Der Barockmaler Joseph Wengenmayr - Leo Andergassen - E-Book

Der Barockmaler Joseph Wengenmayr E-Book

Leo Andergassen

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Beschreibung

Der Band erfasst erstmals das umfangreiche Gesamtwerk des aus Lauingen gebürtigen Malers Joseph Wengenmayr. Dieser prägte wie kein Zweiter zwischen 1747 und 1804 das künstlerische Geschehen in der Passerstadt. Zahlreiche Arbeiten wissen sich Augsburger Druckvorlagen verpflichtet. Zu seinem Oeuvre zählen Wand- und Staffeleimalereien, Altar- und Vorsatzbilder, Kreuzwege, Fahnenblätter, bemalte Kulissen und zahlreiche Andachtsbilder. Als "pictor religiosus" verkörpert Wengenmayr den spätbarocken Kunstanspruch der Stadt vor der Aufklärung. Allein in profanen Raumdekorationen greift er klassizistische Formen auf. Neu ausgewertete Quellen beleuchten zahlreiche Facetten, Leben und Wirken eines talentierten Künstlermigranten.

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Seitenzahl: 483

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Leo Andergassen

Der Barockmaler Joseph Wengenmayr

Lauingen 1724 – Meran 1804

 

 

 

Veröffentlichungen des Südtiroler Landesmuseums Schloss Tirol 3

Inhalt

Einleitung und Zielsetzung

Fortuna Critica

Biografische Angaben zu Joseph Wengenmayr

Die Familie im Spiegel der Verfachbücher

Wengenmayrs Schwiegervater: Josef Anton Prenner

Meraner Künstleraufnahmen im 17. Jahrhundert

Die Konkurrenz: Maler um Wengenmayr

Werkstatt und Werkprozesse

Signaturen und Namensschreibung

Wengenmayrs Malweise

Die Themen

Wengenmayr als Wand- und Deckenmaler

Wengenmayr arbeitet nach Paul Troger

Einflüsse aus der Druckgrafik

Der Maler im Kontext des kommunalen und adeligen Auftraggebergeschäfts

Die Bedeutung Wengenmayrs

Zeitleiste

Werkverzeichnis (WVZ)

A. Wand- und Deckenmalereien

B. Wandgebundene Leinwandbilder und Kulissen

C. Tafelmalereien

Ca. Altarblätter

Cb. Kreuzwegzyklen

Cc. Fahnenblätter und Standarten

Cd. Biblische Erzählbilder

Ce. Historienbilder

Cf. Andachtsbilder

Cg. Bozzetti und Bozzettokopien

Ch. Votivbilder

Ci. Landschaften

Cj. Porträts

D. Verschollene und verlorene Werke

E. Abzuschreibende Werke

Anhang

Quellen

Literatur

Abbildungsnachweis

Archivquellen und Abkürzungen

Einleitung und Zielsetzung

Die Themenausstellung „Zwischen Augsburg und Venedig. Die Passeirer Malerschule“ im Landesmuseum Schloss Tirol hat durchaus ein neues Licht auf die Situation der Kunst im 18. Jahrhundert im Meraner Raum geworfen. Dabei wurde die künstlerische Befindlichkeit der Passerstadt mehr oder weniger ausgeklammert. Nicht direkt mit den Exponenten der Malerschule, sehr wohl aber als entscheidender Konkurrent trat der aus Lauingen stammende Maler Joseph Wengenmayr auf den Plan. Was man bislang von ihm wusste, sind bruchstückhafte Werkzusammenstellungen und unkritische Werkzuordnungen.

Die vorliegende Veröffentlichung geht dem Leben und Wirken des Tafelmalers und Freskanten nach und hebt im Streben nach der erstmaligen Vorlage eines umfassenden Werkkatalogs zahlreiche bislang unbekannte Arbeiten ans Licht. Die archivalische Situation ermöglicht auch ein Nachspüren in den kommunalen und auch kirchlichen Quellen, welche seine familiäre Situation, sein finanzielles Gebaren und seine Auftragslage bedeutend erhellen. Man kann wohl sagen, dass damit ein erster Schritt zu einer umfassenderen Darstellung einer künstlerischen Persönlichkeit im Meraner Raum in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gesetzt wird.

Die Methode richtet sich nach einer möglichst umfassenden Analyse des Künstlers. Dabei ist der Blick auf die Herkunft unentbehrlich. Man wird auch vergeblich nach ausführlichen Biografien ortsansässiger Künstler suchen. Wengenmayr bildet darin aufgrund seines doch interessanten Gesamtœuvres einen Ausnahmefall. Die allermeisten Objekte sind vom Maler signiert und damit seiner eigenhändigen Ausführung zugewiesen.

Mit der vorliegenden Studie kann ich ein Forschungsthema abschließen, welches mich seit Jahrzehnten beschäftigt. Eine erste Objekteliste zu Wengenmayr hatte ich im Rahmen meiner Beauftragung zur Inventarisierung des beweglichen Kunstgutes in der Diözese Bozen-Brixen in den frühen 1990er-Jahren begonnen. Im Anschluss daran erfolgte die Ausarbeitung, die für mich selbst zahlreiche Überraschungen bereithielt und nun zu einer neuen Sicht des künstlerischen Könnens des Meraner Malers führt. Das Wissen um die Situation eines nach Meran immigrierten Künstlers der frühen Neuzeit wird u. a. in die 2024 ausgerichtete Themenausstellung „INTRA/EXTRA. Künstlermigration in der frühen Neuzeit“ auf Schloss Tirol einfließen, die durch ein im Herbst 2024 gemeinsam mit Hans-Paul Ties konzipiertes und veranstaltetes Symposium eine wissenschaftliche Plattform erfährt.

Eingangs habe ich all jenen Personen zu danken, welche die Zugänge zu den Quellen ermöglicht und erleichtert haben. Direktor Elmar Gobbi hatte immer ein offenes Ohr, wenn es um die Bestände des Museums Palais Mamming ging, die Recherchen in den Meraner Quellen wurden durch die beiden Archivare Eugenio Valentini und Markus Gamper unterstützt und gefördert. Im Südtiroler Landesarchiv war es möglich, die Einträge in den Verfachbüchern fotografisch zu erfassen, dafür danke ich der ehem. Direktorin Christine Roilo. Abt German Erd hat die Forschungen im Zisterzienserstift Stams unterstützt und den Zugang zum Kunstdepot ermöglicht. Das Diözesanmuseum in Brixen hat mit Direktor Peter Schwienbacher den fotografischen Zugang erleichtert, Andrea Terza hat dankenswerterweise die Fotos zum Apostelzyklus aus Dorf Tirol angefertigt.

Für das wohlwollende Verständnis, die Monografie in die Reihe der Veröffentlichungen des Landesmuseums Schloss Tirol aufzunehmen, danke ich dem Fachbeirat des Museums unter dem Vorstand von Prof. Julia Hörmann Thurn und Taxis. Damit wird ein Fokus auf die besondere Situation des Kunstaustausches im 18. Jahrhundert geworfen, der nicht unerheblich war für die weitere Entwicklung der bildenden Kunst. Für das Landesmuseum Schloss Tirol konnten 2022 auch zwei kleinere Arbeiten Wengenmayrs erworben werden, die nun auch entsprechend gewürdigt werden.

Zudem geht ein Dank an die Pfarrverantwortlichen von Hafling und Obermais, Dekan Hans Pamer und Pfarrer Albert Pixner. Sr. Cristina Irsara hat mir den Zugang zu Archiv und Bildersammlung der Congregatio Jesu (Englische Fräulein) freundlich gewährt. Regina Baar-Cantoni danke ich für die Einsicht in die Klosterchronik. Franz Baron Kripp gewährte Einblick in seine Privaträume, was für das Erfassen von Wengenmayrs Wandmalereien unabdinglich war.

Schließlich danke ich allen Kirchenverwaltern und Mesnern für die freundliche Unterstützung bei Objektrecherche und Objektzugängen. Peter Daldos, Spherea, erstellte für den Band die Abbildungen. Hermann Theiner steuerte einzelne Hinweise auf archivalische Quellen bei.

Für die Durchsicht des Quellenanhangs bin ich Harald Toniatti am Landesarchiv in Bozen zu Dank verpflichtet. Meine Anerkennung geht weiters an den Universitätsverlag Wagner, an dessen Leiter Markus Hatzer für die verlegerische Betreuung, Danijela Pavic für die Organisation der Bucherstellung und Verena Zankl für das Lektorat.

Fortuna Critica

Die Angaben zum Maler Joseph Wengenmayr sind in der Kunstgeschichte äußerst dürftig. Bereits Joseph von Lemmen beschränkte sich auf Angaben, die nur ein Marienbild betrafen, welches als Arbeit seines Sohnes Sebastian ausgewiesen wird. „Wengenmayr Joseph, Mahler zu Meran. Ein sehr brav gemahltes U. L. Frauenbild führt rückwärts folgende Aufschrift: ‚Joseph Wengen Mayr Mahler in Meran von sein Sohn Sebast. W. M. 1781 gemahlen‘. Es muss also sein Sohn Sebastian auch ein Mahler gewesen seyn, wenn es nicht etwa heißen soll: für sein Sohnn ec.“1 Hier fehlen schon Angaben, wo sich etwa dieses Madonnenbild befunden haben mag. Die Dürftigkeit der Notizen finden dann Eingang in Wurzbachs Personenlexikon und tradiert sich weiter. Beda Weber nennt „Meister Wengenmayr“ im Kontext der Beschreibung von St. Georgen in Obermais.2 Zu einer Verballhornung führte Karl Atz 1907, der den Maler kurzerhand in „Josef Wangermair“ modifizierte, ihn aber zu den „besseren Malern der Zopfzeit“ rechnete.3 In seiner 1909 in zweiter Auflage erschienenen Kunstgeschichte von Tirol und Vorarlberg kommt der Maler nicht vor.

Erste umfassende Angaben zu Wengenmayr verdanken wir Oswald Menghin, der in einem fachkomprimierten Zeitschriftenbeitrag im Burggräfler am 23. April 1910 auf den Maler verwies.4 Derselbe Text fand dann 1942 Einlass in die Alpenzeitung.5 Menghin vertiefte seine Beschäftigung mit Wengenmayr erneut in seinem Schlern-Beitrag von 1926, in den er unveröffentlichte Notizen seines Vaters Alois Menghin einfließen ließ.6 Seine Ergebnisse fanden allerdings nicht Berücksichtigung im 1930 erschienenen Band IV von Josef Weingartners Kunsttopografie Südtirols. Menghin befasst sich grundlegend mit dem Œuvre, das er erstmals in einer ausführlichen Zusammenstellung von Einzelarbeiten benennt. Insgesamt kommt er auf 14 Arbeiten, wobei er vor allem signierte und datierte Arbeiten anführt, die heute teilweise schon nicht mehr verifizierbar sind. So liest man bei ihm auch den Hinweis auf die Ausmalung der Naifkapelle, die Wengenmayr zu verdanken wäre. Die Leistung Menghins beruht auf der Mixtur von biografischen und werkbezogenen Arbeiten. Er vermerkt als Erster die schwankenden Qualitäten der Arbeiten, hebt die angestrengtere Leistung an den Altarblättern hervor, benennt die dem Maler eigenen Farbkompositionen, „zinnober- oder mennigrote und ultrablaue oder saftiggrüne Lokaltöne, die sich aber dem ganzen gewöhnlich sehr gut einfügen und seinen Werken eine gewisse, freilich etwas rustikal anmutende Lebendigkeit verleihen“7. Damit sollte er letztlich auch Recht behalten.

Biografische Notizen berühren Wengenmayrs Wohnsitz im ehemals Pußjäger’schen Haus in den Meraner Lauben (Berglauben Nr. 98, sog. „Rautscherhaus“) und die Verwandtschaft mit Josef Anton Prenner, dem Schwiegersohn Pußjägers. Als Erster vermutet er eine Herkunft des Malers aus der Gegend von Dillingen, wo Wengenmayr in Lauingen anzutreffen wären. Menghin nennt nach Einsichtnahme in die Matrikelbücher der Pfarre Meran die Kinder aus erster Ehe, die Wengenmayr am 15. Januar 1748 mit Maria Ursula Prenner einging. Am 6. November 1748 wurde Antonia Elisabeth geboren, am 15. Januar 1750 Ursula, am 26. November 1751 Anna Barbara, am 5. März 1753 Franziska Romana Rosalia und am 21. Dezember 1754 Franziska Josepha. Paten der Töchter waren der Großonkel der Ehefrau und Mutter, Norbert Pußjäger, sowie Antonie Elise von Johannsen geb. Feigenputz. Nach dem Tod seiner ersten Frau verehelichte sich Wengenmayr am 18. Januar 1757 erneut, diesmal mit Johanna Petronilla Zagler. Der Ehe entsprossen sieben Kinder, am 1. Januar 1758 Sebastian Vinzenz Ferrer, am 1. August 1759 Joseph Ignaz, am 5. Juli 1761 Maria Anna, am 21. Februar 1763 Eleonora Maria, am 30. September 1765 Maria Creszentia, am 28. August 1768 Johanna Petronilla, am 7. Februar 1771 Anna Margareth. Die von Menghin als Nachzüglerin bezeichnete, am 5. Juni 1785 geborene und zu den Kindern Joseph Wengenmayrs gerechnete Maria Elisabeth ist hingegen sein Enkelkind. Paten der Kinder aus zweiter Ehe waren der Spitalverwalter Sebastian Goldrainer und dessen Ehefrau Anna geb. Handschuher. In Vertretung übernahm 1761 der Maler Anton Schwarzl das Patenamt. Ehefrau Zagler verstarb bereits am 30. Mai 1801. Auch der Todestermin Wengenmayrs am 21. Mai 1804 wurde von Menghin erstmals kundgetan.

Zudem finden sich bei Menghin erste Angaben zum biografischen Schicksal der Kinder. Von den Kindern aus zweiter Ehe ergriff Joseph Ignaz den Beruf eines Kürschners, er verehelichte sich im Alter von 25 Jahren am 4. Mai 1784 in der Meraner Nikolauskirche mit der gleichaltrigen Maria Haller. Die Eheschließung nahm Kooperator Josef Achmiller vor, als Zeugen fungierten Anton Bernhard Schaller und der Buchbinder Joseph Herzog.8 Eine künstlerische Ehebindung ging die Tochter Johanna Petronilla ein, sie verband sich 20-jährig am 9. Februar 1791 in der Meraner Nikolauskirche mit dem um fünf Jahre älteren Bildhauer Romedius Stri(c)kner, der in Wilten ansässig war, jedoch aus Thaur stammte, zumal die Lizenz zur Eheschließung beim Pfarrer von Thaur eingeholt werden musste.9 Als Zeugen sind der Chirurg Anton Haller und der Bruder der Braut, Joseph Wengenmayr, verzeichnet. Zu Strickner findet sich in den lokalen Kunsttopografien jedoch kein Eintrag. Johanna Petronilla, die den Vornamen ihrer Mutter trug, verstarb am 25. Januar 1825. Wengenmayrs Sohn Sebastian Vinzenz Ferrer trat in die Fußstapfen des Vaters, doch gibt es zu seinem hinterlassenen Werk überhaupt keinen Beleg. Auch findet sich in den Verfachbüchern kein Hinweis auf eine unternehmerische Tätigkeit. Er dürfte noch in jungen Jahren vor Erreichung der Volljährigkeit verstorben sein, zumal er auch bei den Nachlassverhandlungen 1804 nicht mehr genannt wird. Sein Tod ist in den Meraner Totenbüchern nicht angemerkt, so dass es wahrscheinlich ist, dass ihn dieser auf seiner Gesellenfahrt ereilte.

Menghin wiederholt, wie gesagt, seine Darstellung zu Wengenmayr in einem Artikel der Zeitschrift Alpenfreund 1942 anlässlich des 220. Geburtstages des Malers.10 Dabei wird dem Künstler erstmals das Altarblatt mit der Dolorosa in der Meraner Pfarrkirche zugewiesen, auch führt er dort in reduzierter Form die biografischen Angaben an.

In Weingartners Kunstdenkmäler findet 1930 der Name Wengenmayr Einlass. Der Kunsttopograf verzeichnet Wengenmayrs Ausmalung von St. Georgen in Obermais, er nennt zudem die Ausmalung der Kapelle zu Knillenberg und das Altarblatt in der Kapelle Mair am Korn in Algund.11 Die bislang ausführlichste Werkliste ist in die 7. Auflage der Kunstdenkmäler von 1991 aufgenommen worden.12 Josef Ringler stützt sich bei der Abfassung des Artikels „Joseph Wengenmayr“ für Thieme/Beckers Künstlerlexikon auf die Ergebnisse von Menghin, bringt jedoch einzelne Ergänzungen. So führt er das in Bozner Privatbesitz befindliche Gemälde „Rebekka am Brunnen“ auf eine Vorlage von Franz Sebald Unterberger zurück.13 Auch in Ringlers Standardwerk zur barockzeitlichen Tafelmalerei in Tirol fallen die Angaben zu Wengenmayr spärlich aus.14 Hier nennt er die bereits in Thieme/Becker vorformulierte Liste und ergänzt sie durch den Hinweis auf die Ausmalung des Saales im Pfarrwidum von Untermais, ein Werk, welches für den Maler Josef Anton Puellacher in Beschlag zu nehmen sein wird.

Erich Egg bezeichnet Wengenmayr als einen „mittelmäßigen Maler, der als Eklektiker Trogers und anderer Maler Kompositionen verwendete“15. In dem 1994 erschienenen Band zur Kunst im Burggrafenamt listet Egg eine Reihe von Arbeiten Wengenmayrs auf, die allerdings lückenhaft erscheint. So ist ein 1749 datiertes Altarblatt aus der Johanneskapelle in Schenna (wohl verwechselt mit dem Nepomukblatt in Algund) nicht nachgewiesen, auch ist der Inhalt der Deckenbilder in Schloss Rubein unrichtig wiedergegeben sowie die Aussage, Wengenmayr orientierte sich nach süddeutschen Vorgaben, zu relativieren.16 Als fehlerhaft entpuppt sich die erstmals bei Egg beanspruchte Provenienz aus Leiningen, verschrieben für Lauingen, ein Fehler, der bedauerlicherweise in zahlreichen Nachfolgepublikationen Eingang finden wird.

Biografische Angaben verdanken wir bislang auch kurzen Notizen in dem von Matthias Thaler verfassten Kirchenführer von Riffian von 1979.17 Thaler vermerkt weitere Details zur ersten Eheschließung mit Maria Ursula Prenner, einer Enkeltochter Pußjägers. Trauzeuge war der Bildhauer Johannes Baptist Forster, aus dessen Werkstatt die Skulpturen am Hochaltar in Riffian stammen. Forster verstarb jedoch nur acht Tage nach der Hochzeit. Thaler veröffentlicht auch die Angaben zu Wengenmayr, welche aus den hiesigen Kirchenrechnungen eruieren: So lässt sich eindeutig die Autorschaft des Seitenaltarblattes festmachen, aber bleibt Wengenmayr als Vergolder und Fassmaler der Skulpturen am Hochaltar, gewiss auch der gesamten Altararchitektur, fassbar. Immerhin gehört der von Augustin Gratl entworfene Altar zu den herausragenden Arbeiten der barockzeitlichen Altarbaukunst. Zudem ist hier der Maler auch für die Raumfassung verantwortlich.18

1VON LEMMEN 1830, Tirolisches Künstler-Lexikon, 273. Reduziert wiederholt werden diese Angaben in: Tyrolische Künstler in alter und neuerer Zeit, in: Andreas Hofer 1879, Nr. 36, 342. Hier wird allein ein „brav gemaltes Bild U. L. Fr. von 1781“ genannt, ohne den Bezug zu konkretisieren. Auf von Lemmen bezieht sich Naglers Künstlerlexicon von 1851. NAGLER 1851, Neues allgemeines Künstler-Lexicon 21, 283. Nagler verortet das Œuvre im kirchlichen Sektor, er erwähnt allein den „Christus am Kreuze“ im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, zudem referiert er das bereits bei von Lemmen genannte Madonnenbild von 1781. VON WURZBACH 1886, BLKÖ 54, 278. Von Wurzbach geht in seiner Darstellung auch nicht über die bei von Lemmen und Nagler gebotenen Nachrichten hinaus, bezieht auffallenderweise ausführlich die Position Lemmens mit ein und übernimmt kritiklos die Auffassung der Aufschrift an der Rückseite des „sehr brav gemalten U. L. Frauenbild[es]“.

2 WEBER 1845, Meran, 118.

3 ATZ/SCHATZ 1907, Bistum Trient 4, 245.

4 MENGHIN 1910a, Die Wengenmair, 1–2.

5 MENGHIN 1910b, Die Wengenmair, 1.

6 MENGHIN 1926, Josef Wengenmair, 156–159.

7 MENGHIN 1926, Josef Wengenmair, 158.

8 PfAM, Heiratsbuch 1784–1873, fol. 1.

9 PfAM, Heiratsbuch 1784–1873, fol. 15.

10 MENGHIN 1943, Die Wengenmair, 2–3.

11 WEINGARTNER 1930, Kunstdenkmäler Etschland 4, 113 ff., 117, 222.

12 WEINGARTNER 1991, Kunstdenkmäler Südtirols 2, 1991.

13 THIEMER/BECKER 35/1942, 374.

14 RINGLER 1973, Barocke Tafelmalerei in Tirol 1, 212.

15 EGG 1972, Kunst in Tirol 2, 228.

16 EGG 1994, Kunst im Burggrafenamt, 138.

17 THALER 1979, Kirchenführer von Riffian, 14.

18 THALER 1979, Kirchenführer von Riffian, 21.

Biografische Angaben zu Joseph Wengenmayr

Nachforschungen in Lauinger Matrikelbüchern, wo Menghin den Herkunftsort des Malers vermutete, ergaben, dass Joseph Wengenmayr als zweiter Sohn des Johannes Wengenmayr und der Anna Maria Daferner (Dapherner, Taferner) am 29. Februar 1724 in der St.-Martins-Pfarrkirche von Lauingen getauft wurde.19 Als Paten fungierten Johann Martin Mayr, Sattler, sowie Anna Maria Kupfer, Kanzlistin („cancellistin“). Die Taufe nahm Johann Baptist Brandl vor. Die Eltern des späteren Malers waren Bauern. Verehelicht hatten sie sich am 18. November 1720. Der am 26. August 1691 geborene Johannes Wengenmayr war der Sohn des Martin, der wie er beruflich als Bauer („colonus“) bezeichnet wird, sowie der Barbara Baumeister. Auch die Großeltern des Joseph väterlicherseits, Anton Wengenmayr und Walburga, waren Bürger der Stadt Lauingen. Josephs Mutter Anna Maria, sie wurde am 11. März 1699 geboren, war die Tochter des Georg Daferner und der Magdalena Huez, wiederum Stadtbürger. Als erstes Kind der neuen Ehe wurde Johann Martin am 14. November 1721 getauft. Als Pate trat erneut der Trauzeuge Johann Martin Mayr auf, hier gemeinsam mit Maria Kupfer, der Ehefrau des Kanzlisten Anton Kupfer. Zumal die Taufe der Stadtdekan vornahm, muss von einer anerkannten Stellung des Paares ausgegangen werden. Bei der Verehelichung der Eltern finden wir die beiden Ratsbürger („senatores“) Johannes Brenner und Markus Schropp als Zeugen.

Dem Paar wurden weitere Kinder geschenkt. Am 16. September 1725 erhielt Joseph einen jüngeren Bruder, Anton, am 2. März 1727 in Anna Maria eine erste Schwester. Am 28. Februar 1729 wurde Johann Georg geboren. Hier findet sich erstmals bei Johannes Wengenmayr der Zusatz „Lehenrössler“, offensichtlich ein Hinweis auf einen Pferdeverleihbetrieb aus dem von ihm bewirtschafteten Gut. Am 25. Mai 1731 wurde Johannes getauft, am 19. Februar 1735 eine Maria Anna. Bei letzterem Eintrag findet sich der Hinweis auf eine Zusatzbeschäftigung Wengenmayrs, er wird als „Nierenberger Fuhrmann“ bezeichnet, was wohl alternativ zu „Lehenrössler“ zu verstehen ist, später kommt noch die Berufsbezeichnung „Krämer“ hinzu, was auf eine Warenhandels- und Transporttätigkeit, sozusagen auf einen unterschiedliche Waren befördernden Transportunternehmer schließen lässt, der auch den Personentransport einschloss. Am 16. September 1739 wird noch Anton getauft, das letzte Kind der Anna Maria Wengenmayr Kramer, welche am 26. Dezember 1739 im Alter von 43 Jahren plötzlich verstarb. Es dauerte jedoch gerade mal zwei Monate, bis sich Johannes Wengenmayr neuerlich vermählte. In zweiter Ehe verband er sich mit der aus Zöschingen (Lkr. Dillingen) stammenden Maria Eleonora Kottmann, einer Tochter des Bauern Christian Kottmann und der Maria Förchtl. Hochzeit gehalten wurde am 29. Februar 1740. Als Trauzeugen finden wir hier die beiden Senatoren Joseph Herzl und Joseph Sedlmayr.

Johannes Wengenmayr hatte nach wie vor einen angesehenen Stand in der Stadtkommune. Dem neuen Paar wurden mehrere Kinder geschenkt. Am 20. Mai 1741 wurde Maria Anna aus der Taufe gehoben, die Patenschaft übernahm das bewährte Patenpaar Mayr-Kupfer. Am 11. Oktober 1742 wurde Franz Xaver getauft, hier treten als Paten zu Johann Martin Mayr zudem Philipp Hurler, Bäcker, und Maria Anna Catharina Kupfer hinzu. Am 3. Dezember 1743 wird Maria Barbara getauft, am 26. März 1746 Maria Franziska, am 10. Mai 1748 Eleonora, am 30. Mai 1750 Franz Xaver, am 26. Mai 1752 Veronica. Taufpaten sind dieses Mal Johann Georg Hurler und Veronika Kupfer, verwitwete Kanzlistin. Das jüngste Kind, Nikolaus Xaverius, wurde am 1. Oktober 1754 getauft, hier übernimmt das Ehepaar Mayr das Patenamt. Vater Johannes Wengenmayr verstarb, versehen mit den Sterbesakramenten, am 2. März 1760 im Alter von 69 Jahren.

Aus den familiären Stammdaten wird deutlich, dass Joseph Wengenmayr seine Mutter im Alter von 15 Jahren verlor. Anna Maria Daferner konnte seinen beruflichen Werdegang nicht mehr verfolgen. Die rasche Wiederverheiratung des Vaters sorgte zwar für die Aufzucht der jüngeren Geschwister, schuf zugleich mit fortsetzendem Kindersegen aber eine durchaus neue Realität. Mag sein, dass dies Joseph Wengenmayr im Entschluss nur bekräftigte, sein Leben auf eigene Beine zu stellen. Wie das Verhältnis zu seinem Vater war, ist kaum zu belegen. Allein der Umstand, dass er keinem seiner Söhne den Vornamen des Vaters gab, könnte auf einen emotionalen Bruch hinweisen. Vater Johannes verdingte sich als Bauer, Krämer und Fuhrmann. Darin liegen keinerlei Neigungen begründet, welche offensichtlich Joseph bewogen, einen künstlerischen Beruf zu ergreifen. Aufgrund des geachteten Status in der Stadt wird Johannes Wengenmayr die Ausbildung seines Sohnes Joseph finanziell bestritten haben.

Aus seinen eigenen Bekenntnissen wissen wir, dass er seine Grundausbildung in der Malerei auf Gesellenfahrten nach Italien und Frankreich vervollkommnen konnte, auch eignete er sich bei diesen Fahrten Grundkenntnisse der italienischen und französischen Sprache an.20 Dies mag wohl der Grund dafür gewesen sein, dass sich die Enkeltochter Pußjägers, Maria Ursula Prenner, für Wengenmayr entschied, nachdem zuvor schon eine ganze Reihe von Malern bei ihr und ihrer Mutter vorgesprochen hatte. Wo Wengenmayr seine Grundausbildung genoss, lässt sich nicht bestimmen. Infrage kommen Stadtmaler in Lauingen oder Dillingen. Rechnet man einen üblichen Lehrbeginn mit 11 bis 13 Jahren, so zog sich die Lehre über sechs Jahre hin.21 Mit 17 bis 19 Jahren dürfte Wengenmayr zu seiner Gesellenfahrt aufgebrochen sein, die ihn nach eigenen Angaben nach Italien und nach Frankreich führte. Gerade die Italienreise unterlag einem individuellen Charakter, sie stand seit der Renaissance unter dem Aspekt der Akademisierung der Ausbildung.22 Im Alter von 23 Jahren befand sich Wengenmayr bereits als fertiger Maler in Meran. Lauingen war im 18. Jahrhundert eine aufstrebende Stadt, die sich nach den Besetzungen durch Kurbayern 1702 und der Zerstörung der Donaubrücke durch die zurückziehenden Franzosen nach der verlorenen Schlacht bei Höchstädt sowie auch nach der sich wiederholenden Einquartierung fremder Truppen allmählich erholen konnte. Der Aufschwung der Stadt zeigt sich äußerlich in der Renovierung der Augustinerklosterkirche 1716/17 und dem daran sich anschließenden Neubau des Klosters, in der Barockisierung der St.-Andreas-Kirche sowie der Vergrößerung und Neuausstattung der Leonhardikirche. 1742 gelangte Lauingen auf dem Erbweg an die wittelsbachische Linie Pfalz-Sulzbach. Die Turbulenzen des Erbfolgekrieges machte aus Lauingen ein Feldlager für Franzosen und Ungarn. 1755 kam es zu einer Beschneidung alter kommunaler Rechte durch die „Normalinstitution“ von Kurfürst Carl Theodor. 20 Jahre später wurde Lauingen dem Kurfürstentum Bayern einverleibt, in der Folge entstand nach 1780 ein neues Rathaus. Wirtschaftlich bedeutsam war die Errichtung des kurfürstlichen Salzlagers 1784, von dem aus Salz in wöchentlichen Schiffsladungen nach Wien gebracht werden konnte.

August Geiger-Thuring, Stadtvedute von Lauingen, um 1890. Bozner Kunstauktionen Dezember 2021 (Los Nr. 719).

1734 kam Johann Anwander in die Stadt, dem Staffeleibildaufträge für die Kollegienkirche in Dillingen anvertraut worden waren.23 Anwander hatte gerade seine Ausbildung abgeschlossen und begann seine Karriere. 1740 ehelichte er Maria Franziska Seser, eine Tochter des Lauinger Ratsherrn Johann Kaspar Seser. 1739 wurde ihm das Bürgerrecht zuerkannt. Sein Haus lag in der Herzog-Georg-Straße 21 in unmittelbarer Nähe des Schimmelturms. Denkbar, dass der junge Joseph Wengenmayr, der als Sohn eines Bauern und Gewerbetreibenden einen ausgeprägten Sinn für alles Bildnerische an den Tag legte, in seiner Geburtsstadt zu Anwander in die Lehre ging. Hinweise auf Anwander lassen sich etwa aus dem Wengenmayr’schen Altarblatt in Tall/Verdins ablesen, an dem die Wiedergabe der Wetterheiligen sehr an die Ärztepatrone Kosmas und Damian im Dillinger Jesuitenkonvent erinnert. Die anzudenkende Lehrzeit bei Anwander wäre ab 1737 plausibel. 1737 schuf Anwander die Decken- und Altarbilder in der Pfarrkirche St. Quirin in Ammerfeld in Rennertshofen. Von 1740 bis 1743 arbeitete Anwander an den Altarbildern für St. Leonhard am Ried, wo er das Hochaltarblatt und die Seitenaltarbilder malte. Zumal 1747 in St. Quirin in Ammerfeld der auch in Tirol arbeitende Maler Joseph Adam Mölck an den Kreuzwegstationen beschäftigt war, einer Kirche, in der Anwander bereits 1737 die Wand- und Deckenbilder geschaffen hatte, wäre ein Hinweis auf Tirol als fruchtbares Arbeitsgebiet gerade von dieser Seite aus denkbar. Immerhin hatte Mölck zu diesem Zeitpunkt bereits in St. Johann in Tirol gearbeitet.24 Später sollten, von kleineren Arbeiten abgesehen, im südlichen Tirol die Deckenmalereien in der Wallfahrtskirche Maria Weißenstein, in der Wallfahrtskirche Maria Trens, der Deutschordens-Pfarrkirchen von Schlanders und Sterzing sowie der Propsteikirche in Ehrenburg folgen. Mölcks Tätigkeit erstreckt sich bis in die kleine Adelpret-Kapelle am Augustinerchorherrenstift St. Michael an der Etsch.25

Eine Engbeziehung zu Anwander scheint trotz gelegentlicher Parallelen nicht gegeben. Anwander selbst hatte sich in der anzunehmenden Lehrzeit Wengenmayrs noch nicht etabliert, sein künstlerischer Durchbruch ist erst ab den 1750er-Jahren zu verzeichnen und geschieht außerhalb von Lauingen, in Bamberg beispielsweise, wo er die Deckenbilder im Erzbischöflichen Palais oder 1755 die Fassade des Rathauses freskierte.26 Anwanders Werdegang lässt sich auch nicht exakt nachzeichnen, vor allem bleibt seine erste künstlerische Ausbildung im Dunkeln. Maßgeblichen Einfluss nahm darauf jedenfalls der katholische Teil der Augsburger Akademie, namentlich Johann Georg Bergmüller (1688–1762), marginal auch Matthäus Günther (1705–1788). In Lauingen arbeiteten in dieser Zeit außerdem die Maler Franz Karl Karpf und Johann Wilhelm Schreiner, beide waren um 1731 in St. Leonhard beschäftigt.

Wengenmayr hielt sich zumindest schon seit 1746 in Tirol auf. Künstlermigration aus dem deutschen Süden zählte seit dem Spätmittelalter zur geläufigen Praxis, die im 16. und 17. Jahrhundert nicht zuletzt durch Bevölkerungswachstum und Pestwellen motiviert war.27 So stellten am Fallbeispiel Brixen im Zeitraum von 1500 bis 1709 insgesamt 8,5 Prozent der neuen Bürgeraufnahmen neue Zuwanderer aus Bayern, Franken, Baden, Schwaben, Elsass, Vorarlberg und der alemannischen Schweiz. In diese Zeit fällt sein Gesuch um Aufnahme als Maler in Meran.28 Dass er zuvor mit dem Vinschgau Kontakt hatte, vor allem mit Naturns, legt sein Kontakt zu Anton Widenplazer nahe, dem Gerhab seiner Braut, die zum Zeitpunkt der Eheschließung das 21. Lebensjahr noch nicht vollendet hatte. Zum Gerhab bestimmte ihn die Brautmutter am 17. Februar 1748, also wenige Tage nach der Eheschließung.29 Zum Zeitpunkt seines ersten Gesuchs um Aufnahme in der Passerstadt gab er an, sich dort bereits ein halbes Jahr aufgehalten zu haben. Insofern ist anzunehmen, dass er sich bereits 1746 in Meran niedergelassen hatte. Die Wahl Wengenmayrs, Tirol zum Wirkungsort werden zu lassen, fußt möglicherweise auch auf den ihm gewiss bekannten Beauftragungen augsburgischer Maler wie Johann Georg Wolcker (1700–1766) und Matthäus Günther (1705–1788), welche in den 1730er-Jahren mit der Ausmalung der Stiftskirchen von Stams und Neustift Grundmarken für die weitere künstlerische Entwicklung der barocken Deckenmalerei geleistet hatten. Doch wäre auch an die Brüder Asam zu denken, Cosmas Damian Asam (1686–1739) und Egid Quirin Asam (1692–1750), deren tirolisches Hauptwerk in der Innsbrucker Jakobspfarrkirche (heute Dom) noch in die 1720er-Jahre fällt.

Die Anfrage auf Inwohneraufnahme erfolgte 1747 (vgl. Qu1). Im Bewerbungsschreiben erinnert Wengenmayr an seine Gesellenfahrten nach Frankreich und Italien, welche ihn nebst den entsprechenden Sprachkenntnissen wohl gegen seine Mitbewerber um die Stelle des Stadtmalers bevorzugt haben mochten, was nicht zuletzt von der Witwe des Malers Prenner, Ursula Pußjäger, so erkannt wurde. Im Ranking um die begehrte Heirat konnte sich Wengenmayr gegen den Maler Johann Paul Fäber (Faber) durchsetzen, der noch vertraglich an das Stift Stams gebunden war.30 Nicht auszuschließen ist, dass Fäber mit Arbeiten in der Pfarre Mais beschäftigt war. Erfolglos bemühten sich Joseph Anton Auer (1720–1750), Franz Anton Scopoli († 1766) und Hieronymus Peteffi (1714–1805) um die entsprechende Akkreditierung. Zu Maler Fäber ist nichts weiteres bekannt.31

Stellt man die biografischen Eckdaten Wengenmayrs neben jene Anwanders, der sich in Lauingen etablierte, so ergibt sich folgendes Szenario: Anwander konnte sich, anders als Wengenmayr, in der weiteren Peripherie bedeutende Aufträge sichern, was durch fehlende finanzkräftige kirchliche Auftraggeber im südlichen Tirol nicht aufgewogen werden konnte. Gerade der großflächige Umbauboom im Bistum Augsburg sicherte den Künstlern ein breites kirchliches Betätigungsfeld. Doch war Wengenmayr vergleichbar der Situation Anwanders in Lauingen für die Passerstadt der maßgebliche Stadtmaler. Gerade das Fehlen von Aufträgen in der Deckenmalerei lässt Wengenmayr hauptsächlich in seinen Staffeleimalereien hervortreten. Allein der Blick in sein Hauptwerk, die Ausstattung von St. Georgen in Obermais, wirft ein erhellendes Licht auf die Qualitäten des Malers auch als Wand- und Deckenmaler. Man gewinnt dabei durchaus den Eindruck eines renommierten Wand- und Deckenmalers.

Meran bot überdies neben der aktuellen Möglichkeit der Werkstattübernahme zusätzliche emotional wirkende Faktoren, die dem jungen Wengenmayr die Wahl des neuen Lebensmittelpunktes leichter machten. Die Stadtpfarrkirche von Lauingen war als spätgotischer Bau ebenfalls dreischiffig angelegt wie die Meraner Nikolauskirche, deren Turmabschluss wiederum einem Vergleich zu den augsburgischen Lösungen in Lauingen standhielt. Der in Meran wirksame Einfluss der Kapuziner war Wengenmayr aus der ihm nahen Stadt Dillingen bekannt. Zusätzlich boten beide Siedlungen einen vergleichbaren sozialen und künstlerischen Aufstieg.

Johann Benedikt Auer, Stadtvedute von Meran, 1756. Meran, Palais Mamming, Kupferstich.

Wohnhaus Wengenmayr unter den Meraner Lauben, Detail aus der Stadtvedute von Johann Benedikt Auer, 1756.

Wengenmayr ließ sich bereits von Anfang an häuslich im Anwesen seiner Braut, dem sog. Pußjägerhaus (Rautscherhaus) in den Meraner Berglauben nieder. Wie das Hauswesen organisiert war, entnehmen wir dem Theresianischen Kataster, der 1775 abgefasst wurde. Dem Maler und seiner Familie stand gemäß seiner Eigenerklärung ein Haus mit Stube, Küche, mehreren Kammern, einem Keller und einer kleinen Torggel zur Verfügung. Anbei lag der kleine Garten in den Ausmaßen von drei Klaftern und acht Schuh, in dem auch Reben gepflanzt waren. Dass Wengenmayr ansonsten noch einen Weingarten in der Naif besaß, geht aus weiteren Nachrichten hervor. Er dürfte seinen Hauswein in der hauseigenen Torggel hergestellt und im Keller gelagert haben. Die Behausung Wengenmayrs grenzte zunächst an die Stadtgasse, wie die Laubengasse genannt wurde, weiters an das Anwesen von Adam Langenmantel, zudem an jenes von Franz Thaddäus Häusler und an die Verdorfer’sche Leiten, wie die an den Hängen des Küchelberges liegende Parzelle genannt wurde. Grundherr der Behausung war das Kellenamt in Meran; diesem sowie der Pfarrkirche und dem Klarissenkloster hatte Wengenmayr alljährlich zu zinsen, dem Kellenamt schuldete er das Angelgeld, den kirchlichen Institutionen je 1 Gulden (vgl. Qu37).

Der heutige Bestand des aus zwei Fensterachsen bestehenden dreigeschoßigen Hauses in den Berglauben 98 lässt das ursprüngliche Anwesen kaum mehr erkennen. Nach Wengenmayr kam es bekanntlich zur Teilung, was zu einem Auseinanderklaffen des vorderen Hauses in der Laubengasse und des ehem. rückwärtigen Wirtschaftsgebäudes führte, wo der Maler wohl auch seine Werkstatt hatte. Straßenseitig ist das Erdgeschoß in einem breiteren und zwei schmaleren Rundbögen geöffnet. Durch die Ladennutzung ist das Erdgeschoß gänzlich verbaut. Aus der Stadtansicht von Johann Benedikt Auer (1722–1792) geht hervor, dass vor dem Haus ein Stadtbrunnen stand, der gewiss die Wasserführung erleichterte. In nächster Nähe stand auch das Städtische Schulhaus, in dem die Knaben unterrichtet wurden. Zum Rathaus der Stadt, das in den oberen Wasserlauben stand, waren es auch nur wenige Meter Wegstrecke.

Die Heirat mit Maria Ursula Prenner legte den Grundstock zur Familienbildung. Die Trauung fand am 15. Jänner 1748 in der Stadtpfarrkirche St. Nikolaus statt, der Zeremonie stand der Kaplan Johannes Dominikus Wenter vor, als Trauzeugen fungierten der Bildhauer Johannes Baptist Forster und Jakob Gufl. Es wurde schon darauf hingewiesen, dass Forster den Maler Joseph Wengenmayr aus der Zusammenarbeit am Hochaltar in Riffian kannte. Wengenmayr wird im Trauprotokoll als „pictor juvenis“ geführt, er war sozusagen ledigen Standes und Maler, ein Hinweis auf seine Herkunft fehlt. Die Ehe mit Maria Ursula Prenner währte nur sieben Jahre. Sie verstarb, versehen mit den Sterbesakramenten, am 2. Februar 1755 in Meran und wurde im Pfarrfriedhof beigesetzt, den Kondukt leitete Kooperator Johannes Nikolaus Purtscher.32 Eine Todesursache ist nicht angegeben. 1749 war ihre Großmutter Ursula Puell, Witwe Pußjäger, verschieden, am 23. Oktober 1752 deren Sohn Joseph, der im Sterbebuch auch mit der Berufsbezeichnung „pictor“ und zugleich als Witwer angeführt wird. Damit erlosch die Pußjäger’sche Werkstatttradition.

Aus den Taufbüchern lassen sich folgende Kindsgeburten des Paares eruieren. Antonia Elisabeth wurde am 6. November 1748 von Kooperator Joseph Glazl getauft.33 Bereits bei dieser Taufe hatten der Großonkel der Getauften, Norbert Pußjäger, Prälat des Prämonstratenserstiftes Wilten, und Antonia Elisabeth Johannser geb. Feigenputz die Patenschaft übernommen. Es ist nicht davon auszugehen, dass der Abt von Wilten persönlich bei der Taufe anwesend war, es stand wohl nur die Patin am Taufbrunnen. So greift auch die Wahl des Taufnamens den Vornamen der Patin auf.34 Maria Ursula wurde am 15. Jänner 1750 von Kooperator Johannes Dominikus Wenter in der Stadtpfarrkirche getauft. Der Vorname des Kindes lehnt sich dieses Mal an jenen der Mutter an. Die Paten bleiben wie bei den nachfolgenden Geburten dieselben. Anna Barbara wurde am 26. November 1751 von Kooperator und Pfarradministrator Mathias Leonhard Veith getauft,35 Franziska Romana Rosalia von Kooperator Georg Benedikt Feyrtag am 5. März 1753. Franziska Josepha erhielt durch den Kooperator Nikolaus Purtscher am 21. Oktober 1754 das Initiationssakrament.36

Die Eheschließung mit Johanna Petronilla Zagler fand am 18. Jänner 1757 statt, die Zeremonie leitete der Pfarrmusicus Anton Gluderer. Als Zeugen fungierten Johannes Siller und Sebastian Goldrainer.37 Mit dem Spitalverwalter Sebastian Goldrainer verband Wengenmayr wohl eine engere Freundschaft, er sollte auch zusammen mit seiner Ehefrau Anna Handschuher die Patenschaft für die aus der zweiten Ehe entspringenden Kinder übernehmen. Für das Spital hatte Wengenmayr bereits im Frühjahr 1755 Arbeiten am Heiligen Grab übernommen.

Das erste Kind aus der neuen Ehe war Sebastian Vinzenz Ferrer, der am 3. Jänner 1758 getauft wurde.38 Wiederum übertrug der Pate seinen Vornamen auf das Taufkind, die Beifügung des Namens Vinzenz Ferrer verweist auf eine dominikanische Frömmigkeit, war doch der Dominikanerprediger 1455 zur Ehre der Altäre erhoben worden. Das Patenpaar blieben bis auf eine Ausnahme auch bei den nachfolgenden Taufen die Referenzpersonen. Joseph Ignaz Wengenmayr wurde von Kooperator Christoph Ambros am 1. August 1759 getauft,39 Maria Anna am 5. Juli 1761 vom Hilfsgeistlichen Christoph Anton Hauser.40 Dieses Mal ließ sich Goldrainer vom Maler Anton Schwärzl vertreten, den wir bereits als Antragsteller um das Bürgerrecht von 1728 kennen. Eleonora Anna erhielt am 21. Februar 1763 durch Kooperator Dr. theol. Joseph Stecher das Taufsakrament gespendet,41 Maria Crescentia erhielt am 30. September 1765 durch Kooperator Johann Jakob Asam die Taufe.42 Johanna Petronilla, das vorletzte Kind aus zweiter Ehe, wurde am 28. August 1768 von Kooperator Nikolaus Patscheider getauft.43 Die jüngste, Anna Margaritha, wurde am 7. Februar 1771 von Kooperator Joseph Joachim Plazer getauft.44

Wengenmayrs Sohn Joseph Ignaz ehelichte am 4. Mai 1784 mit 25 Jahren die gleichaltrige Maria Haller, die Kopulation nahm der Hilfsgeistliche Joseph Markus Achmiller vor. Als Zeugen traten hier Anton Leonhard Schaller und Joseph Herzog, Buchbinder, auf. Aus der Wahl der Trauzeugen wird ersichtlich, dass sich Joseph Ignaz Kollegen aus den Berufsständen aussuchte. Die Tochter aus dieser Ehe, Maria Elisabeth, wurde am 5. Juni 1785 von Zeno Lamprecht getauft. Als Paten treten hier der Schneidermeister Johannes Psenner und dessen Ehefrau Agatha Ilmer auf.45

Angaben zur konfessionsgebundenen Kirchlichkeit Wengenmayrs lassen sich ebenso finden. Die Grundeinstellung im Haus Wengenmayr war eine zutiefst fromme, so dass die Entscheidung für ein Leben im Kloster, welches zwei seiner Töchter aus erster Ehe in Betracht zogen und von einer auch verwirklicht wurde, vor diesem Hintergrund zu sehen ist. Am 3. Oktober 1767 trat Wengenmayr zusammen mit seiner zweiten Ehefrau Johanna Petronilla der St.-Barbara-Bruderschaft der Binder in Meran bei.46 Anstelle des Eintrittsgeldes hatte er ein Fahnenblatt für eine neue Bruderschaftsfahne gestellt. Diese hatte in der Barbarakapelle nahe der Pfarrkirche ihren Bruderschaftsaltar, beanspruchte mehr oder weniger die Kapelle als einen ihr zugewiesenen Andachtsort. Für den Barbaraaltar hatte Matthias Pußjäger die Altarblätter geschaffen, für den Immaculataaltar das Auszugsblatt. Es war zwar die Bruderschaft der Binder, die eigentlich Papst Urban I. zu ihrem Patron hatte, der ja auch zusammen mit Barbara am gemalten Frontispiz des 1787 neu angelegten Bruderschaftsbuches erscheint, doch Barbara wurde gerade und nicht zuletzt in räumlicher Nähe zum Friedhof als Sterbepatronin verehrt. Auch besorgte sich Wengenmayr einen Kirchenstuhl in der Pfarrkirche St. Nikolaus, den er von der Familie Rimbl übernehmen konnte.47 Aus den Kirchpropstrechnungen sind nur drei Aufträge für Wengenmayr zu eruieren. 1796 fasste er die beiden Reliquienschreine für die Katakombenheiligen Telius und Paulanus, die sich einmal auf Altären im Chor der Pfarrkirche befanden, heute jedoch in der Barbarakapelle aufgestellt sind. Wengenmayr bewerkstelligte die Fassung, Tischler Georg Weger hatte die Herstellung bestritten.48 1788 arbeitete er an einem neuen Heiligen Grab, welches er zusammen mit dem Tischler Weger verwirklichte.49 Hier trat er auch in die Sukzession von Matthias Püßjäger, der bereits 1714 ein Heiliges Grab erstellt hatte. Die Arbeiten Wengenmayrs fallen exakt in die Jahre der strengen Reformen unter Joseph II., der das Aufstellen ausladender „macchinae“ untersagt hatte. Wir haben uns demnach eine sicherlich einfache Lösung eines Kulissengrabes vorzustellen, die für den neuen Hochaltar von Jakob Ulrich Pirchstaller (1755–1824) und Martin Knoller (1725–1804) gedacht war, wohl nur eine Lösung mit ausgeschnittenen Bretterfiguren, wie sie noch in den 1790er-Jahren von Joseph Schöpf (1745–1822) für die Pfarrkirche von Kaltern verwirklicht werden konnte.

Die Arbeiten für die Pfarrkirche St. Nikolaus halten sich ansonsten in Grenzen. Anlässlich der Trauerfeierlichkeiten für den Churer Fürstbischof Joseph Benedikt von Rost (1729–1754), der am 12. November 1754 im Alter von 58 Jahren verstorben war, bemalte er das Castrum doloris, zu dem zwei große Wappenschilde sowie acht Totenköpfe gehörten. Wengenmayr nahm als Bezahlung die Summe von 3 Gulden und 6 Kreuzer entgegen. Dabei handelte es sich gewiss nur um eine Scheintumba, welche von den Wappen überragt und den Capita mortuorum umstellt war. Mit Rechnung vom 4. März 1767 stellte er die Produktion von zwei Fastenbildern für die Pfarrkirche in Rechnung. Als Sujets dienten der Ecce Homo und die Dolorosa. Offensichtlich waren diese Andachtsbilder an Seitenaltären eingesetzt. Die Rahmen der beiden Bilder vergoldete Maler Josef Ignaz Strobl. Der Preis für die Vergoldung überstieg bei Weitem die Auslage für die Herstellung der Ölbilder und der Holzrahmen.

Selbstzeugnisse des Malers fehlen. Charakterliche Eigenschaften sind aus den Quellen genauso wenig zu erschließen. Wenn es sich nicht um eine bloß anständige, gefühlsleere Formel handelt, so zeigt der Hinweis auf den „kindlichen und gezimbend“ gebotenen Dank anlässlich der Ausstellung des Heiratsvertrags mit Maria Ursula Prenner eine gefühlte Dankbarkeit der Schwiegermutter gegenüber an. Die Sorge um seine Kinder liest sich aus den realitätenbezogenen, in den Verfachbüchern hinterlegten Verhandlungen. Jedenfalls war Wengenmayr nicht ausschließlich ein Jünger der schönen Künste, er wusste sich auch im rauen Alltag einer unmerklich prosperierenden Wirtschaftlichkeit Merans in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu behaupten.

An Wengenmayr haftet der Ruf, auch persönlich fromm gewesen zu sein. Zwei seiner Töchter aus erster Ehe vernahmen den Ruf für ein Klosterleben. Ob die persönliche Frömmigkeit es war, die zu den zahlreichen kirchlich gebundenen Aufträgen führte, können wir nicht mehr nachweisen. Dahinter dürfte aber die Auffassung des „pictor christianus“ stecken, wie sie vom Tridentinum als Voraussetzung für die Schaffung religiöser Bilder postuliert wurde. Der Charakter des Malers zeigte sich in seinem Werk, der Maler müsse selbst religiös fühlen und denken, damit seine Bilder eine entsprechende Andacht erwecken könnten. Damit stellt sich Wengenmayr zunächst bruchlos in die Pußjäger’sche Familientradition, in der zahlreiche geistliche Berufungen zu konstatieren sind. Nikolaus Auer, der Begründer der Passeirer Malerschule, stand unter dem Einfluss geistlicher Begleitung des Kuraten Michael Winnebacher (1656–1742), der sich selbst als verantwortlicher Seelsorger um die Gründung zweier Bruderschaften bemüht hatte. Auch unter den süddeutschen Malerkollegen finden sich Exempel vorbildhafter Frömmigkeit.50 Maria Anna Theresia, die Tochter von Cosmas Damian Asam, entschloss sich für das Klosterleben. Zusammen mit seinem Bruder Egid Quirin stiftete Cosmas Damian Asam die Nepomuk-Kirche in München. Johann Evangelist Holzer hatte sich selbst um eine Aufnahme in die Benediktinerabtei Marienberg bemüht. Vier von fünf Kindern von Johann Georg Bergmüller entschieden sich für den geistlichen Stand. Christoph Thomas Scheffler (1699–1756) war vor dem Beginn seiner künstlerischen Laufbahn in den Jesuitenorden eingetreten und hatte nach seiner Entlassung auch für andere Ordensgemeinschaften, wie den Deutschen Orden, mehrere Benediktinerklöster und für die Dillinger Franziskanerinnen, gearbeitet. Auch Johann Degler (1667–1729), aus Villnöß gebürtig und beim Hofmaler Andreas Wolff (1652–1716) in München ausgebildet, trat in seinen letzten Lebensjahren in eine engere Beziehung zum Benediktinerstift Tegernsee, in welches er sich einpfründete, in denen er die tägliche Frühmesse besuchte und an den klösterlichen Mahlzeiten teilnahm.51 Der Blick auf das Œuvre zeigt aber, dass sich Wengenmayrs Frömmigkeit jenseits einer ekstatisch vorgetragenen euphorischen Himmelsvision bewegte. Der Maler bevorzugte das narrativ angelegte religiöse Historienbild und das Andachtsbild, gelegentlich religiös auszudeutende Allegorien und Heiligenbilder.

In seinen älteren Tagen arbeitete Wengenmayr in Meran zugleich als Postbeamter, was auf ein nachlassendes Auftragsgeschäft schließen lässt. Im Testament, in welchem er seine ihn pflegende Tochter Anna Margareth besonders bedachte, unterzeichnet er mit „k. k. Postverwalter in Meran“, auch zuvor wird er als „Postrepetitor“ bezeichnet. Demnach behielt er diese kommunale Aufgabe bis zu seinem Tod bei. Die Agenden der Post wurden im 18. Jahrhundert durch die Stadt Meran gefördert. So war der Dienst des Postwesens in einem eigenen Raum im Rathaus der Stadt eingerichtet worden.52 Der ab 1747 amtierende Posthalter in Meran war Gabriel Schwarzl. Der von Wengenmayr gebotene Dienst war demnach eng an den Rat der Gemeinde gebunden. Der Dienst im Kontor ließ genügend Zeit, auch noch künstlerisch tätig sein zu können. Bei Schwarzl dürfte es sich um einen Anverwandten des Malers Antoni Schwarzl gehandelt haben, der in den Meraner Quellen immer wieder vorkommt. Ein engeres soziales Band ist damit gegeben.

Joseph Wengenmayrs Tod findet in den Meraner Matrikelbüchern einen nur knapp verfassten Niederschlag. Er verstarb am 21. Mai 1804 im 81. Lebensjahr, zuvor hatte er, dem kirchlichen Brauch folgend, die Sterbesakramente empfangen. Den Begräbniskondukt führte Kooperator Josef Plangger an, als Todesursache wird im Totenbuch der Pfarre „Entkräftung“ angegeben.53 Wengenmayrs Ehefrau Petronilla Zagler war bereits 68-jährig drei Jahre zuvor am 30. Mai 1801 am „Prant“, also an Gangrän (periphere arterielle Verschlusskrankheit), ihm im Tode vorausgegangen. Das Begräbnis leitete Kooperator Seraphin Burtscher.54 Der Pfarrer und Dekan behielt sich gesellschaftshierarchisch relevante Beerdigungen vor, was in diesem Fall nur als Hinweis darauf gesehen werden kann, dass der Stern des Malers bereits gesunken war. Auch bot die politisch angespannte Situation 1804 gewiss keinen Rahmen für barocke Exequien. Insofern spricht die Form der Beisetzung von Maler Wengenmayr nicht mehr von einer herausragenden kommunalen Wertschätzung, welche gewiss die liturgische Begleitung durch den Pfarrer selbst gefordert hätte.

Als letztes Begräbnis ist jenes der Tochter aus zweiter Ehe, Eleonora Wengenmayr, angeführt, die am 23. Jänner 1827 an Lungensucht verstorben war.55 Hier ist ausdrücklich vermerkt, dass Eleonora eine „Tochter des Mahlers Jos: Wengemayr und der Johanna Zagler“ war. Zum Zeitpunkt ihres Todes war sie im (Lauben-)Haus Nr. 74 wohnhaft.

19 Sämtliche Angaben sind den Matrikelbüchern der Pfarre Lauingen entnommen. Zumal die Bände nicht foliiert sind, erübrigt sich auch ein Hinweis auf die Seitenzahl. Für den Zugang zur Online-Datenbank danke ich Christine Köhler vom Sekretariat der Pfarreiengemeinschaft Dillingen (Mitteilung vom 1. September 2020). https://data.matricula-online.eu/de/deutschland/augsburg/

20 SAM C-Akten 657. Empfangsbestätigungen oder Quittungen des Stadtmagistrats aus Verträgen vom 17. bis 18. Jahrhundert Quittung Nr. 408 vom Maler Joseph Wengenmayr.

21 BECK 2011, Der lange Weg zum Meister, 41.

22 PLAGEMANN 2022, Künstlerreisen nach Italien, 475 ff.

23 Zu Johann Anwander vgl. MERK 1975, Johann Anwander. SING 1976, Anwanders Langhausfresko, 110–119. SCHÖTTL 1952/53, Johann Anwander, 97–108. SCHÖTTL 1957/60, Johann Anwander, 97–108. MÜLLER 1987, Predigt in Farbe, 276–277. ECKERMANN 2001, Die Augustinusrezeption, 145–170.

24 Zu Adam Mölck vgl. KOLLER/KRONBICHLER/PILSHOFER 1994, Josef Adam Mölk. Ass 2016, Joseph Adam Mölck.

25 ANDERGASSEN 2008, Historienbild und Hagiographie, 23–33.

26 MERK 1982, Johann Anwander, 6–15.

27 HEISS 1989, Schwäbische Zuwanderungen, 43.

28 SAM St. Verw. 285.45; 285.46 und 285.47, ca. 1747, Ansuchen um Aufnahme als Maler.

29 SAM C-Akten 657. Vgl. Qu4.

30 Kein Eintrag dazu im Ms. Archiv Stift Stams, Künstler und Handwerker. Aufzeichnungen des Stiftsarchivars Karl Palfrader, Mai 2010.

31 Der Name Fäber/Faber findet sich z. B. bei Geistlichen, die zum Stift Stams zu rechnen sind: Cölestin Faber (1723–1794) war 1766 Kooperator in St. Peter, P. Alberich Faber Pfarrer. Vgl. ANDERL 2017, Diarium, 32, 46.

32 PfAM, Tauf-, Heirats- und Sterbebuch 1718–1785, fol. 47.

33 PfAM, Taufbuch 1747–1802, fol. 7.

34 PfAM, Taufbuch 1747–1802, fol. 17

35 PfAM, Taufbuch 1747–1802, fol. 28.

36 PfAM, Taufbuch 1747–1802, fol. 52.

37 PfAM, Tauf-, Heirats- und Sterbebuch 1718–1785, fol. 94.

38 PfAM, Taufbuch 1747–1802, fol. 75.

39 PfAM, Taufbuch 1747–1802, fol. 86.

40 PfAM, Taufbuch 1747–1802, fol. 95.

41 PfAM, Taufbuch 1747–1802, fol. 104.

42 PfAM, Taufbuch 1747–1802, fol. 117.

43 PfAM, Taufbuch 1747–1802, fol. 128.

44 PfAM, Taufbuch 1747–1802, fol. 137.

45 PfAM, Taufbuch 1747–1802, fol. 221.

46 SAM SINN 2131.2 „Brueder Buech der Heilligen Jungfrau und Martyrin Barbara Einen Loblichen Handwerch der Pinter am Meran 1787“, fol. 30r, vgl. Qu28.

47 SAM SNI 97, Kirchprobstrechnung des Johann Raphael Passeyrer für die St.-Nikolaus-Kirche 1756–1761, fol. 33v. SAM SNI 98, Kirchprobstrechnung des Ratsbürgers Josef Schweiggl für die St.-Nikolaus-Kirche 1764–1769, fol. 106v und 107r. SAM SNI 99, Kirchprobstrechnung des Ratsbürgers Franz Xaver Passeyrer für die St.-Nikolaus-Kirche 1774–1787, fol. 120r und v.

48 ANDERGASSEN 2003, Ausstattung der Stadtpfarrkirche Meran, 13–101, 60.

49 ANDERGASSEN 2003, Ausstattung der Stadtpfarrkirche Meran, 60. PfAM, Kirchpropstraitungen 1788/99.

50 Vgl. dazu HARTMANN 2015, Christoph Thomas Scheffler, 9–12.

51 HERZOG 1998, Johann Degler, 16.

52 KUSTATSCHER 2018, Innsbrucker Linie der Thurn und Taxis, 250.

53 PfAM, Sterbebuch 1784–1837, fol. 122.

54 PfAM, Sterbebuch 1784–1837, fol. 111.

55 PfAM, Sterbebuch 1784–1837, fol. 225.

Die Familie im Spiegel der Verfachbücher

Die Verfachbücher hüten in ihrer Aufgabe, Rechtsänderungen im Besitzstand zu vermerken, eine Fülle von Nachrichten, welche für die Familiengeschichte von Belang sind. Ein erstes Mal kommt der Name Wengenmayr in dem am 13. Januar 1748 verfachten Hochzeitsvertrag vor. Darin bestätigt Maria Pußjäger, die Witwe des Malers Josef Anton Prenner, das Hochzeitsgut in Höhe von 200 Gulden, welches an die Behausung Pußjägers in der Stadt anliegend gebunden war, sowie die Summe von 400 Gulden, welche von der Mutter der Schwiegermutter, Ursula Puell, als Heiratsgut angewiesen wurde. Das Kapital war „unangegriffen“, also intakt, zu belassen. Dies bot die Voraussetzung für die Übernahme der Werkstatt und des Pußjäger’schen Hauses unter den Meraner Lauben.56 Anlässlich der Erstellung des Katasters unter Maria Theresia 1775 wurde das Anwesen wie oben angegeben beschrieben.57 Matthias Pußjäger hatte 1689 die „Pertlingische Behausung Oberviertel Pergs halber“ mit dazugehörigem Garten erworben. Das nötige Kapital wurde gewiss auch unter Beihilfe seiner Ehefrau, Ursula Puell, als Tochter des besitzenden Meraner Kürschnermeisters Bartholomäus Puell, aufgebracht worden.58 Ihr fielen nach dem Tode ihres Vaters 3200 Gulden zu, ein Vermögen, welches größtenteils in Schuldscheinen angelegt war.59 Pußjägers Witwe verstarb am 3. Jänner 1749 im Alter von 86 Jahren,60 1732 konnte sie noch gemeinsam mit ihrem Gatten das 50-jährige Ehejubiläum feiern. Die Begräbnisfeierlichkeiten leitete Pfarradministrator Joseph Gstrein. Dem Testament ihres Gatten nach war ihr das gesamte Vermögen zugefallen, vor allem im Falle, dass sie als Letztere aus dem Leben scheiden sollte. Mit ihrem Tod wurde die Teilung des väterlichen und mütterlichen Vermögens zwischen den Kindern Maria Pußjäger, Witwe Prenner, und ihrem Bruder Joseph Joachim vorgenommen.61

Die Ehe Joseph Wengenmayrs mit Maria Ursula Prenner währte nicht lange. Nach der Geburt von vier Kindern verstarb die Mutter im Kindsbett infolge der Geburt von Franziska Josepha nach dem 10. Jänner 1755 (Testament). Der Todeszeitpunkt ist in den Pfarrmatrikeln von St. Nikolaus mit dem 2. Februar 1755 angegeben,62 zuvor war die Sterbende mit der Letzten Ölung versehen worden. Den Kondukt führte Kooperator Purtscher an. Die Nachlassverhandlung band das Vermögen der Mutter an die aus der Ehe mit Joseph Wengenmayr stammenden Töchter Antonia Elisabeth und Franziska Josepha. Zwei Kinder müssen in der Zwischenzeit im Kleinkindalter verstorben sein, sie sind schon im Testament 1755 nicht mehr erwähnt; das Meraner Sterbebuch gibt darüber allerdings keine Auskunft. Als Gerhab wurde Johann Caspar Siller eingesetzt. Frau Prenner hatte vor ihrem Tod zwei Testamentsfassungen aufgesetzt, eine am 18. Oktober 1754, die zweite am 10. Jänner 1755.

Bereits ein Jahr später vermählte sich Joseph Wengenmayr mit Johanna Petronilla Zagler, die Vermählung in der Stadtpfarrkirche St. Nikolaus nahm der Pfarrmusikus Anton Gluderer am 18. Jänner 1757 vor, als Zeugen waren Johann Caspar Siller und Sebastian Goldrainer geladen.63 Der Ehevertrag war bereits am 13. Jänner 1757 geschlossen worden. Der Vertrag nimmt auch Bezug auf den sakramentalen Charakter der Ehe, die zwischen dem „firnem kunstreichen Herrn Joseph Wengenmäyr der freyen Kunst Mahler an Meran“ und der „wohlehrntugentreichen Jungfrauen“ Johanna Petronilla Zagler geschlossen wurde. Johanna Petronilla war die Tochter des Meraner Chirurgen Michael Zagler und der Maria Rosalia Tusch. Als Zeugen waren anwesend der Schwager Dominikus Kneißl und der Stiefvater Nikolaus Joächim. Der Vertrag war bindend bis zur sakramentalen Umsetzung der Ehe („priesterlichen Copulation“), Wengenmayr sicherte der Braut die Summe von 100 Gulden zu, zudem gab er das Versprechen, bei vorzeitigem Ausscheiden aus dem Leben das gesamte Vermögen der Gattin zuzuteilen. Auch bezahlte ihr Wengenmayr ein Hochzeitskleid. Eine am 18. Juni 1756 aufgesetzte Auflistung der in die Ehe gebrachten Leistungen findet sich als Anhang zur Verlassenschaftsverhandlung von 1804. Von ihren Eltern brachte Johanna Petronilla Zagler 100 Gulden ein, von Maria Tradter geb. Innerhofer, der gewesten Hannifl Wirthin, 40 Gulden, von ihrem Bruder Joseph, der als Feldherr in Burghausen in Diensten des kurbayerischen Militärs bedienstet war, 25 Gulden.

Ein Einblick in die finanzielle Situation wird auch anlässlich des Klostereintritts seiner Tochter Antonia Elisabeth 1770 gegeben. Antonia Elisabeth trat bereits 1769 in das Kloster der deutschen Kapuzinerinnen in Assisi ein, eines Ordens, der sich als Reformorden der Klarissen unter der spirituellen Leitung der Kapuziner verstand.64 Das Kloster hatte in Santa Croce in Assisi seinen Sitz. Den neuen Reformzweig hatte Maria Laurentia Longo (um 1463–1539) 1535 in Neapel begründet, Papst Paul III. (1534–1549) verlieh ihm 1538 die päpstliche Anerkennung. Die Gemeinschaft orientierte sich an der ursprünglichen Regel der hl. Klara. Die Mitgift, die Wengenmayr für seine Tochter zu hinterlegen hatte, verblieb allein in der Verfügungsgewalt des Klosters. Wie Antonia Elisabeth zum Kontakt mit Assisi kam, lässt sich nur vermuten. Offensichtlich waren es Kontakte der Meraner Kapuziner zum Wirkungsort des hl. Franziskus, welche die Lebensentscheidung herbeiführten. Aber vor allem dürften es Engbeziehungen zum hiesigen Klarissenkloster gewesen sein, welche den Entschluss reifen ließen. Wengenmayr sah sich nun gezwungen, 200 Gulden bei der Dominik Kneißl’schen Verlassenschaft auszuleihen, eine Summe, die er jährlich mit 8 Gulden zu verzinsen hatte, 1771 war um Jakobi die erste Rate fällig geworden. Drei Jahre später äußerte auch die zweite Tochter aus erster Ehe, Josepha Franziska, den Wunsch, in das versperrte Kloster in Assisi einzutreten. Sie war zum Zeitpunkt der Erbschaftsabhandlung 1773 schon in das Kloster aufgenommen worden, befand sich aber noch bei ihrem Vater in Meran (vgl. Qu33). Geradezu als seltenes Zeitdokument liest sich die diesbezüglich gerichtlich vorgelegte Schadensmeldung, welche Wengenmayr als wachen Wirtschafter ausweist, zumal er genau auflistet, welche Einbußen er in den vorangegangenen Jahren erleiden musste. Beim Ableben der Ehefrau standen 2300 Gulden 11 Kreuzer zur Verfügung. Die zurückgelassene Fährnis der Schwiegermutter Maria Pußjäger belief sich auf 22 Gulden, inklusive eines Rosenkranzes, der als „Silber Geschmeid“ verarbeitet war. An Leibkleidern hatte die Schwiegermutter wenig hinterlassen, sie habe „von solchen Kleidung nicht mehr importantes gehabt“. Für die Liquidation des Vermögens verrichtete Wengenmayr 1755 die Auslage von 18 Gulden 11 Kreuzern, an Briefgeld 9 Gulden 58 Kreuzer, 100 Gulden wurden für die Memoria ausgegeben, persolviert in Heiligen Messen (Seelenmessen) und den Kosten des Begräbnisses.

Familiäre Bindungen erweisen sich auch in der Verantwortung für die engere Verwandtschaft. So zahlte Joseph Wengenmayr 1796 70 Gulden für seine Schwägerin Anna Zagler in den Meraner Almosenfonds ein (vgl. Qu40). Anna Zagler war unverheiratet geblieben, ihr entging so die Unterhaltspflicht des Ehemanns. Die 70 Gulden stammten aus dem mütterlichen Erbe der Zagler. Daraus wurden ihr wöchentlich 30 Kreuzer ausbezahlt. Zumal Anna Zagler nicht in den kommunalen Sterbelisten aufscheint, muss sie in einem der umliegenden Orte verstorben sein.

1775 musste sich Wengenmayr gegen den Lehrherrn seines Sohnes Joseph Ignaz zur Wehr setzen, es ging dabei um die Hälfte des Lehrgeldes von 50 Gulden und die Hälfte des Aufdingungspreises (vgl. Qu36). Vorauszuschicken ist, dass der Sohn Joseph Ignaz zum Kürschnermeister Ferdinand Nideregger in die Lehre gegeben wurde, nach Ablauf der Probezeit von zehn Tagen bemerkte der Meister eine Sehschwäche beim jungen Wengenmayr, die nur ein unkorrektes Arbeiten nach sich ziehen würde. So sah sich Nideregger außerstande, den 1759 geborenen Lehrling zu unterrichten. Die Wahl des Kürschnerberufs war familiär bedingt. Möglicherweise gab es auch noch die Werkstatt des Urgroßvaters Puell, der diesem Handwerk nachgegangen war. Zehn Jahre später finden wir den mittlerweile ausgebildeten Kürschner Joseph Ignaz im Ehestand. Der Ehevertrag wurde am 20. Februar 1784 aufgesetzt. Aus dem Vermögen der Braut Maria Haller gab der Stiefvater Franz Moser die Summe von 300 Gulden zur Gründung des Hausstandes. 200 Gulden bezahlte er sofort, 100 Gulden wurden zu Georgi desselben Jahres nachgereicht. Doch der Termin zu Jacobi wurde nicht eingehalten, so dass der Hafnermeister Josef Pruggmoser dem jungen Paar vorschlug, die geschuldete Summe mit vier Prozent zu verzinsen. Ein weiteres Mal verhandelte Joseph Ignaz im Juni 1788 vor dem Richter. Er beschwerte sich, dass er bei dem aus Pinswang im Gericht Ehrenberg stammenden Handelsmann Franz Joseph Roch am Rosari-Sonntag 1787 in Latsch mehrere schmale Streifen „Viersigl Blursch“, jedes Stück zu 20 Wiener Ellen, gekauft habe. Als er zuhause in der Werkstatt nachmaß, stellte er fest, dass das größere Stück des feinen Leders allein 18 Ellen maß, das kleinere hingegen nur 13 ½, also bedeutend weniger. 1790 verlieh er 200 Gulden dem Schneidermeister Valentin Staudacher und der Maria Mayr.

Johanna Petronilla, die zweitjüngste Tochter aus zweiter Ehe, heiratete 1791 den Bauersmann und Bildhauer Romed Strickner. Der Bräutigam stammte aus Thaur bei Hall, wo er, zieht man die Profession des Bildhauers heran, als Krippenschnitzer sein Auskommen fand. Er wird als „der freien Kunst Bildhauer“ bezeichnet, was doch auf eine gewisse künstlerische Fertigkeit und einen vorgeschriebenen Ausbildungsparcours verweist. Der Heiratskontrakt wurde in Meran vor dem Landrichteramtsverwalter Matthias Michael Pirpamer geschlossen. Demnach war Romed bereits großjährig, hatte das Alter von 26 Jahren erreicht, seine Braut hingegen musste das Einverständnis ihrer Eltern einholen. Romed war der Sohn des Bauern Bernhard Strickner und der Maria Kogler. Geboren wurde er am 27. Juli 1765 in Thaur, am selben Tag erhielt er die Taufe, Taufpate war der Bauer Johannes Sailer.65 Anlässlich der Eheschließung versprach der Brautvater, 2000 Gulden in das Ehevermögen einzuzahlen, der Bräutigam hätte solches als guter Hausvater zu nutzen und zu verwalten. Sollte die Braut vor ihrem Ehemann sterben und die Ehe kinderlos bleiben, würde ihm diese Summe zufallen, sollte Wengenmayr zuerst versterben, so hätte Romed den Kindern den jährlichen Zinsertrag in Höhe von vier Prozent auszuzahlen.

Aufschlussreich liest sich auch die Nachlassverhandlung nach dem am 21. Mai 1804 erfolgten Tod Wengenmayrs (vgl. Qu41). Dabei erfahren wir von einer Reihe vorangegangener Testamente, welche am 3. August anlässlich der vor dem Stadt- und Landrichter Joseph Franz Wieser und dem Gerichtsschreiber Joseph Knoll stattfindenden Verhandlung präsentiert wurden. Aus erster Ehe lebte 1804 neben der in das Kloster der Kapuzinerinnen eingetretenen Antonia Elisabeth noch die Tochter Josepha Franziska, welche mit dem Schneidermeister Franz Anton Lanzerotti die Ehe eingegangen war, nachdem sie sich selbst für kurze Zeit im Klosterleben geübt hatte. Lanzerotti war zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben, da sie als Witwe bezeichnet wird. Aus der zweiten Ehe waren von den ursprünglich sieben Kindern noch sechs am Leben. Joseph Ignaz Wengenmayr hatte aus seiner Ehe mit Maria Haller die Tochter Maria, er selbst war geraume Zeit „unwissend also abwesent befundet“. Die Vormundschaft über die unmündige Tochter hatte der Maler Andren Wolf in Meran übernommen. Eleonora Wengenmayr hielt sich im Gericht Altenburg auf, Maria war mit Alois Mayr in Lana verehelicht, Johanna Petronilla mit dem bereits genannten Romed Strickner in Innsbruck und Anna Elisabeth hatte sich nicht verehelicht und lebte in Meran.

Das hinterlassene Vermögen verteilte sich auf folgende Summen: Die Mobilien wurden auf 361 Gulden geschätzt, daraus wurde allen sechs erbberechtigten Kindern die Summe von je 15 Gulden ausbezahlt, der Rest wurde öffentlich versteigert, woraus sich noch 354 Gulden erlösen ließen. Anna Wengenmayr gab folgende Ausgaben in den letzten Lebensmonaten an: Dem Ratsdiener waren 8 Gulden zu bezahlen, dem Apotheker Johann Achmiller 10 Gulden für Medikamente, die Kosten der Funeralien beliefen sich auf 17 Gulden, dem Almosenverwalter Johann Tasser für das Kapital von 70 Gulden die Zinsgebühren von 5 Gulden 36 Kreuzern, weitere Posten gingen an den Bindermeister Georg Grambichler und den Schuhmacher Anton Noggler. Die Pflege des im Alter von 80 Jahren verstorbenen Wengenmayr hatte seine unverheiratet gebliebene Tochter Anna Elisabeth übernommen, die dafür die Bettstatt und weitere 200 Gulden laut testamentarischer Verfügung vom 15. September 1801 zugewiesen bekam. Jede Erbpartie erhielt aus dem Restvermögen von 2530 Gulden 421 Gulden ausbezahlt. Aus dem Erbe der Johanna Petronilla Zagler in Höhe von 474 Gulden erhielten die fünf dieser Verbindung entstammenden Kinder je 53 Gulden. Hinzu kommt noch das Anwesen Wengenmayrs, welches nach dem Tode des Malers mit Vertrag vom 4. Juli 1804 an den Kleidermacher Joachim Ebner veräußert wurde, diese Summe wurde wiederum auf alle sechs Parteien aufgeteilt. Ein Acker wurde noch zu Lebzeiten Wengenmayrs am 15. September 1803 an den Meraner Bürger Franz Platzer um 825 Gulden verkauft, der Erlös wurde unter den Erben aufgeteilt. Das Vermögen darf als dürftig eingeschätzt werden, so hinterließ etwa Joseph Schöpf bei seinem Tod ein Vermögen von 19.200 Gulden. Paul Troger hatte zum Zeitpunkt seines Todes 1762 sein Vermögen in Obligationen angelegt, insgesamt betrafen diese die Summe von 48.624 Gulden. Als Franz Anton Maulbertsch 1796 verstarb, hinterließ er nur 125 Gulden Bargeld, Vermögenswerte in Immobilien beliefen sich hingegen auf 4846 Gulden.66

Dass Wengenmayr bis in seine letzten Lebenstage hinein auch noch künstlerisch tätig gewesen sein mag, verdeutlicht neben den selbst in den Jahren nach 1800 datierten Arbeiten die 1804 veranlasste Bezahlung von 45 Gulden durch den Maler Josef Bartoldi (Bartolli, Bardolla, Bertoldi, Pärtoldi), der die überkommenen Farben des Künstlers per Kauf an sich nahm. Unbeantwortet muss hierbei die Frage bleiben, ob Bartoldi auch in der Werkstatt Wengenmayrs arbeitete oder ihm gelegentlich bei der Erfüllung der Aufträge behilflich war.

Wengenmayr kümmerte sich auch um die Ausbildung seiner Enkel. So verfügte er testamentarisch am 3. Mai 1802, dass das Johanna Petronilla zustehende Erbteil für die Ausbildung ihres Sohnes Johann Strickner „zur Erlernung eines Handwerks oder anderweitigen nützlichen Verwendung zugetheilt“ werden sollte. Auch bestimmte der Maler, dass der Bub sein Leibgewand erhalten sollte. Das Gericht befand am Schreiben jedoch juridische Mängel, weshalb es zum Vergleich kam: Johanna erschien in Meran vor dem Richter, es wurde Folgendes verhandelt: 100 Gulden sollten für die Ausbildung des Sohnes dienen, 109 weitere unter den übrigen Kindern aufgeteilt werden. Dies wurde von der Verwandtschaft als Auflage gesehen, zumal Vater Wengenmayr diesem Sohne, den er wohl als zukünftigen männlichen Träger der Familientradition sah, gerade schon neun Jahre lang ein besonderes Pflegegeld zukommen ließ, auch hatte Johanna, die wohl emphatisch dem Vater nahestand, immer wieder Zuwendungen erfahren, was von den Miterben als ungleiche Aufteilung empfunden wurde. Eine besondere Zuwendung verlangte man auch für Wengenmayrs Enkeltochter Maria, die ihn seit 1789 umsorgte und verpflegte.

Als Pflegerin war seine jüngste Tochter Anna Margareth tätig. Dieser wandte sich Wengenmayr bereits 1801 mit einem eigenen Vermächtnis zu. Er bedankte sich, dass sie sich „in meinen graissen alten Tagen alzeit kindliche Liebe und Treu erwissen“ hatte, und wies ihr 200 Gulden zu, die ihr zusätzlich zum Lohn auszuhändigen seien. Auch waren diese 200 Gulden nicht in die Summe der gesamten auch unter den Geschwistern aufzuteilenden Erbmasse eingebunden.

56 Der Wohnsitz Pußjägers befand sich unter den Meraner Lauben Nr. 16. Vgl. PERATHONER 1964, Meraner Häuserchronik, Tab. 13/13a, eingesehen im Stadtarchiv Meran. In der Folge befand sich das Anwesen 1858 mit Bp. 22 in den Händen von Maria Gamper, mit Bp. 23 in den Händen des Zimmermannsgesellen Michael Fill. 1867 besaß den vorderen Hausteil Maria Witwe Kleon, den hinteren Teil der Tischler Karl Rautscher. Das Häuserverzeichnis von 1884 bestätigt die Nr. 96 in den Händen von Clara Plattner, die Nr. 97 in den Händen von Karl Rautscher. Das Grundbuch verzeichnet nun die Bp. 22 unter Berglauben 34, die Bp. 23/1 unter Berglauben 36, der Weingarten ist unter Gp 136 eingetragen.

57 SAM C-Akten 64.1.62, Steuerfassion zum Haus Joseph Wengenmayrs in Meran, 28. September 1775. Vgl. Qu37.

58 KUSSTATSCHER-PERNTER 1978, Matthias Pußjäger, 13.

59 KUSSTATSCHER-PERNTER 1978, Matthias Pußjäger, 18.

60 PfAM, Sterbebuch 1745–1795, fol. 20.

61 SLA, Verfachb. 1748 (631), fol. 755 ff. KUSSTATSCHER-PERNTER 1978, Matthias Pußjäger, 34.

62 PfAM, Sterbebuch Meran 1745–1795, fol. 47.

63 PfAM, Tauf-, Heirats- und Sterbebuch 1718–1795, fol. 94.

64 SAM C-Akten 1.51, 1769 Juni 10, Innsbruck. Abfahrtsgeld und Emigrationstaxe für Wengenmayrs Tochter Antonia Elisabeth. Vgl. Qu30.

65 PfATh, Taufbuch 1732–1769, fol. 278.

66 ISPHORDING 1984, Gottfried Bernhard Göz 2.