Der einzige Stern am Himmel - Melani Golbek - E-Book

Der einzige Stern am Himmel E-Book

Melani Golbek

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Beschreibung

Camila ist leidenschaftliche Luftakrobatin und möchte ihr großes Glück versuchen, als sie am Talentwettbewerb in Las Vegas teilnimmt. Nicht nur ein Preisgeld von 100.000 Dollar erwarten den Gewinner, ein glänzender Vertrag bei einer Agentur ist der eigentliche Punkt, der sie anzieht, in die Stadt der Sünden zu ziehen. Mit diesem Vertrag hat sie die besten Aufstiegschancen, um zur erfolgreichsten Luftakrobatin der Welt zu werden. Aiden wuchs in der Bronx auf und ist seit seinem 17. Lebensjahr ein Teil des amerikanischen Drogenkartells. Nach alles, was er in seiner Kindheit gesehen und erlebt hat, schwor er sich, dass er sich niemals verlieben würde. Als die beiden aufeinander treffen, stiehlt sie ihm nicht nur sein Herz. Wird es Camila gelingen, ihren Traum zu verwirklichen, oder wird er sie vorher in seine dunkle Welt entführen. 

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 500

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Melani Golbek

Der einzige Stern am Himmel

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Kapitel Eins

Kapitel Zwei

Kapitel Drei

Kapitel Vier

Kapitel Fünf

Kapitel Sechs

Kapitel Sieben

Kapitel Acht

Kapitel Neun

Kapitel Zehn

Kapitel Elf

Kapitel Zwölf

Kapitel Dreizehn

Kapitel Vierzehn

Kapitel Fünfzehn

Kapitel Sechszehn

Kapitel Siebzehn

Kapitel Achtzehn

Kapitel Neunzehn

Kapitel Zwanzig

Kapitel Einundzwanzig

Kapitel Zweiundzwanzig

Kapitel Dreiundzwanzig

Kapitel Vierundzwanzig

Kapitel Fünfundzwanzig

Kapitel Sechsundzwanzig

Kapitel Siebenundzwanzig

Kapitel Achtundzwanzig

Kapitel Neunundzwanzig

Kapitel Dreißig

Kapitel Einunddreißig

Kapitel Zweiunddreißig

Kapitel Dreiunddreißig

Kapitel Vierunddreißig

Kapitel Fünfunddreißig

Kapitel Sechsunddreißig

Kapitel Siebenunddreißig

Kapitel Achtunddreißig

Kapitel Neununddreißig

Kapitel Vierzig

Kapitel Einundvierzig

Kapitel Zweiundvierzig

Kapitel Dreiundvierzig

Kapitel Vierundvierzig

Kapitel Fünfundvierzig

Kapitel Sechsundvierzig

Kapitel Siebenundvierzig

Kapitel Achtundvierzig

Kapitel Neunundvierzig

Kapitel Fünfzig

Impressum neobooks

Kapitel Eins

Hastig öffnete ich den Deckel meiner Spardose. Ich rüttelte sie so stark, dass der gesamte Inhalt rausfiel. Ich bückte mich ächzend, um es aufzuheben, faltete es zu einem Bündel und holte als nächstes meinen heutigen Lohn aus meinem Portmonee, um alles durchzuzählen. „Ja!", ich hielt das Geld hoch und küsste es vor lauter Glück. An die hundert Millionen Bakterien auf den Scheinen dachte ich gerade nicht. „Endlich, endlich, endlich!", jubelte ich und steckte das Geld in einen weißen faltigen Briefumschlag. „Jetzt kann mich nichts mehr aufhalten", sagte ich voller Selbstsicherheit und holte meinen Laptop aus der kaputten Schublade des Schreibtisches hervor. Wie oft musste ich das fahle Holz schon kleben? Nach dem zehnten Mal hörte ich auf zu zählen. Ich startete den alten Steinzeitcomputer und wartete ungeduldig. Dieser Laptop war mittlerweile fast so alt wie ich, aber er reichte für die wenigen Schulaufgaben, die ich noch zu meiner Schulzeit erledigen musste. Die Website, die ich anstrebte, war bereits geöffnet. Seit zwei Jahren hatte ich sie nicht geschlossen. Bei Cheapairlines.com fand man billige Flüge, egal wohin man auch wollte. Natürlich sollte man für einen Flug nach Australien eine preiswertere Variante in Betracht ziehen, aber ich hatte nur einen Kurz Flug vor mir. Mit den restlichen zweihundert Dollar auf meinem Konto buchte ich mir einen Billigflug nach Las Vegas, die restlichen angesparten fünf Tausend wollte ich als erste Überbrückungsmaßnahme nutzen, schließlich brauchte ich ein Appartement und etwas zu essen. Außerdem musste ich die Teilnahmegebühr bezahlen. Voller Vorfreude legte ich meinen Laptop bei Seite, stand auf und ging zu dem Poster, das schon seit fünfzehn Jahren dort hing. Es sah schon ganz verblichen aus, nicht ein Mal hatte ich es abgehangen, seitdem ich es damals in einer Zeitschrift gefunden hatte. Es war an einigen Stellen zerrissen und ich hatte es bereits einige Male wieder zusammenkleben müssen. Ich fuhr mit meinem Finger über die Silhouette der Luftakrobatin und lächelte. „Bald kann ich es endlich auch versuchen, bald werde ich euch alle vom Hocker hauen", flüsterte ich stolz und verließ dann mein Zimmer. Ich sah mich vorsichtig im Gang um. Keiner da. Schnell schlich ich in die Küche. Da sah ich ihn, meinen Vater. Er lag auf dem Sofa und schnarchte laut. Neben ihm stand eine leere Wodka Flasche aus dem Supermarkt. Er war ein Mann, der sein ganzes Arbeitslosengeld für Alkohol und Zigaretten ausgab, statt für etwas Vernünftiges. Ich hasste ihn. Schon lange war er nicht mehr mein Vater, er war viel mehr ein Fremder. Er Fremder, der mit mir wohnte. Ich ging hinüber zur Küche, die wieder einem Kneipentresen ähnelte und öffnete den Kühlschrank. Seufzend schloss ich ihn nach wenigen Sekunden, weil er sowieso leer war. Ich entschied mich wieder in mein Zimmer zu gehen, ich legte mich auf mein Bett und sah zur Decke hinauf. Jedes Mal stellte ich mir vor, wie ich schon dort war, wie ich oben in der Luft tanzte und einfach frei sein konnte, so wie sonst auch. Frei wie ein Vogel. Seit meinem siebten Lebensjahr trainierte ich fast jeden Tag Luftakrobatik. Mittlerweile war ich sogar ziemlich gut, eher gesagt verdammt gut. Ich nahm an den regionalen Wettbewerben teil und gewann mehrere Male den ersten Platz. Mein Blick fuhr automatisch zu meinen Medaillen, die ich sorgfältig neben dem Poster aufgegangen hatte. Es tat mir im Herzen weh, dass ich sie hier lassen musste. Ich konnte sie schließlich nicht in meinen alten Koffer quetschen, sie waren zu groß, nahmen zu viel Platz ein und waren zu groß. Anfangs bezahlten meine Eltern die Teilnahmegebühren, bis es für sie, beziehungsweise uns nicht mehr möglich war. Meine Trainerin war eine unglaubliche Frau, sie ließ mich trotzdem täglich am Training teilnehmen, sie bezahlte sogar die Wettkampfgebühren für mich. Sie war wie eine Tante für mich, auch der Abschied von ihr fiel mir sehr schwer. Ich ging nicht aufs College, ich hatte es auch nie vor. Ich konzentrierte mich mehr auf die Akrobatik, Tag und Nacht war ich in der Halle. Ich vernachlässigte meine Noten und verspielte mir somit auch alle Chancen auf Stipendien. Ich versuchte es tatsächlich einmal und besuchte ein Semester des staatlichen Colleges in der Nähe. Ich fand ziemlich schnell heraus, dass es nichts für mich war und ich folgte weiterhin meinem Traum. Ich exmatrikulierte mich und fand einen Job in einem Diner, dort arbeitete ich sechs Tage die Woche, manchmal sogar sieben. Das Geld reichte mir gerade so, ich sparte sehr viel, vom Rest kaufte ich mir regelmäßig etwas zu essen oder andere Dinge, die ich eben brauchte. Mit 22 Jahren war es endlich so weit, ich war bereit mein neues Leben anzutreten. Jedes Jahr fand in Las Vegas ein Talentwettbewerb statt. Luftakrobatik gehörte zu den zugelassenen Talenten und der Erste Platz gewann nicht nur ein saftiges Preisgeld, der Erste Platz bekam einen Vertrag bei einer der berühmtesten Agenturen, die unter anderem für das Bellagio Hotel zuständig war. Ich würde bald vielleicht vor tausenden von Menschen auftreten und das auch noch im Bellagio! Diese Vorstellung machte mich unglaublich glücklich. Grinsend stand ich auf, ich holte meinen Koffer aus meinem Schrank und fing an zu packen. Der Flug war zwar erst in drei Tagen, aber das war mir egal. Ich wollte einfach nur bereit sein, ich wollte vorbereitet sein und meinem Traum endlich einen Schritt näherkommen. „Camila! Bist du zuhause?!", hörte ich plötzlich meinen betrunkenen Vater rufen, worauf ich genervt die Augen verdrehte. „Ja!", rief ich zurück und versteckte schnell den Koffer. Als er reinkam, setzte ich mich schnell auf mein Bett. „Was sitzt du hier so unnötig rum? Geh verdammt nochmal was kochen, ich habe Hunger“. Sein altes Shirt war voller Flecken, die entweder vom Ketchup, Alkohol oder seinem eigenen Erbrochenen stammten. „Sei nützlich", sagte er und ballte die Fäuste, ich versuchte gar nicht mehr mich zu widersetzen, ich nickte stumm und stand auf. Als mir wieder einfiel, dass der Kühlschrank gähnend leer war, seufzte ich. „Der Kühlschrank ist leer", wies ich ihn hin, ich folgte ihm in die Küche. Skeptisch öffnete er den Kühlschrank. Ohne ein weiteres Wort zu sagen, schlug er ihn zu. Ich zuckte zusammen, während die kleinen Porzellanfiguren auf dem Kühlschrank wackelten. „Dann geh was kaufen", meinte er und setzte sich wieder auf das Sofa. „Dann gib mir Geld", sagte ich und streckte die Hand aus, er musterte mich skeptisch, dann stand er auf. Auf wackeligen Beinen torkelte er zu mir. „Du bewegst deinen Arsch in dein Zimmer und holst das Geld, das du jeden Tag verdienst. Dafür wirst du einkaufen, dein nutzloser Job muss doch schließlich für irgendetwas gut sein", sagte er, er setzte sich ächzend auf das alte Sofa und schaltete den alten Fernseher ein. Ich schüttelte den Kopf und sah zu Boden. „Habe ich letzte Woche schon, deine Freunde kamen vorbei und haben alles aufgegessen", sagte ich, aber es war ihm egal, so wie jedes Mal. „Das interessiert mich nicht, los, geh", befahl er, worauf ich mich innerlich zusammenriss. Seufzend ging ich mein Zimmer. Eine andere Wahl hatte ich schließlich nicht. Ich prüfte, ob er mir hinterher sah und verschloss die Tür. Hastig holte ich eine kleine Spardose aus meinem Schrank, ich öffnete sie und spähte hinein. Seitdem er ein notorischer Trinker war, endete jede unserer Unterhaltungen so. Genau deswegen hatte ich extra Geld gespart, damit ich etwas zu essen kaufen konnte, wenn es mal wieder an der Zeit war. Ich würde niemals meine Ersparnisse anrühren. Ich nahm 30 Dollar aus der Dose und zog mir einen Kapuzenpullover an. „Bring mir ein Sixpack Bier mit", sagte er, während ich mir meine weißen Sneaker anzog. Er rülpste laut und schüttelte danach den Kopf, während er etwas murmelte. Angewidert biss ich mir auf die Unterlippe, um bloß nicht wieder etwas falsches zu sagen. Ohne ihm zu antworten verließ ich unser Haus, was in Wahrheit ein Trailer im Trailerpark der Stadt war. Der Riverpoint Trailerpark war der wohl bekannteste in Oregon. Seit dem uns meine Mum vor zehn Jahren verlassen hatte, wohnten wir hier. Ich war mittlerweile dran gewöhnt. Keiner meiner Mitschüler kannte die Wahrheit, sie wussten alle nur, dass mein Heimweg der längste war und ich sehr viel Zeit für mein Hobby brauchte. Ich war sozusagen unsichtbar. Ich war fast nie zuhause, erst jetzt, seitdem ich meinen Vertrag im Diner und bei Lorraine, meiner Trainerin gekündigt hatte, um ein neues Leben zu beginnen. Im kleinen Supermarkt um die Ecke kaufte ich für die 30 Dollar genug ein, um für eine Woche zu überleben, eher gesagt für drei Tage, da ich bald verschwinden würde. Auch sein Sixpack kaufte ich, weil ich wusste, dass er wieder aggressiv werden würde, wenn ich es nicht tun würde. Ich schleppte alles nach Hause und stellte erschöpft die Sachen ab. „Hast du mir mein Bier mitgebracht?", lallte mein Vater und stand auf, ich nickte und räumte die Einkäufe aus. Wegen meines Hobbys und meiner Ziele konnte ich mir keine ungesunde Ernährung leisten, ich versuchte immer so gut wie es ging auf meine Ernährung zu achten. Jedes Kilo könnte eine enorme Last für mich werden. „Das ist das falsche Bier", sagte er, er schmiss die Dose achtlos in die Ecke, sie platzte. „Hey! Pass doch auf! Du machst die Unordnung nicht weg", meckerte ich und hob sie schnell auf. Während ich mich bückte, um den Saustall wegzuwischen, spürte ich ein brennen Schmerz an meinem Kopf, er zog mich an meinen Haaren hoch. „Du wagst es so mit mir zu sprechen?! Hast du schon vergessen, was letztes mal passiert ist?!", brüllte er, während ich schmerzvoll das Gesicht verzog. Gleich vorbei, gleich vorbei.Atme Camila, atme. Tief ein, tief aus. „Es tut mir leid", presste ich zwischen meinen Lippen hervor, er ließ mich los und ich knallte auf den Boden. „Und jetzt geh und hol mir mein Bier", meinte er und setzte sich wieder auf das Sofa. Hasserfüllt sah ich ihn an. Tausende Gedanken gingen mir gerade durch den Köpf. Ächzend stand ich auf, ich sah zu dem Messer im Messerblock und atmete tief durch. Ich durfte nicht die Beherrschung verlieren. Ich entspannte meine Hände, die ich die ganze Zeit über zu Fäusten geballt hatte, und ging wieder raus. Ich hatte keine andere Wahl, würde ich ihm sein Bier nicht mitbringen, würde er mich vermutlich schlagen. Vor der Show durfte ich keine sichtbare Verletzung riskieren. Nachdem ich erneut in den Supermarkt gegangen war, trug ich das Bier zurück. Ich hatte die letzten Pennys dafür zusammenkratzen müssen. Ich stellte ihm stumm sein Bier auf den Tisch und ging in mein Zimmer. Ich schloss die Tür ab und setzte mich auf mein Bett. Nur noch drei Tage, drei winzig kleine Tage. Drei Tage und ich wäre hier endlich weg, weg von hier, weg von diesem Trailer und weg von ihm.

Kapitel Zwei

Aiden

„Du hast fünf Sekunden, um mir verdammt nochmal zu sagen, wieso du nicht bezahlt hast". Ich drückte dem Mann meine Pistole gegen das Brustbein, er rang nach Luft und versuchte sie irgendwie von sich zu stoßen, doch er hatte keine Chance. „Ich habe es doch schon gesagt, ich habe das Geld verloren!", wimmerte er, Blut strömte ihm aus der Nase. Spöttisch lachte ich auf, weil ich dieser dreisten Lüge keinen Glauben schenken konnte. Ich steckte die Pistole wieder in meinen Hosenbund und sah ihn an. In seinen Augen erkannte ich mein eigenes wutentbranntes Gesicht wieder. Ich schlug ihm ein weiteres mal kräftig ins Gesicht. Meine Fingerknöchel schmerzten und brannten, aber das war mir egal. „Dir ist dein Leben wohl nicht mehr wichtig?", fragte ich provokant, ich wischte mir den Schweiß von der Stirn und schüttelte dann lachend den Kopf. „Was wird wohl deine Frau dazu sagen, wenn sie erfährt, dass ihr Mann ein halbes Dutzend Kilo Gras gekauft hat und nicht bezahlt hat?", fragte ich ihn, er weitete die Augen. „Nein! Lass meine Lisa da raus! Sie hat nichts damit zu tun!", brüllte er, was mich nur noch mehr antrieb, ihm die Seele aus dem jämmerlichen Leib zu prügeln. „Sollen wir sie vielleicht mal anrufen? Mal sehen, was sie von der ganzen Sache hält". Ich nahm sein Handy in meine Hand. „Nein! Okay! Ich werde dir alles erzählen!", schrie er, ich grinste triumphierend und legte das Handy wieder weg. „Los", forderte ich, er atmete schwer aus. „Ich habe es verwettet, im Bellagio. Ich wollte es verdoppeln, ich habe jeden Cent verloren", sagte er, ich zog skeptisch die Augenbrauen hoch und lachte spöttisch. „Du verdammter Idiot", zischte ich, er sah niedergeschlagen zu Boden. „Und was soll ich jetzt mit dir tun? Mein Boss hat gesagt, dass ich dich killen soll", sagte ich, ich hockte mich zu ihm. „Bitte tu es nicht, ich werde bald Vater und meine Frau braucht mich", sagte er, er sah mich elendig an, er weinte sogar. Ich verzog das Gesicht und richtete meine Pistole auf seine Stirn. „Daran hättest du vor dem Kauf der Drogen denken müssen", presste ich zwischen meinen Lippen hervor und drückte ab. 

Ich beseitigte die Sauerei und rief Frank an, er war derjenige, der sich immer um die Überreste kümmerte. Ich wechselte schnell meine Kleidung, zog mir meinen Anzug an und verließ die alte Fabrik. Die brennende Hitze peitschte mir sofort ins Gesicht, als ich auf die Straßen Nevadas trat. Ich stieg in meinen schwarzen Bugatti Divo und startete den Motor. Mein neuer Million schwerer Sportwagen bretterte in Höchstgeschwindigkeit durch die Wüste und brachte mich in wenigen Minuten in meine gewohnte Umgebung, Las Vegas. Ich parkte meinen Wagen in der Tiefgarage meines Bosses, El Dorado, dann verließ ich den Wagen und fuhr mit dem Fahrstuhl hoch in sein Penthouse. Als der Fahrstuhl aufging, hörte ich Gelächter. Zwei leicht bekleidete Frauen verließen gerade das Penthouse, eine von ihnen musterte mich grinsend, als sie an mir vorbei ging. „Aiden, was kann ich für dich tun?", fragte er und zog sich den Reißverschluss seiner Hose zu, als er mich erblickte. Ich wollte gar nicht wissen, was hier einige Minuten vorher im Gange war. „Ich habe den Auftrag beendet", wies ich ihn hin, er ging rüber zu seiner Bar und stellte zwei leere Gläser auf die Theke. Nachdem er sie mit Eis gefüllt hatte, goss er Whiskey ein und kam zu mir. Er reichte mir ein Glas mit der braunen Flüssigkeit und setzte sich dann auf seinen Ledersessel. „Großartig mein Junge, dir kann ich immer vertrauen", sagte er, ich setzte mich auf die Designer Couch und nippte an dem Glas. „Damals, als ich dich aufgelesen habe wusste ich, dass du alles tun würdest, solange du einen Profit daraus schlagen könntest, ich hatte nicht unrecht mit meiner Vermutung, stimmt's?", fragte er grinsend, ich schnalzte mit der Zunge und klatschte in die Hände. „So kann man es auch nennen", erwiderte ich amüsiert, er lachte auf und holte dann sein Portmonee aus seiner Hosentasche. „Bargeld?", fragte er mich und kratzte sich beiläufig an seinem Schritt. „Überweis es mir auf mein Konto", sagte ich, er nickte und legte das Portmonee wieder weg. „Die nächsten Wochen habe ich sehr viele Aufträge, sie sind höchst heikel und ich vertraue sie nur wenigen meiner Leute an", fing er an, ich wusste, dass es eine Andeutung war. Er wollte mich dabeihaben. „Erzähl mir davon", sagte ich und lehnte mich bequem zurück. „Im Bellagio wird diese dämliche Talentshow stattfinden. Es sind insgesamt fünf Shows, ihr müsst bei der ersten und vielleicht auch bei der letzten Show jemandem ausfindig machen. Es sind zwei Männer, die genaueren Daten nenne ich euch später", fuhr er fort, ich nickte wissend. „Was springt dabei für mich raus?", fragte ich neugierig, über die ganzen Jahre hatte ich gelernt, dass Egoismus die beste Überlebensstrategie war. „Wenn beide Männer in fünf Wochen Tod sind, hast du 500.000 Dollar auf deinem Konto", sagte er, ich grinste und wusste, dass ich einfach nicht nein sagen konnte. „Okay, ich bin dabei, stell ein Team zusammen und wir kümmern uns darum", versicherte ich ihm und stand auf. Er reichte mir die Hand und grinste. „Sehr gut, ich habe nichts anderes von dir erwartet. Jetzt geh und genieß die Tage, bis es los geht", sagte er, ich nickte und verließ sein Penthouse. Auf dem Weg zu meinem Auto rief ich Dean an, er war nicht nur mein bester Kumpel, er arbeitete auch für El Dorado. Wir waren also auch Arbeitskollegen, wenn man es so nennen konnte. Wir waren Komplizen. Er ging sofort dran. „Jo Aiden, was geht? Bist du schon fertig?", fragte er, ich öffnete meinen Wagen und stieg ein. „Ja, was machst du gerade?", fragte ich und startete den Motor. „Hab den Whirlpool angeschmissen, gleich kommen ein paar geile Chicks vorbei, du bist herzlich eingeladen mein Freund", sagte er ausgelassen, was mich zum Grinsen brachte. Genau das brauchte ich gerade, außer die Frauen. „Ich bin gleich da, aber die Frauen kannst du allein haben", sagte ich und legte auf, dann fuhr ich zu ihm. Bevor ich zu Dean fuhr, fuhr ich erst mal nach Hause. Ich parkte den Wagen neben meinen anderen und fuhr mit dem Fahrstuhl zu meinem Penthouse. Ich ging schnell duschen, ich wollte schließlich nicht, dass irgendwo plötzlich ein Blutfleck aufblitzte. Die Polizei hätte sicher viel Spaß damit mich die ganze Nacht zu verhören. Ich zog mich um und fuhr mit meinem Ferrari zu Dean. Ein verdammtes Hoch auf diesen erstaunlichen Lifestyle, den ich mein Leben nennen konnte.

Kapitel Drei

Camila

Unsicher öffnete ich die Tür meines Schlafzimmers. Er schlief tief und fest. Ich öffnete mein Fenster und schmiss vorsichtig meinen Koffer und meine Tasche raus, dann schloss ich das Fenster. Ich hatte meine alte Uniform an, ich durfte nach der Kündigung eine behalten. Ich verließ das Schlafzimmer und zog mir meine Sneaker an. „Hey, gehst du arbeiten?", fragte er halb verschlafen, ich hatte ihn wohl geweckt. Gut, dass ich meinen Koffer und meine Tasche aus dem Fenster befördert hatte. „Ja", sagte ich knapp, bevor ich den Trailer verließ, sah ich mich ein letztes Mal um. Ich sah meinen Vater ein letztes Mal an, ich hätte ihn gerne umarmt, aber diese Beziehung hatten wir schon lange nicht mehr. Früher, als wir noch eine richtige Familie waren, da umarmte ich ihn oft. Heute war alles anders. Deswegen öffnete ich seufzend die Tür und schlich um den Trailer, ich nahm mein Gepäck und ging ein paar Schritte bis zur Bushaltestelle, dort wartete mein Taxi bereits auf mich. Der Fahrer verstaute mein Gepäck im Kofferraum, während ich mich reinsetze. „Wo soll's denn hingehen?", fragte er und schnallte sich wieder an. Er holte eine Zigarette aus einer Schachtel und zündete sie an. Ich öffnete das Fenster und sagte: „Zum Flughafen". Er nickte und fuhr los, nachdem er ein Mal an der Zigarette gezogen hatte. Während der Fahrt kam es mir so vor, als wenn mein Leben an mir vorbeiziehen würde. Ich erinnerte mich an mein Leben, denn ich wusste, dass mein vorheriges Leben vorbei war, sobald ich in dieses Taxi gestiegen war. Nein, eigentlich endete es, als ich den Trailer verließ, denn dieses Mal würde ich nie wieder zurückkommen. Nie wieder. 

Nach einer Weile hielt der Taxifahrer an meinem Gate, ich gab ihm seine wohlverdienten 50 Dollar und nahm mir mein Gepäck aus dem Kofferraum. „Danke", sagte ich, als ich mich nochmal zu ihm gedreht hatte und betrat den Flughafen. An meinem Check-In Schalter hob ich meinen Koffer auf die Waage, die Frau tippte meine Daten ein. „Oh, ein One-Way Ticket?", fragte sie überrascht, sie betrachtete kurz meinen Ausweis, dann lächelte sie mich wieder an. „Ja", sagte ich knapp, mein Koffer rollte weg und ich verstaute meinen Ausweis wieder. „Interessant, nicht viele Passagiere kaufen ein One-Way Ticket", merkte die nette Frau am Schalter an, ich lächelte nur schief und nickte, in Gedanken war ich bereits woanders. „Guten Flug", wünschte sie, ich nahm das Ticket entgegen und ging schon mal zum Gate. Als nächstes musste ich diese Kluft ausziehen, ich betrat die Waschräume und zog mir meine alte Uniform aus, ich schmiss sie in den Mülleimer und zog mir meine skinny Jeans, ein altes Shirt und einen Cardigan an, ich hatte mir die Sachen alle in meine große Handtasche gepackt, um nicht mit meiner alten Diner Uniform in der Stadt der Sünden anzukommen. Für mich war sie wohl eher die Stadt der Träume und Hoffnung. In einer Stunde war Abflug, ich setzte mich auf einen der Stühle und wackelte nervös mit meinen Beinen. Neben mir saß ein altes Ehepaar, sie füllten gemeinsam ein Kreuzworträtsel aus und diskutierten über das fehlende Wort Nummer fünf. „Es ist ein Hut, aber es ist auch eine Figur", murmelte der alte Mann, er seufzte und schob seine Brille zurecht. „Die werden immer schwerer", sagte die Frau dann und schüttelte den Kopf. Als ich mich räusperte und leicht zu ihnen lehnte, sahen mich beide abwartend an. „Ich wüsste die Antwort", sagte ich, die Frau lächelte begeistert. „Nur zu". Sie reichte mir den Stift, danach gab sie mir das Heft. „Ein Zylinder, er ist ein Hut und zugleich eine geometrische Figur". Ich schrieb die Buchstaben nacheinander in die Kästchen. „Das stimmt, Sie haben Recht". Der alte Mann staunte. „Fliegen Sie auch nach Las Vegas?", fragte die alte Frau, sie trug eine weiße Perlenkette. „Ja, Sie auch?", erwiderte ich und schaute kurz auf das Display meines Handys. „Oh wie schön, dann müssen wir ja zusammen warten, wie wäre es, wenn wir das Rätsel einfach zu dritt lösen? Würde Ihnen das etwas ausmachen?", der alte Mann lächelte mich freundlich an, ich nickte überrascht und schaute mir die Nummern an. „Hier, männliche Seepferdchen tragen ihre Jungen aus", sagte ich, der Mann nickte. „Stimmt", murmelte er und schrieb es rein. „Besuchen Sie jemanden in der Stadt?", fragte mich nun die Frau, ihre Hände zitterten leicht. „Nein, ich ziehe sozusagen hin, ich werde an einem Wettbewerb teilnehmen", wies ich sie hin, ich hatte Angst zu viel Preis zu geben und beschränkte mich nur auf das wichtigste. „Warum fliegen Sie hin?", fragte ich im Gegenzug, hoffentlich würde sie vergessen, mich weiter auszufragen. „Unsere Enkelin heiratet in zwei Tagen, wir sind eingeladen worden", wies sie mich hin, überrascht staunte ich. „Wow, das ist ja schön, ich wünsche Ihnen viel Spaß", sagte ich, die Frau lächelte zauberhaft. „Flug 165 Richtung Las Vegas ist bereit zum Einstieg", hörte man plötzlich aus dem Lautsprecher, worauf ich aufstand. Ich konnte es nicht mehr erwarten endlich im Flieger zu sitzen. „Oh Frank, pack das Heft weg, wir müssen einsteigen", die alte Frau stand überfordert auf. „Kann ich Ihnen helfen?", fragte ich und sah sie abwartend an, doch beide schüttelten den Kopf. „Danke, das ist sehr lieb, aber es geht, wir reisen mit leichtem Gepäck", sagte der Mann lachend, ich schmunzelte und verabschiedete mich von ihnen, dann stellte ich mich in die Reihe und wartete. Mit langsamem Tempo bewegte sich die Schlange und schon bald saß ich auf meinem Platz. Ich war gerade dabei den Flugmodus in meinem Handy einzustellen, aber mir kam eine andere Idee. Ich tippte auf die Einstellung und setzte es zurück. Wäre es ein altes Handy, hätte ich es vermutlich weggeworfen, aber ich hatte es mir erst letztes Jahr gekauft, ich hatte ewig lang dafür gespart. Es war echt teuer und ich brauchte es in nächster Zeit. Ich schaltete es wieder an, alle meine Erinnerungen und Nummern waren verschwunden. Ich behielt einige meiner alten Fotos, auf denen ich glücklich aussah. Es war, als wäre mir ein großer Stein vom Herzen gefallen. Mein Vater besaß kein Handy, deswegen kannte er meine Nummer sowieso nicht, aber es ging mir viel mehr um die ganzen anderen Menschen, ich wollte mit allem abschließen, ich wollte ein vollkommen neues Leben beginnen. 

Ich wartete ungeduldig auf meinen Koffer. Als ich ihn sah, schnappte ich ihn mir sofort. Ich winkte noch schnell dem alten Ehepaar zu und verließ dann den Flughafen. Die Hitze stach mir sofort ins Gesicht, ich zog mir meinen Cardigan aus und verstaute ihn in meiner Tasche. Wäre ich nur in Shorts geflogen, dachte ich mir, während ich nach einem Taxi rief. Es hielt an, ich verstaute meinen Koffer und die Tasche und setzte mich. Ich nannte ihm die Adresse, worauf er mich verwundert ansah. „Sicher, dass Sie dort hinwollen?", fragte er mich, ich runzelte skeptisch die Stirn und nickte. Der unsympathische Fahrer zuckte mit den Schultern und fuhr los. Begeistert öffnete ich das Fenster, ich ließ die Hand raushängen und betrachtete die ganzen Gebäude. Durch meine andauernde Euphorie bekam ich gar nicht mit, dass wir angekommen waren. Ich bezahlte ihn, aber ich gab ihm kein Trinkgeld, weil er ziemlich unsympathisch war. Danach nahm ich mein Gepäck und betrat die große Halle. Mehrere Leute saßen an den Schaltern, alle nahmen die Anmeldungen entgegen. Als ich an der Reihe war, lächelte ich breit. „Hallo, ich habe mich online registriert, hier ist meine Bestätigung und die Gebühr", ich reichte der Frau einen Umschlag. Sie nahm ihn lächelnd an und öffnete ihn. Nachdem sie kurz das Geld gezählt hatte, schmunzelte sie. „Sie sind extra hergeflogen?", fragte sie, ich nickte. „Ja, es war schon immer mein Traum bei der Show mitzumachen", schwärmte ich, sie lächelte. „Wie lange bleiben Sie hier?", fragte sie dann, sie tippte meine Daten in ihrem Computer ein. „Ich habe noch nichts geplant, aber am besten für immer", sagte ich, sie kicherte. „Haben Sie schon eine Unterkunft?", fragte sie nun deutlich leiser, sodass uns keiner hören konnte. Ich schüttelte unsicher den Kopf, sie nickte wissend und druckte ein paar Formulare aus. Dann schrieb sie eine Nummer auf einen Zettel. „Einen Job?". Wieder schüttelte ich den Kopf. Sie schrieb eine zweite Nummer auf den Zettel. „Hier, die erste ist die Nummer eines alten Freundes, er vermietet billig Studentenapartments hier in der Stadt, eigentlich ist der Bewerbungsprozess ziemlich lange, aber wenn du sagst, dass du von mir kommst, wird er dir helfen. Die zweite ist von meiner Schwester, sie arbeitet im Hilton, sie sucht immer fleißige Helfer", sagte sie leise, ich nahm den Zettel dankbar an. „Das ist wirklich nett von Ihnen...", ich sah sie abwartend an. „Nenn mich einfach Carla", sagte sie, sie lächelte breit, dann reichte mir sie eine Mappe, in die sie die vorher ausgedruckten Formulare gesteckt hatte. „Hier stehen alle Termine drauf, alle Ansprechpartner und Voraussetzungen", informierte sie mich, ich nickte und nahm alles an mich. „Darf ich fragen, warum Sie mir helfen?", fragte ich skeptisch, weil ich es immer noch nicht glauben konnte. Normalerweise waren Menschen nicht so zuvorkommend und hilfsbereit. Im Laufe meines Lebens hatte ich gelernt, dass das Leben keinem einfach so etwas schenkte. Carla grinste mich an, sie sagte: „Ich bin auch mal hergeflogen und hatte einen Traum, ich hätte diese Hilfe damals gebraucht". Ich nickte wissend und lächelte. „Vielen Dank". „Viel Erfolg", trällerte sie, ich verließ die Halle und wählte sofort die erste Nummer. Ein Mann nahm ab. „Franklins Wohnservice, was kann ich für Sie tun?". „Hallo, ich habe die Nummer von Carla bekommen, sie hat mir gesagt, dass Sie mir vielleicht helfen können? Ich suche eine Unterkunft", sagte ich und biss mir nervös auf die Unterlippe. „Da bist du richtig, ich kann dir nicht nur vielleicht helfen, ich kann dir mit großer Sicherheit helfen. Komm zur Petrolroad 51", sagte er und legte auf, ich steckte mein Handy in die Hosentasche und rief mir erneut ein Taxi. Ich hoffte nur, dass es nicht zu teuer werden würde, ich hatte nicht mehr allzu viel Geld übrig. Nachdem ich ein Taxi gerufen hatte, war ich zehn Minuten später an der besagten Adresse. Ich stieg aus, nachdem ich bezahlt hatte und schob meinen Koffer zur Tür. Ein Mann stand daneben. „Hallo, sind Sie Franklin?", fragte ich und sah ihn unsicher an, er warf seine Zigarette zu Boden und trat drauf, er zerquetschte sie mit seinem Fuß. „Der bin ich, du bist also eine Studentin in Notlage?", fragte er skeptisch und musterte mich. Ich schluckte. „Ehm...". „Ja, jetzt bist du es, komm mit. Ich schulde Carla noch etwas", sagte er und winkte mich herbei, er nahm mir meinen Koffer ab. Wir gingen einige Treppen hoch, ich zählte drei Stockwerke, bis wir stehen blieben. Er schloss eine weiße Tür auf und ließ mich vorbei. Ich sah mich um. Ich war überrascht. „Das ist es, ist gerade erst frei geworden. Die Studentin war ordentlich, hat selbst viel Geld reingesteckt. Die Möbel habe ich ihr abgekauft, wird dir bestimmt gefallen", sagte er, ich betrat ein Zimmer, es war wirklich nur ein Zimmer. Ein etwas größeres Bett stand an der Wand, es war weiß und sogar eine saubere Matratze war da. An der Wand hing ein kleiner Fernseher, am Fenster stand ein kleiner Runder Tisch mit zwei weißen Stühlen. Sogar ein weißer Schrank und eine weiße Kommode standen an der Wand gegenüber. Eine kleine Küchenzeile mit einem Kühlschrank, Herd, Ofen, Waschbecken und Theke war ebenfalls im Raum. „Es ist echt schön", sagte ich, dann ging ins Bad. Es war zwar klein, aber es reichte aus. Eine Dusche, ein Waschbecken und eine Toilette, alles sah sauber aus. „Im Keller gibt es einen Waschraum, es gibt drei Waschmaschinen und drei Trockner für alle zusammen, Waschmittel musst du selbst besorgen", wies er mich hin, ich nickte. „Es ist super, wie teuer ist es?", fragte ich und drehte mich zu ihm. „Kaution beträgt 500 Dollar, die kannst du nach und nach abbezahlen, Monatsmiete beträgt 350 Dollar. Normalerweise müsstest du die Möbel bezahlen, aber wegen Carla drücke ich mal ein Auge zu, solange du hier nichts kaputt machst", er reichte mir den Schlüssel und ich holte meinen Umschlag mit meinen Ersparnissen aus meiner Tasche. Ich gab ihm 750 Dollar. „Die Kaution und die erste Miete", sagte ich, er weitete die Augen. „Ich hoffe du musstest für das Geld niemanden umbringen", scherzte er, ich kicherte und schnappte mir den Schlüssel. „Na dann, Home Sweet Home", sagte er und verließ die Wohnung. Als er weg war, sprang ich vergnügt in die Höhe. Ich tanzte wie verrückt herum und schmiss mich auf das Bett. Quickend zappelte ich auf meiner Matratze herum wie ein Fisch an Land. Sofort holte ich mein Handy hervor, ich wählte die zweite Nummer. Es klingelte ein paar Mal, bis jemand dran ging. „Hallo? Wer ist da?", hörte ich eine Frau fragen, sie klang ähnlich wie die Frau am Schalter, Carla. „Hallo, hier Camila, ich habe die Nummer von Ihrer Schwester Carla bekommen. Sie hat gesagt, Sie suchen jemanden, der für Sie arbeitet?", sagte ich und setzte mich aufgeregt wieder auf. Mein Herz pochte. Ich versuchte meinen Atem zu kontrollieren, ich atmete so schnell wie nach einem hundert Meter Lauf. „Ah, meine Schwester sagte mir bereits, dass mich jemand anrufen würde. Hast du bereits Erfahrung in Personendienstleistung?", fragte sie, ich überlegte hektisch. „Ich habe ein Jahr lang gekellnert und zwei Jahre lang fast selbstständig ein Diner geführt", sagte ich, da meine Chefin immer weg war, überließ sie mir die ganze Verantwortung. „Okay, kannst du heute noch vorbeikommen?", fragte sie, ich stand auf und sprang in die Luft. „Ja", sagte ich und hielt die Luft an, um nicht zu schnell zu atmen. Ich wollte nicht wie eine verrückte Braut klingen. „Okay, frag nach Grace, sobald du da bist, wir besprechen alles weitere", sagte sie, dann reckte ich die Faust in die Luft und antwortete: „Danke, danke, danke!", aber sie legte schon auf. Ich legte einen weiteren Freudentanz ein, dann sortierte ich meine Klamotten in die weiße Kommode, hängte den Rest in den kleinen Schrank und sortierte meine Schuhe ein. Behutsam faltete ich meine Outfits für die Show, dann schnappte ich mir meine Tasche, ich legte genug Geld in mein Portmonee und verließ meine neue Wohnung.

Kapitel Vier

Nachdem ich mit meinem Handy die öffentlichen Verkehrsmittel ausfindig gemacht hatte, fuhr ich zum nächsten Einkaufscenter. Ohne mein Handy wäre ich sicher keinen Meter weitergekommen. Ich kaufte mir neue Bettwäsche, weil es keine in meiner neuen Wohnung gab, genug Lebensmittel für eine Woche und sogar noch ein paar neue Klamotten, Unterwäsche und Schuhe. Die restlichen dreißig Dollar gab ich für ein Taxi aus. Ich war wirklich froh, dass ich in den letzten drei Jahren keine Freizeit hatte und rund um die Uhr im Diner oder in der Halle war. Irgendwie schleppte ich alles hoch, ich bezog meine Matratze, die neuen Kissen und meine neue Decke, räumte die Lebensmittel und Klamotten ein und zählte mein übriges Geld. Ich versteckte es, es war eine Art Puffer, falls irgendetwas nicht klappen würde. Danach machte ich mir schnell einen Salat, aß ihn auf, zog mich um und machte mich auf den Weg. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fuhr ich zum Hilton Hotel. Während ich in dem Bus saß, fächerte ich mir mit einer Infobroschüre Luft zu, ich hatte sie aus dem Supermarkt mitgenommen. Für einen Einkaufswert von 200 Dollar konnte man einen Reisegutschein gewinnen, ich ließ keine Chance aus und sammelte eifrig nach Punkten. Wer weiß, vielleicht würde eine Reise für mich rausspringen, nachdem ich den ersten Platz der Talentshow belegt hatte. Vielleicht würde ich nächstes Jahr schon doppelt so viel verdienen und ich könnte ein wahres Jetset Leben führen. Versunken in meiner Tagträumerei verpasste ich beinahe meine Station, schnell stürmte ich aus dem Bus, bevor sich die Türen schlossen. Ich sah mich um, ich befand mich mitten im Zentrum der Stadt. Begeistert sah ich mich um, die ganzen Fontänen, Brunnen und Gebäude waren einfach nur faszinierend. Ich fühlte mich wie in einem Film. Ich hatte mir vor meinem Auszug immer Bilder bei Google oder auf Instagram angesehen und geträumt, nun stand ich wirklich und wahrhaftig in Las Vegas. Ich verfolgte tatsächlich meinen Traum. Ich fühlte mich unglaublich gut. Das Gefühl war unbeschreiblich. Schnell holte ich mein Handy hervor. Ich schoss ein Foto und lud es auf meinem neuen Instagram Account hoch. Ich hatte mir vor zwei Tagen einen neuen Instagram Account eingerichtet, den alten hatte ich gelöscht. Mittlerweile hatte ich 50 Abonnenten, ich lud ein Foto von mir hoch, es war schon ein Jahr alt und es war nach dem letzten Sieg eines Wettbewerbs entstanden. Ich hielt stolz meine Medaille hoch und grinste in die Kamera. Nachdem ich mein Handy wieder in die hintere Hosentasche meiner Shorts gesteckt hatte, ging ich weiter. Es dauerte nicht lange, bis ich vor dem berühmten Hilton Hotel stand. Ich betrat es, die kalte Luft der Klimaanlage blies mir sanft ins Gesicht, was sich unglaublich gut anfühlte. Als ich zur Rezeption ging, merkte ich den seltsamen Blick der Empfangsdame. Sie musterte mich eingehend. Scheinbar trugen die Leute hier nur Gucci und Prada. „Hallo", ich lächelte sie breit an. „Hallo Miss, wie kann ich Ihnen helfen?", fragte sie und schaute ein Mal kurz an mir herunter. Ich fühlte mich sichtlich unwohl und räusperte mich. Vielleicht hätte ich doch lieber die skinny Jeans angelassen. „Ich suche Grace", sagte ich, sie runzelte verwundert die Stirn. „Grace?", fragte sie und sah mich unsicher an. Mist, hätte ich doch nur nach einem Nachnamen gefragt. „Ja... Grace. Sie arbeitet hier", fügte ich hinzu, dann nickte die Frau wissend. „Ach jetzt weiß ich, wen Sie meinen, Augenblick bitte", sagte sie, dann hielt sie sich den Telefonhörer ans Ohr. Ich nutzte die Gelegenheit und sah mich um. Es war luxuriös und sehr edel eingerichtet, ich hatte Angst, dass ich aus Versehen etwas sündhaft teures kaputt machen könnte, wenn ich nicht aufpasste. Als ich ein Räuspern vernahm, sah ich wieder zur Empfangsdame. Erst jetzt bemerkte ich ihr Namensschild. Lauren. „Sie wird gleich hier sein, setzen Sie sich doch so lange in den Wartebereich", sie deutete mit ihrer linken Hand auf die Sitzecke mit den weißen Ledersesseln, die teurer aussahen als mein Appartement und das Mobiliar zusammen. „Alles klar, vielen Dank Lauren", sagte ich, ich bemerkte, dass ihre Mundwinkel leicht zuckten, als wolle sie lächeln, aber sie verkniff es sich. Ich ging vorsichtig über den weißen Marmorboden und setzte mich auf einen der Sessel. Ich setzte mich aufrecht hin und sah mich weiterhin um. An der Wand war ein Wasserfall angebracht, das Wasser fließ in ein Koi Becken. Von hier aus sah ich die Fische, sie hatten alle verschiedene Farben. Ich wäre gerne aufgestanden, um sie mir genauer anzusehen, aber ich hatte Angst, dass Grace genau dann erscheinen würde. Dann hätte sie mich für immer als naives Mädchen im Kopf, das noch nie zuvor bunte Fische zu Gesicht bekommen hatte. Ich blieb eine Weile so sitzen, bis ich eine dunkelhäutige Frau auf mich zukommen sah. Sie hatte kurze Haare und trug ein elegantes Kostüm. „Du musst Camila Davis sein", sagte sie und streckte mir ihre Hand hin. Ihre Nägel sahen perfekt manikürt aus. „Ja, freut mich sehr", sagte ich lächelnd und schüttelte sanft ihre Hand. „Komm, wir bereden bei einem Smoothie alles weitere", sagte sie, sie lächelte selbstsicher und winkte mich hinter ihr her, wir betraten ein Café, das direkt am Hotel angelegt war. „Für mich das übliche, was möchtest du?", fragte sie mich und sah mich abwartend an, als der Kellner neben uns erschien und auf unsere Bestellung wartete. „Ich nehme einen Bananen-Erdbeere Smoothie", sagte ich, sie schmunzelte kurz und sah wieder zum Kellner. „Sie haben es gehört", sagte sie, er schrieb sich die Bestellung auf und ging kurzerhand wieder. „Also, Camila, erzähl mir, warum meine Schwester dir meine Nummer gegeben hat", sagte sie und überschlug die Beine, sie faltete die Hände und sah mich abwartend an. „Ich bin hergekommen, um an der Talentshow mitzumachen, ich bin Luftakrobatin", fing ich an, sie weitete die Augen. „Wow, sieht man dir auf dem ersten Blick gar nicht an", stellte sie fest, dann sah sie mich unsicher an. „Ich meine, dass du ganz anders rüberkommst“. Ich winkte ab und grinste. „Schon gut, ich höre das öfters. Ich mache das schon ziemlich lange. Ich möchte den ersten Platz belegen und unter Vertrag genommen werden, um regelmäßig in Las Vegas aufzutreten", beruhigte ich sie, worauf sie erleichtert die Hand an ihre Brust legte und grinste. „Du hast dir ja ganz schön was vorgenommen", meinte sie und schaute dann in die Unterlagen, die sie auf den Tisch gelegt hatte. Ich hatte gar nicht bemerkt, dass sie eine Mappe dabei hatte. Ich lächelte nur schwach und wackelte nervös mit meinen Beinen. Während dessen wurden unsere Smoothies gebracht, sie wurden in großen Gläsern mit Früchten und lustigen Strohhalmen serviert. „Also, es hat sich ergeben, dass ich tatsächlich eine freie Stelle in meinem Restaurant habe", fing sie an und legte einen Vertrag auf den Tisch, sie schob ihr Glas zur Seite und trank einen langen Schluck. Ich nutzte die Gelegenheit und trank ebenfalls einen Schluck. „Wir suchen eine neue Kellnerin, die fünf Tage die Woche flexibel einsatzbereit ist", fuhr sie fort, nachdem sie die kühle Flüssigkeit runtergeschluckt hatte. „Du sagst, du hast schon gekellnert?", fragte sie nochmal nach, ich nickte und erzählte ihr von meinem vorherigen Job. Sie nickte wissend und trank wieder einen Schluck. „Kannst du kochen?", fragte sie dann, ich runzelte die Stirn, aber sagte dann: „Also oft war ich alleine im Diner, ich musste fast jedes Mal selbst kochen, wir hatten nicht sehr viele Kunden, aber wir hatten ein paar Stammkunden, die jeden Tag vorbeikamen", wies ich sie hin, sie sah mich prüfend an und schrieb dann etwas auf. „Okay, wenn es für dich okay ist, wirst du eine Krankheitsvertretung, wenn unser Assistenzkoch verhindert ist, er bereitet die einfachen Speisen vor. Sonst wirst du nur Kellnern", sie trank erneut einen Schluck, ich tat es ebenfalls. Alles passierte so schnell, ich wollte nach der Unterhaltung nicht noch hier sitzen und meinen Smoothie alleine trinken, ich versuchte ihrem Tempo nachzukommen. „Ist das okay?", fragte sie, ich nickte. „So, jetzt zum wichtigsten", sie öffnete die nächste Seite des Vertrages. „Du verdienst gemäß dem Mindestlohn acht Dollar pro Stunde, bei 35 Stunden die Woche macht das etwa 1120 Dollar, zu Weihnachten gibt es Zuschläge und du hast Urlaubstage", sagte sie und umkreiste die dazugehörigen Zahlen. Das war mehr als gut. Zuvor hatte ich 500 Dollar verdient, jetzt könnte ich ein richtiges Leben anfangen. „Bist du damit einverstanden?", fragte sie, ich nickte lächelnd. „Mehr als das", fügte ich kleinlaut hinzu und nahm einen langen Schluck. „Sehr gut", sie trank ihr Getränk aus, legte Zehn Dollar für uns beide auf den Tisch und schob mir den Vertrag hin. „Da unten bräuchte ich eine Unterschrift und das heutige Datum. Wenn alles gut läuft, muss ich in ein paar Monaten sicher eine neue Kellnerin suchen, stimmt’s?", wies sie mich hin, ich nickte grinsend und unterschrieb, dann schrieb ich das heutige Datum hin, den ersten August, und trank mein Getränk ebenfalls in einem Zug leer. „Danke". Ich deutete auf die Zehn Dollar, sie winkte ab. „Nicht der Rede wert, komm, ich zeige dir alles", sie stand auf und ging los, was mich etwas überforderte, denn die Frau war verdammt flink. Ich folgte ihr und holte sie ein, trotz ihrer Absätze hatte sie einen ganz schön schnellen Gang. „So, das ist das Restaurant", wir betraten einen unglaublich großen Raum. Das Ambiente verpasste mir eine Gänsehaut. Wie sollte ich hier nur den Überblick behalten? Dunkle Mahagoni Tische standen überall verteilt im Raum, passende Stühle an jedem Tisch und eine große Bar, die sich an der Wand erstreckte. Neben dem Restaurant befand sich wohl das Casino, ich wagte mich gar nicht hineinzuspähen, es war vermutlich noch viel größer. „Hier hinten ist die Küche, zu jedem Tisch gibt es eine Nummer, die Köche versehen die Teller mit ihnen, damit bloß kein Tisch ein falsches Gericht erhält, gleiche Regel für die Getränke, aber die musst du den Barkeepern in Auftrag geben, kein Gast hier trinkt nur Wasser", sagte sie, während ich irgendwie versuchte alles Gesagte zu inhalieren, ich wollte eine gute Leistung am ersten Arbeitstag erbringen. „Du nimmst ja an der Show teil, kennst du schon deine Termine?", fragte sie und drehte sich zu mir um, ich überlegte, aber bevor ich antworten konnte, unterbrach sie mich. „Schick mir einfach ein Foto und ich teile dich dementsprechend ein. Hast du noch irgendwelche Fragen?". Sie sah mich abwartend an, ich nickte und fragte: „Wann kann ich anfangen?". Sie schmunzelte leicht und schnalzte mit der Zunge. „Morgen, wenn du nicht zu deinen Terminen musst, ich schicke dir deine genaue Arbeitszeit, sobald du mir deinen Terminplan zugesendet hast", antwortete sie, ich nickte wissend. „Deine Uniform findest du in dem Zimmer". Sie zeigte auf eine weiße Tür, auf dem „Personal" stand, ich nickte erneut. „Sei morgen zehn Minuten vor Arbeitsbeginn da", fügte sie hinzu, worauf ich sie angrinste und alles in meinem Kopf wiederholte. „Dann sehen wir uns morgen", sie streckte mir wieder die Hand aus, ich nahm sie lächelnd an und schüttelte sie. „Bis morgen und vielen Dank Grace, Sie sind eine Heldin", sagte ich, Grace lächelte unwillkürlich und verschwand im Personalzimmer. Ich dagegen verließ das Hotel, ich winkte Lauren zu, die mich verdutzt ansah, danach lief ich geradezu in die Hitze der Stadt. Ich sprang vor Vorfreude auf und holte mein Handy hervor. Ich speicherte ihre Nummer ein und fuhr mit dem nächsten Bus wieder zurück nach Hause. Während der ganzen Fahrt stellte ich mir schon das Finale der Show vor, wie die Jury laut meinen Namen rief, weil ich gewonnen hatte. Ich grinste die ganze Fahrt lang, wahrscheinlich hielten mich die anderen Fahrgäste für verrückt, aber das war mir egal. Mir konnte gerade nichts und niemand die Laune vermiesen.

Zurück im Apartment kramte ich sofort in meinen Unterlagen. ich selbst hatte sie mir noch nicht richtig angeschaut. Am Freitag war das erste Kennenlernen im Bellagio Hotel, am Samstag war dann die erste Show, daraufhin war die Woche danach ein Pressetermin am Mittwoch, bei dem alle noch teilnehmenden Personen interviewt werden würden, am Samstag stand die zweite Show an. In der dritten Woche gab es zwei Shows, eine mit Publikum und eine ohne, nur für die Künstleragentur. In der vierten Woche hatten wir Pause, um genug Zeit zum üben zu bekommen. Die fünfte und letzte Woche war die wichtigste. Am Donnerstag und Freitag waren die Generalproben, am Samstag würde dann das große Finale vor großem Publikum stattfinden. Ich fotografierte die ganzen Termine und schickte Grace das Bild, etwa eine Stunde später teilte sie mir meine offiziellen Arbeitszeiten mit. Morgen müsste ich erst um 10 Uhr beginnen, dafür arbeitete ich bis 20 Uhr. Zehn Stunden, ich hatte noch nie so lange gearbeitet. Heute war Montag, heute hätte ich normalerweise von 10 Uhr bis 21 Uhr arbeiten müssen, wenn ich einen Tag vorher gekommen wäre. Aufgrund der langen Schichten hatte ich jede Woche drei Tage frei, was ziemlich praktisch war. Ich legte die ganzen Unterlagen sorgfältig auf den Tisch und legte mich mit einem neuen Roman auf mein neues Bett. Entspannt und erleichtert vertiefte ich mich in die tiefsinnigen Worte, die mich in das spannende und prickelnde Leben der jungen Protagonisten entführten.

Kapitel Fünf

Aiden

Genervt verdrehte ich die Augen, als Dean wieder Mal eine Frau am Pool aufriss. Hatte er denn nichts anderes zu tun? Während ich an meinem Drink nippte, bemerkte ich zwei Frauen, die in knappen Bikinis gekleidet waren und demonstrativ an mir vorbeigingen. Ich würdigte ihnen keines Blickes, viel eher kippte ich die ganze brennende Flüssigkeit in meinen Rachen. Ich stellte das leere Glas weg und lehnte mich entspannt zurück. Als ich ein Lachen hörte, öffnete ich verwundert die Augen. Dean faltete einen Zettel, während er zurück zur Sitznische kam. „Du hast echt nichts besser zu tun, oder?", fragte ich ihn und betrachtete sein stolzes Grinsen. „Warum sollte ich auch? Die Ladies liegen mir zu Füßen, jede möchte die Superpower des Deans spüren", prahlte er und faltete den Zettel wieder auf. „Du Angeber, du füllst die wahrscheinlich alle ab, bevor es erst richtig zur Sache kommt", meinte ich und winkte den Barkeeper herbei. „Whiskey, einen doppelten", sagte ich, als er nähergekommen war, er nickte und verschwand wieder hinter der Theke. „Du bist verdammt prüde Mann, was ist nur los mit dir?", fragte er mich, ich sah ihn bloß an, aber antwortete nicht. „Im Ernst mal, wann hast du zuletzt mal so richtig einen weggesteckt? Wahrscheinlich bist du deswegen so angespannt. Du müsstest mal wieder die Sau rauslassen", fuhr er fort, als der Barkeeper das Glas vor mir abstellte, trank ich es in einem Zug leer. Die Erinnerungen wollten wieder an die Oberfläche, aber ich verdrängte sie schnell. Kurz spürte ich das Kribbeln in meinem Brustkorb, aber es hörte sofort auf. „Halt die Klappe", raunte ich und stellte das leere Glas ab. „Reg dich ab man, ich meine es nur gut". Er tippte die Nummer in sein Handy und grinste dann. „Sieh dir mal meinen neusten Fang an, die Kleine wird heute ein heißes Bad in meinem Whirlpool nehmen, das sage ich dir", höhnte er, er zeigte mir das Profilbild der Frau, mit der er eben gesprochen hatte. „Sie sieht doch genauso aus wie alle anderen", murmelte ich, nachdem ich mir das Bild genauer angesehen hatte. Dean verdrehte die Augen, dann lachte er. „Das verdanke ich meinen afroamerikanischen Genen, die Ladies drehen durch", er gestikulierte wild mit seinen Händen, weswegen ich ihn genervt ansah. „Bleib mir bloß weg mit dem Scheiß", sagte ich und stand auf, allerdings drehte sich alles, ich hatte etwas übertrieben mit dem Alkohol. „Du solltest weniger trinken, wir haben nicht Mal 14 Uhr und du bist schon dicht Mann", sagte Dean und stand ebenfalls auf. „Ich werde erst weniger trinken, wenn du weniger Frauen vögelst". Ich ging zum Fahrstuhl, er folgte mir. „Keine Chance Mann, sie lieben den Deanie-Weanie". Dean grinste mich verschmitzt an, während ich ihn sprachlos ansah. „Das hast du gerade nicht wirklich gesagt". Ich drückte auf den Knopf, um den Fahrstuhl zu rufen. Dean lachte nur, er betrat mit mir den Fahrstuhl, als er bei uns hielt. „Du solltest lieber ausnüchtern, El Dorado hat mir gerade eine Nachricht geschickt. Um 18 Uhr gibt es einen kleinen Auftrag", wies Dean mich hin, ich lehnte mich gegen die Wand und nickte bloß. Ich schloss die Augen, bis der Fahrstuhl ganz oben in meinem Penthouse hielt.

Camila

Ich band meine braunen Haare zu einem Pferdeschwanz, die losen Strähnen befestigte ich mit einigen Haarklammern. Dann strich ein über die Schürze, ich betrachtete meine Frisur und mein Gesicht ein letztes Mal im Spiegel, dann verließ ich den Personalraum. Ich hatte meine anderen Kollegen bereits kennengelernt. Es waren sehr viele, ich hatte gar keinen Überblick mehr. Ich erinnerte mich nur an eine Frau, die nur wenige Jahre älter war, sie hieß Louise, sie hatte gleich nach dem College hier angefangen und wollte ganz hoch aufsteigen. Die ersten Stunden verliefen ganz schön ruhig, doch dann trudelten langsam, aber sicher alle Menschen ein. Sie bestellten lauter ausgefallene Gerichte, deren Namen ich nicht mal schreiben konnte, sie tranken so viel, dass sich manche nur kaum auf ihren Stühlen halten konnten. Im Hintergrund liefen entspannte Low Fidelity Musik, die die ganze Stimmung etwas entspannte. Trotzdem lief ich hin und her wie ein verrücktes Huhn, ich schwitzte wie verrückt und merkte, dass mir einige Haarsträhnen ins Gesicht fielen, sie mussten sich wohl aus dem Zopf gelöst haben. Als sich langsam der Abend näherte, betrat ich die Küche, man bat mich den Müll rauszubringen. Ich band den gigantischen schwarzen Müllsack zusammen und schleppte ihn durch die Tür nach draußen. Vor mir sah ich die ganzen Mülltonnen, mit viel Mühe warf ich den Sack ächzend hinein. Als ich plötzlich Stimmen vernahm, versteckte ich mich sofort hinter der Mülltonne. „Mann, der hat geblutet wie ein Schwein beim Metzger", hörte ich jemanden sagen, seine Stimme klang rau, aber irgendwie auch lustig. Mein Körper versteifte sich, als ich realisierte, was ich gerade gehört hatte. „Ja, sonst beseitigt Frank immer die Überreste, jetzt habe ich mir mein neues Shirt ruiniert", sagte eine zweite Stimme, sie klang männlich und ernst. Dann ächzten beide und die Mülltonne neben mir wackelte. Hatten sie gerade... Ich wollte es gar nicht wissen. Ich hielt mir panisch den Mund zu und versuchte nicht zu atmen. „Los, lass uns gehen, ich habe Hunger", sagte die zweite Stimme wieder, während ich panisch von zehn runter zählte. War ich gerade Zeugin eines Mordes geworden? Nein, unmöglich. Doch in mir bildete sich ein heißes Gefühl, es setzte sich in meinem Magen fest. Ich hatte Panik. Die Schritte der beiden Männer entfernten sich von mir und ich entfernte die Hand von meinem Mund, ich fühlte mich ein wenig sicherer. Als ich aber ein quicken hörte, schrie ich unkontrolliert los, eine Ratte rannte unter mir durch. Die Schritte hielten an, dann näherten sie sich wieder. Sofort weitete ich die Augen. Ich verdammte Idiotin! Ich hielt den Atem an, als sich zwei Männer vor mir aufbauten. Sie sahen mich beide an, während ich nichts sagte, ich biss mir auf die Unterlippe und krallte meine Finger in meine Schürze. „Verdammt", zischte der Mann mit der männlichen Stimme, er hatte dunkelbraune kurze Haare, er presste die Zähne zusammen und sah seinen dunkelhäutigen Partner an. Als der dunkelhaarige mich packte und auf die Beine zog, sog ich scharf die Luft ein, ich sah ihn panisch an. Mein Herz klopfte wie verrückt. Er ließ mich los und sah mich fest an. „Was hast du gesehen?", fragte er ernst, sein Partner sah mich ebenso bedrohlich an. „G-Gar nichts! Wirklich! Ich habe gar nichts gesehen!", sprudelte es nur so aus mir heraus, der dunkelhaarige schnaubte. „Klar, du hast hier nur Comics gelesen", scherzte der Partner, ich schüttelte hektisch den Kopf. „Ich habe wirklich nichts gesehen, ich habe es nur gehört, aber ich habe nichts gesehen", gab ich zu, der dunkelhaarige sah seinen Partner an. „Was sollen wir mit ihr machen?", fragte er, sein Partner seufzte und musterte mich. „Wäre eine Schande so eine Schönheit umzulegen, sie kann uns noch viel nützen", raunte er, weswegen ich angewidert das Gesicht verzog. Der Dunkelhaarige atmete hörbar aus, dann trat er einen Schritt näher, er sah sich um, dann blickte er mir genau in meine grünen Augen. Er kam mir so nah, dass ich mein Spiegelbild in seinen haselnussbraunen Augen erkannte. Ich spürte seinen heißen Atem auf meiner Haut. „Du hörst mir jetzt ganz genau zu, Püppchen", fing er an, dann sah er an mir herunter. Er bemerkte mein Zittern. „Wenn du auch nur einer Menschenseele davon erzählst, werde ich dich eiskalt umbringen lassen, hast du mich verstanden?". Er presste den Kiefer zusammen. Ich nickte hastig, ich traute mich gar nicht den Blick abzuwenden. „Sag es", presste er hervor, ich schluckte und sagte: „Ich habe verstanden". Er trat einen Schritt zurück, aber sah mich immer noch so an. Dann sah er seinen Partner an. „Sag mir deinen Namen", forderte er, worauf ich ausatmete und über meine Unterlippe leckte. „Wieso?", fragte ich unsicher, er schmunzelte gespielt und kam einen Schritt näher. „Damit ich weiß, wer uns verpfiffen hat". Ich schüttelte erneut den Kopf, dieses Mal wesentlich ruhiger, aus irgendeinem Grund spürte ich, dass sie mich nicht umbringen würden, denn ich würde nichts verraten. Meine Gedanken waren verräterisch, denn Angst hatte ich trotzdem. So große Angst, alles in mir bebte. „Ich werde keinem etwas sagen", erwiderte ich, doch der Mann trat noch einen Schritt an mich heran, instinktiv trat ich einen Schritt zurück und knallte mit dem Rücken gegen die kahle Wand. Bei dem Aufprall zuckte ich zusammen. „Deinen Namen". Er sah mich wieder so fesselnd an, er würde nicht lockerlassen. Ich spürte seinen heißen Atem auf meiner Haut. „Camila", gab ich zu, ich Idiotin schlug mir innerlich gegen die Stirn, ich hätte nicht die Wahrheit sagen sollen. „Das genügt mir schon", raunte er, wieder spürte ich seinen Atem auf meiner Haut. Nachdem er sich von mir entfernt hatte, warfen mir beide einen letzten warnenden Blick zu, dann verschwanden sie. Das Herz war mir bis in die Hose gerutscht. Ich konnte die restlichen drei Stunden an nichts anderes mehr denken und bestellte mir ein Taxi, um nicht mit dem Bus nach Hause fahren zu müssen. Ich verschloss meine Tür und ließ die Rollläden herunter. Alles in mir war alarmiert. Camila Davis war Zeugin eines Mordes geworden. Eines Mordes, den sie niemals hätte sehen dürfen.

Kapitel Sechs

Ich konnte die ganze Nacht kein Auge zumachen. Ständig sah ich die beiden Mörder vor mir. Was sie dem armen Mann wohl angetan hatten? Plötzlich kamen mir allerlei Mordszenarien in den Sinn. Das half mir nicht gerade Schlaf zu finden. Ich schüttelte sofort den Kopf und setzte mich auf. Unsicher sah ich mich um, immer wieder sah ich diese haselnussbraunen Augen vor mir. Verzweifelt schlug ich mir die Hände vors Gesicht. Ich musste morgen um Neun Uhr anfangen, ich hatte immer noch keine Sekunde geschlafen. Sobald ich mich erinnerte, klopfte mir mein Herz bis in die Beine, ich spürte das aufgeregte Pochen am ganzen Körper. Seufzend nahm ich mein Handy in die Hand, um auf die Uhr zu schauen. Genervt stöhnte ich auf, als ich bemerkte, dass wir schon vier Uhr morgens hatten. Wie sollte ich so nur den ganzen Tag auf den Beinen stehen? Erschöpft und genervt zugleich stand ich auf, ich zog mir meine Hello Kitty Kuschelsocken über, weil meine Füße nachts immer froren. Als nächstes holte ich ein Glas hervor und goss mir etwas Milch ein. Mit meinem Glas setzte ich mich auf das Bett. Würde er mich beobachten? Was, wenn beide mir bis nach Hause gefolgte waren? 

Vielleicht würden sie jeden Moment einbrechen... 

Vielleicht würden sie das gleiche mit mir tun... 

Vielleicht würde ich auch bald sterben...

Ich stand auf und atmete schwer aus. Reiß dich verdammt nochmal zusammen Camila! Du hast schon viel Mist erlebt, das hier ist gar nichts im Gegensatz zu den letzten Jahren. Du bist es gewöhnt, ein Leben in Angst und Unsicherheit zu führen. Du bist stark. Ich beruhigte mich wieder, ich trank das Glas in einem Zug leer, stellte es zurück ins Waschbecken und wischte mir meinen Mund an einer Serviette ab, die ich danach wegschmiss. Bevor ich mich wieder hinlegte, betrat ich das Badezimmer, ich knipste das Licht an und verkniff sofort die Augen. „Oh man", murmelte ich, als ich mein Äußeres betrachtete. So durfte ich bei den Shows auf keinen Fall aussehen. Zum Glück waren genügend Visagisten vor Ort, die sich vor den Shows um die Teilnehmer kümmerten. Ich selbst hatte nämlich so gut wie gar keine Ahnung, wie man diese monströsen Augenringe am besten verdeckte. Ich war nie das typische Mädchen, das den halben Tag vor dem Spiegel verbrachte, um ein möglichst perfektes Erscheinungsbild zu kreieren. Ich war eher das Mädchen, das sich mit einem Buch hinter einem Baum versteckte, um bloß niemanden zu treffen. Nachdem ich meinen menschlichen Bedürfnissen nachgegangen war, wusch ich mir die Hände, ich knipste das Licht wieder aus und legte mich in mein Bett. Atme einfach nur ganz ruhig, sagte ich mir selbst in meinen Gedanken, ich musste mich schließlich irgendwie beruhigen. Atme ein, eins, zwei drei, atme aus, vier, fünf, sechs. Ich wiederholte die Atemübung ein paar Mal, bis mein Herz wieder in einem ruhigen und regelmäßigen Takt schlug. 

Aiden