Don Karlos von Friedrich Schiller. Königs Erläuterungen. - Rüdiger Bernhardt - E-Book

Don Karlos von Friedrich Schiller. Königs Erläuterungen. E-Book

Rüdiger Bernhardt

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Königs Erläuterungen – Textanalyse und Interpretation mit ausführlicher Inhaltsangabe und Abituraufgaben In einem Band bieten dir die neuen Königs Erläuterungen alles, was du zur Vorbereitung auf Referat, Klausur, Abitur oder Matura benötigst. Das spart Zeit bei der Vorbereitung! Alle wichtigen Infos zur Interpretation. - von der ausführlichen Inhaltsangabe über Aufbau, Personenkonstellation, Stil und Sprache bis zu Interpretationsansätzen - plus 4 Abituraufgaben mit Musterlösungen und 2 weitere zum kostenlosen Download . sowohl kurz als auch ausführlich. - Die Schnellübersicht fasst alle wesentlichen Infos zu Werk und Autor und Analyse zusammen. - Die Kapitelzusammenfassungen zeigen dir das Wichtigste eines Kapitels im Überblick – ideal auch zum Wiederholen. - Das Stichwortregister ermöglicht dir schnelles Finden wichtiger Textstellen. . und klar strukturiert. - Ein zweifarbiges Layout hilft dir Wesentliches einfacher und schneller zu erfassen. - Die Randspalte mit Schlüsselbegriffen ermöglichen dir eine bessere Orientierung. - Klar strukturierte Schaubilder verdeutlichen dir wichtige Sachverhalte auf einen Blick. . mit vielen zusätzlichen Infos zum kostenlosen Download.

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KÖNIGS ERLÄUTERUNGEN

Band 6

Textanalyse und Interpretation zu

Friedrich Schiller

DON KARLOS

Rüdiger Bernhardt

Alle erforderlichen Infos für Abitur, Matura, Klausur und Referat plus Musteraufgaben mit Lösungsansätzen

Zitierte Ausgaben:  Friedrich Schiller: Don Carlos. Infant von Spanien. Ein dramatisches Gedicht. Husum/Nordsee: Hamburger Lesehefte Verlag, 2008 (Hamburger Leseheft Nr. 80, Heftbearbeitung Kurt Sternelle). Friedrich Schiller: Don Karlos. Infant von Spanien. Ein dramatisches Gedicht. Stuttgart: Reclam, 2001 (RUB Nr. 38). Ergänzungen und Varianten werden zitiert nach: Schillers Werke. Nationalausgabe. (Bibliografie siehe Literaturverzeichnis.) Sigle: ‚NA‘, Band- und Seitenangabe.

Über den Autor dieser Erläuterung: Prof. Dr. sc. phil. Rüdiger Bernhardt lehrte neuere und neueste deutsche sowie skandinavische Literatur an Universitäten des In- und Auslandes. Er veröffentlichte u. a. Studien zur Literaturgeschichte und zur Antikerezeption, Monografien zu Henrik Ibsen, Gerhart Hauptmann, August Strindberg und Peter Hille, gab die Werke Ibsens, Peter Hilles, Hermann Conradis und anderer sowie zahlreiche Schulbücher heraus. Von 1994 bis 2008 war er Vorsitzender der Gerhart-Hauptmann-Stiftung Kloster auf Hiddensee. 1999 wurde er in die Leibniz-Sozietät gewählt.

Hinweis: Die Rechtschreibung wurde der amtlichen Neuregelung angepasst. Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlages. Hinweis zu § 52 a UrhG: Die öffentliche Zugänglichmachung eines für den Unterrichtsgebrauch an Schulen bestimmten Werkes ist stets nur mit Einwilligung des Berechtigten zulässig.

1. Auflage 2014

ISBN: 978-3-8044-6948-8

© 2006, 2014 by Bange Verlag GmbH, 96142 Hollfeld Alle Rechte vorbehalten! Titelabbildung: Don Karlos (August Diehl) und sein Freund Marquis von Posa, Deutsches Schauspielhaus Hamburg 2004 © Cinetext/Creaps

Hinweise zur Bedienung

Inhaltsverzeichnis Das Inhaltsverzeichnis ist vollständig mit dem Inhalt dieses Buches verknüpft. Tippen Sie auf einen Eintrag und Sie gelangen zum entsprechenden Inhalt.

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INHALT

1. Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

2. Friedrich Schiller: Leben und Werk

2.1 Biografie

2.2 Zeitgeschichtlicher Hintergrund

Die Zeit Philipps II. von Spanien

Anachronismen und weitere Abweichungen von der historischen Wirklichkeit

Die Inquisition

Das zeitgenössische Umfeld der Entstehung des Don Karlos

Amerikanischer Unabhängigkeitskrieg und Französische Revolution von 1789

2.3 Angaben und Erläuterungen zu wesentlichen Werken

3. Textanalyse und -Interpretation

3.1 Entstehung und Quellen

Komplizierter Schaffensprozess

Schillers Vorbilder

3.2 Inhaltsangabe

1. Akt

2. Akt

3. Akt

4. Akt

5. Akt

3.3 Aufbau

Aristotelische Form

Handlungsbrüche und Epochenkollisionen

Handlungsstränge und Intrigenspiele

Handlungsorte und Handlungszeit

Vorgeschichte und tragische Konstellationen

Spannungserzeugende Sätze

3.4 Personenkonstellation und Charakteristiken

Philipp II.

Elisabeth von Valois, die Königin,

Don Karlos

Roderich (Rodrigo), Marquis von Posa

Prinzessin von Eboli

Herzog von Alba

Domingo

Der Großinquisitor

3.5 Sachliche und sprachliche Erläuterungen

3.6 Stil und Sprache

3.7 Interpretationsansätze

4. Rezeptionsgeschichte

Uraufführung 1787 und die Reaktion der Zeitgenossen

Philipp- und Karlos-Dramen in der Nachfolge Schillers

Vielfalt der Deutungen, Inszenierungen, Parodien

Don Karlos im Dritten Reich

Wirkung nach 1945

Literarische Wirkungen

5. Materialien

6. Prüfungsaufgaben mit Musterlösungen

Aufgabe 1 ***

Aufgabe 2 ***

Aufgabe 3 *

Aufgabe 4 **

Literatur

Zitierte Ausgaben

Weitere Quellen

Lernhilfen und Kommentare für Schüler

Sekundärliteratur

Filme (Auswahl)

1.Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

Damit sich jeder Leser in diesem Band rasch zurechtfindet und das für ihn Interessante gleich entdeckt, folgt eine Übersicht.

Im zweiten Kapitel wird Friedrich Schillers Leben beschrieben und der zeitgeschichtliche Hintergrund dargestellt:

Friedrich Schiller lebte von 1759 bis 1805. Ein erster dichterischer Erfolg waren Die Räuber (1781).

Schiller gehört neben Goethe zur deutschen Klassik; wesentliche Lebens- und Wirkungsorte wurden Jena und Weimar im Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach.

Ursprünglich Mediziner, wurde Schiller Professor für Philosophie in Jena, wirkte jedoch vorrangig als Historiker. Er schrieb parallel zu Don Karlos die Geschichte des Abfalls der vereinigten Niederlande von der spanischen Regierung (1788).

Das „dramatische Gedicht“ Don Karlos. Infant von Spanien (1787) wurde eines der bedeutendsten politischen Dramen der deutschsprachigen Literatur.

Im 3. Kapitel werden eine Textanalyse und -interpretation geboten.

Don Karlos – Entstehung und Quellen:

Die Arbeit begann 1782 und wurde von mehreren kommentierenden Texten begleitet; das Stück erschien 1787, beschäftigte den Dichter aber bis zu seinem Tod. Am Beispiel einer „hohen“ Familie sollten antifeudale politische Entwicklungen gestaltet und die Inquisition als unmenschlich entlarvt werden. Literarische Vorbilder waren u. a. Lessings Trauerspiel Emilia Galotti und Anton Leisewitz‘ Trauerspiel Julius von Tarent. Eine wichtige Quelle war die „historische Novelle“ des Abbé de Saint-Réal, in der über die Liebe zwischen Karlos und Elisabeth erzählt wird, für die es jedoch keine historischen Belege gibt.

Inhalt:

Der spanische Thronfolger Karlos gesteht dem aus Brüssel kommenden Freund Posa seine Liebe zur Königin Elisabeth, seiner Stiefmutter, die einst seine Braut war, aber aus staatspolitischen Gründen den ungeliebten Philipp, Karlos‘ Vater, heiraten musste. Posa berichtet vom unterdrückten Flandern, das unter den Spaniern leide. König Philipp lehnt unter dem Einfluss des Herzogs Alba Karlos‘ Wunsch ab, das Truppenkommando in Flandern zu übernehmen. Karlos wird durch einen Brief zu einem Rendezvous bestellt, aber nicht von der Königin, wie er annimmt, sondern von einer ihrer Hofdamen, Prinzessin Eboli. Intrigen und seine Liebe zur Stiefmutter verwickeln Karlos in gefährliche Situationen. Posa plant die Rettung Karlos‘, der den Niederländern helfen soll, und bekommt die Unterstützung der Königin. Seine Maßnahmen verwirren jedoch die Betroffenen, besonders Karlos. Um Karlos zu retten, opfert sich Posa durch falsche Selbstbezichtungen und wird erschossen. Bevor Karlos fliehen kann, übergibt Philipp seinen Sohn an die Inquisition.

Chronologie und Schauplätze:

Das „dramatische Gedicht“ spielt 1568, in der Regierungszeit Philipps II., dem Sohn des Kaisers des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation Karl V., unter dem Spanien zur Weltmacht wurde. Es beginnt der Aufstand der Niederländer, der sich achtzig Jahre hinzieht und 1648 zur Selbstständigkeit führt. Stoff, Zeit und Orte werden von weltpolitischen Vorgängen geprägt, in die alle Personen einbezogen werden. Familiäre Intrigen und politische Ereignisse überschneiden sich fortlaufend. Aranjuez, der königliche Sommersitz, und Madrid, 1561 von Philipp II. zur Hauptstadt bestimmt, der königliche Palast und ein Kartäuserkloster (2.14.), sind die Handlungsorte und repräsentieren Privates, Machtpolitisches und Aufständisches.

Aufbau:

Das Stück hat fünf Akte und ist aristotelisch gegliedert; es erfüllt alle Ansprüche an ein klassisches Drama. Doch befinden sich darin mehrere Brüche, die durch die verschiedenen Bearbeitungsstufen entstanden sind. Innerhalb des Dramas nimmt die Eboli-Handlung den Charakter eines selbstständigen Intrigenstücks (ausgelöst durch Brief- und Schlüsselgeheimnisse) an. Um ein „vollkommenes“ Drama zu schaffen, schrieb Schiller das Drama in reimfreien Jamben, behielt aber eine Prosa-Fassung bei.

Personen:

Die Hauptpersonen sind:

Philipp II., 41 Jahre:

König von Spanien und anderer Regionen, auch Herrscher in Übersee,

pflichtbewusst, aber misstrauisch und verschlossen,

unbarmherzig als Herrscher,

wird als Mensch zerrieben, als er seinen Gefühlen folgen will.

Marquis von Posa, 21 Jahre:

Malteserritter und Freund Karlos’,

vertritt aufklärerische Prinzipien und die Regeln der Vernunft,

Freiheitsvorstellungen nach dem Naturrecht,

entspricht den Idealen der Gegenwart Schillers.

Don Karlos, 23 Jahre:

unüberbrückbare Gegensätze zum Vater,

Liebe zur Stiefmutter, die seine ehemalige Braut war,

empfindsam, sensibel, erregbar,

entwickelt antifeudale Vorstellungen für die Machtaus-übung.

Elisabeth von Valois, 23 Jahre:

wird als Vierzehnjährige mit Philipp II. verheiratet,

Philipp betrachtet sie als privates Eigentum,

erfüllt alle Forderungen an die Tugend ihrer Zeit,

politisch interessiert, sozial engagiert.

Prinzessin von Eboli, ca. 28 Jahre:

schön und herrschsüchtig,

lebt sich in der Unmoral ihrer Zeit aus,

wirkt als Intrigantin,

übt Rache als enttäuschte Frau.

Herzog von Alba, ca. 60 Jahre:

stammt aus berühmtem Geschlecht, Feldherr und Staatsmann,

tritt mit fanatischer Strenge für die katholische Kirche ein,

Verbündeter der Inquisition,

agiert mit teuflischem Vernichtungswillen.

Domingo:

Beichtvater des Königs und Vertrauter der Inquisition,

treuer Verbündeter von Alba,

lenkt und leitet die Intrigen,

widerwärtiger Verräter.

Der Großinquisitor, alt, namenlos, blind:

wirkt hinter der Szene,

kaum menschliche Züge, repräsentiert einen Typ,

rücksichtsloser Kampf gegen Andersdenkende,

Personifikation der politischen Macht der katholischen Kirche.

Stil und Sprache Friedrich Schillers:

reimlose Jamben (Blankvers) und Prosa

Bedeutung der Abstrakta und ihre Herkunft aus der Aufklärung

der philosophische Diskurs im 3. Akt, 10. Szene (Audienzszene)

die antithetische Struktur der Äußerungen Philipps und Posas

die Beziehungen zwischen gesprochenem Wort und Regieanmerkung

Mittel der sprachlichen Ironie

Verschiedene Interpretationsansätze bieten sich an:

der politische Charakter des Stücks und seine Intrigen

Inquisition und Verbrechen im Stück

die Stellung des Stücks zwischen Aufklärung, Sturm und Drang und Klassik

das Scheitern aufklärerischer Ideen

Rezeptionsgeschichte:

die zurückhaltende Reaktion der Zeitgenossen

Inszenierungen und Bearbeitungen zu Lebzeiten Schillers

Parodien und weitere Stücke in der Nachfolge (Drama, Oper)

das Stück im Dritten Reich

Inszenierungen nach 1945

2.FRIEDRICH SCHILLER: LEBEN UND WERK

Friedrich Schiller (1759–1805) © Richter/Cinetext

2.1Biografie

JAHR

ORT

EREIGNIS

ALTER

1759

Marbach am Neckar

10. November: Johann Christoph Friedrich Schiller als zweites Kind seiner Eltern geboren. Vater: Johann Kaspar Schiller, Feldscher, Wundarzt, Offizier; Mutter: Elisabeth Dorothea, geb. Kodweiß, Gastwirtstochter. Taufe am 11. 11.

1764/66

Lorch

Die Familie folgt dem Vater in seine Standorte, zieht mehrfach um und wohnt schließlich seit 1764 in Lorch: erster Elementarunterricht, Lateinunterricht.

5/7

1767

Ludwigsburg

Eintritt in die Lateinschule; Ausbildung zum Geistlichen vorgesehen. Besuch der Schule gemeinsam mit Friedrich Wilhelm von Hoven. Schulabschluss 1772; Aufforderung des Herzogs an den Vater, den Sohn auf die Militärische Pflanzschule (Militärakademie) zu entsenden.

8

1773–1780

Stuttgart

16. Januar: Militärische Pflanzschule des Herzogs Karl Eugen von Württemberg (spätere Hohe Karlsschule), anfangs auf der Solitude bei Stuttgart. Uniform, Kasernenleben. Juristische, seit 1776 medizinische Studien. Intensive Lektüre, u. a. Lessing, Goethes Werther und Shakespeare. Mehrfach erkrankt.

13–21

1777

Stuttgart

Erste Szenen der Räuber. Sie erscheinen 1781.

18

1779

Stuttgart

14. Dezember: Stiftungstag der Karlsschule in Anwesenheit Karl Augusts von Sachsen-Weimar-Eisenach, Goethes und des Freiherrn von Dalberg (seit 1778 Intendant des Mannheimer Theaters).

20

1780–1782

Stuttgart

15. Dezember 1780: Regimentsmedikus bei dem verrufenen Grenadierregiment Augé. Militärarzt und Dichter. Hat den Ruf eines Verschwenders.

21–23

1781

Mannheim

Herbst: Besuch bei dem zehn Jahre eingekerkerten Dichter und Publizisten Christian Friedrich Daniel Schubart (1739–1791) auf dem Hohenasperg. 

22

1782

Mannheim

Uraufführung der Räuber am 13. Januar im Beisein Schillers, der sich unerlaubt von Stuttgart entfernt hatte. Ende Mai: Dalberg weist Schiller in einem Gespräch auf die Schriften des Abbé Saint-Réal hin. Schiller schreibt am 15. Juli an Dalberg, dass Karlos vielleicht eines „von den nächsten Sujets“ sei, das er bearbeiten werde (NA 23, 38).

22

Bauerbach

Ankunft am 7. Dezember: Nach Arrest (28. 6.–11. 7.) wegen zweiter unerlaubter Reise nach Mannheim und Verbot des „Komödienschreibens“ durch den Herzog flieht Schiller am 22. 9. als „Dr. Ritter“ mit Andreas Streicher[1] über Mannheim auf das Gut Henriette von Wolzogens. – Bittet am 9. 12. den Bibliothekar Wilhelm Reinwald, seinen späteren Schwager, um die Werke Saint-Réals (NA 23, 55–56).

23

1783

Bauerbach

März/April: Erster Plan zumDom Karlos. Prinz von Spanien. Trauerspiel („Bauerbacher Entwurf“)[2].

23

Mannheim

24. Juli: Plötzliche Abreise nach Mannheim. 1. September–31. August: Theaterdichter bei Dalberg, wenig Gehalt und hohe Ausgaben. Schwer erkrankt.

1784

Mannheim

März: Sieht die Erstaufführung von Leisewitz‘ Julius von Tarent. Mai: Bekanntschaft mit Charlotte von Kalb (1761–1843). Juni: Erste Begegnung mit Charlotte von Lengefeld, seiner späteren Frau. Weiterarbeit amKarlos, Entscheidung für den Vers.

24

27. Dezember: Karl August von Sachsen-Weimar und Eisenach verleiht ihm den Titel „Weimarischer Rat“ nach der Lesung des 1. Aktes vonDom Karlosvor dem Darmstädter Hof.

25

1785

Mannheim

März: Veröffentlichung derRheinischen Thalia(einziges Heft, später als 1. Heft derThaliagezählt). Darin:Dom Karlos(Vorwort, 1. Akt mit 1349 Versen und einigen Prosabemerkungen, vgl. 1. Akt der Ausgabe 1805: 1014 Verse).

25

Leipzig (Gohlis)

April–September: Einladung Christian Gottfried Körners; Arbeit am 2. Akt desKarlos. Juli: Sch. liest Karl Philipp Moritz Szenen vor, der begeistert ist, nachdem er Kabale und Liebe scharf kritisert hatte.

25

1785–1787

Dresden (Loschwitz)

11. September: Wohnung zuerst in Körners Weinberghäuschen, ab Oktober in der Stadt. Körner regelt Schillers Schulden. Freundschaft mit Huber und der Familie Körner. Plan zumAbfall der Niederlande. Arbeit amKarlos, teilweise veröffentlicht in der Thalia.

25–27

1787

Dresden

Februar: Leidenschaft zu Henriette von Arnim, Trennung. Abschluss desDom Karlosin Tharandt und Ende Juni Veröffentlichung.

27

Weimar

Juli: Reise zu Charlotte von Kalb. Bekanntschaft mit Wieland, Herder, Herzogin Anna Amalia u. a. August: Aufenthalt in Jena.

Hamburg

29. August: Uraufführung desKarlosin Hamburg, Regie: Friedrich Ludwig Schröder (spielt auch den Philipp), Johann Philipp Klingmann als Karlos.

Rudolstadt

6. Dezember: Trifft die Schwestern Charlotte von Lengefeld und Karoline von Beulwitz. Es beginnt eine spannungsreiche Dreiergemeinschaft, die lebenslang besteht.

28

1788

Weimar

Januar: Manuskript Geschichte des Abfalls der vereinigten Niederlande von der spanischen Regierung an Göschen.

28

Rudolstadt

7. September: Eine erste Begegnung mit Goethe verläuft distanziert.

Weimar

15. Dezember: Goethe sorgt dafür, dass Schiller auf eine außerordentliche Professur für Philosophie (Geschichte ist besetzt) zu Ostern 1789 in Jena berufen wird. Dankbesuch bei Goethe.

29

1789

Jena

11. Mai: Übersiedlung nach Jena. 26. Mai: erfolgreiche Antrittsvorlesung Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?

29

Bad Lauchstädt/Leipzig

August: Geheim gehaltene Verlobung mit Charlotte von Lengefeld.

Rudolstadt

September/Oktober: einmonatiger Urlaub. Verwirrung, da er beide Schwestern von Lengefeld liebt.

Jena

Vor 24. Dezember: Verleger Göschen schlägt Schiller eine Geschichte des Dreißigjährigen Krieges vor.

30

1790

Jena

3. Januar: Ernennung zum Hofrat des Meininger Hofs.

30

Wenigenjena

22. Februar: Eheschließung mit Charlotte von Lengefeld.

Jena

31. Oktober: Goethe besucht Schiller in Jena; Gespräch über die Philosophie Kants.

1791

Jena

Januar: Ausbrechen der Krankheit Schillers (kruppöse Pneumonie, begleitet von einer trockenen Rippenfellentzündung). An seinem Krankenbett der junge Novalis. Februar: Beginn der Kant-Studien. März: Schiller wird von den Vorlesungsverpflichtungen entbunden.

31

Karlsbad

Juli: Mit Charlotte und Karoline zur Kur.

Erfurt

25. September. Weimarer Schauspieler führenDon Karlosauf.

Weimar

Oktober: FürKarlos-Aufführung plant Schiller Überarbeitung.

Kopenhagen

Dezember: Das Gerücht von Schillers Tod veranlasst den dänischen Schriftsteller Jens Baggesen, beim Herzog Friedrich Christian von Schleswig-Holstein-Augustenburg für Schiller eine Pension für drei Jahre zu erwirken. – Um Weihnachten: Besuch von Novalis.

32

1792

Jena

Fortsetzung der Kant-Studien.

32

Weimar

28. Februar: Erste Aufführung desDon Karlosin Weimar.

Paris

26. August: Schiller wird „Ehrenbürger Frankreichs“ (Diplom erst 1798 erhalten).

1793

Jena

April/Mai: Ende der wenig erfolgreichen Universitätstätigkeit mit einem Kolleg über Ästhetik.

33

Schwaben

Juli: Besuch Baggesens.

Stuttgart

August: Reise mit Charlotte. 14. September: Geburt des ersten Sohnes Karl, drei weitere Kinder folgen. Oktober: Beim Besuch der Karlsschule enthusiastisch gefeiert.

1794

Stuttgart

März: Übersiedlung, umfangreicher gesellschaftlicher Umgang, Freundschaft mit dem Verleger Cotta.

34

Jena

Mai: Rückreise über Würzburg und Meiningen. 14. Mai: Rückkehr. Freundschaft mit Wilhelm von Humboldt und Goethe. In den nächsten Jahren gemeinsame Arbeit (u. a. an den Xenien, am Wallenstein).

1797

Jena

„Balladenjahr“ (Wettstreit mit Goethe).

37/38

1798

Weimar

12. Oktober: Uraufführung: Wallensteins Lager anlässlich der Eröffnung des umgebauten Theaters. Die Einkünfte steigen.

39

1799

Weimar

3. Dezember: Schiller zieht mit Familie nach Weimar.

40

1801

Dresden

August: Reise über Naumburg nach Dresden, Wohnung wiederum im Weinberghaus in Loschwitz.

41

Weimar

20. September: Rückkehr.

1802

Weimar

April: Einzug in das erworbene Haus an der Esplanade (heute: Schiller-Haus).

42

Wien

16. November: Schiller erhält aus Wien das Diplom vom 7. September über den erblichen Adel.

43

1803

Bad Lauch- städt

Aufenthalt 2. bis 14. Juli, wird von Studenten aus Halle und Jena nach der Aufführung der Braut von Messina gefeiert.

43

1804

Berlin

April–Mai: Zahlreiche Besuche. Im Theater jubelnd begrüßt. 13. Mai: Audienz bei Königin Luise, die ihn nach Berlin holen möchte. 17. Mai: Zwanglose Begegnung mit dem Königspaar.

44

Weimar

21. Mai: Rückkehr. Juni: Gibt Gedanken an Berlin auf.

1805

Weimar

1. Mai: Erkrankt an akuter Pneumonie. 9. Mai: Tod. 12. Mai traditionsgemäß zwischen 0 und 1 Uhr: Beisetzung im „Landschaftskassengewölbe“ (Grablege für Standespersonen ohne Erbbegräbnis).

45

1827

Weimar

16. Dezember: Beisetzung in der Fürstengruft.

2.2Zeitgeschichtlicher Hintergrund

ZUSAMMENFASSUNG

Die zeitgeschichtlichen Bezüge ergeben sich aus zwei historischen Epochen:

Das Stück spielt im Jahr 1568 (dem Todesjahr des historischen Infanten[3] Don Carlos) in Spanien während des Goldenen Zeitalters der Regierung Philipps II., der zum Haupt der Gegenreformation wurde und gegen die protestantischen Kräfte in seinem Machtbereich zu Felde zog, besonders gegen die Niederlande und England, und der sich dabei auf die Inquisition stützte.

Der zweite Bezug ergibt sich aus der aktuellen Situation der Entstehungszeit des Stücks am Vorabend der Französischen Revolution von 1789; diese Zeit wird bestimmt vom amerikanischen Unabhängigkeitskampf und der Formulierung der Menschenrechte. Die den Hintergrund bildenden Ereignisse sind typisch für die Ablösung des Absolutismus durch den bürgerlichen Staat.

Die Zeit Philipps II. von Spanien

Kaiser Karl V. hatte wie kein anderer Herrscher seine katholische spanische Macht – man spricht vom Goldenen Zeitalter Spaniens – als kaiserliche Macht auch in Deutschland gefestigt. Das stieß auf den Widerstand der protestantischen deutschen Fürsten und löste Unruhen in den Niederlanden aus, die seit 1516 (als der spätere Kaiser Karl V. aus dem Hause Habsburg als König Karl I. von Spanien den Thron von Kastilien und Aragon bestieg) spanisches Interessengebiet waren. 1555 folgte Philipp II. (1527–1598), der Sohn Karls V., auf den spanischen Thron. Er herrschte mit kriegserfahrenen Heeren unter der Führung bewährter Feldherren (Alba) über Europas mächtigstes Reich, zu dem neben den spanischen die burgundisch-habsburgischen Gebiete, die spanischen Kolonien in Amerika (Neuspanien, Neugranada), italienische Besitzungen (Mailand, Neapel, Sizilien und Sardinien), die Philippinen und auch die Niederlande gehörten. Schillers Philipp beschreibt die Größe seines Reiches mit dem (historisch nicht verbürgten) Satz: „Die Sonne geht in meinem Staat nicht unter.“ (862) Philipp II. wurde durch die von Geistlichen gelenkte Erziehung unbeugsam, starrsinnig und bigott. Er lehnte Rechte für das einfache Volk ab und entwickelte sich zum Haupt der europäischen Gegenreformation. Erfolgreich verteidigte Philipp seine Macht gegen die Türken und schränkte deren Rolle im Mittelmeer ein (1571: Sieg in der Seeschlacht bei Lepanto unter Juan de Austria). Ohne Erfolg blieben jedoch Philipps Versuche, die „Ketzer“ der Reformation zu vernichten und die aufständischen Niederlande niederzuwerfen. Die Niederlande waren zu einem wirtschaftlich blühenden, wohlhabenden Gebiet geworden; die Verwaltungsstruktur war neu und bürgerlich.

Trotz seiner Macht wurde Philipp II. nicht zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gewählt. Er war viermal verheiratet. Aus der ersten Ehe mit Maria von Portugal stammte der Thronfolger Don Karlos. In dritter Ehe war er mit Elisabeth von Valois (1545–1568), der Tochter Heinrichs II. von Frankreich und Katharinas von Medici, vermählt; sie war zuerst Don Karlos als Braut zugedacht. Kurzzeitig minderte die Ehe („Unterpfand zerbrechlicher Verträge / für einen Frieden schändlich hingeschlachtet“, Thalia-Fragment 1785, NA 6, 380) die Spannungen zwischen Spanien und Frankreich. An Philipps Hof bildete sich eine ritualisierte Hofetikette (das spanische Hofzeremoniell) aus, die von europäischen Fürstenhöfen nachgeahmt wurde (Tracht, Mode, Symbole, Ablauf).

Der Aufruhr der Protestanten in den Niederlanden war für Schillers Philipp II. die „Pest / Der Ketzerei“ (892 f.), die nur mit einem „Blutgericht (...) ohne Beispiel“ (899) zu bekämpfen sei. Im Gespräch mit Posa nennt er diesen, der kein „Fürstendiener“ sein will, einen „Protestant(en)“ (3066). Schillers Karlos erinnert an diesen Kampf, in dem „die Alba würgen“ und „Flandern für den Glauben“ (692 f.) blutet. Dabei ging aber die ökonomische Bedeutung Spaniens mehr und mehr an England, Frankreich und die Niederlande über. Einprägsamer Ausdruck für den beginnenden Niedergang Spaniens wurde die Niederlage der Armada, Spaniens riesiger, als unbesiegbar geltender Flotte, vor Englands Küste (1588), die Schiller auf 1568 vorverlegte und in den Don Karlos einbezog.

Don Carlos, der Infant von Spanien, gemalt von Alonso Sánchez Coello (1531–1588) © ullstein bild – IBERFOTO

Anachronismen und weitere Abweichungen von der historischen Wirklichkeit

Der um 20 Jahre vorverlegte Untergang der Armada war nicht Schillers einzige Veränderung der historischen Wirklichkeit im Stück:

Schillers Karlos ist der Gegensatz zum historischen Infanten, der kränklich und geistig behindert war.

Karlos‘ Liebe zur Stiefmutter ist nicht verbürgt.

Alba war im April 1567 in die Niederlande aufgebrochen und konnte 1568 nicht am Hof in Madrid sein.

Karlos wurde seit Januar 1568 von Philipp II. in Gewahrsam gehalten. Die Gründe lagen im aufbegehrenden Charakter des Prinzen, in seiner verwirrten geistigen Konstitution, aber auch in seinem Eintreten für den niederländischen Unabhängigkeitskampf.

Lamoral von Egmont wurde am 5. Juni 1568 in Brüssel hingerichtet, nachdem er bereits 1567 verhaftet worden war. Karlos konnte ihn nicht mehr aufsuchen, wie Posa meint (3487 f.); er starb am 24. Juli 1568 in seiner Haft.

Die Inquisition