Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Die menschlichen Eigenschaften,vieltausendfach von Dichtern und Denkern beschrieben, bleiben letztendlich immer gleich. Dennoch gibt es Unterschiede in der Wahrnehmung. Und natürlich in der Auswirkung. Der Erbgockl hat darauf wesentlichen Einfluss, denn er ist der gnadenlose Terminator der reichen Tante Theres´ , die ihren Nachlass unter der Verwandtschaft gerecht verteilt wissen will und sich deshalb eines bauernschlauen Tricks bedient um die ´Spreu vom Weizen` zu trennen, um posthum herauszufinden, wer es verdient Haus, Hof und Vermögen erben zu dürfen.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 64
Veröffentlichungsjahr: 2018
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Til Erwig
Der Erbgockl
Ein ländliches Lustspiel
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
1.AKT / 1. Szene / BAUERNSTUBE / Tag
1. AKT / 2. Szene / BAUERNSTUBE / Tag
1. AKT / 3. Szene / BAUERNSTUBE / Tag
2. AKT / 1. Szene / HEUBODEN / Nacht
2. AKT / 2. Szene / BAUERNSTUBE / Nacht
2. AKT / 3. Szene / HOF und BAUERNSTUBE / Tag
3. Akt / 1. Szene / BAUERNSTUBE und HOF / Tag
3. AKT / 2. Szene / BAUERNSTUBE / Tag
3. AKT /3. Szene / HEUBODEN / Nacht
3. AKT / Schluss Szene / HOF und BAUERNSTUBE / Tag
Impressum neobooks
PERSONEN:
Karl Kaltenbrunner, Lehrkraft an der Grundschule…………..
Rosa, sein resolutes Eheweib…………………………………...
Georg (Schorschi), beider Sohn ……………………………….
Sophie, schöngeistige Hamburgerin……………………………
Anton, Italienkenner und Tenor aus Liebhaberei………………
Onkel Wimmerl, schwerhöriger alter Krauterer………………
Karoline, Tochter vom reichen Bärenwirt.................................
3 Sangesbrüder vom Anton (nur Tonband)……………………
Zechbauer, ein Notar.................................................................
Säblmayr, ein Antiquitätenhändler.............................................
und
Der Gockl
und Heuboden.
Bei noch geschlossenem Vorhang beginnen Antons Sangesbrüder (vom Band) zu singen:
„Leb wohl! So rufen trauernd wir, an deinem ach so frühen Grab, auf blühende Vergissmeinnicht taut eine Träne still herab...“
Der Vorhang hebt sich:
Zur Beerdigung von Tante Therese, der Besitzerin des großen Bauernhofs, ist die ganze Verwandtschaft angereist.
Rosa Kaltenbrunner, Tante Sophie (65) aus dem fernen Hamburg, Onkel Wimmerl (70)
und Georg (Schorschi) 18, der Sohn von Rosa und Karl Kaltenbrunner.
Ein gewaltiges Buffet an der hinteren Wand der Stube dominiert den Raum, darüber hängt - - noch gewaltiger und völlig deplaziert – ein großer Plasmabild Fernseher.
Weit eindrucksvoller - das Porträt einer alten Bäuerin an der rechten Wand: Tante Theres’ lächelt verschmitzt auf die Trauernden herunter, die soeben die Wohnstube betreten, pitschnass die Regenschirme ausschütteln und ihre Mäntel ablegen. Ein etwas chaotisches Hin- und Hergerenne, jeder will jedem behilflich sein (vielleicht aber auch im Gegenteil). Nur der junge Georg ist die Ruhe selbst, trocknet mit liebevoller Gründlichkeit seine Videokamera ab. Wimmerl, tropfnass und ständig niesend, hilft ihm ungeschickt dabei. Darüber singen die Sangesbrüder (vom Band) unbeirrt weiter:
„Dein Leben, ungebeugt voll Kraft, vermisst im Chor der vielen Lieben, verehrt von Leut’ und Landsmannschaft, die achtungsvoll zurückgeblieben.“
Auf dem grossen Buffet hockt der Gockl und kräht so hämisch laut (Tonband) als ob er ein Ei gelegt hätte „Kickeriki“.
Rosa erschrickt zu Tode, wirft dann tapfer ihr großes Schultertuch über den Hahn und trägt
ihn hinaus.
Und weiter singen die Sangesbrüder: „Die Erde decket nun den Leib, die Seele schwebt in Himmelshöhn,drum ruft getrost nicht „Lebe wohl, nein, rufet laut: Auf Wiedersehn!“
Sophie mit Trauerblick zum Porträt der Tante, während sie den Inhalt des Buffets
untersucht: „Ein s-tets treues Mutterherz hat aufgehört zu schlagen.“ Rosa kommt zurück und inspiziert sofort ebenfalls neugierig das Buffet: „Die hod ja no nia Kinda ned g’habt, die Tante Theres’.“
Wimmerl (niest): „Wann gibt’s zum essn? Schbass muass sei, Roserl, sunst kumd koana auf d’Leich.“
Rosa: „Oder er kumd z’schbäd. Wia die zwoa andern. Da bin i g’schbannd auf die Ausredn!“
Sophie: „Außerdem kann man so was auch mal symbolisch meinen, Rosa, nich’? Sie w a runs allen w i eeine Mutter!“
Rosa (wütend) “Eine Beerdigung ohne die eigene Verwandschaft! Da steigt Rauch auf …“
Sie nimmteine Tischdecke aus dem Buffet und entfaltet sie.
Sophie (spitz):“Is’ das nicht dein Geburtstagsgeschenk zum fünfundachtzigsten von der Tante? Handgemacht und fleckenabweisend!“ Ebenfalls fündig geworden holt sie ein paar aufdringlich gemusterte Servietten hervor.
Rosa (bemüht den Hamburger Dialekt von Sophie nachzuäffen): „Und is’ das nich’ dein persönliches S-pezial Angebot aus Hamburch, direkt von der Seidenstraße in China?“
Georg hat inzwischen die Videokamera eingeschaltet und filmt die alten Geburtstagsgeschenke: “Made in Taiwan! Liegt des jetzt aa an der Seidenstraße?“
Rosa: „Sei stad, Schorschi! Am geschenkten Gaul, schaut mer ned ins Maul, gei!“
Georg (grinst): Jedenfalls habt’s ihr ja damit schon a Erbe im Voraus!“
Rosa: „Zwengs am Eabe san mia ned do her kommen, Schorschi.“ Sophie: „Nee, ganz bes-timmt nich’!!“ Wimmerl (niesend):“Naa, nia ned.“ Georg (ironisch):“Bloss z’wengs am Geld!“ Rosa: „Mia wartn auf’n Notar, was der zum sagn hat.“
Georg: „Wann mia eabn, braucht’s den Verkauf von unserer Eigentumswohnung nimmer, sagd der Babba, weil mia nämlich pleite sand.“
Wimmerl: „Wos pleite seids ihr?“
Georg:„Da Gerichtsvollzieher war scho do.“
Rosa (unter Tränen): “Ein ganz ein brutaler Mensch.“
Wimmerl: „Nacha geht’s euch wia mia.Von meiner Rente kann’ i ned lebn und ned steabn.
Wanni as Eabe kriag, nacha kannt’ i … (er niest) Wann i mei Operation ned hätt’ …“
Sophie (treuherzig): “Pleite! Meine Güte, ich würde ja so gern helfen, Rosa, nich’?! Aber im Augenblick s-teht mir selber das Wasser am Hals. Ich hab’ ja grade mein neues Auto bes-tellt für in die Arbeit zu fahrn, nich’?! Mit ´nem büschen Herz und ´nem büschen Erbe könnt’ ich die Raten bezahlen.“
Sie sieht schmachtend hinauf zum Porträt der Tante.
Georg: “A klassisches Familien Drama.“
Rosa: “Mach lieber den Video aus, Schorschi! Mia brauchen kein Drama Fuim ned, und die Tante a nimmer.“
Georg: „Der Tante is’ wurschd ob’s ihr zur Beerdigung da seids – oda ned.“
Rosa: „Eine Sünd’ so was zum sagn!“
Georg (filmt das Porträt der Tante):„I glaub’ ned, dass blöd war, die Theres’. Un der Video bleibt – der Babba hod g’sagt, i soll a Dokumentation machn, genau wia scho am Geburtstag von der Tante selig.“
Wimmerl hat sich nun ebenfalls an den Schubladen des Buffets zu schaffen gemacht und findet sein Geschenk vom letzten Geburtstag der Tante: eine Kiste Zigarren. Er öffnet sie und schnüffelt genussvoll am Inhalt.
Wimmerl: „Ois beinand! Grad schee is. (zum Portrait) Sogar mei Geburtstagskartn hosd aufg’hobn! Brav! (zu Rosa) Da, les amoi, Roserl. I hab mei Bruilln ned auf.“
Rosa (liest): „Leben ohne Sorgen – verrecken tun wir morgen! Alles Gute zum 85. Geburtstag und vor allem Gesundheit wünscht Dir Dein Wimmerl.“
Wimmerl (stolz): Hob i selber dicht’! A Prophezeiung, wia’s jetzt ausschaugt.“
Sophie (empört): „Geschmacklos!“
Rosa: (ebenfalls empört): „An G´schmack hod der no nia ned g´habt, Depp oida.“
Georg: „Des hab´i am Video...“
Wimmerl (zeigt die Zigarrenkiste): Nur eine hat´s g‘ schnalzt, die Theres´!“
Georg: „Die hosd‘ doch selber g´raucht, am Geburtstag von der Tante!“
Wimmerl: „Wos?“
Georg (laut): Selber h a s t d u d i e g e r a u c h t, Onkel!“
Wimmerl: „Ja freili.Habs ja testn müassn, die Qualität-hernach kannt‘ i wieda vui besser hustn!“
Georg: „I habs am Video, dein Hustn. Konserviert für alle Ewigkeit. Wannst wuist kannst as o’schaugn, Onkl, in der Tante ihrem Plasma.“
Rosa: „Ob do was scheens zum o’schaugn is wird sich no rausstellen, Schorschi. Wo bleibt er überhaupts, dei Vadder?“
Sophie: „Und wo bleibt der Anton?“
Wimmerl (kräht): „Und wo bleibt der Notar!“
Lautstark wird an die Tür zum Hof geklopft.
Sophie (flüstert):„Wenn man den Teufel nennt, kommt ers-tets gerennt!“
Wimmerl, Sophie und Rosa rücken näher zusammen und starren gespannt auf die Tür.
Georg öffnet die Tür und bleibt erstarrt stehen. Draussen im Hof wartet Karoline, in einem sexy schwarzenTrauergewand. Sie hält einengroßen Topf mit beiden Händen, ein paar Brezn hängen an einem Band um ihren hübschen Hals.
Karoline (fröhlich): „Do san a paar Weisswürschd. Der Babba hod gsagd, mit am leeren Magn gfreit oam die schönst’ Leich ned.“
Wimmerl: „Mia hamm scho gmoant, der Herr Notar …“
Georg (glotzt verliebt auf Karoline): „Moing, Onkl, moing kimmt er…“
Karoline (zu Wimmerl):Wersd es no derwartn kenna, oder pressiert’s a so mit am Eabe? (zuGeorg) Magsd oane, Schorschi?“
Sie öffnet den Deckel des dampfenden Topfes, aber blitzschnell bedient sich der immer hungrige Wimmerl.
Wimmerl (zuzzelt die Wurst aus): „Mei, des san no Würschd, die spritzn!“
Karoline: „Nacha pack i’s wieda. (zu Georg) Un desHaferl bringsd ma wieda, Schorschi. Aufd’Nacht. Aber ned vergessn, gei?!“
Sie geht mit kessem Schritt hinaus.
Wimmerl: „
