Der Begriff Angst - Søren Kierkegaard - E-Book

Der Begriff Angst E-Book

Sóren Kierkegaard

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Beschreibung

Kierkegaards einflussreicher Essay nimmt seinen Ausgang im Problem der Erbsünde. Sie bildet die Grundlage seiner Theorie der Angst. Diese aber nimmt eine Schlüsselfunktion für die Bestimmung des Menschen ein: »Der Mensch ist eine Synthese aus Seelischem und Körperlichem. Doch eine Synthese ist nur denkbar, wenn sich die beiden Teile in einem Dritten vereinen. Dieses Dritte ist der Geist. Wie verhält sich der Geist zu sich selbst und zu seiner Bedingung? Er verhält sich als Angst.« Vollständig durchgesehene und mit einem neuen Nachwort versehene Neuauflage. E-Book mit Seitenzählung der gedruckten Ausgabe: Buch und E-Book können parallel benutzt werden. 

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Seitenzahl: 364

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Søren Kierkegaard

Der Begriff Angst

Aus dem Dänischen übersetzt von Gisela PerletMit einem Nachwort herausgegeben von Uta Eichler

Reclam

Dänischer Originaltitel: Begrebet Angest

 

Die Edition wurde durch das dänische Literaturinformationszentrum, Kopenhagen, gefördert.

 

RECLAMS UNIVERSAL-BIBLIOTHEK Nr. 962218

1992, 2023 Philipp Reclam jun. Verlag GmbH, Siemensstraße 32, 71254 Ditzingen

Vollständig durchgesehene und mit neuem Nachwort versehene Ausgabe 2023

Covergestaltung: Cornelia Feyll, Friedrich Forssman

Gesamtherstellung: Philipp Reclam jun. Verlag GmbH, Siemensstraße 32, 71254 Ditzingen

Made in Germany 2026

RECLAM, UNIVERSAL-BIBLIOTHEK und RECLAMS UNIVERSAL-BIBLIOTHEK sind eingetragene Marken der Philipp Reclam jun. GmbH & Co. KG, Stuttgart

ISBN978-3-15-962218-7

ISBN der Buchausgabe 978-3-15-014456-5

reclam.de | [email protected]

Inhalt

Der Begriff Angst

Vorwort

Inhalt

Einleitung

Caput I

§ 1

§ 2

§ 3

§ 4

§ 5

§ 6

Caput II

§ 1

§ 2

Caput III

§ 1

§ 2

§ 3

Caput IV

§ 1

§ 2

Caput V

Zu dieser Ausgabe

Anmerkungen

Nachwort: Freiheit und Angst

I Zur »Einleitung«

II Der Mensch als eine Synthese

III Der Schwindel der Freiheit

IV Der Sprung

V Der Augenblick

VI Die Angst vor der Freiheit

VII Erlösende Angst

[5]Der Begriff Angst

Eine einfache psychologisch-hinweisende Überlegung in Bezug auf das dogmatische Problem der Erbsünde

 

von

VIGILIUS HAUFNIENSIS

[6]Die Zeit der Unterscheidung ist vorbei, das System hat sie überwunden. Wer sie in unseren Tagen liebt, ist ein Sonderling, dessen Seele an etwas längst Entschwundenem hängt. Das mag so sein, doch Sokrates bleibt, was er war, der einfältige Weise, dank seiner seltsamen Art zu unterscheiden, die er selbst ausgesprochen und vervollkommnet und die erst zwei Jahrtausende später der sonderbare Hamann mit Bewunderung wiederholt hat: »Denn Sokrates war dadurch groß, dass er dasjenige unterschied, was er verstand, von dem, was er nicht verstand.«

[7]Dem verstorbenen

Professor Poul Martin Møller,

dem glücklichen Liebhaber der Gräzität,

dem Bewunderer Homers,

Mitwisser des Sokrates,

Deuter des Aristoteles

– Dänemarks Freude in der »Freude an Dänemark«,

obgleich »weit verreist«

stets »einbedacht im dänischen Sommer« –,

den ich bewundere, der mir fehlt,

sei diese Schrift gewidmet.

[9]Vorwort

Wer die Absicht hat, ein Buch zu schreiben, der tut nach meiner Ansicht gut daran, über jene Sache, die er behandeln will, verschiedentlich nachzudenken. Er tut auch nicht schlecht daran, wenn er, soweit möglich, in Erfahrung bringt, was zuvor andere über dieselbe Sache geschrieben haben. Sollte ihm auf diesem Wege ein Einzelner begegnen, der irgendeinen Teil erschöpfend und befriedigend behandelt hat, dann tut er auch gut daran, sich zu freuen, wie sich der Freund des Bräutigams freut, wenn er dabeisteht und der Stimme des Bräutigams zuhört. Hat er dies in aller Stille getan, mit der Schwärmerei der Verliebtheit, die stets die Einsamkeit sucht, dann bedarf es nichts weiter; dann schreibe er frischweg sein Buch, wie der Vogel sein Lied singt – falls jemand Nutzen oder Freude davon hat, umso besser; dann gebe er es sorglos und unbekümmert heraus, ohne jede Wichtigkeit, als schlösse er mit allem ab oder als sollten in seinem Buch gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden. Jedes Geschlecht hat seine Aufgabe und braucht sich nicht zu überanstrengen, um für die vorhergehenden und nachfolgenden alles zu sein. Ein jeder aus dem Geschlecht hat gleichsam jeden Tag seine Plage und genug zu tun, um sich selbst zu behelfen, und braucht keineswegs sämtliche Zeitgenossen in seine landesväterliche Fürsorge einzuschließen oder mit seinem Buch, geschweige denn mit einem Neujahrsfeuerwerk an Versprechen oder mit der Andeutung von weitsichtigen Verheißungen, oder mit Versicherungen, die auf eine zweifelhafte Valuta verweisen, eine neue Ära und Epoche einzuleiten. Nicht jeder, der einen krummen Rücken macht, ist deshalb ein [10]Atlas oder ist so geworden, weil er an einer Welt getragen; nicht alle, die sagen Herr, Herr!, kommen deshalb ins Himmelreich; nicht jeder, der sich als Bürge für die gesamte Mitwelt anbietet, hat damit bewiesen, dass er ein zuverlässiger Mann ist und für sich selbst einstehen kann; nicht jeder, der »Bravo, schwere Not, Gottsblitz bravissimo« ausruft, hat deshalb sich selbst und seine Bewunderung verstanden.

Was meine eigene geringe Person betrifft, so gestehe ich ganz offen ein, dass ich als Verfasser ein König ohne Land, doch auch mit Furcht und großem Zittern ein Autor ohne jeden Anspruch bin. Sollte es eine edle Missgunst, eine eifrige Kritik für übertrieben halten, dass ich einen lateinischen Namen trage, dann will ich mit Freuden den Namen Christen Madsen annehmen, mit dem innigen Wunsch, man möge mich als einen Laien ansehen, der zwar spekuliert, jedoch von Spekulation weit entfernt ist, obschon ich in meiner Autoritätsgläubigkeit so devot bin, wie der Römer in seiner Gottesfurcht tolerant war. Was menschliche Autorität angeht, bin ich Fetischist und bete mit gleicher Frömmigkeit alles und jeden an, wenn nur hinlänglich durch Trommelschlag kundgetan wird, dass ich gerade ihn anbeten soll, dass er heuer Autorität und Imprimatur ist. Die Entscheidung übersteigt meinen Verstand – ob sie nun durch das Los oder durch Ballotage getroffen wird oder ob die Würde selbst reihum geht und der Einzelne den Platz der Autorität einnimmt, wie ein Stadtverordneter turnusmäßig in der Schiedskommission sitzt.

Weiter habe ich nichts hinzuzufügen, außer dass ich jedem, der meine Anschauung teilt, wie auch jedem, der sie [11]nicht teilt, jedem, der das Buch liest, wie auch jedem, der schon vom Vorwort genug hat, ein aufrichtiges Lebewohl zurufe.

 

Kopenhagen

Ergebenst

Vigilius Haufniensis

[12]Inhalt

Einleitung

Caput I. Angst als Voraussetzung der Erbsünde und als ihre retrograde, auf ihren Ursprung gerichtete Erklärung

§ 1. Historische Andeutungen in Hinblick auf den Begriff Erbsünde

§ 2. Der Begriff ›Die erste Sünde‹

§ 3. Der Begriff Unschuld

§ 4. Der Begriff Sündenfall

§ 5. Der Begriff Angst

§ 6. Angst als Voraussetzung der Erbsünde und als ihre retrograde, auf ihren Ursprung gerichtete Erklärung

Caput II. Angst als die Erbsünde progressiv

§ 1. Objektive Angst

§ 2. Subjektive Angst

Caput III. Angst als Folge jener Sünde, welche das Ausbleiben des Sündenbewusstseins ist

§ 1. Angst der Geistlosigkeit

§ 2. Angst, dialektisch bestimmt in Bezug auf Schicksal

§ 3. Angst, dialektisch in Bezug auf Schuld

Caput IV. Angst der Sünde oder Angst als Folge der Sünde im Einzelnen

§ 1. Angst vor dem Bösen

§ 2. Angst vor dem Guten (Das Dämonische)

Caput V. Angst, als erlösend durch den Glauben

[13]Einleitung

In welchem Sinn der Gegenstand dieser Überlegung eine Aufgabe für das Interesse der Psychologie darstellt und in welchem Sinn er, nachdem er Aufgabe und Interesse der Psychologie gewesen ist, gerade auf die Dogmatik verweist.

Die Anschauung, dass jedes wissenschaftliche Problem im großen Umkreis der Wissenschaft seinen bestimmten Platz, sein Ziel und seine Grenze hat und eben deshalb harmonisch im Ganzen verfließt und rechtmäßig in der Aussage des Ganzen mitklingt, diese Anschauung ist nicht nur ein pium desiderium, das den Wissenschaftler mit seiner enthusiastischen oder wehmütigen Schwärmerei adelt, sie ist nicht nur eine heilige Pflicht, die ihn im Dienste des Totalen bindet und ihn auf Gesetzlosigkeit und die Lust, leichtfertig den Kontinent aus dem Blickfeld zu verlieren, verzichten heißt, sondern sie ist für jede speziellere Untersuchung bedeutungsvoll, denn wenn diese vergisst, wo sie zu Hause ist, vergisst sie gleichzeitig sich selbst – was die Sprache mit sicher treffender Zweideutigkeit durch dasselbe auszudrücken pflegt –, sie wird eine andere und erreicht eine verdächtige Perfektibilität darin, alles Beliebige zu werden. Wenn man es also unterlässt, wissenschaftlich zur Ordnung zu rufen und darüber zu wachen, dass es den einzelnen Problemen verwehrt bleibt, aneinander vorbeizueilen wie bei einem Wettlauf zu einer Maskerade, dann erreicht man zwar manchmal eine gewisse Geistreichigkeit, frappiert manchmal dadurch, dass man schon in Händen hält, wovon man doch sehr weit entfernt ist, trifft manchmal auf lose Worte hin eine Übereinkunft mit dem [14]Verschiedenartigen; indessen rächt sich dieser Gewinn im Nachhinein wie alles ungesetzlich Erworbene, das sich weder bürgerlich noch wissenschaftlich besitzen lässt.

Wenn man solcherart den letzten Abschnitt der Logik ›Die Wirklichkeit‹ überschreibt, dann erwirbt man sich den Vorteil, dass es aussieht, als wäre man bereits in der Logik zum Höchsten oder, wenn man so will, zum Niedrigsten vorgedrungen. Der Verlust ist indessen augenfällig, denn weder der Logik noch der Wirklichkeit ist damit gedient. Der Wirklichkeit nicht, denn die Logik kann die Zufälligkeit, die ein wesentlich mit zur Wirklichkeit Gehörendes ist, nicht einlassen. Der Logik ist nicht damit gedient, denn wenn sie die Wirklichkeit gedacht hat, dann hat sie etwas in sich aufgenommen, was sie nicht assimilieren kann, sie hat ungewollt etwas vorweggenommen, was sie nur prädisponieren soll. Die Strafe ist deutlich: Jede Überlegung, was Wirklichkeit sei, ist erschwert, ja vielleicht eine Zeitlang unmöglich gemacht, weil das Wort gleichsam erst Zeit benötigt, um sich auf sich selbst zu besinnen, Zeit, um den Irrtum zu vergessen. – Wenn man also in der Dogmatik den Glauben ohne nähere Bestimmung das Unmittelbare nennt, dann gewinnt man den Vorteil, dass man einen jeden von der Notwendigkeit überzeugt, nicht beim Glauben stehenzubleiben, ja, man nötigt dieses Zugeständnis wohl gar dem Rechtgläubigen ab, der vielleicht nicht gleich durchschaut, dass dieses Missverständnis seinen Grund keineswegs im Späteren, sondern in jenem πρῶτον ψεῦδος hat. Der Verlust ist unverkennbar, denn für den Glauben besteht er darin, dass ihm geraubt wird, was ihm gesetzlich gehört: seine historische Voraussetzung; für die Dogmatik besteht er darin, dass sie zwangsläufig nicht dort beginnt, [15]wo sie ihren Anfang hat, nämlich früher. Anstatt einen früheren Anfang vorauszusetzen, ignoriert sie diesen und beginnt frischweg wie die Logik; denn diese beginnt ja gerade mit dem Flüchtigsten, was die allerfeinste Abstraktion zustande gebracht hat, und das ist das Unmittelbare. Was nun logisch gedacht richtig ist – dass das Unmittelbare eo ipso aufgehoben ist –, das wird in der Dogmatik zu Geschwätz; denn wem fiele es wohl ein, beim Unmittelbaren (ohne nähere Bestimmung) stehenzubleiben, denn es ist ja im gleichen Moment, da es genannt wird, gerade aufgehoben, so wie ein Schlafwandler im gleichen Moment erwacht, da man seinen Namen ausspricht. – Wenn man also bisweilen in Untersuchungen, die fast ausschließlich propädeutisch sind, zur Bezeichnung des spekulativen Wissens oder der Identität des erkennenden Subjekts mit dem Erkannten, des Subjekt-Objektiven usw., das Wort Versöhnung findet, dann bemerkt man ohne Mühe, dass der betreffende Autor geistreich ist und dass er mit Hilfe dieser Geistreichigkeit sämtliche Rätsel gelöst hat, insbesondere für all jene, die nicht einmal in der Wissenschaft so vorsichtig sind, wie man es doch im täglichen Leben ist, wo man sich die Wörter des Rätsels erst genau anhört, bevor man es rät. Wer das unterlässt, der erwirbt sich das unvergleichliche Verdienst, durch seine Erklärung ein neues Rätsel aufgegeben zu haben: wie irgendein Mensch darauf verfallen konnte, dies als Erklärung auszugeben. Die gesamte Philosophie der Antike und des Mittelalters setzte voraus, dass das Denken überhaupt Realität besitzt. Diese Voraussetzung wurde durch Kant in Zweifel gezogen. Angenommen, die Hegel’sche Philosophie hätte Kants Skepsis wirklich durchdacht (dies dürfte indessen äußerst fraglich bleiben, trotz allem, was [16]Hegel samt Schule mit Hilfe des Stichworts ›Methode‹ und ›Manifestation‹ getan haben, um zu verschleiern, was Schelling mit dem Stichwort ›Intellektuelle Anschauung‹ und ›Konstruktion‹ offener bekannte: dass diese Skepsis ein neuer Ausgangspunkt war) und hätte dahingehend das Frühere in einer höheren Form rekonstruiert, dass das Denken nicht kraft einer Voraussetzung Realität besäße – wäre diese bewusst hergestellte Realität des Denkens dann eine Versöhnung? Damit hat man die Philosophie doch nur dorthin gebracht, wo man in alter Zeit anfing – in alter Zeit, als eben die Versöhnung ihre ungeheure Bedeutung hatte. Man verfügt über eine alte, respektable philosophische Terminologie: Thesis, Antithesis, Synthesis. Man wähle eine neuere, bei der die Mediation den dritten Platz einnimmt – soll dies nun ein so außerordentlicher Fortschritt sein? Die Mediation ist zweideutig, denn sie deutet das Verhältnis zwischen den beiden und gleichzeitig das Resultat des Verhältnisses an, das also, worin sie sich als diejenigen, die sich zueinander verhalten haben, zueinander verhalten; sie bezeichnet die Bewegung und zugleich die Ruhe. Ob dies eine Vollkommenheit bedeutet, darüber wird erst eine viel tiefer gehende dialektische Prüfung der Mediation entscheiden; die aber lässt unglücklicherweise auf sich warten. Meinetwegen mag man die Synthesis abschaffen und Mediation dafür sagen. Da aber die Geistreichigkeit mehr verlangt, sagt man Versöhnung. Was ist davon die Folge? Man erweist seinen propädeutischen Untersuchungen keineswegs einen Gefallen, denn diese gewinnen durch den Erwerb eines Titels natürlich genauso wenig wie die Wahrheit an Klarheit oder wie die Seele eines Menschen an Seligkeit. Dagegen bringt man zwei Wissenschaften von [17]Grund auf durcheinander: die Ethik und die Dogmatik, und zwar vor allem deshalb, weil man, nachdem man dem Wort Versöhnung Einlass verschafft hat, nun auch darauf verweist, dass Logik und λόγος (das Dogmatische) einander entsprechen und dass die Logik die eigentliche Lehre vom λόγος sei. Die Ethik und die Dogmatik kämpfen in einem schicksalhaften Konfinium um die Versöhnung. Reue und Schuld erzwingen die Versöhnung ethisch, während die Dogmatik aus der Empfänglichkeit für die angebotene Versöhnung jene historisch konkrete Unmittelbarkeit bezieht, mit der sie ihre Rede im großen Gespräch der Wissenschaft beginnt. Was wird nun daraus folgen? Die Sprache wird vermutlich ein großes Sabbatjahr halten müssen, man muss das Reden und Denken ruhen lassen, damit man am Anfang beginnen kann. – Man verwendet in der Logik das Negative als jene vorwärtstreibende Macht, die alles in Bewegung setzt. Und in der Logik braucht man ja Bewegung, wie immer man verfährt, ob mit dem Guten oder mit dem Bösen. Da hilft das Negative, und wenn das Negative nicht helfen kann, dann können es Wortspiele und Redensarten, so als wäre das Negative selbst ein Wortspiel geworden.1 In der Logik darf keine Bewegung werden, denn die [18]Logik ist, und alles Logische ist2 nur, und diese Ohnmacht des Logischen bedeutet den Übergang der Logik zum Werden, wo Dasein und Wirklichkeit hervortreten. Wenn sich die Logik dann in die Konkretion der Kategorien vertieft, bleibt es ständig dasselbe wie von Anfang an. Jede Bewegung, sofern man einen Augenblick lang diesen Ausdruck gebrauchen will, ist eine immanente Bewegung, und das heißt im tieferen Sinn keine Bewegung; davon wird man sich unschwer überzeugen, wenn man bedenkt, dass der Begriff Bewegung selbst eine Transzendenz ist, die in der Logik keinen Platz finden kann. Das Negative ist nun die Immanenz der Bewegung, ist das Verschwindende, ist das Aufgehobene. Geschieht alles auf diese Art, dann geschieht überhaupt nichts, und das Negative wird zum Phantom. Damit aber in der Logik doch etwas geschieht, macht man das Negative zu etwas mehr, es wird das den Gegensatz Hervorbringende, nicht eine Negation, sondern eine Kontra-Position. Dann bedeutet das Negative nicht die [19]Lautlosigkeit der immanenten Bewegung, es ist das ›notwendige Andere‹, was für die Logik gewiss sehr vonnöten sein kann, um die Bewegung in Gang zu setzen, nicht aber das Negative ist. Verlässt man die Logik und geht zur Ethik über, dann begegnet man dem in der gesamten Hegel’schen Philosophie unermüdlich tätigen Negativen abermals. Hier erfährt man zu seiner Verblüffung, dass das Negative das Böse sei. Jetzt ist die Konfusion im vollen Gange, die Geistreichigkeit kennt keine Grenzen, und wenn Madame Staël-Holstein von der Schelling’schen Philosophie gesagt hat, sie mache einen Menschen geistreich für sein ganzes Leben, dann trifft das für die Hegel’sche in jeder Hinsicht zu. Man sieht, wie unlogisch die Bewegungen in der Logik sein müssen, dieweil das Negative das Böse ist; wie unethisch sie in der Ethik sein müssen, dieweil das Böse das Negative ist. In der Logik ist es zu viel, in der Ethik zu wenig, nirgendwo passt es hin, soll es an beiden Stellen passen. Wenn die Ethik keine andere Transzendenz besitzt, dann ist sie wesentlich Logik; soll die Logik so viel Transzendenz besitzen, wie die Ethik anstandshalber haben sollte, dann ist sie keine Logik mehr.

Im Verhältnis zum Ort, an dem es steht, ist das hier Entwickelte vielleicht ausführlich genug (im Verhältnis zur Sache, die es behandelt, ist es von übertriebener Länge weit entfernt), doch ist es keineswegs überflüssig, denn die Einzelheiten wurden in Hinblick auf den Gegenstand dieser Schrift ausgewählt. Die Beispiele sind größer gegriffen, was aber im Großen geschieht, kann sich im Kleineren wiederholen, und das Missverständnis wird ein ähnliches, auch wenn die Folge weniger schädlich ist. Wer sich den Anschein gibt, Verfasser des Systems zu sein, der hat eine [20]Verantwortung im Großen; wer jedoch eine Monographie verfasst, der kann und sollte auch dem Kleinen getreu sein.

Die vorliegende Schrift hat sich zur Aufgabe gestellt, den Begriff ›Angst‹ psychologisch abzuhandeln, und zwar in einer Weise, dass sie das Dogma von der Erbsünde in mente und vor Augen hat. Insofern bekommt sie es auch, wenngleich schweigend, mit dem Begriff der Sünde zu tun. Indessen ist die Sünde keine Aufgabe für psychologisches Interesse, und sie solcherart zu behandeln, hieße nur, sich dem Dienst einer missverstandenen Geistreichigkeit hinzugeben. Die Sünde hat ihren bestimmten Platz, oder richtiger: sie hat gar keinen, und das ist ihre Bestimmung. Behandelt man sie an einem anderen Ort, dann verändert man sie, indem man sie in eine unwesentliche Reflexionsbrechung eingrenzt. Ihr Begriff wird verändert und damit zugleich jene Stimmung zerstört, die als die rechte dem richtigen Begriff entspricht,3 und man bekommt statt der Beständigkeit der echten Stimmung das flüchtige Gaukelspiel der unechten Stimmungen. Wird die Sünde nun in [21]die Ästhetik einbezogen, dann wird die Stimmung entweder leichtsinnig oder schwermütig; denn jene Kategorie, in der die Sünde liegt, ist der Widerspruch, und der ist entweder komisch oder tragisch. Die Stimmung ist also verändert, denn die Stimmung, die der Sünde entspricht, ist der Ernst. Auch ihr Begriff wird verändert, denn ob der Widerspruch nun komisch oder tragisch ist, er bleibt doch ein Bestehendes oder ein unwesentlich Aufgehobenes, während es sein Begriff ist, überwunden zu werden. Das Komische und Tragische hat im tieferen Sinn keinen Feind, sondern entweder einen Popanz, über den man weint, oder einen Popanz, über den man lacht. – Wird die Sünde in der Metaphysik behandelt, dann entsteht als Stimmung eine dialektische Ausgewogenheit und Desinteressiertheit, welche die Sünde als etwas durchdenkt, was dem Gedanken nicht zu widerstehen vermag. Der Begriff wird verändert, denn die Sünde soll zwar überwunden werden, doch nicht als etwas, was der Gedanke nicht zum Leben erwecken kann, sondern als etwas, was existiert und als solches einen jeden angeht. – Wird die Sünde in der Psychologie behandelt, dann entsteht als Stimmung eine beobachtende Beharrlichkeit, eine spionierende Unverzagtheit und nicht die Flucht des Ernstes, der ihr siegreich entkommt. Der Begriff wird ein anderer, denn die Sünde wird ein Zustand. Aber die Sünde ist kein Zustand. Ihre Idee ist, dass ihr Begriff sich ständig aufhebt. Als Zustand (de potentia) ist sie nicht, während sie de actu oder in actu ist und abermals ist. Die Stimmung der Psychologie wäre antipathetische Neugier, doch die rechte Stimmung ist das beherzte Widerstreben des Ernstes. Die Stimmung der Psychologie ist entdeckende Angst, und in ihrer Angst zeichnet sie die Sünde ab, [22]wobei sie sich vor jener Zeichnung, die sie selbst hervorbringt, ängstigt und ängstigt. Wird die Sünde auf solche Art behandelt, dann gewinnt sie die Übermacht, denn die Psychologie verhält sich zu ihr eigentlich weiblich. Es ist gewiss, dass dieser Zustand seine Wahrheit hat, es ist gewiss, dass er im Leben jedes Menschen mehr oder weniger vorkommt, ehe das Ethische in Erscheinung tritt; doch durch eine solche Behandlung wird die Sünde nicht, was sie ist, sondern mehr oder weniger.

Wenn man das Problem der Sünde behandelt sieht, kann man daher sogleich an der Stimmung erkennen, ob der Begriff der rechte ist. Sobald die Sünde zum Beispiel wie eine Krankheit, eine Abnormität, ein Gift, eine Disharmonie besprochen wird, ist auch der Begriff verfälscht.

Eigentlich ist die Sünde in keiner Wissenschaft zu Hause. Sie ist Gegenstand der Predigt, wo der Einzelne als Einzelner zum Einzelnen spricht. In unserer Zeit hat die wissenschaftliche Wichtigtuerei die Pastoren dazu verleitet, eine Art von Professoren-Küstern zu werden, die auch der Wissenschaft dienen und es unter ihrer Würde finden, noch zu predigen. Insofern ist es nun kein Wunder, dass man das Predigen für eine sehr armselige Kunst ansieht. Indessen ist es die schwierigste von allen Künsten und eigentlich jene Kunst, die Sokrates anpreist: ein Gespräch führen zu können. Es versteht sich von selbst, dass deshalb durchaus keiner aus der Gemeinde zu antworten braucht und dass es nichts nützte, ständig einen Sprecher einzuführen. Was Sokrates an den Sophisten tadelte, indem er auseinanderhielt, dass sie wohl sprechen, nicht aber ein Gespräch führen konnten, war eigentlich, dass sie über jedes Ding vieles zu sagen wussten und ihnen doch das Moment [23]der Aneignung fehlte. Die Aneignung ist gerade das Geheimnis des Gesprächs.

Dem Begriff der Sünde entspricht der Ernst. Jene Wissenschaft, in der die Sünde am ehesten ihren Platz finden sollte, wäre wohl die Ethik. Dies hat indessen seine große Schwierigkeit. Die Ethik ist noch eine ideale Wissenschaft, nicht nur in jenem Sinn, in dem es jede Wissenschaft ist. Sie will die Idealität in die Wirklichkeit bringen, dagegen ist ihre Bewegung nicht darauf gerichtet, die Wirklichkeit zur Idealität emporzuheben.4 Die Ethik zeigt die Idealität als Aufgabe und setzt voraus, dass der Mensch im Besitz der Bedingungen dafür ist. Damit entwickelt sie einen Widerspruch, denn sie macht gerade die Schwierigkeit und Unmöglichkeit sichtbar. Für die Ethik gilt, was vom Gesetz gesagt wird: Sie ist ein Zuchtmeister und richtet fordernd mit ihrer Forderung, ohne etwas zu gebären. Nur die griechische Ethik machte eine Ausnahme, und zwar deshalb, weil sie im eigentlichsten Sinne keine Ethik war, sondern ein ästhetisches Moment behielt. Dies ist deutlich in ihrer Definition der Tugend und in der Anschauung des Aristoteles zu erkennen, die er des Öfteren, doch auch in der Nikomachischen Ethik, mit liebenswürdiger griechischer Naivität zum Ausdruck bringt: dass ein Mensch nicht allein durch Tugend glücklich und zufrieden wird, sondern auch Gesundheit, Freunde, irdisches Gut besitzen und in seiner [24]Familie glücklich sein muss. Je idealer die Ethik ist, umso besser. Sie soll sich von dem Geschwätz, wie sinnlos es sei, das Unmögliche zu verlangen, nicht beirren lassen; denn es ist schon unethisch, eine solche Rede zu beachten, und die Ethik hat weder Zeit noch Gelegenheit dafür. Es ist nicht Sache der Ethik zu feilschen, und auf solche Weise erreicht man auch nicht die Wirklichkeit. Wenn man das will, muss die ganze Bewegung geändert werden. Dass die Ethik die Eigenschaft besitzt, ideal zu sein, verlockt gerade dazu, bei der Behandlung bald metaphysische, bald ästhetische, bald psychologische Kategorien zu gebrauchen. Doch natürlich muss die Ethik vor allem anderen Versuchungen widerstehen, und daher kann auch niemand eine Ethik schreiben, ohne ganz andere Kategorien in der Hinterhand zu haben.

Die Sünde gehört nur insofern in die Ethik, als sie mit Hilfe der Reue an diesem Begriff scheitert.5 Wenn die [27]Ethik die Sünde aufnehmen soll, dann ist es mit ihrer Idealität vorbei. Je mehr sie in ihrer Idealität verbleibt – sie darf jedoch niemals so unmenschlich werden, dass sie die Wirklichkeit aus dem Blickfeld verliert, sondern muss mit dieser korrespondieren, indem sie sich jedem Menschen als Aufgabe stellt, um ihn zum wahren, zum ganzen Menschen, zum Menschen ϰατ’ἐξοχήν zu machen –, umso mehr spitzt sie die Schwierigkeit zu. Im Kampf für die Realisierung der ethischen Aufgabe erscheint die Sünde nicht als etwas, das nur zufällig einem zufälligen Individuum gehört, sondern als eine immer tiefer werdende Voraussetzung, die sich tiefer und tiefer entzieht, als eine Voraussetzung, die über das Individuum hinausgeht. Jetzt ist für die Ethik alles verloren, und sie hat selbst dazu beigetragen, alles zu verlieren. Es ist eine Kategorie zum Vorschein gekommen, die vollkommen außerhalb ihres Umkreises liegt. Die Erbsünde macht alles noch verzweifelter, d. h., sie hebt die Schwierigkeit auf, jedoch nicht mit Hilfe der Ethik, sondern durch die Dogmatik. Ebenso wie alles Erkennen und Spekulieren der Antike zur Voraussetzung hatte, dass der Gedanke Realität besaß, setzt auch jegliche Ethik der Antike voraus, dass die Tugend realisierbar ist. Die Skepsis der Sünde ist dem Heidentum völlig fremd. Für das ethische Bewusstsein ist die Sünde, was der Irrtum für das Erkennen ist: die einzelne Ausnahme, die nichts beweist.

[28]Mit der Dogmatik beginnt diejenige Wissenschaft, die im Gegensatz zu jener Wissenschaft, die man im strengen Sinn als ideal bezeichnet, von der Wirklichkeit ausgeht. Sie fängt mit dem Wirklichen an, um es in der Idealität aufzuheben. Sie verleugnet die Anwesenheit der Sünde nicht, sondern setzt sie voraus und erklärt sie, indem sie die Erbsünde voraussetzt. Indessen wird die Dogmatik überaus selten rein behandelt, und deshalb sieht man die Erbsünde häufig auf eine Art in ihr Gebiet hineingezogen, dass der Eindruck der heterogenen Ursprünglichkeit der Dogmatik nicht ins Auge springt, sondern sich verwirrt, was auch passiert, wenn man in ihr ein Dogma von den Engeln, von der Heiligen Schrift usw. findet. Daher wird die Dogmatik die Erbsünde nicht erklären, sondern sie erklärt sie, indem sie sie voraussetzt, vergleichbar jenem Wirbel, von dem die griechische Naturspekulation verschiedentlich sprach, als einem bewegenden Etwas, das keine Wissenschaft erfassen kann.

Dass dies im Hinblick auf die Dogmatik richtig ist, wird man zugeben, wenn man wieder einmal Zeit findet, um Schleiermachers unsterbliches Verdienst in dieser Wissenschaft zu verstehen. Man hat sich für Hegel entschieden und ihn längst verlassen, und doch war Schleiermacher in schöner griechischer Bedeutung ein Denker, der nur von dem sprach, was er wusste, während Hegel, bei all seinen vorzüglichen Eigenschaften und seiner kolossalen Gelehrsamkeit, mit seiner Leistung doch stets aufs Neue daran erinnert, dass er im deutschen Sinne ein Philosophieprofessor nach großem Maßstab war, der à tout prix alles erklären muss.

Die neue Wissenschaft beginnt also mit der Dogmatik, so wie die immanente Wissenschaft mit Metaphysik [29]beginnt. Hier findet die Ethik wieder ihren Platz als jene Wissenschaft, welche das Bewusstsein der Dogmatik hat, dass die Wirklichkeit eine Aufgabe für die Wirklichkeit ist. Diese Ethik ignoriert die Sünde keineswegs, und ihre Idealität besteht nicht darin, ideal zu fordern, sondern in dem durchdringenden Bewusstsein der Wirklichkeit, der Wirklichkeit der Sünde, doch wohlgemerkt ohne metaphysischen Leichtsinn und psychologische Konkupiszenz.

Man erkennt ohne Mühe, dass die Bewegung verschieden ist und dass jene Ethik, von der wir jetzt sprechen, zu einer anderen Ordnung der Dinge gehört. Die erste Ethik scheiterte an der Sündigkeit des Einzelnen. Schon diese konnte sie nicht erklären, und als sich die Sünde des Einzelnen nun zur Sünde des ganzen Geschlechts ausdehnte, musste die Schwierigkeit noch größer und ethisch rätselhafter werden. Da kam die Dogmatik mit der Erbsünde zu Hilfe. Die neue Ethik, welche die Dogmatik und damit die Erbsünde voraussetzt, erklärt nun daraus die Sünde des Einzelnen und stellt gleichzeitig die Idealität als Aufgabe, jedoch nicht in einer Bewegung von oben nach unten, sondern von unten nach oben.

Aristoteles hat bekanntlich den Ausdruck πρώτη φιλοσοφία gebraucht und damit am ehesten das Metaphysische bezeichnet, obgleich er auch mehreres aufnahm, was nach unseren Begriffen in die Theologie gehörte. Dass man im Heidentum die Theologie auf solche Art behandeln musste, war vollkommen in seiner Ordnung; der gleiche Mangel an unendlicher Durchreflektiertheit hat auch bewirkt, dass im Heidentum das Theater als eine Art Gottesdienst Realität besaß. Will man nun von dieser Zweideutigkeit abstrahieren, dann könnte man die Bezeichnung πρώτη [30]φιλοσοφία6 beibehalten und darunter eine wissenschaftliche Totalität verstehen, die sich die heidnische nennen ließe, deren Wesen die Immanenz oder, griechisch gesprochen: die Erinnerung ist, und unter secunda philosophia verstünde man dann jene, deren Wesen die Transzendenz oder die Wiederholung ist.7

Der Begriff Sünde ist eigentlich in keiner Wissenschaft zu Hause, nur die zweite Ethik ist imstande, ihre Offenbarung, nicht aber ihre Entstehung zu behandeln. Sofern irgendeine andere Wissenschaft sie abhandeln will, wird der Begriff verwirrt. So auch, um unserm Vorhaben näherzukommen, wenn die Psychologie diesen Versuch unternehmen wollte.

Das, womit sich die Psychologie beschäftigen soll, muss ein Ruhendes sein, das in bewegter Ruhe verbleibt, nicht ein Unruhiges, das sich entweder ständig selbst produziert oder unterdrückt wird. Das Bleibende aber, aus dem die Sünde ständig wird – nicht mit Notwendigkeit, denn ein Entstehen mit Notwendigkeit ist ein Zustand, wie zum Beispiel die gesamte Pflanzengeschichte ein Zustand ist, sondern mit Freiheit –, dieses Bleibende, die disponierende [31]Voraussetzung, die reale Möglichkeit der Sünde, das ist ein Gegenstand für das Interesse der Psychologie. Die Psychologie kann damit beschäftigt sein und sich damit beschäftigen, wie die Sünde entsteht, nicht dass sie entsteht. Sie kann es mit ihrem psychologischen Interesse so weit bringen, dass es so aussieht, als wäre die Sünde da, doch zum Nächsten, dass sie da ist, besteht ein qualitativer Unterschied. Wie diese Voraussetzung der sorgfältigen psychologischen Kontemplation und Beobachtung nun immer umfassender in Erscheinung tritt, dafür interessiert sich die Psychologie, ja, sie möchte sich gleichsam der Täuschung hingeben, dass die Sünde damit schon existierte. Diese letzte Täuschung aber ist die Ohnmacht der Psychologie und zeigt, dass sie ausgedient hat.

Psychologisch gesprochen ist es zwar ganz richtig, dass die menschliche Natur so beschaffen sein muss, dass sie die Sünde ermöglicht, doch diese Möglichkeit der Sünde zu ihrer Wirklichkeit machen zu wollen, das empört die Ethik und klingt für die Dogmatik wie Blasphemie; denn die Freiheit ist niemals möglich, sobald sie ist, ist sie wirklich im gleichen Sinne, wie in einer älteren Philosophie gesagt wird: Wenn Gottes Dasein möglich ist, dann ist es notwendig.

Ist die Sünde wirklich gesetzt, dann ist die Ethik sofort zur Stelle und folgt nun jedem ihrer Schritte. Wie sie entstand, das kümmert die Ethik nicht, für sie ist es nur gewiss, dass die Sünde als Sünde in die Welt gekommen ist. Und noch weniger als um die Entstehung der Sünde bekümmert sich die Ethik um das Stillleben ihrer Möglichkeit.

Wenn man hier nun genauer fragte, in welchem Sinn und wie weit die Psychologie ihren Gegenstand in der Beobachtung verfolgt, dann versteht sich aus dem [32]Vorhergehenden wie von selbst, dass eine Beobachtung der Wirklichkeit der Sünde als gedachter Wirklichkeit keineswegs ihr zukommt, sondern der Ethik – nicht als Beobachtung, denn die Ethik ist niemals beobachtend, sondern anklagend, richtend, handelnd. Ferner versteht sich aus dem Vorhergehenden wie von selbst, dass die Psychologie mit dem Detail der empirischen Wirklichkeit nur insofern zu tun hat, als dieses außerhalb der Sünde ist. Als Wissenschaft kann die Psychologie zwar niemals empirisch mit dem Detail zu tun haben, das ihr unterworfen ist, doch wenn sie konkreter wird, kann dieses Detail dennoch seine wissenschaftliche Repräsentation erlangen. In unseren Zeiten ist diese Wissenschaft, die sich doch mehr als jede andere an der schäumenden Vielfalt des Lebens fast berauschen darf, so enthaltsam und asketisch wie ein Selbstquäler geworden. Das ist nicht ihre, sondern die Schuld ihrer Betreiber. Im Verhältnis zur Sünde ist ihr jedoch der Inhalt der ganzen Wirklichkeit verschlossen, und nur die Möglichkeit gehört noch zu ihr. Ethisch gedacht, kommt die Möglichkeit der Sünde natürlich niemals vor, die Ethik lässt sich nicht hinters Licht führen und verschwendet keine Zeit an eine solche Überlegung. Die Psychologie dagegen liebt diese Möglichkeit, und während sie ihre Konturen zeichnet und ihre Winkel berechnet, lässt sie sich ebenso wenig stören wie Archimedes.

Doch indem sich die Psychologie solcherart in die Möglichkeit der Sünde vertieft, dient sie, ohne es zu ahnen, einer anderen Wissenschaft, welche nur darauf wartet, dass sie fertig wird, um selbst zu beginnen und ihr zur Erklärung zu verhelfen. Diese Wissenschaft ist nicht die Ethik, denn die hat mit einer solchen Möglichkeit gar nichts zu tun, [33]sondern die Dogmatik, und hier tritt das Problem der Erbsünde abermals in Erscheinung. Während die Psychologie die reale Möglichkeit der Sünde erforscht, erklärt die Dogmatik die Erbsünde und damit die ideelle Möglichkeit der Sünde. Dagegen hat die zweite Ethik mit der Möglichkeit der Sünde oder der Erbsünde nichts zu schaffen. Die erste Ethik ignoriert die Sünde, die zweite Ethik hat die Wirklichkeit der Sünde in ihrem Umkreis, und in den kann die Psychologie wiederum nur durch ein Missverständnis eindringen.

Wenn sich das hier Entwickelte richtig verhält, dann wird man unschwer erkennen, mit welchem Recht ich die vorliegende Schrift eine psychologische Überlegung genannt habe und dass diese, sofern ihr Verhältnis zur Wissenschaft bewusstgemacht wurde, zur Psychologie gehört und wiederum zur Dogmatik tendiert. Man hat die Psychologie die Lehre vom subjektiven Geist genannt. Wer dies etwas weiterverfolgt, der wird sehen, dass sie erst in die Lehre vom absoluten Geist umschlagen muss, wenn sie zum Problem der Sünde gelangt. Da liegt die Dogmatik. Die erste Ethik setzt die Metaphysik voraus, die zweite die Dogmatik, um sie jedoch auch in der Art zu vollenden, dass hier wie allenthalben die Voraussetzung erscheint.

Dies war die Aufgabe der Einleitung. Das mag richtig sein, während die eigentliche Überlegung zum Begriff Angst vollkommen falsch sein kann. Ob das so ist, muss sich zeigen.

[35]Caput I

Angst als Voraussetzung der Erbsünde und als ihre retrograde, auf ihren Ursprung gerichtete Erklärung

§ 1

Historische Andeutungen in Hinblick auf den Begriff Erbsünde

Ist dieser Begriff identisch mit dem Begriff der ersten Sünde, Adams Sünde, dem Sündenfall? So hat man es wohl manches Mal verstanden und deshalb die Erklärung der Erbsünde mit der Erklärung von Adams Sünde identisch zur Aufgabe gestellt. Hier stieß das Denken auf Schwierigkeiten, und deshalb wählte man einen Ausweg. Weil man doch etwas erklären wollte, installierte man eine phantastische Voraussetzung, in deren Verlust die Folge des Sündenfalls bestand. Man gewann damit den Vorteil, dass jeder Mensch willig eingestand, dass es einen Zustand wie den beschriebenen auf Erden nicht gab; doch man vergaß dabei, dass der Zweifel ein anderer war: ob es einen solchen Zustand jemals gegeben hätte – was ziemlich notwendig gewesen wäre, um ihn zu verlieren. Die Geschichte des Menschengeschlechts bekam einen phantastischen Anfang, Adam wurde phantastisch hinausbefördert, das fromme Gefühl und die Phantasie bekamen, was sie verlangten – ein göttliches Vorspiel, aber das Denken bekam nichts. Die Art und Weise, wie Adam ausgeschlossen wurde, war doppelt phantastisch. Die Voraussetzung war eine dialektisch-phantastische, vor allem im Katholizismus (Adam verlor donum divinitus datum supranaturale et admirabile). Sie war eine historisch-phantastische, vor allem in der [36]föderalen Dogmatik, die sich dramatisch in einer Phantasie-Anschauung verlor, wie Adam als Bevollmächtigter des ganzen Menschengeschlechts auftrat. Beide Erklärungen erklären natürlich gar nichts, denn die eine erklärt nur weg, was sie selbst hineingedichtet hat; die andere dichtet nur etwas hinein, was nichts erklärt.

Unterscheidet sich der Begriff Erbsünde nun dergestalt vom Begriff der ersten Sünde, dass der Einzelne nur durch sein Verhältnis zu Adam und nicht durch sein unmittelbares Verhältnis zur Sünde daran teilhat? In einem solchen Fall ist Adam wieder phantastisch aus der Geschichte hinausbefördert. Seine Sünde ist dann ein mehr als Vergangenes (plus quam perfectum). Die Erbsünde ist das Gegenwärtige, ist die Sündigkeit, und Adam ist der Einzige, in dem sie nicht war, weil sie durch ihn wurde. Nicht Adams Sünde trachtete man zu erklären, sondern die Erbsünde in ihren Konsequenzen. Doch für das Denken war das keine Erklärung. Daher lässt sich wohl verstehen, dass die Aussage einer symbolischen Schrift, eine Erklärung sei unmöglich, keineswegs im Widerspruch zu der Erklärung steht. Die Schmalkaldischen Artikel lehren ausdrücklich: peccatum haereditarium tarn profunda et tetra est corruptio naturae, ut nullius hominis ratione intelligi possit, sed ex scripturae patefactione agnoscenda et credenda sit. Diese Äußerung lässt sich durchaus mit den Erklärungen vereinen, denn in ihnen treten nicht so sehr die Gedankenbestimmungen als solche in Erscheinung, sondern das fromme Gefühl (in Bezug auf das Ethische) macht seiner Empörung über die Erbsünde Luft, nimmt die Rolle des Anklägers auf sich und ist nun mit nahezu weiblicher Leidenschaft, mit der Schwärmerei eines liebenden Mädchens, einzig und [37]allein bemüht, die Sündigkeit und darin sich selbst immer abscheulicher darzustellen, bis schließlich kein Wort hart genug ist, um das Partizipieren des Einzelnen daran zu bezeichnen. Wenn man in dieser Hinsicht die verschiedenen Konfessionen überschaut, dann stellt sich eine Gradation heraus, in der die tiefe protestantische Frömmigkeit den Sieg davonträgt. Die griechische Kirche nennt die Erbsünde ἁμάρτημα πρωτοπατοριϰόν. Sie hat nicht einmal einen eigenen Begriff; denn dieses Wort ist nur eine historische Angabe, die als Begriff nicht das Gegenwärtige, sondern nur das historisch Abgeschlossene bezeichnet. Vitium originis (Tertullian) ist zwar ein Begriff, aber die Sprachform erlaubt es doch, das Historische als das Überwiegende aufzufassen. Peccatum originale (quia originaliter tradatur. Augustin) zeigt den Begriff an, der noch deutlicher durch die Unterscheidung zwischen peccatum originans und originatum bestimmt wird. Der Protestantismus verwirft scholastische Bestimmungen (carentia imaginis dei; defectus justitiae originalis) und desgleichen, dass die Erbsünde poena (concupiscentiam poenam esse non peccatum, disputant adversarii. Apologie der Confessio Augustana) wäre, und nun beginnt die enthusiastische Klimax: vitium, peccatum, reatus, culpa. Da man sich nur um die Beredsamkeit der zerknirschten Seele kümmert, kann man bisweilen einen völlig entgegengesetzten Gedanken in die Rede über die Erbsünde einfließen lassen (nunc quoque afferens iram dei iis, qui secundum exemplum Adami peccarunt). Oder jene bekümmerte Beredsamkeit kümmert sich um den Gedanken nicht im Geringsten, sondern spricht das Entsetzliche der Erbsünde aus (quo fit, ut omnes propter inobedientiam Adae et Hevae in odio apud deum simus. Formula [38]Concordiae). Doch hat die Konkordienformel vorsichtigerweise dagegen protestiert, es zu denken; denn wenn es gedacht wird, dann wird die Sünde zur Substanz des Menschen8). Sobald die Begeisterung des Glaubens und der Zerknirschung verschwindet, helfen einem derartige Bestimmungen, die es der schlauen Verständigkeit nur erleichtern, sich um die Sündenerkenntnis herumzudrücken, nicht mehr weiter. Dass aber andere Bestimmungen notwendig sind, ist ebenso wie die Notwendigkeit von anderen als drakonischen Gesetzen ein zweifelhafter Beweis für die Vollkommenheit der Zeit.

Das Phantastische, das hier zum Vorschein gekommen ist, wiederholt sich ganz konsequent an einem anderen Punkt der Dogmatik, nämlich bei der Versöhnung. Da wird gelehrt, Christus habe Genugtuung für die Erbsünde geleistet. Aber was wird nun aus Adam? Wenn er die Erbsünde in die Welt gebracht hat, ist sie da nicht eine aktuelle Sünde in ihm gewesen? Oder bedeutet die Erbsünde für Adam dasselbe wie für jeden im Menschengeschlecht? In solchem Fall wäre der Begriff aufgehoben. Oder ist Adams ganzes Leben die Erbsünde gewesen? Hat die erste Sünde nicht weitere, d. h. aktuelle Sünden in ihm geboren? Hier zeigt sich der Fehler im Vorhergehenden deutlicher, denn Adam ist so phantastisch aus der Geschichte geraten, dass er als Einziger von der Versöhnung ausgeschlossen ist.

[39]Wie man das Problem auch stellen mag: Sobald Adam phantastisch aus der Geschichte kommt, ist alles verwirrt. Daher heißt Adams Sünde erklären die Erbsünde erklären, und wenn eine Erklärung Adam, nicht aber die Erbsünde, oder die Erbsünde, nicht aber Adam erklären will, dann hilft sie gar nichts. Dies hat seinen tiefsten Grund in dem Wesentlichen der menschlichen Existenz: dass der Mensch ein Individuum und als solches gleichzeitig er selbst und die ganze Gattung ist, in einer Weise, dass die gesamte Gattung am Individuum und das Individuum an der gesamten Gattung partizipiert.9 Wenn man dies nicht festhält, gerät man entweder in die pelagianische, socinianische, philanthropische Eins-Zahl oder ins Phantastische. Die Prosaik des Verstandes dabei ist, dass sich die Gattung numerisch in ein »Einmalein« auflöst. Das Phantastische dabei ist, dass Adam die wohlgemeinte Ehre genießt, mehr als die ganze Gattung zu sein, oder die zweideutige Ehre, außerhalb der Gattung zu stehen.

In jedem Augenblick ist es so, dass das Individuum es selbst und die Gattung ist. Dies ist die Vollkommenheit des Menschen, als Zustand gesehen. Gleichzeitig ist es ein Widerspruch; doch ein Widerspruch ist stets Ausdruck für eine Aufgabe; eine Aufgabe aber ist Bewegung; doch eine Bewegung als Aufgabe auf dasselbe gerichtet, was als dasselbe angegeben war, ist eine historische Bewegung. Also hat das Individuum Geschichte; wenn aber das Individuum Geschichte hat, dann hat die Gattung sie auch. Jedes [40]Individuum besitzt dieselbe Vollkommenheit, eben deshalb fallen die Individuen nicht numerisch auseinander, ebenso wenig wie der Begriff der Gattung zum Phantom wird. Jedes Individuum ist wesentlich an der Geschichte aller anderen Individuen, ja genauso wesentlich wie an seiner eigenen interessiert. Die Vollendung in sich selbst ist daher die vollkommene Partizipation am Ganzen. Kein Individuum ist gegen die Geschichte der Gattung gleichgültig, ebenso wenig wie es die Gattung gegen die eines Individuums ist. Indem nun die Geschichte der Gattung vorwärtsschreitet, beginnt das Individuum ständig von vorn, weil es es selbst und die Gattung und darin wiederum die Geschichte der Gattung ist.

Adam ist der erste Mensch, er ist gleichzeitig er selbst und die Gattung. Nicht das ästhetisch Schöne veranlasst uns, zu ihm zu halten, nicht aus einem hochmütigen Gefühl heraus schließen wir uns ihm an, um ihn, als den Schuldigen an allem, gewissermaßen nicht im Stich zu lassen; nicht die Begeisterung der Sympathie und die Überredung der Pietät erzeugen in uns den Wunsch, die Schuld mit ihm zu teilen, so wie das Kind mit dem Vater schuldig sein möchte; nicht weil uns ein gezwungenes Mitleid lehrt, uns mit dem abzufinden, womit man sich nun einmal abfinden muss, halten wir an ihm fest – sondern wir tun es kraft des Gedankens. Jeder Versuch, Adams Bedeutung für das Geschlecht als caput generis humani naturale, seminale, foederale – um an dogmatische Ausdrücke zu erinnern – zu erklären, verwirrt alles. Adam ist nicht wesentlich verschieden von der Gattung, denn sonst gäbe es sie gar nicht; er ist nicht die Gattung, denn sonst gäbe es die Gattung auch nicht: er ist er selbst und die Gattung. Was Adam erklärt, das erklärt deshalb die Gattung und umgekehrt.

[41]§ 2

Der Begriff ›Die erste Sünde‹

Nach traditionellen Begriffen besteht der Unterschied zwischen Adams erster Sünde und der ersten Sünde eines jeden Menschen darin: Adams Sünde bedingt die Sündigkeit als Konsequenz, die andere erste Sünde setzt die Sündigkeit als Bedingung voraus. Wenn es sich so verhielte, dann stünde Adam wirklich außerhalb der Gattung, und diese hätte ihren Anfang nicht mit ihm, sondern außerhalb von sich selbst, was jedem Begriff widerstreitet.

Dass die erste Sünde etwas anderes bedeutet als eine Sünde (d. h. eine Sünde wie mehrere andere), etwas anderes als eine Sünde (d. h. Nr. 1 im Verhältnis zu Nr. 2), ist leicht einzusehen. Die erste Sünde ist die Bestimmung der Qualität, die erste Sünde ist die Sünde. Darin besteht das Geheimnis des Ersten und das Ärgernis für die abstrakte Verständigkeit, welche der Meinung ist: Einmal ist keinmal, doch viele Male sind etwas, was vollkommen unsinnig ist, denn die vielen Male bedeuten entweder jedes für sich genauso viel wie das erste Mal oder zusammen nicht annähernd so viel. Es ist daher ein Aberglaube, wenn man in der Logik annimmt, durch ein fortgesetztes, quantitatives Bestimmen könnte eine neue Qualität entstehen; es ist eine unverzeihliche Verschweigung, wenn man zwar nicht verhehlt, dass es ein wenig anders zugeht, wohl aber die Folge davon für die gesamte logische Immanenz verhehlt, indem man es in die logische Bewegung hineinredet, wie es Hegel tut.10 Die [42]neue Qualität erscheint sofort, mit dem Sprung, mit der Plötzlichkeit des Rätselhaften.

Wenn die erste Sünde numerisch eine Sünde bedeutet, dann entsteht daraus keine Geschichte, die Sünde bekommt sie weder im Individuum noch in der Gattung, denn die Bedingung dafür ist dieselbe – obgleich deshalb die Geschichte der Gattung als solche ebenso wenig die Geschichte des Individuums ist wie die des Individuums die der Gattung, außer insofern, als der Widerspruch ständig die Aufgabe ausdrückt.

Mit der ersten Sünde kam die Sünde in die Welt. Dasselbe trifft für die erste Sünde jedes späteren Menschen zu: Auch mit ihr kommt die Sünde in die Welt. Dass es sie vor Adams erster Sünde nicht gegeben hat, das ist in Beziehung zur Sünde selbst eine vollkommen zufällige Reflexion, die nichts mit der Sache zu tun hat und nicht im Geringsten Bedeutung oder Recht besitzt, Adams Sünde größer oder die erste Sünde jedes anderen Menschen kleiner zu [43]machen. Wenn man den Anschein erwecken will, als würde sich die Sündigkeit eines Menschen so lange quantitativ bestimmen, bis sie schließlich durch eine generatio aequivoca die erste Sünde in ihm erzeugte, dann ist das gerade eine logische und ethische Ketzerei. So etwas geschieht ebenso wenig, wie Trop