannende Events standen bevor! Ein zweitägiger Kick-off in einer ehemaligen Fabrikhalle, bei dem wir holografische Effekte einsetzen würden, eine Incentive-Reise ins Baskenland, einige spannende Online-Events zu unterschiedlichen Themen mit passenden Versand-Boxen, die wir den Gästen zum gemeinsamen Unboxing nach Hause schickten, und sogar eine VIP-Reise für eine ganz exklusive Gruppe auf die Inselgruppe der Lofoten in Nordnorwegen zur Sonnenwende!

Was für einen schönen Beruf ich doch hatte! Exotisch, fordernd, aber auch so erfüllend! Wenn es uns als Eventagentur gelang, die Erwartungen von Menschen zu übertreffen und die daraus resultierende Freude in ihren Gesichtern zu lesen oder sogar im Gespräch bestätigt zu bekommen, dann war das wie eine Energiespritze – trotz langer Nächte und meist sehr wenig Schlafs.

Heute war einfach einer dieser Tage, an denen ich glücklich war mit allem, wie es war. Mit meinen Mitmenschen, mit meiner Arbeit, mit mir!

»Da kommt unser Sonnenschein, Maxi«, schmeichelte mir mein Chefchen Ole, als ich an seinem stets offenen Büro vorbeiflog. »Guten Morgen, Ole«, erwiderte ich fröhlich und schwebte förmlich an ihm vorbei, beflügelt von seinen Worten.

Ganz ehrlich … was konnte an so einem Tag noch schiefgehen?

Es konnte.

So richtig.

Von einer Sekunde auf die andere war mein Tag der absolute Alptraum.

Oles Maulkorb

Geschlafen hatte er schon seit Wochen nicht.

Auch das sowieso schon harte Sportprogramm, das er zuletzt noch intensiviert hatte, erschöpfte Ole Kalinski zwar körperlich, ließ ihn aber nachts trotzdem nicht besser schlafen. Es half einfach nichts. Weder ausgedehnte Laufrunden noch unzählige Crunches oder noch mehr Sit-ups … Er musste sich spüren und ging dafür bis an seine körperlichen Grenzen, so lange, bis es weh tat und er sich vor Schmerzen und Erschöpfung kaum noch bewegen konnte.

Und trotzdem … mit dem Moment des Augenschließens kamen die düsteren Gedanken zurück und drehten Schleife um Schleife. Irgendwann, meist im Morgengrauen, fand er zwei oder drei Stunden unruhigen Schlaf. Beim Aufstehen fühlte er sich erschöpfter als vorher. So konnte es nicht weitergehen.

Heute früh zum Sonnenaufgang hatte Boris ihn seit Langem mal wieder beim Joggen begleitet und seither war klar: Dieser Tag würde noch schlimmer werden als alle anderen Tage während der letzten vier Monate seit dem Beginn der Verhandlungen. Wie grauenvoll! Heute war er gekommen, der Tag der Wahrheit!

Boris Clarke war Oles bester Kumpel aus Studienzeiten. Schon bei einer der ersten legendären Studipartys waren sie sich begegnet und hatten bemerkt, dass sie zwar gänzlich gegensätzlich waren, sie genau das aber als Team unschlagbar machte.

Sie hatten sichergestellt, dass ihr neuer, freundschaftlicher Bund besiegelt wurde, indem sie in einer langen Nacht mehrfach darauf anstießen. Um wirklich sicher zu sein, dass für dieses Siegel auch das richtige Getränk diente, probierten sie sich einmal durch sämtliche Whiskey-Sorten ihrer Lieblingsbar. Kein einfaches Unterfangen bei den 20 verschiedenen Sorten, aber sie meisterten diese Herausforderung souverän, wie so viele weitere danach.

Noch heute witzelten sie hin und wieder über jenen Abend, von dem keiner von ihnen mehr genau wusste, wie er geendet hatte. Beide hatten sich darüber ihre eigene Wahrheit gebildet, und weil niemand wirklich Recht haben konnte, beanspruchten beide ihre Version gleichermaßen mit einem Augenzwinkern für sich.

Unschlagbar, ja, das waren sie. Denn Schlag hatten sie, vor allem bei den Damen. Doch das war lange her.

Inzwischen war Ole so viel ruhiger geworden und verheiratet. Seine drei Kinder Helena, Jan und Lovisa waren inzwischen echte »Pubertiere« und schon allein durch die zeitintensive Arbeit bei der Clarke PR blieb keine Zeit für Sperenzchen mit attraktiven Damen … nun ja, Fantasien haben, das konnte man ja zwischendurch mal und ungelebte Dinge tagträumend genießen, besonders wenn Maxi wieder wie ein Wirbelwind durchs Büro fegte. Er mochte Maxi wirklich, und gelegentlich malte er sich aus, wie es wäre, ihr näherzukommen, als »nur« befreundet zu sein. Doch er würde seine Ehe niemals mit einem Betrug belasten. Wie schön, dass die Gedanken frei waren.

Doch selbst diese frivolen Gedanken waren ihm in den schlimmen und zermürbenden Wochen der jüngsten Vergangenheit nicht ansatzweise in den Sinn gekommen.

Genauer gesagt, seit Boris ihm eröffnet hatte, dass er die Agentur verkaufen würde, und zwar ausgerechnet an diesen Lackaffen Joachim Gettler vom Global Communication Network (GCN).

Das GCN war einer der ganz großen Player am Markt und galt als attraktiver Arbeitgeber, der zahlreiche Awards gewonnen hatte, deren Herkunft häufig zwar nicht nachvollziehbar war, sich aber schick auf der Website machten.

Bei diesem Unternehmen einen Job zu ergattern bedeutete, zu den Besten zu gehören, und das war essenziell für die Karriereleiter. Ole kannte Gettler von diversen Branchentreffen und natürlich auch durch sein Format »Gettlers Morning Show«, bei dem Gettler als selbsternannter PR-Gott Kampagnen präsentierte oder sich im Licht von wirklichen Stars sonnte, die er als Gast in seine Live-Streaming-Show einlud und immer seine »Freunde« nannte.

Ole mochte ihn nicht, fand ihn arrogant und selbstverliebt – und damit war er nicht allein. Und ausgerechnet mit diesem unangenehmen Typen hatte sich Boris nun zusammengetan.

Warum nur hatte Boris ihn, Ole, nicht um Rat gefragt? Früher hatte er das immer getan. Sie waren doch schon so lange ein Team!

Boris hatte die Agentur direkt nach dem Studium gegründet und ihn, seinen damals besten Kumpel, mit an Bord geholt.

Die Gründungsjahre waren ein einziges Vergnügen gewesen, denn Boris und Ole waren die Durchstarter des Jahres. Natürlich wollten sie auch Geld verdienen, aber das war ihnen damals nicht so wichtig gewesen wie der Spaß. Einen neuen Kunden gewonnen zu haben, bedeutete zwar auch Umsatz, aber vor allem eine rauschende Nacht. Und das Geld kam damals verrückterweise fast wie von selbst zu ihnen.

Mit wirklich mutigen, unkonventionellen Ideen räumten sie gemeinsam Preise ab. Schnell wuchs das Team zu einer mittelgroßen Agentur und machte sich einen Namen unter den kreativsten Playern am Markt.

Dabei blieb Boris stets der unbestrittene Boss, der hart durchgriff, wenn es sein musste. Ole positionierte sich gerne in der zweiten Reihe hinter ihm und trat als Mittelsmann auf, der die Wogen glättete, wenn mal wieder ein »Boris-Tsunami« durch die Agentur rollte, wie er es scherzhaft bezeichnete.

Mittelsmann. Was für ein Wort. Da steckte gleichermaßen Mittelmäßigkeit drin. Und ja, was war er, Ole, schon anderes als mittelmäßig?

In den letzten Jahren hatte sich so viel verändert. Boris war noch immer freundschaftlich mit ihm verbunden, aber die Entscheidung, zu verkaufen, hatte er allein gefällt und Ole vor vollendete Tatsachen gestellt. Ole war fassungslos.

Gefragt nach dem Warum hinter dem Verkauf hatte Boris ihm lapidar entgegnet, er habe einfach etwas anderes machen wollen … die nicht mehr so fetten Jahre der letzten Zeit hätten seine teuren »Spielzeuge«, wie seinen kostspieligen E-Sportwagen und seine kleine Yacht, nicht mehr getragen – er habe einfach Geld gebraucht und es würde mit dem GCN ja für alle anderen genauso weitergehen. Er, Ole, solle sich keine Sorgen machen.

Keine Sorgen? War Boris inzwischen blind auf beiden Augen? Wie sollte Ole bitte jemals diesen Schritt den Teamleitern vermitteln? Die Clarke PR war verkauft worden … an einen Seelenverkäufer!

Er sei Kommunikationschef nach innen und außen – also würde er sicher die passenden Worte finden, kommandierte Boris. Doch Ole fühlte sich einfach leer.

Worte? Dafür? Er hatte keine!

Doch mit oder ohne Worte – heute war der Tag der Tage – C-Day: Communication-Day … Attacke!

Boris hatte ihn bis zum heutigen Tage verdonnert, kein Wort über den Verkauf zu verlieren, damit der Deal nicht platzte. Als Kommunikationschef nichts zu kommunizieren, war also die gewünschte Kommunikation.

Boris und Ole waren längst nicht mehr das Team aus alten Zeiten, und das Einzige, das seither platzte, war Oles Kopf.

Sich gegenüber dem Team, insbesondere Maxi, zu verstellen, war ihm schwergefallen. Deshalb hatte er seit Tagen jegliche Kommunikation vermieden und sich nur in seinem Büro verkrochen. Heute ging das jedoch nicht mehr.

Er musste da durch und hatte sich fest vorgenommen, sich wie immer erst einmal nichts anmerken zu lassen, wenn die Teams morgens in die Agentur kämen. Bis dahin hatte er sich selbst einen Maulkorb verpasst. Doch am Mittag würde er mit ihnen sprechen.

Das würde er … ganz sicher … !

Eine Welt stürzt ein

All das, was ich eben noch als so wundervoll genossen hatte, die hyper-modernen Räume der Agentur, mit den coolen hochfahrbaren Tischen und Snackbars auf jeder Etage, mein Chefchen Ole, meine Lieblingsmenschkollegin, die anderen Menschkollegen und sogar die Kollegenmenschen (die ersten sind die mit menschlichen Zügen, die anderen möchte ich öfter mal mit einem »Ach Mensch!!!« mit drei Ausrufungszeichen daran erinnern, dass sie aus Fleisch und Blut bestehen und das Smartphone nicht Teil ihres von der Natur vorgesehenen Körpers ist – was für Smombies, mal ehrlich!) – all das war mit einem Mal in Gefahr, drohte von jetzt auf gleich nicht mehr zu existieren! Meine Welt lag in Trümmern! Warum? Darum:

Um 12 Uhr mittags – kurz vor meiner heiß ersehnten Mittagspause mit Tine, eben jener Lieblingsmenschkollegin – legte mir Ole mit einem versteinerten Blick in gebückter Haltung und irgendetwas wie »wusste auch nix« und »kann auch nix machen« murmelnd ein Schreiben von einem Herrn Prof. Joachim Gettler auf den Tisch und verließ fluchtartig mein Büro. Ich kam noch nicht mal dazu, ihn zu fragen, was dieses seltsame Verhalten bedeutete, denn er war schon außer Hör- und Sichtweite. Offenbar wollte er, dass ich den Schock zunächst allein verdaute.

Das, was ich hier zu lesen bekam, war allerdings nicht nur schockierend, es raubte mir den Atem! Der Schock legte sich wie eine Schlinge um meinen Hals. Mit jedem Wort, das ich las, zog sich die Schlinge mehr zu. Dafür verdoppelte sich mein Herzschlag in Tempo und Lautstärke. Ich hörte ihn rauschend in meinen Ohren und spürte ihn sogar auf meiner Zunge.

Meine Augen verengten sich zu Schlitzen und meine Kinnlade fiel herunter, als ich versuchte, den Inhalt zu verstehen:

» … wir freuen uns über die Synergien, die sich aus dem Zusammenschluss der Clarke PR und dem internationalen Global Communication Network ergeben. … bemüht um einen sanften Übergang … Synergie-Effekte bestmöglich nutzen … mittelfristig der Umzug in die Räume des Global Communication Networks im Norden der Stadt … Kündigungen vermeiden und weitere Synergien anstreben … «

Die Worte verschwammen vor meinen Augen. Ich überflog sie, las nochmal … stand das wirklich alles da?

Konnte ein DIN-A4-Blatt Papier, das doch nur ein mit Buchstaben bedrucktes, bearbeitetes Holz war, meine Welt wirklich einfach so aus den Angeln heben? Eine Welt, in der ich noch vor wenigen Minuten schier unfassbar glücklich gewesen war?

Wieder rang ich nach Luft und vermisste immer noch deutlich meinen Atem. Ich spürte ihn einfach nicht. Ich spürte erstmal gar nichts. Jetzt fing meine Brust an zu hämmern. Schon wurde mir schwindelig, als ich mit einem tiefen Seufzer und Keuchen nach Luft schnappte, begleitet von Tränen, die unbemerkt über meine Wangen kullerten. Eine davon tropfte auf das Wort »Norden«, es verschwamm vor meinen Augen, genauso wie der Rest des Schreibens, ja sogar des ganzen Raumes … Verzweiflung, Angst, beinahe Panik machten sich breit … nun stand auf dem Blatt nur noch »orden«.

Orden? Wer kriegte jetzt hier einen Orden? Ich schüttelte meine Verzweiflung ab, schneuzte einmal kräftig und straffte die Schultern. Gettler? Hatte ich doch schon mal gehört, den Namen. Wer war der Typ? Ich presste das Internet nach seinem Namen aus … Er erschien hundertfach – meistens mit Foto.

Selbstdarsteller, Wichtigtuer! So sah er aus! Ach was, so war er bestimmt auch! Gettler, da steckte das »get« ja schon drin … Bekam der alles, was er wollte? Ich hämmerte auf die Tasten meines Laptops, in mir hämmerte mein Herz. Mehr und mehr Bilder erschienen, mehr und mehr Schlagzeilen zu diesem Mann bahnten sich ihren Weg in mein Gehirn. Ich konnte es nicht fassen, schüttelte den Kopf – doch Moment … Eine Hoffnung keimte in mir auf: War heute der erste April? Oder lachten die anderen gerade über mich, weil die »Versteckte Kamera« da war?

Aber wie heißt es so schön: Die Hoffnung stirbt zuletzt … dann allerdings stirbt sie auch!

Kein Scherz. Leider. Das hier war ernst.

Warum war Ole nicht geblieben? Und wo war Tine? Wusste sie es schon?

Ich fühlte mich erst leer, dann einsam, Tränen der Trauer bahnten sich ihren Weg und färbten sich mit Wut … wirklich alleine war ich dabei nie! Bis eben waren sie noch leise gewesen, doch jetzt übernahmen sie lauthals die Kontrolle über mich … meine beiden Dauerbegleiter: Ratio und Emotia!

Und immer, wenn sie auftauchten, präsentierten sie sich nicht wie gesittete Wesen mit Manieren, nein, sie waren in meinem gesamten Körper, standen mir ins Gesicht geschrieben, ließen mich Fratzen schneiden, bemächtigten sich sogar meiner Sprache! Vor allem sie – Emotia!

Hatte sie übernommen, hörte ich mich selbst Schimpfwörter und Dinge sagen, die üblicherweise nicht zu meinem täglichen Sprachgebrauch gehören, etwa »Manchmal kann man gar nicht so viel essen, wie man kotzen möchte« oder »so eine verdammte Hühnerkacke« … und so weiter und so weiter. Wenn sie übernommen hat, dann bin ich gar nicht mehr ich. Dann bin ich nur noch sie. Emotia. Und genau jetzt war wieder so ein Moment.

Emotia: Mensch Maxi, die ticken doch nicht ganz sauber! Was wird jetzt aus dir? Jetzt werden ganz sicher Köpfe rollen, wahrscheinlich sogar gleich mal deiner, weil du immer so forsch bist! Und was soll denn diese Art und Weise! Einfach so einen Zettel auf den Tisch schmeißen. Das geht gar nicht. Dich hat keiner gefragt! Das ist einfach nur unfair. Einfach so mal über deinen Kopf hinweg entscheiden … Gettler ist Gottler oder wie jetzt?

Und von wegen umziehen … no way. Du hast ja gerade deine schöne neue Wohnung in der Nähe der Agentur bezogen, so wunderbar hell und freundlich und dann auch noch der süße Nachbar! Erwarten die jetzt, dass du in den bekloppten Norden ziehst? Da können sie lange warten. Oder sie müssen zahlen. Das wird sie TEUER zu stehen kommen … oder du gehst einfach und deine Kunden, die nimmst du alle mit. Die werden schon sehen, was sie davon haben …

Wenn Emotia so in mir zeterte, spürte ich, wie sich zuerst meine Nase kräuselte und sich mein Körper ihrem Gezeter anpasste … Mir wurde heiß und kalt, mein Blutdruck schoss in die Höhe, ich fing an zu zappeln und mir wurde übel. Ich konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen, das Blut rauschte in meinen Ohren wie ein Ozean. Na toll! In meiner Vorstellung bauten meine Hände eine Mauer auf. Die Dimensionen entsprachen nicht ganz denen der Chinesischen Mauer, waren aber nahe dran!

Schließlich fühlte sich mein ganzer Körper an wie ein schmerzhafter Krampf. Es dauerte nicht lange und erneut bahnten sich Tränen ihren Weg. Als ob ein wildes Tier aus seinem Käfig befreit würde, brach die Wut aus mir heraus. Ich wollte brüllen, wollte schreien, meine Hände ballten sich zu Fäusten und auf meiner Stirn entstand eine Zornesfalte, die in etwa so tief war wie der Mariannengraben.

Und, na klar. Als ob es nicht schon genug wäre, dass Emotia dafür sorgte, dass ich wie ein zitterndes Elend auf meinem Bürostuhl saß, kam jetzt auch noch er dazu. Mit schneidender und deutlicher Stimme verschaffte er sich in meinem Kopf Gehör …

Emotia, was ist denn nun schon wieder bei dir los? Reg dich doch nicht so auf. Bleib ruhig. Das, was hier gerade passiert, ist ein ganz normaler Vorgang. Unternehmen werden gegründet, um wieder verkauft zu werden. Das nennen wir eine gute Investition mit meistens langfristiger Rendite. Das hat Gettler gut gemacht. Das ist doch kein Angriff auf Maxis Leben. Wie kann es das auch sein, er kennt sie ja gar nicht, hat noch nie ein Wort mit ihr gesprochen. Oder glaubst du, das soll ein Angriff auf alle Clarkys sein? Schwer vorstellbar.

Und was ist dein Problem mit dem Umzug von Maxi?

Dann sieht der Tisch halt anders aus. Am Ende ist es ein Tisch. Mit einem Stuhl, einem PC mit Bildschirm und einem Telefon in einem Raum in einem Haus in einer Straße in dieser Stadt mit einer Aufgabe. Maxi kann ja auch aus dem Homeoffice arbeiten. Dann sieht alles gleich aus.

Wo ist also das Thema? Vielleicht hätten Gettler oder Ole das »charmanter« formulieren sollen? Und was hätte es geändert? Gar nichts. Fakten sind Fakten. Die Entscheidung ist gefallen. Punkt. Du wirst daran nichts ändern können.

Hör dir den an, oh Mann Ratio, … wo das Thema ist??? Geht's noch? Ein Tisch ist ein Tisch. Ha! Du hast doch keine Ahnung, was mein schöner Tisch mir hier bedeutet! Hier – an diesem Ort, in dieser Agentur mit diesen Menschen habe ich mich wohlgefühlt –, das war mein Zuhause, obwohl es meine Arbeit war. Siehst du nicht, was wir hier alles geschaffen haben in diesem Team mit diesen Menschen in diesen Räumen? So etwas verstehst du gar nicht, du emotionale Nullnummer!

Versuchst du mich wieder aus der Reserve zu locken? Ich weiß ja, du freust dich auf den Tag, an dem ich mal so richtig aus der Haut fahre, voller Wut auf den Tisch haue und mich mal so richtig gehen lasse.

Das wirst du wohl leider nicht erleben, liebe Emotia, das liegt mir nicht im Blut. Ist ja auch gar nicht sinnvoll. Und kann ich mich wohlfühlen? Auf jeden Fall. Wenn alles schön seine Ordnung hat. Und ich wiederhole mich gern so lange, bis du es verstanden hast. Es ist vollkommen unwichtig, wie der Tisch aussieht, es geht lediglich um seine Funktion.

Ich hörte Ratio noch irgendetwas Logisches zum Holz des Tisches ergänzen, doch es ging unter in Emotias lautem Wortschwall …

Hey, Maxi, hör da bloß gar nicht erst hin! Ich sag dir, was wir jetzt machen. Eine solche Unverfrorenheit lässt du nicht auf dir sitzen. Wir zeigen's denen … Die haben die Rechnung ohne dich gemacht! Du lässt dir das auf gar keinen Fall gefallen, klar? So geht niemand mit dir um! Du gehst deinen Weg mit ihnen oder ohne sie und dann gibst du die Spielregeln vor.

Ich hörte Emotia nicht nur, ich spürte sie körperlich! Ich war innerlich versteinert und mein Herz war eiskalt … Meine Lippen pressten sich von selbst aufeinander, die Mundwinkel wurden wie von Bleigewichten Richtung Boden gezogen und blieben dort kleben.

Mir wurde plötzlich abwechselnd heiß und kalt, meine Wangen glühten! Ich bekam keinen Ton heraus, obwohl ich die gesamte Welt anschreien wollte: »Nicht mit mir!«

Und während ich versuchte, weiterzuatmen und nicht aufzuspringen, um Ole eine Szene zu machen, verfestigte sich ein Gedanke in mir und wurde klarer und klarer: so nicht!!!

Emotia hatte es geschafft. Ich war sauer. Vor allem auf den Überbringer der Nachricht!

Im alten Griechenland wurden die Überbringer schlechter Nachrichten getötet. Das würde jetzt auch für mich etwas zu weit gehen, aber ich könnte ihn gerade mal so richtig durchschütteln! Dein Chefchen Ole … was war das denn für ein unterirdisches Verhalten? Chefchen, das passt jetzt wirklich! So ein Waschlappen! Bleibt noch nicht mal, damit ihr das Thema besprechen könnt. Du dachtest, ihr vertraut euch. Doch schau mal hin … der wusste doch sicher etwas. Aber eingeweiht hat er dich nicht – der Verräter!

In dem Maß, wie Emotia in mir tobte, wuchsen exponentiell meine Wut, mein Misstrauen, meine Kränkung und Verzweiflung. Wer steckte wirklich dahinter? War es Boris? Normalerweise hielt Ole sich ja raus, aber diesmal? Wurde diese fundamentale Entscheidung wirklich nur von Boris ausbaldowert, ohne Ole – seinen besten Kumpel – zu involvieren? Oder steckte der mit ihm unter einer Decke?

Mein Vertrauen in Ole zerfiel in nicht mal einer Sekunde zu Staub und gab Raum für tiefen Argwohn, der sich leise wie ein Wolf mit gefletschten Zähnen in meine Seele schlich. Ich schlug die Hände vor die Augen, wollte nichts mehr sehen oder hören. Wie sollte es nur weitergehen?

Gettler

Prof. Joachim F. Gettler ließ seinen Blick aus dem Fenster seines voll verglasten Luxus-Büros in der 18. Etage schweifen. Dabei lächelte er süffisant und strich sich über das glatt zurückgegelte Haar. Die ganze Stadt lag ihm zu Füßen …

Er hatte es wieder geschafft!

Mit dem Kauf der Clarke PR hatte er einen seiner schärfsten Konkurrenten einfach aus dem Weg geräumt. Dieser geschickte Schachzug würde seine Stellung innerhalb des Global Communication Networks uneinnehmbar machen. Damit hatte er seine Machtposition abermals massiv untermauert. Niemand – absolut niemand – konnte ihm mehr das Wasser reichen. Es hatte nur einen kurzen Moment der Unsicherheit seinerseits gegeben, ob es wirklich klappen würde, doch der jetzige Erfolg zeigte ihm, dass er wie immer den richtigen Weg gegangen war.

Das Global Communication Network hatte bereits an 17 Standorten Agenturen akquiriert, wovon 14 seiner strategischen Weitsicht zu verdanken waren. Damit hatte es sein Unternehmen auf Platz 2 in der Branche geschafft … und Platz 1 würde er sich auch noch holen. Er lächelte. Sein Plan war einfach genial.

Es klopfte sanft an der Tür. »Herein.« Die weiße Hochglanztür, die perfekt zum restlichen Interieur passte, öffnete sich und seine Assistentin balancierte ein Tablett mit Kaffee auf der Hand: »Heiß und schwarz, so wie du ihn magst.« Er warf ihr einen seiner »Baby, ich steh auf dich«-Blicke zu.

Cindy trug, wie so oft, einen ihrer supersexy Bleistiftröcke, heute in einem matten schwarzen Leder, und dazu hochhackige Schuhe mit einem schmalen, spitzen Absatz, der durchaus als Waffe durchgehen würde. Die übermäßige Bewunderung für ihren Chef, der vom Alter her durchaus ihr Vater sein könnte, stand ihr ins Gesicht geschrieben. Gettler stand voll darauf, sie so zu sehen, sowohl in dem Outfit, als auch ihren Gesichtsausdruck. Und Kaffee kochen konnte sie auch noch. Obwohl, das war auch wahrlich kein Wunder. Bei dem 2000-Euro-Kaffee-Vollautomaten, der in der Küche stand, hätte das wohl jeder gekonnt.

Während Cindy den Kaffee auf dem riesigen Schreibtisch von Gettler abstellte, schmunzelte sie in sich hinein. Ihr Studium als Europasekretärin hatte sich gelohnt. Sie wurde sofort nach dem Abschluss von Gettler als persönliche Sekretärin eingestellt.

Zwar fühlte sie sich häufig mit ihren Aufgaben überlastet, und das Lernen neuer Dinge fiel ihr schwer, doch sie war fleißig und bewies im Vertuschen von eigenen Schwierigkeiten großes Geschick – meistens, indem sie es jemand anderem in die Schuhe schob. Mit ihrem beeindruckend attraktiven Äußeren gelang ihr das spielerisch, denn wenn sie einmal mit den Wimpern klimperte, schmolzen die meisten männlichen Kollegen dahin und übernahmen gerne die ein oder andere Extra-Schicht, um einen Fehler für sie auszubügeln.

So hatte Cindy sich schon bald nach ihrer Anstellung im Global Communication Network bei Gettler beliebt gemacht. Sie schmeichelte ihm und sagte ihm täglich, mit welcher Weitsicht und Genialität er sein Unternehmen führte. Umgekehrt schmückte er sich gerne mit ihr bei Geschäftsterminen. Sex sells – das hatte Gettler verstanden. Die anderen Kollegen und Kolleginnen waren Cindy unwichtig. Sie verfolgte konsequent ihre Ziele, die der anderen waren ihr egal.

Dass aus der schon nach kurzer Zeit entstandenen Affäre mit Joey, wie sie Gettler nur im Bett nannte, bald mehr werden würde, hatte sie sich jetzt fest als nächstes Ziel gesetzt. Es würde ihr schon noch gelingen, dass er sich endlich von seiner zweiten Frau trennte.

Mit wollweicher Stimme raunte sie nun: »Ich möchte, dass wir morgen bei unserem ersten persönlichen Treffen mit der Clarke PR wirklich glänzen können … vor allem natürlich du … was darf ich für dich hierzu vorbereiten?«

Gettler war in diesem Moment nicht auf Kuschelkurs.

Er stürzte seinen Kaffee mit drei großen Schlucken hinunter und gab knarzend zurück: »Wir müssen die Leute hier schnell in die richtige Spur kriegen. Am schwierigsten ist wahrscheinlich die Abteilung von dieser Maxi van Weller, weil die einfach branchenfremd sind.

Machen Events und nicht unser Thema, nämlich durch PR die Kunden in die Medien dieser Welt zu bringen und es nicht nach Werbung aussehen zu lassen. Das ist die wahre Kunst! Entweder werden wir die komplett los oder wir schaffen es, dass deren Kunden endlich auch PR machen und nicht nur diesen Ringelpiez mit Anfassen, was sie so groß ›Event‹ nennen!«

»Wer gehört denn zu der Abteilung?«, erkundigte sich Cindy.

»Das sind fünf Personen. Hier hast du die Fotos. Die hier ist am längsten bei Clarke. Boris Clarke hat mir die hier als »Mutter Teresa«-Typ beschrieben. Bemuttert jeden und ist deshalb nicht effektiv. Kontrollzwang. Sie heißt Helga, wird aber »Helda« genannt … na ja, das sagt ja schon alles.

Die hier heißt Anne. Scheint ein wilder Feger zu sein, treibt es angeblich mit allem und jedem, der nicht bei drei ‘uf'm Baum ist und das, obwohl sie noch ein Gör zu Hause hat. Vielleicht kann die etwas, das ich mir mal genauer anschauen sollte … «, dabei lachte er machohaft.

Cindy war von dieser Bemerkung getroffen wie von einem Dolchstoß und spürte, wie ihre Wangen glühten. Aber sie wusste, dass sie diese Spitze einfach souverän weglächeln musste.

»Der hier, das ist Kim, Azubi, und steht auf Jungs, also nix für dich, Baby, denn da wird dein Charme leider abperlen!«

Cindy erhielt einen neuen Stich. Sie wollte ja gar keinen anderen. Sie wollte ihn! Wie oft hatte sie sich ihr gemeinsames Leben schon in den schillerndsten Farben ausgemalt. Erneut lächelte sie, doch dieses Mal gelang es ihr nur mäßig.

»Die hier nennt sich Tine, die ist wohl ganz dicke mit der Abteilungsleiterin Maxi! Sieh mal, hier ist sie auch schon – Maxi van Weller. Für meinen Geschmack holt die aus den Kunden nicht genug raus, wenn ich mir die Zahlen anschaue.

Und über ihr steht der butterweiche Kommunikationschef Ole, der seit Gründung mit dabei ist. Na ja, da wir ja schon einen Personalchef haben, wird der hier sicher bald gehen und Herausforderungen außerhalb des GCN wahrnehmen dürfen.«

Seine eigenen Witze waren einfach die besten, deshalb lachte er jetzt wieder laut los.

»Ich werde mir die alle morgen genau anschauen und mal versuchen zu hören, was sie so von sich geben«, versprach Cindy ihm nun verschwörerisch. »Ich bin deine Augen und deine Ohren, darauf kannst du dich verlassen!« Ihren verführerischen Augenaufschlag, der sonst immer Wirkung zeigte, ignorierte Gettler diesmal.

Stattdessen ergänzte er in hypertropher Haltung: