Der 7. Himmel hat ein Loch - Peter Rogenzon - E-Book

Der 7. Himmel hat ein Loch E-Book

Peter Rogenzon

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Beschreibung

Man sollte nur Bücher lesen, von denen man einen Gewinn hat: Vielleicht können Ihnen ja die Liebestipps einer alten Tante helfen, ein gute Ehe zu führen. Verstaubt? Im Gegenteil! Sie werden sich wundern. Oder wissen Sie vielleicht, wie es die chinesischen Kaiser fertig gebracht haben, ein erfülltes Liebesleben mit 999 Gespielinnen zu bewältigen? Wie Sie sehen, haben Sie noch Wissenslücken, die Sie auffüllen sollten! In dem Buch finden Sie 36 ganz ungewöhnliche Liebesgeschichten oder besser gesagt: Kurzgeschichten über die Liebe. Probieren Sie es aus in der Leseecke: autorenseite.wordpress.com/leseecke/ Das Buch ist schon unter einem anderen Pseudonym mit dem Titel "Geschenk für Dich - Irrungen un Wirrungen der Liebe" erschienen.

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Seitenzahl: 256

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Peter Rogenzon/ Geschenk für Dich!

Irrungen und Wirrungen der Liebe

© 2015  Alle Rechte vorbehalten.

Ursprünglich als Buch unter dem Pseudonym Peter Pöhl veröffentlicht.       ISBN 978-1-4716-5613-2

Umschlaggestaltung: Der Autor

Inhaltsverzeichnis

Vorwort 5

Das Traumpaar 8

Die Ohnmacht 12

 Kuppelei 18

Die Frau fürs Leben 22

 Navigare nesesse est (Seefahrt tut not) 26

Lotteriespiel 33

Zerbrochenes Glück 46

Der Widerspenstigen Zähmung 55

Relative Impotenz 58

Der Samenspender 63

Die leidenden Liebenden 73

Sündenfall 78

Das Windei 83

Ein Moment der Glückseligkeit 91

Wahlwiederholung 99

Die Prüfung 104

Wildes Leben 108

Perversion (eine utopische Geschichte) 111

Die Gottesanbeterinnen 113

Der alte Quassler 120

 Eine ganz andere Liebe 126

Eine moderne Scheidung 133

 Ansichten eines alten Grafen 137

 Tod durch Eifersucht 141

Die wahre Liebe 146

Die alte Tante 148

Der Sprung 157

Das Wunschkind 162

Hormonüberschuss 166

 Erinnerung 175

Zwischen zwei Stühlen 180

Liebe mit Gewissensbissen 186

Der Sohn 197

Tod durch Liebe 201

Eine Musterehe 206

Geballte Erotik 210

Nachwort: 216

Vorwort

„Der Mensch in seinem dunklen Drange ist sich des rechten Weges wohl bewusst...“, schrieb einst Goethe im Faust. Wenn man sich aber so das Liebesleben vieler Leute anschaut, kann man nur sagen: Hier irrte Goethe. Vielmehr haben neuere Forschungen (mindestens die des Autors) ergeben, dass der Mensch unter dem Druck seiner Hormone steht und dieser ist vergleichbar mit einem Alkoholrausch, nur sind die Auswirkungen schlimmer. Die Menschen stürzen sich in Abenteuer, an deren Folgen sie ein Leben lang zu tragen haben: Sie setzen ein Kind in die Welt oder sie heiraten für kurze Zeit und büßen dafür einen großen Teil ihres Vermögens ein. Auch wenn es weniger schlimm kommt, erleben doch viele in ihrem Liebesleben arge Enttäuschungen, wie man aus Sprichwörtern und Aphorismen ersehen kann, die ja in der Regel die Weisheiten von gescheiten Leuten oder sogar die eines ganzen Volkes enthalten:

An Scheidungsgründen fehlt es nie, wenn nur der gute Wille da ist.

(Nestroy)

Ich habe nur geheiratet, um des Teufels zu spotten.

(Martin Luther)

Viele, von denen man glaubt, sie seien gestorben, sind nur verheiratet.

(Francoise Sagan)

Der 7. Himmel muss ein Loch haben, durch das jemand, der nicht aufpasst, direkt in die Hölle hinunterfallen kann.

(der Autor)

Selbst eine gute Ehe ist eine Bußzeit.

(russisch)

Wenn ein Mann eine Frau nimmt, hört er auf, die Hölle zu fürchten.

(rumänisch)

Dieses Buch soll ein Trostspender für alle diejenigen sein, die in der Liebe eine oder gar mehrere Enttäuschungen hinter sich haben oder die das Gefühl haben, völlig gescheitert zu sein.

Es gibt wohl kaum einen Bereich des Lebens, wo die Hoffnung oder die Erwartung oft so wenig mit der Wirklichkeit übereinstimmen, wie in der Liebe. Häufig heiraten Menschen und glauben, dass es fürs ganze Leben ist. Doch nur zu schnell landen sie nach einem Ausflug in den siebten Himmel auf dem harten Erdboden: Mehr als die Hälfte aller Großstadtehen wird wieder geschieden. Und wie sieht es in der anderen Hälfte aus? Meist recht trübe! Manche Eheleute bleiben zusammen, nur der Kinder wegen. Andere trennen sich nicht, weil sie das Leben zu zweit gewöhnt sind, denn Motiv für eine Eheschließung ist heute — wie eine Umfrage ergab — in erster Linie, dass man Angst vor dem Alleinsein hat; da hält man natürlich lieber an einer langweilig gewordenen Partnerschaft fest, als dass man einsam ist. Viele Eheleute leben einfach nebeneinander her, indem jeder seiner Wege geht. Es bleiben eigentlich nur wenig Menschen übrig, die wirklich in einer erfüllten Partnerschaft gemeinsam durch das Leben gehen. Etwas überspitzt hat es Camus einmal so ausgedrückt: „Die wahre Liebe gibt es doch nur ein- oder zweimal im Jahrhundert; der Rest ist Langeweile.“ Nun, langweilig ist es in vielen Ehen überhaupt nicht: Es herrscht Streit vom Morgen bis zum Abend.

Manchmal schauen Menschen nachdenklich oder neidisch auf irgendeine Beziehung in ihrem Umfeld und glauben, dass dort alles in Ordnung ist. Meist ist es aber nur die Fassade, welche von den Außenstehenden gesehen wird. Und schon diese Schauseite erweist sich oft als brüchig: Während wir beispielsweise morgens beim Friseur in einer etwas älteren Illustrierten lesen, wie glücklich beispielsweise die Ehe dieses oder jenes Prominentenpaares sei, entnehmen wir wenig später der neuesten Tageszeitung, dass die beiden sich schon wieder scheiden lassen wollen.

Wir wollen hier ein wenig hinter die Fassaden menschlicher Beziehungen schauen und die Irrungen und Wirrungen verfolgen, die uns die Liebe beschert. Und dann freuen wir uns (hoffentlich), dass alles bei uns so ist, wie es ist.

Das Traumpaar

Wenn überhaupt ein Ehepaar geeignet war, den Neid seiner Mitmenschen zu erwecken, dann war es dieses: Beide lebten in blendenden Einkommens- und Vermögensverhältnissen, hatten zwei reizende Kinder und sahen so gut aus, wie man es für sich selbst immer schon gewünscht hätte: Wenn sie Arm in Arm in der Badeanstalt erschienen, sahen ihnen die Menschen nach und tuschelten. Sie hatte eine perfekte Bikinifigur; ihr Haar hing in einem langen Zopf bis über die Gürtellinie herunter und endete mit einer roten Schleife, die beim Gehen zwischen den reizenden kleinen Grübchen oberhalb ihres Pos hin und herpendelte. Er ging neben ihr wie ein Turner, der gerade für eine perfekte Kür die Traumnote 10,0 kassiert hat.

Was aber am meisten an den beiden auffiel, war die Art, wie sie einander zugetan waren: Sie spazierten so eng umschlungen durch die Badeanstalt, wie es den meisten wohl das Schamgefühl verboten hätte. Wenn sie dann aber ihre Liege erreicht hatten, ging es erst richtig los: Die beiden hatten offenbar ihre beiden kleinen Kinder ganz vergessen und widmeten sich nur noch einander in einer Weise, die von den übrigen Badegästen ein wenig neidisch als anstößig empfunden wurde. Wenn auch beide die Badehosen an behielten, so glaubten doch einige, dass „es“ passiert sein müsse, als das Paar fast ineinander verkeilt auf seiner Liege schmuste und dabei einen Bademantel zum Zudecken über sich zog.

Den Gesichtern der Beobachter konnte man eine gewisse Enttäuschung darüber entnehmen, dass in ihrer Liebe dieses unheimliche Feuer, das hier noch brannte, erloschen war oder nur noch glimmte. Alsbald entspann sich bei den umliegenden Paaren eine lebhafte Diskussion darüber, warum es bei ihnen nicht mehr so war, wie bei diesen beiden. Die Ehefrauen warfen ihren Männern vor, sie ließen es an der notwendigen Zärtlichkeit fehlen, um die Liebe so richtig zum Entflammen zu bringen. Umgekehrt wehrten sich die Männer mit dem Hinweis, ihre Partnerinnen sollten sich doch eine „Scheibe“ von dieser Frau abschneiden.

Nur eine ältere Dame, die sich in die Diskussion einmischte, meinte, das Ganze sei nicht normal, denn wenn die beiden ein erfülltes Eheleben führen würden, bräuchten sie sich nicht in aller Öffentlichkeit so aufzuführen.

Irgendwelche Rücksichten kannte unser junges Paar auch weiterhin nicht. An einem Winterabend holte die junge Frau ihren Mann aus der Bank ab, in der er arbeitete. Sein Büro war hell erleuchtet, als sie und ihr Ehemann am Fenster (ja, man muss es so ausdrücken:) übereinander herfielen. Die Angestellten der Bank, die zu diesem Zeitpunkt aus dem Hauptausgang strömten, bekamen dieses Liebesleben der beiden natürlich mit. Im Nu hatte sich eine Menschentraube gebildet, die mit Beifall und Gejohle das begleitete, was sich da oben am Fenster abspielte. Am nächsten Tag wurde in der Bank weniger gearbeitet als sonst, denn es gab nur ein Gesprächsthema, das wohl nicht näher beschrieben werden muss. Abgesehen von ein paar älteren Angestellten, welche die „Aufführung“ des jungen Paares als deplaziert betrachteten, herrschte Bewunderung vor. Zum einen bestaunte man, dass die Liebe dieser beiden auch noch nach Jahren so heftig war. Zum anderen fand man es „toll“, dass sich das junge Paar einen Dreck um die anderen Leute scherte.

Dann plötzlich ereignete sich etwas, was wie eine Bombe einschlug: Die junge Frau hatte Klavierunterricht bei einem alten „Pfuideibel“, wie ihn eine Nachbarin beschrieb. Er war jedenfalls der absolute Antityp im Verhältnis zum Ehemann: klein, krumm, ausgemergelt, schon etwas ältlich mit schütteren langen, öligen Haaren und einem ungepflegten, grau-meliertem Bart, der den Eindruck machte, als stammten seine Verfärbungen vom letzten Essen. Eines Tages bemerkte die erwähnte Nachbarin, dass das Klavierspiel schon sehr früh verklang. Neugierig ging sie auf ihre Terrasse und lauschte an der Trennwand zum anderen Garten. Was sie hörte, war so eindeutig, dass sie nichts Eiligeres zu tun hatte, als den jungen Ehemann in seiner Bank anzurufen: er solle doch einmal nach seiner Frau schauen; da würden ihm die Augen übergehen. So war es dann auch, als der Mann — von finsteren Vorahnungen getrieben — nach Hause raste: Er erwischte die beiden „in flagranti“. Das Ereignis verbreitete sich wie ein Lauffeuer durch die Stadt. Die Kommentare der Menschen waren unterschiedlich:

„Das kann doch nicht wahr sein!“ meinten die einen. Andere mutmaßten, dass die junge Frau vielleicht eine Nymphomanin sei. Weder das eine noch das andere stimmte, wie sich im Scheidungsverfahren herausstellte. An sich sind ja Richter zur Verschwiegenheit verpflichtet. Doch gilt dies nur für den Normalfall, nicht aber für einen Prozess, der überall in der Stadt das Thema war, über das man sprach. So sickerte durch, was in dieser von vielen bestaunten Traumehe wirklich los war, nämlich so gut wie nichts.

Der Ehemann war nach dem Gutachten eines hinzugezogenen Psychiaters psychisch krank, was dem Vernehmen nach auf eine sonderbare Ursache zurückzuführen sein soll: Als seine Eltern einmal ins Kino gegangen waren, hatte er sich ein Mädchen ins Haus geholt. Als die beiden jungen Leute gerade mit ihrer ersten Liebe begonnen hatten, kamen seine Eltern zurück, weil sie keine Karten mehr für die Vorstellung bekommen hatten. Sie sahen nun eine ganz unerwartete andere Vorführung. Daraufhin gab es einen furchtbaren Familienkrach mit schweren Strafen für den jungen Mann. Die Folge dieses Ereignisses soll gewesen sein, dass er von da an nur noch zeugungsfähig war, wenn die Gefahr bestand, von anderen beobachtet zu werden: So soll er das erste Kind mit seiner Frau während eines Opernbesuchs gezeugt haben, als beide sich im Männerklo einsperrten und die versammelten Garderobefrauen an die Tür trommelten, um die Frau aus der Kabine zu verweisen. Das zweite Kind soll beim „Probeliegen“ in einem Kaufhausbett entstanden sein.

Man weiß natürlich nicht, ob dies alles so stimmt, was so berichtet wird. Ein Psychiater wird die ganze Geschichte womöglich mit Kopfschütteln zur Kenntnis nehmen. Jedenfalls haben all diese Gerüchte einen großen Vorteil: Die Ehefrauen sind wieder zufrieden, wenn ihr Mann in der Badeanstalt neben ihnen liegt und sich in seine Zeitung vertieft. Auch nehmen die Männer nicht mehr Anstoß daran, wenn sich ihre Frauen einer Handarbeit oder einem Buch widmen. Der schäbige Neid, der wie eine giftige Wolke über dem Schwimmbad lag, ist entschwunden und hat wieder einer entspannten Ruhe Platz gemacht, wie es sich für einen Ort der Erholung gehört.

Die Ohnmacht

Sie war ein intelligentes Biest. Das ist eigentlich alles, was man von ihr wissen muss, um die folgende Geschichte zu verstehen.

Ihr Vater war ein höherer Beamter und hatte nebenbei noch einen wichtigen Posten in seinem Corps, dem er seit seiner Studentenzeit angehörte. Er erzog seine Tochter Petra zur Achtung der Ehrbegriffe, die er selbst von seinen Vorfahren übernommen hatte. Dazu gehörte auch eine doppelbödige Moral, nämlich die These, dass junge Männer sich erst einmal  so richtig „die Hörner abstoßen“ müssen, bevor sie „im Hafen der Ehe landen“, während anständige junge Mädchen auf ihren künftigen Mann zu warten haben, um es einmal so auszudrücken. Selbstverständlich führte der Vater seine Tochter in seine Studentenverbindung ein, denn sie sollte dort ja einen brauchbaren jungen Mann finden oder besser gesagt „eine gute Partie machen“. Auf diese Weise wurde Petra, die sich kurz Pet (d.h. Liebling) nannte, eine Corpsdame. Ihre Freundinnen, die mit solchen Bräuchen nichts am Hut hatten, neckten sie mit der Anrede „Zorpsfrau“ und bemitleideten sie zutiefst, wenn sie mit irgendeinem ihr zugeteilten Studenten auf einen Ball gehen musste. Pet mochte keinen einzigen von ihnen, doch nahm sie weiterhin — wenn auch gelangweilt — am Corpsleben teil, zum einen, weil sie sonst Streit mit ihrem Vater gehabt hätte, zum anderen, weil sie insgeheim hoffte, dass sich eines Tages die Tür öffnen und der Mann ihrer Träume im Ballsaal erscheinen würde. Doch daraus wurde nichts.

Pet studierte nach ihrem Abitur Medizin. Plötzlich passierte das, worauf sie in ihrem Dasein als Corpsdame vergeblich gewartet hatte: Sie verliebte sich in einen Kommilitonen. Und wie es so geht in der Liebe: eines Tages kam der junge Mann mit einem Ansinnen, das sie schelmisch lächelnd mit den Worten beantwortete:

„Rainer, Rainer, was hast du für unreine Gedanken!“

Sie sagte dem jungen Mann, dass an diesem Abend leider aus einer Liebesnacht nichts werden könnte aus Gründen, „na du weißt schon, warum“; aber am Sonntag wollten sie die Liebe in vollen Zügen genießen.

Diese Frist brauchte Pet, um sich das notwendige Wissen über Frauenleiden anzueignen und einen Gynäkologen aufzusuchen. Sie schilderte ihm — frei erfunden — scheußliche Beschwerden, die eine eingehende Untersuchung notwendig machten. Pet verlangte und bekam von dem Frauenarzt ein Attest, in dem ihr bescheinigt wurde, dass sie bis zur Untersuchung „Virgo intacta“ (Jungfrau) war.

Jetzt konnte sie sich beruhigt der Liebesnacht mit Rainer widmen. Mehr wurde nicht aus dieser Beziehung, denn Pet war intelligent und zielstrebig — auch im Studium, während ihr Rainer genau entgegengesetzt veranlagt war: ein Bohemien, für den das Studentenleben — wie er zu sagen pflegte — die schönste Sache der Welt war. Damit hatte er sicherlich nicht ganz unrecht, wenn man wie er von seinem Vater jeden Monat einen üppigen Wechsel bekam, für den er nichts zu tun brauchte. Pet aber konnte einfach nicht mit einem Mann beisammen bleiben, der sich mangels Ehrgeizes in ihren Augen schon auf der Verliererstraße befand. Als er dann, wie voraus zu sehen war, bei den ersten kleinen Zwischenprüfungen, die Pet locker absolvierte, Probleme hatte, kühlte sich das einstmals heiße Liebesverhältnis der beiden rapide ab. Pet zog es vor, im Folgesemester in einer anderen Stadt zu studieren.

Dort besann sie sich nun wieder auf ihre „Jagdgründe“ im Corps. Nachdem sie mit der Leidenschaft Schiffbruch erlitten hatte, setzte sie nun auf ihre Vernunft. Sie fand einen jungen Mann, in den sie sich zwar nicht gerade bis über beiden Ohren verliebte, aber dem sie doch zugetan war. Ihr Vater redete ihr zu, diesen Mann zu heiraten, weil er Charakter besitze und ein gutes Examen abgelegt habe, welches glänzende Berufsaussichten verspreche. Nach ihrem 25. Geburtstag spürte Pet auf einmal das Ticken ihrer biologischen Uhr, d. h.: sie fühlte sich reif für die Ehe. Mit anderen Worten: sie hatte Angst, keine bessere Heiratsgelegenheit zu finden. Dass die Leidenschaft in dieser Beziehung nicht so war wie früher, schrieb sie der Tatsache zu, dass die Liebe ja nun nichts Neues mehr für sie war.

Vor der Hochzeit flüsterte sie ihrem Bräutigam ins Ohr, dass sie noch nie etwas mit einem Mann gehabt habe. Sie erwähnte auch das Attest und zeigte es ihrem Bräutigam. Der aber warf es, ohne es zu lesen, mit einer theatralischen Geste in den Ofen und sagte:

„Ach Herzi, ich glaube dir doch auch so!“

Eigentlich hatte sie sich immer gegen den scheußlichen Kosenamen „Herzi“ gewehrt, aber in diesem Zusammenhang hörte er sich gar nicht mehr so übel an.

Und noch etwas ereignete sich vor der Trauung: Pet traf zufällig bei einem Stadtbummel ihren früheren Geliebten wieder und erzählte ihm von der bevorstehenden Hochzeit.

„Oh, da müssen wir aber deinen Junggesellinnenabschied feiern“, schlug Rainer vor, und ehe sich Pet versah, saß sie bei Rainer in dessen Studentenbude bei einer Tasse Kaffee. Die beiden plauderten über ihre Fortschritte, die sie im Studium gemacht hatten. Als Rainer einmal Kaffee nach schenkte, saß er plötzlich neben Pet und bat um einen kleinen Abschiedskuss. Pet gestattete es mit den Worten:

„...aber nur einen kleinen!“

Es wurde dann doch mehr daraus, denn Pet war ein Typ, der schlecht „nein“ sagen konnte — sie litt, wie Emanzen von heute zu sagen pflegen, an einem „Nettigkeitssyndrom“:

„Warum nicht?“ fragte sie sich. „Schließlich haben wir es ja schon oft genug getan.“ Und so taten sie es — und zwar mit der derselben Leidenschaft wie früher.

Pet beruhigte sich danach innerlich damit, dass sie ja schließlich noch nicht verheiratet sei.

Nicht lange nach der Hochzeit war Pet schwanger und spazierte mit ihrem Mann durch den Stadtpark. Völlig unerwartet sah sie ihren früheren Liebhaber entgegen kommen. Diese Begegnung traf Pet wie ein Donnerschlag: Sie fiel in Ohnmacht, was wohl in erster Linie auf ihren durch die Schwangerschaft beeinträchtigten Kreislauf zurückzuführen war. Ihr Mann bemühte sich rührend um sie und auch ihr früherer Liebhaber unterstützte ihn dabei, bis sie die Augen aufschlug und „Ach, Rainer!“ seufzte. Als sie sich ein bisschen erholt hatte, entfernte sich ihr einstiger Freund wieder, und sie ging mit ihrem Ehemann weiter. Er stützte und umsorgte sie rührend und bestand darauf, dass sie einen Arzt aufsuchte, obwohl sie meinte, es sei gar nicht so schlimm gewesen; sie bräuchte nur zu Hause etwas Ruhe.

„Nein!“ widersprach er: „Es ist auch mein Kind, das du erwartest. Da mache ich mir schon große Sorgen, wenn du ohnmächtig wirst und mich plötzlich gar nicht mehr kennst, sondern mit ‚Rainer‘ ansprichst.“

So kam Pet in ihren jungen Jahren schon zu einem zweiten völlig überflüssigen Arztbesuch, aber dabei wird es wohl nicht bleiben, denn schließlich ist sie ja eine Frau.

Pet brachte einen gesunden Knaben zur Welt. Ihr Mann kam ans Wochenbett mit einer — wie er fand —  tollen Idee:

„Wir nennen unseren Sohn Rainer, weil ich nach deiner Ohnmacht damals dachte, du hättest vielleicht unbewusst unser Ungeborenes angesprochen.“

Pet protestierte zwar und meinte, sie wolle an das damalige Vorkommnis nicht erinnert werden, doch ihr Mann setzte sich durch, denn Pet konnte — wie gesagt — schlecht „nein“ sagen.

Als Pets Schwiegermutter das Kind erstmals sah, meinte sie wenig taktvoll, wie Schwiegermütter nun einmal sein können:

„Das lass ich mir nicht nehmen: Euren Rainer haben sie in der Klinik verwechselt. Der hat überhaupt keine Familienähnlichkeit!“

Pet beruhigte sie mit der Feststellung, sie habe das Kind bei der Geburt gesehen und erkenne es zweifelsfrei wieder. Aber die Schwiegermutter war damit nicht zufrieden, sondern erwiderte:

„Ich weiß nicht recht, ob du damals deine Sinne ganz beisammen hattest!“

Der Schwiegervater fand den Auftritt seiner Frau etwas peinlich und beruhigte die Lage, indem er über Beobachtungen sprach, die er schon des öfteren gemacht habe:

„Manchmal überspringt die Ähnlichkeit eine Generation und ein Kind sieht mehr den Großeltern oder einer Tante ähnlich. Denk an Kathrin, die doch heruntergerissen ihrer Patentante gleicht.“

Als das Kind älter wurde, schaute Pet es immer wieder forschend an: Sah es nun ihrem Mann oder Rainer ähnlich? Sie wollte es nicht wissen.

Etliche Jahre später gab es noch einmal eine kritische Situation für Pet: Der kleine Rainer war mit dem Fahrrad verunglückt und kam ins Krankenhaus. Dabei wurde seine Blutgruppe festgestellt. Rainer, der sich in diesem Alter für alles interessierte, hatte gerade in der Schule etwas über das Blut gelernt und wollte sein Wissen gleich anwenden. Als er wieder zu Hause war, fragte er seine Eltern, ob sie Gesundheitspässe hätten, in denen die Blutgruppe enthalten sei.

„Ja“, sagte Pet, „wir haben noch von früher her Blutspendeausweise. Wart', ich hole sie.“

Pet kam mit leeren Händen zurück und verkündete künstlich enttäuscht: „Also, ich kann die Ausweise nicht finden.“

Ihr Mann meinte:

Herzi, du hast deine Brille nicht dabei gehabt. Ich schaue selbst noch einmal nach.“

„Da kannst du lange schauen!“ dachte Pet bei sich, denn sie hatte die Ausweise in der Toilette hinunter gespült.

So blieb die Abstammung Rainers ungeklärt und Pet war damit zufrieden, übrigens auch mit ihrer Ehe, die sie nun als glückliche Fügung des Schicksals empfand, was sie daraus folgerte, dass sie immer seltener an ihren „Verflossenen“ dachte. Und wenn ihr Mann sie mit „Herzi“ anredete, war sie jetzt stolz auf diesen Kosenamen, denn sie meinte, dass alle Leute dieses Wort als öffentliches Liebesgeständnis ihres Mannes verstehen würden.

Kuppelei

Ältere Ehepaare sind oft schon so lange verheiratet, dass sie infolge der Macht der Gewohnheit ihren Zustand als Glück empfinden, auch wenn neutrale Beobachter sich manchmal fragen, wieso eigentlich. Aber wenn man das Gefühl hat, glücklich zu sein, möchte man halt auch andere daran teilhaben lassen. So war es auch bei den Frohnigs: Sie konnten es einfach nicht mit ansehen, dass jemand noch unverheiratet war. Herr Frohnig kommentierte das Junggesellenleben seiner männlichen Bekannten mit den Worten, so etwas sei doch nicht normal. Sie hingegen war eine resolute Person und fand, wer eben nicht in der Lage sei, selbst sein Glück zu finden, dem müsse man dazu verhelfen.

So befassten sich die beiden Frohnigs in ihrer Freizeit oft mit Gedankenspielen, in welchen sie junge Menschen verkuppelten. Aus diesem Spiel wurde eines Tages Ernst: Als sich die beiden einig waren, dass ein junger Kollege von Herrn Frohnig gut zu der Tochter einer Freundin von Frau Frohnig passen würde, lud man die beiden zum Kaffee ein. Man sagte ihnen als Grund für die Einladung, man finde, dass sich beiden einmal beschnuppern sollten. Nun würde sicherlich im Normalfall eine solche Einladung wohl mit höflichen Ausreden abgelehnt werden, aber die Frohnigs verstanden es, ihren „Opfern“ den Mund wässrig zu machen. Sie schilderten den beiden jungen Leuten jeweils den anderen als idealen Partner, den sie unbedingt kennen lernen müssten; der andere wisse natürlich von nichts und sei nur zufällig da. Auf diese Weise gelang es ihnen tatsächlich, eine Ehe zu stiften, die allerdings schließlich damit endete, dass die Eheleute getrennt lebten: Er zog in die nahe Stadt, und sie blieb auf dem Lande, weil sie sich nur dort glücklich fühlte. So lebten sie zufrieden nebeneinander her.

Als jemand einmal die Frohnigs scherzhaft auf den Misserfolg ihrer Ehestiftung ansprach, verstanden sie keinen Spaß, sondern fanden, ihre Unternehmung sei geglückt, denn schließlich hätten ja die jungen Leute zwei Kinder in die Welt gesetzt. Auf den Einwand, dass das Glück aber nur von kurzer Dauer gewesen sei, erwiderte Frau Frohnig:

„Besser ein kurzes Glück, als gar keines!“

Alsbald hatten die Frohnigs wieder junge Menschen gefunden, die ihrem Glück selbst im Wege standen, wie ihr übereinstimmender Befund lautete. Sie war ein junges Mädchen, das sich in ihrer Gutmütigkeit von ihren Arbeitgebern so ausnutzen ließ, dass sie oft erst abends spät aus dem Büro nach Hause kam; ihr Vater hatte einmal scherzhaft über sie gesagt, sie könne allenfalls dann einen Mann zum Heiraten finden, wenn sie auf dem Weg zur Arbeit eine Panne habe und ihr jemand helfe, sonst habe sie überhaupt keine Chance, jemanden kennen zu lernen. Der junge Mann, den die Frohnigs in vielen tiefschürfenden Gesprächen — man muss schon sagen — auserwählt hatten, war ein Typ wie es ihn eigentlich heutzutage gar nicht mehr gibt. Er war zu schüchtern, sich dem anderen Geschlecht zu nähern. Sein Vater, der über sich selbst zu sagen pflegte, er sei früher „ein toller Hecht“ gewesen, äußerte sich daher recht boshaft über sein „etwas zu zaghaftes Produkt“. Hinter der vorgehaltenen Hand warf er sogar die Frage auf, ob sein Sohn vielleicht schwul oder impotent sei, denn anders sei dessen Abstinenz nicht zu erklären. Dies war zwar nur scherzhaft gemeint, wurde aber von denjenigen, die solche Mutmaßungen mit anhören mussten, nur als äußerst geschmacklos empfunden.

Die Frohnigs luden die beiden jungen Leute wieder auf dieselbe Art ein, wie das früher verkuppelte junge Paar. Aber dieses Mal sprang zwischen den beiden nicht einmal ein kleines Fünkchen über. Weil aber der junge Mann einsam und höflich war, schlug er der ihm angesonnen Partnerin vor, dass man vielleicht doch einmal gemeinsam ins Kino gehen könne. Sie hatte eigentlich keinen einleuchtenden Grund, dies abzulehnen. Nach dem Kino fand er, man sollte vielleicht bei einem Glas Wein noch über den Film diskutieren. Beim Abschied verabredeten sie, gemeinsam den Thriller anzusehen, für welchen sie eine Voranzeige gesehen hatten und der sicher nicht so langweilig sei wie der eben genossene Problemstreifen.

Schließlich wurden die wöchentlichen Kinobesuche eine liebe Gewohnheit der beiden. Nachdem dies eine Zeit lang so ging, mischte sich die Mutter des jungen Mannes ein und sagte ihrem Sohn, er ziehe jetzt schon lange genug mit dem Mädel herum und erwecke damit vielleicht Hoffnungen; er solle sich überlegen, ob er ernst machen wolle (sprich: heiraten) oder nicht; im letzteren Fall müsse er sich von dem jungen Mädchen trennen. Als seine Mutter bei diesem Thema nicht locker ließ und wissen wollte, ob er die junge Dame vielleicht heiraten wollte, verneinte er dies und sagte, er denke gar nicht daran, denn sie sei überhaupt nicht sein Typ.

„Dann musst du es ihr sagen!“ bläute ihm seine Mutter vor dem nächsten Kinobesuch ein.

Als das junge Paar — wie üblich — nach dem Film auf ein Glas in ein Weinlokal ging, druckste er herum, denn die Aufforderung seiner Mutter hing wie ein Damoklesschwert über ihm. Sie verstand die Situation wohl falsch, rückte etwas näher zu ihm und fragte ihn, was er auf dem Herzen habe.

Nun, wir wollen dezenterweise nicht das ganze Gespräch der jungen Leute mit verfolgen.

Als der junge Mann um Mitternacht nach Hause kam, war seine Mutter noch wach und fragte:

„Na, hast du es ihr gesagt?“

„Nein!“ antwortete er. „Wir haben uns verlobt!“ Aus dem Verlöbnis wurde eine Hochzeit, und die jungen Leute waren sogar auf ihre Weise glücklich, denn das Unglück anders zu sein, als ihre Bekannten, nämlich immer noch ledig, war nun endlich vorbei. Und jeder der beiden sagte sich, wenn er einmal auf sein bisheriges Leben zurück blickte: Zu zweit sein ist immer noch besser als allein.

Die Frau fürs Leben

In manchem ähneln sich die Menschen und die Tiere. So kann man beispielsweise bei Tieren beobachten, dass sie ihre Jungen aus dem Nest werfen, wenn sie flügge geworden sind. Auch bei den Menschen ist es vielfach so, dass die Eltern alles tun, um ihre erwachsen gewordenen Kinder los zu werden. Jedenfalls war es bei den Frohnigs so: Nachdem sie in ihrer Bekanntschaft erfolgreich zwei Ehen gestiftet hatten, dachten sie nun über die Zukunft ihres einzigen Sohnes nach. Er hatte sein Studium mit einem ausgezeichneten Examen abgeschlossen, machte aber keine Anstalten, auf eigenen Füßen zu stehen oder gar eine Familie zu gründen. Frau Frohnig empfand dies als unnatürlich und besprach mit ihrem Mann, was zu tun sei. Der hatte eine tolle Idee:

„Wir müssen ihm eine Frau zum Heiraten anbieten, die so umwerfend ist, dass er gar nicht anders kann.“

Frau Frohnig zeigte sich von dem Plan nur mäßig begeistert, denn wo sollte man eine solche Frau hernehmen? Aber Herr Frohnig hatte schon weiter gedacht: Er hatte im Büro zufällig die Tochter eines Kollegen kennen gelernt und war so begeistert von ihr gewesen, dass sie ihn nachts sogar noch in seinen Träumen verfolgt hatte. Wenn er schon von diesem Wesen so angetan war, um wie viel mehr musste es sein Sohn sein, denn schließlich war der ja vom gleichen Blut, das allerdings jünger, also leichter in Wallung zu bringen war.

Glücklicherweise fand zu dieser Zeit gerade ein großer Behördenball statt, und Herr Frohnig fragte den Vater der hübschen Tochter, ob sich nicht die beiden Familien an einen Tisch setzen sollten. Nebenbei erwähnte er noch, dass  auch sein Sohn mitkommen würde. Der Kollege war einverstanden und schaltete schnell: Er sagte, er werde seine Tochter mitbringen, denn er fand, es könne nicht verkehrt sein, wenn sie den jungen Frohnig kennen lernen würde, zumal dieser ja aus gutem Hause stammte und eine gesicherte Zukunft vor sich zu haben schien. Und er wusste, dass seine Tochter sofort mitmachen würde, wenn sich für sie die Gelegenheit bot, auf einem schönen Ball zu tanzen.

Etwas schwerer tat sich Herr Frohnig mit seinem Sohn. Dieser hatte nämlich überhaupt keine Lust („Nullbock“, wie er sagte), mit seinen Eltern auf einen Ball zu gehen. Und als sein Vater ihm berichtete, ein Kollegenehepaar mit einer auffallend hübschen Tochter würde mit am Tisch sitzen, und hinzufügte: „Das ist eine Frau zum Heiraten“, da entgegnete er nur:

„Wir sind doch nicht im Orient, wo die Eltern für ihre Kinder die passenden Ehepartner aussuchen.“

Aber der alte Herr Frohnig gab nicht auf. Er wusste, dass sein Sohn leicht beeinflussbar war, und so schwärmte er bei jeder Gelegenheit von der so hübschen Kollegentochter:

„Also die musst du dir einfach einmal anschauen: so etwas von echt liebreizendem Charme habe ich noch nicht gesehen, obwohl ich doch schon einige Jahre auf dem Buckel habe ...äh, deine Mutter natürlich ausgenommen“, unterbrach er sich selbst, als ihm seine Frau einen vielsagenden Blick zugeworfen hatte.

Man muss das Eisen schmieden, solange es heiß ist, dachte sich Herr Frohnig und fuhr fort seinen Sohn mit Lobeshymnen auf das Mädel geradezu zu bombardieren:

„...schulterlange blonde Haare hat sie, ach, was sage ich: die Haare reichen ihr fast bis zum Po. Ihre Haut ist makellos wie die von einer Porzellanpuppe. Und ihre Augen... strahlend blau und noch so richtig unschuldig... einfach ein tolles Wesen.“

Am Stichwort „Unschuld“ hatte sich Herr Frohnig schließlich festgebissen. Er schimpfte auf die jungen Mädchen von heute, die oft die reinsten Nutten seien, nur blöder, weil sie kein Geld „dafür“ nehmen würden usw.

„Man sieht es ihnen ja auch an, was die alles hinter sich haben, aber schau dir mal dagegen die Tochter vom Kollegen Forber an: die personifizierte Unschuld, diese Anja.“

So ging es eine Zeit lang, bis der junge Frohnig schließlich einwilligte, auf den Ball mitzugehen, nicht weil er unbedingt die Kollegentochter in Augenschein nehmen wollte, sondern weil er Ärger mit seinen Eltern vermeiden wollte.

Der Ball verlief anders, als es sich die Eheleute Frohnig und vielleicht auch die Forbers vorgestellt hatten. Die jungen Leute brachten einen Anstandstanz miteinander hinter sich und suchten sich für den Rest des Abends andere Partner, mit denen sie viel Spaß hatten. Zwischen den beiden hatte es einfach nicht gefunkt. Es dauerte noch ein paar Wochen, bis Herr Frohnig den Verlust der erhofften Schwiegertochter verwunden hatte. Ein paar Mal schimpfte er auf seinen Sohn, weil der diese einmalige Gelegenheit verpasst habe. Dann hatte er sich wieder beruhigt. Weniger beruhigt wäre er wohl gewesen, wenn er das erfahren hätte, was seinem Sohn zu Ohren kam: Dieser wollte sich mit einem Kollegen verabreden, doch hatte der keine Zeit, sondern etwas Wichtiges vor. Der Kollege grinste bei dem Wort „Wichtiges“ vielsagend, dass der junge Frohnig neugierig fragte, was er denn damit meine.

„Also, ich kenne da eine Anja Forber. Eine wilde Biene kann ich dir sagen. Sie heiratet morgen, und da wollen wir heute Abschied feiern.“

Der Kollege erzählte, dass er schon lange mit Anja Forber befreundet gewesen sei und dass sich beide im Bett ausgezeichnet verstanden hätten. Nur habe sich Anja in den Kopf gesetzt, eine gute Partie zu machen, und dazu habe sie nun Gelegenheit. Sie habe gesagt, sie sei nun 25 Jahre alt; das sei die Schallmauer, wo sie nicht mehr ans Vergnügen denken könne, sondern ihre Zukunft planen müsse; sie werde deshalb ihren neuen Bekannten heiraten, weil der sich eher für eine Ehe eigne, obwohl ich freilich wesentlich besser im Bett sei. Deshalb wollte sie noch einmal...