Der Abgrund - David Baldacci - E-Book + Hörbuch

Der Abgrund E-Book

David Baldacci

3,8
7,99 €

Beschreibung

Ein actionreicher Thriller mit etlichen Wendungen von Bestsellerautor David Baldacci Web London ist ein Held. Top-Mann in einem Top-Team - einer Elitetruppe des FBI. Doch das Team ist in eine Falle gelaufen, einen Hinterhalt, mit dem keiner gerechnet hat. Im Feuer der Maschinengewehre sind alle verblutet. Alle bis auf Web. Seine Kollegen halten Web für einen Verräter. Die Witwen seiner Freunde geben ihm die Schuld. Ihn aber quält die eine Frage: Warum hat er überlebt? Die Antwort liegt tief vergraben in seiner Vergangenheit ...

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Seitenzahl: 994

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Inhalt

Cover

Titel

Impressum

Widmung

Zitate

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Kapitel 38

Kapitel 39

Kapitel 40

Kapitel 41

Kapitel 42

Kapitel 43

Kapitel 44

Kapitel 45

Kapitel 46

Kapitel 47

Kapitel 48

Kapitel 49

Kapitel 50

Kapitel 51

Kapitel 52

Kapitel 53

Kapitel 54

Kapitel 55

Kapitel 56

Kapitel 57

Danksagung

DAVID BALDACCI

DER ABGRUND

Roman

Aus dem Amerikanischenvon Uwe Anton

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabe

des in der Bastei Lübbe AG erschienenen Werkes

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

Übersetzung aus dem amerikanischen Englisch von Uwe Anton

Titel der amerikanischen Originalausgabe: Last Man Standing

Für die Originalausgabe:

Copyright © 2001 by Columbus Rose, Ltd.

Für die deutschsprachige Ausgabe:

Copyright © 2003 by Bastei Lübbe AG, Köln

Textredaktion: Helmut W. Pesch

Umschlaggestaltung: Guido Klütsch, Köln, unter Verwendung zweier Fotos von Photonica, Gary Powell und Kristyan Geyr

E-Book-Produktion: le-tex publishing services GmbH, Leipzig

ISBN 978-3-8387-1714-2

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

Für all die wundervollen Lehrerund anderen Freiwilligen im ganzen Land,die dazu beigetragen haben,das Projekt All America Reads Wirklichkeit werden zu lassen.

Dieses Buch ist ebenfalls dem Andenken anYossi Chaim Paley(14. April 1988 – 10. März 2001)gewidmet,den tapfersten jungen Mann,den ich je kennen gelernt habe.

»Ein zu Unrecht angeklagter Menschwird von der unwissenden Allgemeinheit stets verunglimpft.Falls solch ein Mensch gezielt schießt,wird er irgendetwas treffen.«Anonymus

»Schnell, überraschend und hart zuschlagen.«Das Motto des Geiselrettungsteams

KAPITEL 1   

Web London besaß ein halbautomatisches SR75-Gewehr, das ein legendärer Waffenschmied für ihn maßgeschneidert hatte. Web verließ sein Haus niemals ohne dieses durchschlagkräftige Spitzenprodukt der Waffenkunst, denn er war ein Mann, der mit der Gewalt lebte. Töten war sein Job, und das mit unfehlbarer Effizienz. Nicht auszudenken, wenn er jemals den Falschen tötete! In einem solchen Fall wäre es besser, wenn er sich gleich selbst erschoss, um den furchtbaren Selbstvorwürfen zu entgehen. Web hatte einfach nur einen schwierigen Beruf, mit dem er sein tägliches Brot verdiente. Er konnte nicht behaupten, dass er diesen Job liebte, aber er war sehr gut darin.

Auch wenn er praktisch jeden Augenblick seines wachen Lebens mit einers Waffe in der Hand verbrachte, neigte Web nicht dazu, sie zu verhätscheln. Eine Pistole bezeichnete er niemals als Freund, und er gab seinen Waffen auch keine Kosenamen. Trotzdem spielten sie eine wichtige Rolle in seinem Leben, wenngleich Waffen wie wilde Tiere waren und sich nicht ohne weiteres zähmen ließen. Selbst ausgebildete Gesetzeshüter verfehlten in acht von zehn Fällen das Ziel. Für Web war das nicht nur untragbar, es grenzte außerdem an Selbstmord. Er verfügte über zahlreiche ungewöhnliche Eigenschaften, aber Todessehnsucht gehörte nicht dazu. Es gab ohnehin genügend Leute, die immer wieder versuchten, ihn zu töten, und einmal hätten sie ihn fast erwischt.

Vor etwa fünf Jahren hatte er einen oder zwei Liter Blut verloren, bevor er auf dem Boden der Turnhalle einer Schule zusammenbrach, die bereits mit Toten und Sterbenden übersät war. Nachdem er seinen Verletzungen getrotzt und die Ärzte, die ihn behandelten, verblüfft hatte, tauschte Web die Maschinenpistole, die seine Waffenbrüder vorzogen, gegen die SR aus. Sie ähnelte einer M16, war mit großen Patronen vom Kaliber .308 geladen und hervorragend geeignet, Leuten Angst einzujagen. Wenn man eine SR besaß, wollte plötzlich jeder ein Freund sein. Dann war das Töten manchmal nicht einmal mehr nötig.

Durch die abgedunkelten Scheiben des Einsatzwagens, eines Suburban, beobachtete Web jede Menschenansammlung an den Ecken und jede verdächtige Gruppe in den dunkleren Seitenstraßen. Während sie weiter in feindliches Territorium vorstießen, kehrte Webs Blick zur Straße zurück. Er wusste, dass jedes Auto ein getarntes und schwer bewaffnetes Fahrzeug sein konnte. Er suchte nach wachsamen Blicken, einem Kopfnicken oder Fingern, die mit Handys spielten und in Wirklichkeit dem alten Web schweren Schaden zufügen wollten.

Der Suburban bog um eine Ecke und hielt an. Web sah sich zu den sechs anderen Männern um, die neben ihm kauerten. Er wusste, dass ihnen dieselben Gedanken wie ihm durch den Kopf gingen: schnell und ohne Schwierigkeiten nach draußen gelangen, Stellung beziehen und ein möglichst großes Schussfeld im Auge behalten. Angst war kein Faktor in dieser Gleichung. Es kam darauf an, die Nerven zu behalten. Hoch konzentriertes Adrenalin war ein gefährliches Gift, weil es sehr schnell töten konnte.

Web atmete tief durch, um sich zu beruhigen. Er musste seinen Puls auf sechzig bis siebzig runterkriegen. Bei fünfundachtzig Schlägen pro Minute zitterte die Waffe, selbst wenn man sie an den Körper presste; bei neunzig konnte man nicht mehr den Abzug betätigen, weil der Blutstau in den Adern und die Verspannung in Schultern und Armen das verhinderten. Bei über einhundert Schlägen pro Minute verlor man jede Feinmotorik und war nicht mehr in der Lage, einen Elefanten auf einen Meter Entfernung mit einer Kanone zu treffen. Wenn es so weit kam, konnte man sich genauso gut ein Schild mit der Aufschrift ERSCHIESST MICH auf die Stirn pappen, weil dieses Schicksal unausweichlich geworden war.

Web schob die Unruhe beiseite und destillierte Gelassenheit aus dem brodelnden Chaos.

Der Suburban setzte sich wieder in Bewegung, bog um eine weitere Ecke und hielt an. Web wusste, dass es das letzte Mal war. Die Funkstille wurde gebrochen, als Teddy Riner in sein Knochenmikrofon sprach, das auch als »Mic« bezeichnet wurde. »Charlie an TOC«, sagte Riner, »erbitten Einsatzfreigabe und Erlaubnis, auf Gelb zu gehen.«

Über sein Mic hörte Web die knappe Antwort des Tactical Operations Center, der Taktischen Einsatzzentrale. »Verstanden, Charlie Eins, halten Sie sich bereit.« Nach der in Webs Welt gültigen Farbenlehre bezeichnete »Gelb« die letzte Deckungsposition. »Grün« war die kritische Zone, der Augenblick der Wahrheit, der Durchbruch. Während sie sich auf dem heiligen Boden bewegten, der sich zwischen der relativen gelben Sicherheit und der grünen Wahrheit erstreckte, konnte sehr viel geschehen. »Einsatzfreigabe« – Web ließ sich das Wort auf der Zunge zergehen. Damit wurde die Erlaubnis eingeholt, notfalls Menschen erschießen zu dürfen, obwohl es klang, als würde man seinen Chef fragen, ob man eine Maurerkolonne auf die Baustelle schicken durfte. Wieder wurde die Funkstille gebrochen, als die Einsatzzentrale durchgab: »TOC an alle Einheiten, Sie haben Einsatzfreigabe und Erlaubnis, auf Gelb zu gehen.«

Allerherzlichsten Dank, liebes TOC. Web rückte ein Stück näher an die Hecktüren des Suburban heran. Er bildete die Vorhut, und Roger McCallam war die Nachhut. Jim Davies war der Pionier und Riner der Anführer der Gruppe. Big Cal Plummer und die zwei weiteren Kämpfer, Lou Patterson und Danny Garcia, standen bereit. Sie waren mit MP-5-Maschinengewehren, Blendgranaten, 45er-Pistolen und absoluter Ruhe ausgerüstet. Sobald sich die Tür öffnete, würden sie ausschwärmen und nach Bedrohungen aus jeder Richtung Ausschau halten. Sie würden sich gebückt und mit angewinkelten Knien vorwärts bewegen, um den Rückstoß aufzufangen, falls sie feuern mussten. Webs Gesichtsmaske schränkte sein Sichtfeld auf das absolut notwendige Maß ein. Das war sein Miniatur-Breitwandkino, auf dem sich das Chaos der realen Welt abspielen würde, Eintrittskarten inbegriffen.

Er sah, wie Danny Garcia sich bekreuzigte, was er vor jedem Einsatz tat. Und Web sagte darauf dasselbe, was er jedes Mal sagte, wenn Garcia sich bekreuzigte, kurz bevor die Türen des Chevys aufsprangen. »Gott weiß ganz genau, warum er sich hier nicht blicken lässt, Danny-Boy. Von ihm können wir keine Hilfe erwarten.« Er sagte es jedes Mal in scherzhaftem Tonfall, aber es war nicht als Scherz gemeint.

Von nun an mussten Handzeichen genügen. Wenn einem die Kugeln um die Ohren flogen, neigte man ohnehin nicht zur Geschwätzigkeit. Während der Arbeit sprach Web kaum ein Wort.

Fünf Sekunden später sprangen die Türen auf, und die Gruppe stürmte nach draußen in die Nacht.

Sie waren viel zu weit vom Einsatzort entfernt. Normalerweise fuhren sie direkt bis zum Ziel und sprengten sich den Weg frei, aber in diesem Fall war die Logistik etwas kom­­plizierter. Verlassene Autos, abgeladene Kühlschränke und andere sperrige Gegenstände blockierten den direkten Zugang.

Jetzt meldeten sich die Scharfschützen vom X-Ray-Team über Funk. Ein Stück weiter befanden sich Menschen auf der Straße, aber sie gehörten nicht zu der Gruppe, auf die Web Jagd machte. Zumindest machte es nicht den Eindruck. Aber man wusste ja nie.

Geduckt rannten Web und das Charlie-Team die Straße entlang. Die sieben Mitglieder des Hotel-Teams waren von einem Wagen auf der gegenüberliegenden Seite des Blocks abgesetzt worden, um das Ziel von links hinten anzugreifen. Der Plan sah vor, dass Charlie und Hotel sich irgendwo mitten in dieser Kampfzone trafen, die sich als Wohnviertel tarnte.

Webs Leute bewegten sich jetzt in östlicher Richtung, dicht gefolgt von einem aufziehenden Sturm. Blitz, Donner, Wind und horizontaler Regen waren ein erheblicher Störfaktor für die direkte Kommunikation, die taktische Positionierung und die Nerven der Männer, vor allem während des kritischen Zeitpunkts, wenn alles perfekt funktionieren musste. Die hochgezüchtete Technik nützte ihnen überhaupt nichts; sie konnten nur auf die schlechte Laune von Mutter Natur reagieren, indem sie schneller rannten. Sie liefen die Straße entlang, einen schmalen Asphaltstreifen voller Schlaglöcher und Müll. Links und rechts erhoben sich Gebäude, deren Verputz nach jahrzehntelangen Schießereien pockennarbig geworden war. Bei einigen Gefechten war es um die Guten gegen die Bösen gegangen, doch die meisten hatten zwischen jungen Männern stattgefunden, die um Drogenreviere, Frauen oder einfach so gekämpft hatten. Hier war jeder ein Mann, der eine Waffe hatte – auch wenn er eigentlich noch ein Kind war, das nach den Zeichentrickserien am Samstagmorgen nach draußen lief und fest daran glaubte, dass ein erschossener Spielkamerad anschließend wieder aufstehen und weiterspielen würde …

Sie erreichten die Gruppe, die die Scharfschützen beobachtet hatten. Es waren Schwarze, Latinos und Asiaten, alles Drogendealer, die sich nun erschrocken umdrehten. Offensichtlich überwand die Aussicht auf einen starken Kick und unkomplizierte Bargeschäfte alle Barrieren von Rasse, Hautfarbe, Religion oder politischen Tendenzen. Es war erstaunlich, dass dieser armselige Haufen von Verlierern überhaupt genügend Energie und Verstand aufbrachte, um die simple Transaktion geistig zu verarbeiten, kleine Päckchen mit Hirnverätzern, die notdürftig als Glücksbringer getarnt waren, gegen Bargeld zu tauschen und sich obendrein selbst daran zu vergiften.

Angesichts der Ehrfurcht gebietenden Front aus Waffen und Kevlar fielen alle Junkies bis auf einen auf die Knie und bettelten darum, nicht erschossen oder verhaftet zu werden. Web konzentrierte sich auf den einzigen jungen Mann, der stehen geblieben war. Er hatte sich ein rotes Tuch um den Kopf gewickelt, das seine Zugehörigkeit zu irgendeiner Gang demonstrierte. Der Junge hatte eine Taille wie ein Tänzer und Schultern wie eine Hantel. Eine abgeranzte Turnhose hing ihm tief im Schritt, und ein ärmelloses Shirt spannte sich um seinen muskulösen Oberkörper. Außerdem stand eine himmelhohe Überheblichkeit in seinen Gesichtszügen, als wollte er sagen: Ich bin schlauer und härter als ihr, und ich werde euch alle überleben. Web musste stillschweigend anerkennen, dass ihm der Rapper-Look sehr gut stand.

Es dauerte dreißig Sekunden, bis sie festgestellt hatten, dass alle bis auf den Jungen mit dem roten Kopftuch bedröhnt und unbewaffnet waren. Sie suchten nicht nur nach Waffen, sondern auch nach Handys, mit denen sie jemanden warnen konnten. Der Junge mit dem Kopftuch trug ein Messer bei sich, aber damit hatte er keine Chance gegen Kevlar und Maschinenpistolen. Also ließen sie ihm das Ding. Aber als das Charlie-Team weiterstürmte, folgte Cal Plummer den anderen im Rückwärtsgang und hielt die Straßenhändler mit seiner MP-5 in Schach, für alle Fälle.

Der Junge rief ihnen etwas hinterher: dass er von Webs Gewehr beeindruckt sei und es kaufen wolle. Er würde ihnen einen guten Preis machen, und anschließend würde er Web und alle anderen damit abknallen. Ha-ha! Web blickte zu den Dächern hinauf, wo die Leute vom Whiskey- und X-Ray-Team ihre Schusspositionen bezogen hatten, die Junkies fest im Visier. Die Scharfschützen waren Webs beste Freunde. Er wusste genau, wie sie an ihre Aufgaben herangingen, weil er viele Jahre lang selber einer von ihnen gewesen war.

Web hatte mehrere Monate am Stück in dampfenden Sümpfen gelegen, während ständig Wassermokassinschlangen über ihn hinweggekrochen waren. Oder er hatte sich in enge Felsspalten gezwängt, durch die ein eiskalter Wind pfiff, das Lederpolster des maßgefertigten Gewehrkolbens fest an die Wange gepresst und durch das Zielfernrohr gestarrt, um das Gelände zu erkunden und zu sichern. Als Scharfschütze hatte er viele wichtige Fähigkeiten entwickelt, zum Beispiel, wie man lautlos in eine Konservendose pinkelte. Andere Lektionen hatten darin bestanden, sein Essen in geeigneten Portionen abzupacken, damit er sich auch in totaler Finsternis Kohlehydrate zuführen konnte, und seine Patronen so bereitzulegen, dass er optimal nachladen konnte. Er arbeitete nach strengen Methoden, die sich immer wieder bewährt hatten. Nicht dass er irgendwelche dieser einzigartigen Talente auf den privaten Bereich übertragen konnte, aber Web führte ohnehin kaum ein Privatleben.

Das Leben eines Scharfschützen hing immer zwischen zwei Extremen. Man stand vor der Aufgabe, die beste Schussposition zu finden, bei der man selbst möglichst gut gedeckt war, und diese beiden Anforderungen waren manchmal einfach nicht in Einklang zu bringen. Stunden, Tage, Wochen oder sogar Monate verbrachte man mit Nichtstun, während die Langeweile an der Moral nagte, bis urplötzlich alles von einem gefordert wurde, in einer rasenden Abfolge von Augenblicken, die aus einem Ansturm wilder Schießerei und totaler Verwirrung bestand. Wenn man entschied, einen Schuss abzugeben, bedeutete das, dass jemand sterben würde, und man war sich niemals sicher, ob der eigene Tod eine Rolle in dieser Gleichung spielte oder nicht.

Web konnte diese Bilder jederzeit wie Schnappschüsse aus seinem Gedächtnis abrufen. Die aufblitzenden Erinnerungen waren äußerst lebhaft. Fünf Hohlspitzgeschosse warteten im Magazin darauf, in einer Salve freigesetzt zu werden und sich mit doppelter Schallgeschwindigkeit in einen Widersacher zu bohren, wenn Webs Finger den Abzug durchdrückte. Sobald jemand in sein Schussfeld geriet, würde Web feuern, und ein Mensch würde sich plötzlich in eine Leiche verwandeln. Die wichtigsten Schüsse jedoch, mit denen Web als Scharfschütze zu tun gehabt hatte, waren jene gewesen, die er nicht abgefeuert hatte. So war es in diesem Job. Es war kein Job für Leute mit schwachen Nerven oder für geistig Arme, nicht einmal für Menschen mit durchschnittlicher Intelligenz.

Web bedankte sich stumm bei den Scharfschützen, die dort oben die Stellung hielten, und lief weiter die Straße entlang.

Als Nächstes stießen sie auf ein Kind, einen Jungen, vielleicht neun Jahre alt, der ohne Hemd auf einem Betonbrocken saß, und weit und breit kein Erwachsener in der Nähe. Der aufziehende Sturm hatte die Temperatur um mindestens zehn Grad gesenkt, und das Quecksilber fiel weiter. Trotzdem trug der Junge kein Hemd. Web fragte sich, ob er jemals eins trug. Er hatte schon viele Kinder erlebt, die in Armut lebten. Web hielt sich keineswegs für einen Zyniker, aber er war Realist. Diese Kinder taten ihm Leid, aber er konnte nichts tun, um ihnen zu helfen. Und heutzutage musste man überall mit Gefahren rechnen, also suchte sein Blick automatisch den Körper des Jungen ab, ob er eine Waffe bei sich trug. Glücklicherweise fand er nichts. Web wäre es unangenehm gewesen, auf ein Kind schießen zu müssen.

Der Junge sah ihn unverwandt an. Im flackernden Schein der einzigen Straßenlampe, die aus irgendeinem Grund noch funktionierte, zeichnete sich die Gestalt des Kindes überdeutlich ab. Web bemerkte den zu schlanken Körper und die bereits verhärteten Muskeln in Armen und Schultern und an den hervortretenden Rippen, die an die Rindenwucherung über einer alten Verletzung eines Baumes erinnerten. Auf der Stirn des Jungen verheilte ein Messerschnitt. Ein runzliges Loch in der linken Wange rührte von einer Kugel her – daran gab es für Web keinen Zweifel.

»Donnerhall«, sagte der Junge mit erschöpfter Stimme, dann lachte er. Es war eher ein meckerndes Lachen. Die Worte und das Lachen klangen in Webs Kopf wie angeschlagene Becken nach, aber er hatte keine Ahnung, warum. Er spürte sogar ein Kribbeln auf der Haut. Er hatte schon viele Kinder gesehen, für die es keine Hoffnung gab, aber dieses Mal ging in seinem Kopf etwas vor sich, das er nicht einschätzen konnte. Vielleicht machte er diesen Job schon zu lange, obwohl jetzt alles andere als der geeignete Zeitpunkt war, um darüber nachzudenken.

Webs Finger verharrte in der Nähe des Abzugs, während er an der Spitze der Gruppe mit federnden Schritten weiterlief und versuchte, das Bild des Jungen aus seinem Kopf zu verdrängen. Obwohl er selbst sehr schlank war und nicht über imposante Muskeln verfügte, steckte eine enorme Kraft in seinen von Natur aus breiten Schultern, den langen Armen und starken Fingern. Und er war mit Abstand der schnellste Mann der Gruppe und verfügte zudem über eine beeindruckende Ausdauer. Kraft, Geschwindigkeit und Ausdauer – das war es, wofür sein muskulöser Körper trainiert war. Patronen durchdrangen Muskeln genauso mühelos wie Fett. Aber das Blei konnte einem keine Schmerzen zufügen, wenn es einen nicht traf.

Ein massiger Mann von eins achtzig, so hätte ihn jeder beschrieben, der ihn sah. Zumindest früher. Heute konzentrierten sich die meisten ganz auf den Zustand seiner linken Gesichtshälfte, beziehungsweise dessen, was davon noch übrig war. Wenngleich erstaunlich war, wie gut sich heutzutage zerstörte Körperteile rekonstruieren ließen. Bei günstiger Beleuchtung war fast nichts mehr von dem alten Einschusskrater zu bemerken, der durch einen wiederaufgebauten Wangenknochen und sorgsam verpflanztes Hautgewebe eingeebnet worden war. Wirklich beeindruckend, hatten alle gesagt. Alle bis auf Web.

Am Ende der Straße hielt die Gruppe wieder an und ging geduckt zu Boden. Direkt neben Web hockte Teddy Riner. Über sein drahtloses Knochenmikrofon kommunizierte Riner mit der Einsatzzentrale und meldete, dass Charlie auf Gelb stand und die Erlaubnis benötigte, auf Grün zu gehen – die »kritische Zone« zu betreten, was in diesem Fall lediglich eine fantasievolle Bezeichnung für die Haustür war. Web hielt die SR75 mit einer Hand fest und tastete nach seiner maßgefertigten 45er, die in einem Halfter tief an seinem rechten Bein steckte. Eine identische Pistole hing an der kugelsicheren Weste, die seinen Brustkorb schützte, und auch diese berührte er während des kurzen Rituals unmittelbar vor dem Angriff.

Web schloss die Augen und stellte sich vor, wie die nächste Minute ablaufen würde. Sie würden zur Tür stürmen, Davies an der Spitze, damit er den Sprengsatz anbringen konnte. Die anderen würden ihre Blendgranaten locker in der schwachen Hand halten. Die Maschinenpistolen wären entsichert, und die ruhigen Finger würden sich von den Abzügen fern halten, bis die Zeit zum Töten gekommen war. Davis würde die mechanischen Sicherungen von der Kontrolleinheit entfernen und die Zündschnur überprüfen, die zum Sprengstoff führte. Er würde nach Problemen suchen und hoffen, dass er keine fand. Riner würde die unsterblichen Worte »Charlie auf Grün« an die TOC übermitteln, die wie immer mit »Bereithalten, wir haben die Kontrolle« antworten würde. Web ärgerte sich jedes Mal über diesen Satz, denn wer hatte wirklich die Kontrolle über das, was sie taten?

In seiner gesamten Karriere hatte Web noch nie erlebt, dass die Taktische Einsatzzentrale das Ende des Countdowns erreichte. Bei »zwei« würden die Scharfschützen das Feuer auf die Ziele eröffnen, und ein Hagel aus gleichzeitig abgefeuerten 308ern war ziemlich laut. Dann ging der Sprengsatz hoch, bevor TOC »eins« sagen konnte, und von diesem Dezibel-Hurrikan wurden sogar die eigenen Gedanken übertönt. Wenn man jemals hörte, wie die Zentrale den Countdown beendete, steckte man in großen Schwierigkeiten, denn das bedeutete, dass die Sprengladung nicht gezündet hatte. Und das war ein ziemlich miserabler Anfang für einen Arbeitstag.

Wenn die Tür aufgesprengt war, würden Web und sein Team in das Zielobjekt eindringen und ihre Blendgranaten werfen. Diese Bezeichnung war treffend gewählt, weil der Blitz jeden Anwesenden vorübergehend blind machte. Außerdem würde der Knall jedes ungeschützte Trommelfell platzen lassen. Wenn sie auf weitere verriegelte Türen stießen, würden sie sich entweder öffnen, nachdem Davies mit seiner Schrotflinte »angeklopft« hatte oder nachdem sie ihre »Eintrittskarte« zum Einsatz gebracht hatten – einen Streifen, der wie ein Stück Reifengummi aussah, aber einen C4-Sprengsatz enthielt, dem praktisch keine Tür standhalten konnte. Sie würden nach eingeübten Manövern vorgehen, gezielt ihre Hände und Waffen einsetzen, präzise Schüsse abfeuern und ihre Handlungen wie Schachzüge planen. Die Kommunikation fand ausschließlich über Berührungen statt. Die kritischen Faktoren ausschalten, eventuelle Geiseln lokalisieren und sie schnell und lebend in Sicherheit bringen. Nur an den eigenen Tod dachten sie niemals. Das beanspruchte zu viel Zeit und Energie, die sie für ihre Aufgabe benötigten. Es beeinträchtigte die elementaren Instinkte und Fertigkeiten, die sie durch ständige Übung geschärft hatten, bis sie zu einem Teil ihrer Persönlichkeit geworden waren.

Zuverlässigen Quellen zufolge befand sich im Gebäude, das sie stürmen sollten, die komplette Finanzverwaltung eines großen Drogenkonzerns, der seine Zentrale in der Hauptstadt hatte. Zur potenziellen Beute des heutigen Tages gehörten Buchhalter und Erbsenzähler, die zu wertvollen Zeugen für die Regierung werden konnten, wenn es Web und seinen Männern gelang, sie lebend herauszuholen. So hatte die Bundespolizei mehrere Ansätze, um die Köpfe der Organisation straf- und zivilrechtlich zu verfolgen. Selbst Drogenkönige fürchteten sich vor einer gründlichen Prüfung durch das Finanzamt, weil die Bosse nur selten Steuern an Onkel Sam abführten. Deshalb hatte man Webs Team zum Einsatz gerufen. Sie waren darauf spezialisiert, Leute zu töten, die es verdient hatten, aber sie waren auch verdammt gut darin, andere Leute am Leben zu lassen. Zumindest so lange, bis diese Leute eine Zeugenaus-sage machen konnten, um sich für einen längeren Zeitraum ein wesentlich größeres Übel vom Hals zu halten.

Wenn sich die Zentrale zurückmeldete, würde der Countdown beginnen: »Fünf, vier, drei, zwei …«

Web öffnete die Augen und sammelte sich. Er war bereit. Sein Puls lag bei vierundsechzig. Web wusste es ganz genau. Okay, Jungs, gleich stoßen wir zur Goldmine vor. Holen wir es uns! Erneut meldete sich die Taktische Einsatzzentrale über seinen Kopfhörer und gab das Okay, durch die Vordertür zu stürmen.

Und genau in diesem Moment erstarrte Web London.

Seine Gruppe verließ die Deckung und ging auf Grün, stieß in die kritische Zone vor – nur Web nicht. Es war, als würden seine Gliedmaßen nicht mehr zu seinem Körper gehören – als würde man einschlafen und auf einem Arm oder Bein liegen, bis man aufwachte und feststellte, dass dieser Körperteil von der Blutzirkulation abgeschnitten war. Es schien keine Angst oder plötzliche Nervenschwäche zu sein, dazu hatte Web diesen Job schon zu lange gemacht. Trotzdem konnte er nur reglos zusehen, wie das Charlie-Team angriff.

Dieser Hinterhof war als letzte größere Gefahrenzone unmittelbar vor dem kritischen Punkt identifiziert worden. Die Männer beschleunigten ihren Vorstoß und blickten sich nach allen Seiten um, ob es irgendwo das leiseste Anzeichen für Widerstand gab. Keiner von ihnen schien zu bemerken, dass Web nicht bei ihnen war.

Sein Körper war schweißüberströmt, als er seine Muskeln gegen das ankämpfen ließ, was ihn zurückhielt. Web schaffte es, sich langsam zu erheben und zögernd ein paar Schritte zu gehen. Seine Füße und Arme schienen in Bleimanschetten zu stecken, sein Körper brannte, und sein Kopf drohte zu platzen, als er sich wankend ein Stück weiter vorwagte. Er erreichte den Hof, dann ließ er sich zu Boden fallen, während sich sein Team weiter von ihm entfernte.

Er blickte auf und sah noch, wie Charlie den Angriff fortsetzte, das Ziel in Sichtweite. Es schien sie noch etwas näher heranlocken zu wollen, damit sie sich holen konnten, was sie haben wollten. Es waren noch fünf Sekunden bis zum Ziel. Diese fünf Sekunden sollten Web Londons Leben für immer verändern.

KAPITEL 2   

Teddy Riner ging als Erster zu Boden. Sein Sturz dauerte zwei Sekunden, aber er war bereits tot, bevor diese zwei Sekunden verstrichen waren. Auf der anderen Seite kippte Cal Plummer um, als wäre er von der Streitaxt eines Riesen gefällt worden. Web sah hilflos zu, wie schwere Munition zunächst auf Kevlar und dann menschliches Fleisch traf, bis alles vorbei war. Es war irgendwie nicht richtig, dass gute Männer so schnell starben.

Bevor das Feuer eingesetzt hatte, war Web auf sein Gewehr gefallen, das nun unter seinem Körper lag. Er konnte kaum atmen. Die Kevlar-Weste und die Waffen drückten schmerzhaft gegen sein Zwerchfell. Da war etwas auf seiner Maske. Er konnte es nicht wissen, aber es war ein Teil von Teddy Riner, etwas aus dem handtellergroßen Loch, das in seine Rüstung gerissen worden war. Riner war daraufhin bis zu Web zurückgeschleudert worden, dem Letzten des Charlie-Teams, der nun ironischerweise auch der letzte Überlebende der Gruppe war.

Web war immer noch gelähmt. Seine Glieder reagierten einfach nicht auf die Bitten seines Gehirns, sich in Bewegung zu setzen. Hatte er im Alter von siebenunddreißig Jahren einen Schlaganfall erlitten? Dann drang der Lärm einer Schießerei an seine Ohren und schien seinen Kopf zu klären. Endlich hatte er wieder Gefühl in den Armen und Beinen, und es gelang ihm, sich die Maske vom Gesicht zu reißen und auf den Rücken zu drehen. Er stieß einen Schwall übel riechenden Atems aus und schrie vor Erleichterung auf. Jetzt starrte Web genau in den Himmel. Er sah speergleiche Blitze, obwohl er im Kampflärm nichts vom grollenden Donner des Gewitters hörte.

Er verspürte den unwiderstehlichen und wahnsinnigen Drang, mit der Hand in das Inferno hinaufzugreifen, vielleicht, um sich von der Realität der vorbeirasenden Geschosse zu überzeugen, wie ein kleines Kind, dem man gesagt hatte, nicht auf die heiße Ofenplatte zu fassen, woraufhin es selbstverständlich an nichts anderes mehr denken würde. Stattdessen griff er an seinen Gürtel, öffnete eine kleine Tasche und zog das Infrarotsichtgerät heraus. Damit enthüllte sich selbst in finsterster Nacht eine komplette Welt, die für das unbewehrte Auge unsichtbar war. Es bildete die Wärmesignatur ab, die in nahezu jedem lebenden oder nicht lebenden Objekt brannte.

Obwohl er die Schützen auch mit dem ISG nicht sehen konnte, nahm Web nun die Dampfspuren wahr, die die Geschosse in die Luft zeichneten. Und er stellte fest, dass das Feuer aus zwei unterschiedlichen Richtungen kam: vom Mietshaus direkt voraus und von einem heruntergekommenen Gebäude genau rechts von ihm. Als er dieses Gebäude durch das ISG betrachtete, sah er nur zerbrochene Fensterscheiben. Und dann bemerkte Web etwas, das ihn noch mehr erstarren ließ. Das Mündungsfeuer blitzte gleichzeitig hinter allen Fenstern auf. Die Schüsse wanderten ein Stück zur Seite, hielten ein paar Sekunden lang inne, dann bewegten sie sich zurück. Die Läufe der Waffen, die er nicht sehen konnte, vollführten einen genau festgelegten Schwenk.

Als das Feuer erneut einsetzte, rollte sich Web auf den Bauch und starrte durch das Sichtgerät auf das Gebäude, dem ihr Angriff gegolten hatte. Auch hier gab es in einem niedrigeren Stockwerk eine Fensterreihe, hinter denen das Feuer mit der gleichen synchronen Abfolge aufblitzte. Jetzt erkannte Web die langen Läufe der Maschinengewehre. Im ISG zeichneten sich die Umrisse der Waffen ziegelrot ab, da sie durch die Unmengen an abgefeuerter Munition glühend heiß geworden waren. Doch im Wärmebild tauchte keine menschliche Silhouette auf. Wenn sich irgendein menschliches Wesen in der Nähe befunden hätte, wäre es Webs ISG nicht entgangen. Ohne Zweifel hatte er es mit einer ferngesteuerten Abwehrstellung zu tun. Jetzt wusste er, dass sein Team hereingelegt und in einen Hinterhalt gelockt worden war, während der Feind keinen einzigen Mann in Gefahr gebracht hatte.

Die Kugeln prallten von den Ziegelwänden hinter und rechts von ihm zurück, und Web spürte, dass ihn von allen Seiten Querschläger trafen, wie Hagelkörner. Mindestens ein Dutzend Mal streiften sie sein Kevlar, aber sie hatten bereits einen großen Teil ihrer Geschwindigkeit und Tödlichkeit verloren. Er drückte die ungeschützten Arme und Beine fest gegen den Asphalt. Doch nicht einmal die Schutzweste konnte einen direkten Treffer abhalten, denn die Maschinengewehre spuckten mit ziemlicher Sicherheit Munition vom Kaliber .50 aus. Jedes Projektil war so lang wie ein Buttermesser und konnte vermutlich sogar Panzerungen durchschlagen. All dies entnahm Web dem Überschalllärm der MGs und dem typischen Mündungsfeuer. Und die Dampfspur eines 50er-Geschosses vergaß man ebenfalls nicht so schnell. Man konnte den Knall tatsächlich spüren, bevor man ihn hörte. Sämtliche Härchen richteten sich am Körper auf, genau wie kurz vor dem Einschlag eines Blitzes.

Web schrie die Namen seiner Teamkameraden, einen nach dem anderen. Keine Antwort. Keine Bewegung. Kein Stöhnen, kein Zucken, das zeigte, dass da draußen noch irgendwo Leben war. Trotzdem brüllte Web immer wieder ihre Namen – der Appell eines Wahnsinnigen. Überall explodierten Mülltonnen, zersplitterte Glas, erodierten Ziegelwände, als würden Flüsse im Zeitraffer Canyons hineinschneiden. Es war die Normandie oder vielmehr Pickett’s Charge, und Web hatte soeben seine komplette Armee verloren. Die Straßenratten flüchteten vor dem Inferno. Dieser Hinterhof war zum ersten Mal in der Geschichte frei von Ungeziefer. Kein Kammerjäger hatte jemals so gründliche Arbeit geleistet wie die rhythmischen Salven aus 50er-Munition.

Web wollte nicht sterben, aber jedes Mal, wenn er sah, was noch von seinen Männern übrig war, wollte er sich zu ihnen gesellen. Die Familie kämpfte und starb gemeinsam. Dieser Gedanke hatte einen besonderen Reiz für Web. Er spürte, wie sich seine Beine für den Sprung in die Ewigkeit anspannten. Dennoch war etwas anderes in ihm stärker, sodass er in Deckung blieb. Wer starb, hatte verloren. Wer aufgab, machte den Tod der anderen zu etwas Sinnlosem.

Wo zum Teufel blieben X-Ray und Whiskey? Warum seilten sie sich nicht ab und kamen ihnen zu Hilfe? Die Scharfschützen auf den Gebäuden über dem Hinterhof konnten sich nicht hinunterwagen, ohne zerfetzt zu werden, aber entlang der Straße, über die Charlie vorgestoßen war, hatten sich andere postiert. Sie konnten sich relativ gefahrlos abseilen. Aber würde die Zentrale ihnen grünes Licht geben? Vielleicht nicht, wenn dort niemand genau wusste, was los war. Und woher sollten sie es wissen? Nicht einmal Web wusste, was eigentlich los war, und er befand sich mitten im Geschehen. Trotzdem konnte er hier nicht ewig abwarten, bis sich die Zentrale zum Eingreifen durchgerungen hatte – möglicherweise, nachdem eine verirrte Salve seinem Team den letzten Rest gegeben hatte.

Er spürte den leisen Griff der Panik, obwohl er jahrelang eigens darauf trainiert worden war, diese Schwäche aus seiner Psyche zu verbannen. Er musste aktiv werden. Er hatte sein Mic verloren, also schnappte er sich sein tragbares Motorola vom Schulterpolster aus Velcro. Er drückte den Knopf und schrie hinein: »HR vierzehn an TOC, HR vierzehn an TOC.« Keine Antwort. Er wechselte auf eine Notfrequenz und dann auf eine, die für allgemeine Zwecke benutzt wurde. Immer noch nichts. Er starrte das Funkgerät an und verlor den Mut. Die Vorderseite war eingedrückt, nachdem er darauf gefallen war. Web schob sich ein Stück vor bis zu Cal Plummers Leiche. Als er nach Plummers Funkgerät greifen wollte, traf etwas seine Hand, und er zog sie sofort zurück. Nur ein Querschläger. Ein direkter Treffer hätte ihm die gesamte Hand abgerissen. Web zählte nach, aber alle fünf Finger waren noch vorhanden. Der heftige Schmerz gab ihm den Willen, zu kämpfen, weiterzuleben. Und wenn es nur deshalb war, um jene zu vernichten, die dies getan hatten. Allerdings war Webs Trickkiste jetzt so gut wie leer. Und zum ersten Mal in seiner Karriere fragte er sich, ob der Gegner, mit dem er es hier zu tun hatte, womöglich wirklich besser war als er.

Web wusste, dass er nicht mit dem Denken aufhören durfte, sonst würde er vielleicht aufspringen und auf Dinge feuern, die sich nicht töten ließen. Also konzentrierte er sich auf die taktische Situation. Er befand sich in einer sorgsam eingegrenzten Todeszone, die aus zwei Richtungen unter Beschuss genommen wurde, sodass ein Neunzig-Grad-Winkel der Zerstörung entstand. Und es gab keinen menschlichen Gegner, der sich irgendwie aufhalten ließ. Gut, das war die Situation. Aber was konnte er dagegen ausrichten? Welches Kapitel im Lehrbuch befasste sich damit? Vielleicht das mit der Überschrift »Wenn du am Ende bist«? Mein Gott, der Lärm war ohrenbetäubend. Er konnte nicht einmal hören, wie sein eigenes Herz pochte. Sein Atem kam in kurzen Stößen. Wo waren Whiskey und X-Ray, verdammt noch mal? Und Hotel? Konnten sie nicht schneller laufen? Aber was hätten sie schon tun können? Sie waren ausgebildet, gegen menschliche Ziele vorzugehen, aus kleiner oder großer Entfernung. »Hier ist nichts, worauf ihr schießen könnt!«, schrie er.

Das Kinn gegen die Brust gepresst, blickte Web überrascht auf, als er den kleinen Jungen sah, der ohne Hemd auf dem Betonbrocken gesessen hatte. Jetzt hielt er sich mit den Händen die Ohren zu und hockte an der Ecke zur Nebenstraße, durch die Web und seine Männer gekommen waren. Wenn sich der Junge in den Hinterhof wagte, würde er später im Leichensack abtransportiert werden. Vielleicht sogar in zwei Leichensäcken, denn die 50er-Munition würde den mageren Körper problemlos in zwei Hälften zerreißen.

Der Junge machte einen Schritt und näherte sich dem Ende der Ziegelwand. Er war unmittelbar vor dem Hof. Vielleicht hatte er vor, Web zu Hilfe zu kommen. Oder er wartete ab, bis das Feuer eingestellt wurde, damit er den Leichen alle Wertsachen und Waffen abnehmen konnte, um sie später auf der Straße weiterzuverkaufen. Vielleicht war er auch nur neugierig. Web wusste es nicht, und im Grunde war es ihm auch egal.

Das Feuer wurde eingestellt, und plötzlich war es still. Der Junge wagte sich einen weiteren Schritt vor. Web schrie ihn an. Er erstarrte, weil er offensichtlich nicht damit gerechnet hatte, von einem Toten angebrüllt zu werden. Web schob eine Hand vor und rief ihm zu, sich zurückzuhalten, doch dann begann die Schießerei von neuem und verschluckte das Ende seiner Warnung. Web rutschte auf dem Bauch unter dem Feuerhagel hindurch und schrie den Jungen mit jeder Bewegung an. »Bleib zurück! Geh zurück!«

Der Junge schien sich davon nicht beeindrucken zu lassen. Web starrte ihn unentwegt an, was sehr schwierig war, wenn man sich gleichzeitig auf den eigenen Körper konzentrieren, wenn man befürchten musste, keinen Kopf mehr zu haben, falls man ihn nur einen Zentimeter höher hob. Endlich tat der Junge, was Web von ihm erwartete: Er wich zurück. Web kroch schneller. Der Junge drehte sich um und wollte davonlaufen. Web schrie ihm zu, dass er stehen bleiben sollte. Erstaunlicherweise gehorchte er ihm.

Web hatte fast den Straßenrand erreicht. Für seine nächste Aktion war ein perfektes Timing notwendig, denn für das Kind war ein neues Gefahrenelement ins Spiel gekommen. Während der letzten Feuerpause hatte Web marschierende Schritte und Rufe aus der Ferne gehört. Sie kamen. Web dachte, dass alle auf den Beinen sein mussten: Hotel und die Scharfschützen sowie die Reserveeinheit, die die Einsatzzentrale immer für den Notfall bereithielt. Nun, wenn dies kein Notfall war … Ja, sie kamen zu Hilfe geeilt, oder zumindest glaubten sie das. In Wirklichkeit rannten sie einfach nur blind los, ohne vorher die Lage erkundet zu haben.

Das Problem war, dass der Junge sie ebenfalls hörte. Web ahnte, dass der Junge genau wusste, wer sie waren, wie ein Fährtenleser, der am Geruch der Erde erkannte, wo sich die großen Büffelherden aufhielten. Der Junge fühlte sich in die Enge getrieben, und zwar aus gutem Grund. Web wusste, dass es ein Todesurteil für das Straßenkind war, wenn man es zusammen mit jemandem wie Web sah. Die Leute, die hier das Sagen hatten, würden davon ausgehen, dass der Junge ein Verräter war, und zur Belohnung seine Leiche im Wald deponieren.

Das Kind zuckte zusammen und blickte sich um, während Web Tempo zulegte. Web verlor die Hälfte seiner Ausrüstung, als er vom rauen Asphalt aufsprang, wie eine zweihundert Pfund schwere Schlange auf Speed. Web spürte, wie mindestens ein Dutzend Kratzer an seinen Beinen, Händen und in seinem Gesicht bluteten. Seine linke Hand kribbelte, als würden dort tausend Wespen eine Party veranstalten. Die Weste war jetzt verdammt schwer geworden, und sein Körper schmerzte bei jeder Bewegung. Web hätte sein Gewehr fallen lassen können, aber er brauchte es noch. Nein, die verfluchte SR75 würde er niemals loslassen.

Web wusste, was das Kind vorhatte. Der letzte Ausweg, die Flucht nach vorn. Der Junge würde quer über den Hinterhof rennen und in einem der gegenüberliegenden Gebäude verschwinden. Er konnte die Geschosse genauso gut hören wie Web. Aber er konnte die Schussbahnen nicht sehen. Er konnte ihnen nicht ausweichen. Trotzdem wusste Web, dass der Junge es versuchen wollte.

Das Kind sprintete los, und Web machte seinen Satz in allerletzter Sekunde, sodass die beiden am Rand der Sicherheitszone aufeinander trafen. Den Zusammenstoß gewann Web zehn zu eins. Das Kind trat nach ihm, seine knochigen Fäuste schlugen ihm ins Gesicht und gegen die Brust, während sich Webs lange Arme um ihn klammerten. Web zog sich weiter auf die Straße zurück, den Jungen in den Armen. Es war nicht sehr angenehm, mit bloßen Händen auf Kevlar einzuschlagen, daher stellte der Junge die Gegenwehr irgendwann ein und sah Web an. »Ich habe nichts getan. Lassen Sie mich los!«

»Wenn du hier rumrennst, bist du tot!«, schrie Web gegen den Kampflärm an. Er hob seine blutüberströmte Hand. »Ich trage kugelsichere Schutzkleidung, und nicht einmal ich könnte da draußen überleben. Diese Munition würde dich in Stücke zerfetzen.«

Der Junge beruhigte sich, als er Webs Verletzungen sah. Web brachte ihn weiter vom Hinterhof und den Maschinengewehren weg. Jetzt konnten sie wenigstens miteinander reden, ohne sich anschreien zu müssen. Irgendetwas trieb Web dazu, die Schusswunde in der Wange des Jungen zu berühren. »Du hast schon einmal großes Glück gehabt«, sagte er. Der Junge knurrte und riss sich von ihm los. Bevor Web blinzeln konnte, hatte er sich wieselflink aufgerappelt und umgedreht und wollte über die Straße davonlaufen. »Wenn du ihnen im Dunkeln entgegenrennst«, rief Web, »ist deine Glückssträhne vorbei. Sie werden dich von der Straße pusten.«

Der Junge hielt an und drehte sich wieder um. Zum ersten Mal schienen seine Augen Web wirklich wahrzunehmen. Dann warf er einen Blick in Richtung Hinterhof.

»Sind sie tot?«, fragte er.

Statt einer Antwort nahm Web das große Gewehr von der Schulter. Der Junge wich einen Schritt zurück, als er die furchteinflößende Waffe sah.

»Scheiße, was haben Sie mit dem Ding vor?«

»Duck dich und rühr dich nicht von der Stelle«, sagte Web. Er wandte sich wieder dem Hof zu. Jetzt ertönten von allen Seiten Sirenen. Die Kavallerie ritt ein, aber wie immer zu spät. Jetzt wäre es das Klügste, gar nichts zu tun. Aber damit erreichten sie nichts. Web hatte eine Aufgabe, die er zu Ende bringen musste. Er riss einen Zettel aus dem Notizblock, den er am Gürtel trug und kritzelte hastig etwas auf das Papier. Dann zog er seine Mütze unter dem Helm hervor. »Hier«, sagte er zum Jungen. »Geh langsam die Straße zurück, ohne zu rennen. Halte diese Mütze hoch und gib den Männern, die hierher unterwegs sind, diesen Zettel.« Der Junge nahm die Sachen an. Seine langen Finger krümmten sich um den Stoff der Mütze und das zusammengefaltete Stück Papier. Web zog seine Leuchtpistole aus einer Tasche und lud sie. »Wenn ich schieße, gehst du los, langsam!«, wiederholte Web. »Du darfst auf keinen Fall rennen.«

Der Junge betrachtete den Zettel. Web hatte keine Ahnung, ob er überhaupt lesen konnte. In dieser Gegend konnte man nicht davon ausgehen, dass Kinder wenigstens das lernten, was andernorts als Minimalausbildung galt.

»Wie heißt du?«, fragte Web. Der Junge musste sich unbedingt beruhigen. Wer nervös war, machte Fehler. Und Web wusste, dass die heranstürmenden Männer alles einäschern würden, was ihnen entgegengestürmt kam.

»Kevin«, antwortete der Junge. Als er seinen Namen sagte, wirkte er plötzlich wie das verängstigte kleine Kind, das er in Wirklichkeit war. Und Web machte sich noch größere Vorwürfe, weil er den Jungen mit diesen Anweisungen möglicherweise überforderte.

»Okay, Kevin. Ich bin Web. Wenn du tust, was ich sage, wird alles wieder okay. Du kannst mir vertrauen.« Als er das sagte, wurden Webs Schuldgefühle noch stärker. Web zielte mit der Leuchtpistole in den Himmel, blickte Kevin an und nickte zuversichtlich. Dann schoss er. Die Leuchtkugel war die erste Warnung für die Männer. Der Junge mit dem Zettel wäre die zweite. Der Junge lief los. Er ging, aber in zügigem Tempo. »Nicht rennen«, schrie Web. Er drehte sich wieder zum Hinterhof um und steckte sein Infrarotsichtgerät auf die Schiene des Gewehrs und blickte hindurch.

Die rote Leuchtkugel tauchte den Himmel in einen blutroten Schein, und vor seinem inneren Auge sah Web, wie die Teams und Scharfschützen innehielten und über diese neue Wendung nachdachten. Das gab dem Jungen genügend Zeit, sie zu erreichen. Kevin würde nicht sterben, wenigstens nicht in dieser Nacht. Bei der nächsten Feuerpause stürmte Web los, rollte über den Boden und brachte das Gewehr auf dem Bauch liegend in Anschlag. Er klappte das zweibeinige Stativ herunter und presste den Kolben fest an die Schulter. Die drei Fenster direkt vor ihm waren seine ersten Ziele. Er konnte das Mündungsfeuer problemlos mit dem bloßen Auge erkennen, aber das Wärmebild ermöglichte es ihm, eine bessere Vorstel­lung von den erhitzten Silhouetten der MGs zu bekommen. Und die wollte er treffen. Die SR75 stieß ihr donnerndes Gebrüll aus, und ein Patronengurt nach dem anderen explodierte. Web lud ein neues zwanzigschüssiges Magazin nach, zielte und zog den Abzug durch, und vier weitere Maschinengewehre verstummten. Die letzte Stellung feuerte immer noch, als Web weiterkroch und eine Schockgranate warf. Dann wurde es still, bis Web die Magazine beider 45er in die Fensteröffnungen entlud, hinter denen sich nichts mehr rührte. Aus den zwei Waffen fielen die Patronenhülsen wie Fallschirmspringer aus einem Flugzeug. Als er den letzten Schuss abgefeuert hatte, brach Web zusammen und sog kostbare Luft ein. Ihm war so heiß, dass er glaubte, er würde im nächsten Moment einfach so in Flammen aufgehen. Dann öffneten sich die Wolken und entließen einen heftigen Regenschauer. Er blickte sich um und sah einen der Kämpfer, der sich vorsichtig auf den Hinterhof schob. Web wollte ihm zuwinken, aber sein Arm gehorchte ihm nicht mehr. Er hing einfach schlaff an seiner Seite.

Web betrachtete die verstreuten Leichen seines Teams, seiner Freunde, die auf dem nassen Pflaster lagen. Dann ließ er sich auf die Knie sinken. Er war am Leben, aber eigentlich wollte er es gar nicht sein. Das Letzte, woran sich Web London aus dieser Nacht erinnerte, war der Anblick seiner Schweißtropfen, die in blutig gefärbte Regenpfützen fielen.

KAPITEL 3   

Randall Cove war ein sehr großer Mann, der über enorme Körperkräfte verfügte. Außerdem verfügte er über einen bemerkenswerten Straßeninstinkt, den er im Laufe seiner langjährigen Arbeit verfeinert hatte. Er war ein Undercover-Agent des FBI, mittlerweile seit fast siebzehn Jahren. In L.A. hatte er sich in Latino-Drogenbanden eingeschleust, an der texanisch-mexikanischen Grenze hatte er mit Hispanics zu tun gehabt und in Süd-Florida mit schwergewichtigen Europäern. Die meisten seiner Missionen waren ziemlich aufregend gewesen, und gelegentlich war der Erfolg äußerst knapp ausgefallen. Im Augenblick war er mit einer 40er-Halbautomatik bewaffnet, die mit Hohlspitzgeschossen geladen war, die sich aufspreizten, wenn sie in einen Körper eindrangen. Sie konnten großen Schaden anrichten und führten mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Tod. Außerdem trug er ein Messer mit gezackter Klinge bei sich, das er dazu einsetzen konnte, blitzschnell lebenswichtige Arterien zu durchtrennen. Er rühmte sich, stets professionelle und zuverlässige Arbeit zu leisten. In diesem Moment wollten irgendwelche Ignoranten ihn als gemeinen Kriminellen verurteilen, der lebenslang eingesperrt werden sollte – oder am besten für seine furchtbaren Sünden hingerichtet werden sollte. Cove wusste, dass er in ernsthaften Schwierigkeiten steckte, und ihm war auch bewusst, dass seine einzige Möglichkeit darin bestand, sich selbst aus dieser misslichen Lage zu befreien.

Cove saß mit eingezogenem Kopf im Auto und beobachtete, wie die Männer in ihre Wagen stiegen und wegfuhren. Sobald sie an ihm vorbei waren, erhob sich Cove, wartete noch einen Augenblick ab und folgte ihnen dann. Er zog sich die Skimütze tiefer über den frisch geschorenen Kopf. Keine Rastalocken mehr, aber er hatte beschlossen, dass es an der Zeit war, sich davon zu trennen. Die Fahrzeuge hielten ein Stück vor ihm an, und auch Cove blieb stehen. Als er sah, wie die Gruppe wieder ausstieg, holte er seine Nikon aus seinem Rucksack und machte ein paar Fotos. Dann legte er die Kamera weg, zog ein Nachtfernglas hervor und justierte es. Er nickte zufrieden, als er die Männer einen nach dem anderen musterte.

Er atmete tief ein und noch einmal langsam aus. Er ließ sein bisheriges Leben vor seinem inneren Auge Revue passieren, während die Gruppe in einem Gebäude verschwand. Auf dem College war Cove eine größere und schnellere Version von Walter Payton gewesen, des Paradebeispiels des guten Amerikaners aus Oklahoma. Jedes Football-Team überschüttete ihn mit Bargeld und sonstigen Vergünstigungen. Zumindest so lange, bis Kreuzbandrisse in beiden Knien infolge eines bösen Sturzes während eines Demonstrationsspiels vor Scouts großer Vereine ihn von der überragenden Top-Position der garantierten Nummer eins auf die eines Mannes mit völlig normalen Fähigkeiten herabgestuft hatten, an dem kein NFL-Trainer interessiert war. Millionen potenzieller Dollars hatten sich von einem Moment auf den nächsten in Nichts aufgelöst, genauso wie das süße Leben, das er bis zu diesem Zeitpunkt genossen hatte. Er hatte ein paar Jahre lang Trübsal geblasen und nach Entschuldigungen und Mitleid gesucht, während er immer tiefer abgestürzt war, bis es nicht mehr tiefer ging. Dann hatte er sie gefunden. Seine Frau war ihm von Gott höchstpersönlich geschickt worden, davon war er stets überzeugt gewesen. Sie hatte seinen elenden, von Selbstmitleid zerfressenen Kadaver vor dem Ende gerettet. Mit ihrer Hilfe hatte er sich wieder aufgerichtet und sich den geheimen Traum erfüllt, eines Tages wirklich und wahrhaftig zum G-Man zu werden.

In der Bundespolizei war er von einer Abteilung in die andere gesprungen. Zu jener Zeit waren die Chancen für Schwarze noch sehr begrenzt gewesen. Cove war in die Undercover-Arbeit der Drogenbekämpfung gedrängt worden, weil seine Vorgesetzten ihm unverblümt mitgeteilt hatten, dass die meisten der »bösen Jungs« Leute seiner Hautfarbe waren. Du gehst wie sie, du redest wie sie, und du siehst wie sie aus, hatten sie gesagt. Und dem konnte er nicht einmal widersprechen. Die Arbeit war gefährlich genug, um niemals langweilig zu werden. Randall Cove hatte Langeweile schon immer gehasst. Und er schnappte während eines Monats mehr Gauner als die meisten Agenten während ihrer gesamten Laufbahn, und es waren große Fische, die wahren Verdiener, nicht die Kleingeldsammler auf den Straßen, die ständig in der Gefahr lebten, als Drogentote zu enden. Mit seiner Frau hatte er zwei wunderbare Kinder, und er dachte ernsthaft daran, sich aus dieser Welt zu verabschieden, wenn er den Boden unter den Füßen oder Frau und Kinder verlor.

Er schreckte hoch, als die Männer aus dem Gebäude kamen, in die Autos stiegen und losfuhren. Cove heftete sich ihnen wieder an die Fersen. Er hatte noch etwas anderes verloren, das er nie wieder zurückbekommen würde. Sechs Männer waren gestorben, weil er Mist gebaut hatte, weil man ihn wie einen blutigen Anfänger hereingelegt hatte. Sein Stolz war verletzt, und er ärgerte sich schwarz. Und Cove musste ständig an das siebente Mitglied des ausgelöschten Teams denken. Der Mann hatte überlebt, obwohl er eigentlich hätte tot sein müssen. Anscheinend wusste niemand, warum er überlebt hatte, obwohl das Spiel gerade erst begonnen hatte. Cove wollte dem Mann in die Augen sehen und ihn fragen: Wie kommt es, dass Sie noch atmen? Er hatte keinen Zugang zu Web Londons Akte, und wie es schien, würde er in absehbarer Zeit auch keinen dazu erhalten. Ja, Cove gehörte zum FBI, aber zweifellos war jeder davon überzeugt, dass er zum Verräter geworden war. Undercover-Agenten lebten schließlich ständig in nächster Nähe des Abgrundes, nicht wahr? Angeblich waren sie allesamt potenzielle Fälle für die Klapsmühle. Es war eine undankbare Arbeit, die er all die Jahre geleistet hatte, aber das war in Ordnung, weil er sie für sich selbst gemacht hatte und nicht für irgendjemanden sonst.

Die Autos bogen in eine Einfahrt, und Cove hielt an, machte noch ein paar Fotos und fuhr dann zurück. Das war es für diesen Abend, wie es schien. Er kehrte an den einzigen Ort zurück, an dem er sich jetzt sicher fühlen konnte, und es war nicht seine Wohnung. Als er abbog und Gas gab, schienen zwei Scheinwerfer aus dem Nichts aufzutauchen und sich in seinen Rückspiegel einzubrennen. Das war nicht gut, nicht auf einer Straße wie dieser. Cove hatte es stets nach Möglichkeit vermieden, die Aufmerksamkeit seiner Mitmenschen zu erregen. Er machte kehrt; das Auto hinter ihm tat dasselbe. Okay, jetzt wurde es ernst. Er gab wieder Gas. Sein Verfolger ließ sich nicht abschütteln. Cove griff an sein Gürtelhalfter, zog die Pistole heraus und vergewisserte sich, dass sie entsichert war.

Er starrte in den Rückspiegel und versuchte zu erkennen, mit wie vielen Leuten er es zu tun hatte. Aber es war zu dunkel, da es an dieser Strecke keine Straßenbeleuchtung gab. Die erste Kugel ließ seinen rechten Hinterreifen platzen, die zweite den linken. Während er darum kämpfte, den Wagen unter Kontrolle zu halten, kam ein Laster aus einer Nebenstraße und rammte ihn in die Seite. Wäre das Fenster geschlossen gewesen, hätte Cove sich eine schwere Kopfverletzung an der Scheibe zugezogen. An die Vorderseite des Lasters war ein Schneepflug montiert, obwohl es gar nicht Winter war. Das Fahrzeug beschleunigte und schob Coves Wagen quer über die Straße. Er spürte, dass sein Wagen umzukippen drohte, dann stieß der Laster seine Limousine über die Leitplanke, die eigentlich hier errichtet worden war, um Fahrzeuge daran zu hindern, über die steile Böschung zu stürzen, die sich auf dieser Seite der Straßenkurve befand. Der Wagen kippte um und rollte den steinigen Abhang hinunter. Beide Türen sprangen auf, während sich das Auto immer wieder überschlug und schließlich am Ende der Böschung landete und in Flammen aufging.

Der Wagen, der Cove verfolgt hatte, hielt an. Ein Mann stieg aus, lief zur verbeulten Leitplanke und blickte nach unten. Er sah das Feuer und die Explosion, als sich die Benzindämpfe entzündeten, dann kehrte er zu seinem Wagen zurück. Beide Fahrzeuge gaben Gas und verließen eilig den Schauplatz.

Unterdessen erhob sich Randall Cove langsam von der Stelle, an die er geschleudert worden war, als die Fahrertür beim ersten Überschlag aufgesprungen war. Er hatte seine Waffe verloren, und es schien, dass er sich ein paar Rippen angeknackst hatte, aber er war am Leben. Er blickte auf das, was von seinem Wagen noch übrig war, und dann hinauf zur Straße, wo die Leute davongerast waren, die ihn zu töten versucht hatten. Dann stand er und stieg mit wackligen Beinen die Böschung hinauf.

Web hielt sich die verletzte Hand, und sein Kopf schien jeden Moment explodieren zu wollen. Es war, als hätte er drei kräfti­ge Schlucke Tequila genommen und müsste sie wieder von sich geben. Das Krankenzimmer war leer. Draußen stand ein Bewaffneter, der darauf achten sollte, dass Web nichts zustieß – jedenfalls nicht mehr, als ihm ohnehin schon zugestoßen war.

Web hatte den ganzen Tag und bis tief in die Nacht dagelegen und nachgedacht, was geschehen war. Doch seit man ihn hierher gebracht hatte, war er der Antwort kein Stück näher gekommen. Webs Vorgesetzter hatte bereits vorbeigeschaut, zusammen mit mehreren Leuten von Hotel und einigen Scharfschützen von Whiskey und X-Ray. Sie hatten kaum etwas gesagt, da sie alle noch unter Schock standen und nicht fassen konnten, dass ihnen etwas Derartiges hatte passieren können. Und in ihren Augen hatte Web das Misstrauen gesehen, die Frage, was da draußen mit ihm geschehen war.

»Es tut mir Leid, Debbie«, sagte Web zum Bild von Teddy Riners Witwe. Dasselbe sagte er zu Cynde Plummer, der Frau von Cal, die nun ebenfalls zur Witwe geworden war. Er ging die Liste durch, insgesamt sechs Frauen, die er alle gut kannte. Ihre Männer waren seine Partner, seine Kameraden gewesen.

Er ließ seine verletzte Hand los und berührte damit das metallene Bettgestell. Welch armselige Wunde nach einem solchen Kampf! Er hatte nicht einen direkten Treffer abbekommen. »Nicht ein einziger verdammter Schuss hat mich getroffen«, sagte er zur Wand. »Nicht ein einziger! Ist dir klar, wie unglaubwürdig das klingt?«, schrie er den Infusionsständer an, bevor er wieder verstummte.

»Wir werden sie kriegen, Web.«

Web erschrak über die Stimme, weil er nicht gehört hatte, dass jemand in den Raum gekommen war. Aber zu einer Stimme gehörte selbstverständlich immer ein Körper. Web richtete sich ein wenig auf, bis er den Umriss des Mannes sah. Percy Bates setzte sich auf einen Stuhl neben Webs Bett. Er studierte den Linoleum-Fußboden, als wäre es eine Landkarte, die ihn an den Ort führen würde, an dem alle Antworten zu finden waren.

Es hieß, dass sich Percy Bates in fünfundzwanzig Jahren keinen Deut verändert hatte. Seine gepflegte, eins achtundsiebzig große Erscheinung hatte kein Pfund zu- oder abgenommen. Sein Haar war pechschwarz und wies nicht eine graue Strähne auf, und es war exakt genauso gekämmt wie damals, als er frisch von der Akademie gekommen war und zum ersten Mal die Büros des FBI betreten hatte. Es war, als hätte man ihn in diesem Zustand schockgefroren, und das war mehr als erstaunlich angesichts einer Arbeit, die die meisten Leute vorzeitig altern ließ. In der Bundesbehörde war er schon fast so etwas wie eine Legende. Er hatte großes Unheil unter den Drogenhändlern an der texanisch-mexikanischen Grenze angerichtet, dann hatte er im Field Office von L.A. die Westküste aufgemischt. Er hatte sehr schnell Karriere gemacht und gehörte gegenwärtig zu den Topleuten im Washington Field Office, im »WFO«, wie es genannt wurde. Er hatte Erfahrungen in allen größeren Abteilungen der Behörde gesammelt und wusste über alle internen Belange Bescheid.

Bates, der Perce genannt wurde, sprach gewöhnlich sehr leise. Trotzdem konnte er einen Untergebenen mit einem Blick schrumpfen lassen, bis man sich für jeden Quadratzentimeter des Fußbodens schämte, den man für sich beanspruchte. Man war entweder sein bester Kumpel oder sein schlimmster Feind. Wer mit dem Namen Percy aufwuchs, musste vielleicht so werden.

Web hatte schon einige der klassischen Bates-Tiraden über sich ergehen lassen müssen, als er ein direkter Untergebener des Mannes gewesen war, während seines früheren Berufslebens im FBI. Ein großer Teil der Vorwürfe war durchaus berechtigt gewesen, da Web Fehler gemacht hatte und noch Erfahrungen als Agent hatte sammeln müssen. Allerdings suchte sich auch Bates von Zeit zu Zeit einen Sündenbock, wenn etwas schief gelaufen war. Deshalb war Web auch nicht bereit, seine gedämpfte Stimme als Zeichen des Friedens und des Wohlwollens zu verstehen. Doch in der Nacht, als Web sein halbes Gesicht im Kampfgetümmel verloren hatte, war Bates einer der Ersten gewesen, die an sein Bett gekommen waren, und das hatte Web niemals vergessen. Nein, Percy Bates war keine simple Gleichung. Bates und er würden niemals enge Freunde werden, aber auch beim FBI konnte man sich gegenseitig respektieren – mit der nötigen Vorsicht.

»Ich weiß, dass Sie uns bereits die wichtigsten Fakten mitgeteilt haben, aber wir brauchen Ihre vollständige Aussage, sobald Sie dazu in der Lage sind«, sagte Bates. »Sie müssen nichts überstürzen. Nehmen Sie sich Zeit, kommen Sie wieder zu Kräften.«

Die Botschaft war eindeutig. Die Ereignisse waren für alle ein schwerer Schock. Von Bates waren keine Wutausbrüche zu befürchten. Wenigstens vorläufig nicht.

»Mehr Kratzer als alles andere«, antwortete Web murmelnd.

»Es heißt, Sie haben eine Schussverletzung an der Hand. Ihr ganzer Körper ist mit Prellungen und Schürfwunden übersät. Die Ärzte sagen, Sie sehen aus wie jemand, der kräftig mit ­einem Baseballschläger verdroschen wurde.«

»Nichts«, erwiderte Web und fühlte sich nach diesem einen Wort zutiefst erschöpft.

»Sie müssen sich noch eine Weile ausruhen. Dann nehmen wir Ihre Aussage auf.« Bates erhob sich. »Ich weiß, dass es schwer für Sie sein wird, aber wenn Sie dazu imstande sind, wäre es sehr hilfreich, wenn wir noch einmal an den Ort des Geschehens gehen und Sie uns genau zeigen, was passiert ist.«

Und wie es mir gelungen ist zu überleben? Web nickte. »Das schaffe ich schon.«

»Überstürzen Sie nichts«, wiederholte Bates. »Es wird kein Spaziergang sein. Aber wir müssen es hinter uns bringen.« Er klopfte Web auf die Schulter und ging zur Tür.

Web versuchte sich aufzusetzen. »Perce?« In der Dunkelheit war das Weiß in Bates’ Augen das Einzige, was er sehen konnte. Auf Web wirkten sie wie zwei Würfel, die sein weiteres Schicksal bestimmen würden. »Sie sind alle tot, nicht wahr?«

»Alle«, bestätigte Bates. »Sie sind als Einziger übrig geblieben, Web.«

»Ich habe alles getan, was ich konnte.«

Die Tür öffnete und schloss sich, dann war Web wieder ­allein.

Draußen im Korridor beriet sich Bates mit mehreren Männern, die genauso wie er gekleidet waren: unauffälliger blauer Anzug, weißes Oberhemd mit geknöpftem Kragen, dezente Krawatte, schwarze Schuhe mit Gummisohlen und eine große Pistole in kleinem Halfter.

»Sie wissen, dass diese Sache eine Schlammschlacht in den Medien auslösen wird«, sagte einer von ihnen. »Sie hat sogar schon angefangen.«

Bates schob sich einen Streifen Kaugummi in den Mund. Es war der Ersatz für die Winston-Zigaretten, mit denen er jetzt zum fünften Mal aufgehört hatte.

»Die Bedürfnisse von irgendwelchen Pressefritzen stehen nicht sehr weit oben auf meiner Prioritätenliste«, sagte er.

»Sie müssen die Journalisten auf dem Laufenden halten, Perce. Wenn Sie ’s nicht tun, werden sie sich alles Weitere aus den Fingern saugen. Sie glauben nicht, was darüber bereits im Internet steht! Angeblich hängt dieses Massaker entweder mit der apokalyptischen Rückkehr von Jesus zusammen, oder es hat etwas mit einer chinesischen Wirtschaftverschwörung zu tun. Wie kommen diese Leute auf so einen Blödsinn? Damit treiben sie unsere PR-Leute in den Wahnsinn!«

»Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass irgendwer den Mumm aufbringt, uns so etwas anzutun«, sagte ein anderer Mann, der im Staatsdienst grau und fett geworden war. Bates wusste, dass gerade dieser Agent seit mindestens zehn Jahren nicht mehr als den Papierkrieg auf dem Schreibtisch in seinem Büro erlebt hatte, obwohl er gern so tat, als wäre das Gegenteil der Fall. »Weder die Kolumbianer noch die Chinesen, nicht einmal die Russen würden es wagen, sich uns auf diese Weise entgegenzustellen.«

Bates warf dem Mann einen verächtlichen Blick zu. »Es geht immer um uns gegen sie. Wir versuchen immer wieder, die da draußen fertig zu machen. Glauben Sie wirklich, sie würden niemals auf die Idee kommen, es uns eines Tages heimzuzahlen?«

»Mein Gott, Perce, denken Sie doch mal darüber nach! Man hat soeben einen kompletten Trupp unserer Leute abgeschlachtet! Auf unserem eigenen Grund und Boden!«, tobte der Alte entrüstet.

Perce musterte ihn und sah einen Elefanten ohne Stoßzähne, der kurz davor stand, zu sterben und zum Festmahl für die Aasfresser des Dschungels zu werden. »Ich wusste gar nicht, dass wir Besitzansprüche auf diesen Teil von D.C. erhoben haben«, sagte Bates. Er hatte seit vorgestern nicht mehr geschlafen, was sich nun allmählich bemerkbar machte. »Ich hatte eher den Eindruck, es sei ihr Grund und Boden, den wir lediglich als Besucher betreten haben.«

»Sie wissen genau, was ich meine. Was könnte sie zu einem derartigen Frontalangriff bewogen haben?«

»Na, warum mögen sie uns wohl nicht, was meinen Sie? Vielleicht weil wir uns so hartnäckig darum bemühen, die Drogenpipeline zu verstopfen, die ihnen eine Milliarde Dollar pro Tag einbringt? Es würde mich überhaupt nicht wundern, wenn sie deswegen ziemlich verärgert sind, Sie Idiot!« Mit diesen Worten trieb Bates den Mann in eine Ecke, doch dann sah er ein, dass der Kerl viel zu harmlos war, um eine Dienstaufsichtsbeschwerde zu riskieren.

»Wie geht es ihm?«, fragte ein anderer Mann. Er hatte blondes Haar und eine rote Nase von einer Grippe.

Bates lehnte sich gegen die Wand, kaute auf dem Kaugummi und zuckte dann mit den Achseln. »Ich glaube, sein Kopf hat mehr darunter gelitten als alles andere. Aber das war zu erwarten.«

»Er hat ziemliches Glück gehabt, wie es scheint«, bemerkte der Mann mit der roten Nase. »Wir können nur mutmaßen, wieso er überlebt hat.«

Es dauerte weniger als eine Sekunde, bis Bates direkt vor ihm stand. Offenbar war er heute nicht der Stimmung, Gefangene zu machen. »Sie bezeichnen es als Glück, wenn Sie zusehen dürfen, wie sechs Leute Ihres Teams vor Ihren Augen in Stücke zerrissen werden? Ist es das, was Sie sagen wollen, Sie verdammtes Arschloch?«

»Um Himmels willen, Perce! So habe ich das nicht gemeint. Das wissen Sie doch ganz genau.« Rotnase bekam einen heftigen Hustenanfall, als wollte er Bates demonstrieren, dass er krank und nicht kampftauglich war.

Bates entfernte sich von ihm. Alle widerten ihn an. »Im Augenblick weiß ich gar nichts. Nein, das nehme ich zurück. Ich weiß, das Web im Alleingang acht MG-Stellungen ausgeschaltet hat. Und dass er einem weiteren Trupp und einem Straßenkind das Leben gerettet hat. Das weiß ich mit Bestimmtheit.«