Der Erste Weltkrieg: Vergleich Im Westen nichts Neues - Heeresbericht. - Rüdiger Bernhardt - E-Book

Der Erste Weltkrieg: Vergleich Im Westen nichts Neues - Heeresbericht. E-Book

Rüdiger Bernhardt

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Beschreibung

Der Erste Weltkrieg: Literarische Versuche zur Bewältigung der „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“. - Darstellung und Deutung des Krieges bei Remarque, Im Westen nichts Neues - Vergleich der Romanschlüsse von Remarque und Köppen (Heeresbericht, Zweiter Teil, Siebentes Kapitel): Erzählweise, Figurengestaltung, Bewertung des Krieges. Die Königs Erläuterung Spezial zu Erich Maria Remarque & Edlef Köppen: Der erste Weltkrieg: Vergleich „Im Westen nichts Neues“ - „Heeresbericht“ ist eine verlässliche und bewährte Textanalyse und Interpretationshilfe für Schüler und weiterführende Informationsquelle für Lehrer und andere Interessierte: verständlich, übersichtlich und prägnant. Mithilfe der ausführlichen Inhaltsangabe, Angaben zu Leben und Werk des Autors, Informationen zur Textanalyse und -interpretation sind Schüler fundiert und umfassend vorbereitet auf Abitur, Matura, Klausuren und Referate zu diesem Thema.

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Seitenzahl: 138

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KÖNIGS ERLÄUTERUNGEN SPEZIAL

DER ERSTE WELTKRIEG:

LITERARISCHE VERSUCHE ZUR BEWÄLTIGUNG DER „URKATASTROPHE DES 20. JAHRHUNDERTS“

– Darstellung und Deutung des Krieges bei Remarque, Im Westen nichts Neues

– Vergleich der Romanschlüsse von Remarque und Köppen (Heeresbericht, Zweiter Teil, Siebentes Kapitel): Erzählweise, Figurengestaltung, Bewertung des Krieges

Rüdiger Bernhardt

Über den Autor dieser Erläuterung: Prof. Dr. sc. phil. Rüdiger Bernhardt lehrte neuere und neueste deutsche sowie skandinavische Literatur an Universitäten des In- und Auslandes. Er veröffentlichte u. a. Studien zur Literaturgeschichte und zur Antikerezeption, Monografien zu Henrik Ibsen, Gerhart Hauptmann, August Strindberg und Peter Hille, gab die Werke Ibsens, Peter Hilles, Hermann Conradis und anderer sowie zahlreiche Schulbücher heraus. Von 1994 bis 2008 war er Vorsitzender der Gerhart-Hauptmann-Stiftung Kloster auf Hiddensee. 1999 wurde er in die Leibniz-Sozietät gewählt.

Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlages. Hinweis zu § 52 a UrhG: Die öffentliche Zugänglichmachung eines für den Unterrichtsgebrauch an Schulen bestimmten Werkes ist stets nur mit Einwilligung des Berechtigten zulässig.

1. Auflage 2014 OM0060

ISBN 978-3-8044-1897-4

© 2014 by C. Bange Verlag, 96142 Hollfeld Alle Rechte vorbehalten!

Hinweise zur Bedienung

Inhaltsverzeichnis Das Inhaltsverzeichnis ist vollständig mit dem Inhalt dieses Buches verknüpft. Tippen Sie auf einen Eintrag und Sie gelangen zum entsprechenden Inhalt.

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INHALT

1. Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

2. Zeitgeschichtlicher Hintergrund

2.1 Vorkriegszeit und Erster Weltkrieg

2.2 Weltwirtschaftskrise und das Ende der Weimarer Republik

2.3 Angaben und Erläuterungen zu literarischen Werken über den Ersten Weltkrieg

Literarische Reaktionen auf den Kriegsausbruch

Literarische Auseinandersetzungen mit der Kriegserfahrung um 1929/1930

3. Textanalysen und -interpretationen

3.1 Erich Maria Remarque: Im Westen nichts Neues

3.1.1 Biografie

3.1.2 Entstehung und Quellen

3.1.3 Inhaltsangabe

3.1.4 Darstellung und Deutung des Krieges bei Remarque

3.2 Edlef Köppen: Heeresbericht (unter besonderer Beachtung des Zweiten Teils, Siebentes Kapitel)

3.2.1 Biografie

3.2.2 Entstehung und Quellen

3.2.3 Inhaltsangabe

3.2.4 Darstellung und Deutung des Krieges bei Köppen

4. Vergleichende Interpretation: Vergleich der Romanschlüsse von Remarque und Köppen

5. Rezeption

5.1 Im Westen nichts Neues

5.2 Heeresbericht

5.3 Die letzten Tage der Menschheit

6. Materialien

Literatur

Primärliteratur

Lernhilfen und Kommentare für Schüler

Sekundärliteratur

1.Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

Damit sich der Leser schnell zurechtfindet und das von ihm Gesuchte sofort findet, folgt eine Übersicht:

Im 2. Kapitel werden die zeitlichen Hintergründe für die hier erläuterten literarischen Veröffentlichungen zum Ersten Weltkrieg skizziert:

Der zeitgeschichtliche Hintergrund für die erläuterten Bücher von Erich M. Remarque und Edlef Köppen, aber auch von Ludwig Renn, Arnold Zweig wird gebildet einerseits vom deutschen Kaiserreich und den Jahren des Ersten Weltkriegs (1914–1918); zum anderen von der Erscheinungszeit der Bücher, der Zeit der Weltwirtschaftskrise 1929 und der politisch polarisierten Endzeit der Weimarer Republik, die 1933 von der nationalsozialistischen Diktatur abgelöst wurde. Ausnahmen sind Ernst Jüngers Buch In Stahlgewittern, das bereits 1920 erschien, sowie Karl Kraus‘ Stück Die letzten Tage der Menschheit, das 1919 in der Zeitschrift Die Fackel erschien (Buchausgabe 1922).

Der Erste Weltkrieg hat unterschiedliche metaphorische Bezeichnungen erhalten, vom schlichten „Großen Krieg“ über Arnold Zweigs Titel des sechsbändigen Romanzyklus Der große Krieg der weißen Männer bis zur „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“. Der Kriegsausbruch war die Folge einer brisanten Lage: Zum einen waren um 1900 von Industrieländern, besonders Deutschland, Ansprüche nach einer Neuaufteilung der Welt gestellt worden. Die Masse des Volkes sah dem Krieg zu Beginn erwartungsvoll entgegen; die vorbereitende journalistische Propaganda hatte ihr Werk getan. Allerdings ging die Begeisterung in dem Maße zurück, wie die angekündigten Siege ausblieben und (v. a. an der Westfront) der extrem verlustreiche Stellungskrieg begann. Zum anderen hatten sich zivilisations- bzw. modernekritische Bewegungen in Europa entwickelt (Frühexpressionismus, Futurismus), die den Krieg als Erneuerung betrachteten. Der Erste Weltkrieg brachte eine neuartige, von der Technik abhängige Vernichtung, und er war ein Krieg der technischen Standards der feindlichen Armeen. Der Friede von Versailles (28. Juni 1919) zwischen Deutschland und den Siegerstaaten trat am 10. Januar 1920 in Kraft und hatte, mit den anderen Friedensverträgen, eine Umgestaltung Europas und die Gründung des Völkerbundes 1920 zur Folge.

Die Weimarer Republik entstand als demokratische Republik aus dem verkleinerten deutschen Kaiserreich. Vor allem gegen Ende der Weimarer Republik wurden deutlich revanchistische und reaktionäre Forderungen laut, die Ergebnisse des Ersten Weltkrieges zu korrigieren. Eine neue Sicht auf den Ersten Weltkrieg entstand durch die sozialökonomische Krisensituation von 1929, durch die Weltwirtschaftskrise, mit Massenarbeitslosigkeit, Insolvenzen und sozialem Elend, verbunden mit einer zunehmenden Radikalisierung der politischen Gruppierungen auf beiden Seiten des politischen Spektrums.

Angaben und Erläuterungen zu Werken über den Ersten Weltkrieg:

Mit dem Ersten Weltkrieg beschäftigen sich Tausende von literarischen, autobiografischen und historischen Werken, auf die nur punktuell eingegangen wird. Zwei epische kritische Texte werden ausführlicher betrachtet, die zehn Jahre nach dem Krieg veröffentlicht wurden. Um 1930 erschienen wichtige Antikriegsromane (von E. M. Remarque, Edlef Köppen, Ludwig Renn, Arnold Zweig und anderen). Um sie in den unübersichtlichen Gesamtkomplex einordnen zu können, werden einige andere Werke, auch affirmative wie Jüngers In Stahlgewittern (1920), vergleichend betrachtet.

Das 3. Kapitel liefert Textanalysen und -interpretationen von E. M. Remarques Im Westen nichts Neues und Edlef Köppens Heeresbericht unter dem Aspekt Darstellung und Deutung des Krieges.

Im Westen nichts Neues und Heeresbericht: Entstehung und Quellen:

Nach einem Vorabdruck in der Vossischen Zeitung 1928 erschien Remarques Im Westen nichts Neues 1929 im Propyläen-Verlag. Der Roman wurde ein großer Erfolg. Köppens Heeresbericht erschien 1930 im Horen-Verlag, war literarisch Remarques Roman mindestens ebenbürtig, fand aber kein so großes Publikum mehr, da sich inzwischen die Situation auf dem Buchmarkt durch den Erfolg völkisch-nationalistischer Literatur verändert hatte. In beiden Antikriegsbüchern wurden eigene Erlebnisse bzw. authentische Ereignisse anderer und Dokumente verarbeitet.

Inhalt:

Die beiden Antikriegsromane von Remarque und Köppen behandeln den Stellungskrieg an der Westfront (Frankreich) zwischen 1914 und 1918. Ihre Protagonisten sind anfangs einfache Soldaten, die ihre vermittelten und in der Schule anerzogenen Ideale beim unmittelbaren Erleben des Krieges schnell verlieren und schließlich dem Krieg zum Opfer fallen: Der eine fällt, der andere landet im Irrenhaus. Beide betrachten den Krieg als Verbrechen.

Aufbau:

Es handelt sich in beiden Fällen um Romane in Form fingierter Berichte. Dafür verwenden beide Autoren moderne Gestaltungsmittel wie Rückgriff auf authentische Vorgänge (eigene sowie fremde Erfahrungen), dokumentarisches Material und zeitlich präzise Abläufe. Beide Romane nehmen die technischen Neuerungen des Kriegsgeschehens in großem Umfang auf und versuchen mit spezifischen Mitteln der Sprache das Geschehen zu objektivieren sowie die Technisierung des Krieges sprachlich umzusetzen.

Personenkonstellation:

In beiden Werken wird der Animalisierung und Entfremdung des Menschen durch den Krieg nachdrücklich Aufmerksamkeit geschenkt. Die gutbürgerlich erzogenen und gebildeten jungen Männer, die gerade die Schule hinter sich haben, verlieren im ersten „Trommelfeuer“ ihre ideal erscheinende Weltanschauung, geben ihre bisherige Prägung auf, werden durch den Krieg zu „Menschentieren“ (Remarque, 53) und in der Ekstase des Kampfes zu „gefährliche(n) Tieren“ (Remarque, 103). Ein besonderer Wert des Krieges scheint die Kameradschaft zu sein, die sich außerhalb des Krieges als zweischneidig erweist und von beiden Protagonisten – Bäumer (Remarque) und Reisiger (Köppen) – mit der Ablehnung des Krieges aufgekündigt wird. Dafür bleibt sie bei Ernst Jünger ein heiliges Gut.

Stil und Sprache:

Die Technisierung des Krieges lässt die Menschen zu „Automaten“ werden, die moderne Schlacht bzw. das moderne Schlachtfeld zu einer „Maschine“. Die Animalisierung der Menschen durch den Krieg wirkt sich auch in der Verkümmerung der Sprache aus, die durch einen militärischen Fachwortschatz ergänzt wird. Alliteration und Assonanz helfen, lautliche und rhythmische Vorgänge des Krieges sprachlich umzusetzen und das Chaos des Krieges in eine sprachliche Ordnung der Vernichtung zu zwingen. Andere sprachliche Mittel sind Wiederholungen bis zur Monotonie, das Benutzen der Sprache für rhythmisch strukturierte Vorgänge wie Schießen usw. Ein Höhepunkt ist die Beschreibung des „Schnellfeuers“ bei Remarque und die Bombardierung („Es trommelt“) bei Köppen.

Interpretationsansätze: Bewertung des Krieges bei Remarque und Köppen

Die beiden Autoren wollen nicht nur den Kriegsverlauf dokumentieren, sondern den Krieg als ein zerstörerisches Verbrechen beschreiben, das weit über die eigentlichen Kriegshandlungen hinausgeht: Es wird über Menschen berichtet, die vom Krieg selbst dann „zerstört“ werden, wenn sie, wie bei Köppen, den Krieg überleben. Die Texte entlarven den Krieg als sinnloses Verbrechen und desillusionieren die Vorstellung vom Heldentum. Ihre Grenzen bekommen die Romane dort, wo sie über die genauen Mitteilungen und die dadurch bewirkte Desillusionierung des Krieges hinausgehen und die Ursachen für den Krieg benennen müssten.

Vergleich der Romanschlüsse bei Remarque und Köppen:

Erzählweise, Figurengestaltung, Bewertung des Krieges

In RemarquesIm Westen nichts Neues ist das 12. Kapitel das Schlusskapitel. Neben der Zwölf erscheint zu Beginn des Kapitels eine weitere symbolträchtige Zahl, die Sieben: Bäumer ist „der Letzte von den sieben Mann aus unserer Klasse“ (Remarque, 257). Ziele hat er zu diesem Zeitpunkt keine mehr, und so kann er „ohne Erwartung“ (Remarque, 258) für den Augenblick leben, der ihm als Bestätigung der Sinnlosigkeit kurz vor Kriegsende das Leben nimmt, das aus Sicht der Heeresleitung so bedeutungslos ist, dass sein Tod nicht einmal im Heeresbericht Erwähnung findet.

Das letzte Kapitel von KöppensHeeresbericht, es ist das 7. Kapitel des 2. Teils, ist ähnlich angelegt. Die neue Kriegstechnik triumphiert; Reisiger verzweifelt und stellt sich gegen Kriegsende immer dringlicher die Frage nach dem Warum (vgl. Köppen, 379 ff.).

Beide Werke haben biografische Erlebnisse zur Grundlage (eigene oder, wie größtenteils bei Remarque, fremde). Die Hauptgestalten beider Werke werden vom Krieg entwurzelt und verlieren allen Lebensmut, der Krieg ist die Verwirklichung der Sinnlosigkeit. Beide Romanprotagonisten sind frühe Ausprägungen eines literarischen Typus, der nach dem Zweiten Weltkrieg als Heimkehrer Beckmann in Wolfgang Borcherts Draußen vor der Tür berühmt wurde. Beide Bücher beschreiben faktenreich die zunehmende Technisierung des Krieges; aus dem Kampf der Menschen wird die Schlacht der Maschinen. Menschen verlieren gegenüber der Technik ihren Wert.

In die Interpretationen vergleichend einbezogen werden Ernst Jüngers Haltung zum Krieg und der Vorgang der Heroisierung im „Tagebuch eines Stoßtruppführers“ In Stahlgewittern sowie Karl Kraus‘ Verarbeitung eines umfassenden Abbildes des Krieges, in dem auch das zivile Leben berücksichtigt wurde, in Die letzten Tage der Menschheit.

2.Zeitgeschichtlicher Hintergrund

ZUSAMMENFASSUNG

Der zeitgeschichtliche Hintergrund für die zu erläuternden Bücher von Erich M. Remarque, Edlef Köppen, Karl Kraus, Ludwig Renn, Arnold Zweig und anderen ist ein doppelter:

Zum einen behandeln diese Werke den Ersten Weltkrieg von 1914 bis 1918 und einen Teil der unmittelbaren Vor- und Nachkriegszeit.

Zum anderen erscheinen sie nach 1929, weshalb in die Texte implizit Erfahrungen der Endzeit der Weimarer Republik eingegangen sind (Weltwirtschaftskrise, politische Radikalisierung, Bedrohung durch Nationalsozialismus). Ausnahmen davon stellen die bereits kurz nach Kriegsende erscheinenden Werke von Ernst Jünger und Karl Kraus dar.

Die zur Diskussion stehenden Bücher sind Abbild zweier sehr unterschiedlicher Zeiträume: Es ist zum einen die Zeit des behandelten Themas „Erster Weltkrieg“ von 1914 bis 1918 und zum anderen die der bei Erscheinen der Bücher aktuellen politischen, sozialen und ökonomischen Entwicklungen und Erfahrungen aus der Zeit der Weltwirtschaftskrise 1929 bis zum Zusammenbruch der Weimarer Republik 1933, dem zunehmenden völkischen Drängen nach einer Korrektur der Kriegsergebnisse von 1919 und der Festlegungen des Versailler Friedensvertrages. (Ausnahmen sind Ernst Jüngers In Stahlgewittern und Karl Kraus‘ Die letzten Tage der Menschheit, die bereits kurz nach Kriegsende erschienen und daher nur die Zeit des Ersten Weltkrieges als zeitgeschichtlichen Hintergrund aufweisen.)

2.1Vorkriegszeit und Erster Weltkrieg

ZUSAMMENFASSUNG

Der Erste Weltkrieg hat in der Folge unterschiedliche metaphorische Bezeichnungen erhalten, vom „Großen Krieg“ über Arnold Zweigs Titel des sechsbändigen Romanzyklus Der große Krieg der weißen Männer bis zur „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“.

Der Kriegsausbruch war die Folge einer brisanten politischen Lage (komplexe Bündnissysteme, Aufrüstung), auch waren um 1900 von Industrieländern bzw. Großmächten, besonders von Deutschland, Forderungen nach einer Neuaufteilung der Welt erhoben worden.

Im Deutschen Reich sah die Masse des Volkes dem Krieg erwartungsvoll entgegen; die vorbereitende Propaganda hatte ihr Werk getan. Hinzu kam ein verbreitetes Unbehagen an der Moderne. Auch hatten sich moderne- und zivilisationskritische Avantgardebewegungen in Europa entwickelt (Frühexpressionismus, Futurismus).

Der Erste Weltkrieg führte zu bislang unbekannten Erfahrungen der Vernichtung und Zerstörung: Erstmals wurden Massenvernichtungswaffen (Giftgas) entwickelt und eingesetzt. Es wurde ein Krieg der technischen Standards der feindlichen Armeen.

Der Friede von Versailles (28. Juni 1919) zwischen Deutschland und den Siegerstaaten trat am 10. Januar 1920 in Kraft und hatte mit den anderen Friedensverträgen ein völlig verändertes Europa – drei zerstörte Kaiserreiche, zahlreiche staatliche Neugründungen usw. – und die Gründung des Völkerbundes zur Folge.

Ein Attentat als Anlass zum Krieg

Der Erste Weltkrieg hat verschiedene metaphorische Umschreibungen erhalten, vom schlichten „Großen Krieg“ über Arnold Zweigs Titel des sechsbändigen Romanzyklus Der große Krieg der weißen Männer bis zur „Urkatastrophe des 20.  Jahrhunderts“[1], wie dieser Krieg seit einer Bemerkung des amerikanischen Diplomaten und Historikers George F. Kennan bezeichnet wird. Der Begriff der „Urkatastrophe“ trägt indessen den Vorgang kaum, denn der Krieg kam keineswegs unvermittelt und auch nicht ohne menschliches Zutun über die Welt, sondern die „Katastrophe“ begann als bewusste politische Strategie lange vor 1914. Aber der Erste Weltkrieg wurde später mit Blick auf den folgenden Zweiten Weltkrieg auch als „Auftakt zu einem ‚zweiten Dreißigjährigen Krieg‘“, so der französische Politikwissenschaftler Raymond Aron[2], gedeutet. In der Tat kann auch der Krieg im 17. Jahrhundert als ein Weltkrieg betrachtet werden: „1648 rechnete man acht Millionen Kriegstote bei 12 Millionen Deutschen: 70 Prozent der Gesamtbevölkerung waren umgekommen. 1945 wurden 12 Millionen deutsche Tote gezählt: Das waren weniger als 20 Prozent.“[3]

Wie brach der Weltkrieg, der von 1914 bis 1918 dauerte und als Erster Weltkrieg in die Geschichte einging, aus? Am 28. Juni 1914 wurden der österreichische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau Sophie in Sarajewo von einem serbischen Terroristen ermordet, der von dem nationalistisch-serbischen Geheimbund „Schwarze Hand“ unterstützt wurde. Angeregt hatte die Tat der südslawische Nationalismus, der ein serbisches Großreich mit Kroaten und Slowenen anstrebte. Fast einen Monat später, am 23. Juli, folgte ein Ultimatum Österreichs an Serbien. Gefordert wurde darin die Beteiligung österreichischer Beamter an der Untersuchung des Mordes sowie die Bekämpfung der großserbischen Partei, die auf die Trennung des von der Donaumonarchie annektierten Bosnien-Herzegowinas vom k. u. k.-Kaiserreich zielte. Da Serbien, das sich der Unterstützung des zaristischen Russlands sicher war, darauf nicht wie verlangt einging, erklärte Österreich-Ungarn am 28. Juli 1914 Serbien den Krieg. Der russischen Mobilmachung folgte die deutsche Kriegserklärung vom 1. August. Am 4. August marschierte Deutschland unter Bruch des Völkerrechts in Belgien ein, um gegen Frankreich einen Blitzkrieg zu führen. Es folgten weitere Kriegserklärungen, die sich aus Bündnisverpflichtungen ergaben.

Die Ursachen des Krieges

Die europäischen Mächte hatten unterschiedliche Interessen an einem Krieg, die sich im Lauf der vorangegangenen Jahrzehnte entwickelten:

England wollte seine Kolonialmacht und weltwirtschaftliche Bedeutung erhalten und verteidigen, die Deutschland, das besonders seine Flotte aufgerüstet hatte, bedrohte.

Frankreich war an seinen Gebieten interessiert, die es im Krieg gegen Deutschland 1870/71 verloren hatte (Elsass-Lothringen).

In Russland sollte der unsicher werdenden Innenpolitik, in der es 1905 bereits erste revolutionäre Bestrebungen gegeben hatte, mit außenpolitischen Erfolgen und möglichst territorialen Eroberungen begegnet werden.

Das Vielvölkerreich Österreich-Ungarn wollte teils innenpolitischen Spannungen begegnen, teils seinen Sicherheitsinteressen auf dem Balkan nachkommen, wo mit Serbien nach den Balkankriegen (1912 und 1913) ein regionaler Konkurrent entstanden war.

Das Königreich Serbien war nach den Balkankriegen erstarkt und nationalistisch geprägt und strebte ein vereinigtes Reich aller Serben an, was auch Gebiete Österreich-Ungarns (wie das 1908 von der Donaumonarchie annektierte Bosnien-Herzegowina) einschloss.

Ein besonderes nationalistisches Denken verband sich in Deutschland mit dem Krieg; es zielte auf den Erbfeind Frankreich, an dessen Niederlage 1870 sich die Väter erinnerten und womit sich die Gründung des Deutschen Reiches verband. Ähnliche Höhenflüge vor Augen gaben die Väter ihren Nationalismus an die Söhne weiter. Ein Beispiel dafür bot der seinerzeit erfolgreiche Schriftsteller Richard Voß (1851–1918)[4], der kurz nach Kriegsausbruch in Erinnerung an die bayerischen Erfolge im Krieg von 1870 enthusiastisch dichtete: „Ruhig darf der Kronprinz mit bayerischer Macht / Die Franzosen ein zweites Mal schlagen.“[5] Ein mehr oder weniger stark ausgeprägtes nationalistisches Denken gab es allerdings auch auf Seiten der anderen beteiligten Mächte.