Der Brand - Bernhard Heinz Witzsch - E-Book

Der Brand E-Book

Bernhard Heinz Witzsch

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Beschreibung

Darstellung einer brandenburger Landschaft vor den Toren von Berlin. Der Brand liegt zwischen den Ausläufern des Fläming und dem Unterspreewald. Kleinteilige Adelsherrschaften waren an seiner Nutzung beteiligt. Bis 1815 gehörte das Gebiet zu Sachsen und war eine typische Heidelandschaft mit ausgeprägten Schafhaltung. Nach der Übernahme durch Preußen erfolgte die Separation mit der Auflösung der Hutungs- und Holzgerechtsame. Es folgte eine großflächige Aufforstung mit Kiefern. In der Folge waren der Bau der Berlin-Görlitzer-Eisenbahn und die militärische Nutzung prägend. Der deutsche und anschließend der sowjetisch/russische Flugplatz bestimmten 55 Jahre das Leben um und auf dem Brand. Ab 1995 wandelte sich das Gesicht des Brand. CargoLifter war eine Episode, allerdings mit dem Bau der größten freitragenden Halle. Heute prägt Tropical Islands die Landschaft und ist im Verbund mit dem Unterspreewald der wirtschaftliche Motor der Region.

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Seitenzahl: 135

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Inhalt

Vorwort zur zweiten überarbeitenden Auflage

1.

Eine Landschaft stellt sich vor

2.

Blick in längst vergangene Zeiten

2.1. Recht und Gesetz

2.2. Grenzgedanken

2.3. Die Schäfereien

2.4. Toter Mann und Hungriger Wolf

2.5. Die Heer- und Handelsstraße über den Brand

2.6. Der Bahnhof Brand im Wandel der Zeiten

2.7. Anmerkungen zu Jagd und Waldwirtschaft

3.

Die militärischen Hinterlassenschaften auf dem Brand

3.1. Krieg und Verwüstung

3.2. Der deutsche Flugplatz

3.2. Der sowjetisch russische Flugplatz

4.

Konversion auf dem Brand und seine heutige Nutzung

4.1. Das Asylbewerberheim

4.2. Rückbau und angedachte Sanierung

4.3. Brücken-, Straßenbau und Grundwasser

4.4. Betonwerk Brand

4.5. CargoLifter – ein unverwirklichter Traum

4.6. Tropical Islands – Die Chance für den Brand

4.7. Der Landkreis investiert

5.

Wandern und Radfahren auf und um den Brand

6.

Abbildungsverzeichnis

7.

Literaturverzeichnis

Vorwort zur zweiten überarbeitenden Auflage

Die Veröffentlichung der ersten Auflage im Jahre 2012 gab den damaligen Kenntnisstand zum und über die Landschaft des BRAND wieder. Das Interesse an der kleinen Broschüre war über die Jahre recht hoch und führte durch zahlreiche Einlassungen und der Erschließung weiteren archivalischen Quellen zu der Einsicht, dass eine Überarbeitung notwendig wird. Vor allem die persönlichen Erinnerungen von Lesern lassen das Leben und Arbeiten stärker in den Vordergrund treten. Im Brandenburgischen Landeshauptarchiv konnten weitere Dokumente erschlossen werden. Auch die Einsichtnahme in mehrere Materialsammlungen und Einzelveröffentlichungen war von großem Wert. Durch diesen gewachsenen Wissensfundus konnten vor allem die Angaben zu den Besitz- und Nutzungsverhältnissen, dem Bahnhof Brand, zur militärischen Inanspruchnahme und deren Konversion ergänzt werden. Viele dieser Erkenntnisse fanden bereits ihren Niederschlag in meinen themenbezogenen Einzelveröffentlichungen und Vorträgen. Mit der Überarbeitung der Broschüre habe ich den Versuch unternommen, den mir gegenwärtig bekannten Wissensstand gerecht zu werden. Eng damit verbunden war eine Überarbeitung und Ergänzung der eingefügten Abbildungen und Fotos.

Bernhard Heinz Witzsch

Freiwalde, 31. August 2021

1. Eine Landschaft stellt sich vor

Südlich von Berlin liegt zwischen dem Unterspreewald, der kleinen märkischen Stadt Golßen und den Krausnicker Berge der BRAND. Die Vielfalt der Landschaft ist beeindruckend. Neben dem Wald, heute hauptsächlich aus Kiefern bestehend, prägen die eiszeitlich entstandenen kleinen Heideseen, der zunehmend verlandende Luchsee und der Wehla-Berg dieses Stück brandenburgischer Erde. Wanderungen und Radtouren bieten sich auf einem gut ausgebauten Wegenetz an. Dazu gesellen sich mehrere interessante Orte mit ihren Sehenswürdigkeiten und einer bodenständigen Gastronomie. Groß Wasserburg, Köthen, Briesen und Krausnick sind schon lange beliebte Urlaubsorte und Ausgangspunkte für Aktivitäten naturverbundener Zeitgenossen. Ab 2004 prägt Tropical Islands das Antlitz der Landschaft Brand.

Bereits aus der Bronzezeit sind Siedlungsnachweise vorhanden. Ein Urnengrab mit seiner reichhaltigen Ausstattung in der Nähe von Krausnick belegt die Anwesenheit der sogenannten Lausitzer Kultur über einen längeren Zeitraum.

Der Brand, keiner kann so richtig sagen wann und warum diese Landschaft so benannt wurde. Wie immer in derartigen Fällen gibt es unterschiedliche Interpretationen: Waren es Brandrodungen der Siedler, gaben Schäfer diesem Fleckchen Erde seinen Namen, oder bezeichneten die adeligen Standesherren von Krausnick, Waldow, Briesen und Oderin diesen Landstrich einfach so? Soviel ist jedenfalls klar, das ehemalige Grenzland zwischen Sachsen und Preußen wird seit mehreren Jahrhunderten der BRAND genannt. Heute kennen wir ihn nur großflächig bewaldet. Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts herrschte dagegen eine karge Heidelandschaft vor. Bereits weit vor dem 17. Jahrhundert bestanden keine großflächigen Waldungen mehr zwischen Unterspreewald und Fläming. Die intensiv betriebene Weidewirtschaft, Rodungen zur Gewinnung von Ackerland und die extensive Holznutzung schufen im Mittelalter riesige waldfreie Gebiete in ganz Deutschland. Einem solchen Eingriff in die Natur sind auch die einst vorhandenen Kiefern-, Stieleichen-, Birken- und Hainbuchenbestände auf dem Brand zum Opfer gefallen. Nach ALWIN ARNDT gab es nur noch an den Randzonen etwas Baumbestand. Waldweide verstärkte diesen Prozess noch zusätzlich. Solche Eingriffe in die Natur hinterließen eine Heidelandschaft mit vereinzelten lichten Baum- und Strauchgruppen von Ginster, Wacholder, Birken und wenigen Eichen und Kiefern. Die Karten der Landvermesser ÖDER und ZIMMERMANN1 von 1586 bis 1614 im Auftrage des sächsischen Kurfürsten und der Besitzer der Herrschaft Baruth erstellt, bestätigen den geschilderten damaligen Zustand. Im Mittelalter war der Wald ja Rohstofflieferant Nummer eins. Deshalb war die Erfassung des Waldbestandes für ihre Besitzer so bedeutsam und im Ergebnis auch gewinnbringend gewesen. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die von RUDOLF LEHMANN in seinem Beitrag „Brandenburg-Preußen und die Niederlausitz“ wiedergegebene Karte des „Krumspreeischen Kreises oder Lübbenische“.2 Auf dieser Karte des 17. Jahrhunderts ist zwischen den Dörfern Köthen, Krausnick, bis hin nach Teupitz kein Wald eingezeichnet. Nur die Krausnicker Berge waren mit einem lichten Baumbestand ausgewiesen. Das bestätigt auch eine weitere sächsische Karte aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Erst nach der Separation und der damit verbundenen Ablösung der Hutungsrechte, erfolgte eine verstärkte forstwirtschaftliche Nutzung. Aufforstung mit der allgegenwärtigen Kiefer war ab ca. 1850 das Gebot der Zeit. Die Kiefer kann ab da für die Brandenburger Forstwirtschaft als der Brotbaum definiert werden.

Gleich hinter den zur Gemarkung von Groß Wasserburg gehörenden Heideseen, mit dem etwas abseits gelegenen Luchsee nahe bei Krausnick und den beiden Seen vor Oderin und Briesen liegt der Brand, wie von ihnen umrahmt. An seinen Rändern finden wir die Dörfer Schönwalde, Krausnick, Groß Wasserburg, Köthen, Oderin, Briesen, Staakow, Rietzneuendorf und Waldow bei Brand. Fast könnte man annehmen, dass das Synonym von der „Brandenburgischen Streusandbüchse“ hier geprägt wurde. Ein Stück Endmoräne, also die Krausnicker Berge, den westlich vorgelagerten Sanderflächen, auf denen sich der eigentliche Brand befindet, sind Überbleibsel der vor 20.000 Jahren endenden letzten Eiszeit. Ein 500 bis 1.000 Meter dicker Eispanzer bedeckte ca. 500.000 Jahre diesen Landstrich. Das Baruther Urstromtal schließt im Westen an. Nach heutigem Erkenntnisstand wurden die Krausnicker Berge und der Sander durch mehrmalige Gletschervorstöße gebildet. Nur dadurch konnten sich die kleinen Seen mit dem größeren Köthener See bilden. Der letzte Gletschervorstoß schuf dann das heutige Landschaftsbild. Aus zwei Gletschertoren ergossen sich gewaltige Schmelzwasserflüsse. Ein Tor lag in Höhe des heutigen Luchsee und das Zweite in der Nähe des späteren Bunten Stieles. Damit wird auch erkennbar, die heutigen Krausnicker Berge, haben bei dem letzten Gletschervorstoß bereits bestanden. Wer dem alten Fahrweg von Krausnick nach Märkisch Buchholz folgt, bemerkt zwischen Luchsee und Bunten Stiel einen sehr kräftigen Landschaftsanstieg. Sandablagerungen trennte somit die Abflussrichtung der Schmelzwasser. Einmal floss das Schmelzwasser in Richtung des Baruther Urstromtales und der zweite Schmelzwasserstrom ergoss sich in Richtung des heutigen Köthener Sees. Übrig geblieben sind die Heideseen und ein Kesselmoor mit dem Luchsee. Immer wieder begegnet uns Sand auf dem Brand. Woraus besteht er eigentlich und woher stammt er? Feldspat, Quarz und Glimmer das vergesse ich nimmer, so lernten Generationen von Schülern die Bestandteile des Sandes auch in den Schulen der Branddörfer. Je mehr Quarz in den Sedimenten enthalten ist, umso heller werden sie. Deshalb auch die häufig sehr helle Farbe des feinen Sandes. Aus dem Norden Europas brachten die Gletscher Felsgestein mit, zermahlten es unterwegs und lagerten das dabei entstandene Ergebnis, den Sand, auch hier ab. Eiszeitliche Sedimentablagerungen bilden somit den Brand. Unübersehbar erheben sich diese Sedimente in Form der Krausnicker Berge über den angrenzenden Unterspreewald. Aus allen Richtungen fällt der Blick auf den 144 m hohen Wehla-Berg mit seinem neuen Funk- und Brandbeobachtungsturm, einem 2003 übergebenen Aussichtsturm und dem alten Feuerwachturm aus DDR-Zeiten. Wer den Aussichtsturm ersteigt, was für ein Rundblick bietet sich ihm dann: Vom Neuendorfer See über Märkisch Buchholz, den Brand bis Oderin und Briesen schweift das Auge und endet schließlich bei der Tropical Islands Halle.

Kiefern, Kiefern, Kiefern - soweit das Auge blickt

Bei der Bevölkerung waren der Brand und die Krausnicker Berge bis zum Ende der Separation zwei voneinander getrennte Landschaftsteile. Begünstigt wurde diese Sichtweise auch durch den bis 1815 bestehenden Grenzverlauf zwischen Sachsen und Preußen. Nach der Separation erfolgte eine Nutzungsänderung. RIEHL & SCHEU beschrieben diesen Vorgang 1861 wie folgt: „Von dem Landstriche, der Brand genannt, ist erst ein geringer Theil durch Forstanpflanzung cultiviert; doch ist nach jetzt vollendeter Separation der ganzen Fläche der vollständige Anbau während der nächsten Jahre zu erwarten.“3 Mittels einer großflächigen Aufforstung vom Brand wurde die räumliche Trennung im Bewusstsein der Bevölkerung langsam zurückgedrängt. Heute wird der Brand und die Krausnicker Berge als eine zusammenhängende Landschaft betrachtet.

Die in der Mitte des 19. Jahrhunderts gebaute Eisenbahnstrecke Berlin – Cottbus – Görlitz und eine in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts entstandene Autobahn begrenzt dieses Gebiet am deutlichsten in westlicher Richtung. Die Bahnstation bei Briesen und Staakow erhielt den Namen Brand verliehen. Sie war für die umliegenden Dörfer von großer Bedeutung und auch ein Impuls für deren wirtschaftliche Entwicklung. Mit der Bahn erreichten die Bauern ihre traditionellen Märkte in Berlin noch schneller. Damals war der Bahnhof Brand ein bedeutender Umschlagplatz für alle möglichen landwirtschaftlichen Erzeugnisse. 1958 lebten in dem Flecken Brand 52 Einwohner.4 Die Angaben betrafen die paar Häuser rund um den Bahnhof. Ursprünglich wurde der rasche Bau der Berlin - Görlitzer - Eisenbahn unter militärischen Prämissen gefördert und letztendlich gebaut. Schließlich stand eine militärische Auseinandersetzung zwischen Preußen und Österreich um die Vorherrschaft in Deutschland auf der Tagesordnung. Schlesien und Böhmen konnten so schneller erreicht werden. Später erfolgte ein gezielter Ausbau der Gleisanlagen gemeinsam mit der Einrichtung des deutschen Flughorstes 1936/38. Die alten Gleisanlagen zeugen von einem regen Güter- und Personenzugverkehr.

Erst mit der 2011 beendeten Modernisierung der Bahnstrecke erfolgte der Rückbau der Gleise im Bahnhofsbereich.

Die Region rund um den Brand wurde und wird hauptsächlich von Landwirtschaft geprägt. Großflächige Weidewirtschaft um die Dörfer Krausnick, Groß Wasserburg, Köthen oder Briesen, Ackerbau zwischen Rietzneuendorf, Waldow und bis hin nach

Schönwalde zeugen auch heute noch vom Bauernfleiß. In den Jahren nach 1989 entwickelt sich der Tourismus immer stärker zu einem wichtigen ständig wachsenden Wirtschaftszweig. Tropical Islands und der Unterspreewald sind heute bekannte und anerkannte Urlaubs- und Erholungsziele Deutschlands. Erwähnt werden muss, dass bereits vor über 100 Jahren die ersten "Sommerfrischler", so bezeichnete man damals die Urlauber und Wanderer, Entspannung und Erholung in den Dörfern am Rand vom Brand suchten. Angeln und Wandern waren hauptsächlich angesagt. Diese Entwicklung hielt bis zum Ausbruch des II. Weltkrieges an. Geheim wurde der Brand erst später. Der Ausschnitt des Messtischblattes 3948 Oderin zeigt den Brand nach seiner Aufforstung. Auch die „alte Grenze“ zwischen Sachsen und Preußen ist an dem Weg zwischen „Hungriger Wolf“ und „Neuschenke“ deutlich auszumachen.

Auch darauf soll hingewiesen werden, in Folge der einsetzenden massiven militärischen Nutzung begann eine verwaltungsmäßige, wirtschaftliche und demografische Umprofilierung der angrenzenden Orte. Eine solche Entwicklung, mit den dadurch entstandenen unterschiedlichen Interessen, führte letztendlich auch zu einem zeitweisen Auseinanderleben der Bevölkerung rund um den Brand. Hinzu kam, dass mit dem Bau der Autobahn eine direkte Zufahrt von den Dörfern Waldow bei Brand, Rietzneuendorf und Friedrichshof stark behindert war. Vor allem nach dem II. Weltkrieg entwickelte sich dieses Gebiet, fast könnte man sagen, wieder zum Grenzland. Jetzt allerdings zwischen den 1952 geschaffenen DDR-Bezirken Potsdam und Cottbus. Drei Kreise, Königs Wusterhausen, Luckau und Lübben teilten sich damals die Region verwaltungsmäßig unter sich auf. Wobei der Kreis Lübben den größten und bedeutendsten Teil innehatte. Schließlich lag ja der sowjetische Flugplatz mit seiner bereits vorhandenen und sich ständig verstärkenden militärischen Präsenz auf seinem Territorium. Nach dem Beitritt der DDR zur BRD und der Neubildung des Landes Brandenburg haben sich die Kreisstrukturen wieder geändert. Der aus den Kreisen Lübben, Luckau und Königs Wusterhausen entstandene Landkreis Dahme-Spreewald ist nun für den gesamten Brand zuständig. In den Ämtern Unterspreewald und Schenkenländchen sind jetzt die Dörfer des Brands eingeordnet. Administrative Entscheidungen und Angleichungen an Verwaltungsstrukturen, wie sie in den alten bundesdeutschen Partnerländern bereits vorhanden waren, prägten die verwaltungsmäßigen Änderungen ab 1991. Petitionen und persönliche Vorsprachen einiger Gemeinden beim damaligen brandenburgischen Innenminister zur Wiederbelebung von einstig preußischen Verwaltungsstrukturen blieb somit ein Erfolg versagt. Viele Menschen fühlten sich damals von diesen Verwaltungsakten regelrecht ausgegrenzt und übergangen. Die militärische Nutzung des Brands war spätestens 1992 mit dem Abzug der GUS-Streitkräfte beendet. Konversion war angesagt. Mit CargoLifter sollte ein wirtschaftlicher Neubeginn in der Region gestartet werden. Leider blieb der erwünschte Erfolg aus. Was blieb, eine riesige Halle, die täglich Unsummen an öffentlichen Geldern zur Bestandssicherung schluckte. Erst als Tropical Islands, der nachfolgende Investor, sein Tropen-Paradies in der verwaisten riesigen Halle einrichtete, begann eine sich immer weiter intensivierende Neunutzung und Fortführung der begonnenen Konversion auf dem ehemaligen Militärstandort. Heute wird der Brand mit dem an ihn grenzenden Unterspreewald als eine touristische Einheit gesehen. Abschließend Zitate von AUGUST TRINIUS aus dem Jahre 1887 über den Brand: „Vor uns die fette Fruchtbarkeit der Wiesen und da oben die dürre, unwirthbare Wüstenei: jene trostlose Einöde des Brand, dessen meilenweite Sandwellen nur sommerlang, wenn das Heidekraut in Blüthe steht, von Schaaren fleißiger Bienen belebt sind. Der Brand hat keine Geschichte. Der Feind ging unten vorbei. Doch in dem Namen seiner Ansiedlungen und Haideschenken: ‚Der hungrige Wolf‘ und ‚der Todtemann‘ liegen genug Romantik und Grusel-Novelistik.“5 Zumindest bezeugt diese Schilderung eine gewisse Ortskenntnis und die Geländebeschreibung vom Brand mag ja noch angehen. In einem irrte der alte TRINIUS dann aber doch: Der Brand ist bestimmt kein geschichtsloser Landstrich gewesen und wird es künftig auch nicht sein.

2. Blick in längst vergangene Zeiten

Ein Blick in die Vergangenheit ist immer die Beantwortung der Fragen nach dem 'Woher und Wohin'. So verhält es sich auch mit der Landschaft vom Brand und der um ihn lebenden Menschen. Dieses Stück brandenburgische Erde macht deutlich, dass die Bewohner der umliegenden Dörfer seit Jahrhunderten vom und mit dem Brand lebten, sie in seine landschaftliche Gestaltung aktiv eingegriffen haben. Im Vordergrund stand dabei immer eine wirtschaftliche Nutzung. Der Blick in diese längst vergangenen Zeiten veranschaulicht das recht deutlich. Dieser Landstrich gehörte einstmals zur Herrschaft Golßen und wurde zu dieser Zeit auch die „Golßensche Heide“ genannt. Mit der Zeit hat sich aber die Bezeichnung 'Brand' durchgesetzt. Ein dünn besiedeltes Grenzland war es, gelegen zwischen den ehemaligen Kurfürstentümern und späteren Königreichen Sachsen und Preußen. Der sächsische Teil der Niederlausitz kam erst im Ergebnis des Wiener-Kongresses ab 1815 zu Preußen. Das betraf vor allem die Orte Oderin, Briesen, Rietzneuendorf, Waldow, Schönwalde mit ihrer direkten Lage am Brand. Seine geografische Lage in einem ehemals wendischen Siedlungsgebiet liegend, die in den Branddörfern vorherrschenden Eigentums- und Herrschaftsverhältnisse, sich daraus ergebenden Problemen zwischen den einzelnen adligen Grundherren sorgen aus heutiger Sicht für eine differenzierte Betrachtungsweise des damaligen Lebens auf und um den Brand. Nicht immer kam er dabei gut weg. Hauptsächlich die Geltendmachung von Nutzungsansprüchen bestimmten über einen längeren Zeitraum, zumindest bis zum Aufkauf einiger Güter durch Wilhelm I. im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts, die regionalen Gerichte. Ansiedlungen, wie etwa Dörfer, gab es auf dem eigentlichen Brand nicht.

Schäfereien deckten deshalb den Bedarf für eine Weidenutzung völlig ab. Selbst die Bestrebungen der preußischen Könige Kolonisten anzusiedeln konzentrierten sich daher auf seine Randgebiete. So wurde der Brand von BERGHAUS in seinem Standardwerk über die Mark Brandenburg wie folgt beschrieben: "... war der Brand um die Mitte des vorigen Jahrhundert eine wüste Fläche, 500 - 600 Morgen groß, umgeben von der Gemarkung der Rittergüter Staakow, Briesen, Oderin, Rietzneuendorf, Waldow und den Dörfern Krausnick und Schönwalde. Das Gelände wird nur zur Hutung benutzt und im Herbst werden die Bienen des Heidekrautes wegen hingebracht.“6 Rechnen wir also die Angaben von BERGHAUS um die beschriebenen einhundert Jahre zurück, dann trifft seine Schilderung auf die Zeit um 1750 zu. Als eine wüste Fläche würden wir sie heute sicherlich nicht bezeichnen. Aufgrund der seit mehreren Jahrhunderten andauernden Nutzung als Weideland für Rinder, Schafe und Ziegen würden wir es auch als solches bezeichnen. Die Weidenutzung begünstigte den flächendeckenden Bewuchs mit robustem Heidekraut. Wacholder- und Ginstersträucher, vereinzelte Stieleichen und die genügsamen einheimischen Kiefer bildeten kleine Bauminseln auf den sonst recht sandigen und trockenen Flächen des Sanders. Nur in der Nähe der heutigen Krausnicker Berge und direkt auf ihnen war ein stärkerer Baumbewuchs anzutreffen.

Direkte Wege führen bzw. führten von den angrenzenden Dörfern direkt zu den Weideflächen und verbanden darüber hinaus auch die Dörfer untereinander. Schließlich musste das Vieh in seine Weidegründe getrieben werden. Auf einer Verwaltungskarte des Kreises Lübben aus dem Jahre 1952, übrigens als „Nur für den Dienstgebrauch“ gekennzeichnet, waren all diese Wege noch eingezeichnet. In späteren Jahren erschienen dann auf den Landkarten grüne Flächen mit viel Wald. Ein großer Teil war ja militärisches Sperrgebiet.