Der Azatin: Die Rückkehr - Markus Grain - E-Book

Der Azatin: Die Rückkehr E-Book

Markus Grain

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Beschreibung

Die Zeit des Friedens und des Wohlstandes ist vorbei: In Kerandel gehen Gerüchte von umherstreifenden Räuberbanden und zwergischen Überfällen auf Karawanen der Menschen um. Der derzeitige Kaiser ist alt und schwach. Der Wettstreit um seine Nachfolge hat begonnen und bringt das Kaiserreich an den Rand eines Bürgerkriegs. Die Hoffnung des Landes ruht auf der anstehenden Versammlung des Magierbundes, zu welcher auch Vangat von Cheron, genannt "Der Azatin", geladen ist.

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Veröffentlichungsjahr: 2016

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Markus Grain

Der Azatin: Die Rückkehr

(Band 1)

 

 

 

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- gekürzte Vorschau -

Inhaltsverzeichnis

Titel

Übersichtskarte

Prolog

Kapitel 1: Bürokratie

Kapitel 2: Geld

Kapitel 3: Lernen

Impressum tolino

Übersichtskarte

Prolog

Frühjahr des Jahres 859 n. K.Die Ebene zieht an mir vorbei. Auf den Äckern rings um mich werden Mais, Weizen, Gerste, Hirse ausgesät. Hier und da sind die Felder von schmalen Zäunen oder einzelnen Bäumen begrenzt. Die sonnenverbrannten Gesichter der Bauern bleiben stur auf den Boden geheftet. Die Ochsen mühen sich mit dem Pflug und den kleinen, lachend auf ihnen reitenden, Kindern ab.Doch all das nehme ich nur verschwommen wahr. Amakuros Hufe fliegen nur so über den Schotterweg. Sein Atem bildet Wolken in der frühen Morgensonne. Mein langer, schwarzer Umhang weht hinter mir her, verschmilzt mit Amakuros pechschwarzem Fell, die Kapuze habe ich mir tief ins Gesicht gezogen. Mein Ziel ist die nächste Stadt, Beronburg. Alle Magier des Landes sollen sich dort auf Geheiß des Obersten des Magierbundes versammeln.

Der Weg mündet in eine breite, stark befahrene, steingepflasterte Straße. Das Klackern von eisenbeschlagenen Hufen teilt die Menschenmenge vor mir. Die Bauern wollen auf den Markt, um ihre Waren loszuwerden, die Händler gesellen sich zu ihnen. Vereinzelt fallen mir ein oder zwei Ritter zu Pferd mit ihrem Gefolge auf.

Sachte ziehe ich die Zügel an, bringe Amakuro in einen gemütlichen Trab. Vor mir erhebt sich die dicke Stadtmauer, mit ihren mächtigen Türmen. Das Stadttor wird von einer Gruppe Soldaten bewacht. Jeder, der ein- oder ausgehen will, wird kontrolliert. Waffen und sonstige gefährliche Gegenstände aller Art werden mit größtem Argwohn betrachtet und dann entweder für okay befunden oder konfisziert.Mittlerweile kann sich Amakuro nur noch im Schritttempo bewegen, so voll ist die Straße. Es ist wie an jedem anderen Markttag. Lauthals tönen die Warenanpreisungen durch die Straßen, ein Gemisch aus vielen Stimmen liegt über der gesamten Stadt.Amakuros Hufe treten auf die hölzerne Zugbrücke.Und schon wird eine Wache auf mich aufmerksam: "Name, Beruf, und Grund der Anwesenheit", fragt er mich monoton aus, dann fällt sein Blick auf mein prächtiges Schlachtross: "Ach ja, und die Passiersteuer.""Vangat von Cheron. Magier. Ich bin hier wegen des großen Magiertreffens." Beim Klang meines Namens weiten sich die Augen der Umstehenden. Diesen Namen hat man seit sieben Jahren nicht mehr in Kerandel gehört. Nun, da ich zurück bin, wird er bald schon wieder in aller Munde sein..."Was will ein Magier wie Sie mit einer solch prunkvollen Klinge wie der Ihren?", fordert die Wache Informationen.Er weist auf meinen, an der rechten Hüfte hängenden, Anderthalbhänder mit den goldenen Griffverzierungen."Manchmal reicht Magie eben doch nicht aus." Wieso gebe ich eigentlich einer gewöhnlichen Stadtwache Auskunft?"Führen Sie irgendwelche sonstige gefährliche Objekte, wie etwa magische Tränke und dergleichen, mit sich?", fährt er gelangweilt fort."Nein.""Stellt Ihre Waffe in Ihren Händen in irgendeiner Weise Gefahr für andere dar?""Nein", antworte ich monoton."Dann haben Sie sicher nichts dagegen, wenn ich kurz unseren Magieberater dazu befrage?""Nur zu." Wenn ich dadurch endlich in diese Stadt komme.Der Berater tritt aus einer schmalen Tür, zieht mein Schwert ein Stück weit aus der Scheide, streicht mit dem Finger über die silbrig glänzende Klinge, murmelt etwas von 'sehr gut verarbeitet' und 'etwas ungewöhnlich für einen Magier'. Wenn der wüsste, was wirklich in dieser Klinge steckt…Der Berater befindet mein Schwert für ungefährlich und verschwindet wieder."Dann dürfte ich noch um die Passiersteuer bitten", die Wache streckt die Hand aus: "Macht dann bitte zehn Gulden." Aha, daher weht der Wind also? Wie gut, dass er meinen eiskalten, bedrohlich aggressiven Blick durch die Kapuze meines Umhangs nicht sehen kann. Nur weil ich ein Pferd und ein teures Schwert besitze, soll ich Passiersteuer zahlen? Aber ich bin ja nicht umsonst Magier…Stumm lasse ich einige kleine Funken in meiner Handfläche tanzen. Sofort tritt mir die Wache mit einer leichten Verbeugung aus dem Weg: "Aber natürlich nicht für Sie", lächelt er unterwürfig und lässt mich passieren. Sogar einen schönen Tag wünscht er mir noch, während ich unter dem mächtigen Stadttor hindurchreite, eintrete in das kontrollierte Chaos der Stadt.Wie leicht diese Normalsterblichen doch einzuschüchtern sind…

Kapitel 1: Bürokratie

Direkt hinter dem Stadttor, links in einer schmalen Seitengasse, duckt sich ein Stall in den Schatten der massiven Mauern. Hier habe ich vor, Amakuro für die Dauer meines Aufenthalts unterzubringen.Ich steige ab, führe ihn an den Zügeln zum Eichenholzstalltor. Zweimal poche ich dagegen.Ein stinkender und schmutzverkrusteter Stallbursche öffnet das Tor einen Spalt breit, streckt seinen Kopf heraus."Wie kann ich dienen?", will er schläfrig wissen."Ich möchte mein Pferd für einige Tage hier unterbringen.""Wenn es länger als eine Woche sein soll, müssen Sie im Voraus bezahlen.""So lange habe ich nicht vor, zu bleiben." Dieses Treffen sollte nach drei bis vier Tagen vorbei sein."Wie lange dann?""Fünf Tage. Sie erhalten Ihr Geld pünktlich am Morgen des fünften Tages unter der Bedingung, dass ich mein Pferd wohlbehalten und gut gepflegt auffinde", stelle ich meine Forderungen."Irgendwelche Extrawünsche? Tägliche Wäsche, Spezialfutter,…", bietet er an."Nein danke. Amakuro soll sich einfach ein paar Tage in einer sauberen Box entspannen können.""Am Morgen des fünften Tages bekomme ich dann von Ihnen dreihundert Gulden.""Ich bitte um Verzeihung, habe ich gerade dreihundert gehört oder irre ich mich da? Das erscheint mir etwas teuer zu sein?""Sie können auch fünfzig Gulden vorschießen und müssen dann nur mehr zweihundert begleichen", macht er mir ein Angebot. Das klingt schon besser."Gut", ich krame in meiner Satteltasche: "Hier haben Sie fünfzig. Ich sehe Sie dann in fünf Tagen."Amakuros Satteltasche lege ich mir auf die Schultern und überreiche seine Zügel an den Stallburschen. Der lächelt mich dankbar an, verbeugt sich ehrerbietig und führt mein Pferd in den Stall. Jetzt brauche ich nur noch ein Quartier für mich selbst…Eben möchte ich mich erneut in den Trubel auf der breiten Hauptstraße stürzen, da klopft mir jemand auf die Schulter. Eine junge, männliche Stimme meint belustigt: "Für diesen Heini von Torwächter machst du dir wegen zehn Gulden die Mühe und bedrohst ihn, aber du bezahlst klaglos diesen Wucherpreis für die Unterbringung deines Pferdes? Klär mich mal über deine Logik auf." Elias freundliche Stimme dringt unter seiner dunkelblauen Kapuze hervor."Die Wache war im Unrecht, der Stallbesitzer betreibt jedoch ein ehrliches Geschäft", gebe ich sachlich zurück."Jetzt komm schon, wo bleibt mein alter Freund? Vangat, derjenige, der einmal mächtigster Magier von ganz Kerandel werden wollte? Du warst doch sonst nicht so ernst?" Meine Eisschicht bricht und eine feste Umarmung bringt mich zurück in die Tage meiner Kindheit und Jugend. Eine unbeschwerte Zeit, voller Spaß und ohne Verpflichtungen. Jeden Tag haben wir uns duelliert und dabei ganze Landstriche der Wildnis in verbrannte Ebenen verwandelt. Immer mit dem Wunsch in unseren Herzen, stärker als alle anderen zu werden."Wir haben uns viel zu lange nicht gesehen", begrüße ich ihn freudig."Muss der Winter 851/52 gewesen sein, damals in den Bergen von Hrengarof. Wir beide noch kaum achtzehn. Das waren noch Zeiten", schwärmt er, sich aus der Umarmung lösend: "Und jetzt, im Frühjahr 859 begegnen wir uns wieder in dieser Provinzstadt, kurz davor, einer Magierversammlung beizuwohnen.""Wo wir gerade dabei sind: Hast du eine Ahnung, wieso so etwas Bedeutsames hier, am Rande des Kaiserreichs, stattfindet?""Wo warst du die letzten paar Jahre eigentlich genau?", kommt es prompt interessiert zurück."Weit weg, sehr weit weg. Und trotzdem hat mich unsere Obrigkeit über dieses Treffen informiert." Sie haben mich sogar aus meiner Verbannung geholt, die eigentlich noch ein wenig länger andauern hätte sollen..."Wenn du irgendwo in Kerandel gewesen wärst, hättest du sicher mitbekommen, was los ist: Das Schicksal des Kaiserreiches steht auf des Messers Schneide. Der Herrscher ist alt, vollkommen wirr und hat keinen Nachfolger. Du kannst dir sicher vorstellen, wie der Kaiser gerade von Adligen, die um seine Gunst buhlen, damit sie anschließend seinen Platz einnehmen können, belagert wird. Die Situation im Reich ist einfach zu unstabil. Nur hier, am Rande des Reiches der Menschen, ist es ruhig genug, um solch eine Versammlung ohne Probleme über die Bühne bringen zu können.""Da hab ich aber ganz schön was verpasst?""Wenn dich Unmengen von politischen Debatten und leeres Gerede interessieren – ja. Aber sobald der Kaiser abtritt, wird die Hölle los sein. Er hat kaum einen vernünftigen Berater, Adligen oder sonst jemanden an seiner Seite, der sich um einen geeigneten Nachfolger kümmern könnte. Und jene, die es könnten, werden von denen überschattet, die aus eigenem, selbstsüchtigen Interesse der Suche nach einen rechtmäßigen Thronerben im Wege stehen. Das Ganze wird hoffentlich nur am Verhandlungstisch ausgetragen…""Also kommt das Interessante erst noch", schmunzle ich."Du wirst dich schnell entscheiden müssen. Sollte es zu einem Bürgerkrieg um die Krone kommen, will sicher keine Seite auf solch einen Magier wie dich verzichten.""Wie dem auch sei...", brumme ich: "Lust zu kämpfen habe ich definitiv keine. Und ich bin nun auch nicht jemand, der einen ganzen Krieg entscheiden kann.""Stimmt auch wieder. Aber du tanzt förmlich mit der Magie und ich habe gehört, du hast die reine Energie gemeistert?""Reine Übungssache", winke ich ab: "Außerdem ist diese 'reine Energie' wirklich nicht so schwierig.""Jetzt spiel doch nicht immer alles herab. Aber, wieso testen wir es nicht gleich direkt? Wie wär's? Wie in alten Zeiten?" Er streckt mir die Hand hin. Ein Duell…, etwas Übung kann nie schaden."Wie in alten Zeiten", antworte ich und ergreife die dargebotene Hand."Heute Abend, auf der Ebene östlich von hier.""Ich werde da sein.""Ich würde dir gerne die Stadt zeigen, unglücklicherweise habe ich aber noch etwas zu erledigen. Also wir sehen uns dann", fröhlich grinsend taucht Elias in der Menge unter.Jetzt brauche ich immer noch einen Platz zum Schlafen.Ich schlendere über den Hauptplatz, rundum befinden sich diverse Gasthäuser und Tavernen verschiedener Preisklassen. Ein Gasthof, ich schätze ihn in der mittleren Preisklasse ein, sticht mir ins Auge. Der Name 'Zum krähenden Auerhahn' sagt mir irgendwie zu. Einige runde Tische stehen unter einem Vordach, welches gleichzeitig als Terrasse fungiert, und laden zum Entspannen bei einem Gläschen Wein ein. Erschöpft von der weiten Reise lasse ich mich auf einem der Holzstühle nieder, lege die Satteltasche vor mir auf den Tisch.Einen kurzen Moment lang lasse ich den Trubel vom Markt auf dem Hauptplatz einfach an mir vorbeigehen, atme einige Male kräftig durch.Ein Kellner eilt herbei: "Was darf ich Ihnen anbieten, Sir?""Ein Glas Rotwein und irgendetwas Nahrhaftes zum Essen.""Wir hätten heute einen Bohneneintopf mit Speck im Angebot. Geht das in Ordnung?""Immer her damit.""Sir, eine kleine Bitte. Wären Sie so freundlich, Ihre Kapuze abzustreifen? Wir haben strikte Vorschriften aufgrund jüngster Ereignisse im Kaiserreich. Dient der Sicherheit. So kann niemand Probleme bekommen.""Wenn Sie meinen…", wenn sie unbedingt mein Gesicht sehen wollen…Ich streife die Kapuze nach hinten, entblöße meine halblangen, strohblonden Haare, Drei-Tage-Bart, azurblaue Augen und eine hässlich tiefe Narbe vom Hieb der Klaue eines vermaledeiten Kichernden Todes, welche quer über meine rechte Gesichtshälfte, mitten durch das Auge, weiter meinen Hals hinab, bis knapp unter das Schlüsselbein, verläuft. Mein rechtes Auge wurde nach diesem Klauenhieb von einer äußerst begabten Hexe wiederhergestellt und obendrein leicht aufgebessert. Doch der einzige äußerlich erkennbare Unterschied zum linken Auge, ist der leicht dunklere Farbton.

Beim Anblick der Narbe weicht der Kellner etwas zurück: "D-Danke S-Sir", stottert er und macht sich davon, um zwei Minuten später mit dem bestellten Glas Rotwein und dem Bohneneintopf zurückzukommen."Wie viel macht das?""A-Acht Gulden, Sir.""Hier nehmen Sie zehn und reservieren mir ein hübsches Zimmer, am besten eines mit Schreibtisch.""Wird sofort erledigt!" Er verneigt sich und schreitet in das Gasthaus.Hungrig von der langen Reise, mache ich mich über meine, wenn auch eher einfache, Mahlzeit her.

Kapitel 2: Geld

Ich nächtige billiger als mein Pferd, zweihundert Gulden für vier Nächte. Irgendwie finde ich das lustig und beginne vergnügt damit, einige Briefe zu verfassen. Einer geht an meinen Informanten in der Hauptstadt, sofern er noch dort ist nach all den Jahren. Ich würde gerne mehr über die tatsächliche politische Lage erfahren. Der zweite gilt der Hexe, welche mein Auge geheilt hat. Seitdem ist eine interessante Freundschaft entstanden. Dann wären da einige für einen Hauptmann der Kaiserlichen Armee, welcher in Nelgoro, dem Kontinenten, der in den vergangenen Jahren meine Heimat war, stationiert ist. Und der letzte ist für einen Professor an der Universität für Magie in der Hauptstadt. Er bat mich damals kurz vor meiner Abreise, ihm einige Informationen zu den Monstern in Nelgoro zu senden. Belohnung nannte er zwar keine, aber irgendetwas wird schon dabei herausspringen.Da die meisten Menschen derzeit auf dem Markt sind, ist in der Poststelle, welche in einer breiten Seitenstraße liegt, kaum etwas los. Nur zwei ältere Magier, die jeweils eine Nachricht abgeben wollen, stehen vor mir in der Schlage.Der junge Postmitarbeiter hinter dem Tresen wirkt entspannt und nimmt die Briefe mit äußerster Sorgfalt entgegen. Dann bin endlich ich an der Reihe: "Einen wunderschönen guten Morgen", wünscht mir der Mitarbeiter.Ich reiche ihm wortlos die Briefe."Normal oder per Eilkurier?" Eilkuriere sind in der Regel zuverlässiger und schneller. Aber der Kostenpunkt bei diesen Leuten…"Alle normal, nur diesen hier…", ich deute auf den Brief an den Professor: "…bitte per Eilkurier.""Gut, das macht dann dreißig Gulden, bitte." Post für einen anderen Kontinent scheint teurer zu sein, als ich gedacht habe."Äh, und ich brauche noch Ihren Namen, bitte.""Vangat von Cheron." Sein Gesicht verwandelt sich von guter Laune in reines Erstaunen."Stimmt etwas nicht?", frage ich nicht minder erstaunt."Nein, nein… Alles in Ordnung", murmelt er zur Antwort."Na dann. Auf Wiedersehen und weiterhin gutes Gelingen", wünsche ich.Gut gelaunt verlasse ich die Postfiliale und beginne, nach einem Blick auf meine Stiefel, einen Schuster zu suchen. Ich kann mich doch nicht mit diesen durchgelaufenen, angerissenen und vollkommen verstaubten Schuhen auf der Versammlung sehen lassen. Kleidung ist zwar nicht billig, aber als, wenn auch zwangsverpflichteter, Monsterjäger habe ich in Nelgoro nicht so schlecht verdient.Ich frage den nächsten Passanten nach dem Weg zu einem Schuster. Ein kräftiger Mann, ein Handwerker wahrscheinlich, zieht gerade einen Karren mit Bauholz hinter sich her. Seine Kleidung ist abgewetzt und sein sonnengebranntes Gesicht lächelt freundlich: "Immer geradeaus, wenn es anfängt zu stinken, sind Sie richtig", antwortet dieser unbekümmert."Danke", dabei fällt mir ein, es wäre doch ganz gut, unsere Obrigkeit über mein Hiersein zu informieren: "Können Sie bitte eine Nachricht von mir an den Magierbund überbringen?", ersuche ich und halte ihm fünf Gulden unter die Nase."Was soll ich ausrichten?""Sagen Sie: Vangat von Cheron ist eingetroffen", weise ich ihn an."Ach Sie sind das? Pfhu, ich weiß ja nicht, ob der Magierbund oder sonst jemand Sie so gerne hier sehen will…", meint er."Richten Sie es einfach aus", ich reiche ihm leicht genervt das Geld."Wird erledigt", ein Ausdruck unsicheren Erstaunens zeichnet sich auf seinem Gesicht ab. Er zieht von dannen, das Knarzen seiner Karrenräder verschwindet hinter der nächsten Ecke.Also immer geradeaus, bis es zu stinken beginnt.Klingt vielversprechend...Dann mal los.Das hier muss das ärmere Viertel der Stadt sein, die Bauten sind allesamt heruntergekommen und halten oft nur noch durch an der Außenmauer angebrachte Verstärkungen. Es stinkt zwar in der gesamten Stadt, doch so markant wie die Gerber- und Schusterstraße duftet hier nichts.Schwitzend sitzen Männer vor ihren Läden und bearbeiten das rohe Leder. Alle heben die Köpfe und unterbrechen ihre Arbeit, als ich an ihnen vorbeischreite. Hinter meinem Rücken tuscheln zwei Männer: "Ein Magier? Hier bei uns?""Das glaub ich nicht, muss ein Reisender sein.""Aber wer trägt denn sonst diese Kapuzenumhänge außer den Magiern. Und außerdem, hast du sein Schwert gesehen, solch ein Schwert kann sich nicht jeder leisten."Ich errege offenbar sehr viel Aufmerksamkeit, viel mehr, als mir je lieb wäre. Schnell husche ich in einen der Schusterläden, um den neugierigen Blicken zu entkommen. Eine helle Glocke verkündet mein Eintreten, und aus einer Hinterkammer schlurft der Schustermeister. Ein bereits leicht betagter Herr zwar, doch der unfertige Schuh, den er in den groben Händen hält, zeugt von größtem Geschick."Ja bitte?", brummt seine tiefe Stimme."Ich brauchte ein Paar stabile Stiefel", trage ich meinen Wunsch vor."Zum Kämpfen oder zum Reisen?", will er nach einem Blick auf mein Äußeres wissen und stellt dabei den unfertigen Stiefel in ein Werkzeugregal. Ich brauche sie zwar für beides, aber wenn ein Stiefel einen Kampf übersteht, sollte er sich für Reisen genauso eignen. "Zum Kämpfen.""Gut. Lassen Sie mich nur kurz Maß nehmen…", er kniet sich hin und vermisst."Wann kann ich sie abholen?", will ich wissen.Er steht auf und überlegt kurz: "Ich habe einige Stiefel auf Lager, irgendeiner passt Ihnen sicher. Oder ich fertige neue an. Das würde so circa drei bis fünf Stunden dauern", murmelt er."Dann fertigen Sie bitte ein neues Paar für mich an", ich möchte doch gerne Stiefel haben, die mir wirklich passen."Sie können die Stiefel morgen früh hier abholen, oder ich lasse Sie ihnen zukommen", bietet er an: "Natürlich gegen einen kleinen Aufpreis.""Ich hole sie selbst ab. Wieviel schulde ich Ihnen?""Hundertzwanzig Gulden, aber das begleichen Sie, wenn die Schuhe fertig sind. Sie werden zufrieden sein", gesteht er mir freundlich ein:"Aber nennen sie mir doch bitte vorher Ihren Namen.""Vangat von Cheron." "Ah-ja gut", er scheint etwas überrascht zu sein.Ich will mir gar nicht alles ausmalen, was sie mit meinem Namen assoziieren..., warum die Menschen aber so reagieren, kann ich mir gut vorstellen. Mein Name wird für alle Zeiten gebrandmarkt sein. Wo ich auch hingehen werde, 'Vangat von Cheron' zeugt von einer Vergangenheit, die ruhen und gleichzeitig nie vergessen werden sollte - so etwas darf einfach nicht noch einmal geschehen. Ich trete wieder hinaus auf die Straße, die Sonne beginnt bereits zu sinken. Ich sollte bald in der östlich gelegenen Ebene sein. Nachdem ich mein Geld sicher in meinem Zimmer unter einer lockeren Diele verstaut habe, mache ich mich auf den Weg.

Kapitel 3: Lernen

Wir befinden uns auf der östlichen Ebene, in weiter Ferne sind die Umrisse der Stadt zu erahnen."Nervös?", frage ich mit einem Blick auf Elias' leicht gerötetes Gesicht."Nein, nur konzentriert", gibt er sich vorbereitend zurück.Der Boden um ihn herum schlägt kleine Wellen und seine Hände verteilen Staub in der Luft. Man kann die Anspannung fast knistern hören.Auch ich bin nicht untätig. Aus meinen Handflächen fließt eiskalter Nebel, während meine Handflächen selbst von einem feinen Eiskristallfilm überzogen werden. Meine Füße stehen in einem kleinen Eisfeld.Elias macht eine kurze Handbewegung.Gerade noch rechtzeitig springe ich zur Seite, bevor ein riesiger Felsen neben meinen Füßen auf die Erde donnert.Ein Schneesturm bricht los und hüllt Elias in arktische Kälte. Seine knappe Antwort darauf: Feuer.Aus seinen Handflächen schießen Flammen, schmelzen jeden noch so kleinen Eiskristall um ihn herum. Sofort fällt mein Sturm in sich zusammen. In einem Halbkreis spurte ich, seiner Gegenattacke ausweichend, um Elias herum. Unaufhörlich verfolgen mich seine donnernden und tosenden Flammen. So verbrennt Elias schon einmal die gesamte nähere Umgebung. Dann baut sich vor mir eine Wasserwand auf, und mit dem Stoß meiner Hände fällt sie über Elias zusammen. Dieser reagiert jedoch blitzschnell, formt ein steinernes Schutzschild um sich. Rauschend spült mein Wasser an ihm vorbei.Lächelnd ramme ich meine Faust in den Boden. Rings um mich bröckelt er. Der Spalt wandert in Richtung Elias, bis sein Schutzwall einfach zerbröselt, und verläuft dann direkt zwischen seinen Beinen weiter. Im Endeffekt, genau wie von mir beabsichtigt, fühlt er sich gezwungen, den Riss im Boden zu verschließen, da ihm ansonsten ein langer und tiefer Fall bevorstünde...Während er damit beschäftigt ist, trifft ihn mein nächster Blizzard, direkt gefolgt von einer Feuerkugel, welche jedoch in einer dünnen Wasserwand erlischt."Das nenne ich mal einen Kampf", keuchen wir beide fast gleichzeitig. Die letzten sieben Jahre hatte ich nichts anderes zu tun, als überdimensionales Ungeziefer zu vernichten – was auf Dauer wirklich verdammt langweilig ist..."Und jetzt machen wir Ernst", schlägt er vor."Bin dabei", lächle ich zurück.Eine Feuerwand dick, kompakt und äußerst heiß, rast auf Elias zu. Im ersten Moment starrt er nur wie gebannt auf dieses alles in sich verschlingende und vernichtende Monster. Dann fasst er sich wieder und kontert mit einer noch größeren Wasserwelle. Immer weiter speist er sie mit neuem Wasser aus seinen Händen.Augenblicklich sattle ich um, erkenne seine Schwachstelle.Blitze knistern, sie treffen die Welle und fließen durch das Wasser direkt in Elias Handflächen. Elias, jetzt nur noch ein Spielball der Elemente, fliegt einige Meter durch die Luft. Sein Glück, dass er sich durch ein kompaktes Luftpolster auffangen kann. Kaum hat er sich erneut aufgerappelt, geht er zum Gegenangriff über: Seine Hände formen eine lockere, an die fünfzig Meter im Durchmesser betragende Gewitterwolke. Ich versuche es mit einer Gesteinswand, doch Elias Zauber zerbröselt sie einfach. Wabernd streckt dieser 'Sturm' seine Fühler aus, tastet sich an mich heran.Jetzt ziehe ich mein Schwert. Drohend schwebt die Wolke über unseren Köpfen.Das Schwert beginnt zu glühen. Große Mengen magischer Kraft, schon seit einiger Zeit gespeichert, erwachen zum Leben.Gleißend helles Licht flutet pulsierend über die Ebene.Geblendet weicht Elias einige Schritte zurück. So können ihn meine Fesseln, von aus dem Boden schießenden, steinernen Fäusten, leicht greifen und niederdrücken. Hilflos liegt er da auf der verbrannten Graslandschaft.Mein Licht lässt nicht nach, Elias soll seine Konzentration verlieren. Von seiner Gewitterwolke lösen sich wabernde Fetzen ab, die Blitze in ihrem Inneren flackern nur noch. Fast hab ich ihn. Die Steinhände lassen nicht locker. Die Wolke zerfällt immer mehr."Gibst du auf?", biete ich ihm an."Das hättest du wohl gerne", grummelt er, sich immer heftiger gegen die Fäuste wehrend. Dann lächelt er kurz.Von oben stürzt die in sich zusammenfallende Gewitterwolke auf mich herab. Nicht auf einen solchen Angriff vorbereitet, versuche ich noch, mich mit einem Hechtsprung aus der Gefahrenzone zu bringen. Doch zu spät.Die Blitze grillen mich gewissermaßen. Wassermassen stürzen über mir zusammen. Vollkommen durchnässt komme ich auf dem staubigen Boden zu liegen. Nicht in der Lage, mich schnell genug zu verteidigen, trifft mich sein Eis doppelt hart.Zur Eisstatue erstarrt, liege ich im Staub."Wer gibt jetzt auf?", mit einem knappen, kleinen, jedoch freundschaftlichen Lacher der Schadenfreude befreit sich Elias aus den zerbröselnden Fäusten.Ich frage mich, ob ich mal etwas Neues versuchen sollte? Noch schlimmer kann die Situation ohnehin nicht werden. Noch mehr schmerzhafter, als es ohnehin schon ist, wird es auch nicht.Hauchzarte Bläschen aus reiner Energie sammeln sich an meiner Haut unter der Eisschicht. Sie blähen sich schnell auf, bis ich sie lautlos platzen lasse.Was denke ich mir eigentlich dabei? Mit reiner Energie zu hantieren, verbraucht verhältnismäßig riesige Mengen an magischer Kraft. Dafür kann man sie formen, wie man möchte, ohne Regeln...Noch immer hageln Eissplitter um mich herum zu Boden. Meine Kleidung trägt einige kleinere bis mittelgroße Löcher davon, was mir im Moment vollkommen egal ist.

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Impressum

Texte © Copyright by (C) 2016 Markus Grain Aichach 43 6232 Münster [email protected] markus-grain.jimdo.com

Bildmaterialien © Copyright by (C) 2016 by Markus Grain Umschlag: Markus Grain Karte: Noah Weiß Innenillustrationen: Veronika Nothdurfter, Flora Stöger

Alle Rechte vorbehalten.

ISBN: 978-3-7393-6867-2